Schwarzer Schmetterling

Umschreiben? Hm. An sich keine schlechte Idee. Aber ob es wirklich nötig ist? Ich persönlich würde auch das Original maximal mit FSK 16 einstufen…

Ihr werdet schon sehn was kommt…in ein paar Tagen…

Wie versprochen hier das vorletzte Kapitel…Viel Spaß…auch wenn es vielleicht ein wenig unangebracht ist…

  1. Nur du allein

„…Wenn das Haus deiner Seel in Flammen steht und dir bleibt jeglicher Ausweg versperrt…“ Mir wurde mit einem Mal speiübel. Mein Magen verkrampfte sich. Tausende Gedanken rasten nahezu gleichzeitig durch meinen Kopf. Die Luft blieb mir weg. Das Atmen fiel mir schwer. Eine gespenstische Stille lag in der Luft. Noch vor wenigen Sekunden war die Stimmung ausgelassen und die Feier in vollem Gange. Doch nur ein Satz von Kevin genügte, um alles ins Gegenteil kippen zu lassen. Eines war mir sofort klar. Der kalte Stahl der Klinge in seiner linken Hand lies die Temperatur im Raum drastisch sinken. Er war wegen mir hier. Er wollte sein Versprechen einlösen. Ich wusste, dass dies kein gutes Ende mehr nehmen würde. Kevins Blick schien tief in mich einzudringen. Wir starrten uns an wie zwei Boxer in einem Ring. Wir waren nur auf einander fokussiert. Jeder wartete nur darauf, dass der Andere seine Deckung aufgibt. Und während keiner von uns dem Anderen auch nur die geringste Öffnung bieten wollte, positionierten sich Kevins Lakaien vor der Tür. Jeder der hier Anwesenden sollte Teil dieser Show werden. Keiner sollte diesen Moment verpassen. Er oder Ich. Es gab nun keinen Ausweg mehr.
Doch es war Stefan der die Stille mit einem Mal durchbrach. Er stand auf, stellte sich neben mir und funkelte Kevin böse an.

„Was soll das Kevin? Was willst du hier? Dich hat niemand eingeladen!“, sprach er mit fester Stimme. Nach außen hin wirkte er sicher und souverän. Doch ich konnte erkennen, wie seine Hände vor Nervosität zitterten. Kevin hatte immer noch dieses diabolische Grinsen auf dem Gesicht. Es war das selbe Grinsen, dass Alex damals aufgelegt hatte. Bösartig. Grausam. Unheimlich. Als wäre er gerade eine ganz andere Person.
„Was ich hier will?“, fragte er. Dabei hob er seinen rechten Arm und streckte seinen Zeigefinger auf mich aus.
„Ich will, dass er endlich für das büst was er mir und meiner Familie angetan hat. Ich will, dass er so sehr leidet wie wir. Ich will, dass sein Leben die Hölle wird. Ihr habt die Wahl. Geht zur Seite oder ihr seid genauso dran!“ Stefan stand mit weit aufgerissenen Augen da. Scheinbar unbewusst war er dabei einen Schritt zurück zu weichen, entschied sich doch letztendlich dafür stehen zu bleiben. Ich schaute kurz in sein Gesicht. Schweißtropfen liefen ihm von der Stirn. Er hatte Angst. Zu Recht. Auch ich verspürte tief in mir die Furcht aufsteigen. Und trotzdem trat ich einen Schritt nach vorne. Vor Stefan vor Patrick. Ich war sein Ziel. Nicht die beiden. Patrick hielt mich am Arm, wollte mich zurückhalten. Ohne mich umzudrehen schüttelte ich nur mit dem Kopf und riss mein Handgelenk aus seinem Griff.

„Lass die Anderen aus dem Spiel. Das geht nur dich und mich was an!“, sagte ich zu ihm. Auch mein Puls raste wie verrückt. Und doch versuchte ich so ruhig wie möglich zu wirken.
„Das war vielleicht mal so“, faucht er mich an.
„Was meinst du damit Kevin?“
„Ach Felix, stell dich doch nicht dümmer an als du bist. Weißt du, ich hab mir lange überlegt wie ich dir am meisten Schaden könnte. Mir ging da schon so einiges durch den Kopf.“ Langsam lief er auf mich zu. Ich behielt sein Messer immer im Auge, bereit jeden Moment zu reagieren. Der Schweiß lief mir den Rücken hinunter. Aber ich musste ruhig bleiben, durfte nicht in Panik geraten.
„Zuerst dachte ich, hey, schneid ihm doch einfach seine scheiß Eier ab und stopf sie ihm in die Fresse. Aber das wäre mir dann doch ein wenig zu einfach gewesen. Was wenn du mir dabei verblutet wärst?“ Er stand nun neben mir und strich mit der Spitze des Messers über meine Jeans.
„Aber dann ist mir eingefallen, wie ich dich wirklich treffen kann“, flüsterte er mir ins Ohr.
„Du hast jemandem zum Krüppel gemacht den ich Liebe, was liegt da näher als dass ich das selbe mit dir tue?“ Erschrocken starrte ich Kevin an. Ich hätte nie auch nur zu denken gewagt, dass das Alles ein solches Ausmaß annehmen würde. Kevin schlich weiter um mich herum. Ich versuchte mich zwischen ihm und Patrick zu drängen. Ihn möglichst vor diesem Psychopaten abzuschirmen.

„Komm schon süßer“, hörte ich plötzlich eine Stimme hinter mir, „hör endlich auf mit dem endlosen Gequatsche und komm zum Punkt. Ich hab schon mehr als genug Zeit mit diesen Pissern verschwendet!“ Ich sah mich um und erkannte den Ursprung der Stimme es war Vanessa. Sie stand auf, ging zu Kevin und nahm ihn in den Arm. Demonstrativ küssten die beiden sich leidenschaftlich.
„Was schaust du so blöd? Denkst du im ernst ich würde mich freiwillig mit euch kleinen Wichsern abgeben? Ha! In euren feuchten Träumen vielleicht. Wir hätten uns auch die ganze Farce ersparen können. Nachdem der kleine „Unfall“ nicht geklappt hat, hatten wir ja eigentlich schon unsre Pläne geändert. Aber nein, der Herr wollte ja lieber zu seinem Schwuchtelfreund als mit mir mit zu kommen. Selbst schuld. Und diesmal hat dein kleiner Patrick nicht so viel Glück.“ Mir dämmerte es. Ich hatte es schon immer geahnt. Doch es nun zu hören brachte mir doch nochmal einen gewaltigen Schock. Er steckte also tatsächlich hinter Patricks Unfall. Er und Sie. Aber wieso machte sie bei der ganzen Aktion mit?
„Was hat das Ganze mit dir zu tun?“, schrie ich ihr ins Gesicht. Sie lacht nur. Ein schrilles hysterisches Lachen. Dann drehte sie sich wieder zu Kevin. Dieser nickte. Ich sah nur noch, wie Marvin aus dem Hintergrund hervortrat.

Ich ging auf die Knie. Mir wurde schlecht. Mit der einen Hand hielt ich meinen Bauch, mit der anderen stützte ich mich am Boden ab. Der Aufschlag des Baseballschlägers raubte mir die Luft. Ich hustete. Ich hatte das Gefühl gleich brechen zu müssen. Mir wurde schwindlig. Tränen liefen mir in die Augen. Ich hustete und spuckte eine Masse aus Blut und Erbrochenem aus. Ich versuchte tief Luft zu holen doch die Schmerzen in meinem Bauch verhinderten jeden tiefen Atemzug. Vanessa sprang in die Luft und klatschte in die Hände. Ihr Lachen schallte durch die Hütte. Sie beugte sich über mir und zog mein Gesicht an den Haaren hoch.
„Na, wie gefällt dir das? Nicht schön so am Boden zu liegen. Genauso war ich am Boden als du Alex fast umgebracht hättest. Er war die Liebe meines Lebens und du hast ihn zum Krüppel werden lassen!“ Ihr schreien wurde immer lauter. Dann spuckte sie mir mitten ins Gesicht.
„Die Liebe deines Lebens?“, presste ich unter Schmerzen zwischen den Zähnen hervor, „pah. Lächerlich?“ Ihr Lachen verstummte. Ihre Mine versteinerte sich. Dann fing meine Wange an zu brennen. Der Knall der Ohrfeige schallte wie ein Echo durch den Raum.
„Lass dich nicht provozieren Süße. Der bekommt schon noch was er verdient,“ hörte ich Kevins eiskalte Stimme sagen.

„Bitte Kevin, bitte dich, hör auf damit. Bitte geh und wir tun alle so, als wäre nicht passiert“, flehte Stefan mit erstickter Stimme. Er war kreidebleich vor Angst. Der Schweiß lief ihm in Strömen von der Stirn.
„Bitte Kevin, es ist noch nicht zu spät. Du machst echt einen Riesenfehler.“ Doch Kevin dachte nicht im Traum daran sein Vorhaben aufzugeben. Entschlossen trat er an Stefan heran und hielt ihm das Messer an die Kehle.
„Misch dich gefälligst nicht ein oder du erlebst was!“, knurrte er Stefan an. Ein übler Geruch verbreitete sich im Raum. Mühsam blickte ich auf. An Stefans Hose bildete sich ein feuchter Fleck der langsam immer größer wurde und sich über sein komplettes rechtes Hosenbein ausbreitete. Er hatte sich vor Angst eingepisst. Kevin schaute nach unten und blickte dann wieder angewidert in Stefans Gesicht.
„Du ekliger kleiner Pisser!“, stieß er kurz aus ehe er ihm mit einem Stoß nah hinten auf Sofa beförderte.
„Hör auf mit der Scheiße Kevin, du willst mich und niemanden sonst!“, schrie ich ihm so laut es ging entgegen. Er drehte sich wieder zu mir um. Mit langsamen Schritten ging er auf mich zu. Als er wieder über mir stand, trat er zu. Mit voller Wucht in meine Rippen. Der Schmerz durchzuckte meine Körper. Mir wurde schwarz vor Augen. Aber ich durfte nicht das Bewusstsein verlieren. Solange ich nur wach bin konnte ich versuchen, ihn von den anderen Abzulenken. Von Stefan, von Patrick. Zeit schinden. Hoffen, dass Stefans Vater bald zu einem Kontrollgang erscheinen würde. Irgendwie schaffte ich es, von der Schwelle der Bewusstlosigkeit zu springen. Keuchend richtete ich mich wieder auf alle Viere. Meine Arme und Beine zitternden. Jeder Atemzug versetzte mir Stiche in meinem Brustkorb.

„Vielleicht hast du ja recht und ich sollte mich wirklich erst mal um dich kümmern.“ Er bedeutete zwei seiner Handlanger zu ihm zu kommen. Ich hatte Angst. Riesige Angst. Doch ich gab mein bestes es ihm nicht zu zeigen. Hasserfüllt funkelte ich Kevin an.
„Los, haltet ihn schön fest!“, befahl er den beiden. Sie drehten mich um und setzten mich auf. In dieser Position viel es mir noch schwerer frei zu atmen. Jeder der beiden nahm einen Arm von mir und hielt ihn fest mit beiden Händen umklammert. Ich konnte mich nicht wehren, war zu schwach dazu. Die Schmerzen in meinem Magen und an den Rippen verhinderten effektiv, dass ich mich hätte befreien können. Um mich herum verschwamm alles erneut. Ich sah Kevins Silhouette vor meinem Sichtfeld auftauchen. Blinzeln versuchte ich wieder klar zu sehen. Doch außer einem kurzen metallischen Aufblitzen war meine Wahrnehmung nicht mehr in der Lage etwas zu erkennen.
„Nun Felix, dass wird dir sicher mehr wehtun als mir“, spottete er. Dann fühlte ich den kalten Stahl an meinem T-Shirt Ausschnitt. Ein leises Geräusch. Stoff wurde von der Klinge durchtrennt. Mit einem mahl fühlte ich, wie der Stoff meinen Oberkörper verlies. Ich spürte, wie jemand von hinten an den Stofffetzen anzog und mir diese nun komplett entriss.
„Ich frag mich nur, soll ich das hier fertigmachen? Oder soll ich lieber ein neues Kunstwerk daneben setzten? Was meinst du?“ Er strich mit der Klinge leicht an meiner Narbe entlang. Das Bild vor meinen Augen wurde wieder klar und ich konnte sein sadistisches Grinsen sehen. Ich versuchte nochmal durchzuatmen. Vergebens. Meine Lungenflügel waren nicht mal zur Hälfte gefüllt ehe der Schmerz ein weiteres Einatmen verhinderten. Kalter Schweiß lief mir über die Stirn.

„Fick dich!“, presste ich aus meiner Kehle hervor.
„Zz Zz Zz, Und mit diesem dreckigen Mund küsst du deinen Lover? Aber gut, dann entscheide ich eben!“ Er setzte das Messer an. Mein Oberkörper versuchte sich aufzubäumen. Reflexartig, ungewollt. Doch die beiden griffen nur noch fester nach meinen Armen und hielten mich am Boden. Es war kalt und doch brannte es wie Feuer als die Klinge meine Haut zum Aufplatzen brachte. Sofort spürte ich, wie das Blut aus der Wunde zu laufen begann. Ich wollte schreien, doch eine speckige Hand hielt meinen Kiefer eisern umklammert. Nur ein unterdrücktes Stöhnen war von mir zu hören. Tränen liefen unkontrolliert meine Wangen hinunter. Marvin hielt meinen Kopf auf die anderen gerichtet. Ich konnte in ihren starren Gesichtern erkennen, wie sehr sie das ganze schockierte. Diese Brutalität, diese Grausamkeit. Keiner von ihnen hatte so etwas schon einmal erlebt. Sie zitterten. Wagten sich nicht auch nur einen Laut von sich zu geben. Die Mädchen hielten sich die Hände vor die Augen. Und dann war da noch Patrick. Stefan versuchte ihn hinter sich abzuschirmen. Auch wenn er selbst gerade starr vor Angst war versuchte er sein Bestes den anderen beizustehen. Ich sah diese großen grünen weinenden Augen. Ich wusste, ich musste durchhalten. Für sie. Für mich. Für uns alle. Ich spürte, wie mir das Blut an der Seite entlang bis zu meinem Hosenbund lief und dort vom Stoff aufgesogen wurde. Durchhalten. Nicht Ohnmächtig werden. Und wieder hörte ich Kevins spottende Stimme.

„Na was denn? Der erste Strich ist doch gar nicht so schlecht geworden oder was meinst du Vanessa?“
„Wenn es nach mir ginge hättest du das Schwein auch abstechen können! Der Bastard hat es nicht anders verdient!“, zischte sie nur giftig. Meine Wut stieg ins unermessliche. Ich versuchte erneut die Kraft aufzubringen um mich zu wehren doch vergeblich.
„Sieh an, sieh an. Er hat ist ja noch ganz schön fit. Dann können wir ja weitermachen!“ Und wieder fühlte ich die Klinge auf meiner Haut. Diesmal zog er sie ganz langsam durch meine Haut. Millimeter für Millimeter. Dieser brennende Schmerz machte mich fast wahnsinnig. Mein ersticktes Schreien hallte durch die Stille des Raumes. Das Blut lief mir aus den frischen Wunden. Tränen ließen meine Sicht verschwimmen. Irgendwann hörte ich auf mich zu wehren. Ich ertrug nur noch den brennenden Schmerz. Meine Arme hingen nur noch schlaff in den Händen der beiden anderen. Nur mein hasserfüllter Blick ruhte unverändert auf Kevin. Ich hoffte und wartete. Ich hoffte, dass er die anderen in Ruhe lassen würde. Und wartete darauf, nur eine Chance zu bekommen. Eine einzige Chance noch einmal alle Kräfte in mir frei setzen zu können und ihm sein scheiß Messer in den Hals zu rammen. Dann plötzlich nahm er das Messer von meinem Bauch und stand auf.
„Wow, ist ja richtig hübsch geworden!“, kommentierte er sein blutiges Werk, „lass ihn los Marvin. Ich will ihm doch die Gelegenheit geben seiner Bewunderung Ausdruck zu verleihen!“ Marvin lies meinen Kopf los und trat schnell zurück. Ich holte vorsichtig Luft. Das stechen in der Brust verhinderte jedoch, dass ich meine Lungenflügel wieder komplett füllen konnte. Mein Kopf senkte sich leicht. Nun konnte ich es auch sehn. Ein großes „K“, genau gegenüber dem „A“. Noch immer lief Blut aus den Schnitten. Einiges davon war auch schon getrocknet und klebte auf meiner Haut.

„Du scheinst nicht ganz zufrieden zu sein Felix. Gefällt dir etwa mein Kunstwerk nicht?“
„Du verdammtes Schwein“, keuchte ich leise, „irgendwann bekommst du was du verdienst!“ Sein Blick wurde mit einem Mal scharf. Er packte mich im Gesicht und zog mein Ohr dichter an seinen Mund.
„Mag sein. Aber bis es do weit ist wird ich dir zeigen was leiden heißt. Du wirst dir wünschen nie aus der Fotze deiner Mutter gekrochen zu sein, dass schwör ich dir.“
„Was hast du vor?“, schrie ich ihn an.
„Nicht so ungeduldig. Das Ganze ist auch für mich nicht leicht. Ich glaub ich gönn mir erst mal ein Bier. Künstler zu sein ist echt anstrengend. Und ne kleine Pause hab ich mir nun wirklich verdient!“ Mit diesen Worten nahm er sich ein Bier aus dem Kasten und setzte sich auf eine der Bierbänke. Er öffnete die Flasche und nahm erst einmal einen großen Schluck. Ein lautes Rülpsen entfuhr seinen Hals, als er die Flasche wieder absetzte.
„Weißt du Felix, dass alles hätte nie so weit kommen müssen. Ich frage mich schon seit dem Tag, wieso hat er das getan. Am Anfang dachte ich sogar noch, dass es wirklich ein Unfall war.“ Er kramte in seiner Hosentasche und holte eine Schachtel Zigaretten hervor. Vanessa gab ihm Feuer. Gierig saugte er an der Kippe und blies anschließend den Rauch in dicken Schwaden aus. Dann Stand er auf, lief zu mir und ging vor mir in die Hocke.
„Es ändert zwar an der ganzen Situation hier nichts mehr, aber ich würde trotzdem gerne von dir hören, was da genau passiert ist. Und erzähl mir nicht wieder du hättest nichts mitbekommen. Ich weiß ganz genau, dass du dabei warst.“ Er fasste sich wieder in die Hosentasche. Zum Vorschein kam ein kleines gelbes Armband. Es war schmutzig und an manchen Stellen konnte man eingetrocknetes Blut erkennen. Ich kannte es. Patrick hatte das Selbe in Rot, und Kevin in blau. Es war einst das Zeichen unserer Freundschaft. Die ganze Zeit dachte ich, ich hätte es irgendwo verlegt.

„Wo hast du das her?“, fragte ich erschrocken.
„Kannst du dir das nicht denken? Also, ich geb dir jetzt eine letzte Chance. Was zur Hölle ist passiert?“ Ich wusste, das leugnen nun keinen Zweck mehr hatte. Er wusste, dass ich da war. Er hatte sogar einen Beweis dafür. Jetzt sollte also tatsächlich alles rauskommen. Doch komischerweise fühlte ich keine Furcht mehr davor. Auch wenn es mir nicht leicht fiel darüber zu reden. Innerlich war ich froh es nicht mehr mit mir herum schleppen zu müssen.
„Wir wollten uns an dem Abend zum Zocken treffen, weiß du noch? Du warst noch nicht da. Nur Alex und seine Kumpels und die waren schon ganz schön drauf. Ich wollte eigentlich draußen auf dich warten. Aber er holte mich mit rein. Erst war er ganz normal. Wir haben zusammen was getrunken und was geraucht. Aber dann von jetzt auf gleich ist er ganz anders geworden. Und dann hat er…“ Ich stockte. Der Satz wollte mir einfach nicht über die Lippen kommen. Es war so erniedrigend. Ich schaute Kevin an. Seine Stirn hatte sich in Falten gelegt.
„Ja, was hat er verdammt. Lass dir nicht jeden Scheiß aus der Nase ziehn!“
„Er hat mich gefickt verdammt. Dein scheiß Bruder hat mich vergewaltigt!“ Stille im Raum. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Nur mein eigener Herzschlag donnerte mir in den Ohren. Die kreidebleichen Gesichter der Anderen ruhten auf mir. Ich konnte ihre Blicke spüren. Mitleidig, erschrocken, Ungläubig. Die beiden Arme, welche mich noch Sekunden vorher fest in ihrem Griff hatten lösten sich. Und während Kevin nachdenklich wirkte, zitterte Vanessa am ganzen Körper. Ihr Gesicht zu einer unansehnlichen Fratze verzerrt.

„Bullshit“, schrie sie plötzlich los, ging auf mich zu und schlug mir ihre flache Hand ins Gesicht.
„Du erzählst Scheiße, so was würde er nie tun. Er war mit mir zusammen. Ich bring dich um du Wichser!“ Sie war außer sich vor Wut. Verständlicherweise.
„Halt die Fresse Vanessa!“, fauchte Kevin sie an. Sie zitterte immer noch am ganzen Körper. Ihre Augen wurden feucht. Ich konnte nicht sagen, ob es aus Wut oder Enttäuschung war. Dann sackte sie in sich zusammen und saß nun mit angewinkelten Beinen heulend auf dem Boden.
„Und dann hast du ihn die Treppe hinunter gestoßen“, stellte Kevin nüchtern fest. Nach kurzem Zögern nickte ich ihm zu.
„Ich konnte mich losreisen. Er ging mir hinterher und ich hab ihn gestoßen. Und um ehrlich zu sein, es tu mir nicht mal leid.“
„Versteh ich“, antwortete Kevin, „ich hätte vermutlich das gleiche getan. Nichts desto trotz, er ist mein Bruder. Und wegen dir ist er jetzt ein Krüppel. Ich mach das jetzt wirklich nicht gerne Felix. Aber irgendjemand muss bestraft werden.“ Er stand auf und schritt auf Marvin zu.
„Gib mir die Keule Marv“, sagte er ruhig.

„Scheiße Kevin, was hast du vor?“, fragte dieser.
„Na was wohl? Ich werd seinem kleinen Lover die Beine zertrümmern. Deswegen sind wir doch hier. Und jetzt gib mir den verdammten Baseballschläger!“, forderte Kevin ungeduldig.
„Verdammt nein Kevin ich mach da nicht mehr mit, dass geht mir echt zu weit!“
„Wir sitzen im selben Boot. Du hast genau gewusst worauf das hinaus läuft. Und jetzt ziehst du den Schwanz ein?“ Ich blickte hoch zu Marvin. Erstaunt. Das gerade er sich jetzt gegen Kevin stellen würde hätte ich nicht für möglich gehalten.
„Denkst du es bringt dir irgendwas?“, schrie Kevin wütend, „du bist genauso dran wie ich wenn er bei den Bullen auspackt. In den Knast gehen wir eh alle. Da kommt’s auf auf die paar Jahre mehr nicht an!“ Jetzt starrte Marvin ihn erschrocken an. Man konnte ihn förmlich denken hören.
„Aber ich will nicht in den Knast. Was werden meine Eltern denken?“, sprach Marvin fast schon flehend. Tränen stiegen ihm in die Augen. Der Vollidiot dachte ernsthaft, dass das alles keine Konsequenzen für ihn haben würde.
„Hast du dir dein Hirn tot gefressen oder bist du wirklich so naiv. Du, du, ihr alle seid genauso dran wie ich!“, blaffte Kevin zornig und zeigte dabei auf seine Untertanen.
„Es ist noch nicht zu spät Marvin. Wir können so tun, als ob du und die anderen drei nichts damit zu tun hattet“, sagte der immer noch bleich auf dem Sofa sitzende Stefan. Die Anderen tauschten unentschlossene Blicke aus. Schließlich warf Marvin den Baseballschläger auf den Boden.
„Sorry Kevin, ich kann das nicht! Ich will das alles nicht mehr!“
„Komm schon Kevin, lass es gut sein. Das hat doch alles keinen Sinn!“, flüsterte einer von Kevins Helfern.
„Haltet die Fresse! Haltet alle eure verdammte Fresse! Ich bring das jetzt zu Ende! Mit euch oder ohne euch. Und dann verschwinde ich! Irgendwohin und ihr könnt die Scheiße schön alleine ausbaden. Ihr mieses Pack!“ Kevin war nun wie von Sinnen. Er hob den Schläger vom Boden auf und schritt auf Patrick zu. Düster blitze er diesen an.
„Bitte nicht Kevin!“, schrie ich, „lass Patrick in Ruhe. Scheiße man. Bitte!“ Ich rappelte mich auf. Schwankend lief ich auf Kevin zu. Immer wieder wurde meine Sicht kurz schwarz und ich taumelte. Schweiß lief in dicken Tropfen von meiner Stirn. Ich hatte Mühe mich überhaupt auf den Beinen zu halten. Das Einzige was mich noch stehen ließ, war die Angst um Patrick. Dieser rutschte immer weiter zurück. Doch irgendwann konnte er nicht weiter ausweichen. Das Wände der Gartenhütte blockierten jegliche Fluchtmöglichkeit.

„Bitte Kevin!“, rief ich nochmals mit allem was ich hatte. Doch Kevin lachte nur. Es war ein spottendes lachen. Durch und durch bösartig. Komplett gefühlskalt. Als wäre er in seiner eigenen Welt gefangen. Besessen von dem Gedanken mich zu brechen indem er das zerstören würde, was ich am meisten liebte. Für Patrick gab es nun keinen Ausweg mehr. Er konnte nicht weiter zurück. Und vor ihm bäumte sich Kevin auf. Seine Hände umklammerten den Schläger. Das vordere Ende deutete auf Patricks linke Kniescheibe. Aus Patricks Augen rannen unkontrolliert Tränen.
„Bitte nicht!“, schluchzte er leise, wohl mehr zu sich selbst. Keiner wagte sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Niemand hätte vor ein paar Stunden damit gerechnet, dass der Abend so verlaufen würde. Niemand, selbst ich hätte nie Gedacht, dass Kevin zu so etwas fähig wäre. Langsam hob er die Keule über seinen Kopf. Die Zeit schien still zu stehen. Meine eigenen Bewegungen kamen mir wie in Zeitlupe vor. Ich befahl meine Körper zu springen. Rein in die Flugbahn das Schlägers. Ich sollte büsen müssen, nicht Patrick und auch sonst niemand.
„Spring“, befahl ich meinem Körper nochmals, „spring verdammt beweg dich!“ Ich sah dabei zu wie sich der Baseballschläger langsam senkte. Doch was für mich langsam wirkte musste wohl in rasender Geschwindigkeit geschehen sein.
„Nein!“, war das letzte was ich aus mir herauspressen konnte. Dann…

Ein Markerschütternder schrei hallte durch dein Raum. Gepaart mit bitterem Schluchzen und Heulen. Ein Schrei, so markerschütternd wie ich ihn nie in meinem Leben vergessen werden. Ein Schrei, wie ich ihn noch nie gehört hatte. Ein Schrei, so schmerzerfüllt wie ich ihn noch nie zuvor ausgestoßen hatte. Ich rollte auf dem Boden, hielt mir die linke Schulter. Ich spürte nichts mehr. Nur noch diesen Schmerz. Ich konnte nicht mehr aufhören zu schreien.
„Felix!“, hörte ich Patrick nach mir rufen. Doch ich konnte nicht antworten. Nur Schreie und gewimmer wollten meiner Kehle entweichen. Aus zusammengekniffenen Augen sah ich nur sein tränenunterlaufenes Gesicht.
„Du verdammter Wichser musst wohl immer den verschissenen Helden spielen!“, hörte ich Kevin schreien.
„Es reicht Kevin!“, rief Marvin. Dann hörte ich schwere Schritte. Ich konnte meinen Blick nicht mehr von Patrick abwenden. Ich wollte ihn sehn. Wollte in seine Augen schauen solange ich noch konnte. Mein Sichtfeld wurde immer trüber. Meine Schreie immer gedämpfter. Plötzlich hörte ich einen dumpfen Aufschlag. Dann das Geräusch von Holz, das auf den Boden viel.
„Scheiße Marvin, da bist du selbst dran schuld, hörst du. Nur du. Du, verdammt!“, brüllte Kevin, Scheiße, du scheiß Vollidiot!“
„Du hast ihn umgebracht!“, hörte ich Stefan erstickt sagen. Weitere Geräusche. Der Geruch von Kotze füllte den Raum. Und von Blut. Hastige Schritte. Meine Augen verweilten auf Patrick. Mittlerweile konnte ich nur noch seine Umrisse sehen. Ich fühlte nichts mehr. Der Schmerz hatte meinen kompletten Körper betäubt.
„Bitte halt durch“, hörte ich ihn in mein Ohr flüstern. Seine Tränen tropften mir auf die Stirn.
„Ich werde es versuchen“, dachte ich. Ich spürte, wie seine Hände durch meine Haare fuhren. In meinen Ohren hallte mein Herzschlag. Langsam. Gleichmäßig. Ich spürte, wie sich um mich herum alles hektisch bewegte. Die Geräusche entfernten sich immer weiter. Ein dunkler Schleier legte sich auf meine Augen. Langsam wurde meine Sicht schwarz. Das letzte was ich hörte, waren entfernte Sirenen.

Ich fand mich in einem Raum wieder. Nicht groß, doch es reicht. In einer Ecke stand ein Schrank aus hellem Holz. In der anderen ein Schreibtisch. Ich selbst lag in meinem Bett. Der zarte Duft der Bettwäsche zog in meine Nase. Ich war zu Hause. In unserem Haus. In meinem Zimmer. Es hatte sich ein wenig verändert. Aber nicht gerade zu seinem Nachteil. Durch das geöffnete Fenster drang eine warme Brise. Vor dem Fenster konnte ich Vögel ihre Lieder singen hören. Nur das geschäftige Treiben auf den Straßen trübte das friedliche Bild. Ich blinzelte. Rieb mir die Augen. Vorsichtig stieg ich aus dem Bett. Verwundert blickte ich an mir herab. Die Narbe war weg. Und auch von der neuen Narbe keine Spur. Ich starrte verwundert meinen Körper. Er war makellos. Keine Wunde, kein blauer Fleck, nicht mal der kleinste Pickel war zu sehn. Der Wind wehte durch mein Haar. Der Duft von Rasen und Holz drang von außen in den Raum. Ich ging ans Fenster und schaute hinaus. Draußen schien die Sonne hell am strahlend blauen Himmel. Keine einzige Wolke trübte die Sicht. Das leichte rascheln der Blätter in den Bäumen hatte etwas Meditatives an sich. Beruhigend. Friedlich. Nur dies Geräusche aus der Ferne störten mich. Ich sah mich um, konnte aber nicht erkennen woher sie kamen. Ich trat wieder vom Fenster weg. Ich wollte in den Garten. Nur in Unterwäsche bekleidet lief ich durchs Haus. Freudig öffnete ich die große Terrassentür. Wieder wehte mir der Wind durchs Gesicht. Barfuß trat ich nach draußen. Das warme Gras unter meinen Füßen kitzelte leicht. Der Boden war weich und sanft. Ich lief hinüber zum Lieblingsplatz meiner Kindheit, dem alten Apfelbaum. Dort stand ein großer Mann. Ich kannte ihn nicht oder besser, ich konnte nicht erkennen wer er war. Er trug eine helle Jeans und ein weißes Hemd. Seine kurzen Dunkelblonden Haare bewegten sich leicht mit der sommerlichen Brise. Seine grünen Augen schauten mich friedlich an. Er hatte ein sanftes Lächeln auf den Lippen als er mich so ansah.
„Papa?“, fragte ich ungläubig. Ja er musste es sein. Genau so sah er auf den wenigen Fotos aus, die von ihm noch übrig waren. Ich selbst hatte keine Erinnerung an ihn. Ich war ja auch erst zwei als er bei einem Autounfall ums Leben kam. Freudig lief ich auf ihn zu. Und wieder hörte ich diese störenden Geräusche im Hintergrund. Diesmal deutlicher. Und eine Stimme hörte ich diesmal auch.
„Wir verlieren ihn!!! Komm häng dich rein Junge! Nicht aufgeben!“
Ich fragte mich, was da wohl vorging? Wen verlieren die? Wer soll nicht aufgeben? Am Ende war es mir dann doch egal. Ich wollte zu meinem Vater, den ich nicht kannte und doch so sehr vermisste. Als ich kurz vor ihm stand und ihn in die Arme nehmen wollte trat er einen Schritt zurück. Ich war verwirrt. Doch er lächelte nur und schüttelte seinen Kopf.
„Es ist noch nicht an der Zeit. Wir sehen uns irgendwann aber nicht jetzt. Ich liebe dich Felix!“
„Papa!“, schrie ich nochmal so laut ich konnte. Doch alles bewegte sich in rasender Geschwindigkeit von mir weg. Die Farben änderten sich. Es wurde dunkel. Blaue Lichter blitzten auf. Um mich herum viel unbekannte Gestalten.
„Wir haben ihn wieder…“

:cry: ich hoffe das er schnell wieder auf die Beine kommt und Patrick nichts abbekommen hat.

Puhhh, ich hatte ja vermutet, dass Kevin irgendwie bewaffnet ist und Felix an den Kragen will. Aber das er Patrick als Opfer benutzen will um Felix zu quälen ist ja noch krasser !!! Was für ein kranker Typ !!! Und was für dämliche und kranke Typen, die ihm dabei auch noch helfen (und denken ihnen passiert dabei nix).
Ich hoffe Felix wird wieder gesund … und er und Patrick haben dann Ruhe … und ich hoffe Kevin ist jetzt weg vom Fenster … und Alex auch … und

ICH WILL JETZT EIN HAPPY END !!! :flag:

Das Letzte Kapitel…viel Spaß

  1. Ein neuer Anfang

„…weißt du wer ich war und was ich bin, Ich bin der schwarze Schmetterling…“ Ich lag mit Patrick zusammen auf einer Wiese. Das Gras um uns herum war weich und warm. Bienen und Schmetterling flogen von Blüte zu Blüte und gingen eifrig ihrem geschäftigen Treiben nach. Die heißen Strahlen der Sonne schienen auf unsere nackten Körper. Wir lagen dicht an dicht bei einander und hielten uns im Arm. Einen Moment lang schauten wir uns tief in die Augen. Fast zeitgleich schlossen wir diese und bewegten unsere Gesichter aufeinander zu. Ich spürte seine zarten Lippen auf meinen. Ein Stück weit öffnete sich sein Mund. Für mich das Zeichen, dass er meine Zunge spüren wollte. Sanft streichelten sich unserer Zungen in den Mundhöhlen. Erst zaghaft, dann immer wilder gingen wir unserer Leidenschaft nach. Es dauerte auch nicht lange, bis ich seine Erektion fest an meinem Bein spüren konnte. Ich drehte ihn auf den Rücken und öffnete die Augen. Zufrieden strahlte er mich an. Ich küsste seinen Hals, glitt hinunter zur Brust, küsste dort seine weichen Brustwarzen. Ein genüssliches Stöhnen entwich seiner Kehle. Ich arbeitete mich weiter nach unten, küsste ihm zärtlich seinen Bauchnabel, ehe mein weg an seiner festen Männlichkeit endete. Sein stöhnen wurde heftiger als er in meinem Mund verschwand. Er begann unter mir zu beben. Als ich merkte, dass er kurz vorm Höhepunkt stand, lies ich von ihm ab. Sofort entspannte er sich wieder. Mein weg führte mich wieder hoch zu seinem Mund. Wieder küsste ich ihn zärtlich. Wir schauten uns an. Er nickte mir kurz zu. Dann nahm er seine Beine hoch. Ich positionierte mich zwischen ihnen. Vorsichtig setzte ich meinen steifen Freund an. Langsam und so vorsichtig wie möglich drang ich langsam in ihn ein. Er zuckte kurz, verzog ein wenig das Gesicht, ehe sich sein Ausdruck in ein genüssliches Grinsen veränderte.

„Aufwachen Schlafmütze,“ hörte ich eine Stimme in mein Ohr flüstern.
„Nur noch fünf Minuten“, murmelte ich und drehte mich auf die andere Seite. Doch anstatt noch ein wenig Schlaf zu bekommen, wurde mir mit einem Mal die Decke weggezogen.
„Los auf mit dir, oder willst du schon am ersten Schultag zu spät kommen?“ Ich schaute auf die Uhr. Ungläubig blickte ich von ihr auf und schaute in ein strahlendes Augenpaar.
„Dein ernst Patrick? Es ist grad mal sechs Uhr. Was glaubst du wie lange ich früh brauche?“
„Duschen, anziehen, frühstücken…stimmt wir hätten schon vor einer viertel Stunde aufstehen sollen“, feixte Patrick.
„Ich esse früh nie was, dass solltest du eigentlich mittlerweile wissen“, murmelte ich immer noch schlaftrunken.
„Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit am Tag. Und jetzt schwing deinen Arsch auf, sonst kommen wir wirklich noch zu spät!“ Ich rollte kurz mit den Augen, widersprach dann aber nicht weiter. Stattdessen stand ich auf.
„Schon wieder der Traum?“, fragte er als er sah, was da noch, nur vom Stoff meiner Unterhose verhüllt, zwischen meinen Beinen stand.
„Schon wieder! Und daran bist nur du schuld!“, entgegnete ich ihm, „ich hab eben auch gewisse Bedürfnisse!“
„Du weist was wir vereinbart hatten?“ Natürlich wusste ich es. Wie könnte ich es auch vergessen. Die Folge stand stramm zwischen meinen Beinen.
„Ja ich weiß. Keine sexuellen Aktivitäten bevor ich nicht ohne Schmerzmittel durch den Tag komm“, seufzte ich, „ich geh dann mal kalt duschen“.

Das kalte Wasser lies meinen Schwanz relativ schnell wieder erschlaffen. Nach einer Zeit stellte ich das Wasser ab und stieg aus der Dusche. Im bodentiefen Spiegel betrachtete ich meinen Körper. Am auffälligsten waren die drei Narben an meinem Bauch. Auf der einen Seite die alte „A“ förmige Narbe auf der anderen ein Vernarbtes „K“. Und die größte in der Mitte. Es wird sicher ewig dauern, bis sich die Muskulatur unter dem langen Schnitt wieder vollkommen regeneriert hat. Doch was war schon ein perfektes Sixpack gegen mein Leben. Durch diese wurde mein Leben gerettet. Leberriss meinten die Ärzte. Für sie war es fast ein Wunder, dass ich trotz des immensen Blutverlustes überhaupt noch bis zum Krankenhaus durchhielt. Da waren die paar gebrochenen Rippen und das zerschmetterte Schlüsselbein fast schon Kleinigkeiten. Doch auch diese Verletzungen waren immer noch bei der kleinsten hektischen Bewegung deutlich spürbar. Ein paar Wochen Krankenhaus waren eben nicht genug um alles vollkommen ungeschehen zu machen. Doch das war nicht weiter schlimm. Jeder Schmerz den ich spürte, zeigte mir, dass ich noch am Leben war. Ich ging zurück ins Zimmer und zog mich an.

Der Duft von frischem Kaffee führte mich in die Küche. Je eine gefüllte Tasse stand bereits für mich bereit und Patrick bereit. Dieser saß bereits fix und fertig angezogen am Tisch und aß ein Nutella Brot. Meine Mutter stand an der Theke und bereitete unsere Pausenbrote vor.
„Guten Morgen Schatz“, begrüßte sie mich freundlich. Sie kam auf mich zu küsste mich auf die Stirn.
„Morgen Mom“, antwortete ich. Ich setzte mich an den Tisch und trank erst einmal einen großen Schluck aus der Kaffeetasse. Schweigen füllte den Raum. Nichts Ungewöhnliches. Ich war absolut kein Morgenmensch und vor der ersten Tasse Kaffee nahezu unansprechbar.
„Ich geh mir dann mal die Zähne putzen, bis gleich,“ sagte Patrick, gab mir im vorbei gehen einen kurzen Kuss und ging aus der Küche. Meine Mutter zuckte kurz zusammen als sie uns beide küssen sah, sagte aber letztendlich nichts. Sie hatte es akzeptiert, dass ich schwul bin. Auch wenn es ihr manchmal noch etwas Schwierigkeiten bereitete. Mein Herr von und zu Ex-Stiefvater hingegen hat meine Mutter verlassen. Besser so. Ich hatte wirklich beim besten Willen keine Lust mich täglich mit seinen Anfeindungen rumärgern zu müssen. Mom hingegen setzte die Trennung noch immer ganz schön zu. Ich konnte sie oft dabei beobachten, wie sie heimlich weinte. Als ob der Penner das verdient hätte.
„Wir schaffen das schon“, versuchte ich sie zu beruhigen. Mit eher mäßigem Erfolg. Ich hörte sie kurz schniefen. Dann nickte sie und verließ den Raum. Mit rollenden Augen trank ich den letzten Schluck aus meiner Kaffeetasse und stellte diese samt Patricks Sachen in die Spülmaschine.

Der Bus war wie immer brechend voll. Etliche neue, unbekannte Gesichter drängten sich im engen Gang zusammen. Einige waren hingegen nicht mehr zu sehen. Sie sind entweder umgezogen oder haben die Schule beendet. Patrick und ich saßen nebeneinander in einer Bank und beobachteten das geschäftige Treiben. Ich konnte die vielen Blicke spüren die auf uns gerichtet waren. Doch durch den allgemeinen Lärm war nicht viel vom Getuschel der anderen Schüler zu verstehen. Es war mir ein wenig unangenehm so im Mittelpunkt zu stehen. Und ehrlich gesagt war ich auch ein wenig nervös. Ich wusste nicht, was mich in der Schule erwarten würde. Ablehnung? Unverständnis? Es wusste so gut wie jeder, was an Stefans Geburtstag geschehen war. Zum einen waren die riesen Artikel in den diversen Zeitungen unübersehbar, zum anderen würde sich so etwas in einer Kleinstadt ohnehin verbreiten wie ein Lauffeuer. Ich habe es schon sehr früh aufgegeben mir all den Quatsch der in den Foren geschrieben wurde durchzulesen. Die Hälfte davon stimmte sowieso nicht. Und die andere Hälfte war maßlos übertrieben. Aber aus der Vergangenheit hatte ich gelernt, dass die Wahrheit nicht immer das ist was zählt. So lange es nur genug glaubten, konnten die absurdesten Dinge Wahrheit werden. Siehe Religion. Patrick schien mitbekommen zu haben, dass mir das alles schon noch ganz schön naheging.
„Hey, wenn’s noch nicht geht dann lass dich wieder abholen. Die Psychotante hat doch auch gesagt, du sollst dir jetzt nicht zu viel zumuten. Immerhin warst du ne Minute quasi tot. Es wird dir niemand übelnehmen, wenn du noch Zeit brauchst.“ Er legte seine Hand in meine und hielt mich fest.
„Schon gut. Ich hab echt nicht vor mich ewig zu verstecken. Ich bin nur etwas nervös, das ist alles“, sagte ich ruhig. Patrick lächelte mich an. Ich liebte sein Lächeln so sehr. Und wären wir nicht im Bus gewesen, wäre ich vermutlich über ihn hergefallen. Zumindest hätte ich es versucht. Doch wir waren nun mal im Bus und um uns herum gut fünfzig andere Schüler. Es ist zwar bekannt geworden, dass wir beide ein Paar sind, dennoch wollten wir die Toleranz unserer Mitmenschen nicht überstrapazieren.
„Sag mir wenn’s zu viel für dich wird okay? Ich bin für dich da!“ Ich nickte ihm zu. Plötzlich vibrierte sein Handy. Er holte es aus der Hosentasche, entsperrte es und las die Nachricht.

„Ich soll dir schöne Grüße von Mom sagen“, sprach er, „und wir sollen doch heute mal wieder bei mir schlafen.“
„Das sie uns besser überwachen kann?“, scherzte ich. Patricks Mutter hat, was das Thema Beziehung zwischen mir und Patrick angeht, so ziemlich die größtmögliche Rolle rückwärts gemacht. Nicht nur, dass sie ihm erlaubt hatte jederzeit, selbst an Schultagen, bei ihm mir zu übernachten, sie hatte mich sogar mittlerweile voll und ganz akzeptiert und behandelte mich fast wie einen eigenen Sohn.
„Ne ich glaub eher sie hat Angst, dass ich bei dir verhungere! Meine Eltern wollen uns zum Pizza essen einladen!“
„Na dann, ich muss aber erst nach der schule paar Sachen bei mir holen und Mom Bescheid geben!“
„Logisch!“, sagte er nur kurz. Dann schwieg er wieder. Ich konnte deutlich spüren, dass ihn noch etwas beschäftigte.
„Willst du Morgen echt hin?“, fragte er mit gedämpfter Stimme. Ich blickte nach unten und nickte kurz.
„Warum willst du dir das antun?“
„Ich weiß es nicht. Vielleicht um abzuschließen.“ Wieder war er ruhig. Es würde mir sicher auch nicht leicht fallen auf Kevins Beerdigung zu gehen. Auch die Psychotante riet mir eigentlich davon ab. Aber ich wollte es. Es würde das Ganze für mich ein für alle Mal beenden.
„Der ist viel zu leicht davongekommen. Er dich fast umgebracht. Marvin ist auch tot. Der hätte eigentlich in irgendeinem dunklen Loch für den Rest seines Lebens eingesperrt gehört!“, zischte er wütend.
„Kannst jetzt nicht mehr ändern. Mir tut nur seine Mom leid. Gleich zwei Psychopathen zur Welt gebracht und jetzt steht sie mit dem einen allein da.“ Mit quietschenden Bremsen hielt der Bus an der Haltestelle. Wir beeilten uns nicht auszusteigen. Fast als letztes erhoben wir uns von unserem Platz und verließen den Bus. Unser Weg führte uns als erstes ins Gebüsch.

Ich holte meine Kippen Packung aus der Hosentasche und nahm zwei Zigaretten heraus. Genüsslich inhalierte ich den blauen Dunst. Nikotin ist schon eine herrliche Droge. Immer wieder schaffte sie, es, dass ich wieder klar denken und ruhig bleiben konnte. Auch hier waren wir das Zentrum der Aufmerksamkeit.
„Ignorier sie einfach,“ flüsterte mir Patrick zu. Ich nickte etwas verlegen und nahm nochmal einen tiefen zug.
„Patrick, Felix, hey ihr zwei!“, rief uns eine bekannte Stimme von hinten zu. Wir treten uns um und schauten in Stefans gut gelauntes Gesicht.
„Hey Stefan, und alles klar bei dir!“, fragte Patrick.
„Logisch und zur Not hab ich vom Doc diese süßen kleinen Stimmungspillen. Kann echt nicht verstehen, warum du die nicht wolltest Patrick!“, rief Stefan und schlang dabei seine Arme um uns.
„Wieso sollte ich? Der Masochist da neben mir will ja nicht mal mehr seine Schmerztabletten nehmen“, witzelte Patrick und zeigte dabei auf mich.
„Du weist auch genau warum!“, knurrte ich ihm zu.
„Schön, dass es euch beiden wieder gut geht“, flüsterte Stefan auf einmal ernst. Wir schauten uns kurz alle drei an. Aus der Ferne war das Leuten der Schulglocke zu hören. Ich nahm Patricks Hand. Und gemeinsam liefen wir in Richtung des Eingangs. Kurz vor der Tür blieb ich stehen. Als die beiden das merkten hielten sie auch einen Moment inne. Ich wurde nachdenklich. Die Schule hatte sich nicht verändert. doch wir drei schon. Patrick und ich waren ein Paar. Und Stefan unser bester Freund. Die Geschehnisse hatten uns zusammengeschweißt und uns verändert. Ob zum Positiven oder Negativen wird nur die Zukunft zeigen.

„…weißt du nun endlich wer ich bin? Ich bin ein schwarzer Schmetterling …“

ENDE

Hallo zusammen,

Die Geschichte ist nun zu Ende, leider wenn ich ehrlich bin. Denn auch wenn sie nicht komplett von mir ist, hab ich doch einiges an Herzblut rein gesteckt. Den Rahmen einer Kurzgeschichte hab ich hier mit knapp über 300 Seiten bei weitem gesprengt.

Danke an diejenigen, die die Entwicklung von Felix und Patrick verfolgt haben und mich in Nachrichten und Kommentaren ermutigt haben es bis zum Ende durchzuziehen. Danke auch an Tineoides, dass ich seine Geschichte übersetzen durfte. Wenn du das lesen solltest hoffe ich, dir gefällt was draus geworden ist.

Es existiert noch ein kleiner Anhang in dem aufgeklärt wird, Was von all den Fiction und was Wirklichkeit ist. Ich hab mich aber dagegen entschieden es hier zu posten. Wen es trotzdem interessiert, Der kann mich gerne privat anschreiben.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, werde ich mich nach einer kurzen Pause dem nächsten Projekt zuwenden. Ich hoffe, dass ich schon den ein oder andren dafür gewinnen konnte. Bis dahin Alles Gute und bis Bald

Euer Quianye

Eigentlich schade, dass es nun vorbei ist- aber ich bin mit dem Ausgang der Geschichte zufrieden ! Deshalb ist das jetzt auch in Ordnung :smiley:

Vielen Dank für deine Mühe und DANKE, dass du diese Geschichte mit uns geteilt hast.

MySpace gibt’s da also noch …

Du meinstest sicherlich “Wir […] wollten eigentlich nur Fragen, ob es nicht besser wäre, wenn Patrick heute bei mir übernachte.” oder?

Nach den Ereignisse mit Patrick ist das Referat sehr gut eingefädelt. Das erklärt auch den gerafften Rückblick am Anfang des Kapitels.

Und damit bin ich mit Seite 2 durch und bei Kapitel 23. Ich hab dir ja gesagt, dass ich noch kommentieren werde :wink:

Ist definitiv mal eine ganz andere Art von musikalischem Zitat als Einleitung des Kapitels als die Musik, die Felix sonst so hört :smiley:

Das geht aber wahrscheinlich den meisten von uns so. Glücklicherweise ist das bei der jüngeren Generation, die noch zur Schule geht, mittlerweile anders. Interessant, dass er zu einem Thema ein Referat halten soll, zu dem keine Unterrichtseinheit vorgesehen ist. Wieso sollen Schüler an der Schule nicht homophob sein, wenn sie gar nicht aufgeklärt werden? Ohne die Prügelei zwischen Felix und Marvin hätte es nicht einmal ein solches Referat, geschweige denn eine andere Art der Aufklärung, gegeben.

Mich verwundert nur etwas, dass Felix bei einer eintägigen Internetrecherche eine 180-Grad-Wende hinlegt. Das wirkt eher wie eine Gehirnwäsche.

Hast du Kurt Cobain bewusst als musikalische Untermalung für Kapitel 25 ausgewählt? Von ihm stammt ja das folgende Zitat:

Ja, mich wundert es ehrlich gesagt auch, dass Felix kochen kann und will.

Gruppenzwang. Felix wollte ja nicht, dass dass Kevins Clique weiß, dass sie wieder befreundet sind. Wenn man bedenkt, wie übel die Felix zugerichtet haben, ist das nachvollziehbar …

So, bei Kapitel 27 höre ich jetzt mal auf. Krass, ich konnte mich echt schwierig losreißen!

Freu mich schon auf die folgenden Kommentare

Warum haben die Sanitäter Felix nicht darauf hingewiesen, dass er da was auf der Stirn stehen hat oder das Krankenhauspersonal die Stirn gereinigt?

Seinen Sohn im Krankenhaus zu verprügeln, ist vielleicht auch nicht die schlauste Idee … Wobei er dann gleich da wäre, wo er Hilfe bekommt, was sonst ja leider nicht der Fall ist.

“stimmbruchgebeutelt” - das ist ja mal ein cooles Wort! Kannte ich noch nicht :smiley:

Wenn du nicht gerade in der psychiatrischen Abteilung bist, kannst du das Bad im Krankenhauszimmer normal abschließen.

So, seite drei auch durch und bei Kapitel 30.

Echt heftig, die Gewaltspirale. Du solltest vielleicht darüber nachdenken, deine Geschichten mit einer Triggerwarnung zu versehen … Nicht um meinetwillen, aber für schwache Gemüter ist das nichts.

Wenn eine Hand gebrochen ist, ist man dann technisch gesehen überhaupt noch in der Lage, zu schreiben?

Hatte Felix schon vor der Szene in Kapitel 30 Suizidgedanken?

Na ja, abgesehen dafür, dass da strafrechtliche Schritte folgen sollten, ist es schon sinnvoll, die Konfliktparteien zu trennen. Da das über eine normale Rauferei hinausgeht, bringt reden und vertragen auch absolut nichts. Die Beurlaubung wäre tatsächlich zu Felix’ Schutz, auch wenn sich die Lehrer das mit der Aufklärung zu einfach machen. Allein ihm einen Besuch beim Schulpsychologen nahezulegen, hätte ich jetzt mal erwartet.

Dass Felix seine Mitschüler schockt, aber sonst nicht viel macht, hätte ich wahrscheinlich anders gemacht, aber ich bin auch nicht in einer solchen familiären und sozialen Situation und dazu nicht so extrovertiert, wie Felix sich nach außen hin gibt.

Seine Narbe!

Wow, ich bin erstaunt! Zum Abschluss mal eine winzige Kleinigkeit, die mir rechtschreibtechnisch positiv aufgefallen ist :wink:
Du benutzt sogar das richtige Zeichen für die Auslassungspunkte (Y)

Die familiäre und soziale Situation von Felix bzw. Dem Originalautor ist und war seinen Aussagen nach wirklich desaströs. In manchen Passagen könnte man aber auch schon im Original einige logikfehler erkennen. Ich hab versucht einige davon etwas zu überarbeiten, nicht immer mit Erfolg. Ansonsten muss ich mich nur immer wieder für die Rechtschreibung entschuldigen

Ich musste bei der Situation in der Schule an ein Lied denken, welches ich zu der Zeit, als ich das Kapitel gelesen habe, gehört habe:

Verständlich, dass er glaubt, eine dickere Haut als Patrick zu haben, aber da muss er sich auch fragen, wo die herkommt. Er hat sehr viel Schmerz ertragen müssen und deshalb eine Mauer um sich herum gebaut. Diese gibt ihm die Sicherheit und das Gefühl, über allem zu stehen. Seine aggressive Selbstsicherheit sollte den anderen und seinen Problemen Angst einjagen, damit sie ihm nicht zu nahe kamen, denn dass sie das könnten, war seine Angst. Doch wenn man es erst einmal schafft, diese Mauer zu zerbrechen, zerfällt alles wie ein Kartenhaus. Dann ist er schwach und angreifbar, weil er nichts von alldem verarbeitet hat.

Wenn du eine halbe Stunde lang aus einer Schnittwunde blutest und zwar so, dass das Blut währenddessen auch nicht gerinnt, verlierst du wahrscheinlich keine unwesentliche Menge Blut. Scheint aber bei ihm keine Auswirkungen zu haben.

Manchmal zeigt das Leben wirklich eine bitterböse Ironie. Manchmal trifft der Tod seine Wahl unvorherseh- und unnachvollziehbar.

An dieser Stelle war schon mal ein guter Freund von mir. Für ihn war es wie folgt: Vielleicht mag es einen Weg geben, aber wenn man ihn nicht sehen kann, dann gibt es den für einen auch in dem Moment nicht (Hoffnungs-/Perspektivenlosigkeit). Ein gemeinsamer Kumpel war auch der festen Überzeugung, dass es immer einen Weg gäbe und dass er den gefälligst finden sollte. Diese Ansichten führten dazu, dass sich beide voneinander unverstanden und ungerecht behandelt fühlten, was die Situation nicht besser machte, die ohnehin schon verdammt unschön war.

Ertrinken muss man ja auch erst einmal herbeiführen. Tauchen und dann einfach nicht wieder auftauchen, ist fast unmöglich, da der Überlebensinstinkt dann wieder übernimmt. Da war Felix’ Versuch schon besser durchführbar.

Ungefähr zur selben Zeit wollte er sich auch das Leben nehmen. Hätte jemand infrage gestellt, dass das sinnvoll sei, hätte er demjenigen aber eine Ansage erteilt. Aber das erinnert mich wieder an die im vorherigen Kommentar angesprochene Situation mit dem guten Freund. Ist man selbst in der Lage, sieht man nur noch den Tod als Ausweg, aber ist man ein Angehöriger/Freund, dann will man den Suizidgefährdeten nicht gehen lassen, wirft ihm vielleicht Egoismus vor und kann den Weg sehen, den man gehen könnte, um da wieder herauszukommen, den derjenige nicht sieht. Man kann nicht fühlen, was der andere fühlt, nicht nachvollziehen, was das alles ausgelöst hat, die Verzweiflung nicht nachempfinden, die das alles unausweichlich gemacht zu haben schien, auch wenn es für den anderen das einzig logische neben all dem Schmerz ist.

Ich bezweifle, dass es seine Mutter ist. Patrick ist viel wahrscheinlicher.

Hallo Zuri,

Vielen Dank für deinen Kommentar. An den meisten stehen muss/kann ich dir uneingeschränkt Recht geben. Hört sich fast so an als hättest du selbst Erfahrung mit dem Thema Suizid gemacht, In welcher Form auch immer.

quote=“Zuri, post:126, topic:22757”]
Wenn du eine halbe Stunde lang aus einer Schnittwunde blutest und zwar so, dass das Blut währenddessen auch nicht gerinnt, verlierst du wahrscheinlich keine unwesentliche Menge Blut. Scheint aber bei ihm keine Auswirkungen zu haben.
[/quote]

Hier muss ich dir aber wiedersprechen. Wenn der Schnitt “falsch” oder nicht tief genug gesetzt wird blutet es zwar nur leicht aber kann dafür relativ lange Bluten.

Ansonsten wirklich 1a analysiert. Frei mich auf weitere Kommentare von dir

Quianye

“Schrei nach Liebe” ist dann nach “YMCA” der nächste Ausflug in ein anderes Genre, wobei Punkrock noch einigermaßen zu Felix passt^^

Nur weil sie ihm eine eigene Wohnung bereitstellen, muss das nicht heißen. Der Beruf bringt eher mit, dass sie nicht viel Zeit haben.

Wirkt, als hätte Jakob vor allem eines: Zu viel Langeweile. Er scheint sich über jede Unterhaltung zu freuen bzw. jemanden, der sie bietet.

Eines ist sicher: Sie mag ihre Schwiegermutter!einself!!!1!11"

Wie auch in Könige der Nacht, bzw. hier doch noch ein ganzes Stück mehr, schrammst du manchmal, was das Sexuelle angeht, am Rand dessen entlang, was die Regeln offenbar zulassen. Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, ob das so okay geht. Ist absolut nicht böse gemeint, ich les das auch und mag die Geschichte, aber nur mal, dass mir das aufgefallen ist :wink:

Bin halt ein Grenzgänger​:joy::joy:. Ne im ernst, Bin mir dessen durchaus bewusst bzw. Wollte ich in schwarzen Schmetterling den Charakter des Originals nicht zu sehr verfälschen. Musste sowieso schon sehr viel sexuelle Handlung streichen…und viiiieeel etwas verharmlosen.

In Könige der Nacht wird mit dem Thema ja nochmal ganz anders umgegangen. Und einige Ideen musste ich schon ganz verwegen, Weil sie einfach zu weit gegangen wären für dieses Forum.

Ansonsten immer schon deine Kommentare zu lesen

P.s.: scheiß Autokorektur…

Gibt sicher noch andere Foren, wo man das unzensiert posten kann, wenn daran Interesse besteht. Aber was man nicht weiß, macht einen bekanntlich nicht heiß :wink:

Häusliche Gewalt sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Dass die Tat unter Alkoholeinfluss verübt wurde, ist eine Erklärung, aber keine Entschuldigung. Für den Krebs gilt dasselbe. Nur weil er sich einmal entschuldigt, macht es das nicht besser. Leider ist es häufig bei Leuten, die wiederholt häusliche Gewalt verüben – und das evtl. sogar unter Alkoholeinfluss – dass nach dem Nüchternwerden die Reue hochkommt, man sich entschuldigt, beteurt, dass man so etwas ja eigentlich nie tun wollen würde und Besserung gelobt. Und beim nächsten Rausch ist wieder vergessen und jede Kleinigkeit reicht als Grund, um jemanden zu verprügeln.
Leider sind bei häuslicher Gewalt die Opfer nicht selten in irgendeiner Form (Ehe, Kinder) an den Täter gebunden und können entweder nicht ohne den Täter leben (oder glauben es zumindest) oder entwickeln ein Stockholmsyndrom.

Das lass ich jetzt mal so dahingestellt. Dafür kenne ich deren Bad zu schlecht.

Das ist jetzt also die “Belohnung”. Geld finde ich immer kritisch, um damit irgendwas “auszudrücken”.

Vater nett, Mutter nett, Fehlereingentständnis des Klassenlehrers, seine Mitschüler freuen sich, dass der Außenseiter wieder da ist – das IST am Rande des Glaubbaren.

Wäre das nicht zu einfach? Vielleicht hat er nach dem ganzen Stress die Schule gewechselt, weil er glaubte, nicht erhobenen Hauptes wieder dorthin gehen zu können.

Die könnte einen nicht unerheblichen Teil dazu beigetragen haben … :thinking:

Subway to Sally :+1:t2:
Man kann Felix nicht vorwerfen, dass er wenige Musikrichtungen hört.

Wenn er sie für eine gute Wahl hält, spricht ja nichts dagegen.

Nur weil er Bedürfnisse hat, braucht er dafür keine Pornos. Ich geh mal stark davon aus, dass er auch beim Masturbieren ohne Porno einen hochbekommt. Sollte das nicht der Fall sein, empfiehlt sich ein Gang zum Arzt.

Wir haben Kekse – ganz wichtig!

Schlagfertig, aber irgendwie bezweifle ich, dass ein “so langes” Wort zu Felix’ Wortschatz gehört.

Wenn er wirklich auf Patrick steht, spricht “nicht schwul” nicht gegen bi.

Es wirkt nicht, als habe Vanessa aufrichtige Ambitionen gehabt. Wollte sie ihn vielleicht mit Stefan mobben, weil sie hofften, dass er schwul ist? Na ja und reinem Sex gegenüber scheint sie ja weniger abgeneigt zu sein als einer Beziehung.

Na, ob Felix als Normalo durchgeht, da wäre ich mir jetzt nicht sicher :joy:

Ask an author, Part 2: Quianye

Lang, lang ist’s her. Das heißt nicht, dass es nicht viele tolle Autoren hier gibt, aber so ein Interview bringt auch einen Haufen Recherche mit sich und ich möchte nicht unvorbereitet in ein solches Interview gehen. Dank der positiven Rückmeldung beim letzten Mal war es schon länger mein Wunsch, eine Fortsetzung zu veröffentlichen und deshalb freue ich mich, dass es nun so weit ist.

Einen Text zum Interview findet ihr im Ask an Author-Thread.

Zuri: Du hast die Geschichte von Tineoides “übernommen”. Wie kam es zu dieser Entscheidung? Was reizte dich daran, eine Geschichte zu schreiben und zu veröffentlichen – insbesondere diese?
Quianye: Die Geschichte ging mir im Allgemeinen sehr Nahe, da ich mich an vielen Stellen auch stark mit Felix identifizieren konnte.

Zuri: Magst du da vielleicht ein Beispiel nennen? Ich erinnere mich beispielsweise an die Szene, in der Felix Suizid begehen möchte und du davor extra noch ein paar Worte dazu sagst, was ich echt gut fand.
Quianye: Felix ganze Familienverhältnisse ähneln meinen schon sehr (Stiefvater krank und gewalttätig, Mutter schaut nur weg). Dazu sein Charakter, seine Art wie er die Dinge angeht, seine heimliche Homosexualität, welche er ja lange auch für sich verleugnet. All das erinnerte mich beim Lesen sehr in mich selbst. Auch die Außenseiterrolle war mir eine Zeit lang nicht unbekannt. Und heimlich in meinen besten Kumpel war ich auch noch verschossen (aber das kennen sicher viele). Zu guter Letzt die Suizidgedanken bzw. Der Versuch. Aus heutiger Sicht das dunkelste Kapitel meines Lebens, auch wenn es bei mir kurz vor der Ausführung noch klick machte.

Zuri: Wie wurde bei dir an der Schule das Thema Homosexualität behandelt und wie standen die Schüler dazu?
Quianye: Homosexualität würde bei mir an der Schule noch stark stigmatisiert. Schon der geringste Verdacht führte zu Mobbing und Ausgrenzung. Ich durfte mir da schon wegen meiner Intimrasur einige dumme Sprüche in die Richtung anhören. Jahrelang hab ich wirklich alles mögliche getan um möglichst männlich und Hetero zu wirken. Ich hab dann meine Sexualität ausschließlich in der Anonymität des Internets ausgelebt, was ich auch jetzt teilweise noch tue.

Zuri: Wie hast du in dem Punkt denn Boypoint wahrgenommen und nutzen können?
Quianye: Ehrlich gesagt nur am Rand. Hier war ich als stiller Leser aktiv, da ich zu viel Schiss hatte mich in irgendwelchen Foren anzumelden. Ich ging dann meistens in anonymen Plattformen meiner Lust nach.
Zuri: Ich glaube, das ist auch ein nicht unerheblicher Grund, warum Leute hier zu Boypoint kommen. Da hast du ja nicht nur dich wiedergefunden, sondern vielen anderen die Chance gegeben, das auch zu tun :+1:

Zuri: Wie einfach oder schwierig ist es, eine Geschichte eines anderen Autors fortzuführen? Hast du Veränderungen vorgenommen, die Tineoides anders gemacht hätte als du? Hast du mit ihm nach seinem Einverständnis über den Entstehungsprozess der neuen Kapitel gesprochen?
Quianye: Das war an vielen Stellen echt schwierig. Vor allem, da ja noch das Übersetzen hinzukam. Anfangs versuchte ich noch alles so genau wie möglich ins Deutsche zu bringen. In den späteren Kapiteln hab ich mir mehr Freiheiten gegönnt. Ändern musste ich wegen des möglichen minderjährigen Publikums so einiges. So sind am Ende fünf Kapitel komplett rausgefallen und einige stark verharmlost. Tineoides hat mir hier von Anfang an viele Freiheiten gelassen was das angeht. Leider ist der Kontakt schon während der Arbeit komplett abgebrochen.
Schwierig war für mich auch das zu Übersetzen was gemeint war. Das Original nicht zu sehr zu verfälschen. Vor allem am Anfang hab ich mich damit in meiner Ausdrucksweise selbst beschnitten. Später hab ich es etwas lockerer gesehen.

Zuri: Hast du vorher bereits Geschichten übersetzt? Was waren dabei für dich die Schwierigkeiten? Kannst du dir vorstellen, das erneut bei anderen Geschichten zu tun?
Quianye: Also nochmal würd ich mir das nicht mehr antun. Es hat zwar Riesen Spaß gemacht, war aber doch mega anstrengend. Ich lese zwar sehr viel englisch und beherrsche es Recht gut aber nein, das war eine einmalige Sache.

Zuri: Für Boypoint musstest du sehr viele Szenen harmloser schreiben als im Original. Ist das allerdings das, was du gerne liest, weil es authentisch ist und kein Blatt vor den Mund nimmt oder was sind so deine Ansprüche auf der Suche nach neuem Lesestoff? Liest du viel?
Quianye: Ich lese gerne Texte die für manch einem weit über das Ziel hinaus gehen. Dasselbe gilt auch bei meinem Musikgeschmack. Ich musste im privaten Bereich lange Schweigen, auch zu vielen gesellschaftspolitischen Themen. Leider ein immer noch großes Problem vor allem in ländlichen Gegenden. Literatur war für mich schon immer ein Ausdruck von Freiheit. Und diese genieße ich gerne. Ich versteh es natürlich, dass ich vor allem hier gewisse Grenzen einhalten muss. Auch wenn ich diese gerne mal mit mindestens einem halben Fuß übertrete. Dasselbe erwarte ich auch von Stücken die ich lese. Aber gerade im Fantasybereich bin ich da bisher fast ausschließlich bei chinesischen Büchern, den Wuxia oder Xianxia usw. fündig geworden.

Zuri: Schreibst du eigentlich nur gerne über kontroverse Themen, um deinen Charakteren mehr Tiefe und Dramatik zu verleihen oder möchtest du damit auch eine Message transportieren?
Quianye: Ich schätze ein wenig von beiden. In Könige der Nacht wird am Ende eine Kernaussage das gesamte Werk dominieren. Und wer es bisher gelesen hat, kann sich vielleicht schon denken um welche Message es sich handeln wird. Es ist aber nicht unbedingt ein muss. Ich bin ein Freund davon nicht immer irgend einen tieferen Sinn in allem zu sehen.

Zuri: Was denkst du über das Feedback, das du bisher zu “Schwarzer Schmetterling” bekommen hast?
Quianye: Über ein wenig mehr Feedback hätte ich mich natürlich gefreut, aber das, was ich bekommen hab, war durchweg positiv und Kritik immer konstruktiv. An dieser Stelle noch mal ein großes Danke, vor allem am dich Zuri

Zuri: Das kann ich aber so nicht veröffentlichen :blush: (Eigenlob und so :joy:) Jetzt ein paar klassische Fragen:

  • Lieblingscharakter?
  • Lieblingsszene?

Quianye: Lieblingscharakter ist für mich Patrick. Er hat so etwas naives, unschuldiges. Ich wäre in meiner Jugend gerne mehr wie er gewesen.
Meine Lieblingsszene ist wie er am Fluss gerettet wurde. Vor allem, weil ich weiß wie die Geschichte wirklich ausgegangen ist. Aber ich will hier nicht noch mehr sagen und die Stimmung vermiesen.

Zuri: Wie schreibst du allgemein so? Also plottest du eine Geschichte von Anfang stringent durch oder entsteht die Geschichte komplett beim Schreiben? Wie genau kennst du deine Charaktere zu Beginn der Geschichte?
Quianye: Ich hab ein grobes Layout im Kopf und auch eine etwaige Marschrichtung. Heißt aber nicht, dass ich mich immer daran halte. Und bei Könige der Nacht kenne ich die Nebencharaktere jetzt schon besser als dein Hauptcharakter. Allgemein lasse ich meine Personen mit der Zeit reifen. Gerade Noahs Charakter war mir zu Anfang gar nicht so bewusst. Ursprünglich war er auch nur als zweite Hauptperson gedacht.
Ich mach mir schon ab und an Notizen. Vor allem bei dem Zahlencode müsste ich sonst immer nachschlagen oder nachrechnen. Ansonsten hab ich vieles im Kopf

Zuri: Was hast du ganz allgemein über das Schreiben gelernt?
Quianye: Man kann mit vielen Wörtern sehr viel misst schreiben und mit zu wenigen gar nichts sagen. Die Herausforderung liegt meiner Meinung nach darin, irgendwie einen Mittelweg zu finden. Hier liegt, glaube ich, noch meine größte Schwäche: Ich schreib einfach ein wenig zu viel.

Zuri: Gerade schreibst du an “Könige der Nacht”, einer dystopischen Geschichte über eine Jugendbande und einen seltsamen Jungen mit einem gefährlich grünen Auge. Fühlst du dich im Science-Fiction-Genre wohler oder welches sind deine Genres als Autor?
Quianye: Könige der Nacht wird mein erster eigener Titel den ich auch mit einem größeren Publikum Teile. Ich selbst Liebe dieses Genre. Ein Mix aus Science-Fiction und Fantasy. Düstere Welten, menschliche Abgründe, da bin ich, auch als Leser Zuhause.