Janik & der Superboy

Hier der nächste Schmöker :slight_smile:

Janik schaute sich um. Es folgte ihm niemand. Endlich Ruhe. Wieder lag ein stressiger Schultag hinter ihm. Morgen noch mal, dann Wochenende. Nicht so sehr der Unterricht erzeugte den Stress bei Janik, sondern die Mitschüler. Die waren so fies zu ihm. Ständig wurde Janik gehänselt, gemobbt, geschlagen auch. Es war für ihn ein regelrechtes Spießrutenlaufen, jeden Tag aufs Neue. Wenn er sich Lehrern anvertraute, versuchten die zwar manchmal zu helfen, aber besser wurde es dadurch keinesfalls. Danach war Janik eben zusätzlich noch die Petze.

In der Grundschule war noch alles in Ordnung gewesen. Er besaß dort sogar ein paar Freunde, aber die waren nun alle entweder auf der Hauptschule oder dem Gymnasium. Keiner seiner einstigen Kumpels ging mit ihm auf die Realschule. Im Bus traf Janik manchmal ein paar bekannte Gesichter, aber diese Leute hielten auch nicht mehr zu ihm, seit er nach einer Kortisonbehandlung so furchtbar dick und schwammig geworden war. Auch war es wohl uncool für sie zu Janik zu halten, dann brachten sie sich in ihrer Clique in Misskredit.
Im Gegenteil, die frühreren “Freude” brachten jetzt Sprüche wie: “Wegen dir hungern die Kinder in Afrika du fette Schnecke.”
Und das obwohl die Hautfarbe des Janik ein bisschen an einen Afrikaner erinnerte. Nicht viel allerdings. Seine Haare hellblond gelockt und der Teint der Haut Milchkaffebraun. Das kam, weil es unter seinen Vorfahren irgendwo einmal einen echten Afrikaner gab. So war der Janik eine durchaus interessante Mischung verschiedener Rassen, und sehr ansprechend hübsch auch. Zumindest vor der verpfuschten Kortisonbehandlung. Da half es wenig, dass seine Eltern Ärzte und Apotheker waren.
Janiks Eltern waren sehr beschäftigte Leute. Selten dass sie mal Zeit aufbrachten ihrem Sohn zuzuhören. Mit seinen Problemen stand Janik weitgehend allein da. Er konnte seinen älteren Bruder anrufen. Aber der Hendrik studierte in den USA und war damit so weit weg, dass selbst das telefonieren sehr teuer war. In den letzten Semesterferien war Hendrik zu Hause gewesen, hatte auch viel Zeit für seinen Bruder Janik gehabt. Aber das war gerade die Zeit gewesen, als Janik so schlimm erkrankt war. Da konnte er die Anwesenheit seines geliebten Bruders auch nicht so richtig genießen.

Janik betrat die Apotheke seiner Eltern durch den Hintereingang und beeilte sich die Treppe nach oben. Endlich sein Zimmer. Tasche in die Ecke, aufs Bett werfen, Musik hören. Dabei konnte Janik immer am besten entspannen. Zum x-ten Mal zog er sich seine Lieblings-CD rein. Ein Oldie. Relax von Frankie goes to Hollywood. Er liebte einfach den Rhytmus längst vergangener Zeiten, die Stimmen der Sänger. Und er wusste, dass dies eine schwule Band war. Das sorgte noch für weitere Verbundenheit, denn auch Janik wollte keine Freundin.
Als Janik erwachte war es schon Abend. Er raffte sich erschrocken auf. Seine Lehrer trugen ihm eine Menge auf. Immer Donnerstag gab es massig Hausaufgaben. Er musste da jetzt ran. Lust verspürte er nicht, deshalb freute er sich, dass seine Ma ihn nun zum Abendessen rief. Hunger merkte er nicht, aber dies war eine Gelegenheit mit den Eltern zu reden. Sein Vater bestand darauf, dass sie pünktlich um 19 Uhr zusammen aßen. Eigentlich hasste Janik diese spießige Regel aber heute war es ihm recht. Die Eltern redeten über die Apotheke, über Ärzte und Pillenlieferanten. Für Janiks Themen war keine Zeit.
Mitten in die Redereien seiner Eltern hinein sagte Janik ziemlich laut: “Ich bin schwul.” “Wie bitte was? Du spinnst ja.” Die Alten ergingen sich weiter in ihren Gesprächen. Sie nahmen ihren Sohn nicht mal ernst. Schlimmer noch, sie nahmen ihn gar nicht wahr. Janik stand auf und verließ das Zimmer. “Wo willst du hin?” "Aha also doch etwas Aufmerksamkeit. “Habe haufenweise Schularbeiten, muss da jetzt ran.” “Warum hast du das nicht heute Nachmittag getan?” “Hab geschlafen.” “Hast du denn keinen Hunger?” “Nee bin fett genug.” “Du bist nicht fett Janik.” “Klar, oder was denkt ihr warum alle fette Sau zu mir sagen, bestimmt nicht weil ich nen hübschen Körper, sondern den Kadaver einer Qualle habe.” Damit ballerte Janik die Tür zu.
Auf der Treppe holte ihn sein Vater ein. “Wie oft habe ich dir gesagt, dass du nicht Türen knallen sollst?” “Oft, aber außer meckern, spacken und spießern kannst du ja eh nix.”, rutschte dem Janik nun heraus, denn er war wütend und enttäuscht. Er sah die aufkeimende Wut im Gesicht seines Vaters und beeilte sich in sein Zimmer. Abschließen. Der Vater spackte nun durch die geschlossene Tür. Janik steckte sich die Stöpsel seiner alten Musikanlage in die Ohren, drehte die Mucke etwas lauter. Dann wandte er sich dem Inhalt seiner Schultasche zu.

Der Freitag, also der letzte Schultag in dieser Woche. Als Janik losging hielt ihn seine Mutter noch kurz auf. “Du wirst dich bei deinem Vater entschuldigen Janik.” “Wieso?” “Wegen gestern Abend, so geht das nicht Janik!” “Wenn ihr mir mal zuhören würdet, mal einmal, nur ein einziges Mal ein offenes Ohr für mich hättest, käme es nicht zu solchen Auswüchsen Mama - irgendwie muss ich mir ja Gehör verschaffen.” “Aber doch nicht so!” “Wie dann?” “Du musst los jetzt Janik, wir reden heute Abend.” “Ja wer´s glaubt…” “Du bist so anders, so frech Janik.” “Kein Wunder, muss jetzt.”

Vor dem grottenhäßlichen Schulgebäude aus den 1970er Jahren traf Janik Poison. Selten dass man den mal alleine traf. Das war der Anführer der Clique die ihn oft misshandelte. Poison hieß eigentlich Abdullah aber so nannten ihn höchstens die Lehrer. Ja es passte, dieser Typ hatte was Giftiges an sich.
Seltsamer Weise war er nett zu Janik, wenn sie alleine waren. So auch jetzt wieder. “Grüsch dich Jan, wasch geht? Allesch gut bei dir?” “Ja alles okay, so lange wenigstens, bis mich deine Leute wieder fertig machen.” “Isch könnt sie zurück pfeifen.” “Könntest du, aber du tust es nicht.” “Soll isch sie dir vom Halse halten Jan?” “Wär nett.” “Nen Dreischiger die Woche un du hascht Ruhe.” “Ich überlegs mir.”, sagte Janik und versuchte sich den Schrecken nicht anmerken zu lassen. “Überleg nich schu lange, isch mag disch schwar ganz gerne aber…” “Du magst mich, aber bedrohst mich gleichzeitig, was´n das für´n mögen? Leck mich Poison.”
Eigentlich erwartete Janik nun Schläge von seinem Gegenüber. Aber die blieben aus. Abdullah grinste breit. “Haschte dir heut Mut angesoffen oder ne Line gezogen Altah?” “Nee aber ich hab´s satt mit euch, schlagt mich doch tot, dann hab ich die Scheiße hinter mir.” Poison guckte irgendwie nachdenklich fand Janik als er sich abwandte. “Warte Jan.” “Was?” “Isch pasch auf disch auf, auch ohne Dreischiger.” “Ja? Wieso das denn auf einmal?” Poison blieb die Antwort schuldig weil die gräßliche Siebziger-Jahre-Bimmel in die Klassen rief.

In der Pause stand Janik wie immer allein herum. Heute kam niemand um ihn zu quälen, seinen Frust an ihm abzulassen. “Wie seltsam, sollte der Poison wirklich…”, dachte Janik gerade als sich Abdullah näherte. “Wasch hab isch geschagt, du hascht Ruhe.” “Ja danke, fragt sich nur wie lange.” “Für immer Jan.”, sagte Poison und drehte sich um, ging wieder zu seinen Anhängseln. Einer Truppe Typen und ein paar Mädchen die den Poison ausnahmslos anhimmelten. Klar der Poison war auch eine imposante Erscheinung. Sehr groß für einen Araber und sehr muskulös. Er wirkte älter, sah aus wie mindestens achtzehn, obwohl er doch eigentlich auch erst fünfzehn sein konnte. All zu oft kleben geblieben konnte er auch nicht sein, sonst wäre er nicht auf der Realschule. “Egal warum, Hauptsache ich werd nich mehr dauernd abgezogen von denen.”, dachte Janik.
Das Abziehen war hier Gang und Gäbe, Schutzgeld wurde gefordert und bezahlt. Auch Janik zahlte schon, aber das nutzte nix. Abdullah hatte ihn allerdings noch nie wegen Geld angehauen. Das mit den dreißig Euro heute morgen war das erste Mal gewesen, und dann gleich so viel. Aber Poison bot ja nun seine Dienste gratis. Irgendwie interessierte es den Janik wieso er das tat. Und irgendwie wurde er das Gefühl nicht los, dass der Poison ihn wirklich mochte.

Nach Ende der Schule gab es noch eine kleine Sensation. Ein schwerer Mercedes fuhr mitten auf den Schulhof, der nicht befahren werden durfte. Ein Asiat am Steuer. Mit einer Mütze wie ein Chauffeur. Er öffnete eine Tür hinten am Wagen. Eine Frau mit langem Kleid stieg aus, und ein kleiner Junge. Beides Asiaten. “Jetz kommt die jappanesische Königin.”, witzelten ein paar Mädchen in Janiks Nähe.
Frau und etwa dreizehnjähriger Junge betraten das Schulgebäude. Der Fahrer blieb steif neben dem Auto stehen. Janik trat etwas näher um zu sehen, was das für ein Mercedes war. Eine Langversion, ein Pullmann. Bestimmt ein 500er wenn nicht sogar ein 600er.
Die Tür auf der Beifahrerseite öffnete sich und ein weiterer Junge stieg aus. Reckte und streckte sich. Sah sich um und dann blieb sein Blick an Janik haften. Auch Janik schaute nun nicht mehr auf den dicken Benz. Er verlor sich in den dunklen Augen des Knaben der ihn weiter anschaute und dabei lächelte. “Der meint doch nicht mich?”, dachte Janik und sah sich um. Nein hinter ihm war niemand. Janik wurde heiß. “Ich darf ihn nicht anstarren.”, dachte er und sah nun verschämt zu Boden. Zu gern hätte er wieder aufgeschaut, aber er zwang sich nicht mehr hinzusehen. Noch nie in seinem ganzen Leben sah Janik einen so unglaublich süßen Jungen. Sein Herz schlug wie wild und er fühlte dass er rot wurde. Er hörte Schritte. Sah grüne Turnschuhe. Die grünen Turnschuhe des asiatischen Jungen. Das heißt der eine war grün und der andere neongelb.
“Was is mit dir, haste was verloren, oder warum guckste auf die Erde?” “Ja ich… nein ich…” Janik zwang sich wieder aufzusehen. Er schaute direkt in das strahlende Lächeln des fremden Jungen. Er sah blitzend weiße Zähne. Einen Schwarzbunten Emo-Wuschelkopf. Ohrclips mit Edelsteinen und eine Halskette aus Muscheln. Janik roch ein feines Parfum, welches ihm neben dem Wahnsinns-Anblick seines Gegenübers den Verstand raubte.

wieder mal sehr schön geschrieben. :slight_smile: Freue mich sehr auf die Fortsetzug. :slight_smile:

Amen…

“Gehst du hier zur Schule? Wie heisst du?” “Öh Janik.” “Kim, meine Ma meldet grade meinen Bruder Tei an, er geht in die Sechste, in welcher Klasse bist du?” “In der Neunten.”
Poison und Gefolge näherten sich um zu sehen was es gab. Jetzt kamen doch wieder fiese Sprüche von Poisons Vasallen. “Mit der Fettbacke musste nich reden, das is ´n Looser.” “Ich rede mit wem ich will, und du gehörst ab jetzt schon mal nicht mehr dazu.”, fuhr Kim den Sprecher scharf an. Ein vielstimmiges “Höi Höi Höi” war die Reaktion. Die Jungs um Poison umringten uns und machten böse Gesichter. Warum tat Poison nichts? Der hatte Janik doch etwas versprochen!
“Was wollt ihr? Soll ich euch Benehmen beibringen? Kommt ruhig näher, kann ein lockres Training brauchen.”, lächelte Kim. Er zog seine Jacke ab und gab sie Janik. Dieser erblickte einen muskulösen Oberkörper. Ein Tattoo auf dem Oberarm. Kim ging zu Boden und begann Liegestütze zu machen. Unglaublich schnell, teils Einhändig im Wechsel. Plötzlich schnellte er hoch und verteilte blitzartig Ohrfeigen für alle. “So und nun weg mit euch, ich mag nicht gestört werden, wenn ich mit meinem Freund rede.” Poisons Gehilfen zogen sich tatsächlich zurück. Ein neuerliches “Höi Höi Höi” blieb ihnen wohl im Halse stecken. Alle glaubten offenbar dass Kim sie problemlos noch schlimmer behandeln könnte, denn danach sah es aus. Mit rasanter Geschwindigkeit erledigte er das. Kein Gangmitglied schaffte es auszuweichen. Nur die Mädchen sparte Kim aus.

Janik war hin und weg. So ein Traumtyp! “So einen Freund müsste man haben.”, dachte er. Kim bezeichtete ihn zwar eben vor den anderen als seinen Freund aber… “Öhm danke Kim.”, drückte er hervor. “Kannst mir meine Kutte jetz wiedergeben, is´n bisschen kühl.”, sagte Kim lächelnd und Janik merkte jetzt erst, dass er die Jacke umarmt hielt. Ruckartig gab er sie hin und wurde schon wieder rot.
“Was is mit dir Janik? Biste krank?” “Nee nich mehr, aber dass ich so scheiße ausseh kommt von der Krankheit die ich gehabt hab, und von dem Kortison.” “Du siehst überhaupt nich scheiße aus Janik, wie kommste da drauf?” “Ich fühl mich so, und wenn ich innen Spiegel guck - ach Mist.” “Ich dachte schon du glaubst den Müll den die andern hier labern.”, sagte Kim. Schaute auf die Poisons die noch immer unschlüssig herum standen und dann wieder auf Janik. “Das auch, die bestätigen mir ja ständig wie ich ausseh.” “Also echt Janik, da musste nich drauf hören, die haben alle soviel Kacke in den Köpfen dass immer was raus kleckert wennse labern.”
“Du hast dir schlimme Feinde gemacht Kim, und das wegen mir.” “Pfft lächerlich die paar Suppenhühnchen - und du bist es wert.” “Ich? Ich bin es wert? Nee bestimmt nich.” “Boa was haben die dich runter gemacht, das werden wir ändern Janik, das geht ja gaahnich.”

Janik fiel siedend heiß etwas ein. Sein Bus! Der letzte Schulbus war jetzt weg. Jetzt konnte er acht Kilometer zu Fuß gehen, aber das mit Kim, ja dieses einzigartige Erlebnis war den Fußmarsch allemal wert. Kim sah Janik den Schrecken an. “Was is Janik?” “Der Bus, mein Bus is ohne mich gefahren.” “Nich schlimm, dann nimmste heute eben mal den nächsten.” “Es fährt kein nächster mehr.” “Dohoch, da steht er und wartet auf dich, lass uns einsteigen.”, lächelte Kim und zeigte auf den Supermercedes mit dem sie kamen. “Wie jetz du ähm… ihr würdet mich nach Hause bringen?” “Logo.” “Und was sagt deine Ma dazu?” “Die wird sich freuen.” “Freuen? Wieso das denn?” “Na weil du mitfährst, wirst schon sehen.”

Das konnte Janik nun zwar überhaupt nicht verstehen, aber er beschloss es anzunehmen und dann würde er ja sehen was kam. Das schönste daran war, dass er sich nun nicht von Kim trennen musste, jedenfalls noch nicht so bald. Dass er ihn noch ein bisschen sehen und riechen durfte. Reden hätte er auch gedurft, aber sein Halsloch schien abgeschnürt. Er brachte es so gerade fertig die Mutter und den Chauffeur höflich zu begrüßen.
Der kleine Bruder von Kim, Tei, der nun wohl drei Klassen unter Janik sein Mitschüler sein würde, verpasste Janik beim Einsteigen einen freundschaftlichen Check. Der war genauso süß wie sein Bruder, wirkte aber noch jungshaft kindlich.
Der lange Wagen war so gebaut, dass man sich hinten auf zwei Ledersitzbänken gegenüber saß. So war Platz für alle. Tei grinste spitzbübisch und sagte: “Ich werd meinem Bruder alles erzählen was die, wie heißt die Gang doch gleich?” “Poisons.” “Thanks, die Poisipopel so machen, und dann kommt er und nagelt sie an die Wand, egal wen und auch egal wie viele davon, mein Bruder is Superman.” “Hab´s gesehn.”, sagte Janik. “Du hast was gesehn? Nee wenn du das meinst, was eben auf´m Schulhof war wie ich aus´m Fenster guckte, dann war das lappalulle waste gesehn hast.”
“Kannste mal aufhörn Teizeck?”, knurrte Kim. “Warum nennst du deinen Bruder neuerdings Teizeck Kim? Ich habe ihn nur Tei genannt, und das aus gutem Grund.”, sprach die Mutter nun erstmals. Das erste was Janik nach ihrem Gruß für ihn von ihr hörte. “Weil er manchmal lästig is wie ein kleiner Zeckenbock.” “Ja weiß schon ihr habt euch lieb.”, lächelte die Mutter ihre Kinder an.
Sie waren da. Dem Janik fiel erst jetzt auf, dass er gar nicht gesagt hatte wohin - und jetzt hielt der große Benz vor der Apotheke seiner Eltern. Der Chauffeur hielt Janik die Tür auf. Er wollte nicht, aber leider musste er nun aussteigen aus diesem Paradies. Zu seiner großen Freude stieg Kim mit aus. “Janik können wir uns am Wochenende sehen, morgen oder so? Oder haste keine Zeit?” “Doch schon aber…” “Was aber?” “Ich wunder mich, dass du mich wieder sehn willst und noch viel mehr wundert mich.” “Klar will ich dich wieder sehn, und was wundert dich noch?” “Woher ihr gewusst habt wo ich wohne.” “Erzähl ich dir ´n andermal, also, darf ich morgen vorbei kommen?” “Gerne.” “Wann denn?” “Weiß nich ähm…” “Könnte gleich nach Mittag, so ab halb zwei.” “Gerne.” Kim checkte nun genauso freundschaftlich wie sein kleiner Zeckenbruder vorhin. Dann stieg er ein und die riesige Limo rauschte los. Janik stand wie vom Donner gerührt.
Er tapste wie benebelt durch den Vordereingang der Apotheke. Seine Mutter saß hinten im Büro und merkte nun dass der Sohn nach Hause kam. “Wo kommst du jetzt her und was machst du mit diesen Leuten?” "Von der Schule Ma, die Familie war so freundlich mich mitzunehmen weil ich den Bus verpasst hab. “Ja aber wie kommst du an die?” Janik berichtete nur dass der kleine Tei bei der Schule angemeldet worden sei. “So? Diese Schnösel sind doch sonst auf einer Privatschule gewesen.” “Schnösel? Das sind keine Schnösel, die sind alle voll nett Mama.” “Ich finde es nicht richtig, dass du Umgang mit diesen Leuten hast.”
Janik ärgerte sich. Er hielt den Umgang mit “diesen Leuten” für das beste was ihm seit langem passiert war. “Kennst du die Leute Ma?” “Wer kennt die nicht. Es wird, na so knapp zwanzig Jahre her sein da kamen die hier als Asylbewerber an. Nur die Frau und der Mann. Und jetzt haben die überall ihre Restaurants. Bestimmt dreißig Lokale haben die. Das geht nicht mit rechten Dingen zu. Das ist chinesische Mafia, lass die Finger davon Junge.”

Ollivio, wieder eine tolle Story. Der Suchtfaktor ist hoch^^ :slight_smile:

klasse. :slight_smile: aber die einstellung der Mutter geht mal gar nicht … :imp:

Was an Ollivio’s Stories immer so charakteristisch ist, ist, dass die Protagonisten sich immer ohne Umwege näher kommen, das ist so süße Schnulze ^^ Ich mags :flag:
Und endlich mal ein Asiate in einer schwulen Lovestory, yay ^-^/ :smiley:

@Schoggi97: Jap, auf die Gefahr hin dass ich mich wiederhole… ich brauch das selber auch dieses süß + schnulz, das RL bietet - auch aus eigener Erfahrung - viel zu wenig davon, also muss ich Stories erfinden :slight_smile:
Könnte auch ein paar Dramen mit übelstem Ausgang posten, aber ich glaub das verdirbt nur die Stimmung…

Un was die Asiaten anbetrifft, mag sie nun mal, kenne viele gut, da isses nur logisch dass ich diese Jungs mit einfließen lass…

So nun noch nen bissl was von der “vorhersehbaren” Story

Nachdenklich ging Janik auf sein Zimmer. “Und wenn schon, selbst wenn es Mafiosos sind, oder Triaden, ich muss Kim sehen. Der is so süß, so cool und so…oach.”, dachte Janik. Er sah das Lausbubengesicht von Tei vor sich. “Der is auch voll süß.”, dachte er nun und sein Herz brodelte. Mit einem ganz anderen Gefühl als gestern ging Janik an seine Hausaufgaben. Ruck zuck war er fertig damit. Er beschloss nun noch etwas raus zu gehen, oder sollte er Maike callen? Er tat es sofort. “Hi Maike haste Lust auf´n Eis? Ich geb einen aus.” “Klar, was is los mit dir Janik, du klingst so fröhlich, so kenn ich dich ja gar nich.” Maike war seine Freundin aus der Grundschule. Seine beste Freundin eigentlich. Sie kannten sich gut und waren eine Zeitlang immer zusammen gewesen. Maike wusste immer alles von Janik und er das meiste von ihr.

Auf dem Hof traf Janik seinen Vater. “Öhm entschuldige Paps dass ich gestern so mies drauf war.” “Schon gut Junge, aber warte doch mal.” “Ja?” “Du hast gestern beim Abendessen gesagt, dass du schwul bist…” Oha das war also doch angekommen beim Vater. “Ach vergiss es Pa.” “Janik ich glaube wir müssen mal reden, von Mann zu Mann.” “Ja aber jetzt wollt ich mit Maike in die Eisdiele.” “Gut dann heute Abend nach dem Essen, okay?” “Ja Paps gerne Paps, bis dann.”

Der Vater schaute seinem Sohn nachdenklich nach. “Er ist in der Pubertät, da ist man machmal seltsam.”, dachte er und fühlte sich an seine eigene Zeit vor fast dreißig Jahren erinnert. “Himmelhoch jauchzend und dann gleich wieder zu Tode betrübt.”, dachte der Vater. “Na wenigstens wirkt er jetzt etwas glücklicher. Er hat es ja auch schwer nach der verpfuschten Kortisonbehandlung - und das mir als Arzt und Apotheker.” Es war letzten Sommer gewesen, als Janik plötzlich mit Atemnot ins Krankenhaus gebracht werden musste. Er hatte große Angst um seinen Sohn gehabt. Seine eigene Diagnose lautete Allergieschock. Woher das gekommen war, wusste der Vater bis heute nicht so genau. Janik war zum Baden am Baggersee gewesen. War mit mehreren anderen Kindern in ein Wasserloch gestiegen, welches eigentlich zum Baden gesperrt war. In dieses Loch hatte vor Jahren jemand seinen Müll gekippt. Unter anderem Fässer mit hochgiftigen Substanzen. Man kofferte zwar den Tümpel nach der Entdeckung aus, aber so ganz sauber war das Wasser wohl nicht. Alle anderen Kinder hatten nichts oder nur leichte Hautrötungen gespürt. Den Janik hätte es fast das Leben gekostet. Die Klage gegen das Krankenhaus lief noch. Natürlich wollten die nichts einsehen. “Niemals hätte ich ein Kind mit so hohen Dosen Kortison behandelt. Und die haben mir meinen Sohn damit schwer geschädigt.”, dachte der Vater grimmig.
“Er denkt nun dass er schwul ist, na vielleicht ist er´s wirklich. Jeder Mensch ist bisexuell, ich auch ein bisschen hihi.”, lachte der Vater in sich hinein. “Das werden wir einfach abwarten, mal sehen was er heute Abend von sich gibt, ob er sich schon in einen Boy verliebt hat.”, dachte der Vater und fühlte sich wieder an seine eigene Jugend erinnert. “Wenn er wirklich schwul wird, haben wir ein kleines Problem mit seiner Mutter.”, sinnierte der Vater und ging dann vom Hof wieder in seine Apotheke, beschloss für sich, noch vor dem Gespräch mit Janik heute Abend mit seiner Frau darüber zu sprechen.

Nichts von den Gedanken seines Vaters ahnend saß Janik mit Maike draußen vor dem Eiscafe und löffelte eine riesige Eisbombe. Maike war bescheidener, sie nahm nur ein kleines Spagettieis. “Schieß los Jan, was macht dich so happy? Du bist ganz anders als sonst, das erste Mal seit deinem Unfall dass ich dich mal nich aufrichten muss.” “Hab nen tollen Typen kennen gelernt Maike, der is voll süß.” “Aha der Herr is mal wieder verliebt.”, lächelte Maike, die als einzige wusste, dass es bei ihrem Kumpel homosexuelle Tendenzen gab. Ein bisschen bedauerte sie das, aber nur ein bisschen. Immerhin war Janik ihr bester Freund, und ihre Freundinnen hatten dauernd Probleme mit Jungs. Sie mit Janik noch nie. Einen richtigen Freund besaß die fünfzehnjährige Maike noch nicht. Nur diesen besten Freund Janik eben. Von ihm konnte sie keine Beziehung erwarten, das ahnte sie schon früh, weil sie ihn sehr gut kannte. Sie liebte ihn wie den Bruder der ihr nicht vergönnt war. Maike und Janik hatten auch schon mal geschmust und nackt zusammen gebadet aber eine Beziehung wurde nicht daraus. Mal abgesehen von der Freundschaft die die beiden verband, und das ist ja auch eine Beziehung. Sie unterhielten sich angeregt über alles mögliche. Schon sehr lange sah Maike ihren Janik nicht mehr so glücklich. Sie gönnte es ihm. Sie gönnte ihm das Glück mit Kim, auch wenn sie dadurch vielleicht etwas zurück stecken musste. Aber es war ja noch nicht raus, was der Kim von Janik wollte, ob das schwule Gedanken waren, oder etwas ganz anderes.

Der siebzehnjährige Kim fuhr zur gleichen Zeit die Sporttasche über den Rücken hängend mit seinem Roller in Richtung Kampfsportschule. Hier fanden heute Danprüfungen statt. Heute wollte Kim seinen zweiten Schwarzgurt machen. Das heisst den zweiten Gurt im Ninjutsu. Zudem besaß er schon sechs weitere Schwarzgurte in anderen asiatischen Kampfsportarten. Er sei ein absolutes Ausnahmetalent, sagten seine Lehrer ihm immer wieder. Inzwischen glaubte Kim das selbst, ohne deshalb nun ein abgehobener Überflieger zu sein. Auch das Bescheidenheit eine wichtige Tugend ist lernte er in dem Dojo. Er trainierte seit seinem fünften Lebensjahr fast jeden Tag. Kim gab selten so mit seinen Fähigkeiten an wie heute Nachmittag auf dem Schulhof. Aber das tat er für Janik. Und für den hätte er alles getan.
Kim sah Janik vor über einem Jahr das erste Mal im Schwimmbad. Hörte dessen Lachen und verliebte sich rettungslos in Janiks süßes Gesicht. Seit dem stalkte Kim dem Janik immer mal wieder unauffällig nach. Längst wusste Kim um Janiks Unfall. Er war richtig verzweifelt gewesen, dass er Janik nicht mehr fand. Als er ihn dann nach einem halben Jahr erstmals wiedersah war auch Kim leidlich erschrocken, wie sein Traumprinz jetzt aussah. So verquollen, so fremd. Trotzdem erkannte er ihn wieder und obwohl Janiks Gesicht sehr gelitten hatte liebte Kim es weiter. “Diese Augen… oh man ich hätt die alle platt gemacht wenn sie meinen Jani angefasst hätten.”, dachte er.
Kim freute sich wahnsinnig auf morgen. Sein erstes richtiges Treffen mit Janik! Da war der Gedanke an den schweren, ihm nun bevorstehenden Kampf längst nicht mehr so schlimm.
Nein Kim fürchtete sich nicht vor dem Kampf, das nicht. Er fürchtete sich noch nie vor körperlichen Auseinandersetzungen. Warum auch, schließlich war er jedem anderen Kämpfer haushoch überlegen. Aber diese Danprüfung würde schwerer werden als alle zuvor. Er würde mit verbundenen Augen gegen vier Gegner bestehen müssen. Einer davon war ein Koreaner, der war gefährlich gut und besaß schon den zweiten Dan, den Kim heute erst machen wollte. Aber der Mann war schon über vierzig. Kim würde ihn putzen, wie jeden anderen bisher auch. Schade dass seine Eltern heute nicht dabei sein konnten. Aber die waren wegen wichtiger Termine vorhin zum Flughafen gefahren um nach Hongkong zu fliegen. Die Heimat die Kim nur von Besuchen kannte. Sie war ihm fremd. Geboren wurde er in Deutschland und er fühlte sich auch als Hiesiger. Noch lieber wäre Kim gewesen, wenn Janik heute dabei gewesen wäre.

Klasse - Die Szenenwechsel sind auch gut gelungen.

Einen Teil hab ich noch fertig, schmeiß ihn also gleich noch hinterher…

Janik brachte Maike noch nach Hause und drückte ihr einen sanften Kuss auf die Stirn zum Abschied. “Wir sehn uns Jani, und viel Glück morgen.” “Danke meine liebe Schwester.” Die beiden lächelten sich noch einmal an, dann ging Maike rein zu ihrer Ma. Sie besaß nur noch eine Mutter, der Vater verstorben als Maike gerade eingeschult wurde.

“Sie ist und bleibt meine beste Freundin, ich hab sie richtig lieb.”, dachte Janik während er gemütlich nach Hause radelte. Er freute sich unendlich auf morgen. Aber jetzt stand ihm erstmal das Gespräch mit dem Vater bevor. Das schlimmste daran war, dass der Alte doch mitbekam, dass Janik gestern gerufen hatte: “Ich bin schwul.” Janik tat das eigentlich nur, um etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen. Für ein Outing bei seinen Eltern hielt er den Zeitpunkt noch nicht für gekommen. Zumal er sich noch nicht einmal völlig sicher war, ob er wirklich schwul war. Maike wusste Bescheid, aber die hatte ja auch jede Lebensphase und jede Stimmungslage mitgemacht. Die Eltern auch, sollte man meinen, aber die hatten ja nur ihre Pillen im Kopf. Wie gut das Janiks Bruder Hendrik eines Tages die Apotheke übernehmen würde. Dazu hatte Janik nur so gar keine Lust. Na heute Abend würde der Vater wenigstens mal zuhören.

Kim stieg nach bestandener Schwarzgurtprüfung und einer kleinen Feierstunde auf seinen Roller um seinen Bruder Tei von dessen Freundin abzuholen. “Diesen Gürtel werde ich Jani widmen morgen. Hoffentlich mag er mich wirklich. Oh man is das schwer.”, dachte Kim während er den Roller startete. Anzeichen hatte es gegeben, da heute auf dem Schulhof. Janik war mehrmals rot geworden, hatte ihn nicht ansehen können. Dann bemerkte Kim dass Janik seine Jacke fest umarmt hielt… “Oh man hoffentlich… ich liebe ihn doch so sehr…”

Bruderchek. “Na Zecki, war´s schön? Komm jetz wir müssen.” “Jop Kimberly alles oki, was machen wir, gibste einen aus auf deine bestandene Prüfung?” Tei war sich sicher gewesen dass sein Bruder bestehen würde, und er sah ihm sofort an dass es so war. Er selbst trainierte längst nicht so hart wie Kim. Ihm reichte ein bisschen Selbstverteidigung. Er wollte kein Muskelprotz werden wie sein Bruder.
Kim ärgerte sich schon längst nicht mehr über sein jüngeres Gegenstück, auch nicht darüber dass der ihn Kimberly nannte seit er wusste, dass der Bruder schwul ist. Sie uzten sich oft, aber liebten sich auch sehr, die beiden jüngsten Mitglieder der “Triadenfamilie”.

Janik stellte sein Rad in den Keller und ging nach oben. Gerade so geschafft, zehn vor sieben. Ein bisschen nervös war er, wegen dem Gespräch mit dem Vater gleich nach dem Abendessen. Seine Eltern saßen schon bei Tisch und lächelten ihn beide lieb an. Der Klotz auf Janiks Herzen begann zu bröckeln.
Nach dem Essen blieben seine Eltern sitzen und schauten ihren Sohn immer noch liebevoll an. “Was ist?”, fragte Dieser leicht konsterniert. Der Vater nickte der Mutter zu und die begann nun zu sprechen. “Wir haben beschlossen, es so zu nehmen wie es kommt. Solltest du dich wirklich in Jungs verlieben Janik, werden wir uns damit abfinden. Mach dir keine Sorgen, genieß dein Leben, lerne, werde erwachsen. Und solltest du uns einen Schwiegersohn bringen, werden wir uns auch freuen.” Janik schossen heiße Tränen in die Augen. Er sprang auf und umarmte seine Mutter. Gleich drauf auch den Vater. “Und…und ihr seid mir wirklich nicht böse?” “Nein du kannst doch nichts dafür.”

Janik konnte nicht einschlafen an diesem Abend. Zuviel Glück auf einmal wühlte in ihm. Er wusste nicht, dass Kim ebenfalls wach in seinem Bette lag, nicht schlafen konnte, weil sein Herz lichterloh brannte - wegen ihm, wegen Janik. Hätte er es gewusst, wäre er sicher sofort aufgestanden und zu Kim gefahren. Aber er wusste nichts, war nur schrecklich verknallt wie noch nie zuvor. Janik wusste ja auch nicht wo Kim wohnte. Das würde er hoffentlich morgen erfahren. Hätte er doch wenigsten schon seine Telefonnummer gehabt…

Nach nur wenig Schlaf erhob sich Janik. Erst am Morgen war er noch etwas eingeschlafen. Sofort sah er auf die Uhr. Noch drei Stunden. “Versprich dir nich zu viel, es is das erste Treffen, und bestimmt is Kim gar nich schwul.”, versuchte er sein Herzflattern in den Griff zu bekommen. Aber selbst wenn Kim nicht schwul war, er Janik, würde mit Superman befreundet sein. Eine Idee durchzuckte ihn. Er schaute auf seine Finanzen. Nee das reichte nicht. Also runter zu Mama, einen “Kleinkredit” aufnehmen.

“Mama?” “Ja mein Sohn?” “Ich möchte zum Frisör bevor der zu macht, kannste mir etwas Geld leihen?” “Du gehst freiwillig zum Frisör? Na da hat dich aber was erwischt Junge - okay, hier sind fünfzig Euro.” “Öhm Mama ich will meine Haare etwas anders machen lassen, darf ich öhm…” “Hab ich mir gedacht, nun geh schon Janik.” Wieder fiel Janik seiner Ma um den Hals. Endlich durfte er seine ätzende Beatwolle anders machen lassen. Er würde sich einen Emo-Style zulegen. Hoffentlich konnte das der örtliche Frisör.

Können ja, aber es dauerte. Der Frisör schloss um 13 Uhr. Janiks neuer Putz war da aber noch nicht fertig. Für den Kopfgärtner nicht das Problem, aber für Janik. Er würde zu spät kommen. Er würde Kim verpassen, wegen dem er sich das hier jetzt machen ließ! Er rief seine Eltern an. Vater ging ran. “Bin noch beim Frisör, um halb zwei kommt mein Freund, könntest du ihm sagen, dass er warten soll?” “Dein Freund?” “Ja, Kim heißt er und er ist ein Asiat.” “Okay Söhnchen, wird gemacht.” Puh. Wie gut dass er mit Vati reden konnte, dass nicht Mama ans Telefon gegangen war. Die riet ihm ja von den Leuten ab, bei denen angeblich etwas nicht stimmte. Bei diesen asiatischen Schnöseln.

Um zwanzig vor zwei trat Janik aus dem Laden des Frisörs, der sofort hinter ihm abschloss. Er fühlte und roch die Massen von Haargel mit denen der Frisör es geschafft hatte aus Janiks strubbeligen langen Locken eine rattenscharfe Emofrisur zu zaubern. Oh nein! Es begann zu regnen… Jetzt würde der megacoole Kopfstyle leiden! “Eine Mütze, eine Tüte, irgendwas…”

Janik ahnte noch nicht, dass er nur wenig später eine “Mütze” aufhaben würde. Ein Motorroller näherte sich. Der Fahrer hielt bei Janik. Er trug einen zweiten Helm dabei. Setzte seinen jetzt ab. Kim!!
“Hey Janik was siehste scharf aus - wow das nenn ich mal gelungen.” “Hallo Kim.”, grüßte Janik etwas zittrig. "Steig auf, wir fahren an einen Ort wo es trocken is. Und keine Sorge, der Helm schadet deinem Style nich, hier setz ihn auf. Janik tat wie geheißen und schwang sich hinter Kim auf den Roller. Zaghaft legte er nun seine Arme um Kims Körper, um sich festzuhalten. Fühlte die Wärme und die Muskeln. Kim fühlte auch was, er bekam leichte Schwierigkeiten mit dem Heini in seiner Hose als er so von seinem geliebten Janik umarmt wurde, aber das merkte Dieser ja nicht. “Egal was geschieht, ich sags ihm heute, ich muss einfach, halt das nich mehr aus.”, dachte Kim.

Kim fuhr mit Janik zu der gleichen Eisdiele wo er gestern mit Maike saß. Kim und Janik gingen rein. Jeder ein kleines Eis. Für ein großes war es heute zu kalt. Sie saßen sich gegenüber und versanken in den Augen des anderen. Merkten kaum dass das Eis gebracht wurde. Das war ja auch Nebensache. Beide schwiegen, aber die Luft zwischen ihnen schien elektrisch aufgeladen. “Kim ich muss dir was sagen.” “Ich dir auch, aber du zuerst, was gibt´s?” “Kim ich…ich…” Janiks Hals war zu. Eben hatte er dem Kim einfach so sagen wollen, wie toll er ihn fand. Aber nun war der Mut wieder entwichen. Er spürte heiße Ohren und machte sich nun erstmal über das Eis her, welches schon etwas geschmolzen war.
Janik der Linkshänder legte seine rechte Hand flach auf den Tisch. Kims Hand begann zu kriechen. Janik bekam das erst mit, als dessen Finger seine Hand berührten. Er schaute auf die Hand, dann auf Kim. Sah das wundervolle Gesicht. Jetzt etwas weniger lächelnd, etwas verschämt oder unsicher. Kims Hand war noch da, aber sie zitterte leicht. Janik strich einmal darüber und zog dann schnell seine Hand weg, sprang auf und rannte zur Toilette. “Oh was bist du für ein Idiot!”, beschimpfte er sich dort selbst. Er musste hier nicht her, er war nur geflüchtet. Geflohen vor der eigenen Courage dem Kim über die Hand zu streicheln. Was musste Kim nun von ihm denken? “Aber er hat doch angefangen.”, fiel ihm dann ein. Kims Hand war zuerst über den Tisch zu seiner eigenen gewandert. Er öffnete die Klotür einen Spalt um zu sehen was Kim tat.
Der Platz war leer. “Oh nein, jetz isser weg, oh du Töffel, du Hirnie, das haste ja toll hingekriegt.”, schalt Janik sich wieder selbst und war den Tränen nahe.

(( da hätt ich eigentlich nen Cliffhanger setzen müssen XD ))

Er trat wieder ins Lokal zurück und bemerkte Kim, der am Eistresen stand und gerade zahlte. “Kim bitte bleib!”, rief er durch den ganzen Laden. Einige Leute drehten sich um. Mit hochrotem Kopf setzte sich Janik wieder an seinen Platz. Auch Kim kam und nahm wieder Platz. “Hab schon mal gezahlt.” “Hm hab´s gesehn, öhm willste weg?” “Nö eigentlich isses schön mit dir hier.”
“Ich muss es wissen.”, dachte Janik und beschloß genau da weiter zu machen, wo er es vorhin unterbrach. Janik legte seine Hand wieder auf den Tisch. Schaute Kim direkt in die Augen und zwang sich zu lächeln. Kim fasste seine Hand, streichlte darüber und hielt sie dann sachte fest. “Janik vor über einem Jahr sah ich dich zuerst, es war im Schwimmbad. Und seit dem krieg ich dich nich mehr aus´m Kopf. Só, nun weißtes.”
Janik schaute weiter in Kims Gesicht. Tränen erschienen in dessen tollen fast schwarzen Augen und die Unterlippe zitterte. “So lange schon Kim? Ach darum wusstest du wo ich wohne, ne?” “Ja und ich entschuldige mich jetzt dafür, dass ich gestalkt hab, aber ich musste wissen was mit dir is - Janik ich… ich hab dich lieb.” Janik wusste kaum wie ihm geschah - sein schönster Traum! “Es ist wahr!”, brüllte es in ihm. “Kim ich muss hier raus.” “Du willst weg? Entschuldige, vergiss was ich gesagt hab, bitte bitte.” “Nee ich will nich weg Kim, nur hier will ich weg. Von dir will ich nich weg - nie wieder Kim, nie, nie wieder.” Janik stand auf, sah sich um. Es guckte keiner. Er hauchte Kim einen Kuss auf die Wange. “So nun weißt du auch Bescheid.”

Jetzt wollte auch Kim raus aus der Eisdiele. Beide ließen sie die Hälfte vom inzwischen gänzlich getauten Eis stehen. Bezahlt war ja schon, da konnte man fluchtartig verschwinden.
Der Roller brachte sie aus der Stadt hinaus. Zwischen ihren beiden Wohnorten verlief die Autobahn. Seitlich von der Überführung der großen Straße hoppelte Kims Roller nun über einen Trampelpfad. Dahinter erreichten sie den Durchlass eines kleinen Flusses unter der Autobahn hindurch. Hier war es trocken. Am Ufer unter der Brücke lag ein Baumstamm.
Kim setzte sich rittlings auf diesen Stamm und schaute auf Janik. Der trat herbei. “Schöner Platz, den kannte ich noch gar nich.” “Ja hier hab ich oft gesessen und von dir geträumt Jani - äh eben haste gesagt, daste nie wieder weg willst von mir und dann haste mir ´n Kuss gegeben. Jani bitte sag es mir noch mal richtig, ich kann das nich wirklich glauben, mein schönster Traum, ach Jani.” “Dein schönster Traum? Das kann doch nich sein, dass ich der schönste Traum von Superman bin, grade ich - nee unmöglich.”
“Jani bitte, bitte sag es noch mal.”, schluchzte Kim jetzt auf. “Sollte dieser tolle Kerl mich wirklich lieb haben?”, dachte Janik nur noch und setzte sich dicht vor Kim auf den Stamm, lehnte sich rücklings an seinen neuen Freund. “So kanns bleiben Kim, einmal für immer bitte.”, sagte Janik leise und ein wundervolles Glücksgefühl durchströmte ihn, als Kims starke Arme sich um ihn legten. Kims Mund dicht an Janiks Ohr flüsterte ein zartes “Ich liebe dich.” Janik legte seinen Kopf zurück auf Kims Schulter und hauchte überglücklich: “Ich dich auch.”

Es dauerte etwas bis die Boys wieder in der Lage waren klar zu denken und andere Worte zu formen als zärtliche Säuseleien für den anderen. Janik saß nun auf Kims Schoß mit dem Gesicht zu ihm. Nach hunderten Küssen fragte er: “Bin ich dir nicht zu schwer Kimi? Ich bin doch leider ziemlich dick und…” “Bist nicht zu schwer, weißt du ich könnte deine vielleicht 75 Kilo mit einem Arm problemlos stemmen, und es fühlt sich so toll an, daste so dicht bei mir bist mein Sonnenschein.” “Einundachtzig, ich wiege verdammte einundachtzig Kilo, weil das Kortison verursacht hat, dass das Wasser nich mehr aus meinem Körper geht.” “Wasser? Das kriegen wir, es gibt doch Tabletten, die das Wasser raustreiben.” “Ja weiß ich aber meine Eltern wollen nich dass ich die nehme, weil die auch wieder Nebenwirkungen haben. Werde wohl ewig ne potthässliche Qualle bleiben.” “Du bist keine potthässliche Qualle. Du bis mein absoluter Traummann.” “Ja das macht mich unbeschreiblich happy, dass grade du mich so empfinden kannst, wo doch jeder sagt…” “Ich bin nich jeder, ich bin Kim, und ich bin der Kerl der dich liebt, alles tun und alles geben würde für dich.” “Okay Kim ich fang an das zu glauben.”
“Janik dein Vater war sehr nett zu mir, wie er gesagt hat, daste beim Putzer bist, weiß er, wissen deine Eltern, dass du ähm auf Jungs stehst?” “Ja seit gestern und deine?” Seit letztem Jahr, da konnt ichs nich mehr verstecken, weil ich mir in nem Anfall von Flächenbrand im Herzen wegen dir das Tattoo hab machen lassen. Kim zeigte jetzt die Tätowierung auf seinem Oberarm, die Janik gestern schon auf dem Schulhof sah. “Und was heißen diese Zeichen?” “Das sind chinesische Schriftzeichen und sie lauten Janik.” Wieder waren innigste Liebkosungen angesagt.

Den Jungs war völlig entgangen wie schnell die Zeit verran. Plötzlich klingelte Janiks Handy. Die Nummer seiner Eltern leuchtete auf. “Oh man was woll´n die denn? Kim wie spät isses?”, fragte Janik bevor er ranging. “Zehn nach sieben.” “Oh Mist ich hätte um sieben Zuhause sein müssen.” Janik ging nun ran und begann sich sofort zu entschuldigen, sowie er die Stimme des Vaters vernahm. “Ruhig Junge, bist du bei Kim?” “Ja.” “Dann ist es gut. Der sieht so aus, als wenn er dich besser beschützen könnte als ich. Um zehn kommst du aber bitte, ja?” “Klar - und danke Pa.” “Wahnsinn Kim, mein Vater hat nen guten Eindruck von dir, ich darf bis zehn draußen bleiben, weil ich bei dir bin.” “Das is schön Jani, ich fand ihn auch nett.”
“Da muss ich nun nur noch meine Mutter überzeugen.” “Wieso?” “Ja entschuldige Kim, wie ihr mich gestern nach Hause gebracht habt, da hatse das gesehn und dann hatse gesagt, dass ich mich von euch fern halten soll.” “Ach ja… ich weiß schon, weil wir den Ruf haben Triaden zu sein.” Du weisst es Kim?" “Jap das is´n ganz alter Hut, Chinesen die in Deutschland Erfolg haben, werden immer mit den Triaden in Verbindung gebracht, weil sich die Deutschen nich vorstellen können, dass auch andere Leute außer ihnen selber nen Wirtschaftswunder produzieren können. Und haste den Ruf ersma wech, bekacken sich alle.”, sagte Kim aber er lächelte dabei.

“Wolln wa kurz zu mir? Könnte was essen.”, schlug Kim vor. “Zu dir? Und was sagen deine Eltern dazu?” “Die sind nich da, sind gestern nach Hongkong geflogen, kommen erst übermorgen zurück. Aber selbst wenn sie da wären, sie würden sich freuen.” “Das haste gestern auch schon gesagt, dass sich deine Ma freuen würde mich zu sehn, warum?” “Weil sie weiß dass ich dich liebe, weil sie gesehn hat wie viel Tränen ich vergossen hab wie du so krank warst. Und darum wird sie sich freun, wenn ich ihr sag, dass wir zusammen sind. Sind wir doch oder?” “Jo, und ich hoff für ganz lange.” “Für immer haste vorhin gesagt Jani…” “Ja wenn´s nach mir geht für immer.” “Dann geht´s nach uns beiden, und dann isses für immer.”

Deine Dialoge sind echt immer… So… Ein wenig unrealistisch vom wortgebrauch her… Aber dass kann auch Ansichtssache sein :wink:

Ja lukasimo, das sehe ich teils selber so. Meinst du jetzt, dass die Dialoge nicht altersgerecht auf Jugendliche zugeschnitten sind, oder allgemein absurd rüber kommen?

Ich möchte das natürlich ggf ändern (können) und deshalb würde ich mich eben nicht nur über lobende Worte meines “Fanclubs” freuen, sondern auch, oder insbesondere über konstruktive Kritik.
Nur das hilft mir weiter - und ich wäre bestimmt niemandem böse! :slight_smile:

Es ist vorallem, das die Dialoge nicht altersgerecht sind… Wenn man bedenkt, das es der erste Freund für beide ist, kommt zum einen die Wortwahl an sich oft komisch rüber, aber auch dieses sehr direkte und ziemlich offene passt meiner Meinung nach nicht zum … Dass ist jetzt natürlich bloß konstruktive Kritik xD ansonsten bist du sehr kreativ :wink:… Das ist aber natürlich auch dein schreib-Stil

Habe zwar noch eine Fortsetzung auf dem Rechner, sehe mich aber zur Zeit nicht in der Lage die Dialoge umzutexten wegen privater “Durchgedrehtheit” :unamused:

Vielleicht sollte ich diese Story auch hier enden lassen, denn wenn ich jetzt plötzlich die Gespräche der Buben “jugendlicher” rüber kommen lasse wirkt das ganze verfälscht denk ich so. :freaked:

hmm…

stimmt der Eingriff wäre zu groß. Vielleicht postest du in dieser Geschichte noch hier die Teile wie sie momentan sind-
Und die Änderungen dann in den Nächsten Geschichten. Da würde das Problem mit den verfälscht zumindest nicht eintreten.

Poste weiter, sonst wird deine Fan-Gemeinde mich töten xD

ah ich glaub so schnell geht das hier nich mit der Töterei :smiley:

Die meisten scheinen hier sehr tolerant und hilfsbereit, wie ich gestern inmitten eines tiefen Tränentals erfahren durfte. :bp:
Aber vllt tötest du mich ja, wenn ich im gleichen Stil weiter :bullshit: poste :astonished:

Also hau ich nun doch den Rest noch unverändert raus. Ziemlich viel, sollten eigentlich mehrere Teile werden, nun eben als Ganzes auf die Gefahr hin dass mich der lukasimo platt macht - oder auch noch ein paar andere… :slight_smile:
Und Ende is danach mit dieser Story.

Wenig später staunte Janik über die Villa von Kims Familie. Ein riesiges Haus mit allem was das Herz begehren kann. Neben Kims Zimmer ein Raum voller Fitnessgeräte und eine eigene Dusche nur für Kim. Im Durchgang von Kims Zimmer zum Sportbereich standen Dutzende Pokale. Gerahmte Urkunden und Medaillen hingen an den Wänden. “Kim du… du hast schwarze Gürtel? Richtige Schwarzgurte?” “Ja acht Stück, den letzten hab ich mir erst gestern abgeholt, das war der bisher schwerste. Den möchte ich dir widmen mein Liebling.” “Oh Wahnsinn, wie kann man denn mit 17 überhaupt, und dann so viele Schwarzgurte haben?” “Indem man besser ist als alle anderen, immer.” “Mensch Kim dann haste doch nich nötig mit mir… dann kannste doch aussuchen, ´s laufen dir doch bestimmt alle hinterher.” “Janiliebling ich hab doch ausgesucht - dich - und ich bin so glücklich, dass du mich lieben kannst, bitte Jani sag nich so was.” Sehr zärtlich nahmen sich die Jungs wieder in die Arme.

Es klopfte kurz und ratsch Tür auf. “Teizeck! Is ja cool daste klopfst, aber man wartet dann ob von drinnen jemand antwortet, wenn nich dann bleibt man gefälligst draußen!” “Hehe sorry Bruderherz - ah ich seh ihr habt euch, meinen Glückwunsch.” “Danke aber ich mein das ernst ich reiss schließlich auch nich die Tür auf wenn du Besuch hast!” “Jahaa is ja guhuut.” Weg war er wieder der kleine süße “Zeckenbock”. “Macht Tei auch Kampfsport Kim?” “Nee der nich, der hat nur seine Weiber im Kopf - komm ich möchte dich noch jemandem vorstellen.” “Noch jemandem?” “Jap meiner Schwester Li-Mai.”
Auch die neunzehnjährige Li-Mai freute sich offenbar für ihren Bruder, dass es nun Janik für ihn gab. Sie war es auch, die bald darauf ihren Roadster aus der Tiefgarage holte um Janik nach Hause zu fahren. Noch ein Mercedes, aber ein kleiner spritziger. Natürlich kam Kim noch einmal mit. Die beiden wussten ohnehin kaum wie sie die Trennung für eine Nacht überstehen sollten. Morgen würden sie sich wieder sehen, den Sonntag miteinander verbringen. Was sonst?

Als der Abschied gekommen war wurde es richtig heftig. Sie standen so lange knutschend und heulend auf dem Hinterhof der Apotheke bis Janiks Eltern aufmerksam wurden.
Der Vater kam runter. “Ich seh ihr könnt euch nicht trennen Jungs.”, lächelte er. “Kommt doch rauf, Kim kann auch bei uns schlafen, wenn er will.” Dem Janik blieb fast das Herz stehen, nie hätte er das von seinem strengen Vater erwartet. So kam es, dass Li-Mai allein mit ihrem Benz nach Hause rollte. Janiks Mutter grüßte Kim noch etwas steif, aber auch sie erlaubte dass er in Janiks Zimmer übernachtete. Allerdings stellte sie noch ein klappbares Gästebett dort hinein. Dieses blieb natürlich ungenutzt. Schließlich war Janiks Bett groß genug und ermöglichte liebevolles aneinander kuscheln.

Nach dem Frühstück gingen drei Männer, Vater, Sohn und “Schwiegersohn” in den Hof. Rauf tragen der neuen Waschmaschine, die Freitag geliefert wurde, in den ersten Stock. Runter tragen der alten Maschine. “Das muss ich doch ausnutzen, wenn ich mal einen so starken Mann hier habe.”, grinste der Vater. Kim entledigte sich seiner Jacke und begann Übungen zu machen. “Ich muss meine Muskeln aufwärmen, sonst gibt´s schmerzhafte Faserrisse.”, sagte er. Janik hatte nur Augen für Kims muskelbepackten Oberkörper, den er in der Nacht immer wieder streichelte. Nach fünf Minuten Dehnübungen fasste Kim die neue Waschmaschine und hob sie hoch, als sei es ein leerer Pappkarton. “Wo soll se hin?” “Oben, aber die alte Maschine muss erst raus.”, sagte der Vater. Kim trug die Maschinen allein und sah kein bisschen angestrengt aus danach.
“Schade Janik, dass Kim nicht auf deine Schule geht, dann hättest du dort sicher Ruhe vor den bösen Buben.” Sieh an, der Vater wusste doch was los war. Janik hatte immer den Eindruck gehabt, als interessiere sein Vater sich nicht dafür. “Er wird auch ohne mich dort Ruhe haben. Mein Bruder Tei geht auf diese Schule und der wird für Ruhe sorgen, notfalls sagt er es mir. Und ich werde das Selbstwertgefühl Ihres Sohnes trainieren, und ein bisschen seine Muckis dann kann Janik das selber.”

Nach einem Tag voll glückseliger Zweisamkeit fuhr Janiks Vater den Kim nach Hause. Am Morgen, als Janik gerade in den Bus steigen wollte erschien Kim schon wieder mit dem Roller und fuhr Janik zur Schule. Zeigte bei dieser Gelegenheit gleich der Poison-Gang noch einmal, dass sie wirklich Freunde waren, Janik und er. Den Kuss zum Abschied sahen zahlreiche Mitschüler, auch die Poisons. Dass er nun auch hier geoutet war, war dem Janik erstmal egal. Aber sowie Janik in der Klasse seinen Platz einnahm ging es los. “Na Schwuli, fickt er gut der Jappanese?” Janik, von neuem Mut und Selbstvertrauen erfasst antwortete cool: “Ja einmalig gut, aber du kriegst ihn nich, weil es meiner is.”

In der Pause suchte Poison wieder Janiks Nähe. “Isch hab ja immer gewuscht daschte schwul bischt Jani. Könn auch ma wasch machen schuschamm´n wennde Bock hascht.” “Zu spät Poison, Kim is mein fester Freund.” “Schade man, überlegsch dir, kannscht mir ma ein blasen.” Damit ließ Abdullah Janik erstmal zufrieden. Jetzt wusste Janik wenigstens schon mal, warum der Poison immer mal wieder nett gewesen war. “Der is geil auf mich.”, dachte er mit leichtem Schaudern. Obwohl auch der Abdullah ein richtiger Adonis war, der richtig nett sein konnte wenn er wollte, konnte sich Janik nie wirklich etwas mit ihm vorstellen. Nun natürlich erst recht nicht mehr, im Gegenteil ihm wurde übel. “Einen blasen, igitt was denkt der sich?”

Nach der Schule bemerkte Janik, dass die Poisons jemand anderen vor hatten. Er erblickte Tei im Getümmel. Gerade schlug einer von Abdullahs Gangmitgliedern Diesen zu Boden. Janik ließ seine Tasche fallen und stürmte über den Schulhof. Er versetzte dem überraschten Schläger einen Hieb unter das Kinn. Dann wurde Janik angegriffen. Von allen Seiten droschen Fäuste auf ihn ein. Nicht lange und ihm wurde schwarz vor Augen.
Wach wurde er im Krankenwagen. Alles tat ihm weh besonders der rechte Arm. “Du bist wach Janik?”, hörte er eine nette Stimme. Ein Sanitäter. “Sie haben dir den Arm gebrochen und ein paar Rippen, aber das wird schon wieder, wir bringen dich jetzt ins Krankenhaus.”
“Wo is Kim?” “Wer ist das?” “Mein Freund, ich muss ihn anrufen.” “Das tun wir wenn wir da sind, und deine Eltern rufen wir auch an.” “Ich möchte bitte Kim selber anrufen, und das sofort.” “Das geht erst wenn du in der Klinik bist, es hat dich ganz schön erwischt, du musst ruhig liegen.”
“Bestimmt is noch mehr kaputt bei mir, das hatter bloß nich gesagt.”, dachte Janik ängstlich. Es fühlte sich auch so an, als wenn eine Menge kaputt war an ihm. Jetzt musste er weinen. Vor Schmerzen nicht so sehr, aber vor Angst und Sehnsucht nach Kim.
Da wusste Janik noch nicht, dass in einem zweiten Krankenwagen der kleine Tei mit gebrochenen Knochen zur Klinik gefahren wurde. Und noch etwas wusste er nicht. Nämlich dass Kim schon Bescheid wusste, weil Tei ihn noch callen konnte. Dass das Krankenhaus heute noch haufenweise Notfälle bekommen würde, ahnte Janik natürlich auch nicht.
Das erfuhr Janik als Kim ihn am späten Nachmittag besuchen kam. Seine Mutter war gerade gegangen als Kim das Zimmer betrat und ihn sanft umarmte. “Liebster gut dass du da bist, jetzt wird alles gut.”, schnaufte Janik und musste wieder weinen. “Ach Janilein es tut mir so leid, dass ich das nich verhindern konnte.”, sagte Kim traurig und küsste ihn sanft. “Wie geht es Tei?”, fragte Janik nun. “Schon besser, sie haben ihm beide Arme gebrochen und die Nase eingeschlagen, aber der is ne harte Nuss.” “Oh man und alles wegen mir.” “Wegen uns Jani, sorg dich nich.”

Jetzt erst bemerkte Janik ein blaues Auge bei Kim. “Du hast nen Veilchen, woher…” “Das war Poison, er konnte mich einmal treffen bevor ich mit ihm fertig war, der is ein ganz guter Kämpfer.” “Poison? Du hast den Poison verdroschen?” “Nich DEN Poisen, sondern alle Poisons, is ziemlich voll hier geworden, glaub man.”, grinste Kim schelmisch. “Voll? Wie voll?” “Na das Krankenhaus, musste halt der Gang etwas wehtun, es geht nun mal nich dass die meinen Liebsten und meinen kleinen Bruder fertig machen, das musste ich denen klar machen, das verstehst du doch, oder?” “Sicher, natürlich, aba das sind doch soo viele…” “So viele nun auch nich, nen paar sind auch weggelaufen, aber so ein gutes Dutzend wird es schon gewesen sein.” “Ein Dutzend?? Du hast zwölf harte Burschen vertrimmt?” “Da war außer Abdullah kein harter Bursche bei. Lauter Suppenhühner, Mehlsäcke und Milchbubis warn das. Kannst se dir ja angucken, wennde aufstehn darfst, die sind alle hier hehe.” “Ach mein Superboy…”
“Was denn Jani?” "“Kimi du bist so cool - ahwuh…” Janik wollte die Arme nach Kim recken, sich aufrichten, das tat ihm weh. Er konnte es nicht. “Scheiße man die ham mich richtig platt gemacht. Der Doc sagt ich hätt keine inneren Verletzungen, aba reicht auch so.” “Bleib liegen Herzchen, rühr dich nich.”, sagte Kim und umarmte den liegenden Freund so sanft dass der nichts spürte außer grenzenloser Liebe. “Kim du bist so superstark und kannst doch so zärtlich sein… ich liebe dich mein Held.” “Ich liebe dich auch Jani, aber der eigentliche Held bist du. Du hast versucht Tei zu helfen, ohne Rücksicht auf dich selber.” “Konnte doch nich zusehn wie´se den Zecki fertig machen.” “Das mein ich Jani.”
Kim blieb die ganze Nacht bei seinem Jani im Zimmer. Wie schon bei Janiks langem Krankenhausaufenthalt wegen dem Allergieschock lag er auch jetzt wieder in einem Einzelzimmer. Das ermöglichte die Privatversicherung seiner Apothekereltern. Damals hätte Janik gern ein paar Kumpels im Zimmer gehabt, oft war ihm sehr langweilig gewesen. Jetzt war er froh, mit Kim allein sein zu können. Auch als er etwas schlief blieb Kim bei ihm. Ab und zu ging er kurz zu seinem Bruder in das andere Zimmer. Erst am Nachmittag des folgenden Dienstags ließ Kim sich überzeugen, nach Hause zu fahren um endlich zu schlafen. Dafür sorgten seine Eltern, die eben zurück aus Hongkong sofort ins Krankenhaus geeilt waren. Es kam so, dass Janiks Mutter gerade eintrat, als die “Triadeneltern” eben gehen wollten. So sahen sich die Erwachsenen noch kurz.

“Sie sind weder Mafiosi noch Triaden Mama, sie sind auch keine Schnösel - sie sind meine Schwiegereltern.”, sagte Janik fest, als die Leute samt Kim gegangen waren. “Okay… das ist alles noch etwas neu für mich Söhnchen, werde du erstmal wieder gesund, dann sehen wir weiter.”

Ein Stunde später verabschiedete sich Janiks Mutter und ging. Aber nur um mit entgeistertem Gesicht gleich wieder herein zu stürzen. “Janik vor deiner Tür steht ein Stuhl und darauf sitzt ein Mann. Der sieht aus wie Dschingiskhan. Weißt du etwas darüber??” “Ja Mama, das ist ein Wächter, der beschützt uns, falls die Typen noch was versuchen sollten.” “Uns? Wen denn noch?” “Kims kleiner Bruder wird heute noch mit in mein Zimmer verlegt, das haben wir so abgemacht Mama.” “Naja dann muss ich mir ja keine Sorgen machen oder?” “Nee Mama, musste nich.”
Tei lachte schon wieder als sein Bett in Janiks Zimmer geschoben wurde. Beide Arme eingegipst und eine Nasenschiene im Gesicht. Aber fröhlich wie eh und je. “Könnt mich locker noch nen bisschen rumfahren, macht voll Laune.”, ließ er hören. “Nee junger Herr, ist Endstation.”, lächelte der Pfleger der das Bett bewegte. “Na Kleiner dir geht´s ja schon wieder gut.”, sagte Janik.
“Nee beschissen, aba jamman nütz nix. Und ich bin nich der Kleine, sondan der großartige einmalige Tei - aba thanks daste mir helfen wollt´st.” “Einmalig isser wirklich.”, dachte Janik. “Na gut du großartiger einmaliger Lieblingsbruder meines Freundes, was machen wa nu?” “Kannste einen Arm bewegen Jan?” “Jo.” “Üba dir das Dingens mit dem Klingelknopp, das is auch die FB für das Fernsehn. Mach ma an, gleich kommt unta uns.” “Unter Uns? Sowas guckst du?” “Nja wenn´s nix andres gibt, aba da sind süße Schnecken bei. Die Eva find ich voll geil, auch wennse schon ne alte Omma wär für mich.” Tei gluckste vor Lachen. Janik tat ihm den Gefallen gern, diesem herzerfrischend süßen zwölfjährigen Weiberhelden, auch wenn es durch diese Bewegung in seinen Rippen ziepte.

In der Nacht freilich war es vorbei mit Tei´s Frohsinn und der Coolness. Er konnte nicht schlafen und jammerte weil ihm die Nase wehtat. Janik schlief ohnehin nicht, zu sehr dachte er über Kim nach und all die Geschehnisse um die Poisons. Er fürchtete, dass Kim eine oder mehrere Körperverletzungsklagen bekommen würde. “Und wenn sie ihn in den Knast sperren, ich warte auf ihn.”, dachte Janik und wollte nun doch noch einmal versuchen etwas zu pennen.
Gerade jetzt wimmerte Tei. Das stach dem Janik tief ins Herz, trotzdem sagte er spöttisch: “Hey was is du einzigartiger Tei ich denk jammern nützt nix?” “Ah scheiße man tut so weh.” “Soll ich klingeln damit se dir was geben?” “Nee ich krieg nix vernünftiges von denen, weil ich nen scheiß kleines Baby bin für die.” “Kannste aufstehn Tei? Du hast doch nix mit den Beinen oder?” “Un denn?” “Ich hab hier ne 600er Ibu, die wollt ich erst nehmen wenn´s ganz schlimm wird, aba die kannste haben.” Tei kletterte aus seinem Bett. “Aba wenn ich die nehm, verreck ich da auch nich dran?” “Nee bestimmt nich, aba dann hörts auf zu puckern inner Nase bei dir.” “Versprochen?” “Versprochen!” Tei konnte die Arme nicht bewegen, deshalb musste Janik ihn mit der Pille füttern. Er konnte ja den linken Arm gebrauchen. Dann noch Wasser aus seiner Flasche. Dabei bekleckerten sie sich beide und mussten trotz der Schmerzen lachen. Auch Janik fühlte wegen der Bewegungen nun wieder deutlich seine Verletzungen.

“Tei?” “Jap.” “Ich find du siehst richtig süß aus mit dem weißen Erker über dem Schnabel, gegen sonst, also echt.” “Ach und sonst find´ste mich hässlich oder was?” “Nee aber…” “Wahas?” “Wollt dich bloß aufmuntern Mann.” “Aso, dacht schon mein Bruder reicht dir nich.”, prustete Tei. “Was denkste von mir Tei…” “Was ich von dir denk? Daste nen ganz lieber Typ bist, der meinen Bruder richtig happy macht un darum hab ich dich auch lieb.”

Tei jetzt wieder in seinem Bett und mit Hoffnung auf baldige Schmerzbefreiung klang sehr ernst als er das sagte. Gleich drauf kam aber wieder der kleine Spitzbude durch. “Sag mal Jani habter schon abgelaicht ihr zwei?” “Also Tei!” “Was denn, is ne ganz normale Frage.” “Aber eine auf die es ganz normal keine Antwort gibt. Okay weil du es bist - nee ham wa nich.” “Okay Schwager, kommt noch.” “Weiß gar nich ob ich das will, ob ich dazu nich noch zu jung bin.”, sagte Janik und schimpfte gleich wieder innerlich mit sich selbst. Er unterhielt sich hier mit dem kindlichen Bruder seinen Freundes über den privatesten Teil seiner Beziehung… “Na hör mal Jan, du bist fünfzehn, da biste nich zu jung. Und der Kim der will das bestimmt.” “Lass uns bitte von was andrem reden Tei.” “Jaha is ja guhut, aba ich hab schon oft gepoppt, damitte Bescheid weißt.”

Janik fragte den Tei nun nach dessen Freundin aus. Nicht dass ihn das interessierte, aber es lenkte so schön ab. Von den Schmerzen, vom Sexgedanken mit Kim, vom leicht köchelnden Herzen für Tei. Irgendwann, inzwischen wusste Janik dass der kleine Casanova sich angeblich drei Freundinnen leistete und sie alle glauben ließ sie seien die Einzige, wurde es verdächtig still aus Tei´s Richtung. Nur noch tiefe Atemzüge waren zu hören. Janik selbst war sehr müde, er lauschte noch eine Zeitlang dem Pusten seines Schwagers und schlief irgendwann drüber ein.

Schon am Vormittag erschien Kim wieder. Auch deshalb, weil der Wachmann mal schlafen müsse, wie er sagte. “Dschingiskhan” steckte kurz den Kopf ins Zimmer. “Ich geh dann mal, gute Besserung Jungs, bis heut Abend dann.” “Danke Onkel Xiao.”, sagte Tei. Das war also auch noch ein Familienmitglied, der etwas furchterregent aussehende Mann, der die Nacht vor der Tür sitzend verbrachte.

“Musst du nicht auch zur Schule oder so?”, fragte Janik seinen Freund nun. Da sprachen sie vor lauter Liebe bisher noch gar nicht drüber. Janik wunderte sich nur, dass Kim immer Zeit hatte. “Ich bin nur Hauptschüler und schon fertig damit.”, sagte Kim. “Ja das is mein Bruder, eine Million Volt im Arm, aba im Kopf da brennt die Birne nich höhö.” “Teizeck du kannst froh sein, daste jetz da so arm und krank rum liegst, sonst wärste jetz fällig.” “Bin nich arm und krank, spätestens morgen geh ich nach Hause.” “Das sehn wa Tei.” “Nee das´s sicher, hat der Doc gesagt, ich hab ja nix womit ich nich auch raus könnt.” “Ja nur schade, daste nun nich deine Mädels in die Arme nehmen kannst wa? Ich hab übrigens deinen Flöhchen Bescheid gesagt, warum se dich im Moment nich callen könn.”
“Und was machste noch so, außer Kampfsport Kim?”, fragte nun Janik. “Ich helf in unseren Restaurants, mal hier mal da.” “Küchenjunge issa, höhö.” “Aber du ne Tei? Du bist der Geschäftsführer oder was?” “Jetz noch nich, aba später werd ich das sein, jaha.”

14 Uhr. Allgemeine Besuchszeit. Showdoun für Tei. Seine Flöhchen kamen ihn besuchen. Alle drei Mädels, die von einander nichts wussten. Die Reaktionen waren etwas unterschiedlich. Und der Zecki hatte nun seine liebe Not zu erklären. Das würde noch Zickenalarm geben.

Dann kam noch ein Besucher. Poison. “Frieden?”, fragte er und streckte Kim seine Hand hin. “Okay Abdullah.” Kim schlug ein. “Isch kann nisch für alle schpreschen aba von mir habta nix mehr schu befürchten.” “Okay Abdullah, du bist nich nur ein guter Kämpfer, sondern scheinba auch ein vernünft´ger Kerl, Altah”, lobte ihn Kim und fügte sich sogar etwas in dessen Tonart. “Isch hab nosch nie wen getroffen der schtärker war als ich, aba is okay.” “Irgendwann trifft jeder seinen Meister, auch ich, das is mir klar.”, sagte Kim.

Klasse geschrieben. :slight_smile: Also ich hab bisher überhaupt nichts zu bemängeln.

Der war gut. :laughing: :laughing: :laughing: