Mystic Love - Die geheimen Akten

Sehr schön, dass man wieder etwas mehr von dir lesen kann :slight_smile: freut mich sehr.

:flag: sehr cool, ich freue mich!

Herzlich Willkommen zur zweiten geheimen Akte aus dem “Mytsic Love”-Universum!
In der zweiten Geschichte geht es allen voran um die CODA. Wie bereits beim “Der Tierflüsterer - Reloaded” wird es auch hier wieder sechs Kapitel geben. Doch jedes Kapitel wird aus der Sicht einer anderen Person erzählt! Alle Personen erleben ihr eigenes kleines Abenteuer, aber am Schluss wird alles ein Ganzes ergeben. Dabei kommt es zum Wiedersehen mit vielen alten Bekannten aus der "Mystic Love"Tetralogie.
Den Anfang macht übrigens Caroline “Caro” Beck. Auf den ersten Blick vielleicht eine ungewöhnliche Wahl, aber ich hoffe euch gefällt ihre Geschichte.

Viel Spaß mit meiner neuen Geschichte
Skystar

Die geheimen Akten

#02 CODA - Alte und neue Mitglieder

1. Das perfekte Team - Teil 1
„Caro? Carooo?!“ Ich hörte eine Stimme nach mir rufen, reagierte aber nicht darauf. Ich wollte keinesfalls unfreundlich wirken, aber ich war mit meinen Gedanken einfach ganz woanders war.“ Ich befand mich gerade in einer Kostümanprobe und merkte gar nicht, wie das Kleid mir die Luft um die Hüfte zuschnürte. „Hey, wo bist du denn mit deinen Gedanken?“, fragte mich Kat, eine gute Freundin von mir, die Modedesign studierte und dieses Kleid entworfen hatte.
„Es tut mir Leid. Ich bin jetzt gedanklich voll und ganz da.“, sagte ich, was aber gelogen war. „Was hattest du mich gefragt?“
Kat blickte mich irritiert und skeptisch an. „Ob dir das Kleid passt?“
„Um die Hüfte rum ist es ein wenig zu eng.“, antwortete ich wahrheitsgetreu.
„Gut, dass lässt sich schnell korrigieren. Und ansonsten? Wie gefällt dir die Farbe des Kleides?“, fragte Kat weiter, während sie mich von unten bis oben im Kleid musterte.
„Ich finde sie sehr schön. Violett ist meine Lieblingsfarbe!“, antwortete ich ihr.
Kat verzog das Gesicht. „Das Kleid ist doch aber rot.“ Ich blickte auf mich herab und musste feststellen, dass das Kleid, welches ich gerade trug, tatsächlich rot war. Ich schloss meine Augen. Ich war heute wirklich nicht ich selbst. „Okay Schätzchen, was ist los mit dir?“, fragte Kat mich nun richtig besorgt. „Du bist gerade in einer völlig anderen Welt. Du bist doch sonst nicht so träumerisch veranlagt.“
„Das ist es nicht.“, sagte ich, während ich mich daran machte, dass Kleid wieder auszuziehen.
„Oh mein Gott. Jetzt erzähl mir nicht, dass du auch plötzlich auf Frauen stehst.“, mutmaßte Kat geschwind. „Erst Fiona und Maria und jetzt auch noch du? Bitte tu mir das nicht an!“
Ich lächelte vor mich hin. „Nein, das ist es nicht. Es …“ Ich überlegte wie ich es sagen sollte, denn schließlich wusste ich es selber erst seit gestern Abend. „Es ist so, dass ich gestern einen Anruf von meinem Dad bekommen habe. Er kommt mich dieses Wochenende besuchen.“ Kat sah mich natürlich irritiert an, da sie darin bislang kein Problem sah, also fuhr ich fort: „Und er hat mich gefragt, ob er bei dieser Gelegenheit meinen Bruder mitbringen kann, damit wir uns endlich mal besser kennenlernen.“
„Du hast einen Bruder?“, fragte Kat mich überrascht.
„Halbbruder.“, korrigierte ich sie.
„Ist er süß? Wie alt ist er?“, fragte Kat mich nun ganz schnell und voller Neugier. Es war mir klar, worauf sie abzielte, aber da musste ich ihr leider einen Dämpfer erteilen.
„Er ist zwanzig und er ist schwul!“
Kats Freude schlug in leichte Trauer um. Doch setzte sie zugleich wieder ein Lächeln auf. „Natürlich ist er das. Dann muss er ja süß sein. Alle süßen Männer sind schwul: Leon, Max, Zack, Roy, …“
„Hast du da nicht Derek vergessen?“, fragte ich, nachdem von Kat nichts mehr kam.
„Oh nein! Derek ist nicht süß. Derek ist bittersüß mit einem Hauch Zitronengeschmack!“, meinte Kat, woraufhin wir beide in Gelächter ausbrachen. „Aber mal im Ernst. Wieso sind wir hier nur noch von Jungs umgeben, die allesamt schwul oder mindestens bi sind? Gibt es keine richtigen Kerle mehr auf dieser Erde?!“
„Also ich muss dich sehr bitten. Wir sind echte Kerle!“, rief Derek plötzlich, der zusammen mit einem anderen Schauspielkollegen unsere Unterhaltung mitangehört hatte und nun vergeblich versuchte, mit seinen Muskeln zu protzen.
„Derek lass das. Du blamierst uns Männer vor den Frauen!“, rief ihm der andere Schauspielkollege zu, kurz bevor er mir ein smartes Lächeln zuwarf und Derek dann mit aus der Garderobe zog.
„Hach ja …“, schmachtete Kat vor sich hin. „Ich nimm meine Aussage von gerade eben zurück. Ryan, ist ein echter Mann! Dieses Lachen, die strahlend weiße Zähne und dieser ästhetische Körper … hach ein Traum.“
„Na, wer hängt jetzt seinen Träumen nach?“, fragte ich schmunzelnd meine beste Freundin.
„Jaja, schon gut. Ich glaube wir geben uns einfach mit den falschen Männern ab.“, schlussfolgerte Kat schließlich. „Aber wir sind vom Thema abgekommen: Was hast du für ein Problem mit deinem Halbbruder?“
„Naja gar keins eigentlich.“, antwortete ich und Kat verstand nicht. Ich verstand mich ja selber nicht einmal. „Meine Mutter ist schon sehr früh gestorben und seit ich denken kann, waren da immer nur mein Vater und ich. Wir hatten die schönste Vater-Tochter-Beziehung die man sich nur vorstellen kann.“
„Ach ja? Hat er, als du noch vier Jahre alt warst, mit dir und deinen Barbiepuppen gespielt? Und als du volljährig wurdest, durftest du dann auf seiner Harley mitfahren und dich mit ihm in seiner Stammkneipe volllaufen lassen?“, fragte Kat mich kritisch.
Ich kicherte. „Oh Kat, deine Fantasie in allen Ehren, aber das haben wir natürlich nicht getan!“ Mit einem Lächeln erinnerte ich mich zurück an meine Kindheit – so wunderschön, rein und zuckersüß. „Mein Dad hat mir als kleines Kind vor dem Schlafengehen immer eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen. Zu Weihnachten haben wir immer Plätzchen gebacken und uns eine Mehlschlacht geliefert. Die Küche sah hinterher wie ein Schlachtfeld aus. Und wenn ich traurig war …, dann hat mein Dad immer Grimassen gezogen, bis ich zu lachen anfing. Er wusste genau, welche Knöpfe er bei mir drücken musste, um mich glücklich zu sehen. Natürlich bin ich schon lange nicht mehr sein kleines Mädchen und in meiner Pubertät konnte er sich auf den Kopf stellen, aber eine wirkliche Hilfe war er mir in jener Zeit absolut nicht. Ich werde nie den Tag vergessen, als er mich im Supermarkt in aller Öffentlichkeit gefragt hat, ob ich noch Tampons brauche. Ich habe mich so geschämt!“
„Klingt ja herzzerreißend.“, sagte Kat lediglich.
„Du verstehst das nicht.“, sagte ich, ohne es böse zu meinen. „Mein Dad und ich haben so viel miteinander erlebt. Wir waren immer das perfekte Team – ein Duo!“
„Und jetzt seid ihr ein Trio …“, sagte Kat langsam, die mein Dilemma nun endlich zu verstehen schien.
„Ja …, das wird alles ändern.“
„Wie heißt denn dein Halbbruder?“
Ich überlegte kurz, denn seinen richtigen Namen hatte mein Dad mir gar nicht genannt, nur seinen Spitznamen: „Bobby.“

Fortsetzung folgt…!

Es ist wieder Sonntag und ich hoffe ihr habt beim Lesen genauso viel Spaß wie ich beim Schreiben dieses Teils. Schließlich gibt es hier immer wieder Andeutungen auf “Der Tierflüsterer” und “Die Kunst der Magie”.

Wie findet ihr es eigentlich, diese Geschichte aus der Sicht von Caro zu lesen? Ich weiß, ihr seid Jungs gewöhnt, die andere Jungs anschmachten, aber ich will mich schließlich nicht nur auf dieses eine Thema reduzieren lassen.

Schönen Sonntag noch
wünscht euch Skystar

2. Das perfekte Team - Teil 2
Es war am späten Vormittag, als das Auto meines Vaters in die Einfahrt einbog und vor dem Eingang der CODA parkte. Ich hatte mich heute besonders hübsch gemacht und hoffte so meine Nervosität zu verbergen. Es war ein warmer Frühlingstag und ich trug ein gelbes Kleid, das mich wie eine Butterblume aussehen ließ.
Dann war es endlich soweit: Zuerst stieg mein Vater aus und gleich darauf auch mein Halbbruder, den ich heute das erste Mal traf. Ich rief mir Kats Worte in Erinnerung, dass wohl alle süßen Männer schwul seien. Sie hatte sowas von Recht! Bobby hatte zwar Haar so schwarz wie die Nacht, aber ein Lächeln, als wäre er der Mond am Nachthimmel.
„Carobienchen!“, rief mein Dad mir überglücklich zu.
„Daaad.“, ermahnte ich ihn, denn diesen Spitznamen hatte ich ihm verboten, in der Öffentlichkeit zu benutzen. Als kleines Mädchen war ich sein kleines Sumsebienchen, nur weil ich Honig vergötterte. „Schön, dass du da bist.“, sagte ich dennoch und umarmte ihn voller Freude.
Danach widmete ich mich meinem Halbbruder, der genauso nervös zu sein schien, wie ich. „Caro, dass ist Bobby. Bobby das ist Caro.“, stellte mein Dad uns vor. Oder sollte ich jetzt „unser Dad“ sagen? Es war einfach nur seltsam. Von der ersten Sekunde an. Wir standen uns beide gegenüber und brachen beide kein Wort heraus.
Schließlich war es Bobby der das Eis brach, indem er mir seine rechte Hand entgegen streckte und sagte: „Freut mich dich kennenzulernen.“
Diese charmante Art und Ausdrucksweise …, ich kam nicht umhin zu lächeln. „Freut mich ebenso.“
„Sehr schön!“, rief unser Vater, der in die Hände klatschte. „Carobie …, ich meine Caro, würdest du uns jetzt die CODA zeigen, von der du mir tagein tagaus vorschwärmst?“
„Sehr gerne.“, sagte ich und schritt voran in das Innere des Gebäudes. Unser Clubhaus war heute sehr belebt. Das lag daran, dass Wochenende war und viele Studenten ihre Freizeit hier verbrachten. Man sollte meinen wir müssten rund um die Uhr lernen …, taten wir auch …, gelegentlich. Hinzu kam, dass es heute Abend eine besondere Veranstaltung in der CODA gab, zu der ich ebenfalls eingeladen war. „Und hier ist unser Gemeinschaftsraum.“, präsentierte ich meinem Vater und meinem Halbbruder, als ich die Tür zum Gemeinschaftsraum öffnete. „Hier können wir so ziemlich alles tun, worauf wir gerade Lust haben: Fernsehen, Videospiele zocken, kochen, tanzen oder aber auch einfach nur gemütlich beisammen sitzen und miteinander plaudern.“
„Sieht ja wirklich toll aus!“, lobte mein Dad die Einrichtung. „Du hast nicht untertrieben, als du mir hiervon erzählt hast. Und das habt alles ihr eingerichtet?“
„Naja nicht ganz. Ich kam ja erst viel später dazu, da standen hier schon die ersten Möbel. Ein Teil haben wir Zack, einem unserer ehemaligen Studenten, zu verdanken. Das Meiste aber stammt von Herrn West, der das Grundstück aufgekauft hat und uns hier wohnen lässt.“, erklärte ich ihnen.
„Das ist also die CODA …“, murmelte Bobby vor sich hin und ich nahm an, dass unser Dad ihm hiervon berichtet hat. Was er ihm wohl über mich erzählt hat?
„Okay, wer hat Lust auf Kaffee und Kuchen?“, fragte ich in die Runde.
„Habt ihr auch eine Cola hier?“, fragte Bobby mich freundlich. „Ich brauch jetzt erst was, um meinen Durst zu löschen.“
„Natürlich.“, antwortete ich und holte Bobby zunächst eine Cola aus dem Kühlschrank, ehe ich die Kaffeemaschine einschaltete und den Kuchen anschnitt, denn ich heute Morgen gebacken habe.“
„Aaaah, Bienenstich … wieso wundert mich das nicht?!“, rief mein Dad laut lachend durchs Clubhaus, als ich ihm ein Stück Bienenstich auf einem Teller servierte.
Kurz nachdem wir angefangen hatten den Bienenstich zu essen und uns dabei ein wenig zu unterhalten, kamen auch schon die ersten anderen Clubmitglieder und wollten ein Stück vom Bienenstich abhaben. „Boah Jungs, ihr seid so unmöglich.“, entgegnete ich ihnen.
Auch Derek und sein Schauspielkollege Ryan waren unter ihnen. „Hallo Caro …“, begrüßte Ryan mich mit einem smarten Lächeln. Seit wann war Ryan denn Mitglied in unserem Club? Die beiden Jungs verzogen sich in den hinteren Teil des Raumes ans große Fenster, doch befanden sie sich nach wie vor in meinem Blickfeld. Ich unterhielt mich zwar angeregt mit meinem Dad und auch mit Bobby, über den ich nun so allerhand erfuhr, aber mein Blick wanderte immer wieder zu Ryan rüber. Dies schien auch Bobby nicht zu entgehen, der irgendwann ein Grinsen nicht verbergen konnte. Ich schämte mich ein wenig, während mein Dad wie immer ahnungslos war.
Nach einer Stunde kam ein rothaariger Junge zu uns. Ich kannte ihn natürlich, denn es war Roy Kirchner, der Ehemann von Derek und unser Clubleiter. „Guten Tag zusammen!“, begrüßte er uns, allen voran aber meinen Dad und meinen Halbbruder. „Bobby stimmt´s?“, fragte Roy und starrte Bobby mit einem durchtriebenen Blick an.
„Ja, woher weißt du …?“, fragte Bobby irritiert.
„Das du du bist? Naja ein Vögelchen hat mir das ins Ohr gezwitschert.“, antwortete Roy ihm mit einem breiten Lächeln und warf dabei einen Blick über die Schulter. Erst jetzt konnte ich sehen, dass mit Roy noch eine weitere Person das Clubhaus betreten hatte. Es war Maria Glas, die wie Kat Modedesign studierte. Maria hielt sich bedeckt im Hintergrund und warf Bobby eigenartige Blicke zu. „Hattet ihr mal was miteinander?“, wollte Roy von Bobby wissen.
„Äh nein, das ist etwas komplizierter …“, antwortete Bobby ihm. Diese Antwort reichte Roy offenbar völlig aus, denn er harkte nicht weiter nach. „Gut, weswegen ich euch eigentlich störe: Herr Beck könnten Sie ihr Auto vielleicht anderswo parken? Hier findet heute Abend noch eine Feier statt und wir haben noch so einige Vorkehrungen zu treffen, die uns zwingen, ständig ein- und auszugehen. Ihr Wagen steht leider direkt vor dem Eingang …“
Ich konnte Roy ansehen, dass ihm das wirklich unangenehm war, meinen Dad so etwas zu bitten, aber mein Dad nahm das ganz locker und kramte seine Autoschlüssel hervor. „Gar kein Problem. Ich hab ein Parkhaus hier ganz in der Nähe gesehen. Ich bin gleich wieder da!“
Da waren wir nun. Bobby und ich ganz allein, denn auch Roy hatte sich wieder aus dem Staub gemacht. Sollte ich was zu ihm sagen, aber was? „Du bist süß.“ Herr im Himmel, was zum Geier rede ich denn da?! Bin ich verrückt geworden?
Zum Glück zauberte sich ein Lächeln in Bobbys Gesicht. „Danke, du aber auch.“
Nun war es geschehen. Ich wurde ganz rot im Gesicht. „Sicher, dass du schwul bist?“

Fortsetzung folgt…!

Hm, was soll ich sagen … da ich mich weder an Caro, noch an Bobby als Charaktere wirklich erinnern kann, werde ich mit dieser Geschichte bisher nicht so richtig warm.
Vielleicht bräuchte es wieder eine Liste, um die Protagonisten besser einordnen zu können ?
8)
Trotzdem freue ich mich , dass du wieder was schreibst! Mal sehen wie es weiter geht.
LG simson

Hey Simson, mit einer Rollenliste kann ich dieses Mal leider nicht dienen, weil mir die Zeit dazu fehlt, aber wenn du Zeit und Lust hast, dann kannst du ja mal bei diesen Artikeln hier vorbei schauen, wo du alles Wissenswerte über diese Rollen erfährst:

Caroline “Caro” Beck: http://www.skystar-stories.de/wiki:caroline-beck
Robert “Bobby” Forster: http://www.skystar-stories.de/wiki:robert-forster
Thomas Beck: http://www.skystar-stories.de/wiki:Thomas-Beck
Maria Glas: http://www.skystar-stories.de/wiki:maria-glas
CODA: http://www.skystar-stories.de/wiki:coda

3. Das perfekte Team – Teil 3
Am Abend gab es eine Feier von und für angehende Theaterschauspieler. Ich war natürlich auch eingeladen. Nach einem kurzen Abstecher in meiner kleinen, aber feinen Drei-Zimmer-Wohnung in der Innenstadt, kehrten mein Vater, Bobby und ich wieder zur CODA zurück.
„Und du bist dir sicher, dass wir da erwünscht sind?“, fragte Bobby mich unsicher.
„Ach, da sind so viele Leute. Auf zwei mehr kommt es nun wirklich nicht an.“, sagte ich locker.
„Ich hätte meinen Smoking von Zuhause mitnehmen sollen.“, meinte mein Dad, der in einer einfachen Jeans und einem Holzfällerhemd daherkam.
Ich lächelte und versicherte den beiden, dass das nicht so schlimm sei. Ich hingegen hatte mein butterblumengelbes Kleid gegen ein nachtblaues Abendkleid ausgetauscht und mir die Haare noch ein wenig schöner gestylt. Man weiß ja nie, wen man auf so einer Party alles trifft …
„Caro! Da bist du ja endlich!“, rief Derek frischvergnügt und mit einem Glas Sekt in der Hand. „Komm schnell. Ich will dir jemanden vorstellen: Moritz Bürkner! Ich liebe diesen Mann!“
„Das hab ich gehört!“, rief Dereks Ehemann Roy aus nicht allzu weiter Entfernung.
„Moritz Bürkner? Echt?“ Mit einem Mal strahlte ich über das ganze Gesicht.
Die Freude stand mir regelrecht ins Gesicht geschrieben. Dies schien auch mein Vater bemerkt zu haben. „Na geh schon. Bobby und ich kommen schon klar.“
„Oh danke, danke, danke!“, rief ich quietschfidel und folgte Derek durch die Masse an Partygästen hindurch bis zu den Fenstern. Dort standen drei Stehtische und an einem von ihnen Moritz Bürkner – dem Mann meiner Träume! Derek stellte uns aneinander vor und Moritz überreicht mir ebenfalls ein Glas Sekt, so dass wir miteinander anstoßen konnten. Ich war einfach hin und weg. Diese tiefgründigen Augen, diese besinnlichen Lippen, diese umwerfende Ausstrahlung – einfach göttlich dieser Mann! „Ich finde Sie sind ein erstklassiger Schauspieler.“, lobte ich ihn irgendwann.
„Naja höchstens zweitklassig.“, sagte eine Stimme aus dem Hintergrund. Ich drehte mich um und sah, dass Ryan am Fenster lehnte und unsere Unterhaltung mitangehört hatte.
„Ryan, du bist unhöflich!“, schrie ich ihm etwas lauter und mehr als empört zu.
„Tut mir Leid. War nicht meine Absicht.“, entschuldigte sich Ryan etwas halbherzig bei Moritz Bürkner. Dann wandte er sich an mich: „Dürfte ich kurz unter vier Augen mit dir sprechen?“
„Auf gar keinen Fall.“, antwortete ich ihm. Nicht nach dieser Nummer …
„Bitte Carooo …“, bat er mich nun flehend, was ziemlich überraschend kam.
Ich rollte mit den Augen. Dieser Grobian hatte null Anstand. Kat hatte Unrecht: Ryan war nicht besser als alle anderen Männer auf dieser Erde. „Also schön.“, gab ich schlussendlich nach und folgte Ryan durch die Partygäste hindurch aus dem Wohnraum, in den weitestgehend leeren Flur. „Hast du gesehen?“, fragte ich Ryan ganz aufgekratzt. „Mario Adorf ist auch hier.“
„Ja, das ist schön …“, gab Ryan emotionslos von sich.
„Wow. Die Begeisterung ist dir ja regelrecht ins Gesicht geschrieben.“, sagte ich ganz trocken. „Also leg los. Worüber wolltest du mit mir unter vier Augen reden?“
„Also ich … ich wollte dir etwas sagen … und das ist wichtig …“
„Na dann sag es, damit ich wieder zu Moritz Bürkner kann. Der Mann ist einfach himmlisch!“, schwärmte ich Ryan vor. Ausgerechnet Ryan …
„Äh ja …, also wie soll ich es sagen …“, stammelte Ryan vor sich her und allmählich wurde ich neugierig, aber auch ungeduldig. Schließlich schien er sich doch noch die passenden Worte gefunden zu haben: „Caro … ich … ich …“
„Ich hasse dich!“, schrie plötzlich eine mir nicht unbekannte Stimme. Ich wandte mich von Ryan ab, der in meinen Augen meine Zeit lange genug vergeudet hatte und sah zum anderen Ende des Flurs. Dort standen Maria und Bobby. Maria drückte Bobby ihre spitzen Fingernägel in die Brust und wirkte überaus zornig. „Sprich mich nie wieder an. Du bist ein Idiot, Robert Forster, und wirst es für mich immer bleiben!“ Mehr bekam ich von deren Gespräch nicht mehr mit, denn Maria begab sich daraufhin wieder auf die Party. Bobby blieb alleine zurück und wirkte sehr niedergeschlagen.
„Sorry Ryan, aber ich glaube ich muss mich kurz um meinen Halbbruder …“ Ich drehte mich wieder um, doch Ryan war verschwunden „ … kümmern.“ Wo ist er hin? Ryan benahm sich heute Abend sehr merkwürdig. Doch jetzt musste ich mich erst einmal um Bobby kümmern.
„Heeey, was ist passiert?“, fragte ich ihn besorgt, als ich sein trauriges Gesicht erblickte. „Warum war Maria denn so wütend?“
„Ich bin so ein Idiot …“, antwortete Bobby mir lediglich.
„Lass dir das von ihr nicht einreden.“, sagte ich gleich, ohne die genauen Umstände zu kennen. „Möchtest du mir erzählen, was zwischen euch vorgefallen ist?“
Bobby schien kurz zu überlegen, erzählte mir dann aber dennoch die ganze Geschichte. „Ich wollte mich bei ihr dafür entschuldigen, wie blöd das alles damals abgelaufen ist.“ Bobby sprach von sich und seiner Beziehung zu Tobias, der einmal Marias Freund war, ehe er sich bei ihr outete und sich von ihr trennte. „Das Tobi und ich uns ineinander verlieben, konnte doch keiner ahnen. Es war nie unsere Absicht sie zu verletzen.“
„Die Wunde sitzt wohl noch sehr tief in ihr.“, meinte ich zu Bobby. „Aber das gibt ihr nicht das Recht, dich so schlecht zu behandeln. Du wolltest schließlich nur mit ihr ins Reine kommen.“
„Wahrscheinlich denkt sie auch noch, dass ich es war, der Leon ‚umgepolt‘ hat.“, gab sich Bobby nun selbstkritisch. „Sie hatte mit beiden eine Beziehung und beide sind nun schwul oder bi und beide waren schon vorher mit mir befreundet.“
„Also das ist doch jetzt wirklich ausgemachter Blödsinn.“, sagte ich. „Maria ist eine Drama-Queen und übertreibt maßlos!“
„Ich bin so ein Idiot …“, wiederholte Bobby nochmals und stampfte zugleich mit einem Bein auf.
Da ging die Tür zum Wohnraum auf und unser Dad trat in den Flur. Er hatte ein Glas bei sich, dessen Inhalt ich nur anhand seiner Haltung und seines Auftreten erraten konnte. „Da sind ja meine zwei Lieblingskinder.“ Auch wenn Bobby ein toller Typ war, hoffte ich in diesem Moment, dass mein Dad mir nicht noch mehr Halbgeschwister verschwiegen hat. „Na, habt ihr auch so viel Spaß?“, fragte er und kippte sich den Inhalt des Glases auf Ex in den Rachen.

Fortsetzung folgt …!

huh, auch noch das erste Kommentar unter deinem letzten Post(:. hab alles von dir gelesen , was du im laufe der Jahre veröffentlicht hast . Es ist toll , dass du die Charaktere weiter führst und versuchst die Geschichten miteinander zu verweben und sie doch getrennt bleiben. Deine Kreativität ist einfach gewaltig. Hut ab dafür, dass du immer noch
( wahrscheinlich) viel Zeit damit verbringst , weiter zu schreiben. Es ist und bleibt eine Freude deine Geschichten weiterzulesen und überrascht zu werden.
und damit eine wundervolle gute Nachtruhe

Hey NikiLu, vielen lieben Dank für dein Feedback :slight_smile: . An Kreativität mangelt es mir in der Tat nicht, wenngleich mir manchmal der Ehrgeiz fehlt, zum weiter schreiben, aber aktuell läuft es recht gut. Nicht so gut wie zu meinen “Glanzzeiten”, aber immer noch gut. Ich würde mich freuen, wenn du auch weiterhin meine Geschichten liest - alle anderen natürlich auch! :flag:

4. Das perfekte Team – Teil 4
Am nächsten Morgen war ich als Erste wach. Ich nutzte die Gelegenheit und holte uns beim Bäcker frische Brötchen, deckte den Frühstückstisch und bereitete frischen Kaffee vor. Nach einer Weile kam Bobby müde in die Küche meiner Wohnung stolziert. „Morgähn!“, gähnte er noch immer müde und rieb sich dabei die Augen. Ich musterte ihn von Kopf bis Fuß. Seine Haare sahen aus, als hätte er in eine Steckdose gegriffen. Dennoch wirkte er sehr süß. Es fehlte nur noch ein himmelblauer Pyjama mit Teddybären bespickt und ich würde ihn auf der Stelle knuddeln. Oh Gott, was denk ich da? Er ist mein Halbbruder und schwul! Kat hatte vollkommen Recht: Alle süßen Männer waren schwul!
„Kaffee?“, fragte ich ihn mit einem Lächeln im Gesicht.
„Ja bitte, eine ganze Badewanne voll damit!“, antwortete Bobby mir, während er sich an den Küchentisch setzte und seinen Kopf mit einer Hand abstützte.
Kurz darauf kam auch schon unser Dad in die Küche und das überraschend fit: „Guten Morgen ihr Beiden! Die Sonne lacht und füllt unsere Herzen mit Wärme und Geborgenheit. Aaaah, frischer Kaffee! Hab ich dir schon gesagt, wie sehr ich dich liebe, Carobienchen?“
„Daaad.“, mahnte ich ihn, während ich ihm eine Tasse Kaffee einschenkte.
„Hilfe. Warum bist du nur so gut gelaunt?“, fragte Bobby ihn mit halbgeschlossenen Augen.
„Ich bin einfach nur glücklich.“, antwortete unser Dad ihm freudestrahlend. „Glücklich hier zu sein, zusammen mit meinem zwei Kindern.“ Dem war nichts mehr hinzuzufügen. Ich lächelte nun ebenfalls und sogar Bobby konnte sich zu einem Lächeln durchringen.
Da klingelte mein Handy. Auf dem Display war zu sehen, dass Kat mich gerade anrief. So früh schon? „Guten Morgen Kat …“, begrüßte ich sie so gerade noch.
„Verdammt Caro, wieso gehst du an dein gottverdammtes Handy?!“, schrie mir Kat durch unsere beider Handys hindurch ins Ohr.
„Hör auf so zu schreien und natürlich geh ich an mein Handy, wenn du mich anrufst. Was für eine Frage.“, antwortete ich verständnislos.
„Dann beweg deinen Hintern auf der Stelle zum Flughafen!“, sagte Kat nun nicht mehr ganz so laut.
„Aha und warum sollte ich das tun?“, fragte ich weiter, weil ich nun gar nichts mehr verstand.
„War mir klar, dass er keine Eier in der Hose hat, es dir zu sagen.“, gab Kat spöttisch von sich.
„Kat, hör auf in Rätseln mit mir zu sprechen. Wer hat mir was nicht gesagt?“, fragte ich ungeduldig, während die Augen von Bobby und meinem Dad interessiert auf mich gerichtet waren.
„Ryan.“, sagte Kate schließlich. „Er wollte es dir gestern Abend auf der Party sagen. Offenbar hatte er aber keinen Mumm dazu.“
„Mir was sagen? Jetzt spuck es schon aus Kat!“, sagte ich nun etwas lauter.
„Ryan hat ein Angebot für ein Theaterstück in London bekommen und fliegt noch heute dorthin. Sein Studium will er dort fortsetzen. Verstehst du Caro? Ryan kommt nicht wieder, dabei ist er total in dich verschossen! Das hat mir Derek verraten, aber das hast du natürlich nicht von mir. Jedenfalls …, wenn jemand Ryan daran hindern kann, nach London zu fliegen, dann bist du das! Caro? Caro, hörst du mir noch zu?“

„Kannst du nicht ein wenig schneller fahren?“, fragte ich ungeduldig auf dem Beifahrersitz.
„Willst du fahren?“, fragte Bobby mich leicht genervt.
„Besser nicht. Ich bau womöglich einen Unfall.“, antwortete ich ihm wahrheitsgetreu.
„Gut und ich würde meinen Führerschein gerne behalten.“, sagte Bobby, die nicht mehr ganz so müden Augen nach vorne auf die Straße gerichtet.
Mein Dad beugte sich von der Rückbank zu uns nach vorne. „Tut mir Leid. Ich wäre ja wirklich gerne gefahren, aber ich glaube ich habe noch zu viel Alkohol intus.“
„Vollidiot!“, schrie ich laut.
„Hey, wie sprichst du denn mit deinem alten Herrn?“, fragte mein Dad mich empört.
„Doch nicht du Dad. Ryan!“, erklärte ich ihm schnell. „Wieso hat er gestern nicht den Mund aufgebracht. Stattdessen macht er sich unbeliebt und stammelt mir etwas vor.“
„Was erwartest du? Er ist ein Kerl. So sind wir Männer nun mal.“, meinte Bobby schulterzuckend.
„Sind wir bald da?“, fragte ich weiterhin ungeduldig.
„Wenn ich Nein sage, verprügelst du mich dann?“, fragte Bobby mich ängstlich.

„Letzter Aufruf für den Flug U28982 nach London. Abflug in nur wenigen Minuten“, sprach eine Frau durch die Lautsprecheranlage im Flughafen. Mir war natürlich klar, dass ich viel zu spät war. Ryan war sicherlich längst durch die Kontrollsperre hindurch und damit für mich unerreichbar. Also versuchte ich es auf seinem Handy. Ich musste Derek regelrecht anbetteln, mir Ryans Handynummer zu geben. Mein Handy baute eine Verbindung auf, aber … „Der gewünschte Gesprächspartner ist zurzeit nicht erreichbar …“
„Mist!“, schimpfte ich, während ich alleine durch die Flughalle rannte. An der Sicherheitskontrolle war für mich Schluss. Den Flughafen-Angestellten brauchte ich bestimmt nicht mit einer sentimentalen Lovestory kommen, die ohne ihre Mithilfe kein Happy End bekäme. So etwas funktioniert nur in Filmen, nicht aber in der Realität.
„Verreist du?“
Diese Stimme. Ich drehte mich um. Da stand er. Ryan, mit Handgepäck und Koffer. Er war also noch nicht durch die Sicherheitskontrolle hindurch. „Du bist noch hier. Zum Glück.“, sagte ich, schnaufte dabei aber noch ein wenig, da ich vom Rennen außer Atem war. „Bitte, du darfst nicht fliegen.“
Ryan blickte mich überrascht an. „Werde ich auch nicht. Ich hab gerade in London angerufen, dass ich ihnen sehr dankbar für das Angebot bin, aber ablehnen muss.“
Nun war ich es, die ein überraschtes Gesicht machte. „Was? Aber warum?“
Ryan wandte seinen Blick von mir ab. Sein Gesicht nahm ein leichtes Rosa an. „Naja, also ich …, ich kann doch nicht so einfach abhauen, wo hier doch alles ist, was ich zu meinem Glück brauche und …“ Ich brachte Ryan abrupt zum Schweigen, indem ich auf ihn zuschritt und ihm einen langen Kuss aufdrückte. Ryan erwiderte den Kuss und so verharrten wir mehrere Minuten.
„Oh, ich finde ein Happy End immer so rührend.“, schluchzte mein Dad, als er und Bobby mich endlich eingeholt hatten.
„Oje Dad, manchmal bist du echt peinlich.“, sagte Bobby, doch auch er musste eine Träne verdrücken.
Nachdem ich und Ryan uns voneinander gelöst hatten, bot ich ihm unser „Taxi“ nach Hause an. „Doch ich muss dich warnen. Mein Bruder fährt.“, grinste ich über beide Ohren.
„Haha, sehr witzig.“, meinte Bobby gekränkt. „Ich kann ja auch gehen …“
Ich griff mir Bobbys rechten Arm und harkte mich bei ihm ein. „Auf gar keinen Fall. Du bist der süßeste Bruder, den ich mir nur vorstellen kann und außerdem … sind wir das perfekte Team!“

Ende von Caro´s Part!
Fortsetzung folgt …!

Hier bin ich wieder! Das Kapitel mit Caro ist zu Ende, doch die Geschichte noch lange nicht. Heute geht es mit Maria Glas weiter! Ja, schon wieder eine Frau, aber keine Sorge, auch die Jungs werden noch eine wichtige Rolle spielen. Wie schon gesagt, stehen die einzelnen Kapitel gewisserweise in Verbindung zueinander. Bereits bei Caro´s Kapitel hatte Maria einen Auftritt - und der hatte es in sich. Bei Caro ging es in erster Linie um das Kennenlernen zwischen ihr und Bobby, das bei den bisherigen Geschichten eher im off behandelt wurde. Bei Maria könnt ihr nun etwas über ihre Beziehung zu Fiona erfahren UND wie es damals zu der Trennung kam! Ob ihr sie mögt oder nicht ist mir egal, hier ist sie:

5. Scherben bringen Glück …, oder sieben Jahre Pech – Teil 1
„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Oh du wundersamste aller Frauen, ihr seid die Schönste im ganzen Land.“, sagte Fiona so laut im Wohnzimmer, dass ich sie im Badezimmer noch hören konnte. Mir war klar, dass sie mich damit aufzog, weil ich immerzu so lange vor dem Spiegel stand, um mich eben einfach nur hübsch zu machen. Ihre bissigen Kommentare waren mir aber gleichgültig, denn für mich war es eben wichtig, gut auszusehen. Nachdem ich Wimperntusche aufgetragen hatte, war ich endlich fertig und gesellte mich zu ihr ins Wohnzimmer. „Na, endlich fertig?“, fragte Fiona mich mit einem Lächeln im Gesicht.
Ich lächelte ebenfalls, trotz ihrer sarkastischen Bemerkung. „Dir mag es vielleicht nicht recht sein, dass ich so lange im Bad benötige, aber wenn du ehrlich zu dir selbst bist, dann magst du gerade das an mir so sehr. Schließlich bist du es immer, die dann schnell nach Hause will und mir regelrecht um den Hals fällt.“
„Du glaubst das liegt an deinem Aussehen?“, fragte mich Fiona überrascht. „Ich glaube du hast ein falsches Bild von mir. Ich freu mich deshalb so sehr mit dir allein zu sein, weil du mich mit deiner eitlen und zickigen Art immer so zur Weißglut treibst, dass es mich schon wieder geil macht.“
„Na vielen Dank für die Blumen … glaube ich.“, sagte ich und schmunzelte. „Was ist? Gehen wir nun, oder warten wir, bis die Party rum ist? Dann wäre ich allerdings ganz umsonst solange vor dem Spiegel gestanden.“
„Ich bin schon seit einer halben Stunde startbereit.“, meinte Fiona zu mir.
„Wer fährt?“, fragte ich und nahm den Autoschlüssel aus einer Schale neben der Tür.
Fiona entriss mir den Schlüssel zugleich wieder. „Ich natürlich. Mit deinen hohen Absätzen lass ich dich bestimmt nicht hinters Steuer und riskiere, dass wir nie auf der Party ankommen.“ Ich funkelte Fiona böse an, die sich aber gleich wieder bei mir einzuschmeicheln versuchte: „Damit unterstütze ich deine Arbeit vor dem Spiegel. So wird gewährleistet, dass dich auch jeder zu Gesicht bekommt und deine Schönheit bestaunen kann. Alle Jungs werden dich angaffen wie eine Horde hirnloser Affen und einige Mädchen werden dir sicherlich auch eifersüchtige Blicke zuwerfen … oder mir, weil ich es bin, die dich am Ende des Tages ganz für mich alleine haben werde.“ Fiona konnte manchmal wirklich fies sein, aber dann waren es wieder Worte wie gerade eben, die mein Herz wie wild zum Klopfen brachten. „Also los, sonst geben die noch eine Vermisstenanzeige nach uns auf.“, sagte Fiona schlussendlich und ich folgte ihr zur Tür hinaus.

„Tut uns Leid, dass wir so spät kommen.“, entschuldigte sich Fiona bei unseren Freunden, als wir eine viertel Stunde später im Haus der Familie Kirchner ankamen.
„Kein Problem. Ich kann mir schon vorstellen, woran es gelegen haben könnte.“, entgegnete Roy und grinste mich dabei ein. „Ich hab einen Ehemann, der ist da nicht viel anders.“
„Pff … werd bloß nicht unverschämt, sonst kannst du den Therme-Gutschein alleine einlösen, den ich dir zum Geburtstag geschenkt habe.“, meinte Derek leicht eingeschnappt, woraufhin Roy sich zu ihm rüber beugte und ihm einen Kuss auf die Wange schenkte. „Jaja, erst schlecht reden und dann wieder einschleimen. Ist Fiona auch manchmal so zu dir, Maria?“
„Manchmal? Das ist ein Dauerzustand bei uns.“. antwortete ich Derek und gratulierte Roy hinterher ebenfalls zum Geburtstag.
„Ah, jetzt bin ich die Böse. Annabelle, gibt es hier auch Alkohol?“, fragte Fiona Roys Schwester. „Ich glaub ich brauch was Hochprozentiges, um diesen Abend zu überleben.“
Ich runzelte die Stirn, aber nur kurz, um keine bleibenden Falten zu bekommen. „Damit steht wohl fest, wer später nach Hause fährt. Für mich bitte nur eine Johannisbeerschorle.“
„Guten Abend allerseits.“, sagte Frau Kirchner, die zusammen mit ihrem Ehemann auf ein paar höher gelegenen Treppenstufen, die ins Obergeschoss des Hauses führten, stand, um von allen richtig gesehen werden zu können. In ihrer Hand hielt sie ein Mikrofon. Die ganze Familie war musikalisch veranlagt, da hatten sie sicherlich mehrere Mikrofone in ihren Schränken. Jeden zweiten Samstag im Monat veranstaltete die Familie einen Karaoke-Abend, bei dem Fiona und ich aber immerzu etwas „Besseres“ vorhatten. Das war natürlich gelogen. Wir konnten einfach überhaupt nicht singen!
„Mein Mann und ich wollten nur ganz kurz etwas sagen.“, sagte Frau Kirchner und alle – insbesondere aber natürlich ihr Sohn Roy – schenkten ihnen Aufmerksamkeit. „Wir sind überaus glücklich, einen so großartigen und talentierten Sohn zu haben. Eine Mutter könnte nichts stolzer auf ihren Sohn sein …“
„… und ein Vater ebenso wenig.“, drängte sich Herr Kirchner kurz dazwischen.
„Roy, du warst schon als Kind etwas ganz Besonderes. Du wolltest immer anders sein, als alle anderen und hast dich sogar mir widersetzt und deine Haare rot gefärbt. Du bist deinen eigenen Weg gegangen, ohne zu hinterfragen, was andere von dir denken. Dann hast du Derek kennengelernt und dein Leben wurde noch verrückter, als es ohnehin schon war.“ Im Haus brach Gelächter aus und Roy und Derek warfen sich kurz verliebte Blicke zu. „Ihr harmoniert einfach wunderbar zusammen und für Annabelle bist du ein fürsorglicher großer Bruder.“ Annabelle nickte und lächelte ihrem Bruder zu. „Deine Talente hast du uns allen hier mehrmals unter Beweis gestellt. Du bist ein ausgezeichneter Pianist und für deine Freunde hast du immer ein offenes Ohr. Ich glaube mein Mann und ich können für alle sprechen – Roy, wir lieben dich!“ Dann ging das Licht im Haus aus, ein paar Scheinwerfer wurden eingeschaltet und zusammen mit einer Discokugel, die von der Decke hing, wurde für das nötige Partyfeeling gesorgt. „Happy Birthday to you! Happy Birthday to yo! Happy Birthday!“

Die Party war im vollen Gange, als ich die Gelegenheit bekam, mich ein wenig mit Roy alleine zu unterhalten. „Kaum zu glauben. Jetzt sind du und Derek schon fast zwei Jahre miteinander verheiratet.“, sagte ich zu ihm. „Die Zeit verrinnt …“
„Ja …, hast du mal was von Leon gehört?“
Ich nickte. „Es geht ihm gut, aber ich glaube nicht, dass er uns in absehbarer Zeit mal besuchen kommt. Er … er redet nicht gern über den Vorfall von vor drei Jahren oder über Zack und Max.“
„Naja, würde ich an seiner Stelle auch nicht gerne, aber trotzdem schade, dass er uns nie besuchen kommt. Wir hatten eine schöne Zeit mit der CODA …“
„Hatten?“, Ich sah Roy irritiert an.“
„Jetzt guck nicht so.“, sagte Roy und lachte. „Fiona, Kat, Caro und Wallace werden diesen Sommer mit ihrem Studium fertig und nächstes Jahr dann auch Derek, Annabelle, du und ich. Dann ist von den CODA-Urgesteinen niemand mehr übrig.“
„Du hast doch aber nicht etwa vor, die CODA zu schließen?“, fragte ich ihn besorgt, denn die CODA war – im Gegensatz zu all meinen Erwartungen von damals – ein toller Ort zum Entspannen, Freunde kennenlernen und Spaß zu haben.
Roy schüttelte den Kopf und ich atmete erleichtert aus. „Aber es wird Zeit einen Nachfolger für mich zu finden, der den Job als Clubleiter fortführt. Derek und ich werden nächstes Jahr von hier wegziehen.“ Das irgendwann jemand anderes als Roy die CODA leiten würde, war für mich nur schwer vorstellbar und stimmte mich etwas traurig. Eine Ära ging damit zu Ende …

Fortsetzung folgt …!

6. Scherben bringen Glück …, oder sieben Jahre Pech – Teil 2
„Sind sie nicht ein schönes Paar?!“, fragte Kat mich auf Roys Geburtstagsfeier.
„Hm … ja.“, sagte ich gedankenverloren und ohne überhaupt hinzuschauen, wen Kat meinte.
„Oh mein Gott, Wallace und Belle knutschen miteinander rum!“, rief Kat auf einmal entsetzt, doch reagierte ich noch immer nicht. „Okaaay … was ist denn mit dir jetzt los?“
„Was? Wieso?“, fragte ich nun und kehrte in die Realität zurück.
„Hallo? Als ob Belle jemals mit Wallace rummachen würde!“, entgegnete Kat, während ich ins Wohnzimmer sah, wo Belle sich gerade mit Roy und Derek unterhielt, während Wallace nur daneben stand und gelegentlich an seiner Bowle nippte. Indessen tanzten Caro und Ryan zusammen und schwebten Hand in Hand durchs Wohnzimmer. Vermutlich bezog sich Kats Aussage auf die beiden, die nun schon mehr als ein Jahr zusammen waren und nach anfänglichen Schwierigkeiten ein rundum schönes Paar abgaben.
„Tut mir Leid, aber ich hab mir Gedanken um die CODA gemacht.“, entschuldigte ich mich bei Kat für meine Unaufmerksamkeit.
„DU hast dir Gedanken um die CODA gemacht?“, fragte Kat überrascht. „Wer bist du und was hast du mit unserer Maria angestellt?“
Auf diese Bemerkung reagierte ich nun sauer. „Schon klar. Maria, die naive und dumme Blondine, als ob die sich jemals Gedanken zu irgendwas und irgendwem machen würde …“
„Hey Maria, das war doch überhaupt nicht so gemeint …“, sagte Kat nun ganz verdattert, da sie mit solch einer Reaktion meinerseits keineswegs gerechnet hatte.
„Schon gut. Mit mir kann man es ja machen. Ich weiß ohnehin, was ihr alle von mir denkt. Das ich gefühllos und egoistisch bin und ständig nur auf mein Äußeres bedacht bin.“ Nun redete ich mich richtig in Rage, auch wenn es mit Kat leider die falsche Person traf. Wütend war ich auf jemand ganz anderen …
„Maria, tut mir Leid, wenn ich was Falsches gesagt habe, aber das was du sagst, denkt keiner von uns. Das musst du mir glauben!“, entschuldigte sich Kat aufrichtig bei mir.
Ich wollte ihr glauben und mich ebenso bei ihr für meinen jetzigen Ausraster entschuldigen, aber Fiona machte mir einen Strich durch die Rechnung. „Heeey, was macht ihr denn hier?“, fragte sie uns, dabei wankte sie leicht und verschüttet den Inhalt ihres Glases.
„Fiona, magst du dich vielleicht ein wenig hinlegen?“, fragte Kat sie stirnrunzelnd.
„Hinlegen? Aber der Boden ist schmutzig …“, sagte Fiona sternhagelvoll. Dabei beugte sie sich nach vorne und kippte ihr Glas Bowle über mein Kleid.
„Bist du jetzt komplett bescheuert!“, schrie ich nun so laut, dass es auch wirklich jeder der Anwesenden mitbekam. Ryan und Caro stellten ihren Tanz ein und alle anderen verstummten abrupt. Alle Augen waren nun auf uns gerichtet. Mir war die Situation auf der Stelle peinlich, doch noch viel schlimmer war, dass ich nicht mehr in der Lage war, meine Emotionen zu steuern. Also wandte ich mich schnell von allen ab, rannte die Treppe hoch und verbarrikadierte mich im Badezimmer. Ich sah mich im Spiegel an. Von meiner Schönheit war nichts mehr übrig. Meine Augentusche war total verlaufen und dank Fiona war mein Kleid ruiniert. Ich bemerkte einen Sprung im Spiegel und fühlte mich selber, als wäre ich innerlich zerbrochen.
Es verging keine Minute, da klopfte es an der Tür. „Maria? Ich bin es.“, hörte ich Kat durch die Tür sagen. „Zusammen mit Caro und Belle. Dürfen wir reinkommen?“
Ich antwortete Ihnen nicht, also verschafften sie sich einfach Zutritt ins Badezimmer. Ich hatte mich auf den Boden, an die Badewanne angelehnt, gesetzt. Kat setzte sich rechts neben mich, Caro links und Annabelle vor mich. „Was ist los, hm?“, fragte Annabelle mich und streichelte mir dabei tröstend übers Knie.
Ich antwortete ihr nicht gleich. „Ist es wegen Fiona?“, fragte Caro. „Ryan kümmert sich um sie. Ich glaube es tut ihr Leid, dass sie dir die Bowle übers Kleid gekippt hat.
„Wobei das ja eigentlich keine Absicht war.“, merkte Kat an.
„Das nicht, aber in letzter Zeit übertreibt sie es ein wenig mit dem Alkohol.“, meinte Caro.
„Willst du uns nicht erzählen, was mit dir los ist?“, fragte Annabelle mich erneut, ohne groß auf die Kommentare von Kat und Caro einzugehen. „Du weißt, du kannst mit uns über alles reden.“
Ich wischte mir mit dem Handrücken die Tränen aus dem Gesicht. Caro reichte mir ein Taschentuch und ich versuchte mir das Gesicht trocken zu tupfen. Die Schminke war natürlich total verlaufen. Ein Blick in den Spiegel und ich würde wahrscheinlich in Ohnmacht fallen, aber das war jetzt auch schon egal. „Habt ihr auch manchmal das Gefühl, dass in eurem Leben nichts wirklich rund läuft?“
„Ständig.“, antwortete Annabelle mir sofort.
„Hin und wieder.“, stimmte auch Kat mit ein.
„Keine Ahnung wann das bei mir angefangen hat.“, sagte ich und schniefte dabei gelegentlich, weil mir die Nase lief. „Ich glaube, mein Leben entgleitet mir immer dann, wenn ich mich verliebe. Zuerst mit Leon, dann mit Tobias und jetzt auch mit Fiona.“
„Ich weiß du liebst Fiona, aber kann es sein, dass du auch immer noch Tobias nachtrauerst?“, fragte Caro mich nun. „Ich kann mich erinnern, dass du vor etwa einem Jahr, auf der Feier der Theater AG, einen sehr intensiven Streit mit Bobby hattest.“
Ich rollte mit den Augen. Den Namen wollte ich eigentlich nie wieder hören, aber auch das schien mir leider nicht vergönnt zu sein. „Ich weiß, dass ich damals überreagiert habe. Er wollte sich nur bei mir für alles entschuldigen, aber ich wollte das damals einfach nicht hören – nicht von ihm!“
„Du hättest das gerne aus Tobias` Mund gehört, richtig?“, schlussfolgerte Caro verständnisvoll.
Ich nickte. „Wir haben am Abend des Schulabschlussballs miteinander Schluss gemacht. Jedes kleine Mädchen träumt davon, den Schulabschluss mit dem Jungen zu verbringen, den man liebt.“
„Ich kenne Tobias nicht, aber ich kenne Leon und er hat mir erzählt, dass er an jenem Abend dann mit dir getanzt hat.“, erzählte Annabelle.
„Wirklich? Oh ist das süß.“, sagte Kat entzückt.
„Natürlich war er süß. Leon steht auf Jungs. Hetero-Kerle würden so etwas niemals machen.“, meinte Caro sofort.
„Nicht hilfreich Caro.“, sagte Annabelle zu ihr. „Okay, mit Jungs lief es bei dir nicht so rund.“, sagte sie nun wieder an mich gewandt. „Aber mit Fiona bist du doch jetzt schon lange zusammen und das obwohl ich kein Paar kenne, welches so unterschiedlich veranlagt ist. Ihr seid doch glücklich, oder?“
„Waren, trifft es wohl eher.“, sagte ich nun. Inzwischen hatte ich ausgiebig darüber nachgedacht und kam eigentlich nur noch zu einer Erkenntnis: „Ich glaube ich mache Schluss mit ihr.“

Fortsetzung folgt …!

7. Scherben bringen Glück …, oder sieben Jahre Pech – Teil 3
Ich war eigentlich schon länger zu diesem Entschluss gekommen. Fiona und ich waren nicht mehr glücklich miteinander. Ich war nur noch mit ihr zusammen, weil ich sie wertschätzte und respektierte, aber mit Liebe hatte das nichts mehr zu tun. „Es ist das Beste – für uns beide.“
„Bist du dir da sicher?“, fragte Annabelle mich. „Willst du nicht erst einmal mit ihr in Ruhe über alles reden. Ich bin mir sicher, dass …“
„Belle!“, unterbrach ich sie laut und kurz vor einer neuen Heulattacke. „Ich weiß es, ihr wisst es und ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass es Fiona auch weiß: Es ist aus!“ Nun wurde es still im Badezimmer. Es sollte eigentlich eine fröhliche Geburtstagsfeier werden und nun saß ich mit drei meiner besten Freundinnen im Badezimmer und alle zogen betrübte Gesichter. „Tut mir Leid, dass ich euch jetzt so runterziehe …“
„Schon in Ordnung.“, sagte Annabelle augenblicklich.
„Wann hast du es vor Fiona zu sagen?“, fragte Kat mich.
„Schnellstmöglich.“, antwortete ich ihr, als ich das Klirren von zerbrochenem Glas von unten vernahm, gefolgt von einem Protestschrei seitens Fiona. „Doch vermutlich muss ich noch bis morgen warten, wenn sie wieder nüchtern ist …“
Zusammen mit Annabelle, Kat und Caro verließ ich das Badezimmer wieder und wir gingen die Treppe runter, wo sich uns eine kleine Auseinandersetzung bot. „Laaass mich looous.“, zischte Fiona Ryan an, der lediglich versuchte sie zu beruhigen. Roy und Derek versuchten ihm zu helfen, jedoch ohne Erfolg. „Ich will miccchh jetzt nicht hinlääägen.“
„Sei doch vernünftig Fiona.“, meinte Roy zu ihr, während ich zu Fionas Füßen schaute und das zerbrochene Glas entdeckte, welches sie in ihrer Trunkenheit vermutlich fallen ließ.
„Ihr seid alle dooof. Alle seid ihr doof.“, murmelte Fiona vor sich hin.
„Ich glaube Fiona und ich gehen jetzt besser.“, sagte ich schließlich und dabei war es mir ganz egal, was Fiona von meinem Vorschlag hielt.
„Okay, okaaaay …“, sagte Fiona, die anscheinend endlich vernünftig wurde. „Fahren wir eben …“ Fiona kramte den Autoschlüssel aus ihrer Handtasche hervor – dies dauerte leider eine ganze Weile, doch jede Hilfe lehnte sie ab – und wedelte mit den Fingern damit herum.
In Windeseile entriss ich ihr aber den Schlüsselbund und sagte: „Ich glaube es ist besser, wenn ich heute ausnahmsweise mal fahre …“
Fiona stöhnte und sah mich böse funkelnd an. „Immer bevormundest du mich. Du nervst.“
„Wenn ich dir damit das Leben rette, dann soll mir das Recht sein.“, entgegnete ich ihr und das war das Letzte was ich zu ihr sagte, da ich einfach keine Kraft mehr hatte, mich mit ihr zu streiten und in irgendeiner Art und Weise mich mit ihr auseinander zu setzten.
Ryan und Caro halfen Fiona dabei, zum Auto zu kommen, während ich mich noch bei Roy, Annabelle und ihren Eltern für alles entschuldigte. „Mach dir kein Kopf Liebes. Sind nur ein paar Scherben.“, sagte Frau Kirchner, die soeben die Glasscherben aufgesammelt hatte. „Bring Fiona gut nach Hause und fahr vorsichtig.“
„Mach ich … und danke.“, sagte ich beschämend und wandte mich zuletzt noch einmal an Roy. Ich brachte kein Wort heraus, doch Roy war ein Gentleman und umarmte mich zum Abschied, was mir das Gefühl gab, dass alles in Ordnung sei und er mir wegen nichts böse war.

Auf der Heimfahrt sprach ich natürlich kein Wort mit Fiona. Ohnehin musste ich mich auf den Verkehr konzentrieren. Es war dunkel und leichter Nebel verminderte mir die Sicht. Meine Stöckelschuhe hatte ich zum Fahren natürlich ausgezogen. Ich verhielt mich manchmal vielleicht etwas dumm, aber lebensmüde war ich deshalb noch lange nicht.
„Oh Gott …“, murmelte Fiona auf dem Beifahrersitz plötzlich vor sich hin und ich dachte mir nur, bitte lass sie mir jetzt nicht ins Auto kotzen, aber zum Glück kam es ganz anders. „Ich hab Roys Geburtstag ruiniert. Ich schäme mich ja sooo …“ Ich bestrafte Fiona auch weiterhin mit Schweigen. Nicht nur weil ich sauer auf sie war, sondern weil ich auch keinen Sinn darin sah, mich jetzt mit ihr zu unterhalten. Sie war betrunken und morgen wusste sie vielleicht gar nichts mehr von heute Abend. Doch Fiona schien die Stille nicht zu behagen und quasselte ununterbrochen weiter, wie mies es ihr ging und das sie nie wieder Alkohol trinken werde und und und. „Heeey …“, sagte sie irgendwann zu mir. „Redest du jetzt etwa nicht mehr mit mir?“
Ich setzte den Blinker und bog nach rechts ab. Auf Fionas Frage reagierte ich gar nicht. Zuerst dachte ich, sie würde deswegen gleich wieder an die Decke gehen, aber stattdessen atmete sie einmal tief ein und wieder aus – für eine Sekunde glaubte ich, sie müsse sich übergeben – und sah anschließend rechts zum Fenster raus.
Noch fünf Minuten, dann waren wir Zuhause. Mein Handy lag in der Mitte des Autos im Ablagefach, als es zu vibrieren anfing. Natürlich ging ich nicht ran, aber als ich sah, dass Leon mir eine Sprachnachricht geschickt hat, da drückte ich die Abspieltaste: „Hey Maria. Ich hab gerade bei Roy angerufen und ihm alles Gute zum Geburtstag gewünscht. Er hat mir erzählt, was vorgefallen ist und dass du schon wieder auf dem Nachhauseweg bist. Vermutlich kannst du deshalb auch gerade nicht rangehen. Auf jeden Fall wollte ich dir sagen, lass dich nicht hängen. Du kennst Fiona ja. Sie war schon immer etwas … schwierig.“ Bei dem letzten Satz horchte nun auch Fiona auf. Sie sah zu meinem Handy und warf ihm einen bösen Blick zu, als ob es heutzutage möglich wäre, auch böse Blicke zu versenden. „Melde dich doch bitte, wenn du Zuhause angekommen bist. Bye!“
„Na, dein Freund reißt das Maul ja ganz schön weit auf.“, stieß Fiona frei heraus und ich wusste, dass das wieder auf einen Streit hinaus laufen würde. „Kaum ist er in Frankreich, hat der Kerl Eier in der Hose. Hätte er die früher schon gehabt, wären Zack und Max vielleicht nicht abgehauen …“
Mein Mund klappte nun ganz weit auf. Das hatte sie nicht wirklich gesagt oder? „Wow …“, sagte ich zuerst nur, bis ich meinen Wortschatz wieder fand. „Noch ein Wort über Leon und …“
„Und was?!“, warf Fiona ganz schnell dazwischen. Ich schwieg und versuchte mich ganz schnell wieder zu beruhigen. Doch Fiona hatte offenbar genug. „Bleib stehen und lass mich raus.“
„Wir sind gleich da. Jetzt lass den Mist!“, entgegnete ich wütend.
„Du sollst verdammt nochmal stehen bleiben!“, schrie Fiona mich an und griff mir in ihrer Rage und Betrunkenheit ins Lenkrad. Ich schrie, dass sie das lassen soll, doch da war es schon zu spät. Ich kam von der Straße ab und wir knallten gegen eine Straßenlaterne.

Fortsetzung folgt …!

8. Scherben bringen Glück …, oder sieben Jahre Pech – Teil 4
Ich stand im Badezimmer, mit beiden Händen angelehnt ans Waschbecken, und betrachtete mich im Spiegel. Meine Haare waren zerzaust, meine Lippe angeschwollen und unter meinem rechten Auge konnte ich die Stiche erkennen, an denen mich der Arzt zusammengeflickt hat. Ich war sicherlich keine Konkurrenz für Quasimodo, aber Miss Germany wurde ich bestimmt auch nicht mehr. Ich hätte mich natürlich so lange zu Recht machen können, bis ich wieder wie ein halbwegs ordentlicher Mensch aussah, aber meine Hände zitterten und … und ich wollte es nicht.
„Maria?“
Ich holte tief Luft und atmete einmal kräftig durch. Im Badezimmer war es stickig, also öffnete ich ein Fenster. Anschließend setzte ich mich auf den Rand der Badewanne und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Ich wusste was zu tun ist, aber die Umsetzung fiel mir schwer, sehr schwer!
„Maria …?“ Die Badezimmertür öffnete sich einen Spaltbreit und der Kopf von Fiona lugte ins Badezimmer. Sie sah nicht minder miserabler aus als ich, nur dass ihre Lippe normal aussah und sie ein paar Schrammen an den Wangen zu verzeichnen hatte. „Tut mir Leid, störe ich dich …?“ Ich schüttelte den Kopf. Es war soweit. Es gab für mich kein Zurück mehr. „Ich wäre dann soweit.“
„Hast du alles beisammen?“, fragte ich sie und versuchte dabei nicht allzu unhöflich zu wirken.
Fiona nickte und betrachtete sich genauso im Spiegel, wie ich es gerade getan habe. „Mann, ich sehe ja echt grauenvoll aus.“ Dann betrachtete sie mich und schluckte. „Es tut mir wirklich Leid …“
„Ja, dass sagtest du bereits mehrmals.“
Mit einem Mal herrschte Totenstille im Badezimmer. Wir hatten beide Glück, dass wir den Unfall heil überstanden haben, aber für mich war die Grenze erreicht. Ich zog einen Schlussstrich unter unsere Beziehung und wollte, dass sie aus unserer Wohnung auszog. Schuldbewusst ließ Fiona sich ohne zu Motzen darauf ein. Natürlich war mir ihr Schicksal nicht gleichgültig, aber unsere Freunde wussten sie sicherlich in dieser schweren Zeit aufzufangen. Ich konnte einfach nicht mehr die Person für sie sein, die sie in ihren Augen immer sah. Das erste Mal in meinem Leben wollte ich Single sein!
„Also dann … mach´s gut!“ Fiona schenkte mir zum Abschied ein Lächeln. Es war ein trauriges Lächeln und ich konnte mich dazu überwinden, dieses Lächeln in irgendeiner Form zu erwidern. Fiona drehte sich noch ein letztes Mal zu mir um, ehe sie aus dem Badezimmer verschwand. Ein paar Sekunden später hörte ich die Wohnungstür zufallen. Nun war es noch stiller als zuvor. Ich schlich zum Fenster und blickte zur Straße hinunter. Ich sah ein Taxi und Fiona mit ihrem schweren Koffer. Der Taxifahrer nahm ihr netterweise den Koffer ab und packte ihn in den Kofferraum. Fiona stieg ins Taxi, ohne ein letztes Mal aufzusehen. Kurz darauf fuhr das Taxi los. Fiona war fort. Ich war allein.
Erneut kamen mir die Tränen, dabei war ich sogar ganz froh, dass meine Beziehung zu Fiona endlich zu Ende war. Wir haben uns einfach nicht mehr gut getan und dennoch …

Ein Monat später. Ich saß im Auto auf dem Weg in meinen Heimatort. Allerdings zog ich es vor nur Beifahrerin zu sein, denn seit dem Unfall traute ich mich nicht, mich wieder hinters Steuer zu setzen. Immerhin hatte ich eine nette Wegbegleiterin. „Ich glaube Ryan verbringt den Sommer damit, sich noch mehr Bauchmuskeln anzutrainieren. Also ein wenig übertreibt er ja schon …, aber ich lieeebe es! Oh, mein Dad veranstaltet heute ein Barbecue. Wenn du möchtest, kannst du gerne mitkommen. Mein Dad hat gesagt ich soll dich fragen …“
„Sehr gerne.“, antwortete ich, ohne groß darüber nachzudenken.
„Wirklich?“ Caro schien sichtlich überrascht, aber auch besorgt. „Okaaay, aber dann solltest du wissen, dass auch Bobby da ist …“
Bei der Erwähnung von Bobby stellte ich meine Entscheidung kurzfristig in Frage, aber da ich wusste, dass meine Eltern erst Morgen aus ihrem Urlaub in Sizilien zurückkehrten und mir Zuhause die Decke auf den Kopf fallen würde, beließ ich es dabei. „Kein Problem. Wirklich. No problemo!“ Caro sah mich skeptisch an, aber beließ es dabei. Stattdessen wechselte sie lieber das Thema und fragte mich, wer als Nachfolger als neuer Leiter der CODA für Roy in Frage käme.

„Carobienchen!“, rief Herr Beck glückselig, als er seine Tochter in seinem Garten begrüßte und sie dabei innig umarmte. Ich kicherte innerlich in mich hinein, denn Herr Beck trug eine Schürze mit einem Männersixpack.
„Daaad.“, mahnte Caro ihn. Den Spitznamen konnte sie absolut nicht ab.
„Was denn? In meinem eigenen Haus werde ich dich ja wohl noch so nennen dürfen.“, verteidigte Herr Beck sich bei seiner Tochter. „Schade, Ryan ist nicht dabei, aber wie ich sehe, hast du eine andere bezaubernd aussehende Person mitgebracht.“
„Du kennst ja Maria und Ryan trainiert für das, wofür du eine Schürze benötigst.“, sagte Caro zu ihrem Vater und setzte dabei ihre Stirn in Falten. Wie ungesund.
„Natürlich. Herzlich Willkommen Maria. Ich hoffe du liebst Steak.“ Ich schüttelte Herrn Beck zaghaft die Hand. „Wenn nicht, es gibt auch ausreichend Salat.“, fügte er noch schnell hinzu, als er meinen Blick sah. „Bobby ist in der Küche und macht den Gurken- und Tomatensalat fertig. Seine Familie müsste auch bald eintreffen. Macht es euch solange gemütlich.“
„Okay, ich sehe in der Küche mal nach, ob ich Bobby helfen kann.“, meinte Caro, doch hielt ich sie schnell zurück.
„Lass mich das machen.“ Caro starrte mich verwirrt an. „Bitte …“ Caro nickte, setzte sich die Sonnenbrille auf und legt sich in den Liegestuhl, während ich mich in die Küche zu Bobby begab. Sein Gesicht war Gold wert, als er mich erblickte. „Hallo.“, begrüßte ich ihn ganz einfach.
„Was zur Hölle …?!“, stieß Bobby aus und schnitt sich dabei beinahe in die Finger.
„So schlimm gleich? Ich muss bei unseren letzten Begegnung einen wirklich miesen Eindruck bei dir hinterlassen haben.“, sagte ich, wusch mir die Hände im Spülbecken und griff nach den Tomaten.
„Sorry, ich …, ach keine Ahnung.“, sagte Bobby und schnitt die Gurke weiter in Scheiben. „Caro hat dich eingeladen, hm? Keine Sorge, Tobi ist nicht da. Er ist mit ein paar Kumpels zelten.“
„Okay …“ Eigentlich wollte ich das gar nicht wissen. Es interessierte mich auch nicht sonderlich. Ich wollte nur mit Bobby sprechen. „Ich …, ich wollte mich bei dir für mein Verhalten von damals entschuldigen.“ Bobby rutschte erneut mit dem Messer ab und dieses Mal schnitt er sich tatsächlich in den Finger. Er fluchte laut auf und hielt sich den Finger unters kalte Wasser. „Herrje, bist du ein Tollpatsch.“, sagte ich zu ihm und reichte ihm ein Tuch.
„Na du musst gerade reden …“, entgegnete Bobby und musterte die letzten verbliebenen Narben in meinem Gesicht. „Aber ich bin froh, dass dir nichts Schlimmeres widerfahren ist.“
„D-Danke.“, brachte ich gerade so heraus, woraufhin wir uns anschwiegen.
Doch sobald wir Blickkontakt hatten, konnten wir es nicht vermeiden, beide gleichzeitig das Grinsen anzufangen, gefolgt von einem lauten Gelächter. Caro kam zwischenzeitlich besorgt in die Küche gerannt, angelockt von dem Krach. „Oh wow, ihr seid beide verrückt geworden. Klasse!“

Ende von Maria´s Part!
Fortsetzung folgt…!

Hoffentlich gehts schnell weiter. Irgendwie könnt ihr das hier viel zu gut mit dem, es passiert was, zack Ende des Teilstücks :angry:
Gab es nicht auch eine Umfrage hier zum Thema Fetisch?
Gib es zu, das hier ist deiner. :stuck_out_tongue:

Ja, es macht mich total geil, euch (oder dich) mit Cliffhangern und so auf die Folter zu spannen :smiley:

Wusst ich Doch :unamused: aber wenigstens ehrlich.
So jetzt will ich dich aber nicht weiter vom schreiben abhalten.
Husch husch ab an Schreibtisch :flag:

Marias Part ist zu Ende und endlich, endlich steht mal ein (schwuler) Junge im Vordergrund! Im neusten Kapitel geht es um Roy Kirchner, den Gründer der CODA, Ehemann von Derek und ein begnadeter Pianist. Freut euch auf den Rotschopf!

9. Ein schwerer Schritt – Teil 1
„Gut, dann hätten wir denke ich alles weitere geklärt. Wenn Sie hier bitte noch unterschreiben würden, Herr Kirchner.“ Ich saß in einem Büro, mir gegenüber Gottfried West, der Eigentümer des Gebäudes, in dem die „Community of Dreaming Artist“ – kurz CODA – sich befand. Wir hatten uns über den Fortbestand der CODA in den nächsten Jahren geeinigt. Ich unterschrieb den Vertrag mit meinem Namen – Roy Kirchner. „Vielen Dank.“, sagte Herr West und heftete den unterzeichneten Vertrag in seinen Unterlagen ab, während er mir eine Kopie davon überreichte.
„Nein, ich hab zu danken, Herr West.“, entgegnete ich dankbar. „Ohne Sie gäbe es die CODA schon lange nicht mehr. Sie haben damals Tiberius Tanner das Grundstück abgekauft. Sie haben uns weiterhin dort drin wohnen lassen und Sie haben uns nie irgendwelche Steine in den Weg gelegt.“
„Zuviel der Lobeshymne.“, meinte Herr West beschämt und dann auch etwas rührselig. „Sie vergessen, dass mein Sohn ein Mitglied ihres Clubs war. Ich versuche nur das zu ehren, was er mit Ihnen und all den anderen aufgebaut hat.“ Ich nickte und musste an Oskar, den Sohn von Herrn West, denken, der vor mehr als drei Jahren bei einem schweren Autounfall ums Leben kam. „Haben Sie eigentlich schon einen Nachfolger, der ihre Position im nächsten Semester einnimmt?“
Die Frage kam so unverblümt, dass ich gar nicht wusste, was ich darauf antworten sollte. „Nein, noch nicht.“, antwortete ich Herrn West offen.
„Ihr Studium ist doch dieses Jahr zu Ende, oder?“, harkte Herr West nach.
„Ja und ich bin schon länger auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten, der den Platz als neuer Leiter der CODA einnimmt, aber bislang blieb die Suche erfolglos.“, antwortete ich wahrheitsgetreu. Herr West blickte mich an und ich hatte das Gefühl, als würden seine Augen mich durchbohren. Ich bekam ein mulmiges Gefühl.
„Sollte das weiterhin der Fall bleiben, wüsste ich jemanden, der Ihren Platz einnehmen könnte.“, sagte Herr West und mein mulmiges Gefühl wurde zugleich bestätigt. Ich traute mich gar nicht zu fragen, wen er damit meinte. Das war auch gar nicht nötig, denn Herr West war ein sehr offener Mensch. „Meinen Sohn, beziehungsweise einer ihrer ehemaligen Professoren.“ Ich hob die Augenbrauen. Shane West? Das hatte ich nun wirklich nicht erwartet und je mehr ich darüber nachdachte, desto komischer erschien es mir, dass ausgerechnet er mein Nachfolger werden sollte.
„Wir werden sehen …“, sagte ich lediglich und setzte ein falsches Lächeln auf.
„Denken Sie darüber nach. Lassen Sie sich Zeit und wenn Sie eine Entscheidung getroffen haben, dann kontaktieren Sie mich.“, sagte Herr West und reichte mir zum Abschied die Hand.

„Shane West? Ist das sein verdammter Ernst?!“, stieß Derek laut aus. Etwas zu laut, denn wir befanden uns in der CODA und um uns herum standen einige Studenten. Ich zischte meinen Gatten gleich an, er solle nicht so laut sein, denn das musste nun wirklich nicht gleich jeder wissen. „War der Mann betrunken, als er dir diesen Vorschlag unterbreitet hat?“
„Ich befürchte nein, aber bevor du dich noch weiter aufregst, es war ja nur so ein Gedanke seinerseits.“, sagte ich, wobei ich meinen eigenen Worten keinen Glauben schenkte.
„Sei bitte nicht naiv!“, entgegnete Derek sofort. Er kannte mich einfach viel zu gut. „Zugegeben, Herr West hat dir all die Jahre über viel freie Hand gelassen, aber wer sagt denn, dass sich das nicht ändert, sobald du mit deinem Studium fertig bist?!“
„Und wenn ich einfach weiterhin Leiter der CODA bleibe?“, fragte ich zweifelnd.
Derek verdrehte die Augen. „Oh Mann Roy, ich verstehe wie wichtig dir dieser Club hier ist, aber wir können doch nicht den Rest unseres Lebens hier verbringen! Wir hatten doch bereits ausgemacht, dass wir von hier wegziehen und im Herbst wollten wir außerdem zusammen nach New York.“
„Eigentlich wolltest nur DU nach New York, weil du bisschen Broadway-Duft schnuppern wolltest.“, entgegnete ich und mir war klar, dass ich damit womöglich einen Streit in Gang setzte, den ich später noch bereuen könnte. „Ich hingegen hab dir gesagt, dass ich dieser Metropole nichts abgewinnen kann und lieber ein paar Tage am Strand verbringen möchte.“
„An der Nordsee oder was?!“, griff Derek nun zurück. „Ich hasse das Gefühl, überall Sand an meinem Körper zu haben. Der klebt immer überall.“
„Ach so ein Unsinn. Willst du mir außerdem sagen, du würdest die toxische Luft von New York gegen die frische Luft und einer wohltuenden Meeresbriese eintauschen?“, bot ich nun Paroli.
„Frische Luft? Alles was ich rieche ist Möwendreck und der faulige Geruch von Fischen.“, sagte Derek und zog dabei dasselbe Gesicht, wie wenn er sich übergeben müsste.
Ich war genervt, Derek auch und so schnell würden wir sicherlich zu keiner Einigung kommen. Ich war einfach noch nicht bereit dazu, die CODA jemand anderem zu überlassen. Ich gründete den Club. Zwar waren nur noch Derek, Annabelle und ich von den Erstmitgliedern übrig, dennoch war jeder neue Tag wie der erste Tag. Ich fühlte mich hier wohl und geborgen.
„Tut mir Leid. Ich will mich nicht mit dir streiten.“, sagte Derek plötzlich und griff nach meiner Hand. „Wenn du unbedingt Strandurlaub machen willst, dann machen wir Strandurlaub. Nur lass es bitte nicht die Nordsee sein.“ Das mochte ich so sehr an Derek. Er konnte zwar alles dramatisieren, aber war dann stets zu einem Kompromiss bereit.
Ich lächelte ihn an und wir küssten uns, bis wir dabei unterbrochen wurden. „Also wenn du willst, kann auch ich mit dir an die Nordsee fahren.“ Derek und ich unterbrachen unseren Kuss und starrten den braunhaarigen Jungen an, der an uns herangetreten war. Sein Name war Jeff Brückner und er trat unserer CODA im Herbst letzten Jahres bei. „Dann kann Derek nach New York fliegen. Ich finde diese Chance sollte er sich nicht entgehen lassen. Immerhin ist das der Broadway!“
„Hey, Schmeißfliege, wer hat dich um deine Meinung gebeten?!“, reagierte Derek erbost. Leider mochte Derek Jeff so gar nicht, was wohl daran lag, dass er glaubte, Jeff würde mir schöne Augen machen. Das war natürlich ausgemachter Blödsinn, zumal ich nur Augen für Derek hatte. Manchmal hatte Derek seine Eifersucht einfach nicht in Griff und dann wurde er richtig, richtig bösartig.
„Oh hey sorry, das war nur ein gutgemeinter Vorschlag.“, verteidigte Jeff sich zugleich mit erhobenen Händen. Derek schaute ihn auch weiterhin an, als würde er ihm die Pest an den Hals wünschen, aber schwieg ihn an. „Wie auch immer. Ich bin der Meinung, dass Roy der beste Clubleiter auf der ganzen Welt ist und wenn er diesen Job weiterhin machen möchte, dann sollten wir ihn darin unterstützen.“ Ich blickte zu Derek und rechnete mit einem neuen Tobsuchtsanfall, aber Derek kehrte Jeff lediglich den Rücken und setzte den Wasserkocher auf, um sich einen Tee zu machen. Ich sah kurz zu Jeff, der mich ermutigend anlächelte und dann sah ich mich in der CODA um. Sollte ich vielleicht wirklich der Leiter der CODA bleiben? Die Alternative wäre Shane West …

Fortsetzung folgt …!

Es geht weiter und für alle Neulinge oder Vergesslichen gibt es die Wiki-Einträge zu Roy Kirchner und Derek Brunn!

10. Ein schwerer Schritt – Teil 2
„Hey Roy.“, begrüßte mich Jeff schlicht, als wir uns eine Woche später wieder in der CODA zu einem Meeting trafen. Einmal im Monat kamen alle aktuellen Clubmitglieder zusammen, um über die nächsten Projekte, Termine, Veranstaltungen sowie Lebensmittelversorgung zu sprechen. Natürlich ging es dabei auch um die Zukunft der CODA. „Ist Derek heute gar nicht hier?“, fragte Jeff mich.
„Ihm geht es nicht so gut und er wollte sich voll und ganz auf sein Studium konzentrieren.“, antwortete ich Jeff, ohne ihn anzusehen, da ich in meine Unterlagen vertieft war.
„Oh, ich hoffe es ist nicht meine Schuld, dass es ihm nicht gut geht.“, sagte Jeff. „Ich wollte ihm neulich wirklich nicht in die Parade fahren …“
„Schon gut. Das hat mit dir überhaupt nichts zu tun. Ist nur momentan alles sehr stressig und Derek hasst Stress!“, entgegnete ich und sah erstmals zu Jeff auf. Hätte ich das aber mal lieber sein lassen, denn als ich Jeffs Haar erblickte, wich ich erschrocken zurück. „Oh wow …“
„Was? Gefällt es dir? Sieht das an mir scheiße aus?“, fragte Jeff mich besorgt und griff sich mit der Hand durch sein flammenrotes Haar. Er sah damit exakt genauso aus wie ich.
Ich überlegte was ich antworten sollte. Es wäre gelogen, wenn mir die Farbe nicht gefallen würde, schließlich renne ich seit mehreren Jahren selber damit herum, aber an Jeff … und warum?! „Es … sieht ungewohnt an dir aus. Deine braunen Haare haben dir doch gut gestanden.“
„Jaaa naja, ich wollte einfach mal was ausprobieren.“, erklärte Jeff sich. „Und deine Haarfarbe hat mir schon vom ersten Tag an gefallen, als ich deiner CODA beigetreten bin.“
„Naja, dir muss es gefallen.“, sagte ich und hoffte, dass es nicht irgendwie falsch rüber kam.
„Hey Roy, wir wären dann alle soweit.“, sagte meine Schwester Annabelle und zeigte auf die versammelten Clubmitglieder. Beim Anblick von Jeffs Haaren blieb sie im Vergleich zu mir ganz cool, wenngleich sie ein kleines kurzes Räuspern nicht verbergen konnte.
„Ich komm sofort. Ich trink nur noch ein Schluck Wasser.“, sagte ich zu Annabelle.
„Ich hol dir schnell eins.“, sagte Jeff sofort und eilte in die Küche.
Meine Schwester stellte sich neben mich und beide starrten wir Jeff hinterher. „Du warst ja schon immer bei Jungs und Mädchen sehr beliebt, aber so einen Fanboy hattest selbst du noch nicht.“ Ich schüttelte den Kopf. „Derek muss höllisch aufpassen.“
„Was? Nein!“, zischte ich Annabelle an. „So ein Unsinn. Jeffs neue Frisur hat nicht im Geringsten etwas mit mir zu tun.“
Jeff kehrte mit dem Glas Wasser zurück und überreichte es mir. „Extra schön kalt, wie du es magst. Oh und bevor ich es vergesse. Ich wollte dich fragen, ob du mir eventuell mal ein paar Klavierstunden geben könntest. Ich hab vor einiger Zeit damit angefangen, aber bin noch nicht so gut darin … naja, so gut wie du werde ich sowieso nie, aber es macht Spaß und das ist doch die Hauptsache.“
„Ähm … ich überlege es mir.“, antwortete ich Jeff verdutzt und innerlich sogar ein wenig ängstlich.
„Cool.“, sagte Jeff und gesellte sich anschließend zu den anderen Clubmitgliedern.
„Fanboooy.“, flüsterte Annabelle mir ins Ohr. „Und wenn du denkst, dass das alles noch immer nichts mit dir zu tun hat, dann rede dir das nur weiterhin ein, aber wir beide und Derek wissen, dass dieser Junge total auf dich steht. Armer Derek, aber was soll´s.“ In Bezug auf Derek funktionierte Annabelles spitze Zunge noch immer tadellos. Doch ich war geübt darin, so etwas zu ignorieren. Viel mehr musste ich mir Gedanken um Jeff machen, denn so konnte das keinesfalls weiter gehen.

„Ich hab mir überlegt, New York um ein oder zwei Jahre zu verschieben. Ich meine, die Stadt läuft mir ja nun wirklich nicht weg, im Gegensatz zu dir, wenn wir uns weiterhin streiten.“, sagte Derek, als ich nach der Versammlung in der CODA nach Hause kam. Er hatte die freie Zeit nicht nur zum Lernen genutzt, sondern auch zum Kochen. Zudem schien er eine weiße Entscheidung getroffen zu haben. „Hey, alles gut? Du wirkst etwas blass im Gesicht.“
„Ja, alles gut.“, antwortete ich und gab Derek einen besinnlichen, aber langanhaltenden Kuss.
„Oookay Stopp!“, rief Derek und beendete den Kuss abrupt. „Du kannst meinetwegen der beste Küsser im ganzen Universum sein, aber wenn du das Essen kalt werden lässt, welches ich dir extra zubereitet habe, dann kommt es wirklich noch zum Ehestreit!“ Ich grinste Derek an und setzte mich an den Tisch. Normalerweise war ich es immer, der für uns Beide das Essen zubereitete, dass Derek nun mal derjenige war, glich einem Sechser in Lotto. „Hm.“ Derek wollte etwas sagen, kaute aber erst sein Essen runter. „Beinahe vergessen. Herr West hat heute Nachmittag hier angerufen.“
Ich sah von meinem Teller auf. „Was wollte er?“
„Ich weiß nicht, aber er meinte du sollst bei ihm baldmöglichst vorbeischauen, weil er dir etwas zeigen möchte.“, antwortete Derek mir und stach mit der Gabel in sein Essen.
„Und das erzählst du mir erst jetzt?!“, fragte ich erschrocken und aufgewühlt.
„Tut mir Leid, aber ich hatte Migräne vom Lernen und ich wusste, dass du auch viel um die Ohren hast, da wollte ich dir eben etwas Kochen. Dafür musste ich aber vorher noch in den Supermarkt und in all dem Stress hab ich das irgendwie vergessen.“
Ich war Derek nicht böse. Unsere beiden Köpfe waren einfach mit allerlei Dingen voll. Ich war zwar kein Raucher, aber mein Kopf qualmte dennoch wie verrückt. „Ich schau morgen früh gleich noch im Büro bei ihm vorbei.“
„Hast du morgen nicht einen Termin mit deinem Musikdozenten?“, fragte Derek mich skeptisch.
„Ach das schaff ich schon.“, winkte ich problemlos ab.
„Gut, denn bitte vergiss nicht, dass deine Zukunft dabei auf dem Spiel steht.“, sagte Derek mit ernstem Gesichtsausdruck zu mir. „Die CODA ist nur zweitranging. Genaugenommen sogar drittranging, da ich hoffe, dass ich an erster Stelle komm.“
Ich lächelte. „DU wirst für mich immer das Wichtigste sein!“ Derek schien genau das von mir hören zu wollen und trotzdem hatte ich das Gefühl, irgendwas vergessen zu haben.

„Herr Kirchner.“, begrüßte mich Herr West leidenschaftslos. Ich trat in sein Büro und wusste auch zugleich, warum der Mann alles andere als gut gelaunt war. Sein Fenster hatte ein riesiges Loch vorzuweisen. „Meine Putzfrauen haben die Scherben bereits beseitigt, aber das hier, hab ich aufgehoben, wo ich es Ihnen doch unbedingt zeigen wollte.“ Ich blickte Herrn West unwissend an, als er mir einen Stein vor die Nase legte. „Oh stimmt ja, das war noch dabei und zwar um den Stein mit einem Gummi herumgewickelt.“ Herr West überreichte mir noch einen weißen Zettel. „Er ist etwas zerknüllt, weil ich sehr wütend über diese Worte geworden bin.“, rechtfertigte Herr West sich bei mir und sah mich dabei weiterhin an, als hätte ich dieses Verbrechen begangen.
Ich faltete das Papier auseinander und begann den Text zu lesen: „Das ist nur eine Warnung. Wenn sie noch einmal versuchen Roy Kirchner aus der CODA und als Clubleiter zu verdrängen, dann werden wir andere Maßnahmen ergreifen. Sie sind gewarnt!“ Der Brief war noch mit „CODA“ unterzeichnet.
„Herr Kirchner … ich fürchte wir haben nun ein Problem miteinander.“, sagte Herr West.

Fortsetzung folgt…!

Frohe Ostern und viel Spaß mit dem neuen Teil! :flag:

11. Ein schwerer Schritt – Teil 3
„Der kann doch nicht ernsthaft glauben, dass du diesen Stein geworfen hast!“, schrie Derek aufgebracht, als ich von meinem Treffen mit Herrn West in unsere Wohnung zurückkehrte und ihn über die neusten Entwicklungen in Kenntnis setze.
„Tut er auch nicht, aber irgendwer aus der CODA muss es gewesen sein.“, erklärte ich Derek. „Er hat mir auch unmissverständlich klar gemacht, dass wenn ich den Schuldigen nicht finde und Konsequenzen ziehe, er sie ziehen wird …“
„Der soll sich nicht so anstellen. Dann lassen wir das Fenster eben reparieren …“, meinte Derek.
„Es geht nicht um das kaputte Fenster!“, entgegnete ich laut und Derek sah mich verständnislos an. „Herrn West wurde gedroht! Ist doch klar, dass er das nicht auf sich sitzen lässt. Wir können von Glück reden, dass er nicht zur Polizei gegangen ist.“
„Und was willst du jetzt tun?“, fragte Derek mich. „Den Stein könnte jeder geworfen haben. Die Anzahl unserer Mitglieder beträgt derzeit 48, minus zwei, wenn wir uns abziehen.“
„Minus drei, denn Annabelle würde so etwas auch nie tun!“, entgegnete ich sofort.
„Hm …“ Derek überlegte kurz, schien dann aber schnell einen Schuldigen gefunden zu haben. „Hey, was ist denn mit dieser Schmeißfliege? Wie hieß er doch gleich …?“
„Jeff und hör auf ihn so zu nennen.“, antwortete ich mehr als mies gelaunt.
„Wie denn? Ich soll ihn nicht Jeff nennen?“
Ich warf meinem Gatten einen vorwurfsvollen Blick zu. Er wusste genau, was ich meinte, aber Jeff hatte er schon lange auf den Kicker. „Ach ich weiß nicht.“, sagte ich schließlich. „Jeff mag vielleicht etwas eigenartig sein, aber ein Stein samt Drohung in Herrn West Büro werfen …?“
„Ich nehme an auf dem Stein waren keine Fingerabdrücke?“, fragte Derek hoffnungslos nach.
Ich schüttelte den Kopf. „Ich hab dir doch gesagt, dass Herr West nicht zur Polizei gegangen ist. Keine Ahnung, ob da Fingerabdrücke drauf sind.“
„Dann müssen wir diesen JEFF eben mit diesem Verdacht offen konfrontieren.“, sagte Derek, der sich zwang, Jeff beim Namen zu nennen. Ich pflichtete dem bei, glaubte aber kaum, dass Jeff, sofern er wirklich der Täter war, seine Tat auch zugab.

„Nein, natürlich war ich das nicht!“, antwortete Jeff uns augenblicklich, als Derek und ich ihn kurz darauf in der CODA zur Rede stellten.
„Ach, natürlich lügt er.“, sagte Derek sofort, von Jeffs Unschuld nicht überzeugt.
„Ach, tu ich das ja?“, entgegnete Jeff angriffslustig. „Wie sieht es denn mit dir aus? Vielleicht hast ja auch du den Stein geworfen!“
Derek verzog empört das Gesicht. „ICH?! Ich war den ganzen Tag mit Migräne zu Hause und hab für mich und meinen Schatz gekocht!“
„Und du warst wirklich den ganzen Tag über Zuhause?“, harkte Jeff noch einmal nach.
Derek wollte zunächst antworten, schwieg dann aber lieber und ich erinnerte mich daran, wie er mir erzählte, dass er unsere Wohnung verließ, um kurz einzukaufen. Was wenn er einen Abstecher bei Herrn West gemacht hatte? Unsinn. So etwas würde Derek nie tun! Das ich überhaupt daran dachte, war mir selbst mehr als unangenehm.
„Ich war es nicht.“, zischte Derek Jeff wiederholt an. „Und mir reicht es langsam mit dir. Was soll dieser Affenzirkus? Du versuchst mir die Schuld in die Schuhe zu schieben, in der Hoffnung bei Roy freie Bahn zu haben, aber da hast du dich verkalkuliert Freundchen – nicht mit mir!“
„Derek, beruhig dich doch bitte …“, bat ich ihn freundlich, da viele andere Clubmitglieder uns bereits aufmerksam belauschten.
„Nein Roy!“, entgegnete Derek laut. „Siehst du denn nicht, wie die Schmeißfliege sich an dich ranzeckt? Vor allem: Siehst du DAS nicht?!“ Derek packte Jeff an den Haaren, die wie meine feuerrot waren. Jeff stieß einen lauten Schrei aus und wehrte sich, indem er Derek in die Rippe boxte. Derek ließ Jeff daraufhin los und brach schmerzerfüllt auf dem Boden zusammen.
„Ich hab mich nur gewehrt!“, schrie Jeff mit erhobenen Händen.
„Derek, ist alles in Ordnung?“, fragte ich meinen Ehemann besorgt, doch Derek jauchzte nur.
„Es tut mir Leid, dass ich ihn geschlagen habe. Soweit hätte es nicht kommen müssen, aber du hast ja selber gesehen und gehört, wie er mit mir umgesprungen ist. Ich musste mich wehren!“, erklärte Jeff sich. Obwohl er damit wohl Recht behielt, war ich gerade nur stocksauer auf Jeff. Dies schien er selbst zu merken. „Okay …, okay, ich weiß wenn ich hier unerwünscht bin. Ich trete aus der CODA aus!“ Mit diesen letzten Worten verschwand Jeff. Den Täter, der den Stein samt der Drohung warf, hatten wir immer noch nicht, dafür aber noch mehr Ärger als zuvor.

„Wie geht es Derek?“, fragte Annabelle mich tatsächlich besorgt, als ich aus unserem Schlafzimmer, in dem Derek sich von dem Schlag erholte, in die Küche zurückkehrte.
„Besser. Er kann schon wieder meckern ohne Ende.“, antwortete ich ihr und setzte mich zu ihr an den Tisch. Sie schob mir eine Tasse Tee entgegen, den ich nur allzu gerne annahm.
„Derek ist die geborene Dramaqueen.“, meinte Annabelle mit einem süffisanten Lächeln.
„Naja, du hättest mal sehen sollen, wie Jeff ihm eine reingehauen hat.“, verteidigte ich Derek vor meiner Schwester.
„Und Jeff ist einfach gegangen?“, fragte Annabelle mich weiter aus. „Hm … dann hab ich mich wohl geirrt.“
„Mit was?“, fragte ich verwirrt.
„Na das er in dich vernarrt ist. Wenn er wirklich in dich verknallt wäre, wäre er nicht einfach gegangen und hätte dich kampflos aufgegeben.“, erklärte Annabelle mir „Vielleicht warst du wirklich nur eine Art Vorbild für ihn.“
„Ist mir egal was ich in seinen Augen bin oder war. Er sollte sich bei Derek entschuldigen!“
„Ja klar, als ob Derek diese Entschuldigung annehmen würde. Der würde doch nur weiterhin auf Jeff rumhacken.“, meinte Annabelle, womit sie wahrscheinlich sogar Recht hatte.
„Meinst du, ich sollte zu Jeff gehen und nochmal mit ihm reden?“, fragte ich Annabelle unsicher, was ich als nächstes tun sollte. „So gesehen war er ja schon ein netter Kerl.“
„Das musst du wissen, aber viel wichtiger ist doch die Frage, wer denn jetzt den Stein geworfen hat.“ Annabelle und ich blickten uns ratlos an.
„Egal wer ihn geworfen hat …“, sagte ich nach einer Weile, „… er hat damit einen Stein ins Rollen gebracht, von dem die Zukunft unserer CODA abhängt.“

Fortsetzung folgt …!

Also so langsam komme ich rein in deine Geschichte :slight_smile: und finde sie mittlerweile auch interessanter mit Derek und Roy.
Es ist mir (ungewöhnlich für deine Geschichten ) diesmal echt schwer gefallen . Das liegt vermutlich an den vielen Personen aus unterschiedlichen Kontexten und den langen Zeitspannenen zwischen den Geschichten.

Aber jetzt bin ich gespannt, wohin sich das Ganze entwickelt.

Interessanter mit Roy und Derek? Mist, denn heute endet Roy´s Part auch schon wieder! :smiley:
Wir haben jetzt auch die Hälfte dieser Geschichte erreicht. Lass dich überraschen, um wen es im nächsten Kapitel geht :wink: .

12. Ein schwerer Schritt – Teil 4
Es war das erste Mal, dass ich Jeff bei sich zuhause besuchte. Ich hatte ein mulmiges Gefühl, als ich die Treppen zu seiner Wohnung empor stieg und schließlich an seiner Tür klingelte. Jeff öffnete mir die Tür und blickte mich mehr als überrascht an. Klar, damit hatte er wohl nicht gerechnet. „Hey Jeff, sorry das ich unangemeldet hier reinschneie, aber ich muss mit dir reden.“
Jeff blickte mich nach wie vor wortlos an. Ihm schien es irgendwie die Sprache verschlagen zu haben, doch mit einer Handbewegung gab er mir die Erlaubnis, seine Wohnung zu betreten. Ich sah mich ein wenig um, denn im Flur standen mehrere Kartons, sodass nur wenig Platz zum Stehen und Gehen vorhanden war. „Bist du am Umziehen?“, fragte ich neugierig.
Jeff schüttelte den Kopf. „Ich leb quasi aus den Kartons. Ich bin ein ziemlicher Chaot was das angeht.“
„Oh.“, sagte ich und folgte Jeff schließlich in die Küche. Immerhin da sah es etwas ordentlicher aus. Offenbar war Jeff gerade mit dem Abwasch beschäftigt gewesen, als ich an der Tür klingelte, denn im Waschbecken stapelte sich das dreckige Geschirr im Schaumwasser. „Ich will auch wirklich nicht lange stören.“, sagte ich. „Aber ich hatte das Gefühl, als müsste ich mit dir reden.“
„Du hattest das Gefühl mit mir reden zu müssen?“, fragte Jeff mich erstaunt.
Ich nickte dezent. „Jaaa, das was heute in der CODA passiert ist, tut mir wirklich leid. Derek hätte dich nicht so grob behandeln dürfen …“ Jeff sah mich an. Ich konnte seinen Blick nicht ganz zuordnen. „Ich weiß ja wie er manchmal ist, wenn er eifersüchtig ist. Was natürlich ausgemachter Blödsinn ist. Ich fände es schade, wenn wir dich wegen dieses Streites verlieren würden …“
„Du hast mich nicht verloren.“, stieß Jeff pfeilschnell aus.
„Naja, du hast gesagt, dass du aus der CODA austrittst …“, entgegnete ich verwirrt.
„Wenn du möchtest, dass ich zurückkehre, dann tu ich das. Für dich!“, erklärte Jeff mir und in seiner Stimme lag ein Hauch von Wahnsinn. Mein mulmiges Gefühl, mit dem ich hierhergekommen war, wurde von Sekunde zu Sekunde größer.
„Also … ich, also wir, würden uns jedenfalls sehr darüber freuen, wenn du …“ Ich versuchte sachlicher an die Sache ranzugehen, doch Jeff wirkte mit einem Mal wie ausgewechselt. Ich fühlte mich völlig überrumpelt, als er auf mich zukam, mich gegen die Wand drückte und mir keine Chance ließ, mich zu wehren, oder mich aus seinem festen Griff zu befreien. „Jeff, was tust du …“
„Schhhh …“ Jeff legte mir seine linke Hand auf den Mund und brachte mich so zum Schweigen. Angst überkam mich. Annabelle und Derek schienen mit ihrem Verdacht doch Recht behalten zu haben. „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie glücklich es mich macht, dass du meinetwegen hierhergekommen bist.“, sagte Jeff ganz leise zu mir, während seine Augen wie Irre funkelten. „Solange hab ich darauf gewartet. Du und ich, ganz alleine. Du willst mich wieder haben? Du willst mich bei dir haben?“ Jedes Wort von Jeff klang so irre, dass ich selbst nicht glauben konnte, wie ein Mensch die Realität nur so stark aus den Augen verlieren konnte. „Wir werden zusammen sein. Ich werde für immer bei dir bleiben. Wir werden eins. Du und ich.“, sagte Jeff und wirkte dabei endgültig wahnsinnig auf mich. Worauf hatte ich mich da nur eingelassen? „Und ich werde dafür Sorge tragen, dass dieser inkompetente West dich nicht als Leiter der CODA absetzt. Der Stein und die Drohung waren nur das Vorspiel. Jetzt werde ich richtig Ernst machen!“ Also war es tatsächlich Jeff. Inzwischen kam ich mir ausgesprochen dämlich vor. Alle Indizien hatten für ihn gesprochen, doch wollte ich es einfach nicht wahrhaben. Jeff nahm seine Hand von meinem Mund und küsste mich ungefragt. Ich riss erschrocken meine Augen weit auf. Der Kuss gab mir die nötige Kraft meine Angst zu überwinden und mich endlich gegen Jeff zu wehren. Ich löste mich von seinem Griff, schubste ihn von mir weg und trat ihm anschließend mit meinem rechten Bein in die Eier. Jeff schrie auf und kippte vornüber zu Boden. „Waaaruuum?“, fragte er jauchzend.
„Weil du ein geisteskranker Irrer bist. Du und ich – das gab es nie und wird es auch nie. Du lebst in einer Traumwelt. Doch damit ist es jetzt Schluss.“, antwortete ich ihm wütend, aber auch ernsthaft. „Lass dich bei mir oder in der CODA nie wieder blicken, sonst bereust du das.“ Ich war drauf und dran zu gehen, bis mir noch etwas einfiel: „Ach und noch etwas: Rot steht dir absolut nicht!“

„Sie können mir also keinen Schuldigen präsentieren?“, fragte Herr West mich einen Tag später, als ich ihn zusammen mit Derek in seinem Büro aufsuchte.
„Haben Sie gerade nicht zugehört?“, fragte Derek ihn erbost. „Den Stein samt der Drohung hat dieser irre Jeff Brückner geworfen. Roy hatte mit der ganzen Sache nichts am Hut. Er ist unschuldig!“
„Ja und wo ist dieser Herr Brückner jetzt?“, fragte Herr West. „Warum ist er nicht hier und sagt mir das alles selber ins Gesicht?“
„Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass es besser ist, wenn Sie ihn nie begegnen werden.“, antwortete ich Herrn West. „Und wenn er schlau ist, wovon ich leider ausgehe, dann lässt er sich weder bei Ihnen, in der CODA, noch bei mir oder bei meinem Ehemann jemals wieder blicken.“
Herr West blickte mich mit beiden Augen eindringlich an. Er schien noch nicht ganz so zufriedengestellt zu sein, doch außer dieser Erklärung konnte ich ihm leider nicht mehr bieten. „Also schön, vergessen wir das Ganze.“, sagte er schließlich und der Fall schien ad acta gelegt worden zu sein. „Jetzt bleibt nur noch zu klären, wer ihr Nachfolger als Leiter der CODA werden wird.“
„Was das angeht, haben wir bereits auch so unsere Gedanken dazu gemacht.“, sagte ich und blickte dabei zu Derek, der einvernehmlich nickte. „Wir wissen keinen geeigneten Nachfolger, aber wir haben uns darüber beraten, was für und gegen Professor West, also ihren Sohn, sprechen würde.“
„Ich bin ganz Ohr.“, sagte Herr West, nun wieder etwas zufriedener gestimmt.
„Dagegen spricht eindeutig, dass der Club ein Ort ist, an dem junge Menschen ihre Träume verwirklichen sollen und können. Shane West ist alles andere als jung und hat seine Träume wohl schon erfüllt. Allerdings war sein klein Bruder …, ihr Sohn, auch ein Mitglied unserer CODA. Oskar konnte seine Träume nie verwirklichen und vielleicht vermag es Shane West, Oskars Träume in irgendeiner Form zu verwirklichen.“ Mit einem Mal wurde es ganz still im Büro. Mir war klar, dass ich Herrn West gerade an den traurigen Verlust seines Sohnes erinnerte, doch auch wenn Oskar nicht mehr am Leben war, so war er immer ein fester Bestandteil unserer CODA geblieben. „Ich will mich kurz fassen: Wir würden Shane West gerne eine Chance geben, sofern er selber das auch möchte.“
Herr West lächelte mit einem Hauch von Traurigkeit. „Ich werde ihn gleich anrufen.“

Jeff stieg mit einem Rucksack und einer vollbepackten Tasche in einen Zug ein. Auf der Suche nach eine freien Platz wurde er bei einem gleichaltrigen Jungen fündig. „Hallo, ist dieser Platz noch frei?“
„Ja klar, setz dich.“, antwortete der fremde Junge ihm freundlich.
„Dankeschön.“ Jeff lächelte den Jungen ebenfalls an. „Das wird eine lange Fahrt. Ich freu mich schon auf Paris. Die Menschen behaupten immerzu, dass wäre die Stadt der Liebe.“
„Ist sie auch.“, schmunzelte der fremde Junge und betrachtete Jeffs rote Mähne. „Coole Haare.“
„Danke! Ich denke die Zugfahrt wird interessant.“, sagte Jeff mit einem Blick in die Zukunft.

Ende von Roy´s Part!
Fortsetzung folgt …!