Wandel des Herzens

@Zuri: (als wäre hier ja auch sonst noch jemand, der sich angesprochen fühlen könnte, aber man will ja die Form wahren :smiley: )

Kein Problem, da wird eben aus der HdF-Con eine Version 2.0 – die heißt dann „Zitat Wars: Episode II - Angriff der Phrasenwesen“ :stuck_out_tongue:

Ach was, er hat es einmal zur Begrüßung und einmal zur Verabschiedung getan. Ja gut, und einmal in der Nachricht. Wenn Justin das als eine Art Running Gag verwenden will, passt das meiner Meinung nach schon. Aber okay, ich pass auf, dass ich es nicht übertreibe.

Die Geschlechtervorliebe ist nicht vorprogrammiert oder so. Was erforderlich ist, um einen Auftrag zu erfüllen, wird passieren. Ist es eine rein physische Angelegenheit, sind Gefühle wohl kaum erforderlich. Im Fall von Thomas sieht es eben anders aus. Und was Justifar betrifft… der hat Gefühle nun wirklich nicht nötig, um zu bekommen, was er will. Vermutlich würden sie ihm sogar eher im Weg stehen und ablenken.

Es wäre durchaus nicht zu abwegig. Denn einen Keil könnte er so auch zwischen sie treiben. Es ist ja offensichtlich, dass Justin Schaden anrichten will. Dabei wird ihm jedes Mittel recht sein. Warum das so ist, also was ihn antreibt, wird aber definitiv auch aufgeklärt.

Thomas und Basti haben in der Vergangenheit schon einige Male bewiesen, dass sie Schwierigkeiten zu haben scheinen, sich das eigentlich Wichtige endlich sagen zu können. Ich will die zwei ja auch nicht ewig auf der Stelle treten lassen, aber einmal muss es jetzt noch sein. Es passt auch ganz gut, weil Thomas seine Neuigkeit gern noch ein Weilchen geheim halten möchte und Basti sich in den Kopf gesetzt hat, dass es der richtige Zeitpunkt sein muss (wobei der eigentlich schon längst vorbei ist; die Auflösung wird für beide nicht sehr angenehm, das ist wohl offensichtlich).

Das Stammcafé, wie Du es so treffend bezeichnest, kam zuletzt vor, als die Clique für die Mathe-Prüfung gelernt hat. Und ja, der Vorfall mit Jenny und Naomi war auch dort (Y)

Dein Gefühl bezüglich Justins Anwesenheit trügt nicht. Irgendwie scheint es aber außer Thomas niemand seltsam zu finden, dass der Kerl quasi aus dem Nichts erschienen und jetzt nicht mehr wegzudenken ist…

Ob Basti es rechtzeitig schafft, allein oder nicht, das liest Du gleich:

Credits:
Thomas Gärtner / Alter: 16 / heimlich mit Kevin zusammen, um Basti besorgt, neuerdings misstrauisch
Bastian „Basti“ Fierer / Alter: 16 / macht turbulente Zeiten durch, neuerdings kein bisschen misstrauisch
Robin Friedberg / Alter: 16 / treuer Freund und Kamerad, Partner von Jenny
Franziska „Franzi“ Uhlstätt / Alter: 16 / bandelte mit Dennis an, gemeinsame Freundin von Thomas, Basti und Robin
Justin “Justifar” Feutel / Alter: 22 / schwarzhaariger Doppelgänger von Kevin, kalte Augen, bietet Gründe zum Misstrauen

Handlungszeitpunkt: Freitag, 01.06.2012
Handlungsort(e): / Neustadt an der Laas

Was bisher geschah:
Thomas war seit dem Wochenende, welches er mit Kevin verbrachte, mit diesem zusammen, wollte diese Beziehung aber vorerst nicht an die große Glocke hängen.
Auf dem Heimweg vom Kurzurlaub auf Rügen, hatte die siebenköpfige Familie Fierer einen Autounfall, bei dem glücklicherweise nur Bastis Bruder Paul und sein Vater ernster verletzt wurden. Justin, den Basti unerwarteter Weise kurz zuvor im Wald getroffen hatte, tauchte als Erster am Unfallort auf und stand der Familie in der Folgezeit bei.
Nachdem Thomas von Basti die Einzelheiten erfahren hatte und herausfand, dass Justin in unnormal kurzer Zeit zu einem wichtigen Bestandteil des Lebens seines Freundes wurde, beschloss er, der Sache auf den Grund zu gehen. Zunächst hatte er sich jedoch mit Basti in ihrem Stamm-Cafe in der Stadt verabredet. Basti selbst hatte sich mit Justin im Spielcasino verabredet und überlegte, ob er Thomas dorthin mitnehmen sollte.

b Wie in alten Zeiten[/b]

Thomas hatte Kevin gegenüber seine Gedanken geäußert, dass er die Entwicklung mit diesem Justin verdächtig fand, aber Kevin hatte ihn beruhigt, dass er erst einmal abwarten solle, wie sich das weiter entwickeln würde. Teilweise war Kevin aber auch neugierig, was es mit diesem Kerl auf sich hatte, der wie eine ältere Version von sich selbst aussah. Zwar hatte er Kathy gegenüber geäußert, dass er keine Bedenken hätte - etwas anderes als Zufall würde sich dahinter verbergen - dennoch sah er hier Gelegenheit, auf Nummer sicher zu gehen.

Es war Freitag und Thomas freute sich schon darauf, endlich wieder etwas Zeit mit seinem besten Freund verbringen zu können, auch wenn er etwas hin und hergerissen war, hatte er die letzten Tage doch viel Zeit mit Kevin verbracht und fand es schrecklich, von ihm getrennt zu sein. Gern hätte er ihn rund um die Uhr um sich gehabt, doch für Kevin ging der Schulalltag nach den Pfingstferien weiter, während Thomas und seine Kameraden sich mitten in den Prüfungsvorbereitungen befanden.

Der Zug aus Richtung Altleben traf pünktlich 15:50 in Neustadt ein und Thomas wurde bereits von Basti am Bahnsteig erwartet. Es war, wie schon die ganze Woche über, recht durchwachsen und wolkenverhangen. Da es so aussah, als wollte es jeden Moment regnen, hatte Thomas sich einen Schirm mitgenommen, doch zum Einsatz musste er dann doch nicht kommen. Bei der Ankunft am Cafe am Markt dachte Thomas sich, Oje, da hatten wohl nicht nur wir diese Idee. Bei dem Wetter wollen sie alle nach drinnen flüchten. Er wechselte einen Blick mit seinem Freund, der wohl etwas ähnliches dachte.

Basti entdeckte jedoch noch eine freie Nische in der hinteren Ecke des Cafes, deutete darauf und zog Thomas mit sich. „Ganz schön voll heute“, ließ er sich zu der überflüssigen Bemerkung hinreißen.

„Allerdings“, stimmte Thomas zu. „Willst Du doch lieber woanders hin?“

„Nein“, wiegelte Basti lässig ab und fügte lächelnd hinzu: „Hauptsache, Du bist hier.“

Thomas grinste ein wenig verlegen zurück.

Beide schwiegen einen Moment, dann sagte Basti mit lachenden Augen: „Hey, wusstest Du eigentlich, dass zwischen Robin und Jenny gerade Froststimmung ist?“

„Was?“, wollte Thomas schockiert wissen. „Wie das? Und warum siehst Du nicht so aus, als würde Dich das bedrücken?“

Basti kicherte vor sich hin, als er antwortete: „Hihi, stell Dir vor, sie hat – natürlich rein zufällig – ein Bild auf Robs Handy entdeckt, welches sie ein wenig sauer werden ließ.“

„Was für ein Bild?“, fragte Thomas interessiert.

Schelmisch grinsend und mit geheimnisvollem Unterton, antwortete Basti: „Eins mit nackten Tatsachen…“

„Nein!“, rief Thomas bestürzt, „Jenny hat das Bild einer anderen bei ihm entdeckt, und dann auch noch pornomäßig?“

„Oh, nein, nicht ganz. Sie war es schon selbst, die dort zu sehen war“, stellte Basti noch immer kichernd klar.

Etwas irritiert fragte Thomas: „Ok, wo ist dann das Problem? Ich habe zwar nicht gefragt, aber ich denke doch, dass die beiden sich schon nackt gesehen haben, oder? Robin ist ja nun nicht gerade prüde.“

„Du hast aber auch keinen Anstand, oder?“, witzelte Basti. „Nein, das Problem ist, dass sie nichts davon wusste, dass so ein Bild überhaupt existiert. Er hat es heimlich gemacht, während oder nachdem sie unter der Dusche war; das hab ich mir jetzt nicht so genau gemerkt.“

„Oh Maaaann, das ist aber wirklich blöd gelaufen.“

„Ja, ja, aber pass auf, das Beste kommt ja noch.“ Bastis Augen funkelten, als er sich etwas vorbeugte, um Thomas weiter zu berichten. „Als er Jenny das Handy aus der Hand riss, um schnell das Foto zu löschen, ist er ausversehen auf Weiterleiten gekommen. Das Foto ging dann an die letzte Person, die er angerufen hatte – an Franzi.“

„Ach Du Scheiße“, fing Thomas an, bevor sie beide laut lachen mussten. „Ok, dann glaub ich, dass Jenny jetzt wütend ist“, meinte Thomas schließlich.

Nachdem sie sich wieder beruhigt hatten, waren sie erneut still. Beide bekamen ihre bestellte Tasse Cappuccino und jeder für sich schaute nachdenklich seine Tasse an. „Du, Tommy?“, unterbrach Basti plötzlich die Stille.

„Was gibt’s denn?“, erwiderte der Freund und lächelte Basti aufmunternd an.

„Bald ist der Prüfungsstress vorbei und bis zur Lehre ist noch etwas Zeit.“ Basti unterbrach sich einen Moment und schien nach den richtigen Worten zu suchen. „Also ich meine, wir beide haben dann doch Zeit, oder?“

„Theoretisch schon“, meinte Thomas. Praktisch will ich so viel Zeit wie möglich mit Kevin verbringen, dachte er nebenbei. „Aber worauf willst Du hinaus?“

„Ich würde, wenn es soweit ist, gern etwas mit Dir besprechen“, sagte Basti.

„Warum erst dann? Sprich doch jetzt mit mir, jetzt habe ich definitiv Zeit“, argumentierte Thomas logisch.

„Nein, jetzt kann ich nicht“, wich Basti aus. „Es ist kompliziert… Es muss bis nach den Prüfungen warten“, schloss er.

Die Stirn runzelnd und mit einem schiefen Grinsen meinte Thomas: „Du weißt aber schon, dass das gemein ist; erst mit einer geheimnisvollen Information vor der Nase rumwedeln und dann sagen 'och, hab’s mir anders überlegt, sag ich jetzt nicht‘.“ Da Basti ein zerknirschtes Gesicht machte, sagte Thomas noch: „Und ich dachte, ich wäre der Umständliche von uns beiden.“

„Ja, ja, mach Dich nur über mich lustig.“

Thomas lächelte sein Gegenüber beschwichtigend an und legte seine Hand auf Bastis. „Ist schon gut. Aber, wenn Dich etwas beschäftigt, solltest Du nicht so lange warten. Ich bin Dein bester Freund.“ Und nach einem Moment ergänzte er nachdenklich: „Mir ist, als hätten wir so ein ähnliches Gespräch vor einiger Zeit schon einmal geführt.“

„Was meinst Du?“, fragte Basti.

„Ich weiß nicht genau“, stutzte Thomas. „Denkst Du manchmal, wir haben uns in kurzem Abstand stark verändert? Ich meine, worüber haben wir früher immer geredet? Wir haben doch immer so viel gelacht, wie vorhin, oder? Warum wirkst Du immer so nachdenklich in letzter Zeit? Nicht, dass ich von mir behaupten könnte, ich wäre so sorgenfrei wie früher.“

Basti sah Thomas intensiv an und überlegte einen Moment. Schließlich hob er leicht die Schultern und meinte: „Vielleicht werden wir einfach erwachsen.“

„Ja klar, Du und erwachsen“, tönte da auf einmal eine laute Stimme von der Seite.

Thomas zog seine Hand, welche noch immer auf Bastis Hand ruhte, ruckartig zurück und beide sprangen erschrocken auf. „Robin, was tust Du denn hier?“, wollte Thomas wissen.

Robin lachte kurz und sagte stichelnd: „Ich hab Euch zufällig entdeckt und dachte, ich sag mal hallo. Konnte ja nicht ahnen, dass hier einer dem anderen einen Antrag macht.“

Basti, der argwöhnisch Robins Aufmachung beäugte – er trug einen schicken Anzug und hielt in einen opulenten Strauß Rosen in den Händen – konterte schlagfertig: „Sagt der, der offenbar selbst große Pläne hat. Welchen von uns beiden willst Du denn verführen.“

„Ach, mach Dich nicht lächerlich, Zwerg“, entgegnete Robin gespielt verärgert, aber doch etwas verlegen. „Ich bin auf dem Weg zu Jenny.“ Er sah flüchtig zu Thomas und mutmaßte nebenbei: „Ich nehme mal an, Basti hat Dich schon auf den neuesten Stand gebracht?“

Thomas nickte und lächelte seinen Freund aufmunternd an. „Hast Du es eilig oder willst Du Dich noch ein bisschen zu uns setzen?“, fragte er und rutschte demonstrativ einen Platz weiter in Richtung Wand.

Robin nahm das Angebot gern an und berichtete den beiden, wie er vorhatte, seine Partnerin um Verzeihung zu bitten. Zusammen überlegten sie, wie er das am besten anstellen sollte. Es blieb allerdings nicht aus, dass Basti ihn immer wieder mit der Aktion aufzog, was Robin aber meist in gewohnter Weise zu kontern wusste.

Thomas freute sich, nach langer Zeit mal wieder das altbekannte Wechselspiel der Freunde erleben zu dürfen. Das hatten wir viel zu lange nicht mehr, dachte er ein wenig wehmütig.

„Meine Güte, Jungs, da hab ich ja doch richtig geschaut“, erklang nun auch noch eine vertraute, weibliche Stimme. „Rob, mein Lieber, Du siehst verdammt gut aus. Ich vermute, dass erhöht die Chancen, dass Jenny Dich nicht gleich tötet, wenn sie die Tür aufmacht“, neckte Franzi den gemeinsamen Freund, welcher daraufhin nur eine gequälte Grimasse zustande brachte.

Basti und Thomas sahen sich mit bedeutungsvollen Blicken an, bevor der Kleinere sagte: „Sagt mal Leute, verabredet oder so, waren wir jetzt aber nicht alle hier, oder?“

„Wieso“, fragte Franzi gutgelaunt, „Ist doch wie in alten Zeiten, was?“ Sie setzte sich auf den Platz, den Basti ihr höflicherweise frei machte und erklärte den drei Jungs, dass sie sich tatsächlich mit Dennis fürs Kino verabredet hatte. „Aber ich hab noch ein bisschen Zeit, und stellt Euch vor, da sitzen meine besten Freunde in unserem Lieblings-Cafe. Na, wenn das mal nicht ein glücklicher Zufall ist.“ Die vier Freunde lachten ausgelassen, dann wandte Franzi sich direkt an Basti. „Sag mal, wie geht es denn Paulchen?“ Nachdem Basti ihr bestätigte, dass Paul auf dem Weg der Besserung sei und sich schnell erholen würde, gab sie ein wenig gedankenverloren zu: „Ich war wirklich schockiert, als ich von Eurem Unfall erfahren habe. Und ehrlich gesagt, hätte ich gar nicht damit gerechnet, Dich heute schon wieder hier zu sehen – so… unbeschwert. Ich bewundere Dich.“

„Yep, alle bewundern mich und wollen so sein, wie ich. Das ist meine besondere Gabe“, erwiderte er verspielt, übertrieben betont und mit geschwollener Brust.

Die Freunde saßen noch eine Weile so beisammen und unterhielten sich, scheinbar befreit von allen Sorgen, bis Franzi als erste aufstand und sich verabschiedete, da sie sonst zu spät zu ihrem Date kommen würde. Robin tat es ihr einige Minuten später gleich und meinte, nun genügend Kraft gesammelt zu haben, um Jenny gegenüberzutreten. Basti und Thomas wünschten ihm von ganzem Herzen Glück und dann waren sie wieder allein, hatten beide aber ein seliges Strahlen im Gesicht.

„Franzi hatte recht“, eröffnete Thomas, „es war wirklich wie in alten Zeiten. Wir sollten das wieder öfter machen.“

Auch wenn Basti sofort zustimmend nickte, wussten beide tief in ihrem Innersten, dass die Zukunft wohl anders aussehen würde. Nach den Prüfungen und dem damit verbundenen, endgültigen Ende der Schulzeit, würden die Wege der Freunde höchstwahrscheinlich unterschiedliche Richtungen einschlagen und Treffen wie dieses, würden eine Ausnahme bilden. Basti schob die Gedanken beiseite, sah auf die Uhr und stellte erschrocken fest: „Du meine Güte, es ist gleich 18:00 Uhr.“

„Und?“, fragte Thomas.

„Ich bin noch verabredet“, sagte Basti und war bereits im Begriff, aufzustehen, „Im Casino am Busbahnhof.“

„Die Spielhölle meinst Du?“, erkundigte Thomas sich und zog die Stirn in Falten. „Was willst Du denn da? Das Loch ist doch verrufen.“

„Ich habe Justin zugesagt, ihn heute dort zu treffen.“ Basti hielt inne und sah Thomas an. „Kommst Du mit?“

„Ich weiß nicht“, meinte der unentschlossen.

Basti sah in gekonnt unschuldig an und lockte ihn mit den Worten: „Vielleicht willst Du mich ja beschützen.“

Das ist vermutlich gar nicht so weit hergeholt, wenn ich an die Umstände denke, überlegte Thomas. Schließlich seufzte er ergeben, stand auf und sagte: „Na, meinetwegen. Es wäre vermutlich nicht so klug, Dich blindlings und alleine in die nächste Katastrophe rennen zu lassen.“ Beim Verlassen des Cafes ergänzte er noch: „Ich hab ohnehin nix besseres vor.“ Auch wenn das nicht ganz die Wahrheit ist, ich würde eigentlich viel lieber gleich zu Kevin fahren, anstatt meine Zeit in dem Drecksloch zu verbringen. Aber ich kann Basti jetzt nicht allein lassen, schon gar nicht, wenn es schon wieder um diesen komischen Justin geht. Den schaue ich mir heute mal genauer an…

In der nächsten Episode:
Zwei Spiele, ein Streit, ein Gewinner, zwei Verlierer

Fortsetzung folgt… nächste Woche, wenn alles gut geht.

Liebe Grüße,
Arokh

Wen greifen wir denn an? Hab ich was verpasst? Wurden wir wirklich in einer Klonfabrik auf Geonosis “produziert”? Ich weiß nicht, ob ich den Plänen Lord Sidious’, die die Verwirklichung der Version Darth Banes darstellen, entsprungen sein will…

Gefühle sind also weder Kathys noch Justifars Ding… Aber wenn man sie bräuchte, wären sie anpassbar?

Ich glaube, ich muss nicht viel dazu sagen: Diese beiden Zitate sprechen für sich — explosives Material für das nächste Kapitel…

Ja, das ist (ich hoffe, ich kann da für alle sprechen) auch für uns (einen) Leser mal wieder eine schöne Szene, die an den Anfang der Geschichte zurückerinnert und die Freunde für einen Moment unbeschwert sein lässt, bis Justifar weiter mit seiner vorbereiteten Zerstörungswut fortfährt…

Das Photo hätten glaube ich schlimmere bekommen können. Ich glaube, Franzi geht da noch den Umständen entsprechend locker mit um, aber Rob hat sich da natürlich ein bisschen was geleistet…

Ich habe einen Kumpel, der mich an Basti erinnert. Da muss man schon bei einigen Szenen schmunzeln :smiley:

Ich glaube, ich muss nicht groß raten, um vorherzusagen, dass Justifar der Gewinner sein wird, oder?

Übrigens: Leg mal ein bisschen zu :stuck_out_tongue: Iroc ist schon bei Seite 37, obwohl der gar nicht so aktiv ist…^^

Liebe Grüße,
Zuri

Soooo ich glaub ich bin jetzt auch Mal wieder nach einem halben Jahr offline Krise auf dem neuesten Stand. :laptop: :cry:

Ach ja da ja heute Neujahr ist…Happy New year!!!
Ein guten Rutsch euch allen und dir Arohk viel Inspiration und Ideen für den weiteren Verlauf der Geschichte und weiteren :tease: :happy: :laughing:

Also dann bis bald Leute -bunny

Hey Arokh :slight_smile:

Deine Geschichte ist echt der Hammer!!! Ich bin schon seit langem ein stiller, heimlicher Mitleser. Jetzt hab ich mich endlich mal angemeldet, um dir ein dickes, fettes Lob auszusprechen! :slight_smile:

Wie geht es weiter?? Werden Thomas und Kevin zusammen bleiben? Und wird evt Basti mit Justin zusammen kommen? Das deutet zumindest den Streit mit Thomas hin, der in deiner Vorschau mal zu lesen war. Das wäre soo nice :smiley: Obwohl ich Justin eigentlich nicht mag, mir ist er ein wenig zu angsteinflößend und schmiedet zu dunkle Pläne :confused: Aber vielleicht springt er zu der guten Seite, zu Kevin und Kathy :slight_smile:

Oder vielleicht kommen ganz am Ende Basti und Thomas zusammen, wobei nur Kevin den Vermittler gespielt hat? Das wäre sooo süß :slight_smile:

Ich bin einfach mega gespannt wie es weitergeht :slight_smile:

Ich hoffe ich konnte dir einen guten und tatkräftigen Motivationsschub liefern, der bis zum Ende deiner Story ausreicht :slight_smile: Please do it! ( Gedachter Smilie, weil ich sonst die Anzahl der Smilies ( nur acht! ) überschreiten würde )

LG Jones13 :slight_smile:

Ein neuer Teil der tertiären Story:

Zunächst lachte Mira, doch als er in Jasons erschüttertes Gesicht sah, verblasste sein Lächeln.
“Was geht hier vor, Jason!?”, wollte er verunsichert und leicht verärgert von seinem Freund wissen.
“Er hat dich rufen lassen, um dir was mitzuteilen, nicht dir was zu verschweigen. Das, was du gehört hast, war nur Spaß.”, erklärte PhrasenwesenZ diplomatisch.
Mira entspannte sich sofort und erwiderter: “Euch hätte ich nicht wirklich was schlimmes zugetraut. Ich war nur… Ach, egal. Tut mir leid.”
Jason, der sich mittlerweile wieder gefasst hatte, erhob sich nun und umarmte Mira einfach nur fest.
“Okay, okay. Ich hab dich auch lieb, Jason”, meinte Mira nach einer Weile und Jason ließ ihn langsam wieder los. Dann setzten sich beide aufs Bett.
Der Sohn des Bürgermeisters ergriff die Hand des Sohnes der wunderlichen Frau und begann zu erzählen. Schließlich kam Mira zu derselben Schlussfolgerung wie Jason zuvor. Er sprang auf.
“Zu meiner Mutter zurück? Nie im Leben! Ich bleibe bei Jason. Nur über meine Leiche! Das hatte ich euch wirklich nicht zugetraut.”
Er war rasend vor Panik — wie ein eingesperrtes Tier.
“Mira. Das war es, was ich vermeiden wollte. Ich wollte es dir ruhig beibringen: Arokh und Zuri werden das nicht tun”, versicherte ihm Jason flehend.
“So? Das glaubst du ihnen? Was sollte sie so plötzlich umgestimmt haben? Darum habt ihr euch doch hier eingeschlichen! Darum seid ihr zurückgekommen!”
Er stürmte aus dem Raum
“Mira!”, rief Jasons erstickte Stimme.
Dann sackte er in sich zusammen und saß mit versteinertem Gesicht da.
Eine Ewigkeit lang sagte keiner ein Wort. Jason war mit sich selbst und dem Ausgang des Gesprächs mit Mira beschäftigt; den beiden Phrasenwesen tat das Ganze sehr leid. Sie waren so gastfreundlich und herzensgut empfangen worden und nun hatten sie vielleicht gerade eine glückliche Beziehung zerstört. An die Bedeutung des Namens des Dorfes dachte PhrasenwesenA im Moment nicht. Sie wussten nicht, was sie sagen sollten, aber sie wollten Jason erklären, dass sie dies absolut nicht beabsichtigt hatten und ihnen sehr leid tat.
Schließlich erhob sich Jason.
“Ich bin mal eben im Bad. Ihr könnt gerne bleiben.”
Er verließ den Raum; die Phrasenwesen blieben, unschlüssig, was sie tun sollten, zurück. Hatte in seiner Stimme die Bitte, sie mögen bleiben, gelegen? Eine Zeit lang versanken sie beide in Selbstverwürfen und fragten sich, ob sie sich gleich zu Beginn bei Jason entschuldigen sollten. Wäre es besser gewesen, sie wären gar nicht erst in dieses Dorf gekommen? Dann hätten sie kein Unglück über diese Beziehung gebracht.
Schlussendlich nahm ihnen Jason die Entscheidung ab, als er den Raum wieder betrat.
“Mira kommt schon wieder zurück. Muss erst einmal runterkommen. Musste ich ja gerade auch kurz”, sagte er “Euch trifft keine Schuld. Ich vertraue euch und Mira vertraut mir. Jetzt wissen wir es wenigstens. Das wird schon. Wir bekommen das hin. Unangenehme Wahrheiten sind manchmal schwierig hinzunehmen und zu akzeptieren. Aber sie gar nicht erst zu kennen, macht es unter Umständen noch schlimmer.”
Doch so schnell kam Mira nicht wieder. Irgendwann realisierte auch Jason, dass es mit Miras Rückkehr noch etwas dauern würde. Also beschloss er, das Beste daraus zu machen und bestellte für alle drei Heiße Schokolade. So kamen sie ins Gespräch und Jason entspannte sich immer mehr — zumindest äußerlich. Eine gewisse innere Anspannung blieb natürlich die ganze Zeit über im Hintergrund dort. Sie sprachen über dieses und jenes und lernten sich besser kennen.

Nach langer, langer Zeit eine Fortsetzung und auch der Grund für Arokhs ebenso lange Abwesenheit :wink:

Weder in der Nacht, noch am folgenden Tag kehrte Marc zurück. Jason hatte kaum geschlafen. Die Phrasenwesen wussten ihm nicht wirklich zu helfen. Sie hielten abwechseld Nachtwache, um für Jason da zu sein, sogut sie konnten. Doch all ihr Bemühen brachte ihn Mira nicht zurück. Und so vermochten sie seine Stimmung nicht zu verbessern. Schließlich sprang Jason auf.
“Ich werde ihn suchen”, erklärte er voll neugewonnener Überzeugung.

“Was ist… wenn Mira nach Hause kommt?”, wandte Phrasenwesen A ein.
“Äh… Ihr seid doch da”, antwortete Jason.
“Na ja, überleg mal: Zu demjenigen, der geht, haben wir dann keinen direkten Kontkat mehr. Wenn du hier bleibst siehst du ihn schneller wieder.”
“Hmmm…”, machte Jason.
“Siehst du”, schloss PhrasenwesenA und verkündete: “Ich gehe.”
“Und warum nicht ich?”, versuchte sich PhrasenwesenZ zu Wort zu melden.
“Ach, das ist doch Jacke wie Hose.”, winkt das andere Phrasenwesen ab als wolle es nicht darüber diskutieren.

Wortlos gibt sich sein Phrasenwesenkollege geschlagen.

  • 0 - 0 - 0 - 0 - 0 -

Dann schließlich macht sich das Phrasenswesen auf den Weg. Es ist ein sonniger Tag und es wurde mit ausreichend Proviant ausgestattet. Darum ist der Rucksack auch so schwer. Jason hatte es mit allen Informationen verstort, welche ihm helfen würden, Mira zu finden, wenn dieser sein Auffinden nicht unmöglich zu machen versucht hatte. PhrasenwesenA ist guter Dinge. Mira wird nicht ewig weglaufen. Er liebt Jason und Jason ihn. Irgendwann würde die Sehnsucht ihn schon wieder zu seinem Freund treiben. Spätestens dann würde er seine Deckung aufgeben und mit etwas Glück würde PhrasenwesenA ihm auf dem Rückweg begegnen. Es würde Mira zurück zu Jason bringen, da war es sich sicher.
Vielleicht war Mira an einem ihrer Lieblingsplätze, die weiter außerhalb der Stadt lagen. Auf der Flucht war Mira ja nicht. Wovor auch? Er war aufgefühlt gewesen. Aber einen Grund zur Flucht hatte er nicht gehabt. Wahrscheinlich musste er nur seine Gedanken ordnen und gelangte dann zu der Einsicht, dass er zu Jason zurückkehren solle.

Es war ein sonniger Tag und es würde der letzte sein, an dem es von Jason und PhrasenwesenZ gesehen wurde.

Zuerst waren sie noch voller Euphorie und Zuversicht. Das Phrasenwesen würde Mira finden. Ganz sicher. Schwierig war das bestimmt nicht. Vielleicht musste es ein bisschen mit ihm reden, um ihn dazu zu bewegen, den Weg mit ihm zurückzugehen. Aber das würde es schon hinbekommen. Mira würde schon nicht ewig sauer sein.
Eine Frage, welche PhrasenwesenZ nicht laut auszusprechen wagte, aber welche ihm täglich mit zunehmender Intensität im Kopf herumgeistere war: Was wenn sein Phrasenwesenkollege erneut auf diese wunderliche Frau traf und ihr eröffnete, dass sie ihr ihren Sohn nicht zurückbringen würde? Wie würde sie ragieren? Hatte Mira die emotionale Reaktionen seiner Mutter geerbt?

Jason und die zurückgebliebenen Phrasenwesen malten sich zu Anfang aus, wo PhrasenwesenA und Mira gerade waren, ob sie sich bereits gefunden hatten. Der Sohn des Bürgermeisters sprach von der Bedeutung der Orte, an die er PhrasenwesenA ausgesandt hatte, und davon, wie sie ihre Bedeutung erlangt hatten. Wenn sie nicht über die beiden anderen sprachen, redeten sie über sich selbst.

PhrasenwesenZ war wieder bei Chavanna eingezogen, doch verbrachte es viel Zeit bei Jason, wenn dieser nichts für seinen Vater zu erledigen hatte und das Phrasenwesen dann Chavanna zur Hand ging, entweder beim Kochen oder einer ihrer anderen Arbeiten, wobei sie häufig ins Gespräch kamen.
Manchmal machte es Botengänge für oder mit Chavanna ins Dorf. Dabei fiel ihm auf, dass die Leute häufig verstummten, obwohl sie davon hinter vorgehaltener Hand getuschelt hatten, und taten als sei nichts Außergewöhnlches. Als es Chavanna fragte, worüber sie redeten, erzählte sie ihm, die Fleischerfrau habe ihr gesagt, es gehe das Gerücht um, Jason habe seinen Freund verjagt, weil er an einem der beiden Reisenden mehr Gefallen gefunden habe. Natürlich wisse sie, dass Jason treu sei, versicherte ihm Chavanna, und sie würde Jason auch so Dinge wie Fremdgehen im Leben nicht zutrauen.

Am nächsten Morgen informierte sie Namira, der junge Herr, womit sie Mira meinte, sei wohl gestern Nacht unbemerkt nach Hause gekommen, was sie gerade erfahren habe, aber er habe offenbar keine Anstalten gemacht, Jason zu sehen und so müsse dieser sich wohl zu dessen Haus aufmachen. Jason, ging alleine hin, und sie sprachen, vertrugen sich.

Um PhrasenwesenA machten sie sich zunächst Gedanken, dann Sorgen. Sie wussten nicht, wo es war, musste es schließlich ziehen lassen.

Als es seine Sachen gepackt hatte, machte es sich auf zu den Orten, welche Jason ihnen beiden beschrieben hatte. Es wanderte über Wiesen und lange Wege für Tage; es besuchte die Orte zu denen es aufgebrochen war - doch nirgendwo fand es ein Zeichen von seinem Phrasenwesenkollegen. Irgendwann - es regnete in der Dämmerung und die Kleidung, die es am Leib trug, war bereits komplett durchnässt - ließ es sich mit einem resignierten Seufzer auf einen Stein nahe der Felswand, auf die es zukam, sinken. Wofür tat es das? Gab es überhaupt noch eine Chance? Wie lange wollte es das noch weitermachen?
Ihn verließ die Hoffnung. Es war nicht gewillt, jetzt aufzugeben, aber tief in seinem Inneren hatte es dies bereits getan.

In der nächsten Zeit änderte sich der Untergrund von Gras und Erde in hellen und fast weißen Sand. Es sah wie eine Wüste aus, nur dass die Temperaturen nicht so unbarmherzig waren.
Am Ende des Tages erreichte es ein Dorf. Es sah anders aus als jene, die es bisher gesehen hatte.

:laughing: Äääähhhh … nun ja … Das war am 12.11.2017 … OMG, ist das schlecht!

ABER

Jetzt geht es ENDLICH weiter. Also nicht jetzt sofort, einen kleinen Moment Geduld braucht es noch – falls das überhaupt noch irgendjemand liest. Ab morgen geht es weiter – diesmal wirklich im wöchentlichen Rhythmus (immer FREITAGS), denn ich habe vorproduziert und der Plot ist auch bereits bis zum Finale komplett durchgespielt. Dank meines lieben Editors Zuri sollte es diesmal auch wirklich was werden :wink:

Nachher poste ich schon mal der Übersicht wegen eine ausführliche Rollenliste sowie ein „Was bisher geschah…“, um wieder rein zu kommen. Jetzt sind aber erst einmal die Kommentare dran (so viele sind es ja nicht):

@Zuri: Du warst zwar erster, aber Du hast so viel geschrieben, dass ich Dich gleich noch gesondert drannehme :smiley:

@bunnylover: Ich weiß nicht, ob Du das überhaupt noch liest, aber ich danke Dir dennoch für Deinen Kommentar. Inspiration und Ideen gibt es zuhauf und ich habe sie auch alle bereits niedergeschrieben. Die Probleme der Abwesenheit haben ihre Ursachen leider in anderen Bereichen.

@Jones13: Auch Dir danke ich für Deinen Kommentar, auch wenn ich irgendwie befürchte, dass auch Du nicht mehr an Board bist – es ist aber auch ewig her. Vielen Dank für das fette Lob und den Motivationsschub. An ihm hat es schonmal nicht gelegen, dass es nicht weiter ging. Es hat mich sehr gefreut. Deine Fragen kann ich natürlich nicht beantworten, ohne hier massiv rumzuspoilern, aber sie werden definitiv alle beantwortet. Manche sogar schon eher, als man meinen könnte.

@Zuri: Nun zu Dir, mein Lieber. Da weiß ich wenigstens, dass Du immer noch an Bord bist, denn ohne Dich würde es tatsächlich wohl gar nicht weiter gehen. Vielen Dank, dass Du den Thread über die vielen Monate immer mal wieder oben gehalten hast.

So in etwa hab ich mir das gedacht, ja. Kommt auf die Aufgabe an, ob sie da vonnöten sind oder nicht.

Oh ja, es wird definitiv jemand aneinander geraten.

Auf jeden Fall. Es sollte aber hier nicht so ausufern, weil es nur als Aufhänger für dieses Kapitel erforderlich war. Ich habe keine Lust, Rob groß weiter zu quälen. Das mach ich lieber mit Basti :laughing:

Freut mich, dass ich Dir mit dem Kapitel Freude bereitet habe.

Wie kommst Du denn nur da drauf? :stuck_out_tongue:

Derweil in einem Dorf, welches anders aussah, als all jene, welche PhrasenwesenZ je gesehen hatte …
PhrasenwesenZ fragte sich im Stillen, welches Dorf dies hier sein könnte. Es war auf keiner seiner Karten oder Notizen von Jason verzeichnet. Seltsam mutete es an – so inmitten dieser weißen Sandwüste. So, als würde es nicht wirklich hierher gehören. Noch seltsamer war, dass sich keine einzige Person hier aufzuhalten schien. Markant war allerdings ein hohes Gebäude, welches inmitten des Dorfes über die anderen hinausragte. Eine eigentümliche Faszination ging davon aus, welche PhrasenwesenZ magisch anzog. Beinahe meinte es, den sirenenhaften Gesang einer nicht von dieser Welt stammenden Stimme zu hören. Immer weiter näherte es sich dem dunklen, aus schwarzem Stein gehauenen Bau, bis es unvermittelt und starr vor Schreck stehen blieb. In neongrünleuchtenden Lettern, welche so groß wie ein Mensch waren, stand über dem Eingang eines bedrohlich wirkenden Tores, dass wie ein weit aufgerissenes Maul einer gefräßigen Bestie wirkte: „Tritt ein, Zuri, wenn Du Arokh jemals wiederhaben möchtest!“ Das war also der Grund, warum PhrasenwesenA nicht zurückgekehrt war. Es geschah nicht, weil es keine Lust mehr hatte oder der Gesellschaft seines Phrasenwesenkollegen überdrüssig geworden wäre – nein, es wurde festgehalten. Entschlossen und mit neuer Hoffnung erfüllt, schritt PhrasenwesenZ auf das Tor hinzu und darunter durch …

Rollenliste von relevanten Charakteren (Stand Kapitel 88)

Thomas Gärtner

  • 16 Jahre (*18.03.1996)
    1. Klasse, Realschule
  • 1,85m groß, lang und schlank, Brille, dunkelblonde Haare
  • ältere Schwester: Tina (ihr Verlobter: Rene)
  • Hobby: Schreiben, Lesen
  • Wohnort: Altleben
  • ist oftmals unsicher und unentschlossen, eher von ruhigem Gemüt
  • vormals an Sandra interessiert, hat sich inzwischen in Kevin verliebt
  • hat einen Hund: Felix (2 Jahre alt, Pinscher-Border-Collie Mischling)

Kevin

  • 15 Jahre (*24.08.1996)
    1. Klasse, Gymnasium
  • schön anzusehen, ein Stück kleiner als Thomas, normaler Körperbau, blonde Haare
  • strahlendblaue Augen
  • keine Geschwister, Eltern: Zion und Adara
  • Wohnort: Andersau in einem mehrstöckigen, allein stehenden Haus am Rande des Dorfes
  • wird von Kathy „Kivan“ (sein eigentlicher Name?) genannt
  • ist sehr geduldig und zuvorkommend
  • hat übermenschliche Kräfte (u. a. Telekinese, Projektion, begrenzte Telepathie), welche er vor anderen geheimhält (Basti hat es allerdings herausgefunden)
  • hat auf der linken Schulter ein Muttermal, welches einem Drachen mit ausgebreiteten Schwingen ähnelt

Bastian „Basti“ Fierer

  • 16 Jahre (*06.01.1996)
    1. Klasse, Realschule
  • 1,70m groß, zarte Konturen, wirres, schulterlanges Haar (flachsblond)
  • wird von allen, außer seiner Mutter, Basti genannt
  • Geschwister: Paul (12), Andrew (9), Nico (7), Demi (5)
  • Hobby: Zeichnen
  • Wohnort: Neustadt an der Laas
  • offener, verspielter und neugieriger Charakter
  • Thomas‘ bester Freund und heimlich in diesen verliebt

Robin Friedberg

  • 16 Jahre (*30.08.1995)
    1. Klasse, Realschule
  • fast 2m groß, kurze, schwarze Haare, schlichtes Gemüt
  • geht gern und oft ins Fitness-Studio
  • feste Freundin: Jenny Narmann
  • eng mit Thomas, Basti und Franzi befreundet
  • keine Geschwister, sein Vater ist Polizist
  • Wohnort: Neustadt an der Laas

Franziska Uhlstätt

  • 16 Jahre (*27.06.1995)
    1. Klasse, Realschule
  • wird in der Regel von den meisten Franzi genannt
  • eng mit Thomas, Basti und Robin befreundet
  • Wohnort: Neustadt an der Laas
  • unbekümmertes und fröhliches Wesen
  • an Dennis, Jennys Cousin, interessiert

Jenny Narmann

  • 16 Jahre (*23.10.1995)
    1. Klasse, Realschule
  • feste Freundin von Robin
  • Führeschein Klasse A1, fährt eine schwarze Kymco Pulsar 125

Dennis Greifert

  • 17 Jahre (*04.02.1995)
  • dunkelbraunes Haar, breites, vertrauenerweckendes Gesicht
  • Wohnort: Hummelsburg
  • Ausbildung zum Kfz-Mechaniker
  • Führerschein, Klasse A1, fährt eine blaue Honda CBR 125

Sandra Rothberger

  • 16 Jahre (*01.03.1996)
    1. Klasse, Realschule (Parallelklasse von Thomas und seinen Freunden)
  • wird von den meisten Sandy genannt
  • hochnäsig, eingebildet, intrigant, von sich überzeugt, oberflächlich
  • keine Geschwister
  • hat reiche Eltern und wohnt bei ihnen in einem großen Anwesen in Neustadt an der Laas

David Buchener

  • 16 Jahre
    1. Klasse, Realschule
  • jüdischer Klassenkamerad von Thomas
  • sehr verschlossen, wird von Mitschülern oft gehänselt
  • schüchtern und zurückhaltend, hat große Angst vor Hunden
  • keine Geschwister, Eltern: Botaniker
  • wohnt nicht weit von Basti entfernt in einem der vielen Mehrfamilienhäuser in Zentrumsnähe von Neustadt an der Laas

Kathrina Lange

  • Mitschülerin von Kevin
  • wird von den meisten Kathy genannt
  • lange, braune Haare
  • kalte, dunkle Augen
  • ansonsten sehr schön anzusehen

Steven Semmler

  • wird von den meisten Steve genannt
  • Rowdy von der Berufsschule
  • Kevin rettete ihm vor einiger Zeit das Leben, indem er ihn aus der Bahn eines heranrasenden Autos gestoßen hatte
  • seine Kumpels: Marv (Marvin) und Dee (Dieter)

Justin Feutel

  • 22 Jahre
  • optisch nahezu identisch mit Kevin, nur mit schwarzen Haaren, etwas größer und einige Jahre älter, kalte, dunkle Augen
  • keine guten Absichten, manipulativ, übermenschliche Kräfte (u. a. Telekinese, psychische Beeinflussung)
  • fährt einen schwarzen BMW X5
  • derzeit Unterstützer von Familie Fierer, nachdem diese nach einem Autounfall (den Justin insgeheim inszeniert hatte) gehandicapt sind

Weitere (flüchtige) Bekanntschaften

Franzis Freunde (alle etwas älter als Thomas)

  • Ralf (groß, sportlich, kräftig) und Irina (dunkelhaarig und schön)
  • Benni (kleiner als Thomas) und Dani (Danielle, schwarzhaarig)
  • Cory (17, aus England, Austauschschüler) und Marie (18, mittellange braune Haare, melodische Stimme wie in Trance, sehr freundlich und aufmerksam)

Gregor Novac

  • 52 Jahre, ein obdachloser Mann, wilde Erscheinung, freundlich und hilfsbereit
  • von Felix am Waldrand gefunden und zu Thomas geführt, als dieser in einer Fallgrube festsaß
  • später von Mitgliedern einer Diebesbande krankenhausreif geprügelt

Jugendliche aus Weltzsch

  • Jessica (Jess genannt, lange blonde Haare) und Jason Tschlubafisd: Zwillinge, 15 Jahre (*16.04.1996), blonde Haare, grüne Augen, etwa gleichgroß wie Kevin
  • Chris (11), Torge, Ron, Sayid (alle 16), Max, Sven, Danny (alle 15), Theo (14)
  • spielen alle sehr gern Fußball und treiben sich oft bei einem Baumhauskomplex am Waldrand herum
  • gehen alle auf die West-Schule am anderen Ende von Neustadt an der Laas

Die mysteriöse Einbrecher- und Diebesbande

  • der Chef: unbekannter, älterer Mann, nicht in der näheren Umgebung ansässig
  • Bart (Tarnname): großer, kräftiger Typ, im Gefängnis
  • Dingo (Tarnname): kleinerer, schlaksiger Kerl, im Gefängnis
  • der Schwede (Tarnname): 23 Jahre, Neffe vom Chef, Pyromane, auf freiem Fuß bei seinem Onkel, erholt sich von schweren Verbrennungen, die er sich in bei der Vernichtung der Fabrik zugezogen hat, wurde von Kathy insgeheim aus dem brennenden Gebäude gerettet, offiziell weiß niemand, dass er noch lebt

Der Spiegel

  • Johannes Landwirt (23): unfreundlicher Zeitgenosse, optische Ähnlichkeit mit Thomas, hat einen Husky namens Beast
  • Fabian „Fabi“ Achtmann (23): von kleiner Gestalt, undurchschaubar, eher ruhig, sieht Basti irgendwie ähnlich
  • Tayfun Saygunoğlu (23): türkische Abstammung, aufdringlich und impulsiv

Landkarte der für die Handlung relevanten Ortschaften

Karte
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Legende
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Was bisher geschah:

März 2012
Im Zug begegnete Thomas das erste Mal Kevin, als dieser ihm gegen Steve und seine Kumpanen, die Thomas das Leben schwer machen wollten, beistand. Thomas war fasziniert von dem ihm bis dahin unbekannten Jungen, welcher ihm von nun an nicht mehr aus dem Kopf ging.
Franzi nahm Thomas mit auf eine Party des angesagten Mädchens Sandra, auf die Thomas schon seit einiger Zeit ein Auge geworfen hatte. Nachdem er auf der Party feststellen musste, dass Sandra nur absolut oberflächlich war, ließ er seiner Meinung gegenüber Franzi freien Lauf, was Sandra von den beiden unbemerkt mitbekam und daraufhin eine Intrige gegen Thomas spann. Mit vorgetäuschter Zuneigung lockte Sandra Thomas an eine entlegene Stelle im Park, wo ihn deren Freund Kenny erwartete, welcher Thomas fertig machen sollte. Kevin und dessen Freundin Kathy griffen ein, woraufhin Kathy mit Sandra an einen unbekannten Ort verschwand und Kevin sich Thomas annahm. Die beiden Jungs kamen sich daraufhin das erste Mal näher, was Thomas ziemlich verstörte, da er mit diesen Gefühlen nichts anfangen bzw. sie nicht zuordnen konnte.
Unbemerkt von Thomas hatte sich sein bester Freund, Basti, in ihn verliebt. Wo Thomas allerdings unsicher war, was seine Gefühle betrifft, war Basti nicht mutig genug, auf Thomas zuzugehen und ihm seine eigenen Gefühle zu gestehen.

April 2012
Nachdem Thomas sein Handy im Wald und damit auch die Telefonnummer von Kevin verloren hatte, machte er sich durch die nächstgelegenen Dörfer auf die Suche nach ihm, schloss neue Bekanntschaften und begegnete ihm schließlich wieder, als er von seiner erfolglosen Suche nach Hause zurückkehrte, wo Kevin schon auf ihn wartete. In der Folgezeit verbrachten die beiden mehr Zeit zusammen und lernten sich besser kennen.
In Neustadt und Umgebung kam es zu vermehrten Einbruchdiebstählen. Auch Bastis Familie war davon betroffen und Basti entwickelte einen eigensinnigen Ehrgeiz, die Bande auf eigene Faust zu schnappen. Kevin, der durch eine unbedachte Handlung unwissentlich dazu beigetragen hatte, dass ein Unbeteiligter durch die Verbrecherbande zu Schaden gekommen war, sah sich genötigt, seinen Fehler wiedergutzumachen und unterstützte Basti bei dem Vorhaben – sehr zum Entsetzen von Thomas. Zu den drei Freunden gesellten sich bald Robin und Franzi, sowie später auch Jenny – Robins Partnerin – und deren Cousin Dennis. Zusammen entwickelten sie einen riskanten Plan, die Bande aufzuspüren und auffliegen zu lassen, welcher nach einigen Zwischenfällen und unter erheblichen Schwierigkeiten tatsächlich gelang. Robin, Basti und Kevin landeten für kurze Zeit im Krankenhaus, während es so schien, als hätte einer der Verbrecherbande – genannt „der Schwede“ – die Aktion beim Einsturz der brennenden Fabrik mit dem Leben bezahlt. Tatsächlich wurde er, ohne das Wissen aller Beteiligten, von Kathy gerettet und an einen unbekannten Ort gebracht.
Die sieben Jugendlichen erhielten als Lohn für ihren riskanten Einsatz einen freien Tag im Seadome, einer riesigen Freizeitbadelandschaft. Im Vorfeld und während des Besuches im Seadome kam es wiederholt zu Sticheleien Bastis Kevin gegenüber, da Basti enorm eifersüchtig war und seine Gefühle nicht unter Kontrolle halten konnte. Dies führte beinahe zum Zerwürfnis zwischen Basti und Thomas, was ersterer nun wirklich nicht wollte. Beiden gelang schließlich eine Aussprache und der Streit wurde beigelegt, während Basti sich vornahm, seine Gefühle in den Griff zu bekommen und bei passender Gelegenheit, sich Thomas zu offenbaren. Der wiederum haderte lange Zeit mit seinen eigenen Gefühlen für Kevin, bis er erkannte und sich eingestand, dass er ihn tatsächlich liebte – und zwar mehr, als auf eine rein freundschaftliche Art und Weise.

Mai 2012
Als Basti fest entschlossen war, Thomas am letzten offiziellen Schultag für die zehnten Klassen reinen Wein einzuschenken, wurde daraus nichts, weil eine höhere Macht Thomas davon abhielt, rechtzeitig an dem Ereignis teilzunehmen. Unterdessen kam Thomas Kevin näher, besuchte ihn bei sich daheim und lernte ihn immer besser kennen und schätzen.
Im Zuge eines Filmabends bemerkte Basti, dass Kevin über übermenschliche Fähigkeiten verfügen musste, behielt seine Beobachtung aber zunächst für sich. Als die Freunde an Christi Himmelfahrt einen Ausflug unternahmen, gerieten sie an eine Gruppe junger Männer, von denen einige starke optische Ähnlichkeit mit Thomas und seinen Freunden hatten. Einer von ihnen, Justin, sah sogar beinahe genauso aus wie Kevin, nur ein paar Jahre älter. Während dieser Konfrontation offenbarte Basti Kevin, dass er von dessen Geheimnis wusste und drängte ihn, mit seinen Kräften einzugreifen. Kevin rang Basti das Versprechen ab, vorerst nichts zu sagen.
Das Pfingstwochenende verbrachte Thomas bei Kevin daheim. Dort kam es nach langer Zeit endlich zur ersehnten Offenbarung von Thomas‘ Gefühlen für Kevin – wenn auch mal wieder nicht ohne Schwierigkeiten. Kevin gab Thomas einen Kuss und eröffnete ihm, dass er ihn schon längst für sich gewonnen hatte. Zunächst überfordert, trat Thomas die Flucht an, schaffte es aber diesmal, seine eigentlich unnötigen Sorgen und Ängste zu bezwingen und stellte sich dem, was er sich insgeheim schon lange gewünscht hatte. Und so kam es, dass der zweite Kuss aus der Initiative von Thomas kam und die beiden Jungen sich ihre Liebe zueinander gestanden. Betäubt vom Rausch der Gefühle konnte Thomas sein Glück kaum fassen. Endlich hatte er einen Partner, der ihn ohne Vorbehalte liebte. Dennoch bat er Kevin um Verständnis, dass er diese Beziehung noch nicht öffentlich machen wollte. Vor allem wollte er Basti jetzt noch nicht einweihen, da dieser sich vor kurzem erst mit Kevin vertragen hatte.

Zuletzt
Auf dem Heimweg vom Kurzurlaub auf Rügen, hatte die siebenköpfige Familie Fierer einen Autounfall, bei dem glücklicherweise nur Bastis Bruder Paul und sein Vater ernster verletzt wurden, wobei nur Paul längere Zeit im Krankenhaus würde zubringen müssen. Justin, den Basti unerwarteter Weise kurz zuvor im Wald getroffen hatte, tauchte als Erster am Unfallort auf und stand der Familie in der Folgezeit bei.
Nachdem Thomas von Basti die Einzelheiten erfahren hatte und herausfand, dass Justin in unnormal kurzer Zeit zu einem wichtigen Bestandteil des Lebens seines Freundes wurde, beschloss er, der Sache auf den Grund zu gehen. Zunächst hatte er sich jedoch mit Basti in ihrem Stamm-Cafe in der Stadt verabredet. Dort begegneten die beiden Robin und Franzi und erlebten noch einmal einen unbeschwerten Nachmittag wie in den ruhigeren Zeiten vor den Ereignissen der letzten Zeit.
Basti hatte sich mit Justin im Spielcasino verabredet. Thomas stimmte auf Bitten von Basti zu, ihn dorthin zu begleiten. Er wollte sich ja ohnehin selbst ein Bild von dem ominösen Doppelgänger von Kevin machen …

Und nun die Fortsetzung …

Damit bis morgen an dieser Stelle :smiley:

Liebe Grüße,
Arokh

ich freue mich dass es weiter geht.

ich bin zwar noch nicht ganz am ende,
da ich dachte ich höre an einer stelle auf, an der es keinen cliffhanger gibt,
aber werde dann jetzt wieder weiterlesen.

ich habe mit deiner geschichte eine kranke zeit überbrückt
und freue mich jetzt sie auch gesund zu lesen :bp:

bisher hat mir deine geschichte sehr gefallen,
aber ich habe es nicht gewagt zuri zu glauben dass du weiterschreibst :confused:

einen lieblingscharakter habe ich bis jetzt nicht wirklich
es wechselt sich eigentlich zwischen basti, thomas und franzi

in freude auf Freude, pferdinant

@Pferdinant: Hey, freut mich zu hören, dass meine Geschichte Dir Freude bereitet :slight_smile:
Doch, doch, Zuri ist eine vertrauenswürdige Quelle. Als mein strenger Aufseher im Autorenarbeitslager lässt er es auch nicht zu, dass ich die Tastatur weglege und mich auch nur einen Gedankenstrich vom Schreiben entferne. in Deckung geh, wenn Zuri das liest :laughing:
Nein, Spaß, wenn Zuri schreibt, dass ich weiter schreibe, dann stimmt das vor allem auch deswegen, weil er mich immer wieder aus irgendwelchen tiefen Löchern zieht ^^

@Zuri: Danke nochmal, lieber Zuri. Ohne Dich wäre es doch sehr wahrscheinlich, dass es hier einfach nicht weitergeht.

Ein großer Dank geht übrigens auch an meinen fähigen Editor … Oh, das bist ja auch Du, Zuri :laughing:

Credits:
Thomas Gärtner / Alter: 16 / heimlich mit Kevin zusammen, um Basti besorgt, neuerdings misstrauisch
Bastian „Basti“ Fierer / Alter: 16 / macht turbulente Zeiten durch, neuerdings kein bisschen misstrauisch
Justin “Justifar” Feutel / Alter: 22 / schwarzhaariger Doppelgänger von Kevin, kalte Augen, bietet Gründe zum Misstrauen

Handlungszeitpunkt: Freitag, 01.06.2012
Handlungsort(e): / Neustadt an der Laas

b Justin[/b]

Das Gebäude, vor dem die beiden Jungs standen, war ein mehrgeschossiges, heruntergekommenes Wohnhaus im Altbaustil, welches sich in unmittelbarer Nähe des Busbahnhofs im Stadtzentrum befand. Weder stach es durch außergewöhnliche Höhe, noch durch besondere bauliche Eigenheiten aus der Menge, der in dieser Straße stehenden Gebäude heraus. Es war ganz einfach nicht schön anzusehen und lud bei weitem nicht zum Aufenthalt ein. Das dreckige grau-braun des Gemäuers wurde lediglich durch einen leuchtenden Schriftzug über dem Eingangsbereich unterbrochen, welcher in roter Neonfarbe den Namen des Etablissements, welches sich im Inneren befand, verriet: Spielhölle. Das war allerdings auch alles, was auf die Existenz von überhaupt Irgendetwas im Inneren des Gebäudes hindeutete, denn die Fenster waren im Erdgeschoss verhangen, während jene darüber entweder schmutzig, halb zerschlagen oder gar nicht mehr vorhanden waren.

„Und da willst Du wirklich rein?“, fragte Thomas Basti mit stark zweifelnder Stimme.

Basti schien kurz zu zögern, zuckte aber schließlich mit den Schultern und meinte: „Nur weil es von außen scheiße aussieht, heißt das nicht, dass es drinnen nicht cool sein kann.“ Er zwinkerte Thomas zu, als er ergänzte: „Du weißt doch, dass nicht immer alles so ist, wie es auf dem ersten Blick scheint.“

Thomas verzog das Gesicht. Ja, kann schon sein. Wem sagst Du das! Trotzdem nervt der Spruch langsam. Schließlich setzte er sich doch in Bewegung und folgte seinem Freund, welcher bereits die Tür geöffnet hatte und ins dunkle Innere verschwunden war.

Da er aus dem hellen Tageslicht kam, musste sich Thomas einen Moment lang erst einmal an die Dunkelheit gewöhnen. Hinter der Eingangstür lag ein kurzes Stück Flur, welches wiederum an einer Tür endete, hinter der gedämpfte Musik zu hören war. Ein rötlicher Schimmer war durch den unteren Türspalt am Boden ersichtlich und dann wurde es wieder etwas heller, als Basti vor ihm diese Tür öffnete.

Thomas kam sich vor, als hätte er eine andere Welt betreten. Der Raum, den sie betreten hatten, wurde von rötlich-orange scheinendem Licht durchflutet, war ziemlich verwinkelt und Thomas schätzte die Größe auf Konferenzraummaße. Aus Lautsprechern, die er noch nicht ausmachen konnte, drang irgendwelche ihm unbekannte und belanglose Musik; ein beständiges Murmeln der anwesenden Personen, welche an verschiedenen Einrichtungen zu Gange waren, erfüllte den Raum und in der doch recht stickigen Luft hing ein Dunstschleier, der dem Schuppen erst recht den Eindruck gab, dass dies absolut nicht der richtige Ort für sie beide war.

Basti schien das alles überhaupt nicht zu stören. Er sah sich unbekümmert, neugierig und forschend um und zupfte Thomas schließlich am Ärmel, als er mit ausgestrecktem Arm in den hintersten Winkel des Raumes deutete. „Da ist er, komm mit“, sprach er und setzte sich schon in Bewegung.

Ich habe da ein ganz mieses Gefühl, dachte Thomas, schloss sich aber Basti dennoch an, denn hier wollte er ihn nun wirklich nicht allein lassen. Auf dem Weg quer durch den Raum, vorbei an verschiedensten Tischen, bemerkte er, wie ihnen von allen möglichen Anwesenden verstohlene Seitenblicke zugeworfen wurden, was sein Unbehagen nur verstärkte. Dieser Ort war eine Mischung aus Bar, Aufenthaltsraum und Spielhalle. An der Wand befanden sich verschiedene Spielautomaten, während an den im Raum verteilten Tischen gewürfelt oder Karten gespielt wurde. An einigen Tischen saßen auch einfach nur zwielichtige Gestalten und hielten sich an ihren Getränken fest. Schließlich standen er und Basti Justin, welcher sich mit einer weiteren Person am Billardtisch aufhielt, gegenüber.

Der junge Mann, der äußerlich bis auf die schwarzen Haare und die Tatsache, dass er ein paar Jahre älter war, Kevin zum Verwechseln ähnlich sah, führte seinen soeben begonnenen Zug noch aus, dann richtete er sich auf und wendete sich seinen beiden Besuchern zu. „Hey Kleiner“, begrüßte er grinsend Basti, bevor sein Blick auf Thomas fiel. Abschätzend betrachtend bemerkte er: „Du hast ja noch jemanden mitgebracht.“

Basti in seiner unbekümmerten Art zuckte mit den Schultern und stellte die beiden kurzerhand einander vor. „Sorry, ich hoffe, das geht in Ordnung. Justin, das ist Thomas, mein bester Freund. Tommy, das ist …“

„Ich erinnere mich“, sagte Thomas eisig und erwiderte den abschätzigen Blick seines Gegenübers.

Justin winkte lässig ab. „Ich mich auch … wobei es mir schon unklar ist, wie ich eine halbe Portion wie Dich nicht vergessen konnte.“ An Basti gewandt, fragte er: „Was ist los, denkst Du, Du brauchst Verstärkung hier? Hattest Du Angst, ich lade Dich irgendwo in ein abgestandenes Loch ein?“

Basti war für den Moment unsicher, bemerkte dann aber, dass Justin in angrinste. Offenbar wollte er ihn nur ein wenig aufziehen. „Läge ich da so falsch? Ehrlich gesagt ist dieser Schuppen ja wirklich ein bisschen … anders, als ich erwartet hatte.“

„Hehe, wird Dir schon noch gefallen“, meinte Justin augenzwinkernd. „Willst Du was trinken – ich meine natürlich Euch beide – ein Bier vielleicht?“

„Wir sind eigentlich nicht so die Alkoholtrinker“, warf Thomas ein und dachte flüchtig daran, was mit Basti passiert war, als der es kürzlich in der Hinsicht völlig übertrieben hatte.

Er bildete sich ein, dass Justin mit den Augen rollte, als dieser schnell zu dem anderen Spieler am Tisch, welcher gerade seinen Queue ablegte, sagte: „Na los, bring mir mal noch ein Bier und für die zwei Knirpse eine Cola.“

„Na danke auch“, empörte Basti sich gespielt.

„Gern geschehen“, grinste Justin ihn an. „Also, wie sieht’s aus?“ Er wechselte den Blick zwischen Thomas und Basti hin und her. „Ein kleines Spielchen – ihr gegen mich?“ Er wartete die Antwort nicht ab, sondern warf den abgelegten Queue seines Begleiters Basti zu und ordnete die Kugeln auf dem Tisch an. „Ihr dürft auch anfangen.“

Es stellte sich heraus, dass Thomas, obwohl er nicht wirklich gut war, besser Billard spielte als Basti, was ihn wunderte, da Basti in der Regel geschickter als er war. Sie wechselten sich zwischen den Zügen ab, während Justin es mit ihnen allein aufnahm. Dessen Begleiter war, kurz nachdem er die Getränke gebracht hatte, verschwunden. Thomas war nur halb bei der Sache. Er beobachtete mit einem gewissen Argwohn die Interaktion zwischen Justin und Basti, wobei ihm nicht entging, dass sein bester Freund mit Feuereifer und glänzenden Augen dabei war, obwohl er kaum eine Kugel gescheit einzulochen vermochte – und wenn, dann war es eine des Gegners.

„Warte mal“, unterbrach Justin Bastis Zug einmal und ging um den Tisch zu ihm herum. „Hier, ich helfe Dir mal eben.“ Ungläubig sah Thomas mit an, wie der schwarzhaarige Typ sich hinter Basti stellte, seinen Körper eng an den des Freundes schmiegte und die Führung seiner linken Hand übernahm, indem er seine auf die von Basti legte. „So“, hauchte er ihm regelrecht ins Ohr, „jetzt nur ganz kurz, aber kräftig stoßen.“

Mit einem ordentlichen Schwung traf die weiße Kugel das anvisierte Ziel und beförderte es präzise in das gegenüberliegende Eckloch. „Hey, super! Danke, Mann!“, strahlte Basti den anderen an.

Boah, mir wird gleich schlecht, dachte Thomas missgünstig und verdrehte insgeheim die Augen.

„Hey, Tommy, frag Justin doch mal, ob er Dir auch hilft. Ich hab regelrecht gespürt, wie die Energie beim letzten Stoß in die richtige Bahn gelenkt wurde“, gab Basti begeistert von sich.

Doch Thomas winkte nur ab. „Nein danke, ich komme schon selbst ganz gut klar.“ Außerdem ist die Vorstellung mehr als unangenehm, dass mir jemand mit dem Gesicht meines Freundes, den ich aber nicht mag, so nahe kommt. Vergiss es.

Beim nächsten Zug versenkte Justin die schwarze Acht genau in das richtige Loch und ging wenig überraschend als Sieger aus der Partie hervor. „Wie sieht’s aus, Jungs? Noch eine Runde?“

„Ja, klar“, antwortete Basti, bevor Thomas die Chance hatte, etwas zu sagen. „Oder, was meinst Du?“, fragte er seinen Begleiter doch noch. Der zuckte mit den Schultern, hatte aber schließlich nichts dagegen. „Gut, aber vorher muss ich mal auf Toilette. Die haben hier doch sowas, oder?“

Kurz darauf stand Thomas mit Justin allein am Billardtisch und sah sich mit dem unangenehmen Schweigen konfrontiert, welches vorherrscht, wenn man sich nichts zu sagen hat. Er beobachtete ihn, wie er mit einem Zug das noch halb gefüllte Bierglas leerte, zog Parallelen zu der Art, wie Kevin aus einem Glas trank und fragte sich nicht zum ersten Mal, wie es sein konnte, dass zwei Menschen, die offenbar nicht miteinander verwandt waren, sich so unglaublich ähnlich sehen konnten.

„Ist was?“, weckte Justin ihn aus seinen Überlegungen, nachdem er bemerkte, dass Thomas ihn anstierte.

Thomas fiel sofort auf, dass sich Justins Tonfall um eine Nuance, im Vergleich dazu, wie er mit Basti sprach, verschärft hatte. Er beschloss, die Gelegenheit zu nutzen und ihn ein bisschen auszufragen. „Sag mal, Du schmeißt Dich ja ganz schön an ihn ran“, begann Thomas mit einer etwas offensiveren Art, als er vorgehabt hatte.

Justin blickte ihn aus kühlen, dunklen Augen an, die in dem diffusen Licht der Spielhölle noch bedrohlicher wirkten. „Warum? Eifersüchtig?“

Mit einer wegwerfenden Handbewegung, wischte Thomas die herausfordernde Bemerkung beiseite. „Das meine ich nicht.“ Justins Mundwinkel zuckten unmerklich. Ansonsten zeigte er keinerlei Regung, die auf seine Gedanken oder Gefühle schließen ließen, also wagte sich Thomas noch etwas weiter vor. „Sei ehrlich, was willst Du von Basti? Was soll diese Samariter-Nummer?“

Jetzt formten sich Justins Lippen zu einem spitzen Grinsen und Thomas konnte nicht sagen, ob es boshaft oder amüsiert wirkte. „Wie kommst Du darauf, dass ich eine Nummer abziehe? Vielleicht meine ich es einfach nur ehrlich?“

„Am Männertag hast Du es ehrlich gemeint“, konterte Thomas scharf.

„Das kleine Gerangel nimmst Du mir ernsthaft übel, was?“ Justin setzte einen genervten Gesichtsausdruck auf. „Schon mal auf die Idee gekommen, dass das einfach nur blöder Unfug war? Oder siehst Du einen meiner Jungs irgendwo hier, wie sie Euch auflauern, damit wir Euch vermöbeln können, wenn ich genug von dem Spielchen habe?“ Mit einem süffisanten Grinsen führte er fort: „Nein, ich mag den Kleinen. Er ist so putzig.“

Thomas wurde wütend. Dieser Justin ging ihm zusehends auf die Nerven und er mochte ihn von Sekunde zu Sekunde weniger. Dennoch ging er mutig einen Schritt auf ihn zu, als er mit fester Stimme sagte: „Spielchen ist genau das richtige Wort. Basti ist ein wundervoller Mensch und mein bester Freund. Wenn Du ihm wehtust, wirst Du es bereuen.“

Justin verdrehte die Augen. „Ja, Mutti“, verspottete er Thomas. Er blickte sich in Richtung Toilette um, doch Basti war noch nicht wieder zu sehen. Sich wieder an Thomas wendend, trat er ebenfalls einen Schritt auf ihn zu. Er beugte sich zu seinem Gegenüber und senkte die Stimme, doch Thomas konnte jedes Wort verstehen. „Vielleicht ist das ja tatsächlich Dein Problem. Du kannst es nicht ertragen, dass jemand anderes mit Deinem Spielzeug spielt, nachdem Du es für ein interessanteres Spielzeug achtlos liegen gelassen hast …“ Anschließend lehnte er sich wieder zurück, legte den Kopf schräg und grinste ihn überlegen, mit künstlichem Augenaufschlag an.

Thomas kochte und bebte innerlich, brachte jedoch kein Wort heraus.

„Was ist denn los?“, erklang da eine Stimme von der Seite, welche Thomas aus seiner Starre riss und zusammenfahren lies. Basti war zurück und sah die beiden Kontrahenten fragend an.

Justin setzte einen hilflosen Gesichtsausdruck auf und hob ratlos die Schultern. „Ich weiß es auch nicht“, gab er vor.

Thomas nahm Basti am Arm und ging ein paar Schritte auf die Seite mit ihm. „Auf die Gefahr hin, so zu klingen, wie Du neulich … Aber ganz ehrlich: Wie kannst Du ihm nur vertrauen?“, fuhr Thomas seinen besten Freund aufgebracht an. „Du kennst ihn doch gerade mal wie lange? Eine Woche? Zwei?“

„Ich habe meine Eifersucht überwunden. Kannst Du das nicht auch?“, hielt Basti dagegen. Er konnte Thomas’ Aufregung überhaupt nicht verstehen und wurde dadurch selbst ungehalten. Schließlich schüttelte er den Kopf und meinte ruhiger: „Ich will mich nicht mit Dir streiten und wollte Dich jetzt auch nicht vor den Kopf stoßen, aber hast Du ihm überhaupt eine Chance gegeben? Der Abend lief doch echt gut bisher.“

Thomas wurde ebenfalls ruhiger und ließ Bastis Arm los. „Das sehe ich ehrlich gesagt nicht so.“

„Dann ist es wohl besser, für heute Schluss zu machen.“

„Ja, vielleicht ist das keine schlechte Idee“, erwiderte Thomas erleichtert aufatmend.

„Du solltest gehen“, sagte Basti ungerührt.

„Was?“ Thomas‘ Erleichterung erstarb mit einem Male.

„Du fühlst Dich offensichtlich nicht wohl hier. Ich mag Justin aber. Und mir gefällt es hier“, führte Basti unbeirrt fort. „Geh nach Hause, wir reden später weiter, okay?“ Der Hauch eines Lächelns huschte über sein Gesicht.

Thomas musste hart schlucken. Er warf einen unsicheren Blick zu Justin hinüber, der die Szene lässig an den Billardtisch gelehnt beobachtete. „Basti …“

Basti musterte seinen Freund für einen Moment, ging dann rückwärts einige Schritte auf Justin zu und sagte: „Ist schon in Ordnung, Tommy. Ich rufe Dich später an.“ Damit drehte er sich um und wandte sich dem schwarzhaarigen jungen Mann zu, der ihm den Queue reichte, und widmete sich abermals dem Spiel.

In der nächsten Episode:
Justin geht den nächsten Schritt, Basti sucht Hilfe bei Kevin, Kevin steht vor einem Dilemma.

Den nächsten Teil gibt es dann in einer Woche, am Freitag, den 04.10.2019.

Liebe Grüße,
Arokh

Credits:
Thomas Gärtner / Alter: 16 / heimlich mit Kevin zusammen, um Basti besorgt, mag Bastis neuen „Freund“ nicht
Bastian „Basti“ Fierer / Alter: 16 / macht turbulente Zeiten durch, neuerdings kein bisschen misstrauisch, hat eine zweifelhafte neue Freundschaft geschlossen
Kevin (Kivan) / Alter: 15 / geheimnisvoll, starke Affinität zu Thomas, nicht ganz „normal“
Justin “Justifar” Feutel / Alter: 22 / schwarzhaariger Doppelgänger von Kevin, kalte Augen, führt was im Schilde

Handlungszeitpunkt: Freitag, 01.06.2012 / Samstag, 02.06.2012
Handlungsort(e): / Neustadt an der Laas

Was bisher geschah:
Thomas war seit dem Wochenende, welches er mit Kevin verbrachte, mit diesem zusammen, wollte diese Beziehung aber vorerst nicht an die große Glocke hängen.
Auf dem Heimweg vom Kurzurlaub auf Rügen, hatte die siebenköpfige Familie Fierer einen Autounfall, bei dem glücklicherweise nur Bastis Bruder Paul und sein Vater ernster verletzt wurden. Justin, den Basti unerwarteter Weise kurz zuvor im Wald getroffen hatte, tauchte als Erster am Unfallort auf und stand der Familie in der Folgezeit bei.
Nachdem Thomas von Basti die Einzelheiten erfahren hatte und herausfand, dass Justin in unnormal kurzer Zeit zu einem wichtigen Bestandteil des Lebens seines Freundes wurde, beschloss er, der Sache auf den Grund zu gehen und nahm eine Einladung Bastis an, mit ihm in ein Spielcasino namens Spielhölle zu gehen, wo sie etwas Zeit mit Justin verbringen konnten. Während Basti auf Toilette war, nutzte Justin die Zeit, Thomas so zu provozieren, dass es schließlich für Basti so aussah, als wäre Thomas eifersüchtig und würde unbegründeten Groll gegen Justin hegen. Basti forderte Thomas daraufhin auf, lieber zu gehen.

b Bruderliebe[/b]

Thomas konnte sich auf der Heimfahrt einfach nicht konzentrieren. Während der Zug durch die Landschaft rauschte, zogen vor seinem inneren Auge immer wieder die Bilder der letzten Stunde vorbei. So ein Arschloch. Verdammt, habe ich vielleicht nur völlig überreagiert? Was, wenn ich Justin wirklich unrecht tue und dadurch meinen besten Freund verliere? Was soll ich jetzt nur machen? Ich muss unbedingt Kevin davon erzählen, vielleicht weiß er einen Rat. Zuhause angekommen, schnappte er sich Felix, um mit ihm die verdiente Gassi-Runde zu gehen und kramte sein Handy aus der Tasche. Glücklicherweise ging Kevin gleich ran und so erzählte er ihm, was an diesem Abend passiert war.

Thomas ärgerte sich mehr über sich selbst, als über den ihm unsympathischen Justin, weil er Basti in der Spielhölle allein gelassen hatte. Dennoch schimpfte er: „Ich kann es kaum ertragen, dass dieser blöde Typ beinahe genauso aussieht, wie Du, Kev. Das ist so unfair. Wie kann etwas so Mieses, so verdammt gut aussehen?“

„Danke schön, glaube ich“, lachte Kevin. Da Thomas weniger erfreut brummte, schob er gleich hinterher: „Behalte erst einmal einen kühlen Kopf. Basti ist doch clever. Wenn Justin so falsch ist, wie Du denkst, merkt er das sicher schnell.“

„So schnell, wie er gemerkt hat, dass Du ein ganz fantastischer Junge und Freund bist?“ Thomas war nicht überzeugt, atmete jedoch einmal tief durch und fügte etwas ruhiger hinzu: „Aber vielleicht hast Du ja recht. Möglicherweise war ich wirklich ein bisschen unfair und voreingenommen. Ich werde mich wohl bei Basti entschuldigen müssen, wenn er sich nachher meldet.“ Ihm war etwas unbehaglich zumute, als er leise murmelte: „Hoffentlich meldet er sich auch wirklich.“

„Das wird er sicher tun“, munterte Kevin ihn auf, erhielt jedoch für einen längeren Moment keine Reaktion. „Hast Du Felix wenigstens ordentlich geknuddelt heute?“ fragte Kevin in die Stille.

„Was meinst … Shit, das habe ich ja völlig vergessen.“ Bestürzt ging Thomas vor seinem vierbeinigen Freund in die Knie und umarmte ihn. Der wusste gar nicht, wie ihm geschah und blieb vorsichtshalber mal ganz still sitzen. „Felix, mein Liebling. Ich wünsche Dir alles Gute zu Deinem dritten Geburtstag.“ Auch wenn Thomas es im Grunde albern fand, den Hund zu vermenschlichen, konnte er diese Gesten einfach nicht lassen. „Mann, wie konnte ich das vergessen?“, fragte er Kevin, während er sich beschämt an den Kopf griff.

Kevin, am anderen Ende der Leitung, lachte nur und meinte: „Du hattest eben andere Sorgen.“

Der Queue lag unsicher an der roten, vollen Kugel an – wurde zögerlich vor und zurück bewegt, bis die Hand, welche ihn führte, zufrieden schien. Mit einem kurzen, doch nicht allzu kräftigen Stoß rollte die Kugel über die grüne Fläche davon. Sie traf ihr Ziel nicht einmal annähernd. Basti richtete sich auf und seufzte, nachdem er bereits unzählige Stöße vermasselt hatte.

„Was ist denn los? Du bist gar nicht richtig bei der Sache“, stellte Justin halb entnervt fest.

„Ach, ich weiß auch nicht.“ Basti legte den Queue auf den Spieltisch. „Ich glaub, irgendwie hab ich doch keine Lust mehr.“

Auch ohne diese Aussage, hätte Justin schon blind sein müssen, um das zu übersehen. Bastis gesamte Körperhaltung, die plötzliche Stille und das geknickte Verhalten sprachen eine deutliche Sprache. „Wegen Deinem Freund“, hakte sein Begleiter nach.

Basti machte ein zerknirschtes Gesicht und wand sich, dabei den Blickkontakt mit seinem Gegenüber vermeidend. „Ja … nein … vielleicht. Ich weiß nicht.“

„Hm“, gab Justin von sich, während er sich an der Spitze des Spielstockes mit einem blauen Kreidewürfel zu schaffen machte. „Dabei hatten wir doch vorhin echt Spaß zusammen.“

„Eine Weile, ja.“ Bastis Mundwinkel zuckten kaum merklich. Er stierte vor sich hin – schien in seine Überlegungen vertieft zu sein. Schließlich sagte er: „Sei mir nicht böse, aber ich denke, ich möchte heim.“

„Kein Problem, Kleiner. Komm, ich bring Dich hin.“ Justin wartete die Antwort nicht ab, warf dem Mann am Tresen ein paar Scheine hin und führte Basti vor sich her nach draußen.

Kurze Zeit später hielt Justin mit seinem Wagen, einem BMW X5 der zweiten Generation, vor Bastis Zuhause an, sein kleiner Beifahrer machte jedoch keine Anstalten auszusteigen. „Wir sind übrigens da“, sagte er also nach einer Weile und sah auffordernd nach rechts, doch Basti stierte weiterhin mit leerem Blick nach vorn.

„Hast echt ein schönes Auto“, sagte er tonlos.

„Äh … ja … klar.“

„Muss ziemlich teuer gewesen sein. Wie kannst Du Dir sowas leisten?“

Justin wurde langsam etwas gereizt, gemahnte sich aber, zu versuchen ruhig zu bleiben. „Hör mal, Kleiner. Du kannst jetzt entweder aussteigen und ins Haus gehen. Oder aber Du bleibst weiter hier sitzen. In dem Fall, möchte ich aber, dass Du mit mir sprichst – und zwar nicht über mein Auto, sondern darüber, was verdammt noch mal los ist.“ Basti drehte den Kopf und sah Justin an. Seine Augen glänzten, als würde er jeden Moment anfangen, zu weinen. Das schwarzhaarige Kevin-Double musste sich arg zusammenreißen, um sein Gegenüber nicht auf der Stelle zu verprügeln.

„Vor nicht allzu langer Zeit wärst Du der Letzte gewesen, dem ich sowas erzählt hätte. Aber ich hab das jetzt schon einmal getan und Du bist nicht der, für den ich Dich zunächst gehalten hatte“, begann Basti. Justin zog zwar kurz die Stirn in Falten, erwiderte aber nichts, also fuhr er fort: „Ich weiß nicht, wie Du so dazu stehst, aber das ist letztlich auch egal. Der Punkt ist … ich liebe ihn.“

„Die Brill… äh, Deinen Freund?“, tat Justin überrascht. „Also so … schwulmäßig?“

„Bis über beide Ohren, ja.“ Ein kurzes Zucken umspielte Bastis Mundwinkel und für einen kurzen Moment nahm er einen verträumt seligen Ausdruck an.

„Das ist doch …“ Widerlich, wollte Justin sagen, biss sich aber auf die Lippe und schwenkte um. „… schön … oder?“

Basti zuckte resigniert die Schultern. „Na ja, er weiß nix davon.“

„Hm“, machte Justin.

„Ich weiß auch nicht, ob er überhaupt in der Lage wäre, meine Gefühle zu erwidern. Ich meine, eigentlich weiß ich, dass er auf Mädels steht, aber vielleicht ist ihm das ja auch egal. Vielleicht könnte er mich trotzdem lieben … oder so.“ Er ließ den Kopf hängen. „Also vermutlich ist das eh eine bescheuerte Sackgasse.“

„Na ja …“, fing Justin überlegend wirkend an. „Tatsächlich wirkt er schon so bisschen wie Deine Mutti.“ Auf Bastis irritiertes Stirnrunzeln, beeilte er sich zu ergänzen: „Na, ich meine, wie besorgt er um Dich ist – geradezu fürsorglich. Ja, man könnte schon fast meinen, da ist von seiner Seite aus ein viel stärkeres Band zu Dir zu spüren, als es für eine Männerfreundschaft üblich ist.“ Er wartete ab, ob er eine Regung in Bastis Gesicht erkennen konnte. Zufrieden stellte er fest, dass der Jüngere sich gedanklich in die richtige Richtung zu bewegen schien. „Wirklich, ganz am Anfang hatte ich sogar für einen kurzen Moment den Eindruck, ihr wärt ohnehin ein Paar – also nur ganz kurz, aber immerhin … Bist Du Dir sicher, dass er nicht vielleicht bi sein könnte?“

Basti zögerte und überlegte einen Moment. Er versuchte, sich zu erinnern, was Dennis gesagt hatte, als er sich ihm offenbarte. Aber für Dennis war die Frage gar nicht aufgekommen, ob Thomas schwul, bi oder hetero sein könnte. Es ging immer nur darum, wie und wann Basti Thomas seine Gefühle gestehen wollte. „Ich …“ Mehr fiel ihm nicht dazu ein. Er hatte nicht wirklich über die Wichtigkeit der Frage nach der Sexualität nachgedacht. Irgendwie hatte er wohl einfach gehofft, Thomas würde seine Gefühle erwidern, ohne sich vorher auf eine bestimmte sexuelle Vorliebe festlegen zu müssen. „Ist das so wichtig?“, fragte er also.

Justin hob die Hände kurz vom Lenkrad in einer vielsagenden Geste. „Na ja, wenn er nicht schwul oder mindestens bi ist, wirst Du einfach Pech haben. Für die meisten zählt nun mal Pimmel oder Loch. Du als Mensch wirst darauf reduziert.“ Er sah, dass Basti schon etwas einwerfen wollte, also setzte er schnell nach: „Aber wie gesagt, Dein Freund wirkt schon irgendwie so, als wäre er vom anderen Ufer, also sollten Deine Chancen da ziemlich gut stehen.“ Er boxte Basti freundschaftlich an die Schulter. „Hey, wer könnte so einem süßen Knirps wie Dir schon widerstehen?“

„Aua … und danke … vermutlich“, erwiderte Basti unsicher. Dann machte er sich daran, die Tür zu öffnen, doch Justin hielt ihn am Arm fest.

„Warte mal.“ Er fuhr sich mit der linken Hand nachdenklich über den Mund. Jetzt kam es für ihn darauf an, die richtigen Knöpfe bei dem Jungen zu drücken. „Weißt Du denn schon, wie und wann Du ihm das sagen willst?“

Basti wand sich ihm wieder zu. „Also eigentlich so bald wie möglich. Ich denke aber, ich sollte noch bis nach den Prüfungen warten. Wegen dem Stress, vollem Kopf und der Ablenkung und so.“

Justin war zufrieden. „Ja, das ist gut, sehr gut“, meinte er langsam nickend. Da ihn Basti fragend ansah, fügte er schnell mit einem Augenzwinkern hinzu: „Das beweist, was für ein rücksichtsvolles Kerlchen Du bist. Er muss Dich einfach lieben.“

„Na, Deinen Optimismus möchte ich haben“, lachte Basti, stieg schließlich aus und verabschiedete sich.

Justin wartete, bis Basti im Haus verschwunden war und fuhr dann langsam weiter. „Der Knirps ist so einfach zu manipulieren. Als nächstes werde ich herausfinden, wie weit es zwischen der Brillenschlange und dem blonden Engel schon ist.“ Dass er in bester Schurkenmanier seine nächsten Schritte im Selbstgespräch durchging, störte ihn keineswegs. „Aber zuerst muss ich etwas improvisieren und diesen Kevin schwächen. Nicht dass er noch hinter meine Verkleidung blickt, wenn ich ihm zu nahe komme.“ Er durchdachte seine Möglichkeiten und wägte die wahrscheinlichen Konsequenzen ab. Schließlich hatte er einen Plan gefasst und gönnte sich ein hässliches, schadenfreudiges Grinsen.

Basti starrte sein Handy an. Er hatte sich bäuchlings aufs Bett gelegt und kämpfte mit seinen Emotionen. Der Kontakt von Thomas war bereits geöffnet, es fehlte nur noch der Druck auf die richtige Taste. Schließlich gab er sich einen Ruck und wartete mit klopfendem Herzen, dass sein Freund das Gespräch entgegennahm.

„Basti, endlich!“, ertönte es erleichtert vom anderen Ende.

„Hey, Tommy“, entgegnete Basti zögerlich.

„War … der Abend noch schön?“, fragte Thomas vorsichtig.

„Ja, schon … na ja, irgendwie nicht, nein.“ Basti machte eine kurze Pause. Dann sagten beide gleichzeitig und synchron:

„Es tut mir leid. Was? Nein, mir tut es leid!“

Thomas riss das Gespräch schließlich an sich und sagte: „Basti, stop! Ich hab mich aufgeführt, wie ein überbesorgtes Huhn. Keine Ahnung, was mit mir los war.“ Und nach einer kurzen Pause: „Was habt ihr noch gemacht?“

„Nur noch ein bisschen Billard gespielt. Ich hatte dann aber doch keine Lust mehr und Justin hat mich vorhin heimgefahren.“

„Ok“, sagte Thomas nur.

„Ist zwischen uns alles gut?“, wollte Basti in vorsichtigem Tonfall wissen.

„Aber immer doch“, antwortete Thomas erleichtert. Um die Stille, die danach eintrat, zu unterbrechen, warf Thomas ein: „Also wirklich was für die Geo-Prüfung haben wir aber nicht gemacht, was?“

„Oh Mann, nein“, lachte Basti schuldbewusst, denn das war ja die eigentliche Idee des Tages gewesen. Doch dann hatten sie Franzi und Robin im Cafe getroffen und der ganze Plan war dahin. „Ob Robin bei Jenny Glück hatte?“, stieg Basti weiter ein. Danach verlief die Unterhaltung ganz entspannt weiter bis schließlich beide der Meinung waren, langsam ins Bett fallen zu müssen.


Am nächsten Morgen wurde Basti unsanft geweckt, als jemand wild an seiner Schulter rüttelte. „Bastian, komm schon. Steh mal auf.“

„Och, Moooom, lass mich doch mal.“ Grummelnd rollte er sich auf die andere Seite.

„Bastian … Wir müssen ins Krankenhaus. Es ist Paul … Deinem Bruder geht es schlechter …“

„Was?“ Basti war mit einem Male hellwach und richtete sich auf. „Warum das? Er war doch soweit okay. Die Brüche sind doch versorgt.“

Seine Mutter wirkte deutlich gehetzt und verzweifelt. „Ich weiß es doch auch nicht. Wir wurden vorhin angerufen … Es sei wohl dringend. Komm bitte.“

Basti war schon auf den Beinen und zog sich hastig an. „Und die Kleinen?“

Im Gehen sagte seine Mutter: „Die Nachbarn passen auf sie auf. Aber Dich hätte ich gern dabei, weil Du Paul am nächsten stehst.“

Auf der Fahrt zum Krankenhaus grübelte Basti angestrengt nach. Es stimmte, Paul war schon immer ein sehr in sich gekehrter Junge, der sich in Büchern vergrub und sich meist nur seinem älteren Bruder öffnete. Bis vor zwei Jahren war er beinahe sein ständiger Schatten. Doch danach hatte Basti leider immer weniger Zeit gefunden, sich um seinen Bruder zu kümmern. Andere Dinge wurden wichtiger … Nichtsdestotrotz liebte Basti Paul von seinen Geschwistern am meisten und er fragte sich, was denn jetzt für Probleme aufgetreten sein mochten. Sein letzter Stand war, dass Knöchel und Schlüsselbein nach der OP gut verheilten.

Im Krankenhaus angekommen, wurde Familie Fierer direkt an die Intensivstation verwiesen. Aus Pauls Zimmer kam gerade ein Arzt, der Bastis Eltern abfing und ein leises Gespräch mit ihnen begann. Die Tür war noch einen Spalt offen und so konnte Basti ins Innere des Zimmers blicken. Was er sah, schockierte ihn zutiefst. Der 12-Jährige war an Maschinen angeschlossen und wurde künstlich beatmet. Seine Haut sah aschfahl aus. Basti riss die Tür auf und stürmte hinein.

„Moment, Junge, Du kannst da jetzt nicht einfach hinein“, versuchte der Arzt ihn aufzuhalten, doch das war ihm egal. Völlig sprachlos blieb er vor Pauls Bett stehen. Die einzigen Geräusche waren ein beständiges Piepsen und Rauschen der Geräte. Das Licht war stark gedämpft, aber Basti konnte jedes Detail des mitleiderregenden kleinen Körpers erkennen.

„Was soll das?“, wisperte er verständnislos und mit brüchiger Stimme.

Sein Vater hielt seine Mutter im Arm, die schluchzend ihr Gesicht in den Händen verbarg. Der Arzt, welcher zusammen mit seinen Eltern in der Tür stand, meinte etwas hilflos: „Wir können es uns nicht erklären. Bis gestern Abend war alles in bester Ordnung. Er war auf dem erwarteten Weg der Besserung. Doch in der Nacht verschlechterte sich sein Zustand urplötzlich und rapide. Wir konnten schließlich innere Blutungen feststellen, die vorher nicht erkennbar waren. Es gelang uns zwar, diese zu stoppen, aber an seinem Zustand änderte das nichts – im Gegenteil. Er liegt jetzt im Koma, wird künstlich versorgt. Wir prüfen derzeit noch die weiteren Optionen, doch …“

Weiter kam der Arzt nicht, Basti stürmte aus dem Zimmer, den Gang bis zum Fahrstuhl hinunter und rannte aus dem Krankenhaus bis zum Parkplatz hinaus. Dort blieb er stehen, stützte sich mit den Armen auf den Knien ab und atmete heftig. Heiße Tränen rannen ihm über das Gesicht.

Dann kam ihm eine Idee. Mit zitternden Händen kramte er sein Telefon aus der Tasche und ging die Kontakte durch. Da war der Eintrag, den er suchte und erst kürzlich angelegt hatte.

Es dauerte nicht lange, bis am anderen Ende das Gespräch entgegengenommen wurde. „Hey, Basti. Was ist …“

Basti schnitt ihm das Wort ab, er war viel zu aufgeregt für Höflichkeiten. „Kevin! Du musst mir helfen. Du musst ihm helfen. Ich weiß, Du kannst das; ich weiß nicht, was ich sonst tun soll …“

Nachdem das Gespräch beendet war, ließ Kevin sich auf sein Bett sinken. Basti hatte ihm alles erklärt, so aufgeregt er auch war. Kevin kaute auf seiner Unterlippe und starrte die Wand an. Genau darum durfte kein Mensch von seinem Geheimnis, seinen Fähigkeiten, erfahren. Basti hatte ihn jetzt in ein echtes Dilemma gebracht. Auf keinen Fall durfte er seinem Bruder helfen. Robin bei der Fabrik war etwas anderes gewesen, denn das ging auf seine Kappe. Bei Thomas sah der Fall ebenfalls ein bisschen anders aus. Kevin hatte schon einmal bei jemandem unerlaubt eingegriffen – mit noch immer unabsehbaren Konsequenzen. Doch wenn er Paul nicht helfen würde … Hilflos ließ er die Schultern hängen und tat etwas, das er nicht oft tat: Er fluchte.

In der nächsten Episode:
Die Zeit drängt, Kevin trifft eine Entscheidung, Justin lacht.

Das war es für diese Woche. Nächstes Kapitel am 11.10.2019.

Liebe Grüße
Arokh

[i]PhrasenwesenA erreichte eine Wüstengegend. Der Proviant war ihm längst ausgegangen, Fata Morganen plagten es und es war hin- und hergerissen zwischen aufgeben und zurückkehren und einer wenig aussichtsreichen Weitersuche, doch es fühlte sich Jason gegenüber verpflichtet, durchzuhalten. Es fiel auf die Knie. Wieder sah es ein Flimmern am Horizont und konnte dort Gebäude oder Reiter ausmachen. Wahrscheinlich wieder eine Fata Morgana. Dann verlor es das Bewusstsein.

„Tritt ein, Zuri, wenn Du Arokh jemals wiederhaben möchtest!“ Das war also der Grund, warum PhrasenwesenA nicht zurückgekehrt war. Was blieb ihm anders übrig? Also trat PhrasenwesenZ ein. Das Gebäude erinnerte von außen an Minas Morgul. Von innen war das Bild ganz anders. Weniger furchteinflößend; es wirkte Elegant. Unheimlich war nur, dass trotz der ganzen Lebendigkeit – die Springbrunnen und die Blumen überall – nirgendwo Menschen zu sehen waren. Was hatte das alles zu bedeuten?

Es bewegte sich durch den Vorhof und kam wieder in den Schatten des Gebäudes. Dann durchquerte es einen dunklen Flur und gelangt in eine Art Thronsaal. Auf dem Thron saß tatsächlich eine Gestalt. Der Tisch, der zum Thron führte, war überhäuft mit Speisen, die die Gestalt unmöglich alleine essen konnte – zumindest, wenn sie menschlich war. Das Bild erinnerte dann doch mehr an Minas Tirith als Minas Morgul. Die Gestalt winkte das Phrasenwesen heran. Es hatte ja keine Wahl und trat näher. Es folgte die Aufforderung, sich zu setzen – immer noch nur eine Handbewegung.

“Was ist mit …”, setzte PhrasenwesenZ an.
“Schhhhhhh”, machte die Gestalt und zeigte auf die Speisen.
PhrasenwesenZ wurde langsam ungeduldig, wollte sich aber auch nicht die Chancen verbauen, Arokh lebend wiederzusehen.

Ein Windhauch. PhrasenwesenA schreckte auf. Was hatte es geweckt? Nichts regte sich. Es schaute sich um: Es befand sich in einer Höhle. Die Wände schienen aus Salzkristallen zu bestehen und alles funkelte um es herum. Das Phrasenwesen beschloss, tiefer in den Berg hineinzuschreiten. Irgendwann erreichte es das Ende des Ganges, welcher in einen kleinen Raum mündete. Was es dort sah, verblüffte es.[/i]

Der Schluss klingt weniger wie ein Cliffhanger als viel mehr wie ein Clickbaittitel eines YouTube-Videos :smiley:DD

Arokh, deine Landkarte sieht noch besser aus, als ich sie in Erinnerung hatte (Y)

Und hör auf mich, zu loben, sonst werd ich noch rot und kann ich nicht weitereditieren (ergibt das auch nur ansatzweise Sinn, wenn es nicht als Drohung gemeint ist?).

Das klingt jetzt aber doch sehr arg nach dem, was Iroc mal in der Story mit der Muse passiert ist (Bei den Göttern, ist das wieder lange her :smiley: Schade, dass Iroc nicht mehr da ist, aber wenigstens du feierst dein Comeback stößt mit Arokh an)

Was ist der Unterschied zwischen dir und Saddam Hussein?
– Genau der. Dich zieh ich aus Löchern, den die USA.
Tschuldigung, ich weiß, dass der verdammt flach war …

Ah, so gelangst du da also immer rein. Ich glaube, ich muss da mal ein ernstes Wörtchen mit Justifar reden …

Jopp, ist eine reine One-Man-Sh… Äh, ja, okay, dich gibt’s auch noch :stuck_out_tongue:

Willkommen im Club! (<-- unnötigster Kommentar überhaupt)

:smiley:

Justifar fährt SUV? Ich hätte eher auf Sportwagen getippt.

:smiley:

Wow, das ist mal 100 % Justifar! Wenn es nicht so ernst wäre, wäre die Szene echt zum Brüllen komisch. Schon fast süß, wie sich Justifar zusammenreißen muss :smiley:

Ich bin dafür, dass wir Boypoint von “Forum/Community für schwule Jungs” in “schulmäßige Community” umbenennen!

Auch wenn ich Justifar selbstverständlich nicht mag und es auch anders ausdrücken würde, hat er nicht unrecht.
Wobei beim genaueren Betrachten seine Aussage auch wieder ungenau ist. Sie bezieht sich beispielsweise nur auf binäre cis*Menschen.

Endlich mal keine Lüge aus Justifars Mund. Können wir den trotzdem einmal mit Seife auswaschen? Ich melde mich freiwillig, um das zu übernehmen.

Wieder eine Referenz zu Star Wars – bewusst?

Das kann ich mir bei Basti irgendwie perfekt vorstellen^^

Muss man sich das jetzt so vorstellen, dass Kivan da jetzt so wie Tok’ra mit ihrem Handheilgerät nur ohne Handheilgerät ins Krankenhaus marschiert und Paul heilt?

Hast du übrigens gemerkt, dass ich diesmal nur einen Halbgeviertstrich verwendet hab? Auch dein Editor ist lernfähig :wink:

Olah Arokh,

ich wollte mich auch mal wieder zu Wort melden :smiley: War auch länger nicht aktiv, aber schau ab und zu mal wieder rein :slight_smile:

Weitergelesen hab ich bisher noch nicht, jedoch freut es mich, dass es wieder neue Teile gibt. Und das regelmäßig :slight_smile:

Deswegen hinterlasse ich zunächst Grüße und melde mich wieder, wenn ich deine Kapitel gelesen habe :slight_smile:

Lg Jones :wink:

Post 1 von 2 - Kommentare

@Jones13: Das freut mich aber, dass Du noch/wieder an Board bist :flag: Ja, es hatte mich schon lange gejuckt und fühlt sich jetzt endlich wieder richtig gut an, weiterzumachen.

[i]PhrasenwesenZ fühlte sich unbehaglich. Sicher, die reichlich aufgetischten Speisen sahen in ihrer bunten Vielfalt durchweg lecker aus, aber Appetit hatte es so gar keinen. Zögern half hier jedoch nicht. Die Gestalt blickte in ihrer schemenhaften Darstellung wie durch einen Schleier aus Nebelfetzen mit unbewegtem, fordernden Blick von ihrem Thron auf das eingedrungene Phrasenwesen herab. Wie von unsichtbarer Hand geführt, bewegte PhrasenwesenZ den Arm. Seine Hand griff nach einer frisch glänzenden, von makellos gleichmäßigem Grünton durchsetzten Traube und brach sich eine Beere davon ab. Sie schmeckte in der Tat köstlich - fruchtig und süß. Und noch während PhrasenwesenZ darüber nachdachte, wie ihm das bei der Suche nach Arokh helfen solle und warum die Gestalt so ein Aufhebens um diese großzügige Mahlzeit machte, wurde ihm schwarz vor Augen und es krachte mit Kopf auf den Tisch.

Viele Meter unter der Erde, in einem kleinen Raum, welcher Teil eines Höhlensystems war, wagte PhrasenwesenA seinen Augen kaum zu trauen. Vor ihm stand ein halbrunder Torbogen - zumindest machte das Gebilde den Anschein ein eben solcher zu sein. Das Eigenartige war, dass der Weg durch den Torbogen nicht einfach auf die andere Seite des Raumes führte, sondern wie durch eine Art Portal in einen Wald. Zwischen dicht stehenden, mächtigen Baumstämmen war eine kleine Hütte erkennbar. Der Kontrast zum Rest des aus Felsen gehauenen Raumes war dermaßen aufdringlich, dass PhrasenwesenA vor Schreck einen Schritt zurück trat und sich den Torbogen genauer besah. Er erinnerte es ein wenig an ein Stargate, nur dass man durch ein Stargate nicht direkt auf die andere Seite sehen konnte. Doch was war das? Waren da Schritte in der Dunkelheit hinter ihm? Hektisch drehte es den Kopf und überlegte, ob es sich irgendwo verstecken oder vielleicht sogar einfach durch das Portal treten sollte …[/i]

@Zuri: Übertreiben wir es schon wieder mit der tertiären Story oder ist das noch im Rahmen des Erträglichen? :laughing:

Tja Zuri, der Clickbait hat wohl offenbar nur bei Dir funktioniert :wink:
Aber ich freue mich natürlich, dass Du Dir die Zeit genommen hast, Deinen Senf dazuzugeben, obwohl Dir als Editor die Kapitel inzwischen zum Hals raushängen müssen ^^

Nö, das ergibt überhaupt keinen Sinn, denn ich habe für “Zuri” als Schriftfarbe schon lange ein leuchtendes Grün festgelegt :stuck_out_tongue:

Au, verdammt. Arokh rappelt sich hoch, nachdem er beim Kommentare lesen über einen verdammt flachen Witz gestolpert war.

Überleg Dir das lieber nochmal. Der Typ ist echt gefährlich …

Würde wahrscheinlich auch gut passen. Irgendeinen bestimmten Grund hatte ich auch, Justin einen SUV zu verpassen, aber ich erinnere mich nicht mehr und in der Plot-Datei ist kein entsprechender Vermerk +_+

O ja, das hat mir auch unglaublich viel Spaß gemacht, den fiesen Typ da genau so zu schreiben :laughing:

schwulmäßige Community … :laughing: Du erst noch ^^

Ja, absolut. Allerdings sind solche Feinheiten dem Kerl auch schnurzegal. Effektiver war in dem Moment, Basti eine ganz einfache “Wahrheit” um die Ohren zu hauen.

So funktioniert Manipulation eben auch am besten.

Erwischt ^^
Ja, ich liebe solche kleinen Zitate an bestimmten Stellen. Und man könnte durchaus meinen, der olle Herr Sidious wäre einer von Justins Vorbildern.

Warum nicht? Die Vorstellung gefällt mir durchaus. Aber wir werden ja gleich sehen, ob und wenn ja, wie das vonstatten geht.

Obi-Wan hat Dich viel gelehrt …
Oh, Mist, schon wieder falscher Film :laughing:

Okay, und damit schalten wir um zu Part 91 :slight_smile:

Post 2 von 2 - neues Kapitel (mit kleiner Verspätung :wink: )

Auch diesmal geht mein besonderer Dank an meinen lieben Editor, Zuri. (Und nein, Zuri, das ist noch lange kein Grund, rot zu werden :smiley: )

Credits:
Thomas Gärtner / Alter: 16 / heimlich mit Kevin zusammen, um Basti besorgt, neuerdings misstrauisch
Bastian „Basti“ Fierer / Alter: 16 / macht turbulente Zeiten durch, neuerdings kein bisschen misstrauisch
Kevin (Kivan) / Alter: 15 / geheimnisvoll, starke Affinität zu Thomas, nicht ganz „normal“
Justin “Justifar” Feutel / Alter: 22 / schwarzhaariger Doppelgänger von Kevin, kalte Augen, führt was im Schilde

Handlungszeitpunkt: Sonntag, 03.06.2012
Handlungsort(e): / Neustadt an der Laas, Krankenhaus

Was bisher geschah:
Thomas war seit kurzem mit Kevin zusammen, wollte diese Beziehung aber vorerst nicht an die große Glocke hängen.
Auf dem Heimweg vom Kurzurlaub auf Rügen, hatte die siebenköpfige Familie Fierer einen Autounfall, bei dem glücklicherweise nur Bastis Bruder Paul und sein Vater ernster verletzt wurden. Justin, den Basti unerwarteter Weise kurz zuvor im Wald getroffen hatte, tauchte als Erster am Unfallort auf und stand der Familie in der Folgezeit bei.
Nachdem Thomas von Basti die Einzelheiten erfahren hatte und herausfand, dass Justin in unnormal kurzer Zeit zu einem wichtigen Bestandteil des Lebens seines Freundes wurde, beschloss er, der Sache auf den Grund zu gehen und nahm eine Einladung Bastis an, mit ihm in ein Spielcasino namens Spielhölle zu gehen, wo sie etwas Zeit mit Justin verbringen konnten. Es kam dort zu einer Konfrontation zwischen Thomas und Justin, woraufhin Basti Thomas aufforderte, lieber zu gehen.
Basti, der sich danach schlecht fühlte, gestand Justin, dass er in seinen besten Freund verliebt sei, während Kevin andererseits Thomas aufmunterte. Die Freundschaft der zwei Jungs war stark genug, um nicht von Justin gestört zu werden und so vertrugen die beiden sich schnell wieder.
Am nächsten Morgen wurde Basti von seiner Mutter dringend geweckt. Pauls Zustand hatte sich über Nacht extrem verschlechtert, ohne dass die Ärzte wussten, warum oder was jetzt genau zu tun sei. In seiner Verzweiflung wendete Basti sich an Kevin …

b Entscheidung für Paul[/b]

Piep … piep … piep … piep …

Das monotone Piepen und Surren der Geräte, welche den reglosen, blassen jungen Körper am Leben erhielten, waren nach wie vor die einzigen Geräusche, welche in dem abgedunkelten Zimmer zu hören waren. Sie hatten es so eingerichtet, dass ständig jemand aus Pauls Familie bei ihm sein konnte – nur für den Fall, dass er doch plötzlich wieder zu sich kommen würde. Im Moment war es Basti, der auf einem Stuhl neben dem Krankenbett saß, die Hand seines jüngeren Bruders hielt und mit dem Daumen sanft darüber strich. Viel mehr konnte er jetzt einfach nicht tun. Etwas anderes wollte er auch gar nicht machen. Beschämt rief er sich in Erinnerung, wie wenig Zeit er für seinen Bruder in der jüngsten Vergangenheit aufgebracht hatte. Paul hatte sich zwar nicht beschwert oder aufgedrängt – das hätte zu seiner zurückhaltenden Art auch nicht gepasst, doch im Nachhinein fiel Basti ein, dass er immer, wenn er sich mit Thomas, Robin und Franzi verabredet hatte und ihn zurückließ, für einen kurzen Moment eine bestimmte Sehnsucht im Blick seines Bruders wahrzunehmen glaubte. Wegen seines persönlichen Gefühlschaos‘ der letzten Monate hatte Basti sich nicht die Zeit genommen, weiter darüber nachzudenken. Jetzt bereute er es und hoffte, dass er Gelegenheit bekommen würde, seinem Bruder die Aufmerksamkeit zu schenken, die er benötigte und verdiente. „Kevin kommt bestimmt“, murmelte er leise vor sich hin und wusste nicht, ob er sich das nur gut zureden wollte oder tatsächlich daran glaubte. Kevin war sehr still geblieben, nachdem Basti mit seinem Anliegen an ihn herangetreten war. Flüstern setzte er nach: „Er muss einfach kommen, ich weiß, dass er dir helfen kann. Und ich wüsste nicht, was ich sonst für dich tun könnte, außer an deiner Seite zu sein.“

Ein gewisses körperliches Bedürfnis drängte sich mit der Zeit so sehr auf, dass er es nicht mehr ignorieren konnte. Widerwillig ließ er Pauls Hand los, stand auf und beugte sich über ihn. Leise flüsterte er ihm ins Ohr: „Ich bin gleich zurück, muss nur mal eben für kleine Jungs.“ Dann verließ er das trübsinnig machende Zimmer und ließ Paul mit den piependen und surrenden Maschinen allein.

Es dauerte einen Moment, dann trat er aus den Schatten, ging einige Schritte auf das Krankenbett zu, zögerte und umrundete es schließlich doch, bis er links von dem Bett in Kopfhöhe stehen blieb. Kevin legte den Kopf leicht schief und musterte den vor ihm liegenden Jungen eindringlich von Kopf bis Fuß. Der Großteil des kleinen Körpers wurde von dem unscheinbaren Krankenhaushemd und der über ihn ausgebreiteten Decke verhüllt. Doch deutlich zeichnete sich die zierliche Gestalt des 12-Jährigen darunter ab – er hatte einen vergleichbaren, schmalen Körperbau wie sein älterer Bruder. Das Licht war stark gedämmt, doch Kevin sah deutlich, wie blass Paul im Gesicht war, das Haar hing ihm wirr in der Stirn und es sah bei weitem nicht so aus, als würde er in der nächsten Zeit die Augen aufschlagen. Nachdenklich strich Kevin dem Jungen sanft eine Haarsträhne aus der Stirn und berührte mit dem Handrücken Pauls Wange. „Hm“, machte er irritiert und runzelte die Stirn. Etwas an Pauls Zustand fand er höchst seltsam, konnte es aber nicht zuordnen. Während er ihn besorgt ansah, bemerkte er leise und mehr zu sich selbst: „Bis auf Deine kürzeren Haare hast Du eigentlich eine ziemliche Ähnlichkeit mit Deinem Bruder. Soweit ich gehört habe, sollst Du aber weniger verrückt sein als er.“ Kevin hatte bisher noch keinen Kontakt zu Bastis Geschwistern gehabt, sich aber schon oft gefragt, ob sie alle so aufgedreht wie Thomas‘ bester Freund waren. Er schmunzelte, obwohl ihm nicht zum Lachen zumute war. Am liebsten hätte er die Entscheidung, die Basti ihm förmlich aufgedrängt hatte, bis in alle Ewigkeit verschoben. Und was würde Thomas von ihm denken, würde er jemals erfahren, dass Kevin nichts getan hätte, obwohl er könnte? Er schüttelte leicht den Kopf, wendete den Blick aber nicht von dem mitleiderregenden Gesicht des Jüngeren ab. Abermals strich er ihm über die Wange. „Was soll ich nur mit Dir machen, mein Kleiner? Streng genommen, darf ich sogar gar nichts machen“, seufzte er traurig. Er war hin- und hergerissen. Allzu lange durfte er jedoch wahrscheinlich nicht überlegen, denn er spürte, wie aus einem unerfindlichen Grund das Leben aus dem kleinen Körper entwich. An Kathrina brauchte er sich nicht zu wenden. Sie würde ihm die Hölle heiß machen, dass er auch nur in Erwägung zog, einzugreifen, solange er für Pauls Situation nicht verantwortlich war. Schließlich zuckte er mit den Achseln und murmelte: „Andererseits habe ich es schon einmal gemacht. Was soll also schon schlimmeres passieren, als das, was mir ohnehin noch bevorsteht?“ Entschlossen nahm er Pauls rechte Hand in seine beiden Hände, schloss die Augen und konzentrierte sich.

Basti war auf dem Rückweg von dem im Erdgeschoss stehenden Getränkeautomaten, zu welchem er einen Umweg gemacht hatte, als es in seiner Hose vibrierte und dann klingelte. „Oh Mist, das wollte ich doch ausmachen“, rief er sich ins Gedächtnis und kramte sein Handy hervor. Nach einem kurzen Blick auf das Display ging er ran. Es war Franzi, welche sich besorgt nach Paul erkundigte, doch leider konnte er ihr keine neuen Nachrichten vom Zustand seines Bruders übermitteln. Da er schnell zu ihm zurück wollte, bemühte Basti sich, das Gespräch möglichst kurz zu halten, wofür Franzi dankenswerterweise auch Verständnis hatte. Um weiteren Störungen vorzubeugen, schaltete Basti das Telefon anschließend aus und ging weiter. Als er gerade den Fahrstuhl betreten wollte, wurde er erneut aufgehalten.

„Hey, Kleiner! Warte doch mal kurz.“ Das war Justin, der gerade aus einem Nebengang kam.

„Ach, Du bist es“, entgegnete Basti nicht unfreundlich, aber überrascht. „Was machst Du hier?“

„Ich wollte nach Paul sehen. Und vor allem wollte ich sehen, wie es Dir jetzt geht“, gab Justin in fürsorglichem Ton vor.

Basti freute sich über die Anwesenheit seines neuen Freundes und ließ den Anflug eines Lächelns über sein Gesicht ziehen. „Ich bin gerade auf dem Weg zu ihm. Komm doch mit“, bot er ihm an.

Als sie den Fahrstuhl auf der Zielstation verließen, erlebte Basti die nächste Überraschung, als Thomas plötzlich vor ihm stand, der über das Treppenhaus hinauf gekommen war. „Nanu, Tommy, Du auch hier?“

„Äh … Hi“, begrüßte Thomas seinen besten Freund und war dabei unsicher, was und wie er etwas sagen sollte. Der Streit von neulich war noch nicht vergessen. Nicht ohne eine ordentliche Portion Nervosität blickte er flüchtig zu Justin hinüber. Doch bevor Thomas noch irgendetwas sagen konnte, warf Basti sich an ihn und zog ihn in eine feste Umarmung.

„Danke, dass Du hier bist“, raunte Basti leise.

Thomas fasste sich schnell wieder und erwiderte die Umarmung. „Ist doch klar.“ Dann wollte er wissen: „Wie geht es Paul?“

„Ich bin gerade auf dem Rückweg zu ihm. Keine Veränderung bisher“, antwortete Basti traurig und setzte sich mit Thomas in Bewegung, während Justin ihnen still und wissend lächelnd folgte.

Auf einmal ertönte ein Signal auf der Station und Augenblicke später rannten ein Arzt und eine Schwester an den Dreien vorbei. Basti stieß die Luft aus. „Die wollen doch nicht etwa zu …“ Er beendete den Satz nicht, denn es erübrigte sich, als er sah, dass sie tatsächlich in das Zimmer seines Bruders stürmten. Bastis Augen weiteten sich und er spürte, wie sich Panik in ihm breitmachen wollte. „Nein!“, keuchte er und wollte sich in Bewegung setzen, doch wurde von Justin am Arm festgehalten.

„Warte, Du kannst jetzt eh nichts machen“, herrschte er ihn an.

„Lass mich“, fauchte Basti wütend und wollte sich losreißen, aber Justins Griff war fest wie ein Schraubstock. Erst dann bemerkte er, dass neben der Tür zum Zimmer noch jemand auf dem Stuhl saß – jemand, der die Neuankömmlinge gar nicht zu bemerken schien.

„Kevin!“, rief Thomas überrascht aus und ging auf seinen Freund mit schnellen Schritten zu, gefolgt von den beiden anderen.

„Du bist hier“, stellte Basti mit einer Mischung aus Verwunderung und Erleichterung fest. Dann runzelte er die Stirn und fügte hinzu: „Du siehst irgendwie scheiße aus.“

„Basti!“, ermahnte ihn Thomas und widmete sich seinem Freund, der jetzt erst langsam aufsah und matt lächelte. Aber er hat recht, Kevin sieht wirklich merkwürdig mitgenommen aus … Moment, geht es Paul etwa noch schlechter … oder ist er sogar …?

Basti musste ebenfalls etwas in der Richtung gedacht haben, denn jetzt wurde er wieder hektischer und schickte sich an, die Tür zu öffnen und das Zimmer zu betreten.

„Es ist alles gut“, sagte Kevin zu ihm, doch Basti verschwand in dem Raum und die Tür schloss sich hinter ihm. Danach sah er in das besorgte Gesicht von Thomas und versuchte ein aufmunterndes Lächeln. Leider fühlte er sich so erschöpft, dass es ihm nicht richtig gelang. Und dann wanderte sein Blick weiter und erblickte den schwarzhaarigen jungen Mann, welcher ein paar Schritte hinter Thomas stand und ihn aufmerksam ansah. Kevin bekam bei Justins Anblick eine Gänsehaut. Doch außer, dass sich ihm die Nackenhaare aufstellten, fühlte er nichts Besonderes. Er führte das schließlich auf die verblüffende optische Ähnlichkeit zurück, da sonst nichts weiter zu spüren war, wie es beispielsweise bei einem Gefallenen der Fall gewesen wäre.

Thomas riss ihn aus seinen Gedanken. „Hey, sag doch mal, was machst Du eigentlich hier?“

„Ich … wollte nach Paul sehen“, antwortete Kevin leise.

„Aber Du siehst wirklich nicht gut aus. Was ist denn los?“, äußerte Thomas besorgt.

Kevin hob hilflos die Schultern, als er antwortete: „Keine Ahnung. Mir ist irgendwie ein bisschen übel.“ Schnell fügte er hinzu: „Ich habe heute dummerweise noch nichts gegessen, vielleicht liegt es daran.“

Thomas schaute irritiert und meinte: „Na sowas, das passt gar nicht zu Dir.“ Und nach einem Moment fügte er noch hinzu: „Warum hast Du nicht angerufen? Dann hätten wir doch zusammen herkommen können.“

Kevin wirkte etwas unentschlossen, als er meinte: „Ja … das, äh … stimmt schon. Ich war nur gerade zufällig in der Nähe und hatte unerwartet noch Zeit. Da hab ich einfach beschlossen …“

Weiter kam er nicht, denn Justin trat ein paar Schritte auf ihn zu und unterbrach die Szene. „Hey, wir wurden uns ja noch gar nicht vorgestellt. Ich bin Justin.“ Selbstbewusst streckte er seinem Gegenüber die Hand hin.

Kevin war nicht sehr glücklich, dass Justin ihn damit irgendwie zwang, sich zu erheben. Dennoch stemmte er sich mühevoll von seinem Sitz hoch und versuchte mit aller Kraft zu verbergen, dass ihm das enorm schwer fiel.

Justin entging das nicht. Mit Genugtuung registrierte er, wie sein jüngeres Spiegelbild sich abmühte und jämmerlich versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Kevin schickte sich an, die Hand Justins zu ergreifen. Für diesen ging es in diesem Moment um alles und er rechnete auch mit allem; wartete darauf, dass Kevin etwas sagte, dass er Verdacht schöpfte, ihn entlarvte oder dass sonst etwas passierte.

Justin ergriff schließlich Kevins Hand und gönnte ihm einen überaus festen Händedruck, was Kevin leicht den Mund verziehen ließ. Ihre Blicke trafen sich und hielten einander stand. Auf Thomas musste das äußerst seltsam wirken, doch der war mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt.

Plötzlich brach Justin in lautes, schallendes Gelächter aus. Kevin, der sich sofort losriss, zuckte zusammen und auch sonst erntete Justin nur unverständliche Blicke der im Gang befindlichen Personen. Kopfschüttelnd sah man zu der Gruppe herüber. Als er sich wieder halbwegs beruhigt hatte, brachte er – noch immer glucksend – entschuldigend hervor: „O Mann, sorry, wie unangemessen. Hehe …“ Er setzte einen reumütigen Blick auf. „Aber Alter, Du siehst echt GENAU so aus wie ich.“

„Das weißt Du auch schon, seit wir uns am Männertag begegnet sind“, erwiderte Kevin ungehalten.

Justin winkte ab. „Ja sicher, aber das waren andere Umstände.“

„Mhm, schon klar“, murrte Kevin nicht überzeugt.

Jetzt schlug Justin einen versöhnlicheren Ton an, als er anbot: „Nein, ernsthaft. Tut mir wirklich leid wegen damals. Und auch wegen eben; Ich hab mich manchmal irgendwie nicht unter Kontrolle. Frieden?“ Erneut reichte er seinem blonden Doppelgänger die Hand.

Misstrauisch ergriff Kevin abermals Justins Hand, doch außer einem kräftigen Händedruck, geschah nichts weiter.

Sie standen einen langen Moment beieinander und beäugten sich – beinahe wie Raubtiere, die sich gegenseitig auflauern – bis die Tür zum Patientenzimmer geöffnet wurde und der Arzt, welcher zuvor hinein gestürmt war, mit fassungsloser Miene hinaus trat. Er betrachtete die Dreiergruppe eine Weile, schien aber dennoch durch sie hindurch zu blicken. Dann murmelte er etwas Unverständliches, schüttelte den Kopf und ging den Gang hinunter, ohne eine weitere Erklärung abzugeben.

Thomas wechselte fragende Blicke mit Kevin und Justin, da wurde die Zimmertür erneut aufgerissen. Diesmal war es Basti, der freudestrahlend auf die drei zukam. Zu Thomas‘ völliger Verblüffung ging er direkt und ohne sich groß umzusehen auf Kevin zu und umarmte ihn intensiv. Ohne, dass es einer der anderen hören konnte, flüsterte Basti ihm ins Ohr: „Ich danke Dir.“

„Basti? Ist alles ok mit Dir?“, wollte Thomas vorsichtig wissen, da er nicht wusste, was er davon halten sollte.

Basti gewann die Beherrschung zurück, wendete sich seinem besten Freund zu und erklärte verlegen: „Sorry, mich hat wohl einfach nur der Übermut gepackt. Es ist unfassbar. Paul geht es gut – so, als wäre nie etwas gewesen!“

In der nächsten Episode:
Justin stellt Fragen, sät Zweifel und schürt falsche Hoffnung

Die nächste Episode kommt dann am Freitag, den 18.10.2019 (oder halt in der Nacht zum Samstag :wink: )

Liebe Grüße,
Arokh

Das musst du ja nicht mich, sondern die anderen Leser fragen :wink:

[i]PhrasenwesenA betrat schließlich die Holzhütte, da es die Neugier nicht länger im Zaum halten konnte. Und das war wirklich erstaunlich: Die Wände waren über und über mit Zetteln behangen. Es hätte die Einsatzzentrale einer Sonderkomission oder das Zuhause eines wahnsinnigen Stalkers sein können. Jedenfalls war kein Stück Holzwand mehr auszumachen. Das Phrasenwesen trat näher heran. Die Schrift kam ihm nur allzu bekannt vor. Es las “Wandel des Herzens 89”. Zu diesem Zettel gehörten fünf Seiten. Es blickte sich weiter im Raum um. Es konnte weitere Teile bis über Part 136 ausmachen. Was hatte das zu bedeuten? Hatte da etwa jemand in seiner Abwesenheit “Wandel des Herzens” fertig geschrieben? Aber wofür das Ganze? Wie konnte derjenige das alles gewusst haben? Es war nach näherer Betrachtung genau so, wie PhrasenwesenA es geplottet hatte. Und die Schrift gehörte unverkennbar PhrasenwesenZ. Also seufzte PhrasenwesenA und machte sich daran, Part 89 zu veröffentlichen und kündigte sein Comeback an. Hoffentlich würde PhrasenwesenZ es finden …

Als PhrasenwesenZ erwachte, durchfuhr ihn, was passiert war, wie ein Blitz. Es fuhr hoch – bereit, sich zu verteidigen. Sofort brummte ihm mördermäßig der Schädel. Nach einem kurzen Blick stellte es fest, dass es immer noch in dem Speisesaal saß und auch der Blick des anderen Wesens ruhte auf ihm.
“Was war das!?”, wollte das Phrasenwesen rufen, doch es kam nur nuscheln hervor und der Mund fühlte sich irgendwie taub, matschig und warm an.
“Das geht bald weg”, erklärte ihm das andere Wesen in aller Ruhe, als sei es das normalste der Welt. “Ich habe dich eingehend betrachtet, während du in der anderen Welt warst.”
Andere Welt? Es war einfach weggetreten gewesen.
“Weißt du”, fuhr das Wesen fort. “wenn man tausende Jahre wie ich in diesem Gemäuer gefangen ist, dann ist jede noch so kleine Veränderung des Alltags ein Abenteuer.”
PhrasenwesenZ konnte durchaus verstehen, dass das andere Wesen einsam war, aber dessen Methoden fand es sehr fragwürdig.
“Wo ist PhrasenwesenA?” Zumindest die ersten beiden Wörter waren jetzt einigermaßen verständlich gewesen. Das letzte erschien ihm wie ein Zungenbrecher. “Arokh!”, stieß es hervor.
“Dein Freund?”, das Wesen tat verwundert. “Achso, der ist nicht hier. Wenn du dich erholt hast, darfst du auch gehen. Ich hatte meinen Spaß.”
PhrasenwesenZ fiel aus allen Wolken. Aber was sollte es schon tun? Es war Pazifist …[/i]

Überaus passend. Aber jetzt erklär mir mal, warum mir ständig übel ist :stuck_out_tongue:

Das ist richtig, darum hab ich mich ja auch zum LGTB advocate für einen Kommentar gemacht und darauf kurz hingewiesen, falls irgendjemand außer dir meine Kommentare liest :wink:

Okay, die logische Schlussfolgerung, nachdem Basti mit Tommy den Bundeskanzler Justifar vom Dreadnaught des Anführers der Konföderation, der sich “Der Schwede” nennt und vom Planeten Kalee stammt, gerettet hat, wäre, dass Justifar Basti auffordert, den Schweden zu enthaupten und so der dunklen Seite ein Stück näher zu kommen, was Tommy absolut missbilligt. Zum Ende der Episode wird es dann noch einen Lichtschwert zwischen dem kleinen grünen Kivan und dem mittlerweile zum Imperator aufgestiegenen Justifar geben.

das schließt wörtlich schön den Kreis des ersten Abschnitts des Kapitels (Y)

Du hast aber auch wirklich tief in die Trickkiste der Störungen gegriffen. Fast schon so, als hätten Franzi, Justin und Tommy das mit Kevin abgesprochen oder der für diese Verzögerungen gesorgt :smiley: Aber gut, als Autor hat man eben auch die Macht und keiner der Charaktere kann einen auch nur im entferntesten daran hindern :wink:

Bäm, in your face, Justifar! Heute hat Basti keine Umarmung für dich :stuck_out_tongue:

Danke, dass du den Wortwitz mit “Na, danke für das Kompliment” gelassen hast. Der ist mittlerweile etwas abgenutzt^^

Thomas wäre ein guter Polizist, so wie er Kivan verhört. Wäre er nicht befangen, könnte er Kivan rhetorisch vielleicht gefährlich werden :smiley:

Als ob die beiden sich nicht schon längst kennen würden!

Omg, ein bisschen gestört ist Justifar also schon? oO

Was für ein Arztmove! :smiley:

Post 1 von 2 – Commentary-Show

[i]Das Werk war getan; das neue Kapitel veröffentlicht. Jetzt galt es, so einige Fragen zu klären. Schon allein dafür musste PhrasenwesenA zurück. Wann hatte PhrasenwesenZ die Zeit gefunden, WdH fertig zu stellen? Warum hatte es das überhaupt getan und vor allem, wie? Völlig aus dem Häuschen, fragte sich PhrasenwesenA, wann und wo er seinen Begleiter das letzte Mal überhaupt gesehen hatte. Es wandte sich um. Doch wo war das Portal hin? An der Stelle, wo PhrasenwesenA herausgekommen war, war kein Loch, welches in die Höhle zurückgeführt hätte, mehr zu sehen …

Die Kraft kehrte in den Körper von PhrasenwesenZ zurück. Mit einem schwungvollen Ruck erhob es sich von seinem Stuhl und warf selbigen mit dieser Bewegung um. „Ich weiß nicht, was das alles hier soll, aber eines ist sicher: Du hast sie ja nicht mehr alle!“, donnerte PhrasenwesenZ den Fremden auf seinem Thron an und straffte seine schmalen Schultern. „Du hast Glück, dass ich Gewalt verabscheue, sonst würde ich …“
Das einsame Wesen lachte laut auf. „Ja? Was würdest Du? Das interessiert mich brennend. Na los, unterhalte mich!“
PhrasenwesenZ drehte sich kopfschüttelnd um und schickte sich an, die Halle zu verlassen.
„ZURI!“
Es klang wie ein Befehl und bewirkte, dass das Phrasenwesen auf der Stelle stehen blieb. Es wendete jedoch lediglich den Kopf und sah fragend nach hinten.
„Wenn Du Arokh finden willst, sage ich Dir dies: Er befindet sich oberhalb, also musst Du nach unten gehen. Dort suchst Du einen Ort außerhalb, den Du nur innerhalb dieses Objektes findest.“ Das Wesen kicherte.
PhrasenwesenZ wendete sich der Tür zu, welche auf den Hauptkorridor führte. Noch im Gehen murmelte er: „Verrückter Narr“, fragte sich aber im Stillen, was dieses absurde Rätsel zu bedeuten hatte.[/i]

@Zuri: Nö, wir übertreiben es nicht. So ein kleines Gemeinschafts-Nebenprojekt ist doch toll :laughing:

Du hast die letzten WdH-Kapitel zu oft gelesen. Offenbar wird einem davon schlecht.

Und schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, wenn es heißt „Star Geeks – Die Rückkehr der Zitate-Ritter“, die Commentary-Show, welche den Begriff Grenzwertigkeit ganz neu definiert :laughing:

„Unbegrenzte Maaaaaaaaaaaaacht!“
Boah, ey. Schon wieder so ein Star Geek. Die lungern hier überall rum.
Aber ja, für ein bisschen Ablenkung musste ich schon sorgen, sonst wäre Kevin gestört worden, hätte sein Vorhaben abbrechen müssen und der arme Paul wäre dahin. Das hätten wir Basti doch nicht gewünscht, oder?

Ja, da hast Du absolut recht. Wie gut (für Kevin), dass Tommy öfter mal ein Brett vor dem Kopf hat – besonders, wenn die Wahrheit direkt vor seinen Füßen liegt und nur darauf wartet, getreten zu werden. ^^

Lese ich da den Ansatz einer Spekulation heraus? Etwa über die Herkunft und das Verhältnis der beiden ziemlich mysteriösen und so verdammt ähnlich aussehenden Burschen?

Nicht nur ein bisschen! Ich kann nur jedem empfehlen, sich von dem Typen fernzuhalten. Ich mag ihn wirklich nicht. Und ich hab ihn geschaffen – das will also was heißen :wink:

Damit bin ich schon wieder durch den Kommentar gerauscht und kann gleich weiter posten – diesmal sogar etwas eher (als Ausgleich für letzte Woche :wink: )

Post 2 von 2 - Story
Mit freundlicher Unterstützung des ZuriBrainserver[size=50]TM[/size] :smiley:

Credits:
Thomas Gärtner / Alter: 16 / heimlich mit Kevin zusammen, um Basti besorgt, mag Justin nicht
Bastian „Basti“ Fierer / Alter: 16 / macht turbulente Zeiten durch, liebt Thomas, mag Justin
Justin (Justifar) Feutel / Alter: 22 / schwarzhaariger Doppelgänger von Kevin, kalte Augen, führt was im Schilde

Handlungszeitpunkt: Montag, 04.06.2012
Handlungsort(e): Neustadt an der Laas, Krankenhaus

Was bisher geschah:
Thomas war seit kurzem mit Kevin zusammen, wollte diese Beziehung aber vorerst nicht an die große Glocke hängen.
Auf dem Heimweg vom Kurzurlaub auf Rügen, hatte die siebenköpfige Familie Fierer einen Autounfall, bei dem glücklicherweise nur Bastis Bruder Paul und sein Vater ernster verletzt wurden. Justin, den Basti unerwarteter Weise kurz zuvor im Wald getroffen hatte, tauchte als Erster am Unfallort auf und stand der Familie in der Folgezeit bei.
Nachdem Thomas herausfand, dass Justin in unnormal kurzer Zeit zu einem wichtigen Bestandteil des Lebens seines Freundes wurde, beschloss er, der Sache auf den Grund zu gehen. Bei einem Treffen kam es zu einer von dem schwarzhaarigen Doppelgänger Kevins provozierten Konfrontation zwischen Thomas und Justin, woraufhin Basti Thomas aufforderte, lieber zu gehen.
Basti, der sich danach schlecht fühlte, gestand Justin, dass er in seinen besten Freund verliebt sei, während Kevin andererseits Thomas aufmunterte. Die Freundschaft der zwei Jungs war stark genug, um nicht von Justin gestört zu werden und so vertrugen die beiden sich schnell wieder.
Pauls Zustand hatte sich über Nacht extrem verschlechtert, ohne dass die Ärzte wussten, warum oder was jetzt genau zu tun sei. In seiner Verzweiflung wendete Basti sich an Kevin und überzeugte ihn, seinem Bruder mit seinen Fähigkeien zu helfen. Der nächste Schritt in Justins bisher noch unklarem Plan ging auf: Kevin war nach der Heilung des von Justin künstlich herbeigeführten Zustands von Paul so geschwächt, dass er die Wahrheit, welche sich hinter dem zwielichtigen jungen Mann verbarg, nicht erkennen konnte.

b Falsches Spiel[/b]

Thomas schlenderte durch die Fußgängerzone und hing seinen Gedanken nach. Er kam gerade aus dem Krankenhaus, wo er zusammen mit Basti dessen Bruder Paul besucht hatte, um zu sehen, dass Pauls gestrige spontane Genesung nicht nur ein kurzes aber vergängliches Aufflackern war. Er hatte es Basti, der noch bei Paul im Krankenhaus geblieben war, gegenüber nicht erwähnt, hatte aber Zweifel, dass es bei diesem urplötzlichen Besserungszustand mit rechten Dingen zuging. Erst hieß es, Pauls Werte und Zustand hätten sich unvermittelt, aufgrund wohl übersehener, innerer Blutungen, verschlechtert. Und obwohl der Schaden schnell behoben wurde, kam Paul einfach nicht zu Bewusstsein. Dann, wie aus heiterem Himmel, war auf einmal alles wieder gut – wie ein unvermittelter Regenschauer im Sommer. „Seltsam“, murmelte er, während er vor einem Buchladen stand und abwesend durch die Scheibe starrte.

„Was ist seltsam?“, ertönte eine inzwischen nicht mehr unbekannte Stimme von der Seite.

Thomas erschrak leicht und drehte sich ruckartig um. „Musst Du mich so erschrecken?“, fuhr er Justin an.

„Geschenkt“, meinte dieser und ein süffisantes Lächeln umspielte seine Lippen. Justin musterte sein Gegenüber einen Moment lang. Als er merkte, dass Thomas seinen Blicken weder auszuweichen noch standzuhalten vermochte und stattdessen nervös wurde, setzte er an: „Wo ist denn Dein Freund?“

„Basti?“

„Nein, der Spiegel.“

„Was für ein …“, begann Thomas, irritiert die Miene verziehend. „Achso, Du meinst Kevin.“ Er zuckte mit den Schultern. „Er ist daheim, fühlt sich nicht so gut. Vielleicht brütet er was aus. Du hast ihn ja gestern gesehen …“

„Ja, allerdings“, erwiderte Justin und lächelte still in sich hinein. Da Thomas gerade wieder in seine Gedanken zu versinken schien, beschloss Justin, ihn ein bisschen zu quälen. „Findest Du mich eigentlich attraktiv?“, fragte er unvermittelt.

Thomas fuhr augenblicklich zusammen. „Ob ich was? Sag mal, spinnst Du?“

Ungerührt und wie beiläufig zu Boden blickend fuhr sein Gegenüber fort: „Na ja, so verschossen, wie Du in mein Ebenbild bist …“ Er hatte sich halb zur Seite gedreht und beobachtete mit boshafter Genugtuung, dass Thomas die Augen aus dem Gesicht zu fallen drohten.

„Was hast Du da gerade gesagt?“, hakte er schockiert nach.

„Du hast mich schon verstanden, denke ich. Wie du ihn ansiehst, wie er Dich ansieht … Ein Blinder würde sehen, dass ihr zwei was miteinander habt.“ Justin genoss es von Sekunde zu Sekunde mehr, wie Thomas sich unter seinen Worten wand.

„Wir … äh … wir … h-haben überhaupt nichts zusammen. Was fällt Dir eigentlich ein, Du …?“, regte Thomas sich auf.

Justin fuhr den Ton etwas herunter. „Vorsicht, Vierauge! Wir wollen doch höflich bleiben und den Frieden nicht gefährden, ja?“ Um Thomas‘ sichtliche Verunsicherung noch etwas zu steigern, wechselte er wieder in den versöhnlichen Tonfall. „Im Grunde geht mich das ja auch nichts an und normalerweise wäre mir das sogar ziemlich egal. Ich war einfach neugierig, weil …“

Thomas wurde abwechselnd heiß und wieder kalt, doch er zwang sich zur Ruhe. Stirnrunzelnd, drängte er: „Weil was?“

„Wegen meinem kleinen Kumpel Basti“, antwortete Justin mit einem nicht zu deutenden Blick.

„Wie meinst Du das?“

„Der Kurze hat mir alles erzählt – von der Rivalität mit meinem Spiegelbild. Wie er eifersüchtig auf ihn war, weil der Kerl sich zwischen Euch gedrängt hat. Ja, zum Heulen war dem Kleinen zumute, als ihm klar wurde, wie idiotisch er sich verhalten hatte und beinahe einen Keil zwischen Dich und ihn getrieben hätte.“

Thomas wurde nachdenklich und sprach mehr zu sich selbst: „Das hat er Dir alles erzählt?“

Justin winkte lässig ab. „Ja klar, der Kurze erzählt mir so einiges. Jedenfalls, wenn er wüsste, dass er Dich schon längst an diesen blonden Engel verloren hat …“

„Er hat mich doch nicht verloren!“, platzte Thomas aufgeregt dazwischen.

Justin sah ihn abschätzig und missbilligend an. „Nein, wahrhaftig. Verloren hat er nichts.“

„Was?“

Seufzend lenkte Justin ab: „Ich meine damit natürlich nicht im Sinne von … na Du weißt schon. Aber er ist schon noch sehr besorgt …“

Erneut wurde Thomas nachdenklich. „Ist Basti noch immer eifersüchtig? Ich dachte, wir hätten das geklärt, dass niemals etwas zwischen unsere Freundschaft kommen würde.“

„HahahaHAHAHAHA“, brach Justin zum wiederholten Male in schallendes Gelächter aus, woraufhin Thomas nur angewidert das Gesicht verzog. „Nein, Jungs, ihr seid herrlich, echt. Oh Mann.“ Justin beruhigte sich wieder, packte Thomas kräftig an der Schulter, sah ihm tief in die Augen und meinte: „Hör zu, der Kurze wird Dir dazu noch etwas sagen, was ihm auf dem Herzen liegt. Keine Sorge, die Eifersucht macht ihm gerade nun wirklich nicht mehr so sehr zu schaffen. Ich habe ihm da auch ein paar Takte zu gesagt. Das Ding ist, er will mit Dir erst nach den Prüfungen reden – wegen dem Stress und so – und ich rate Dir dringend, ihm ebenfalls erst später zu sagen, wie das zwischen Dir und diesem Kevin steht. Du willst ja sicher nicht noch Öl ins Feuer gießen, oder?“

„Äh … ich weiß nicht so recht“, antwortete Thomas unsicher. Worauf will dieser Typ eigentlich hinaus?

„Na sag mal ehrlich jetzt: Bist Du nun mit dem Typen zusammen oder nicht?“, forderte Justin.

Thomas biss sich auf die Unterlippe und überlegte hin und her. Etwas in ihm, riet ihm dringend, den Kerl einfach stehen zu lassen und zu gehen. Andererseits konnte er sich ihm irgendwie auch einfach nicht entziehen – als würde eine unsichtbare Kraft ihn zwingen, alles zu offenbaren, was er um jeden Preis verheimlichen wollte. „Okay, ja, Du hast recht. Kevin und ich sind … na ja … irgendwie ein Paar.“

„Das ist ja … ausgezeichnet. Dachte ich es mir doch“, gab er fast flüsternd von sich. Justin verharrte einen Moment, schien zu überlegen und sagte dann unvermittelt: „Ja, jetzt muss ich leider weiter. Ich habe noch viel zu tun. Also pass auf: Der Kurze wird es schon verkraften. Aber sag es ihm lieber noch nicht jetzt, wenn Du keine erneute Szene von ihm haben willst.“ Er hob abwehrend die Hände. „Nein, ich sage nicht, dass er die wieder machen würde. Aber Basti hat gerade erst seine Eifersucht Kevin gegenüber verwunden und das wirst Du doch nicht schon wieder riskieren wollen, oder?“ Thomas schüttelte nachdenklich den Kopf und Justin wandte sich zufrieden zum Gehen. „Man sieht sich, Vierauge. War nett mit Dir.“ Damit war er auch schon um eine Ecke gebogen und verschwunden.

Thomas blieb nachdenklich zurück. Was war das denn jetzt eigentlich?, dachte er sich. Ich hatte ohnehin vorgehabt, noch ein wenig zu warten, bis ich Basti die Neuigkeit mitteile. Ich hoffe ja immer noch, dass er damit zurechtkommt, dass ich einen Jungen liebe. Egal, spätestens nach den Prüfungen sage ich es ihm. Er ist mein Freund und wird sicher Verständnis haben. Auf der anderen Seite … vielleicht hat Justin auch recht und ich sollte so lange wie möglich damit warten, jetzt wo er sich endlich mit Kevin arrangiert hat. Unsicher wie eh und je, wandte auch Thomas sich zum Gehen um und schritt weiter die Reihe der kleinen, dicht aneinandergedrängten Läden ab.

„‘Feigheit?’, sagte er verwundert. ‘Gorg und feige? Ich kenne den Riesen gut. Er und Kelhim sind nicht nur die besten Freunde, die man sich wünschen kann. Sie sind auch die tapfersten Burschen, die mir jemals begegnet sind.’“ Basti legte das Buch beiseite und sah seinen Bruder lächelnd an. “Du bist auch der tapferste Bursche, der mir je begegnet ist.” Paul erwiderte das Lächeln und sah seinen Bruder dankbar an. „Hör mal“, begann Basti. „Ich muss nochmal los, was besorgen. Außerdem kommen unsere Eltern bald mit dem Rest der Bande. Dann wird es eh zu voll hier, was?“ Nachdem er sich erhoben und schon verabschiedet hatte, versprach er noch: „Nachher les ich Dir weiter vor, okay?“

Paul, der Bastis neue Nähe zu schätzen wusste, aber auch Verständnis dafür hatte, dass sein großer Bruder auch mal etwas Zeit für sich brauchte, grinste ihn an. „Ich lauf schon nicht weg, Basti. Es reicht wirklich, wenn Du erst morgen wieder kommst. Erhol Dich doch auch mal ein bisschen.“

„Tu ich doch“, warf Basti ihm zwinkernd zu und ging nach draußen. Auf dem Gang wäre er beinahe in Justin hineingerannt. „Heh, wolltest Du mich umrennen?“, hielt er ihm scherzhaft vor.

„Hey Kurzer, ich war gerade zufällig in der Nähe. Du gehst schon?“

„Ja, muss mal in die Stadt. Willst Du mitkommen? Wir könnten ja vielleicht ein Eis essen oder so“, schlug Basti vor, was Justin nicht ablehnte.

Sie waren ins Cafe am Markt gegangen und hatten es sich in einer Ecke bequem gemacht, die weit genug vom Eingang entfernt war, um nicht ständig gestört zu werden. Justin hatte sich lediglich einen schwarzen Kaffee bestellt, während Basti sich über einen Coupe Dänemark hermachte. Irgendwann warf Justin ein: „Ich habe heute übrigens Thomas getroffen.“

Basti schaute nicht wirklich auf und meinte lediglich mit vollem Mund: „Mhm?“

Justin musterte ihn mit undurchsichtigem Blick. „Ja. Er wirkte irgendwie … konfus.“

Jetzt hatte er Bastis volle Aufmerksamkeit. „Konfus? Wie meinst Du das?“, fragte er verwundert.

Sein Gegenüber hatte die Ellenbogen auf den Tisch gestützt, die Finger ineinander gefaltet und sah Basti dahinter aus dunklen Augen durchdringend an. „Nun, ich weiß nicht, wie ich es Dir sagen soll. Wir hatten ein recht interessantes Gespräch … über so Dinge wie … Gefühle und dergleichen.“

Ungläubig sah Basti Justin an. „Tommy redet mit Dir über Gefühle? Einfach so?“ Dann ließ er den Löffel sinken und sah ihn entsetzt an. „Moment, Du hast ihm doch nicht erzählt, dass ich …“

Gelassen aber dennoch bestimmt, unterbrach Justin ihn. „Wo denkst Du hin? Natürlich nicht! Es hatte sich einfach ergeben. Keine Ahnung, wie wir überhaupt auf das Thema gekommen sind. Vermutlich war er einfach noch etwas emotional wegen der Sache mit Paul oder so.“ Er legte die Hände auf den Tisch, dessen Mitte eine kleine, aber hübsche Blumenvase mit einer einzelnen, leuchtend blauen Enzianblüte zierte. „Weißt Du, ich kann Dir jetzt nicht alle Einzelheiten widergeben, aber ich habe das ganz starke Gefühl, dass Dein geliebtes Vierauge gar nicht so uninteressiert an Jungs ist. Vielleicht jetzt nicht an Jungs generell, eher an einem ganz speziell.“ Er machte eindeutige Gesten in Bastis Richtung.

Dem blieb der Mund offen stehen und es dauerte eine Weile, bis er schluckte und unsicher stammelte: „D-da … hast Du Dich ganz sicher verhört. Ich meine, wie? Was? Warum jetzt auf einmal? Ich meine, klar, ich liebe ihn über alles und will ihn und … Ah, nein. Nein, nein, nein … woran machst Du das fest? Was hat er genau gesagt?“

„Mal langsam, Kurzer“, versuchte Justin, Bastis Aufgeregtheit einen Dämpfer zu verpassen und hob abwehrend die Hände. „Ich weiß jetzt nicht mehr genau jeden einzelnen Wortlaut. Vielleicht habe ich tatsächlich die eine oder andere verräterische Frage gestellt.“ Schnell fügte er hinzu: „Keine Angst, ich habe nichts von Dir vorweggenommen. Aber er hat mir absolut eindeutig zu verstehen gegeben, dass er Dir nach den Prüfungen etwas ‘beichten’ will, das alles für Euch verändern würde.“

„Ja, aber bist Du Dir sicher, dass er damit meint, was Du denkst? Er könnte alles Mögliche meinen.“ Basti war noch lange nicht überzeugt, geschweige denn bereit, sich blind seinen Gefühlen hinzugeben. „Zumal er NIEMALS vor Dir einfach so gestanden hätte, dass er etwas von einem Jungen wollen würde; das hat er nicht einmal mir gesagt – nicht einmal angedeutet. Deshalb ist es ja auch so schwierig für mich, da auf ihn zuzugehen. Gerade nach der Sache mit Sandra.“

Justin beugte sich noch etwas weiter vor. Fast raunend, sagte er: „Das mag schon alles sein. Aber die Dinge ändern sich manchmal. Ihr habt in der letzten Zeit viel erlebt und ein Umbruch im Leben steht an. Ihr beendet die Schule und verliert Euch womöglich aus den Augen. Nur so viel: Er hat erkannt, dass Du für ihn mehr bist, als nur ein einfacher Freund …“

„Ja“, lachte Basti bitter. „Sein bester Freund eben.“

„Mehr, viel mehr als das.“ Justin setzte all seine Überzeugungskraft und Leuchten in seine Augen. „Er druckste rum, also hab ich ihn frei heraus gefragt, ob – wenn du mehr, als nur ein Freund für ihn bist – er sagen würde, dass es Liebe sein könnte. Er hat nicht darauf geantwortet, aber stell Dir vor, wie erschrocken er wirkte. So, als hätte ich sein geheimstes Geheimnis entdeckt …“ Wieder zurücklehnend und selbstsicher auf den Tisch blickend, ergänzte Justin: „Glaub mir, mein Freund. Der Typ liebt Dich. Du hast unverschämtes Glück.“ Es lief besser, als er sich es hätte erträumen können. Sowohl Thomas als auch Basti hatten jeweils ein Geheimnis voreinander. Beide hatten ohnehin vor, noch ein paar Tage zu warten, dies preiszugeben. Und beide Geheimnisse würden die zwei Jungs überraschen auf der einen Seite und niederschmettern auf der anderen. Justin brauchte jetzt nur noch ein bisschen die Emotionen und Erwartungen in die jeweils falsche Richtung zu steigern. Der Rest würde sich, wenn alles nach Plan verlief, ganz von selbst regeln. Und wenn nicht, würde er eben noch ein bisschen nachhelfen.

„Dir ist schon klar, dass das die Erfüllung des Traums meiner Träume wäre, oder?“ Basti konnte es nicht fassen. Auch wenn irgendetwas tief in ihm mahnte, dass hier etwas nicht stimmen konnte, siegte schließlich seine Sehnsucht über seinen Instinkt. „Was soll ich jetzt tun?“

Ein kurzes zufriedenes Zucken umspielte Justins Mundwinkel, was seinem Gegenüber jedoch verborgen blieb. Gelassen erwiderte er: „Gar nichts. Zumindest jetzt nicht. Warte die Prüfungen ab. Er wird das ja auch tun und vorher auch nicht bereit sein, sich zu offenbaren. Dein Angebeteter war da sehr deutlich und Du willst doch nicht, dass er auf der Zielgeraden schwächelt, oder?“

Bastis Augen waren glasig und seine Hand zitterte leicht, als er hauchte: „Nein.“ Schließlich fasste er sich wieder und fragte: „Aber wie soll ich ihm denn jetzt gegenübertreten?“

Justin zuckte mit den Schultern. „Warum? Es hat sich offiziell ja nichts geändert. Er wird sich nicht komisch verhalten – also nicht komischer als sonst – also solltest Du das auch nicht tun.“

Die ständigen unterschwelligen Spitzen gingen komplett an Basti vorbei. Der war schon längst im siebten Himmel. Die Frage, warum er auf einen Dritten hören und nicht direkt mit seinem besten Freund sprechen sollte, kam ihm nicht in den Sinn.

In der nächsten Episode:
ein spontaner Ausflug, ungestörte Zweisamkeit und ein Sonnenuntergang

Anmerkung: Bei dem Buch, aus welchem Basti seinem Bruder vorliest, handelt es sich um “Märchenmond” von Wolfgang und Heike Hohlbein.

Das nächste Kapitel erscheint am Freitag, den 25.10.2019.

Bis dahin eine schöne Zeit und freundliche Grüße,
Arokh

Herzlich willkommen zur Commentary-Show, welche den Begriff Grenzwertigkeit ganz neu definiert!

[i]Äste zogen an ihm vorbei, das Blut rauschte in seinen Ohren und Schweiß floss in Bächen seinen Rücken hinunter. Der Atem durchbohrte mit tausenden winzigen Nadeln seine Lunge, die zu bersten schien. Doch es lief weiter. Als es festgestellt hatte, dass das Portal verschwinden war, hatte es alles abgesucht, doch das Portal war verschwunden. Auch einen Portalöffner konnte es trotz intensiver Suche nicht ausfindig machen. Es fühlte, Resignation in sich aufsteigen, doch da war noch ein anderes Gefühl: Rebellion. Es wollte nicht die Schultern hängen lassen, in Stillstand verfallen, dem Gefühl aufgeben zu wollen, nachgeben. Also war es auf gut Glück losgelaufen. Einfach weg. Es glaubte zwar nicht daran, wieder zurückzufinden, aber es wollte irgendwo hin. Irgendwo anders als hier. Und ein bisschen hoffte es doch auf ein Wunder.
Und dann stolperte es und landete im Schlamm des feuchten Waldbodens. Zuerst dachte es, es sei über eine Wurzel gestolpert, doch das war nicht der Fall: Es wandte den Kopf und erblickte einen weiß-grau-farbenden, gut einen Meter hohen Rotationsellipsoiden.

“Er war hier!”, rief das Wesen.
PhrasenwesenZ blieb stehen und drehte sich schlagartig um. “Dann weißt du doch, wo es ist.”
“Nein. Es ist gegangen und hat mir nicht gesagt, wo es hin wollte. Dabei wollte ich doch nur aus dieser Einsamkeit und Langeweile ausbrechen.” Fast hatte das Phrasenwesen Mitleid. Doch das Wesen konnte ihm nicht helfen und er musste weiter nach Arokh suchen.
Als es aus dem Schloss hinaustrat, war es Nacht geworden. Der Himmel war sternenklar.[/i]

Ja, nach drei Editieriterationen hat man Lust auf das nächste. Aber man ist dann auch meistens echt zufrieden mit dem Ergebnis, welches der Autor fabriziert hat.

Solltest du WdH irgendwann verfilmen, parodiere ich diese #91 in guter Trashfilmmanier :stuck_out_tongue:

Okay, kennen tun die sich nicht direkt wahrscheinlich. Vielleicht kennt Katharina Justifar aus der Zeit, in der er das erste Mal aktiv war …

Ich werde einfach nie auf Justins Lache klarkommen …

Wolfgang Hohlbein sagt mir was, aber Heike Hohlbein bisher nicht. Man lernt nie aus :slight_smile:

@Zuri: Unsere Commentary-Show fällt heute etwas kürzer aus, weil es so spät geworden ist. Aber ich hole da noch was nach, keine Sorge :wink:

Ähm, das war nicht der Schwede, der das gesagt hatte. Das war ein unbekannter, aber unheimlicher Mann. Ob Kathy hierüber etwas weiß? Vielleicht fragen wir sie bei passender Gelegenheit mal. ^^
Und ja, auf Justins irre Lache sollst Du auch nicht klarkommen. Es soll unterstreichen, war für ein bescheuerter Idiot er ist. Ach, ich mag ihn einfach nicht :laughing:

Heike Hohlbein ist die Frau von Wolfgang Hohlbein. Er hat durchaus einige Bücher mit ihr zusammen geschrieben. Ich selbst habe aber nur das eine (Märchenmond) gelesen.

Achso, der liebe Zuri hat heute sogar direkt einen sehr schönen Teil dieses Kapitels selber beigesteuert - ziemlich am Ende des Teils. Vielen Dank, Zuri, ich bin immer noch ganz begeistert davon :smiley:

Credits:
Thomas Gärtner / Alter: 16 / heimlich mit Kevin zusammen, von zögerlicher Natur
Kevin (Kivan) / Alter: 15 / geheimnisvoll, starke Affinität zu Thomas, nicht ganz „normal“

Handlungszeitpunkt: Mittwoch, 06.06.2012 und Freitag, 08.06.2012
Handlungsort(e): / Östlich von Andersau am Gebirgsausläufer

Was bisher geschah:
Thomas war seit kurzem mit Kevin zusammen, wollte diese Beziehung aber vorerst nicht an die große Glocke hängen. Bevor er sein Umfeld wissen lassen wollte, dass er mit einem Jungen zusammen war, was in seinen Augen eine ganz große Sache war, wollte er die Abschlussprüfungen der Regelschule hinter sich bringen. Kevin wiederum, der ganz natürlich mit den Gefühlen, welche er für Thomas empfand und die auch für ihn Neuland waren, umging, hatte vor, ihm alle Zeit zu lassen, die er benötigte und redete ihm gut zu, dass er sich dafür nicht zu schämen brauchte. Für Thomas war es einfach völlig ungewohnt, bewusst so ein starkes Interesse am gleichen Geschlecht zu haben und es lag in seiner Natur, auf ungewohnte Neuigkeiten unsicher und zögerlich zu reagieren. Noch wusste er nicht so recht, wie er mit dieser Situation umgehen sollte, auch wenn er in den letzten Wochen schon große Fortschritte in der persönlichen Entwicklung durchgemacht hatte.

b Der Sonnenuntergang[/b]

Nachdem Thomas am Mittwoch die Prüfungskonsultation in der Schule hinter sich gebracht und sich von seinen Freunden verabschiedet hatte, ging er zunächst eine Kleinigkeit essen und machte sich dann auf den Weg in die Schlossallee, um Kevin von der Schule abzuholen. Er hatte ihn seit Sonntag nicht mehr gesehen und auch kaum gesprochen, da sein Freund sich etwas Ruhe erbeten hatte, weil es ihm nicht so gut ging. Thomas war natürlich besorgt, hatte aber selbstverständlich diesen Wunsch respektiert. Mit leichtem Herzklopfen wartete er vor dem alten, aus rotem Sandstein gefertigten Gebäude im viktorianischen Stil, welches auch schon bessere Tage erlebt hatte und eine Restaurierung dringend nötig gehabt hätte. Ein beständiger Strom aus Schülern schob sich durch die breiten schmiedeeisernen Tore, welche den Zaun durchbrachen, der den Schulhof umgab. Irgendwann ebbte die Masse von murmelnden, streitenden, diskutierenden, lachenden und johlenden Schülern ab und beinahe am Schluss, als Thomas schon fast befürchtet hatte, umsonst gewartet zu haben, trottete Kevin mit verträumtem Blick durch das Tor. Er erschrak fast, als Thomas ihn freudestrahlend ansprach.

„Tommy. Was machst du denn hier? Ich hatte jetzt gar nicht mit dir gerechnet“, eröffnete er ihm, bevor die beiden sich in eine zärtliche Umarmung begaben.

„Ja, ich dachte, ich überrasche dich einfach mal“, strahlte Thomas seinen Freund an. Etwas unsicher setzte er nach: „Ich hoffe, das ist okay.“

Die Unsicherheit war jedoch unbegründet, denn Kevin strahlte ebenso. „Absolut. Das ist eine schöne Überraschung. Ich wollte dich ohnehin heute anrufen.“

„Dann geht es dir wieder besser?“

Kevin nickte bekräftigend und dann setzten die zwei sich in Richtung Bahnhof in Bewegung. „Ja. Ich weiß auch nicht, was mit mir los war, aber jetzt ist wieder alles in Ordnung.“

Thomas freute sich ehrlich darüber. „Das ist die Hauptsache.“

„Du, Tommy? Wie viel Zeit hast du denn?“, fragte Kevin, nachdem sie ein Stück gelaufen waren.

„Ich habe heute nichts weiter vor, also habe ich so viel Zeit, wie du willst.“

„Das ist schön. Möchtest du mit zu mir kommen? Heute ist der erste richtig schöne Tag. Die Sonne heizt ganz schön und es ist gerade mal Mittag. Wir könnten einen kleinen Ausflug machen“, schlug Kevin in ungewohnt erwartungsvoller Stimmung vor.

Thomas hatte natürlich nichts dagegen, fragte aber dennoch: „Mitten in der Woche? Ich meine, mir macht es nichts aus, aber du hast immer noch Schule.“

Kevin lachte entschuldigend. „Ich meine ja nicht übermäßig weit weg und unendlich lange.“

„Schade eigentlich“, erwiderte Thomas augenzwinkernd.

Nachdem sie noch Felix abgeholt hatten, welcher sich schwanzwedelnd und fiepend sichtlich über Kevin freute, nahmen sie den nächsten Zug nach Andersau und standen gegen 15 Uhr in der Einfahrt zu der dreigeschossigen Villa von Kevins Familie, die Thomas immer wieder faszinierte. „Warte kurz, Tom. Ich bringe nur schnell meine Sachen rein, hole noch etwas und dann kann es losgehen“, sagte Kevin und war auch schon im Haus verschwunden.

„Du hast mir noch immer nicht gesagt, wo du eigentlich mit mir hinwillst.“ Es war niemand weiter da, der die Worte hören konnte, aber das störte Thomas herzlich wenig. Es kam immer mal wieder vor, dass er mit sich selbst sprach. Immerhin legte Felix den Kopf schief und sah ihn fragend an. Thomas kniete sich vor seinen vierbeinigen, treuen Freund und kraulte ihn durch das weiche Fell an Hals und Brust. Er musste nicht lange warten, denn Kevin erschien bereits nach wenigen Minuten wieder und hatte einen kleinen Rucksack dabei. „Was ist da drin?“, wollte Thomas wissen.

Kevin grinste ihn an, als er antwortete: „Nun, wir sind jetzt zwar nicht ewig unterwegs, aber bei den Temperaturen wäre es gut, ein bisschen was zu trinken dabei zu haben, oder?“ Er nahm Thomas bei der Hand und führte ihn durch das Tor der Einfahrt. „Komm, lass dich überraschen.“

Ihr Weg führte die zwei Jungs und ihren tierischen Gefährten einmal quer durch das Dorf und anschließend zwischen zwei Maisfeldern hindurch. Die jungen Pflanzen waren noch nicht von nennenswerter Größe – das würde sich aber in den nächsten Wochen sicherlich noch ändern. So versperrten sie jedenfalls auch nicht die Sicht auf das umliegende Land. Und man konnte hier zumindest in westlicher Richtung sehr weit sehen.

„Das wird noch besser, wart’s ab“, versprach Kevin, als Thomas erneut stehen geblieben war, um seinen Blick schweifen zu lassen.

Bald erreichten sie die ersten Ausläufer des kleinen Gebirgszugs, welcher sich von hier in Richtung Neustadt erhob, und es ging von nun an leicht bergauf. „Puh, bin ich froh, dass ich meine Jacke direkt daheim gelassen habe“, seufzte Thomas, dessen Kondition definitiv schlechter war, als Kevins. „Wer hätte nach den trüben letzten Tagen gedacht, dass es auf einmal so warm werden würde?“

Der Feldweg war längst einem Pfad gewichen, welcher sich an kleineren Felsen und Gebüschen vorbei in die Höhe schlängelte und dabei immer mehr zu einem Trampelpfad zu werden schien. Felix hatte seine helle Freude daran und sprang hierhin und dorthin, eilte voraus, kehrte wieder zurück und schien allgemein recht glücklich zu sein. Und dann, nach einer weiteren Biegung, hatten sie offenbar ihr Ziel erreicht. Dort, an einem schattigen Plätzchen unter einem Felsüberhang, stand eine kleine, schon halb verwitterte Bank aus dunklem Holz, auf welcher sich Thomas, erleichtert, den Aufstieg hinter sich gebracht zu haben, fallen ließ. Kevin, der kein bisschen angestrengt wirkte, setzte sich neben ihn. „Du hast recht“, sagte Thomas nach einer Weile, nachdem er sich akklimatisiert hatte. „Das ist wirklich noch besser.“ Die Aussicht bot einen ordentlichen Blick auf das Umland um Andersau. Am Hang der dem Gebirge vorgelagerten Hügellandschaft drängte sich ein breit aufgestelltes Maisfeld. Nach rechts in Richtung Norden konnte man an Zweithofen vorbei bis nach Altleben sehen, im Westen verlief ruhig der breite Strom der Tierne jenseits der an die Bahnlinie angrenzenden breiten Wiese und links im Süden erkannte man den durch die Gebirgsstraße getrennten Südausläufer des Gebirges. Thomas sah Kevin fragend an: „Aber warum gerade heute, so mitten in der Woche?“

Kevin sah Thomas verträumt an und schien über irgendetwas nachzudenken, bis er schließlich antwortete: „Warum nicht? Wäre es an einem anderen Tag schöner oder besser?“

„Nein … eigentlich nicht“, stimmte Thomas nachdenklich zu. Einfach nur den Moment genießen, wenn er sich bietet. Das macht man viel zu selten. Dann ließ er erneut seinen Blick schweifen, bis er spürte, wie Kevin irgendwann seine Hand unter Thomas‘ schob. Thomas ergriff Kevins Hand. Ihm wurde wohlig warm ums Herz und er genoss den Augenblick vollends, während Felix sich hechelnd zu ihren Füßen gelegt hatte. „Wusstest du, dass sowohl letzten Sonntag als auch heute dein Namenstag ist?“, unterbrach Thomas die Stille unvermittelt, ohne den Blick abzuwenden.

„Mein Namenstag?“

„Ja“, gab Thomas bestätigend zurück. „Kevin bezieht sich auf Kevin von Glendalough, einen irischen Heiligen aus dem 7. Jahrhundert. Und dessen Namenstag ist der dritte und sechste Juni – also auch heute.“

Das verblüffte Kevin. „Ich wusste gar nicht, dass du dich für Liturgie interessierst.“

Thomas lachte. „Tu ich auch nicht.“ Mit leiser Stimme fügte er hinzu: „Ich interessiere mich für dich“, woraufhin eine Pause entstand. Etwas unsicher ergänzte er: „Dein Name bedeutet übrigens: liebenswürdig, geliebt, anmutig … aber auch hübsch von Geburt.“ Ungewollt wurde er rot bei den Worten.

„Du bist süß“, erwiderte Kevin und drückte sanft Thomas‘ Hand. Schließlich fragte er: „Wie ist es denn mit deinem Namen?“

Sein Freund verzog das Gesicht, als er antwortete: „Thomas bedeutet einfach nur Zwilling.“ Wie er es sagte, entlockte Kevin ein heiteres Schmunzeln. „Mein Namenstag ist übrigens tatsächlich der Thomastag – nach irgendeinem Apostel benannt. Das ist auch noch der 21.12. – dieses Jahr also am Weltuntergangstag.“

Kevin streichelte sanft über Thomas‘ Handrücken. „Da werde ich wohl besonders auf dich aufpassen müssen, dass ich dich in dem Chaos dann nicht verliere.“

„Das wäre schrecklich. Ich will dich niemals verlieren.“

Nach einer kurzen Pause erwiderte Kevin leise und mit seltsamem Unterton: „Ich dich auch nicht. Aber einmal könnte es dennoch passieren.“

Thomas bemerkte den eigenartigen Tonfall in der Stimme und meinte: „Sag doch bitte so etwas nicht.“ Doch Kevin lächelte nur entwaffnend, beugte sich herüber und küsste Thomas.

Sie saßen eine ganze Weile schweigend und die Nähe genießend auf der Bank, bis es langsam Zeit wurde, aufzubrechen. Kevin führte Thomas an den Rand des Aussichtspunktes und deutete nach Süden auf den in einigen Kilometern gegenüberliegenden Berghang. „Siehst du die Burgruine dort drüben, auf der anderen Seite der Berge? Beim nächsten Mal – vielleicht am Wochenende oder so – nehme ich dich mit dort rauf. Der Ausblick von dort auf den Stausee und das Land dahinter ist noch fantastischer als von hier aus – geradezu atemberaubend.“

„Einen Sonnenuntergang stelle ich mir von dort aus sehr schön vor“, meinte Thomas verträumt.

„Dann machen wir das“, sagte Kevin begeistert. Er schien es kaum erwarten zu können.

Thomas sprang gern auf diesen Zug auf, denn die Vorstellung, einen solchen romantischen Moment mit seinem Schwarm teilen zu können, ließ ihn nicht los. „Ich könnte dich am Freitag wieder abholen und dann haben wir ja jede Menge Zeit.“ Damit war es beschlossene Sache und Thomas fand, dass sein Leben in letzter Zeit immer besser wurde.

Als Thomas am Tag darauf von seiner Gassi-Runde mit Felix nach Hause kam, rief Franzi an. „Hey, ich dachte mir, dass wir mal wieder was zusammen machen könnten nach der ganzen Aufregung um Bastis Bruder. Vielleicht ins Café. Basti, du, Rob und ich“, fiel sie gleich mit der Tür ins Haus.

„Basti macht heute was mit Paul. Er meint, er hat noch einiges nachzuholen“, verpasste Thomas ihr einen Dämpfer.

„Schade“, vernahm er vom anderen Ende der Leitung. „Dann vielleicht ein anderes Mal.“

Die anderthalb Tage vergingen ansonsten im Nu und Thomas und Kevin hatten sich für diesen Abend etwas Besonderes überlegt. Nicht einfach nur eine Wanderung in den Abendstunden, sondern auch noch mit Picknick sollte es sein. Felix hatten sie diesmal aus Rücksicht daheim gelassen – es war doch eine weitere Strecke, welche sie zudem mit dem Fahrrad zurücklegen wollten. Nachdem die Sonne in den frühen Abendstunden nicht mehr allzu sehr heizte, setzten sich die beiden auf ihre Räder und fuhren über die Feldwege abseits der Landstraße in südliche Richtung; vorbei an dem ersten Ausläufer, auf dem sie schon vorgestern den Ausblick genossen hatten. Es waren nicht ganz fünf Kilometer, das war also durchaus auch mit etwas Gepäck in annehmbarer Zeit zu schaffen. Über den neuerlichen Aufstieg war Thomas weniger begeistert. Viel lieber wäre er stattdessen in einen See gesprungen, doch der Süssensee, welchen er mit seiner Familie gern im Sommer aufsuchte, war noch nicht aufgewärmt genug, da die Sonne erst diese Woche entschieden hatte, ihre ganze Strahlkraft zu demonstrieren und die Aussicht, mit Kevin rechtzeitig zum Sonnenuntergang oben zu sein, um diesen gemeinsam genießen zu können, beflügelte ihn.

Der Aufstieg war letztendlich aber doch angenehmer, als zunächst vermutet. Vor allem waren die Wege auch breiter als jener Trampelpfad, welchen sie am Mittwoch gegangen waren. Das machte das Schieben der Räder wesentlich einfacher. Schließlich standen die zwei Jungs vor der uralten Ruine der Tiernburg, was vor langer Zeit mal ein Wachposten oder etwas in der Art gewesen sein mochte, als es noch galt, Raubrittern und anderen Banditen beizukommen, welche den Handelspass zwischen den Siedlungen jenseits des kleinen Gebirges unsicher machten. Das Gemäuer war seit Jahrhunderten nicht mehr in Benutzung, stand jedoch unter Denkmalschutz und wurde regelmäßig davor bewahrt, in sich zusammenzustürzen. Von der befestigten Anlage von einst waren zwei längere Stücke einer Wehrmauer sowie zwei dreigeschossige Ecktürme erhalten geblieben, wobei bei einem der Türme die nach innen gerichteten Mauern eingestürzt oder mutmaßlich zerstört worden waren. Ursprünglich hatte es wohl noch einen größeren Wehrturm gegeben, welcher sich nahezu symbiotisch an die Felswand dahinter geschmiegt hatte. Von diesem Bau waren jedoch nur noch rudimentäre Fragmente vorhanden. In jedem Fall spendeten die Mauern der Ruine wohltuenden Schatten, wenn man sich auf der richtigen Seite befand.

Vor der alten Festung befand sich ein ausladender Platz auf der Klippe über der Ebene, welcher nur über zwei Fußwege zu erreichen war. Außer einigen kleineren Gewächsen und mit Moos bewachsenen Felsbrocken gab es auf dieser Klippe nichts. Für Thomas und Kevin war diese Stelle ideal. „Wir haben Glück“, sagte Thomas. „Außer uns ist keiner hier.“

„Ja. Für die Meisten ist dieser Platz einfach zu weit abseits gelegen.“

Lachend fügte Thomas noch hinzu: „Und es ist nix für Lauffaule.“ Kevin bemerkte, dass sein Freund ein klein wenig schwer atmete. Zwei Schweißtropfen auf dessen Stirn, die man aber auch schnell hätte übersehen können, schienen das zu bestätigen.

Sie breiteten die mitgebrachte Decke aus, machten es sich bequem, ließen sich ihr Abendessen schmecken und genossen die wundervolle Aussicht, während die Sonne sich stetig auf den Horizont zubewegte und ihre Strahlen wundervoll im Tierne-Stausee glitzerten. Nichts trieb die beiden Verliebten heute an – kein Zeitdruck, keine Verpflichtungen. Sie konnten an dieser Stelle verweilen, solange sie wollten. Nicht mehr lange hin bis zur Sonnenwende. Ich liebe es, wenn die Tage so lang sind, dass man bis so spät noch draußen sitzen kann und trotzdem nicht im Dunkeln hockt.
„Weißt du, woran ich gerade denke?“, durchbrach Thomas die schöne Stille. Eigentlich eine Schande, sie nicht einfach still zu genießen, aber ihm brannte schon länger etwas auf der Seele, was er nun endgültig rauslassen musste.

„Nein, aber was auch immer es ist, ich brenne darauf, es zu hören“, erwiderte Kevin mit einem Lächeln, mit dem Thomas ihm jedes Geheimnis erzählt hätte.

„Irgendwie war ich kein guter Freund in letzter Zeit.“

„Wieso?“, fragte Kevin irritiert und legte den Kopf schief. „Du bist toll. Mach dir keine Sorgen.“ Er schien nicht genau zu wissen, worauf Thomas hinauswollte.

„Nein, ich meine für Basti“, konkretisierte Thomas. „Er ist mein bester Freund und wir haben uns so selten in letzter Zeit gesehen. Ja, ich war im Krankenhaus, aber da waren wir ja alle auf Paul fokussiert.“

„Freundschaft definiert sich nicht durch die Quantität an Zeit, die man miteinander verbringt“, meinte Kevin weise und Thomas liebte ihn dafür.

„Ja, schon …“ Thomas kam sich entwaffnet vor, aber das Gefühl wich nicht. „Also ich habe das Gefühl, als wenn ich mich irgendwie unbewusst ein bisschen von ihm abgewandt habe und er das spürt. Er kam mir irgendwie ein bisschen verloren vor. Ich kann das schlecht beschreiben. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, aber ich kenne ihn halt schon sehr gut.“

Kevin setzte sich auf und schaute Thomas nun ganz an. Er hatte jetzt seine volle Aufmerksamkeit.

„Und dann hab ich ihm immer noch nicht gesagt, dass wir zusammen sind.“ Er lächelte. „Das ist doch auch irgendwie blöd. Warum sollte ich meinem besten Freund etwas verheimlichen? Manchmal kommt mir das wie Verrat vor. Dann trau ich mich wieder nicht. Und manchmal denke ich, es ist besser so. Ich weiß einfach nicht, was das Beste ist …“, sprudelte es aus ihm heraus.

„Komm mal her“, forderte ihn Kevin auf und nahm ihn in den Arm. Der Sprachfluss verebbte. „Basti weiß, dass du ein guter Freund bist“, begann er. „Da bin ich mir sicher. Ihr habt jetzt den Prüfungsstress, da ist das logisch. Ihr verbringt einfach dann nach der Prüfung in den Ferien wieder mehr Zeit miteinander und er wird verstehen, warum du es ihm nicht sofort gesagt hast. Er ist dein Freund. Er wird dich schon nicht dafür hassen.“

Und dann war es soweit. Kevin hatte einen atemberaubenden Ausblick in Aussicht gestellt – er hatte nicht zu viel versprochen. Der Sonnenuntergang war wirklich wunderschön, genau wie er es vorhergesagt hatte. Das Spiel der Farben und wie es sich auf das Tal auswirkte, war atemberaubend. „Es war wirklich eine verdammt gute Idee, hier nochmal herzukommen“, sagte er zu seinem Freund, der sich inzwischen neben ihn gesetzt hatte.

„Ja, nicht wahr?“, erwiderte der andere mit einer sanften, warmen Stimme.

Thomas schielte verstohlen zu ihm herüber, vermied es aber, ihn ganz anzusehen, damit es ihm nicht auffiel. Die Hand seines Freundes war ganz nah bei seiner eigenen. Wie Thomas, hatte der andere sich an den Felsenrand gesetzt und leicht zurückgelehnt, die Arme etwas nach hinten gestützt. Thomas überlegte, ob er es tun sollte, fragte sich dann aber, warum nicht und fand sein hin und wieder auftretendes Zögern dämlich. Er bewegte seine Hand langsam in Richtung der seines Freundes, zögerte noch einmal kurz, legte aber schließlich seine Hand über die seines Begleiters und spürte eine wohlige Wärme, die diesen Moment für ihn noch eindrucksvoller machte. Obwohl er es natürlich besser wusste, wünschte er sich, dieser Sonnenuntergang würde niemals enden.

In der nächsten Episode:
Die mündlichen Prüfungen, ein Dinner für Neun und eine überraschende Rückkehr

Das nächste Kapitel erscheint dann nächsten Freitag, den 01.11.2019 (oder eben in der Nacht zum Samstag :wink: ).

Liebe Grüße,
Arokh

P.S.: Es wird vermutlich niemandem aufgefallen sein, daher verrate ich es mal: Der letzte Abschnitt dieses Kapitels (ab “Der Sonnenuntergang war wirklich schön…”) ist einer von Thomas’ intensiven Träumen, welcher tatsächlich Realität geworden ist. Geträumt hatte er den in Kapitel 59 und er wurde 1:1 - wie alle diese Träume - in das aktuelle Kapitel übernommen. Insgesamt gibt es in dieser Geschichte sechs solche intensiven Träume, welche zur Realität werden (in #1, 5, 16, 25, 42 und 59), wovon sich inzwischen drei bereits erfüllt haben. Aber das nur mal so am Rande :wink: