Gedichte-Thread!

wow Schulbuch!
bei deinem ersten Gedicht hab ich feuchte Augen bekommen - der Rhythmus fehlt zwar ein wenig, inhaltlich find ichs jedoch total schön. Liegt vielleicht auch daran, dass wir das alle schonmal durchgemacht haben :-/

Danke dir, hab mich zuerst gefragt, ob ich das hier reinschreiben soll, weils zu dem Zeitpunkt meine innersten Gefühle waren…
dir alles Gute!
mfg Schulbuch

Schulbuch, Respekt.

Sehr schönes Gedicht, das mir sehr nahe gegangen ist, besonders, weil es fast perfekt auf meine Situation passt. Und zweifel nicht daran, ob du Gedichte veröffentlichen sollst, die deine innersten Gefühle sind, denn dadurch werden sie erst authentisch (oder wie auch immer man das schreibt :smiley:).

Grüße

Danke euch :wink:
zum Glück hat der Gute sich geändert und ist wieder mein [Schul]Freund und läuft nicht mehr weg, aber die Zeit war wirklich schwer für mich…
mfg Schulbuch

Wände aus Wirbeln
Blaue Stränge
Leuchtend Synapsen
Allmählich Ergrauend

Flieg Blauer Vogel
Schillernd Und Flatternd
Ins Graue Gewitter
Verschwindend Bewegen

Die Blauen Stränge
Grau Anlaufend
Verschwindendes Leuchten
Bewegung Erstarrt

Mein Goldener Käfig
Aus Nerven Synapsen
Mich Langsam Einengend
Ein Loch Voller Nebel

Ein Sprung Ins Neue
Ins Unbekannte
Weg Von All Gewohntem
Diesmal Geplant

Noch ein Gedicht von mir (14.Mai 2010)

Gewitter

Gar dunkle Wolken droben,
am Fenster sitz’ allein
ich, schau nervös nach oben,
vermiss’ den Sonnenschein.
Dort draußen wird der Himmel
allmählich schwarz wie Teer,
das Kirchenglockgebimmel
von fern dringt leis’ hierher.

Schon zucken gelbe Blitze,
maln feine Ästchen nach,
erreichen Kirchturms Spitze,
auch manches spitze Dach.
Laut grollt der Donner ferne,
knurrt wie ein böser Hund.
Will denn der Himmel gerne
Empörung nun tun kund?

Die kleinen Spatzen fliegen
noch schnell zurück ins Nest.
Am Baum sich Ästchen biegen,
der dicke Stamm bleibt fest.
Die Blüten Tulpen schließen,
sie meinen, es wär’ Nacht!
Der Nachbar geht vom Gießen
ins Haus. Wer hätts gedacht?

Jetzt krachts und zuckts im Garten,
im Zimmer drin ists still.
Ich kann es kaum erwarten,
ins Bett ich kuscheln will.
Doch wäre es viel schöner,
wär ich dort nicht allein,
und du, mein Allerliebster,
würdst kuschelnd bei mir sein!

Wir könnten kuscheln, küssen,
bis spät ind Nacht hinein.
Nichts Andres wir tun müssen
als für uns da zu sein.
In deine Augen schauend,
wie glücklich wär ich dann!
Dir voll und ganz vertrauend…
Nur frage ich mich: Wann

ist es soweit? Ich freue
mich heute schon darauf.
Grad, wenn jetzt gleich aufs Neue
der Blitz beginnt den Lauf.
Dann kann es donnern, blitzen,
nichts wird geschehen mir,
wenn wir verliebt hier sitzen,
wenn ich bin nah bei dir!

zwiebelfisch, 14. Mai 2010

die große Wahl

Wieviel Grau kann Mensch ertragen
bis er sich verliert in des Lebens Schein?
Muss er immer das Äußerste wagen,
um sich seiner Existenz sicher zu sein?

Tausend Menschen muss man lieben,
Noch mehr Nöte sollen einen schlagen.
Himmel und Hölle muss man dienen,
damit wir uns nie mit Leere plagen.

Denn Leere ist des Seins Gesicht,
die Wahl liegt bei uns,
ob sie beruhigt oder sticht.

Ein Gedicht, das ich sehr mag und auch mal in der Schule aufgesagt habe, ist “Willkommen und Abschied” von Goethe. Meine Rezitation hat auch allen sehr gefallen. :slight_smile:


Willkommen und Abschied

Es schlug mein Herz; geschwind zu Pferde!
Es war gethan fast eh’ gedacht;
Der Abend wiegte schon die Erde
Und an den Bergen hing die Nacht:
Schon stand im Nebelkleid die Eiche
Ein aufgethürmter Riese da,
Wo Finsterniß aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah kläglich aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsaus’ten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer;
Doch frisch und fröhlich war mein Muth:
In meinen Adern welches Feuer!
In meinem Herzen welche Gluth!

Dich sah ich, und die milde Freude
Floß von dem süßen Blick auf mich;
Ganz war mein Herz an deiner Seite
Und jeder Athemzug für dich.
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
Umgab das liebliche Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich – Ihr Götter!
Ich hofft’ es, ich verdient’ es nicht!

Doch ach schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Küssen, welche Wonne!
In deinem Auge, welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden,
Und sahst mir nach mit nassem Blick:
Und doch, welch Glück geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!
:slight_smile:

Ja das sollten wir neben “Prometheus” auch von Goethe aufsagen. ^^

Etwas grotesk, aber ich finds ganz gut:

Entnehmt mir doch nicht mein Gehirn –
Das brauche ich doch noch!
Ruf’ ich, such’ auf meiner Stirn
Nach einem großen Loch.

Schon höre ich die Knochensägen,
ein Requiem aus Spänen;
Sie surren meiner Knochen wegen –
ich wollt’s ja nur erwähnen.

Es schwindet mir das Licht vor Augen,
und brummt mir schon der Schädel.
Einer eilt das Blut absaugen,
das find’ ich äußerst edel.

Ein wenig später – oder Jahre,
ich finde kaum Gedanken:
noch liege ich hier auf der Bahre
und mime einen Kranken.

Es fehlt mir nämlich, mein Gehirn
man wollt’ dran exerzieren
und brach ein Loch in meinem Stirn
und ließ mich dann krepieren.

Und: In Tiefen.
In Tiefen reite ich zu Pferde,
blicke stolz, gefasst umher;
In Tiefen grab’ ich in der Erde,
suche Schutz vor fremdem Heer.

In Tiefen krieche ich auf Wiesen,
brülle Fragen in den Raum –
In Tiefen töte ich die Riesen,
meistere die Zwerge kaum.

In Tiefen seg’le ich auf Flauten
und versinke mit der Flut;
In Tiefen bau’ ich meine Bauten:
Residenz von Schlecht und Gut.

In Tiefen bette ich mich nieder,
entschlafe sanft und träume schlecht –
Die Tiefen kehren immer wieder,
Behütet bin ich, im Gefecht.

Ich darf nochmal? Pardon.

Unbeholfen weichen meine Worte
einer Flut von Leere, den Raum völlig erfüllend;
Erfahrung zeigte mir, die Orte – der
Kämpfe meiner Heere; die Sicht gänzlich verhüllend.

Ununterbrochen brech’ ich meine Schwüre,
schon von Beginn auf unbekannte Zeit verschoben;
Erblindet bin ich, als ich durch die Türe
wanke – hin! – den Weg; nach unten von ganz oben.

Eine Frage an die Verfasser:
Wir hatten in der Schule nun nen halbes Jahr lang das Thema Gedichte und Metrik, Vokale betonungen und so?
Achtet ihr auf so was ?
Kannn mir das eben kaum vorstellen

Ein guter Dichter denkt nicht über sowas nach, sondern macht es schon automatisch.
Leute ohne Begabung sind dann entweder die, die krankhaft versuchen, Takt und Rythmus zu halten und/oder es aus reinem Gefühl heraus zu nichts bringen.
Die meisten Lieder sind in diesen Hinsichten schlecht aufgebaut, aber wenn man singt, kann man einzelne Wörter in die Länge ziehen oder “oooh uuuh aaahh” dazwischen stöhnen^^

Gezeichnet,
Astrum

So wie wirs in der Schule behandelt haben, hatten die grossen Diechter extra geschaut mit welchem Metrum sie den gewünschten klang herstellen konnten.
Auch haben sie jia nicht so oberflaechlich geschrieben, sondern jia immmer im tieferen Sinn wie zB Kirschblueten bei der Nacht von Brockes

Jaja, wenn du Gedichte so schreibst, dass du etwas bestimmtes erreichen willst und nicht einfach nur “aus Spaß”, dann kannst du eine Menge Botschaften mit Änderungen betreffend dieser “Kleinigkeiten” erreichen :wink:

Aber die meisten Gedichte der jüngeren Generation sind eher “auf gut Glück” geschrieben^^

Astrum

Ahh ok danke fuer die Auskunft :slight_smile:

Ein paar Werke von mir, die mir am aussagekräftigsten erscheinen…

Veränderung.
20VI10

Ich stehe am Abgrund
und will fallen.
Doch ich kann noch nicht.
Denn dort ist eine Brücke
aus Steinen, die Glück bedeuten.

Doch die Steine sind porös
und bröckeln und ich falle.
Endlich.

Doch ich falle nicht
in die Irrationalität
sondern in die Wirklichkeit.

Ich liege unten am Grund
in der Wirklichkeit
mir schmerzt es überall.

Aber ich bin still!
Dennoch leide ich
und möchte weinen.

Gefühle.
26VI10

was fühle ich?
lieb ich dich?

was denke ich?
liebst du mich?

lieb ich dich?
was denkst du?

liebst du mich?
was fühlst du?

Alle Welt ist Zahl.
30VI10

Weißt du? Alle Welt ist Zahl.
Ich befinde mich lokal
in einem Minimum.
Meine Ableitung ist null,
denn ich bin minimal
und strebe ins Infinitum.

Du bist meine Asymptote.
Wir schein‘n uns zu berühr‘n,
doch selbst in jener Ewigkeit,
wir werden uns nie spür‘n.

Uns‘re Vektor‘n sind gleich gerichtet,
das Skalarprodukt wird nichts.
Unsere Beträge sind wohl wichtig.
doch ich sehe, da zerbricht‘s.

Dennoch weiß ich, wir
sind die Gegenzahl des Ander‘n,
und wann wir uns berühren,
werden wir gar schmerzlich spüren,
wie wir beide werden null.

Weißt du? Alle Welt ist Zahl.
Ich hoffe, dass unsere Stammfunktion
nicht monoton
und das lokale Minimum
eben ein globales wird.

Ich poste auch mal ein Gedicht von mir, das habe ich mal ganz lange her geschrieben (:

Seit geraumer Zeit ist da etwas,
eher beschreibend,
es ist jemand.

Es ist genau das,
was besiegt das Elend,
es treibt zu dem Rand,
aus meiner Seele,
und baut auf ein Band.

Es fühlt sich an,
wie weicher Sand,
und ich glaube sacht,
ich müsste zu dir hin,
denn genau du bist das,
was mich glücklich macht.

Eine Freundschaft,
die mir seit langem,
sehr wichtig ist.
Ich Liebä dich <3

Das war an eine sehr gute Freundin von mir die mir sehr wichtig ist :slight_smile:

Glueck und Unzufriedenheit

Manchmal.
Manchmal muss nur die Sonne scheinen.
Manchmal musst du nur die Wärme ihrer Strahlen auf deiner Haut spüren;
durch ihr Licht alle Farben etwas intensiver wahrnehmen.
Manchmal genügt es, wenn die Schönheit einer Blüte dein Auge berührt.
Manchmal.
Manchmal muss nur die Sonne scheinen.
Aber manchmal muss es eben mehr sein!

Gruß froggy :smiley:

Hallo Leuz,

nach langem überlegen dachte ich mir, ich stell hier mal eins meiner Gedichte rein. Über ein kleines feedback von euch wäre ich sehr dankbar, natürlich nur wenn ihr wollt.

Es darf nicht sein, was nicht sein darf…

Es darf nicht sein, was mit mir geschieht
Mein Mut, meine Kraft in dir völlig versiegt.
Jeden morgen, jeden Abend, ja zu jeder Zeit
denk ich an dich – hab es sonst nie bereut.
Doch jetzt die Liebe – dieses EINE Gefühl
nagt, zersetzt, mein Herz, viel zuviel.

Es darf nicht sein, was mit mir passiert
Mein Gemüt, mein Lachen; völlig erfriert.
Ich kann mich nicht äußern, schon gar nicht bei dir
immer dieser Traum, der Wunsch wärst du nur bei mir.
Eine Liebe die nicht sein darf - diese tiefe Traurigkeit
dich nie zu berühren, umarmen - Verdammte Hilflosigkeit

Es darf nicht sein, was nicht sein darf – das große Tabu
mein Kopf sieht es ein – mein Herz gibt niemals ruh.
Meine Seele wird zerstört der verbotenen Liebe als Pfand
diese Liebe wird nie enden, in die Unendlichkeit verbannt.
Keinem Menschen, keinem Gott kann ich klagen mein Leid
wer kann schon helfen, wer ist dazu schon bereit.

Es darf nicht sein …DU hast mir so viel gegeben
Die Angst zerfrisst mein Sein, mein Tun, mein Leben.
Quälende Fragen: Ein Leben ohne Liebe? Was hat´s verursacht?
Verheerende Antworten bestimmen den Tag – Meine Tränen die Nacht.
Es darf nicht sein, was nicht sein darf - Kann ich mir selber je vergeben?
Ich würde dir so gern sagen: DU bist mein Leben.

Euer julius