Medizin aus der Nase: Lugdunin wirkt gegen Multiresistente Keime

Sie sind einer der Schrecken der aktuellen Medizin: Multiresistente Keime. Auch mit diversen Antibiotika können diese Erreger oft nicht bekämpft werden und führen nicht selten, z.B. als Krankenhauskeim, zu tödlichen Erkrankungen.

Jetzt hat ein Forscherteam aus Tübingen einen neuen Wirkstoff entdeckt, mit dem diese multiresistenten Keime vielleicht schon bald systematisch bekämpft werden können: Der Eiweißbaustein Lugdunin greift die Zellhülle vieler Bakterien an und tötet sie damit - das konnten die Wissenschaftler schon in einigen Tests zeigen. Die Substanz ist nicht giftig, stabil bei Zimmertemperatur und vor allem: Bakterien schaffen es kaum, Resistenzen gegen das Peptid zu entwickeln. Besonders kurious: Der Wirkstoff wurde aus einem Bakterium isoliert, das sich bevorzugt in unsrer Nase aufhält.

Auch wenn das neue Verfahren vielversprechend scheint - noch ist viel Forschungsarbeit nötig. Der Weg zu einer neuen Waffe gegen multiresistente Erreger ist aber geebnet.

Wer es genauer wissen möchte, findet hier einen ausführlichen Bericht:
deutschlandfunk.de/erreger-b … _id=361461

Ich habe letztens ein Video auf Ted.com gesehen, bei dem es am Rande auch um multiresistente Keime ging. Gentechnik ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass man eine komplette Spezies verändern kann und damit in Zukunft auch Bakterien in Richtung Selbstvernichtung zu modifizieren und trotz Multiresistenz auszurotten.

ted.com/talks/jennifer_kahn … anguage=en

Das mag in der Theorie und im Labor auch alles so stimmen und da werden einem die tollesten Fortschritte versprochen bzw. auch tatsächlich gemacht. In der Praxis sieht das mit der Gentechnik und Fortschritt ein wenig anders aus. In den Kliniken sind die gegen Antibiotika multirestistenten Keime ein Riesenproblem. Es gibt bereits eine Menge von Stämmen, die eine Restistenz gegen einige, viele oder sogar (fast) alle Antibiotika haben. Zum Beispiel VRE, MRSA, 3 MRNG, 4 MRGN etc.

Hier sterben unheimlich viele Patienten an Keimen, die man vor Jahren problemlos im Griff hatte. Ein Rückschritt in der Medizin. Die gängigen Antibiotika sind 50, 60 oder 70 Jahre alt und hier hat sich trotz allen Fortschritts leider nicht viel getan. Hier braucht man dringend schnelle praxistaugliche Lösungen. Lugdunin wirkt vielversprechend. Man muss nun auch die Suche nach neuen potenziellen Antibiotika fortsetzen. Das sollte sich eigentlich eher nicht gestalten wie die Suche nach Erdöl, denn von potenziellen antibiotisch wirkenden Substanzen sollte es in der Natur eigentlich super viele geben.

Ein weiterer Hoffnungsträger ist das potenzielle Superantibiotikum Teixobactin. Es hat sich gegen viele resistente Bakterien erfolgreich durchgesetzt und greift alle wichtigen Bestandteile der Zellwand von Bakterien an und macht eine Resistenzentwicklung unwahrscheinlich und es könnten in der nächsten Zeit noch mehr gefunden werden. Unklar ist nur, ob es auch beim Menschen wirkt. Das ist die größte Hürde bei der Findung neuer Waffen gegen krankmachende Bakterien Es bleibt also abzuwarten, ob sich hier die nächsten Jahre was tut.

spiegel.de/wissenschaft/medi … 11455.html