Coming-Out Fail

Bei mir dauerte es lange, bis ich verstand, was in mir vor sich ging, obwohl es eine Lesbe in einer Parallelklasse gab, begriff ich nicht, dass ich selber gay sein k├Ânnte, trotz dass ich bis dato noch keine Beziehung eingegangen war und ich in meiner Klasse von Mitsch├╝lern deswegen aufgezogen wurde.
Irgendwann kapierte ich, ich stand auf das gleiche Geschlecht, fand es sch├Âner anzusehen. Sexuell n├Ąherte ich mich keinem, das Bed├╝rfnis danach fehlte.
Durch Gayschichtenschreiben und Zeichnen lebte ich meine Fantasien aus, dennoch f├╝hlte ich mich mit meinem Empfinden alleine und glaubte, ich bin krank im Kopf, anvertrauen wollte ich mich Niemandem, aus Angst vor Folgen. ├ťber Homosexualit├Ąt wusste ich nichts. Irgendwann kam ich mit dem Thema in Ber├╝hrung und fragte mich, ob es das sein k├Ânnte? Es dauerte, bis ich es mir eingestand. Auf Sex oder Beziehungen hatte ich keinen Bock. Dann begann ich sp├Ąter doch auf Partnersuche zu gehen. Durch meine Ma wurde ich zu der selben Zeit mit dem anderen Geschlecht verkuppelt, erster Kuss und unfreiwilliges Petting folgten. F├╝r mich wars scheu├člich, deshalb machte ich nach monatelanger Qu├Ąlerei auf beiden Seiten Schluss. Dann kam meine Ma mit der n├Ąchsten Errungenschaft. Ich machte direkt wieder gute Miene zum b├Âsen Spiel, dachte, vielleicht klappte es diesmal. Doch nein, es ging nicht. Ich war keine Hete, weniger, als ich gay war. Im Zoff gings auseinander, aber dass ich eher auf dasselbe Geschlecht stand, wusste bis dahin immernoch keiner.
Dann traf ich eine Schw├Ąrmerei im Internet, PNs folgten, Telefonate. Bei 'nem au├čenstehenden Erwachsenen lie├č ich die M├Âglichkeit, dass jemand Gleichgeschlechtliches auf mich stehen k├Ânnte, fallen, der meinte, das ist unwahrscheinlich. Ich glaubte, ich k├Ânnte mich verlieben, dann begann der Schwarm von Heterosex zu erz├Ąhlen und ich beendete, mir half meine damalige Internet-BFF, den Kontakt. Gut, dachte ich, dann ebend keine Liebschaften und schloss f├╝r mich vorerst mit dem Thema ab.
Dann kam es anders als geplant, ich traf wen im Internet, chattete, telefonierte, RL-Treffen folgten, meine Eltern wussten von nichts. Jep, ich war schwer verliebt, so wie mein Gegen├╝ber. Eines Tages, meine Internetliebe war zu Besuch, gestand ichs meinen Eltern. Die reagierten v├Âllig schockiert, beschimpften meinen Partner. Sie verboten uns, uns in der ├ľffentlichkeit drau├čen als Homos zu zeigen. Die Familie von meinem Partner tat erst toleranter, die waren am Ende sogar schlimmer, denn sie hofften, mein Schwarm (Bi) h├Ątte nur 'ne >Homophase<. Lief ├╝bel, das Outing, bei den Familien.
Meine restliche Verwandschaft wendet mir nun den R├╝cken zu oder behandelt mich abf├Ąllig, wie einen Aussetzigen.
Bin heute noch mit meiner Liebe zusammen, sind weggezogen, brachen den Kontakt mit den Familien, bis auf eine Person.

Muss auch sagen, die Outings von mir, egal wo, liefen fast immer schlecht, ob bei Bekannten, bei der Arbeitgeberin, bei den Ämtern, bei Nachbarn.
Geht es nur mir damit so?

Tut mir leid, dass es bei euch so schlecht damit gelaufen ist :confused: Ich finde aber toll, dass ihr den Mut gefunden habt, eine Beziehung miteinander zu f├╝hren und das, obwohl ihr nochmal v├Âllig neu angefangen habt :slight_smile: Diesen Weg gehen nicht viele.

Ich denke es wird in der Gesellschaft besser. Schritt f├╝r Schritt und leider l├Ąngst noch nicht ├╝berall, aber ich denke man kann Hoffnung haben. Ich f├╝r meinen Teil hab damit eigentlich gute Erfahrungen gemacht. Und ich glaube es ist schlimmer, sich ein Leben lang zu verstecken und es nicht ausgelebt zu habenÔÇŽ

Ich glaube das h├Ąngt vorallem von der eigenen Einstellung ab. Wer selbst positiv damit umgeht und diesen Eindruck auch nach au├čen vermittelt, der wird auch auf postive Resonanz sto├čen. Ich denke da ist es wie so oft im Leben: wenn wir bei uns selbst mit der Ver├Ąnderung anfangen, brauchen wir nicht auf ÔÇťdie GesellschaftÔÇŁ oder so etwas zu warten, dann gestalten wie sie einfach mit.

Hallo gutgelaunt und danke f├╝r deine netten Worte. Mit meiner Beziehung bin ich gl├╝cklich, w├╝rde sie nicht missen. Leider geh├Ârt man als Homosexueller nicht automatisch der Norm an, auf deren Toleranz man im Alltag bauen und die einen erdulden muss. W├Ąre ich in keiner festen Beziehung, w├╝rde ich meine Orientierung f├╝r mich behalten, wegen der schlechten Erfahrungen, die ich machte. Es gab eine Zeit, in der ich mich auf eine heterosexuelle Beziehung einlassen wollte, trotz Unwohlsein und dem Gef├╝hl, mich selbst zu verraten und mir damit zu schaden, damit ich den Druck und die Ablehnung durch andere nicht aushalten muss.

Blowfish, anfangs gingen mein Partner und ich vertrauensselig mit dem Thema um, dachten, gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind heute normal, dachten, wir w├╝rden geduldet werden und dieselbe Behandlung erhalten, wie Heterosexuelle. Die schlechten Erlebnisse folgten erst anschlie├čend, deswegen ├Ąnderte sich meine Sichtweise.

Hallo Leviathan :slight_smile:
Das tut mir wirklich leid, dass du soo viele schlechte Erfahrungen geacht hast. Ich wei├č ja auch, dass es immer noch Leute gibt, die gleichgeschlechtliche Liebe nicht als normal ansehen, aber dass dein Umfeld so krass homophob ist, ist auch nicht normal. Ich kann verstehen, dass sich deine Sichtweise aufgrund deiner Erfahrungen ge├Ąndert hat. Das w├Ąre mir wahrscheinlich auch so gegangenÔÇŽist es aber nicht. Au├čer einzelnen F├Ąllen (wie zum beispiel mein Vater) haben bei mir eigentlich die meisten positiv reagiert, was mir wahnsinnig geholfen hat.Viele Menschen, bzw. die Mehrheit der Menschen (zumindest in Deutschland) hat kein Problem mit Homosexuellen. Also so schwer es dir nach deinen Erlebnissen auch fallen mag: Bleib selbstbewusst und hab keine Angst vor m├Âglicher Ablehnung. Ich w├╝nsche dir und deinem Freund viel Gl├╝ck :flag: