Die Könige der Nacht

warum musstest du das sagen? :cry:
jetzt weiß ich dass ich warten muss, und ich lese jeden teil, mit dem Gedanken:“ich werde wieder nicht erfahren wer oder was 293359 ist” :confused:

als leser hast du mich mit dem ersten teil trotzdem

und ich finde sicher auch spaß einfach zu raten bis zum ender wer oder was 294459 ist.

ein teil pro woche sagtest du?
dann warte ich.

und wenn alles schiefgeht baut noah eine arche
ich glaube auf seiner seite zu sein ist gar nicht so schlecht

Du könntest aber mitraten, wer oder was 293359 ist, Pferdinant :wink:

Hier Teil 2 des ersten Kapitels. Viel Spaß…

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Es zeigte sich wieder einmal, dass Angst ein profanes Mittel sein kann Menschen zu Höchstleistungen anzutreiben. Unter der Führung von Brigadier General van Bruck und der Frau mit der Maske durchkämmten die zehn Trupps der GPD die komplette Stadt. Nicht ein Stein blieb auf dem anderem. Achtzig speziell trainierte und von Furcht getrieben Soldaten. Nur dazu da, ein einzelnes Kind zu finden. Doch auch wenn die Einsatzkräfte sich über die Notwendigkeit eines solchen Aufgebotes wunderten, so trieben die Worte des Generals und der tragische Tod des Captains jeden aufkeimenden Zweifel sofort beiseite. Mit größtmöglicher Sorgfalt führten sie ihren Befehl aus. Und so kam es, dass nach stundenlanger Erfolgloser Suche doch noch das Alarmsignal in den Headsets der Soldaten ertönte.

„GPD-3 meldet, Zielperson gesichtet! Flieht Richtung Osten! Wir haben zwei Männer verloren! Ich wiederhole, haben zwei Männer verloren! Over!“
„GPD-6 meldet Feinkontakt! Drei Soldaten verwundet! Ich wiederhole, drei Soldaten verwundet! Erbitten Einsatz von Rettungskräften! Over!“
„An alle Einheiten. Block um letzte bekannte Position abriegeln! Bei Sichtung Zielperson kampfunfähig machen. Keines Falls entkommen lassen. Over!“, hallte die eisige Stimme von van Bruck in den Ohren der Männer.

„GPD-1 hat verstanden!“
„GPD-2 hat verstanden!“
„GPD-3 hat verstanden!“
„GPD-4 hat verstanden!“
„GPD-5 hat verstanden!“
„GPD-6 hat verstanden!“
„GPD-7 hat verstanden!“
„GPD-8 hat verstanden!“
„GPD-9 hat verstanden!“
„GPD-10 hat verstanden!“

Mit einem Grinsen auf den Lippen öffnete der junge Brigadier General das GPS System an seinem linken Unterarm. Nur wenige Millisekunden später leuchtete eine dreidimensionale holographische Karte des Blocks auf in dem sich das Zielobjekt befand. Mehrere grüne Figuren stellten die Soldaten dar, welche sich formierten und eine scheinbar undurchdringbare Barriere bildeten. Sichtlich zufrieden wand sich van Bruck zu seiner Begleiterin um und nickte ihr zu. Ein kurzes metallisches glänzen leuchtete in ihren Augen auf ehe sie im Dunkel der Nacht verschwand. Van Bruck schaute ihr noch kurz nach ehe auch er sich mit einem tiefen Seufzen auf die Straßen begab und ruhig in Richtung Zielgebiet schritt.

Mit zittrigen Beinen saß eine kleine Gestalt hinter einem Pfeiler eines verlassenen Fabrikgebäudes. Der enge Kampfanzug hing nur noch in Fetzen an ihrem schlanken Körper. Das Gesicht von einer schwarzen Kapuze bedeckt, hörte man sie keuchend nach Luft schnappen. Schweißtropfen liefen an ihrem Kinn hinab, tropften auf den Boden und hinterließen eine kleine Pfütze auf dem Beton. Nach einer Weile normalisierte sich die Atmung der Gestalt wieder. Schließlich fassten zwei zarte Hände an die Kapuze und offenbarten das zarte Gesicht eines Jungen.

Gäbe es einen Standard für menschliche Schönheit, so hätte man sein Gesicht als Referenz hernehmen können. Die Nase, der Mund, die Gesichtsform, alles an ihm schien perfekt. Selbst das hübscheste Mädchen in einem der zahllosen Bordellen würde bei seinem Anblick vor Neid erblassen. Auf dem Sklavenmarkt würden sich die Gebote für einen Jungen wie ihn überschlagen. Nicht einmal die Tatsache, dass sein rechtes Auge unter einem schwarzen Verband verborgen blieb, tat seinem Aussehen einen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Es gab seiner Schönheit nur einen gewissen mysteriösen Hauch. Doch er wirkte erschöpft. Sein kurzes blondes Haar lag zerwühlt und klatschnass auf seinem Kopf. Überall, wo die Haut unter den fetzen zum Vorschein kam, konnte man Blut erkennen. Teils war es von ihm, Teils von seinen Verfolgern, welche ihm nun dicht an den Versen klebten und ihm jeden Moment zu stellen drohten. Seine Hände wanderten an seinen linken Oberschenkel. Mit einem Ruck zog er die beiden Wurfmesser heraus welche sich tief in seinem Fleisch eingebettet hatten. Kein Ton glitt ihm dabei über die Lippen. Frisches Blut lief ihm aus den beiden Wunden. Aus einer Tasche holte er sich eine Nadel und Faden und begann die Einstiche notdürftig zu flicken. Schließlich stoppte er so den Blutfluss. Er war müde und schien vollkommen Kraftlos, so als ob er jeden Moment zusammenbrechen würde. Die Strapazen der letzten Stunden waren ihm deutlich anzusehen. Doch sein linkes Auge strahlte giftgrün, gefährlich und fest entschlossen im Dunkel der Fabrikhalle. Wie ein Leuchtfeuer durchdrang dieses unmenschliche grüne Funkeln das Dunkel der Nacht.

Fast lautlos schlichen die übrig gebliebenen knapp siebzig Soldaten um die alte Fabrik. Doch für ihn hallten die Schritte wie ein Donnern in den Ohren. Er wusste genau, dass er sich nicht länger verstecken konnte. Er musste weiter. Fliehen. Rennen. Sein Leben, seine Freiheit, alles hing davon ab. Wäre Sie nicht plötzlich in den Reihen der Soldaten aufgetaucht, er hätte es längst geschafft sich aus der immer enger werdenden Umklammerung zu befreien. Doch mit ihrem Auftreten sanken seine Chancen mit jeder verstreichenden Minute weiter. Aber auch davon würde er sich nicht entmutigen lassen. Er hatte es zu weit geschafft um jetzt aufzugeben. Nie wieder wollte er an diesen Ort zurück. Nie wieder wollte er dieses Leben leben. Sollte es keinen Ausweg mehr geben, würde er lieber selbst sein Leben beenden als wieder in deren Hände zu fallen. Doch so weit war es noch nicht. Rund 400 Meter. Noch ca. 3 Minuten bis sie zu ihm aufschließen würden. Genug Zeit. Er fasste an seinem Gürtel. Kontrollierte seine verbliebenen Waffen. Das große Kampfmesser würde ihm gegen ballistische Waffen nicht helfen können. Er konnte es nur im Nahkampf nutzen. Doch Nahkampf war keine Option. Zu viele Gegner. Zu wenig Zeit. Zwei Wurfnadeln waren noch übrig. Tödliche kleine Waffen. Aber zu wenig waren übrig. Die beiden Wurfmesser aus seinem Bein einbezogen hatte er gerade einmal noch Waffen für vier Kills. Er konnte nur noch rennen und hoffen, dass er ihr nicht in die Arme laufen würde. Zögerlich holte er eine Spritze mit einer rötlichen Flüssigkeit hervor. Seine Letzte verbliebene. Zwei weitere hatte er sich schon verabreicht. Eine dritte Dosis der Droge könnte für ihn im schlimmsten Fall tödlich enden. Aber er war sowieso in einer „Do-or-Die“ Situation. Die geringe Chance auf ein Leben in Freiheit gegen die Möglichkeit wieder eingefangen zu werden und ein Leben lang deren Werkzeug zu sein. Ohne weiter zu überlegen rammte er sich die Nadel in den Arm und injizierte sich die Flüssigkeit. Es brannte höllisch in seinem Arm. Es fühlte sich kurz an, als würden tausende Insekten durch seine Blutbahnen bis hoch in sein Gehirn kriechen und ihn dort von innen auffressen. Er biss die Zähne zusammen. Ertrug ruhig diese unmenschlichen Qualen. Das Brennen verging fast so schnell wie es gekommen war. Die Müdigkeit, jedes Gefühl von Erschöpfung wich aus seinem Körper. Neue Energie fuhr durch seine Muskulatur und brachte diese fast zum bersten. Er drehte seinen Kopf. Sein Auge funkelte in Richtung des Fabrikeingangs. Zwei Minuten noch. Seine Hände zogen die Kapuze wieder über den Kopf. Dann verschwand er lautlos in der Dunkelheit.

„GPD-7 an alle Einheiten! Haben frisches Blut gefunden. Zielobjekt muss sich noch…Ahhhg…“ Ein unterdrückter Schrei beendete abrupt den Funkspruch.
„An alle Einheiten! Sichern sie sämtliche Ein- und Ausgänge! Sechs Trupps im Gebäude, vier Trupps außerhalb! Wir übernehmen ab hier!“
In Windeseile wurde das Gebäude abgeriegelt. Mit Tasergewehren am Anschlag warteten die nervösen Soldaten nur darauf, dass sich von irgendwoher ein Schatten auf sie zu bewegte. Ohne zu zögern würden sie dann den Abzug betätigen und ihre Mission erfüllen. Sie alle mussten schmerzlich erfahren, was es hieß bei diesem Auftrag unaufmerksam zu sein. Zwölf Kammeraden waren in den letzten acht Stunden gefallen. Alle durch die Hand dieses verdammten Jungen. Diese scheinbar einfache Mission entpuppte sich für die Männer immer mehr als Albtraum. Schon lange jagten sie kein unschuldiges Kind mehr, sondern einen lautlosen und scheinbar unermüdlichen Killer. Ruhige Schritte durchbrachen die gespenstische Stille der Fabrikhalle als van Bruck langsam durch den Haupteingang schlenderte. Im Gegensatz zu den angespannten Soldaten wirkte der Brigadier General ruhig, ja nahezu entspannt.

„Das Gebäude ist umstellt! Sei ein braver Junge und gib auf“, hallte seine Stimme durch die Halle. Keine Antwort. Nur die schweren Schritte unterbrachen die Stille.
„Um ehrlich zu sein bin ich etwas enttäuscht von dir. Du hast dir solche Mühe gegeben bei deiner Flucht. Und dann lässt du so viele von deinen Verfolgern am Leben? Da hätte ich wirklich mehr von dir erwartet!“
Er lief weiter durch die Fabrik. Seine Schritte waren ruhig und ohne jegliche Hektik. Fast als ob jemand einen Nachmittagsspaziergang durch den Park machte. Plötzlich. Ein Blitzen. Metallisches Ringen gefolgt von einem dumpfen Aufschlag. Zwei Meter von van Bruck entfernt sackte ein Soldat in sich zusammen. Er wird nie wieder aufstehen können. Eine Nadel hatte seinen Hals durchbohrt. Ohne sich auch nur im Entferntesten für den Gefallenen zu interessieren schritt der General weiter durchs Gebäude. Das Schwert, mit dem er die tödliche Nadel umlenkte, fest in der Hand.
„Deine Spielzeuge sind nutzlos gegen mich. Noch zwei, vielleicht drei Jahre und du wärst ein ernst zu nehmender Gegner. Aber noch bist du meilenweit davon entfernt. Ergib dich jetzt und ich verspreche dir bei meiner Ehre, dass dir nichts Schlimmes geschehen wird! Eine kleine Strafe muss natürlich sein, aber das hält ein großer Junge wie du doch sicher aus!“
Mit diesen Worten wandte er sich um und blickte hinauf zu einem der Oberlichter, nur um gerade noch einen Schatten daran vorbei huschen zu sehn. Sein eiskaltes Grinsen wurde nur noch kälter als er zum Treppenhaus sprintete und sich hinauf aufs Dach begab. Oben angekommen erblickte er sein Ziel am Abgrund stehen. Gestellt von der weiß maskierten Frau. Zwei Messer waren tief in seinen Schultern eingebettet. Blut tropfte von seinen Fingerspitzen hinab auf den Boden. Er schwankte bedenklich. Es sah so aus, als würde er jeden Moment kollabieren. Doch das grüne Auge funkelte weiter fest entschlossen seine beiden Angreifer an. Bei dem Anblick des Jungen schob van Bruck sein Schwert zurück in die Scheide, ging leicht in die Hocke und streckte einen Arm aus.

„Komm her! Du hattest dein Vergnügen. Jetzt geht es zurück nach Hause. Du weißt genau, dass es vorbei ist. Deine Chancen jetzt noch zu fliehen liegen bei gerade einmal 0,05 Prozent. Es ist also eigentlich Zwecklos weiter Widerstand zu leisten!“
Van Bruck grinste selbstgefällig während die Frau emotionslos jede kleine Regung des Jungen durch ihre Maske beobachtete. Dieser schaute sich um. Es war tatsächlich zwecklos. Seine Analyse der Situation brachte ihm genau das gleiche Ergebnis, welches ihm auch der Brigadier General offenbarte. Wäre er nur ein wenig schneller gewesen. Dreißig Sekunden mehr und er hätte es geschafft zu fliehen bevor Sie eintraf. Es war vorbei. Alles umsonst. Nun blieb ihm nur noch eine Option, wenn er nicht wieder zurückgebracht werden wollte. Er mühte sich gerade zu stehen. Mehr und mehr Blut lief aus den Wunden an seinen Schultern. Wieder ein kurzes flackern. Dann zuckte er kurz zusammen und ging unweigerlich in die Knie. Fast schon gleichgültig starrte er auf die beiden Messer die knapp über der Kniescheibe gut zehn Zentimeter tief in seinen Beinen steckten. Er atmete kurz aus, verdrängte den Schmerz. Keuchend richtete er sich wieder auf, spuckte einen Mund voll Blut aus und starrte die beiden an.
„Jetzt sind es nur noch 0,01 Prozent!“, sprach van Bruck fast schon hämisch, „mach es uns nicht schwerer als es sowieso schon ist. Sei ein guter Junge und komm freiwillig mit. Ich könnte auch ein gutes Wort für dich beim Straftribunal einlegen. Schließlich hast du, bis auf deine lausige Mortalitätsrate, hervorragende Fortschritte bei deinen Fähigkeiten gezeigt!“
„Ich werde niemals mit ihnen zurückkehren,“ keuchte der Junge vollkommen entkräftet, „0,01 Prozent? Ich befürchte fast, sie haben einen Faktor vergessen van Bruck.“ Dieser zuckte mit den Augenbrauen. Langsam stellte er sich wieder auf. Kerzengerade wie ein Speer stand er nun da und begann zu lachen.
„Ach? Jetzt bin ich aber neugierig! Dann erzähl mir mal welcher Faktor das denn wäre?“
Die Lippen des Jungen öffneten sich und formten ein fast verzweifelt wirkendes Lächeln.
„Glück!“, sagte er leise fast zu sich selbst und lies sich nach hinten fallen. Die maskierte Frau hechtete noch hinterher, doch sie verpasste den Jungen um Haaresbreite.
„Scheiße!“, fluchte van Bruck los, rannte zum Abgrund und blickte am Dach hinunter auf eine Wolke aus aufgewirbelten Staub und Schutt.

Stunden später stand van Bruck mit furchteinflößender Miene am Exerzierplatz der Militärbasis. Vor ihm befanden sich auf dem kalten, dreckigen Boden zehn Soldaten. Auf allen Vieren, die Köpfe gesenkt und mit zitternden Gliedmaßen warteten sie auf ihre Exekution. Angstschweiß lief ihnen kontinuierlich von der Stirn und bildete kleine Pfützen auf dem Boden. Van Bruck war außer sich vor Wut über das Fehlschlagen der Mission. Und diese armen Teufel würden das Ventil für den Zorn des Brigadier Generals sein. Es waren die zehn Truppführer der eingesetzten GPD-Trupps. Eine Kugel nach der anderen wanderte in das Magazin der Silbernen P220 X-Six bis sich schließlich genau Zehn .45 ACL Patronen darin befanden. Sanft streichelte van Bruck den Schlitten seiner Waffe. Er liebte den fast schon nostalgischen Charme dieser zeitlos schönen Pistole. Mit einem klicken war sie durchgeladen. Langsam schritt er auf die zitternden Soldaten zu. Die ersten begannen zu weinen wie kleine Kinder. Letztendlich hatte jeder Angst vor dem Tod. Er legte den Lauf auf den Hinterkopf des ersten Mannes. Unterdrücktes wimmern durchbrach die Ruhe des gerade angebrochenen Tages. Ein bis zwei Minuten später waren die Schritte des Generals und seiner Begleiterin das einzige was noch auf dem Exerzierplatz zu hören war.

„Weißt du Moon“, sprach van Bruck zur Frau, „es ist ein Jammer das seine Leiche im Kanal gelandet ist. Die Paar Ampullen Blut von ihm werden kaum reichen um das Projekt noch einmal zu wiederholen. Wirklich Schade. All die Mühen letztendlich umsonst.“ Er steckte sich eine Zigarette in den Mund. Das Relaxans, welches dem Tabak beigemischt wurde, brachte ihm ein wenig Entspannung. Nach nur wenigen Zügen wandelte sich seine grimmige Miene wieder zu einem eiskalten Lächeln. Ein Hubschrauber schob sich mit lautem Getöse in die Luft und hinterließ eine Staubwolke über dem Boden. Als der aufgewirbelte Staub sich wieder legte, war das Fluggerät bereits verschwunden.

hm dann habe ich es falsch verstanden, ich dachte man erfährt nichts über 293359
bis zum ende :confused:

dann stört es mich nicht,
wir habe jetzt ja ein bisschen über das aussehen erfahren,
und dass es isrgendein projekt ist

zum neuen teil, ich habe ihn mit elan gelesen

ich hätte jetzt aber eine kleine frage:

ist mit seiner leiche jetzt 293359 gemeint?
oder ist es auf eine unbekannte person bezogen?
293359 hat ja auch irgendwoher die spritze, mit dem blut (ich vermute mal, dass es blut ist)

ich finde van bruck toll gestaltet

Wow, ich muss sagen, das Kapitel hat mich ziemlich gefesselt. Bin gespannt, wie fesselnd du weniger actionreiche Kapitel gestaltest :wink:

Nachdem man bezüglich 293359, den Versuch unternehmen könnte, ihn auf “ein gescheitertes Experiment/eine Anomalie” oder “einen Außerirdischen” einzugrenzen, stellt sich jetzt die Frage, wer oder was Moon ist und woher 293359 sie kennt.

Moon ist

  • Ebenfalls Teil des Projekts, nur im Gegensatz zu ihm etwas älter und fertig ausgebildet
    [list]
    [*] und seine Rivalin
  • und seine Schwester, bei der jedoch im Gegensatz zu ihm die Gehirnwäsche erfolgreich war
    [/:m]
    [
    ] Seine “Mutter”, also die wissenschaftliche Mitarbeiterin, die ihn “betreut” hat und deshalb extrem gut kennt[/*:m][/list:u]

Van Bruck ist wahrscheinlich der Leiter des Projekts und die Flaschen hat 293359 wohl dort gestohlen. Schmerzen scheint er auch nur bei Einnahme des Mittels zu haben, welches wiederum mindestens Adrenalin zu enthalten scheint. Aber ist 293359 das einzige Versuchsobjekt oder ist nur sein Blut optimal?

Hallo Pferdinant,

Naja man erfährt nicht komplett Wer oder Was er wirklich ist. Jetzt noch nicht. Ein paar kleine Hinweise erhält man noch im dritten Teil von Kapitel 1. Zur Leiche, van Bruck und Moon (die Frau mit der Maske) sprechen hier von 293359. Ich muss mich echt zusammen reißen das nächste Kapitel nicht jetzt schon zu posten.

Soooo, pünktlich zum Freitag Der dritte Teil des ersten Kapitels. Viel Spaß beim lesen…

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Zur selben Zeit, nur wenige Kilometer entfernt in einem Randgebiet der Stadt. Eilige Schritte hallten durch eine schmale Gasse. Zwei Jungen rannten barfuß wie besessen durch ein Labyrinth aus Häusern und Hinterhöfen. Ihre zerrissene und schmutzige Kleidung klebte vom Schweiß durchnässt an ihren Körpern. Der größere von den Beiden trug zusätzlich einen alten Leinensack, welcher notdürftig mit Flicken zusammengehalten wurde auf seiner Schulter. Er konnte nicht älter als zwölf Jahre gewesen sein. Sein schmutziges, blasses Gesicht zeigte zwar schon erste maskuline Züge, doch diese vermochten es nicht über sein junges Alter hinweg zu täuschen. Sein braunes Haar klebte ihm verfilzt und schmutzig auf der Kopfhaut. In seinen grauen, traurigen Augen spiegelte sich der harte Überlebenskampf der Straße wieder. Eine lange Narbe zierte seine rechte Wange. Der Kleinere der beiden Jungs war, rein vom Aussehen her, eine jüngere Kopie des anderen. Es war deutlich sichtbar, dass die beiden Geschwister waren. Doch im Gegensatz zu seinem älteren Bruder war der Kleine verhältnismäßig sauber und gepflegt. Auch seine Haut hatte eine gesündere Farbe als die seines Bruders. Immer wieder wendete er seinen angsterfüllten Blick prüfend über die Schulter. Schweißperlen standen ihm auf seiner Stirn. Auch wenn ihr Verfolger nicht mehr zu sehen war, wagten sie es nicht ihre Schritte zu verlangsamen. Die Hände fest ineinander verhakt, schleifte der ältere der beiden seinen kleinen Bruder so schnell er nur konnte hinter sich her.

„Ich kann nicht mehr Ace!“, keuchte der Kleine schließlich vor Erschöpfung leise hervor.
„Komm schon Fabi, nur noch ein Stück und wir sind am Versteck. Wenn der alte Schlachter uns kriegt sind wir erledigt!“, gab der Junge, der Ace genannt wurde, hastig zurück.
„Den haben wir doch schon lange hinter uns gelassen. Bitte Ace meine Beine tun so weh!“
„Hör auf zu jammern und lauf weiter!“
Wiederwillig gab Fabi seinen Protest auf und folgte seinem Bruder keuchend weiter. Seit Jahren lebten die beiden alleine auf der Straße. Und Ace tat alles um seinen kleinen Bruder das Leben so gut wie möglich zu gestalten. Er brachte ihm Lesen, Schreiben und sogar etwas Rechnen bei und sorgte sich auch sonst liebevoll um ihn. Doch das Leben auf der Straße war hart und gefährlich. Ein möglichst sicheres Versteck zu finden war eine fast unlösbare Aufgabe. Schwieriger noch war es genügend Nahrung für sie beide zu finden. Eine Möglichkeit für Straßenkinder war es, auf den Müllkippen nach etwas Essbarem zu suchen. Doch in Zeiten allgemeiner Nahrungsknappheit war dieses Unterfangen selten von großem Erfolg gekrönt. Wenn überhaupt, waren die aufgefundenen Nahrungsmittel entweder kaum noch essbar oder es entbrannten Kämpfe mit den anderen Suchern, welche nicht selten tödlich endeten. Die weitaus vielversprechendere Option war es zu stehlen. Natürlich war auch das Risiko bei einem solchen Unterfangen ungemein größer. Jedoch überwog oftmals der Wunsch ein frisches Stück Brot, etwas Obst oder Gemüse oder gar ein wenig Wurst essen zu können. So auch bei den beiden Brüdern. Nachdem sie tagelang nichts Genießbares zu essen fanden, beschlossen sie an einem frühen Morgen, wenn der alte Schlachter mit dem zerlegen des Schlachtviehs beschäftigt war, in die Schlachterei einzubrechen. Ein kühner Plan, glich die alte Schlachterei doch fast schon einer abgeriegelten Festung. Aber die beiden hatten Glück. Eine Seitentür war nicht wie gewöhnlich verschlossen und so gelang es ihnen ins Innere des Gebäudes zu gelangen und ihren mitgebrachten Beutel mit allerhand Fleischabfällen welche für die Hunde gedacht waren zu füllen. Genug um mindestens ein bis zwei Wochen zu überleben. Doch ihre Tat blieb nicht unbemerkt. Gerade als die beiden sich in Sicherheit wähnten, wurden sie durch das laute Gebell der Kettenhunde in die Realität zurückbefördert. Nur durch die Opferung einiger Fleischbrocken konnten sie den blutrünstigen Bestien überhaupt entkommen. Doch der alte Schlachter blieb ihnen bis vor kurzem dicht auf den Fersen.

Die Brüder freuten sich ihres Lebens, als die steinerne Brücke welche über den Abwasserkanal führte, in Sichtweite geriet. Nur noch wenige Meter und sie würden ihr Versteck, einen verlassenen Wartungsraum in einem der meterdicken Brückenpfeiler erreichen. Alle Erschöpfung war im Angesicht des bevorstehenden Festmahles vergessen. Schneller, immer schneller sprinteten sie auf ihren Zufluchtsort zu. Nur noch eine steile Böschung trennte sie von dem Versteck. Doch als die Jungs gerade dabei waren das Gestrüpp, dass den Eingang notdürftig tarnte beiseite zu schieben, spürte Ace plötzlich eine schwere Hand auf seiner Schulter. Erschrocken drehte sich der Junge um und blickte in das grimmige, von Narben zerfurchte Gesicht eines großen muskulösen Mannes. Der alte Schlachter hatte die beiden gefunden.
„Ihr kleinen Bastarde klaut meinen Hunden das Futter und denkt, ihr kommt so einfach davon? Habt ihr wirklich geglaubt, ich würde euch nicht finden?“, hallte die kratzige Stimme des Schlachters unter der Brücke. Er packte Ace am Hals und schleuderte ihn an den Brückenpfeiler. Ein markerschütternder Schrei fuhr aus der Kehle des Jungen als er an der Betonwand aufschlug. Blut lief ihm aus einer Platzwunde an der Stirn. Er kroch hustend auf den Boden und mühte sich, nicht Augenblicklich das Bewusstsein zu verlieren.
„Ace!“, rief er schluchzend zu seinem Bruder hinüber. Mit angsterfülltem Gesicht stand Fabi wie angewurzelt an Ort und Stelle und wagte nicht sich zu bewegen. Er wimmerte. Tränen liefen ihm aus den Augen als er seinen verletzten Bruder sah.

„Lauf Fabi, bring dich in Sicherheit! Mach schon verdammt!“ Doch der Kleine fand nicht die Kraft wegzurennen. Selbst als der Schlachter immer weiter auf ihn zuschritt, wollten seine Beine sich nicht in Bewegung setzten. Und dann war es auch schon zu spät. Die Pranken des Mannes schlossen sich um seinen Hals und drückten ihn gegen die Wand.
„Du bist ja ein ganz süßer kleiner Bastard“, sprach er als er Fabi mit gierigem Blick von oben bis unten musterte, „Ich kenne genügend Leute die sich nach einem Prachtstück wie dir die Finger lecken würden. Du bringst mir sicher ein schönes Sümmchen ein. Aber zuerst werde ich ein wenig Spaß mit dir haben.“ Dabei griff sich der Schlachter mit seiner freien Hand in seine blutbefleckte Arbeitshose und holte seinen Penis hervor. Fabi versuchte sich aus dem Griff zu befreien, doch vergebens. Heulend zappelte er, versuchte sich zu wehren, schlug nach dem großen Mann. Aber dieser zeigte sich davon gänzlich unbeeindruckt. Er drehte den kleinen Jungen um, zwang ihn in eine gebückte Haltung und riss ihm die Stoffhose vom Hintern. Gerade als er seinen Penis an Fabis Po ansetzte, sprang Ace mit letzter Kraft auf den Schlachter und Biss ihm so fest er nur konnte in den Arm. Dies zeigte Wirkung. Mit schmerzverzerrtem Gesicht ließ er von Fabi ab, packte Ace am Genick und schleuderte ihn wieder zu Boden.
„Lauf schon Fabi, bitte!“, rief er heulend seinem Bruder zu.

„Du verdammte Missgeburt!“, rief der Mann nun wutentbrannt und trat den am Boden liegenden Jungen in den Bauch. Dieser spuckte Augenblicklich einen Mund voll Blut aus.
„Aus dir werde ich einen schönen Sonntagsbraten machen“, sprach er bedrohlich, „und deine Knochen geb ich den Hunden zum abnagen. Und der Kleine hier wird bald nichts weiter sein als ein Sexspielzeug in irgendeinem gottverdammten Bordel. Das kommt davon, wenn kleine Bastarde es wagen bei mir zu stehlen.“ Mit diesen Worten bückte er sich zu Ace und packte seinen Kopf.
„Sag auf Wiedersehn du Ratte“, hauchte er Ace ins Ohr. So sehr er es auch wollt, konnte er sich nicht gegen den Schlachter wehren. Resigniert schloss er die Augen. Es war vorbei. Sein letzter Gedanke galt seinem kleinen Bruder und dem Schicksal, dass er wohl von nun an erleiden musste. Ein Schicksal, weit schlimmer als getötet und von Hunden gefressen zu werden. Eine letzte Träne lief ihm aus dem Augenwinkel.
„Mama, Papa…es tut mir leid. Ich hab versagt“, murmelte er nur für sich hörbar.
„Nein, Ace! Bitte nicht, bitte!“, rief der Kleine immer wieder voller Verzweiflung.

Dann…ein Röcheln. Etwas Warmes und nasses landete auf Aces Gesicht. Es roch nach Eisen und Erbrochenem. Ace öffnete die Augen und blickte in das erstaunte Gesicht des Schlachters. Seine weit aufgerissenen Augen spiegelten Verwirrung und Ungläubigkeit wieder. Mit dem Mund voller Blut, immer noch nicht verstehend was geschehen war, löste sich der feste Griff des Mannes. Eine weitere Ladung aus dem Mund ergoss sich über den Jungen ehe der Schlachter mit einem letzten erstickten Röcheln zur Seite kippte und die Umrisse einer Gestallt frei gab.

Klatschnass und mit zitternden Beinen stand ein Junge vor den beiden Brüdern. Seine Kleidung hing nur noch in Fetzen von seinem Körper. Ein langes Messer steckte in der Scheide am rechten Oberschenkel. Unzählige Wunden zierten den Körper des Kindes. Am auffälligsten waren zwei große Löcher in den beiden Schultern. Ein Auge war mit schwarzen Stofffetzen bedeckt. Das andere leuchtete in einem giftig grün und fixierte mit seiner stecknadelkopfgroßen Pupille den toten Schlachter. Er atmete schwer und unregelmäßig. Schließlich sackte er in sich zusammen. Die Brüder starrten immer noch wie gebannt auf die am Boden liegende Gestalt. Eine gespenstische Atmosphäre lag in der Luft. Schließlich begann Ace vorsichtig in Richtung des Jungen zu kriechen. Das Leben auf der Straße hatte ihm gelehrt misstrauisch gegenüber Fremden zu sein, auch oder gerade weil es sich hier um ein fremdes Kind handelte. Und auch wenn dieser Junge ihm und seinem Bruder das Leben gerettet hatte, so galt es doch erst einmal vorsichtig zu sein. Langsam drehte er den nassen Körper des Jungen um. Als er die Vielzahl an Verletzungen von nahem betrachtete, blieb ihm der Atem weg und er fiel unweigerlich nach hinten um.
Zwischenzeitlich war auch Fabi wieder an die Seite seines Bruders gekommen und starrte ebenso schockiert auf den Jungen hinab.

„Was ist mit ihm? Wo kommt der plötzlich her?“, fragte dieser immer noch perplex.
„Keine Ahnung. Vielleicht aus dem Kanal. So wie er aussieht ist er aber eh schon mehr tot als lebendig.“
„Hat er den Schlachter umgebracht?“ Ace drehte seinen Kopf zur Seite und starrte wie gebannt auf den Leblosen Körper ihres Angreifers. Bei genauerem Hinsehen entdeckte er ein längliches metallisch glänzendes Objekt welches im Hinterkopf des Mannes eingebettet war.
„Ich glaube schon ja“, antwortete Ace schließlich.
„Was solln wir jetzt mit ihm machen?“, fragte Fabi weiter, „wir können ihn doch nicht einfach so hier sterben lassen! Wir verdanken ihm schließlich unser Leben!“ Ace starrte den Jungen der kaum älter sein konnte als er selbst an. Er wusste selbst nicht, was er tun sollte. Einerseits kannte er ihn ja nicht mal. Jeden Tag sterben irgendwelche Leute auf der Straße. Was ging ihm da das Schicksal eines anderen etwas an. Andrerseits hatte sein Bruder recht. Dieser Junge hat ihm das Leben gerettet und seinen Bruder vor einem noch schlimmeren Schicksal bewahrt. Zögerlich fasste er in seine Hosentasche und holte einen golden glänzenden Gegenstand hervor. Es war eine Alte Taschenuhr. Sanft strich er mit den Fingern über das Gehäuse. Diese Uhr war alles, was von ihren Eltern übriggeblieben war als sie damals durch einen der Bombenangriffe starben. Die Bilder dieses Tages hatten sich fest in seinem Gedächtnis eingebrannt und spielten sich nun wieder vor seinem inneren Auge ab. Er öffnete den Deckel, nahm das darin aufbewahrte Foto einer kleinen Familie heraus und reichte die Uhr seinem Bruder.

„Hier, lauf zum Doc und bitte ihn hier her zu kommen. Die Uhr sollte als Bezahlung reichen. Beeil dich. Ich weiß nicht wie lange der noch durchhält!“
„Aber, die Uhr…“, wollte Fabi einwenden, wurde aber abrupt unterbrochen.
„Scheiß auf die Uhr. Wir verdanken ihm unser Leben. Jetzt lauf!“ Ohne ein weiteres Wort zu sagen nahm der Kleine die Uhr an sich und sprintete los während Ace bei dem Jungen sitzen blieb, nicht ahnend, dass dieser die beiden die ganze Zeit genau beobachtet hatte. Ace betrachtete ihn nun zum ersten Mal genauer. Er musste zugeben, dass der Kerl für einen Jungen ein echt hübsches Gesicht hatte. Er war sich ziemlich sicher, dass er wenn überhaupt noch nicht lange auf der Straße leben konnte. So jemand wäre schon längst eingefangen und auf dem Sklavenmarkt verkauft worden. Auch die Kleidung oder eher das was davon übrig ist wirkte nicht wie etwas, dass man an jeder Ecke finden konnte. Aber vor allem das lange Kampfmesser erweckte seine Neugierde. Vorsichtig griff er danach und zog es aus der Scheide. Fasziniert betrachtete er das glänzende Metall. Er hatte noch nie in seinem Leben solch ein hochwertiges Messer gesehen. Besonders der fein eingravierte Skorpion unterhalb der Blutrinne faszinierte ihn. Langsam führte er das Messer an seinen Finger um die Schärfe zu testen. Die Schneide hatte den Finger kaum berührt als ein Tropfen Blut aus dem Zeigefinger lief. Er starrte den Jungen wieder an, genauer gesagt, dass verbundene Auge. Vorsichtig griff er an den Verband als plötzlich eine Hand an seinem Arm fuhr und ihn davon abhielt den Verband runter zu ziehen. Erschrocken starrte Ace den Jungen an.

„Lass es“, keuchte der Junge erstickt.
„Du…du bist wach? Ich dachte du wärst…“, stammelte Ace, „auf jeden Fall…da…danke, dass du uns gerettet hast!“ Der Junge nickte nur. Er atmete immer noch schwer. Schweiß stand ihm auf der Stirn. Ace legte Sachte eine Hand auf seine Wange.
„Du glühst ja. Ich befrei dich mal von diesen Fetzen und hol dir ein wenig Wasser“, sprach er, nahm das Messer und begann das Shirt vom Körper des Jungen zu schneiden. Zum Vorschein kam ein perfekt trainierter Muskulöser Körper. Doch er war mit klaffenden Wunden übersäht. Ace schlug bei diesem Anblick erschrocken die Hand vor dem Mund. Dann riss er sich trotzdem zusammen, nahm einen der Stofffetzen und ging zum Kanal um diesen mit Wasser zu tränken. Behutsam legte er diesen auf die Stirn des Jungen. Er betrachtete ihn weiter bis seine Augen schließlich an einer Tätowierung am linken Handgelenk stehen blieben.
„293359? Was soll das bedeuten? So eine Art Code oder so was?“, fragte er. Doch der Junge antwortete nicht.
„Bist ja nicht sehr gesprächig. Ich bin übrigens Ace, eigentlich ja Alexander. Aber alle nennen mich nur Ace. Selbst meine Eltern nennen…nannten mich nur so.“ Plötzlich verdunkelte sich seine Miene. Er wirkte nun traurig und niedergeschlagen. Mit angezogenen Beinen saß er neben dem Jungen. Tränen liefen ihm ruhig aus den Augen, doch er wischte diese sofort wieder weg. Der Junge beobachtete ihn genau, sagte jedoch kein Wort.
„Weißt du, Ich und mein Bruder sind hier ganz alleine“, fuhr er fort, „wir haben nur noch uns und er bedeutet mir alles. Ich bin dir so dankbar für das was du getan hast. “. Wieder wischte er sich die Tränen aus dem Gesicht. Der Junge beobachtete ihn die ganze Zeit ohne auch nur einmal zu blinzeln. Letztendlich weitete sich die winzige Pupille zu einer normalen Größe.
„Ich bin Noah“, sprach er schließlich fast erstickt, bevor er diesmal wirklich in Ohnmacht fiel.

Das schwache Licht einer alten Gasleuchte erhellte den kleinen Wartungsraum. In einer Ecke saßen Ace und Fabi. Auf dem Boden lag Noah komplett entkleidet. Er war immer noch bewusstlos. Über ihn beugte ein Mann mittleren Alters. Er trug einen schmutzigen weißen Kittel, eine notdürftig reparierte Brille und ein Stethoskop um den Hals. Neben sich auf dem Boden hatte er eine große Ledertasche gefüllt mit allerhand Utensilien stehen. Er strich sich das ein oder andere Mal durch das sowieso schon zerwühlte Haar als er vorsichtig Noahs Körper abtastete. Kopfschüttelnd beendete er nach einer Weile die Prozedur.
„Euer Freund hier scheint einiges abbekommen zu haben. Die Knochen müssten aber glücklicherweise in Ordnung zu sein. Er hat sicherlich eine Menge Blut verloren. Sein Herzschlag ist viel zu schnell und sein Blutdruck spielt komplett verrückt. Ich kann seine Wunden versorgen und ihm ein Antibiotikum verabreichen, mehr kann ich aber nicht für ihn tun. Der Rest hängt ganz allein von ihm ab.“
„Ist es so schlimm Doc?“, fragte Ace schließlich.
„Er scheint sich irgendeine Substanz injiziert haben. Ich tippe da auf militärische Stimulantien den Symptomen nach zu urteilen.“
„Wie militärisch?“, sprach Fabi, „ist er etwa so eine Art Soldat?“
„Sehr gut möglich“, antwortete der Doktor, „dazu würde auch diese Tätowierung an seinem Handgelenk passen.“ Während er sprach versorgte er die Wunden des Jungen. Die Brüder sahen ihm zu wie er sich Wunde für Wunde an Noahs Körper vorarbeitete. Als er schließlich fertig war, spritzte er ihm noch ein Antibiotikum und legte eine weiter aufgezogene Spritze mit einer grünen Substanz zur Seite.
„Falls er die Nacht überlebt, gebt ihr ihm morgen die zweite Spritze. Darin befindet sich etwas das seine Regeneration anregen sollte,“ sprach er deutlich erschöpft.

„Danke Doc, vielen Dank“, sagte Ace aufrichtig, „ich hoffe die Uhr reicht als Bezahlung.“
„Schon gut, zumindest geh ich nicht ganz leer aus.“ Er packte seinen Koffer wieder zusammen und stand auf. Als er gerade zum Eingang hinausgehen wollte, blieb sein Blick an der Scheide mit dem Kampfmesser hängen welches an einem Nagel an der Wand hing.
„Hatte er das bei sich?“, fragte er nun sichtlich nervös.
„Ja, hatte er. Und ich hab ehrlich gesagt noch nie so ein gutes Messer gesehen“, antwortete Ace.
„Und sie müssen erst mal den Skorpion darauf sehn. Der sieht echt mega cool aus“, warf Fabi ein. Mit weit aufgerissenen Augen starrte der Arzt die beiden an. Er merkte nicht einmal, wie seine Tasche ihm aus der Hand glitt und zu Boden fiel.
„Ein…ein Skorpion sagst du? Bist…bist du dir sicher?“, stotterte der Mediziner.
„Wollen sie ihn sehn?“, fragte Ace.
„Nein, nein, nicht nötig. Ich muss jetzt auch langsam los. Passt auf euch auf Kinder!“ Hastig hob er seine Tasche wieder auf und verschwand in die Dunkelheit.
„Was war dem mit dem auf einmal los?“, wunderte sich der Kleine. Ace zuckte nur mit den Schultern.
„Keine Ahnung. Wir sollten jetzt auch schlafen gehen.“ Mit diesen Worten löschte er das Licht und die beiden legten sich auf ihr mit Stroh bedecktes Lager unwissend das der Doktor immer noch mit zitternden Knien und leichenblass am Brückenpfeiler stand und hastig an seiner Zigarette zog.
„Hoffentlich hab ich nicht einen großen Fehler begangen. Fuck, es war ganz sicher ein Fehler. Ich muss weg. Verdammt hätte ich nur vorher gewusst, dass er einer von denen ist. Scheiße.“ Er schnippte seine Zigarette in den Kanal und lief davon. Seit diesem Tag wurde der Doktor nie wieder in dieser Gegend gesehen.

Okay, 293359 … äh Noah lebt also noch. Wäre auch zu schade gewesen. Den Namen hat er sich doch gerade ausgedacht, oder? Oder hat er sich den schon dort gegeben, wo er ausgebrochen ist? Wahrscheinlich hat bisher noch niemand ihn so genannt.

Also das Messer ist 293359 nicht so wichtig wie sein Auge. Mal sehen, was wir darüber noch erfahren …

Ich hoffe mal, mehr Details wie in der Szene mit dem Schlachter bekommen wir nicht zu sehen :wink:

Hat der Doc nicht die Leiche des Schlachters gesehen? Oder ist das da nichts besonderes? Also ich meine, wenn sich die Straßenjungen gegenseitig umbringen, juckt das wahrscheinlich keinen, aber der Schlachter wird ja sicherlich gesellschaftlich gebraucht, ist also wichtiger.

Glaubt der Doc einfach nur, dass 293359 zu van Brucks kaltblütigen Leuten gehört oder steckt da mehr dahinter?

Wieder sehr spannend und ich hoffe, Ace und Fabi sind nicht nur eine Zwischenstation :wink:

Könnte aber auch sein, das er ganz normal zur Welt gekommen ist und erst etwas später in die Fänge von ban Bruck geraten ist. Vielleicht das Kind einer Mitarbeiterin? :rat:

So und hier der erste Teil von Kapitel 2…

Hoffe ihr seid nicht enttäuscht darüber, dass doch schon zumindest eines geklärt wird…

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2. Fünf Jahre

„Töten, töten, töten!“, schrie das Publikum wie elektrisiert. Die Stimmung befand sich auf ihrem Höhepunkt. Die tobende, nach Unterhaltung dürstende Meute warteten ungeduldig auf das große Finale der ihnen gebotenen Show. Einige zählten schon innerlich die Gewinne, welche sie durch eine gut platzierte Wette erhalten würden. Andere wiederum blickten missmutig auf den hell erleuchteten Käfig und die beiden darin befindlichen Kämpfer. Man konnte an ihren Gesichtern ablesen, dass sie alles andere als zufrieden mit dem Ausgang des Duells waren. Aber so war das nun mal. Nur einer würde den Käfig lebend wieder verlassen. Einer gewinnt, der Andere verliert sein Leben. Und so war es auch beim wettenden Publikum. Die einen gewinnen, die Anderen verlieren.

„Wer von euch will das ich der Fotze den Schädel zerschmettere“, brüllte der Überlegene mit in die Luft gereckten Fäusten dem Publikum entgegen. Es war kein einfacher Kampf gewesen. Auch er hatte mächtig einstecken müssen. Seine Nase war an mehreren Stellen deformiert, die Augen zugeschwollen, die blanken Fäuste mit Blut überströmt. Doch letzten Endes war sein Sieg nach drei harten Runden nahezu besiegelt. Sein Gegner lag regungslos auf den blutbefleckten Boden, das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zerschmettert. Mit einem barbarisch anmutenden Schrei bejubelte der Sieger sich noch einmal selbst ehe er auf den Unterlegenen zuschritt und mit einem Tritt das letzte bisschen Leben aus dem armen Teufel aushauchte. Laut zelebrierend genoss der große Teil des Publikums das ihnen gebotene Spektakel. Es war eines der wenigen Vergnügen, dass den Leuten half, ihren traurigen Alltag für eine kurze Zeit zu vergessen. Selbst die Gefahr, dass einer der Militärtrupps auftauchen könnte und jeden der anwesenden auf der Stelle verhaften würde, schreckte die Massen nicht davon ab dem Spektakel Woche für Woche erneut beizuwohnen. Wieder drehte sich der Sieger jubelnd in der Mitte des Rings und lies sich vom Pöbel feiern. Dann zeigte er wild schreiend auf ein Fenster mit verspiegelten Scheiben, welches sich ein Stockwerk höher befand und von dem aus man den kompletten unteren Bereich überblicken konnte.

Vor dem Fenster stand ein dicker älterer Mann in feinem Anzug. Er hatte graue kurze Haare und große, intelligente Augen. Auf seinem faltigen Gesicht breitete sich ein zufriedenes Grinsen aus. Besonders auffällig war ein großer goldener Ring mit einem protzigen Saphir an seiner rechten Hand. Langsam Schritt er an den großen Hölzernen Schreibtisch, welcher sich inmitten des Raumes befand. Ein scheinbar urzeitliches Model mit opulenten Verzierungen. Dreißig, vielleicht vierzig Jahre früher hätte man solch ein Möbelstück nur in den höchsten Chefetagen der Großkonzerne finden können. Nun stand es in einem improvisierten Büro eines dubiosen Geschäftsmannes und sehnte sich nach dem Glanz längst vergangener Tage. Der Mann setzte sich auf seinen feudalen Lederstuhl, holte aus einer der Schubladen eine Flasche Schnaps und zwei Gläser, sowie zwei dicke Zigarren heraus. Er schenkte einen kleinen Schluck des Alkohols in beide Gläser und schob eines samt Zigarre zu seinem Gegenüber.

„Sie scheinen heute besonders gut drauf zu sein Ceronelo“, sprach der ihm entgegengesetzte junge Mann. Er mochte 16 oder 17 Jahre alt gewesen sein, hatte braune schulterlange Haare, welche zu einem Zopf zusammengebunden waren und dunkle graue Augen. Eine lange blasse Narbe zierte seine rechte Gesichtshälfte. Ruhig saß er auf seinem Stuhl. Er verhielt sich respektvoll seinem Gegenüber jedoch nicht unterwürfig, wie man es aufgrund des offensichtlichen Altersunterschiedes hätte erwarten könnte. Auch der Mann namens Ceronelo blickte keineswegs auf seinem Gegenüber hinab. Für ihn war dieser 16-jährige Junge ein ebenbürtiger Geschäftspartner. Jemand, den man unter keinen Umständen unterschätzen sollte. Dies wusste auch der hünenhafte dunkelhäutige Bodyguard, welcher aufmerksam aus einer Ecke heraus die Geschäfte beobachtete. Vor allem den Begleiter des jungen Mannes, welcher ruhig und mit gesenktem Kopf neben ihm stand, hielt der Riese fest mit seinem Blick fixiert.
„Ace mein Lieber, wie könnte ich an so einem Tag schlecht gelaunt sein“, sprach Ceronelo in seinem italienischen Akzent, „diese Idioten da unten bringen mir Woche für Woche ihr hart verdientes Geld und alles was ich ihnen dafür geben muss, ist ihnen ein wenig Unterhaltung. Und dann kommst du noch und bringst mir dieses niedliche kleine Spielzeug.“ Mit diesen Worten starrte er ein letztes Mal gierig auf die fünf mit bläulicher Flüssigkeit gefüllten Ampullen in dem vor ihm befindlichen Koffer, ehe er diesen vorsichtig schloss.
„Ich frag mich nur, wie kommt ihr an solche Sachen? Bei diesen Schweinen einzubrechen ist quasi Selbstmord. Sag mir nicht ihr habt einen Transport überfallen“, fragte der Italiener während er sich seine Zigarre anzündete. Ace lächelte nur, nahm das Glas und trank es in einem Zug aus.

„Nein natürlich nicht“, lachte Ace ironisch, „wie könnten wir denn schon einen schwer bewachten Waffentransport überfallen?“
„Haha, Junge ich mag dich wirklich. Denk nochmal über mein Angebot nach. Jemanden wie dich könnte ich gut an meiner Seite gebrauchen,“ sprach Ceronelo diesmal vollkommen ernst. Die Atmosphäre im Raum verdunkelte sich ein wenig. Ace zündete sich seine Zigarre an und nahm einen tiefen Zug.
„Vielen Dank für ihr Angebot, aber ich liebe meine Freiheit zu sehr. Auch wenn ich gerne mit ihnen Geschäfte mache, möchte ich es doch lieber dabei belassen.“ Die beiden schauten sich tief in die Augen. Keiner wollte in diesem Augenblick zurückweichen und seinem Gegenüber einen Moment der Schwäche demonstrieren. Ohne den Augenkontakt zu unterbrechen nahm Ceronelo die Flasche und schenkte ihnen beiden nach.
„Dann auf weiter gute Geschäfte“, sprach er schließlich ruhig, hob sein Glas und trank es wieder leer. Ace tat es ihm nach. Ein wenig lockerte sich die Stimmung im Raum wieder.
„Wo wir gerade beim Geschäftlichen sind…“, begann Ace.
„Natürlich, hier wie verabredet. Saubere Identität, 5000 Union Pfund cash Guthaben. Bitte kontrolliere die Karte.“ Mit diesen Worten reichte er Ace eine kleine Chipkarte. Dieser legte die Karte in einen kleinen Apparat, ähnlich einer Armbanduhr, an seinem Handgelenk. Auf dem Display leuchtete eine ID mit seinem Bild und einer Liste persönlicher Daten auf. Er rief ein Untermenü mit den Kontoinformationen auf und prüfte das verfügbaren Guthaben.

„Immer wieder schön mit ihnen Geschäfte zu machen“, sagte Ace und schloss den sogenannten Intelligence-Port.
„Die Freude ist ganz meinerseits. Meine Geschäftspartner suchen ständig nach solch exotischer Ware. Ich kontaktiere dich, wenn ich wieder ein paar „Spielsachen“ für sie brauche.“
„Natürlich, sie wissen ja wie sie mich erreichen können. Wir müssen dann auch los, haben noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen, wenn sie verstehen was ich meine. Wir sehen uns Ceronelo“, Ace stand auf. Ruhig gingen er und sein Begleiter zu Tür.
„Pass auf dich auf, nicht das dir da draußen irgendetwas zustößt!“, rief ihm die zwielichtige Gestalt zu. Man konnte einen drohenden Unterton in seiner Stimme erkennen. Ace und sein Begleiter blieben kurz an der Tür stehen. Zum ersten Mal zeigte der Andere überhaupt irgendeine menschliche Regung. Er hob seinen Kopf. Man konnte nun einen Teil des Gesichtes erkennen. Es war ebenfalls ein junger Mann. Seine Kinnpartie war markant, die Lippen, die Nase, alles war perfekt geformt. Sämtliche kindlichen Züge waren bereits einem markanten maskulinen Charme gewichen. Er hob den Kopf ein wenig weiter. Nun konnte man fast das komplette Gesicht erkennen. Sein rechtes Auge war mit einer schwarzen Bandage bedeckt. Das linke funkelte bedrohlich, fast gespenstisch im Raum. Die stecknadelkopfgroße Pupille ruhte mörderisch auf Ceronelo ehe sie zu seinem Bodyguard wanderte. Die beiden fühlten sich wie in eiskaltes Wasser geworfen. Als wären sie zwei Beutetiere, die von einem hungrigen Raubtier beobachtet werden. Kalter Schweiß lief ihnen den Rücken hinunter. Sie mühten sich nach Kräften ihre Anspannung vor den beiden Jugendlichen zu verbergen. Eigentlich wollte Ceronelo nur noch einmal seine Dominanz zum Ausdruck bringen. Er wollte Ace noch einmal unmissverständlich mitteilen, dass dieses Spiel hier nach seinen Regeln gespielt werden würde. Doch dieses mörderische Auge lies dieses Vorhaben scheitern. Stattdessen machte ihm dieser eine Blick unmissverständlich klar, dass er im Begriff war eine rote Linie zu überschreiten. Eine Linie, die in beiderseitigem Interesse lieber unberührt bleiben sollte.

„Lass gut sein Noah. Wir sollten dankbar sein, dass sich in diesen Zeiten noch irgendjemand um das Wohlergehen seiner Mitmenschen sorgt“, sprach Ace schließlich betont sarkastisch. Noahs zuckte kurz mit den Schultern und lies sein Gesicht wieder wortlos unter der Kapuze verschwinden. Die beiden verließen den Raum und gingen die steilen Treppenstufen der Rettungstreppe hinunter. Kurz darauf verschwanden die Beiden in der Dunkelheit der Nacht.
Ceronelo ließ sich in seinen Stuhl sinken. Noch immer hatte er sich nicht vollends von dem Schock, den ihm dieser mörderische Blick einflößte erholt. Er setzte die Flasche mit dem billigen Alkohol an seine Lippen und leerte die Hälfte des Inhaltes in einem einzigen Zug. Er starrte kurz auf die halbleere Flasche und schleuderte diese Wutentbrannt an die Wand.

„Alles okay Boss?“, fragte ihn sein dunkelhäutiger Bodyguard.
„Der kleine Pisser kriegt langsam immer mehr Überwasser. Nicht mal richtig Haare am Sack und der denkt er kann mit den großen Hunden spielen!“, schrie der Italiener aufgebracht, „und dieser Noah! Was bildet der kleine Wichser sich eigentlich ein mich so anzustarren!“
„Solln wir die beiden und ihre kleine Bande auslöschen Boss?“
„Nein“, antwortete Ceronelo, „noch nicht zumindest. Die können uns noch nützlich sein. Und bei einem kannst du dir sicher sein. Irgendwann wird die kleine Schlampe schon von selbst kommen und mich auf Knien darum anbetteln mir den Sack lutschen zu dürfen. Und weißt du was ich dann mach?“
„Nein Boss, was denn?“
„Erst fick ich ihn und diesen verdammten Noah, dann verkauf ich das ganze Pack an die Rebellen. Die lassen diese kleinen Pisser in den Minen arbeiten bis sie elendig verrecken. Dieses Viertel gehört mir. Das wird diese kleine Ratte noch früh genug lernen. Und jetzt komm. Wir haben noch einen kleinen Deal mit unseren rebellischen Freunden auf der Agenda!“ Ceronelo nahm den Koffer mit den Ampullen und verließ von seinem Leibwächter gefolgt ebenfalls das Gebäude.

Zur gleichen Zeit, nur wenige Meter entfernt. Noah und Ace liefen mit den Händen in den Hosentaschen die nächtliche Straße entlang. Hier und da begegneten sie anderen zwielichtigen Gestalten welche sich ihren Weg durch die Dunkelheit bahnten. In manch einer Seitengasse konnte man brennende Fässer, an denen sich Junkies und anderes Gesindel versammelten erblicken. Hoch in der Luft flogen düsengetrieben Flugmaschinen mit Suchscheinwerfern bestückt den Himmel ab. Von weitem konnte man das heulen von Sirenen wahrnehmen.
„Der alte Sack ist eindeutig zu weit gegangen“, sprach Noah immer noch sichtlich gereizt.
„Ja, das ist er. Aber wir brauchen ihn. Der ist der einzige, der uns die ID-Karten besorgen kann. Und ohne Identität wird es schwer etwas Anständiges zu essen zu bekommen.“ Noah antwortete nicht. Er wusste genau, dass Ace recht hatte. Seitdem der Krieg in den letzten fünf Jahren immer heftiger wütete und saubere Nahrung nur noch staatlich reguliert an registrierte Menschen ausgegeben wurde, war es unglaublich schwierig geworden frei und unabhängig zu leben. War man registriert und hatte zusätzlich ein ausreichendes Einkommen, konnte man sich gute, gereinigte Nahrung kaufen. Lebensmittel frei von nuklearer Strahlung war ein absoluter Luxus und eigentlich ausschließlich der systemtreuen Bevölkerung vorbehalten. Ohne eine „saubere“ ID-Karte würde man es nicht einmal lebend bis zum Eingang der Ausgabestellen schaffen. Diese ID-Karte dient als Ausweis, als Bank-Account aber auch als Instrument totaler Überwachung. Jeder Fehltritt würde sofort registriert und entsprechend sanktioniert werden. Der Schwarzhandel mit diesen Karten florierte. Die Nachfrage nach sauberen Karten war enorm, doch die enormen Preise machten diese nur für wenige erschwinglich.

Die normale Bevölkerung, welche gut 70 Prozent der Gesamtpopulation ausmachte, war meist sogar registriert und hielt sich an die Regeln der WDU, konnte sich aber dennoch meist nur mit den verunreinigten Lebensmitteln am Leben halten. Es war einfach am Ende eine Frage des Geldes. Diese Nahrung machten zwar satt, war aber nicht selten hochgradig verseucht. Viele Menschen, welche mit dieser Nahrung täglich konfrontiert waren, starben innerhalb weniger Jahre an den Folgen radioaktiver Vergiftung.
Ein weiterer Zugang zu Nahrung waren die Rebellen. Diese hatten sich in entlegenen ländlichen und schwach kontaminierten Gebieten eine Subkultur errichtet und bauten dort ihre Nahrungsmittel selbst an. Ganze Kolonien waren mittlerweile übers gesamte Ödland verteilt errichtet worden. Sie versprachen Freiheit und Gleichheit, wollten die totalitären Regeln des Systems nicht anerkennen und sich dagegen auflehnen. Doch auch sie waren keine Heiligen. In Wirklichkeit waren auch sie nur eine Gruppe machtbesessener Revolutionärer, die die Leichtgläubigkeit und die Hoffnung verzweifelter Menschen für ihre Zwecke nutzten. Sie versprachen den Leuten den Himmel, nur um sie in eine andere Hölle zu schicken. Hinzu kam, dass diese Gruppen, sobald sie von der Regierung ausfindig gemacht wurden, gnadenlos verfolgt wurden. Ganze Landstriche wurden von den erbitterten Kämpfen dieser beiden Parteien blutig rot verfärbt.

Einzig die Bewohner der abgeriegelten Oasen mussten sich um Nahrung und Sicherheit keine Sorgen machen. Diese fünf Prozent, welche sich eine Existenz in diesen Bezirken leisten konnten, waren zum Großteil entweder Regierungsmitglieder, Wirtschaftsbosse oder hochrangige Militärs. Sie hatten dort alles. Schulen, unbegrenzt Nahrung, sauberes Wasser und medizinische Versorgung. Einen weitaus geringeren Teil bildete kleinere Geschäftsleute, welche sich in die Oasen einkaufen konnten. Doch viele von diesen Leuten verließen die Städte aufgrund der enormen Kosten bald wieder. Für das normale Volk waren die Oasen nur zwischen 08:00Uhr und 20:00Uhr geöffnet. Und dann auch nur zum Arbeiten.

Ace und Noah liefen wortlos weiter die Straße entlang. Beide beobachteten stets wachsam ihre Umgebung. Es war alles andere als ungefährlich um diese Uhrzeit unterwegs zu sein. Mit dem Einbrechen der Dunkelheit begann nämlich für die Unterwelt der Tag. Zahllose Banden und Kleinganoven trieben dann ihr Unwesen. Die Militärtrupps versuchten ihr Möglichstes die Ordnung zu wahren, doch sie wurden der Situation lange nicht mehr Herr. Und so mancher Truppführer schaute auch gerne einmal weg, wenn dafür seine Tasche etwas schwerer wurde.

Die beiden Jugendlichen waren auf der Straße auch keine Unbekannten. Seit etwas mehr als vier Jahren leben sie nun schon in diesem Gebiet. Zusammen mit zwei weiteren Jugendlichen zogen sie damals von weiß Gott woher in diese Stadt. Wie sie genau ihren Lebensunterhalt bestritten war den Meisten unklar. Viel wurde gemunkelt, doch nur die wenigsten kannten die Wahrheit. Sicher war nur, dass wenn es jemand in solch einem zarten Alter schaffte hier auf der Straße zu überleben, derjenige auf keinen Fall unterschätzt werden durfte. Und alleine diese Tatsache genügte, um die Welt für die Beiden ein wenig sicherer zu machen. Plötzlich hob Ace seinen Kopf und blickte auf die großen Monitore hoch oben an der Grenzmauer, welche in Dauerschleife die Propaganda des Militärs ablaufen ließen.
„Gehorsam, Tapferkeit, Fleiß, bringen Ruhm, Ehre und Wohlstand. Die Zukunft gehört dem System. Werdet Teil davon, für das Volk, für die Union, für euch. Nur wer dient dem wird gedient. Die Armee, ein Zuhause, eine Chance. Gehorsam, Tapferkeit, …“, hallte die monotone mechanische Stimme aus den Lautsprechern und untermalten die Bilder diszipliniert marschierender Soldaten, glücklichen Familien mit Kindern und die immer wieder aufleuchtende Aufforderung dem Militär beizutreten. Es klang wie ein Versprechen, wie ein Ausweg aus einem hoffnungslosen Leben. Unzählige junge Frauen und Männer, viele von ihnen sogar noch Kinder, waren dem Aufruf bereits gefolgt. Wie viele von ihnen wirklich in eine bessere, hoffnungsvollere Zukunft starteten ist unklar. Viel wahrscheinlicher ist es, dass sie alle auf dem Schlachtfeld als Kanonenfutter endeten. Doch die Verlockung lies den Ansturm auf die Registrierungsstellen nicht abbrechen.
„Was ist los Ace?“, fragte Noah schließlich seinen wie in Trance auf die Monitore starrenden Freund.
„Wann wird dieser scheiß Krieg endlich vorbei sein? Irgendwann muss das Alles doch ein Ende haben!“
„Wenn du mich fragst, wird er nie enden. Und selbst wenn. Was würde das für uns ändern? Für die da drinnen sind wir nichts als Abschaum. Die würden den Teufel tun und Leuten wie uns ein besseres Leben ermöglichen.“
„Wahrscheinlich hast du Recht Noah. Aber ich geb die Hoffnung trotzdem nicht auf, dass es irgendwann wieder besser wird“, flüsterte Ace fast melancholisch, „für was sonst machen wir das Ganze?“

Noah antwortete nicht. Er setzte sich auf eine zerbeulte Mülltonne und beobachtete Ace schweigend. Woher Ace immer noch die Hoffnung auf ein besseres Leben nahm, wusste er nicht. Und eigentlich beneidete er ihn sogar ein wenig dafür. Unweigerlich musste er an sein früheres Leben denken und an seine Flucht. Hatte er nicht auch damals Hoffnung verspürt, als er eines nachts aus der Basis geflüchtet war? War es nicht vielleicht auch Hoffnung, die ihm vor van Brucks und Moons Augen vom Dach springen lies? Warum konnte er diese Hoffnung jetzt nicht mehr spüren? Warum fühlte er sich selbst immer mehr, wie ein rein von seinem Überlebnsinstinkt getriebenes Tier? Hoffnung. So sehr er sich auch bemühte, er konnte keine logische Antwort auf seine Fragen finden.

„Komm Noah, lass uns weitergehen. Die anderen warten sicher schon auf uns!“, riss Aces Stimme Noah aus seinen Gedanken. Dieser schaute seinen Freund etwas gedankenverloren an und nickte ihm schließlich zu. Noch einmal blickte Noah kurz hinauf zu den Monitoren, ehe die beiden ihren Heimweg fortsetzten.

Cool, dass Noah bei den beiden geblieben ist. Neben Fabi gibt es also noch einen anderen Typen, der zu deren Clique gehört.

Sag mal, sind die alle so pervers drauf? Klar, einen Straßenjungen zu vergewaltigen, ist günstiger als in ein Bordell zu gehen, aber wie wäre es damit, eine Frau zu finden? Oder sind alle Perversen schwul?

Ace vielleicht nicht, aber Noah allemal.

Wie viel sind 5000 Union Pfund wert?

In dem Fall war “Ich ficke ihn” anders gemeint, eher wie “Ich mach ihn fertig” . Sorry wenn es falsch rüber gekommen ist. Aber ja, im allgemeinen wird vor allem in den nächsten beiden Kapiteln nochmal deutlich, Wie sehr mir Gesellschaft verkommen ist. In vielerlei Hinsicht.

Sorry, hatte gestern irgendwie nicht mehr dran gedacht den nächsten Teil von Kapitel 2 zu posten. Schande über mich. Dafür gehts heute ein wenig lockerer und weniger bedrücklich weiter…viel Spaß…

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„Behandelt man denn so ein Mädchen? Habt ihr Barbaren denn gar kein Benehmen?“, hallte eine schrille Stimme über die Straßen. Ein seltsam anmutendes Mädchen war von zwei halbnackten Männern unsanft aus einer Baracke auf die Straße geworfen worden. Sie saß nun wie ein begossener Pudel auf ihrem Hintern, das dreckige rote Kleid an manchen Stellen zerrissen, die langen blonden Haare welche offensichtlich eine Perücke waren hingen schief, der Lippenstift war über ihr komplettes Gesicht verwischt. Mit tränenunterlaufenen Augen sortierte sie ihre auf der Straße liegenden Habseligkeiten in eine schäbige alte Ledertasche. Auf ihrer Wange prangerte in tiefem Rot ein großer Handabdruck. Während der eine der beiden noch mit hochrotem Kopf dabei war seine Uniformhose wieder an Ort und Stelle zu rücken, stand der Andere noch immer nur in Unterwäsche und wild gestikulierend in der geöffneten Eingangstür.

„Seh bloß zu das du Land gewinnst, du dreckiger Bastard oder ich blas dir den Schädel weg“, schrie er das „Mädchen“ wutentbrannt an. Sein Kopf war ebenso wie der seines Kameraden hochrot angelaufen. Wäre die Situation nicht sowieso schon so prekär gewesen, hätten sie den verkleideten Jungen wahrscheinlich sofort erschossen. Wenn dieser Vorfall die Runde machen würde, wären die beiden Soldaten ganz schnell das Gespött der kompletten Militärbasis. Und noch viel schlimmer. Da während der Dienstzeit die Art von vergnügen, welches sie im Begriff waren nachzugehen, strengstens verboten war, mussten sie auch noch eine harte Bestrafung hinnehmen, sollten die Geschehnisse publik werden. Es war also am Ende in vielerlei Hinsicht besser ihren Gast einfach so schnell wie möglich zu verjagen, als noch zusätzlich für Aufsehen zu sorgen.
„Ihr Soldaten seid so grausam zu einem armen kleinen Mädchen wie mich. Ich wollte euch große, starke Männer doch nur ein wenig Freude schenken“, heulte der Junge los und warf sich an die Beine des einen Soldaten. Dieser war nun komplett sprachlos. Auch sein Kamerad lies vor Verwunderung seine gerade erst wieder hoch gezogene Hose wieder bis zu seinen Knöcheln sinken. Nach einem kurzen Moment zog er sich diese wieder nach oben, schritt auf den Jungen zu und riss ihm die Perücke vom Kopf. Zum Vorschein kam ein Schopf schwarzer kurz geschnittener Haare. Nun, da die langen blonden Haare der Perücke nicht mehr das Gesicht verdeckten, konnte man eindeutig sehen, dass es sich hier tatsächlich um einen Jungen handelte. Er war ungefähr dreizehn Jahre alt, und hatte durchaus leicht feminine Züge. Doch konnte der tanzende Adamsapfel nicht über sein wahres Geschlecht hinwegtäuschen. Wutschnaubend riss ihm der Soldat die dreckige Perücke vom Kopf und warf sie in den Schmutz.

„Du bist eindeutig ein verdammter Junge. Ich hab doch deinen verdammten Schwanz gesehen! Wen willst du hier denn noch verarschen?“
„Ich hab vielleicht einen Pimmel, aber im Herzen bin ich doch ein richtiges Mädchen. Bitte lasst mich euch verwöhnen. Ich habe so viele Brüder und Schwestern und meine Eltern haben kein Geld. Ich will doch nur helfen die Familie zu ernähren. Bitte ich lutsche eure Schwänze besser als es jedes andre Mädchen in der Stadt je tun könnte. Ich mach es euch auch wirklich ganz billig. Nur für euch beide!“, flehte der Junge die beiden Männer auf Knien rutschend an.

„Willst du wohl endlich etwas leiser sein! Du weckst noch das ganze verdammte Camp auf!“, knurrte der eine der Männer dem Jungen zu. Mit jeder Sekunde stieg bei ihnen die Angst von ihren Obrigkeiten ertappt zu werden. Sie schauten sich um und bemerkten, dass nicht weit von ihrer Baracke in einer anderen Unterkunft ein Licht angeschaltet wurde. Hastig warfen sie dem Jungen zornige Blicke zu ehe der eine aus seiner Hose eine silbern glänzende Münze fischte und sie ihm in die Hand drückte.

„Hier nimm das verdammt und verschwinde von hier“, flüsterte er leise ins Ohr des Burschen. Dieser musterte die Münze kurz und steckte diese anschließend in seine Handtasche. Dann warf er sich wieder vor die beiden Soldaten auf den Boden.
„Vielen Dank ihr guten, guten Männer. Das arme Volk kann sich wirklich glücklich schätzen das es noch gutherzige Soldaten wie euch gibt. Vielen, vielen Dank! Ich werde für euch heute Nacht noch ein Gebet an unseren Herrn schicken!“

„Ich bin fertig, verschwinden wir von hier!“, drang eine Stimme aus einem nahezu unsichtbaren Knopf im Ohr des Jungen. Dieser kurze Satz veränderte die Mimik des verkleideten Jungen schlagartig. Vom weinerlichen und demütigen Verhalten war plötzlich keine Spur mehr zu sehn. Provokant schniefend wischte er sich mit seinem Ärmel übers Gesicht und wischte sich die gekünstelten Tränen aus den Augen. Diese wirkten nun viel klarer und kein Stück mehr verzweifelt. Mit spottender Mine lachte der Junge die beiden Soldaten an. Diese merkten nun das irgendetwas nicht stimmen konnte und wurden dadurch nur noch wütender. Ganz offensichtlich wurden sie aufs Kreuz gelegt. Doch ehe sie reagieren konnten begann der Junge in Windeseile fort zu rennen. Erst als er schon einige Meter Abstand gewonnen hatte, drehte er sich um und zeigte seinen beiden provozierend in die Luft gehobenen Mittelfinger.

„Und übrigens, mit euren ekelhaften Minischwänzen könntet ihr es eh keiner Frau richtig besorgen“, schrie er so laut er nur konnte in die Nacht hinein. Wie nicht anders zu erwarten war, bewirkte dies den erhofften Effekt. An sämtlichen umliegenden Baracken wurde nach und nach das Licht eingeschaltet. Entsetzt und mit Zornesfalten auf der Stirn starrten die beiden dem Jungen nach.
„Was machen wir jetzt, der kleine Wichser hat die halbe Basis geweckt?“, fragte der einen.
„Hol mir meine verdammte Waffe! Ich knall den Pisser ab und wenn ich dafür zwei Wochen ins Loch muss!“, schrie der andere wie von Sinnen. Diese Scham, diese Erniedrigung konnte er schließlich nicht mehr ertragen. Sein Kollege lief eiligst in die Baracke zurück, hin zum Tisch an dem sie ihre Kleidung und Waffen abgelegt hatten. Doch als er vor dem stählernen Klapptisch stand, wäre er am liebsten vollends in Tränen ausgebrochen. Ungläubig starrte er auf den leeren Tisch. Alles war auf mysteriöse Weise verschwunden. Die Uniform, ihre IDs, ihre Waffen, all ihr hab und gut. Alles weg. Durchs geöffnete Fenster des Schlafraumes wehte eine leichte Brise, welche dem Soldaten eine leichte Gänsehaut bescherte.
„Was zur Hölle treibst du hier drin so la…“, brüllte sein Compagnon los als auch er ungeduldig den Raum betrat, doch die Hälfte des Satzes blieb ihm augenblicklich im Hals stecken.
„Wir sind so am Arsch“, stammelte er nun nur noch voller Furcht.

Wenige Minuten später, nicht weit von der Basis entfernt in einem stillgelegten U-Bahntunnel. Es war stockdunkel im alten Schacht. Nur das gelegentliche flackern der Notausgangsbeleuchtung spendete ein wenig Licht und die Möglichkeit sich zu orientieren. Nur ganz schwach konnte man die Umrisse eines Menschen ausmachen, welcher erschöpft an einer Wand lehnte. Schweres atmend hallte durch den sonst totenstillen Tunnel. Plötzlich konnte man ein klackerndes Geräusch wahrnehmen. Ein Geräusch, als wenn irgendetwas auf den Boden geworfen wurde.

„Diese scheiß Schuhe bringen mich echt um. Wie schaffen es die Weiber nur den ganzen Tag auf diesen Dingern zu laufen“, hörte man eine Jungenstimme leise fluchen. Der Junge setzte sich auf den kalten Betonboden, rieb sich die geschundenen Füße und wartete. Ungeduldig wippte er immer wieder auf seinem Hintern hin und her. Beinahe im Sekundentakt starrte er auf seine, am linken Unterarm befindliche Kommunikator Uhr.

„Wo bleibt bloß dieser Penner verdammt nochmal? Erst muss ich die ganze Drecksarbeit machen und jetzt versetzt der mich auch noch. Scheiße verdammt! Wir wollten uns doch schon vor zehn Minuten hier treffen!“ Er war gerade wirklich sauer auf seinem Kammeraden. Und so bemerkte er vor lauter Wut nicht, wie sich im Schutz der Dunkelheit eine weitere Gestallt leise und vorsichtig annäherte.
„Uaaaahhhhh…“, schrie es plötzlich durch den U-Bahntunnel.
„Ahhhh…“ Unter lautem kreischen sprang der Junge auf und wäre fast sofort wieder nach hinten Umgefallen, konnte sich jedoch gerade noch so auf den Füßen halten. Auf den Schrei folgte schallendes Gelächter. Eine Taschenlampe ging an und warf ihren Lichtkegel auf den vor Schreck zitternden Jungen. Er trug ein zerrissenes rotes Kleid, hatte schwarze kurze Haare und eine schäbige alte Handtasche. Das komplette Gesicht war von Make-up verschmiert. Wütend blickte er zu Ursprung des Lichtkegels.

„Do blödes Arschloch hast mich zu Tode erschreckt“, wütete er aufgebracht, während der andere sich den Bauch vor Lachen halten musste.
„Du müsstest mal dein dämliches Gesicht sehen!“, kicherte der andere Junge sichtlich amüsiert, „echt köstlich!“
„Du bist so ein Idiot! Ich hätte mir fast in die Hosen gepisst!“, schnaubte der Junge mit dem Kleid immer noch wütend. Er riss dem anderen die Taschenlampe aus der Hand und leuchtete ihn an. Zum Vorschein kam circa vierzehn Jahre alter Junge. Seine grauen Augen glänzten intelligent im hellen Licht der LED-Taschenlampe. Er war groß gewachsen, hatte eine schon relativ muskulöse Statur und wirkte ungewöhnlich gepflegt. Sein braunes kurzes Haar war unter der schwarzen Kapuze seiner Jacke nur teilweise zu sehen. Sein kantiges Gesicht bot einen starken Kontrast zum eher femininen Äußeren des anderen Jungen. Er nahm ein Päckchen Zigaretten aus seiner Jackentasche, nahm sich eine und reichte eine weiter an seinem Gegenüber. Danach holte er ein silbern glänzendes Feuerzeug aus der anderen Tasche und zündete seine Kippe an. Genüsslich sog er den Rauch ein und blies ihn aus seiner Nase wieder aus. Er reicht es dem anderen, der das Feuerzeug mit traurigen Augen anblickte.

„Mein Vater hatte genauso eins“, brachte er schließlich leise hervor als er es durch seine Finger gleiten lies. Ein kurzer dreh am Rädchen und mit einem „Zipp“ sorgte eine kleine Flamme für ein wenig zusätzliches Licht. Er zündete sich seine Zigarette an und lies das Feuer wieder erlöschen.
„Nimm es ruhig, Luca! Es war in einer der Taschen von einem dieser dämlichen Soldaten!“
„Danke Fabi. Hat sich denn der ganze Zirkus wenigstens gelohnt?“ Fabi holte einen großen Rucksack von seinen Schultern und entleerte den Inhalt auf den Boden.
„Wie man‘s nimmt“, antwortete und Fabi während er die Beute durchforstete, „zwei Pistolen, ein Tasergewehr, Munition, drei Silber-Pfund und die Kippen mit dem Feuer. Da gibt’s bei jedem Hinterhofdealer mehr zu holen. Ach ja und diese beiden IDs natürlich.“
„Besser als nichts. Aber warum hast du die IDs mitgenommen? Sind doch vollkommen nutzlos. Du weißt doch genau, dass Militär IDs meistens sofort gesperrt werden. Im schlimmsten Fall finden die uns sogar, wenn wir sie versuchen zu benutzen.“
„Wollte den beiden Halbaffen nur noch ein wenig extra Ärger machen. So wie die ein armes kleines Mädchen behandelt haben verdienen die nichts Anderes“, feixte er mit einem Grinsen auf dem Gesicht. Luca warf Fabi einen vielsagenden Blick zu, verkniff sich aber dann doch jeglichen Kommentar. Gemeinsam räumten die beiden das Diebesgut wieder in Tasche und machten sich auf den Weg immer tiefer in den Tunnel hinein.

„Das nächste Mal bist du wieder Mädchen“, sagte Luca schließlich zu Fabi.
„Wieso? Du kannst doch viel besser schauspielern als ich. Außerdem siehst du eh viel weiblicher aus.“
„Seh ich gar nicht. Mir wächst sogar schon ein Bart im Gegensatz zu dir!“
„Das bisschen Fusseln am Kinn nennst du Bart? Da hat jede billige Crack Hure mehr Bart als du“, lachte Fabi ausgelassen. Luca schnaubte nur beleidigt und trottete weiter neben Fabi her.
Es war nicht das erste Mal, dass die beiden solch eine Aktion durchgezogen haben. Einer von ihnen würde, als Mädchen verkleidet, irgendwelche Typen anlocken während der Andere die von Gier und Lust getrieben Männer ausnimmt wie eine fette Weihnachtsgans. Ein mitunter riskantes Unterfangen. Vor allem wenn es darum ging rechtzeitig wieder das Weite zu Suchen. Das ein oder andere Mal schon hatte nicht viel gefehlt und einer der Jungs wäre wirklich zum Mädchen gemacht worden. Vielen der notgeilen Männer war es letztendlich vollkommen egal wo sie ihren aufgestauten Druck loswerden würden. Ob es nun eine zarte Muschi oder ein enger Jungenhintern war. Eigentlich glich es fast einem Wunder, das beide noch jungfräulich waren. Doch trotz allen Risikos taten sie es immer und immer wieder. Es war am Ende relativ leicht verdientes Geld. Und ein paar kleine nützliche Accessoires würden Sie dadurch auch erbeuten können.

Es gab aber eines, was für die beiden Halbwüchsigen noch wesentlich gefährlicher war als nichtsahnende Männer auszunehmen. Etwas, dass vor allem in Fabi mehr Angst auslöste als geschnappt zu werden. Nämlich wenn Ace oder Noah von den erneuten Aktionen der beiden erfuhren. Wie alle aus der Gruppe fürchteten sie nicht die Soldaten oder die anderen Ganoven auf der Straße. Nur einen fürchteten sie. Und das war Noah. Und bei einem wurden sie sanft wie Lämmer. Und das war Ace.

Doch obwohl die beiden es ihnen strickt untersagten, taten sie es trotzdem immer und immer wieder. Vielleicht war es der Kick etwas Verbotenes zu tun. Oder es war ihre Art sich selbst zu beweisen. Sie waren die beiden jüngsten und oftmals von den gefährlichen Aktionen ausgeschlossen. Doch Tatenlos zusehen, wie die anderen täglich für sie ihr Leben auf Spiel setzen wollten sie mit Sicherheit auch nicht. Und vielleicht war es auch ihre Art der Gruppe bei ihrem täglichen Kampf zu unterstützen.

hast du die geschichte beendet oder geht es noch weiter?
bis vor zwei wochen war es so toll regelmäßig

ich fände es schade, wenn sie jetzt aufhört :cry:

ich hatte mich (auch wenn ich es nicht sage)
jedes mal auf den neuen teil gefreut :bp:

lg eindein fan

Oh, okay. Gefährliche Aktion, die die beiden da durchziehen. Ich bin immer noch gespannt, wann die Geschichte noch etwas mehr ins Rollen gerät. Gerade plätschert sie ja ruhig vor sich her und man kann sich alles in Ruhe anschauen.

PS: Liest du noch Kommentare bei Schwarzer Schmetterling?

Sorry Leute, Bin in den letzten beiden Wochen kaum zum schreiben gekommen. Erst war ich über ne woche mit Krippe flach gelegen, dann Stress auf Arbeit usw. Ab dieser Woche sollte es wieder regelmäßig weiter gehn. Die Einleitung und Vorstellung ist ja fast abgeschlossen. Es geht aso so langsam mit der eigentlichen Geschichte los

Hallo Quianye,

erst einmal Danke für diese schöne Geschichte bis hier hin. Bin zufällig über dieses Forums und deine Story gestolpert. Mir gefällt deine Art dich auszudrücken und deine Art des World buildings…
Man merkt wie viel du darüber nachgedacht hast und wie bemüht du bist, das Scenario glaubwürdig darzustellen.
Auch das du dich nicht davor scheust, schmutzige Details zu beschreiben, lässt deine Geschichte über eine beinahe postapokalyptische Welt glaubwürdiger werden (auch wenn streng genommen die Apokalypse wohl immer noch im Gange ist). Ich mag bisher auch deine Figuren, auch wenn bisher nur von van Bruck und Ace Charaktereigenschaften klarer erkennbar waren, so fühlen sich alle bisher sehr glaubwürdig an.
Alles in deiner Geschichte fühlt sich bisher sehr “edgy” an (mir fehlt ein besseres Wort dafür). Falls du noch schreibst an der Geschichte, solltest du dich wirklich trauen die Abgründe des menschlichen Seins, die in einer solchen Welt zu Tage kommen, weiter mit einfließen zu lassen, ohne dass es all zu stark in den Fordergrund rückt. Ist ja der Alltag in dem deine Figuren leben (was du bisher hervorragend hin bekommen hast).
Als letzte Anmerkung (dann hör ich auf so klug zu sche**en, versprochen) würde ich in deiner Einleitung im ersten Kapitel den Übergang von der Beschreibung über die Welt zur “aktuellen” Situation noch etwas fließender gestallten. Ich denke das würde das Leseerlebniss noch besser machen, speziell an der Stelle, als das es so wie so schon ist.
So und jetzt noch n paar Blumen, dann bin ich fertig. Versprochen! :smiley:
Ich mag es wie du es schaffst aktuelle Themen aus dem Hier und Jetzt glaubwürdig weiter zu führen und obwohl leichte Since fiction und fantasy Aspekte durchklingen (militärische Experimente, übermenschliche Fähigkeiten), so bleibt es dennoch bodenständig bisher. Dadurch hat der Leser die Möglichkeit sich nach und nach damit Auseinander zu setzten ohne das es überproportional und damit unglaubwürdig wird. Zudem verstehst du es wie ich finde Spannung und Neugier aufzubauen ohne dass es nervtötend, quälend wird. Ich bin auf jeden Fall neugierig wie es weitergeht. Bitte mach weiter so :rat:
Sincerely:
–Blue feather-- :happy:

So wie versprochen geht es hier und heute endlich weiter mit Teil 3 von Kapitel 2. Danke an alle Leser für die Geduld und die ausschließlich positiven Kommentare bisher. “Leider” komme ich nicht ganz drum rum euch mit weiteren Charakteren und deren Vorstellung zu langweilen. Ab Kapitel 3 steigen wir dann wirklich so langsam in die eigentliche Story ein, versprochen. Bis dahin, viel Spaß beim eintauchen in die menschlichen Abgründe…

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Plattenbauten. Vor über fünfzig Jahren errichtet, gedacht als Heimat für die Arbeitende Gesellschaft und deren Familien. Sie boten den Fabrikarbeitern oder Bergleuten in den Hochzeiten der ehemals florierenden deutschen Wirtschaft Schutz und Obdach. Zwanzig Jahre später fristeten sie ein trostloses Dasein als einzigen Zufluchtsort für zahllose gescheiterte Existenzen. Nur wer nirgendwo anders ein bezahlbares Heim fand, wollte noch in diese tristen Bauwerke aus Beton ziehen. Jetzt, wo der dritte Weltkrieg ganze Landstriche in Schutt und Asche legte, erlebten die überlebenden Bauten ein unverhofftes Revival als Unterkunft für die besseren Gesellschaftsschichten. Zumindest für diejenigen, die man außerhalb der meterhohen Mauern der Oasen als bessere Gesellschaft bezeichnen konnte. In den damals als Absteigen betitelten Behausungen lebten nun vor allem Lehrer, Ärzte oder Unternehmer aber auch andere, durch die Nahrungsknappheit mittlerweile nicht minder angesehene Zunftgenossen. Vor allem Bäcker und Fleischer erfreuten sich mittlerweile wieder einem enorm hohen Stellenwert in der Bevölkerung. Selbst in den Oasen, wo diese teilweise Arbeiteten, hatten jene Berufsgruppen zumindest ein Minimum an Ansehen. Dies konnte man daran erkennen, dass ihre Bezahlung nicht maßgeblich von der einer Lehrkraft oder eines Arztes abwich. Anders könnten diese sich wohl auch die Mieten in den Plattenbauten nicht leisten. Geld und natürlich eine saubere ID waren der Schlüssel zu einem zumindest etwas einfacherem Leben.

In einem dieser Gebäude, hoch oben im achten Stockwerk wurde plötzlich ein Licht eingeschaltet. Das Licht der LED-Beleuchtung tauchte den kleinen Raum in ein grelles, unnatürliches weiß. In einer Ecke befand sich ein großer Hölzerner Tisch mit drei Stühlen. Die Polsterung war an vielen Stellen beschädigt. Auch der Tische hatte seine besten Tage schon hinter sich. Drei alte Bücher waren unter einem der Tischbeine gestapelt und hielten den Tisch zu in seiner aufrechten Position. In einer anderen Ecke stand ein altes abgenutztes Sofa mit orangenem Stoffbezug. In der Mitte klaffte ein großes Loch durch welches die Federung bereits zum Vorschein kam. Auf diesem Sofa lag, wimmernd und mit tränenunterlaufenen Augen, eine Frau mittleren Alters. Ihre rötlichen Haare lagen fettig und ungepflegt auf ihrem Kopf. Das auffällig stark geschminkte Gesicht wirkte abgemagert, die Augen waren tief in den Höhlen eingesunken. Ihre Kleidung war schäbig und voller Risse und Löcher. Mit schlotternden Knien lag sie dort, während vor ihr ein älterer, gut gekleideter Mann mit zorniger Mine stand und langsam, fast schon zeremoniell die Schnalle seines schwarzen Ledergürtels öffnete. Hinter ihm, fast komplett von seiner Silhouette verdeckt, lehnte ein junges Mädchen zitternd an der Wand des kleinen Raumes.

Genau wie die Frau, hatte auch sie einen Schopf voller rötlich blonder Haare. Und auch sie wirkte ein wenig abgemagert und blass. Man konnte sie auf circa vierzehn bis fünfzehn Jahre schätzen. Ihre Augen spiegelten ihre Furcht vor dem Mann wieder. Mit verängstigtem Blick betrachtete sie die rundlichen Finger, welche langsam und doch stetig den Gürtel aus den Schlaufen der Anzughose fischten. Schützend hielt sie beide Hände vor die leichte Wölbung an ihrem Bauch.
„Ihr beiden kleinen Miststücke denkt wohl ihr könnt euch in diesem Haus alles erlauben. Eine verschissene Junkie Hure und eine missratene Schlampe. Womit um alles in der Welt hab ich nur eine Frau und eine Tochter wie euch verdient? Ich reis mir jeden Tag den Arsch für die da drinnen auf, nur damit wir ein gutes Leben führen können. Und was macht ihr? Die eine macht für Jedermann die Beine für eine Ladung Crack breit und die andere lässt sich von so einem dahergelaufenen Bastard schwängern. Ihr seid wirklich die größte Enttäuschung die ich in meinem ganzen Leben hinnehmen musst. Es wird Zeit, dass in diesem Haus wieder Zucht und Ordnung Einzug halten“, sprach der Mann mit ruhiger aber dominanter Stimme. Er ging auf seine Frau zu, den Gürtel fest in der Hand. Mit einem Ruck seiner freien Hand, drehte er sie auf den Bauch. Eine weitere schnelle Handbewegung und ihr Kleid war am Rücken aufgerissen. Die Frau lag nur weinerlich da und ergab sich ihrem Schicksal, während das Mädchen in Tränen ausgebrochen in sich zusammensackte.

„Ich tu das wirklich nicht gerne, aber eure Rumhurerrei muss endlich mal ein Ende haben“, fauchte er Kopfschüttelnd ehe er den Gürtel in einer ausholenden Bewegung hoch über seinen Kopf hob. Ein fauchendes Geräusch durchschnitt die Luft, Abgelöst von einem lauten Knall als der Gürtel auf dem knochigen Rücken aufschlug. Was darauf folgte, war ein markerschütternder Schrei der Frau. Sie krümmte sich vor Schmerzen, rollte vom Sofa und versuchte auf allen Vieren davon zu kriechen. Doch umsonst. Der Mann packte sie an den Haaren und zerrte sie wieder vor sich hin ehe er erneut den Gürtel hoch in die Luft steigen ließ. Hallende Schläge, gemischt mit furchteinflößenden Schreien füllten den Raum. Bis es schließlich still wurde. Bewusstlos lag die Frau am Boden zusammengekauert, der Rücken von blutenden roten Striemen übersäht. Der Mann atmete schwer vor Erschöpfung. Schließlich warf er der Frau einen abfälligen Blick zu und wandte sich um zu seiner Tochter. Diese Blickte ihren Vater entsetzt mit einer Mischung aus Wut und Furcht an. Schweren Schrittes kam der Mann immer weiter auf sie zugelaufen. Schweißperlen liefen ihr von der Stirn. Sie versuchte aufzustehen, davon zu laufen. Doch ihre zitternden Beine knickten immer wieder in sich zusammen. Schließlich, nach einigen verzweifelten Versuchen, schaffte sie es doch noch ihren Körper aufzurichten. Langsam wankte sie rückwärts aus dem Raum.

„Wo willst du hin du kleines Miststück? Du hast gefälligst stehen zu bleiben! Glaubst du es macht mir Spaß euch zu züchtigen?“, brüllte der Mann immer aggressiver seine Tochter an. Für diese gab es nun kein Halten mehr. So schnell sie nur konnte rannte sie über den engen Flur hinein in ihr Zimmer. Mit letzter Kraft schob sie die alte Hölzerne Kommode vor die Tür und brach dann wieder weinend zusammen. Wildes Geklopfe hallte durch ihr kleines Zimmer.

„Mach auf du kleine verkommene Hure! Mach auf oder ich schlag die verdammte Tür ein! Hörst du? Zwing mich nicht dir auch noch den verdammten Schädel einzuschlagen!“ Das Mädchen hielt sich die Ohren zu und versuchte, das wilde Schlagen an der Türe und die Schreie aus dem Flur zu ignorieren. Tränen liefen ihr in Strömen von den Wangen. Sie wusste, dass sie ihrem Vater letztendlich nicht entkommen konnte. Flehend blickte sich zum Fenster. Betend wandte sie sich zum dunklen Himmel.

„Bitte lieber Gott, bitte helf mir…“, bettelte sie verzweifelt und senkte dabei wieder ihren Kopf.
„Musst mich nicht gleich lieber Gott nennen, ich helf dir auch so!“, sprach eine gelassene Stimme vom Fenster her. Dort auf der Fensterbank, wo gerade eben noch nichts wahr außer der Finsternis der Nacht, saß urplötzlich ein Junger Mann. Er war eine hünenhafte Gestalt, bestimmt an die zwei Meter groß. Seine breiten Schultern füllten fast das komplette Fenster aus. Er hatte dunkelblonde kurze Haare und tiefblaue Augen. In beiden Ohren trug er große schwarze Ohrringe. Ein gelassenes Lächeln lag auf seinen Lippen.

„Scheiße Pitt, was machst du hier? Vater bringt uns beide um wenn er dich hier sieht! Du musst…!“
„Shhhh…“, unterbrach Pitt sie, „du musst keine Angst mehr haben Kleines. Ich kümmere mich um den alten Penner.“ Mit festem Schritt ging er auf die verbarrikadierte Zimmertür zu. Draußen tobte der Vater des Mädchens immer noch wie von Sinnen. Mit einem Ruck schob Pitt das Möbelstück zur Seite und öffnete ruhig die Türe.
„Na also du dreckige Fotze, kommst jetzt…“, grummelte der Mann, doch blieb ihm beim Anblick des Neuankömmlings der weitere Satz im Hals stecken. Schlagartig wechselte sein Gesichtsausdruck von Wut in Verwunderung, bis hin zu abgrundtiefem Hass. Dieser wurde nur noch tiefer, als er in das selbstgefällig grinsende Gesicht des jungen Mannes blickte.
„Du bist doch der Wichser der meine Tochter geschwängert hat!“, schrie er, „du kommst mir gerade recht.“ Er holte wieder mit seinem Gürtel aus, wollte dem Jungen das Leder mit voller Wucht durchs Gesicht ziehen. Doch es blieb beim Ausholen. Mit einem Mal weiteten sich die Augen entsetzt. Die Luft blieb ihm weg. Nur der Schmerz in seiner Magengegend blieb. Stück für Stück klappte sein massiger Oberkörper nach vorne. Pitt zog seine Faust aus dem Magen des Mannes. Immer noch lächelnd packte er das schwitzende und kreidebleiche Gesicht.

„Du wirst nie mehr eine Frau schlagen“, flüsterte er dem Mann ins Ohr. Dann packte er ihn am Genick und schlug seinen Kopf gegen die harte Betonwand. Seine Nase war bis zur Unkenntlichkeit deformiert. Das ganze Gesicht war geschwollen und mit Blut beschmiert als der Mann in sich zusammensackte. Pitt stand direkt über ihm. Ein Tritt mit den schweren schwarzen Stiefeln und das Scheusal krümmte sich schmerzerfüllt am Boden. Fassungslos beobachtete das Mädchen die Szene. Doch es war kein Funke von Mitleid in ihren braunen Augen zu erkennen. Der junge Mann ging neben seinem Kontrahenten in die Hocke.

„Typen wie du kotzen mich echt an. Ihr verdient nichts anderes als den Tod. Und jetzt, sag Goodbye!“, flüsterte er dem Mann zu. Dieser versuchte zu lachen, doch stattdessen kam nur eine Ladung Blut aus seiner Kehle. Resignierend schloss er die Augen. Für immer.
Pitt drehte sich zu dem Mädchen um. Zärtlich nahm er sie in den Arm. Diese klammerte sich fest an ihn und weinte wieder. Doch diesmal nicht aus Angst, sondern vor Freude. Nach einer Weile ließen die Beiden voneinander ab. Pitt sah ihr tief in die verheulten Augen und streichelte dabei ihren Bauch.

„Ich bin für euch da. Ich lass nicht zu, dass euch etwas passiert“, flüsterte er beruhigend.
„Aber wo sollen wir denn jetzt hin Pitt? Ohne meinen Vater können wir uns das hier nicht leisten!“, sprach das Mädchen mit schwacher Stimme.
„Morgen früh kommt jemand und bringt euch an einen sicheren Ort. Bis dahin lass niemanden weiter in die Wohnung. Es ist alles geregelt. Du musst dir wirklich keine Sorgen machen. Hast du verstanden Süße?“ Das Mädchen schniefte noch einmal und nickte schließlich zustimmend. Pitt küsste sie noch einmal zärtlich auf die Stirn ehe er sich wieder auf die Fensterbank des geöffneten Fensters schwang.

„Ich lieb dich Maya!“, rief er ihr noch einmal zu und verschwand wieder in die Nacht.

Ein dunkler Raum. Nur das einsame Flackern einer halb heruntergebrannten Kerze spendete ein wenig Licht und gab somit die Umrisse eines Bettes frei. Die hölzernen Bettpfosten wirkten alt und morsch, die darauf befindliche Matratze dreckig und abgenutzt. Ein Laken war behutsam über einen menschlichen Körper geschlagen und gaben nur den Blick auf ein schmutziges, ausgehungertes Gesicht eines Jungen frei. Der kahlgeschorene Kopf war von Schweißperlen überströmt, welche im fahlen Licht der Kerze wie kleine Bernsteintropfen funkelten. Die Augen waren ein Stück weit geöffnet, doch strahlten sie nur Verzweiflung und tiefe Trauer aus. Auf den eingefallenen Wangen ließen sich die Spuren der längst eingetrockneten Tränen deutlich erkennen. Am Hals, knapp unter dem Adamsapfel konnte man, in schwarzen, frisch tätowierten Buchstaben geschrieben, das Wort „Verräter“ entziffern. Der junge Mann wusste nicht wie er hierhergekommen war. Eigentlich hatte er nicht einmal erwartet noch am Leben zu sein. Das letzte an das er sich erinnern konnte, war der Anblick einer Gewehrmündung welche sein Aufseher ihm dicht vors Gesicht hielt. Und dieses dämonisch funkelnde grüne Auge, dass plötzlich wie aus dem nichts auftauchte. Er wusste nicht wie lange er schon geistesabwesend an die Betondecke starrte, als ihn plötzlich das Geräusch einer schweren sich öffnenden Stahltür aus seinen Gedanken riss.

Erschrocken zuckte er zusammen, versuchte sich aufzurappeln. Doch ein stechender Schmerz verhinderte jede weitere ruckartige Bewegung. Wehrlos und mit weit aufgerissenen Augen starrte er auf die sich langsam öffnende Türe. Der schwache Schimmer einer Lampe drang ins Innere des kargen Raumes. Dem Lichtkegel dicht folgend betrat ein Junge den Raum. Er war normal gebaut, hatte kurzes blondes Haar und ein intelligentes Gesicht. Er mochte fünfzehn Jahre alt gewesen sein, doch seine ruhige Ausstrahlung ließ ihn schon wesentlich erwachsener wirken. In seinen Händen ruhte ein Tablet. Darauf befand sich ein Stück Brot, ein Apfel und ein Stahlbecher gefüllt mit sauberem Wasser. Er blickte in die furchterfüllten Augen des kahlköpfigen Jungen und lächelte diesen sanftmütig an.

„Schön, dass es dir schon wieder bessergeht“, sprach er mit ruhiger Stimme als er weiter auf den Jungen zuschritt, „du solltest dich aber noch nicht zu sehr Bewegen, sonst könnten deine Wunden wieder aufgehen.“ Etwas verwundert blickte der Junge seinem Gegenüber an. Noch nie hatte sich jemand um seine Gesundheit gekümmert. Warum auch. Schließlich war er ja nur ein niederer Sklave. Sein ganzes Leben bestand nur aus Arbeit, Arbeit und noch mehr Arbeit. Ihr Stellenwert bei den Rebellen war in ungefähr so hoch wie der von Nutzvieh. Viele seiner Kammeraden waren vor seinen Augen gestorben. Sei es durch die Anstrengung auf den Feldern oder durch die Peitschenhiebe der Aufseher. So war das Leben in den Rebellenfarmen. Und wer nicht mehr konnte wurde entsorgt. Auch er konnte nicht mehr, oder besser, er wollte nicht mehr. Am Ende blieb ihm nur ein Ausweg. Einmal hatte er es sogar geschafft zu fliehen. Doch seine Flucht war nur von kurzer Dauer. Er ertrug die darauffolgende Strafe, mit allem was dazu gehörte. Aber in sein Sklavenleben wollte er nicht mehr zurück. So versuchte er ein zweites Mal zu entkommen, leider erfolglos. Und diesmal war die Strafe endgültig. Er hatte seinen Tod bereits akzeptiert und ihm lächelnd in den schwarzen Lauf geblickt. Noch immer konnte er sich nicht erklären, warum er noch am Leben war. Der blonde Junge setzte sich neben ihm aufs Bett und stellte das Tablet neben sich ab. Gierig schaute er auf die ihm gebotene Nahrung, doch wagte er sich nicht, diese einfach zu nehmen.

„Nimm ruhig, du musst wieder richtig zu Kräften kommen“, begann der Blondschopf freundlich, „du musst dir keine Sorgen mehr machen, hier bist du sicher. Du bist jetzt einer von uns. Und wir passen aufeinander auf.“ Zaghaft griff der Junge nach dem Lebensmittel. Doch als er das Stück Brot in den Händen hielt, schien alle Vorsicht, alle scheu wie weggeblasen. Gierig stopfte er sich das bisschen Brot in den Mund, kaute es und schluckte es schließlich hastig hinunter. Der blonde Junge betrachtete ihn lächelnd und nickte zufrieden.
„Du hast sicher einige Fragen. Sei unbesorgt, du erfährst alles was du wissen musst sobald du wieder richtig gesund bist. Ace und Noah sollten auch bald zurück sein. Sie werden sich freuen zu hören, dass du endlich wach bist.“

„Sind die beiden so etwas wie…eure Anführer?“, fragte der Junge etwas zögerlich.

„Sie sind der Grund, warum wir alle hier noch am Leben sind und so leben können, wie wir es jetzt tun. Die beiden werden dir dann erklären wie du hierhergekommen bist und was deine Aufgabe bei uns sein wird. Sie werden dir auch die Regeln erklären welche beachtet werden müssen, damit das hier alles funktioniert. Und solange du dich an diese Regeln hältst und deinen Beitrag leistest, wir es dir hier sehr gut gehen. Aber jetzt ruh erstmal weiter dich aus und versuch dich so wenig wie möglich zu bewegen. Wenn du was brauchst kannst du mich rufen. Mein Raum ist gleich nebenan.“

„Darf ich dich…wie heißt du überhaupt?“, stammelte der Junge etwas mutiger.
„Nenn mich Doc, so nennen sie mich alle hier. Und wie heißt du?“
„Auf den Feldern haben wir keine Namen. Aber früher hieß ich glaub ich mal…Nick.“
„Okay Nick, dann herzlich willkommen bei den Königen der Nacht!“

Solo, diesmal geht es pünktlich weiter. So langsam kommen wir zur eigentlichen Handlung, doch zuerst treffen wir auf einen alten bekannten und neue Gesichter.
Bin gespannt ob ihr ein paar kleine Hinweise erkennt wie es weiter gehen wird, bzw. Wer oder Was Noah ist.
Viel Spaß bei Teil 1 von Kapitel 3

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3. Der Wert eines Lebens

„Erzähl mir eins mein lieber Freund, erzähl mir, warum ich so verschissen mächtig bin wie ich eben bin.“ Eine klare Stimme hallte durch die hohe Eingangshalle einer Burgruine. Auf einem alten beschädigten Thron saß ein großer Mann mittleren Alters. Sein rötlicher Bart schimmerte im Licht der einfallenden Sonnenstrahlen und umrahmten sein kantiges, von Narben zerfurchtes Gesicht. Seinen freien, muskulösen Oberkörper zierten unzählige Tätowierungen. Er trug einen langen grauen Mantel und schwarze Militärhosen. Die schweren schwarzen Stiefel ruhten auf den Rücken eines nackten jungen Mädchens, welches auf allen vieren und mit schweren Ketten fixiert vor dem Thron kniete. Leblos starrte sie auf den kalten Steinboden unter ihren Knien und wagte es nicht auch nur einen Laut von sich zu geben. Links und rechts des Thrones knieten noch fünf weitere Menschen. Drei Mädchen und zwei Jungen ebenfalls nackt, mit eisernen Ringen um den Hals und mit Ketten am Boden fixiert. Der älteste war vielleicht achtzehn oder höchstens neunzehn, die Jüngste nicht älter als dreizehn. In all ihren Gesichtern war der Schrecken, die Angst, die Verzweiflung deutlich zu erkennen. Auf ihren Hälsen war, dicht über den knochigen Brustkörben das Wort „Verräter“ in großen schwarzen Buchstaben tätowiert.

Vor dem Thron standen mehrere mit schwarzen Umhängen gekleidete Menschen. Die Gesichter fast komplett mit den schwarzen Kapuzen bedeckt und mit alten Gewehren bewaffnet, umkreisten sie zwei Gestalten. Eine davon war ein sehr großer dunkelhäutiger Mann. Sein lebloser Körper lag noch warm in einer Lache seines eigenen Blutes, welches noch immer aus dem Loch an seinem Hinterkopf lief. Der Andere, ein älterer Mann in feinem Anzug, kniete zitternd neben der Leiche. Sein faltiges Gesicht war blass, auf seiner Stirn bildete der Angstschweiß feine salzige Perlen. Seine Hände waren zu Fäusten geballt und ruhten zittern auf seinen Oberschenkeln. Der goldene Ring mit dem auffälligen Saphir glänzte im einfallenden Licht der Sonne.
„Moses, du musst mir glauben, es ist alles nur ein…“, begann der Mann mit unterdrückter Stimme, fast schon flehend zu sprechen. Doch er wurde augenblicklich unterbrochen.

„Shhhh, bitte mein Freund. Ich hab dir nur eine simple Frage gestellt. Und ich weiß ja nicht wie es dir geht Ceronelo, aber ich fände es sehr höflich, wenn man auf meine Fragen auch antwortet. Also nochmal und nur für den Fall, dass deine alten Ohren mir nicht richtig Folgen konnten, warum bin ich so scheiße mächtig?“ Ceronelo senkte den Kopf. Mit fest zusammengebissenen Zähnen starrte er aus dem Augenwinkel auf den leblosen Körper seines Bodyguards. Er wusste genau, dass ihm jeden Moment dasselbe Schicksal ereilen konnte, sollte Moses mit seiner Antwort nicht zufrieden sein.

„Du bist so mächtig“, begann Ceronelo stotternd, „weil du gut zu deinen Leuten bist.“
„Guter Aspekt“, bestätigte ihn Moses mit einem leichten nicken, „aber es reicht nicht immer nur gut zu den Leuten zu sein. Erzähl mir mehr.“
„Weil du auf deine Leute aufpasst und sie beschützt. Ihnen Nahrung und eine Zukunft gibst.“
„Ja auch das zeichnet einen guten und mächtigen Anführer aus. Aber komm schon Cerolein, lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen!“ Ceronelo schluckte. Er wusste genau was dieser Rebellenführer hören wollte. Und doch hoffte er, den als grausamen und tyrannischen Mann verschrienen Anführer mit sanften Worten irgendwie zu besänftigen und diesen einen Punkt eben nicht zur Geltung kommen zu lassen. Aber zwecklos. Er atmete noch einmal tief durch und legte sein Schicksal in die Hände des Rebellenführers.
„Du lässt dich nicht verarschen“, sprach er letztendlich fast flüsternd.

„Wie war das bitte noch mal? Ich hab dich leider nicht richtig verstanden. Muss wohl an der Akustik hier liegen.“ Dabei beugte er sich nach vorne, drehte den Kopf ein wenig zur Seite und hielt demonstrativ die Hand an sein Ohr.
„Du lässt dich von niemanden verarschen!“, sprach Ceronelo nun so laut, dass sein Echo durch die hohe Halle der Ruine hallte. Moses grinste breit und stand von seinem Thron auf. Mit donnernden Schritten ging er langsam auf den kreidebleichen Ceronelo zu.
„Da hast du es genau auf den Punkt getroffen mein Lieber. Ich lass mich verdammt noch mal von niemanden verarschen. Schau dir ihn zum Bespiel an.“ Moses ging auf einen der nackten jungen Männer zu, packte ihn im Gesicht und zog ihn auf die Füße. Dieser leistete nicht die geringste Gegenwehr.

„Dieser kleine Pisser hier hatte eine große Zukunft vor sich. Er war nicht immer so eine niedere Lebensform. Er war sogar mal einer meiner Soldaten. Er bekam von mir alles. Genug Nahrung, Waffen und so viele Fotzen wie er sie nie im Leben hätte ficken können. Aber er wollte mehr. Er wollte meine Fotzen ficken. Er wollte das was mir gehört mit seinem verdammten Schwanz beschmutzen. Und jetzt schau ihn dir an!“ Er warf den jungen Mann auf den Boden. Voller Entsetzen starrte Ceronelo auf die Narbe zwischen den Beinen des Geschundenen. Ihm wurde schlecht bei der Vorstellung, zu was dieser Psychopath wohl alles im Stande sein würde.

„Ich hätte ihn töten können, ihn und seine ganze verdammte Familie. Aber wie du schon sagtest bin ich ja gut zu meinen Leuten und man will ja auch kein Unmensch sein. Er verbühst seine Strafe und dann darf er wieder für mich arbeiten, zu etwas anderen Bedingungen versteht sich“, sagte Moses salbungsvoll und ging weiter auf das jüngste der Mädchen zu. Mit diabolischer Mine packte er sie an den Haaren und hob sie in die Luft. Mit schmerzverzerrtem Gesicht hielt sie sich mit einer Hand an seinem Arm fest. Tränen liefen ihr von den Wangen.
„Oder was ist mit dieser kleinen Schlampe? Sie hatte die ehrenvolle Aufgabe meine persönliche Dienerin zu sein. Es ging ihr hervorragend hier. Aber es war der jungen Dame ja nicht genug. Zeig unserem Freund doch mal dein süßes kleines Patschehändchen.“ Das Mädchen begann zu schluchzen als sie zittern ihre andere Hand von ihrem Rücken hervorholte. Zu Ceronelos entsetzen fehlten an ihr drei Finger. Nur noch der Daumen und der Zeigefinger waren zu sehen. Sein Gesicht war nun nur noch ein Spiegelbild des Terrors. Zufrieden wandte sich Moses wieder seinem Gast zu.
„Auch bei ihr war ich gnädig findest du nicht? Ich hab ihr sogar genug Finger an der Hand gelassen, damit sie noch anständig Arbeiten kann,“ sagte er und ging vor Ceronelo in die Hocke, „aber nun zum eigentlichen Punkt. Ich hatte dich eigentlich als klugen Mann eingeschätzt, jemand, mit dem man anständige und faire Geschäfte machen kann. Aber wie es sich herausstellte, schein ich mich da geirrt zu haben. Oder wie siehst du das, mein fetter italienischer Freund?“

„Bitte Moses, es ist nicht so wie du denkst, wirklich. Ich würde dich doch nie im Leben betrügen!“
„Aber du hast es getan mein Freund. Du hast mein Vertrauen schamlos ausgenutzt. An wen hast du das dritte Fläschchen verkauft? An die roten Bastarde? An irgendwelche korrupten Militärs? Oder hast du dir das Zeug vielleicht selbst reingezogen?“ Mit jedem Satz wurde Moses ein wenig zorniger.
„Hast du vielleicht gedacht ich merke nicht, dass nur zwei Fläschchen die Substanz enthalten? Hälst du mich für so naiv den Inhalt nicht zu überprüfen?“, donnerte es durch die Halle.

„Ich schwör dir Moses, ich hab nichts damit zu tun. Dieser Verdammte Ace und seine Bande müssen das gewesen sein. Sie haben bestimmt das Fläschchen ausgetauscht als sie mir die Ware gebracht haben. Sie haben das was du willst. Bitte lass mich gehen, ich besorg dir das dritte Fläschchen und dazu noch diesen Ace und den Pisser mit dem grünen Auge. Bitte Moses, gib mir noch eine Chance. Ich tu wirklich alles“, bettelte Ceronelo. Einen kurzen Moment hielt Moses inne. Ein leichtes Funkeln blitzte in seinen Augen auf.
„Ein grünes Auge“, murmelte er kurz kaum hörbar vor sich hin. Doch der Rebellenführer kam schnell wieder zur Besinnung. Er blickte Ceronelo kurz mit versteinerter Miene an ehe seine Lippen sich wieder zu einem Grinsen formten.

„Du lässt eine Horde Kinder deinen Auftrag ausführen, gut, dein Problem. Aber du willst mir ernsthaft erzählen, dass du dich dann von denen auch noch aufs Kreuz legen? Das soll wirklich deine Ausrede sein? Hörst du dir eigentlich selbst beim Reden zu? Ich bin wirklich schwer enttäuscht von dir. Du bist wirklich eine der jämmerlichsten Gestallten die mir je untergekommen sind“, sprach Moses in stark abfälligen Tonfall. Dann drehte er sich zu seinen Gefolgsleuten.
„Dieser Mann hat mich versucht zu verarschen. Vielleicht hat er es ja gar nicht absichtlich getan. Vielleicht aber doch. Letztendlich bin ich, seid ihr die Leidtragenden. Er hat sich nicht an die Absprache gehalten. Ich frage euch also, was sollen wir mit ihm tun? Sollen wir gerecht sein und ihm seiner rechtmäßigen Strafe zufügen? Oder wollen wir gnädig sein und ihm die Chance geben seinen Fehler wieder gut zu machen? Was meint ihr?“
„Strafe muss sein!“, rief der erste aus voller Kehle. Sofort stimmten die anderen Männer im Saal in die Forderung mit ein. Lautes Gejohle drang bis in die letzte Ritze des Raumes. Ekstatisch rief die Meute ihren Blutdurst frei heraus, sehr zum Leidwesen des noch immer knienden Ceronelo. Moses nickte zustimmend ehe er mit einer knappen Handbewegung wieder Ruhe einforderte. Er bückte sich wieder zu Ceronelo und grinste diesen böse an.

„Tja mein Freund, du hast es gehört. Das Volk hat gesprochen. Und ein guter Anführer sollte den Willen des Volkes nie außer Acht lassen. Stellt sich mir nur die Frage, wie ich dich bestrafen soll. Vielleicht sollte ich es dir ja ganz leichtmachen und dir einfach eine Kugel in deinen Schädel jagen.“ Moses nahm das Gewehr von einem seiner Untergeben und richtete den Lauf auf die Stirn des Mannes. Dieser begann nun unkontrolliert zu zittern und zu Wimmern. Seine Anzughose wurde nass. Eine kleine Pfütze begann sich unter seinen Knien zu bilden.

„Ach das ist jetzt aber echt nicht dein ernst. Verhalte dich gefälligst wie ein Mann. Oder hast du keine Eier in deiner Hose?“
„Bitte Moses. Es muss Ace gewesen sein. Er hat die Substanz. Bitte Moses, ich besorg sie dir! Bi…“
Ein Knall erfüllte die Ruine. Rauch stieg aus dem Gewehrlauf auf. Mit starren Augen Kniete Ceronelo auf dem kalten Steinboden. Ein röcheln entwich seiner Kehle. Blut lief ihm aus dem Loch an seiner Stirn hinunter. Leblose kippte schließlich sein massiger Körper zur Seite. Moses warf die Waffe seinem ursprünglichen Besitzer zurück und starrte auf die beiden toten Männer.
„Sorgt dafür, dass jemand die Sauerei hier beseitigt. Zerlegt die Körper und gebt sie den Arbeitern zum Essen. Die werden sich über ein wenig Abwechslung auf dem Speiseplan sicher freuen. Ich zieh mich zurück. Wer es wagen sollte mich zu stören, kann gleich sein Testament schreiben!“

Mit diesen Worten drehte er sich um und ging schnurstracks durch eine schwere hölzerne Tür in seine Schlafräume. Dort angekommen trat er an eine staubige Regalwand, blickte sich noch einmal prüfend um und betätigte einen versteckten Schalter. Mit einem leisen Quietschen schob sich eines der Regale ein wenig zur Seite und offenbarte einen dunklen in Fels gehauenen Abstieg. Moses fischte eine Taschenlampe aus einer Tasche seines grauen Mantels, schaltete das Licht ein und begab sich in den dunklen Gang. Die steinernen Treppenstufen führten immer tiefer in den Berg, schlängelten sich um Felsen hinunter in immer bedrohlicher werdende Finsternis. Auf dem Weg musste er immer wieder an Ceronelos Aussage denken. Ein grünes Auge. An sich nichts Besonderes. Doch gepaart mit den Informationen, die er zuletzt über diese Gruppe die sich „Könige der Nacht“ nannten erhalten hatte, sprang ihm sofort ein bestimmter Name oder genauer eine bestimmte Nummer zurück ins Gedächtnis.
Es dauerte eine ganze Weile, bis in noch weit entfernter Tiefe ein Lichtpunkt noch unscheinbar und doch deutlich wahrnehmbar in Erscheinung trat. Er wurde immer größer bis Moses letztendlich komplett in einen hellen Lichtkegel eingehüllt war. Moses trat hinein und stand plötzlich in einem hell erleuchteten, aber nahezu leeren Raum. Nur ein gläserner Schreibtisch und ein schwarzer Schrank waren darin zu sehen. Moses entledigte sich seines grauen Mantels und holte eine schwarze Uniformjacke aus dem Schrank.

Ruhig setzte er sich an den Schreibtisch, holte sich eine Packung Zigaretten aus einer Schublade hervor, steckte sich eine Zigarette in den Mund und zündete sie an. Mit einem Wischen über die Glasplatte des Schreibtisches erschien eine virtuelle Tastatur. Moses drückte einen sechsstelligen Code im Nummernblock ein und ein Holographisches Display erschien.
„Sargent Monroe Sester an Zentrale, erbitte Kontakt zum Hauptquartier Bereich 616“, sprach Moses mit ruhiger Stimme.

„Zentrale an Sargent Monroe Sester, bitte bestätigen sie ihre Identität mithilfe der zwei Phasen Authentifizierung“, antwortete eine mechanische Stimme. Moses legte seine linke Hand auf einen rot markierten Bereich auf dem Glastisch. Kurz darauf färbte die Markierung sich grün ein.
„Bitte blicken sie in das rote Licht.“ Aus dem holographischen Display trat ein roter Streifen und scannte die Augen des Mannes.
„Identifizierung bestätigt. Stelle Verbindung her mit Hauptquartier Bereich 616. Bitte warten.“
„Warten fürn Arsch. Ich warte seit fünf verschissenen Jahren darauf wieder aus diesem Drecksloch zu kommen“, murmelte Moses während er gierig an seiner Zigarette zog. Es dauerte nicht lange, da baute sich vor ihm das Hologramm eines Mannes auf. Er war noch recht jung, höchstens Ende zwanzig. Er trug die selbe Uniformjacke wie Moses, mit dem Unterschied, dass die der holographischen Person einen wesentlich höheren Rang wiederspiegelte. Sein durchdringender Blick war fest auf Moses gerichtet und jagte diesem einen kalten Schauer über den Rücken.

„Lange nichts von ihnen gehört General. Wie geht es ihnen denn so?“, sprach Moses und versuchte sich den Anklang von Furcht so gut es ging zu verbergen.
„Sparen sie sich ihre Belanglosigkeiten Moses. Hat alles nach Plan funktioniert?“
„Natürlich Sir, wir werden das Serum an ein paar der Rebellen testen. Sollten sie die DNA Veränderung überleben, werden wir sie wie geplant gegen die roten Bastarde in den Feldtest schicken!“
„Gut, kontaktieren sie mich wieder, wenn sie erste Erkenntnisse erlangen konnten. Gehen sie mit größter Sorgfalt vor. Einen weiteren Fehlschlag können wir uns nicht leisten! Over!“

„Sir, da wäre noch etwas was sie vielleicht interessieren könnt!“, rief Moses eilig hinterher.
„Fassen sie sich kurz Sargent!“
„Er könnte trotzdem noch am Leben sein!“ Ein funkeln leuchtete in den Augen des Hologramms auf. Eine Mischung aus Schock und Ungläubigkeit war dem Gegenüber ins Gesicht geschrieben.
„Völliger Blödsinn“, fauchte der General ehe die Kommunikation unvermittelt abgebrochen wurde.

Handelt es sich dabei um General von Bruck?
Haben Ace und Noah das Serum wissentlich in ihren Besitz gebracht?