Hidden Sunlight

Hidden Sunlight

By Stellar, ©2013 Stellar; All Rights reserved.

Original gepostet im Forum GayAuthors.org
Originaler Link: Hidden Sunlight - Fiction - Gay Authors

Aus dem Englischen von Iroc (Leon)

Diese Geschichte wird hier mit dem Einverständnis des Autors gepostet und darf ohne direkte Erlaubnis von Stellar nirgendwo sonst reproduziert oder veröffentlicht werden. Weiterhin obliegt dem Autor der Vorbehalt der Löschung der Geschichte in diesem Forum.

Kurzbeschreibung:
Angesichts eines lebensverändernden medizinischen Eingriffs geht der 14-jährige Shay auf eine große Reise. Neben sich stehend, verwirrt und furchtsam stellt er sich der Veränderung – Gefühle, die ihn schon verfolgen, so lange er sich erinnern kann. Doch was stattdessen folgt, konnte er sich in seinen verrücktesten Träumen nicht ausmalen, und alles, was er bis dahin für normal hielt, wird sich für immer verändern.

Stats:

  • 21 Kapitel
  • 175.313 Wörter (Complete)
  • 146.506 Views (Auf GA)
  • 466 Kommentare
  • Contains Mature Content
  • Genre: Fantasy, Romance, Sci-Fi
  • Tags: gay, off-planet, space, coming of age, future, love
  • Teile der Triologie: Hidden Sunlight, Veil of Shadow, Lucid Truth (incomplete)

Kapitelübersicht:

  1. Etwas ganz anderes (9.175 Wörter)
  2. Nicht mehr Träumen (7.164 Wörter)
  3. Gestrige Gesetze (7.408 Wörter)
  4. Illusorische Absicht (6.819 Wörter)
  5. Rote Entschädigung (6.986 Wörter)
  6. Wahre Verbindung (6.703 Wörter)
  7. Latente Relevanz (7.101 Wörter)
  8. Perfekte Verbindung (7.445 Wörter)
  9. Schöner Beschluss (7.800 Wörter)
  10. Schild des Geistes (11.334 Wörter)
  11. Unschuldigkeit verloren (6.936 Wörter)
  12. Licht des Glaubens (5.326 Wörter)
  13. Fundamentale Einheit (10.633 Wörter)
  14. Entfernte Berührung (10.143 Wörter)
  15. Schlüssel der Hoffnung (7.208 Wörter)
  16. Tiegel des Krieges (8.511 Wörter)
  17. Bitteres Glück (10.405 Wörter)
  18. Das Schicksal naht (12.270 Wörter)
  19. Entfesseltes Sonnenlicht (11.690 Wörter)
  20. Ligen der Nacht (13.116 Wörter)
  21. Epilog (1.140 Wörter)

Ich freue mich sehr, euch meine absolute Lieblingsgeschichte übersetzen zu dürfen! Erste Teile folgen bald. :wink:

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Ich muss sagen, dass der Schreibstil im Original zwar Anspruchsvoll, aber auch sprachlich sehr schön ist. Da wir letzteres ja bereits von Herrschaft des Feuers kennen, bin ich zuversichtlich, das auch in der Übersetzung wiederfinden zu können und freue mich darauf, sie zu lesen. Ich mochte das, was du so geschrieben hast, damals schon sehr und freu mich, dass du wieder da bist :slight_smile:

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Kapitel 1: Etwas ganz anderes

Part 1

Meine erste und wohl prägendste Erinnerung an den Tag unserer Ankunft auf Lucere entstand, als der neue Horizont außerhalb des Shuttle-Fensters in Sichtweite geriet. Vor uns erstreckte sich die gewaltige Wölbung einer fremden Welt vor der tiefschwarzen Leere des Weltraums. Die Oberfläche des Planeten war überzogen von einem Geflecht aus blauen und grünen Formen, ganz ähnlich denen der Erde, wenngleich das Muster von Land und Meer mir unvertraut war. Doch es war der Himmel von Lucere, der meine Aufmerksamkeit mehr als alles andere fesselte. Die Wolkendecke breitete sich in großen windgepeitschten Wogen aus und unterbrach hier und da die Sicht auf den Boden – allerdings nicht genug, um die Aussicht zu verderben; der Schein einer fremden Sonne traf den Planeten, wo wir in Kürze landen sollten. Ganz anders als auf der Erde schien die Atmosphäre jedoch lebendig zu werden, als das Licht der Sonne auf sie traf – voller Wärme und Energie. Alles wurde in einem weichen, warmen Glühen angeleuchtet, als sei eine Art von Strahlung von der Oberfläche aus eingeschaltet worden, die sich nach oben gen Himmel ausbreitete.

Der Prozess unserer Ankunft dauerte nicht länger als 45 Minuten, und obwohl mein Vater ausführlichst die Hintergründe des eben Gesehenen erklärt hatte, war ich nicht in der Stimmung, mein Gehirn zu bemühen, auf seine Worte zu achten und herauszufinden, was er eigentlich gesagt hatte. Seine detaillierte Erklärung beinhaltete Begriffe wie “atmosphärische Absorption”, “Partikeldynamik” und “native Refraktion”, um das Phänomen zu beschreiben, das den Himmel des Planeten so besonders aussehen ließ, und er kombinierte dies mit seiner Annahme, dass ich, weil ich überdurchschnittlich klug war, auch seiner Faszination für die Meteorologie Beachtung schenken wollte. Mit dem Kopf zu nicken und schwaches Interesse zu zeigen, genügte.

Tatsächlich erinnerte ich mich nicht mehr so gut an den Rest des Tages und auch nicht an die nächsten paar darauffolgenden Tage. Es war eine verschwommene Mischung aus Reisen und Informationen und Sehenswürdigkeiten und Geräuschen, und meine Eltern waren währenddessen, nun ja, meine Eltern. Meine Mutter, die endlose Quelle der Sorge um ihr liebstes Kind und mein Vater, der ewige Optimist und außergewöhnlicher Geek. All das war dennoch nur Ablenkung; ich wusste sehr gut, warum wir hier waren, und ich konnte nicht aufhören, darüber nachzudenken. Nicht für eine Sekunde. Jeder Anblick, jedes Geräusch und jeder Geruch, jedes Wort und jeder Gedanke traf auf diese Mauer, die in meinem Kopf entstanden war; eine Mauer, die den Kern meiner Emotionen und meines Wesens selbst umschloss. Innerhalb dieser Mauer fühlte ich mich, als hätte ich mich fest zusammengerollt, einsam und allein mit meiner Angst vor dem, was die Zukunft bringen würde. Eine Angst, an der ich mich eng festklammerte, weil ich nicht dachte, dass es noch etwas anderes gab.

Die Zukunft …

Und am vierten Tag wurde diese Mauer zertrümmert.

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Sehr interessant, auch wenn ich mich natürlich frage, was den/die Protagonist*in auf den Planeten führt – die letzten Sätze lassen ja keine positiven/angenehmen Gründe vermuten

Kennt er sich wirklich so aus oder tut er nur so? Laut meiner Recherche gibt es den Begriff “Partikeldynamik” schon mal ^^

Vielen Dank für die Blumen! :slight_smile: Ich freue mich auch sehr, wieder da zu sein. Das kreative Schreiben hat mir sehr gefehlt. Was die Qualität der Übersetzung angeht, hoffe ich, dass die wichtigen Nuancen von Stellar auch gut in die neue Sprache übersetzen kann, aber dank eines fantastischen Editors geht das gut von der Hand. :wink:

Ich denke das wird sich im folgenden Part und im weiteren Verlauf noch aufklären. :wink:

Das Wort Geek lässt ja eher auf jemanden schließen, der sich eher innerhalb eines Hobbies und nicht unbedingt professionell mit diesen Themen auseinandersetzt. Aber vielleicht erfahren wir im weiteren Verlauf ja noch mehr über den Beruf von Shays Vater. :wink:

In diesem Sinne, auf zum nächsten Part!

Kapitel 1: Etwas ganz anderes

Part 2

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Nachdem er die Tür geschlossen hatte, drehte sich der Arzt um, reichte meinem Vater die Hand und nickte meiner Mutter höflich zu. “Marcus, Elisabeth. Es ist wunderbar, Sie beide endlich kennenzulernen.”

Mein Vater schüttelte die Hand und meine Mutter spiegelte den Arzt, indem sie freundlich zurück nickte. “Bitte nennen Sie mich Beth, Dr. Albans. Elizabeth ist ein bisschen förmlich.”

“Beth also.” Er schmunzelte. “Das gilt auch für mich: Ich ziehe John vor. Und du musst dann Shay sein.”

“Ja”, konnte ich hervorpressen, leise, unsicher. “Hi.” Johns Gesicht wölbte sich zu einem beruhigenden Lächeln, als er zu den Sitzen deutete. “Nehmt gern Platz, ich bin in einer Sekunde bei euch. Ich will nur noch einmal einen Blick in Shays Akte werfen, um sicherzugehen, dass ich genau weiß, wo wir heute stehen.”

Nachdem er sich hinter seinen Schreibtisch gesetzt und den Inhalt seines Computerbildschirms überflogen hatte, schaute er zu uns dreien auf, wobei sein Gesichtsausdruck nichts verriet. "Ich weiß, wie schwierig es für Sie war, so weit hierherzukommen, wegen der Kosten und des Stresses, die damit verbunden waren, aber ich möchte Ihnen sagen, dass die Chancen sehr gut stehen, dass wir bei dieser Behandlung ein positives Ergebnis sehen werden.“

“Der Aufwand hierfür spielt keine Rolle”, antwortete mein Vater, ohne den Blick vom Gesicht des Arztes abzuwenden. Er war so aufmerksam, wie ich ihn noch nie gesehen hatte. Sein Blick war ausschließlich auf John gerichtet, als wolle er ihn an den Stuhl fesseln. “Wenn es auch nur die geringste Chance gibt, dass es Shay hilft, dann werden wir es tun.”

Albans lehnte sich zurück und sah zu mir hinüber. "Nun, ich werde es ein letztes Mal durchgehen. Shay, ich weiß, dass du ein kluger Junge bist, aber ich muss sicherstellen, dass du die Risiken und die möglichen Folgen verstehst, denn es ist immer noch Zeit, jetzt abzubrechen, wenn du dich entscheiden solltest, dass du die Behandlung nicht willst. Wie viel weißt du darüber, wie sich die Behandlung auf deinen Körper auswirkt?“

Es fiel mir weiterhin schwer, überhaupt zu sprechen, geschweige denn Worte für eine sinnvolle Antwort zu finden. Meine Antwort kam als kaum mehr als ein heiseres Flüstern heraus. “Nicht viel Dr. Albans. Ich versuche irgendwie, nicht daran zu denken.”

Er stand auf, rollte seinen Stuhl um den Schreibtisch herum und setzte sich vor mir wieder, nach vorne gelehnt, um mir ins Gesicht zu schauen. Ich hielt seinem eindringlichen Blick stand und wusste immer noch nicht, was ich davon halten oder fühlen sollte. Nur, dass ich, wenn es nicht funktionieren würde, unweigerlich sterben würde. Viel früher und viel jünger, als ich es sollte. Er atmete hörbar aus, als er meine schicksalsergebene Einstellung spürte.

“Du weißt bereits, dass dein Zustand genetisch bedingt ist und dass normale medizinische Behandlungen nur die Symptome behandeln können. Sie heilen dich nicht, sie reagieren nur auf das, was mit dir geschieht, ohne jedoch die Ursache zu beheben. Unsere Behandlung ist anders und greift die Wurzel deiner Erkrankung an: Die genetische Struktur in dir, die die Defekte entstehen lässt. Die meisten Menschen kennen sie aus den Medien und aus dem Internet als “Gentherapie”, obwohl die moderne Wissenschaft diesen Teil der Medizin ein ganzes Stück weiter vorangebracht hat als diese einfache, veraltete Umschreibung. Hast du das soweit verstanden?”

Ich nickte stumm und blickte ihm weiterhin in die Augen.

“Gut. Nun, im Grunde genommen stecken wir dich in eine so genannte Hoffstadt-Kammer, die die Prozesse deines Körpers fast bis zum Tod verlangsamt. Normalerweise wäre es nicht sicher oder möglich, diesen Zustand beizubehalten, ohne schwere und dauerhafte Schäden an deinen inneren Organen und deinem Gehirn zu verursachen. Wir sind noch nicht in der Lage, lebende Menschen auf unbestimmte Zeit in einen Schwebezustand zu versetzen, aber das von uns verwendete genetische “Virus” – in Ermangelung einer besseren Beschreibung – hat Eigenschaften, die es uns ermöglichen, diesen Zustand vorübergehend aufrechtzuerhalten, für die Dauer, die es in dir vorhanden ist. In dieser Zeit wird das “Virus” deinen Körper vollständig überfluten und die Veränderungen vornehmen, für die es konstruiert wurde. Der gesamte Prozess wird zwischen fünf und sieben Tagen dauern – die genaue Dauer werden wir aber erst mit Sicherheit wissen, wenn wir begonnen haben. Bist du noch bei mir, Shay?”

Ich holte tief Luft und verdrängte bewusst das Gefühl, das meine Hände zum Zittern zu bringen drohte, indem ich beiläufig die Kante meines Sitzes ergriff und aus dem Fenster schaute, wo Himmel und Bäume in der Ferne zu sehen waren. “Was Sie also sagen wollen, ist … Sie würden mich lange genug auf Eis legen, damit meine DNA von diesem Virus umgeschrieben wird?”

Mein Vater lachte. “Ich sagte doch, er ist klug, Doktor. Das hat er auf jeden Fall von meiner Seite der Familie.”

“Marcus!” Die Ermahnung meiner Mutter war zu erwarten und unvermeidlich gewesen, und traf auf einen verlegenen Blick.

“Eigentlich”, entgegnete John, ein Grinsen unterdrückend, “hat er recht. Zumindest was Ihren Sohn betrifft.”

Ich fühlte mich alles andere als amüsiert und setzte meinen Gedankengang fort. “Aber … warum muss ich denn, ähm, so schlafen? Können Sie das nicht einfach tun, während ich wach bin oder vielleicht nur von Medikamenten oder ähnlichem betäubt? Was, wenn es mich überhaupt nicht schützt? Ich meine, ich könnte dadurch einen Hirnschaden bekommen oder … was, wenn das Virus mich eher verschlimmert, als etwas zu reparieren? Oder was, wenn … ich überhaupt nicht mehr aufwache … und …”

Das nervöse Beben, das angekündigt hatte, meine Gliedmaßen zum Zittern zu bringen, schlug auf meine Stimme über, bevor ich den Satz beenden konnte. Ich konnte meine Mutter nicht mehr direkt anschauen und schaute weiter durch das Bürofenster in die Ferne. Die Menschen in diesem Büro waren mir im Moment viel zu viel, aber aus dem Augenwinkel wusste ich, dass sie einen entsetzten Gesichtsausdruck auf dem Gesicht trug. John rückte näher an mich heran, blockierte das Fenster und lenkte meinen Blick absichtlich zu ihm zurück.

“Shay, hör mir zu. Es muss so gemacht werden, weil die Behandlung so funktioniert. Es wird dir auch nicht wehtun. Im schlimmsten Fall wird sie einfach überhaupt nichts heilen, und du wirst nicht anders aufwachen als vorher. Im besten Fall wirst du völlig gesund und frei von jeglichen Problemen sein. Diese Art von Medizin wird immer noch für eine breitere Anwendung entwickelt, und du wirst einer der allerersten Menschen sein, die sie erhalten werden, aber ich habe nicht übertrieben, als ich sagte, dass ich glaube, dass die Behandlung dir wirklich helfen kann. Verstehst du?”

“Ja”, flüsterte ich. “Ich verstehe.”

“Das freut mich.”, sagte er und streckte sich nach vorne, um meine Schulter zu drücken. “Du brauchst keine Angst zu haben, aber es ist okay, in dieser Situation welche zu haben. Hast du noch andere Fragen, die du mir stellen möchtest?”

“Nur eine.”

“Sicher”, antwortete er. Derselbe ernsthafte, aber sympathische Blick dominierte noch immer seine Haltung. “Frag mich, was du wissen willst.”

Nicht zum letzten Mal an diesem Tag schien es, als wäre ich eine Fliege an der Wand, und die Ereignisse überschlugen sich, ohne dass ich überhaupt etwas dazu zu sagen hatte. Aus einer Million Meilen Entfernung hörte ich meine Stimme sprechen und sah die Überraschung im Gesicht von Dr. Albans und meinen Eltern, als sie es hörten. Es gab keine Verwechslung meiner Absicht, keine Möglichkeit, mich falsch zu interpretieren. Ich wusste, dass ich mich dem stellen musste, und je früher es geschah, desto früher würde ich frei sein.

“Kann ich heute anfangen?”

Auf die eine oder andere Weise würde ich frei sein.

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Wer hat jetzt recht? Spricht da nur Shays Angst oder ist das tatsächlich möglich und der Doktor hält das einfach nur für unwahrscheinlich und räumt die Möglichkeit deshalb nicht ein?

Da hätte ich jetzt so einige Fragen, von denen einige sicherlich im weiteren Verlauf noch geklärt werden, aber ich bin mir nicht sicher, ob das bei allen der Fall ist:

  • Wenn Shays DNA verändert wird, ist das dann schon der Heilungsprozess oder ist das nur der Schutzmechanismus, damit Shay in der Kammer den Heilungsprozess überlebt?
  • Wenn man die DNA eines Menschen ändert, ändert man ja wesentliche Aspekte – hat das dann tatsächlich nur Auswirkungen auf eine genetisch bedingte Krankheit?
  • Wirkt das Virus nur bei Menschen, die diese genetisch bedingte Krankheit haben?
  • Basiert die Hoffstadt-Kammer auf irgendetwas in der Realität?

Interessant, dass es sich um einen Virus und nicht um Nanobots handelt – wie in vielen anderen Science-Fiction-Werken.

Emotional betrachtet, kann man das natürlich nachvollziehen, aber rational ist es ja eher “besser” nicht wach zu sein. Und im Falle eines Hirnschadens würde ihm ein Wachzustand auch nicht unbedingt helfen.

Erstmal zur Kommentarantwort:

Beide haben recht. ^^ Die Behandlung vermag Shay nicht umzubringen, sehr wohl aber seine Krankheit längerfristig.

Zu deinen weiteren Fragen:

  1. Es scheint sich bei Shays Krankheit um einen genetischen Defekt zu handeln, somit wird die DNA von dem defekten Teil befreit und um einen gesunden Teil ergänzt. Die Kammer selbst ist der Schutzmechanismus zum Überleben, da der Körper dort in Stasis versetzt wird.
  2. Kann ich nicht beantworten ohne zu spoilern.
  3. Ich schätze dieses spezielle Virus wird auf diese eine Krankheit zugeschnitten sein. Andere Virusvarianten können vermutlich andere Gendefekte beheben.
  4. Nope, nur auf Stellars Fantasie. Mit der geht’s jetzt auch in Teil 3 Weiter:

Kapitel 1: Etwas ganz anderes

Part 3

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Es handelte sich um die Nummer 14 von insgesamt 15 Kammern, die in einem Raum im Untergeschoss des Gebäudes in einer Reihe entlang einer Wand zur Innenseite des Gebäudes hin errichtet worden waren. Jede war mit einer Steuereinheit an der gegenüberliegenden Wand verbunden; eine dicke Ansammlung von Kabeln trat aus dem Sockel der Maschine aus und verlief entlang des Bodens, sicher verlegt unter einer konvexen, undurchsichtigen Abdeckung. Obwohl der Arzt sie als eine Kammer beschrieben hatte, schien das Wort “Kapsel” besser zu passen, denn das Design und die Form erinnerten mich an eine vergrößerte Version der Expresskurier-Bots in San Francisco. Die Vorderseite der Kapsel zischte beim Öffnen, sprang auf und glitt auf doppelten Schienen nach oben.

Als ich mich zurücklehnte und mich gegen das weiche Material des Innenraums lehnte, sank mein Körper in die Einbeulungen ein, als wäre es eine Couch, die durch zu viel Gebrauch einen bleibenden Eindruck gewonnen hatte. Dr. Albans redete noch immer in dieser freundlichen, geschäftsmäßigen Art und Weise vor sich hin. Zuerst darüber, wie die grundlegenden regulierenden Funktionen der Kammer in ihr Gehäuse integriert und nicht sichtbar waren, selbst wenn man – wie ich – darin ruhte, und dann etwas darüber, wie die Luft- und die Stromversorgung unabhängig voneinander geregelt und gefiltert wurden – aber zu diesem Zeitpunkt täuschte ich meine Aufmerksamkeit nur noch vor. Ich war viel zu sehr darin versunken, wo ich die nächsten Tage verbringen würde. Ich konnte kaum glauben, dass dies so hochtechnologisch war, wie der Arzt es behauptete. Es sah aus und fühlte sich an, als habe jemand gerade ein bequemes Möbelstück in ein Stück Metall und Plastik gepresst, wie eine Filmrequisite aus der Zeit, als mein Urgroßvater noch ein Junge war.

“Shay?”

Ich kehrte spontan in die Realität zurück. John beobachtete mich mit einem leicht amüsierten Gesichtsausdruck, als er sich vorbeugte, um zu sehen, wie ich mich in der Kapsel entspannte.

"Äh, es tut mir leid, Doktor. Es ist nur, na ja … es ist … "

“-mehr wie ein sehr teurer Sessel als ein medizinisches Gerät?” Sein Grinsen war nicht zu übersehen, als er meinen Satz für mich beendete, während er mit dem Finger auf das Glas der hochgefahrenen Abdeckung klopfte.

“Ja”, stimmte ich zu und bemühte mich, nicht zu lächeln. “Ich meine, ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber ich vermute, es war etwas mit mehr Nadeln und Schläuchen und … Zeug.”

“Nun, weißt du, nicht lange, nachdem wir diese Dinge erhalten hatten, waren einige meiner Kollegen ziemlich vernarrt in die Handwerkskunst und gaben Möbelbestellungen beim Hersteller auf. Unter uns gesagt, die müssen einen Mordsgewinn gemacht haben.” Er zwinkerte mir zu, lehnte sich von der Maschine zurück und lief zur anderen Seite des Steuerstandes. “Du bist also nicht der Erste, der getäuscht wurde.”

Getäuscht. Das Wort hallte in meinen Gedanken wider, als ich meinen Kopf wieder auf die Oberfläche des Polsters fallen ließ. Dann, plötzlich, ohne Vorwarnung, war es wieder da. Wie ein Schwindelanfall oder Übelkeit drang es durch mich hindurch, eine lähmende schwarze Welle der Depression und Angst. Die Kopfschmerzen, die schulfreien Tage und manchmal Wochen, der erschöpfte medikamentöse Schlaf und die zu häufigen Krankenhausbesuche. Die Reise in eine andere Welt, der Stress und die finanzielle Belastung für meine Mutter und meinen Vater, ein krankes Kind zu bekommen. Mich zu bekommen. Die Abtrennung von allem, was um mich herum menschlich war, von allem, was wirklich real war.

Vor allem: die Angst. Die Angst, dass ich nie ein Leben ohne Schmerz erleben würde. Ein normales Leben, in dem ich die gleichen Dinge erleben könnte wie alle anderen auch.

“Shay?” Albans Stimme drang wieder zu mir herüber, fragend, eindringlich. “Wir sind tatsächlich fast so weit, anzufangen.”

Ich räusperte mich, blinzelte schnell, und die stechenden Emotionen verblassten, als ich sie in mir begrub. Ich verbarg sie unter der Realität, in der ich mich befand. “Okay, Dr. Albans.”

Sein Blick blieb auf mir hängen; er fixierte mich mit einem besorgten “Ich glaube nicht, dass es dir ganz gut geht”-Blick, aber er sagte nichts. Er tippte auf die Konsole vor sich und konzentrierte sich wieder auf den Bildschirm: "Eigentlich ist ‘fast’ eine Untertreibung. Wir sind bereit zu beginnen. Deine Laborergebnisse haben alle grünes Licht. Die Kammer ist vorbereitet. Alles, was du dir merken musst, ist, dass du, wenn der Prozess einmal begonnen hat, erst dann wieder zu Bewusstsein kommst, wenn er abgeschlossen ist. Der einzige Grund, warum das anders wäre, ist, wenn es ein Problem mit deinen Vitalfunktionen gäbe, aber vertrau mir, Shay, das wird NICHT passieren, okay?“ Der Arzt sah mich noch einmal ernsthaft an und wollte ein Zeichen dafür, dass ich verstanden und akzeptiert hatte, was er sagte. “Okay?”

Ich nickte.

Sein Gesichtsausdruck wurde weicher, und er kehrte zum gleichen Ort an der Kapsel zurück, wo er zuvor stand. Seine Hand ruhte sanft auf meinem Arm, und ich versuchte, mich von meinen Gefühlen nicht überwältigen zu lassen. Sie zu kontrollieren war das, was ich mein ganzes Leben lang getan hatte – die einzige Möglichkeit, geistig gesund zu bleiben. Das sollte sich auch jetzt nicht ändern.

“Das ist alles sehr viel für jemanden in deinem Alter, Shay, und ich weiß, wie oft du das in letzter Zeit gehört hast, aber nachdem ich dich getroffen habe, kann ich nur sagen, wie beeindruckt ich von dir bin. Du bist intelligent, sehr selbstbewusst und reif. Und nicht nur das, sondern du bist auch mutig. Unglaublich mutig. Es erfordert eine besondere Art von Mut, das zu tun, was du tust. Denk daran, dass dies alles vorbei sein wird, bevor du es überhaupt merkst. Die Vergangenheit wird bald nicht mehr als eine schlechte Erinnerung sein.”

Die Worte blieben mir im Hals stecken. Auf einmal wollte ich ihm danken, ihm sagen, dass ich mir nicht sicher war, ob ich an ein Happy End glaube, dass ich meine Eltern vermisse, aber nicht wie ein bedürftiges Kind aussehen wollte, indem ich das erwähnte, dass ich mir auch nicht sicher war, ob ich überhaupt wusste, was ich sagen wollte, und dass ich einfach wollte, dass es vorbei ist … aber es kam nichts heraus. Der Arzt konnte jedoch scheinbar meine Gedanken lesen, seine Lippen kräuselten sich zu einem straffen Lächeln, er schüttelte ein wenig den Kopf, als ob er mir unbewusst meine Ängste nehmen wollte. Dann ging er zurück zur Kontrollstation.

Er setzte sich auf den Stuhl und tippte ein paar Dinge auf der Steuereinheit. Dann setzte er sich aufrecht hin und schaute mich direkt an. Ich traf seinen Blick. Er hielt ihn etwa 10 Sekunden lang fest.

Dann, ohne nach unten zu schauen, berührten seine Finger wieder die Tafel. Ein Klickgeräusch kam von oben, und die Luke bewegte sich nach innen und unten, das leise Wimmern der elektrischen Motoren verstummte und das Gesicht des Arztes verschwand, als sich die Front schloss. Dann rastete die Tür ein, und ich befand mich schließlich in völliger Dunkelheit. Das einzige Geräusch war das schwache Zischen, als die Kammer luftdicht wurde, und das Seufzen meines eigenen Atems.

Dann, für ein paar Sekunden, nichts mehr. Nur eine Schwärze, die nichts hergeben wollte. Kein Ton, keine Farbe, keine Bewegung. Kurzzeitig machte ich mir Sorgen, ob mit dem Start etwas schiefgegangen war, aber dann hörte ich auf zu denken. Ich merkte, dass ich mich irgendwie schläfrig fühlte. Sehr entspannt und behaglich, warm.

Der letzte Gedanke, der mir durch den Kopf ging, bevor ich in diesem lauen, lichtlosen Kokon gemütlich in Ohnmacht fiel, war die Frage, ob mein Vater uns jemals eine Couch wie diese kaufen würde.

Dann, nichts.

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Da musste ich gerade mal meinen Wortschatz mit dem Unterschied zwischen “konvex” und “konkav” auffrischen :sweat_smile:

Shay wacht auf, ist geheilt, alle sind glücklich, happy end :partying_face:

Achso, daran glaubte Shay ja nicht. Und der Leser glaubt sicherlich nicht, dass das nur eine Kurzgeschichte war :stuck_out_tongue: Und wenn ich eins weiß, dann, dass eine Geschichte ein “Problem” braucht, um die Handlung voranzutreiben. Also gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Shay ist wirklich wieder gesund und wir haben das richtige Problem noch gar nicht kennengelernt, ergo werden wir das später noch tun
  2. Etwas läuft schief, wacht auf und seine Krankengeschichte und persönlicher Albtraum wird fortgesetzt
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Naja, eine “Kurzgeschichte” in der erst 2.936 von 175.313 Worten erzählt wurden. :wink:

Falsch, es gibt drei Möglichkeiten. In der dritten wacht Shay noch gar nicht auf, und das ist in diesem neuen Teil der Fall. :wink:

Kapitel 1: Etwas ganz anderes

Part vier

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Es ist schwierig zu beschreiben, wie man sich in Stasis fühlt.

Auf der einen Seite ist es irgendwie so, als schliefe man. Schwere Gliedmaßen, der Verstand schaltet sich langsam ab, alles geht in einen Ruhezustand.

Auf der anderen Seite ist es auch so, als wäre man tot. Keine Körperkontrolle mehr, kein Gefühl des Atmens, keine Bewegung, keine Andeutung, dass man noch am Leben ist. Nichts anderes als Stille.

Doch es war kein Schlaf und es war nicht der Tod. Es war irgendwo auf halbem Wege zwischen beiden, eine atemlose, gedankenlose, ausgedehnte Traumwelt, ohne Träume. Ohne Schmerz und Emotionen, ohne bewusste oder unbewusste Veränderungen. Zumindest sollte es so sein, aber irgendwie war ich mir dessen auf irgendeiner Ebene bewusst. Tief im Inneren, selbst wenn alles nur um Haaresbreite über der absoluten Bewegungslosigkeit lag, konnte ich irgendwie noch wahrnehmen.

Danach erinnerte ich mich an nichts Bestimmtes mehr. Keine wirklichen Erinnerungen und wirklichen Empfindungen, denn mein Körper und mein Geist waren auf nichts davon eingestellt, nahmen es nicht auf. Ich versteckte mich nur in einer sehr weit entfernten schattigen Ecke meines Bewusstseins, und ein Teil von mir war immer noch in der Lage, es zu wissen. Der Teil von mir, der die winzigsten Nuancen fühlen konnte. Es fühlte sich an wie dieses goldene Glühen. Es schien sich, selbst ohne Zeitbegriff, langsam durch mich hindurch zu erwärmen, bis ich in einer angenehmen, harmlosen Subsistenz eines Traumes badete; weniger als das – ein Nicht-Traum eigentlich, der sich eine Ewigkeit lang fortzusetzen schien.

Dann wachte ich auf.

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Das ist jetzt aber fies: Da ist ja quasi nichts passiert :stuck_out_tongue:

Den Unterschied, wie er ihn beschreibt, seh ich da gar nicht mal ^^

Jetzt wacht er aber auf :stuck_out_tongue:
Ich bleib bei meinen beiden Theorien :wink:

Eine von beiden könnte wahr sein. :wink:

Heute ein etwas längerer Teil, dafür morgen vermutlich keiner. :smiley:

Kapitel 1: Etwas ganz anderes

Part 5

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Das erste, woran ich mich erinnere, war das Klicken der Kammer, die sich öffnete, das Zischen des Luftdrucks, der sich änderte, genau wie beim Schließen der Kammer. Diese kleinen Geräusche waren für mich die Auslöser, um richtig aufzuwachen. Meine Augen waren immer noch geschlossen, als ich wieder Empfindungen wahrnahm. Meine Arme und Beine, meine Füße, mein Bauch, mein Kopf; alles fühlte sich normal an. Meine Kehle war trocken – wirklich trocken, fast ausgedörrt – aber ansonsten war es, als sei ich von einem Nickerchen aufgewacht.

Der Raum war schwach beleuchtet, als ich mich aufrichtete und mir die Augen rieb. Niemand sonst war da, und ich fragte mich, wo meine Eltern und Dr. Albans waren. Der Arzt hatte gesagt, dass sie alle da sein würden, wenn es für mich Zeit zum Aufwachen sei, aber es sah nicht so aus, als sei seit langem jemand in diesem Raum gewesen. Ein Staubteppich lag auf dem Boden, und ich watschelte langsam darüber. Kleine Staubwolken stiegen auf, während ich mich bewegte, und wirbelten fast kitzelnd um meine Zehen. Mein Verstand versuchte, zusammenhängende Gedanken über das Geschehen zusammenzufügen. Ich trug immer noch die Kleidung, in der ich am selben Morgen angekommen war, da der Arzt mir versichert hatte, dass es egal sei, was ich in der Kammer trug. Meine Schuhe wurden im zweiten Stock, vor Albans Büro, zurückgelassen. Die Hoffstadt-Kammern befanden sich im Untergeschoss, ein paar Stockwerke unter dem Erdgeschoss.

Als ich die Treppe hinaufging, begann ich etwas zu bemerken: Dieser Ort war das reinste Chaos. Die Staubschicht war schon ein offensichtlicher Hinweis gewesen, aber als ich zum Erdgeschoss hinaufstieg, hatte ich ein seltsames Gefühl in der Magengrube: Irgendetwas stimmte hier nicht.

Tatsächlich stimmt etwas mit diesem Ort ganz und gar nicht.

Als ich weiter nachdachte, wurde mir klar, dass ich bisher weder ein einziges brennendes Licht gesehen hatte, noch ein Anzeichen dafür, dass noch jemand hier war. Es war völlig still.

Unangenehm leise.

Dies sieht aus wie ein völlig verlassenes Gebäude.

Das Gefühl verstärkte sich noch, als ich das letzte Stück der Treppe zur Lobby hinaufstieg, nun ernsthaft beunruhigt. Als ich den dunklen Flur entlang schlich, wich der Staub auf dieser Ebene einer schmutzigen, fleckig aussehenden Patina. Vorsichtig umrundete ich eine Ecke und stoppte regungslos bei dem Anblick, der sich mir nun bot.

Was zur …

Die Lobby war ursprünglich mit bequemen roten Ledersofas, Zeitschriften, einem Wasserkühler und einem langen, geschwungenen Schreibtisch aus weißem Syntheseholz gefüllt, an dem das Empfangspersonal die Kunden begrüßt hatte. Jetzt war das alles verschwunden. Das breite Fenster, das fast die gesamte Außenwand einnahm, war zertrümmert worden – offensichtlich schon vor einer ganzen Weile, denn es waren nicht mehr viele Glasscherben zu sehen, mal abgesehen von Scherben, die noch am Rahmen hingen. Das gesamte Mobiliar und die Dekoration waren verschwunden; an ihre Stelle traten verstreute Holz- und Lederreste, Äste, Blätter und Schmutz. Draußen sah es nicht großartig anders aus. Der Parkplatz war übersät mit Unkraut und Schutt, zerbrochenen Ästen und willkürlichen Abfallstücken. Keine Autos. Keine Menschen. Es war mitten am Tag, bedeckt, die Wolken glühten schwach im Sonnenlicht, viel gedämpfter als das letzte Mal, als ich sie sah. Selbst die Straße, die zurück nach Palatus führte, sah leer aus. Die Stadt selbst war von hier aus nicht sichtbar.

Verwirrt und bestürzt stolperte ich starr vorwärts auf den rissigen Asphalt des Parkplatzes. Noch immer vom natürlichen Licht geblendet, stand ich einfach blinzelnd da und nahm alles in mich auf. Dieser Ort sieht verlassen aus, menschenleer. Tagelang, vielleicht wochenlang. Mein Atem kam immer schneller und schneller, obwohl ich mir Mühe gab, nicht zu hyperventilieren. Ich versuchte, das aufkommende Gefühl der Panik zu ignorieren.

Wo sind alle?

Was geht hier vor sich?

Warum bin ich allein?

Ist das eine Art schrecklicher Traum?

Bin ich überhaupt wach?

Als ich zu dem friedlichen Schein des Himmels aufblickte, erreichte die wachsende Panik ihren Höhepunkt und traf mich wie ein rasender Lastwagen. Die Tränen quollen hoch und liefen über, und die Wut, die Frustration, die Ungerechtigkeit, die verdammte Ungerechtigkeit darüber, wie verrückt die Welt zu sein schien, kam in einem Schrei heraus. Ein wortloser Schrei des Leidens und der Trauer, der so lange anhielt, bis mir die Lungen wehtaten und ich auf die Knie sank, die Fäuste so fest geballt, dass mir die Knöchel schmerzten. Tränen tropften auf meine Hose und mein Hemd, als ich nach unten blickte und mit meinem nächsten Atemzug wieder schrie, diesmal jedes einzelne Schimpfwort, das mir einfiel. Meine Sicht war so verschwommen, dass ich überhaupt nichts mehr erkennen konnte, und meine Augen brannten – mit Kopfschmerzen begleitet – von der Befreiung.

Ich schrie so lange, bis es schließlich auf dem leeren Parkplatz, dem leeren Gebäude und der leeren Landschaft nichts mehr zum Anschreien gab. Ich holte tief Luft und wischte mir das Gesicht am Ärmel ab und saß einfach nur da, erschöpft von allem.

Ich will nur, dass es verschwindet. Ich wünschte, ich wäre …, dass ich … Ich weiß es nicht. Dass ich …, dass ich … jemand anderes bin. Irgendjemand anderes … damit jetzt ich nicht hier sein muss. Damit ich nicht so am Arsch sein muss.

So kaputt.

Ich holte noch einmal tief Luft und schaffte es endlich, mich etwas zu beruhigen. Einatmen. Ausatmen. Dann wurde mir durch diese einfache Handlung zum ersten Mal bewusst, während ich auf der unbequemen steinigen Oberfläche saß, so allein und durcheinander in der kühlen Luft des Nachmittags, auf dieser fremden Welt, dass der Schmerz verschwunden war.

Mit der unerklärlichen Art und Weise, wie die Dinge nach dem Aufwachen waren, war mir das nicht in den Sinn gekommen. In meinem Kopf war nicht genug Platz gewesen, um darüber nachzudenken und gleichzeitig zu versuchen, herauszufinden, was zum Teufel hier passiert war. Instinktiv griff meine Hand an meine Brust und meinen Bauch und ich holte noch einmal Luft, dieses Mal langsamer und überlegter. Wieder konnte ich nichts anderes fühlen als die Atmung, das Auf und Ab, die Muskeln, die sich so bewegten, wie sie sich normalerweise bewegen sollten. Das leichte Zwicken in meiner Lunge und die Schmerzen weiter unten, die immer zu zufälligen Zeitpunkten ausgelöst zu werden schienen, wenn ich mich anstrengte, oder selbst ohne jede Aufforderung …

Waren sie verschwunden?

Es gab keine Kopfschmerzen bis ich aufgehört hatte zu weinen. Das ist normal. Keine Schmerzen in der Brust. Meine Arme und Beine fühlen sich gut an, genau wie beim Aufwachen in der Kammer.

Langsam kletterte ich wieder auf meine Füße, und mit einem aufsteigenden Gefühl der Aufregung, mein salzfleckiges Gesicht und meine Kleidung ignorierend, wurde mir klar, dass mein Körper sich normal anfühlte. Alle Anzeichen meines Krankheitszustands waren verschwunden. Jetzt, da ich wirklich darüber nachdachte, fühlte ich mich gut. Ich fühlte mich normal. Ich habe mich noch NIE zuvor so gefühlt. Es stimmte immer etwas nicht, aber jetzt? Jetzt war da nichts. Jetzt war es nur noch das reine Leben.

Ich bin durstig und wirklich hungrig, und … und … Ich bin GEHEILT! Ich bin nicht mehr krank.

Die Erleichterung war riesig und gab mir etwas Verstand zurück. Ich wollte mich von all dem nicht unterkriegen lassen. Ich war verdammt noch mal geheilt! Ich hatte noch nie zuvor in meinem Leben eine solche Motivation gehabt, und mit der Offenbarung, dass ich mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr krank war, fühlte ich mich erneuert – im Geiste wie auch körperlich.

Ich möchte jetzt wirklich dringend von hier weg. Aber zuerst muss ich meine Schuhe finden …

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Scheinbar gehen solche Kammern auch von alleine auf …

Und jetzt standen die die ganze Zeit im Flur im Weg?

Vielleicht wird nhn versucht, uns davon zu überzeugen, dass das nicht so ist, und am Ende ist es dann doch nur ein Traum :thinking:

Also wir können schon mal festhalten, dass Shay den Planeten und seine Gegebenheiten scheinbar kaum kennt. Das heißt, hier können Dinge ganz anders sein als auf seinem Heimatplanet oder bei uns auf der Erde.

Durch den Staub und Patina können wir aber eigentlich ausschließen, dass direkt am Tag des Beginns seiner Behandlung ein Krieg ausgebrochen ist, vor dem alle Beteiligten geflohen sind und Shay zurückgelassen haben, sodass nur ein paar Tage vergangen sind.

Dafür, dass er das nie erlebt hat, weiß er ziemlich genau, wie seine Muskeln sich eigentlich bewegen sollten. Klar weiß er das sichetlich in der Theorie, weil das wahrscheinlich oftmals Teil seiner Arztbesuche war oder die Feststellung, dass andere seine Probleme nicht hatten, aber dass er das auch fühlen kann.

Na wenigstens etwas

Was ich an Shay jetzt schon mag, ist seine Fähigkeit, nach vorne zu blicken und pragmatisch zu sein :joy:

So, mit etwas mehr Verspätung, als gedacht, kommt nun der nächste Teil. :slight_smile:

Ist tatsächlich nicht unüblich. Es wurde von redundanten Systemen gesprochen, sobald beide versagen, muss es irgendeinen “Notausgang” aus dem System geben, sprich das selbstständige Öffnen der Kammer. Ich schätze also, dass die Stromversorgung oder die Sauerstoffaufbereitung zuletzt vollständig versagt haben, was Shay aber nicht mitbekommen hat, da er aufgewacht ist.

Wundert mich auch, aber scheinbar hat er sie gefunden.

Klar, die Natur kann sich auf Lucere ganz anders verhalten. Aber im Wesentlichen ist der Planet der Erde schon sehr ähnlich, oder wurde evtl. auch ähnlich gemacht.

Da bin ich mir nicht sicher. Ist es nicht manchmal so, dass sich Gendefekte erst im Wachstum bemerkbar machen und er vielleicht noch eine vage Erinnerung hat, wie sich sein Körper ohne Defekte anfühlte?

Viel Spaß beim Lesen! :slight_smile:

Kapitel 1: Etwas ganz anderes

Part 6

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Als ich der Straße vom Parkplatz weg und zurück in Richtung Palatus folgte, versuchte ich, mich an alles zu erinnern, was ich mir über die umliegende Landschaft hatte merken können. Als wir ankamen, war ich viel zu abgelenkt gewesen, um der Stadt viel Aufmerksamkeit zu schenken – selbst nach unserer Ankunft. Ich erinnerte mich nicht einmal an die Fahrt zum medizinischen Zentrum selbst, nur vage an den Ort, an dem wir uns aufhielten. Es war ein Motel am Stadtrand, das Papa für einen Monat gebucht hatte. Wenn ich es bis dorthin schaffe, kann ich meine Eltern oder jemanden, der weiß, wo sie sind, vielleicht finden.

Was auch immer im Volkov-Gebäude, dem Ort, den ich gerade verließ, geschehen war, muss ernst gewesen sein. Es sah nicht so aus, als wäre irgendjemand seit einer ganzen Weile auf dieser Straße unterwegs gewesen. Vielleicht waren es mehr als nur Wochen. Vielleicht war es Monate her, dass ich ‘schlafen’ ging, aber der Arzt sagte mir, dass es nicht möglich sei, so lange ohne große Probleme ‘Winterschlaf’ zu halten. Wenn das wahr wäre, wäre ich hirntot oder einfach nur tot. Also konnte es nicht sein, oder? Ich meine, ich fühle mich zu 100 % in Ordnung. Tatsächlich fühle ich mich besser als je zuvor. Die Behandlung hat gewirkt. Ich kann immer noch nicht glauben, dass sie gewirkt hat!

Die Träumerei wurde durch das Knurren meines Magens und dem ebenso aufdringlichen Kratzen in meiner Kehle unterbrochen. Wie weit war es bis Palatus? Ich dachte angestrengt nach, der Kies knirschte unter meinen Turnschuhen, als meine Beine auf Autopilot weiterflogen, hartnäckig und verbissen, der Geist noch immer beschäftigt. Wir fuhren, ähm, mehr als 15, fast 20 Minuten von der Stadt aus, und Papa fuhr fast die ganze Strecke mit 90 Sachen pro Stunde, weil er ein Freak ist und gerne langsamer als das Tempolimit fährt. Wie auch immer. Das heißt also, ähm, 30 Kilometer? Weniger, vielleicht 25 oder so.

Ich stöhnte laut auf. Ich hätte wahrscheinlich vier oder fünf verdammte Stunden gebraucht, um in die Nähe der Stadt zu kommen. Bis dahin würde ich verhungern. Ich hatte das Gefühl, schon ewig nichts mehr gegessen zu haben, und in Verbindung mit diesem Durst würde die Strecke sicherlich keinen Spaß machen.

Ich war so beschäftigt mit meinen Gedanken, dass ich das schwache Rascheln und die Bewegung in den Bäumen am Straßenrand nicht bemerkte. Plötzlich traf mich ein stechender Schlag an der Schulter und ein Ruck brachte mich aus dem Gleichgewicht. Der Schock war elektrisch und ziemlich heftig, und meine Gliedmaßen verkrampften sich, ich war kurzzeitig betäubt und fiel nach hinten. Was zum Teufel? Schwindelig griff ich nach dem Betäubungspfeil, der immer noch schmerzhaft in meinem Fleisch steckte, und zog ihn heraus, wobei ich gleichzeitig versuchte, aufzustehen. Es blieb jedoch keine Zeit, denn den Bruchteil einer Sekunde später wurde ich wieder von den Füßen gerissen und von der Straße weggezogen, alles drehte sich.

Das Nächste, woran ich mich erinnerte, war der Aufprall auf dem Boden, mein Gesicht wurde auf Stöcker und getrocknete Blätter gepresst. Dann wurde ich herumgezogen und gewaltsam auf den Rücken gerollt. Menschen standen über mir. Es waren zwei von ihnen, vielleicht noch einer weiter weg – ich war mir nicht ganz sicher. Beide waren männlich, einer jünger, einer älter. Der Jüngere blickte zu mir hinunter, ein Blick aus purer Verachtung im Gesicht, wandte sich dem anderen zu und begann, rasch in einer anderen Sprache zu sprechen. Es dauerte einen Moment, um zu registrieren, welche Sprache es war, während ich da lag, blinzelte, mir die Stirn rieb und die letzte geistige Unschärfe des Schocks verschwand.

Spanisch? Warum Spanisch? Dann erinnerte ich mich. Lucere wurde von europäischen Kolonisten besiedelt. Hier wurden viele europäische Sprachen gesprochen. Ich konnte nicht verstehen, was sie sagten, aber er war aufgeregt, als er auf mich zeigte und wieder wild gestikulierte. Der Ältere sprach nicht, aber als sein Blick zu mir herunterzuckte, war sein Gesicht teilnahmslos. Kalt. Gutaussehend, aber auf eine sehr arrogante, harte Art. Eine lange gerade Nase, dunkle Haare, olivfarbene Haut und eisenharte braune Augen. Er sah aus, als ob er mir wehtun würde, wenn ich ihm nicht das gebe, was auch immer er will. Oh, verdammt.

Dann richteten sich seine Augen wieder auf den jüngeren Mann, aber im nächsten Moment waren sie wieder auf mich gerichtet, als er mir einen zweiten Blick zuwarf und seinen Kopf vollständig herumdrehte, um auf mich herabzusehen, und nun schien er überrascht. Dann, ohne seinen Blick von mir abzuwenden, hob er bestimmend die Hand: “Carlos, sch.”

Der jüngere Mann hielt sofort den Mund und runzelte die Stirn, als auch er sich umdrehte, um mich anzuschauen. Der Ältere hockte sich nieder, dicht vor meinem Gesicht. Er sah mich noch eine oder zwei Sekunden lang aufmerksam an, dann sprach er, seine Stimme sanft, aber äußerst eindringlich. Ich konnte Schweiß und Schmutz riechen, und ich konnte bis ins kleinste Detail eine Linie schwarzer Stoppeln auf seinem Kiefer sehen, die von seiner letzten Rasur stammten. Ich wusste nicht warum, aber alles an ihm machte mich wahnsinnig nervös.

“Hablas español?”

Ich schüttelte langsam den Kopf, ein Klumpen bildete sich in meiner Kehle.

“Italiano? Deutsch? Ou français?”

Ich schüttelte wieder meinen Kopf. Mein Mund fühlte sich staubtrocken an und ich war mir nicht sicher, ob ich überhaupt hätte sprechen können, selbst wenn ich gewollt hätte.

Dann etwas langsamer und stark akzentuiert. “Wie wäre es mit Englisch? Ich finde schon, du siehst aus wie das Kind von irgendeinem Gringo. Ich glaube, ich habe recht, ?”

“Ja, Englisch”, krächzte ich, meine Stimme so rau und trocken wie die Blätter, auf denen ich lag.

Ohne zu zögern, erhob sich seine Hand, griff nach meinem Kinn; er schob es erst nach links, dann nach rechts und untersuchte mein Gesicht. Dann ging er bis zum rechten Handgelenk hinunter und zog meinen Arm hoch. Dann den anderen Arm. Der andere Mann begann wieder auf Spanisch zu sprechen, wurde aber sofort zum Schweigen gebracht.

“Ich will mich nicht wiederholen, Carlos. Wir haben einen Gast hier, siehst du das nicht? Etwas Höflichkeit, favor.”

Carlos seufzte gereizt und glotzte immer noch auf mich herab. “León, wirst du ihn jetzt fragen? Frag ihn, warum er keine …”

“Alles zu seiner Zeit, chico.” León unterbrach den Jüngeren sanft. “Zuerst habe ich ein oder zwei eigene Fragen an unseren neuen Freund hier.” Er lächelte mich wölfisch an, lehnte sich dann ein wenig zurück und zog mich abrupt in eine Sitzposition, sein Gesicht noch immer unerträglich nah an meinem. Ein Freund? Ich frage mich, wie er mit seinen Feinden umgeht.

“Wo sind meine Manieren? Wie du gehört hast, bin ich León und das ist Carlos. Und du bist …?”

“Shay.”

“Also, hola mi amigo Shay. Ich entschuldige mich für unser Aufeinandertreffen, aber es sind gefährliche Zeiten, verstehst du?” Gefährliche Zeiten? Ohne Scheiß. “Es ist kein Ort zum Wandern, dieses Land. Man will nicht in der Öffentlichkeit erwischt werden. Aber, das gibt mir zu denken. Was macht ein junger Mann wie du ganz allein hier draußen?”

Irgendetwas sagte mir, dass es ein großer Fehler wäre, ihm die ganze Wahrheit zu sagen, aber gleichzeitig schien er schrecklich scharfsinnig zu sein. Mein Instinkt riet mir, nicht zu lügen, weil ich sowieso nicht wirklich wusste, was vor sich ging. Nicht zuletzt hatte ich das Gefühl, dass es nicht gut ausgehen würde, wenn er merken würde, dass ich nicht ehrlich war, oder wenn er meine Geschichte nicht glaubte, was genauso wahrscheinlich war. Denk schnell nach. Teile der Wahrheit. Eine Halbwahrheit, nur nicht die ganze.

“Ich, äh, wurde von meiner Familie getrennt. Wir sind noch nicht lange hier, ich habe mich nur verirrt.”

Sein Gesichtsausdruck hatte sich nicht verändert. “Verloren, hm? Könnte wahr sein, glaube ich. Du siehst nicht wie einer von hier aus der Nähe aus. Deine Kleidung ist fremd, man kann sie leicht riechen, besonders auf einer Straße wie dieser.” Seine Augen wurden schmal und das Grinsen verblasste etwas. Unwillkürlich zog sich meine Kehle zusammen. “Es scheint, Carlos interessiert sich für etwas anderes an dir, Amigo. Das tue ich auch, das gebe ich zu. Du siehst, ich treffe nicht oft jemanden, der so sauber ist wie du. Du musst mir sagen, wie kommt es, dass du so unberührt bist?”

Es gab keine Möglichkeit, mich da herauszumogeln. Ich wusste nicht einmal, was er meinte. Unberührt? Sauber? Spricht er von einer Art Krankheit? Mein Zögern und meine Verwirrung müssen beide offensichtlich gewesen sein, denn León zog den Ärmel der Jacke, die er trug, hoch und hielt seinen Unterarm vor mich. In Flächen und Flecken sah die Haut seines Arms verfärbt und falsch aus. Von der Zeit, die ich in Krankenhäusern und in der Nähe von Ärzten verbracht hatte, kam mir sofort das Wort “Läsion” in den Sinn. Sie waren nicht allzu groß, vielleicht in Münzgröße, aber sie waren über seinen ganzen Arm verstreut und sahen aus, als hätte sich etwas in seinem Fleisch eingenistet. Es sah unglücklich mit der normalen Haut verschmolzen aus, die Textur schien völlig verhärtet zu sein. Es sah fast unmenschlich aus, und ich kämpfte darum, nicht vor ihm zurückzuschrecken. Okay, also definitiv eine Krankheit.

“Also, erzähl mir, Shay. Ich wette, du hast nichts davon. Du musst mir sagen, warum, ? Niemand entkommt dem hier, aber sieh dich an.”

“I-ich weiß es nicht!” Ich stotterte. “Ich weiß nicht, warum! Ich schwöre es.”

Der ältere Mann grunzte und drehte sich zu Carlos um. Die beiden wechselten einen flüchtigen Blick, und León zog seinen Ärmel zurück und stand abrupt auf. Die Bewegung gab den Blick auf ein Mädchen frei, das einige Schritte hinter ihnen stand. Hispanisch wie die beiden Männer, fast einen ganzen Fuß kleiner, ihr langes schwarzes Haar hinter dem Kopf zu einem Pferdeschwanz gebunden. Weiche Schokoladenaugen und ein zurückhaltendes, sanftes Gesicht; sie war wunderschön, obwohl ich keine Sekunde Zeit hatte, sie zu bewundern, bevor Carlos vorrückte, die Sicht blockierte und mich vorne an meinem Hemd packte. Seine Faust zog sich zurück und wollte gerade donnernd nach unten zuschlagen, als das Mädchen von hinten nach seinem Arm griff. Carlos ließ mich los und drehte sich zu ihr um, beschwerte sich bereits auf Spanisch; sein Gesicht war rot vor Wut. Worte wechselten im Schnellfeuer zwischen ihnen hin und her, was darin endete, dass das Mädchen die Hand hob und ihn schallend ins Gesicht schlug. Schwer atmend drehte er sich um, spuckte vor mir auf den Boden und stürmte durch das Unterholz davon. León, der diesen Austausch reglos und schweigend beobachtet hatte, sagte nur ein einziges Wort.

“Sofia.”

Sie wandte sich ihm zu. Als sie mir nun näherkam, wurde die Ähnlichkeit deutlich. Sie musste seine Tochter sein oder zumindest mit ihm verwandt. Das Gesicht, die Haltung des Körpers, waren sehr ähnlich*. Allerdings scheint sie nicht so psychotisch zu sein wie die anderen hier Anwesenden. Vielleicht kann ich ein “normales” Gespräch mit ihr führen. Vielleicht gibt es dann nicht die gleichen versteckten Folteranspielungen.*

León sagte einen einzigen Satz auf Spanisch zu ihr, blickte auf mich herab, sein Blick berechnend. Dann drehte er sich um und ging in die Richtung, in die der andere gerade gegangen war. Das Mädchen griff nach meiner Hand und zog mich zum ersten Mal seit Beginn all dieser Ereignisse auf die Füße.

“Es tut mir leid”, sagte sie zu mir und lächelte mich ein wenig an. “Sie können beide sehr unangenehm zu Fremden sein. Ich bin Sofia. Das sind mein Vater und mein Cousin. Carlos ist ein Brutalo. Ich kann nicht glauben, dass er dich schlagen wollte.”

“Ich auch nicht”, murmelte ich und fügte dann schnell hinzu: “Danke. Dafür, dass du ihn davon abgehalten hast.” Ihr halbes Lächeln wuchs und wurde zu einem ausgewachsenen. “Es ist okay. Wir müssen reisen, und du wirst jetzt mit uns kommen. Es hat also keinen Sinn, verletzt zu werden.”

“Reisen?”

“Sí.” Sie nickte schnell. “Mein Vater wird nicht zulassen, dass du uns verlässt. Bitte versuche nicht zu fliehen, oder …” Sie ließ den Satz unvollendet, obwohl sie es nicht unbedingt nötig hatte. Oder ich werde gejagt und wahrscheinlich getötet oder wie ein Tier gefesselt werden. Dann griff sie wieder nach meiner Hand und begann, mich mit sich zu ziehen. “Außerdem würde er, wenn er dich schlagen würde, einen tiefen Abdruck hinterlassen. Er schlägt sehr hart zu, und dein Gesicht ist zu hübsch, um es zu entstellen.”

Warte, was? Hübsch?!

“Komm, Shay. Wir müssen uns beeilen. Wir wollen nicht zurückbleiben. Los geht’s!”

Und dann – mit wenig Alternativen – machten wir uns auf den Weg.

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Möglich, aber das würde Shays Aussage widersprechen. Na ja, wollen wir mal nicht überkorrekt sein.

Na ja, doch. Woran macht er das fest? Woher will Shay wissen, wie sich der Tod anfühlt?

Wie gut kompensieren das diese Kammern denn? Heutzutage gibt es ja auch schon verschiedene Praktiken in Krankenhäusern? Andererseits sind die Kammern ja offenbar nicht zur langfristigen Nutzung ausgelegt. Also kann die Frage nur sein, wie ein Körper in Stasis sich verhält.

Ach, das ist in Übersetzungen immer komisch :joy:

Shay ist sauberer als Carlos, León und Sofia, aber man kann Shyas Kleidung riechen?

Nicht dass sich Shay damit auch noch infiziert …