Hab ich mich umsonst verschenkt?

Hallo Community.

Ich bin mittlerweile 23 und meine erste Beziehung, eine Fernbeziehung, ist in den letzten zwei Tagen wie eine Achterbahn, von den wolkigsten Höhen mit Karacho und Highspeed ins Tal gerauscht und entgleist. Retten kann man da nichts mehr, aber ich würde trotzdem gerne eure Meinungen hören.

Mein Exfreund lebt in fast genau in 10.000 Kilometer Luftlinie Entfernung, wir haben uns Ende Mai diesen Jahres auf Tinder kennengelernt und es war fast ein wenig wie Liebe auf den ersten Blick.
Wir sind in Sachen Mentalität sehr ähnlich; eher introvertiert, harmoniebedürftig und träumerisch.
Auch haben wir teils ähnliche psychische Probleme mit dem Selbstwertgefühl und wenig vorhandenem Sozialleben.

Unsere Beziehung bestand daraus, dass wir jeden Tag über ein paar Stunden hinweg geschrieben haben, da wir durch die unterschiedlichen Zeitzonen nur eine reduzierte gemeinsame Wachzeit hatten. Das mag sich für viele wahrscheinlich ganz und garnicht nach einer erfüllten Beziehung anhören, aber wir fühlten uns trotzdem sehr nah.

Leider ist es passiert, dass wir uns gegenseitig voneinander recht abhängig gemacht haben und uns dadurch gegenseitig manchmal in Untergangsstimmung versetzten, weil wir uns große Sorgen um die Zuneigung des anderen machten.

Dabei hat er den Part eingenommen, schnell manche meiner Aussagen in den falschen Hals zu bekommen und ich war derjenige, der dann den Anstoß gegeben hat, alles wieder ins Lot zu rücken. Eine Tücke dabei ist die rein schriftliche Kommunikation. Ihr könnt es euch sicherlich vorstellen. Es war im Prinzip eine Art emotionale Abhängigkeit und die Suche nach Bestätigung.

Gestern ist es völlig aus den Fugen geraten. Er hat mir mir geschrieben, dass er gerade mit seinem Vorgesetzten telefoniert und hat mir so ein Zeichen gegeben, dass er gerade nicht mit mir schreiben kann. Daraufhin habe ich nichts geantwortet, weil ich dachte, dass er sich ja sicher wieder melden wird, wenn er weiterchatten möchte.

Nach ungefähr einer Stunde hat er mich dann gefragt, ob ich “mad” sei und ich war verwundert über seine Frage, weil ich nicht verstehen konnte weshalb. Nachdem ich dann geschnallt habe, dass er wollte, dass ich mich bei ihm melde, hat er garnicht mehr auf mich reagiert, als ich versucht habe mich zu erklären.

Heute hab ich ihm einfach einen Guten Morgen ohne Emojis gewünscht, weil ich signalisieren wollte, dass ich bereit für eine Konversation bin.

Dann hat er mir vorgeworfen, dass das so klingt als hätte ich alles, was gestern passiert ist, vergessen. Nachdem ich mich gerechtfertigt habe, dass ich versucht habe, die Situation zu stabilisieren ist er wütend geworden, weil ich ihm wohlwollend geschrieben habe “Calm down, you need some rehab”. Er fasste mein “rehab” so auf, als hätte ich ihn als krank bezeichnet, obwohl ich es wie relax gemeint habe.

Er hat später kurz angebunden geschrieben, dass es wahrscheinlich sein Fehler war, so zu reagieren, aber dass es ja eh zu spät sei. Weiterhin habe ich versucht, mich zu erklären aber er hat irgendwann sinngemäß geschrieben, dass ich ja schon genug Probleme hätte und nicht noch ihn “bräuchte”. Das hat mich dann nochmal aus der Bahn geworfen.

Mein Fehler war, dass ich stur versucht habe, alles wieder zu reparieren und ihm auf die Ketten gegangen bin, weil ich zeigen wollte, dass ich für ihn da sein will und dass ich ihn liebe.
Ich wollte einfach nicht annehmen, dass es nicht funktioniert, weil er auf seine Art und Weise sehr tief zu mir vorgedrungen ist und ich mich immer wieder darauf gefreut habe, mit ihm Zeit zu verbringen, weil er mir viel Liebe gegeben hat.


Gerade ist mir bewusst geworden, dass ich diesen Text vor allem geschrieben habe, um selbst ein klareres Bild über das Geschehene zu bekommen.

Ich wünsche euch allen eine schöne Woche!

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Das klingt so, als wäre da nicht nur eine andere Zeitzone, sondern auch eine andere Sprache involviert.
Damit ist natürlich Missverständnissen tür und tor offen. Es ist ja meist dann nicht nur eine andere Sprache, sondern auch noch eine andere kulturelle Komponente dabei. (Ich bilde mir z.b. immer ein, dass Niederländer deutlich emotional agiler sind, sowohl in Richtung Happiness als auch Verärgerung.)
Wie weit ging Eure Beziehung denn, habt ihr Euch je getroffen? Habt ihr auch video calls oder voice calls gemacht? Cybersex oder alles platonisch?

Wie habt Ihr Euch die Zukunft vorgestellt?

Nach meiner persönlichen Erfahrung sind Fernbeziehungen auf Dauer immer sehr schwierig, vor allem wenn der Partner/in sehr weit entfernt lebt und eine andere Sprache spricht, da man sich je nach Entfernung kaum bis gar nicht im Real Life trifft und maximal immer nur Video Calls macht, was auf Dauer nicht gutgehen wird. Ich hatte bisher zwei durchlaufen und beide sind auf Dauer leider gescheitert und alle meine Mühen waren quasi umsonst, auch wenn ich dennoch meine schönen Erlebnisse und Erinnerungen mit diesen Personen hatte.

Natürlich gilt das nicht für jeden, aber ich würde generell wenn eher zu einer Fernbeziehung raten, welche innerhalb des gleichen Landes oder maximal der Nachbarländer spielt, da man wirklich die Möglichkeit haben sollte sich des Öfteren mit dem Partner/in im echten Leben treffen zu können, da es auf längerer Sicht ansonsten dazu führt das es beiden schmerzt und schadet und im schlimmsten Fall sogar dazu kommen kann, dass der Partner/in fremdgeht bzw. sich eine neue Beziehung nebenbei aufbaut und sich dann eines Tages verabschiedet, weil er oder sie jemanden in der Nähe gefunden hat.

Außerdem sollten sich beide wirklich schon frühzeitig klar machen, wie man sich seine gemeinsame Zukunft vorstellt, denn es ist auf jeden Fall tragisch, wenn sich nach Monaten oder Jahren herausstellt, dass beide zum Beispiel nicht von ihrem derzeitigen Wohnort wegziehen wollen oder die Sprache des anderen lernen wollen, um später in das andere Land zu ziehen, denn dann sind möglicherweise Monate oder Jahre umsonst gewesen, welche einen vielleicht zu einem besseren Partner/in in der näheren Umgebung geführt hätten.

Ich kanns aber verstehen, wenn man es trotzdem versucht, obwohl man sehr weit entfernt voneinander wohnt, vor allem wenn man das Gefühl hat das alles passt und man sich sehr gut versteht. Leider hab ich auch immer das Pech immer nur tolle Leute kennenzulernen, bei denen sich dann herausstellt, dass sie sehr weit entfernt von mir wohnen.