Ein wenig Rat gesucht

Hallo zusammen!

Der Titel fasst es ja schon passend zusammen, ich benötig bei einer leider nicht ganz so einfachen Sache ein wenig Hilfe :confused:
Ich stecke momentan in einer unangenehmen Stelle - vor gut einem Jahr wurde bei mir eine Depressive Episode mittleren Grades diagnostiziert und schon davor ging es mir nur phasenweise richtig gut.

Zusammengefasst, um das ein wenig zu erl√§utern: Meine Kindheit war solala, in der Grund- und Mittelstufe habe ich schwer unter Mobbing gelitten und dadurch massiv zugenommen, Untersuchungen ergaben nur einen Verdacht auf Hochbegabung. Vor einem Jahr habe ich Bekanntschaft mit einer Person gemacht, die so ganz und gar fast das selbe durchgelebt hatte, weswegen das f√ľr mich der Himmel auf Erden war, denn neben den Interessen, den Erfahrungen und der Einstellung war auch die Sexuelle Pr√§ferenz die selbe. Es dauerte also nicht lange, bis mehr aus dieser Bekanntschaft entstand.
Zu der Zeit war mein Gegen√ľber war gerade in der Pr√ľfungsphase sowohl f√ľr sein Studium, als auch f√ľr sein Abitur angelangt und war dementsprechend ausgelastet. Ich stand so ziemlich alleine dar und erkannte mich irgendwann als Motor des ganzen. Nach der ultimativen Frage nach dem Stand der Dinge, als die Pr√ľfungen vor√ľber waren, zerbrach die Beziehung und damit mein Fundament, auf dem ich aufgebaut hatte. Ich habe mich deswegen kurzzeitig in eine Klinik begeben und der Aufenthalt tat mir gut, jedoch war das nur vor√ľbergehend. Bis heute verl√§uft alles phasenweise gut und phasenweise schlecht, wobei ich mich immer wieder aufrappele.

Weil ich es nie gelernt habe, f√§llt es mir schwer, auf andere Menschen zu zugehen bzw. aus meiner Introvertierten Haltung auszubrechen und wegen meines K√∂rpers ist es alles andere als einfach, auf andere einen guten Eindruck zu machen (man bedenke, dass der Durchschnitt, meines Wissens nach zumindest, immer zuerst auf das √Ąu√üere sieht) - folglich habe ich nicht viele Personen, denen ich mich zuwenden kann und das meiste l√§uft deswegen √ľber das Internet.

Ich wei√ü, dass viele Dinge einfacher w√§ren, w√ľrde ich mich selbst ein wenig mehr unter Kontrolle haben oder etwas mehr aus mir herauskommen, nur wei√ü ich halt nicht, woher ich den Willen nehmen soll =/ Ab und zu gelingt es mir, einen Impuls zu setzen und an den Dingen zu arbeiten, aber dann verl√§uft sich das ganze wieder im Sande und der resultierende Effekt ist nur minimal.
Eine Therapie ist wegen meinem Abitur ausgeschlossen - auch wenn meine Noten sowas durchaus zulassen w√ľrden, so ist mir der Abschluss einfach zu wichtig und nach der Schule bin ich meist zu ersch√∂pft, um neben dem Programmieren oder dem Ausspannen mit Computerspielen und √Ąhnlichem irgend etwas anderes zu tun. Auch die Motivation ist da sehr tief im Keller.

Deswegen ist meine Frage: Wie kommt man am besten aus sowas wieder heraus? Eigentlich könnten die Dinge ja ganz einfach sein, nur stehe ich mir halt immens im Weg und ich habe keine Ahnung, wie ich das beheben soll. Womöglich bin ich hier vielleicht sogar an der falschen Stelle, aber dann sei’s drum :slight_smile:

Ich bin dankbar f√ľr jede Antwort :slight_smile:

Eine Therapie wär vermutlich das hilfreichste. Da du das ja nich willst:
Du könntest erstens deinen Hausarzt fragen, ob er dir irgendwelche Antidepressiva verschreiben kann. Vermutlich wird er dir sagen, dass es Sinn macht, die mit einer Psychotherapie zu verbinden. Musst du dann mit ihm klären.

Alles au√üerhalb von √§rztlicher Hilfe h√§tte vermutlich zuerst mit deinem Tagesablauf zu tun. Wir kennen dich ja nicht, deshalb ist es auch schwer einzusch√§tzen, was da ne gute Empfehlung w√§re. Wenn du bisher keinen Sport machst, w√§r das vermutlich ein unrealistischer Tipp. Aber jeden Tag ein bisschen in der Sonne spazieren zu gehen, kann schon helfen. ‚ÄúRegion Karlsruhe‚ÄĚ h√∂rt sich auch an, als k√∂nnte man ne h√ľbsche Strecke finden. Dass du es an manchen Tages einfach nicht schaffen wirst, is halt so, dann gehst du eben am n√§chsten Tag wieder.

Grundsätzlich ist eine Depression mittleren Grades nichts zum Spaßen, eine Therapie ist da schon empfehlenswert, alleine schon weil Menschen mit Depression sehr selten alleine damit fertig werden und es auch nich einfach von selbst wieder besser wird.

Wäre denn eine Therapie nach deinem Abitur denkbar?

Die Beziehung zerbrach? Brach einfach der Kontakt ab oder gab es einen Streit?

Du bist schwul, also bist du um um Rat zu bitten, hier schon mal nicht falsch :wink: Was das Thema Depression angeht, können wir nur Tipps geben, aber wahrscheinlich sind die wenigsten zu wirklicher Hilfe fachlich qualifiziert.

Bei dir wurde eine depressive Episode diagnostiziert. Wann war das und was das professionell?

Die Problematik, den Umgang mit Menschen nie gelernt zu haben und schlecht auf Menschen zugehen zu können wegen Introversion und/oder Sozialphobie, kenne ich selbst nur zu gut.

Du spricht mehrmals auf dein √Ąu√üeres an. St√∂rt es dich denn selbst oder st√∂rt dich mehr, dass es andere st√∂rt? Willst und kannst du das √§ndern?

Das ist ein toller Vorteil des Internets: Kennenlernen wird zur Blind Audition. Hier geht es meistens erst einmal um den Charakter. Finde ich auch besser so.

Was belastet dich denn gerade am meisten? Wo liegen deine Probleme im Alltag? Welche depressiven Symptome zeigen sich bei dir regelmäßig? Was steigert deine Stimmung?

Wo liegen denn deine Probleme, wenn du auf Menschen zugehen sollst? Bist du unsicher? Hast du Angst? In meiner Therapie mache ich sogenannte Verhaltensexperimente: Ich begebe mich in eine mir unangenehme Situation, schreibe vorher auf, was ich denke, wie ich mich verhalten werde, was ich denken und wie ich reagieren werde. W√§hrend der Durchf√ľhrung beobachte ich mich ganz genau, schreibe am Ende wieder die Antworten auf die Fragen vom Anfang nieder und vergleiche diese Ergebnisse. Das ist aber nur eine Methode. Wenn ich etwas mehr √ľber dich w√ľsste, fielen mir bestimmt noch andere Dinge ein.

Vielen Dank erst mal an euch beide f√ľr die Antworten, zun√§chst wollte ich sagen, dass ich den Post oben so kurz wie m√∂glich halten wollte, damit man einen m√∂glichst schnellen √úberblick erh√§lt, was gerade Stand der Dinge ist :smiley:

Zum Thema Sport: Ich treibe wöchentlich Radsport und fahre durchschnittlich 25km bei gemäßigtem Tempo (laut GPS-Tracking 18-19km/h). Das ist nicht viel, hat aber vor ugf. zwei Jahren bei mir eine Abnahme von 30kg bewirkt und den diesjährigen Sommer wollte ich eigentlich etwas aktiver gestalten, als den letzten.

Mit dem Gedanken, eine Therapie nach dem Abi aufzunehmen, habe ich auch schon gespielt und da ich auf einem Berufsgymnasium bin habe ich zu Studiumsanfang bereits die inhaltlichen Themen des ersten Semesters drauf, also einen zeitlichen Vorteil.
Ich muss auch sagen, dass es eine ‚Äúgute‚ÄĚ Zeit gab, in der ich nicht nur mein Gewicht √ľberaus erfolgreich reduzieren konnte, sondern auch mental ausgeglichener wurde, aber w√§hrend genau dieser Phase hatte ich viel Freizeit und viele M√∂glichkeiten mich zu entspannen und meinen Alltag so zu gestalten, wie es mir beliebte. Das war w√§hrend meines Realschulabschlusses.

Es gab einen Streit und dann einen Kontaktabbruch, welchen mein gegen√ľber bis heute sp√ľrt, so sagt er.
Eine Versöhnung mit ihm gab es nie wirklich, wobei genau das das einzige wäre, was mir dabei helfen könnte, vollends damit abzuschließen.

Mittlerweile aber ist es nicht mehr wichtig, denn meine Depression √§u√üert sich nicht nur durch die st√§ndig gedr√ľckte Stimmung, auch wenn das nur innerlich ist, aber auch durch Trauer. Ich kann nicht sagen, warum dem so ist - vielleicht ist es die Koh√§renz meines bisherigen Daseins, vielleicht sind es die meine Hoffnungen, die alle irgendwann entt√§uscht wurden. Es scheint halt alles so aussichtslos, so grau.
Neben dem habe ich Einschlafprobleme und ein erh√∂htes Schlafbed√ľrfnis, 10h sind bei mir Minimum.
Was mir hilft ist Musik und Gesellschaft, aber nicht die Art, bei der ich eine Fassade aufrecht erhalten muss oder mich als Last f√ľr die andere Person empfinde.

Während meines Klinik-Aufenthalts wurde ich von einer Kinder- und Jugendpsychiaterin in Gesprächstherapie behandelt und die Depression mittels Fragebögen festgestellt. Das alles fand in einem Zeitrahmen von drei Wochen statt.

Mein √Ąu√üeres empfinde ich als absto√üend - mein K√∂rperbau hat definitiv Potential: Definierte Schl√ľsselbeine, passende Frisur, kr√§ftiges Auftreten, nur das Gewicht beschmutzt alles. Es st√∂rt mich nicht nur, es macht mich wortw√∂rtlich krank. Es gestaltet auch das Finden eines Partners alles andere als einfach. Ich wei√ü, dass es an mir liegt, das zu √§ndern.

Wie schon oben beschrieben, betreibe ich Sport, aber wegen der Schule ist das alles andere als einfach unter der Woche. Ich weiß, dass ich durchaus mit einem neuen Schub an Motivation mein Gewicht wieder verringern könnte, doch ist das vorerst nicht abzusehen. Vielleicht werden die Sommerferien lang genug sein, wer weiß.
Momentan arbeitet alles mit Zwang, aber sobald ich mal an einer Sache sitze, bin ich meist auch länger dabei.

Mich belastet vor allem, dass sich nichts ändert, obwohl meine Anstrengungen nicht wirklich gering sind. Ich versuche es immer wieder, doch ich scheitere - und alles nur, weil ich nicht durchgehalten habe mit dem, was ich mir vorgenommen habe.

Mittlerweile denke ich √ľber eine medikament√∂se Behandlung nach, auch wenn ich noch nie Psychopharmaka eingenommen habe und der ganzen Sache eher skeptisch gegen√ľberstehe.

Das heißt also, Abi und später Studium schaffen dich gerade zu sehr, um an dir zu arbeiten. Was willst du denn werden?

Wie viel Zeit kannst du fest in der Woche aufbringen, um an dir zu arbeiten? Die Zeit ist wichtig und hilft ja, wie du selbst schreibst. Ich kann dir empfehlen, auf das zu schauen, was du geschafft hast und dir das bewusst zu machen, nicht, was du nicht geschafft hast. Vielleicht versuchst du es statt mit Antidepressiva erst einmal mit nicht verschreibungspflichtigen Pr√§paraten. Es gibt da welche auf Basis von Johanniskraut, welche in Kombination mit dem beginnenden Fr√ľhling vielleicht genug Motivation liefern k√∂nnten. Was Antidepressiva angeht, m√ľsstest du ohnehin mit einem Arzt sprechen.

Hast du dich mal nach einiger Zeit um eine Aussprache bem√ľht? Dein Gegen√ľber scheint die Situation ja, wie du schreibst, auch zu belasten.

Hast du das mit der Hochbegabung eigentlich noch weiter verfolgt?

Hast du denn Freunde f√ľr Gesellschaft, ohne die Fassade aufrecht erhalten zu m√ľssen?

Was Abi und Studium angeht, nicht wirklich. Mein Abi ist f√ľr mich nicht wirklich schwer, denn auch wenn ich √ľber einen Zeitraum von ein paar Tagen fehle, so sind meine Noten (bis auf Sport :smiley:) immer noch gut (12/15NP) und daf√ľr habe ich im Endeffekt nicht mal wirklich gelernt.
Es ist einfach die zeitliche Positionierung in meinem Tagesablauf und der Zeitaufwand, welcher bei weitem nicht so gro√ü w√§re, w√ľrde man mir einfach nur die Aufgaben f√ľr die jetzige Stunde geben und mich arbeiten lassen.
Ich bin in einigen Fächern meist unterfordert und erhalte bereits Sonderaufgaben von meinem Englisch- und Geschichtslehrer, allerdings hilft dies nur in den Fächern von besagtem Lehrer.

Ich will es so ausdr√ľcken: Dadurch, dass ich mich so ausgebremst f√ľhle, habe ich diese Fehlzeiten, aber ich nutze diese, um auszuspannen und Dinge in Ordnung zu bringen. Dadurch f√§llt es mir leichter, generell weiter zu machen und mich zu organisieren. Meine Noten leiden darunter nicht, da ich den Stoff in der Schule hier zu Hause vor- und nachbearbeite.
Ich m√∂chte gerne nach dem Abi IT studieren und den Master draufsetzen, einen konkreten Berufswunsch habe ich noch nicht, allerdings lerne ich gerade meine zweite Programmiersprache und w√ľrde generell mehr √ľber s√§mtliche Themengebiete erfahren, nur ist unser Unterricht nicht wirklich daf√ľr gedacht, anscheinend - wir werden allein auf das IT-Abitur vorbereitet, allerdings fehlen uns die Hintergr√ľnde und das ist in meinen Augen sehr schade =/

Um eine Aussprache habe ich mich bem√ľht, jedoch ist das ganze ein wenig komplizierter und mir ehrlich gesagt auch zu pers√∂nlich, als dass ich es hier hinschreiben m√∂chte. Wenn du willst, kannst du mir ja ne PN schreiben, dann kann ich es dir ja erl√§utern :slight_smile:

Die Hochbegabung habe ich nicht weiter verfolgt und sehe auch t√§glich, dass es daf√ľr keine wirklichen Anzeichen gibt, da es Sch√ľler gibt, die besser sind als ich - ich f√ľr meinen Teil bin in allen F√§chern durchgehend gut mit einer St√§rke in IT/CT. Das sehe ich nicht wirklich als eine Hochbegabung an.

Ich habe vereinzelt Freunde, allerdings wende ich mich nur ab und zu an diese - ich w√ľrde doch auch nicht st√§ndig von der Depression einer anderen Person erfahren wollen, oder? :smiley:

IT klingt gut. Scheint sehr beliebt bei Schwulen zu sein :smiley:

Also läge dir primär an der Aussprache bzw. Fortschritt im privaten Bereich bei Freundschaft/Partnerschaft?