Wandel des Herzens

Das klingt doch schon mal nicht schlecht :wink:

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Jaaaaaa, ist ja gut, Ihr habt ja recht :sweat_smile:

Ich hatte einfach eine saufiese Schreibblockade nach der Fertigstellung des letzten Handlungsabschnittes. Ich wusste im Prinzip zwar schon, wie es weiter gehen soll, aber wann immer ich vor dem Bildschirm saß, wollten sich die Tasten einfach nicht bewegen. Nichts ist passiert, alle Gedanken und Gefühle waren weg. Aber das ist jetzt vorbei. Letzte Woche habe ich den neuen Teil an meinen überbeschäftigten Editor gegeben und inzwischen ist alles fertig (auch mein Editor :stuck_out_tongue_winking_eye:).

@Simson: Vielen Dank für die lieben Worte. Gerade bei Fans wie Dir und Zuri tut es mir immer wahnsinnig leid, wenn nix passiert in Sachen Weiterschreiben. Da bin ich schon motiviert, aber das Hirn spielt nicht mit - sehr ärgerlich. Vielen Dank nochmal. Ich bin zuversichtlich, dass die Abstände jetzt wieder wesentlich kürzer werden.
Oh, und nein: Kivans Signatur ist noch völlig intakt :wink:

@Zuri a.k.a. mein Editor des Vertrauens: Soviel Dank kann ich gar nicht ausdrücken, wie ich Dir schuldig bin. Nicht nur knöpfst Du Dir meine Rohfassungen vor und korrigierst sie, nein, Du sorgst auch hinter den Kulissen dafür, dass sich das Rad weiter dreht - auf die eine oder andere Art und Weise. Da bin ich Dir unendlich dankbar dafür :blush:

Stimmt absolut. Aber hier geht es eher um Dramen mit nicht epischem Ausmaß - zumindest nicht in so einem großen Stil :sweat_smile:

Ich bin allmächtig!
** größenwahnsinniges Gelächter. In den Nachbarzellen scheppern die anderen gefangenen Autoren mit ihren Nachtschüsseln an den Gitterstäben. Allgemeine Unruhe breitet sich im Schreibbunker aus.**

Nicht mehr lange, dann erfährst Du es, genauer: in Kapitel 112.

Gut, damit habe ich schnell noch ein bisschen Kommentararbeit betrieben. Im nächsten Post kommt das Jubiläums-Kapitel Nr. 100.

Gis gleich
Arokh

Ich glaube, wir haben das Talent, uns gegenseitig ganz gut fertig zu machen (nicht im Sinne von Streit) :sweat_smile:

Zehn bis zwanzig Lobhymnen würden schon reichen, denke ich … :thinking::stuck_out_tongue_winking_eye:

112 klingt definitiv nach Notfall …

Okay, du bist also Justifar und auch gleichzeitig der Antagonist aus der Musenstoryline. Es ist alles viel schlimmer als gedacht! :scream:

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Credits:
Thomas Gärtner / Alter: 16 / mit Kevin zusammen, weitgehend ungeoutet, vermisst seinen besten Freund
Kevin Leneg (Kivan) / Alter: 15 / Engel in Menschengestalt, beschützt und leitet Thomas, sehr geduldig
Bastian „Basti“ Fierer / Alter: 16 / unglücklich verliebt, Neuanfang am anderen Ende von Deutschland
Thomas‘ Eltern: Vater Heiko (42) / Mutter Anke (40)


Handlungszeitpunkt: Samstag, 30.06.2012 bis Sonntag, 08.07.2012
Handlungsort(e): Altleben (überwiegend)

Was bisher geschah:
Thomas und Basti waren seit ihrer frühesten Kindheit die besten Freunde. Über die Jahre hatte sich für Basti daraus mehr als nur Freundschaft entwickelt – er hatte sich in Thomas wahrhaftig verliebt. Nach endlosem Ringen mit sich und der Ungewissheit, ob Thomas genauso empfinden würde, stellte er fest, dass er zu spät kam, ihm seine Gefühle zu gestehen, denn Thomas’ Herz gehörte bereits Kevin – dem Jungen, welcher erst kurz zuvor in das Leben der Freunde getreten und mit dem Thomas inzwischen auch mehr oder weniger heimlich zusammen war, denn auch Thomas brauchte eine lange Zeit, bevor er sich seinerseits seine Gefühle für einen Jungen eingestehen konnte. Was keiner wusste – und auch nicht wissen durfte: Kevin war in Wirklichkeit ein Engel, dessen eigene spezielle Mission mit Thomas untrennbar zusammen hing.
Erschüttert, enttäuscht und von Justin, einem gefallenen Engel, manipuliert, wollte Basti Suizid begehen, was durch das rechtzeitige Eingreifen von Thomas, der dabei von Bastis Gefühlen erfuhr, verhindert wurde. Um Abstand zu gewinnen nahm Basti eine Lehrstelle in Friedrichshafen an, dem ein zweimonatiges Praktikum mit sofortigem Beginn voraus ging, womit sich die Wege der beiden Freunde für eine lange Zeit trennten.
Eine Ausbildung war Thomas zwar noch nicht sicher. Die Schulzeit lag jedoch nun hinter ihm, während mit Beginn der Sommerferien eine Zeit voller Möglichkeiten, die er mit Kevin gemeinsam verbringen wollte, vor ihm lag.

(100) Sommer

„Du liebst mich nicht!“ Thomas‘ Stimme klang jetzt deutlich verzweifelter.
  „Ich weiß …“, antwortete Kevin. Die Worte kamen hart und trostlos – er versuchte nicht einmal ein Lächeln aufzusetzen, was ohnehin nicht recht passen würde. Seine wunderschönen Augen blickten kalt auf ihn herab. Unmissverständlich fügte er hinzu: „Und es tut mir kein bisschen leid, dass du etwas anderes erwartet hast.“
  „Was soll ich denn jetzt machen?“, fragte Thomas mit bebender Stimme.
  „Loslassen …“
  Und dann fiel er. So weit konnte der Weg nach unten gar nicht sein, doch der Flug kam Thomas wie eine Ewigkeit vor. Und noch während er mit einem merkwürdig unpassenden Gefühl darüber nachdachte, wie sich der Aufprall wohl anfühlen würde, zerschellte sein Körper am Fuß der Staumauer.

Keuchend und in Schweiß gebadet, schreckte Thomas aus dem grausamen Traum erwachend hoch. Er atmete tief durch und sah sich um. Durch das Fenster der Dachschräge fiel fahles Licht, doch der Sonnenaufgang schien noch fern zu sein. Felix lag neben dem Bett auf seinem übergroßen Hundekissen, richtete ein Ohr auf und blickte ihn aus einem halb geöffneten Auge an. Dann zuckte Thomas kurz zusammen, als eine Hand ihn sanft an der Schulter berührte.
  „Hey, ist alles in Ordnung?“, fragte Kevin mit ruhiger, verschlafener Stimme.
  Thomas drehte den Kopf und betrachtete seinen Freund, doch seine Gedanken waren noch nicht ganz im Hier und Jetzt angekommen. Kevins Anblick gab ihm den Halt, den er jetzt brauchte und nach ein paar Atemzügen fühlte er sich wieder wohler. Schließlich sagte er mit gesenkter Stimme: „Es ist nichts. Hab wohl nur schlecht geträumt.“ Dann tat er es Kevin gleich und legte sich wieder hin, das Gesicht dem anderen Jungen zugewandt. Den Arm schob er unter das Kissen und legte seinen Kopf darauf.
  Kevins Hand strich sanft über Thomas‘ Arm. „Versuche, noch ein bisschen zu schlafen“, murmelte er, schon wieder im Halbschlaf versinkend.
  „Kevin?“, flüsterte Thomas.
  „Ja?“
  „Danke, dass du bei mir bist.“
  Kevin öffnete die Augen und schenkte Thomas ein warmes Lächeln. Er streichelte ihm über die Wange und flüsterte voller Zuneigung: „Immer.“

„Na, Jungs, habt ihr gut geschlafen?“, begrüßte sie Thomas‘ Vater, welcher, den Blick auf die aufgeschlagene Zeitung geheftet, am gedeckten Frühstückstisch saß.
  „Dass ich euch vor zehn hier sehe, lässt mich daran zweifeln, dass unsere Uhren richtig gehen“, neckte Thomas‘ Mutter ihn.
  Kevin grinste nur, während Thomas langgezogen erwiderte: „Ha ha, sehr witzig, Mum.“ Die Jungs setzten sich zu den beiden Erwachsenen an den Tisch, nachdem Thomas für sie beide Geschirr geholt hatte. Draußen hatte es in den frühen Morgenstunden angefangen zu regnen, daher war es weniger hell in der Küche, als in den letzten, von Sonnenschein dominierten Tagen. „Ich wäre ja auch lieber liegen geblieben, aber Kevin konnte nicht mehr schlafen, also war Aufstehen nur fair ihm gegenüber.“
  Hinter der Zeitung verborgen murmelte Thomas‘ Vater mehrdeutig: „Wäre Kevin ein Mädel, hätten wir euch sicher noch nicht hier unten begrüßen können.“
  „Heiko!“, fuhr Thomas‘ Mutter ihren Mann gespielt empört an.
  Der lachte jedoch nur leise und schaute nicht einmal hinter seiner Zeitung hervor. „War doch nur Spaß. Die Jungs können damit umgehen, stimmt‘s?“
  Thomas blickte verlegen und errötend auf seinen Teller, während Kevin heiter lachte.
  „Na sowas“, staunte Thomas‘ Vater unvermittelt. „Hier steht, drüben in den Termbergen ist eine alte Berghütte in die Luft geflogen. Die Explosion ließ angeblich nichts von dem Bau übrig und hat sogar die umliegenden Bäume in Mitleidenschaft gezogen. Tze, was haben die denn in einer Wanderhütte gelagert gehabt, dass da nichts, als ein Krater bleibt? Sehr merkwürdig.“
  Während Kevin schweigend vor sich hin stierte, staunte Thomas laut: „Krass – und das hier bei uns um die Ecke.“ Die Termberge waren eine überschaubare Kette kleinerer Berge, die sich zwischen den Flüssen Tierne und Laas von West nach Ost über knapp zehn Kilometer erstreckte. Es ließ sich dort sehr gut wandern, da die Pfade ordentlich erschlossen waren. Etwa in der Mitte des bergigen Gebietes gab es einen kleinen Thermal-See, welcher über das östlich gelegene Aschefelden ganz gut zu erreichen war. Und am Westausläufer stand die Ruine der Tiernburg, wo Thomas und Kevin vor Kurzem auf dem vorgelagerten Plateau den wunderschönen Sonnenuntergang genossen. „Was denkst du, was da passiert ist?“, fragte Thomas seinen Sitznachbarn.
  Kevin zuckte zusammen, als hätte man ihn plötzlich aus seinen Gedanken gerissen. „Hm?“, gab er als Antwort.
  „Die Explosion. Was das wohl war?“
  „Keine Ahnung“, erwiderte Kevin schulterzuckend. „Hauptsache, es wurde niemand verletzt.“
  „Es deutet zumindest nichts darauf hin, dass jemand zu dem Zeitpunkt zugegen war“, berichtete Thomas‘ Vater weiter.

Später saßen die beiden Freunde auf Thomas‘ Zimmer und überlegten, was sie machen könnten. Der Regen hatte sich scheinbar entschlossen, zum Dauergast des Tages zu werden und Thomas‘ Gemüt war ebenfalls wieder schwerer geworden. Selbst Felix hatte nicht wirklich Lust, vor die Tür zu gehen.
  „Wie lange kannst du eigentlich bleiben?“, fragte Thomas.
  „Solange du möchtest“, erwiderte Kevin strahlend.
  Thomas warf ihm einen zweifelnden Blick zu. „Aber deine Eltern werden dich irgendwann auch mal wieder zu Gesicht bekommen wollen.“
  Kevin winkte ab. „Die sind gerade eh nicht daheim.“
  Mit hochgehobener Augenbraue meinte Thomas: „Ich habe das Gefühl, das sind sie die wenigste Zeit.“
  „Oh, nein, der Eindruck täuscht“, versuchte Kevin schnell, ein unliebsames Bild zu vermeiden. „Zurzeit sind sie allerdings oft unterwegs.“ Er beobachtete, wie Thomas reagieren würde. Der nahm das aber nur einfach hin. So fügte Kevin noch hinzu: „Und außerdem wissen sie über uns ja Bescheid und haben kein Problem damit, wenn ich länger bei dir bin.“
  „Ja, deine Eltern wissen Bescheid …“ Das Wort „Bescheid“ betonte Thomas deutlich und mit einer gewissen Schwermut in der Stimme.
  „Was meinst du?“, fragte Kevin vorsichtig.
  „Ist jetzt nicht so wichtig“, wiegelte Thomas ab.
  Kevin war zwar nicht überzeugt, beschloss aber, es vorerst dabei zu belassen. „Wie du meinst“, sagte er lediglich dazu.
  Den Rest des Tages, welcher sich durch beständigen Dauerregen auszeichnete, verbrachten sie – bis auf eine kurze Gassi-Runde mit Felix – in Thomas‘ Zimmer. Thomas schämte sich zwar ein bisschen, dass er aus seiner miesen Stimmung nicht so richtig herauskam, doch Kevin beschwerte sich nicht und ließ ihm die Zeit, die er brauchte.

Der Sonntag fing nicht besser an, als der Tag zuvor. Erneut hatte Thomas schlecht geschlafen und war mehrmals in der Nacht aufgewacht. Dem Wetter gleich kommenden trüben Gedanken hinterherhängend verstrich die Zeit, bis Kevin sich ein Herz fasste und beschloss, Thomas einen kleinen Schubs in die richtige Richtung zu geben. Sie lagen gerade auf dem Bett und hörten leise Musik, als es Kevin der richtige Moment zu sein schien. „Tommy?“, begann er.
  Thomas lag mit geschlossenen Augen neben ihm. „Hm?“, gab er von sich, doch seine Gedanken überschlugen sich. Oh nein, jetzt hat er genug! Ich meine, ich kann’s ja verstehen. Ich hab ja selber genug von meinem sinnlosen Trübsal blasen. Dass er überhaupt noch hier ist, zeichnet ihn schon aus.
  „Hast du Angst davor, es deinen Eltern zu erzählen … das mit uns?“
  Thomas zuckte unmerklich zusammen und wandte seinen Kopf zu seinem Freund, der ihn direkt ansah. Sinnlos, sich dumm zu stellen. Diese Augen erkennen alles. Und ich will ja auch gar nix vor ihm verbergen. „Du meinst wegen gestern – wegen dem, was mein Dad gesagt hat: die Sache mit Wenn-Kevin-ein-Mädchen-wäre.“
  Kevin nickte leicht. „Du wirktest sehr … verlegen … unsicher. Hast du Angst? Setzt dich das unter Druck?“
  Thomas biss sich auf die Unterlippe und sah wieder zur Zimmerdecke. „Weißt du, ich beneide dich. Deine Eltern wissen, was du fühlst und für dich war es auch keine große Sache, ihnen das mitzuteilen. Wenn ich daran denke, wie ich das meinen Eltern beibringen soll … Ich wünschte, ich wäre so selbstsicher wie du!“ Thomas lag ermattet und ausgestreckt auf dem Bett, während Kevin ihm mitfühlend über den Arm strich. Mit gesenkter Stimme fuhr Thomas fort: „Ich habe gerade erst Basti verloren. Ich will nicht auch noch meine Eltern vergraulen.“
  Da ließ Kevin ihn los, richtete sich halb auf und blickte sein Gegenüber forschend an. Schließlich sagte er: „Tom, schätzt du deine Eltern wirklich so ein, dass sie ein Problem damit hätten? Ich glaube das nämlich nicht. Ich habe jetzt schon einige Zeit bei dir daheim zugebracht und kann fühlen, dass sie dich lieben – egal, was kommen mag.“
  „Sicher tun sie das, aber … Ich weiß nicht.“ Thomas fühlte sich in alten und gewohnten Denkmustern gefangen.
  „Davon einmal abgesehen hast du Basti nicht verloren. Er ist ja nicht tot“, fuhr Kevin eindringlich fort.
  Jetzt sah Thomas seinen Freund ebenfalls an und in seinem Bauch entstand ein Gefühl, dass er nicht mochte. „Er wäre es aber fast gewesen, und daran bin ich nicht unschuldig!“ Seine Stimme war lauter, als er es beabsichtigt hatte.
  „Das ist Unsinn. Und wenn du ehrlich bist, weißt du das auch. Ich sagte es dir schon und daran ändert sich nichts: Es ist nicht deine Schuld – mehr noch: Es ist niemandes Schuld. Du könntest es auch von der anderen Seite betrachten: Vielleicht hast du sogar Bastis Leben gerettet.“ Deutlich betonte Kevin das letzte Wort und griff nach Thomas‘ Hand. „Du bist traurig, weil er nun eine Weile nicht mehr unmittelbarer Teil deines Lebens ist. Das ist okay. Aber du – nein, ihr – habt euch nicht verloren. Ihr seid als Freunde auseinandergegangen und als Freunde werdet ihr auch bald wieder zusammenkommen. Es ist nichts passiert, was nicht wiedergutzumachen wäre. Ihr wisst, woran ihr seid und alles ist zwischen euch geklärt. Es gibt Freundschaften, die weniger glücklich verlaufen.“
  Thomas‘ Augen wurden feucht. Er hat recht. Ich weiß das ja. Ich bin wohl einfach nur egoistisch. Laut sagte er: „Weißt du, es ist einfach so: Klar wusste ich, dass früher oder später unser aller Wege wahrscheinlich getrennt verlaufen würden. Aber sich so bald voneinander verabschieden zu müssen? Und vor allem als erstes von Basti? Und dann gleich noch so weit weg - so weit, dass man sich nicht mal eben sehen kann? Damit hatte ich echt nicht gerechnet – und irgendwie kann ich nur schwer damit umgehen.“ Er seufzte. „Aber du hast auch recht. Es ist nichts Schlimmeres passiert und ich sollte dankbar für unsere Freundschaft sein.“ Zögernd setzte er hinzu: „Trotzdem … wenn ich dich nicht hätte …“
  „Ist schon gut“, sagte Kevin leise zu ihm gab ihm einen langen, zärtlichen Kuss. Schließlich sah er Thomas noch einmal eindringlich an und meinte: „Was deine Eltern betrifft: Mach dir keinen Stress. Betrachte es als natürlichste Sache der Welt. Du bist verliebt, du fühlst dich gut damit, du bist glücklich – was können Eltern für ihre Kinder mehr wollen? Einen Zeitpunkt, wann du es ihnen sagen musst, gibt es ohnehin nicht. Es wird sich schon alles fügen, wenn es soweit ist.“
  Thomas lächelte ihn dankbar an.
  „Und morgen“, setzte Kevin an, „denke ich, machen wir einen kleinen Ausflug.“
  „Und wenn es regnet?“
  Kevin hatte da allerdings keine Bedenken und war sich sicher, dass sich die Wolken morgen zurückziehen und es ein schöner Tag werden würde.

Am nächsten Morgen zeigte sich, dass Kevin wohl recht behalten würde. Es hörte tatsächlich allmählich auf zu regnen. Ein Dunstschleier hing noch in der Luft, doch man konnte bereits erahnen, dass sich die Sonne heute ihren Weg bahnen würde. Es war nicht kalt oder fühlte sich an, als würde der Herbst vor der Tür stehen, aber Thomas bereute es dennoch, Kevins Vorschlag nachgegeben zu haben, einen Ausflug mit dem Fahrrad zu machen. Sein Freund hatte ihn schon am frühesten Vormittag aus dem Bett getrieben und nach dem Frühstück aufs Fahrrad gedrängt. Jetzt waren sie unterwegs nach Westen, einer Radstrecke an den Nordhängen der Termberge folgend.
  Sie fuhren nebeneinander her und Thomas fragte Kevin murrend: „Und du hältst das wirklich für eine tolle Idee? Ich meine, der Nebel macht den Trip eigentlich nicht gerade verlockend.“
  Doch Kevin lachte nur und erwiderte: „Besser als in der prallen Sonne.“ Dann trat er in die Pedalen und rief über die Schulter: „Komm, du bist schon gar nicht mehr in Form!“
  Frechheit! Na warte, mein Lieber, dir zeig ich’s! Entschlossen, nicht als Schwächling dazustehen, schloss Thomas auf.
  Nach etwas über einer Stunde erreichten sie den Aufstieg zur Ruine der Tiernburg und Thomas fragte scherzhaft und ein bisschen außer Atem: „Also wenn es dein Plan ist, wieder bei Sonnenuntergang auf dem Plateau mit mir zu kuscheln, muss ich dir sagen, dass du dich um etwa 12 Stunden vertan hast.“
  Kevin ging nicht darauf ein, sondern schob sein Rad den Hang hinauf und lächelte Thomas geheimnisvoll an.
  Thomas wiederum bewunderte Kevins immerwährende unerschütterliche Zuversicht. Ich bin sicher, wenn ich ihn danach fragen würde, würde er bloß die Schultern zucken und antworten, das er einfach ein unerschöpflicher Quell der Hoffnung sei oder so.
  An der Ruine angekommen, ließ Thomas sein Fahrrad liegen, trat neben seinen Freund an den Rand des Plateaus und streckte sich. Also von einer schönen Aussicht haben wir heute schon mal nix. Der Nebel erstreckte sich über die ganze westlich gelegene Ebene und tauchte die Welt ringsum in ein tristes Grau. Nicht überzeugt drehte er sich zu Kevin um und sagte: „Ich weiß, du hast es gut gemeint, aber mussten wir wirklich unbedingt hierher hetzen für … das da?“ Er wies mit der ausgestreckten Hand in das nebelige Nichts hinter ihm.
  „Sie mal, dort!“, sagte Kevin da plötzlich, ergriff Thomas‘ Hand und blickte an ihm vorbei.
  Mit den Mauern des nach all der Zeit immer noch mächtigen Gebäudes im Rücken, standen sie auf dem Ausläufer des Plateaus und sahen nach Westen. Die Wolken, die sie seit dem Aufstieg begleitet hatten, zogen sich immer mehr zurück, genau wie Kevin es vorhergesagt hatte, und mit ihnen auch die lästigen Schauer. Die warme Vormittagssonne, welche sich endlich durchsetzte, beschien jetzt die Ebene und ein wunderschöner Regenbogen stand über dem Tierne-Stausee, in schillernden Farben leuchtend. Die Aussicht, in Verbindung mit den stark kontrastierten Lichtverhältnissen, war in der Tat atemberaubend und Thomas spürte ein wunderbares Kribbeln in seinem Bauch, als er mit seinem Freund Hand in Hand dort oben stand.
  „Ich nehme alles zurück“, brachte Thomas eben noch so hervor, denn das Bild, welches sich ihm bot, schien zu schön, um wahr zu sein. Als hätte er das genau gewusst …
  Kevin beobachtete seinen Freund aus den Augenwinkeln und stellte zufrieden fest, wie sich dessen Gesicht zusehends aufhellte. Er hatte gehofft, dass der Anblick so eine Reaktion bewirken und Thomas‘ Trübsinn – wenn auch nur für eine Weile – hinfortwischen würde.
  Mit einem Strahlen im Gesicht wandte Thomas sich an seinen Begleiter. „Woher hast du das nur gewusst?“
  „Ich hatte so eine Ahnung“, antwortete Kevin mit einem schelmischen Grinsen, bevor er lachend hinzufügte: „Nein, ich hab einfach den Wetterbericht gehört und gehofft, dass das Glück mit uns ist.“
  „Gib es zu: Du hast Zauberkräfte“, stachelte Thomas ihn schelmisch an.
  Kevin grinste nur und sagte kopfschüttelnd: „Du kommst vielleicht auf Ideen.“

In den darauffolgenden Tagen besserte sich Thomas‘ Gemüt immer weiter. In dieser Zeit hatten die zwei Jungs einen etwa fünf Kilometer südöstlich von Altleben gelegenen See im Wald – welcher offiziell tatsächlich auch den Namen „See im Wald“ trug – für sich entdeckt. Mit dem Rad fuhren sie beinahe täglich über den besseren Feldweg in Richtung Aschefelden – vorbei an dem nordöstlich der Ausläufer der Berge gelegenen Süssensee. Entgegen dem erstaunlich sauberen See inmitten des tiefen Waldes, welcher auch von baum- und strauchfreien kleinen Flecken umsäumt war, stellte sich der Süssensee als unwirtliches und schmutziges Gewässer dar. Die im Norden des Gebirgszuges entspringende Süsse weitete sich von einem schlammigen Rinnsal zu einem langsam dahinplätschernden Fluss aus, welcher weiter südlich, hinter Dusterau, in die Laas mündete und dabei ebenso schmutzig und schlammfördernd war, wie der See, durch den er hindurchführte. Wann immer sie das kurze Stück am Ostufer des Süssensees entlangradelten, stieg Thomas ein unangenehmer Geruch in die Nase, der wohl vom schlammigen Ufer des manchmal trotzdem von einigen Wildvögeln bevölkerten Sees stammte.
Dagegen war der Aufenthalt am See im Wald der reinste Traum. Um vor der heißen Sonne zu fliehen, boten sich durch die zahlreichen Bäume genug Möglichkeiten und wenn man doch das Bedürfnis nach der Glut hatte, gab es hierfür genauso viele Gelegenheiten. Allerdings war man auch hier niemals wirklich allein, denn der See war ein heißer Tipp in der Gegend und wurde ganz gut besucht.
Wenn sie sich nicht am See herumtrieben, unternahmen sie – meistens aber in den nicht ganz so heißen Abendstunden – lange Spaziergänge mit Felix. Später dann, wenn es langsam dämmerte, ließen sie sich irgendwo am Feldrand nieder, genossen gemeinsam das letzte Tageslicht und warteten auf die aufgehenden Sterne – Hand in Hand nebeneinandersitzend oder -liegend.

Thomas fühlte sich endlich angekommen und glücklich. In der letzten Woche, die er ununterbrochen mit Kevin verbracht hatte, war ein Glücksgefühl über ihn gekommen, das sämtliche dunklen Gedanken vertrieben hatte. Jetzt fühlte es sich wirklich so an, als könne das ein unglaublich schöner Sommer werden. Und so kam es, dass er sich schließlich bereit fühlte, seinen Eltern die Wahrheit über seine Gefühle für Kevin zu erzählen.

  * * *

Weit in der Ferne saß ein Junge mit schulterlangem flachsblondem Haar, welches wirr in der sanften Sommerbrise wehte, auf einer Kaimauer. Obwohl er schon eine Woche hier war, hatte kaum Gelegenheit bestanden, sich irgendwelche Gedanken um etwas anderes, außer das, was vor ihm lag, zu machen, da noch so viel zu organisieren war. Die Abreise von Zuhause war eben doch sehr spontan vonstattengegangen. Zumindest hielt ihn das auch davon ab, Trübsal zu blasen. Nun hatte er einen Moment für sich und nutzte diesen, um die neue Umgebung in Ruhe auf sich wirken zu lassen. Das Hafengewässer wogte in ruhigen Wellen hin und her, während die Sonne es glitzern ließ. Vor den Augen des Jungen zog ein alter Holzkutter langsam vorüber. Er sah ihn zwar, beachtete das kleine Schiff aber nicht weiter, sondern hing seinen Gedanken nach. In der einen Hand, die in seinem Schoß ruhte, hielt er ein Foto, während seine andere den kleinen Anhänger umklammerte, welcher an einem dünnen Lederband befestigt in Höhe seiner Brust hing. Lange konnte er die stille Szene jedoch nicht genießen, denn schon bald rief eine Stimme seinen Namen und verkündete, dass es jetzt weiter gehen würde. Einen tiefen Seufzer ausstoßend, hievte Basti sich hoch, straffte die Schultern, steckte das Foto in die Tasche und wandte sich seiner Begleitung zu. Er hatte sich entschieden, diesen Weg zu gehen – für Zweifel war es jetzt zu spät. Tief im Herzen spürte er, dass es die richtige Entscheidung gewesen war. Und dennoch dachte er, während er sich zur höher gelegenen Straße begab, dass ihn seine Gefühle für Thomas noch eine lange Zeit beschäftigen würden.

In der nächsten Episode:
Thomas gesteht, seine Mutter gibt etwas zu bedenken und zwei Verliebte halten sich nicht an Regeln


Und das war es auch schon wieder mit dem “Staffelauftakt”. Der nächste Part ist zu dem Zeitpunkt zu etwa 30% fertig gestellt und sollte nicht sooo lange auf sich warten lassen. Die nächste Episode trägt den Titel “Einbrecher”.

Liebe Grüße
Arokh

Träumt er da als Basti?

Ist das das erste Mal, dass hier der Name vom Thomas’ Vater fällt?

Dynamit.

Wie verzweifelt der Engel versucht, dir Illusion von glaubhaften, positiven Eltern aufrechtzuerhalten.

Wenn Thomas wüsste … :joy:

Ich weiß, worum es geht: Der Einbrecher stammt aus der Zukunft und stiftet den Protagonisten zu einer Zeitreise an :heart_eyes:

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Da hast Du auch wieder recht :joy:

Okay, ich setze solange mit Schreiben und Editieren aus, ja? :stuck_out_tongue_winking_eye:

Stimmt, ist mir noch gar nicht bewusst gewesen. Wie passend auch noch, wenn es tatsächlich um den Pyromanen geht :joy:

Es gibt kein Entrinnen …

Das nicht direkt, nein. Er verarbeitet die Geschehnisse der letzten Tage. Aber ist eigentlich irgendwem aufgefallen, dass der erste Absatz in diesem Kapitel ein beinahe exakter Spiegel des ersten Absatzes aus dem allerersten Kapitel ist? :wink:

Nein. In den Credits zu Kapitel 58 taucht er bereits - auch mit Altersangabe - auf. Da hatte ich mir sogar noch die Mühe gemacht, zu schreiben, welchem Beruf er nachgeht. Aber wen interessieren schon Details? :grin:

Armer Kivan. Hat ganz schön zu tun, seine Illusion als Kevin für glaubhaft zu verkaufen :sweat_smile:

Ich mag solche Szenen einfach ^^
Aber nicht dem Tommy verraten :shushing_face:

:joy: Aber Zuri, wir brauchen doch keine Schleichwerbung zu machen. Ich empfehle gern jederzeit die entsprechende Geschichte. Falls es jemand nicht gemerkt hat, gemeint ist: Finding me

Okay, da es in dem Kapitel doch einige Ortsbeschreibungen gab, hier noch einmal die aktualisierte Karte der Gegend, in der die Story spielt:

Liebe Grüße
Arokh

Danke, Arokh :+1:t2: Auf den Link haben schon zwei Leute geklickt :blush:

*Frisst einen Besen. Sammelt Reisig aus seinem Mund*

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Credits:
Thomas Gärtner / Alter: 16 / mit Kevin zusammen, weitgehend ungeoutet, Frühlingsgefühle im Sommer
Kevin Leneg (Kivan) / Alter: 15 / Engel in Menschengestalt, beschützt und leitet Thomas, sehr geduldig
David Buchener / Alter: 16 / jüdisch, eher schüchtern und unsicher, neigt stark zum Weglaufen
Thomas‘ Eltern: Vater Heiko (42) / Mutter Anke (40)


Handlungszeitpunkt: Sonntag, 08.07.2012 bis Donnerstag, 12.07.2012
Handlungsort(e): Altleben und Freibad Weigitz bei Neustadt/Laas

Was bisher geschah:
Thomas, der die Schulzeit erfolgreich hinter sich gebracht hatte, musste sich von Basti, seinem besten Freund, verabschieden, da dieser kurzfristig eine Lehrstelle im weit entfernten Friedrichshafen angenommen hatte. Überrumpelt, weil er nicht damit gerechnet hätte, sich so bald und vor allem als erstes von Basti verabschieden zu müssen, war Thomas die nächste Zeit sehr niedergeschlagen. Es gelang Kevin – dem Jungen, in welchen Thomas über beide Ohren verliebt war – ihn schließlich von seinen trüben Gedanken lange genug abzulenken, damit Thomas bemerken konnte, das ein Sommer voller wundervoller Möglichkeiten vor ihnen lag. Zunächst wollte Thomas die neugefundene Energie jedoch nutzen, um seine Eltern endlich über seine Gefühle für Kevin in Kenntnis zu setzen.

(101) Einbrecher

Thomas schlug die Augen auf – es war noch früher Vormittag, wie er mit einem kurzen Blick auf den neben ihm auf dem Nachttisch stehenden Wecker realisierte. Die Sonne erhellte das Zimmer durch das Fenster in der Dachschräge. Es war schon wieder recht warm und er war froh, keine Decke über sich liegen zu haben. Dann drehte er sich um und blickte dem Menschen ins Gesicht, den er über alles liebte. Kevin hatte die Augen noch geschlossen, also sah Thomas ihn einfach nur an; genoss den friedlichen Anblick. Er überlegte, ob er schon aufstehen oder einfach warten sollte, bis Kevin aufwachen würde, doch der nahm ihm diese Entscheidung ab.
  Kevin öffnete die Augen und sofort schlich sich ein Lächeln auf dessen Gesicht. „Hey", sagte er leise.
  „Selber ‚Hey‘", erwiderte Thomas und lächelte etwas unbeholfen, weil er sich irgendwie ertappt fühlte.
  Kevin strich mit seinen Fingern sanft Thomas’ Arm hinauf, fuhr über das Schlüsselbein in Richtung Brust und ließ seine Hand etwa in Höhe des Herzens ruhen. In den warmen Sommernächten war Oberbekleidung im Bett kein Thema für sie beide. „Wie fühlst du dich?", fragte er seinen Freund.
  „Ziemlich gut eigentlich", meinte Thomas. „Ich tue es heute." Als Kevin fragend eine Augenbraue hob, erklärte Thomas weiter: „Heute sage ich meinen Eltern die Wahrheit über uns."

Es war ein typischer Sonntagmorgen im Hause Gärtner. Die zwei Jungs hatten es rechtzeitig zum Frühstück in die Küche geschafft, wo sie das gewohnte Bild empfing: Thomas’ Vater hatte zwar an diesem Tag keine Zeitung zum Lesen, aber irgendetwas studierte er immer am Frühstückstisch, während Thomas’ Mutter so aussah, als ginge sie in Gedanken schon wieder den gesamten Wochenplan, was noch alles zu erledigen oder besorgen wäre, durch. Seine Schwester war ohnehin nur noch äußerst selten im Haus und verbrachte die meiste Zeit bei ihrem Verlobten. Sie aßen schweigend – zumindest versuchte Thomas, etwas herunter zu bekommen, was ihm nicht so recht gelingen wollte. Er war sichtlich nervös, doch außer Kevin schien das niemand mitzubekommen. Kevin legte seine Hand auf Thomas’ und drückte sie ermutigend.
  Schließlich schluckte Thomas, sah auf und sagte mit klopfendem Herzen: „Mum? Dad?" Seine Mutter sah fragend auf und sein Vater lugte über den Rand der Zeitschrift, die er vor sich hielt. „Ich muss … nein, möchte euch etwas sagen."
  „Oh, das klingt aber ernst, Schatz", äußerte sich seine Mutter besorgt.
  „Ich …" Thomas zögerte, suchte nach den richtigen Worten und fand es dämlich, dass etwas so einfaches so schwierig sein konnte. Letztendlich ergriff er Kevins auf dem Tisch ruhende Hand und hielt sie fest, gab sich einen Ruck und ließ die Worte schwallartiger, als er gewollt hatte, heraus: „Ich liebe Kevin. Also ich bin in ihn verliebt. Er liebt mich auch. Wir lieben uns beide. Also ich meine, wir sind zusammen. So als Paar und …"
  Thomas’ Mutter atmete hörbar aus und unterbrach Thomas’ Redeschwall. „Du meine Güte! Und ich dachte schon, es wäre was Schlimmes passiert."
  Thomas’ Blick wanderte nervös zu seinem Vater, doch der war gelassen wie immer und hatte seine Zeitschrift gerade mal ein paar Zentimeter gesenkt. „Das ist doch toll, Junge", sagte er in freundlichem und aufmunterndem Tonfall, hob seine Zeitung wieder vor das Gesicht und murmelte: „Umso erstaunlicher, dass ihr schon aus dem Bett gefunden habt."
  Seine Mutter warf einen schnellen Seitenblick auf ihren Mann, doch anstatt sich wieder über dessen Humor zu beschweren, beugte sie sich vor und raunte: „Aber ihr verhütet doch hoffentlich auch, ja?"
  „Mum!", entfuhr es Thomas entsetzt.
  Sie lehnte sich zurück, hob die Hände und entgegnete entschuldigend: „Ich meine ja nur. Aufklärung ist ja nicht nur dazu da, um zu verhindern, dass man zu früh schwanger wird – was euch ja nun nicht betrifft. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass …"
  Bevor sie allerdings zu einer für Thomas’ Begriffe peinlichen Aufklärungsstunde ausholen konnte, warf sein Vater dazwischen: „Anke, jetzt lass doch mal die Jungs in Ruhe. Tommy ist schon von deiner Bluse kaum noch zu unterscheiden."
  „Was?", fragte seine Frau irritiert und sah an sich herab. Sie trug an diesem Morgen ein weinrotes Oberteil. „Oh, na vielleicht hast du recht." Sie sah ihren Sohn verständnisvoll an, der angestrengt versuchte, ihren Blick nicht zu erwidern. „Sorry, Schatz, ich wollte dich jetzt nicht blamieren." Dann wanderte ihr Blick zu Kevin und sie lächelte ihn warmherzig an. Wieder an Thomas gewandt, sagte sie: „Mach dir mal keine Gedanken weiter. Ich freue mich, dass du einen so lieben Menschen gefunden hast, mit dem du glücklich bist. Ich freue mich für euch beide. Ich merke schon, dass dir das ziemlich schwer gefallen sein muss, dich uns gegenüber zu öffnen. Aber Tommy, hast du wirklich gedacht, dass wir ein Problem damit haben könnten? Wir haben doch noch nie etwas Negatives zu dem Thema geäußert. Wie heißt es so schön: Wo die Liebe eben hinfällt."

„Siehst du, ich habe es dir doch gesagt", grinste Kevin seinen Freund an, als sie wieder in Thomas’ Zimmer waren.
  Thomas schloss die Tür und lehnte sich daran, atmete erleichtert aus und erwiderte mit etwas zerknirscht dreinblickendem Gesicht: „Das hast du. Ich hab mich ziemlich angestellt, was?"
  Kevin trat auf ihn zu, legte die Arme um Thomas und küsste ihn. „Ein bisschen schon, das kann ich nicht bestreiten", gab er leise lachend zu. „Aber das macht nichts, denn jetzt hast du ja die Karten auf den Tisch gelegt. Beim nächsten Mal fällt es dir viel einfacher – wirst schon sehen."
  „Nächstes Mal!?" Thomas machte große Augen. Er mochte solche Situationen nicht. Aber Kevin hat recht. Wenn ich nicht will, dass wir eine heimliche Beziehung führen, sollte ich endlich anfangen, sie als das zu betrachten, was es einfach auch ist: völlig normal. Also keine dummen Gedanken mehr; einfach das Glück, das ich habe, genießen. Dann ließ er sich von Kevin zum Bett führen, setzte sich mit ihm und die beiden genossen die ungestörte Zweisamkeit … zumindest bis Felix lautstark darauf aufmerksam machte, dass er auch noch ein paar Bedürfnisse hatte.

Die Sonne heizte die Luft in den nächsten Tagen immer weiter auf, sodass es nun bis auf den späten Dienstagabend durchgehend heiß und trocken war. An diesem Abend hatte es ein heftiges Wärmegewitter gegeben und Kevin, der Gewitter absolut nicht mochte, hatte sich eng an Thomas geschmiegt, der es wiederum faszinierend fand, wie die hellblauen Blitze das Dunkel zerrissen und ein ums andere Mal ohrenbetäubenden Donner nach sich zogen. Schließlich verzog sich das Gewitter und die Nacht wurde ruhiger. Thomas genoss die Nähe und das Gefühl, Kevin Geborgenheit vermitteln zu können, sehr und es dauerte nicht lange, da bestätigte ihm eine bestimmte Körperregion deutlich, wie sehr er die Berührung genoss. Irgendwie machte ihn das unruhig und sein Körper versteifte sich etwas. Thomas fragte sich, woher nun schon wieder dieses Unwohlsein kommen mochte, bis er erkannte, dass er etwas Neues gefunden hatte, womit er sich selbst unter Druck setzen konnte. Muss ich echt bei jedem ersten Schritt zögern wie das letzte Weichei? Toll, ich hab mir eingestanden, dass ich einen Jungen liebe, habe das diesem Jungen auch gestanden, hab mich meinen Eltern offenbart … Und jetzt scheue ich mich, weil ich … unerfahren bin? Es ist offiziell: Ich bin der reinste Feigling. Ein Nervenbündel. Ein Idiot.
  Thomas war so beschäftigt, sich in Gedanken selbst zu beschimpfen, dass er gar nicht merkte, wie Kevin sich aufgerichtet, den Kopf auf den Ellenbogen gestützt hatte und ihn nun aufmerksam betrachtete. „Tommy", sagte er sanft.
  Ertappt sah Thomas seinen Freund an. Es war zwar dunkel, doch ihrer beider Augen hatten sich längst daran gewöhnt und konnten genug erkennen.
  Kevin hatte diesmal nicht vor, seinen Geliebten lange zappeln zu lassen und offenbarte, dass er sich denken konnte, worüber Thomas nachdachte. „Ich habe auch keine Erfahrung darin, weißt du?"
  Thomas war dankbar, dass man unmöglich in der Dunkelheit erkennen konnte, wie er gerade errötete. „Ähm …", begann er unsicher.
  Kevin lächelte, als er sagte: „Glaubst du denn, du bist der Einzige, dem das gefällt, wenn wir so nah beieinander sind?" Er legte bedeutungsvoll seine Hand auf Thomas’ Hüfte, worauf dieser leicht zusammenzuckte. „Ist schon gut", sagte er beruhigend. „Ich erwarte doch nichts von dir, wozu du nicht oder noch nicht bereit wärst. Ich weiß ja auch nicht, ob ich es bin. Wir lassen uns so viel Zeit, wie wir wollen, okay? Niemand und nichts drängt uns zu irgendwas. Es gibt keine Checkliste, die wir abarbeiten müssen und keinen Zeitplan. Ich vermisse nichts, solange du nur bei mir bist. Alles andere ergibt sich, wenn es so weit ist."
  Thomas musste schlucken. Er war unendlich dankbar, dass Kevin genau die richtigen Worte für ihn fand, um ihn nicht übermäßig peinlich berührt dastehen zu lassen und trotzdem genau das zu vermitteln, was er in dem Moment brauchte. Er wollte irgendetwas sagen, doch war er von Kevins Verständnis und liebevoller Art zu überwältigt. Ich liebe ihn so sehr!
  Kevins Lächeln wurde breiter, er benötigte keine gesprochenen Worte von Thomas. Er legte sich wieder neben seinen Freund, schmiegte sich erneut eng an ihn und flüsterte: „Ich liebe dich auch, Tommy."

Für den Rest der Woche stiegen die Temperaturen weiter stark an und am Donnerstag entschlossen sich Thomas und Kevin, eine Radtour in Richtung Neustadt zu unternehmen. Noch früh am Vormittag ging es los, mit dem Ziel, den Tag im südlich von Neustadt gelegenen Freibad zu verbringen und am Abend mit dem Zug wieder zurückzufahren. Die Strecke war sehr lang – nicht ganz 20 Kilometer, aber immerhin, bis auf das letzte Teilstück, mit einem stetigen, aber sanften Gefälle. Kevin hatte das Freibad bisher noch nicht besucht, daher staunte er nicht schlecht, als ihm Thomas alles zeigte. Es gab im Wesentlichen ein großes Schwimmerbecken mit Sprungturm sowie ein etwa halb so großes Nichtschwimmerbecken mit breiter Wellenrutsche. Um die Wasserbecken herum war eine großzügige Liegefläche angelegt, welche von einigen, teilweise recht dicht stehenden Baumgruppen umsäumt war, sodass es reichlich Ecken gab, in denen man auch etwas abseits für sich sein konnte. Der weiträumig eingezäunte Bereich verfügte außerdem noch über einen ansehnlichen Kinderspielplatz und zwei Beachvolleyballfelder, die beide auch sehr gut genutzt wurden. Für den Fall, dass man nicht genügend Proviant mit sich führte, gab es im Eingangsbereich einen kleinen Gebäudekomplex mit vorgelagerter Terrasse, welcher auch einen Imbissstand beinhaltete sowie Sanitärbereiche, Sanitätszimmer und Büro und Aufenthaltsraum für die Betreiber und Bademeister.
  „Wenn es nicht so weit weg wäre und kein Geld kosten würde, wäre das eine schöne Alternative zum See im Wald, so als Abwechslung", meinte Thomas.
  „Also mir persönlich ist der See im Wald zwar lieber", hielt Kevin dagegen, „aber unseren Spaß werden wir hier ganz bestimmt haben." Er lachte Thomas an, bevor sein Blick auf ein bekanntes Gesicht fiel, welches einem Jungen gehörte, der gerade von den Toiletten kam. „Sieh mal, das ist doch David", wies er seinen Begleiter auf seine Entdeckung hin.
  Thomas drehte den Kopf und sah, dass Kevin recht hatte. „Stimmt", bestätigte er und rief David winkend zu: „Hey, David!"
  Der freute sich sichtlich und kam herübergeeilt, um seinen nun ehemaligen Klassenkameraden und dessen Partner zu begrüßen. „Hey, ihr zwei. Das ist ja eine schöne Überraschung. Was macht ihr denn hier?"
  Thomas verzog den Mund zu einer Grimasse und antwortete: „Ich vermute mal, dasselbe wie du. Wir brauchen dringend 'ne Abkühlung." Er sah sich um, ob er noch jemand Bekanntes entdecken würde, doch keines der Gesichter sagte ihm etwas. „Bist du allein hier?"
  „Nicht ganz", erwiderte David in seiner schüchternen Art. „Meine Eltern meinten, ich müsse mal raus und haben mich zu einem gemeinsamen Fahrradausflug überredet."
  „Noch so paar Verrückte", lachte Thomas, bevor er sich wunderte: „Warum hast du nicht einfach mal angerufen? Wir hätten uns doch zusammen verabreden können."
  David rieb sich verlegen den Oberarm und vermied es, die beiden Jungs anzuschauen. „Na ja, nach Bastis Abschied wusste ich nicht so recht … Also, ich glaube, ich wollte euch … nicht stören – mich nicht aufdrängen."
  Irritiert dreinblickend fragte Thomas: „Aufdrängen?"
  „Na … ihr wollt doch sicher für euch sein, oder?"
  Thomas wusste nicht so recht, was er davon halten sollte und erwiderte nicht gleich etwas, während Kevin in ruhiger Gelassenheit einfach die Szene beobachtete.
  „Seid ihr nicht … nun ja … zusammen?"
  „Was?!" Thomas riss die Augen auf. „Wie kommst du denn da drauf?"
  David öffnete den Mund, schloss ihn jedoch wieder, unsicher, ob er nicht etwas völlig dämliches gesagt hatte.
  Doch Thomas erholte sich von seiner Überraschung und sagte, noch etwas neben der Spur: „Also, ja. Wir sind tatsächlich zusammen." Unbewusst fühlte er nach Kevins Hand, der die seine nur zu gern ergriff. „Aber eigentlich weiß das doch keiner. Moment …" Ihm kam ein Gedanke. „Franzi hat doch nicht etwa …"
  David wehrte schnell ab. „Nein, nein. Das hat mir niemand gesagt. Ich dachte nur, immer wenn ich euch so gesehen habe … na ja … wirkte es so selbstverständlich …"
  Thomas warf die Arme in die Luft. „Ich glaub’s ja nicht. Da mach ich mir eine halbe Ewigkeit Sorgen darüber, wie, ob und wann ich am besten mein Coming-Out habe und dann weiß es eh schon die halbe Welt."
  Kevin grinste Thomas an und sagte neckend: „Wie oft möchtest du eigentlich von mir hören: Ich hab’s dir ja gesagt?"
  Thomas ging nicht weiter darauf ein, rollte gespielt mit den Augen und fragte stattdessen David: „Wir wollen mal schauen, ob wir noch ein abgelegenes Plätzchen im Schatten finden. Kommst du mit zu uns?"
  Davids Augen strahlten deutlich vor Freude, als er begeistert antwortete: „Ja, gerne. Ich sag nur meinen Eltern Bescheid und hole mein Zeug."
  Damit verging die Zeit im Bad wie im Fluge. Die drei Jungs hatten enorm viel Spaß, schwammen und alberten völlig befreit im Wasser herum – sorgenfrei und unbeschwert. Und zu erleben gab es einiges: An einer Stelle des großen Beckens hing an einer Vorrichtung über dem Wasser eine Art Liane, an der man sich ins Wasser schwingen konnte. Hin und wieder wurde für mehrere Minuten der Sprungturm freigegeben und Thomas und seine Freunde wetteiferten, wer die größte Fontaine erzeugen konnte. Im flachen Becken spielten sie eine Zeit lang mit einem Tennisball und ein Wettschwimmen durfte natürlich auch nicht fehlen – was Kevin allerdings mit großem Abstand für sich entscheiden konnte.
  Irgendwann waren die drei völlig verausgabt und zogen sich auf ihren hinter einer Buschgruppe gelegenen Liegeplatz zurück. Unterhielten sie sich zunächst noch über dies und das, beschlossen sie jedoch bald, dass ein bisschen Ausruhen jetzt genau das Richtige wäre – und so schliefen alle drei irgendwann ein.

Thomas war der Erste, der wieder erwachte, sich langsam aufrichtete, seine Brille aufsetzte und verwirrt in die Gegend blinzelte, bevor ihm dämmerte, wo er sich befand. Ein plötzlicher Schreck überkam ihn und er rüttelte seine beiden Freunde an der Schulter. „Äh, Leute … Kann sein, dass wir ein kleines Problem haben."
  „Was meinst du?", begann David, merkte aber schnell, worauf Thomas hinaus wollte.
  „Wo sind denn auf einmal alle hin?" stellte Kevin seine Frage nüchtern in den Raum.
  David kramte hektisch seine Armbanduhr aus seinem Rucksack. Als er sie gefunden und einen Blick darauf geworfen hatte, bekam er einen panischen Gesichtsausdruck. „Scheiße!", entfuhr es ihm. „Es ist schon nach halb Neun – die haben schon lange zu! Wir dürften gar nicht mehr hier sein!"
  „Man muss uns wohl übersehen haben", murmelte Thomas, die Lage noch nicht ganz realisierend.
  David wurde jedoch immer hektischer, raffte seine Sachen zusammen und war im Nu abreisebereit. „Oh Gott, meine Eltern werden mich umbringen! Wenn man uns erwischt, kommen wir ins Gefängnis!"
  Thomas versuchte, den übernervösen Freund zu beruhigen. „Nun mach mal halblang. Wir können doch einfach …"
  David ignorierte ihn jedoch direkt und setzte sich ruckartig in Bewegung. „Tut mir leid, ich kann nicht länger warten. Ich muss los." Und so schnell, wie er gesprochen hatte, war er schon davongerannt, über das geschlossene Eingangstor geklettert und wenige Augenblicke später konnte Thomas nur noch einen kleinen Strich auf der Straße in Richtung Neustadt erkennen.
  „Er ist abgehauen – schon wieder", kommentierte Thomas fassungslos.
  Kevin war neben ihn getreten und sah dem immer kleiner werdenden Strich in der Landschaft hinterher. „Ob ihn seine Eltern zuerst umbringen und dann erst ins Gefängnis stecken?"
  „Was?" Thomas fuhr irritiert herum.
  Doch Kevin lachte nur und winkte ab. „Ich wollte die Situation nur ein bisschen auflockern."
  Thomas zuckte nur mit den Schultern und sagte, während er anfing, seine Sachen zu packen: „Der letzte Zug fährt 22 Uhr. Das können wir ganz gut schaffen, wenn wir uns beeilen."
  „Und wenn nicht?"
  Thomas fuhr herum und sah Kevin verwirrt an. „Wie, wenn nicht?"
  Kevin zuckte mit den Augenbrauen, grinste verschwörerisch und ging ein paar Schritte rückwärts. Seine Hände glitten nach unten, hakten die Daumen in die Badeshorts und zogen den Bund langsam hinunter.
  „Äh … was wird das?"
  Kevin legte den Kopf leicht schief und meinte wie beiläufig: „Die Badehose stört doch beim Baden schon ziemlich. Am schönsten ist es doch immer noch, völlig frei im Wasser zu sein." Mit einer schnellen Bewegung zog er sich die Badeshorts aus, drehte sich um und rannte in Richtung Nichtschwimmerbecken. „Der Letzte muss das ganze Gepäck tragen", rief er auffordernd über die Schulter.
  In Thomas legte sich ein Schalter um. Vielleicht erfasste ihn der Reiz, zu tun, was er sonst nicht tun könnte oder dürfte. Ohne wirklich zu wissen, was er da eigentlich tat, entledigte er sich ebenfalls seiner Badehose, legte die Brille ab und rannte seinem Freund hinterher. Das Wasser spritzte nur so umher, während er durch das flache Nass hindurch preschte und versuchte, Kevin einzuholen. Der hatte sein Tempo mit Absicht verlangsamt und drehte sich grinsend zu Thomas um, welcher sich mit einem gewagten Sprung auf ihn warf und die beiden lachend ins kühle Wasser platschten. Nackt wie sie waren, alberten sie miteinander, weiteten ihre Verfolgungsjagd auf das große Becken aus und fanden sich schließlich heftig atmend und glucksend voreinander stehend im Nichtschwimmerbecken wieder. Ihre Hände berührten sich im Wasser und sie sahen sich tief in die Augen. Thomas wusste einfach nicht mehr, wie ihm geschah. Dieser Moment war völlig verrückt und doch wunderschön.
  „Du zitterst ja", stellte Kevin fest.
  Erst jetzt fiel Thomas auf, dass Kevin recht hatte. Er fror – und das nicht zu knapp.
  „Komm!", sagte Kevin, nahm Thomas bei der Hand und ging mit ihm zusammen zu den Handtüchern, wo sie sich gründlich trocken rubbelten.
  In ihre Handtücher gehüllt standen sie da und Thomas versuchte, seine Gedanken wieder zu ordnen. „Was machen wir denn jetzt?", fragte er. Den letzten Zug würden sie nun definitiv nicht mehr erreichen und es begann auch schon zu dämmern.
  „Wir suchen uns einen Platz zum Schlafen", schlug Kevin pragmatisch vor.
  „Hier?" Thomas zog zweifelnd eine Augenbraue nach oben.
  Kevin schaute sich um. „Ich habe eine Idee." Er sammelte seine Kleidung auf, stopfte sie in den Rucksack und begann, die große Decke aufzuwickeln. Thomas tat es ihm gleich. Dann nahm er abermals Thomas bei der Hand und ging mit ihm in Richtung des Gebäudekomplexes. Sie gingen die Gebäudefront ab, bis Kevin vor einer braunen Tür stehen blieb. „Hier war das, glaube ich."
  „Hier war was?", fragte Thomas, dem nicht klar war, was Kevin suchte.
  „Ich hatte gesehen, dass hier ein Ruheraum ist. Vermutlich, wenn mal jemand umkippt oder so."
  Thomas winkte ab. „Der ist sicher abgeschlossen."
  Doch Kevin drehte den Türknauf und die Tür öffnete sich. „Sieht nicht so aus", grinste er seinen Freund an.
  Thomas hielt ihn am Arm zurück. „Warte, Kevin. Das ist doch Einbruch."
  Kevin hielt inne. Er verstand Thomas’ Einwand und war sicher auch nicht vollkommen glücklich damit. Doch im Freien übernachten kam für sie nicht wirklich in Frage, da die Nächte im Gegensatz zu den heißen Tagen erstaunlich kühl wurden und sie beide nur kurze Kleidung dabei hatten. Und zum nach Hause Fahren war es viel zu spät. Für einen Moment fragte er sich, was da eigentlich über ihn gekommen war. Es überwogen letztendlich allerdings die praktischen Erwägungen. „Hast du eine bessere Idee?", fragte er vorsichtig. Die hatte Thomas nicht, also traten sie ein und schlossen die Tür hinter sich.

Viel zu sehen gab es in dem Raum nicht. Abgesehen von einem kleinen Tisch und einer flachen Liege, hing lediglich noch ein Verbandskasten an der Wand, ansonsten war das Zimmer leer. Durch das Fenster fiel fahles Licht, was den beiden zur Orientierung genügte. Sie legten ihre Rucksäcke auf dem Tisch ab und standen vor der Liege.
  „Wird ein wenig eng", überlegte Thomas.
  „Stört dich das?"
  Thomas errötete leicht, antwortete aber: „Nein, eigentlich nicht."
  Kevin schüttelte die Decke, auf der sie gelegen hatten, aus und bereitete sie als Zudecke für sie vor. Plötzlich öffnete er das Badetuch, welches er um seine Hüften geschlungen hatte, ließ es zu Boden gleiten und machte es sich auf der Liege bequem – Thomas auffordernd anblickend.
  Zögerlich tat Thomas es ihm gleich und legte sich zu ihm, während Kevin die Decke über sie beide legte. Sofort begann Thomas’ Herz heftig zu pochen und er musste tiefer Luftholen, um atmen zu können. Den Blick nicht von Kevins Augen weichend, welche sich in seinen zu verankern schienen, versuchte er, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, während er keinen einzigen klaren Gedanken fassen konnte. Dann spürte er Kevins warme und weiche Hand, die in sanften Bewegungen über seine Hüfte glitt, auf der Taille kurz zum Ruhen kam und dann langsam tiefer wanderte.
  Kevin seinerseits dachte in diesem Moment ebenfalls gar nichts mehr und war eins mit dem Moment. Er hatte nicht die geringste Erfahrung und ließ sich jetzt einfach von seinem Instinkt leiten.
  Mit einem Mal bekam Thomas es doch mit der Angst zu tun. Wohin führt das?, drangen flüchtige Gedanken an die Oberfläche. Ich habe das noch nie gemacht. Ich will ihn nicht enttäuschen, was wenn ich versage, oder … oder … „Ich …", begann Thomas zögerlich unter heftigem Atmen. „Ich … weiß nicht, ob ich schon … bereit für …"
  Kevin hielt inne, lächelte ihn beruhigend an und erwiderte langsam und ruhig: „Hab keine Angst, es geht mir nicht um Sex. Ich möchte dir einfach nur schöne Gefühle bereiten. Wenn du aber irgendetwas nicht möchtest, müssen wir nicht weitermachen. Wir haben alle Zeit der Welt." Die Hand wieder auf Thomas’ Hüfte ruhend, fragte Kevin leise: „Möchtest du, dass ich aufhöre?"
  „Nein", antwortete Thomas jetzt sicherer. Er fühlte, wie seine Angst durch Kevins Rücksichtnahme immer mehr schwand und wusste, dass sein Freund ihn niemals zu irgendetwas drängen würde und dass es so in Ordnung war.
  Kevin gab Thomas einen langen Kuss, während er da ansetzte, wo er vor einem Augenblick aufgehört hatte.
  Und Thomas entspannte sich, ließ sich fallen. Er genoss die zärtlichen Berührungen, die unwiderstehlichen Gefühle, die diese erzeugten und ließ sich wiederum von seinen Gefühlen leiten, um sie seinem geliebten Freund ebenfalls zukommen zu lassen.

In der nächsten Episode:
Thomas hat etwas nicht bedacht, eine Flucht wird notwendig und zwei Jungs bekommen Ärger


Das nächste Kapitel heißt “Ausbrecher”.

Liebe Grüße
Arokh

Irgendwie hab ich ein Déjà-vu … :thinking:

Verhüten bringt bei den beiden eher wenig, bzw. bei Bedarf würde nicht verhüten nichts bringen :smiley:
Vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen Verhütungsmittel aber nur teilweise. Daher: Obacht!

Tragisch. Jetzt haben die Damen auch noch das gleiche an :astonished: Okay, das war jetzt ein Bedienen an schlechten Clichés :grimacing:

Was studiert er denn da? Die Info scheint mir da etwas deplatziert. Oder lenkst du hier bewusst die Aufmerksamkeit auf Dinge, die unwichtig sind? Oder übersehe ich, dass das später ein wichtiges Detail wird …?

Coming-out – ein Kinder… äh Kartenspiel

Höchstens der zweitreinste. Laut Reinheitsgebot gibt es da nämlich noch David.

Okay, ja, ich glaub, ich bin in einer Zeitschleife gefangen und Arokh will mich foltern. Das Gute ist, mittlerweile könnte ich solche Kapitel in einer halben Stunde runterschreiben. Ich hätte ein Zwanzigerpack im Angebot – schnell bestellen, bevor die vergriffen sind :stuck_out_tongue_winking_eye:

Öch nö, Smalltalk vom Allerfeinsten

Übrigens: Ich beschwere mich über Tommy und Kivan, nicht über dich, Arokh. Kannst ja nichts dafür, dass die beiden eine Endlosschleifenbeziehung führen :wink:

David also auch gleich in die gegenseitigen ehelichen Pflichten einbeziehen, so so …

Das bin soooooo ich :joy:

Hey, da spricht doch meine Depression (“Das schaffst du eh nicht!”)

Ein Softporno – was sonst?
Das also auch noch. Also ist ja nicht so, dass ich da jetzt generell gegen wäre, aber bei manchen Geschichten finde ich die Kombination doch eher abschreckend. Ich meine, dass manche Dinge getrennt gehalten werden, finde ich schon sinnvoll …

Ob der schon immer offen war oder ob der blonde Engel da ein klitzekleines bisschen nachgeholfen hat …?

Nicht dass mich das jetzt interessiert, aber … haben die jetzt Sex oder Petting oder was?

Ich vermute mal, sie werden erst umgebracht und dann ins Gefängnis gesteckt.

Aus dem Schwimmbad, dem Gefängnis, dem Himmel/der Hölle oder eine Kombination der genannten Optionen?
Schöner Plot: Als Schwule kämen sie eigentlich in die Hölle – vor allem für Sex vor der Ehe –, aber Engel Kivan hat es sich in den Kopf gesetzt, seine große Liebe Thomas aus der Hölle zu retten und ihm den Himmel zu zeigen. Und wenn sie wirklich gestorben sind, leben sie dort bis … zum Tag des Jüngsten Gerichts?

Wie alt ist Kivan? Wie viel tausende Jahre? Und er hat, während er auf seine große Liebe gewartet hat, asketisch gelebt? Ja, gut, vielleicht ist das bei Engeln anders und die sind alle demi. Muss ich das jemandem erklären?

Sorry Arokh, ich musste mich für deinen letzten Kommentar “rächen” :wink: Alles nicht böse gemeint :slight_smile: Alles Sportsgeist und so ^^

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Also ICH bin nicht dagegen :stuck_out_tongue:
Ich finde nicht, dass man “manche Dinge” getrennt halten sollte. Im Gegenteil ! Die Beiden lieben sich und da gehört “sowas” halt einfach dazu. Schade, dass das Kapitel mittendrin endet :sunglasses:

Naja…Kivan war noch nie verliebt und er war, wenn ich mich richtig erinnere, auch noch nie schwul, also …des alten Engels erstes Mal :rofl: (Gott- klingt das abtörnend !)

Die Beiden werden doch bestimmt “erwischt”. Bin schon gespannt, wie es weiter geht.
LG simson

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Vielleicht ist Thomas ja gerontophob – wer weiß :wink: :stuck_out_tongue_winking_eye:

Wenn er “hetero war” und da Erfahrungen gesammelt hat … also so schwierig, mit den errogenen Zonen, Körperöffnungen und dem Füllmaterial ist das jetzt auch nicht, dass man das nicht auf andere Ausgangsanatomie anwenden könnte.

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Hmmm…vielleicht sind Engel, wenn sie nicht im Auftrag "Liebe"unterwegs sind, aber auch asexsuell :thinking:

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Sex als Engel – unnötig wie ein Kropf. Außer, man muss irgendeinen 16-jährigen Schwulen bei der Stange halten. Da wird es dann ohne schon schwierig. Versteh schon :joy:

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Hallo liebe Leser, vor allem grüße ich meine beiden Kommentatoren Zuri und Simson – schön, dass Ihr wieder mit dabei seid ^^.
Bevor es gleich weitergeht, will ich mir die Kommentare noch vornehmen:

Ja, ja. Wie war das noch gleich? Das Leben ist eine ständige Wiederholung …
Und: Du bist unmöglich. :stuck_out_tongue:

Das ist natürlich korrekt, aber auch ein teilweiser Schutz ist besser als gar keiner.

Jein. Die zugegeben vielleicht unwichtige Bemerkung sollte dazu dienen, ein runderes Bild des Frühstücks-Alltags bei Familie Gärtner zu zeichnen. Es ist dort eine persönliche „Tradition“ oder auch Marotte des Vaters, immerzu irgendetwas am Tisch zu lesen. Unter der Woche ist es die Zeitung. Dass er am Sonntag, wo nunmal keine geliefert wird, etwas anderes liest (und darauf hingewiesen wird) soll nur unterstreichen, dass er das immer so macht. Was er da genau liest, ist in dem Fall unerheblich.

Ohne Worte … :see_no_evil:

Da hast Du vollkommen recht. Dazu kommen wir später noch.

Och doch, das lasse ich denen hin und wieder :smiley:

Eheliche Pflicht? oO
Na ja, solange sie ihn nicht mit ins Bett einbeziehen … :wink:

In der Geschichte geht es „unter anderem“ um Liebe und das Entdecken der solchen. Es ist für mich von vornherein klar gewesen, dass auch die damit einhergehenden Begleiterscheinungen ein Thema sein werden. Keine Sorge, es wird kein Dauerkuscheln geben oder so. Aber hin und wieder wird das (zumindest in nächster Zeit) sicher mal mindestens erwähnt. Hey, die zwei sind verliebt, haben im Moment keine größeren Probleme und jede Menge Zeit, sich auf sich zu konzentrieren. Klar, dass da die ein oder andere Erfahrung gemacht und hier auch dargestellt wird (also jetzt kein Porno, ich gebe mir schon Mühe, alles sehr diskret zu behandeln).

Eine sehr gute Frage, die ich mir auch schon gestellt habe …

Letzteres. Und falls die Frage aufkommt, wo ich das abgrenze, hier mal ein kurzer Überblick aus Wikipedia:

Petting […] bezeichnet sexuelle Handlungen zwischen Menschen, die jede Art von sexueller Stimulation ohne Vollzug des Geschlechtsverkehrs umfassen. […]umfasst die Formen körperlichen Kontakts außerhalb des Koitus, die sexuelle Erregung hervorrufen. […]Die wichtigsten Praktiken sind Küssen und manuelle und orale Stimulation der erogenen Zonen einschließlich der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale sowie das Aneinanderreiben derselben.

Im Gegenzug steht bei Koitus (Geschlechtsverkehr) u. a.: Sexuelle Handlungen ohne Eindringen des Penis fallen unter den Begriff Petting.

Uff … Du machst mich fertig … schon wieder. :see_no_evil: :see_no_evil:

Update für den ZuriBrainserverTM: In Kapitel 98 sagt Kevin zu Basti, dass er vor 313 Jahren entstanden ist. Diese Zeitangabe bestätige ich jetzt mal ganz offiziell :wink:
Und dass er das erste Mal mit den Gefühlen rund um die Liebe konfrontiert wird, ist an verschiedenen Stellen der Geschichte deutlich geschrieben worden.

Und was bedeutet „demi“?

Hab ich auch nicht böse aufgefasst. Du weißt doch: Was sich neckt … :stuck_out_tongue_winking_eye:

Das freut mich, dass Du es so siehst. Und ja, das Kapitel musste da enden, denn ich wollte den zweien etwas Zeit für sich allein gönnen :wink:

Da hast Du absolut recht – in jeder Hinsicht XD

Nein, er ist komplett jungfräulich in jeder dieser Hinsichten.

Apropos … geronto… was? Noch nie gehört. Bitte um Erklärung :sweat_smile:

Eine sehr interessante Theorie. Ich möchte das nicht unbedingt von der Hand weisen … :thinking:

Okay, genug kommentiert. Als nächstes kommt das neue Kapitel!

Credits:
Thomas Gärtner / Alter: 16 / mit Kevin zusammen, tendenziell unsicher und naiv, fest im Griff seiner Gefühle
Kevin Leneg (Kivan) / Alter: 15 / Engel in Menschengestalt, beschützt und leitet Thomas, sehr geduldig
Robin Friedberg / Alter: 16 / groß und stark, schlichtes Gemüt, in einer Beziehung mit Jenny (Mitschülerin)
Anke Gärtner / Alter: 40 / Thomas’ Mutter, Bürosachbearbeiterin

Handlungszeitpunkt: Freitag, 13.07.2012
Handlungsort(e): Freibad Weigitz, Neustadt/Laas, Altleben und Andersau


Was bisher geschah:
Thomas, der seit einiger Zeit mit dem ein halbes Jahr jüngeren, blonden “Engel” Kevin eine Liebesbeziehung eingegangen war, hatte sich bisher noch weitgehend nicht dazu bekannt. Nach einigem Hin und Her hatte er sich schließlich durchgerungen, seine Gefühle seinen Eltern zu offenbaren. Diese hatten das erfreut aufgenommen, da Kevin ein wirklich angenehmer Junge und es ihnen nicht wichtig war, für welches Geschlecht ihr Sohn Liebe empfand – womit Thomas sich im Vorfeld unnötigerweise so viele Sorgen gemacht hatte.
Der Sommer hatte derweil Hochsaison und die Temperaturen luden regelrecht zum ausgiebigen Badengehen ein. Bei einem Ausflug ins mehrere Kilometer entfernte Freibad Weigitz trafen Thomas und Kevin auf David, einen ehemaligen Mitschüler von Thomas. Die drei Freunde hatten eine gute Zeit und viel Spaß im Freibad, wachten nach einer ausgedehnten Ruhepause jedoch am Abend auf ihrem Liegeplatz auf und stellten fest, dass sie übersehen und nun im Bad eingeschlossen worden waren. David reagierte panisch, ließ Thomas und Kevin stehen und floh Hals über Kopf. Anstatt es ihm gleich zu tun, blieben die beiden Jungs jedoch im geschlossenen Bad, tobten sich nackt im Wasser aus und nutzten schließlich einen nicht abgeschlossenen Ruheraum, um dort die Nacht zu verbringen, da es für die Rückfahrt mit dem Fahrrad inzwischen zu spät geworden war. An diesem Abend kamen sich Thomas und Kevin körperlich sehr nah und tauschten zärtliche und intensive Berührungen aus …


(102) Ausbrecher

Ein Geräusch weckte Thomas aus dem Schlaf, welcher trotz des geringen Platzes auf der Liege durchaus sehr gut gewesen war. Was ganz sicher auch daran liegt, wie ich gestern in den Schlaf gefunden habe, dachte er selig. Er lag mit Blick Richtung Fenster, in welches das helle Licht der Vormittagssonne fiel, und konnte den warmen Körper von Kevin an seinem Rücken spüren. Zufrieden seufzend drehte er sich zu seinem Freund um und ruckelte sich zurecht.
   In dem Moment öffnete auch Kevin seine Augen und sofort stahl sich ein verliebtes Lächeln in sein Gesicht. Doch noch bevor er irgendetwas sagen konnte, schreckten beide Jungs hoch, als das laute Klacken des ins Schloss fallenden Metalltores vom Eingangsbereich zu hören war. Sie sahen sich beide bedeutungsvoll an.
   “Sehen wir zu, dass wir Land gewinnen”, schlug Thomas hastig vor, stand auf und begann schnell, seine Sachen aus dem Rucksack zu kramen und sich das Nötigste überzuziehen.
   Kevin tat es ihm gleich und spähte dabei vorsichtig aus dem Fenster. “Ich kann nichts erkennen”, flüsterte er.
   “Wer immer das ist”, überlegte Thomas, "könnte schon einen Verdacht haben. Immerhin sollten unsere Fahrräder noch draußen stehen.”
   “Da!”, hauchte Kevin und deutete mit einer Bewegung des Kinns in eine bestimmte Richtung. “Es ist vermutlich der Bademeister. Er geht nach hinten zu den verdeckten Liegestellen. Wenn er Eindringlinge vermutet, denkt er vielleicht, dort am ehesten fündig zu werden.”
   “Dann ist das unsere Chance”, witterte Thomas. “Hast du alles?” Als Kevin eilig bestätigte, sagte er: “Okay, gehen wir”, und setzte sich sofort in Bewegung.
   Sie öffneten vorsichtig die Tür und vergewisserten sich, dass der Mann nicht in ihre Richtung sah. Dann schlichen sie an der Fassade entlang, spähten um die Ecke in Richtung Eingang und als dort niemand weiter zu sehen war, machten sie sich eiligst daran, das Gelände zu verlassen.
   In diesem Moment wurden sie jedoch bemerkt. “EEEYYYY!”, schrie ihnen der muskulöse Mann entgegen. “Was macht ihr Typen da?”
   “Shit!” Thomas warf einen Blick über seine Schulter und trieb Kevin zur Eile an: “Schnell weg hier!” Sie rannten so schnell sie ihre Beine trugen, öffneten das Tor und warfen es hinter sich ins Schloss, während der Mann wutentbrannt brüllend auf sie zurannte.
   “Bleibt gefälligst stehen!”, forderte ihr Verfolger sie auf, doch daran dachte keiner von beiden.
Darauf kannst du lange warten, dachte Thomas stattdessen, während er sich – genau wie Kevin – an seinem Fahrradschloss zu schaffen machte. Letztendlich war das Glück mit ihnen und sie radelten, so schnell es ihnen möglich war, in letzter Sekunde los, während der Griff des wütenden Mannes, welcher seinen Arm nach Thomas ausgestreckt hatte, ins Leere ging und er lautstark fluchend zurückblieb.
   “Verdammte Junkies!”, brüllte er ihnen hinterher, wohl vermutend, dass die Jungs eingebrochen waren, um in der Abgeschiedenheit in Ruhe mit irgendwelchen Drogen ihren Kick zu bekommen.
   Thomas warf noch einen Blick zurück, während er amüsiert dachte: Wenn Kevin meine Droge ist, hat er gar nicht so unrecht.

Nachdem sie eine gute Strecke gefahren und sich sicher waren, dass sie nicht weiter verfolgt wurden, bogen sie auf einen abzweigenden Feldweg ab und legten eine Pause ein. Schwer atmend und mit klopfenden Herzen ließen sie sich ins Gras fallen.
   “Oh Mann”, stöhnte Thomas. “Jetzt sind wir Kriminelle.”
   Kevin lachte nervös. “Ich weiß auch nicht, was ich mir dabei gedacht habe. Es hat mich gestern einfach überkommen.”
   Thomas wandte ihm das Gesicht zu und meinte scherzhaft: “Offenbar habe ich einen schlechten Einfluss auf dich.”
   “Offensichtlich”, lachte Kevin.
   Plötzlich fuhr Thomas hoch. “Ach du Scheiße!”, rief er aus. “Meine Eltern haben keine Ahnung, wo ich die Nacht verbracht habe. Ich hab da gestern absolut nicht mehr daran gedacht.” Er biss sich auf die Lippe. “Das wird Ärger geben.”
   Kevin legte ihm eine Hand auf die Schulter. “Vielleicht wird es nicht so schlimm. Ich trage ja die Verantwortung.”
   Thomas drückte dankbar seine Hand, relativierte aber: “Nur für deine eigenen Entscheidungen.” Dann hievte er sich hoch und sagte: “Wir machen uns besser schnell auf den Heimweg.”
   “Ruf deine Eltern vorher lieber mal an”, empfahl Kevin, was Thomas mit gequältem Gesichtsausdruck zustimmend dann auch tat. Obwohl er etwas abseits stand, konnte Kevin deutlich die aufgebrachte Stimme von Thomas’ Mutter aus dem Telefon hören. Daran und an Thomas‘ gequältem Gesichtsausruck, erkannte er, dass Thomas offenbar recht gehabt hatte mit seiner Vermutung.

Der Rückweg nach Neustadt nervte Thomas ein bisschen. Nicht nur hatte er ein schlechtes Gewissen seinen Eltern gegenüber, es war auch noch ein ziemlich schwüler Vormittag und es hätte ihn nicht gewundert, wenn jeden Moment Gewitterwolken am Horizont aufgetaucht wären. Bei der breiten Fußgängerbrücke, welche sich über die Laas spannte und den dünn besiedelten Südteil von Neustadt mit dem geschäftigen Stadtzentrum verband, ließen sie sich auf einer Bank nieder, führten sich belegte Brötchen zu Gemüte, die sie sich eben besorgt hatten und ließen den Blick über die dahintreibende Laas gen Westen schweifen. Jenseits der bewaldeten Berge waren tatsächlich hohe Wolkentürme zu sehen, die unter ihren für Cumulonimbuswolken typischen weißen, wattebauschartigen Gipfeln dunkle Ahnungen eines ungemütlichen Wetters erkennen ließen.
   „Wir sollten besser mit dem Zug zurückfahren, wenn wir nicht völlig durchnässt werden wollen“, meinte Thomas, was Kevin mit einem zustimmenden Nicken quittierte.
   „Das gibt’s doch nicht!“, polterte da eine Stimme hinter den beiden, was Thomas sich erschrocken umdrehen ließ. „Alle Welt sucht euch und ihr sitzt hier gemütlich und esst?!“
   „Robin“, entfuhr es Thomas erstaunt. „Was machst du denn hier?“
   „Ich treffe mich gleich mit Jenny“, sagte der große Junge mit der kräftigen Stimme und machte eine wegwerfende Handbewegung, bevor er die beiden anderen Jungs mit einer kurzen Umarmung begrüßte. „Viel wichtiger ist die Frage: Was macht ihr hier? Deine Mum hat mich heute Morgen ganz aufgelöst angerufen und gesagt, du wärst gestern Abend nicht heimgekommen und nicht erreichbar. Ich hab dich ja auch schon versucht anzurufen. Hast du dein Handy schon wieder verloren oder was?“
   Thomas verzog verdrossen die Miene. Da waren so viele Anrufe in Abwesenheit, dass ich die mir gar nicht alle angeschaut habe. Dann erklärte er mit kurzen Worten, was er und Kevin erlebt hatten und dass das alles andere als geplant war. „Keine Sorge, meine Mum weiß inzwischen Bescheid“, gab er schnell bekannt. „Ich kann mich auf was gefasst machen, wenn ich heimkomme.“
   „Na ja“, lenkte Robin ein. „Ist ja nix passiert.“ Dann schlug er den beiden Freunden leicht auf die Schulter und sagte lachend: „Mensch, da seid ihr ja jetzt richtige Einbrecher. Soll ich meinem Vater schon mal einen Tipp geben?“
   Ebenfalls lachend erwiderte Thomas: „Da wäre ich ganz ruhig an deiner Stelle. Wer ist denn vor ein paar Wochen erst im Gewerbegebiet in eine Lagerhalle eingestiegen?“
   „Hee, das war für einen guten Zweck“, wehrte Robin ab. „Aber ihr hättet mir ja ruhig mal Bescheid sagen können. Den Spaß hätte ich mir sicher auch gegönnt.“
   Thomas und Kevin lachten und sahen sich dabei verstohlen an. Wenn ich daran denke, welchen „Spaß“ ich tatsächlich hatte, bin ich froh, dass Robin nicht dabei war. Und ich bezweifle sehr, dass er immer noch so gerne dabei gewesen wäre, wenn er die Details kennen würde.
   Die drei Freunde plauderten noch etwas, dann trennten sie sich und Thomas und Kevin beeilten sich, zum Bahnhof zu kommen und den nächsten Zug nach Hause zu erwischen.

Sie standen vor der Haustür von Thomas‘ Elternhaus. Thomas wollte gerade den Schlüssel ins Schloss stecken, da wurde die Tür aufgerissen und eine stumm, aber finster dreinblickende Frau sah ihrem Sohn ins überraschte Gesicht. „Mum?! Ich dachte, du müsstest heute arbeiten.“
   „Na sowas“, fing sie aufgebracht an. „Und ich dachte, du müsstest nachts bei uns daheim im Bett liegen oder zumindest Bescheid sagen, wenn dem nicht so ist. Da haben wir uns wohl beide getäuscht.“
   „Mum …“
   „Nichts Mum“, fuhr sie fort. Dann sah sie abwechselnd zwischen Thomas und Kevin hin und her. „Ich hätte mehr erwartet – von euch beiden.“ Schließlich schloss sie aber kurz die Augen und ließ ein Schnauben hören, wie sie es immer tat, wenn sie mit einer Schimpftirade fertig war. „Na schön. Es ist ja gut, dass euch nichts passiert ist. Aber ich möchte die ganze Geschichte hören, wenn dein Vater nachher heimkommt.“
   Alle Details?, konnte Thomas sich einen amüsierten Gedanken nicht verkneifen.
   „Ich flitze jetzt noch schnell ins Büro.“ Thomas‘ Mutter trat beiseite, damit Kevin und Thomas eintreten konnten. „Kümmer dich um Felix. Der Ärmste fühlt sich berechtigterweise schon ganz vernachlässigt.“ Thomas nickte zur Antwort und setzte an, die Treppe ins Obergeschoss zu besteigen. „Ach, und noch etwas“, hielt seine Mutter ihn zurück, während sie sich die Schuhe anzog. „Ihr fahrt nachher zu Kevins Eltern und klärt sie auf. Und zwar ihr beide. Persönlich. Wir haben sie telefonisch nicht erreicht. Bestimmt sind sie auch schon ganz krank vor Sorge. Bis später.“ Und damit warf sie die Tür hinter sich ins Schloss und war fort.
   Kevin und Thomas sahen sich an – einer schuldbewusster als der andere. „Ich glaube, ich werde sie mal fragen, ob es ihr lieber gewesen wäre, wenn wir mitten in der Nacht die 20 Kilometer im Dunkeln zurückgelegt hätten, oder ob es nicht doch gar nicht so übel war, dass wir zumindest die Nacht in Sicherheit verbracht haben“, überlegte Thomas.
   „Ja“, stimmte Kevin zu. „Lass uns den nächsten Zug nach Andersau nehmen. Felix nehmen wir mit.“
   „Willst du deine Eltern nicht wenigstens schon mal anrufen?“, fragte Thomas skeptisch.
   „Äh … hab ich schon versucht, als du vorhin mit deiner Mum telefoniert hattest – keiner da. Ich hab eine Nachricht geschrieben. Würde mich aber wundern, wenn sie mich vermisst hätten, da ich ihnen ja sagte, ich bin die nächste Zeit sicher viel bei dir. Mal sehen, vielleicht sind sie ja nachher zu Hause.“
   „Also echt“, scherzte Thomas. „Deine Eltern sind irgendwie auch wie Phantome.“

Eine Stunde später kamen sie in Andersau an. Noch während der Zugfahrt hatte es begonnen, stark zu regnen und Thomas verfluchte sich, dass er nicht daran gedacht hatte, einen Regenschirm einzupacken. So rannten sie die ganze Strecke vom Bahnsteig bis zum abgelegenen Haus von Kevins Eltern – was zumindest Felix großen Spaß machte – und waren froh, dass es wenigstens nicht gewitterte, wie sie erst befürchtet hatten.
   „So ein Pech. Sie scheinen nicht da zu sein“, sagte Kevin.
   Thomas konnte sich ein sarkastisches „Wie überraschend“ nicht verkneifen, sah Kevin aber gleich reumütig an, da er ihm nicht hatte auf die Füße treten wollen.
   Als sie die Küche betraten, fanden sie ein Blatt Papier auf dem großen Tisch liegend vor, auf dem Kevins Eltern eine Nachricht hinterlassen hatten, welche dieser vorlas: „Sohn. Solltest du vor unserer Rückkehr einkehren, wisse, dass unsere Anwesenheit an anderer Stelle mehr Zeit in Anspruch nimmt, als abzusehen war. Solltest du Befindlichkeiten haben, die der Klärung bedürfen, kannst du uns auf den bekannten Wegen erreichen. Gehab dich wohl. Mutter.“
   Krass, war der einzige Gedanke, den Thomas fassen konnte.
   Kevin legte den Zettel unbekümmert auf den Tisch zurück und sagte ungerührt: „Dann ist ja alles in Ordnung.“ Damit schien die Sache für ihn auch schon erledigt zu sein und er ging ins benachbarte Zimmer, um ein Handtuch für Felix zu holen, welcher mit durchnässtem Fell vor der Haustür stehengeblieben war. Nachdem er anschließend Thomas dabei zugesehen hatte, wie er dort seinen Vierbeiner trocken rubbelte, schlug er vor: „Ich könnte jetzt eine warme Dusche gebrauchen. Kommst du mit?“
   Thomas grinste verlegen, ließ sich den Vorschlag aber nicht zweimal sagen.

In der nächsten Episode:
Ein vergessener Freund, Thomas übt sich in Empathie und gibt weiter, was er gelernt hat


Damit verabschiede ich mich für heute und wünsche allen Lesern eine schöne Zeit. Bis zum nächsten Mal :slight_smile:

Liebe Grüße
Arokh

Wer sagte das noch gleich?

Erzähl mir was neues

Dann können die beiden ja gerne mal die Pille einwerfen und schauen, was passiert. Wenn schon Menschen, die menstruieren, davon teils heftige Nebenwirkungen bekommen, was macht das dann mit dem Hormonhaushalt derer, die das nicht tun?

Für viele ist die Sonntagszeitung DIE Zeitung oO

wofür wir ja durch unsere Zeitschleife hinreichend Gelegenheiten haben.

Ist das so wie das Minderheitenquartet vom Postillon?

Ja, “eheliche Pflicht” war, bis es zur Vergewaltigung in der Ehe wurde, das “Anrecht” des Mannes auf Sex mit seiner Ehefrau
Ne, ins Bettzeug integrieren sollen sie den Armen lieber nicht.

Liebe != Sex
Ja, klar, für viele gehört das dazu, aber ich sehe es kritisch, das beides über einen Kamm (“Begleiterscheinungen”) zu scheren. Aber jetzt mit Asexualität oder Sex ohne Liebe anzufangen, würde dazu führen, dass wir zu weit abschweifen …

Der Autor könnte ersteres im Handumdrehen ändern … :wink:

Wenn du Kivan das nächste Mal außerhalb des Bettes oder der Dusche erwischt, frag ihn doch mal von mir :slight_smile:

Diese Kategorie bedeutet auf Datingplattformen “das darf bloß keiner wissen” :stuck_out_tongue_winking_eye:

Dann könnten Lesben ohne Strap-on gar keinen Sex haben?

Na ja, wenn die sich gegenseitig einen runtergeholt haben, dann würde ich das schon als Softporno sehen.

Mission accomplished!

Na ja, vielleicht brauchen Engel auch einfach dreihundert Jahre um geschlechtsreif zu werden.

Ich wiederhole mich noch einmal: Sex != Liebe

So ähnlich wie semi- (“halb”) bedeutet demisexuell, dass man nur Sex mit Leuten haben kann, die man gut kennt und denen man sehr vertraut. Dasselbe gilt auch für demiromantisch (= lieben).

Wenn da jetzt jemand auf einen Phrasenwesensoftporno wartet, so weit geht die Liebe dann doch nicht :wink:

Man kann die Vorlieben bei der Partnerwahl in Altersklassen (= Chronophilie) unterteilen:

  • pädo-: Kinder (ja, Pädophilie quasi ist nichts weiter als eine Alterspräferenz, mit der Ausnahme, dass sie verboten ist)
  • hebe-, ephebo- und partheno-: Jugendliche
  • teleio-: Erwachsene
  • geronto-: alte Menschen

Nun zu Kapitel 102:

Spätestens bei Liebeskummer merkt man dann auch die gewisse Abhängigkeit …

Na ja, wohl eher anders herum, wenn man bedenkt, wer die Idee hatte …

Irgendwie gehen da bei mir, wenn ich das aktuell in Filmen oder alten Serien sehe, sofort die Alarmglocken an. Die Coronamaßnahmen sind schon so drin bei mir :sweat_smile:

Da wird also einer aufmüpfig und will gleich vom Petting mit seinem Freund berichten. So, so …

Die Nummer scheinen die offensichtlich zu haben oO

Also du kannst mir erzählen, was du willst. Kivan lügt hier wie gedruckt – daran besteht für mich keinerlei Zweifel. Wenn du derartige Zweifel im vorneherein hättest ausräumen gewollt, dann hättest du in dieser Szene zumindest eine Andeutung gemacht. Diese Szene ist genauso eindeutig ein Hinweis, dass Kivan nicht normal ist, wie die Szenen damals, in denen Basti ihm auf die Schliche kam. Thomas merkt das nur nicht, weil seine Droge ihn schon hat vor langer Zeit erblinden lassen.

Ist auch etwas aufwendig, dieselben Statisten-Fake-Elterndarsteller für so viele Kleinkramgastauftritte zu bekommen.

“[…] und dachte dabei wieder nur an Petting”

Liebe Grüße
Zuri

Guter Einwand gerade von @ArokhsSohn: Wir – besonders wir bösen Editoren – sehen häufig mehr das Schlechte als das Gute, weil wir das Gute für Selbstverständlich halten. Und wenn es ums Benennen von Dingen geht, die uns besonders ins Auge gefallen sind, polarisiert das Ganze dann gleich noch einmal mehr. Daher hier, ganz exklusiv: Mein Best-of dessen, was mir am aktuellen Part gefallen hat.

  • Die Szene mit der Mutter ist sehr authentisch. Die hab ich exakt so vor meinem geistigen Auge gesehen und schon etwas gefeiert ^^
  • Der Zettel von Kivans Eltern ist ja mal genial. Ich würde es feiern, würden meine Eltern mir solche Zettel schreiben :joy:

Ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht. Aber ich habe das schon an verschiedenen Stellen gehört. :sweat_smile:

Das ist Unsinn. Und Du weißt auch, dass ich darauf nicht hinaus wollte. :wink:

Bei uns in der Region gibt es sowas nicht (außer man möchte die “BILD am Sonntag” lesen, was Thomas’ Vater aber nicht möchte)

Das ist mir bewusst. Und ich will es auch nicht per se so hinstellen, dass die “Begleiterscheinung” - also Petting, Sex usw. - damit einhergehen MUSS. Es ist halt der Weg, den der überwiegende Anteil von Beziehungen nimmt (würde ich mal meinen, hab natürlich keine Studie zur Hand :wink: ) und den möchte ich hier auch gehen. Hat aber nichts mit Verallgemeinerung zu tun, das möchte ich mir nicht herausnehmen. Dass es noch andere Modell gibt, ist völlig klar und noch dazu absolut in Ordnung!
Abgesehen davon, spricht Kevin in der Geschichte niemals davon, dass man unbedingt Sex haben MUSS, um seine Liebe auszudrücken. Vielmehr ist die Einstellung “Wenn es passiert, ist gut, wenn nicht, ist es auch gut”, um jeglichen Druck zu vermeiden. Den einzigen Druck in der Richtung macht sich höchstens Tommy selbst, weil er eine gewisse Vorstellung zu dem Thema hat. Aber das kann und soll er ruhig lernen, dass es da keine Vorschriften gibt, wie eine erfüllte Liebe auszusehen hat

Hab ich gemacht. Er wollte es mir nicht verraten :stuck_out_tongue_winking_eye:

Keine Ahnung, wie da nun die genaue Definition oder Abgrenzung ist. Soooo sehr hab ich das jetzt nicht recherchiert :wink:

Ja, sicher, das mag schon sein. Aber mehr als Andeutungen sind ja nicht vorhanden und auch nicht erforderlich. Wer es möchte, denkt sich den Rest, wer es nicht möchte, liest einfach weiter, denn es wird ja nix ausgeschmückt.

NEIN! Es war einfach für seine bisherigen Missionen nicht erforderlich.

Okay, danke für die Erläuterung. Das wusste ich noch nicht.

Ja, schon, aber Tommys Bemerkung bezieht sich auch eher darauf, dass Kevin sich in der Zeile davor fragt, was er sich nur dabei gedacht hat. Aus Thomas’ Sicht heraus ist Kevin bisher ja eher so eine Art “wandelnde weiße Weste” und daher wirft er hier ein, dass es wohl sein schlechter Einfluss auf Kevin ist, der diesen so einen Vorschlag machen lässt. Davon abgesehen, hat es ohnehin keiner von beiden ernst gemeint.

Ja, haben sie. Als Thomas damals - noch relativ am Anfang - sein Handy verloren hatte und nach langer (vergeblicher) Suche, Kevin vor seiner Tür stand, hat er sich seine Nummer, Adresse und Telefonnummer seiner Eltern aufgeschrieben. Es ist davon auszugehen, dass er das seinen Eltern mitgeteilt oder das irgendwo zentral aufgeschrieben hat.

Die Zweifel sind berechtigt und durchaus gewollt. Es sollte niemals klar sein, ob Kevin das tatsächlich getan hat oder nicht. Er kann das also gemacht haben oder auch nicht :wink:

Hey, Du lagst mir doch neulich erst in den Ohren, dass ich immer das Offensichtliche anspreche. Da lasse ich es nun einmal und Du greifst es doch wieder auf :stuck_out_tongue_winking_eye:

Da habe ich mich sehr drüber gefreut, da ich mich echt schon gefragt hatte, ob ich auch irgendetwas gut gemacht habe. Aber ja, ich verstehe, dass das mit der Tätigkeit als Editor und gleichzeitig Kommentator einhergeht - ich muss da selbst auch immer tierisch aufpassen, das Gleichgewicht zu wahren :sweat_smile:

Liebe Grüße
Arokh

Ist nicht gegen dich persönlich gerichtet, sondern allgemein dagegen, dass die Mehrheit immer die Norm definiert und in “richtig” und “falsch” unterteilt. Und da es leider immer noch viele Leute gibt, die das extrem vermischen (wie man das “intern” hält, ist mir egal, aber da Sprache unser Denken und Handeln beeinflusst, weise ich darauf im Gespräch hin) und Grausexualität bzw. das aroace-Spektrum “komisch” und unnatürlich finden, fühle ich mich dazu berufen, darauf hinzuweisen.

Na ja, sie könnten zwischen der roten und der blauen wählen.

Manchmal spricht man sich, dass die Vergangenheit (ca. 100 Jahre) sich wiederholt, wenn man darauf hinweisen will, dass die Menschheit nicht aus ihren Fehlern gelernt hat (“History repeats itself”). Richtiger wäre es allerdings, von Zyklen zu sprechen. Weil wir uns schon nach vorne bewegen und – das ist sogar noch schlimmer – trotz Lektionen und technologischen Fortschritt dieselben Fehler in der Zukunft erneut mehr oder minder wissentlich begehen.

Manche Features/Skills werden halt erst zu bestimmten Quests unlocked …

Dank habe ich an den ZuriBrainserver :tm: weitergeleitet :wink:

Dass Engel Westen tragen, ist ja eher untypisch. Wie nennt sich das denn? Kleid? Talar?

Hat es denn der Kommentator ernst gemeint?

In Thomas’ Alter hätte ich definitiv nicht mehr die Nummern von meinen Freunden bei meinen Eltern abgeliefert. Sind das bei Tommy solche Kontrollfreaks? Ist halt etwas untypisch, weil man sich ja auch abnabelt. Thomas und Kivan sind ja keine Kinder mehr. Wenn überhaupt haben die Eltern vielleicht Thomas’ Klassenliste.

Er hat es nicht gemacht. Wie gesagt: Ich zweifle nicht daran – selbst wenn du in mir Zweifel wecken willst :stuck_out_tongue_winking_eye:

Offenbar hab ich dich gut genug imitiert, dass es dir nicht entgehen konnte :joy: Zumal du ja immer sagst, dass man alles von dir so oder so auslegen kann und alles, worüber man diskutieren könnte, der Fantasie des Lesers überlassen sei, sodass der Autor dazu keine Aussage machen könne :stuck_out_tongue_winking_eye:

Liebe Grüße
Zuri

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Duschen die etwa immer noch ??? :cold_face: :joy: