Die Herrschaft des Feuers

Heyho!
Da ich nun schon so lange all die guten Geschichten in diesem Forum verschlinge, dachte ich mir, dass auch mal was zum Besten geben kann :wink:
Ich habe schon ca. 42 Seiten vorgeschrieben, also nicht wundern wenn am Anfang die Teile etwas schneller aufeinander Folgen.
Die Geschichte ist irgendeine komische Mischung aus Fantasy und Sci-FiÔÇŽmal sehen wem es gef├ĄlltÔÇŽ
Interessanterweise habe ich das alles innerhalb von einer Nacht getr├Ąumt und musste es nur noch mit ein paar Details ausschm├╝cken und aufschreiben.
Viel Spa├č mit der Story!

├ťber Kommentare und Kritik w├╝rde ich mich nat├╝rlich sehr freuen :wink:

LG Iroc

DIE HERRSCHAFT DES FEUERS

PROLOG

Lionatras

┬╗Wir waren einst ein stolzes und reiches Volk, das wundervolle K├╝nste beherrschte, von denen wir heute nur noch tr├Ąumen k├Ânnen. Alles was blieb, war unser gro├čer Mut, unsere einzigartige Sprache und unsere bittere Z├Ąhigkeit gegen├╝ber allem, was sich uns jemals in den Weg stellen k├Ânnte.
Einst waren wir frei. Einst reichte unser Einfluss bis zu den Sternen und zur├╝ck. Doch alles was blieb, waren elf uralte K├Ânigreiche, die eng aneinander gedr├Ąngt dem noch ├Ąlteren B├Âsen jenseits der Grenzen die Stirn bieten.
Einst hatten wir B├╝ndnisse zu den h├Âchsten und sch├Ânsten V├Âlkern, die man sich nur vorstellen kann. Doch all das ist nun ferne Vergangenheit und das einzige B├╝ndnis, das noch besteht, ist das zwischen den K├Ânigsh├Ąusern, sich gegenseitig zu besch├╝tzen und zu unterst├╝tzen, gekr├Ânt vom K├Ânigshaus Silberfels im Herzen der Reiche, das seit unz├Ąhligen Generationen die Erhaltung des B├╝ndnisses bewacht.
Einst war alles besser. Einst lebten die alten G├Âtter auf dieser Welt. Unser Volk erbl├╝hte zu nie gekanntem Ausma├č, das B├Âse war weit hinter die Grenzen zur├╝ck gedr├Ąngt und wagte nicht uns anzugreifen, die Felder warfen mehr als genug f├╝r jeden von uns ab und St├Ądte wuchsen dem Boden empor, deren H├Ąuser die Sterne ber├╝hren zu wollen schienen.
Doch eines Tages verlie├čen uns die alten G├Âtter, stiegen wie glei├čende Sterne vom Boden auf und schwebten gen Himmel. Sie lie├čen ein Volk zur├╝ck, das ungl├Ąubig nach oben starrte, bis auch der letzte Stern den Himmel verlassen hatte. Die alten G├Âtter lie├čen uns hier zur├╝ck, schutzlos und allein mit einem Haufen blutr├╝nstiger Bestien, die ihre Chance witterten und mit geballter Macht versuchten uns zu vernichten. Die kommenden Jahre sollten hart werden, so lautete eine alte Prophezeiung. Und so kam es. Die Bestien waren stark und viel mehr als wir. Sie rissen St├Ądte und D├Ârfer ein. Verschonten niemanden. Die Felder warfen kaum Ernten ab. Viele erlitten den Hungertod oder wurden von den Barbarischen zerfleischt.
Alles schien f├╝r immer Verloren.
In einem letzten Akt der Verzweiflung zogen wir all unsere verbliebene Macht zusammen, fl├╝chteten in die H├╝gellande und errichteten dort die elf gro├čen Festungen um die bereits beinahe zerst├Ârte Stadt Silberfels. Wir schafften es, unter widrigsten Umst├Ąnden zu ├╝berleben, und die Grenzen zu errichten, die bis heute bestehen, denn wir sind ein starkes Volk. Wir widerstehen z├Ąh allen Gefahren und H├╝rden, die sich uns jemals in den Weg stellen. Und wer wei├č? Vielleicht sind wir es irgendwann einmal wert errettet zu werden? Erl├Âst von den Widersachern von jenseits der Grenze? Ich sage euch! Eines Tages werden die G├Âtter der alten Zeit wiederkehren und uns helfen unser altes Volk wieder zu seinem glorreichen Glanz aufzubauen!┬ź Bed├Ąchtig endete der alte Barde, dessen wei├čer Bart beinahe bis zum Boden reichte. Er setzte eine zufriedene Miene auf, die nur von dem flackernden Lagerfeuer und den wenigen Laternen an den Mauern beleuchtet wurde. Die Sonne war mittlerweile unter gegangen und Dunkelheit hatte sich ├╝ber alles gelegt. Die beiden vollen Monde lie├čen blassen silbernen Schein auf das Umland nieder. Blo├č die Burg und die Stadt schienen davon unbeeindruckt. Sie hatten ihre ganz eigenen Farben von Licht. Die meisten H├Ąuser, Gassen und H├Âfe waren von den warmen rot-orange T├Ânen der Fackeln, Lagerfeuer und Kerzen erleuchtet und hier und da blitzte sogar eine rote Laterne der Stadtw├Ąchter zwischen den H├Ąusern auf. Der Barde griff neben sich und setzte seinen spitzen hohen Hut wieder auf. Dann stieg von seiner Kiste am Lagerfeuer auf und schlurfte gest├╝tzt von seinem Stab in den Schatten zwischen den H├Ąusern und war verschwunden. Ihm schauten viele beeindruckte Augen nach, die von den Soldaten, die von den Schmieden, den Stallburschen, den Hofsdamen und auch meine. Eine kleine Menschenmasse hatte sich unten am Burghof um das Lagerfeuer geschart und ich beobachtete das Ganze von meinem Balkon aus. Die Feuert├Ąnzer, die die Geschichte mit wirbelnden Fackeln untermalt hatten tanzten noch ein wenig weiter und ein kleiner, schm├Ąchtiger Junge, der h├Âchstens zehn sein konnte ging mit einem Beutel umher, der sich rasch mit M├╝nzen f├╝llte. Auch ich warf einige Goldm├╝nzen hinunter. Es kam nur selten vor, dass fahrende Geschichtenerz├Ąhler die Geschichte unserer Welt erz├Ąhlten. Das letzte mal war ich vier gewesen, als ich sie geh├Ârt hatte.
Es klopfte. Ich drehte mich zur T├╝r um und sah, dass die ganzen Kerzen, die ich im Raum aufgestellt hatte, bereits halb herunter gebrannt waren. Es klopfte wieder und die eindringliche Stimme des Dieners rief mich zum Essen hinab in den Speisesaal. Ich drehte mich wieder um und schaute sehns├╝chtig in die Ferne. Ich hatte keinen Hunger, sagte ich. Ich konnte von dieser Landschaft einfach nie genug bekommen. Die Monde, Tags├╝ber die Sonne, die ihr Licht ├╝ber der geschwungenen Landschaft nieder gehen lie├čen und alle Farben in ihrem Licht gl├╝hen lie├čen. Der Wind, der die Bl├Ątter der W├Ąlder zum rascheln brachte und den Geruch nach Natur, nach Wildheit, nach Freiheit heran trug. Der Diener lie├č nicht locker. Ich hatte immer noch keinen Hunger. Warum dr├Ąngte er dann noch weiter? Mein Vater wolle mich dringend sprechen, so sagte er. Ich sagte lange Zeit nichts und riss mich dann seufzend von dem sch├Ânen Anblick vor dem Balkon los und drehte mich ins Zimmer, dessen steinerne W├Ąnde zwar mit bunten Teppichen und Bildern bedeckt waren, aber dennoch eine K├Ąlte auszustrahlen schienen, die drau├čen die Natur nicht einmal im tiefsten Winter hergab. Durch lautes Rumpeln im Kleiderschrank gab ich dem Diener zu verstehen, dass ich auf dem Weg war, zog meine Abendgaderobe an und ging Richtung Speisesaal.

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Guter Stil und sehr Detailreich,toll.Auch die Story gef├Ąllt mir.Ich lese gern Fantasyromane.Bin auf alles was noch kommt aus deiner Feder,sorry falscher Ausdruck,was aus deinem Computer kommt sehr gespannt und interessiert.Weiter so.

Danke Upsnixan
Ich werd mich bem├╝hen jeden Tag einen Part zu posten :wink:
Au├čerdem werd ich mal versuchen etwas weniger geschwungen zu schreiben :smiley:

Kapitel Eins
Lionatras

Die h├Ąsslichen Fratzen der Orks starrten mich unerbittlich vom Kaminsims aus an. Der Feuerschein erleuchtete flackernd den gro├čen Raum und f├╝llte ihn mit dem Duft von Kiefernharz. Es war sp├Ąter Abend. Ich sa├č mit meiner Familie zusammen an der langen Tafel um Familienrat zu halten. Es ging ausnahmsweise einmal um mich ÔÇô Nur dass ich von dem Thema ├╝berhaupt nichts wissen wollte. Es ging um meine Hochzeit.
Ich bin der j├╝ngste Sohn und das zweitj├╝ngste Kind des Gro├čen K├Ânigs Freldon und werde in wenigen Monden das heiratsf├Ąhige Alter von 16 Jahren erreichen. Und jetzt wollen mich meine Eltern auch noch an eine stumpfsinnige, fette Prinzessin aus den westlichen Pr├Ąrien vermitteln. Blo├č das, was sie wollen, ist nun mal ├╝berhaupt nicht das was ich will. Wie ├╝blich stehen meine gro├čen Br├╝der Rukim und Silmor auf der Seite meiner Eltern und lediglich der j├╝ngste meiner ├Ąlteren Bruder Kaldes h├Ąlt zu mir und verteidigt mich.
Meine kleine Schwester Ellionie hingegen sitzt wie immer hibbelig rechts von mir am Tisch und versucht mit aller Macht die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ich w├╝nschte heute w├╝rde es ein mal, wie doch sonst immer, funktionieren und meine Eltern w├╝rden das Thema einfach vergessen. Aber scheinbar war mir das Schicksal heute nicht gewogen, denn es ging weiter um mich.
Ich habe das Gef├╝hl, dass ich das einzige ungeplante Kind bin und sie mich einfach nur loswerden wollen. Der Antrag aus den Westlanden scheint ihnen da gerade recht zu kommen. Alle anderen werden verh├Ątschelt, besonders Ellionie, der meine Mutter versucht jeden Wunsch auch nur von den Lippen abzulesen. Ich merke bei mir keinen Deut dieser Hingabe.
┬╗Seht ihn euch doch an! Er ist doch fast noch ein Kind! Und ihr wollt ihn verheiraten? Habt ihr Frella von Sturmtal denn ├╝berhaupt schon einmal gesehen? Von so jemandem wollt ihr keine Enkelkinder!┬ź warf Kaldes in diesem Moment ein. ┬╗Au├čerdem geh├Ârt es sich nicht seine S├Âhne zu verheiraten.┬ź
Im Normalfall w├╝rde ich es ihm ├ťbel nehmen, dass er mich als ein Kind bezeichnet, aber heute machte ich mal eine Ausnahme und war einfach nur froh, dass er auf meiner Seite stand.
Meine Mutter bedachte ihn mit einem eisigen Blick und fixierte mich dann.
Aus dem rechten Augenwinkel sah ich wie trotzig eine Sch├╝ssel mit Spinat an die Wand gepfeffert wurde. Niemand beachtete es.
┬╗Oh, ich denke sehr wohl, dass er schon so weit ist. Schlie├člich schaut er den jungen Damen unten auf dem Hof auch schon immer nach.┬ź
Das Aussehen von meiner ÔÇ×Zuk├╝nftigen FrauÔÇť ├╝berging sie einfach. Oha. Dann war es wohl wirklich so schlimm, wie man es sich immer erz├Ąhlte. Und das sie mich verheiraten wollten, war nun wirklich unfair. Alle anderen durften sich frei entscheiden. Alles in mir str├Ąubte sich einfach dagegen.
┬╗Mutter! Das ist nicht wahr! Und selbst wenn es so w├Ąre, was unterscheidet mich in dem Punkt von allen anderen Jungs am Hof die auch nicht verheiratet werden m├╝ssen?┬ź
┬╗Du bist ein Sohn des K├Ânigs! Wenn wir dich nicht vermittelt bekommen, was w├╝rde das dann f├╝r ein Licht aufÔÇŽ┬ź
In dem Moment r├Ąusperte sich mein Vater, der bis jetzt zusammengesunken in seinem Stuhl gesessen hatte, nun aber aufrecht am Tisch sa├č und mich aus seinen traurigen und scheinbar allwissenden Augen ansah. Man munkelt, er habe schon viel Schreckliches erlebt, aber dennoch, oder vielleicht gerade deshalb ist er ein gutm├╝tiger und beliebter Herrscher. Meine Mutter unterbrach ihr Gez├Ąnke sofort und ├╝berlie├č ihm das Wort.
Mein Vater war immer gut zu mir gewesen. So erhoffte ich mir auch in diesem Moment seine Hilfe.
┬╗Wei├čt du, schwierige Zeiten erfordern h├Ąufig schwierige Dinge. Und wir haben gerade sehr schwere Zeiten vor uns. Die Monster scheinen sich f├╝r den Krieg zusammen zu rotten und zu r├╝sten. Wenn sie erst einmal angreifen, dann brauchen wir jede Unterst├╝tzung die wir bekommen k├Ânnen. Und Hochzeiten schmieden nun mal sehr enge Bande zwischen den K├Ânigreichen. Du darfst es nicht pers├Ânlich sehen. Du bist eben mein einziger Sohn in Frellas Alter und so bin ich gewillt dein geistiges Wohl schweren Herzens gegen das Wohl der gesamten K├Ânigreiche aufzugeben. Und ein starkes B├╝ndnis mit den Sturmtalern bietet sich besonders an, da sie die gr├Â├čte kriegerische Streitmacht haben.┬ź
Was er da sagte war zugleich schockierend als auch einleuchtend, aber so leicht lie├č ich mich nicht abwimmeln.
┬╗Aber du k├Ânntest doch genau so gut Silmor oder Kaldes verheiraten. Viellecht sogar Rukim, obwohl er schon Frau und Kinder hat. Oder du wartest noch bis Ellionie alt genug ist. Wenn du mich ohne ÔÇŽ┬ź
┬╗Du wei├čt, dass das nicht geht. Ich brauche sie allesamt hier bei mir. Und ich habe nicht die Zeit zu warten, bis Elli alt genug ist.┬ź Erwiderte er.
┬╗Ach, und ich werde hier etwa nicht gebraucht?┬ź Langsam wurde es mir zu bl├Âd.
┬╗Nicht so wie ich deine Br├╝der brauche. Ich genie├če das Zusammenleben mit dir hier. Wirklich. Aber du erf├╝llst nun mal noch nicht die gleichen Pflichten und T├Ątigkeiten wie deine Br├╝der. Also tu deinem Vater und damit dem gesamten K├Ânigreich einen Gefallen und lasse dich verheiraten, es ist zum Wohle aller hier. Und lass dir versichert sein: Es ist der gr├Â├čte Gefallen, um den ich dich jemals bitten werde.┬ź
Ab diesem Moment war mein Vater bei mir unten durch.
┬╗Ja, genau! So erf├╝llst du so wenigstens irgendeinen Zweck, anstatt dich nur durchf├╝ttern und verw├Âhnen zu lassen!┬ź
Diese Neckerei von Silmor gab mir endg├╝ltig den Rest und ich stand so schnell auf, dass mein Stuhl umkippte. Trotzig reckte ich mein Kinn und starrte Silmor w├╝tend an.
┬╗Nein.┬ź
Jetzt stand auch mein Vater auf. Einige Zornesfalten durchzogen sein Gesicht und er st├╝tzte die geballten F├Ąuste auf die Tischplatte.
┬╗Oh doch. Ob du willst oder nicht. In zwei Monden kommt Frella mit ihrer Mutter um dich kennen zu lernen. Es ist schon alles in die Wege geleitet.┬ź
┬╗Komm schon Lio, denk doch mal an all die anderen die sterben werden wenn du nichtÔÇŽ┬ź begann Rukim.
Doch den Rest des Satzes bekam ich nicht mehr mit, weil ich mich ruckartig umdrehte und zur T├╝r fl├╝chtete. Aus dem Augenwinkel sah ich noch wie Kaldes sich erhob und mir folgte. Ellionie lachte und klatschte fr├Âhlich. Sie bekam von alldem noch nichts mit, aber freute sich gleich wieder das Hauptthema zu sein.
Ich ├Âffnete die schwere Eichent├╝r, ging hindurch und schlug sie so heftig hinter mir zu, dass kleine Steinchen von der Decke regneten. Da stand ich nun verloren inmitten des hohen Gangs und wusste nicht wohin mit mir. Alle Fackeln im Gang flackerten, als ein eisiger Wind hindurch pfiff. Innen wurden noch ein paar heftige Worte gewechselt, doch kurz darauf wurde die T├╝r wieder ge├Âffnet und eine vertraute riesige Gestalt schob sich hindurch. Kaum einen Moment sp├Ąter befand ich mich in den starken Armen von meinem gro├čen Bruder Kaldes, versenkte mein Gesicht in dem weichen Pelzmantel und lie├č all die Tr├Ąnen und den Frust laufen, den ich vor den anderen nicht zeigen wollte.

Ich wusste nicht wie viel Zeit vergangen war aber irgendwann bugsierte mich Kaldes Richtung meines Zimmers. Ich f├╝hlte mich innerlich leer und verbraucht. Irgendwann kamen wir an und er trug mich auf mein Bett, deckte mich zu und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Wie gut, dass ich wenigstens ihn hatte.
Kaum dass er sich durch die f├╝r ihn fast zu schmale und hohe T├╝r geschoben hatte war ich schon in einen tiefen, traumlosen Schlaf gefallen.

Tr├Ąume s├╝├č von deiner dick,h├Ąsslich Zuk├╝nftigen.Lol.

Ob er da bei der Vorstellung so gut geschlafen hat ist die Frage :smiley:
Wegen dem Sch**├č Wetter heute gibts mal nen l├Ąngeren TeilÔÇŽvielleicht auch noch nen zweiten heute Abend.

Kapitel zwei
Part Eins
Paskoan

Der Morgen begann wie jeder andere. Das aufgeregte Flattern der Feen riss mich aus meinen Tr├Ąumen und als ich meine Augen aufschlug offenbarte sich mir ein wundersch├Âner Sonnenaufgang. Zwischen den B├Ąumen hindurch schob sich die Sonne langsam aber zielstrebig gen Himmel und erf├╝llte die schwindenden Nebelschwaden mit einem magischen Schein und dem Geruch nach Morgentau. Zwei Feen, ich erkannte sie als Kiko und Iki, schwirrten um meinen Kopf herum und zwitscherten fr├Âhlich. Ich sch├Ąlte mich aus den vielen Lagen Bl├Ąttern, die ich in der Nacht ├╝ber mich geh├Ąuft hatte, denn es war Herbst und es wurde nachts schon empfindlich kalt. Daraufhin tastete ich wie jeden Morgen nach dem Ring auf meiner Brust und stellte erleichtert fest, dass er noch da war. Ich setzte mich auf und st├╝tzte die H├Ąnde auf die erdigen und k├╝hlen W├Ąnde. ┬╗M├╝sst ihr mich wirklich immer so fr├╝h wecken?┬ź fragte ich schlaftrunken. Kichernd zeigten die kleinen gefl├╝gelten Gesch├Âpfe durch das Loch in der H├Âhle auf die aufgehende Sonne. ┬╗Na dann werden wir das mal bewundern. Kommt mit, dann mach ich euch was zu essen.┬ź Ich kroch aus der H├Âhle und sch├╝rte die verbliebenen gl├╝henden Kohlen mit einem Ast und warf ein paar weitere trockene Zweige drauf, sodass die Flammen wieder aufloderten und mich zusammen mit den ersten Sonnenstrahlen und ihrem hellen Schein w├Ąrmten.
W├Ąhrend sich die Feen auf den Wurzeln ├╝ber dem H├Âhleneingang niederlie├čen und es sich dort gem├╝tlich machten warf ich einige Kastanien ins Feuer, die ich am Vortag gesammelt hatte. Ich setzte mich im Schneidersitz vor das Feuer und genoss diesen einen Anblick der Sch├Ânheit. Ich befand mich in einer kleinen, baumfreien Mulde mitten im Wald. In meinem R├╝cken lag die mir so altbekannte ehemalige Wolfsh├Âhle, die an einer B├Âschung Lag. Direkt oberhalb des H├Âhleneingangs beanspruchte der Wald wieder seinen Platz f├╝r sich und warf dunkle Schatten auf die vielen Dornenranken und die letzten verbliebenen Nebelschwaden, die sich langsam zwischen den B├Ąumen verkrochen. Vor mir lag der kleine See mit den vielen Seerosen, auf dem mittlerweile viel Laub und andere vertrocknete Gew├Ąchse schwammen. Hinter dem See gab es noch einige Baumzeilen, die ihre knorrigen, und nunmehr fast blattlosen ├äste Richtung Himmel bogen und dahinter den Blick auf die aufgehende Sonne preisgaben. Rechts und links von mir erstreckte sich eine kleine Wiese, die sonst so farbenpr├Ąchtig mit Blumen gesprenkelt war, die nun aber unter Schichten von Laub begraben waren. Mit einem leichten ┬╗plopp┬ź platzten die Kastanien und gaben ihr weiches inneres mitsamt ihrem leicht s├╝├člichen Geruch preis. Ich fischte sie vorsichtig mit einem Ast aus den Flammen und lie├č sie auf einem flachen Stein abk├╝hlen. Als ich sie ann├Ąhernd anfassen konnte nahm ich mir die erste, brach sie ein St├╝ck weiter auf, hielt mir die dampfende Leckerei unter die Nase und sog ihren Geruch ein. Das war so ziemlich das einzige, das ich am Herbst mochte: Es gab endlich mal genug zu essen. Man konnte sich sogar aussuchen was man essen wollte. In schlechten Zeiten vergingen manchmal Tage, ohne dass ich einen Bissen zu essen gefunden hatte. Umso mehr genoss ich jetzt diesen Moment. Ich pfiff die Feen herbei und gab ihnen jeweils eine Kastanie. Sie lie├čen sich daraufhin auf meinen Schultern nieder und zupften zufrieden an meinen Haaren herum, w├Ąhrend sie a├čen. Ich verdr├╝ckte den Rest und machte mich schon mal mental bereit f├╝r das, was gleich kommen w├╝rde. Als wir alle aufgegessen hatten warf ich die restlichen Schalen ins Feuer, zog meine Stiefel und mein Wams aus und streckte meine steifen Muskeln. Die Feen machten sich indes auf den Weg zur├╝ck zu ihren Artgenossen. Sie wussten, was nun folgen w├╝rde. ┬╗Verteilt den Goldstaub f├╝r mich!┬ź rief ich ihnen hinterher. Das bedeutete ungef├Ąhr so viel, wie sch├Âne Gr├╝├če zu bestellen. Sie drehten sich um, flogen zu mir zur├╝ck, zerwuschelten mir die Haare und machten sich kichernd davon. Ich sch├╝ttelte l├Ąchelnd den Kopf und machte mich auf den Weg zum nahegelegenen Bach.
Angekommen hockte ich mich an das flache, schlammige Ufer und tauchte die H├Ąnde tief in das eiskalte Wasser. Es perlte sanft von meinen Armen, als ich sie schnell herauszog und mir das Wasser ins Gesicht klatschte. Es gibt nichts, was morgens mehr wach macht als taufrisches Wasser, das gerade mal ein paar tausend Schritte n├Ârdlich von hier aus dem Boden sprudelt. Das Wasser rann an mir herab und bereitete mir eine G├Ąnsehaut. Ich stand wieder auf, schaute mich suchend um und klaubte letztendlich ein besonders sch├Ân geformtes, buntes Blatt vom Boden auf. Ich h├╝pfte noch ein wenig auf der Stelle, bis mir wieder warm wurde und legte das Blatt auf das Wasser. Langsam in den Wirbeln wippend setzte es sich in Bewegung und wurde Stromabw├Ąrts immer schneller. Ich setzte ihm nach, lief erst ein paar hundert Schritte entlang des Bachs, nahm dann Anlauf, sprang hoch ├╝ber den Bach und bekam einen dicken Ast zu fassen, an dem ich mich in einer einzigen flie├čenden Bewegung hochzog. Der Ast geh├Ârte zu einem gro├čen Baum, der vor Jahren einmal quer ├╝ber den Bach umgest├╝rzt war, und nun mit den Wurzeln auf der einen und der vertrockneten Krone auf der anderen Seite lag und eine ideale Br├╝cke bot. Ich zog mich bis zum dicken Hauptstamm hoch, dann rannte ich noch einige Schritte ├╝ber die raue Rinde des Stamms, ├╝berquerte damit den Bach, nahm erneut Schwung und stie├č mich von einer hervorstehenden Wurzel ab und flog auf den vier Meter unter mir liegenden Boden unter mir zu. Ich rollte mich ab, wirbelte einige Bl├Ątter und Zweige auf und kam leichtf├╝├čig wieder auf die F├╝├če. Ein schneller Blick zum Bach zeigte, dass das Blatt bereits einige dutzend Schritte Vorsprung hatte und sich mit hoher Geschwindigkeit in den klaren Wellen bewegte. Ich rannte weiter, zwischen Dornenb├╝schen, Unterholz und B├Ąumen hindurch, immer parallel des Baches. Im laufe der Zeit hatte sich ein Pfad gebildet, der mit jedem Lauf tiefer wurde. Auf dem lief ich jetzt mit voller Geschwindigkeit entlang. Die Natur um mich herum schien zu verschwimmen und die B├Ąume rasten nur so vorbei. Ein l├Ącheln stahl sich auf meine Lippen und ich lebte die Euphorie der Geschwindigkeit ganz aus. Auf einmal flog eine Fee geradewegs in meine Bahn und schien mich nicht zu bemerken. Ich konnte gerade noch ausweichen, indem ich auf einen gro├čen Stein am Pfadrand sprang, mich abstie├č und haarscharf ├╝ber die Fee hin├╝ber segelte. Als ich wieder auf dem Boden aufkam drehte ich mich im rennen noch einmal herum und rief ihr eine Entschuldigung hinterher. Schnatternd machte sie sich davon. Nach einigen weiteren Minuten des Rennens lichtete sich der Wald langsam und gab den Blick auf eine felsige Schlucht frei, in die der Bach mit lautem Get├Âse hinabst├╝rzte. Ich war mittlerweile auf einer H├Âhe mit dem Blatt. Die Abbruchkante kam immer n├Ąher. Aber ich bremste nicht ab. Das hatte mich Jahre der ├ťberwindung gekostet. Im vollen Lauf, sprang ich ├╝ber die Kante, machte einen Vorw├Ąrts-Salto und genoss die Sekunden des freien Falls. Kurz darauf landete ich sicher in dem Wasserbecken, dass der Bach im laufe der Jahrhunderte gegraben hatte. Mit ein paar kr├Ąftigen Z├╝gen tauchte ich auf und schwamm zur├╝ck ans Ufer. Das Wasser war Eiskalt, genau wie der Bach und die Luft um mich herum, aber das st├Ârte mich jetzt kaum. Ich h├╝pfte von Stein zu Stein an der hohen B├Âschung, die von gro├čen, rund geschliffenen Findlingen nur so strotzte. Nach einiger Zeit hatte ich einen weiteren Pfad erreicht, der in der sonnen beschienenen Schlucht weiterhin parallel zum Bach und gut drei Dutzend Schritte unter den Wurzeln der B├Ąume entlang f├╝hrte und sich den vielen Windungen der Schlucht anpasste. Das Blatt war in den Strudeln des Wasserfalls zerfetzt worden. Aber jetzt brauchte ich keine Motivation mehr. Die pure Freude an der vorbeiziehenden Natur hielt mich am laufen und zog mich immer schneller immer weiter. Als nach einigen Tausend weiteren Schritten die Schlucht abflachte und sich die Felsen immer weiter zur├╝ck zogen und Erde und Wurzeln platz lie├čen, f├╝hrte der Pfad zum Rand der Schlucht und endete vor einer nahezu senkrechten und ungef├Ąhr zwei Dutzend Schritte hohen Steilwand. Die Wurzeln in der Wand boten ideale Haltm├Âglichkeiten. Ich zog mich an ihnen hoch und stie├č mich ab, sprang hoch, packte wieder einen anderen Wurzelstrang, zog mich wieder hoch und so floss die Wand nur so unter mir vorbei. Fast ganz oben reichte der Fels dann aber doch noch ein ganzes St├╝ck in die Schlucht hinein und bildete einen mehrere Schritt breiten ├ťberhang, von dem einige Wurzelstr├Ąnge ├╝ber den Rand quollen. Ich zog mich die letzten Wurzeln unterhalb des ├ťberhangs hoch, stie├č mich in Richtung der herabh├Ąngenden Wurzeln ab ÔÇô und griff ins Leere.

Und hiermit ende ich f├╝r jetzt mit einem wortw├Ârtlichen Cliffhanger :smiley:

Oder auch nicht :wink:

Einem Reflex nach griff ich nach oben und bekam mit einer Hand eine herabh├Ąngende Wurzel zu fassen und riss mich damit aus dem freien Fall. Eine Schrecksekunde lang baumelte ich da nun an einer Hand in der Luft, dann atmete ich einmal aus und schwang die andere Hand nach oben. Ich hangelte mich an den Wurzeln entlang bis ich schlie├člich den Rand erreichte und mich ├╝ber die Kante wuchtete. Kaum stand ich wieder auf sicherem Boden, war der Schreck bald verflogen und ich nahm meine Umwelt wieder genauer wahr. Aus dem Augenwinkel heraus bemerkte ich ein paar reife, rote Beeren an einem Busch. Ich merkte mir die Stelle, um sp├Ąter wieder zu kommen und sie einzusammeln. Ich begann wieder zu laufen und lief zwischen den B├Ąumen weiter den altbekannten Weg zur├╝ck. Nach einiger Zeit erreichte ich eine kleine Lichtung. Die Sonne stand mittlerweile ein ganzes St├╝ck h├Âher und beleuchtete die Lichtung mit ihrem herbstlichen Schein. Ich blieb stehen. Mein Atem ging schnell und mit jedem Atemzug hauchte ich kleine wei├če Wolken aus. Mein K├Ârper begann an der k├╝hlen Luft zu dampfen und lie├č mich alles wie durch einen leichten Nebelschleier sehen. Jetzt kam der schwierige Teil. Nach einigen Sekunden hatte sich der Nebel weiter verdichtet und bildete eine nach und nach immer dichter werdende wei├če Wand und brachte schw├╝le W├Ąrme mit sich. Zischend verdampfte der restliche Morgentau auf dem Gras und den Bl├Ąttern der umliegenden B├Ąume. Die Luft wurde immer feuchter und die Sonne brach nur noch stellenweise mit hellen Lanzen des Lichts durch die wabernden Nebelw├Ąnde. Die Sonne. Ich konzentrierte mich auf das Licht und die W├Ąrme und lie├č mich von ihr durchstr├Âmen. Die Strahlen wurden blendend hell und immer breiter, bis sie den Nebel zerrissen und ihn im nu vernichteten. Ich stand im Sonnenschein, schaute hoch und lie├č mir mein Gesicht w├Ąrmen. Dann blickte ich zur├╝ck auf den Boden und b├╝ndelte meine Gedanken auf einen einzigen Punkt auf dem Boden - einen kleinen Grasb├╝schel. Das Licht rund um diesen Punkt wurde immer heller und heller. Irgendwann musste ich wegschauen, weil meine Augen nicht l├Ąnger dieser Intensit├Ąt stand halten konnten, aber ich konzentrierte mich weiter. Nach einigen Sekunden h├Ârte ich, wie der Grasb├╝schel mit einem leisen rascheln und knacken in Flammen aufging. Doch bevor sich das Feuer weiter ausbreiten konnte, rollte pl├Âtzlich ein mittelgro├čer Felsen vom Rand der Lichtung heran, legte sich ├╝ber das Feuer und l├Âschte es damit. ├ťberall in der Luft lag der intensive Geruch nach frischer Kresse. Ich hob die Arme und ein fernes Bl├Ątter rascheln k├╝ndigte das herannahen einer kr├Ąftigen Brise an. Sie trug die bunten Bl├Ątter der welkenden B├Ąume mit sich und wehte die herumst├Ąubende Asche des erloschenen Feuers davon. Sie umstrich mich erst kalt, dann aber warm, als ich an die Sonne dachte, zerzauste meine mittlerweile wieder trockenen Haare und lie├č sie im Wind wehen. Ich genoss es.
Das sind meine besonderen F├Ąhigkeiten. Zum einen haben sie mir geholfen jahrelang im Wald zu ├╝berleben. Zum anderen sind sie aber auch der Grund warum ich ├╝berhaupt erst hier bin. Immerhin kann ich sie mittlerweile zum Teil kontrollieren. Mit viel Training und unterschiedlichsten ├ťbungen, die die Feen mir gezeigt haben, habe ich es geschafft das ganze einigerma├čen in den Griff zu bekommen. Nur m├Ąchtige Gef├╝hle wie Wut oder Angst k├Ânnen noch bewirken, dass sich die Umgebung ohne mein zutun um mich herum nach meinen Gef├╝hlen ver├Ąndert. Aber es kostet Kraft. Viel Kraft. So war ich auch jetzt ersch├Âpft und ausgelaugt und machte mich langsam auf den Weg zur├╝ck zur H├Âhle.

Hier wie versprochen der zweite Teil f├╝r Heute :wink:

KAPITEL ZWEI
Part zwei
Paskoan

Auf halber Strecke kam ich an einer weiteren H├Âhle vorbei. Sie lag auch auf einer kleinen Lichtung in die die Sonne sich mit hellen Fingern des Lichts ihren Weg durch das Ge├Ąst und durch die staubige Luft bahnte und wirbelnde Muster auf das Lauf auf dem Boden zeichnete. Alles erschien in einem Orangegoldenem Schein ÔÇô bis auf den dunklen H├Âhleneingang in dem sich noch dunklere Schatten bewegten und mich aus r├Âtlich reflektierenden Augen anblickten. Ich blieb stehen. Die dunklen Schatten bewegten sich und kamen immer n├Ąher. Pl├Âtzlich nahmen sie Anlauf, wurden immer schneller und kamen direkt auf mich zu. Ich sah aus dem H├Âhleneingang nur noch ein paar schwarze Schemen jagen und direkt auf mich zuspringen. Im n├Ąchsten Moment wurde ich umgerissen und kam hart auf dem Boden auf.
Als n├Ąchstes bemerkte ich wie eine nasse raue Zunge ├╝ber mein Gesicht schleckte. Ich ├Âffnete die zuvor zugekniffenen Augen wieder, griff mit einem l├Ącheln nach oben in das samtweiche Fell und kraulte meinen Bruder im Nacken. Der antwortete mit einem zufriedenen brummen. Ich schob ihn von mir herunter und setzte mich auf. Um mich herum buhlten schlie├člich noch vier andere Wolfsbr├╝der um meine Aufmerksamkeit. Sie tollten und kl├Ąfften fr├Âhlich. Nach und nach kamen sie alle schwanzwedelnd n├Ąher und lie├čen sich kraulen. Ich kannte sie bereits seit meiner fr├╝hen Kindheit im Wald und bin zusammen mit ihnen aufgewachsen. Das einzige was mich von ihnen unterschied war der K├Ârperbau. Und der strenge Geruch nach wildem Tier, den sie ├╝berall verbreiteten. Aber ich mochte ihn, schlie├člich war er mir vertraut und gab mir das Gef├╝hl von Geborgenheit. Ich stand auf und wir tollten und kebbelten so lange miteinander herum, bis wir alle ersch├Âpft waren und uns eng aneinander auf den Boden legten und in der Gegend herum schauten. Als ich nach einiger Zeit wieder zu Atem gekommen war kroch ich in die erdige H├Âhle hinein und begr├╝├čte die mittlerweile betagte Wolfsmutter. Sie hatte mich anfangs beh├╝tet und lange Zeit mit W├Ąrme und Essen versorgt. Als ich n├Ąher kam, bemerkte sie mich mit einem leichten Schwanzwedeln und lie├č sich zufrieden brummend kraulen. Als ich wieder heraus kroch sah ich dass meine Br├╝der ein junges Reh erlegt hatten. Sie schliffen es gemeinsam Richtung H├Âhle und als sie angekommen waren fingen sie an es zu zerlegen. Angeekelt stellte ich fest, wie der Geruch von frischem Blut sich unter die sonst so herbstliche Waldluft mischte und ihn nachher sogar vollkommen ├╝berdeckte. Nach einigen Minuten war das Reh nur noch ein blutiger Klumpen, aus dem nur noch hier und da ein St├╝ck weiches Fell heraus lugte. Einer der Br├╝der, er hatte Schwarzes Fell um das linke Auge, riss mir ein Bein ab und legte es mir gutm├╝tig vor die F├╝├če. Mir wurde ├╝bel. Sie hatten immer noch nicht verstanden, dass ich kein Fleisch a├č. Ich setzte ein falsches L├Ącheln auf, dankte ihm und blickte Hilflos auf das blutige, rohe St├╝ck Fleisch. Da fiel mir ein St├╝ck Sehne ins Auge, das zwischen den Knochen hervor lugte und mir kam eine Idee. Bei den J├Ągern im Wald und auch im Dorf hatte ich h├Ąufiger Menschen beobachtet, die ein St├╝ck gebogenen, beweglichen Ast mit Tiersehnen verbanden und dadurch eine Waffe herstellten, die sie mit langen, geraden, gefederten und mit Steinspitzen gespickten kleineren ├ästen benutzten und so viele Tiere erlegten. Ich meine sie nannten es Pfeil und Bogen. Ich wollte zwar keine Tiere t├Âten, aber der Winter nahte, und vielleicht w├╝rde es mir doch irgendwann zugute kommen. Also ├╝berwand ich meinen Ekel und arbeitete mit meinem kleinen Messer, das ich immer an der H├╝fte trug und irgendwann mal hatte aus dem Dorf mitgehen lassen, langsam das Bein auseinander und zog irgendwann die Sehne hinaus und pr├╝fte sie. Sie war lang genug, sehr rei├čfest und auch nicht besch├Ądigt. Das dickfl├╝ssige, dunkelrote Blut an meinen H├Ąnden war dann aber doch nicht mein Fall, also steckte ich die Sehne gut weg und machte mich auf den Weg zum nahegelegenen Bach. Meine Br├╝der hatten mittlerweile den Rest des Rehs entweder gegessen oder f├╝r sp├Ąter verstaut. Also folgten sie mir frohmutig und schnappten im Spa├č nach meinen H├Ąnden. Einmal haben sie sie erwischt und leckten das Blut herunter. Damit hatte sich der Gang zum Bach erledigt und ich lief direkt nach Hause. Scheinbar war der Geruch nach dem Blut aber doch noch da und lockte unangenehme Zeitgenossen an. Ein schweres Rascheln und Knacken im Geb├╝sch k├╝ndigte seine Ankunft an. Unter die Ger├╝che der W├Âlfe mischte sich ein anderer, noch intensiverer, noch wilderer Geruch. Die Lichtflecken, die durch das Bl├Ątterdach drangen fielen auf einen dunklen, riesigen, massigen K├Ârper, der sich langsam aber zielstrebig durch das Unterholz bewegte. Nichts konnte es aufhalten. Ich schaute kurz zu meinen Br├╝dern. Ihnen stand allen die Hochachtung vor diesem Wesen ins flauschige Gesicht geschrieben und die belebten Augen schienen nur eins zu sagen: ┬╗Lauf, oder stirb!┬ź. Das taten wir dann auch. Aber wir hatten untersch├Ątzt, wie schnell ein Wesen werden konnte, das mein Gewicht um ein hundertfaches ├╝bersteigt und das jeden Bissen den es bekommen kann f├╝r den kommenden Winter braucht. Hinter uns erklang ein Animalisches Knurren, dass uns allen die Nackenhaare aufstellte, gefolgt von einem zunehmen des Raschelns hinter uns zu einem lautstarken Get├Âse. Ich riskierte einen Blick nach hinten und sah dieses riesige Etwas durch den Wald preschen. Es rammte kleine und mittlere B├Ąume einfach um, pfl├╝gte durch das hohe, mit Dornen gespickte Unterholz und nichts von alledem konnte ihm etwas anhaben. Jeder schritt verursachte ein Erzittern der Erde und die vorbeiziehenden Lichtstrahlen, die durch das Bl├Ątterdach hindurchschienen lie├čen hin und wieder die vor Wut und Hunger klein zusammen gekniffenen, hasserf├╝llten, braungelben Augen aufblitzen. Das reichte mir. Ich drehte mich um und schloss wieder zu meinen Wolfsbr├╝dern auf, aber bereits nach wenigen Augenblicken gab der Wald den Blick auf die Schlucht frei. Binnen Bruchteilen einer Sekunde musste ich eine Entscheidung treffen. Aus dem vollen Lauf h├Ątte ich springen k├Ânnen und w├Ąre sicherlich sicher irgendwo gelandet, aber das konnte ich meinen Br├╝dern nicht antun, schlie├člich konnten sie nicht so einfach in eine Schlucht springen. So kam mir eine Idee. Ich bremste wie der Rest des Rudels ab und kam am Rand zum stehen. Ich machte ihnen klar, dass sie mich im entscheidenden Moment nachahmen sollten. Sie verstanden und wir drehten uns allesamt tapfer dem entgegenst├╝rmenden Unget├╝m entgegen. Es witterte leichte Beute und zog die vor Gier triefenden Lefzen hoch und offenbarte ein riesiges, mit dutzender spitzer Z├Ąhne bewaffnetes Gebiss, in dem noch einige alte Fleischfetzen hingen. Es kam immer n├Ąher und dann war der Zeitpunkt gekommen. Ich war mir nicht sicher, ob es funktionieren w├╝rde, aber es war der einzige Weg, um aus der Aff├Ąre halbwegs ungeschoren heraus zu kommen. Wir versperrten ihm die Sicht auf die Schlucht hinter uns und es preschte im vollen Lauf direkt auf uns zu und nahm dabei noch den ein oder anderen Baum mit. Das geh├Ârte zu seinen Jagtstrategien. Bei H├Âchsttempo das Opfer mit seinen krallenbewehrten Tatzen ergreifen und zu Boden schlagen. Das Opfer war meistens sofort tot. Als es so nah war, dass ich sogar die riesig geweiteten Pupillen des Wesens sehen konnte warf ich mich zur Seite, weg von der Schlucht. Die W├Âlfe taten es mir nach. Danach schien sich alles in Zeitlupe abzuspielen. Sechseinhalb Tonnen pure Muskeln, St├Ąrke, Hunger und Wut preschten an uns vorbei. Sechseinhalb Tonnen geballtes Wesen wollten erstmal gebremst werden. Das begriff auch das Wesen. Diese Tiere waren zwar nicht besonders helle, hatten aber dennoch gute Reaktionen. Ich flog auf den Boden zu und landete im weichen Laub, just als das Wesen doch abbremste und verzweifelt versuchte doch noch die Richtung zu wechseln. Aber es schlitterte nur auf dem nassen Laub. Mittlerweile trennten es nur noch wenige Meter von seinem Unheil. Ich wollte mir schon ein selbstgef├Ąlliges Grinsen erlauben, denn ich sah dass es nicht mehr rechtzeitig anhalten k├Ânnte. Es begriff auch, dass es kein zur├╝ck mehr geben w├╝rde, aber sein Ende sollte auch das Ende eines anderen Lebens bedeuten. So drehte es sich zu uns um und holte zu einem gewaltigen Prankenschlag aus, zog durch und traf einen meiner Br├╝der seitlich in den Bauch und kippte daraufhin ├╝ber die Kante. Mein Bruder wurde einige Meter mit enormer Geschwindigkeit durch die Luft geschleudert. Ein ekelhaftes Ger├Ąusch erklang, als er mit einem lauten Knirschen an dem Stamm einer gro├čen Eiche aufprallte und eine tiefe Furche hinterlie├č. Er fiel zu Boden und r├╝hrte sich nicht mehr. Stille. Einige Sekunden lang regte sich nichts. Dann kam ein dumpfer Laut vom Boden der Schlucht. Gefolgt von dem Rollen einer kleinen Steinlawine. Wir lagen alle geschockt im Laub und die Sekunden verstrichen so langsam wie sonst nie zuvor in meinem Leben. Ein leises gequ├Ąltes Winseln kam von meinem Bruder und ich raffte mich sofort auf, stolperte zu ihm hin und nahm ihn in den Arm. Die anderen Folgten und schenkten ihm Trost und Zuversicht. Das Winseln wurde immer schriller, ging irgendwann in ein leises R├Âcheln ├╝ber und verstummte dann ganz. Meine Tr├Ąnen rollten ├╝ber das weiche Fell und die Br├╝der stie├čen verzweifeltes Klagegeheul aus. Ich vergrub meinen Kopf im Fell und die Welt schien ein weiteres mal ├╝ber mir zusammen zu brechen. Aber dann. Ich wusste es erst nicht sicher, aber als ich mich noch n├Ąher mit meinem Ohr an ihn presste h├Ârte ich es. Es war das leise, rasselnde Atmen, der leise, aber kr├Ąftige Herzschlag der mir den Mut gaben mir die Verletzung genauer anzusehen. Es war halb so schlimm wie es aussah. Er verlor zwar viel Blut, aber die Schnitte waren nicht so tief und breit wie sie h├Ątten sein k├Ânnen. Scheinbar war der B├Ąr bereits in der Schlucht nach unten gerissen worden, als er den Wolf getroffen hatte. Sonst h├Ątte er ihn wahrscheinlich mit Leichtigkeit durchtrennt, aber mit Sicherheit get├Âtet. Ich schob die Schicht Laub beiseite und Rupfte einige H├Ąnde des darunterliegenden Mooses aus und presste es auf die Wunde. Dann nahm ich meinen Bruder vorsichtig auf den Arm, hob ihn hoch und machte mich endg├╝ltig auf den Weg nach Hause. Ich lie├č es mir aber nicht nehmen noch einen Blick in die Schlucht zu werfen. Unten lag in einem gewaltigen Krater und in einem sich langsam legenden Dunstschleier die halb versch├╝ttete Gestalt des Wesens. Auch aus dieser Entfernung machte sie noch einen Furchteinfl├Â├čenden Eindruck. Erst recht als sie sich langsam bewegte und sich benommen aus dem Schutt zog. Nichts wie weg hier. Hoffentlich hat das da unten nicht den besten Geruchssinn. So legten wir den Rest des Weges z├╝gig zur├╝ck. Ich an der Spitze mit meinem verletzten Wolfsbruder und in meinem R├╝cken, immer wachend und folgend meine treuen Gef├Ąhrten und Br├╝der. Meine Familie. Es machte mich stolz und gl├╝cklich eine Familie zu haben.

Und hier der letzte Teil vom zweiten Kapitel.
├ťber die ein oder andere R├╝ckmeldung w├╝rd ich mich freuen :rainbow_flag:

KAPITEL ZWEI
Part Drei
Paskoan

Irgendwann kamen wir an meiner H├Âhle am See an. Die Sonne stand mittlerweile hoch am Himmel und warf kurze Schatten auf das seichte Wasser des Sees. Ich wusch die Wunden aus, legte neues Moos auf sie, band es mit einigen Ranken fest und brachte meinen Bruder in die H├Âhle auf mein Lager, wo er m├Âglichst frei von ├Ąu├čeren Einfl├╝ssen genesen konnte. Ich lie├č den Rest des Rudels Wache halten, schnappte mir mein Wams, zog es wieder an und ging kurz zu den Feen. Sie waren immer noch die besten Heilk├╝nstler des Waldes. Auch die Tatsache dass sie wie ich kein Fleisch a├čen machte sie in solchen F├Ąllen noch hilfreicher. Nicht dass dem Heiler der pl├Âtzliche Hunger ├╝bermannt.
Ich war lange Zeit bei den Feen. Sie haben mich Praktisch erzogen und gro├čgezogen. Ganz am Anfang waren sie meine Besch├╝tzer, aber irgendwann war ich zu gro├č und die Wolfsmutter mit ihren f├╝nf neu geborenen Jungen nahm sich meiner an. Nichtsdestotrotz haben die Feen keinen geringen Einfluss auf mich gehabt. Sie lehrten mich ihre Br├Ąuche, Traditionen und Verhaltensweisen. So haben sie mich letztendlich auch zum Vegetarier erzogen.
Sie waren erst erschreckt und geschockt von dem vielen Blut und dem noch intensiveren Geruch danach, kamen aber sofort mit, nachdem ich die Situation erl├Ąutert hatte und sie einige heilende Bl├Ątter und Wurzeln aus ihrem Bau hervor geholt hatten. Wir zogen zur├╝ck zur H├Âhle, wo meine Br├╝der noch immer geduldig in den kleinen Sonnenflecken auf dem Boden auf meine R├╝ckkehr warteten. In der H├Âhle selbst sah ich fasziniert zu wie die Feen alle zusammen mit flinken Bewegungen den Verband entfernten, einige Wurzeln zerkauten, diese in die Wunden strichen, diese dann fest mit Ranken verschlossen, heilenden Goldstaub und einige zerbr├Âselte Bl├Ątter darauf streuten und die Verb├Ąnde wieder neu anlegten. Mit ihrer Hilfe war die ├ťberlebenschance meines Bruders wieder auf ein betr├Ąchtliches Level gestiegen. Jetzt hie├č es nur noch abwarten.
Ich kroch zur├╝ck nach drau├čen zu dem Rest der Rasselbande, die sich immer noch im letzten Sonnenschein des Jahres ausruhte und neugierig zu mir her├╝ber schaute, als ich aus dem H├Âhleneingang trat und auf die Feuerstelle zu ging. Ich sah sie an und setzte das hoffnungsvollste und optimistischste Gesicht auf, das meine Mimik hergab. Beruhigt legten sie wieder die m├╝den K├Âpfe auf die Pfoten, w├Ąhrend ich die letzten Schritte zur Feuerstelle zur├╝cklegte, um den Feen ein Dankesmahl zuzubereiten. Ich wollte etwas wirklich tolles machen, so lief ich einige Zeit in der Umgebung herum, sammelte Honig aus B├Ąumen, suchte frische, reife Waldbeeren und kramte die verbogene Ru├čgeschw├Ąrzte Metallsch├╝ssel aus der H├Âhle und schaute dabei nach meinem Bruder. Er war mittlerweile wieder bei Bewusstsein und hob sachte den Kopf als er mich bemerkte. Ich w├╝nschte ich k├Ânnte ihm die Schmerzen abnehmen, die ihm so offen in den Augen standen und es tat mir weh es nicht tun zu k├Ânnen. So gab ich ihm ein wenig von dem s├╝├čen Honig ab, den er dankbar annahm, leistete ihm noch ein wenig Gesellschaft, streichelte sanft sein weiches Fell und ging schlie├člich weiter bis ans hinterste Ende der H├Âhle und suchte meine wirklich wertvollen Dinge hervor. Ich wollte den Feen einfach nur meine Dankbarkeit ausdr├╝cken. Koste es was es wolle, Hauptsache mein Bruder ├╝berlebt. Unter einem Haufen vertrockneter Bl├Ątter lag versteckt eine dicke Wurzel, ein Maiskolben, etwas Getreide und ganz zuunterst ein kleines St├╝ck Zucker. Ich nahm alles mit nach drau├čen und stellte den Topf auf das Feuer, warf den Zucker und den Honig hinein und lie├č alles sch├Ân Warm werden. Ich plante eine kleine, s├╝├če Suppe zu machen. Danach nahm ich den Maiskolben und warf Korn f├╝r Korn in den Topf. Aus dem Augenwinkel sah ich eine Rasche Bewegung. Es waren die W├Âlfe. Sie hatten Langeweile und waren von dem s├╝├čen Geruch ganz aufgeregt, also sprangen sie herum und schnappten nach den flatternden Feen. Diese jedoch waren so flink, dass sie sich niemals w├╝rden fangen lassen. Schnatternd flogen sie durch die Gegend und die W├Âlfe sprangen hinterher und kl├Ąfften vor vergn├╝gen. Als es den Feen zu viel wurde streuten sie den Hunden Goldstaub in die Nasen. Erst passierte nichts. Dann blieben sie stehen und verzogen ganz merkw├╝rdig ihr Gesicht. Schlie├člich begannen sie zu niesen und konnten scheinbar nicht mehr aufh├Âren. Die Feen kicherten nun ihrerseits vergn├╝gt und auch ich konnte mir ein L├Ącheln nicht verkneifen. Auf einmal h├Ârte ich ein ┬╗plopp┬ź, gefolgt von noch einem und noch einem. Ich sah dass der ganze Topf am h├╝pfen war. Das Essen! Ich hatte es ganz vergessen. Schnell r├╝hrte ich um, aber es war schon zu sp├Ąt. Der Mais hatte sich aufgel├Âst. Stattdessen waren nun viele merkw├╝rdig geformte wei├čliche K├Ârner, die sich langsam mit Honig und Zucker voll sogen. Bek├╝mmert senkte ich den Kopf. Ich w├╝rde nicht noch mal anfangen k├Ânnen, dazu fehlten mir die Zutaten. Eine Fee flatterte vorbei, schnappte sich frech ein Korn aus dem Topf und biss hinein. Ihr Gesicht hellte sich schlagartig auf und sie verschlang das restliche Korn mit einem Bissen. Es flogen immer mehr Feen heran und st├╝rzten sich auf den Topf. Scheinbar schien es ihnen doch zu schmecken. Ich nahm den Topf vom Feuer und nahm mir auch einen von diesen wei├čen Kr├╝meln. Sie schmeckten warm, s├╝├č und verdammt gut. Vermutlich sogar besser als die Suppe. Ich gab den W├Âlfen auch etwas ab und diese verspeisten es gen├╝sslich. Selbst mein verwundeter Bruder mochte es. So lagen wir alle zufrieden im Gras am H├Âhleneingang, a├čen diese s├╝├čen K├Ârnchen und dazu die Waldbeeren und schauten durch das sich immer weiter lichtende Bl├Ątterdach in die Sonne.
Nach einiger Zeit stand ich auf und ging einige Schritte in den Wald hinein, riss mir einen biegsamen, und geraden Ast von einem Nussbaum ab und nahm ihn mit zur├╝ck zur Lichtung. Dort setzte ich mich in die Mitte meiner Wolfsbr├╝der und Feen, schnitzte mit dem Messer ein paar Zweige und Bl├Ątter weg, kerbte die Enden ein und spannte die Sehne dazwischen. Die Feen gaben noch den ein oder anderen hilfreichen Vorschlag und nach einiger Zeit hielt ich einen gespannten, geraden Bogen in den H├Ąnden. Es brauchte schon einige Kraft, um ihn zu spannen, aber das war f├╝r mich eher weniger das Problem.
Als die Sonne schon um einiges tiefer stand machte ich mich auf um Essen f├╝r die folgenden Tage zu sammeln. Zwei der W├Âlfe begleiteten mich, der Rest blieb bei der H├Âhle und passte auf. Ich zog durch den halben Wald, zupfte hier ein paar fruchtige Beeren von einem Strauch, lie├č dort ein paar Kastanien vom Baum regnen, grub woanders ein paar Wurzeln aus und so weiter. Die W├Âlfe halfen mir mit ihren guten Nasen, denn sie fanden immer die besten Sachen. Irgendwann kam ich dem Waldrand immer n├Ąher. Die Neugier und die Sehnsucht zogen mich immer wieder dort hin. Ich lebe zwar die meiste Zeit meines Lebens im Wald, f├╝hle mich aber trotzdem irgendwie den Menschen zugeh├Ârig.
Ich habe schon ein paar Mal versucht mich unter sie zu mischen und mit ihnen zu reden, aber ich wurde immer wieder verscheucht. Man sah es mir wahrscheinlich einfach an, dass ich anders war.
Vor uns ├Âffnete sich der Wald in einen jungen und niedrigen Birkenwald, durch deren orangegelbes Bl├Ątterdach die Sonne ihren Herbstlichen Schein auf den Boden warf und einen sch├Ânen Blick auf den blauen Himmel preisgab. Im leichten Wind flatterten die Bl├Ątter und flogen in gro├čen Mengen langsam auf den Boden. In der Luft lag bereits der deutliche Geruch nach Mensch, nach Rauch, nach Blut und nach dem alles vernichtenden Einvernehmen der W├Ąlder und der Natur. Die Menschen zerst├Ârten ihre Umgebung und Merkten es nicht mal.
Hinter mir blieben die W├Âlfe zur├╝ck und wollten nicht mehr weiter ÔÇô Sie hatten schon einige Schlechte Erfahrungen mit den Menschen gemacht. Ich auch, aber im Gegensatz zu ihnen konnte ich nicht auf sie verzichten.
Die beiden W├Âlfe verblieben spielend im Wald und jagten den letzten Schmetterlingen hinterher, die noch in der sp├Ąten Herbstsonne durch die Gegend flatterten. Das gesammelte Essen lie├č ich bei ihnen.
Ich schlich weiter durch den Birkenwald, kam letztendlich auch an dessen Ende, schlich das letzte St├╝ck geduckt und federte meine Schritte auf dem weichen Laub ab. In der letzten Baumzeile wucherte wie so oft am direkten Waldrand das Unterholz wieder richtig hoch. Ich legte mich auf den Bauch, robbte das letzte St├╝ck und schob ein paar Ranken auseinander. Vor mir tat sich der Blick auf ein mittelgro├čes Tal auf, welches von kleinen bewaldeten Bergen, ja fast schon H├╝geln umgeben war. Die W├Ąlder wogten in orangebraunen Wellen ├╝ber die H├╝gel ÔÇô Bis auf die gro├če Schneise die die Menschen ├╝ber Kilometer gerodet hatten und in der Ferne den Blick auf die gro├če Stadt preisgab, die mit ihren hunderten von stinkenden, rauchenden Schornsteinen an einem Hang lag und von der gro├čen Burg, die alles ├╝berragte, gekr├Ânt wurde. Innerhalb der Schneise lagen Hunderte von kleinen Feldern, auf denen sich das reife Getreide leise raschelnd im leichten Wind wog. Mitten zwischen den Feldern lag das kleine Dorf, das sich wie ein ├Ąngstliches Tier mit rund zwei duzend kleinen und gedrungenen H├Ąusern mitten in das Tal duckte. Alles andere als ├ängstlich waren aber die Bewohner. Sie nahmen sich alles. Ohne zu fragen. Ohne zu bitten. Manchmal mochte ich am liebsten verleugnen, dass ich einer von ihnen bin. Sie t├Âteten alles, was sich ihnen in den Weg stellte. Sie k├Ąmpften wie ich um ihr eigenes ├ťberleben und gegen das, was sich jenseits der Grenzen befindet. Sie waren einfach nur z├Ąh, stiernackig und dickk├Âpfig. All das kannte ich auch von mirÔÇŽSo war ich ihnen gegen├╝ber zwiegespalten. All das dachte ich w├Ąhrend ich aus meinem Versteck in die weite, sonnendurchflutete Feldlandschaft blickte. Pl├Âtzlich h├Ârte ich Hufgetrappel und zog schnell den Kopf ein. Nur wenige Schritte von mir entfernt preschte eine Pferdepatroullie auf dem breiten Pfad am Waldrand vorbei. Die Reiter machten einen gestressten und besorgten Eindruck. Ich ma├č dem keine gro├če Bedeutung bei und steckte wieder den Kopf durchs Geb├╝sch. Nicht weit entfernt von mir arbeiteten ein paar Bauern auf dem Feld, die schon das Getreide einholten und es zu gro├čen Haufen aufschichteten. Auch sie blickten neugierig auf und schauten den Reitern hinterher und wandten sich danach wieder stirnrunzelnd ihrer Arbeit zu. Ich schaute wehm├╝tig in die Richtung des Dorfes. Einmal, irgendwann vor ewiger Zeit, so schien es mir zumindest, lebte ich auch einmal in so einem Dorf. Was w├╝rde ich daf├╝r tun es eines Tages wieder tun zu k├Ânnen. Aber das ging nicht, weilÔÇŽ Mit einem mal prasselten die lang verdr├Ąngten dunklen Erinnerungen wieder auf mich ein, trafen mich wie ein gewaltiger Hammerschlag und drohten mich zu verschlingen. Mir wurde schwindelig und ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Nur eins stand mir jetzt noch im Sinn: Nur weg hier! So war ich leichte beute. Ich stand auf, doch mein Gleichgewicht war vollkommen im Eimer. Schwarze R├Ąnder pulsierten am Rande meines Sichtfeldes und die Mitte war von bunten Punkten geblendet. Mehr stolpernd als gehend versuchte ich weg zu kommen. Aber wo musste ich noch mal hin? Wo war oben und unten? Ich merkte wie der Boden auf mich zugest├╝rzt kam und ich ├Ąchzend aufschlug. Der Schmerz brachte mich zur├╝ck ins hier und jetzt, aber es war zu sp├Ąt. Ich war bereits durch das Gestr├╝pp am Waldrand gebrochen und konnte nicht mehr aufhalten, dass ich die belaubte B├Âschung mit f├╝r meine Verh├Ąltnisse ohrenbet├Ąubenden L├Ąrm herabpurzelte. Nach mehrfachen ├ťberschl├Ągen landete ich endlich mit einem schmerzhaften Ruck auf dem Hosenboden. Die Bauern auf den Feldern hatten ihren Blick ├╝berrascht wieder gehoben und schauten mich aus gro├čen Augen an. Scheinbar war es f├╝r sie nichts allt├Ągliches, dass ein jugendlicher Junge am helllichten Tage aus der Waldb├Âschung gepurzelt kam. So kamen sie neugierig auf mich zu. Eine Schrecksekunde lang sa├č ich noch auf dem breiten Pfad und machte wohl ein ziemlich irritiertes Gesicht. Dann wurde ich mir schlagartig der Situation bewusst und rappelte mich auf. Wenn sie da sind w├╝rden sie fragen stellen. Sie w├╝rden wissen wollen wer ich bin und wo ich herkomme. Das sollen sie auf keinen Fall wissen. So kletterte ich Schnur stracks wieder die B├Âschung hinauf und verkr├╝melte mich so schnell es ging in den Wald. Als ich im rennen noch einmal zur├╝ckschaute sah ich dass sie auf dem Pfad standen und mir ratlos nachsahen, mir aber nicht folgten. Gut so. Ich sammelte die W├Âlfe und das Essen wieder ein und kehrte (scheinbar schien es mittlerweile zur Ausnahme geworden zu sein) ohne weitere Zwischenf├Ąlle zur H├Âhle zur├╝ck, wo der Rest meiner Familie noch auf unsere R├╝ckkehr wartete. Es war schon fr├╝her Abend und die Sonne neigte sich langsam, aber sicher Richtung Horizont. Ein Gutteil der Feen hatte sich bereits zur├╝ck zu ihrem Bau verkrochen, aber ein Paar warteten noch geduldig auf das allabendliche Ritual.
Wir machten uns sofort auf. Ein weiterer Wolfsbruder kam auch noch mit, der andere passte auf meinen verletzten Bruder auf, und ein gutes halbes dutzend Feen flatterte auch noch hinter uns her. Wir zogen gen Westen durch den langsam immer dunkler werdenden Wald. Wir zogen an der Schlucht vorbei, wir zogen an dem Wolfsbau vorbei und wir zogen am Birkenwald vorbei. Schlie├člich verlie├čen wir mein normales Terrain, aber wir zogen dennoch weiter gen Westen, immer dem Horizont entgegen, ├╝ber dem der rot gl├╝hende Feuerball nun nur noch einige Hand breit stand. Irgendwann, nach einiger Zeit des stillen Wanderns wurde der Wald wieder lichter. Die B├Ąume vereinzelten sich, waren schlie├člich ganz zur├╝ck gewichen und machten einer riesigen, sp├Ąrlich bewachsenen und golden beleuchteten Steppe platz, ├╝ber die die Sonne mit letzter Kraft ihre fein gewobenen Strahlen sendete. Die Steppe war gespickt von vereinzelten B├Ąumen und hohen, wie scharfe Z├Ąhne aus dem Boden herausragenden Felsen, die nun noch sch├Ąrfere und lange Schatten in die Gegend warfen. ├ťber das sanft geschwungene, leicht h├╝gelige Land zog sich ein Boden aus hohem, trockenen Gras, welches wundersch├Ân im Licht der sich neigenden Sonne ergl├╝hte und einen leichten Geruch nach vergangener Bl├╝te und frischer Frucht mit sich trug. Im seichten Wind schwankte es leicht, aber es konnten auch genau so gut die Tiere sein, die sich jetzt gegen Abend auf dem Weg zur├╝ck zu ihrem Bau, zur├╝ck zu ihrer Familie befanden und sich schlafen legten. Weit in der Ferne leuchtete das enorm hohe und schon fast verschwommen wirkende Gebirge. Wir setzten uns auf einen von einem l├Ąngst vertrockneten Fluss rund geschliffenen Stein. Meine Br├╝der, die W├Âlfe legten sich um mich herum und dr├╝ckten sich ganz fest an mich und meine Schwestern, die Feen kuschelten sich wohlig in meine Hals und Armbeugen und wir blickten alle vertr├Ąumt in den Sonnenuntergang, der sich nun majest├Ątisch am rotgolden gl├╝henden Himmel abspielte. Und somit neigte sich ein mehr oder minder ereignisreicher Tag dem Ende. Wir sa├čen noch still und gebannt auf dem Stein, bis auch der letzte wundersch├Âne Rest des riesigen Feuerballs hinter den Horizont gekrochen war und uns allein auf der gro├čen, weiten Steppe zur├╝ck lie├č. Aber es st├Ârte uns kaum. Die Sonne w├╝rde morgen wieder aufgehen. Und auch ├╝bermorgen. Aber was das wichtigste war, ist dass wir uns hatten und noch alle lebten. Und so genossen wir das pure beisammen sein einer gro├čen, und umso facettenreicheren Familie.
Weit hinten hinter dem Gebirge in der letzten Abendr├Âte gingen zwei volle Monde auf. Die Feen begannen sachte golden und pulsierend zu leuchten, als sie von dem Schein getroffen wurden. Auf der Steppe bildeten sich erste Nebelschwaden, die im silberr├Âtlichen Schein des Himmels tr├Ąge durch das Gras zogen. Es roch nach frost und Winter. Es wurde kalt und langsam Zeit zu gehen. Wir rappelten uns auf und ohne die K├Ârperw├Ąrme der anderen um mich herum begannen wir sofort zu bibbern. So machten wir uns z├╝gig auf den Heimweg. Wir sprangen vom Felsen hinunter und zogen zur├╝ck nach Osten. Nach Hause. Der Wald war bereits absolut finster, w├Ąhrend sich die Baumwipfel der hohen Tannen noch im letzten Licht wie tiefschwarze Schatten vor dem blauroten Himmel abhoben. Die Feen flogen ein St├╝ck voraus und leuchteten uns den Weg. Das w├Ąre zwar nicht n├Âtig gewesen, da wir alle eine hervorragende Nachtsicht besitzen, aber es vermittelte doch die Atmosph├Ąre von Heimeligkeit und Zusammenhalt.
Als wir fast Zuhause waren h├Ârten wir auf einmal ein knacken. Aber es war nicht irgendein knacken. Es war nicht ein Raubtier, das durch das Unterholz strich. Es war auch nicht ein Ast der von einem Baum gefallen war. Daf├╝r war es zu laut. Es war mehr als nur ein knacks. Es wurde schneller und lauter. Es war das unregelm├Ą├čige Tapsen von jemandem der blind durch den Wald irrt. Die W├Âlfe stellten die Ohren auf und schn├╝ffelten neugierig. Selbst ich, der doch keine Hundenase hatte nahm den scharfen Geruch nach Angst wahr. Das war ungew├Âhnlich.
Neugierig beschlossen wir dem genauer auf den Grund zu gehen.

Ich kommentiere eigentlich nur wenn ich etwa konstruktiv verbessern kann. Das ist gro├čartig, selten einen so sch├Ânen schreibstil gelesen .

Hab dem Kommentar vom lukasimo nichts hinzu zu f├╝gen.Gef├Ąllt mir von Part zu Part besser.Da kommt bestimmt ein h├╝bscher J├╝ngling durch den Wald gestolpert

Joa lang, lang ists her, dass ich den letzten Teil gepostet habÔÇŽnaja daf├╝r heute mal einen l├Ąngeren.
@ lukasimo: Danke :heart_eyes: So was h├Ârt man gerne :slightly_smiling_face:
@ Upsnixan: Auch dir vielen Dank :slightly_smiling_face: Ob sich deine Vermutung best├Ątigt zeigt sich in den n├Ąchsten Teilen

Kapitel Drei
Part Eins
Lionatras

Am n├Ąchsten Morgen wachte ich schwei├čgebadet auf. Der Regen, der gegen die hohen Fensterscheiben prasselte hatte mich geweckt. Einen Moment lang war alles in Ordnung, ich hatte nur ein flaues Gef├╝hl im Magen, doch im n├Ąchsten prasselten all die Ereignisse der vergangenen Tage auf mich ein. Sofort war die neutrale Stimmung wie weggeblasen und ich fing wieder an diese alles verzehrende Leere zu sp├╝ren. Ich schmeckte Blut im Mund, in Gedanken hatte ich mir wohl v├Âllig unbewusst auf die Zunge gebissen.
Bevor jemand mich st├Âren konnte verriegelte ich schnell die T├╝r und ging hinaus auf meinen Balkon. Die Luft im Raum erschien mir auf einmal zu stickig, um weiterhin hier drinnen bleiben zu k├Ânnen. Ich riss die T├╝ren so weit wie m├Âglich auf und stellte mich nach drau├čen in den Regen. Ich blickte hoch in die tief h├Ąngenden Wolkenschwaden und die dicken Tropfen, die auf mein Geicht hinab fielen, vermischten sich mit meinen Tr├Ąnen und rannen in kleinen Str├Âmen auf den Boden zu. In weiter ferne, weit hinten ├╝ber meinem geliebten Wald war blauer Himmel zu sehen und die Sonne tauchte die geschwungene Landschaft beim Aufgehen in ihren herbstlichen Schein. Was w├╝rde ich daf├╝r tun hier weg zu kommen. Weg von all dem, weg von der Hochzeit, weg von meinen schrecklichen Eltern und nur weg von dieser h├Ąsslichen Burg mit ihrem fast schwarzen Gem├Ąuer, das einen immerzu zu erdr├╝cken schien. Aber das ging nicht. Ich war nun mal ein Prinz und als Prinz hatte man das zu tun, was der K├Ânig einem verordnet. Frustriert wirbelte ich herum und setzte mich zur├╝ck auf mein Bett.
Im Laufe des Tages klopfte es mehrfach, aber ich reagierte weder auf das andauernde Zureden, noch auf die Versuche mir Essen unterzuschieben und sa├č einfach nur apathisch auf meinem Bett, w├Ąhrend der Tag immer weiter voran strich. Irgendwann schlief ich wieder ein und tr├Ąumte von Freiheit. Von erf├╝llter Sehnsucht. Und von Geborgenheit. Von Geborgenheit, die mir nicht Kaldes gab. Der Ganze Traum f├╝hlte sich wundersch├Ân an und ich wollte ihn nicht verlieren, aber schon tauchten die fiesen Finger aus dem Nebel des Traumes auf und zogen mich brutal zur├╝ck in die Wirklichkeit. In dem Moment, in dem ich meine Augen aufschlug, hatte ich eine Entscheidung gef├Ąllt. Mir war es egal ein Prinz zu sein. Ich w├╝rde mich nicht von meinem Vater herumkommandieren lassen. Die formvollendete Wildheit der Natur zog mich unwiderstehlich an. Es tat zwar weh von all dem loszulassen, erst recht von meinem Lieblingsbruder Kaldes, aber es ging nicht anders. Ich w├╝rde abhauen. So froh und selbstbewusst wie schon lange zuvor nicht mehr trat ich best├Ąrkt von meinem Entschluss hinaus auf den Balkon. Es hatte aufgeh├Ârt zu regnen und die Wolken hatten sich verzogen. Unter mir befand sich erst der Burghof, und noch weiter unten die Hauptstadt Silberfels. Die gr├Â├čte aller St├Ądte aller K├Ânigreiche. Sie war von oben ganz h├╝bsch anzusehen, mit den hunderten von steilen Gassen und den eng verwinkelten Fachwerkh├Ąusern, die ├╝ber und ├╝ber mit kleinen spitzen T├╝rmchen und einer Vielzahl von Schornsteinen gespickt waren. Die H├Ąuser schmiegten sich an den Hang und schienen eine Mauer zwischen Burg und Natur zu bilden. Reges Treiben herrschte auf den Hauptstra├čen, wo die Bauern ihre Esel zu H├Âchstleistungen antrieben, um die voll beladenen Karren den Weg hoch zur Burg zu bringen und den st├Ądtischen Kornspeicher zu f├╝llen. Die Kette der Wagen ging hinunter bis zu den Stadttoren und sogar noch weiter. Dieses Jahr war ein gutes Erntejahr gewesen. Peitschenschl├Ąge und das gequ├Ąlte aufschreien der entkr├Ąfteten Tiere erf├╝llte die Luft, zusammen mit dem freudigen Lachen spielender Kinder, die zwischen den Wagen herflitzten und dem normalen Rummel einer gro├čen Stadt. Hinauf wehte der ekelhafte Gestank von Mist und ungewaschenen Menschen, der in den Stra├čen sogar noch schlimmer und im Sommer fast unertr├Ąglich war. Aber manchmal, wenn ein kr├Ąftiger Wind aufzog, brachte er den wundervollen Geruch nach frischem Laub, nach Gr├╝ne und lebendiger Natur mit. Vom Wald. Ich selber war zwar noch nie so weit weg gewesen, konnte mir aber nur vorstellen, dass es wundervoll war. Weit hinter den Stadttoren und weit hinter den sich ├╝ber Kilometer erstreckenden Feldern und Wiesen lag er in seiner vollen Pracht. Die Sonne beleuchtete die die sanft geschwungenen, dicht bewaldeten H├╝gel mit ihrem goldenen Schein. Der Wald hatte viele Farben. Es gab alles von Orange bis Rot. Von Braun bis Gr├╝n. Die Vielzahl der B├Ąume und Pflanzen schien kein Ende zu nehmen. Das war es, wo ich hin wollte.

F├╝r den Rest des Tages verfiel ich in ein reges Treiben. Ich sa├č auf dem Bett und baute flei├čig Luftschl├Âsser. Dachte mir alles bis ins kleinste Detail aus. Wie sch├Ân es wohl werden w├╝rde, wie Frei ich w├Ąre, wie wunderbar weich sich der Boden unter meinen F├╝├čen anf├╝hlen w├╝rde, wie sch├Ân es w├Ąre all die wilden Tiere zu sehenÔÇŽW├Ąhrend ich so da sa├č gingen mir auch so einige Gedanken durch den Kopf, die sich mit den Dingen besch├Ąftigten, die ich mitnehmen wollte. Da waren in erster Linie meine B├╝cher. Dann nat├╝rlich auch noch Tinte, Feder und Papier. Ich wollte ja meine Eindr├╝cke festhalten. Und nat├╝rlich noch etwas zu essen. Ich lief zur T├╝r, schob den Riegel beiseite und ├Âffnete sie. Auf der anderen Seite erwarteten mich eine Vielzahl von Speisen und Getr├Ąnken auf Tabletts, die sich im Laufe des Tages dort angesammelt hatten und die ich nun schnell ├╝ber die Schwelle zog, bevor ich die T├╝r wieder verriegelte. Ich ├╝berlegte kurz, wie ich das alles transportieren wollte, dann fiel mir oben auf dem hohen Eichenschrank ein Zipfel Stoff ins Auge. Das war der Leinensack, in dem die Magt normalerweise meine Kleidung zum waschen wegtrug. Was f├╝r Anziehsachen in Ordnung war, sollte f├╝r B├╝cher und Essen gerade recht sein. Ich zog den schweren Stuhl hinter meinem Schreibtisch hervor, stellte ihn vor den Schrank und stieg drauf. Das ist der Nachteil wenn man nicht allzu gro├č ist. Man braucht immer irgendetwas zum draufstellen um an hoch gelegene Sachen dran zu kommen. Im vergleich zu meinen Br├╝dern war ich wirklich klein geraten, aber vielleicht kommt das ja noch. Mithilfe des Stuhls schaffte ich es, zog den Sack vom Schrank und sprang wieder hinunter. Ich ging zu dem Regal, das voll beladen mit meinen Lieblings B├╝chern an der Wand lehnte. Ich stand einige Zeit davor. Am liebsten w├╝rde ich alle mitnehmen, aber das w├╝rde wohl zu schwer werden. So entschied ich mich f├╝r ein gutes Dutzend B├╝cher, die ich in den Sack stopfte. Dann stopfte ich die trockenen Teile des Essens, die genug an Verpflegung f├╝r einige Wochen sein sollten, dazu und legte das mittlerweile doch recht schwere B├╝ndel auf den Boden. Ein schneller Blick nach drau├čen zeigte mir, dass die Sonne schon drauf und dran war unter zu gehen. Ich sollte fr├╝h schlafen gehen, damit ich morgen bei Sonnenaufgang los gehen k├Ânnte, aber ich war ├╝berhaupt nicht m├╝de. Vermutlich, weil ich am Nachmittag so viel geschlafen hatte. Oder es war die Aufregung und Vorfreude, die in mir brannte. Ich wuselte noch eine Zeit lang in meinem Zimmer herum, fand aber nichts mehr, was ich noch h├Ątte tun k├Ânnen. Ich setzte mich aufs Bett und schaute unruhig in der Gegend herum. Mein Magen knurrte. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich seit Gestern nichts gegessen und getrunken hatte. Ich schnappte mir eins der Tabletts auf der eine Schale kalte H├╝hnersuppe und ein Teller mit ein paar Scheiben trockenem Brot standen. Ich wollte gerade den ersten Bissen nehmen, als es wieder Klopfte. Ich lie├č meine linke Hand sinken und rief gereizt ┬╗Was ist?┬ź KaldesÔÇÖ sanfte Stimme r├Ąusperte sich ┬╗Lio, bitte lass mich mal kurz rein. Ich muss mit dir reden.┬ź Ich ├╝berlegte einen Moment. Es w├Ąre nicht sehr gut, w├╝rde ich ihm von meinem Vorhaben erz├Ąhlen. Und es nicht zu tun, w├╝rde schwer werden. Andererseits w├╝rde ich Kaldes liebend gerne noch ein letztes mal sehen. Seufzend stand ich auf und schob den Riegel beiseite. Da musste ich wohl auf meine Schauspielk├╝nste vertrauen. Sofort machte Kaldes die T├╝r auf und schl├╝pfte in mein Zimmer. Interessanter weise verriegelte er die T├╝r hinter sich wieder. Unauff├Ąllg kickte ich den Sack unters Bett. Wir setzten uns auf mein Bett und Kaldes sah mir lange in die Augen. Ich hatte Angst, dass er alles, was ich dachte darin lesen konnte. Vielleicht war es ja auch so. Kaldes war zwei Jahre ├Ąlter als ich und gef├╝hlt drei K├Âpfe gr├Â├čer als ich. Dazu breit wie ein Schrank und der zuk├╝nftige Kriegsherr von Silberfels. Auf dem Schlachtfeld war er ungez├Ąhmt, stark und gef├╝rchtet, so erz├Ąhlte man es sich zumindest. Doch jetzt sah er mich nur aus gef├╝hlvollen dunkelblauen Augen an und pustete sich eine schwarze Str├Ąhne aus dem Auge. Wir standen uns sehr nahe. Er schien nach Worten zu ringen. ┬╗Lio, ichÔÇŽ┬ź. Er stockte und setzte erneut an. ┬╗Was unsere Eltern mit dir anstellen wollen finde ich unter aller Sau. So was ist nicht in Ordnung. Du sollst wissen, dass du jede Unterst├╝tzung von mir bekommst, die du brauchst. Wenn es sein muss hole ich dich da irgendwann aus dem Loch raus. Und mir ist es egal, ob mein Ruf oder meine Stellung darunter leidet. Schlie├člich bist du mein Bruder, und Br├╝der halten zusammen. Das scheinen die anderen nur noch nicht kapiert zu haben.┬ź Ich schluckte schwer und musste mich derbe zusammen rei├čen, um nicht doch noch alles auszuplaudern. Aber ÔÇťIrgendwannÔÇŁ reichte mir nicht. Ich wollte gar nicht erst dort hin! Aber dennoch war ich tief ger├╝hrt. ┬╗Danke┬ź brachte ich mit versagender Stimme heraus und nahm ihn in den Arm. Er umfing auch mich mit seinen kr├Ąftigen Armen und ich f├╝hlte mich geborgen wie nirgendwo sonst. Dass dies vermutlich eins der letzten male oder das letzte mal war, dass ich ihn sah versetzte mir einen tiefen Stich. Ich dr├╝ckte ihn nur umso heftiger. Nach einer kleinen Ewigkeit setzte er sich auf und lie├č mich los. ┬╗Wir sehen uns morgen.┬ź, sagte er und wuschelte mir im gehen noch einmal durch die Haare. Dann war er, genau so schnell wie er gekommen war, wieder verschwunden. Es war mittlerweile dunkel geworden in meinem Zimmer. Ich starrte die T├╝r noch lange an, unf├Ąhig mich zu bewegen. Irgendwann schaffte ich es dann aber doch, schleppte mich zur T├╝r und schob den Riegel wieder vor. Dann a├č ich doch noch einen Happen, doch alles schmeckte nach nichts. So stellte ich das Tablett bald wieder weg, ohne aufgegessen zu haben. Wo doch sonst mein Appetit eigentlich recht ordentlich war. Ich legte mich innerlich ausgelaugt auf das Bett und war nicht einmal mehr in der Lage mich zuzudecken. Ich starrte apathisch an die Decke und dachte nach. KaldesÔÇÖ Besuch scheint alles geplante auf den Kopf zu stellenÔÇŽAndererseits w├╝rde er mich nicht ganz und gar davor bewahren k├Ânnen nach Sturmtal zu gehen. Die traurige Melodie einer Leier zog von der Stadt durch die noch immer ge├Âffneten Fenster herein und ein leichter Wind brachte die Bl├Ątter der B├Ąume auf dem Burghof zum rascheln. Es roch nach Herbst. Und nach Wald. Der Wald, den ich nie sehen w├╝rde, wenn ich nach Sturmtal ziehen w├╝rde. Ich war schon so weit gekommen, hatte alles gepackt und wollte dann doch noch kneifen? Mit immer weiter im Kreis drehenden, wirren Gedanken schlief ich letztendlich doch noch ein.

Das ferne Morgengrauen riss mich aus meinem wenig erholsamen Schlaf. Mir war bitter kalt. Ich lag eng zusammen gerollt auf meinem Bett und ein schneidender Wind pfiff durch die offenen Fenster. Mein Hirn schien mir wie ein einziger verknoteter Klumpen zu sein. Und dazu noch vereist. Ich streckte mich, stand auf und und h├╝pfte eine Weile durch die Gegend, bis mir wieder warm wurde. Schlie├člich begab ich mich wieder einmal auf den Balkon und versuchte meine Gedanken zu sortieren. Die Sonne ging in der Ferne im r├Âtlich-orangenen Schein auf und strahlte die wenigen, fluffigen Wolken an. Es w├╝rde ein sch├Âner Tag werden. Vermutlich auch warm. Ich stellte mir jede erdenkliche Situation vor, die mir widerfahren k├Ânnte, doch keine erweckte solch eine Faszination und solch ein wohliges Gef├╝hl wie die, eins mit dem Wald zu sein und von allem unabh├Ąngig zu sein. Und damit war der Entschluss gefasst. Ich w├╝rde gehen. Ich w├╝rde es durchziehen. Damit w├╝rde ich zwar den Zusammenhalt, den Kaldes mir gestern Abend gepredigt hatte, ├╝ber den Haufen werfen, aber das konnte mir jetzt egal sein. Ich w├╝rde es ihm erkl├Ąren. Mit neu gewecktem Optimismus zog ich den Stuhl wieder zum Schreibtisch heran und schrieb in s├Ąuberlichster Schrift einen Abschiedsbrief f├╝r Kaldes. Ich schrieb ihm all meine Gef├╝hle und Gr├╝nde f├╝r meinen Entschluss, die ich anderen gegen├╝ber nicht mal erw├Ąhnt h├Ątte. Au├čerdem bat ich ihn in dem Brief mein Verschwinden nicht sofort zu melden, um mir etwas Vorsprung und Zeit zu verschaffen, die ich wohl bitter n├Âtig hatte. Schlie├člich w├╝rde ich im Gegensatz zu den Wachen nicht mit meinem Pferd unterwegs sein, da sich das im wilden Dickicht des Waldes nicht anbot. Aber bis ich erstmal den Wald erreicht habe wird es einige Zeit dauern. Und ich bin mir absolut sicher dass mein Vater sofort nach mir suchen l├Ąsst, sobald er erf├Ąhrt, dass ich nicht mehr da bin. Ich schrieb die letzten Worte und setzte schlie├člich meine geschwungene Unterschrift unten auf das nun voll gef├╝llte Blatt Papier. Das einzige was jetzt noch fehlte war etwas festere Bekleidung.
Ich zog meinen Reisemantel an und dazu meine Reitstiefel. Ich ├╝berlegte erst ob ich noch eine Weste mitnehmen wollte, entschied mich dann aber dagegen, schlie├člich war es drau├čen noch ziemlich warm und ich w├╝rde sie nur schleppen m├╝ssen. Als ich fertig war schnappte ich mir den Sack und den Brief und ging Richtung T├╝r. Bevor ich das Zimmer verlie├č schaute ich mich allerdings noch einmal zufrieden um und pr├Ągte mir alles genau ein. Ich hatte nicht vor jemals hierhin zur├╝ck zu kehren. Jetzt ging es auf in eine bessere und endlich vollkommene Welt und ich w├╝rde sp├Ąter ├╝ber dieses L├Ącherliche Arrangement nur noch lachen k├Ânnen. W├Ąhrend ich das dachte rutschte mir der Sack immer weiter aus der Hand. Mein zufriedener Gesichtsausdruck entgleiste ein wenig. Mist. Er war einfach zu schwer um ihn die ganze Zeit in der Hand halten zu k├Ânnen. Ich setzte ihn wieder ab, und kramte Nadel und Faden aus dem Bodensatz einer der Truhen hervor, wobei auch ich ein winziges in Leder gebundenes Buch fand, das ich schon seit Jahren suchte. Es war so klein dass es m├╝helos in meine Handfl├Ąche passte und besa├č angelaufene Kupferbeschl├Ąge und leicht vergilbte Seiten. Nichtsdestotrotz waren das die sch├Ânsten Erinnerungen meiner fr├╝hen Kindheit. Ich kann mich noch erinnern wie ich gespannt auf dem Scho├č meiner Mutter sa├č, w├Ąhrend sie mir die uralten M├Ąrchen aus diesem Buch vorgelesen hat. Ich w├╝rde mich unm├Âglich von diesem kleinen B├╝chlein trennen k├Ânnen, also lie├č ich es in meine Manteltasche gleiten und ging mit dem N├Ąhzeug zu dem Kleiderschrank. Innen drin befand sich ein Haufen Kleidung, aus dem sich nun zwei Hemden von ihrem Saum trennen mussten, den ich kurzerhand abschnitt. Es tat mir nicht weh diese Kleider zu zerst├Âren. Ich hatte ja schlie├člich genug. Den abgeschnittenen Saum faltete ich doppelt und n├Ąhte ihn umst├Ąndlich mit groben Stichen an den Sack an den Enden an. Das gleiche machte ich mit dem zweiten. So hatte ich nun zwei Schlaufen an denen ich den Sack bequem auf dem R├╝cken tragen konnte. Ich begutachtete das Resultat einen Moment. Es sah nicht sehr professionell oder ordentlich aus, aber es w├╝rde halten m├╝ssen. Ich setzte den Sack auf, schnappte mir den Brief und trat ohne mich ein weiteres mal umzuschauen hinaus auf den fensterlosen Gang. Auch um diese helle Tageszeit war es hier vollkommen frei von Sonnenlicht und nur die Fackeln, die in regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden an der aus groben Stein gemauerten Wand hingen, gaben ihren flackernden Schein ab und schw├Ąngerten die Luft mit stickigem Rauch. Ich lief eilig zu KaldesÔÇÖ Zimmer. Die G├Ąnge hier waren das reinste Labyrinth, aber in den vielen Jahren hatte man gelernt sich zurecht zu finden, auch wenn ich immer noch neue Abk├╝rzungen fand.

Als ich schlie├člich vor seiner T├╝r angekommen war und einigen vorbeieilenden Dienern ausgewichen bin, die sehr ├╝berrascht waren mich zu sehen, klopfte ich unser geheimes Klopfsignal, das wir f├╝r uns beide vereinbart hatten. Ich wollte ihm den Brief geben und ihn bitten ihn erst einige Stunden sp├Ąter zu ├Âffnen. Aber niemand machte auf. Auch nach dem zweiten und dritten Klopfen ├Âffnete niemand. Ich hielt einen der zahlreichen Diener an.
┬╗Wo ist Kaldes?┬ź fragte ich ihn. Er senkte wie es sich geh├Ârte den Kopf, aber starrte mich aus rebellierenden Augen aus an. Die Dienerschaft schien wie alle anderen nicht besonders viel von mir zu halten. Sie gaben mir zwar oberfl├Ąchlich betrachtet alles, was ich brauchte, aber das auch nur, weil ich der Sohn des K├Ânigs war und es schon so manches mal ├ärger mit ungeh├Ârigen Dienern gab, der meistens in deren Tod endete. Genauer betrachtet gaben sie mir nicht mal das was mir zustand. Das Essen war meistens noch halb Roh, die Hemden und Hosen zu eng gen├Ąht und in den Blicken lag wie auch jetzt unverhohlene Abneigung. ┬╗Kaldes ist zur Zeit nicht da┬ź antwortete der Diener. ┬╗Das sehe ich.┬ź, antwortete ich k├╝hl. Ich war es leid diese Blicke zu ertragen. Zum Gl├╝ck w├╝rde ich das bald nicht mehr m├╝ssen. ┬╗Aber WO ist er?┬ź fragte ich betont. ┬╗Er ist mit seinem Pferd au├čer Haus beim Hofschmied in der Stadt. Er wird vermutlich in den n├Ąchsten Stunden nicht wiederkommen.┬ź Mist! Ich w├╝rde ihn also nicht mehr wieder sehen. Vielleicht war es ja besser soÔÇŽnachher w├╝rde ich mich noch verraten. ┬╗Danke. Viel Spa├č noch bei deiner Arbeit heute.┬ź Und dem Rest deines Lebens, f├╝gte ich in Gedanken hinzu. Der Diener warf mir noch einen letzten vernichtenden Blick zu, drehte auf dem Absatz um und machte sich davon. Was die blo├č immer hattenÔÇŽAls die Schritte im Gang verklungen waren b├╝ckte ich mich und schob den Brief unter der T├╝r hindurch.
Schnell stand ich wieder auf, denn ich h├Ârte bereits die herannahenden trippelnden Schritte der weiblichen Dienerschaft. Warum musste die ganze Burg denn immer so voll mit bediensteten sein? Zu viele Leute, die mein Verschwinden beobachten. Ich dr├Ąngte mich an den M├Ągten vorbei, die gro├če K├Ârbe mit W├Ąsche trugen, flei├čig schnatterten und mich nicht zu beachten schienen, und ging z├╝gig in Richtung des Thronsaals. Der Entschluss abzuhauen zog mich freudig vorw├Ąrts durch die langen, tristen Flure. Alles zog nur an mir vorbei, denn ich wusste dass ich bald drau├čen sein w├╝rde. Nie mehr diese Flure entlanglaufen. Nie mehr. Diese Vorstellung erf├╝llte mich mit einem gro├čen Gl├╝cksgef├╝hl. Schlie├člich erreichte ich die st├Ąhlernen Fl├╝gelt├╝ren auf denen von zwei Fackeln beleuchtet das gro├če Familienwappen prangte. Die T├╝ren selbst waren so gro├č, dass 3 M├Ąnner ├╝bereinander h├Ątten hindurchgehen k├Ânnen. Zwei schwer gepanzerte Wachen flankierten das Portal und verkreuzten ihre Hellebarden vor mir, als ich eintreten wollte. Wie immer. Sie wussten doch wer ich war. Alle hatten was gegen mich. Normalerweise h├Ątte ich jetzt einen Wutanfall bekommen, doch das allgemeine Hochgef├╝hl verhinderte es. Ich warf ihnen nur ein eisiges L├Ącheln zu und ging ohne zu z├Âgern weiter auf das Tor zu. Das einzige was man h├Âren konnte waren meine hallenden Schritte im Gang. Als ich nur noch wenige handbreit von den Waffen entfernt war zogen sie sie freiwillig mit einem lauten metallischen Klirren zur├╝ck, das die Stille zerriss. Ihnen war wohl doch noch klar geworden wer ich bin und was f├╝r Konsequenzen es haben k├Ânnte, den Sohn des K├Ânigs aufzuspie├čen. Vermutlich eher weniger des Sohnes Willen, als mehr wegen der geplatzten Hochzeit. Naja, die w├╝rde eh nicht mehr statt finden. Mein l├Ącheln wurde w├Ąrmer und etwas schelmisch. Durch die heruntergeklappten Visiere konnte ich die Augen der W├Ąchter nicht erkennen, da sie im tiefen Schatten lagen, doch ich war mir sicher dass sie mir vernichtende Blicke zuwarfen, als sie sich gegen das schwere Tor dr├╝ckten und es m├╝hevoll aufschoben. Ich trat hindurch und lief geradeaus auf die Thr├Âne meiner Eltern zu. Ein blausilberner Teppich durchzog den ganzen Raum von dem Tor bis hin zum Thronpodest. Der Raum selber war riesig. Er war bestimmt drei├čig Schritt hoch, zwanzig breit und sechzig lang. Auf beiden Seiten lie├čen unz├Ąhlige hohe Fenster den Raum heller erstrahlen. Die Sonne warf auf der Ostseite k├╝rzer werdende goldene Strahlen durch die Fenster, die den umherwirbelnden Staub in rote Funken verwandelte. Es wurde bereits Mittag. Sie zeichneten die Muster der Scheiben auf den Boden, die von einstigen heroischen Taten unserer Familie handelten. Die hohe Decke schm├╝ckte ein reich verziertes Kreuzgew├Âlbe, das von unz├Ąhligen massiven S├Ąulen getragen wurde. Auf dem Boden zu beiden Seiten des Teppichs standen eine gro├če Anzahl h├Âlzerner B├Ąnke und Tische zwischen erkalteten Feuerstellen. Sp├Ąt Abends und Nachts feierten hier die Krieger, die von ihren Patroullien an den Grenzen zu den Anderslanden wiederkehrten. Wenn sie wiederkehrten. Nicht selten verschwand ein ganzer Trupp oder nur einzelne Personen kehrten zur├╝ck, meist schwer verwundet, nur um mal wieder zu berichten, dass die Bestien erneut ins K├Ânigreich eingefallen sind. Wir auf der anderen Seite schlachteten hunderte von Bestien ab. Sie galten als Primitiv und nur wenige wussten es besser. Wie ich. Kaldes war schon mehrfach an den Grenzen gewesen, hatte viele Narben davongetragen und hat mir erz├Ąhlt, wie es dort wirklich abl├Ąuft. Es herrschte Krieg. Nur das wollte hier am Hof niemand wahr haben.
Ich trat n├Ąher an das Podest heran und blieb stehen. Meine Mutter blickte auf, als sie mich h├Ârte und ihr Federkiel hielt ├╝ber dem Dokument inne, auf dem Sie einen Bericht niederschrieb. Vermutlich den der letzten Patrouille. Sie l├Ąchelte mich an. Sie schien heute nicht mehr mit mir gerechnet zu haben. ÔÇ×Schau mal wer da ist, Freldon.ÔÇť Sagte sie. Als er nicht antwortete blickte sie ihn streng an und knuffte ihn in die Seite. Er schrak auf und schlug die Augen auf. ÔÇ×Was, woÔÇŽoh Ismara, was ist los?ÔÇť fragte er verschlafen. ÔÇ×Schau mal wer da ist.ÔÇť Wiederholte meine Mutter und dann erfasste sein Blick mich auch endlich. ÔÇ×Lio! Sch├Ân dich zu sehen! Deine Mutter und ich haben uns Sorgen um dich gemachtÔÇŽdu bist gestern den ganzen Tag nicht aus deinem Zimmer gekommen.ÔÇť Er klang jetzt schon wieder etwas wacher. Ich wechselte vorsichtshalber schnell das Thema, bevor wir auf die Hochzeit zu sprechen kamen. Das w├╝rde meine Hochstimmung sofort wieder vernichten. Ich grinste ihn scheu an. ÔÇ×Und? Warst du wieder tief in deinen Gedanken versunken?ÔÇť Er begann zu strahlen. ÔÇ×Aber ja! Ich hatte soeben ├╝ber den Verlauf der Schlacht um Varael sinniert, in der ich noch ein kleiner Junge warÔÇŽÔÇť Auch meine Mutter musste schmunzeln. Wir hatten beide das leise Schnarchen geh├Ârt.
Immer noch das leichte Grinsen auf den Lippen fragte ich ÔÇ×Habt ihr etwas dagegen, wenn ich den sch├Ânen Tag heute nutze? Es ist Herbst und wer wei├č wie viele es dieses Jahr noch geben wird. Und es w├╝rde mir vielleicht auch ganz gut tun mal raus zu kommen.ÔÇť
Sie schienen ├╝berrascht von der pl├Âtzlichen Gem├╝ts├Ąnderung und sie rangen einen Moment nach Worten. ÔÇ×Ja, klar! Wir finden das sogar gut. Wir wissen alle dass du gerade eine schwere Zeit durchmachstÔÇŽNimm dir die Auszeit die du brauchst. Wo soll es denn Hingehen?ÔÇť
Auf diese Frage war ich vorbereitet gewesen. ÔÇ×Auf die Wiesen unterhalb der StadttoreÔÇŽich wollte mich ein bisschen in die Sonne legen und lesen. Keine Sorge, Wiesel kommt mit.ÔÇť
Wiesel war unser Hund. Er war noch relativ jung, aber er hat sich sehr an mich gew├Âhnt und wir waren sozusagen beste Freunde.
ÔÇ×In Ordnung. Aber sei zum Sonnenuntergang wieder da.ÔÇť Verst├Ąndnisvoll nickten sie mir zu.
ÔÇ×Danke.ÔÇť Sagte ich und wandte mich mit einem fr├Âhlichen Grinsen ab. Aber das Grinsen schenkte ich nicht ihnen, sondern mir. Ich l├Ąchelte frohlockend in mich hinein, w├Ąhrend ich die Halle in Richtung Tor durchquerte. Es war so einfach gewesen. Sie hatten alles ohne zu zweifeln geschluckt. Auch von meiner Seite aus h├Ątte ich nicht gedacht, das ich sie ohne Gewissensbisse w├╝rde auf ewig verlassen k├Ânnen, sie waren schlie├člich meine Eltern, doch jetzt war ich einfach nur noch froh weg zu kommen. Als ich das Tor durchquerte setzte ich die Kapuze des Reiseumhangs auf und ging hinunter zum Burghof.

Lio,sollte auch den jungen,h├╝bschen Stallburschen mitnehmen.Dann hat er in den kalten N├Ąchten,etwas um sich zu w├Ąrmen und zumkuscheln.

Bin ich echt so leicht zu durchschauen? :smile:
Ich hab die Geschichte nochmal ganz durchgelesen und meine, dass ich ihn noch nie erw├Ąhnt habeÔÇŽ
Naja heute mal ein k├╝rzerer TeilÔÇŽhab morgen die Theorie Pr├╝fung f├╝r den F├╝hrerschein.
Der Part ist aber trotzdem wichtig f├╝r den weiteren Verlauf.

KAPITEL DREI
Part zwei
Lionatras

Als ich aus dem Tor auf den Sonnen beschienenen Hof hinaustrat mussten meine Augen sich erstmal an das glei├čende Licht gew├Âhnen. Trotz all der Fackeln war es im Burginneren immer noch sehr dunkel. Doch bevor ich wieder klar sehen konnte h├Ârte ich auch schon lautes Kettengeraschel, schnell n├Ąher kommende Schritte und ein freudiges Hecheln. Wiesel kam mit solch einer Geschwindigkeit angeflitzt, dass er mich umwarf und zur├╝ck in das Burginnere bef├Ârderte. Zum Gl├╝ck wurde ich von einem Haufen W├Ąscherinnen aufgefangen, die sich laut fluchend beschwerten und die Kleidung wieder einsammelten, die nun im ganzen Eingangsbereich verstreut lag. Doch ich k├╝mmerte mich nicht drum. Wiesel war da. Er legte mir die Pfoten auf die Schultern und schleckte mir begeistert das Gesicht ab. Ich meinerseits schob meine H├Ąnde in sein weiches hellbraunes Fell. Ich war gl├╝cklich. Sei es auch nur f├╝r einen Moment, aber ich war auf dem besten Weg gl├╝cklicher zu werden. Und Wiesel sollte auf jeden Fall mitkommen. Ein Leben ohne ihn konnte ich mir nicht vorstellen.
Ich stand umst├Ąndlich wieder auf und lief ├╝ber den Hof zu den Stallungen. Wiesel trottete neben mir her. Meine Augen hatten sich auch mittlerweile an das helle Licht gew├Âhnt und nun erkannte ich das rege treiben auf dem Platz. Es waren bereits etliche Leute unterwegs, wie einige Jungs in meinem Alter, die am Rand im Schatten der hohen Mauer standen und sich wieder einmal rauften oder den Hofdamen hinterher pfiffen. Meine Eltern fragten mich immer warum ich nicht immer mit ihnen die Zeit vertrieb, aber die Antwort blieb immer die Selbe. Sie waren nicht mein Typ. Ich war zwar auch ein bisschen sch├╝chtern, aber mich interessierten ├╝berwiegend einfach andere Themen als die von denen. Im Gegensatz zu ihnen konnte mich nicht einen Tag lang ├╝ber Essen und die neuesten, vermutlich allesamt erstunkenen ÔÇťRuhmestatenÔÇŁ auslassen. Wahrscheinlich hatten sie noch nie ein Buch gelesen. Weitere Themen waren nat├╝rlich auch die Frauenwelt und das gegenseitige Aussehen. Sie verglichen sich miteinander und der h├Ąsslichste bekam meist eine tracht Pr├╝gel. Immer diese Eitelkeit. Auch wenn ich da nat├╝rlich auch meine Vorbilder hatte. Ich blickte einem jungen Stallburschen, der in just diesem Moment an mir vorbei lief, hinterher. Er war zwar nicht sehr edel gekleidet, war fast immer dreckig, aber er hatte dennoch sch├Ânes Gesicht und schien sich ebenfalls etwas von der Raufbande abzusondern. Vor allem hatte er sich in den letzten Monaten sehr gemacht. Noch vor kurzem war er schlaksig und unbeholfen gewesen, doch jetzt schienen seine massigen Schultern und Oberarme sein Gewand zu sprengen und er bewegte sich geschmeidiger. Ihn anzusprechen kam leider nicht infrage, da ich das K├Ânigshaus nicht mit Bediensteten reden durfte, au├čer um Befehle zu erteilen. Silmor hatte mal eine Freundin in der Dienerschaft. Es kam raus und sie landete am Galgen. Wer auch immer dieses Bescheuerte Gesetz verabschiedet hatte. Er war nur ein Knecht und ich wollte ihn nicht in Gefahr bringen. Ich sa├č manchmal stundenlang auf dem Balkon und beobachtete ihn und die Welt um mich herum. Aber immer wenn ich in den Hof sah, sprang er mir immer zu aller erst ins Auge. Er schien mich auch zu bemerken, denn manchmal kreuzten sich unsere Blicke f├╝r einen Moment, doch er wusste wahrscheinlich genauso gut wie ich, dass mein Vater eine Freundschaft nie zulassen w├╝rde. Ihn f├╝r immer zu verlassen versetzte mir dann doch einen Stich. Tief in Gedanken stolperte ich ├╝ber einen aus dem Boden herausragenden Stein und viel hin. Wiesel konnte gerade so noch ausweichen und sprang zur Seite. Der Bursche, von dem ich noch nicht einmal den Namen wusste, drehte sich verwundert zu mir um und kam zu mir. ÔÇ×Hast du dir wehgetan?ÔÇť Fragte er mit einer angenehm rauen Stimme. Verwirrt err├Âtete ich und stammelte ÔÇ×NeinÔÇŽes geht schon.ÔÇť ÔÇ×Na gut.ÔÇť Sagte er, warf mir ein schiefes L├Ącheln zu und streckte mir eine Hand hin. Dankbar ergriff ich sie und er zog mich mit einer einzigen fl├╝ssigen Bewegung hoch. M├╝helos, wie es schien. ÔÇ×Danke.ÔÇť Erwiderte ich sch├╝chtern, wurde rot und schalt mich innerlich f├╝r meine Ungeschicktheit. Schnell drehte ich mich um und lief gefolgt von Wiesel weiter zum Stall und trat ein. In dem langen Holzbau mit den kleinen verstaubten Dachfenstern, die nur wenig tr├╝bes Licht hindurch lie├čen und dem warmen Geruch nach Pferden hatte ich mich schon immer wohl gef├╝hlt. Jetzt war ich sauer auf mich. Ich h├Ątte ihn doch ansprechen sollen. Das war die Gelegenheit gewesen. Ich ging den menschenleeren Gang im Stall entlang und erreichte schlie├člich die vierzehnte Box von Links. Darin stand Flocke, mein Pferd. Sie war wei├č und hatte nur eine kleine schwarze Flocke auf der Stirn. Auch sie w├╝rde ich gerne mitnehmen, doch ich wusste, dass die Wege im Wald, die ich zweifellos w├╝rde nehmen m├╝ssen, nichts f├╝r Pferde waren. Also musste ich sie wohl oder ├╝bel hier lassen. Traurig klopfte ich ihr den Hals, was sie mit einem warmen Schnauben auf mein Gesicht beantwortete. Sie war ein sehr gutm├╝tiges Pferd und hatte mich schon durch dick und d├╝nn getragen. Ich stand noch einige Zeit gedankenverloren an ihrer Box und streichelte sie, w├Ąhrend hinter mir Wiesel darum buhlte endlich aufzubrechen. Irgendwann h├Ârte er auf zu winseln und durch die Gegend zu springen. Ich drehte mich um und sah, dass der Junge an der Box hinter mir lehnte und mich beobachtete. Das schwache Licht, das durch das staubige Dachfenster fiel beleuchtete seine dunkelblonden Haare mit einem leichten goldenen Schimmer und spiegelte sich in seinen hellbraunen Augen. Ich hatte keine Ahnung wie lange er da schon so stand. Einen Moment lang schauten wir uns nur an. ÔÇ×Ich bin Finn.ÔÇť Sagte er irgendwann, wobei wieder dieses irgendwie faszinierende, schiefe L├Ącheln in seinem Mund- und Augenwinkel aufblitzte. ÔÇ×Lio.ÔÇť Sagte ich etwas verbl├╝fft. ÔÇ×Du bist doch der Sohn vom K├Ânig, oder?ÔÇť Als ob er das nicht l├Ąngst wusste. ÔÇ×JaÔÇť schnell blickte ich zu Boden. Ich war keineswegs stolz darauf. ÔÇ×Also Lio, wo soll denn die Reise heute hin gehen?ÔÇť In meinem Kopf ├╝berschlugen sich die Gedanken. Ich wollte ihn nicht anl├╝gen, doch einweihen konnte ich ihn auch nicht. Ich musste eine L├Âsung finden. Und zwar schnell, bevor es unglaubw├╝rdig erschien. Schlie├člich entschied ich mich ihm das Gleiche wie meinen Eltern zu erz├Ąhlen. ÔÇ×Ich will zu den Wiesen unterhalb der Stadt. Du wei├čt schon, einen der letzten Herbsttage genie├čen.ÔÇť Ein schelmisches Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit. ÔÇ×Was ist los?ÔÇť fragte ich. ÔÇ×Nun, ich hatte das Selbe vor. Macht es eurer Hoheit etwas ausÔÇť er machte eine ├╝bertrieben schwungvolle Verbeugung ├╝ber die ich innerlich zu prusten anfing, ÔÇ×wenn ich euch begleite?ÔÇť Erwartungsvoll schaute er mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. Oh nein. Warum musste das Schicksal blo├č so grausam sein und mir ausgerechnet an dem Tag, an dem ich mein Leben f├╝r immer verlassen wollte das einzige schicken, dass mich hier halten konnte? Aber auch er w├╝rde mein Leben nicht einfacher machen. Im Gegenteil. Wenn herauskam, dass ich mich mit einem Stallburschen angefreundet hatte w├╝rde es ein riesiges Donnerwetter von oben geben. Zusammen mit lebensl├Ąnglichem Hausarrest.
Ich entschied mich das Schicksal zu missachten und keine Risiken einzugehen. Alles w├╝rde besser werden, wenn ich erst mal von Zuhause fort war. W├Ąhrend ich noch verzweifelt nach dachte, wie ich ihm am besten beibringen konnte nicht mit zu kommen versteinerten sich seine Gesichtsz├╝ge. Er drehte auf dem Absatz um und schritt eilig, aber unauff├Ąllig ohne ein weiteres Wort davon. Verwirrt sah ich ihm nach. Erst dann schaltete mein Hirn und ich drehte mich um, um zu schauen was ihn vertrieben hatte. Hinter mir stand Silmor. Ich hatte ihn nicht kommen h├Âren. Er trug einen schweren Ledersattel ├╝ber der Schulter und sah mich ver├Ąchtlich an. ÔÇ×Na? Probleme mit diesem dreckigen Stallburschen?ÔÇť Er spuckte auf den Boden. ÔÇ×Wenn es dir nichts aus macht k├Ânnte ich ihn ohne Probleme aus dem Weg schaffenÔÇŽÔÇť Das war eine unausgesprochene Drohung. Ein beinahe hysterisches ÔÇ×Nein!ÔÇť kam ├╝ber meine Lippen. ÔÇ×Nein? Ist da vielleicht doch was zwischen euch? Du wei├čt doch, was f├╝r eine Schande das w├ĄreÔÇŽÔÇť Ich konnte es bei seiner Vergangenheit zwar irgendwo verstehen, aber dieser Bruder regte mich Tag f├╝r Tag aufs Neue auf. Das best├Ąrkte mich nur noch mehr in meinem Entschluss all das hier hinter mir zu lassen. ÔÇ×Nein ist es nicht! Ich hatte ihn nur gerade instruiert, wie der Stall richtig sauber zu machen ist. Siehst du diese Flecken da auf dem Boden? Das geht ja gar nicht!ÔÇť erwiderte ich gereizt. Ich zeigte auf das astreine, saubere Stroh auf dem Boden. Das musste man Finn lassen. Er machte es echt gr├╝ndlich. ÔÇ×Den kn├Âpfe ich mir vor!ÔÇť ÔÇ×Es war nicht Finn.ÔÇť Beeilte ich mich klarzustellen. ÔÇ×Es war ein anderer. Er hat aber nicht gesagt wer.ÔÇť ÔÇ×Soso, FinnÔÇŽÔÇť murmelte er vor sich hin, als er sich umdrehte, in die benachbarte Box ging und sein Pferd Gladio sattelte. Er murmelte noch ein ganzes Weilchen vor sich hin. Da ich dem nichts mehr hinzuzuf├╝gen hatte gab ich Flocke einen letzten klaps auf den Hals, pfiff Wiesel herbei und ging schnell aus dem Stall, wobei ich Silmors Blick noch lange in meinem R├╝cken sp├╝rte. Ich trat aus dem tr├╝ben, staubigen D├Ąmmerlicht hinaus in die glei├čende Sonne des Burghofes und sah mich nach Finn um. Doch ich konnte ihn nirgendwo sehen, was ich letztendlich doch schade fand. Aber es war besser so. Ein letztes Mal sah ich mir alles ganz genau an. Ich w├╝rde nie wieder hierher zur├╝ckkehren. Ich atmete tief durch. Es w├╝rde eine lange Reise werden, deren Ende ich nicht vorhersehen konnte. Das Schicksal, die Alten G├Âtter oder wer auf immer werden mir schon den Weg weisen. Voller Zuversicht machte ich mich auf den Weg und ging ein letztes Mal durch das hohe Tor, das die Burg von der Stadt trennte.

Lio und Finn;h├Ârt sich nach einem tollen Paar an.Die Treffen sich doch noch au├čerhalb der Burg.Finn schleicht ihm doch nach?!?!

Ich spiele echt mit dem Gedanken es noch einzubauenÔÇŽw├Ąre eine sch├Âne Fortf├╝hrung dieses Geschichts-Strangs :wink:

KAPITEL DREI
Part drei
Lionatras

Unter mir erstreckte sich nun Silberfels in hellem Sonnenschein, das viele Hunderte, wenn nicht gar tausende von eng an den Berg gedr├Ąngten H├Ąusern umfasste, deren D├Ącher die Nachmittagssonne glei├čend reflektierten. Ein leiser Wind fl├╝sterte durch die schwindenden Baumkronen und fegte einige Bl├Ątter in verschiedensten orange- bis rot-t├Ânen in die Luft, trug sie hinab ins Tal und brachte den leichten Geruch von Herbst mit. Die H├Ąuser sahen alle mehr oder minder gleich aus. Sie waren alle alt und stammten zu einem gro├čen Teil noch aus den Gr├╝ndungszeiten von Silberfels. Keine der neueren Hausbaumethoden konnte es mit der von damals aufnehmen. Nat├╝rlich gab es kleinere und gr├Â├čere, sch├Ânere und bauf├Ąlligere H├Ąuser, dennoch waren sie alle aus wei├čem, teils recht grob gebrochenen Stein gebaut und ihre D├Ącher bestanden aus kleinen Schindeln, die silbern schimmerten. Aus dem selben Stein wie die Schindeln war auch der Berg, auf dem die Burg Silberfels stand. So kam alles zu seinem Namen. Im Silberfels selber wurde in den letzten Zeitaltern tief gesch├╝rft, etliche verlassene, eingest├╝rzte und verzweigte Stollen zeugen davon, doch dies wurde aufgegeben, weil nichts darauf hindeutete, dass das silberne Gestein irgendeinen Verwendungszweck au├čer dem H├Ąuserbau haben k├Ânnte. Die alten Mienen sind nun seit Jahrhunderten unbenutzt, bis auf Gesindel wie Schmuggler und Schwarzh├Ąndler. Sie sind die Einzigen, die sich in den verschachtelten und d├╝steren G├Ąngen zurecht finden.
Ich blieb einen Moment hier oberhalb aller D├Ącher stehen und lie├č den Eindruck auf mich wirken. Man musste den Vorfahren schon lassen dass sie ein au├čerordentliches Gesp├╝r f├╝r Sch├Ânheit hatten. Alles schien im Einklang mit dem blauen Himmel, den weitl├Ąufigen Feldern und dem dahinter liegenden Wald. Die Stadt verschwamm zwar nicht mit der Natur, aber dennoch machte sie den Eindruck, als w├╝rde sie hier hin geh├Âren und schon seit Anbeginn der Zeit hier stehen. Nach einem letzten Seufzer setzte ich meinen Weg fort und schritt z├╝gig die breite, gewundene mit sandfarbenen Steinen gepflasterte Allee hinab, die die Hauptstra├če der ganzen Stadt war. Sie schl├Ąngelte sich von dem Haupttor weit unten ├╝ber die vielen Terrassen und Ebenen, aus denen diese Stadt bestand durch einige Viertel hindurch hinauf zur Burg. Demnach war diese Stra├če auch viel befahren: Unz├Ąhlige Bauern trieben ungeduldig ihre Esel zu H├Âchstleistungen an, um das frisch geerntete Getreide den doch recht steilen Weg hinauf in die Burg zu den Kornspeichern zu bringen, betuchtere Damen stiegen mit gerafften Kleidern und ger├╝mpften Nasen ├╝ber die Hinterlassenschaften der Esel, schnatterten dabei ├╝ber die neueste Mode, Eilkuriere galoppierten mit ihren Pferden in jeden Teil der Stadt und zur Burg zur├╝ck und arme, in Lumpen gekleidete und abgemagerte Jungen schnappten sich hier und dort unauff├Ąllig einen Apfel aus einem der Wagen. Zun├Ąchst, auf den h├Âheren Ebenen, f├╝hrte die Stra├če durch die Stadtteile die es zu recht anschaulichem Wohlstand gebracht hatten. Hier waren die H├Ąuser sehr hoch, reich geschm├╝ckt an Verzierungen und stilvoll angemalt. Gepflegte B├Ąume und Beete s├Ąumten die Allee. Zwischen allen H├Ąusern konnte man die in regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden verteilten mystischen T├╝rme sehen. Sie waren gut vier mal so hoch, wie die umliegenden H├Ąuser, aus einem schillernden blauen Material gebaut und niemand wusste, wozu sie da waren. Bei Sonnenschein wagte sich niemand auch nur in die N├Ąhe dieser T├╝rme, da alle D├Ącher der H├Ąuser zu mindestens einem der T├╝rme gerichtet waren und sie das Licht der Sonne auf das blaue Material warfen, das das Licht allerdings vollkommen verschluckte. Bei Sonnenschein war es um die T├╝rme herum so warm, dass jeder der ihnen zu nahe kam schlimme Verbrennungen davon trug. Man hatte schon mehrfach versucht, sie abzurei├čen, um einerseits Platz f├╝r neue H├Ąuser zu schaffen, denn die Stadt quoll ├╝ber und um andererseits die Gefahrenquelle aus dem Weg zu r├Ąumen. Nur wie es das Schicksal so wollte hatten die Vorfahren die T├╝rme so massiv gebaut, dass nichts, was wir heute kannten, sie zerst├Âren konnte. Ich setzte den Weg weiter ├╝ber die Hauptstra├če fort, wobei diese mit abnehmender H├Âhe immer voller wurde. Immer mehr stinkende, ├Ąrmlich gekleidete Menschen waren auf der Stra├če unterwegs und immer mehr Unrat lag auf der Stra├če. Wiesel lief mit eingezogenem Schwanz eng neben mir, ihm war dieser Menschenauflauf gar nicht geheuer. Rechts und Links der Stra├če t├╝rmten sich die H├Ąuser direkt an und teilweise auch ├╝ber dem Bordstein, winzige Gassen, so schmal dass kaum ein Mann aufrecht und mit ausgestreckten Armen hindurch gehen konnte durchzogen dass Gewirr der H├Ąuser, zwischen denen vielerorts W├Ąscheleinen und Bretter zum ├ťberlaufen in andere H├Ąuser hingen. Etwa auf halber H├Âhe des Berges befand sich der gro├če Marktplatz, durch die die Stra├če hindurch lief. Mittlerweile war es keine Allee mehr. Wenn es mal eine war, dann wurden wohl ├╝ber die vielen Winter hinweg die B├Ąume gef├Ąllt um wenigstens etwas Brennholz zu haben oder sie wurden von den Menschenmassen einfach ├╝berrannt. Ich schlenderte kurz zu einem der zahlreichen Marktst├Ąnde, schnappte mir eine gut aussehende Frucht und warf dem H├Ąndler eine Silberm├╝nze zu. Er freute sich wahnsinnig ├╝ber sein Gl├╝ck. Wahrscheinlich war eine Silberm├╝nze zu viel, aber ich hatte auch keine Lust lange in der Tasche herum zu kramen. An einem anderen Stand kaufte ich Wiesel ein paar W├╝rste. Weiter unten, kurz vor dem Haupttor der Stadt stand es noch schlimmer um die Menschen. Die H├Ąuser waren verdreckt, teilweise einsturzgef├Ąhrdet und generell mehr grau als wei├č. Die Gassen waren noch enger und noch verschmutzter. Entlang der Hauptstra├če waren Wachen aufgestellt, um das Gesindel in den Gassen von der Stra├če fern zu halten, denn dieser Teil der Stadt war das Territorium der Diebe, M├Ârder und anderer Verursacher b├Âser Machenschaften und ein Zentrum der Korruption. Kurz darauf erreichte ich die riesige, wei├če Stadtmauer. Sie war fast 30 Mann hoch, gut gepflegt um eventuellen Angriffen lange standhalten zu k├Ânnen und war mit Soldaten und Wachen gespickt. Die Mauer zog sich rund um die Stadt, in gleichm├Ą├čigen Abst├Ąnden waren massive T├╝rme eingelassen, die noch einmal fast doppelt so hoch wie die Mauer waren und auf deren Spitze sich wieder die blauen T├╝rme wieder fanden. Ich schritt durch das riesige Haupttor, dass kolosshaft ├╝ber mir gen Himmel ragte. Die Vorfahren hatten zwar einen Sinn f├╝r Sch├Ânheit, aber trotzdem schienen sie gerne zu ├╝bertreiben, dachte ich mir. Das Tor war eines von vier Toren, die in jede Himmelsrichtung aus der Stadt hinaus f├╝hrten. Dieses war das gr├Â├čte von allen, zehn voll ger├╝stete Wachen standen auf jeder Seite und betrachteten die vorbei flie├čenden Massen missmutig. Hinter dem Tor f├╝hrte die nun nicht mehr gepflasterte Stra├če hinaus in die Wildnis. Hinaus in die Freiheit. Ich grinste gl├╝cklich und schritt etwas weiter aus, um schneller Anzukommen, wo auch immer mich mein Weg hin f├╝hren w├╝rde. Die Welt hinter dem Tor sah gleich ganz anders aus. Die Stra├če war nur noch eine von Schlagl├Âchern gespickte Holperpiste, die durch den starken Regen der letzten Tage v├Âllig matschig und aufgew├╝hlt war. Unz├Ąhlige Wagenr├Ąder hatten tiefe Spurrillen gezogen und man konnte die Pferde├Ąpfel h├Ąufig nicht von Matschhaufen unterscheiden. Ein breiter Ring von kleinen Holzh├╝tten umzog die Stadt. Hier lebten all die jenigen, die aus der Stadt verbannt waren, oder keinen Platz mehr fanden. Das K├Ânigreich quoll ├╝ber, es gab zu wenig Essen, zu wenig Platz und zu viele Menschen. Leid und Hunger quoll ├╝ber all aus den unverglasten Fenstern der H├╝tten. Es stank widerlich nach Aas und Exkrementen. ├ťberall erlosch Leben und wurde neues, hoffnungsloses geboren. Wie gut, dass ich nicht zu diesem Gesindel geh├Âre, dachte ich mir nur. Mein Vater w├╝rde schon daf├╝r sorgen, dass immer genug zu Essen auf den Tisch kam. Nach weiteren zehn Minuten hatte ich auch diesen unsch├Ânen Teil der Stadt verlassen und nun befand ich mich inmitten der weitl├Ąufigen Felder. Die Menschenmasse hatte sich mittlerweile verteilt und immer weniger Menschen kreuzten meinen Weg. ├ťberall waren Bauern auf den Feldern und ernteten Getreide, Hopfen und Fr├╝chte. Wiesel war nun ausgelassener, beschnupperte jede Ecke, markierte sein Revier und tollte ausgelassen durch das hohe Gras am Wegesrand. Die Sonne stand hoch am Himmel und beleuchtete die Welt in ihrem herbstlichen Schein. Ich schloss die Augen, hob den Kopf und lie├č mir gen├╝sslich das Gesicht vom warmen Sonnenschein umflie├čen. Orangene Bl├Ątter wirbelten im wilden Spiel des Windes durch die Luft und Wiesel fand sichtlichen Spa├č daran ihnen hinterher zu rennen und sie aus der Luft zu schnappen. Nach einiger Zeit erreichten wir eine Weggabelung, die in alle m├Âglichen verschiedenen Teile des K├Ânigreichs und auch andere K├Ânigreiche f├╝hrte. Ich stand einige Momente unentschlossen an der Weggabelung und entschied mich schlie├člich f├╝r einen schmalen Weg, der nach Furgudas, einem kleinen Dorf westlich von Silberfels f├╝hrte. Ich wollte nicht nach Furgudas, aber ich wusste, dass in der Richtung die sch├Ânsten Wiesen der Umgebung lagen, und da ich eh gesagt hatte, dass ich einen sch├Ânen Nachmittag auf den Wiesen verbringen wollte, dachte ich mir, dass ich das auch ruhig machen k├Ânnte. So schlenderten wir einige Zeit den Trampelpfad unter laubenden B├Ąumen entlang, der nur sehr wenig begangen war. Auf der gesamten Strecke kam uns niemand entgegen. Irgendwann spuckte uns der Weg auf den Wiesen aus. Ich suchte nach einem sch├Ânen, halbwegs trockenen und warmen Pl├Ątzchen und fand schlie├člich einen flachen Findling, den die Sonne ordentlich aufgeheizt hatte und auf dem ich mich nun niederlie├č, nachdem ich den Rucksack neben mir abgelegt hatte. Wiesel tollte auf der Wiese herum und schnappte nach den letzten Schmetterlingen, die sich noch blicken lie├čen. Vertr├Ąumt schaute ich mich um. In meinem R├╝cken befand sich der Wald, dessen Laubb├Ąume orangerot in der Sonne leuchteten. Linkerhand entsprang ein Bach und schl├Ąngelte seinen Weg durch das hohe Gras mit, das mit dutzenden bunter Blumen gespickt war. Die Blumen schienen die letzten Sonnenstrahlen aufzufangen und schienen mit den anderen Blumen um die meiste Sonne zu konkurrieren, denn sie waren alle noch ein mal pr├Ąchtig aufgebl├╝ht und schillerten in allen Farben und Formen. Etliche M├╝cken und Insekten segelten durch die Luft, hell umrahmt im Sonnenlicht und wurden von den letzten V├Âgeln geschnappt, damit sie den Winter ├╝berstanden. Vor mir standen keine B├Ąume und die Wiese lief absch├╝ssig ins Tal hinab. Von hier aus hatte man einen fantastischen Ausblick auf die gegen├╝berliegenden Berge, auf deren Kuppen sich schon der erste Schnee abzeichnete. Auch sie waren rotbraun gef├Ąrbt und schienen in dem hellen Sonnenlicht zu brennen.
So sa├č ich dort einige Zeit, w├Ąhrend die Sonne ihren Lauf nahm. Wiesel hatte sich inzwischen ausgetobt und war unter meinen Arm gekrabbelt, wo ich ihn sanft streichelte. Er genoss es mit einem leisen Brummen. Dort sa├čen wir nun, betrachteten zufrieden die Landschaft und f├╝hlten uns einfach wohl. Irgendwann nahm ich meinen Rucksack zur Hand, gab Wiesel die W├╝rstchen a├č selber die Frucht und nahm ein Buch zur Hand, um es endlich weiter lesen zu k├Ânnen.

Sehr sch├Ân.Jetzt kommen die W├Âlfe aus dem Wald und der Stallbursche eilt herbei und rettet Lio.

Eine sehr interessante Geschichte. Habe sie gestern angefangen zu lesen und finde sie bis jetzt
echt gut gelungen, vorallem der Schreibstile l├Ąsst einen direkt in die Geschichte hineinversetzen,
was ich an Geschichten ziemlich sch├Ątze/mag. :slight_smile:

Hoffe auf eine sehr baldige Fortsetzung!! :slight_smile:

SoÔÇŽjetzt kommt endlich mal wieder ein PartÔÇŽHab am Wochenende nicht viel Zeit gefunden und der Part ist komplett neu geschrieben.
Danke Upsnixan f├╝r die die Anregung :wink:
Und auch dir Danke, Dragon900. Freut mich, dass es dir gef├Ąllt :slight_smile: Der Schreibstil entwickelt sich allerdings im Laufe der Zeit meistensÔÇŽIst vermutlich in diesem Part auch bemerkbar (Die ersten Teile hab ich vor gut einem Jahr geschrieben). Ich hoffe, dass er immer noch klar geht.

KAPITEL DREI
Part vier
Lionatras

http://www.youtube.com/watch?v=1rXI72Kr6tw [Robin Hood - Fate Has Smiled Upon Us]
Das Lied hab ich beim Schreiben geh├ÂrtÔÇŽpasst eigentlich ganz gut dazu. :wink:

Ich war erst wenige Seiten weit gekommen, als pl├Âtzlich aus der Ferne Hufgetrappel schnell n├Ąher kam. Ich dachte erst daran mich zu verstecken, doch es w├Ąre sinnlos. Die n├Ąchsten B├Ąume standen einige hundert Schritt weit entfernt und der Stein bot kaum Schutz. Au├čerdem durfte ich hier ruhig angetroffen werden. Ich war noch genau dort, wo alle mich erwarteten. Also versenkte ich meinen Blick wieder im Buch und tat besch├Ąftigt. Vermutlich irgend ein Kurier auf dem Weg nach Furgudas. Pl├Âtzlich begann Wiesel aufgeregt mit dem Schwanz zu wedeln. Das Hufgetrappel wurde leiser und verklang schlie├člich ganz, als ein Schatten ├╝ber mich fiel. Ich blickte auf und ein breites L├Ącheln flog mir aufs Gesicht. Auf dem Pferd sa├č nicht irgend ein Kurier, sondern aufrecht und erhaben Finn. Er hielt lediglich die Z├╝gel in seiner Hand und war ohne Sattel geritten. Die Sonne stand in seinem R├╝cken und hob seine breite Statur noch einmal hervor. Seine mittellangen Haare lagen ihm zerzaust in der Stirn und wippten sachte im leichten Wind. Er sah mich aus blitzenden Augen an und freute sich offensichtlich auch sehr mich wieder zu sehen. Zumindest lie├če sich das aus dem seligen Grinsen schlie├čen, was bis zu seinen Ohren zu reichen schien. ┬╗Hallo, Lio.┬ź Er schien eine Antwort zu erwarten, doch meine Gedanken schweiften immer wieder ab. Nicht zum ersten mal fielen mir seine tiefen Gr├╝bchen ins Auge. Ich h├Ątte ihn ewig anstarren k├Ânnen, doch irgendwann zuckte er mit den Schultern und sprang er in einer flie├čenden Bewegung vom Pferd und klopfte ihm den Hals. Was faszinierte mich blo├č so an diesem Jungen?
Ich erwachte aus meiner Starre und kr├Ąchzte ┬╗HalÔÇŽ┬ź Warum hat man in solchen Momenten blo├č immer einen Frosch im Hals? Ich r├Ąusperte mich dezent und setzte erneut an. ┬╗Hallo, Finn.┬ź Ich war ehrlich gesagt nicht ganz ├╝berrascht ihn hier zu sehen. Aber es gab unz├Ąhlige Wiesen rund um die Stadt, da war es schon eine gute Leistung, dass er mich hier so bald getroffen hatte. ┬╗Wie hast du mich gefunden?┬ź Er drehte sich zu mir um und streichelte dem Pferd weiter den Hals.
┬╗Das ist Miro, mein Freund und Tr├Ąger. Es hat auch wenige Vorteile im Stall zu arbeiten, wei├čt du.┬ź Erst jetzt warf ich einen genaueren Blick auf das Pferd. Es war braun, ├Ąhnlich wie seine AugenÔÇŽDazu war es ebenfalls recht gro├č und kr├Ąftig. Starke Muskelstr├Ąnge zogen sich ├╝ber die Beine. Es hatte eine wei├če, l├Ąngliche Blesse auf der Stirn und l├Ąngere, dunkle Haare um die Fesseln. Seine M├Ąhne und Schweif waren ebenfalls Schwarz. Alles in allem ein wirklich prachtvolles Pferd, fast schon eines K├Ânigs w├╝rdig, aber in jedem Fall ungew├Âhnlich f├╝r einen Stallburschen.
┬╗Er ist der schnellste L├Ąufer des Stalls. Ich hab ihn einmal bei einer Wette mit dem Stallmeister gewonnen. Und wie ich dich gefunden habe? Ich wei├č es nicht. Ich bin einfach meinem Bauchgef├╝hl gefolgt. Und das hat mich direkt zu dir gef├╝hrt.┬ź Finn lie├č seine Hand an MiroÔÇÖs Hals entlang gleiten, lie├č sie schlie├člich fallen und l├Ąchelte mich unsicher an. Finn gab Miro einen kleinen Klaps, der ein St├╝ck lief und schlie├člich begann sich an den Herbstblumen den Bauch voll zu schlagen. Wir schauten ihm beide eine Weile zu, ohne dass ein Wort gesprochen wurde. Erst jetzt kam mir der Gedanke, dass seine Anwesenheit meine gesamte Planung Abzuhauen durcheinander werfen w├╝rde. Wie sollte ich es ihm beibringen? Ich blendete den Gedanken schnell aus und konzentrierte mich wieder auf die Gegenwart, als Wiesel sich pl├Âtzlich wieder regte, der noch immer unter meinem Arm lag und der nun aufsprang und schwanzwedelnd auf Finn zulief. Dieser b├╝ckte sich und zerzauste ihm das Fell. Sie tollten eine Weile miteinander und ich sah fast ein wenig eifers├╝chtig zu, denn Wiesel schien Finn fast genau so zu vertrauen wie mir. Irgendwann schien der Hund aber doch genug zu haben und sprang stattdessen lieber weiter den Schmetterlingen hinterher. Ich sah ihm l├Ąchelnd zu, aber sp├╝rte nach einiger Zeit Finns Blick auf mir Liegen. Ich sah zu ihm hoch. Er sah mich noch immer an und stand etwas unentschlossen wenige Schritt vor mir auf der Wiese. ┬╗Was liest du denn da?┬ź Fragte er irgendwann.
Ich hielt den vergilbten Lebereinband hoch ┬╗Das hier? Das ist eine ziemlich alte Geschichte, die von einem meiner Vorfahren ├╝ber seine Liebe zur Natur und zu seinen Freunden geschrieben wurde.┬ź
┬╗Klingt spannend.┬ź Meinte Finn, allerdings wenig ├╝berzeugt. ┬╗Du magst also die Natur?┬ź
┬╗Ja, sehr sogar. Sonst w├Ąre ich nicht hier drau├čen, wo ich doch auch Zuhause im dunklen Gem├Ąuer lesen k├Ânnte.┬ź Bei dem Wort ÔÇťZuhauseÔÇŁ musste ich einmal Schlucken. Jetzt war es nicht mehr mein Zuhause.
┬╗Dann haben wir ja doch mehr Gemeinsamkeiten, als ich dachte.┬ź Er warf mir ein l├Ącheln zu und in seinen Augen blitzte es leicht. ┬╗Aber warum liest du, wenn du hier drau├čen bist, anstatt die Natur zu erleben?┬ź Diese Frage verbl├╝ffte mich jetzt. Da wusste ich jetzt so auch keine Antwort drauf. Von wegen einfacher Stallbursche. In ihm steckt mehr, als man denkt.
┬╗├ľhhÔÇŽ┬ź stotterte ich. ┬╗Gute Frage. Vielleicht, weil die Geschichten sehr fesselnd sind? Oder, weil ich auch so etwas von der Natur mitbekomme?┬ź Antwortete ich schwach. Er zog eine Augenbraue hoch, schien nicht g├Ąnzlich ├╝berzeugt, ging aber auch nicht weiter darauf ein. Er druckste etwas herum.
┬╗Kannst du mir etwas daraus aus vorlesen? Es ist schon so viele Jahre her, dass mir etwas vorgelesen wurde. Das letzte mal kurz bevor meine Mutter starb, als ich vier war.┬ź
Erschrocken blickte ich ihn an. ┬╗Deine Mutter ist tot?┬ź Er nickte traurig.
┬╗Und mein Vater auch. Mama konnte lesen. Sie war eine Dame vom Hof gewesen, hatte sich aber in Papa verliebt und ihr Leben dort aufgegeben. Ich bin ihr ├Ąltester Sohn. Kurz bevor ihr zweites Kind geboren werden sollte ist sie krank geworden und hat es nicht geschafft.┬ź Betreten schaute er zu Boden. Langsam redete er weiter, w├Ąhrend er mit dem Fu├č ein paar Kiesel auf dem Boden umher schob. ┬╗Mein Vater hat mich dann gro├čgezogen, aber er war nur ein einfacher Holzf├Ąller. Die Goldreserven und der restliche Schmuck von Mama waren bald aufgebraucht und es reichte kaum zum ├╝berleben. Er arbeitete Tag und Nacht, um uns durch den Winter zu bringen. Schlie├člich hat er sich selbst w├Ąhrend eines Unwetters hinaus gewagt, um noch mehr Holz zu schlagen. Er meinte noch, dass ihm nichts passieren w├╝rde, w├Ąhrend ich alleine in unserer H├╝tte am Stadtrand. Er kam nie wieder. Das war vor zwei Jahren.┬ź
┬╗Das ist ja schrecklich!┬ź Ich konnte es gar nicht richtig in Worte packen. ┬╗Tut mir Leid.┬ź
┬╗Naja das Leben geht weiter. Danach hab ich mich eine Zeit lang vom Stehlen ern├Ąhrt und wurde schlie├člich erwischt. Der Ladenbesitzer hat sich Gott sei Dank meine Geschichte angeh├Ârt und bekam Mitleid mit mir. Er vermittelte mich an den Hof, wo dringend Stallburschen gesucht wurden. Er verabschiedete sich mit dem Satz: ÔÇťWenn irgendwann noch etwas aus dir wird, kannst du mir ja den Apfel mal zur├╝ck zahlenÔÇŁ. Da war ich vierzehn. Seit dem arbeitete ich im Stall.┬ź Er endete. Ich war sprachlos. Mir wurde erst jetzt klar, dass ich eigentlich eine ganz gute Kindheit hatte.
┬╗Mama hatte leider nicht mehr die Gelegenheit mir das Lesen beizubringen. Und die groben Geschichten von all den anderen Bediensteten taugen nichts, wenn man einmal richtige B├╝cher geh├Ârt hat.┬ź
┬╗Nat├╝rlich kann ich dir was vorlesen!┬ź Ich f├╝hlte mich irgendwie schuldig, dies f├╝r ihn zu tun. Er hob den Kopf wieder und ein gl├╝ckliches L├Ącheln wischte seine Traurigkeit weg. Ich bl├Ątterte wieder zum Anfang der Geschichte, w├Ąhrend er zu mir kam und es sich neben dem Stein im Gras gem├╝tlich machte. Wiesel kam wieder an und legte sich zwischen uns. Finns Augen schauten vertr├Ąumt in die vorbeiziehenden Wolken, als ich begann vorzulesen und ihm immer wieder unauff├Ąllige Seitenblicke zuwarf.

Sch├Ân diese Romantik.Der Witz des Tages ist dir aber mit dem ÔÇťLebereinbandÔÇŁ gelungen.
Schnell weiter,will wissen wann sie ├╝bereinander herfallen.

Whoops :laughing: Ich habs nicht mehr so ganz Korrektur gelesen. Aber wenn es zur allgemeinen Belustigung beitr├Ągt darf ich mir so was ja mal erlauben :wink:
Ist recht kurz, der heutige PartÔÇŽaber auch wieder von Bedeutung.

KAPITEL DREI
Part f├╝nf
Lionatras

Das letzte Kapitel war zu Ende und ich wischte mir verstohlen eine Gl├╝ckstr├Ąne von der Wange, die ich wegen des gl├╝cklichen Endes vergossen hatte. Ich klappte das Buch zu und stellte erschrocken fest, dass die Sonne nun schon sehr nah am Horizont stand und die neuerlich heran ziehenden wattigen Wolken lodernd in ihrem orangelila schein beleuchtete. Die V├Âgel hatten mittlerweile ihr Abendkonzert angestimmt. Ich sah zur Seite und sah Finns leuchtende Augen auf mir liegen. Er hatte sich auf seinen Ellbogen gest├╝tzt zu mir gedreht. Wiesel lag eng an ihn gekuschelt neben Finn und schnarchte wohlig.
┬╗Das war eine sehr sch├Âne Geschichte. Und du hast eine tolle Stimme.┬ź f├╝gte er mit einem scheuen l├Ącheln hinzu.
┬╗Danke.┬ź Ich sp├╝rte mich leicht rot werden. Das Kompliment bedeutete mir echt einiges.
Eine Brise rauschte durch durch das hohe Gras und wirbelte einige Bl├Ątter auf, die raschelnd davon flogen.
Er sah in den Himmel und sprang abrupt auf. Wiesel wurde wach, jaulte ein mal erschrocken auf und versteckte sich schnell mit eingezogenem Schwanz hinter meinem R├╝cken.
┬╗Oh nein! Ich hab ganz die Zeit vergessen! Wenn bis zum Sonnenuntergang nicht die St├Ąlle sauber sind bekomme ich ernsthafte Probleme. Dann bekomm ich die n├Ąchsten Tage mal wieder nichts mehr zu EssenÔÇŽ┬ź Er Pfiff gehetzt, woraufhin Miro angetrabt kam. Dann sah mich traurig an. ┬╗Tut mir echt Leid, dass ich jetzt schon weg muss. Aber ich fand es wundersch├Ân. Wenn du magst k├Ânnen wir das h├Ąufiger machen.┬ź Er sprang in einer ebenso flie├čenden Bewegung wieder auf sein Pferd auf, wie er abgestiegen war. Gerade, als er Miro die Sporen geben wollte hielt er noch einmal inne und wandte sich zu mir um.
┬╗Kann ich dich noch irgendwo hin mitnehmen?┬ź Das Vogelgezwitscher um mich herum schien zu verstummen und die Welt stehen zu bleiben. Ich sah ihm tief in die Augen. Diese wundersch├Ânen braunen Augen, in denen man zu versinken drohte, wenn man nicht rechtzeitig weg sah. Diese Augen waren mein Schicksal. Sie stellten mich vor die gr├Â├čte Frage meines bisherigen Lebens. Sollte ich bei ihnen bleiben, sie genauer kennen lernen und endlich mal einen echten Freund finden? Sollte ich bei Kaldes bleiben und ganz einfach das tun, was alle von mir erwarteten? Mich verheiraten lassen? Oder sollte ich doch endlich dem unwiderstehlichen Sog der Natur nachgeben? Mein Hirn ├╝berschlug sich vor Fragen und fand keinen logischen Schluss. Mir wurde schwindelig. Irgendwann zuckte Finn mit den Schultern, wandte sich um und gab Miro die Sporen. ┬╗WARTE!┬ź Rief ich beinahe schon hysterisch. Eine Tr├Ąne kullerte meine Wange hinab, doch ich k├╝mmerte mich nicht darum. Er kam wieder zum stehen und sah mich an. So wie er da nur ein paar Schritt von mir entfernt im abendlichen Sonnenlicht getr├Ąnkt auf seinem Pferd sa├č sah er wahrhaft Majest├Ątisch aus. Er sollte der Prinz sein, und nicht ich, schoss es mir durch den Kopf. Konnte ich ihn einweihen? W├╝rde er mit kommen? Er kannte mich doch kaum. Ich w├╝nschte mir in diesem Moment nichts sehnlicher als ihn an meiner Seite zu wissen und durch den Wald laufen zu k├Ânnen. Doch das war ein egoistischer Wunsch. Was wollte er denn? Er hatte eine sehr viel versprechende Karriere als Stallmeister vor sich und schien damit auch ganz zufrieden. Sollte ich ihn von all dem weg ziehen. Was wenn er Nein sagen w├╝rde, oder was, wenn es ihm nicht gefallen w├╝rde?
┬╗Hey, Lio. Du brauchst nicht weinen. Wir sehen uns doch bald wieder. Zumindest, wenn du es auch willst.┬ź F├╝gte er hinzu. ┬╗Ich weine nicht.┬ź Sagte ich und wischte schnell die Tr├Ąne weg. Er hatte keinen blassen Schimmer, was gerade f├╝r eine Schlacht in meinem Inneren tobte. Ich wollte mir noch etwas Bedenkzeit verschaffen. Eigentlich wollte ich nur weg hier. Weg von all den schwierigen Situationen und Entscheidungen, wie ich es immer wollte. B├╝cher waren da meist die willkommene Ablenkung. ┬╗Danke. Aber ich bleibe noch ein bisschen.┬ź Ich schniefte leise. Ein Hauch von Entt├Ąuschung flog ├╝ber sein Gesicht, aber er fasste sich recht schnell wieder. ┬╗Na gut. Wir sehen uns wieder, Lio von Silberfels.┬ź Er sagte das mit so einem Optimismus in der Stimme und Freude in den Augen, dass ich schon fast daran glaubte. Wir sehen uns wieder. Wir sehen uns wieder.
Dann drehte er sich zum letzten Mal um, gab Miro die Sporen und galoppierte im warmen Sonnenlicht davon. Die V├Âgel begannen wieder zu zwitschern, aber ihr Lied war nun ein trauriges. Er sah echt wundervoll aus, wie er da so ritt. Ich stellte mir vor, wie es w├Ąre jetzt an ihn geschmiegt auf dem Pferd zu sitzen und zur├╝ck nach Silberfels zu reiten. Eine Welle der Sehnsucht umfasste mich schon jetzt. Wir sehen uns wieder. Kurz bevor er den Waldrand erreichte wandte er sich noch einmal um und winkte. Er warf lange Schatten auf das Gras. Ich winkte zur├╝ck und dann war er verschwunden. Wir sehen uns wieder. Apathisch starrte ich auf die dunkle Stelle am Waldrand, wo ich ihn das letzte mal gesehen hatte. Das letzte mal? Wir sehen uns wieder. Ich sagte es mir immer wieder, doch irgendwann verklang es zu einem traurigen Echo in meinem Sch├Ądel. Ich lie├č mich entkr├Ąftet auf den Stein plumpsen und lie├č meinen Tr├Ąnen freien Lauf. Noch konnte ich alles ungeschehen machen. Er wusste ja nichts von meinen Gedanken. Ich konnte einfach nach Silberfels spazieren und alles w├Ąre beim Alten. Doch ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich wusste nicht was ich f├╝hlen sollte. Warum war es ausgerechnet ein Junge, der mich so faszinierte, und nicht irgendein M├Ądchen? War es falsch? Oder richtig? Oder nur Freundschaft? Ich wusste es nicht. Konnte ich ihm je wieder in die Augen sehen? Ich wusste nur eins. Ich wollte weg. Wieder einmal fl├╝chten. Und nicht auf eine L├Âsung zu, sondern so weit es geht von ihr weg und mich vergraben. Ich wollte laufen. Wohin, war erst einmal egal.
Wir sehen uns wiederÔÇŽ

Ich flenne auch.