Greifswalder Sonne "strahlt" erstmals mit Wasserstoff

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PurpleGecko
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Greifswalder Sonne "strahlt" erstmals mit Wasserstoff

Beitragvon PurpleGecko » 03 Feb 2016, 22:40

Ein Etappenerfolg ist Wissenschaftlern in Greifswald gelungen: Nach gut 12 Jahren Bauzeit wurde heute in der Fusionsanlage Wendelstein 7-X zum ersten Mal ein Wasserstoff-Plasma erzeugt. Dabei wurde Wasserstoff in einen ringförmigen Käfig eingeführt, auf 80 Millionen Grad erhitzt und durch Magnetfelder so in der Schwebe gehalten, dass die Wände des Stellarators nicht berührt wurden. Bereits im Dezember 2015 wurden erfolgreich Helium-Plasmen gezündet. Eine Viertelsekunde Wasserstoff-Plasma. Wozu der Aufwand?

Kernfusion, ein Prozess, der im Prinzip tagtäglich in der Sonne stattfindet, wäre eine saubere und ergiebige Variante, um Strom zu gewinnen: Ein Gramm Brennstoff könnte so viel Energie freisetzen wie elf Tonnen Kohle. Dazu fällt kein radioaktiver Abfall an, der die Umwelt noch Jahrhunderte lang belasten würde. Das Hauptproblem sind bislang die Erzeugung, die Aufrechterhaltung und allgemein die Handhabung des extrem heißem Plasmas. Es ist also noch viel Forschungsarbeit nötig, bis das erste Kraftwerk in den normalen Betrieb gehen kann. Primäres Ziel von Wendelstein 7-X ist es aufzuzeigen, dass auch der sogenannte Stellarator-Typ ebenfalls zum Bau von Fusionkraftwerken geeignet wäre, auch wenn auf absehbare Zeit keine Experimente mit direkter Kernfusion geplant sind.

Mehr Infos gibt's hier: http://www.faz.net/aktuell/wissen/physi ... 59391.html
Wer's physikalischer mag, kommt hier auf seine Kosten: http://www.ipp.mpg.de/de/aktuelles/presse/pi/2016/02_16

Was meint ihr? Soll im Bereich der Kernfusion weiter geforscht werden, oder sind diese Experimente reine Geldverschwendung?
"Und was ist Wahrheit? Dass das Universum im Urknall entstanden ist?"
"Das ist Unfug.(...) Letztlich ist das nichts als Marketing." - Robert Laughlin im SPIEGEL

Greifswalder Sonne "strahlt" erstmals mit Wasserstoff

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timtom
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Re: Greifswalder Sonne "strahlt" erstmals mit Wasserstoff

Beitragvon timtom » 04 Feb 2016, 07:53

Klingt ja super. Waere schoen wenn das praktikabel ist, am besten auch so handlich, dass man es in Raumschiffe einbauen kann. Dann koennte das mit Mission-To-Mars ja was ordentliches werden. Auch wenn es keinen Grund dazu gibt, aber wenn die Menschheit langfristig ueberleben will, sehe ich nur den Weg in den Weltraum zu expandieren.
Vielleicht wirds dann auch irgendwann noch etwas mit dem Warp Antrieb...
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Re: Greifswalder Sonne "strahlt" erstmals mit Wasserstoff

Beitragvon Nairolf1995 » 04 Feb 2016, 14:25

ICh fine die Kernfusion richtig gut.
Eine saubere Möglichkeit, Energie zu erzeugen. Wenn di Forschung sich weiter entwickelt, ist es viellicht bald sogar möglich, aus "allewelt" Gasen wie Sauerstoff oder CO2 die Energie zu erzeugen.

Also auf jeden Fall eine super Variante, ich bin definitiv für die weitere Forschung (auch wenn solche Anlagen ziemlich teuer und aufwendig sind, aber die Investition rentiert sich definitiv!)

Finde es übrigens cool, dass hier die so ein Thema behandelt wird :)

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SimonH
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Re: Greifswalder Sonne "strahlt" erstmals mit Wasserstoff

Beitragvon SimonH » 07 Feb 2016, 11:24

Finde ich auch gut! Sollte auf jeden Fall weiterentwickelt werden. Klar ist das jetzt noch aufwändig, groß und teuer.. Welches System war von Anfang an schon perfekt?
Heute auf der Arbeit wollte ich unbedingt noch was machen, das hab ich dann aber doch vergessen..

Arbeiten.

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Re: Greifswalder Sonne "strahlt" erstmals mit Wasserstoff

Beitragvon linkcable » 07 Mär 2016, 17:27

PurpleGecko hat geschrieben:Dazu fällt kein radioaktiver Abfall an, der die Umwelt noch Jahrhunderte lang belasten würde.

Das stimmt nur bedingt. Auch die Bauteile des Reaktors werden kontaminiert, da der Bennstoff aus Deuterium und dem radioaktiven Isotop Tritium besteht. Jedoch ist diese Kontamination im Gegensatz zu herkömlichen AKW's bei denen die strahlenden Brennstoffe Halbwertszeiten jenseits von gut und böse haben, vernachlässigbar klein. Außerdem kann es zu keinem GAU kommen, da falls das Magnetfeld zusammenbricht die Fusion sofort zum erliegen kommt wenn das Plasma die Wände berührt und sich abkühlt. Ich bin mal gespannt was ITER bringt. Das ist der bislang größte Reaktor der von 35 Nationen in Frankreich seit 2007 gebaut wird. Allerdings nach einem anderen Funktionstyp (Tokamak) als in Greifswald (Stellarator). Man geht ja davon aus, dass es noch mindestens 30-50 Jahre dauern wird bis die Technik soweit ausgereift ist, dass sie eingesetzt werden kann. Aber man muss halt mal klein Anfangen.

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Re: Greifswalder Sonne "strahlt" erstmals mit Wasserstoff

Beitragvon TechBoy96 » 24 Mär 2016, 23:25

WOW, beeindruckend!

Danke fürs posten!

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Re: Greifswalder Sonne "strahlt" erstmals mit Wasserstoff

Beitragvon Regal » 26 Mär 2016, 12:41

PurpleGecko hat geschrieben:Was meint ihr? Soll im Bereich der Kernfusion weiter geforscht werden, oder sind diese Experimente reine Geldverschwendung?


natürlich sollen sie weiter forschen. inzwischen könnte man daran gehen, den natürlichen sonnenreaktor auch in unseren breiten etwas effizienter zu nutzen oder vermehrt und die stromerzeugung mehr lokal und dezentralisiert zu betreiben..

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Re: Greifswalder Sonne "strahlt" erstmals mit Wasserstoff

Beitragvon linkcable » 29 Mär 2016, 00:52

Regal hat geschrieben:natürlich sollen sie weiter forschen. inzwischen könnte man daran gehen, den natürlichen sonnenreaktor auch in unseren breiten etwas effizienter zu nutzen oder vermehrt und die stromerzeugung mehr lokal und dezentralisiert zu betreiben..


Ich glaube da hast du etwas falsch verstanden. Es geht momentan noch gar nicht darum überhaupt Strom zu erzeugen. Im Moment ist man noch weit davon entfernt. Das Ziel ist es irgendwann einmal mehr Energie zu erzeugen als für den Betrieb bzw die Aufrechterhaltung der Fusion benötigt wird. Die Greifswalder Sonne hat allerdings mit Energieerzeugung noch gar nicht zu tun und wird sie auch niemals. Man versucht erstmal die Fusion länger als nur ein paar Sekunden aufrecht zu erhalten, was wirklich schwer ist. Das Plasma in dem die Fusion stattfindet ist mehrere Millionen Grad heiß, eingeschlossen von einem extrem starken Magnetfeld was nur mit Supraleitenden Magneten aufrecht erhalten werden kann, die nur ein paar Grad über dem absoluten Nullpunkt kalt sind. Man steht also noch ganz am Anfang der Forschung und es ist gar nicht gesagt, dass die Technik überhaupt mal beherrschbar ist.
Lokale und dezentrale Stromversorgung ist mit dieser Technik auf jeden Fall eh nicht möglich. Wenn es mal funktioniert, dann nur in großem Maßstab, was aber auch dann keine Rolle spielt. Wirkungsgrad und Abwärme sind nebensächlich bei einer theoretisch (fast) unbegrenzten Energiequelle.

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Re: Greifswalder Sonne "strahlt" erstmals mit Wasserstoff

Beitragvon Regal » 10 Apr 2016, 20:05

man darf doch wohl schon mal in die zukunft denken, auch wenn sie erst planen, wie die beete umgegraben werden sollten.

Re: Greifswalder Sonne "strahlt" erstmals mit Wasserstoff

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