Krise 2.0

Hallo und willkommen zur (mehr oder weniger) direkten Fortsetzung der öffentlichen Dokumentation meines psychologischen Verfalls!

Interessierte Leser und diejenigen, die die Vorgeschichte zu dieser Episode nicht kennen, möchte ich zunächst auf meinen ersten Beitrag aus dem Frühsommer 2016 hinweisen - dort könnt ihr die wirren Gedanken eines damals 17-jährigen, dessen bester Freund sich von den einem auf den anderen Tag von ihm abgewendet hat nachlesen. Jetzt ist dieser wirre 17-jährige schon 21 (oh ########), noch wirrer, anscheinend psychisch defekt (Erklärung s.u.) und wieder einmal bereit sich in einem nächtlichen Anflug von Schlaflosigkeit die Seele auszuleeren. Und wo sollte ich da eher hinschauen als auf dieses Forum, das mir schon mal viel über mich selbst beigebracht hat, an das ich mich schon mehrfach in Krisenzeiten wenden konnte? Zwar bin ich hier nicht rege aktiv, jedoch über die ganze Zeit (und mehrere Foren-Redesigns) treu geblieben.

Zunächst kann ich sagen, dass der (wirklich gute) Rat aus meinem letzten Beitrag, Dominik abzusägen, von mir nicht befolgt wurde - zumindest nicht langfristig. Unsere freundschaftliche Beziehung war in den letzten beiden Klassen des Gymnasiums nicht mehr existent, dafür hatte ich umso mehr Zeit mit seiner ehemaligen Freundin, die auch meine beste Freundin ist, da sich unsere Stundenpläne beinahe völlig identisch aussahen. Dominik habe ich weder in der Schule, noch außerhalb davon viel gesehen, es herrschte keine dicke Luft mehr zwischen uns, es war einfach… nichts. Gähnende Leere zwischen uns. Weder der gemeinsame Freundeskreis, noch seine Geschwister und Eltern (die mich nach mehreren Jahren der regelmäßigen Besuche bereits als inoffizielle Familie betrachteten), schienen zu wissen, wieso der plötzliche Sinneswandel von Domi gegenüber seinem ehemals besten Freund zustande gekommen war.

(An diesem Punkt macht sich eine zweite Erzähllinie auf, die mehr oder weniger parallel mit der (Nicht-)Freundschaft zwischen Domi und mir einhergeht, ich versuche also mal den Spagat zwischen beidem zu halten:)

In der Vorlaufzeit zum Abitur habe ich einen neuen Freund (nennen wir ihn Marvin) gewonnen, ein etwas kleinerer, “hipper” Breakdancer, der weniger für seine guten Noten und mehr für seinen Bewegungsapparat und die Fähigkeit, jedes Mädchen zu verwerflichen Handlungen an beinahe jedem Ort zu bringen, bekannt war. Marvin wiederholte die Klassenstufe, in der Ich mich befand, und stand dementsprechend in der Riege der “Älteren”, die Kontakte zu den höheren Klassenstufen pflegten. Im starken Kontrast hierzu stand also ich, der für alles außer seinen Bewegungsapparat sowie die Fähigkeit, mit absolut niemanden zu irgendwelchen verwerflichen Handlungen zu gelangen bekannt geworden ist; und tendenziell weder Kontakte in die höheren- noch niedrigeren Klassenstufen pflegte - und trotzdem verstanden wir uns sehr gut. Marvin integrierte mich schnell in seinen Freundeskreis, es kam zu Besuchen bei ihm (öfter) und mir (seltener, da strenger Haushalt), alles schien sich sehr positiv für mich zu entwickeln. Nicht zuletzt die Tatsache, dass (Achtung: Klischee) der “coole Sportlertyp” mit einem übergewichtigen, etwas Eigenartigen (auf eine liebevolle Weise, hat man mir gesagt) Typen abhängt, hat mein Selbstbewusstsein stark angehoben.

Die elfte Klasse ging also vorüber; ich arbeitete wie üblich in den Sommerferien in unserem örtlichen Supermarkt mit dem blauen E, als ich sowohl Marvin, als auch ein Mädchen aus unserem Jahrgang an der Kasse begrüßen durfte, denen offensichtlich beide das öffentliche zusammen-gesehen-werden etwas peinlich war. Bei diesem Mädchen (man nenne sie Sandra), handelt es sich um niemand geringeren als den nächsten wichtigen Akteur dieser lächerlichen shit-show, die sich in den kommenden Jahren erst richtig warmlaufen sollte.

Um euch etwas Lesezeit zu sparen, kürze ich hier einige Stellen raus, und springe direkt ein Dreivierteljahr nach vorne: Sandra und Marvin sind ein öffentliches Paar, mein Freundeskreis um einen Haufen (zunächst) lieb anmutenden Mädchen und Jungen erweitert, und die Abiturprüfungen liegen zu einem Großteil hinter uns. Mit Ausnahme von Mathe habe ich diese Prüfungen auch relativ einfach abgeschlossen, und konnte sogar in Mathe noch den Sprung auf die sieben Punkte landen (Bestnote in der gesamten Oberstufenzeit für mich). Dominik und ich sind weiterhin zwar generell befreundet, das Verhältnis ist jedoch stark abgekühlt. Es gab zwar Versuche, auch von Freunden und Familie, uns wieder etwas näher aneinander zu rücken, die sich jedoch mehrfach verlaufen haben.

Abgesehen von meinem neuen Freundeskreis (der zu beinahe 100% aus von der Realschule auf das Gymnasium “aufgesetzten” und meines Erachtens deutlich geerdeteren Personen bestand als viele meine nur gymnasialen Mitschüler) habe ich als Klassen-, Stufen- und zum Schluss Gesamtorganisator aller Abijahrgangsaktionen (Dem Abschlussball, der privaten Feiern, Finanzen, Tshirts, etc…) an mich gerissen, und in “quasi diktatorischer Weise” (Zitat Abizeitung) durchorganisiert. Hier kann man natürlich sagen, dass mich nicht alle Mitschüler, aber der Großteil von ihnen als Organisationsinstanz befürwortet haben, und nur kleinere Streitigkeiten mit gewissen Individuen entstanden sind, die ich jedoch schnell wieder bereinigen konnte.

Am Tag meines Abiturs, dem Endziel unzähliger Gespräche mit meinen Tanten und Onkeln, dem Jugendamt (Kurzversion: Ich bin ein Heimkind, das Fass hier aufzumachen sprengt jeden Rahmen) sowie meinem Vormund, war endlich da: Ich hatte mein Abi…

Und jetzt? Um ganz ehrlich zu sein, hatte ich nie wirklich einen Plan, der über mein Abitur hinaus geragt hat, bereitliegen - auch wenn mir das viele nachgesagt haben. Während der Prüfungen schickte ich eine halbherzige, aber umfangreiche Bewerbung an das Auswärtige Amt (Das Resultat davon, wenn man Zeichen- und Wörterzahl verwechselt), wo man mich prompt zu den Gesprächen in Berlin eingeladen hat (was keine sichere Zusage darstellt, aber meine Chancen doch deutlich erhöht hat). Da dieser Termin jedoch zwischen zwei Abiturprüfungen lag, entschloss ich mich, mit dem Ziel einer besseren Anstellung im gleichen Amt, vorher ein Studium zu absolvieren, denn wie schwer kann das schon sein? (Spoiler: I’m breaking apart).

Ein Studienplatz musste also her, diesen habe ich tatsächlich auch noch ergattert - doch wo wohnen? Zwei Stunden in die Uni jeden Tag zu pendeln, hätte ich nicht einmal kurzzeitig verkraftet. Die Lösung? Ein Mitglied unseres Freundeskreises, mit dem ich mich erst nach dem Abitur und während der Abifahrt näher bekannt gemacht habe, der ebenso an der gleichen Universität einen Platz bekam und seinem Elternhaus (erzkonservativ) entfliehen wollte, weil er seinen Freund nicht länger geheim halten wollte. Das ist richtig, seinen Freund. Dass er schwul war, das war mir klar - die endgültige Bestätigung kam dann jedoch erst über ein anderes Netzwerk von Gleichgesinnten, über das ich ihn entdeckt habe. Als ich dann von seiner Problematik des erzkonservativen Elternhaus erfahren hatte, und mich die neu gewonnene nähere Bekanntschaft/ Freundschaft zu ihm beflügelte, nahm ich vor ihn zu unterstützen - mit Tarnungen, wenn sein Freund (Fernbeziehung) bei ihm in der Nähe übernachten wollte, Tagesausflügen, die bei seinem Freund oder auf halber Strecke in der Großstadt endeten (teilweise auch einfach überraschend), und zweimal sogar eine Fahrt zu ihm (mit dem Auto meines Bruders, da sonst keines zur Verfügung stand. Wenn ich mit den beiden unterwegs war, hielt ich Abstand, und sein Freund erschien mir recht sympathisch. Aus diesen Gründen entschloss ich mich, diesem Freund (Frederik) anzubieten, eine WG in unserer Studienstadt zu gründen. Das war für uns beide, die sich grundsätzlich nur eine WG unter Freunden vorstellen konnten, die beste Lösung. Eine Weile der gemeinsamen Suche später waren wir auch fündig: eine alte Pfarrerswohnung in einem ehemaligen Haus der Kirche (wie ironisch), die zwar mehr Zimmer hatte als wir brauchten, aber günstig war und relativ gut angebunden an die Stadt. Als die Wohnung stand, rief ich ein paar Bekannte an, darunter Sandra, die ihr schon kennt, und wir machten uns ans Renovieren: Mein Bruder legte Laminat im Flur, wo ein alter Teppich war, ein befreundeter Maler tapezierte uns zwei der vier Zimmer, und die restlichen Zimmer wurden professionell von uns versucht zu streichen. Als Geburtstagsgeschenk für Frederik besorgten wir sogar schon einen Teil der Einrichtung seines zukünftigen Zimmers und bauten dies auf.

Frederik, der aus der größeren Wohnung einen Nutzen schlagen wollte, stellte dann kurzfristig fest, dass sein Freund aus der Fernbeziehung prinzipiell ja auch zu uns ziehen könnte, da er sich zuhause nicht gut mit seinen Eltern verstehe, und der Wechsel ins dritte Lehrjahr auch mit einem Standortwechsel einhergehen würde. Sandra, die mittlerweile von Marvin unschön getrennt war, konnte sich ebenfalls vorstellen, eines der freien Zimmer zu beziehen, um näher an der Stadt zu sein. Ich sah hier gar kein Problem, da ich bei mehreren Treffen mit Frederiks Freund einen guten Eindruck von ihm hatte, und mir sicher war, dass sich Frederik und er gut ergänzen könnten (Außerdem wurde die Miete günstiger, was immer gut ist). Wir organisierten also einen Umzug von Frederiks Freund zu uns, mein Bruder bot uns an, mit einem Transporter zu ihm zu fahren und alles herzubringen, und alles schien super zu laufen.

Doch von da an ging es abwärts, und zwar schnell: Waren wir im September eingezogen, so kündigten wir die Wohnung im Februar - Frederiks Freund erwies sich als (in meinen Augen) als nicht konfliktfähig, aufbrausend und lies es mich sowie Sandra auch wissen. Gegen Ende weigerten sich Frederik, der mehr in die ganze Affäre hineingezogen wurde als aktiv eine Seite zu wählen (zumindest ist es das, was mein letzter Funken Hoffnung mir sagt), sowie sein Freund, zur Sauberkeit beizutragen oder gar mit uns zu sprechen. Und bei allen Vorwürfen, die ich mir gefallen lasse: Ich war diplomatisch. Ich war kompromissbereit. Mein ganzes Geld war in die Ausstattung der ersten eigenen Wohnung geflossen, und ich hatte einfach nicht die Mittel, um mir den Konflikt zu leisten. Am ‚breaking point‘ des Zusammenlebens entschied ich mich jedoch, meine Fiskale Verantwortung zum Teufel zu jagen und suchte mit Sandra gemeinsam nach einer für eine 2er WG geeignete Wohnung. Wir wurden schnell fündig (quasi über das Wochenende), und ich legte unseren baldigen Ex-Mitbewohnern eine Kündigung hin. Nach 10 Wochen Kündigungsfrist, einigen Streitigkeiten um Mietkaution und gemeinsam gekaufte Haushaltswaren später war es geschafft: Unser zweiter Umzug lief glatt, nachdem sowohl meine verbleibende als auch Sandras Familie über die Zustände in der ersten WG aufgeklärt waren. Und unsere ehemaligen Mitbewohner? Die sind in den gleichen Ort gezogen wie wir, Luftlinie 800m von unserer Wohnung entfernt. „Aus den Augen, aus dem Sinn“ gilt hier also nur bedingt.

Mittlerweile ist das alles schon über 1,5 Jahre her, seitdem wohnen Sandra und ich mehr oder weniger harmonisch, aber insgesamt sehr zufrieden mit der jetzigen Situation zusammen. Wir verstehen uns gut, verbringen viel Zeit miteinander, und wenn ich ehrlich bin, weiß ich nun nicht mehr ob wir nur Freunde sind oder nur zu scheu den nächsten Schritt zu wagen.

Auch Dominik hat mittlerweile ein Studium in der gleichen Stadt wie ich begonnen, und seit einiger Zeit versuchen wir uns wieder einigermaßen anzunähern. Wir haben uns ein paar Mal gegenseitig besucht (vor Corona), und finden auch wieder Sachen, über die wir uns unterhalten können. Meine Mauern sind jedoch noch da, so sehr ich mich bemüht habe, sie abzubauen, vieles was damals passiert ist geistert heute noch durch meinen Kopf.

Oh, ihr denkt, hier wäre der Schluss? Weit gefehlt. Es geht erst richtig los.

Kurz nach unserem Umzug (in den Semesterferien) starteten wir ins dritte Semester, mein Studium soweit nach Plan auf bestem Kurs, alles hätte funktionieren müssen. Doch im Laufe des Semesters stellte ich fest, dass vieles plötzlich, deutlich schwerer erschien als vorher. Texte lesen, in der Vorlesung konzentriert mitschreiben, allgemeine Arbeit für die Uni wurde schier unerträglich. Zudem wurde ich noch energieloser, als ich es vorher schon war, morgens das Bett zu verlassen erschien jeden Tag schwieriger als am Tag zuvor. Zuerst habe ich viel auf die Umstellung geschoben, die der Umzug mit sich bringt, und den emotionalen Stress, den die abrupte und unschöne Auflösung der ersten WG mit sich gebracht hat. Als zum Ende der Semesterferien ich jedoch nicht in der Lage war, meine Hausarbeit zu tippen, geschweige denn die Literatur hierfür zu lesen, erkannte ich, dass etwas Grundlegend falsch laufen muss. Ich schrieb das Semester ab, erhielt nur einen Teil der Punkte, für die ich ursprünglich angemeldet war (z.B. wegen der nicht eingereichten Hausarbeit), und suchte mir Hilfe bei der psychologischen Beratung der Universität. Diese Beratung hat mein Studium vorerst gerettet, aber langfristig musste ich natürlich in eine richtige „Therapie“ um herauszufinden, wo die Problematik liegt. Mit dem Verweis der Beratungsstelle stellte ich mich bei einer Psychotherapeutin nahe unserem Wohnort vor, die zunächst sehr kompetent, wenn auch etwas altmodisch wirkte. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass die von mir geschilderten Probleme für sie nicht relevant schienen, und andere Auslöser für meinen Zustand verantwortlich sein müsste. Ich hatte jedoch schon eine Ahnung, wo das Problem liegen würde.

Als Kind mit einer vermutlich eher ‚speziellen‘ Kindheit (Scheidungskind, Vater früh gestorben, Sorgerechtsentzug bei der Mutter und Heimerziehung bis zum Schulabschluss) verstehe ich, dass eine Therapeutin viele Ansatzpunkte wählen kann, um meine Macken aufzuarbeiten. There’s plenty. Stattdessen ignorierte Sie all das, lies ab und zu sogar durchblitzen, dass sie mir nicht glaube (?) und diagnostizierte eine „Entlastungsdepression“, die durch das Entfernen des Stresses durch die beiden ehemaligen Mitbewohner entstanden wäre.

Was Sie mehrfach überhörte, vermutlich willentlich, waren meine Hinweise auf eine frühere Diagnose auf ADHS, die nach dem Umzug ins Heim nicht weiter aufgegriffen wurde.

Mit meiner Diagnose watschelte ich also zur nächsten Station, der Neurologie Praxis unweit der Therapeutin, und machte mich auf eine Einstellung mit Antidepressiva bereit. Nach kurzer Vorstellung, ein paar ergebnisloser Untersuchung beim Hausarzt, MRT und Hirnstrommessung, wurde ich erst mit einem für mich wirkungslosen Medikament behandelt, dann mit einem Serotoninwiederaufnahmehemmer. Dieser schlug zwar an, zog mich aber noch weiter runter, als mich hochzuziehen, und bei jedem Folgetermin erhöhte die Neurologin die Dosierung und verabschiedete sich prompt wieder. Die Nebenwirkungen sind mittlerweile deutlich: Mein ohnehin schon höheres Gewicht hat sich verschlechtert, meine Alkoholtoleranz ist von wenig auf gar nicht geschrumpft, ich fühle mich regelmäßig benebelt und „nicht ganz da“, zudem habe ich tierische Kopfschmerzen, wenn ich das Fenster zur Einnahme nur ein wenig verpasse.

Die Neurologin hörte zwar meine Vermutung, das diagnostizierte ADHS könnte ein Faktor in der Gesamtformel sein, bot mir aber auch nur die Nummern der näheren Unikliniken an, die randvoll (und übervoll) mit Terminanfragen auf eine ADHS Diagnostik bei Erwachsenen sind. Ich stand bei mehreren Kliniken auf den Wartelisten, und hoffte dass ich durch ein Wunder noch diesen Sommer eine Diagnose erhalte, als wegen Corona alle Termine abgesagt und alternativlos gestrichen wurden. Ich bin mittlerweile im 5. Semester, studiere also schon knapp ein Jahr mit eingeschränkter Leistung, schlechten Medikamenten und in dem Glauben, ich würde irgendwann eine richtige Diagnose erhalten, was jetzt in absehbarer Zukunft nicht passieren wird. Also tat ich das, was ich für das Beste hielt: Anstatt ein weiteres Jahr auf einen Termin bei der kostenlosen Uni-Diagnose zu warten, wendete ich mich direkt an eine private Psychiaterin mit Schwerpunkt ADHS bei Erwachsenen. Das kostet mich zwar meine ganzen Ersparnisse, die seit dem Umzug angesammelt wurden (5 Termine à 200€), die Alternative ist jedoch ein Studienabbruch und das Versinken in ein unendlich tiefes schwarzes Loch.

Diese Termine laufen momentan, und die wichtigste Erkenntnis lautet bis jetzt: Bei mir läuft vieles im Kopf anders als bei „normalen“ Menschen. Die endgültige Diagnose läuft natürlich noch, aber die Psychiaterin geht von einer ADHS, die in einem Spannungsfeld mit meinem „erhöhten Intellekt“ (nicht hochbegabt, aber nah dran sagte sie), sowie einer Verordnung irgendwo auf dem autistischen Spektrum liegt, aus (Nebenbefund: Aphantasie - keine bildliche Vorstellungskraft).

Was soll ich sagen? Das würde vieles erklären.

Vielen Dank an die, die sich so viel Zeit genommen haben, das alles zu lesen. Ich weiß, dass das hier keine Frage beinhaltet, und ich wüsste auch nicht welche Frage sich stellen könnte. Seit der Zeit des ersten „Krise“-Beitrags vor mehr als vier Jahren sehe ich vieles anders, ich bin älter, und um einiges reifer geworden möchte ich meinen. Trotzdem zieht sich vieles, das 2016 begonnen hat, noch heute bis in mein Unterbewusstsein hinein, und macht mich schier wahnsinnig. Und dann hilft mir nur eines: Alles irgendwo niederschreiben, es rausbringen, damit es irgendwo steht. Das ist nachverfolgbar, auch bis zu einem gewissen Grad öffentlich, aber eben nicht in meinem persönlichen Mail-Verteiler (ich kenne Gleichaltrige, die so etwas ernsthaft betreiben).

Fangt mit dieser Wand aus Text also an, was ihr wollt, ich wollte es nur mal gesagt haben.

Wenn du von deinem “psychologischen Verfall” redest, warum gehst du dann nicht in Therapie?

Sich mal den ganzen Mist von der Seele zu reden oder zu schreiben, ist sicherlich auch schon sehr therapeutisch und befreiend, aber scheinbar gibt es da auch tieferliegende Probleme. Eine psychologische Therapie kann wirklich Wunder wirken! Und das meine ich gar nicht sarkastisch oder angreifend.

So wie ich es verstanden habe, muss erst einmal eine richtige diagnose vorliegen auf der man eine therapie aufbauen kann.

Good luck with that. Gerade in diesen zu zeiten.