Woher nehme ich die Motivation um weiter zu machen?

Hallo zusammen,

vor gut zwei Jahren habe ich begonnen mich bei meinen Eltern zeitversetzt zu outen. Es ging voll daneben. Eher altmodisch erzogen, fühlte und fühle ich mich teils noch wie von einer Galapagosschildkröte verschluckt und nur mit einem Löffel bewaffnet, um ausbrechen zu können.
Ich habe mir fast alle Klischees geben müssen und mir teilweise ziemlich krasse Beleidigungen und Vorwürfe von meinen Eltern anhören müssen (“Spinnst du?” - “Das kann ich mir bei dir gar nicht vorstellen. So etwas Komisches hat es in unserer Familie noch nie gegeben- so etwas Unormales” - “Du bist doch krank! Geh zu einem Psychater und komme wieder, wenn du normal bist” - “Wage es ja nicht mit [einem anderen Mann] nach Hause zu kommen” - “Dir ist das schwer gefallen- was glaubst du eigentlich, wie es mir geht?!” - “Du hast mir die ganze Woche verdorben. Die ganze Zeit dachte ich immer nur an diesen einen Satz Du machst die ganze Familie kaputt” - “Ich werde dir keine Vorwürfe machen, aber toll finde ich es nicht!”

Es hat mich viel Kraft gekostet das Procedere 2 Mal durchzumachen. Danach habe ich in den Spiegel geschaut und mich gefragt, was das nun gebracht hat für mich? Ich bin schwer enttäuscht von meinen Eltern, den eigentlichen Rückzugspunkt und Fels der Brandung, den jeder hofft zu haben. Von den eigenen Eltern abgewiesen habe ich mich in mich zurückgekehrt.
Wenn ich nicht einmal von meiner Familie Verständnis für meine Outing-Schwierigkeiten und Akzeptanz für die Tatsache an sich hat, woher soll ich dann die Motivation nehmen weiter zu machen, offen udn glücklich leben zu wollen/können, wenn ich schon mit den Repressalien der eigenen Familie kämpfen muss/musste.

Davon abgesehen: Ich weiß nicht, wie ich darüber denken soll. Ich mag meine Eltern an für sich. Sie haben mir viel gegeben udn gezeigt und ich bin ihnen dankbar dafür, was sie aus mir gemacht haben. Kann ich also meine Eltern wirklich hassen, nur weil sie einmal einen richtig großen Fehler gemacht haben…- ich weiß es nicht?!?

Greetz

Naja, ich find ja sich bei seinen Eltern zu outen,
ist das Allerschwierigste. Es gibt leider noch
zu viele Eltern, die Schuldgefühle entwickeln und
Angst haben, selbst als unnormal in der spießbürgerlichen
Gesellschaft zu gelten. Das erzeugt Abwehr.
Homosexualität gilt für viele eben noch als bedenklich.
Ich denke, du selbst hast es in der Hand, sprich mit
deinen Eltern! Auch wenn sie es nicht hören wollen und
verdrängen.
Wie ist es denn bei deinem sonstigen Umfeld, Freunde,
Verwandte? Ich denke, die Eltern und Familie sind
die größte Hürde. Wenn du Freunde hast, die dich
so akzeptieren, wie du bist, dann gibt das Halt und
Motivation. Deine Eltern brauchen Zeit.

ich denke auch, Leute in deinem Alter werden es wohl leichter haben zu akzeptieren - weil sie einfach eine andere Generation sidn und schon damit zu mindest ein bisschen in den Medien aufgewachsen sind und moralisch etwas lockerer sind (natürlich nicht alle)

ich denke du solltest einfach deinen Eltern sagen und klar machen, dass das ein Teil von dir ist, du ja nichts dafür kannst (kannst ja auch nichts für deine Augen oder Haarfarbe) und du es weder ändern kannst noch willst - dass du dir niemals gedacht hast, dass sie so reagieren würden, dass du nicht verstehst wie sie ihr eigenes Kind nicht akzeptieren können, und nicht weiter weißt was du jetzt machen sollst, weil du dich ja nicht zwischen dir selbst und deinen Eltern entscheiden willst - irgendsowas in der Art - klar ist es natürlich, dass wenn sie gegen dich, du irgendwann weg musst, da duch ja ned ein Leben lang selbst verleugenen kannst, vielleicht solltest du das ihnen auch klar machen, dass das einzige was sie auf diese tour erreichen können ist dich zu verletzen, sich selbst fertig machen, und dich vielleicht verlieren

sinnvoll wäre es auf jedne Fall dir Verbündete zu suchen, wie Verwandte oder Freunde deiner Eltern mit denen du dich verstehst und die das verstehen, glaub von Erwachsenen zu Erwachsenen kann man da viel mehr Überzeugungsarbeit leisten

abgesehen davon ist wohl der Rückhalt deiner Freunde eentscheident, ich denke die meisten Outen sich auch aus diesem Grund zuerst bei Freunden (bzw. vor allem Freundinnen, bei denen gehts oft leichter ^^), weil man da einerseits besseres zu erwarten hat und andererseits auch ned so abhängig ist

bzgl. Psychologen, geht doch alle 3 gemeinsam zum Psycologen, der wird eeinen Etlern dann auch erklären, dass es keine Krankheit ist und dementsprechend nicht nötig ist davon zu heieln, geschweige denn es möglich ist - wenn man es von einem mit Dr. Titel hört ist es vielleicht überzeugender

kann natürlich auch sein, dass sie es nie kapieren, das ist schade, aber in so einem Fall kann man nichts machen
wie lange wissen sie es denn schon, kann ja auch wirklich nur am Zeitfaktor hängen

Das hat ein bißchen was von: “Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!”

Gut, Coming-Outs gehen meistens gut, manchmal aber eben nicht. Das ist dann für alle Beteiligten schlecht. Aber das kann man nicht unbedingt voraussehen. Der Klischeeangriff hat ja nur aufgezeigt, wie viel Unwissen bei den Eltern herrscht und vor allem umso mehr Angst. Angst um den Sohn, aber auch Angst um sich selbst, den eigenen Ruf, die klassische Frage, ob man hier oder da Erziehungsfehler begangen hat. Allerdings sind Angst, Furcht und vielleicht auch Wut keine Berechtigungsgrundlage für Beleidigungen! Es scheint oder schien so, das die Eltern völlig unaufgeklärt und unwissend sind. Da wäre es Dein Job, das zu ändern!

Was es für Dich gebracht hat? Es hat Dir ein Selbstverständnis für Dich selbst, Deine Person, Dein Ich und Deine Eigenschaften gegeben. Ein Anerkennen, wer Du bist und was Du willst. Und so ein Weg ist eben manchmal nicht einfach. Hast Du Deinen Eltern gesagt, wie enttäuscht und traurig Du über ihre Reaktionen bist???

Das Coming-Out bei den Eltern gehört dazu, es gehört aber allgemein im Leben dazu! Freunde, Mitschüler, Kollegen etc. Als schwuler Mann gerät man oft in Situationen, in denen es eben genau darum geht: Warum hast Du keine Freundin etc. Das Coming-Out ist so gesehen ein sich wiederholender Prozess.

Ich würde mit ihnen reden, und ihnen einmal klar machen, dass es doch viel schlimmeres gäbe. abgesehen davon, dass bei dieser Sachei m Grunde genommen nichts sclhimmes gibt…
FRag sie doch einfachmal, ob es ihnen lieber wäre, wenn du drogenabhängig wärst, totkrank, oder wenn du tot wärst?
Für die Eltern kann das doch wohl nicht das schlimmste sein…
:frowning:

Hallo zusammen und danke für eure Beiträge!

Ich denke, die Erkenntnis, die mich am härtesten getroffen hat ist, das sie es nicht akzeptieren wollen!! Auch wenn sie “natürlich” nicht wollen, dass ich unglücklich bin würden sie im Zweifelsfall lieber wollen, dass ich mich bis zum Rest ihres Lebens unglücklich mache, bevor sie mich als ihren schwulen Sohn akzeptieren.

Das das keine Entscheidungsfrage ist, macht die Angelegenheit zum Eiertanz.

Ich bin naiv gewesen als ich gedacht habe, dass sie es zwar nicht mit Freude aber prinzipiel mit Akzeptanz aufnehmen würden! Es hat mich hart getroffen und nach dem Outing habe ich mich so tief verletzt und allein gefühlt wie kaum zuvor. Denn wenn die eigene Familie keinen Rückhalt bietet, dann kann ich mich wohl kaum noch Vertrauen und Verlass auf sie haben, oder?!.
Meine Zwickmühle ist das an für sich gute Verhältnis zu meinen Eltern: Ich will den Kontakt eigentlich nicht abbrechen, weil ich sie an für sich mag. Aber ich verzeihe ihnen ihre Reaktion nicht. Und bevor sie mehr oder weniger ernsthaft verlangen mich selbst unglückcih zu machen, werden sie mich aus den Augen verlieren.

Ich bin fertig. Ich bin einfach nur fertig; müde und kraftlos vom Kampf gegen Windmühlen.