Nicht-inklusive Sprache als Basis für Genozid?

Evtl. ist Euch aufgefallen, dass in vielen öffentlichen Medien sehr bemühter Umgang mit inklusiver Sprache ist: Statt Forumteilnehmer wird beispielsweise Forumteilnehmer*innen geschrieben.
Denn das generische Maskulinum ist potentiell diskriminierend und kann als Mikroaggression aufgefasst werden.
Manche argumentieren, dass dies der/die erste Schritt(e) sind auf dem Weg zum Völkermord, das sagt die “Pyramide des Hasses”: https://www.adl.org/sites/default/files/documents/pyramid-of-hate.pdf

Nun hat genau so eine Diskussion bei der Firma Basecamp dazu geführt, dass ein drittel der Mitarbeiter (oder Mitarbeiterinnen) gekündigt hat, und es zu einem PR-Desaster ausartet. 🚨 How Basecamp blew up - Platformer

Ich frage mich dabei, was hätte man da besser machen können. Und das fällt mir extrem schwer.
Ich kenne bisher bspw. nicht eine Frau, die sagt “ohja seit ich in der Zeitung von Leser*innen” lese, habe ich viel mehr Power und fühle mich besser und bin glücklicher.

Bei Basecamp wird das Gehalt nach Erfahrungsstufe bezahlt. Das ist sehr transparent. Nun ist es so, dass relativ viele Mitarbeiter mit einer nicht-weissen Hautfarbe ein geringeres Erfahrungslevel haben. Damit verdienen die weniger. Nun wird argumentiert, dass das geringere Bildungs- und Erfahrungslevel ja direkte Konsequenz von Diskriminierung sei, und man das kompensieren müßte. (Wir befinden uns dabei schon in der Mitte der Hasspyramide “economic discrimination”.)
Wäre es gerechter, Mitarbeiter nicht nach (potentieller) Leistung zu bezahlen, sondern nach einem Wert, der berücksichtigt, dass die Person (behauptet) geringere Chancen hatte?

Kann man die Welt gerecht machen, ohne, dass daraus neue Ungerechtigkeiten und eine Spaltung der Gesellschaft resultiert? Und wie könnte das aussehen?

Tut mir leid, aber ich versteh gerade nicht den Zusammenhang zwischen dem Basecamp-Fall und deinem Thread. Ging es bei Basecamp nicht um die “lustige Namen”-Liste für Kunden?

Es geht beim Gender ja nicht nur um das “Och, die haben mit ja mitgemeint – voll süß von denen”, sondern noch etwas ganz anderes. Dafür verweise ich gerne auf meinen Website-Artikel " BlackLivesMatter: Wir benennen unsere git branches um":

Kritiker der oben beschriebenen Umbenennungsaktionen merken an, dass solche Gesten und Worte nett seien, aber keine politischen Lösungen herbeiführen. Die Kritik ist nicht von der Hand zu weisen, allerdings wird hier der Aspekt außer acht gelassen, dass kollektiv als Gesellschaft ein sprachlicher Wandel und somit ein Paradigmenwechsel herbeigeführt werden kann.

Man sagt nicht umsonst “Sprache beeinflusst unser Denken”. Soziologen erhoffen sich damit, dass wir nicht nur unsere Worte per se mit Bedacht wählen, sondern auch generell darüber nachdenken, wie wir mit Menschen aus marginalisierten Gruppen umgehen – auch dafür erhöhen wir die Sichtbarkeit.

Bei Basecamp oder generell? Hast du dafür eine Quelle/Statistik?

Und jetzt noch einmal zu deinem unnötig reißerischen Titel: Was hat das Ganze mit Genozid zu tun? Wenn du damit meinst, dass sich alte weiße Männer über “Gendergaga” aufregen (“Spaltung der Gesellschaft”), dann ist das Verharmlosung von echtem Genozid.

Ich hab das Gefühl, dass Du den verlinkten Artikel nicht gelesen hast, und daher dein Problem mit dem Verstehen rührt. Kann das sein?

Ich kann natürlich nur für mich persönlich sprechen. Mir ist das Geschlecht in der Regel gleichgültig. Wenn ich von “Studenten” oder “Studierenden” lese, ist das semantisch kein Unterschied zu Student*innen.
Beim Schreiben ist das irgendwann vermutlich “drinn”, mach keine Mühe, verursacht kein Nachdenken, sondern es ist ein Token oder Symbol, eben ein Wort, mit dem ich etwas ausdrücke. Wenn es dann alle so machen, wird man sich was neues ausdenken müssen, wenn der Zweck innehalten und reflektieren zu forcieren ist.

Ich bezog mich auf Basecamp Daten aus einer anderen Diskussion auf hn.

Ich finde das eine sehr aggressive und verletzende Aussage von Dir. Du unterstellst mir damit eine Intention und Handlungen, wogegen ich mich nicht wehren kann.

Es handelt sich bei dem Titel um eine stark verkürzte Aussage derjenigen, die bei Basecamp gekündigt haben, mit genau der Begründung, dass die Namensliste selbst der Grundstock für Genozid ist und sich in der Diskussion mit der Firmenleitung dann nicht ernst genug genommen gefühlt haben. SIe haben weinend und schreiend vor dem Rechner gesessen, als die Firmenleitung sich lediglich von der Liste distanziert hat, zugesichert hat, weiterhin für Inklusion zu sein und aktiv gegen Diskriminierung vorgehen zu wollen. Aber im gleichen Zuge gesagt hat, dass sie glaubt, dass solche Diskussionen nicht konstruktiv auf der Infrastruktur der Firma (in der Arbeitszeit) geführt werden kann und daher Mitarbeiter ermuntert hat, sich weiter für Inklusion einzusetzen, aber keine politischen Diskussionen mehr im Arbeitsumfeld zu führen.

Der Anlass meines Threads war die Hoffnung, dass jemand beantworten kann, wie man es richtig machen würde. Wie Gerechtigkeit hergestellt werden kann ohne zu diskriminieren oder die Gesellschaft zu spalten.

Weiterhin bin ich an Kommentaren interessiert, die mich da weiter bringen würden.

Meine Wortwahl war wertend und ein bisschen über das Ziel hinaus. Ich wollte dich damit nicht verletzen. Ist dies wider meine Intention geschehen, biete ich dahingehend um Entschuldigung. Jedoch bin ich gegen Clickbait geradezu allergisch. Und ich habe das Gefühl, du stellst nur unzureichend den Zusammenhang zwischen deinen Links und deinen Text her. Das Wort “Genozid” habe ich quasi “durch Zufall” in der von dir verlinkten Pyramide gefunden. Im Text selbst erwähnst du mit keinem Wort, wie du auf den Thread-Titel kommst.

Inwiefern würdest du dich wehren wollen? Du kannst frei äußern, dass du dich durch meine Worte verletzt fühlst – und siehe da: Ich habe mich entschuldigt. Ob das die Reaktion ist, die du dir gewünscht hast, musst du entscheiden.

Hätte ich den Artikel nicht gelesen, wüsste ich nicht von der “lustige Namen”-Liste. kann das sein? Wenn du meintest, ich habe den Artikel nicht vollständig gelesen, dann hast du damit recht. Ob du den Artikel gelesen hast, lässt dein Text allerdings, wie oben erwähnt, durch den fehlenden Bezug jedoch eben sowenig erkennen. Von daher ist es für mich schwierig, zu erkennen, was du mit diesem und jenem meinst, wenn du es nur kurz anreist, ohne zu erwähnen, wie du darauf kommst.

Ich stimme der Aussage insofern zu, dass ich glaube, dass spontane politische Diskussion am Arbeitsplatz gefährlich sein kann. Wenn ein Mitarbeiter ein Nazi ist und ein anderer linksextrem, dann können die das aus Unternehmenssicht in ihrer Freizeit gerne sein, aber hitzige Diskussionen und Differenzen unter den Mitarbeitern halten die Arbeit auf und tun dem Arbeitsklima nicht gut.

Was ich jedoch wichtig finde, ist politischen Diskussionen einen Rahmen zu geben. Gute Beispiele dafür sind generell dieses Komitee, das Basecamp da hat und auch Anregungen zu Diskussionsrunden, zu Themen, die das Unternehmen als solches Betreffen, sodass man zu gegebenen Zeitpunkt zusammenkommen und sich als Team unternehmensphilosophisch ausrichten kann.

Erstaunlich, wie Du es schaffst, dich gleichzeitig vordergründig zu entschuldigen, um nur direkt danach dein Handeln noch zu intensivieren und mir clickbait zu unterstellen.
Das hilft mir in sofern, als ich dass ich mir jetzt besser vorstellen kann, wie man sich durch Mikroagressionen diskriminierte Person fühlt. Aber ich denke nicht, dass das Deine Intention war. Ich bekomme eher das Gefühl, dass Du bei Deiner Ausdrucksweise nicht achtsam bist, und nur von Dir als Maß der Dinge ausgehst.

Im Nachhinein ist das eben schwer, sich gegen solche Mikroaggressionen zu wehren, denn dann ist es ja schon passiert.

Dann ist es aber bereits passiert!

Klingt für mich übrigens genau nach einer Parallele zu dem, was sich im Kontext der systematischen Diskriminierung immer wieder ereignet. “Dann entschuldige ich mich halt mal”. Aber kein Wort darüber, dass man innegehalten hat, nachgedacht hat, was man angerichtet hat, und wie man das in Zukunft besser machen wollte. Im übrigen ist es dann auch Sache des Opfers, wie es damit umgeht. Im Prinzip ist es ja auch das Opfer selbst schuld, wenn es sich angegriffen fühlt. Da schwingt für mich Victim Blaming mit.

Ok, also diskutierst Du munter drauf los, ohne die gesamten Fakten zu haben. Interessanter Ansatz. Ich selbst hätte da Sorge, dass mir ein Erkenntnisgewinn entgeht. Ich diskutiere ja nicht, um zu zeigen dass ich toll diskutieren kann oder “gewinne”, indem der andere aufgibt. Es geht mir ja um Erkenntnisgewinn.

Das war der Kristallisationspunkt, mit dem alles begann:

The first part of the meeting was devoted to discussing the events that had unfolded in the company’s internal Basecamp chat last month, in which an employee had cited the Anti-Defamation League’s “pyramid of hate” to argue that documents like the “funny” names list laid a foundation that contributes to racist violence and even genocide.

Schaut man sich die Pyramide dann an, sieht man, dass die inklusive Sprache auf unterster Ebene ist. Vielleicht wirfst Du einen Blick auf die Grafik.
Ich habe jetzt nicht alle Twitter und hn Threads verlinkt, in denen eben diese Aspekte ebenfalls diskutiert wurden, und die mich veranlassten, diesen Thread zu starten. Ich hoffe, dass ich mich Dir gegenüber nunmehr genug gerechtfertigt habe, und Du von weiteren ad-hominem Angriffen absehen kannst.

Ich würde mich viel mehr über konstruktive Beiträge zu dem Thema freuen, die einen echten Erkenntnisgewinn liefern.

Wobei der Thread mir insofern tatsächlich schon geholfen hat, mich besser in die Rolle der Opfer einzufühlen.
Ich glaube ich würde es daher auch zur Policy machen, dass politische Themen nicht auf der Arbeit diskutiert werden dürfen, da die Sensitivität des Themas sehr schnell dazu führen kann, dass es destruktiv wird, wenn nicht alle Teilnehmer achtsam sind.

Da mein Englisch zu schlecht ist, um die verlinkten Artikel richtig zu verstehen, kann ich nur auf das, was du geschrieben hast, Bezug nehmen.

Zum Thema Einkommensunterschiede verstehe ich es in der aktuellen Diskussion so, dass es nicht um den direkten Unterschied zwischen den Geschlechtern beim gleichen Job geht, sondern dass Branchen in denen vermehrt weibliche Personen arbeiten (Pflege, Soziales,…), schlechter bezahlt werden, als Branchen in denen klischeemäßig eher Männern tätig sind (Informatik, Anwalt,…).

Gendern ist nach meinem Verständnis eine Möglichkeit, das “Sie sind ja mitgemeint” klarer darzustellen, da ein mitgemeint nicht automatisch mitgedacht ist. Wenn man einem Kind bittet, 3 Polizisten zu malen, wird es in der Regel 3 männliche Polizisten malen.

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