Ist es so unnormal, dass ich nicht traurig bin?

Ich muss erst mal sagen, dass ich grad n bissl sauer bin, weil ich habe heute den siebten Anruf von jemandem bekommen, der mit sein Beleid bekunden wollte. Davon bin ich zur Zeit angenervt.

Es ist so, dass mein Vater vor sechs Tagen gestorben ist, es war nicht überraschend, aber auch nicht vorhersehbar, zumindest nicht zum jetztigen Zeitpunkt.
Bis jetzt kann ich nicht sagen, dass ich in irgend einer Weise traurig darüber bin. Warum weiß ich nicht. Das einzige was ich beim Gedanken daran fühle, ist maximal Erleichterung bis Wut. Aber traurig oder dergleichen bin ich nicht. Leider erwartet jetzt jeder, dass ich traurig bin. Das macht mich fertig. Ich fühle mich schlecht, weil ich nicht um ihn trauere.
Wir haben uns nicht gut verstanden und haben uns auch noch wenige Stunden vor seinem Tod gestritten. Da saß er mitten in der Nacht am Küchentisch und hat geweint, wollte mir aber auch nicht sagen was ist und meinte dann nur, dass er jetzt wüsste, wie es sich anfühlt zu sterben. Ich hab mir da nichts bei gedacht und nur gemeint, dass er doch nicht so einen Müll reden soll. Dann haben wir unst gestritten und er meinte dann auch wieder, dass ich nie das Kind sei, dass er sich gewünscht hatte. Damit war das Gespräch für mich dann auch beendet, weil ich da beleidigt war. Ich habe aber trotzdem das Gefühl, als hätte er mir noch was sagen wollen. Es macht mich wütend, dass er es mir jetzt nicht mehr sagen kann.
Warum darf ich nicht einfach wütend und sauer über seinen Tod sein? Warum soll ich traurig sein und weinend in meinem Zimmer hocken? Warum erwartet das jeder?

Menschen sind einfach schrecklich.
Und irgendwie hat mein Text grad keinen Sinn, sorry.
Aber ist es denn so verkehrt, nicht traurig zu sein?

Naja in der Regel hat man ja ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern, und wenn ein Elternteil stirbt gehen nunmal alle davon aus dass man trauern muss. Nicht jeder weiss wie dein Verhältnis zu deinem Vater war…außerdem sagt man sowas in so einem Fall eben, vieles davon ist einfach nur Etikette. Was du da schilderst ist natürlich irgendwie hart…ich kenne jetzt nicht die genauen Umstände, aber wenn du damit offenbar klarkommst ist das wohl in Ordnung so. Wenn du eben keine emotionale Beziehung zu deinem Vater hattest ist es auch nicht verwunderlich wenn du nicht so richtig trauern kannst, jeder Mensch geht vermutlich anders mit solchen Situationen um. Ich habe selber erlebt, dass Menschen nicht sehr offen trauern, selbst beim tot ihrer eigenen Mutter.

ich denke auch, dass jeder Mensch einfach auf seine Art trauert - du bist ja wütend und sauer - auch dass ist eine Form von trauer - finde ich zumindest, und wenn du kein Gutes Verhältnis hast ist es irgendwie klar, dass du nicht so “traurig” reagierst wie wenn dass der wichtigste Mensch auf ERden gewesen ist für dich

ich glaub in Filmen und so kommt das öfter vor, dass es so Trauerphasen gibt, wo auch Zorn eine davon ist - kann natürlich Blödsinn sein, aber vll ist ja auch ein bisschen was wahres dran

Die Heutige Gesellschaft geht davon aus das wenn ein Elternteil stirbt man traurig ist das ist einfach so. Deswegen ist es aber noch lange nicht unnormal das du nicht trauerst.Ich denke es ist jedem Menschen selbst überlassen wie er mit dem Tod eines anderen Menschen umgeht.

Du musst überhaupt nicht trauern.

Klar tun das viele. Viele haben aber auch ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. Warum solltest du um jemanden trauern, der dir sowas

an den Kopf wirft? Noch dazu, wenn das (falls ich das aus deinen anderen Beiträgen hier richtig versttanden habe) alles andere als ein einmaliger verbaler Ausrutscher war? Ich finde, du solltest es einfach so passieren lassen, wie es eben passiert. Wenn du plötzlich merkst, dass sich aus irgendeinem Grund noch Trauer einstellt, dann trauerst du eben, wenn es so bleibt wie es jetzt ist… dann eben nicht. Lass dir nicht von der Gesellschaft vorschreiben, was du im Bezug auf deinen Vater zu fühlen hast. So seh ich das.

Alle trauern anders. Obwohl meine Oma gestorben war, ging ich mit einem lächeln zur ihre Beerdigung.
Niemand schriebt dir vor traurig zu sein. Aber meistens kommt es erst später, wenn man spürt das eine (mehr oder weniger) geliebte Person nicht mher da ist…

Hallo,

Dir kann keiner vorschreiben, wie Du mit dem Tod eines Menschen umzugehen hast. Als mein Vater vor 7 Jahren starb, ging es mir einfach grauenvoll. Es lag aber auch daran, wie er gestorben ist. Es war einfach urplötzlich. Wenn du Dich mit deinem Vater nicht verstanden hast, ist es sicherlich schwierig sich traurig zu zeigen. Mir geht es teils auch so, dass ich heute sagen kann, dass es “Vorteile” hat - naja, wie man es nimmt.
Deine Wut darfst du zeigen. Meine Mutter flucht heute noch zum Teil über ihn. Wut hilft den Menschen, genau so wie Trauer, mit etwas klarzukommen. Glaub mir, du darfst wütend sein, du darfst auch trauern, aber niemand darf dich dazu zwingen. Ich weiss nicht, wie es bei dir jetzt in der Familie ist, aber versuch mal mit deinen Verwandten (Mutter, Bruder…) darüber zu reden, wie du mit dem Tod umgehst. Ich denke, dass das am Meisten bringen sollte.

Danke für eure Antworten.
Es beruhigt mich zu hören, dass es doch ok ist, nicht so zu trauern, wie es jeder momentan erwartet. Ich weiß nicht, wie es wirklich ist, um jemanden zu trauern, der einem wichtig war, aber ich denke, mag jetzt vielleicht dumm klingen, dass es die Dinge einfacher macht. Die Leute reagieren immer ganz komisch zur Zeit, wenn sie mir sagen wie leid ihnen das tut mit meinem Vater und dann aber merken, dass es mir irgendwie gar nichts ausmacht. Die verstehen das einfach nicht und sagen dann, ich wäre undankbar oder müsste wohl absolut keine Gefühle haben. :frowning: Es ist unfair.

Nächste Woche ist die Beerdigung und die Trauerfeier und je mehr Verwante und Freunde von meinem Vater kommen, um so mehr bedauern sie alles. Und wie sie ihn alle in den Himmel loben - das kotzt mich an. Mein Vater war kein Heiliger, noch nicht mal ein guter Mensch. Wozu soll dieses ganze Schönreden gut sein? Es ist verlogen. Es ist eine verlogene Gesellschaft. Diese ganzen Lügen sind im Moment das Einzige, worüber ich wirklich traurig bin.
Meine Mutter hatte zu meiner Tante gesagt, ich hätte meinen Vater gehasst, aber das ist nicht wahr, er war mir nur egal, so wie ich ihm egal war. Und ich bin wütend auf ihn, weil er mir mit seinem Tod die Chance genommen hat, ihm zu zeigen, dass ich so gut sein kann, wie er es erwartet. Jetzt kann ich nur noch das Kind bleibne, dass für seinen Vater nie gut genug war.
Und jetzt bleibt mir nur noch die Frage, warum ich mir jetzt so viele Gedanke über Dinge mache, die mir zu seinen Lebzeiten egal waren und warum ich trotzt allem glücklicher als vor seinem Tod bin. Vielleicht habe ich eben doch ein Herz aus Stein.

Du hast sicher kein Herz aus Stein sonst würdest du das hier nicht schreiben oder?
Wenn er wirklich so schlimm war also verlogen gemein und was weis ich und ihr habt euch die ganze Zeit gestritten ist es denke ich normal das du nichts empfindest.

Die ganzen aussentehenden wissen nicht wie es bei euch Familien intern abgelaufen ist deswegen können sie deine Situation derzeit auch nicht verstehen.

Du sollst ein Herz aus Stein haben??- Blödsinn.
Wenn es wirklich so wäre dann würdest du hier nicht über so viele emotionen schreiben können, lass dir einfach nichts einreden, von anderen.
Jeder hat nunmal eine andere Art um mit so etwas umzugehen und somit gibt es auch viele Formen der Trauer.
Wie es in deinem Kopf wirklich aussieht kann ohne hin niemand sagen außer du und das Beste für dich ist, meiner Meinung nach, wenn du über den Dingen stehst und auf deine Gefühle hörst. Wenn du wütend bist - sei wütend und wenn du traurig bist - trauere. Da is absolut nichts unnormales dran.

voll und ganz meine meinung

Bei mir will sich immer noch keine Trauer einstellen. Aber ich hoffe, dass er bald unter der Erde ist und alle Verwandten schnell wieder abrauschen… Die sind einfach schrecklich, einer schlimmer wie der andere. Hier mal eine Anekdote allein von Heute:

Nachmittags hatte ich eine “erheiternde” Teerunde mit meiner Oma (also die Mutter von meinem Vater) und meiner Frau Mutter :confused:
Es war eigentlich alles ganz ok, gut meine Mutter hat die ganze Zeit so komische Kommentare abgelassen, die ausgesagt haben, dass ich nicht ganz so helle im Kopf bin. Naja, nicht schön, aber nach 14 Jahren gewöhnt man sich an alles. :unamused:
Dann meinte meine Oma, uns das Lieblingsgeigenstück meines Vaters vorspielen zu müssen. Ich war müde und hatte mir die Augen gerieben, daraufhin meinte meine Oma dann, dass ich doch nicht so traurig wegen meinem Vater sein müsste. Blöd wie ich bin, hab ich nicht nachgedacht und nur geantwortet, dass ich ja wegen meinem Vater gar nicht traurig bin, sondern eher glücklich. :confused: Da war die alte dann mit einem Schritt bei mir und hat mir doch glatt den Geigenbogen ins Gesicht geschlagen :astonished: Ich war so perplex, dass ich nur noch zu ihr meinte, dass ich jetzt weiß, wo mein Vater diese Unart her hatte, da konnte ich gar nicht so schnell schauen, wie ich den Bogen noch mal im Gesicht hatte :frowning:
Und nein, meine Mutter hat mir nicht geholfen, die hat mich dann fünf Minuten später in der Küche in Grund und Boden geschrien und mir noch eine Ohrfeige mit auf den Weg gegeben, weil ich ja so peinlichst unhöflich und dreist bin… Jetzt hofft sie wohl, dass ich was daraus lerne. :confused:
Motto des Tages: Wenn du nicht trauerst, prügeln wir dir Trauer ein :confused: Ich hab doch ne tolle Familie… Mag wer tauschen?

Aber es hat mir auch zu denken gegeben, ob ich nicht doch ein wenig emotional unterkühlt bin. Ich war nicht wütend auf meine Oma oder so, ich habe mich nur kurz über das was passiert war geärgert, weil es weh getan hat, und dann war mir das alles aber auch gleich wieder egal.
Ähnlich war es auch, als ich erfahren habe, dass mein Vater gestorben ist, einen Moment lang war ich traurig und habe ihn vermisst, vielleicht zwei, drei Minuten. Und dann hab ich mir auf einmal gedacht, dass er ja jetzt tot ist und es eh egal ist und dann gings mir wieder, als wäre alles in bester Ordnung. :frowning:
Es ist für mich irgendetwas, was jedem x-beliebigen auf dieser Welt passieren kann und mir ist es nun mal rein zufällig passiert. und damit war das dann auch für mich erledigt. Bescheinigt mir so eine Einstellung denn schon ein “Herz aus Stein”? :frowning:

Klra was das zu sagen, dass du ihn nicht vermisst bzw. nit um ihn trauerst wohl ein Fehler…Die anderen können es eben nicht verstehen…deine Oma trauert bestimmt ganz viel, ebenso wie deine Mutter…
Ich weis nicht was meine Eltern sagen würden…Ich spiele einfach das Trauer-Spiel mit…das ist einfacher für alle…

Die Frage hab ich mir auch schon oft gestellt - also ob ich wirklich so ein gefühlskalter Mensch bin. Als mein Opa damals gestorben ist kam das für uns alle urplötzlich, da er sich das Leben genommen hat. Klar, ich war etwas perplex - aber eine Form von Trauer verspürte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Nur an der Beerdigung, als sie ihn ins Grab hinabließen, brach ich in Tränen aus - davor und danach jedoch kein einziges Mal. Bei meiner Oma, zu der ich eigentlich einen super Kontakt hatte, war es fast genauso. Einen Tag vor ihrem Tod war ich im Krankenhaus, sie hielt meine Hand und bekam einen Heulkrampf, am darauffolgenden Tag als sie gestorben ist auch (im Krankenhaus). Danach, auch nicht auf der Beerdigung, verspürte ich keine Form von Trauer. Vielleicht lag es daran, dass es das Beste für Sie war, endlich von ihrer unheilbaren Krankheit erlöst worden zu sein? Ich weis es nicht.

Rainy, lass dir nichts einreden. Mein Vater ist [3 Monate vorraussehbar] an Krebs gestorben, als ich 15 war, also vor einem Jahr. Es war kein Horror-Vater und kein annähernd so “schlechter” (ich kann ihn nur schwer selbst beurteilen) Vater wie deiner, trotzdem hatte ich ähnliche Gedanken wie du. Ich habe mir gedacht, er war nicht perfekt und es war klar, dass er irgentwann sterben würde. Ich konnte mich mit der Trauer nicht wirklich identifizieren, hab das meiner Mutter schonend beigebracht. Die meint deswegen bis heute, dass ich ganz bestimmt auch sehr trauere und meine Gefühle nur nicht zeigen kann. Völliger firlefanz, aber ich hatte keine Lust zu erörtern, wiso ich trauernde Menschen für naiv, wenn nicht realitätsfern halte.
Es gibt Momente, an denen ich es schade finde, dass er nicht mehr da ist, im Großen und Ganzen habe ich ihn aufgrund seiner Arbeit aber sowieso kaum gesehen, zumindest keine “enge” Beziehung mit ihm gehabt und auf manche Sachen kann ich ganz gut verzichten.
Ich weiß nicht, wiso man der ganzen Welt Trauer heucheln muss. Als mit 6 Jahren mein Lieblingsopa starb, hätte ich bei seiner Beisetzung bald angefangen zu lachen, weil ich nicht verstand, wiso alle heulen. Ich gebe zu, ich verstehe es bis heute kaum. Ich finde Menschen mit dem Bewusstsein, dass alles vergänglich ist, sind nicht gefühlskalt oder haben ein Herz aus Stein, im Gegenteil, sie haben die rational richtige Einstellung. Ich kann mich mit der Haltung : “Alles stirbt, nur meine Verwanten leben ewig” gar nichts anfangen und sie kommt mir irgentwie dumm vor. Bin ich jetzt gefühlskalt, weil ich damit klarkomme, wenn jemand stirbt und nicht wie dämlich anfange zu heulen?

komische Welt :stuck_out_tongue:
mfg Schulbuch

Wenn ich eure Posts so durchlese, dann möchte ich fast meinen, dass es doch schon relativ normal ist, nicht zu trauern. :slight_smile: Vielleicht geht es sogar sehr vielen Menschen so, dass sie nicht so traurig reagieren können, aber halt aus “Gründen der Höflichkeit” schauspielerisch aktiv werden und der Welt die trauernde Verwandtschaft vorspielen.

Ich kann das leider nicht, aber es ist trotzdem relativ gut gelaufen, so gut sowas halt laufen kann.
Seine Beerding gestern habe ich iwie mit Gleichgültigkeit über mich ergehen lassen. Nur den Leichentrunk danach hab ich fast net ertragen. Das hat wirklich von 14 Uhr bis fast Mitternacht gedauert und es war einfach nur schrecklich und wie sie sich alle gegenseitig und selbst bemitleidet haben und was weiß ich nicht wie großartig mein Vater auf einmal für alle war :confused: Zum Glück war mein einer Cousin da auch relativ unberührt von der Beerdigung und hatte genau so die Schnauze voll und wir habn uns dann bei den Toiletten auf meinem Laptop den ganzen Nachmittag “Avatar - Der Herr der Elemente” angeschaut (Kam den ganzen Nachmittag auf Nickelodeon :slight_smile: ). Meine Mutter hat mir dann am Abend gedankt, dass ich mich so höflich zurück gehalten habe :confused:

Obwohl ich zugeben muss, dass ich heute den ersten Moment hatte, an dem ich an ihn denken musste. Das war eigentlich was ganz banales, ich bin an seinem Arbeitszimmer vorbeigegangen, hatte irgendwie verdrängt, dass er ja tot ist (wie kann man sowas nur verdrängen?!) und habe versucht ein Geräusch zu hören, dass mir sagen konnte, ob er wieder in seinem Sessel sitzt, Kautabak kaut und dabei den Bogen seiner Geige auf Kolophonium streicht. Das hat mich immer genervt, wenn er so laut gekautscht hat und sich das Kolophn so quietschig über die Bespannung geschoben hat. Ich weiß nicht, wie man es schafft, mit Kolophon auf dem Bogen so ein hässliches Geräusch zu erzeugen… Als ich nichts gehört habe, hab ich die Tür auf gemacht und er war nicht da und erst in dem Moment war mir wieder klar, dass er ja gar nicht da sein kann. Ich war dann nicht traurig, aber es war ein komisches Gefühl. Ich bin dann zum ersten mal in meinem Leben in sein Arbeitszimmer gegangen, dass hatte er mir zu Lebzeiten immer verboten. Ich war aufgeregt, als ich rein gegangen bin. Da war die Erwartung in mir, dass etwas Schreckliches passieren müsste, wenn ich diese “Heiligen Hallen” einfach betrete und somit ja fast schon “entweihe”. Es ist natürlich nichts passiert und das war erschreckend für mich, weil ich hatte mir immer, seid ich ein ganz kleines Kind war, etwas ganz besonderes in dem Arbeitszimmer vorgestellt. Tja, so schnell wird halt alle Magie zerschlagen, wenn man dann mal die Wahrheit kennt. Dann stand ich halt da im Zimmer so rum und hab mich umgeschaut und zum ersten Mal gesehen, dass neben der Tür direkt ein Kamin ist. Aber eigentlich war es so, wie ich es mir vorgestellt hatte: die großen massiven Holzregale mit den Maßen von alten Büchern, an den hohen Fenstern die uralten, schweren Vorhänge, die bestimmt seid 10 Jahren nicht mehr gewaschen wurden sind, der Massive Schreibtisch mit dem entsprechenden Stuhl dazu, was ich halt schon immer von außen sehen konnte und an den Wänden die Violinen die er besessen hatte und dann noch seine ganzen komischen alten Sachen wie u.a. ein Grammophon und solche Kuriositäten. Ich glaube, er hat so altes Zeug gemocht. Irgendwie fand ich, hatte es in dem Zimmer wahnsinnig intensiv nach ihm Gerochen, nach altem Holz, Büchern, Kolophonium, Staub, Kautabak, Gebäck gemischt mit einer bissigen Note Alkohol. Nicht wundern, ich hab irgendwie einen Glitch drauf, wie Menschen, Gegenstände und Räume riechen, das ist immer das, was mir am meisten im Gedächtnis bleibt. Wobei mir grade noch etwas einfällt, ich hatte mir immer vorgestellt, dass er Familienbilder in seinem Zimmer hätte, aber das war nicht so, es standen und hingen nur ein paar Fotos von ihm mit anderen Musikern rum. Ich will nicht sagen, dass ich enttäuscht war, aber es war ernüchternd und gab mir wieder ein wenig das Gefühl, in seinem Leben eh nie einen Platz gehabt zu haben. Es hat mich aber heute auch darin bestätigt, dass mein Vater wirklich in der Vergangenheit lebte, da hab ich natürlich nicht hingepasst.

Mag sich jetzt vielleicht komisch lesen, aber ich hatte halt das Bedürfnis es auf zu schreiben, auch wenn ich nicht weiß wofür. :unamused:
Vielleicht wird mir nur grad klar, dass das alles ist, was mir von meinem Vater geblieben ist, keine schönen Erinnerungen, nur ein paar alte Möbel und ein stickiger Geruch.

Tja, du arbeitest die Geschehnisse auf. Für jeden ist der eigene Vater anders. Manchen ist er ein Freund, anderen eine Art Vorgesetzter, und für wieder andere ist er kaum da. Da fällt auch die Trauerarbeit immer anders aus, falls er aus dem Leben wegfällt. Auch wenn man sie manchmal wohl nicht direkt Trauerarbeit nennen kann oder will, weil man sie nicht leistet, indem man stundenlang am Grab steht und weint. Das ist auch gar nicht nötig. Versuch, mit der Situation so umzugehen, wie du es am besten kannst. Es ist dein Leben, es war dein Vater, und jetzt ist es immer noch dein Leben. Lass dich nicht von dem prägen, was andere erwarten, wie du auf die Dinge, die dir passieren, reagierst. Bleib du selbst, und lass dich nicht von anderen verbiegen, weil sie etwas erwarten. Ich wünsche dir viel Erfolg dabei.

Ich kann mich soweit allen nur anschließen! Bei vielen Menschen ist es auch so, dass die Trauer erst zu einem späteren Zeitpunkt rausgelassen wird.

Sozusagen, dass erst die Wut überwiegt und man erst später weint etc.

Als mein Opa starb, wollte meine Mutter auch nicht, dass man am Grab ihr, das Beileid ausspricht!

Dennoch wünsche ich dir viel Kraft in der nächsten Zeit!

Ein Herz aus Stein!
Genau den selben Gedanken mache ich mir gerade über mich!
Mein Vater hat Krebs und wird wahrscheinlich dieses Jahr sterben. Er tut mir leid und ich liebe ihn auch ein bisschen, aber ich glaube, er wird mir nicht so besonders fehlen.
Ich glaube echte Menschen sind einfach viel komplizierter, als wir sie uns meistens vorstellen.
Und für seine Gefühle sollte man sich nicht schämen. Es kommt auf die Taten an.
Ich hoffe, es geht dir Heute gut :slight_smile:
Liebe Grüße