Nobelpreise 2015

In dieser Woche werden die Träger der diesjährigen Nobelpreise bekannt gegeben. Heute: Der Nobelpreis für Medizin.

Er geht zur einen Hälfte an den Iren William C. Campbell und den Japaner Satoshi Ōmura, zur anderen Hälfte an die Chinesin Youyou Tu. Alle Preisträger haben sich um die Behandlung parasitärer Krankheiten verdient gemacht, und viele Menschenleben, vor allem in ärmeren Ländern, konnten mit ihren Entdeckungen gerettet werden. Somit werden 2015 bedeutende Fortschritte der Tropenmedizin gewürdigt.

Ōmura hatte in Bodenproben Bakterien gefunden, die Wirkstoffe gegen Würmer produzieren. Campbell entwickelte mit diesen Substanzen Medikamente gegen tödliche Krankheiten wie Flussblindheit oder das Elefantenmann-Syndrom, die sich über Fadenwürmer in den menschlichen Körper einschleusen. Dank der neuen Medikamente sind diese Infektionskrankheiten nun auf dem Rückzug. Insbesondere gegen die Flussblindheit genügt zur Vorbeugung inzwischen eine Tablette pro Jahr, dementsprechend ist sie in manchen Ländern nahezu verschwunden.

Youyou Tu ist eine der führenden Vertreter der Traditionellen Chinesischen Medizin. Sie isolierte aus dem einjährigen Beifuß den Wirkstoff Artemisinin, der die Grundlage aller wichtigen Medikamente gegen Malaria darstellt. Auch hier sinken die Toten dieser noch weit verbreiteten Tropenkrankheit stetig.

Weitere Infos gibt es hier: deutschlandfunk.de/medizin-n … _id=332969

Ich finde die Nobelpreise an und für sich eine sehr tolle Sache und ich traue den Jurys auch zu, möglichst objektiv zu bewerten, wobei es schon schwierig ist Erfindungen und Fortschritte gegeneinander aufzuwiegen. Jedoch hat der Friedensnobelpreis bei mir ordentlich an Ruf verloren, seit sie Obama und der Europäischen Union einen verliehen haben und Edward Snowden ungeehrt bleibt. (Naja, zumindest gab es für ihn den alternativen Nobelpreis^^)

Da is was dran … Passenderweise spekuliert man jetzt inzwischen auch, ob evtl. Angela Merkel der Friedensnobelpreis verliehen wird:
deutschlandradiokultur.de/fr … _id=333003

Ob das eintritt, werden wir ja am Freitag sehen :smiley:

Der Nobelpreis für Physik wurde heute verliehen an den Japaner Takaaki Kajita und den Kanadier Arthur B. McDonald. Ihnen ist der Nachweis gelungen, dass Neutrinos eine Masse besitzen - was weitreichende Folgen für das physikalische Weltbild und die Forschung haben dürfte.

Neutrinos sind elektrisch neutrale Elementarteilchen, die zu den häufigsten Teilchensorten im Universum gehören und mit der kosmischen Strahlung auf die Erde kommen. Da sie kaum Wechselwirkung mit Materie zeigen, durchdringen etliche Billionen von Neutrinos pro Sekunde den menschlichen Körper spurlos - und auch die Erde. Dementsprechend große Geschütze müssen aufgefahren werden, um sie nachzuweisen.

Theoretische Vorhersagen sagten allerdings etwa dreimal so viele Neutrinos voraus, wie tatsächlich auf der Erde gemessen wurden. Der Fehler: Es gibt 3 Neutrino-Varianten (sog. Elektron-, Myon- und Tau-Neutrinos), und die gebauten Detektoren konnten jeweils nur eine Neutrinoart messen. Die entscheidende Idee: Neutrinos können sich während ihrer Existenz von einer Neutrinoart in eine andere Neutrinoart umwandeln. Physiker nennen dieses theoretische Konzept “Neutrinooszillation” - und genau diesen Vorgang konnten Kajita und McDonald zusammen mit ihren Teams in aufwändigen Experimenten bestätigen.

Die Folge: Nach der Quantenphysik können sich Teilchen nur verwandeln, wenn sie eine Masse besitzen. Damit steht das Ergebnis aber im Widerspruch zum herkömmlichen Standardmodell, dass die Grundlagen unserer Welt zu beschreiben versucht und Neutrinos gerade keine Masse zuspricht. Das heute ausgezeichnete Forschungsresultat weist also darauf hin, dass die Physik mit ihrer Erforschung der Welt noch längst nicht am Ende ist und weitere Theorien gebastelt werden müssen…

Ausführlichere Informationen gibt’s hier: deutschlandfunk.de/physik-no … _id=333103

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an den Schweden Tomas Lindahl, den US-Amerikaner Paul Modrich und den Türken Aziz Sancar. Ausgezeichnet werden die Wissenschaftler “für mechanistische Studien der DNA-Reparatur”. Ihre Arbeiten bringen nicht nur die Grundlagenforschung in diesem Bereich voran, sie sind auch wegweisend für die Herstellung von Krebsmedikamenten.

Unsere DNA ist ständig Beschädigungen ausgesetzt, z.B. durch UV-Strahlung. Damit die defekte DNA keine Schäden im Körper anrichtet, etwa indem Proteine falsch synthetisiert werden, müssen die Stränge repariert werden. Diese Aufgabe übernehmen z.B. Enzyme, die einzelne defekte Basen entfernen und ersetzen. Es gibt noch weitere Mechanismen der DNA-Reperatur, für deren Beschreibung die drei Forscher nun den Nobelpreis erhalten.

Infos gibt’s auch hier: deutschlandfunk.de/chemie-no … _id=333154

Für den diesjährigen Nobelpreis für Literatur gab es eine klare Favoritin, nun ist es Gewissheit: Swetlana Alexijewitsch aus Weißrussland erhält die hochdotierte Auszeichnung “für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt”, wie es in der Begründung heißt. Die gelernte Journalistin entwickelte einen eigenen Stil innerhalb der Dokumentarliteratur und lebt als Oppositionelle in Minsk.

Alexijewitsch behandelt in ihren Büchern äußerst politische Themen wie den Afghanistankrieg oder den sowjetischen Sozialismus. Oft befragt sie eine Vielzahl von Betroffenen und Augenzeugen, um Zeitgeschichte nachzuzeichnen und der Wahrheit in einer Collage verschiedener Aussagen näherzukommen. Dafür musste sie in ihrer Heimat Weißrussland, der letzten Diktatur Europas, einige Unannehmlichkeiten auf sich nehmen: In den 80ern etwa wurde sie von der Zensurbehörde beschuldigt, die Ehre des Großen Vaterländischen Krieges beschmutzt zu haben, noch heute sind ihre Bücher dort offiziell verboten.

Schon früher wurde Alexijewitsch in Deutschland mit Preisen ausgezeichnet, so wurde ihr 2001 der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis und 2013 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Auf Deutsch erschienen u.a. Der Krieg hat kein weibliches Gesicht oder Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft.

Weitergehende Infos gibt’s z.B. hier: deutschlandfunk.de/literatur … _id=333295
Die SZ liefert hier ein Porträt der Autorin: sueddeutsche.de/kultur/liter … -1.2683449

Ha! Der Friedensnobelpreis geht nach Tunesien eher gesagt an ein gewissen Quartett, was durch Verhandlungen die Einigung in der Demokratie in Tunesien ermöglichte und somit einen Bürgerkrieg verhinderte.

Quelle: zeit.de/politik/2015-10/frie … -2015-live

Dass Merkel zu den Kandidaten für den Preis gehörte kann ich ganz und gar nicht verstehen. Immerhin sorgt sie ja seit 2009 für Zwietracht innerhalb der EU durch ihre Finanzpolitik und die Flüchtlingskanzlerin ist sie erst seit ein paar Wochen. Vorher war sie die oberste Verfechterin des Dublin-Abkommens und hat jede Hilfegesuche der südlichen EU-Länder in der Flüchtlingsfrage, die sich schon 2010 gemeldet haben, abgelehnt.

Verstehe nicht, warum Snowden einen Friedensnobelpreis hätte bekommen sollen. Ich finde es ja auch ganz gut, das da mal einer ein paar wesentliche Dinge aufdeckt aber meiner Meinung verdient das keinen Preis, der irgendwie mit Frieden assoziiert wird. Ja gut, die Verleihung an die EU und Obama sind genau so wenig zu verstehen. Oder übersehe ich den Beitrag für den Weltfrieden, den E. Snowden geleistet hat?

Naja, Frieden muss ja nicht immer etwas mit Krieg zu tun haben. Frieden hat keine feste Definition. Ergo kann man sagen, er habe unter Einsatzes seines Lebens versucht den alltäglichen Frieden der Menschen zu schützen, indem er sie über die massenhafte Verletzung ihrer Rechte aufklärte.

Ich verstehe nun tatsächlich besser, wie das gemeint ist. Humoristisch könnte man allerdings fragen, wie viele Menschen er mit seinen Enthüllungen in Aufregung und Unfrieden gestürzt hat.
Seine Taten sollten irgendeine Würdigung erfahren können…

Ich bin auch froh, dass es in diesem Jahr einen Preisträger gibt, der sich tatsächlich und nachweislich um den Frieden bemüht hat, und mit dem wohl auch die wenigsten gerechnet hatten. Wenn demokratischer Dialog dazu beiträgt, einen Krieg zu vermeiden oder zu verhindern, ist das durchaus einen Friedensnobelpreis wert. Ganz im Gegensatz zu den Vorschusslorbeeren, die man Merkel vergeben hätte; 2016 oder 2017 könnte man darüber vielleicht noch einmal nachdenken, wenn sich dann evtl. gezeigt hat, ob “wir” “es” tatsächlich “geschafft” haben.

Geht mir genauso! :dito: