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So erste Story hier im Forum von mir. Wenn ihr lesen wollt viel spaß und Feedback, Kommentare erwünscht :slight_smile:


Cold skin at the point you touched me last night
Like a freezing burn on my arms but it feels alright
I still know how you smell and you looked so good
To stand in front of you trying hard not to cry as much I could

. . . . . . .

Letztendlich war es doch egal von welcher Seite man es sieht. Am Ende kommt es einem so vor als existierten die letzten Monate nicht. Aber es gibt genügend Leute die dich daran erinnern, das genau diese Monate existierten. Ihr redet euch ein, so etwas würde nur anderen Personen passieren. Aber ihr merkt nicht wie tief ihr schon in der Scheiße steckt. Kennt ihr das Gefühl das man völlig taub ist und alles nur noch durch einen Schleier sieht? Leute reden mit dir und du hörst ihre Geräusche und siehst ihre Münder sich bewegen. Aber letztendlich ist es dir egal und du vergisst was sie zu dir sagen. Ist es wichtig? Muss man sich wirklich von jedem das gleiche in anderen Versionen hören? Man weiß doch das man einen Fehler gemacht hat. Auf jedenfall reden die anderen dir ein es sei ein Fehler, und irgendwann, war es ein Fehler. Es ist so als ob man vor einer weißen Wand sitzt und dir von hinten jemand sagt die Wand wäre blau, irgendwann ist die Wand blau.
Man muss eine Lüge nur so lange wiederholen bis sie einer Glaubt. Die Wahrheit ist eine Lüge die oft genug gesagt wurde. Meine Wahrheit war eine Lüge. Und ich habe sie zu oft wiederholt. Irgendwann verschwimmen die Linien zwischen Fiktion und Realität, du baust dir eine Welt aus den Lügen und den Geschichten anderer. Hast du wirklich das gelebt was sie dir erzählen? Oder sind es nur Versionen die es versuchen dir leichter zu machen? Jemand hat mal gesagt es ist egal ob man eine Lüge lebt. Die Kunst ist so glaubhaft zu sein, das dir jeder glaubt. Irgendwann glauben sie dir, dachte ich. Irgendwann fragen sie nicht mehr.
,Wissen Sie warum Sie hier sind?‘ Olga, Psycho-Olga. So nannte ich sie. Ich schaute sie an, meine braunen Haare waren fettig, sie fielen mir ins Gesicht.
,Wenn ich lange genug warte, sagen sie es mir oder?‘ erwiderte ich und starrte auf ihre Füße. Diese hässlichen Fake Crocs in weiß, damit sich jede Arzthelferin ein Stück Glaubwürdigkeit holen kann.
,Sie kommen so nicht weiter und keinesfalls kommen sie hier raus.‘ stellte Psycho-Olga fest. Ich starrte in ihr Gesicht. 47, maximal. Falten. Graue Haut vom rauchen und eine Brille ohne Gestell, seid wann die mal als gutaussehend beschrieben wurden ist mir auch ein Rätsel.
,John.‘ sagte sie fest. Ich starrte wieder auf ihre Schuhe, wenn man das so nennen kann.
John. Diesen Porno Namen haben meine Eltern mir wohl geben müssen. Es reicht ja nicht aus einem guten Hause zu kommen und eh schon von der Arbeiterklasse verachtet zu werden in der Realschule. Nein man heißt auch John. Als ob man eine große Hollywoodkarriere vor sich hätte. Dem war nicht so. Meine Karriere endete in der 10. Klasse. Man bleibt nicht einfach so sitzen als Sohn eines Bänkers und einer dauergelangweilten Tennisspielenden Hausfrau. Sowas machen nur die Kevins, Justins, Jaquelines, von der Realschule. Abschaum. Solche Leute schneiden den Rasen und putzen dein Auto, meinte mein Onkel immer und dann haben sie gelacht, bis ich aus dem Raum gegangen bin, und gekotzt habe. Ich kotze gerne. Immer wenn mir etwas zu viel wird.
Psycho-Olga sagte etwas, ich hörte nicht hin. Sie stand auf und schloss die Tür hinter sich. Ich schaute an die Wand. Sie war weiß. Vielleicht war sie auch blau. Wer weiß so etwas schon. Wer entscheidet welche Farbe weiß ist, in der Schule haben wir gelernt das weiß keine Farbe sei. Ich mochte weiß. Irgendwie war es traurig so nichts zu sein. Keine richtige Farbe. Aber trotzdem wurde sie gerne benutzt. Zum Beispiel an Wänden. Weiß bedeutet Unschuld und Reinheit, mit beiden Attributen würde ich diese Einrichtung nicht bezeichnen. Mit Reinheit wohl am ehesten. Sie versuchen alles sauber zu halten, aber wenn man genau hinsieht merkt man das Blut an den Wänden, die Schnitte in den Polstern und man hört die Schreie. Ich war Ruhig.
Psycho-Olga kam mit ihrem Zwilling Psycho-Igor wieder. Ich mochte Igor. Er war groß, glatzköpfig und muskulös. Er wirkte dominant, stark und männlich. Er war wohl der böse Cop und Olga versuchte den guten zu spielen. Auch sie waren weiß angezogen. Krankenpfleger sind weiß angezogen. Engel.
,Es ist 4 Uhr. Zeit für deine Vitamine.‘ sagte Igor. Er sprach nicht besonders viel. Vitamine nannten sie es. Jeder wusste es waren keine Vitamine. Es waren Mittel um uns zu kontrollieren. Damit wir nicht durchdrehen. Sie zaubern uns ein Lachen ins Gesicht. Damit wir glücklich waren. Und ich war glücklich. Jeden Tag um 4 Uhr war ich glücklich. Es ist als würde man jede Woche nur Reis essen und die ,Vitamine‘ war die Sauce. Plötzlich hat der Reis etwas Geschmack. Etwas was ihn verbindet und zusammenhält. Und so schnell es da war, ist es auch wieder verschwunden. Und dann ist der Reis noch ernüchternder. Aber man freut sich auf die Sauce. Ich mag Sauce.
Heute war die Sauce in zwei Pillen. Blau und Blassgrün. Jedenfalls das was man als Blau und Blassgrün bezeichnet. Ich nahm sie in die Hand und schluckte sie runter. Ich brauche kein Wasser mehr dafür. Ich war gewohnt sie zu schlucken. Irgendwann gewöhnt man sich an alles. Das Wasser gab es schon lange nicht mehr in Gläsern. Gläser kann man zerstören und ich mag es viel zu sehr wie Glas zerbricht. Ich mag den Klang und ich mag die Scherben anzufassen. Ein Glas zu zerstören ist so endgültig. Es kommt danach nichts mehr. Man kann es nicht wieder zusammensetzen. Und man versuchte es auch garnicht mehr. Das war anders wie bei uns Menschen. Man kann Menschen zerstören und auch das machte mir Spaß, unheimlich viel. Aber es war nichts finales. Es war unfertig. Man versucht sie wieder zusammen zu bauen. Aufzubauen. Aber egal wie oft man Ruinen neu lackiert, sie bleiben Ruinen. Vielleicht gibt es dazu ein Sprichwort, aber ich war nie gut darin mir solche zu merken. Ich konnte mir Zahlen merken. Keine Wörter. Zahlen waren einfach. Eine Sieben ist eine Sieben. Sieben mochte ich. Die Woche hat Sieben Tage. Die Psycho-Zwillinge waren schon länger weg. Mir ging es gut. Ich legte mich auf die Seite und zog die Beine zu mir. Ich sah aus wie ein Baby. Genauso verletzlich. Aber ich war schon oft zerstört worden. Meine Ruinen hat man schon oft neu lackiert. Man hat mich schon oft wieder aufgebaut. Vielleicht schon siebenmal. Irgendwann hört man auf zu zählen.
Die Tür ging auf. Niemand kam hinein. Es war 19 Uhr. Wir durften essen. Ich stand auf und lief den Flur entlang. Typische Krankenhausflure. Lang. Breit und immer dieses zu große blassblaue Plastikgeländer an den Wänden. Als ob man sich abstützen müsste. Sie wurden öfters genutzt die Krankenbette gegen zu rammen. Psycho-Igor tat das gerne. Man wusste jemand neues war angekommen.
Wir nahmen uns die Teller auf den Tabletten und holten unser Essen. Abteilung Essstörung bekam Kaisergemüse und Nudeln. Wir bekamen Reis. Wie ironisch.

to be continued :wink:

Na das ist ja mal was. Eine schwule Geschichte nun zwar nicht gerade, es sei denn das kommt noch - dafür aber wunderbar voller Sarkasmus.
bin an mehr davon interessiert :slight_smile:

Ich freue mich auch schon auf den nächsten teil :flag:

Uiii Steven :slight_smile:
Also erst mal gefällt es mir vom Inhalt seehr gut :slight_smile: Ist einfach mal was anderes.
Freu mich auf Fortsetzung :slight_smile:

Gut gemacht Stevie :bp:
Ich war sehr gefesselt :slight_smile: ich denke du hast echtes Talent! es kam mir sehr realistisch rüber und ich finde man erkennt deinen Stil
Schreib fleissig weiter :slight_smile: I’m proud of you <3

Gefällt mir sehr :slight_smile:

Danke für die Kommentare :slight_smile:

Es geht weiter . . .


I rip open clouds with no faces
She undoes herself for a slice of your pie
Razorblade sky
I quench your thirst, I bleed you dry
Help you make your bed come undone
Razorblade sky

. . . . . . . . . . . . . . . .

,Nummer 312 ist zusammengebrochen. Ich hab gewonnen! Drei Tage ohne Essen! Aber 44 Kilo standen ihr gut!‘ er meinte Amy. Paul meinte Amy. Wir waren nicht durchnummeriert, wir gaben uns aber gerne Nummern. Ich konnte sie mir besser merken und es wirkte mehr wie ein Gefängnis. Amy bekam heute kein Kaisergemüse. Amy bekam Brei über die Magensonde. Ich mochte Nummer 312. Sie war genau das Gegenteil von mir, 213. Amy war lebensfroh, übermütig, und Blond. Ihre Arme waren ganz. Aber sie wogt nichts. Und sie aß nicht. Ich bewunderte sie dafür. Nicht essen bringt Kontrolle, Macht. Sich die Arme aufritzen nicht. Nun muss Amy essen. So ist das mit der Kontrolle und der Macht. Wir haben Angst sie zu verlieren.
,Sie waren heute Blau und Grün.‘ meinte ich mit einem Grinsen.
,Meine war Rot und Weiß. Seit wann bekomme ich nur noch zwei Vitamine? Ich fühle mich nicht gut.‘ Paul machte gerne seine Witze. Niemand verstand sie. Psycho-Olga verdrehte immer die Augen. Amy glaubte ihm jedes Wort. Ein Talent das ich nicht besaß: Glaubwürdigkeit.
,Ich mag Rot.‘ 447, Xavier. Seid 3 Wochen hier. Ein Neuling. Er wusste nicht was wir meinen. Er tat mir leid. Paul mochte ihn nicht und ich auch nicht wirklich. Niemand mag Frischlinge.
Ich drehte mich zu ihm.
,Warum bist du nochmal hier?‘ fragte ich, es klang wohl gemeiner als geplant. Xavier war ungefähr 16 Jahre alt, nicht älter, vielleicht jünger. Er war aus Venezuela und seine Haut goldbraun. Seine Augen bernsteinfarbend. Er hatte schwarze Locken. Nun grinste er, wie jeder Neuling der zum ersten mal sein schwarzes Geheimnis offenbart.
,Ich hab mich vor ein Auto geworfen. Aber es waren nur Knochenbrüche.‘ er zog die Augenbraue hoch. Mir war es egal. Ich hatte schon schlimmeres gehört. Xavier dachte ich käme aus Los Angeles und ich ließ ihn in dem Glauben. Er sagte immer: ,Wenn du aus LA kommst dann hat meine Familie wohl die Orangen geerntet die du zum Frühstück hattest.‘ da musste ich lachen.
,Kommt heute Abend ein guter Film?‘ fragte Paul und schob wieder seinen Reis von der rechten Seite über den Teller.
,Ich weiß nicht. Vielleicht geh ich zur Gruppenstunde.‘ antwortete ich ohne vom Teller aufzusehen. Ich mochte es nicht Filme zu sehen. Sie erinnerten mich an ein Leben außerhalb. Für viele war das wohl genau das warum sie Filme mochten. Normale Menschen in normalen Situationen beobachten. Mir wurde schlecht davon.
,Weißt du ob Amy kommt?‘ Kopfschütteln von Paul. Er griff meine Hand und ich starrte geschockt auf seine Finger.
,Du machst dir Sorgen.‘ stellte er fest. Ich antwortete nicht. Ich mochte Paul. Er war schon am längsten mit mir hier und der einzige mit dem ich reden wollte. Ich redete mit vielen aber ich wollte nicht. Paul war anders. Solange Paul nicht Jack wurde. Das war wohl sein dunkles Geheimnis, gespaltene Persönlichkeit, Schizophrenie. Jack war sein Alter-Ego. Ich mochte Jack nicht. Jack war böse. Jack kam immer von hinten und brüllte dich an. Egal was du meintest. Alles was du sagst verwendete Jack gegen dich. Irgendwann hörst du auf mit Jack zu reden und wartest bis Paul wieder da ist. Wenn Paul zurück ist schaut er dich an als ob er nur geschlafen hat. Ich hatte Angst vor Jack, alle hatten Angst vor Jack, alle außer Amy. Amy mochte Jack und Jack mochte Amy. Amy sagt immer aus spaß sie würde Jack heiraten und mit ihm alt werden, aber wir wussten das sie weder heiraten noch alt werden würde. Und dann lächelten wir sie an.
,Ich mag keinen Reis.‘ sagte Paul noch bevor er aufstand und seinen vollen Teller unter den Tisch stellte. Das macht man hier so, hat er gemeint am Anfang. Ich tat es ab dann auch so. Den Teller unter den Tisch stellen, wenn schon alle denken das man verrückt ist, warum dann sich nicht auch so verhalten?
Ich suchte den Raum nach Nummer 312 ab. Sie war nicht da. Am Tisch der Suchtkranken brach ein Streit aus. Ein paar von unserem Tisch warfen mit Reis. Mich erwischte ein Brocken aus dem Suchtlager während ich aufstand. 20 Uhr.
Die Gruppenstunde war ein Raum mit Stühlen in einem Kreis angeordnet. Ich habe dies nie verstanden, Stuhlkreise, aber scheinbar waren sie wichtig um jeden zu sehen und zu verstehen. Aber was nicht verstanden wurde, niemand wollte gesehen oder verstanden werden. Es waren 4 Leute da: Christian, 21, Alkoholiker und Crystal Meth abhängig; Tyra, 13, niemand weiß genau was sie hat, sie redet nicht; und Britney Spears, jedenfalls nannte ich sie so. Ich wusste nicht wie sie hieß, aber sie war blond, dick und talentlos. Britney Spears. Sie war jedesmal in der Gruppenstunde wenn ich da war, Paul meinte sie will was von mir.
Der vierte war dann ich, John, 17, Suizidgefährdet und positiv auf Bipolare Bewusstseinsstörung getestet. Außerdem der Albtraum seiner Eltern und der elitären Oberschicht.
Kurz bevor Gruppenchanteuse Kerstin (,Bitte nennt mich Kerstin wir wollen uns doch wohlfühlen‘) die Runde eröffnen wollte, kam Amy. Amy kommt nicht einfach wie normale Menschen in einen Raum. Amy öffnet die Tür, wartet bis sie jeder anstarrt, fasst sich an den Kopf und bewegt ihre Knochen hinein auf ihren Platz neben mir. Sie war dünn, das war sie immer.
,Paul meinte du bist hier, sie töten Aliens, ich liebe Aliens, ich weiß warum du keine Filme guckst, ich kann das heute auch nicht. Sie töten Aliens.‘ flüsterte sie mir zu und starrte mich mit ihren großen Augen an. Kerstin räusperte sich, als ob sich jemand dafür interessieren würde.
,Amy, wie schön dich heute hier zu haben.‘ Kerstin war eine widerliche Ausgeburt an positiver Energie, sie wäre die Lösung all unserer Energie Probleme wenn es jemand mehr wie 2 Stunden freiwillig mit ihr Aushalten würde, könnte man diese Energie sicherlich abzapfen und Strom daraus produzieren.
Amy stand auf und verbeugte sich, sie hatte Klasse, Britney kicherte und stopfte sich einen Schokoriegel in ihren Mund, ekelhaft. Kerstin fing an jeden zu begrüßen und schon wieder fragte ich mich woran der Sinn dieser Gruppenstunde lag. Am Anfang beschreibt man sich und das diagnostizierte Problem und versucht mit Kerstin darüber zu reden ohne ihr in die Fresse zu schlagen, und dann soll man sich in der Gruppe kennenlernen. Für mich bedeutet das sich entweder die gescheiterten Diäten von Britney Spears anzuhören oder wie heute mit Amy zu reden. Ein Glück das Amy da war.
,Ich bin Amy Winehouse, 6fache Grammy Gewinnerin und Essgestört.‘ niemand fand diesen Witz mehr lustig, ich nehme mal an noch nichtmal Amy selbst fand diesen Witz noch lustig. Aber Kerstin lachte. Ich stellte mir vor wie ich Kerstin mit Britney‘s Schokoriegel ersticke.
,Wie war das Essen heute?‘ fragte Amy mich als wir uns in der Gruppe kennenlernen durften. Heute lerne ich Amy kennen erzählte ich Kerstin, daraufhin schüttelte sie den Kopf aber ließ uns in Ruhe.
,Es gab Reis. Für die Skelette gab es Gemüse.‘ Skelette, was anderes waren sie nicht. Nicht für mich nicht für andere. Die Essgestörten.
,Ich habe heute eine Sonne gemalt. Sie war blau. Ich mag die Sonne, draußen scheint sie schon. Aber sie ist nicht so schön wie meine Sonne, meine Sonne war blau.‘ erzählte mir sie aufgeregt und ich stellte mir eine blaue Sonne vor.
,Ich mag Sommer. Es ist so einfach.‘ erwiderte ich. Amy nickte. Ja Sommer war schön.
Amy nahm meine Arme und drehte sie von der vernarbten Seite zur schönen und wieder zurück. Dann schaute sie mir fest in die Augen, ihre zitterten.
,Irgendwann, irgendwann kommen wir hier raus und schauen uns die Sonne an. Und schauen wie sie vom Meer gefressen wird abends.‘
Ich lächelte sie an. Irgendwann.

to be continued :wink:

Eine neue Geschichte, ein neuer Schreiber, positiv.
Zugegebenermaßen finde ich das Thema schwierig, in dem Sinne, beim Schreiben darüber authentisch zu bleiben und eine derartige Realität (wenns denn eine sein soll) auch so darzustellen. Da ist einiges an Hintergrund erforderlich, aber den scheinst du zu haben. Jedenfalls gelingt es dir bisher ganz gut, wie ich finde. Nicht nur inhaltlich (ich will mehr :smiley: ) sondern auch von der Wortwahl gut getroffen.
Weiter so. :slight_smile:

Irgendwie erinnert mich die geschichte ein kleines bisschen an eine mischung aus vincent will meer und boogeyman 2 :smiley:
Endlich mal eine gute geschichte seit italien sommer :smiley:

Dankeschön erstmal für die lieben Kommentare :slight_smile: Wer noch lesen will ist herzlich eingeladen. Mittwoch Nacht um 00:11 (also eig Donnerstag morgen) kommt der neue Part :smiley:

@azazel: vincent will meer kenn ich sogar :slight_smile: vllt ein zwei pararllelel aber nicht beabsichtigt und ich glaube du änderst noch deine Meinung. zum zweiten kann ich nichts sagen, das kenn ich nicht, guck ich auch jetzt nicht, nicht das ich noch beeinflusst werde. -ach gott das mit italien da werd ich ja rot :blush:

Danke an Turlough :slight_smile:

bis dann leute :slight_smile:

Wuhu :stuck_out_tongue: Habs jetzt gelesen und ich finds toll :slight_smile: Du versteckst da echt Talent in dir :slight_smile:

Ja ich meinte ja nur es erinnert mich ein klein wenig daran,nicht das es das ist.und boogeyman ist nur so ein horrorfilm in so einer anstalt^^Ich liebe einfach nur deinen Schreibstil,ich glaub ich werd hier wieder abhängig von der geschichte :smiley:

Italien-Sommer, ja eine der besten Geschichten überhaupt hier. :slight_smile:

Finde die Geschichte hier auch interessant und freue mich auf Fortsetzungen. :slight_smile:

So hier geht es jetzt weiter :slight_smile: Danke an alle die mitlesen :blush:


There is an anger comes off this girl
That she can’t find an origin
The things I plant won’t grow
Yet the wild weeds flower in wind and snow

. . . . . . . . . . . . .

Ich saß schon eine Weile gelangweilt in diesem großen Bett. Es war das Bett von meinen Eltern. Weiße Bettwäsche, wohl Seide. Zu viele Kissen. Robert war schon gegangen. Ich gab mir noch nichtmal mehr die Mühe seine Spuren zu verwischen. Sein Parfum mit Raumduft zu überdecken, seine Kratzspuren an meinem Hals zu verstecken, das unordentliche Bett zu machen, seine Krawatte in meinen Schrank zu tun. Mir war es egal. Meine Eltern würden es nicht merken. Und wenn würden sie so tun als ob es nicht da wäre. Es ist so in etwa wie der betrunkene Penner der alle anpöbelt in der U-Bahn. Jeder schaut kurz hin, verurteilt, und schaut weg. Meine Eltern nahmen sich noch nichtmal die Zeit hinzusehen.
Die Tür fiel ins Schloss, ich stand auf und zog mein T-Shirt an.
,John?‘ meine Mutter.
,Ich bin im Bad!‘ log ich schnell. Ich drehte mich um und sah auf das Doppelbett. Noch vor einer Stunde lagen wir beide darin. Robert und ich, aufeinander, nebeneinander, ineinander. Bei dem Gedanken daran musste ich lachen. Ich hatte Sex in dem Bett meiner Eltern. Dort wo ich entstanden bin hatte ich Sex. Popoliebe. Analverkehr. Ich habe das heilige Land entweiht. Bei dem Gedanken musste ich noch mehr lachen. Und so lachte ich. Aber ich hörte schnell auf nachdem ich merkte wie falsch es klang.
Ich lief in den Flur, ignorierte unsere Haushilfe und ging ins Wohnzimmer. Meine Mutter räumte die Kerzen um. Sie nannte es dekorieren ich fand es armselig. Die Kerzen von einer Seite des Tisches auf die andere zu stellen.
,Trennst du dich von Papa?‘ fragte ich sie. Sie blickte auf und lächelte.
,John du weißt doch ich habe keine Arbeit. Wer soll uns denn finanzieren? Wir brauchen doch deinen Vater.‘ sie kam zu mir herüber und nahm mich in den Arm. Hatte sie wohl in der Vogue gelesen. Körperliche Nähe ist in. Da war ich lieber out.
,Wie war die Schule?‘
,Ich war nicht da.‘ meine Mutter ließ mich los. Ich starrte auf ihre Kette, ein L. Für Leticia. Ihre Familie war bettelarm aber ein reich klingender Name war drin.
,Ich dachte wir hätten das hinter uns. Du wirst doch wohl die Realschule schaffen! Was soll denn aus dir werden?‘
,Vielleicht heirate ich einen reichen Mann.‘ sagte ich trotzig.
Meine Mutter schlug mich. Hör auf so zu reden, danach war sie in der Küche.
Ich nahm mein Rucksack und schloss die Tür hinter mir, machte meine Musik an und lief in Richtung Osten. Je weiter ich weg war von den hohen Zäunen und den perfekt gepflegten Hecken, desto besser fühlte ich mich. Mein Vater sagte immer eine gute Hecke zeigt das du dein Leben im Griff hast. Ich gab ihm recht. Obwohl er ein Arschloch war. Es war so einfacher.
Ich wollte zu Anton. Mein bester Freund wohnte in einem Wohnblock. Es standen 3 davon an der großen Straße wo nachts die Nutten warteten. Obwohl mein Vater so etwas als Abschaum bezeichnen würde, konnte ich mir gut vorstellen wie er in einem der BMW‘s oder Audi‘s sitzt und wartet bis Chantall ans Fenster kommt und für 50 Euro Sachen macht, die Mama noch nichtmal mit 23 konnte. Mir wurde schlecht. Hier roch es nach Perspektivlosigkeit, aber es roch ehrlich, nicht wie die Zuckerwatte-Vorstadtgegend aus der ich kam. Hier gab es kein Raumspray das etwas überdecken konnte.
Anton wohnte im 6. Stock und der Aufzug brauchte wieder viel zu lange. Ich hasste Aufzugfahren. Es machte mir Angst. Etwas was ich nicht einschätzen kann. Man sieht nicht wie man sich bewegt, wie in einem Auto zum Beispiel, aber man spürt wie man Machtlos nach oben oder unten getragen wurde. Ein fürchterliches Gefühl. Jedenfalls für mich. Antons Wohnung war so groß wie meine Garage. Aber sie hatte 3 Räume. Einen für ihn, einen für seine Schwester. einen für seinen Vater. Dann gab es ein Bad und eine Küche. Aber bei Anton kocht niemand. Bei Anton bleibt die Küche kalt. Ich setzte mich zu Anton auf sein Bett und sein Vater kam herein. Ich mochte seinen Vater. Sein Vater war 43 und groß. Er hatte braunes kurzes Haar und ein markantes Gesicht. Sein Kinn war so männlich und kraftvoll und beeindruckte mich jedesmal wieder. Er hatte starke gebräunte Arme und eine Armbanduhr vom Discounter. Aber auch solche Uhren zeigten Zeit an. 17:32. Er setzte sich zu uns und erzählte von seiner Arbeit. Er war Zeitarbeiter. Auf dem Bau die meiste Zeit. Ich stellte ihn mir gerne vor wie er halbnackt, schwitzend in der Sonne stand. Nur eine Arbeiterhose und grobe Handschuhe, auf seinem Kopf ein Helm während er einen Boden aus Beton goss. Ich schaute Bauarbeitern gerne zu. Schon als ich Kind war. Sie interessierten mich mehr wie Models. Models waren dünn und blass und schlecht gelaunt. Bauarbeiter waren proportioniert, sie hatten Formen und Gesichter, sie rochen nach Arbeit. Models rochen nach Koks, Abführmittel und Limetten. Meine Mutter war mal Model. Heute roch sie nurnoch nach Limetten.
Anton war heute in der Schule und gab mir die Arbeitsblätter, obwohl er genau wusste ich würde sie nicht machen. In dem Punkt waren wir uns gleich. Wir mögen Arbeitsblätter nicht. Ich mochte es sie in kleine Stücke zu zerreißen, Konfetti, und dies in meinem Haus zu verteilen. Die Haushaltshilfe musste das dann aufsaugen. Das machte mir spaß. Anton benutzte die Blätter um Gedichte zu schreiben, sie reimten sich nicht, er wurde ausgelacht deswegen. Ich mochte seine Gedichte. Sie waren voller Leben. Ich mochte Anton. Er war einfach. Er war glücklich. Und das mochte ich. Anton hatte blonde Haare und sah gut aus. Er war vielleicht der gutaussehendste Junge unserer Klasse. Er hatte schon 3 Freundinnen. Jeder wollte etwas mit ihm zu tun haben. Aber er wollte mit niemanden etwas zu tun haben außer mit mir und seinen Gedichten. Anton war gerne alleine. Ich musterte ihn von der Seite. Anton war hübsch. Wunderschön. Jungs können so schön sein, dachte ich mir und dann stellte ich mir vor wie es wohl wäre wenn ich ihn küssen würde, genau jetzt, und er mich küssen würde und dann würden wir aufeinander liegen und uns ausziehen und dann würden wir uns streicheln an den Stellen die Robert immer bei mir streichelt, wir würden uns so nah kommen und würden wissen es wäre nicht richtig.
,Ich habe ein neues Gedicht.‘ riss mich mein bester Freund aus den Gedanken. Ich packte innerlich das Kondom wieder ein. Wahrscheinlich hätten wir Sex ohne Kondom, Kondome in Fantasien sind unsexy.

to be continued… :wink:

Also Alter das geht ja gar nich - du hast dich um eine volle Minute verspätet ^^ Bestimmt willste nun erzählen dass der Upload mit Handy so lange dauerte :laughing:

Gehe mal davon aus, dass dieser Part vor den beiden anderen spielt - ist auch nicht so wichtig. :wink:

Wichtig ist der hohe Suchtfaktor den deine Art zu schreiben hat. Diese immer wieder auftretende köstliche Ironie in den Betrachtungen des Erzählers…

I hope soon :slight_smile:

Gehe ich auch mal von aus, dass die Zeit im aktuellen Part etwas zurück liegt.
Jedenfalls ist diese Geschichte mal eine nette Abwechslung. :slight_smile:

Es geht weiter . . . :slight_smile: Danke für die Kommentare und an alle die hier mitlesen :wink:


Je fais face à mes doutes, mes erreurs,
Mais je vois qu’il n’y a plus personne en qui je crois
Je ne veux pas qu’on m’aide, qu’on m’aime
Je ne ressens rien moi-même
Je n’ai plus rien à perdre

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

,Ich will es hören.‘ sagte ich und schaute ihn an. Anton zog ein Zettel unter seinem Kopfkissen hervor, räusperte sich, tat so als ob er eine Brille hochschieben würde und begann zu lesen:
,Welche Farbe hat der Frühling, welche Zahl hat dein Herz. Lass mich alle malen, lass es mich errechnen. Könntest du mir zusehen während ich die Leinwand fülle, könntest du mir zuhören während ich addiere? Welche Farbe hast du, welche Zahl könnten wir sein.‘ er war stolz auf sein ,Gedicht‘. Ich mochte es.
,Für wen hast du es geschrieben?‘ fragte ich Anton, ich wollte das er mich ansah, wegsah und dann schüchtern erwiderte: für dich.
,Für Sandra.‘ sagte er aber. Ich hatte es vermutet. Sandra war Anton‘s momentane Nummer eins. Aber Sandra war dumm, Sandra mochte mich nicht. Sandra meinte immer ich hätte ein Geheimnis. Ich hasste sie dafür das sie recht hatte. Aber Sandra war mit Anton zusammen und küsste ihn, zog ihn aus, streichelte ihn.
Ich hasste sie dafür. Robert meint immer ich sollte freundlich sein. Zu jedem. Freundlichkeit wäre am entwaffnensten. Ich fand das süß, aber ich nahm mir vor nicht freundlich zu sein. Vorallem nicht zu Sandra.
,Es ist schön.‘ stellte ich dann noch fest und legte meine Hand auf sein Knie. Sein Blick wanderte von meiner Hand zu meinem Gesicht und wir schauten uns an. Wasserblaue Augen, nicht diese die jeder hatte, es waren Augen die niemand sonst hatte. Er lachte und setzte sich um. Meine Hand fiel von seinem Knie auf sein Bettlaken und blieb dort. Ich starrte auf meine Hand. Warum musste ich so etwas machen?
,Wir hatten Sex.‘ platzte Anton dann heraus. Ich zog die Augenbraue hoch. Ich konnte es mir denken, ich war nicht überrascht.
,War es besser als mit Thea?‘ fragte ich nur, und starrte weiter auf meine Hand. Wenn ich lange genug darauf starre, vielleicht läuft sie ja rot an und fällt ab. Oder sie zittert. Oder sie beginnt zu reden.
,Es war…anders.‘ sagte er. Er merkte das ich nicht an der Antwort interessiert war und nur aus Freundlichkeit das Gespräch mit Fragen weiter führte.
,John wenn du das nicht hören willst…‘ fing er an. Ich hob zum ersten mal wieder mein Hand abwehrend.
,Ach ist okay. Ist mir doch egal. In ein paar Wochen ist es eh wieder jemand anderes.‘ Mein Blick war jetzt an seiner Schulter. Ich konnte ihm nicht in die Augen sehen.
Er schlug mich leicht aus spaß und wir begannen uns mit Kissen zu bekämpfen. Wir lachten, sein Lachen klang schön, mein Lachen klang gekünstelt. Aber das merkte er nicht.
,Wie geht es deiner Schwester?‘ fragte ich nach unserem Waffenstillstand. Seine Schwester war ein Jahr jünger als ich und war mal in mich verliebt. Schlecht gefärbtes Blond, wird wohl eine der besten unten auf der Straße sein später. Eine Chantall von vielen. Ein weiter Traum zerbrochen.
,Hat jetzt etwas mit einem Libanesen. Er macht ihr Geschenke. Ich mag ihn nicht.‘ Anton stand auf und ging herüber zu seinem Schrank, er öffnete ihn und beförderte hinter seinen Winterklamotten ganz unten ein Playboy hervor. Er wedelte damit vor meinen Augen und grinste wie ein kleiner, geiler Junge.
,Mein Nachbar hat wieder angefangen damit ihn zu lesen!‘ er freute sich und warf das Heft zu mir herüber. Brüste. Lasziver Blick. Braune Haare. War es entscheidend zu wissen wer das genau auf dem Cover war? Es ist doch eigentlich egal, Hauptsache Titten. Ich lächelte Müde. Ich lächelte jedesmal müde als er mir ein Nacktbild hinhielt und meinte wie geil er es doch fände. Anton ein normaler Junge in der Pubertät und die Schwuchtel die sich in den Arsch ficken lässt in einem Raum. Wenn das nur jemand wüsste. Wenn das nur jemand mitbekommen würde, wie wir beide uns ein Playboy ansehen und lachen. Sein Lachen war schön, meins war künstlich.
Es klopfte und Anton warf das Heft panisch in die Ecke. Die Tür ging auf und seine Schwester stand im Rahmen. Minirock, goldene Stiefel. Eine Chantall von vielen.
,Anton ich weiß was du tust und mir ist es egal, aber trotzdem süß wie du es versuchst vor mir zu verstecken.‘ sie redete älter als sie war. Das trainiert man sich wohl in dieser Gegend als Mädchen an. Alt klingen. Erfahren. Mir schenkte sie nur ein lächeln und verschwand wieder aus dem Raum. Die Tür ging zu.
,Kommst du morgen in die Schule?‘ fragte mich Anton. Ich nickte. Wir beide wussten das es wohl wahrscheinlich wieder eine Lüge war.
Als ich gehen musste sagte mir Anton nochmal das ich morgen zur Schule kommen sollte und ich nickte.
Als ich das Haus verließ schickte ich Robert eine SMS: ,Sehen wir uns morgen?‘ kurze Zeit später von Robert: ,Ich muss arbeiten, kleiner.‘ Ich stöhnte kurz auf trat eine Mülltonne um und stellte mich darauf ein morgen wirklich in die Schule zu gehen.
Als ich in meiner Welt ankam war es dunkel. Straßenlaternen machen zwar Licht aber das Schwarz dazwischen machen sie nur noch furchteinflößender. Mein Vater war zuhause. Ich kletterte über den Zaun, obwohl ich einen Schlüssel für das Tor besaß, so kam mir das spannender vor, verboten, über den Zaun klettern wie ein geheimer Verehrer. Und dann stand ich in unserem Garten den meine Mutter, so gut pflegt. Jedenfalls erzählt sie das ihren Freunden aus dem Golf-,Tennis- und Buchclub. Aber alle wussten das sie sich höchstens darum kümmert das die Gärtner pünktlich erscheinen und nichts mitgehen lassen. Das ist wohl genug Verantwortung für meine Mutter wenn man ihr schon weder Kind noch Ehe anvertrauen kann. Es roch nach dem Putzmittel von dem mein Vater niesen musste, aber ich wusste genau das unsere Putzfrau es absichtlich und gerne benutzte und dafür mochte ich sie. Ich konnte an den Stimmen hören das schon eine zweite Flasche Wein geöffnet wurde und wahrscheinlich haben sie noch nicht mal mit dem Essen angefangen.
Ich verschwand in mein Zimmer und zog mich aus. Ich hatte Kratzer an der Schulter, von Robert. Ich strich mit meinen Fingern an ihnen vorbei und zuckte leicht als meine Kuppen das verletzliche rosa streiften. Ich legte mich nackt auf den Boden. Wenn ich morgen nichtmehr aufwachen sollte, würde ich wenigstens so sterben wie ich geboren bin, nackt, schutzlos, wie ein Baby.

to be continued… :wink:

Schon 4 Tage ohne stoff :blush:

Gibt schon heute was neues. Heute Nacht :wink:

Keine Sorge ich hab noch über 10 Parts auf Lager haha :smiley:

Weiterhin Kommentar und Feedback gerne gesehen :slight_smile:

bis dann

Warum…schreibst du sie dann nicht hierhin du… Fieser sadist o__O