Wie der Vater so der Sohn

Hallo alle zusammen,

ich weiß nicht genau, wie ich anfangen soll. Vor etwa 8 Jahren hat sich mein Vater geoutet, was natürlich für alle ein Schock war. Nun ist es so, dass ich selbst schwul bin und ich nicht weiß, wie ich mit der Situation umgehen soll. Ich würde mich gerne outen, aber ich habe Angst, damit alte Wunden bei meiner Familie aufzureißen. Wegen den Reaktionen meiner Familie mache ich mir keine Sorgen, da sie damals bei meinem Vater schon alle sehr verständnisvoll waren und meine Familie generell sehr tolerant ist. Ich mache mir viel mehr Sorgen darüber, dass meine Familie und ich erneut unter den Reaktionen der Außenstehenden leiden müssen. Wir wohnen nämlich sehr ländlich und ihr könnt euch wahrscheinlich denken, wie die sich alle das Maul zerrissen haben. Ich kenne meine Familie und ich weiß, dass es ihr egal wäre, aber es fühlt sich trotzdem so an, als würde ich ihr durch ein Coming Out eine zusätzliche Bürde auferlegen.

Ich hoffe, ihr könnt mein Problem irgendwie verstehen. Ich bin mir sicher, dass solche Situationen sehr selten sind. Deshalb würde es mich interessieren, ob es unter euch welche gibt, bei denen es ähnlich ist wie bei mir.

Viele Grüße,
frommywindow

Hallo frommywindow,

bei dir ist die Situation doch eine andere, oder? War dein Vater verheiratet? Zumindest hatte er Kinder, Familie. Da reagieren Leute selbst heutzutage noch vielfach sehr unschön drauf.

Oder sind die Leute in deinem Dorf generell homophob? Glaubst du, deine Familie kann dadurch besser mit der Situation umgehen, da sie sie schon einmal durchgemacht hat?

Viele Grüße,
Zuri

Die Situation ist natürlich schon eine andere als die von meinem Vater. Mein Dorf ist nicht generell homophob, aber gerade in der Dorfjugend kommt es zum Beispiel an Pfingsten vor, dass beim Bäumepflanzen Spottlieder gesungen werden. Das war bei meinem Vater zum Beispiel der Fall.
Ich mache mir aber vor allem Sorgen über dieses “nicht nur ein Schwuler in der engsten Familie sondern gleich zwei”. Ich befürchte, dass ich dann vielleicht teilweise nicht ernstgenommen werde oder dass meinen Eltern böse nachgeredet wird oder sowas. Wahrscheinlich schaffe ich mir da aber auch Sorgen, wo keine sein müssten…

Du meinst, sie glauben, das liege an der Erziehung, werde vererbt oder du wollest deinem Vater nur nacheifern?

Na ja, Jugendliche sind häufig völlig unreif was das betrifft.

Wie ist dein Vater damals mit der Situation umgegangen? Wie hat er sich geoutet?

Ja, genau das meine ich. Ich weiß, es sollte einem egal sein, was andere über einen denken und sagen, aber so einfach finde ich das nicht. Gerade, wenn eine Familie mit reingezogen wird.

Ich weiß nicht genau, wie er sich geoutet hat. Dafür war ich zu jung. Er hat es mir aber nicht selbst gesagt, sondern meine Mutter. Ich wusste damals auch noch gar nicht wirklich, was das bedeutet. Generell hat er mit mir nie über das Thema gesprochen, es stand dann einfach im Raum.

Ich weiß: Leichter gesagt als getan. Die Sprüche haben oft ihren wahren Kern, aber die Umsetzung ist manchmal schwierig bis unmöglich…

Kannst du deinen Vater vielleicht mal danach fragen? Vielleicht hilft dir das :wink: