Blutspendeverbot für Homosexuelle: FDP will es abschaffen

Wie u.a. in der Zeit berichtet wird, soll ein generelles Verbot von Blutspenden für Homosexuelle und Transsexuelle Menschen abgeschafft werden, wenn es nach dem Willen der FDP geht.

Ich lese da zwischen den Zeilen “wir kriegen nicht genug Blut, lasst und zu verzweifelteren Maßnahmen greifen, ehe die Blutspenden ganz aufhören”.

Was denkt Ihr dazu - würdet Ihr spenden gehen, wenn Ihr dürftet?

Das kann ich so unterschreiben

Dass man bei einigen Menschen vorsichtig ist (promisk lebende, Prostituierte, Pornodarsteller, ist erst einmal nachvollziehbar. Wobei besonders bei letzteren viele Studios darauf sehr achten.

Allerdings – das muss man hier wahrscheinlich/hoffentlich keinem mehr erklären – ist eine sexuelle Orientierung oder eine Geschlechtsidentität keine Risikogruppe, weil das absolut gar nichts über deren Sexualverhalten aussagt. Und damit ist dieses Verbot völliger Schwachsinn.

Ebenso ist es Bisexuellen verboten (Poly- und Pansexuellen laut Formulierung offenbar nicht, aber ich denke, die werden dort einfach den Bisexuellen zugeordnet).

Das sieht auch der LSVD so:

Das betrifft folgende Änderung:

Aber selbst die EU erlaubt zumindest eine solche Pauschalisierung nicht:

Siehe auch:

Auch die Testverfahren als Grund für den pauschalen Ausschluss anzuführen, ist Schwachsinn:

Zumal dieser Ausschluss auch gar nicht mehr zeitgemäß ist:

Menschen in polyamoren Beziehungen, die darüber hinaus keine Sexualkontakte haben und Safer Sex betreiben, werden ebenfalls pauschal ausgeschlossen.

Wichtiger wäre es, bei den Risikofaktoren eine detailliertere Einteilung vorzunehmen und den Spendern die Möglichkeit einzuräumen, ihre Risikofreiheit zu bescheinigen (bspw. jemand, der ungeschützten Verkehr hatte, bringt das Ergebnis seines HIV-Tests mit).

Auch die Zeit des Ausschlusses steht nicht in Relation mit dem Risiko. Wenn man das jetzt medizinisch begründen könnte, hätte ein solcher Ausschluss auch eine logische Substanz, welche hier aber eher an Willkür erinnert.

Ich bin generell nicht so ein Freund von Nadeln, aber Blut wird immer händeringend gesucht und man sollte auch da mal eine gute Tat tun.

Im Einzelfall, d.h. bezogen auf eine bestimmte Person mag eine Aussage schwierig sein. Statistisch kann man offenbar sehr wohl Risikogruppen identifizieren.
Am Beispiel von HIV:

Von der geschätzten Gesamtzahl der HIV-Neuinfektionen 2018 sind etwa 1.600 (66,7%) Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Etwa 330 Frauen (13,8%) und 200 Männer (8,3%) haben sich auf heterosexuellem Weg in Deutschland infiziert (Hetero insgesamt – 22,1%).

Quelle: RKI, Epidemiologisches Bulletin, 14. November 2019/Nr. 46

Im übrigen wird auch nach der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe und nicht allein nach der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität gefragt. Die Fragen lauten beispielsweise selbst in Bayern:

Gehören oder gehörten Sie zu einer der folgenden Personengruppen?

  • Heterosexuelle Personen mit häufig wechselnden Partnern?
  • Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben oder hatten (MSM)?
  • Personen, die Sexualverkehr gegen Geld oder andere Leistungen (z.B. Drogen) anbieten oder angeboten haben (“männliche und weibliche Sexarbeiter”)?
  • Transsexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten?

Quelle: Blutspendedienst des Bayrischen Roten Kreuzes

Okay, touché.

Allerdings stellt sich bei Statistiken immer die Frage der Interpretierbarkeit und der Richtigkeit der Parameter.

Ich beziehe mich da noch einmal auf meine Aussage der genaueren Unterteilung der Risikogruppen. Zunächst müsste meine Aussage heißen: “Rein theoretisch, biologisch, whatever ist eine sexuelle Orientierung oder eine Geschlechtsidentität keine Risikogruppe, weil das absolut gar nichts über deren Sexualverhalten aussagt”. Klar sah und sieht es in der Praxis immer noch anders aus (dass da an anderer Stelle Maßnahmen ergriffen oder weiter durchgeführt werden müssen, lassen wir mal dahingestellt).

Es gibt innerhalb der Risikogruppen sicherlich wichtige Unterscheidungsmerkmale, die eine genauere Einteilung oder einen aus der Risikogruppe Ausschluss zulassen. Mich würde mal eine solche Statistik interessieren.

“Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben oder hatten (MSM)?” ist aber wieder die sexuelle Orientierung. Ist nicht der einzige Punkt auf der Liste, aber immerhin einer davon.

Wenn ich die Wahl hätte Blut zu erhalten, das nach den aktuellen Regeln gespendet wurde oder solches wo diskriminierungsfrei das von jedem Häftling, Sexarbeiter*in und Homosexuellen verarbeitet wurde, wüsste ich jedenfalls was ich wähle :wink:

Hier ist btw die aktuelle Richtlinie von der Bundesärztekammer: Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie), Gesamtnovelle 2017
Auf Seite 17 sind die “Anforderungen an Spender (Ausschlusskriterien/Rückstellungskriterien)”. Macht mir jetzt nicht den Eindruck als wären die einfach geil auf Diskriminierung und von der Kompetenz trau ich denen auch etwas mehr zu als der FDP.

Es geht doch nicht um Diskriminierung, sondern um Genauigkeit. Man kann nicht einerseits jammern, dass man zu wenig Blut hat, aber beim Ausschluss der Spender mit Kanonen auf Spatzen schießen. Ich rede gar nicht davon, alle wahllos zuzulassen, sondern genauer hinzuschauen. Die jetzigen Kriterien sind doch sehr vage und damit nicht in der Lage, zuverlässig zu bestimmen, ob von einer Person ein Risiko ausgeht.

Zu dem Thema gab es übrigens auch mal die Kampagne “Buntspenden”:

Wie könnte denn genauer hinschauen aussehen?

Wenn man spendet obwohl man homosexuell ist und selbst denkt man möchte was gutes tun, ist das zumindest in der Vergangenheit auf jedenfall ne Ordnungswidrigkeit gewesen und die Bußgelder konnten schonmal weit über 1000€ betragen. Und dafür, dass man es gut gemeint hat. Da jede Konserve sowieso getetet wird und das heute gar kein Problem mehr ist versteh ich das absolut nicht. Stammzellspende ist doch auch kein Problem. Und aufgrund des Spendermangels und viel Politik sind wir dann irgendwann aufeinmal doch gut genug oder es könnte sich dahin entwickeln.

Also ich bin der Meinung die können sich das mit der Spende auch weiterhin in den ***** schieben. Wenn das in der Vergangenheit nicht erwünscht war, seh ich keinen Grund, warum ich dann die Strapazen der Spende jemals auf mich nehmen soll. Das ist ja auch anstrengend für den Organismus. Zumal es Hinweise in Studien gibt, dass häufige Spende das Immunsystem schwächen kann. Da geht nämlich die Vielfalt des Immunsystems in der Erkennung von Krankheiten dadurch verloren, dass man diese Immunzellen einfach wegspendet. ^^

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Ich finde es irgendwie schade und auch ein bisschen doof den anderen Diskussionsteilnehmern gegenüber, die Mühe in die Recherche und das Schreiben des Kommentars gesteckt haben, wenn man dann die Hälfte der Informationen unter den Tisch fallen lässt. Nicht böse gemeint, aber ich hab das Gefühl, mich hier immer wieder zu wiederholen, ohne dass jemand darauf eingeht, und immer dasselbe gefragt zu werden. Das nur mal generell.

Wenn man daraus so ein Bringschuld macht, in der jeder selbst was nachweisen soll, dann hat ja gar keiner mehr Lust, sich solche Mühe zu machen. Außerdem geht es ja nicht um den HIV Test. Die werden ja mit den Konserven eh gemacht. Sowohl den Antikörpertest, der Standardtest bei Pat., als auch die PCR, die um einiges schneller noch aussagekräftig ist. Es geht um den Zeitraum, bevor die Virenlast so hoch ist, dass die PCR positiv ist (ungefähr 2 Wo) und der Antikörpertest positiv ist (3 Monate), also um frische Infektionen. Da nutzt es nichts, wenn derjenige einen HIV-Test mitbringt. Wenn der noch negativ ist, dann sind es die Konserventests auch noch.

Statt die in Schubladen zu stecken reichen ja die Fragen nach dem Individuellen Risikoprofil. Ungeschützter Kontakt, häufig wechselnde Partner, bereits bekannte oder ausgeheilte Geschlechtskrankheit, Drogenabhängigkeit und damit verbundene gesundheitliche Einschränkungen, evtl. noch vorhandene Substanzen im Blut (bei Plasmaspende) usw. Das sind dann Ausschlussgründe bzw. Gründe, bei denen für die Spende dann noch Voruntersuchungen notwendig sind. Z.B. Nachweisvollständige Ausheilung einer Krankheit. Damit deckt man ja alle ab. Ein Homosexueller, der jeden Tag wen anders mit heimnimmt oder nen Partygänger der noch nie was von Kondomen gehört hat ebenso wie Sexarbeiter wo finanzielle Not die Gesundheit kostet.

Das sind die medizinisch wichtigen Punkte, nicht die Sexualität usw. Und hierbei ist dann die Ehrlichkeit wichtig. Wenn man schon größere Schubladen macht, geht ne ganze Gruppe von Spendern durch die Lappen, damit man auch die erwischt, die es dann sind. Wenn das aber so gewollt ist von mir aus. Man kann ja gerne das so lösen, dass man Prostituierte, Homosexuelle usw. nicht zulässt. Dann schließt man die Betroffenen der Gruppe auf jedenfall aus. Nur imho Blödsinn und nicht notwendig. Aber wenn das so ist versteh ich nicht, warum man dann mit zweierlei Maß misst und homosexuelle Stammzellspender plötzlich zulässt.

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Schwul oder nicht schwul - Blut spenden ist so wichtig und es wird ja sowieso nochmal getestet

Gut so! Auch schwule haben normales Blut!

Ehrlich gesagt, ist mir sowas egal. War schon immer Blut spenden und habe die Fragen einfach so angekreuzt, dass ich nicht ausgeschlossen werden.

Klar geht es ums Prinzip und dass ein allgemeines Ausschließen verboten sein sollte, aber wer Blut spenden möchten, soll es tun. Einfach die Fragen so beantworten.

Nach der Logik bräuchten wir auch keine Ehe für Alle und sonstige Errungenschaften.

Falls doch irgendwie was schief geht (egal wie gering die Chance ist, kann es dennoch passieren) und es dann rauskommt, dass man die Fragen nicht korrekt beantwortet hat, wer haftet dann dafür? Wie verbindlich sind die Angaben, die man da macht?

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Wenn man falsche Angaben macht, dann ist man selbst in der Schuld. Selbst wenn nichts passiert und die falschen Angaben rauskommen, gab es in der Vergangenheit schon ordnungsgelder in Höhe von 10.000€.

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Falls was schief geht? Naja, wenn ich weiß, dass ich mich schütze und regelmäßig kontrolliere, kann ich guten Gewissens einfach spenden gehen. Vor allem wird dich ja niemand beschatten und so rausfinden, dass du gleichgeschlechtlichen Verkehr praktizierst.

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Erinnert mich ein bisschen an § 175, wo man angeschwärzt werden konnte, wenn jemand mitbekommen hat, dass man schwul ist. Damals gab’s halt Gefängnis; heute Bußgeld …

Und dann noch das Risiko von zivilrechtlichen Ansprüchen - da wird sicherlich jede Haftpflichtversicherung aussteigen und man steht mit dem Salat alleine da.