Destruktive homosexuelle Gedanken während/nach depressiver Episode

Hallo, ich bin Fabo (27) und neu in diesem Forum und momentan sehr unausgeglichen. Ich hoffe, ihr könnt mir weiterhelfen oder einen Rat geben, auch wenn ich weiß, dass das mein eigener Prozess wird.

Nun ja, ich versuch mich kurzzufassen:
Ich habe vor 2,5 Jahren eine mittelschwere Depression entwickelt und befinde mich seit 1,5 Jahren in psychoanalytischer Behandlung, wodurch der Zustand größtenteils stabilisiert wurde und die Depression sich Schritt für Schritt wieder verzieht (das glaube ich zumindest).
Nun habe ich seit, joa, Monaten sexuelle Fantasien mit Männern. Erstmal nicht schlimm. Zwar war ich eigentlich immer hetero gewesen und habe mich doch immer intensiv in Frauen verschossen, doch hatte ich auch mit 13 und 16 homosexuelle Erfahrungen gemacht und diese auch nicht als abstoßend oder dergleichen gefunden, war eigentlich auch spannend. Ich habe mich auch bis heute nie in einen Mann verliebt und wenn ich durch die Stadt laufe, sind es doch die Frauen, bei denen mein Blick hängen bleibt. Nur sind die Gedanken, welche mich begleiten, nicht immer, aber oftmals alles andere als schön. Eher sind sie teilweise furchtbar erniedrigend und ekelbehaftet, haben den Charakter eines Missbrauchs, quasi a la “ich werde ohne Rücksicht auf Verluste benutzt” und das macht mich ehrlich gesagt ziemlich fertig – auch, da es immer mehr den Anschein hat, dass nur noch diese Art von sexuellen Gedanken mich zu befriedigen scheinen.
Nun ja, nun bin ich völlig orientierungslos, was meine Sexualität angeht. Auf Frauen traue ich mich momentan kaum noch einzulassen deswegen, was mir auch zu Schaffen bereitet. Ich habe mich sogar vor meinen Eltern als gay geoutet, um dadurch selbst etwas Druck abzulassen und Klarheit zu generieren, aber erfolglos - ich kann immer noch nicht sagen, ob ich nun homo-, bi-, hetero oder sonst was bin. Am liebsten würde ich es einfach auf mich zukommen lassen und schauen, was die Zeit so bringt. Aber diese Gedanken scheinen ein Eigenleben entwickelt zu haben, welches mich müde macht und sich somatisch auswirkt (Angst, Engegefühl auf der Brust, Schnappatmung, Muskelzucken → meist nach dem Aufstehen). Dadurch merke ich, dass ich doch Druck habe, diese Sache geklärt zu bekommen, um auch endlich von diesen Symptomen mal los zu sein.

So, das wars. Ich weiß nicht mal so richtig, was ich fragen soll. Wie klingt das für euch? Wie ein spätes Coming-Out (von dem Gedanken, schwul zu sein, bin ich irgendwie einfach nicht überzeugt) oder eine Verwandlung von hetero zu Homo (geht das überhaupt?)? Oder geht das eher Richtung Probleme mit der eigenen Männlichkeit? Oder Zwangsgedanken wegen der depressiven Episode? Fragen über Fragen. Ich werde das auf jeden Fall mit meiner Therapeutin besprechen, aber freue mich trotzdem für jeden Input!

Liebe Grüße, Fabo

Hi Fabo, willkommen bei uns!

Super, dass du den Mut hattest, dich in psychologische Behandlung zu begeben. Viele nehmen ja lieber Pillen vom Hausarzt, ohne die Probleme anzugehen, was viel mehr Kraft und Ausdauer erfordert.

Du hast sexuelle Fantasien, die Dich erschrecken. Hast du mit Deinem Psychologen oder Deiner Psychologin darüber mal geredet?
Was macht Dich an den Fantasien konkret fertig? Angst, dass, wenn Du sie auslebst, Dir Schaden zustößt? Oder dass andere komisch über Dich denken?

Fantasien sind manchmal versteckte Hinweise auf Wünsche. Es kann z.B. sein dass es Dir eher darum geht, die Kontrolle zu verlieren. Also im positiven Sinne, dass Du nicht entscheiden musst, dass Du keine Verantwortung tragen musst. Nicht den Mut aufbringen musst, bestimmte Schritte zu tun.
Aber es kann auch einfach sein, dass Dich die Vorstellung anturnt. Was völlig ok ist. Kann übrigens sein, dass es, wenn Du es mal auslebst, gar nicht so toll ist und Du enttäuscht bist, wie die Umsetzung sich anfühlt.

Hallo TimTom!

Danke für deine Antwort. Ich versuche mal die Fragen so gut es geht zu beantworten:

Mit meiner Psychologin bespreche ich diese Gedanken, ja. Diese Frau weiß gefühlt mehr über mich als der gesamte Rest der Welt. Ich bin froh, so ein vertrauliches Verhältnis zu ihr zu haben.

Was mich an den Fantasien fertig macht, ist, dass sie so unglaublich erniedrigend sein können. Ich bin quasi in einer Position, in welcher ich nichts wert bin und auch so behandelt werde.

Ich habe keine Angst, dass mir Schaden zustößt, wahrscheinlich eher noch Angst, dass mein bis dato heterosexuelles Leben, mein Interesse an Frauen und alles was dazu gehört, flöten geht zugunsten eines homosexuellen Lebens. Wahrscheinlich einfach Angst vor dem möglichen Wandel.

Was andere darüber denken, nun ja, kalt lässt es mich nicht (je nachdem bei wem) - aber ich habe gelernt, dass solche Situationen im Endeffekt nicht mein Brot sind. Ich hätte eher Probleme damit, selbst erstmal damit klarzukommen, als mir zu denken, was andere davon halten.

Das mit dem Kontrollverlust kommt der Sache ziemlich nahe. Dieses Verlangen habe ich tatsächlich seit Langem. Einfach mal fallen lassen und nicht immer der Entscheidungsträger sein zu müssen. Einfach mal “über sich ergehen lassen”. Warum weiß I h gar nicht so genau. Dieses Bedürfnis ist aber schon so lange da, vor allem sexuell. Ich glaube, die Sexualität ist da in meinem Fall (oder auch in den meisten?) der Ausgleichskanal zu meinem sonstigen Leben.
Vor kurzem hatte ich erst sexuellen Kontakt mit einer doch sehr dominante Frau. Als es zum Sex kam, hatte ich nicht mehr so große Lust, tatsächlich auch etwas Angst - da ich merkte, dass jetzt ich wieder derjenige bin, der kontrollieren muss, obwohl ich das gerade gar nicht möchte. Aber das Vorspiel war sensationell. Gefühlt zum ersten Mal wurde da mein Drang nach Kontrollverlust ein Stück weit befriedigt. Sowas habe ich noch nie erlebt.

Manchmal glaube ich, diese Fantasien mit Männern sind da, weil sie in meiner Vorstellung zwangsläufig (also auch anatomisch) damit verbunden sind, die Kontrolle abgeben zu können (quasi gevögelt zu werden, statt zu vögeln). Weil ich diese Erfahrung mit Frauen nie machen konnte. Ich hab mir jetzt mal passendes Spielzeug bestellt. Meine Bekanntschaft kommt mich nächste Woche besuchen und dann schauen wir mal, was passiert. :grin:

Ich hoffe, ich konnts anschaulich darstellen!

Das ganze klingt sehr gut überlegt!

Wenn du das einmal ließt und Dir vorstellst, dass es jemand anderes geschrieben hat, der Dich um Rat fragt. Was würdest du da raten?

Vielleicht ist die Fantasie mit Männern Sex zu haben auch weniger das Geschlecht, sondern eher die Rolle, die Männer üblicherweise haben? Der “macher” zu sein, der Entscheider.

Was bedeutet für dich Erniedrigung bei den Fantasien? Was ändert sich, wenn du zu einem anderen Zeitpunkt darüber nachdenkst und es Dich so sehr abstößt?