Muss ich mich für immer verstecken?

Hallo liebes Boypoint forum,

Ich habe Angst das ich schwul sein könnte, nicht weil ich Schwule hasse, sondern weil es total ungünztig in meinen Leben wäre. Ich bin ein leidenschaftlicher Bastler und interesire mich für Technik. Deshalb mache ich zur Zeit eine Ausbildung zum Elektriker in der bayrischen Provinz. Für einen höheren Bildungsweg hatt es leider nicht gereicht. Ich weiß wie intolerant mein Job und mein Wohnumfeld ist. Leider scheint es in der Stadt schlechter mit Arbeit auszusehen.
Muss ich mich für immer verstecken falls ich schwul bin? Werde ich nie frei leben können? Oder gibt es doch einen Weg auf dem Land zu leben?

Man muss ja nicht mit einem Schild rumrennen wo draufsteht “Ich bin schwul!”. Genauso wenig musst du dich verstecken. Wenn jemand dich fragt kann man ja ruhig ehrlich antworten, oder aber man sagt etwas ausweichendes, zum Beispiel: “Über so etwas redet man nicht”.
Fazit: Es muss ja nicht jeder wissen. Oder nimmt die sexuelle Orentierung so einen hohen Stellenwert ein?

Für so etwas sollte sich niemand verstecken müssen! Natürlich wirst du frei leben können. Nach deiner Ausbildung kannst du zum Beispiel in einer anderen Region einen Arbeitsplatz suchen und dorthin ziehen.

Ich würde auch nicht auf dem Land leben wollen. Viele (ich glaube es ist die überwiegende Mehrheit von uns auf BP) sind geoutet. Ewig verstecken musst du dich nicht, es kann aber evtl. noch dauern, bis du es “wirklich” offen Leben kannst.

Ich würde erst mal eltern und freunde unauffällig dazu befragen. Die wissen es ja am ehesten…

Wann ist das denn schon “voll günstig”? :flag:

ich bin nur schwul weil mein steuerberater mir das empfohlen hat!

scherz beiseite, ich denke schwul sein ist nicht das leichteste aber ein wahrer mann geht nicht den leichtesten weg, sondern seinen eigenen. :wink:

Gut ich kann mich ja verstecken, aber was mache ich wenn ich eine dauerhafte Beziehung eingehen möchte.

Nochmal: Wieso ist das nicht günstig für dich? Günstig für DICH ist doch alles, womit du glücklich bist bzw. werden kannst. Wenn du nem süßen Typen begegnest und er so gaaanz rein zufällig auch noch dein Freund wird und du glücklich bist - tja, was ist daran noch ungünstig.

Da ich selber aus einem kleinen Dorf bin, kenne ich dieses von hintenrum geführte hinterlistige Dorfgeschwätz nur zu gut. Da steckt man nicht drin. Ich habe für mich so für erste den Weg eingeschlagen es zwar (noch) keinem auf die Nase zu binden, aber es bei Fragen (noch nicht passiert, vielleicht muss ich da mal nachhelfen :smiley:) auch nicht zu leugnen. Ob man dann zu “bist du schwul” “ja” sagt, drumrum redet oder den Mittelweg nimmt und sich rantastet, muss man vor Ort
entscheiden.

Der Mittelweg könnte so aussehen:
“Bist du schwul?”
“Ein Problem damit, wenn es so wäre?”

An Hand der Reaktion lässt sich so einiges Abklären. Ich habe dank Outings in meiner Umgebung die Erfahrung gemacht, dass selbst das Dorf nicht so homophob ist, wie es immer tut.

Auf keinen Fall solltest du Angst davor haben. Dass ein Outing schwer ist weiß ich. Ich kämpfe immer noch mit mir, aber lange wird das nicht mehr dauern. Ich habe die Versteckerei nämlich satt und wenn du eine Beziehung eingehen willst, würde ich dir Raten es zumindest deinem engeren und vertrauteren Umfeld mitzuteilen. Es bringt ja schließich auch nichts völlig Homophoben das auch noch hinterzurufen. Das schwerste war für mich das innere Coming out. Man muss es selbst voll akzeptieren, bevor man dazu stehen kann. Bei mir hat das vom 13 Lebensjahr bis mehr oder weniger vor einem halben Jahr (aktuell 19 J.) gedauert. Für mich verlorene Zeit.

Wie sieht es denn bei deinen Eltern aus oder Geschwistern? Würden die sowas unterstützen bzw. akzeptieren? Oder bester Freund, beste Freundin. Du musst es ja noch nicht sofort sagen. Sei dir erstmal sicher, ob du nun wirklich schwul oder bi bist. Aber mit einem zumindest toleranten Elternhaus ist der erste Schritt schonmal nicht ganz so schwer, ob und wann immer du ihn gehen willst.

Also dann liebe Grüße
gutgelaunt

Aber man liest doch ständig davon das man geschlagen, bespuckt und die eigenen Hauswände bedchmiert werden

Wo passiert sowas denn. o.O Das sind Straftaten da kann man gegen klagen… im Notfall halt ne Kamera installieren. So und wenn das wirklich jemand macht dann hat das schon lange nichts mehr mit dem “Schwulsein” zu tun, derjenige hat einfach nur einen Grund gesucht.

Ich glaube du hast die falsche Berichte geschaut, dass du von solchen Reaktionen ausgehst. Solche Reaktionen sind ein worst case Szenario. Die Wahrscheinlichkeit, dass sowas heutzutage in Deutschland passiert ist gefühlt eins zu eine Millionen, wenn nicht sogar geringer. Wenn die Reaktionen homophob und negativ sind, dann äußern sie sich auf dem konservativen Land eher darin, dass man dich meiden würde.
Dass man auch im Konservativen Hinterland akzeptiert werden kann zeigt Michael Adam. Er ist ein schwuler, geouteter SPD Landrat in Niederbayern, der trotzt intimer Stunden mit Männer in seinem Amtszimmer keine negativen folgen zu spüren bekam, sondern die Unterstützung seiner Gemeinde und der ansässigen Wirtschaft hat. Denn den Leuten ist es egal, ob er schwul ist und mit wem er sich nach Dienstschluss trifft. Der Mensch zählt.

Nur das das die Berichte sind von den man am meisten liest…

Wenn es nach den meistgesehenen Berichten eght stürtzt auch jedes Flugzeug ab :stuck_out_tongue:

weil sich schlechte nachrichten besser verkaufen und mehr einprägen? warum sollte es eine schlagzeile geben “schwulem in Bayern ist nach Outing nichts passiert!”

oder um akils beispiel aufzugreifen “flugzeug auf dem weg nach italien nicht abgestürzt, alles in Ordnung”

Leider Gottes gibt es in der Welt eine Sensationsgier. Alles muss immer dramatisch sein oder dramatisiert werden, damit es beim Leser oder Hörer ankommt. Etwas muss erst total schlecht laufen, damit mal ein paar Leute aufwachen und sich fragen, “moment mal, was passiert hier gerade eigentlich?”. Bestes Beispiel ist das Video des ?amerikanischen? Jungen, bei dem das Outing extrem schlecht gelaufen ist. Aber er hat hunderttausende Unterstützer im Internet gefunden. Ich denke nicht, dass das in irgendeiner Form so extrem eskalieren wird. Nochmal die Frage, weißt du denn wie deine Familie dazu steht? Extrem Homophobie geplagte Menschen müssen das ja nicht wissen, damit ihre Symptome nicht noch schlimmer werden.

Aber es heist doch ständig schwules Leben auf dem Land sei schwieriger.

Mit welchen Nachteilen muss ichwirklich rechnen?

Das kann man vorher nie sagen, wie die Leute reagieren. Es kommt ganz auf den Einzelfall/das Umfeld an. Versuche das doch mal durch allgemeine Diskussionen auszuloten! :slight_smile:

Natürlich ist es auf dem Land sehr schwer. Und in einem handwerklichen Beruf erst recht. Auch in einer größeren Stadt ist es nicht leicht, selbst in sozialen Berufen. Mein Freund hat daher darauf bestanden, dass wir uns nicht outen. Wir können höchstens in der nächsten Großstadt mal in die Szene gehen (was wir kaum machen). Selbst in meiner Stadt (ich hätte kein so großes Problem mit einem CO) lassen wir uns nicht anmerken, dass wir zusammen sind. Man könnte ja jederzeit jemanden aus seinem Nachbardorf treffen.

Also erstmal bis auf weiteres das volle Doppelleben. Und da das volle Programm: Jugendtreff, Feuerwehr, Eltern, Freunde, Geschwister, Nachbarn, Dorffeste.

Ich würde mich an Deiner Stelle vorerst nicht outen. Solange Du keinen festen Freund hast, braucht es das auch nicht.
Die meisten ziehen früher oder später sowieso in eine Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern, besser sogar mehr als 700.000, damit sie sich in großen Teilen anonym bewegen können. Suche Dir aber eine schwule Jugendgruppe in der nächsten Großstadt, wenn Du die Möglichkeit dazu hast. Das wird Dir gut tun.

Da warten wir mal ab! Ich bringe sehr wenig Verständnis dafür auf, wenn jemand, der in einer festen Partnerschaft lebt, mit einem fremden Mann im Amtszimmer des Landrates unter Zuhilfenahme von Drogen (/Poppers) Sex hat. Und nicht nur einmal, soweit ich weiß.

Natürlich haben einige gegen den geforderten Rücktritt demonstriert, denn wenn andere Landräte fremdgehen, treten sie auch nicht zurück. Ein Skandal war es allemal. Also warten wir mal bis zur Wiederwahl ab. Ich war enttäuscht.

Das kommt darauf an, wie weit fortgeschritten die Leute in ihrer Denkweise sind:

Im schlimmsten Fall verlierst Du so viele Sozialkontakte, dass Du dort gar nicht mehr leben willst. Mit dem Elternhaus kann es sich ähnlich verhalten: enterbt und verstossen. Du bist dann das schwarze Schaf in der Familie evtl. sogar in der ganzen Verwandtschaft.

Vor unüberlegtem Handeln würde ich daher abraten. (wenn CO: Vor allem so langsam das Umfeld vom inneren Kreis aus einweihen. Es kommt nicht gut, wenn die Mutter beim Metzger angesprochen wird, ob das denn nun stimmt, dass ihr xxxxx nun schwul geworden ist.)

Du solltest dann schon schwule Freunde haben, die Dir helfen bzw. ein neues solziales Umfeld aufgebaut haben.

Ein guter (hetero-)Freund hat mir vor kurzem folgende Geschichte erzählt:

[size=85]Sein (griechischer) Vater hat seinen Cousin X in einer deutschen Großstadt besucht. Dieser X meinte, als er telefonisch vom Besuch informiert wurde, zu seinem Onkel, dass er sich nicht wundern sollte, wenn er auf einen anderen Mann in der Wohnung treffen wird.
-> Nach dem Besuch rief der “Pfeifenkopf” die griechische Verwandtschaft und sogar die Eltern an, dass sie jetzt eine Schwulen in der Verwandschaft hätten. [/size]