Schwarzer Schmetterling

Hallo alle Zusammen,

Nach der ganzen Leserei hier in der Geschichten Rubrik dachte ich mir es wäre nur recht auch etwas zurück zu geben. Das ist meine erste Geschichte, die ich such veröffentliche. Über euer Feedback wäre ich sehr dankbar. Lob wäre natürlich schön aber konstruktive Kritik nehm ich gerne entgegen.

Bei der Geschichte handelt es sich um eine Trils wshre Begebenheit die aber im späteren Verlauf in Fiktion mündet. Es geht dann darum wie ich mich aus heutiger Sicht verhalten hätte sollen und können. Für den Anfang Versuch ich heute 4 Kapitel zu schreiben. Also dann…viel Spaß beim lesen…

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  1. Nicht der Norm entsprechend…

“…tanze nicht mehr in den Schatten. Folge der Finsternis in das Nicht…” Wie oft hatte er sich in letzter Zeit diese Liedzeilen angehört. Er liebte es in diese düstere Welt abzutauchen. Sie spiegelte all das wieder was er tief im Inneren empfand. Er war das, was alle unter einem typischen Ausenseiter verstanden. Schon alleine durch sein Äußeres grenzte er sich deutlich von seinen Mitschülern ab.
Er war einer dieser Jungs, die das ganze Jahr über aussahen als wäre ihre Mutter gerade verstorben. Blass, die Augen leicht geschminkt und immer schwarz gekleidet. Wenn er jemanden ansah, dann war es, als ob er denjenigen mit seinen Blicken durchdringt, als ob alles und jeder um ihn herum nur Luft wäre. Er sprach nicht viel und selbst wenn, dann nur kurze wenige Wörter die die Bezeichnung Satz fast nicht verdient hätten.
Er war in seiner eigenen düsteren Welt gefangen, die er sich den ganzen Tag über musikalisch untermalte. Wer ihn schon länger kannte wusste, dass er nicht immer so war. Eigentlich war er sogar das krasse Gegenteil von dem was er jetzt ist. Er war beliebt bei allen, ein sehr guter Sportler, ein guter Schüler und ein klasse Kumpel. Die Mädchen standen bei ihm Schlange und er hatte auch die ein oder andere feste Beziehung mit ihnen. Auch jetzt war er eigentlich nicht hässlich. Er war groß für sein Alter, schlank und hatte tiefe grüne Augen die durch die schwarze Schminke noch grüner wirkten.
Aber er war halt anders und wer anders ist gehört nicht dazu. Und wer nicht dazu gehört wird entweder gemobbt oder links liegen gelassen. Er wünschte sich wahrscheinlich eher letzteres, was aber zunehmend ein Wunschtraum zu werden schien. Das führte aber nur dazu, dass er sich noch weiter von allen entfernte. Viele fragten sich, wie aus ihm der werden konnte der er jetzt ist. Er selbst wusste es. Er das heißt…ich weiß es
Ich wusste genau wie ich zum Feindbild meiner Mitschüler wurde…doch das ging ihnen einen Scheiß an…

Wie eigentlich an jeden Wochentag spulte ich roboterartig die selben Automatismen ab. Das seltsam klingende gepiepse meines Wecker riss mich unsanft aus meinem viel zu kurzen Schlaf. Der Drang liegen zu bleiben wurde abrupt durch ein ruckartiges Öffnen meiner Zimmertür im Keim erstick.
“Los aufstehn”, war die kurze höchst liebevolle Aufforderung meiner Mutter aus dem Bett zu kommen. Seufzend fügte ich mich meinem unausweichlichen Schicksal, schnappte mir frische Unterwäsche und ging erstmal ins Bad zum Duschen. Als das eiskalte Wasser meinen nackten Körper hinunterlief, spürte ich so ganz langsam die Müdigkeit von mir gleiten. Es füllte sich erfrischend an, als die oberste Schicht der ganzen Scheiße mit weggespült werden könnte wenn ich nur lange genug unter der Dusche stehen würde. Doch so viel Zeit hab ich leider nicht. Und ich bräuchte dazu wahrscheinlich auch eher kochend heißes Wasser.
Von oben bis unten mit Gänsehaut bedeckt stieg ich aus der Dusche und vor unserem bodentiefen Spiegel. Ein kleiner blauer Fleck war neben meinem Bauchnabel noch zu sehn. Der Anblick errinnert mich wieder an die Faust, die mir diese Blessur zugefügt hat. Er erinnerte mich daran, was heute auch wieder passieren könnte. Ich zog mir meine Unterwäsche an, putze mir die Zähne und ging zurück in mein Zimmer um mich gar anzuziehen.
“Kommst du endlich?”, schrie es ungeduldig von unten hoch.
“Ja, ja”, rief ich ihr gekünstelt freundlich zurück und fügte gedanklich hinzu, “als ob ich eine Wahl hätte…”

  1. Ja, er ist nicht schön

“…eine Krone zur Zier, banden sie mir ums Haupt, jagten mich wie ein Tier”. Mit diesen Worten blieb der wie immer bis zum Erbrechen vollgepackte Bus stehn. Die Tür öffnete sich und eine Horde 5.Klässler quetschten sich hindurch und bewegten sich richtung Haupteingang wie eine Schar Motten ins Licht. Ich selbst hatte es nicht so eilig in diesem Licht zu verbrennen.
Mein Ziel war das Gebüsch hinter der Schulbibliothek. Es ist nicht so das unsere Lehrer nicht wussten das dort trotz des Rauchverbotes und unter Androhung von Verweisen fröhlich Nikotin konsumiert wurde. Bis auf ein paar idealistischen Referendaren ignorierte es nur ein jeder. Dieses Gebüsch war mein allmorgentliches Ziel vor dem Unterricht. Die Leute hier waren in der Regel entweder Assis oder die Obercoolen mit ihren Groupies.
Meistens konnte ich dort ohne groß beachtet zu werden mein Henkerszigarette rauchen und mich seelisch von meiner muskalischen Gedankenuntermalung verabschieden. Als meine Kippe bis zum Filter runtergeraucht war, hatte es auch schon zwei mal geklingelt.

Wiederwillig schleppte ich mich zum Klassenzimmer. Es war bereits ruhig und die Türe verschlossen, ein Indiz dafür, dass unser Lehrkörper schon anwesend war.
“Ach fuck, Geschichte”, murmelte ich vor mir hin. Unsere Geschichtslehrerin, Frau Weigl, hatte mich eh auf den Kicker, “da werd ich mir jetzt erst mal was anhören dürfen.”
Kaum halb durch die Tür getreten, wurde mir auch schon mein zu spätes Erscheinen unter die Nase gerieben. “Guten Morgen Felix, na ist das nicht schön das du uns auch noch mit deiner hochgeschätzten Anwesenheit beehrst”, sprach sie, nicht mal ansatzweise versuchend den sarkastischen Unterton zu verstecken. Meine lieben Mitschüler nahmen das natürlich gleich zur Gelegenheit laut loszulachen und mich aufzuziehen.
“Ja, es ist nicht schön Frau Weigl!”, versuchte ich ihr so schlagkräftig wie nur möglich zu antworten ohne dabei zu unverschämt zu wirken.
“Na wenn bei dir die Zunge heute so locker sitzt, kannst du auch gleich zu mir nach vorne kommen und das Gelernte von letzter Stunde reflektieren.”
“Wenn es sein muss…” Ich wusste genau, dass dies ein weiterer Versuch war mich vor versammelter Mannschaft bloßzustellen. Den Gefallen konnte ich ihr aber nur bedingt tun.
“Glück gehabt”, zischte sie nur, “setz dich jetzt wir alle haben nicht ewig Zeit.”

Unter den missbilligenden Blicken meiner ach so coolen Mitschüler begab ich much auf meinen Platz in der letzten Reihe und sank auf meinen Stuhl. Frau Weigl begann mit ihren schier endlosen Vorträgen über deutsche Teilung, kalter Krieg und bla bla bla.
Mein sehnlichster Wunsch war in diesem Moment die Fähigkeit mit offenen Augen zu schlafen. Leider war mir aber so eine Gabe nicht vergönnt. Nach zwei Stunden endloser Aufklärung über die jüngere deutsche Geschichte klingelte es zur Pause. Ich erhob mich von meiner Folterbank und wollte mich gerade auf den Weg nach draußen machen, als ich von hinten einem Tritt in die Beine bekam. Nur mit Mühe konnte ich eine unsanfte Begegnung meines Gesichts mit dem Fliesenboden verhindern.
“Zu dumm zum laufen Spasst?”, hörte ich die mir nur zu bekannte Stimme hinter mir klingen.
Wortlos wollte ich meinen Weg zum rettenden Gebüsch vortsetzen. Dorthin folgten sie mir nie, weil sie einfach zu viel Schiss hatten wegen verlassen des Schulgeländes einen Verweis zu kassieren.
“Ich red mit dir Schwuchtel!”, hörte ich ihn jetzt leicht zornig schreien.
Ich blieb kurz stehen und ohne mich zu ihm umzudrehen streckte ich ihm meinen ausgestreckten Mittelfinger entgegen: “schieb dir den hier sonst wohin Kevin!” bekräftigte ich noch kurz meine obszöne Geste.
Ich setzte unbeirrt meinen weg zur Nikotintanlstelle fort und lies Kevin und seine Jungs einfach stehn.
“DICH KRIEG ICH SCHON NOCH!!! WART NUR”, schrie er mir wutentbrannt hinterher. Provokativ steckte ich mir meine Ohrstöpsel ins Ohr und stellte Musik ein.

Am Raucherplatz angekommen gab es nur noch meine Musik, Nikotin und meine Gedanken. Ich fasste mir unbewusst an den blauen Fleck an meinem Bauch. Ich lies den Rauch in meinen Lungen zirkulieren ehe ich ihn langsam ausstieß. Nochmal taste ich diese eine Stelle an meinem Bauch ab.
“Mit sowas lächerlichem kannst weder du noch jemand anders mir noch großartig Schmerz zufügen.”

  1. Arschlochskala

" Under the stairs and beyond your horizon, there lifes a creature that wants to be free…" mit diesen Worten zeigte mir Alexander “ASP” Spreng daa Tor tief hinunter in meine finstere Albtraumwelt.
Hier war ich frei. Hier war ich frei von den ständigen Hänseleien meiner Klassenkammeraden. Frei von den abwertenden Blicken und Kommentaren meiner Lehrer. Hier konnte mir keiner was. Hier war ich mein alleiniger Herr.
Mein restlicher Schultag verlief ohne weitere nennenswerte Vorkommnisse. Die ständigen unqualifizierten Kommentare von Kevin und den anderen Halbaffen werte ich mal als normalen Alltag. Was jetzt kommen wird ist mitunter nicht wesentlich besser. Mein Vater, oder genauer gesagt mein Stiefvater übertraf meine Mitschüler um längen wenn er einen schlechten Tag hatte. Ganz schlimm wurde es, wenn er getrunken hatte. Dann wurde er unausstehlich. Meine Mutter sagte dazu nichts. Im Gegenteil. Meistens gab sie mir noch die Schuld wenn die Situation zu Hause mal wieder eskalierte.
Ich kann ihm ja eigentlich nicht mal einen Vorwurf machen. Es war wirklich nicht leicht für ihn. Seit 6 Jahren kämpft er jetzt schon gegen den Krebs an. Als wir davon erfahren haben, war ich gerade mal 8 Jahre alt. Er war damals sehr wütend und verbittert. Und ich wurde des Ventil für seine angestauten Emotionen. Ich verstand damals noch nicht was Krebs bedeutet. Ich wusste nicht, dass der Todesengel seine Sense schon am Jals meines Stiefvaters hatte. Ich gab mir die Schuld für seine Wutausbrüche. Mit der Zeit lernte ich aber die Bedeutung der Krankheit kennen. Ich entwickelte ein seltsames Verständnis für ihn, welches aber Gleichzeitig einen unbeschreiblichen Hass in mir Wachsen lies. Ja, ich begann ihn zu hassen. Ich hasste ihn dafür, dass ich mir jahrelang Vorwürfe gemacht hab.

Die körperliche Gewalt lies mit den Jahren nach. Doch diese wurde nach und nach durch paychische ersetzt. Meine Mutter schaute weiterhin einfach weg.
Ich selbst flüchtete mich in meine Traumwelten und tat so als ob es mir am Arsch vorbei ging wie er mich behandelt.
Immer noch in Gedanken versunken setzte ich mich auf einen der wenigen freien Sitze im Bus. Den dunklen Klängen meiner Gedankenbeschallung lauschend merkte ich nicht, wie sich ein andere Junge etwas zögerlich neben mir niederlies. Erst als er mir leicht seinen Ellenbogen in die Seite stieß blickte ich auf. Ich rollte nur kurz mit den Augen und wannte meinen Blick wieder aus dem Fenster. Es war Patrick einer von Kevins Mitläufern. Ich kannte Patrick schon lange, viel länger als Kevin. Wir wohnten im selben Ort nur ein paar Minuten voneinander entfernt. Wir waren einmal sehr gute Freunde. Jedenfalls dachte ich das. Wir spielten Jahrelang zusammen im selben Verein Fußball und gingen zusammen schon in den Kindergarten und so weiter. Aber dasalles änderte sich vor gut einem Jahr.

Er stieß mich wieder an, diesmal etwas fester. Ich hatte zwar keine Lust mich mit ihm zu Unterhalten, jedoch hatte ich noch weniger Lust darauf alle zwei Minuten seinen Ellenbogen zu spüren. Ich zog mir also einen Ohrstöpsel aus dem Ohr und fragte genervt: “was ist?”
“Alter was geht mit dir ab?”, fragte er.
“Wüsste nicht was dich das angeht.”
“Du warst mal einer von uns wenn du dich noch erinnern kannst. Und jetzt behandelst du uns alle wie den letzten Scheiß. Du führst dich echt zum kotzen auf!”
Moment mal, hab ich das grad richtig gehört? Ich führ mich zum kotzen auf?
“Weißt was, vergiss was ich gesagt hab,” fuhr er fort, “du warst echt mal ein guter Freund. Keine Ahnung warum du fich jetzt wie ein Idiot aufführst. Aber mach nur weiter so. Dachte man könnte zumindest normal mit dir reden.”
Was soll der Scheiß jetzt. Jetzt soll ich mich schuldig fühlen? “Bloß keine Schwäche zeigen”, dachte ich mir. Nach einem kurzen Moment des schweigens hatte ich eine passende Antwort gefunden.
“Du bist gerade in der Arschlochskala ein ganzes Stück nach oben geklettert. Nicht mehr viel und du machst Kevin Konkurenz”, sagte ich in einem fast schon bedrohlich ruhigem Tonfall.
Er starrte mich einen Moment an und stand dann auf. Er wischte sch eine Strähne seines brsunen Jasrs sus dem Gesicht, schaute mir seltsam tief in die Sugen und ging kopfschüttelnd auf einen snderen Platz.
“Was war das jetzt?”, murmelte ich vor mir hin. Ich steckte den einen Ohrdtöpsel zurück ins Ohr und grübelte weiter über diese seltsame Begegnung nach.
Wieso fühl ich mich nur plötzlich so beschissen…

  1. Freiflug

“…we are the same. We are young and lost and so afraid.” Ich saß alleine an einem meiner Lieblingsplätze. Es ist ein alter Aussichtsturm im Wald direkt bei uns am Ort. Dieser Platz hatte etwas magisches für mich. Ich kam dort zur Ruhe, konnte meine Gedanken sortieren und mir die nötige Kraft aus dem Scherbenhaufen meines bisherigen Lebens saugen. Dies war auch der Ort an dem ich mich flüchtete wenn es zu Hause gar nicht mehr ging. So wie heute.
Die Stille und die Einsamkeit waren alles was ich gerade wollte. Und ganz alleine war ich ja dann trotzdem nicht. Ich hatte Ville Valo im Ohr, eine Zigarette im Mund und eine viertel Flasche Vodka in der Hand. Mehr hatte meine Mom leider nicht mehr in ihrem Geheimvorrat. Aber gut, es sollte wohl reichen um den Abend so einigermaßen angenehm zu gestalten. Ich rieb mir über den frischen Bluterguss am linken Oberarm und tauchte immer tiefer in meine Gedanken.
Vor einer Woche noch war mein Reich, dass ich mir so mühsam aufgebaut habe noch intakt. Ich war der Außenseiter, mit dem man entweder nichts zu tun haben will oder ihm das Leben schwer macht. Der mit dem man nicht mehr als nötig interagiert. Ebenso musste ich mir nie Gedanken um andere mache. Es war befreiend niemand etwas schuldi sein zu müssen. Ich mochte diese Rolle und wenn es nach mir ginge, würde sich daran auch nichts ändern. Aber es ging eben leider nicht immer alles so wie ich es wollte.

Nachdem ich jetzt schon über ein Jahr so gut wie gar nichts mehr mit ihm zu tun hatte, kam er plötzlich wieder. Vier Tage ist es her, dass er mich angesprochen hat. Jetzt wo ich mit allem was früher war abgeschlossen hatte, wo ich endlich Frieden hatte kommt dieses verdammte Arschloch wieder in mein beschissenes Leben und bringt meine Gedanken vollkommen Durcheinander. Warum gerade jetzt als ich mich damit abgefunden habe, dass es das Beste für mich ist mich von allen Seiten in Mauern aus Kälte und Gleichgültigkeit zu Mauern. Wo war er denn, als och einen wahren Freund gebraucht hätte? Warum gerade jetzt?
Ja, damals als es mir richtig dreckig ging war keiner da.
Ich heulte in mich hinein. Etwas wss ich eigentlich nie wieder tun wollte. Jede träne, die sich ihren weg aus meinen Augen bahnte, bedeutete für mich ein kleines Loch in meiner Mauer. Es hat mir so viel gekostet sie aufzubauen. Und dann kommt er und denkt es wird alles wie früher, mit gut zureden, mit verständnis vielleicht auch noch?
“Fickt euch alle”, dachte ich mir nur und trank den letzten Schluck aus meiner Vodkaflasche. Ein brennen machte sich in meiner Kehle breit als der Schnaps sich seinen weg in meinen Magen bahnte. Dann wenn das brennen nachlässt, kommt ein stechen, was in der Nase beginnt und dann in den Kopf steigt nur um dort nach ein paar Stunden gefühlter Schwerelosigkeit den Konsumenten um so unsanfter wieder auf den harten Boden der Realität zu holen. Doch bis es so weit ist genieße ich meinen Freiflug.

Ich muss wohl eingenickt sein. Meiner Playlist nach zu Urteilen dauerte mein Flug durch die entlosen weiten meinee Gedankenströme so circa zwei bis drei Stunden.
Der Welt um mich herum fehlte es noch immer an Stabilität. Mühsam zog ich mich auf die Beine. Erst jetzt konnte ich die Kraft aufbringen auf meinem Handy die genaue Uhrzeit abzulesen. 23:45. Das leben will mich doch verarschen! Im Prinzip ist eh alles egal. Wenn mein Herr von und zu Stiefvater mitbekommt wann und in welchem Zustand ich mitten in der Woche nach Hause komm, kann ich mich eh wieder auf was einstellen. Ich zündete mir noch eine Kippe an. Das Nikotin, welches fast schon Augenblicklich durch meine Lunge über die Blutbahnen in mein Hirn gepumpt wurde, verschaffte mir ein bisschen mehr Klarheit in dieser verschwommenen Welt. Ich stellte mich bis an den Rand der Brüstung meines Aussichtsturm.
Ein Sprung von hier oben würde alle meine Probleme mit einem mal lösen. Vermissen würde mich eh keiner…

Böser cliffhanger :frowning: , aber du schreibst zum Glück ja hier…
Eine sehr anrührende Geschichte. Ich würde gern mehr davon lesen.

Hallo,

Ich habe die komplette Geschichte in seinem Tumblr Account gelesen (den er leider wegen den neuen Richtlinien gelöscht hat). Zwischen uns ist so eine Art seltsame Freundschaft/Seelenverwandschaft entstanden. Die Geschichte ist echt heftig traurig usw. und es wäre sehr schade, wenn sie an dieser Stelle enden würde. Vielleicht hilft sie auch den ein oder anderen dabei, nicht so zu enden wie er. Deshalb solange ihr wollt und es für die admins in Ordnung ist, würde ich seine Geschichte (natürlich in der Jugendfreien Version) hier weiter veröffentlichen (natürlich mit dem Okay von Tineoides) hier ist schonmal der nächste Teil

  1. Fotos

„…You, you can try to take ME down, beat ME to the ground…“ es war mir als hätte ich dieses Szenario schon hunderte Male durchlebt. Immer und immer wieder. Nacht für Nacht.

Seit über einem Jahr verfolgt mich dieser Albtraum fast ausnahmslos, und genauso gnadenlos in nahezu jeder einzelnen Minute. Dieses Gesicht, das ich nie wieder los werden würde. Diese Angst, diese Hilflosigkeit.

Auch in dieser Nacht riss mich das hämisch Gelächter aus meinem Schlaf. Schweißgebadet richtete ich mich auf meinem Bett auf. Dieses bösartig Lachen hallte mir immer noch in den Ohren. Ich ließ den Kopf in meine Hände sinken. Ein paar Tränen bahnten sich den Weg aus meinen Augen. Als ich mich wieder beruhigt hatte, nahm ich mir mein Handy um mein verloren gegangenen Zeitgefühl wieder zu erwecken. 5 Uhr. Quasi eh schon viel zu früh um sich noch einmal Am Schlaf zu versuchen.

Ich stieg also aus meinem Bett und kramte meine Zigaretten aus der achtlos in die Ecke geworfenen Jeans hervor. Möglichst leise öffnete ich mein Fenster, setzte mich auf die Fensterbank und ließ meine nackten Beine an der Fassade des Hauses entlang nach unten baumeln. Der Qualm meiner Zigarette ließ den Albtraum langsam in die Ferne rücken. Die kalte Luft um meine nackte Haut brachte mir schubweise Erfrischung. Es ist schon einige Zeit her, dass ich mir die ersten zaghaften Sonnenstrahlen die die Dunkelheit durchbrechen so bewusst angesehen habe. Was jetzt noch wie ein verzweifelter Versuch des Tages wirkte, sollte bald mit unaufhaltbarer Gewalt die Finsternis besiegen.

Ich drückte meine restliche Kippe am Fensterbrett aus und schnappte sie in die ungepflegte Gartenheck. Die Gänsehaut an meinem ganzen Körper verzog sich langsam wieder als ich mich wieder unter meine warme Decke begab. „Wenn es doch mit allem so wäre wie mit Tageszeiten,“ sprach ich so zu mir. Ich kramte mein altes Fotoalbum aus dem Nachtkästchen. Ich schenkte ihm über ein Jahr so gut wie gar keine Beachtung. Es schien darin nichts zu sein, was meiner Aufmerksamkeit würdig gewesen wäre.

Doch seit gut zwei Wochen steigt der Drang in mir mich zu erinnern. Und gleichzeitig möchte ich dieses Stück heile Welt eigentlich nur brennen sehn…

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Fotos Teil zwei folgt

  1. Fotos 2

Es fühlt sich an, als würde dir jemand eine glühende Zigarette auf den Eiern ausdrücken. Es waren eigentlich einmal schöne Erinnerungen. Doch zeigen sie mir jetzt auf so schmerzhafte Art und Weise wie grausam die Realität sein kann. Alles was sorgfältig mit der Kamera festgehalten und anschließend fein säuberlich in das kleine Album geklebt würde spiegelt für mich nur den Verrat wieder. Die in Druckbuchstaben gut leserlich geschriebene Überschrift schon lange mit dickem Filzstift geschwärzt, stellte einst ein kindlich lächerliches versprechen dar.

In mir steigt wieder die Wut hoch. Ich hasste mich selbst für meine Naivität. Freundschaft? Nur ein Wort von vielen im deutschen Sprachgebrauch. Vertrauen? Null und nichtig wenn es wirklich darauf ankommt. Am Ende ist man doch allein. Wie dumm könnte ich nur sein. Um ein Haar hätten tiefe Risse meine imaginäre Mauer geschwächt. Doch ich blieb stark. Ich habe es gerade noch verhindern können. Und heute werde ich sie ein für alle mal aus meinen Leben streichen. Diese billigen Ablichtungen meiner früheren selbst sollen heute noch in Flammen aufgehen.

Mit diesem festen Entschluss in Hinterkopf begann ich mich fertig zu machen. Ich machte mir nicht mal die Mühe mir etwas auf meinem Weg ins Badezimmer über zu ziehen. Sollen sie doch die blauen Flecken sehn, die ich sonst immer so gut vor meiner Mutter versteckte. Oder meine Narbe, die in jedem Albtraum erneut zu bluten Anfängt. Das kalte Wasser der Dusche erhitzt mein Gemüt nur noch mehr. Meine Gedanken kreisten unentwegt um dieses verdammte Fotoalbum. Die einzelnen Bilder spülen sich in Sekundenbruchteilen in meinem Kopf ab. Ich begann mit der Faust gegen die weißen Fliesen des Badezimmers zu schlagen bis diese sich an machen Stellen rot färbten. Ich betrachtete die blutenden Knöchel meiner rechten Faust. Genauso hatte seine Faust auch ausgesehen. An ihr war auch mein Blut. Und dieses Lachen, dass mich bis tief in meine Albträume verfolgt. Diese Erniedrigung. Diese Angst. Dieses lärmende Gefühl keinen Ausweg zu haben. Und dann wieder dieses Lachen. Sadistisch. Böse. Machtvoll.

Ja, Es war seine Macht. Oder meine Ohnmacht. Beides musste ich auf schmerzvolle Art und Weise erfahren und nichts davon wollte ich je wieder spüren müssen. Ein seltsames Grinsen machte sich auf meinem Gesicht breit. Ich stellte das Wasser ab und stieg aus der Dusche. Das Gefühlschaos, welches mich noch Sekunden vorher auf einen selbstzerstörerisch befreiendes Trip geschickt hat lichtet sich langsam wieder. Mit erschrecken musste ich feststellen, das ich nach und nach die Kontrolle verliere. Ich wollte nie wieder so sein. Von Gefühlen und Emotionen getrieben irgendwelche irrationalen und stumpfsinnigen Blödheiten anzustellen war alles andere als das was ich wollte.

Mein Spiegelbild schaute mich verständnislos an als wollte es mir zurufen: „Alter, bleib cool verdammt nochmal!“ Aber das viel mir zunehmend schwerer. Seit diesem Tag im Bus. Seit dem ich diese Fotos nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Aber was bringt es denn sich groß über das Vergangene den Kopf zu zerbrechen. Es lässt sich ja eh nichts ändern. Es ist vielleicht auch besser so. Alleine bin ich eh viel besser dran…

  1. Aktion =
    „…how you gonna come, with your hands on your Head or on the trigger of your gun…“. So weit ich weiß wurde dieser Song ganze 3 mal gecovert. Meine Lieblingsversion war schon immer von den Dropkick Murpheys. Bei denen strahlt jedes Wort eine gewisse Aggression aus. Genau richtig um mich auf einen laaaangen Schultag einzustimmen. Wenn der Schultag schon mit einer Doppelstunde Deutsch beim ewig gut gelaunten Herrn Hofmann beginnt, möchte man sich am liebsten gleich vor versammelter Mannschaft eine Kugel in den Kopf jagen. Und sei es auch nur um ihm sein bescheuertes Dauergrinsen aus dem Gesicht zu wischen. Zumindest ging es mir so. Bei vielen anderen war er eigentlich Recht beliebt. Es ist auch nicht so, dass er ein schlechter Lehrer war. Ganz im Gegenteil. Aber diese aufgesetzte Fröhlichkeit könnte ich einfach nicht riechen.

Für meine Verhältnisse überpünktlich, es war eine Minute vor Schulbeginn, betrat ich das Klassenzimmer. Kevin und seine Spacken prahlten mal wieder vor unseren Klassenbitches mit ihren megacoolen Skateboards und was sie denn nicht alles im Park so drauf hätten. Ich verdrehte nur die Augen und begab mich auf meine Platz packte meine Schulsachen aus und setzte mich auf den alten knarzigen Stuhl. Um die letzte Minute noch in vollen Zügen zu genießen, schloss ich die Augen und versuchte noch einmal kurz in meine Gedankenwelt einzutauchen. Doch meine Mitschüler wollten mir selbst diesen kleinen Moment der Ruhe nicht gönnen.

Wer kennt nicht dieses eklige Geräusch, wenn jemand ein mit Spucke getränktes Papierkügelchen durch einen zum Blasrohr umgebauten Kugelschreiber bläst. Ich jedenfalls kannte es. Und noch widerlicher als das Geräusch ist das Gefühl so ein Scheißteil mitten in die Fresse gespuckt zu bekommen. Lautes Gelächter füllte den Raum als ich mir angewiedert das kleine Ekelpacket aus dem Gesicht wischte. Mit finsterer Mine blickte ich in die Richtung der Spackencrew. Diese versuchten nicht mal ansatzweise ihre Freude über den Volltreffer zu verstecken. Vor allem der kleine Fettsack mit dem Blasrohr ergötze sich an meinem wuterfüllten Blick. Sein Name war Marvin. Ein Musterbeispiel von einem Speichellecker. Er hat eigentlich nie eine eigene Meinung und versucht alles um Kevin so gut wie möglich zu gefallen.

Ohne groß zu überlegen stand ich mit der Spuckkugel in der Hand auf und lief zum Tisch des kleinen Schweinchens. „Ist das Ding hier von dir?“, fragte ich ihn obwohl ich die Antwort eigentlich ganz genau wusste. Seine Lippen formten ein fieses Grinsen auf seinem Speckgesicht. „Was willst du dagegen machen? Mich mit Wattebäuschchen bewerfen bis ich Blute?“ mit diesem Satz fing er laut an zu lachen. Klatsch!!! Durch dieses Geräusch würde sein grunzendes Lachen apprubt unterbrochen. Ohne zu zögern oder in irgend einer Art und Weise drüber nachzudenken hab ich ihm sein „Geschenk“ mit voller Wucht gegen die Stirn geklatscht. Vielleicht weil er unvorbereitet war oder ich doch ein wenig zu grob für den kleinen war, verlor er bei dem Schlag das Gleichgewicht und fiel nach hinten auf dem Boden.

Stille. Mann hätte in der Klasse eine Stecknadel fallen hören können. Ich war etwas verwundert, da ich eigentlich mit einer Reaktion der Anderen aus Kevin kleiner Gang gerechnet hatte. Nach kurzer Zeit kam diese auch, jedoch nicht so wie ich es erwartet hatte. „Sehn sie Herr Hofmann, Der ist nicht mehr ganz dicht. Wir haben ihm nichts getan aber er schlägt einfach den Armen Marvin nieder“, hörte ich Kevin in einem so extrem gekünstelt besorgtem Tonfall sprechen, dass selbst seine Oma es ihm nicht abnehmen würde. „Moment mal…Herr Hofmann??? Wann ist der denn hier rein gekommen?“, erst jetzt realisierte ich warum die so seltsam reagiert haben. Ich drehte mich um und sah unseren Deutschlehrer mit seinem markant fröhlichen Grinsen dicht hinter mir stehn.

„Morgen Herr Hofmann,“ mehr viel mir zu meiner Verteidigung im Moment nicht ein. Und selbst wenn mir mehr eingefallen wäre, hätte es mir eh nicht gebracht. „Dir auch einen wunderschönen guten Morgen,“ ein leichtes Seufzen ließ sich von ihm vernehmen,“ geh jetzt bitte erst mal auf deinem Platz. Nach der Doppelstunde müssen wir reden.“ Ohne ein Wort oder Wiederwort zu verlieren machte ich mich auf dem Weg zu meinem Platz. Als ich m8ch hinbequemt hatte bemerkte ich einen Zettel der sauber gefaltet auf meinem Tisch lag. Eigentlich widerstrebt es mir solche Nachrichten zu lesen und trotzdem faltete ich ihn auf. Es war nur ein kurzer Satz darauf geschrieben…WARTE NUR, DAS WARS NOCH NICHT!

  1. Ausmanövriert
    „…kein weltlichen Gesetz wird ja die Wellen hindern sich aufzubäumen, nichts wird ihre Kräfte mindern…“ Innerlich hatte ich mir schon zurecht gelegt was ich den zu meiner Verteidigung vorbringen würde. Auch wenn mir eigentlich klar war, dass es eh keinen Sinn machen würde. Vielleicht sollte ich auch einfach gar nichts dazu sagen und die unausweichliche Strafe wortlos akzeptieren. Fair war das natürlich nicht. Aber was ist schon fair. Das ganze Leben ist nicht fair. Vielleicht sollte ich ja doch einen auf reumütigen Sünder machen. Nein. Das war keine Option. Ich bereute es ja schließlich auch nicht.
    Das klingeln der Schulglocke riss mich aus meinen Gedanken.

Ich stand auf und bewegte mich in Richtung Lehrerpult. Die hämisch grinsenden Fratzen meiner liebsten Klassenkameraden blieben mir natürlich nicht verwehrt. Ich kam mir vor wie ein Gefangener irgendwann im 16. Jahrhundert der mit Holzhandschellen durch die Menge zum Schaffot geführt wird, wärend ihm der ländliche Pöbel mit Eiern und Tomaten bewarf. Nur der Scharfrichter war anders. Statt einer langen schwarzen Gesichtsverschleierung trug meiner ein der Situation völlig unangebrachtes Lächeln. Und anstatt meinen Kopf in eine Guilottine einzuspannen, bedeutete er mir vor seinem Pult platz zu nehmen.

„Was ist nur mit dir los Felix,“ begann er seine Ansprache, „ seit einiger Zeit wirkst du irgendwie anders. Das ist auch schon einigen anderen deiner Lehrkräfte aufgefallen.“

„Was meinen sie damit. Meine Noten stimmen immer noch so weit. Und das ich mich mit manchen weniger Versteh als mit anderen ist dich wohl auch nichts besonderes,“ entgegnete ich und versuchte dabei so ruhig wie nur möglich zu klingen.

Herr Hofmanns Gesichtszüge wurden zum ersten mal seit ich ihn kenne ernst. „Sind es 3 Jahre oder 4 Jahre seit ich dich unterrichte. Ach egal. Auf jeden Fall kenne ich dich mittlerweile ganz gut. Beziehungsweise kannte ich den alten Felix ganz gut. Du warst immer loyal zu deinen Freunden. Wieviel Blödsinn du vor allem mit Patrick und Kevin getrieben hast, wir wussten immer das ihr hinter so manchem Ärgernis gesteckt habt. Aber ihr habt immer zusammen gehalten und wir konnten euch nie etwas beweisen. Ihr wart wie Pech und Schwefel. Und jetzt? Bei jeder sich bietenden Gelegenheit geht ihr euch an die Kehle. Du hast dich so sehr verändert. Und das ist nicht gut. Weder für dich noch für die Klassengemeinschaft. Wir würden dir gerne helfen. Aber dazu müssen wir wissen, was los ist!“

Voll erwischt. Bei seinem Vortrag musste ich schlucken. Darauf war ich nun wirklich nicht vorbereitet. Ich spürte, wie sich die Tränen ihren Weg in meine Augen bahnten.

„So ein Wichser,“ dachte ich mir, „Manöver mich hier eiskalt aus und schlägt mitten in meine Schwachstelle.“ Ich rieb mir kurz mit dem Ärmel meines Pullis über die Augen. „War das alles?“ presste ich leicht weinerlich aus meiner Kehle.

Herr Hofmann schaute mich etwas enttäuscht an, dann schüttelte er den Kopf und sagte nur: „Geh in die Pause. Bis zur nächsten Deutschstunde möchte ich 5 DIN A4 Seiten über das Thema „Gewalt ist keine Lösung“ bin dir. Und sollte das nochmal vorkommen, kommst du um einen Verweis nicht rum.“

Ich war selbst etwas verwundert über diese doch sehr milde Strafe, wollte aber den Teufel tun und mich darüber beschweren. So ging ich also in die Pause und möglichst schnell rüber in Rauchergebüsch. Herr Hofmanns Worte haben mich schwer getroffen. Ja, Wir haben schon viel Scheiße zusammen gebaut. Es war wirklich eine schöne Zeit in der wir noch nahezu unzertrennlich waren. Patrick war ja schon im Sandkasten neben mir gesessen. Und spätestens seit dem Kindergarten waren wir fast schon wie Brüder. Wir teilten einfach alles von Essen über Buntstifte bis hin zu Spielsachen. Es gab nichts das wir uns nicht sagten.

Kevin kannte ich erst seit der Grundschule. Er ist mit seiner Mutter und seinem großen Bruder hierher vor Kevins gewalttätigen Vater geflüchtet. Irgendwann Stand dieser aber trotzdem wieder vor ihrer Tür, Ich war damals zufällig auch bei ihm. Sein großer Bruder Alex hat such dann mit seinem Vater geprügelt nachdem dieser die Tür eingeschlagen hatte. Am Ende musste die Polizei das ganze regeln. Seitdem darf sein Das nicht mehr in ihre Nähe. Ich bewunderte Alex wirklich sehr. Mit gerade mal 19 Jahren hielt er seine kleine Familie zusammen. Er hat einfach alles für Kevin und seine Mutter. Er machte auch oft Späße mit uns Jungs und behandelte mich und Patrick wie zwei weitere kleine Brüder. Aber das ist jetzt eben alles vorbei. Die Freundschaften und alten Emotionen nicht mehr existent. Warum es so weit kommen musste geht niemanden was an. Es würde nur noch mehr kaputt machen, wenn es wirklich raus käme. Mit jemanden oder gar mit einem Lehrer darüber reden? Garantiert nicht.

Nikotin ist schon ein herrliches Gift. Vor allem in solchen Momenten verschaff es einen mit jedem Zug etwas mehr Klarheit. Dann musste ich Unweigerlich an die kleine Botschaft auf meinem Tisch denken. „Soll er dich machen was er will“, dachte ich mir,“ändern kann ich es eh nicht.“ Ich nahm nich einen letzten tiefen Zug, dann schnippte meinen Zigarettenstummel Weg und machte mich auf den Weg zurück in die Klasse…

8.=Reaktion

„…dort am Klavier, lauschte sie mir. Und wenn mein Spiel begann, hielt sie den Atem an…“ Es war ruhig als ich mich, immer noch tief in Gedanken versunken, wieder ins Klassenzimmer bewegte. Viel zu ruhig wenn man bedenkt, was erst vor gut zwei Stunden vorgefallen war. Ich hatte mit allem gerechnet. Mit Schmähgesängen von Kevin und seinen Kumpanen. Mit irgendwelchen Beleidigungen, Drohungen oder sonst irgend etwas. Aber nicht mit dieser Ruhe. Ich wusste genau, dass das nichts Gutes heißen konnte. Ich schaute in die illustre Runde der Vollidioten und stellte fest, dass diese Recht angespannt drein blickten. Nur Kevin zeigte keinerlei menschliche Regung.

Dieses mulmig Gefühl ließ mich nicht mehr los. So sehr ich mir such den Kopf darüber zerbrach, mir wollte einfach kein passender Zeitpunkt für eine Attacke einfallen. Das ein Angriff kommen würde, war mir spätestens seit der kleinen Botschaft klar. Nur wann? So dumm, Es in der Schule durchzuziehen könnten nicht mal die sein. Zumal die einzig sich bietenden Gelegenheit, vor Idee nach dem Sport, sich erst wieder in einer Woche ergeben würde. Und nach der Schule? Nahezu ausgeschlossen. Da teilen die sich auf ihre jeweiligen Busse auf. Einzeln würde sich keiner der Spacken mit mir anlegen. Doch war ich mir fast sicher, dass heute noch etwas passiert.

Angespannt wie ich war, war es unmöglich sich auch nur um geringsten auf den Unterricht zu konzentrieren. In meinem Kopf Malte ich mir die Unterschiedlichsten Szenarien aus waren der Sekundenzeiger der Uhr im Klassenzimmer nicht mit jedem leisen ticken zu verhöhnen schien. Die dritte Stunde ging vorbei, dann die vierte. In der Pause versuchte ich mich bei meiner Kippe und Musik zu beruhigen. Dies gelang mir aber nur bedingt. Zurück in der Klasse immer noch diese Stille. Tick Tack, Tick Tack. Selten kam mir eine Schulstunde so lange vor. Tick Tack. Dieses eigentlich fast unhörbar Geräusch der Uhr hallte in meinem Kopf wie ein Trommelwirbel. Immer lauter und lauter bis es mit einem großen Finale, dem läuten der Schulglocke endete.

„Hatte ich mir vielleicht das alles nur eingebildet,“ kam es unweigerlich in meinem Kopf hoch als ich in den Schulbus stieg. Meine Anspannung begann sich langsam zu lösen. Ich kam mir selbst etwas lächerlich vor. All die Aufregung wegen nichts und wieder nicht. „Jetzt entwickle ich schon irgendwelche Paranoia,“ sagte ich leise vor mich hin. Ich steckte mir meine Kopfhörer ins Ohr und driftet nun vollends wieder in meine Gedankenwelt ab.

Die Busfahrt dauerte immer gut eine halbe Stunde. Die Türen öffneten sich und ich stieg aus. Nun waren es noch 10 Minuten Fußweg von der Haltestelle zu mir nach Hause. Wie immer ging ich dabei durch ein kleines Wäldchen um ein bisschen Weg zu sparen. Erst viel zu spät merkte ich, dass ich nicht alleine war.
Rumns. Etwas schweres krachte von hinten in mich hinein. Ich stöhnte kurz auf, taumelt, verlor schließlich das Gleichgewicht und knallte auf den kalten Waldboden. Ich spuckte den Dreck aus, Der mir bei meinem Sturz unweigerlich in den Mund kam und richtete mich auf alle Viere. Noch bevor ich die Möglichkeit hatte mich wieder aufzurichten, wurde ich mit einem Tritt unsanft auf meinem Rücken gedreht. Ein weiteres schmerzerfülltes Stöhnen entwich meiner Kehle. Tränen flossen mir in die Augen. Ich bemühte mich dies ein wenig zu öffnen um zu sehn Mut wem ich es hier alles zu tun hatte. Was ich sah ließ mich schaudern. Mit so einem Aufgebot hätte ich nie gerechnet.

„Du Feige Sau traust dich auch nur mit deinen Arschleckern vor die Tür,“ zischte ich Kevin entgegen. Dieser zeigte sich von meiner direkten Wortwahl komplett unbeeindruckt. Er kam weiter auf mich zu und verpasste mir einen weiteren Tritt in die Rippen. Ich musste kurz vor Schmerz aufschreien. Instinktiv rollte ich mich zusammen und hielt mir die Seite. Kevin beugte sich über mich und sprach in einem sadistischen Tonfall:“ na, na, na. Du wirst dich nicht schon genug haben? Wir fangen dich Grad erst an.“ Dann drehte er den Kopf zu seinen Kumpels:“ haltet ihn gut fest. Und stopft ihm das Maul. Soll ja keiner die Pussy schre…“
Er konnte seinen Satz nicht zu Ende führen. Unter lautem Stöhnen ging er zu Boden. Diesen einen kurzen unachtsamen Moment nutzte ich aus um ihm so fest ich nur konnte in die Weichteile zu treten. Ich wollte aufstehen und so schnell wie möglich rennen. Doch ich war nicht schnell genug. Noch bevor ich wieder auf den Beinen war, rissen mich zwei dieser Spacken wieder zu Boden. Einer davon war Marvin, die fette Sau. Seinem dreckigen Grinsen könnte ich ansehen, dass er such sehr auf das folgende freute.

Da lag ich nun wieder. Auf den Rücken, die Arme und Beine fest fixiert. Völlig ausgeliefert und vorkommen wehrlos. Im Mund eine von Marvins Socken. Kevin hatte sich mittlerweile wieder aufgerichtet. Er trat wieder an mich heran und wieder dieses Lächeln. „spreizen!“, war alles was er sagte. Mit einem mal wurde mir schwarz vor Augen. Dann dieser Schmerz, der einem bis tief in die Magengegend dringt und einem kaum noch Atmen lässt. Ich schrie in meinen Sockenknebel. Dann wieder und wieder. Ich versuchte mich mit aller mir verbliebenen Kraft zu wehren, doch es half nichts. Ich schaute durch meine tränenverquollenen Augen zu den beiden Jungs die mir die Beine auseinander hielten um Kevin freies Trittfeld zu gewehren. Patrick war einer von beiden. Fast flehend versuchte ich Blickkontakt aufzubauen, dich er drehte sich nur Weg. Noch einmal trägt Kevin zu. Jetzt brachen bei mir alle Dämme. Wie ein kleiner Junge heulte ich in den Knebel hinein. Ich schloss die Augen und erwartete meine weitere Erniedrigung.

Er trat noch zwei weitere Male zu. Der letzte Tritt ließ mich fast in die Bewusstlosigkeit driften. Die anderen Jungs ließen von mir ab. Meine Welt drehte sich. Gedämpft hörte ich ihre Stimmen hörte, wie sie sich über mich lustig machten. Ich merkte, wie sie mich austoben. Ich könnte mich nicht wehren. Es war als wäre alle Kraft aus meinem Körper gewichen. Nur der stechende Schmerz aus dem Unterleib blieb zurück. Dann kam Kevin Stimme näher an mein Ohr:“ vielleicht weißt du hä jetzt, wo dein Platz ist.“ Mit diesen Worten zog er sich den Rotz aus der Nase und spuckte ihn mir mitten ins Gesicht. Die anderen lachten nur. Dann wurde das Lachen leiser und verschwand schließlich. Ich spürte etwas nasses auf meinem Gesicht plätschern. Ich öffnete die Augen ein Stück und starrte auf einen kleinen von Fett fast verdeckten Schwarz der einen Strahl Pisse auf mich regnen ließ. Ich Schloss die Augen wieder. Ich könnte einfach nicht mehr. „Jetzt weißt du Wer von uns das Schwein ist“, grunzt Marvin, dann ging auch er.

Nach einer gefühlten Ewigkeit schaffte ich es endlich mich aufzurichten. Winkend und immer noch nackt lief ich durch das Wäldchen um meine überall verstreuten Habseligkeiten einzusammeln. Bis auf mein Handy fand ich alles nach einiger Zeit. Ich setzte mich zitternd auf den Boden und rauchte 4 oder 5 der zerbrochenen Zigaretten ehe ich mich anzog und nach Hause wankte

  1. Was danach kommt

„…This pain will last forever, never growing old. Nobody will ever answer, how you can be so cold…“.
Nach einer gefühlten Ewigkeit unter der Dusche schleppte ich meinen immer noch schmerzenden Körper die Treppe hinauf in mein Zimmer. Zumindest diesen widerlichen Gestank bin ich, nach der Verwendung von zwei Flaschen Duschgel los geworden. Ein Glück das meine Mutter arbeiten war. Wenn die mich in diesem erbärmlichen Zustand gesehen hätte, hätte es mir wieder endlos viele Fragen gegeben. Und auf ein Kreuzverhör hatte ich heute gar keine Lust mehr. Mein Herr von und zu Stiefvater war schon wieder in der Kneipe. Besser so. Am Ende hatte ich mir von ihm auch noch eine gefangen.

Ich hatte mir etwas Eis aus dem Gefrierschrank mit genommen um meinen geschwollenen Eiern etwas Linderung zu verschaffen. Viel half es aber nicht. Jede ach so kleine Bewegung würde von einem üblen Stechen im Unterleib begleitet. Nachdem ich eine einigermaßen bequeme Sitzposition gefunden habe schaltete ich meine Playlist ein, steckte mir eine Kippe an und konzentrierte mich ganz auf meine Gedanken. Im Hintergrund lief von Soilwork – Light the Torch. Unweigerlich musste ich an das zugehörige Musikvideo denken. Ein mutiertes Wesen das mit Messerhänden die Eingeweide eines kleinen Männchens zerstückelt. So ähnlich fühlte ich mich auch gerade. Nur das in meinem Fall noch drei Arschkriecher und ein Schwein damit beschäftigt waren mich festzuhalten wärend der Mutant Matsch aus meinen Eiern machte.

Noch schlimmer wiegte für mich allerdings der Verlust meines Handys und damit meiner musikalischen Gedankenuntermalung wärend des Schultages. Meine Eltern brauchte ich gar nicht nach einem Neuen zu Fragen. Und bis ich mir selbst eines zusammgespart hätte, würde es wahrscheinlich schon keine Handys mehr geben. Schmerzerfüllt stand ich auf und ging zu meiner Gerümpelkommode. Hier irgendwo musste noch mein alter MP3 Player liegen. Eigentlich bewahrte ich dort alles auf, was ich irgendwann mal besaß aber nicht mehr als wichtig betrachtete. So fand ich nach und nach so manchen lange unbeachteten alten Schatz. Meine erste Medalie vom Fußball kam wieder zum Vorschein genauso wie ein altes Butterflymesser, dass ich mal gegen ein paar gammliger alter Pokemonkarten getauscht hatte. Mein Lieblingsfeuerzeug, welches längst nicht mehr funktionierte und Ausschnitte aus Pornoheftchen mit verdächtigen Flecken.

Vor allem bei den Pornobildchen begann mein Unterleib wieder wie verrückt zu brennen. Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wem diese Schnipsel mal gehörten. Lange Zeit verdrängte Erinnerungen kamen in mir hoch als ich auf die befleckten Brüste der blonden Schönheit blickte. Es kam mir vor, als wäre es erst gestern gewesen. In Wirklichkeit waren es jedoch schon fast drei Jahre. Kevin hatte sie damals mit in unser Geheimversteck im Wald gebracht. Dieses hatten wir zu dritt den ganzen Sommer über in mühevoller Arbeit aus allem zusammengeschustert, was wir so finden konnten.

Stolz wie Oskar verbrachten wir jede freie Minute in unserer Waldfestung. Zockten, Rauchten und Tranken zusammen. Manchmal saßen wir auch einfach nur da und redeten über Gott und die Welt. Und über Frauen. Die typischen Themen vorpupertärer Jungs halt. Wen wir den so toll fänden und mit welcher wir es den gerne mal treiben würden und so weiter. Bei einem dieser Phantasiegespräche packte Kevin die Bilder aus.
Was folgte waren wilde Diskussionen über die eigene Männlichkeit. Jeder von uns dreien wollte natürlich der Erwachsenste mit dem größten Teil und dem meisten Sperma im Sack sein. Wir gerieten fast schon in einen Streit wegen so einer, aus meiner jetzigen Sicht Lächerlichkeit. Doch mit elf Jahren nimmt man sowas noch todernst. Schnell folgten den hitzigen Diskussionen und Streitereien auch Taten. Das war damals das erste mal, dass ich mir bewusst andere Jungs nackt angesehen habe. In der Dusche nach dem Sport oder beim Fußball waren wir auch immer alle nackt, aber das hier war etwas vollkommen anderes. Und selbst wenn ich damals den kleinen Wichswettbewerb nicht gewonnen hätte, so hatte ich an diesem Tag doch eine wertvolle Erfahrung gemacht.

Ich wusste nicht wie lange ich nun schon, tief in Gedanken auf meine Siegprämie starrte als mich das Schellen unserer Türklingel in die grausame Realität zurück beförderte. Und da ja niemand weiter im Haus war, konnte ich nur entweder versuchen die Klingel zu ignorieren oder mich irgendwie zur Tür zu schleppen. Ich entschied mich für letzteres. Gerade der Weg die Treppe hinunter machte es meinem gereinigten Unterleib nicht gerade leicht. Und immer wieder schelle es an der Tür.
„Moment, alter Mann ist kein D-Zug“, rief ich nun schon etwas gereizt in Richtung Tür. Langsam drehte ich den Schlüssel um, öffnete die Tür einen Spalt und……“Hey, Felix……“

  1. Irgend etwas Stimmt nicht 1

„… I ignore you! When I close My eyes, I feel it all slipping away…“. Ruckartig schmiss ich die Haustüre zurück in die Angel. Von allen Menschen, die ich gerade sehn wollte stand er ganz ganz weit unten auf meiner imaginären Liste. Wieder ein Beweis für mich, dass es es keinen Gott geben kann. Ansonsten hätte er gemacht, dass ich einfach mal meine Ruhe hätte. „Ding Dong, Ding Dong“, hallte es weiter metallisch durch den Flur, untermauert von Klopfgeräuschen und dem unablässigen Rufen meines Namens. Ich hockte nur 2 Meter von der Tür entfernt, wie ein Häufchen Elend, zusammengekauert auf dem kalten Fliesenboden und hoffte, dass mein ungebetene Gast einfach aufgeben würde.

„Jetzt komm schon Felix mach die scheiß Tür auf“, drang von draußen die mir nur zu Bekannte Stimme an meine Ohren, „Ich will doch nur mit dir reden.“ „Mit mir reden? Dein ernst? Fick dich alter, lass mir meine verschissene Ruhe! Lasst mich alle einfach in Ruhe!“, schrie ich gegen die geschlossene Tür. Es kam keine Antwort oder vielleicht hörte ich sie auch einfach nicht. Ich musste mich der Situation entziehen, musste weg von der Tür und am besten weg aus der Realität und ab in meine düstere kleine Albtraumwelt. Wie besessen rannte ich die Treppe zu meinem Zimmer hinauf und stellte mir Slipknot ein so laut es nur ging. Corey wird mich mit seinem brachialen Gesang schon irgendwie aus der Realität schleppen, so hoffte ich zumindest. Das Fläschchen Vodka aus meinem Notversteck und eine Kippe würden ihr übriges tun. Ich setzte gerade an der Flasche an um einen entsprechenden Schluck zu nehmen, als plötzlich die herrlich metallenen Percussions verstummten.

„Euer Ersatzschlüssel liegt ja immer noch genau da wo er früher immer lag,“ hörte ich diese Stimme nun direkt hinter mir, „euch auszuräumen wäre das reinste Kinderspiel.“ Ich verschluckte mich an den paar Tropfen des Schnapses die sich in der kurzen Teilzeit in meinen Mund verirrt hatten. Unweigerlich musste ich husten. „Du solltest mit dem Zeug aufhören, hab mal gehört es macht blind“.
„Was willst du?“, fragte ich so unfreundlich wie nur möglich. Als in es mich überhaupt interessieren würde. „Nur reden“, kam die Antwort fast schon wie aus der Pistole geschossen zurück. „Wüsste nicht was es noch zu reden gibt. Also können wir uns das gerne sparen“. Ich versuchte so ruhig zu klingen wie möglich, auch wenn es mir gerade nicht leicht viel. „Du könntest mir ja wenigstens erst mal ein frisches Oberteil anbieten. Falls du es nicht bemerkt haben solltest, Ich bin klatschnass weil der Herr mich ja nicht einlassen wollte. Steh du mal eine halbe Ewigkeit vor ner verschlossenen Tür im Regen“, sprach er in vorwurfsvollen Tonfall. „Hat dich ja niemand drum gebeten. Aber nehmen dir was du brauchst, soll ja nicht meine Schuld sein wenn du dir nen Schnupfen holst. Der Schrank steht auch noch an der selben Stelle wie früher.“

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren ging er an meinen Kleiderschrank. „Gefällt mir nicht, sieht scheiße aus, zu eng, zu weit,“ jedes einzelne meiner Kleidungsstücke würde argwöhnisch unter die Lupe genommen, „dein Geschmack ist echt fürn Arsch Felix. Naja, Der tuts schon.“ Mit diesen Worten zog er meinen schwarzen Independent Pullover aus dem Schrank. Ausgerechnet einen meiner Lieblingspullis. Ohne weiteren Kommentar begann er seinen regendurchnässten Pullover auszuziehen und dann sein T-Shirt. Es zuckte wie Blitze in meinem Hirn. Was Tat er da gerade? Wir hatten seit geraumer Zeit schon keine drei Sätze mehr normal miteinander gesprochen und jetzt steht er halb nackt vor mir in meinem Zimmer? Unbewusst musterte ich ihn von oben bis unten. Seine leicht muskulöse Brust mit den kleinen rosa Nippeln. Den flachen Bauch, sogar den leichten Flaum unter seinen Achseln. Ich hatte ihn schon öfters oben ohne, Ja sogar nackt gesehen. Aber es fühlte sich dieses mal irgendwie anders an.

„Jetzt im ernst“, nuschelte er noch halb mit dem Kopf in meinem Pullover, „ich hab das Gefühl, dass das damals nicht ganz so gelaufen ist, wie Alex es erzählt hat.“ Ich musste schlucken: „Was meinst du Kevin…?“

  1. Irgend etwas stimmt nicht 2

„…immer vorwärts Schritt um Schritt, Es gibt keinen Weg zurück….“ Ich starrte ihn immer noch wie vom Blitz getroffen an. Natürlich wusste ich genau worauf er abspielte. In meinem Kopf liefen die Szenen von damals im extremen Zeitraffer immer und immer wieder ab. Diese Szenen die mich manchmal Nächtelang nicht schlafen ließen. Diese eine Wahrheit die nur ich genau kannte. Diese eine Erinnerung, die ich mein Leben lang nicht loswerden würde. Ein bedrückendes Schweigen füllte den Raum. Eiskalter Schweiß lief mir den Rücken hinunter. Ja, Ich musste ganz genau, worauf er hinaus wollte.

Langsam trat er immer dichter an mich heran.
„Stell dich nicht dümmer als du bist Felix“, sprach er mit einer fast schon erschreckenden Ruhe in der Stimme, „wir wissen doch beide, dass da mehr war als das was ihr der Polizei erzählt habt.“
Mir würde wieder flau im Magen. Und diesmal hatte es nichts mit dem mittlerweile in den Hintergrund gerücktem Schmerz in meinem Genitalbereich zu tun. Ich fühlte, wie sich der Schweiß an meinem Rücken immer mehr zu einem reisenden Fluss entwickelte. Ich versuchte meine Klarheit zu behalten, meine coolnes wieder zu gewinnen. Ich atmete tief ein.
„Hör zu Kevin. Was passiert ist ist passiert. Es ist neunmal so gelaufen. Da gibt es nichts weiter zu erzählen“, sagte ich und versuchte dabei so bestimmend wie nur möglich zu klingen.
„Das Problem ist folgendes“, warf er ein, „ich glaub die Scheiße nicht. Ihr könnt alle Andern vielleicht für dumm verkaufen. Aber nicht mit mir. Ich kenne Alex besser als jeder andere. Und ich kenne dich.“
In mir stieg so langsam die Wut hoch. Die Bilder in meinem Kopf liefen meinen Puls rasen. So langsam wurde es mir zu viel. Es fehlte nur noch ein kleiner Funken und ich würde die Beherrschung komplett verlieren. „Ruhig bleiben, ruhig“, spülte mein Unterbewusstsein monoton widerholend in meinem Gehirn ab.

„Du kennst mich??? Das ich nicht lache. Du kommst hier her, brichst ein, tust einen auf freundlich, nimmst dir was du brauchst und wirfst mir obendrein noch so nen Psychoscheiß an den Kopf? Hat dir irgendwer ins Gehirn gefickt?“, zischte ich ihn an.
Ich war selbst etwas erstaunt über meinen aggressiven Ausbruch, schaffte ich doch sonst immer irgendwie die Ruhe zu bewahren. In Kevin Augen könnte ich erkennen, dass auch er nicht weniger überrascht war. In seinen Pupillen spiegelten sich außerdem Ungläubigkeit, ja vielleicht sogar eine Spur Angst ab.
Die Atmosphäre im Raum glich der einer Insel mit zwei Vulkanen. Es war nur ein Frage der Zeit bis mindestens einer der beiden seine glühende Lava auspacken würde. Plötzlich begann er zu klatschen.
„Bravo, unser kleiner Felix wird ja schon richtig erwachsen. Er gibt jetzt sogar schon Wiederworte. Und das obwohl ich ihm höchstpersönlich noch vor wenigen Stunden die Nüsse so richtig geknackt habe,“ machte er sich über mich lustig, „sind dir jetzt plötzlich neue Eier gewachsen oder Woher kommt dieser Ausbruch an Männlichkeit. Da kann man ja fast Angst kriegen.“

Er wollte mich eindeutig nur noch weiter provozieren. Und er wusste genau wie er es schaffen könnte. In meinem Gesicht breitete sich ein leichtes Grinsen aus. Wir standen uns immer noch Auge in Auge gegenüber. Er schien wieder leicht irritiert zu sein.
„Weißt du Kevin, eigentlich wollte ich immer nur meine Ruhe haben nachdem was passiert war. Ich dachte mir, gut wenn er mir die Schuld daran gibt, seis drum. Ich dachte immer, lass ihn er hat es nicht leicht mit der Situation, irgendwann hört er von allein auf. Sogar die scheiße Heute hätte ich geschluckt,“ wärend ich so teils zu m8r teils zu ihm sprach, drehte ich mich um, ging an meine Zigarettenschachtel und zündete mir eine an, „aber weißt du was, Ich hab keinen Bock mehr drauf.“
Mit diesen Worten drehte ich mich um und Schlug ihm meine Faust ins Gesicht.

Er ging zu Boden. Blut lief ihm aus der Nase, Tränen aus den Augen. Meine Faust schmerzte. Doch überwiegend war dieses Gefühl sich endlich gewehrt zu haben. Ich zog an meiner Zigarette. Die Mischung aus Nikotin und Adrenalin trieb mein Hochgefühl in ungeahnte Dimensionen.
„Du gehst jetzt besser, Und lass mich in Zukunft in Ruhe,“ ich blies ihm mit diesen Worten einen Schwall Rauch ins Gesicht und zog ihm am Arm hoch. Er wischt sich das Blut und die Tränen aus dem Gesicht. Auch er hatte schon wieder dieses Grinsen aufgesetzt. Er kramte in seiner Hosentasche und warf mir einen Gegenstand zu. Zu meiner Überraschung handelte es sich um mein Handy, soweit auf den ersten Blick ersichtlich sogar noch in funktionsfähigem Zustand. Er trat nochmal ganz dicht an mich heran. Ich könnte das Blut und den Schweiß gemischt mit billigem Deo deutlich riechen.
Er kam mit seinem Mund bis an mein Ohr und flüsterte: „Jetzt bin ich mir sicher. Ich nach dich fertig.“
Dann drehte er sich um und ging. Ich musste erst mal tief durchatmen. Langsam löste sich meine Anspannung. Ich blickte auf mein Handy. 1 Neue Nachricht…

  1. SMS

„…somewhere beyond happines and sadnes, i need to calculate, What creates My own madness…“ Meine Playlist lief unvermindert weiter wärend ich wie gebannt seit gefühlten Stunden auf die Nachricht in meinem Handy starrte. Wollte ich sie wirklich lesen? Oder sollte ich sie doch besser einfach ignorieren. Ich war innerlich zerrissen, wusste nicht, welche Reaktion die Richtige wäre. Vielleicht war es eine Chance. Es könnte doch alles wieder besser werden.
"Naiver Idiot“, poltert meine innere Stimme los, „Es kann nie wieder so werden wie früher und das weißt du. Es sei denn…“ Ich unterbrach meinen eigenen Gedanken. Natürlich ist dies keine Option. Was bilde ich mir nur ein. Und doch Tat das Wissen darum so unendlich weh. „Du wirst immer mehr zum Frack“, sprach mit mir selbst, „das hatten wir dich alles schon hinter uns.“

Ja ich hatte das alles schon einmal hinter mir. Die ganzen Vorwürfe, Die Wut, Die Traurigkeit, Das Wissen das es so wie es war mir wieder sein wird. Das es nie wieder sein kann. Und doch haben mir die letzten Wochen extrem zugesetzt. Ein Rückschritt, ein Riss in meiner so stabil geglaubten Mauer. Seit er aus dem Nichts wieder aufgetaucht ist. Und jetzt wieder er. Sein Name in großen Buchstaben auf meinem Display. Er, den ich von all denen die mir einmal Nahe waren am meisten vertraute. Und zugleich der den ich am weitesten von mir wegstoßen musste. Kevin sagte er kennt mich? Wenn Kevin mich schon kennt, Was ist dann mit Patrick?

Schließlich überwand ich meinen Konflikt. Ich war bereit. Tief durchatmen. Es ist nur ein kleiner klick. Mein Finger wanderte über das Display. Ich drückte.
„Wollen sie die Nachricht wirklich löschen?“, stand plötzlich auf dem Display.
„Du willst mich dich verarschen“, schrie ich mein Handy an und warf es auf mein Sofa. Ich schlug mir die Hände vors Gesicht.
„Scheiße man, jetzt drehst du völlig durch“, dachte ich mir. Wieder wanderte meine Hand in Richtung Zigarettenschachtel. „Fuck auch das noch“, entfuhr es mir. Schlimmer könnte es nicht mehr kommen. Totales Chaos im Kopf und nix zu Rauchen mehr da. „Wenigstens hab ich noch genug Kohle daheim“, mit diesem Worten nahm ich meinen Geldbeutel und meine Jacke und machte mich auf dem Weg zum nahegelegenen Automaten. Am schon leicht dunklen Himmel könnte man entfernt Sterne erkennen.

Stern musste man sein, immer nur rumhängen und um nix Gedanken machen. Nur war ich kein Stern. Ich war ein Mensch. Nicht mal ganz 15 und schon mit nen Arsch voller Probleme und mindestens genau so vieler Geheimnisse. Ich lief weiter die Straße entlang. Ab und zu war schon Licht in den Zimmern zu sehen. Mutti und Vatis saßen mit Justus und Annabels am Tisch und dinieren ausgiebig waren Papi das neueste aus der Firma und die Kinder Belanglosigkeiten aus der Schule erzählten. Ich schenkte diesen heile Welt Familien keinerlei weitere Beachtung. Vieles davon ist nur eine Scheinwelt. Was Wirklichkeit ist, wissen meist nicht mal mehr sie selbst.

Nach 15 Minuten Fußweg kam ich an meinem Automaten an. Einer der wenigen, Die noch ohne Altersnachweis funktionierten und dies auch hoffentlich noch lange tun. Ich zog mir eine Schachtel Gauloises und steckte mir auch sofort eine Zigarette an. Langsam trottete ich zurück zu unserem Haus. Nicht über den direkten Weg. Ich weiß nicht warum ich hier lang gelaufen bin. Meine Blicke wanderten über den Vorgarten des schicken Einfamilienhauses. Dort stand ein altes Spielhaus mit Rutsche und Schaukel. Zum ursprünglichen Zweck würde es schon lange nicht mehr benutzt. Vielmehr diente es seit ein paar Jahren nur noch zum chillen. Oder bestenfalls würde darin wild gerangelt. Meine Augen wanderten weiter zum großen Fenster auf der rechten Seite des Hauses. Es war schon relativ Dunkel draußen und trotzdem zog ich mir die Kapuze meiner Jacke tief ins Gesicht.

Ich wollte nicht gesehen werden. Schon gar nicht von ihm. Ich machte Kert, wollte einfach nur noch nach Hause. Doch meine Beine wollten nicht so wie mein Kopf. Nur widerwillig setzte sich mein Körper in Bewegung. So schnell es meine Gliedmaßen erlaubten ging ich zu anderen Straßenseite und ab ins Dunkel. Als ich schon einige Meter entfernt war, drehte ich mich kurz um und blickte ans Fenster. Da Stand er. Seine Augen wirkten wie zwei Flutlichtstrahler in der Nacht. Seine Mine war ernst. Ich sah sofort, dass ihn etwas beschäftigte. Diesen Gesichtsausdruck konnte früher nur ich genau deuten. Und heute sah ich ihn wieder, diesen ernsten und zugleich nachdenklichen Blick. Da durchzuckte es mich wie ein Blitz. Unsere Augen trafen sich ganz kurz. Wie kleine Nadelstiche durchfuhr es mich bei diesen paar Millisekunden Blickkontakt. Ich musste weg hier schnell.

Ich drehte mich um und rannte davon. „Das hasst du jetzt davon,“ Hörte ich den Bastard in meinem Kopf lachen, „jetzt ab nach Hause mit dir und lösch gefälligst die scheiß Nachricht!“ Als ich weit genug vom Haus entfernt war hielt ich kurz inne. Ich atmete noch einmal tief durch. Mein Herz raste immer noch wie wild. Nikotin, mehr Nikotin. Der Dunst breitete sich in meinen Lungenflügeln aus. Meine Gedankengänge beruhigten sich. „Ja vielleicht mach ich das, vielleicht auch nicht,“ stammelte ich vor mich hin, „Wer weiss….“

  1. Schattenwesen

„…schwarz wird ewig existieren, schwarz am Anfang der Zeit….“ Es war kalt. Und es war dunkel. Gerade noch war ich in meinem Zimmer. Nun blickte ich mich um und sah nichts außer die geisterhaften Silluetten alter Bäume. Von überall um mich herum dröhnten Stimmen wie Kriegsmaschinen in meinen Ohren waren das Rascheln des Laubes mich zu verhöhnen schien. Umrissmenschen rannten an mir vorbei und zerrissen mir mit ihren eiskalten Klauen meine Kleidung. Ich sah mich selbst zitternd auf den Boden liegen, Die Beine an den Bauch gezogen und die Hände über den Ohren.

Doch so sehr ich mich auch bemühte, Ich konnte die Geräusche nicht dämpfen. Und je mehr ich es versuchte, desto lauter schienen die Gestalten zu schreien. Sie zerren an mir, rissen mir die wenigen verbliebenen Fetzen Kleidung vom Körper. Ich sah Augen rot wie Rubine gierig funkelnd auf mich hinabstarren. Eine dieser Gestalten kam immer näher an mich heran. Bald bedekte sie mir komplettes Sichtfeld. Ich Schloss die Augen. Ich wollte nur raus aus dieser Welt. Wollte die Gestalten hinter mir lassen. Ich wollte das es aufhört. Als ob die Kreatur meine Gedanken lesen könnte, fing diese plötzlich nur noch lauter an zu lachen. Alles um mich herum lachte. Dann spürte ich eine messerscharfe Kralle meine Brust entlangfahren. Kalt und tödlich. Ich wagte mich keinen Millimeter zu bewegen. Sie spielten mit mir, genossen meine Angst. Jeder Tropfen Schweiß, der mir den Rücken hinunter glitt stimulierte das Wesen nur noch weiter. Die Krallen glitten meinen Bauch hinunter bis zu meiner Narbe.

Ich versuchte zu schreien doch kein Ton entwich meiner Kehle. Der Schmerz war schier unaufhaltbar als meine Narbe Millimeter für Millimeter wieder geöffnet wurde. Ich spürte das Blut, wie es im Rhythmus meines Herzschlages aus dem Schnitt gepumpt wurde. Da sah ich eine weitere Gestellt auf mich zukriechen. Sie war weder schnell noch langsam und doch konnten meine Augen ihre Bewegungen kaum wahrnehmen. Ich sah Zähne aus dem weit geöffnetem Maul ragen. Dann nur noch Schmerzen. Unaussprechliche Schmerzen. Ich schaute auf mich heran. Sah zu wie mein Körper zerstückelt auf dem Boden lag. Ein bis zur Unkenntlichkeit entstelltes Stück Fleisch. Nur das Gesicht war unbeschadet. Aus den leblos wirkenden Augen flossen blutig rote Tränen. Ich hörte die Gedanken meines geschundenen selbst wie eine Anklage in meinem Hirn donnern:“ Ich hoffe, du bist jetzt zufrieden. Du bist Schuld, nur du!“ Der Satz halte wie ein Echo in meinem Kopf.

Unter tosenden Gelächter verschwanden die Gestalten wieder, verschmolzen mit der Umgebung, wurden wieder Finsternis. Ich lag wieder in meinem Bett. Die blutigen Wunden geheilt. Ich gleitet von oben wieder zurück in meinem Körper. Ich betrachtete meine Arme, meine Hände. Als ich mir sicher war, dass wieder alles in Ordnung war, seufzte ich auf. Meine Blicke wanderten zur Decke. Dort blieben sie an einem Punkt haften, Der mir fremd zu sein schien. Ich kniff die Augen zusammen und versuchte zu erkennen was das war. Immer stärker konzentrierte ich mich auf diesen einen Punkt. Bis ich bemerkte, Das es zwei Punkte waren. Wie im Zeitraffer würden aus den Punkten zwei grüne Smaragte, die in Lichtgeschwindigkeit auf mich Zurasten. Ein riesiges Maul öffnete sich und verschlang mich. Ein letzter Schrei Drang aus meinem Hals.

Ich schreckte auf. Klatschnass lag ich auf der ebenso durchnässten Matratze. Seit einer guten Woche schlafe ich schon sehr unruhig, noch unruhiger als sonst. Ich nahm mein Handy um die Urzeit abzulesen. 01:30 Uhr. Ich hatte ja öfters Albträume. Aber dieser hat so ziemlich alles getoppt. Ich stand auf und entledigte mich meiner nassen Unterhose. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, würde ich sagen, Ich hab mich vollgepisst, so nass war sie. Ich ging runter ins Bad um mir ein Handtuch zu holen. Auf dem Weg dorthin kam ich am großen Spiegel im Flur vorbei. Traurig betrachtete ich diese verdammte Narbe. Ich Taste sie ab. Sie Tat mir heute irgendwie mehr weh als sonst.

Abgetrocknet und mit frischer Unterwäsche legte ich mich zurück ins Bett. Nich einmal starrte ich auf mein Handy. Mittlerweile sind noch 4 Nachrichten von Patrick hinzu gekommen. Auf keine hab ich bisher geantwortet. Ich starrte weiter Löcher in die Luft. An schlafen war heute nicht mehr zu denken. Ich weiß nicht mehr ob es Müdigkeit oder irgend ein anderer Impuls war. Nach einer Weile tippte ich einen kurzen Satz. „okay, reden wir….“ Und drückte auf senden.

Sorry wenn ich die Rechtschreibungmanchmal etwas aus dem Blick verlier. Aber das ganze aus dem englischen zu Übersetzten und gleichzeitig jugendfrei zu Gestalten ohne inhaltlich zu viel zu verändern fordert ganz schön.

  1. Reden ist Silber….

„…ich bin Lazarus, Ich kann nicht gehen, so bleibt nur das fliegen,….“ Oswald Henke schaffte es immer wieder mich auf andre Gedanken zu bringen. Auch wenn mich manche seiner Textpassagen leicht überforderten, so regten sie mein Gehirn doch immer wieder an über wichtigere Dinge nachzudenken. Dieses mal fiel es ihm aber besonders schwer. Und obwohl er es letztendlich doch schaffte meine Gedankenwelt zu stabilisieren, komplett konnte er das flaue Gefühl im Magen nicht abschalten.

Ich hatte schon die Nacht davor ziemlich unruhig geschlafen. Diesmal hielten mich aber nicht irgendwelche Albträume wach, sondern meine Aufregung. Warum ich so Aufgeregt war weiß ich selbst nicht. Es gab mal eine Zeit, da war es das Normalste auf der ganzen Welt das wir uns trafen und etwas unternahmen. Doch diese Zeit ist seit gut eineinhalb Jahren vorbei. Ich hatte auch lange mit mir gerungen, ob ich mich den überhaupt mit ihm treffen wollte. Vor gut einer Woche hatte ich dann in einem Zustand zwischen Einsamkeit, Angst und Müdigkeit einem treffen zugestimmt.

Seitdem ging die ein oder andere Nachricht hin und her. Ich hab natürlich versucht meine Zustimmung zu dem Treffen rückgängig zu machen, doch es half nichts. Wir verabredeten uns schließlich für heute Nachmittag in der nächsten Großstadt am Bahnhof um irgendwo hin zu gehen wo uns niemand kennt und wir ungestört reden konnten. Patrick hatte ein Cafe vorgeschlagen, In dem er mal mit seinem Eltern war. Und auch wenn ich nicht so auf Cafés stand, und das vor allem etwas von „Datekarakter“ bekommen würde, willigte ich ein.

Ich stand also früh auf, duschte mich ausgiebig und, aus welchem Grund auch immer, rasierte mich an gewissen Stellen. Als ich mich dann dabei ertappte, wie ich verzweifelt meine guten CK Unterhosen suchte, war ich schon wieder kurz davor unser TREFFEN abzublasen. Ich schlug mir die Faust gegen die Stirn.
„Komm runter man, ihr trefft euch nur um zu reden. Es hat nichts aber auch gar nicht mit nen Date oder irgend so was zu tun“, redete ich mir Mantraartig immer wieder selbst ein, „Außerdem ist er ein Junge und dein bester……ex bester Freund.“
Der Bastard in meinem Kopf macht es mir manchmal echt nicht leicht. Ich öffnete mein Fenster, setzte mich auf die Fensterbank und ertränkt meine innere Stimme erst mal in Nikotin. Nachdem ich wieder ein Stück weit normal war, sofern man das überhaupt von mir behaupten kann, schaffte ich es schließlich mich anzuziehen. Wohlgemerkt ohne in ein „hach was zieh ich nur an“ Gehabe zurück zu fallen. Zurecht gemacht wie ich war ging ich in die Küche um mir noch einen Kaffee zu genehmigen. Zu meiner Verwunderung war meine Mom schon wach und saß am Tisch.

„Musst du in allerherrgottsfrüh schon wieder nach Rauch riechen?“, blaffte sie mich an.
„Dir auch einen wunderschönen guten Morgen Mama. Was machst du denn schon auf?,“fragte ich sie ohne weiter auf ihre, vermutlich sowieso rethorische, Frage zu antworten. Stattdessen ging ich an den Kaffeeautomat und ließ mir einen Espresso raus.
„Dein Herr von und zu Vater holt gerade den ganzen Frankenwald ab. Hatte gestern mal wieder zu viel getrunken. Was hast du eigentlich vor? Hast dich ja ganz schön rausgeputzt. Hast wohl ein Date?“, sie konnte ihr Grinsen kaum verbergen. Meine Eltern machten sich immer einen Spaß daraus wenn ich Mädchen mit nach Hause brachte. Sie kamen dann mit irgendwelchen dummen Sprüchen von wegen Verhütung und nicht so laut und so weiter. Meistens wäre ich da am liebsten vor Scham im Boden versunken. Seit ich mich jedoch zurück zog würde auch „Damenbesuch“ seltener, Was vor allem mein Herr Stiefvater dazu nutzte meine ganze Sexualität in Frage zu stellen. Umso erfreute war meine Mutter als sie mich gut zurecht gemacht an einem Samstagmorgen aufbruchbereit vorfand. Mütter halt.
„Ich Treff mich nur mit jemanden, nichts weiter. Ihr braucht übrigens nicht auf mich zu warten, könnte spät werden,“ sprach ich zu ihr und kippte den kleinen Koffeinkick hinunter, „ich muss dann auch los. Machs gut, Mom!“
„Spätestens um 10 bist du wieder da!“, rief sie mir noch knapp hinterher.

Nach 20min Busfahrt und 2 Bier mehr im Rucksack saß ich nun endlich im Zug und lauschte mit flauen Gefühl im Magen den lyrischen Ergüssen von Gothes Erben. Ich würde noch mindestens eine Stunde hier so sitzen und die vorbeifliegende Landschaft anstarren. Oder die anderen Leute im Zug beobachten wie sie ihrem eigenen Treiben nachgehen ohne ihrer Umwelt wirklich bewusst zu werden. Schon nach wenigen Minuten widmete ich mich wieder der Landschaft. Im Zug selbst gab es nichts und niemanden, der mein Interesse weckte. Mein Magen beruhigte sich langsam etwas, obwohl ich innerlich so aufgeregt war wie heute Morgen. Ich starrte auf die Uhr in meinem Zugabteil, immer und immer wieder. Erst war es 10:49 dann 11:05 dann 11:13. Noch 20 Minuten bis ich mich zum ersten mal seit langem wieder mit ihm treffe. Das erste mal seit fast eineinhalb Jahren. Mit jeder Minute wuchs meine Anspannung wieder. Nicht mehr lange und er wird die Wahrheit wissen wollen…und wieder begann ich zu zweifeln ob das wirklich richtig ist….

  1. Bankgespräch

„…so fern, nur blind bemerkt man den eigenen Mut, springt in die Leere und füllt sie mit Blut…“ Der Zug stoppte mit lautem gequietsche an den Bahnsteigen meines Zielbahnhofes. Sofort bildete sich eine Menschentraube an der Abteiltür, die sich wie beim öffnen jener Türen wie eine Splitterbombe in sämtliche Richtungen verteilte. Ich war der letzte, der sich aus dem unbequemen Stühlen erhob und nach draußen ging. Eilig hatte ich es nicht. Eine Mischung aus Angst und Vorfreude breitete sich in mir aus. Meine Knie begannen weich zu werden, dass Atmen fiel mir mit jedem Schritt ein bischen schwerer. Ich wusste immer noch nicht, ob es wirklich so eine gute Idee war hierher zu kommen um mit Patrick zu reden. Schließlich hatte ich ihn, meinen besten Freund, damals sehr verletzt. Aber ich hatte ja keine Wahl. Ich könnte ihm nicht die ganze Wahrheit sagen. Ich kann es auch jetzt nicht. Meine Hoffnung bei diesen Treffen war nur, dass er verstehen würde und wir vielleicht wieder etwas näher zueinander finden würden. Ich dachte immer, Ich würde niemanden mehr brauchen. Doch da lag ich entsetzlich falsch. Das haben mir die letzten Wochen und Monate eindrucksvoll vor Augen geführt.

Ich ging also den Menschüberladenen und für mich schier endlos scheinenden Fluren des Bahnhofs entlang hinaus ins Freie. Die Sonne knallte mit all ihrer Wucht auf meinem Schädel. Taxis führen Kreuz und quer über das Bahnhofsgelände. Busse fuhren vor dem Bahnhof an und auch wieder ab. Feine Herren in Anzügen drängten sich genauso wie Familien mit Kindern oder irgendwelche abgefuckten Penner über den Vorplatz. Ich lies mich auf einer Bank nieder, zündete mir eine Kippe an, genoß die warmen Sonnenstrahlen auf meiner Haut und wartete auf Patrick.

Mein Handy vibrierte. Eine neue Nachricht. „Wo bist du?“, war ihr kurzer Inhalt. „Bin auf ner Bank vorm Bahnhof“, schrieb ich zurück. Keine 10 Sekunden später: „Bin in 5 Minuten da.“ Mir wurde langsam wieder etwas mulmig zumute. „Was wenn es doch ein Fehler war und er es einfach nicht versteht,“ dachte ich ohne zu merken das ich diesen Satz laut ausgesprochen hatte.

„Es geht mich zwar nichts an aber wenn du es nicht versuchst kann er es ja nicht versteht,“ hörte ich plötzlich eine Frauenstimme neben mir sprechen. Ich war wieder mal so in meinen Gedanken vertieft, dass ich nicht merkte wie sich eine Junge dunkelhäutige Frau neben mich setzte. „Verzeihung, Ich wollte nicht lauschen, Aber du siehst so mitgenommen aus da dachte ich ein gutgemeinter Rat könnte nicht Schaden,“ fuhr die Frau fort. Ich war verwirrt, vielleicht auch etwas verärgert. Ich hatte nicht vor hier mit irgendeiner wildfremden Person über etwas zu sprechen was dieser nun wirklich gar nichts angeht. All zu unfreundlich wollte ich aber auch nicht werden, denn wie sie schon gesagt hat, Es war ja nur gut gemeint. „Danke“, presste ich kurz hinter meinen halb verschlossenen Lippen hervor, für mich war die Sache damit erledigt. Für mich ja, für sie nicht.

„Weißt du Junge, Ich weiß wie es sich anfühlt wenn man etwas für sich behalten muss. Es frisst einen innerlich auf. Man versucht zu vergessen und zu verdrängen aber es kommt immer wieder hoch. Hier in Deutschland sagt man die Zeit heilt alle Wunden, Aber das tut sie nicht. Ich habe Jahre gebraucht bis ich endlich jemanden gefunden habe mit dem ich reden kann,“ erzählte sie weiter ob es mich interessierte oder nicht. Ich wollte das ganze nicht hören. Ich hatte genug mit meinen eigenen Problemen zu tun. Wie sollte ich mich auch noch um die Belange anderer kümmern. „Hier ich zeig dir was“, sagte sie und hob wie aus dem Nichts ihr Top hoch. Ich spürte, wie die Röte mir ins Gesicht schoss als sich diese zugegebenermaßen sehr hübsche Junge Frau neben mir in aller Öffentlichkeit ihr Körper präsentierte. Ich könnte mich jedoch nicht ganz zurückhalten und schaute sie aus dem Augenwinkel an. Doch was ich sah ließ mich erschaudern.

Ihr kompletter Körper war mit weißen, mittlerweile verheilten Narben übersät. Kaum ein Quadratzentimeter ihrer Haut war unverletzt. So etwas hatte ich noch nie gesehen. „Weißt du“, fuhr sie fort wärend sie ihr Oberteil wieder über zog, „da wo ich herkomme werden Christen immer noch verfolgt. Unsere Häuser werden verbrannt, Die alten getötet, die Jungs meistens auch. Wir Mädchen sind noch schlimmer dran.“ Ich sah wie sich das Wasser in ihren nussbraunen Augen sammelte. Mir steckte ein Kloß im Hals. Natürlich liest man immer wieder davon, es aber aus erster Hand zu hören war nochmal was ganz anderes.
„Um selbst zu leben hab ich etwas unverzeihliches getan. Ich bin ihnen entkommen und hab meine Schwester bei diesen Monstern gelassen. Ich weiß nicht mal, ob sie noch lebt. Ich war noch so jung. Aber jetzt bereue ich es so sehr. Ich hab mich so sehr dafür geschämt. Aber ich kann es nicht mehr rückgängig machen. Und irgendwann muss ich das vor meinem Schöpfer verantworten. Ich hoffe er verzeiht mir.“ Dicke Tränen liefen von ihren Wangen. Auch ich spürte, wie meine Augen feucht wurden.

„Wieso erzählen sie mir davon?“, fragte ich sie. Doch anstatt mir zu antworten, zeigte sie mir die Innenseite ihres Armes. Es waren 3 deutlich sichtbare längliche Narben zu sehn. Da Verstand ich. Ich nickte ihr zu.
„Kein Geheimnis der Welt sollte wichtiger sein als das eigene Leben. Wenn meine Geschichte hilft jemanden vor den gleichen Fehlern zu bewahren, ist das vielleicht ein kleines bisschen Buhse für meine eigenen Sünden. Bitte denk an meine Worte.“ Mit diesem Satz stand sie auf und ging. Ich wurde wieder nachdenklich. Würde ich irgendwann auch diesen Weg gehen? Weich nicht schon einmal fasst so weit? Gedanken über Gedanken huschten durch meinen Kopf.
„Hallo, Erde an Felix….“

Schöne Geschichte und gut geschrieben, endlich gibts auch ein paar mehr Hintergrund Infos. Ich fand es bis hier etwas langatmig. Um sich anfangs besser in die Hauptfigur hinein zu versetzen war es ein wenig zu weit gezogen.
Sonst aber schön flüssig zu lesen, freu mich auf mehr :flag: