Warum ich nicht mehr Schwul sein möchte

Warum hat es mich getroffen? Zufall? Schicksaal? Ist es gut oder schlecht?
Mit diesen Fragen ist die Oberfläche dessen, was in den Köpfen von Menschen, die sich als nicht heterosexuell identifizieren, noch nicht einmal angekratzt.
Haben wir nicht alle schon mal in den Spiegel gesehen und uns mit Augen betrachtet, die nicht unsere Eigenen waren? Mit den Augen eines kritischen „Ichs“? Haben wir uns nicht alle schon mal angesehen und kritisiert, weil wir mit unserer Haut, unserem Körpergewicht oder unserem Haar – oder mit irgendetwas anderem unzufrieden waren? Du selbst bist immer dein größter Kritiker.
Und trotzdem gucken wir uns nicht immer noch, regelmäßig oder ab und zu, gezwungener Maßen oder freiwillig Bilder von „idealen“ Menschen an? Du kannst nicht leugnen, dass all das nichts mit uns macht. Vielleicht tut es das nicht, wenn man nach all der Zeit schon zu betäubt ist, um weiteren Schmerz oder Unsicherheit zu fühlen, oder grundsätzlich eine belastungsfähige Psyche besitzt. Aber in den meisten Fällen integrieren wir Idealvorstellungen von Haut und Haar, von Körper und Kleidungsstil in unser Leben. Natürlich auch von weitaus mehr als den genannten Beispielen. Allerdings würde es zu viel Zeit rauben alle Beispiele aufzuzählen und es ist auch immer eine subjektive Entscheidung, was wir in unser Leben integrieren und was nicht und kann damit nicht als eine bestimmte Regel definiert werden. Oftmals integrieren wir Idealvorstellungen sogar unterbewusst. Das muss nichts Schlimmes sein, aber es kann einen Menschen kaputt machen.
Die künstlich konstruierten Idealvorstellungen unserer Gesellschaft bestimmen auf eine gewisse Weise was „normal“ oder was „im Trend“ ist. Unsere Gesellschaft ist nicht nur leistungsorientiert, sie ist auch schönheitsorientiert. Eine Sache, die sich schon seit langem als „normal“ etabliert hat, ist die Heterosexualität. Das liegt vermutlich primär daran, dass es viel mehr Menschen gibt, die sich als heterosexuell ansehen, als solche, die das nicht tun. Anders gesagt, alles andere hat sich als „nicht normal“ etabliert. Viele Randgruppen, oder allgemein Menschen, die nicht den Idealvorstellungen entsprachen, wurden im zweiten Weltkrieg bekämpft. Vor allem Juden, aber unter anderem auch Homosexuelle oder körperlich oder geistig eingeschränkte Menschen.
Meine Überlegungen bringen mich zu folgender Schlussfolgerung: Ich möchte nicht mehr schwul sein. Oder bisexuell. Oder was auch immer ich bin. Vielleicht gibt es auch keinen Namen dafür und für mich braucht meine Sexualität auch keinen Namen. Menschen, denen ich das gesagt habe, haben mich oft nicht verstanden und dachten vielleicht sogar ich wäre homophob oder depressiv oder hätte ein sehr zertretenes Selbstbewusstsein. Aber das ist nicht gänzlich so. Ich habe ein zertretenes Selbstbewusstsein. Aber das ist okay. Ein kluger Mensch hat einmal gesagt: „Wenn du mit der Schwäche geboren wurdest zu fallen, dann wurdest du auch mit der Stärke geboren aufzustehen“. Mein Selbstbewusstsein ist kein Problem. Es stimmt aber nicht, dass dieser Wunsch homophob gemeint ist. Ich schreibe das hier, weil mich interessiert, was andere dazu denken.
Angefangen damit dass Hetero die Normalität ist. Wer den Film „Love Simon“ gesehen hat, der kann sich vielleicht sehr bildlich vorstellen, was ich jetzt beschreibe:
Warum müssen sich nur Menschen outen, die nicht Heterosexuell sind? Warum müssen sich Heteros nicht outen?
Weil unsere Gesellschaft ganz einfach schon immer von Vorurteilen geprägt war? Weil die nachkommenden Generationen noch weniger Verständnis für Menschen haben, die „anders“ sind?
Das lässt mich dastehen wie ein Pessimist, aber ich habe das Gefühl, Homosexuell zu sein hat vor allem drei Nachteile:

  1. Du wirst niemals „normal“ (entsprechend der gesellschaftlichen Definition) sein, weil es immer Menschen geben wird, die dich angucken als wärst du eines der Tiere im Zoo, wenn du mit einem gleichgeschlechtlichen Partner in der Stadt unterwegs bist. Jemand der, wie diese Tiere, an einem Ort ist, an den er nicht gehört. Überall auf der Welt gibt es Ausschreitungen gegen Menschen aufgrund von beispielsweise ihrer Religion, Hautfarbe oder Sexualität. Solche werden dann zu Sündenböcken, wie z.B. die Menschen jüdischen Glaubens im Nationalsozialismus. Erst kürzlich wurde Corona als Strafe Gottes wegen Homosexueller Menschen proklamiert.
    „Du bist immer noch Du“, heißt es so schön. Aber das stimmt nicht. Du warst nie du. Der Typ, der vermeidlich hetero ist – das bist nicht du. Du bist der, der anderen was vorgemacht hat, um sich nicht outen zu müssen. Wenn Du dich outest, dann bist Du wirklich „Du“ oder? Ich schätze schon. Aber einfacher wird es deswegen noch lange nicht. Es scheint mir, dass sobald ein Heterosexueller Mann einem anderen Heterosexuellen Mann ein Kompliment macht, ein „No homo“ folgen muss. Warum? Weil diese Männer weniger Hirn haben als eine Fliege und Angst haben man würde sie direkt für Schwul halten? Richtig. In sicherlich nicht wenigen Fällen würden sich die ersten Kommentare unter einem solchen Kompliment damit befassen, ob der Typ auf Jungs stehe, wenn er kein „No Homo“ dazu schriebt oder allgemein als heterosexuell bekannt ist. Das soll keine Kritik daran sein, dass sich Menschen dafür interessieren. Aber ich habe mehr und mehr das Gefühl, schwul zu sein sei ein Statussymbol. Ein negativ belastetes.

  2. Ein weiteres Problem ist das Kennenlernen anderer Homosexueller. Als heterosexuelles Mitglied der Gesellschaft kannst Du vergleichsweise einfach durch die Welt gehen, andere heterosexuelle kennen lernen und sicher sein, dass sie ebenfalls heterosexuell sind, da das meistens der Fall ist. Du musst nicht erst fragen, ob jemand auch wirklich hetero ist. Wenn Du als Mann auf einen Mann zugehst, den Du gutaussehend findest, wirst Du unter gewissen Umständen beleidigt und abgewiesen. Du kannst als homosexueller nicht einfach rumlaufen und andere homosexuelle kennenlernen. Bleiben nur noch Internetseiten, auf denen Dir ab und zu sehr zwielichtige Menschen begegnen, die Dinge von Dir wollen, wie das Du ihnen für Geld ins Gesicht spuckst oder Apps wie Tinder, auf denen viele einfach nur auf „Fun“ aus sind. Kann ja cool sein, aber hilfreich zum gescheiten Kennenlernen anderer homosexueller ist es nicht unbedingt. Dann gibt es noch offizielle Partys und Bars in denen man andere Männer kennen lernen kann, aber die sind in der Regel ab 18 und bis dahin hat man unter Umständen seine ganze Jugend mit falschen Geschichten und einsamen Nächten verbracht. Anders gesagt: Jemanden kennen zu lernen ist nicht leicht. Und wer aus Deinem nahen Umfeld homosexuell ist, kannst Du nicht wissen, außer die Person ist geoutet, denn immerhin trägt ja niemand ein Schild auf der Stirn, auf dem die Sexualität der Person steht, wenn diese sich den überhaupt in eine der gängigen Kategorien einordnen lässt.

  3. Der, meines Erachtens nach größte Nachteil ist, dass Du niemals Kinder von ausschließlich Deiner Partnerin beziehungsweise Deinem Partner und Dir großziehen kannst. Du wirst niemals ohne weiteres Deine eigene Familie gründen können. Niemals wirst Du ein Kind im Arm halten können und wissen, dass es das ausschließliche Produkt eurer Liebe ist. Denn es braucht nun mal einen Mann und eine Frau um ein Kind zu zeugen. Und selbst wenn es möglich wäre (ohne in die Genetik eines Menschen eingreifen zu müssen), müsstest Du Deinem Kind eines Tages erklären, warum ihre oder seine Eltern nicht mit euch leben. In manchen Ländern ist es für homosexuelle noch heute verboten eine Ehe einzugehen, geschweige denn ein Kind zu adoptieren. Die Botschaft ist eindeutig.

Sobald Dir bewusst ist, dass du homosexuell bist, oder zumindest nicht heterosexuell bist, behütest du ein Geheimnis, welches du so einfach nicht unbedingt teilen kannst oder willst. Wenn doch – dann bist du mutig. Das ist gut und ich wünschte mehr Menschen hätten diesen Mut, aber manchmal ist es besser so etwas zu verschweigen. Meistens bist Du mehr oder weniger gezwungen anderen etwas vorzumachen und Dir dann eines Tages anzuhören, warum Du es nie früher erzählt hast. In meinem Fall, weil ich viele Nächte meine eigene Existenz verachtet habe. All die Lügen, die Du auftischen musst, um Dich nicht früher outen zu müssen als Du willst – wenn überhaupt. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte es nie getan. Die größte Lüge von allen: Du selbst. Denn Du bist nicht Du, wenn Du anderen weismachst, Du wärst heterosexuell, obwohl Du es nicht bist. Wenn Du mit andern über Frauen oder Männer redest, als würdest Du sie lieben können, so wie andere Männer oder Frauen. Wenn Du mit anderen über die schönsten Mädchen oder Jungen in eurem Kurs oder auf eurer Arbeit oder sonst wo redest, dann bist Du nicht Du. Dann bist du nur eine Maske, die Du aufsetzt, weil Du Angst vor Ausgrenzung oder den Reaktionen anderer auf deine Sexualität hast. Vielleicht zurecht. Der Vergleich mit der Maske wird oft benutzt, beschreibt es aber auch ganz gut.

Ich habe die Maske abgesetzt. Für die meisten Menschen. Und ehrlich gesagt, oft bereue ich es. Ich will einfach nur „normal“ sein. In einer Gesellschaft, in der deine Sexualität über deine soziale Integration und gegebenenfalls deine Zukunft entscheidet, ist normal zu sein ein Privileg. So wie jeder andere. Ich will ein normales Leben führen, meinetwegen sogar ein Leben in Armut, denn man lernt das geringste sehr viel mehr zu schätzen, wenn man nichts hat. Ich will mit Frauen ausgehen wie jeder andere und sie lieben so sehr ich kann. Ich will eine eigene Familie gründen mit Kindern, die nur ihre und meine sind. Es gibt so viele tolle Frauen um mich herum. Besondere Frauen. Ich mag besonders. Klar „normal“ sein ist auf eine gewisse Weise langweilig – jeder sollte so sein, wie er will. Wenn Deine Art Dich für andere „normal“ macht dann ist dem so. Ist ja kein Problem, solang man glücklich ist. Aber es gibt eine Frau, die so besonders ist, dass ich sie auf eine gewisse Weise liebe. Sie teilt die gleichen, sehr seltenen Interessen, sie ist auf die gleiche Weise verrückt, wie ich und sie denkt oft genauso wie ich. Und dennoch weiß ich, dass ich sie niemals so lieben kann, wie ich Männer geliebt habe. Ich kann keine Familie mit ihr gründen, auch wenn ich mich so sehnlich nach einem solchen Leben sehne. Ich kann ihr niemals die Liebe geben, die sie verdient. Und das bricht mir das Herz und entflammt sogleich eine Ablehnung und nicht selten sogar einen Hass darauf, dass ich so bin, wie ich bin.

Warum hat die Natur es nicht ermöglicht, dass zwei Männer oder zwei Frauen ein Kind zeugen können? Vermutlich weil es nicht gewollt ist. Also sind wir nicht gewollt? Sind wir falsch? Sind wir krank? Wenn es einen Gott gibt, warum gestattet er diese Liebe dann nicht, indem er es zwei gleichgeschlechtlichen Körpern erlaubt Kinder zu zeugen? Warum dürfen gleichgeschlechtliche Paare erst seit kurzem und noch lange nicht überall heiraten und warum gibt es so viele christliche Gemeinden, die eine solche Hochzeit nicht durchführen? Niemals können wir durch eine Gesellschaft gehen und stolz sein darauf, wie wir sind. Klar gibt es den Christopher Street Day. Aber warum feiern wir unsere Liebe? Immerhin gibt es ja auch keine Feiern für die heterosexuelle Liebe. Ungeachtet aller Feiern und sonstigen Bemühungen, es gibt ihn weiterhin, den Hass und die Ablehnung. Seit langer, langer Zeit gibt es ihn.

Gleichzeitig scheinen die stereotypischen heterosexuellen Männer unserer Gesellschaft einerseits ein völlig falsches Bild von homosexuellen zu haben und sich andererseits auch nicht dafür zu interessieren, dieses zu berichtigen. Wie oft hat man es sich schon anhören müssen: „Du bist schwul? Ich kenne da jemanden, der auch schwul ist. Wir sollten euch beide verkuppeln“. Die allgemeine heterosexuelle Gesellschaft scheint zu denken, die homosexuellen-community sei eine einzige Inzest-Familie in der jeder jeden kennt und jeder schon mit jedem geschlafen hat. Unfassbarer Bullshit einerseits – traurige Wahrheit andererseits. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung, wenn man fast ausschließlich Apps oder Internetplattformen verwendet, um jemanden kennenzulernen, kennt man sehr schnell sehr viele Menschen der gleichen Randgruppe. Und tatsächlich scheinen viele heutzutage nur noch nach sexueller Befriedigung zu suchen. „Fun“ nennen sie es. „Was suchst du?“, wird man nicht zu selten gefragt. Ja – was suche ich? Vielleicht eine Gesellschaft, in der es kein „normal“ gibt oder eine Gemeinschaft, in der nicht jeder zu einer Wichsvorlage wird. Oder vielleicht einfach nach dieser einen – ganz großen Liebe? Aber wie soll man die finden in einer Gemeinschaft, die auf sexuellen Spaß und unpersönliche Dating-Apps ausgelegt ist? „Wir haben uns über eine App kennen gelernt“ ist nicht, was ich eines Tages erzählen will, wenn es darum geht, wie ich die Liebe meines Lebens gefunden habe. Ich will eine analoge Liebesgeschichte.

Frage: Wenn Du jetzt die Möglichkeit hättest, deine Sexualität zu von homosexuell oder bisexuell zu heterosexuell zu ändern, würdest du es tun? Ich – würde es tun.
Nun eine Variation dieser Frage: Wenn du durch diese Entscheidung all deine Erfahrungen, Handlungen und Freunde oder Bekannte, die mit deiner „alten Sexualität“ in Zusammenhang stehen, verlieren würdest, würdest du dich dann genauso entscheiden? Ich bin durch zu viel gegangen, um diese Frage zu verneinen.

Seit ich sicher weiß, dass ich mich primär in Männer verliebe, ist es ausschließlich eine Belastung gewesen. Ich weiß, ich kann nichts daran ändern. Ich kann nur damit leben, versuchen so glücklich wie möglich zu werden und ein erfülltes Leben zu haben. Das wäre aber auch um einiges einfacher, wenn es Männer, die meinem Typ entsprechen in der Nähe geben würde. Leider verliebe ich mich immer wieder in Männer auf der anderen Seite der Welt, die „scheinbar perfekt“ sind. Doch am Ende ist es nur deprimierend, da es nie etwas wird.

In zu vielen Nächten habe ich mir gewünscht einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen als dass ich es weiter ertragen könnte. Ich will weinen. Ich will Fluten weinen, aber ich kann nicht… ich schaffe es einfach nicht. Ich will meine gesamte Lebensenergie in Tränen vergießen doch mein Körper lässt mich nicht. Ich fühle mich schwach doch mein Körper entscheidet nicht gebrochen genug zu sein, um zu weinen und ich hasse ihn dafür. Es fühlt sich an als wäre ich in einem Raum eingesperrt, der sich mit Wasser füllt. Die Fluten drücken mich an die Wand und ich kann nur schwer atmen. Es fühlt sich an als würde ich jeden Moment ertrinken. Und es tut weh, dass es mich vielleicht nicht einmal stören würde. Ich stelle mir meine Mutter vor, wie sie in mein Zimmer kommt und vor meinem Bett kniet. Weinend. Gelähmt. Und in der Hoffnung, dass ich wieder komme. Die Vorstellung tut so sehr weh, dass sie alles andere verdrängt. Aber ich kann nicht darüber sprechen. Wie willst du jemandem erklären, dass du einen grundlegenden Bestandteil deiner Perönlichkeit verachtest?

Ich will doch einfach nur eine Frau lieben. Ich würde alles wirklich alles tun, um eine Frau so zu lieben wie einen Mann. Es macht mich kaputt. Auf eine Weise, die ich nicht aufhalten kann. Keine Worte der Welt können mich davon befreien. Es ist zu tief verwachsen mit meinem Bewusstsein. Warum schreibe ich das hier dann? Hoffe ich einen Wunderheiler zu finden der mich heterosexuell macht? Schön wär’s. Aber wenn auch nur annähernd die Möglichkeit besteht, dass es klappt, dann will ich es versuchen. Denn die Fluten ersticken mich. Ich muss etwas tun. Irgendwas. Das hier ist nichts weiter als ein verzweifelter Hilfeschrei aus den letzten Atemzügen. Vielleicht finde ich Hilfe. In jedem Fall danke, dass Du bis hierhin gelesen hast.

Bedauerlich, dass du dir soviele gedanken machst, denn wenn ich das so lese, scheinst du weniger freude am leben als ich es von anderen lgbtusw oder hetero leuten kenne. Sicher sind denen solche gedanken nicht unbekannt, aber soweit ich sie einschätzen kann führen sie trotzdem ein normales leben. Und mit normal meine ich eben ein leben mit familie, freunden, uni, job freizeit, als single oder mit partner oder partnern, alles mit den damit einhergehenden talfahrten die jeder mehr oder weniger so hat, egal welche sexuelle orientierung etc man so hat.

Es tut mir wirklich leid, dass du so empfindest. Und ja, schwul/bi zu sein, hat manchmal Nachteile (in manchen Ländern kostet es dich auch das Leben), vor allem den “du kannst Menschen nicht so einfach kennenlernen”-Teil kann ich gut nachvollziehen. Ich kann auch verstehen, dass es manchmal unmöglich ist, gegen homophobe Menschen anzukommen. Du solltest dir aber bewusst machen, dass du niemand Schlechteres bist, nur weil du Männer liebst. Und wenn du unter deinen Mitmenschen/“Freunden” leidest und keinen Safespace hast, um dein wahres Ich rauszulassen, gibt es viele Foren oder Server, ich könnte dir auch ein paar empfehlen. Wenn du wirklich traurig bist und mit Menschen darüber reden möchtest- auch dafür gibt einige Foren. Wenn dir das zu unangenehm ist, kannst du auch mir schreiben, du musst aber natürlich nicht. Lass dir dein Selbstbewusstsein nicht einfach von Idioten kaputt machen. Es gibt viele, die auf deiner Seite sind und mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. We hear you <3

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Hallo lastboy,
Ich kann deine Gedanken, Zweifel und Wünsche schon nachvollziehen. Was ich nach meinen Erfahrungen nicht mehr kann ist dieses Grenzen ziehen. Auch nicht die Grenze zwischen homo- und heterosexuell. Es gibt so viele Grauzonen dazwischen. Das macht es einerseits noch schwieriger, weil man das Gefühl haben kann zwischen ALLEN Stühlen zu sitzen, andererseits kann es aber auch einfacher sein, weil sich nichts ausschließen muss.

Wie ist das denn mit dieser besonderen Frau ? Was würde sie sagen, wenn sie deinen Text lesen könnte ? Vielleicht würde sie dich sehr gut verstehen? Kannst du dir denn sicher sein, dass sie hetero ist und sich eindeutig als Frau definiert ? Vielleicht ist sie so besonders, weil sie auch in der Grauzone ist ? Kann es dann nicht doch funktionieren, vielleicht auf ganz andere Art und Weise wie man überlichweise denkt und trotzdem “normal” im Sinne Familie ?
Hast du schonmal was von girlfags gehört, und wenn nicht, vielleicht magst du dich mal damit befassen ( dort ist Grauzone pur). Aber selbst wenn dir das zu strange ist, könnte es helfen die Zwischtöne zu erkennen.
Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute…open your mind:)

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Hey lastboy,

erst einmal Hut ab zu deiner echt guten Analyse der Heternormativität. Fand ich wirklich sehr lesenswert :slight_smile:

Nein, definitiv nicht. Ich habe kein Problem mit meiner sexuellen Orientierung. Als Bisexueller kann man sich sicherlich vorstellen, mit Frauen Sex zu haben, aber als Schwuler definitiv nicht.

Interessante, aber auch schwierige Frage. Aber ich glaube, ich würde auch diese Frage verneinen. Warum? Ich habe nicht das durchgemacht, was du durchgemacht hast – vielleicht würde ich das dann anders sehen, aber da das nicht so ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass mir das einfacher erscheinen würde. Vielleicht würde ich die Entscheidung bereuen, aber ich würde es andererseits sicherlich auch bereuen, sie nicht getroffen zu haben.
“Freunde, die sich beim Coming-out abwenden, sind sowieso keine Freunde” hört man auch – leichter gesagt als getan, aber so sehe ich das tatsächlich mittlerweile auch. Und das gar nicht (nur) aus einer gewissen Arroganz heraus, sondern weil dadurch ja gerade erst das Problem entsteht, was du beschreibst: Wenn man sich mit Leuten umgibt, die einen nicht akzeptieren und einem das auch auf den Kopf zusagen, und man sich deshalb versteckt, geht es einem natürlich schlecht damit.
Man kommt da nur raus, wenn man sich selbst akzeptiert, sich nicht runtermachen lässt und Grenzen für sich und andere setzt – ich weiß: wieder leichter gesagt als getan und auch von jemandem, der nicht so extrem viel Ablehnung auf dem Gebiet erfahren hat. Aber ich finde, man sollte sich die Frage stellen, ob man sich genau das zutraut und wenn ja, das natürlich auch durchziehen.

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Danke, für Deine Antwort… :’) vielleicht mache ich mir zu viele Gedanken. Glücklicherweise habe ich mit meinen Freunden keine Probleme wegen meiner Sexualität (glaube ich… manchmal fühlt es sich anders an…). Gewissermaßen bedauerlicherweise habe ich bereits mit dem Umsturz meiner Personalität begonnen. Es bereitet mir mehr Schmerzen (teilweise) unglücklich homosexuell als (teilweise) unglücklich heterosexuell zu sein. Bitte nicht falsch verstehen! Ich bin kein generell trauriger Mensch. Im Gegenteil, ich bin trotz allem glücklich. Nur nicht so glücklich wie ich gerne wäre. Mir fehlt einen Person in meinem Leben. In Anbetracht der Tatsache, dass ich hin und wieder heterosexuelle Tendenzen an mir feststelle, habe ich bereits zum Zeitpunkt des Posts beschlossen meine Personalität fundamental umzustürzen und heterosexuell zu sein. Klingt vielleicht absurd, aber es wird mir im Ende weniger Leid bereiten, als alles andere. Sollte ich eines Tages einen Mann kennen lernen, der mich liebt und den ich liebe und sollte ich dann noch fähig sein Männer zu lieben und unliniert sein, so werde ich mich vermutlich darauf einlassen. Aber sollte ich einen Frau gefunden haben, die mich liebt und die ich liebe, werde ich alles daran setzen, diese Liebe zu erhalten. Bis ich mich endgültig als heterosexuell bezeichnen kann werden noch einige schmerzvolle Wochen vergehe, aber es wird mir danach besser gehen als jetzt. Es muss sein. Und sollte ich es nicht mehr aushalten, danke ich dir sehr für dein Angebot und schreibe dir <3

Ja, vielleicht mache ich mir zu viele Gedanken, aber das habe ich schon immer getan… Ich bin auch glücklich. Nur fehlt mir etwas in meinem Leben und ich werde nach aktueller Einschätzung glücklicher mit einer Frau als mit eine Mann :frowning: (siehe Antwort auf “Yumheart”'s Kommentar)

Danke für deine Antwort. Und danke, dass es noch jemand so sieht wie ich! Ich habe es in dem Post nicht erwähnt, aber ich halte auch nichts von Labeln. Für mich gibt es kein “hetero”, “homo”, oder andere Sexualitäten. Das sind nur Begriffe, mit denen wir die grundlegenden Ausrichtungen sexueller Orientierungen innerhalb unserer Gesellschaft bezeichnen und der Einfachheit halber habe ich mich dieser bedient. Ich finde man kann tausend Stufen zwischen hetero und homosexuell fühlen und es können auch immer wieder andere Stufen sein. Vermutlich spüre ich das gerade jetzt besonders stark.

Das mit der Frau, die ich gerne lieben würde ist kompliziert. Ich glaube ich könnte ihr all das, was ich oben beschrieben habe nicht so einfach sagen. Zur Hälfte bin ich auch schon über dieses Dilemma hinweg aber ich werde mich mit dem beschäftigen, was du mir geschrieben hast. ich denke gerade dadurch, dass ich mich selbst nicht mehr als homosexuell, sondern (zunächst) als heterosexuell und im weiteren Sinne als nichts von beidem identifiziere, erweitere ich meinen Horizont in diesem Bereich und ich habe vor es weiter zu tun…

Vielen Dank, es freut mich, wenn dir mein Text hinsichtlich dieser Analyse gefallen hat :slight_smile:

Ich verstehe, dass du deine Sexualität nicht ändern willst. Wenn man zufrieden damit ist, wie man liebt, dann ist dass sicherlich keine schwere Frage.

Du hast vermutlich recht, damit, dass ich es mir selbst etwas schwer gemacht habe. Wobei meine (aktuellen) Freunde auch wahre Freunde sind und sich nie wegen meiner Sexualität von mir abgewandt haben. Es sind auch gerade diese Freunde die mich aktuell besonders “am Leben halten”, während ich für mich selbst entscheide, wer ich sein möchte. Wenn ich fertig bin, wird nicht alles gut sein. Aber besser. Gut genug. Darauf kommt es mir an.

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Dass du gute Freunde hast, die zu dir halten, ist doch schon mal ein wichtiges Fundament :+1:

“Heteronormativität” ist die Antwort. Weil wir “davon ausgehen”, dass andere so sind wie “wir” (= die Mehrheit) und sie damit in eine Schublade stecken. Das hat die Gesellschaft so “perfektioniert”, dass es für manche von ihnen unnormal ist. Ich hab dazu letztens einen interessanten Kurzfilm gesehen. Da spricht in einer Szene der Lehrer über die Geschichte der Homosexualität.

Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied zwischen dir und dem Zootier: Du kannst dich entscheiden, ob du im Zoo sein willst, ob du dich anstarren lassen willst. Ich rede nicht von verstecken, ich rede von nicht bieten lassen.

Glücklicherweise glauben da heutzutage nur noch religiöse Fanatiker dran oder jene, denen das einfach nur gut in den Kram passt.

Ich hatte auch “Angst”, wenn ich “eine” Freundin sage, würden Leute denken, ich hätte “meine” Freundin gesagt. Das hört also nicht auf, nur weil man das Ufer wechselt :wink:

Heteros benutzen auch oder sogar vor allem Tinder. Auch bei Heteros ist das real-life-Kennenlernen zurückgegangen soweit ich weiß.

Ich weiß nicht, was Gott dazu denkt, aber die Natur scheint ja Homosexualität nicht als rein menschliche Angelegenheit erfunden zu haben – kann also schon mal nicht so sadistisch gemeint sein, wie es dem einen oder anderen scheint. Zur religiösen Interpretation gibt es einen anderen sehr sehenswerten Film.

Ich glaube, das geht beispielsweise Veganern nicht anders.

Früher haben Menschen Annoncen in der Zeitung aufgegeben.

Hast du schon mal versucht, dir professionelle Hilfe zu suchen?

Ja, Boypoint – er hat uns ja glücklicherweise gefunden :slight_smile:

Liegt das an der Frau oder ist dir die Gesellschaft wichtiger und die Frau eigentlich nur ein Mittel zum Zweck?

Also ich mache meinen heterosexuellen Freunden Komplimente, ohne dass sie angeekelt wegrennen. Und ebenso machen sie mir Komplimente, ohne dass sie deswegen mit mir ins Bett möchten. Ich umarme meine Freunde. Und noch nie habe ich gehört, dass jemand von ihnen “no homo” sagte. Allerdings denke ich, dass es auf jeden Fall auch auf den soziokulturellen und wirtschaftlichen Hintergrund einer Person ankommt. In Kreisen, die vielleicht etwas privilegierter sind, sind solche Ausdrücke nicht geläufig, zumindest meiner Erfahrung nach. Bei anderen kommt vielleicht gleich “ey Altah ich schwörre ey du bist voll schwul ey wallah”.

Was ich damit sagen möchte: Du kannst dir ab einem bestimmten Zeitpunkt in deinem Leben, meistens nach der Schule, selbst aussuchen, mit was für Leuten du dich umgibst. Wenn du prollige Asis, die hinter jedem lieb gemeinten Kompliment gleich vermuten, du wollest ihnen an die Wäsche, nicht magst, dann suche dir andere Freunde. Ich kann nur sagen, dass es für mich eine der befreiendsten Entscheidungen meines Lebens war, mir Freunde zu suchen, die mich so annehmen, wie ich bin, und bei denen ich nicht jedes Wort dreimal umdrehen muss aus Angst, falsch verstanden zu werden.

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Alles klar, ich hoffe, du findest noch deinen Weg. Und es ist natürlich auch okay, sich nicht festzulegen. Viel Glück dir noch :slight_smile: