Bauchgefühle

Ich muss jetzt auch ein paar Worte da lassen. Du hast eine sehr liebevolle Schreibweise. Lässt deine Charaktere mal warm und kalt erscheinen. Rührende und komische Momente wechseln sich ab. Fesselnd und Emotional. Ich bin Team Branko-Leo , weil ich mich selbst teilweise darin wieder finde, aber das ist unwahrscheinlich, nach der Geschichte von den Beiden. Ein Happyend zwischen Hugo- Branko wollen zwar glaube ich die Mehrheit der Leser , aber für mich auch eher unrealistisch. Die Fronten sind zu hart. Möglich ist , dass Alex- Hugo wieder zusammen kommen könnten (es sei den einer von beiden macht einen fatalen Fehler ). Wahrscheinlich hast du für das Ende noch eine ganz andere Überraschung parat, die so niemand erwartet. Z.b. einen ganz neuen Charakter. Ich bin jedenfalls sehr gespannt. Ich hoffe nur , dass nicht alle single sind zum Schluss^^ und es kein offenes Ende gibt. Das darfst du uns nicht an tun.
Lieben Gruß.

Hmm, ich muss zugeben…die Szene zwischen Branko und Leo hat was 8) !

Vielleicht passen die Beiden doch recht gut zusammen. Dann soll sich Hugo aber bitte einen neuen Partner suchen, der ihn wirklich glücklich macht.
Damit könnte ich dann auch leben :smiley:

Danke für eure lieben Kommentare :slight_smile: Es freut mich natürlich immer zu hören, dass jemandem gefällt, was ich hier so schreibe.
Offensichtlich sind ja doch nicht alle abgeneigt von den Entwicklungen, dachte schon, dass ich damit wirklich Leute zum Boykott der Geschichte treiben würde. Aber hey, da poste ich doch Mal den nächsten Teil. Mal sehen, was Branko so dazu sagt, dass Alex und Hugo wieder miteinander reden. Und als kleine Überraschung für Skystar folgt im zweiten Teil eine mal die Sicht von Alex auf die Dinge. Ob das hilft ihn zu verstehen…wer weiß :smiley:
Außerdem verspreche ich, dass ich die Geschichte definitiv fertig schreiben werde, kann nur nicht garantieren wann das sein wird :slight_smile:

„Was ist eigentlich los bei Leo und dir? Ihr seid irgendwie in letzter Zeit ein bisschen zu freundlich zueinander. Das wirkt beinahe schon gezwungen,“ sagte Olli zu Branko. Sie saßen sich gegenüber auf Bierbänken. Es war Sommerfest in der Stadt und von einer Bühne an der Straßenecke drang Musik zu ihnen.
Branko zuckte mit den Schultern. „Ist doch alles wie immer,“ murmelte er, wagte es aber nicht sie anzusehen.
Olli wirkte nicht überzeugt. „Ist irgendwas passiert? Habt ihr euch gestritten?“ fragte sie besorgt.
Branko schüttelte den Kopf. „Nein. Gestritten haben wir uns nicht.“
„Soll ich Leo fragen? Der ist immer etwas gesprächiger als du.“ Sie lehnte sich etwas zu ihm rüber und stieß ihn an.
„Wieso interessiert dich das denn so?“
„Wie lange kennen wir uns jetzt? Du solltest mittlerweile rausgefunden haben, dass ich sehr neugierig bin.“
Branko seufzte. Er war sich nicht sicher, ob er ihr davon erzählen sollte und was sie von der ganzen Geschichte halten würde, schließlich war sie sehr gut mit Hugo und auch mit Sophie befreundet. Aber der Kuss bedrückte ihn immer noch sehr.
„Er hat mich…naja wir haben uns geküsst. Letzte Woche, nachdem wir im Freibad waren,“ murmelte Branko nach einer längeren Pause.
Olli riss die Augen auf.
„Ernsthaft? Und wie war das?“ fragte sie aufgeregt.
Das machte Branko nun etwas misstrauisch.
„Wie das war? Ich dachte du würdest komplett durchdrehen, wenn du das hörst.“ Er zögerte kurz und sah sie nachdenklich an. „Es war so merkwürdig. Ich versteh es außerdem auch nicht. Und ich finde es auch ein bisschen unfair von ihm.“
„Es ging also von ihm aus?“
„Ja. Ich wäre doch nie auf die Idee gekommen.“
„Hast du ihn zurück geküsst?“
Branko stützte den Kopf in die Hände. „Ja, leider.“
„Und was genau findest du unfair?“
Branko seufzte. „Du stellst verdammt viele Fragen. Weißt du wie lange es gedauert hat, dass ich nicht mehr jeden Tag an ihn denken musste? Er schafft es einfach immer in kürzester Zeit, dass ich mich…naja, in ihn… Ich will das nicht, Olli.“
Nachdenklich blickte sie ihn an. „Und wenn er es wirklich ernst meint? Ich mein wäre das so schlimm?“
Jetzt schnaufte Branko abfällig. „Du kennst Leo nicht. Er überlegt sich Dinge gerne anders. Eine Woche ist er zum Beispiel total verknallt in Jessica aus der Parallelklasse. In der nächsten weiß er nicht einmal mehr wer sie ist. Außerdem habe ich ihn mit genug Mädels gesehen, um zu wissen, dass er definitiv nicht schwul ist. Meinst du, dass da diese Phase lange anhalten wird?“
Er merkte, dass Olli auf ihrer Lippe kaute, was für gewöhnlich nichts Gutes bedeutete.
„Du warst wirklich mal richtig verliebt in ihn, oder?“ fragte sie dann ein bisschen mitleidvoll.
Branko mied weiterhin ihren Blick. „Ich war darüber hinweg,“ murmelte Branko säuerlich. „Und jetzt…“
„Bist du es nicht mehr. Stimmts?“ seufzte Olli.
Branko merkte, dass er einen Kloß im Hals hatte. „Ich weiß es nicht. Ich vertrau ihm was das angeht nicht sonderlich. Es würde mir nicht gut tun, noch einmal von ihm zurückgewiesen zu werden. Wir sollten einfach nur Freunde sein, aber mir geht dieser Kuss nicht aus dem Kopf.“
Sie lächelte jetzt ein bisschen und das machte Branko noch stutziger.
„Was ist eigentlich los? Ich dachte du wärst nicht grade begeistert davon. Ich mein wegen Hugo und Sophie und so.“
Olli zuckte jetzt nur die Schultern. „Naja, mir gefällt einfach, dass er dir sehr gut zu tun scheint. Das war mit Hugo irgendwie anders, auch wenn ich ihn über alles mag. Er bringt dich zum Lachen und…“ sie brach ab, weil Leos schlanke Gestalt aus der Menge auftauchte. Hinter ihm kam Severin, der Olli nun ein strahlendes Lächeln schenkte. Auch wenn er ein Freund von Hugo war, schienen er und Leo sich amüsiert zu haben. Sie stellten die Getränke auf den Tisch und Leo zauberte von irgendwo eine große Tüte mit Pommes hervor. „Bedient euch,“ meinte er und schnappte sich eine, während er sich neben Branko auf die Bank hockte.
Brankos und Ollis Blick trafen sich noch einmal kurz. Ihre Meinung war nicht sonderlich hilfreich gewesen. Er hatte ein bisschen gehofft, sie würde ihm helfen sich die ganze Sache auszureden.
„Danke,“ rief Olli und schnappte sich ihr Bier, während Leo Branko eine Cola rüberschob. Er bot ihm erneut die Pommes an und Branko bediente sich zögerlich.
Er bedankte sich murmelnd und bereute ein wenig, dass er Olli davon erzählt hatte. Er wusste schließlich, dass es sie jegliche Beherrschung kosten würde, sich nicht einzumischen.
Sie aßen und tranken und Branko spürte ab und zu zufällig Leos Bein gegen seines stoßen. Entweder war er ein wirklich großartiger Schauspieler oder er hatte wirklich vergessen, was passiert war. Er ging so unbefangen mit Branko um, dass dieser daran zu zweifeln begann, dass sie sich jemals geküsst hatten.

„Ach schaut mal wer da ist,“ meinte Severin irgendwann und deutete auf jemanden, der auf der anderen Seite der Straße herlief. Branko folgte der Geste mit dem Blick. Die Gestalt trug einen dunkeln Kapuzenpulli und drängte sich schnellen Schrittes durch die Menschenmenge. Brankos Herz schlug plötzlich ein kleines bisschen schneller. Es war Hugo, immer noch mit kurzen Haaren. Er sah so anders aus.
„Wer ist denn das bei ihm?“ fragte Leo und deutete auf die Person, die ein paar Meter hinter ihm ging.
Branko wandte den Blick von Hugo ab und erkannte den großen Mann sofort. Es war Alex. Er trug ein Shirt von einem der Stände, an denen Bier verkauft wurde. Erst dachte Branko, er würde Hugo ungewollt folgen, aber als dieser sich umwandte und lachte, wurde er eines Besseren belehrt.
Branko brachte kein Wort hervor. Es hätte keinen größeren Schlag in die Magengrube geben können.
„Ähm, das ist Alex,“ meinte Severin vorsichtig.
„Sein Exfreund?“ fragte Leo in einem ungläubigen Ton.
Severin nickte und alle vier sahen weiterhin den beiden Männern nach, die nun langsam zwischen den Menschen verschwanden.
Leo pfiff durch die Zähne. „Wo die wohl hingehen?“ meinte er und beäugte Branko kurz, der immer noch stocksteif dasaß. Wie zum Teufel war das denn passiert?
„Der Idiot,“ murmelte Severin nur.
„Hugo ist ja echt ein Wiederholungstäter,“ meinte Leo und reckte den Hals, um den beiden nachzusehen, aber sie waren verschwunden.
Auch Olli sah Branko jetzt forschend an.
„Er hat mir erzählt, dass sie sich letztens im Park beim Joggen getroffen haben. Aber da wirkte es nicht so, als ob er sich wieder mit ihm vertragen wollte. Eher im Gegenteil. Er meinte, er würde bereuen, dass er überhaupt mit ihm zusammen war,“ sagte Severin und trank aus seinem Glas.
„Meinst du, die sind wieder zusammen?“ fragte Leo und Branko schaute ihn kurz von der Seite an. Etwas merkwürdiges lag in seinem Ausdruck. Freute er sich etwa darüber?
„Keine Ahnung. Ich mag Alex eigentlich, aber man möchte ihn glaube ich eher nicht als festen Freund haben. Ich bekomme schon Filzläuse bloß vom Hinsehen.“
Leo gluckste über die Bemerkung, sah dann aber Branko an, der die Zähne fest aufeinandergepresst hatte und auf seine Hände hinunterblickte. Aufmunternd strich Leo ihm über den Rücken. „Alles okay?“ fragte er besorgt.
Natürlich war nicht alles in Ordnung, aber das wusste Leo genau. Dass Hugo es fertig brachte Alex zu verzeihen, aber nicht einmal bereit war mit ihm selbst zu reden, machte Branko fassungslos. Das zeigte deutlich wie wichtig ihm die Beziehung gewesen war und wie wenig er ihm wirklich bedeutet hatte. Er hatte also tatsächlich nur als Lückenbüßer gedient und jetzt da es vorbei war, fiel er wieder auf dieses Arschloch herein.
„Alles gut,“ würgte Branko hervor.
„Ich glaube nicht, dass Hugo wieder was mit ihm hat,“ meinte Olli kurz darauf entschlossen. Branko wusste genau, dass sie das bloß sagte, um ihn aufzumuntern. „Das würde er nie machen.“
Branko räusperte sich. „Es weiß glaube ich keiner von uns wozu er in der Lage wäre. Schließlich war er drei Jahre mit ihm zusammen,“ sagte er dann und stand langsam auf. „Ich muss mal aufs Klo,“ fügte er noch leise hinzu.

„Mein Gott ist das voll hier,“ bemerkte Alex, als er sich gemeinsam mit Hugo durch die Menge schob. „Ich habe nur zwanzig Minuten Pause,“ rief er über die Musik hinweg. „Dann muss ich wieder zurück am Stand sein und Bier zapfen.“
„Seit wann hältst du dich denn an Anweisungen?“ lachte Hugo und wandte sich halb zu ihm um. Dabei entblößte er seine schönen Zähne und Alex war froh, dass er ihm mittlerweile wieder freundliche Blicke schenkte. Er war sich sicher, dass er ihn bald so weit hatte. Ihm fehlte Hugo. Vor allem morgens, wenn er mit verstrubbelten Haaren im Bad stand und sich die Zähne putzte oder einfach nur neben ihm aufzuwachen. Hugo war der einzige Mann für den er je mehr als sexuelles Interesse verspürt hatte, auch wenn dieses ihn natürlich erst dazu gebracht hatte überhaupt etwas mit ihm anzufangen. Als Hugo neu in die Mannschaft gekommen war, hatte er direkt gemerkt, dass er auf Männer stand, obwohl er damals nicht geoutet gewesen war. Und da hatte Alex natürlich nicht lange gefackelt und Hugo nach dem Training auf etwas zu trinken eingeladen. Er hatte sich erst gesträubt, war aber letztlich doch mitgekommen und hatte sich in Zurückhaltung geübt. Trotz der Entschlossenheit nicht auf Alex Masche reinzufallen, war er am Ende des Abends in seinem Bett gelandet. Und hier war ihm das erste Mal etwas merkwürdig vorgekommen. Normalerweise wollte er die Männer nach dem Sex immer möglichst schnell loswerden. Bei Hugo war es anders gewesen. Und so war er über Nacht geblieben und fast das gesamte Wochenende. Wäre der Sex auf die Dauer nicht so verdammt langweilig gewesen, wäre alles perfekt gewesen.
„Mein Bruder hat mir den Job hier besorgt und der Chef kann mich eh nicht leiden. Ich habe es vielleicht schon überstrapaziert, weil ich dir die ganze Zeit das Bier gratis gebe, obwohl es hieß, dass wir nichts mehr an Freunde rausgeben dürfen.“
„Damit hast du mich doch erst hergelockt,“ meinte Hugo und blieb stehen. „Du meintest ich bekomme Freibier, wenn ich dich ein bisschen von der Arbeit ablenke.“
Alex trat auf ihn zu, sodass er dicht vor ihm stand. „Ja, weil es keine bessere Ablenkung gibt als dich,“ hauchte er Hugo ins Ohr. Er wollte ihn küssen, aber Hugo zierte sich und wandte den Kopf ab. Er hatte gehofft, dass er mit ein paar Bier etwas lockerer werden und vergessen würde, dass er immer noch sauer auf Alex sein wollte.
„Scheiße ist das eine lange Schlange,“ meinte er stattdessen und deutete auf die Menschenansammlung vor dem Toilettenwagen. „Das schaffen wir niemals in zwanzig Minuten.“
Alex zuckte die Schultern. „Komm mit. Es gibt da einen Hinterhof, wo wir die Fässer lagern, da können wir pinkeln gehen.“ Er zog Hugo am Arm mit sich. Vielleicht würde er lockerer, wenn sie ungestört waren.
Sie gingen durch eine dunkle Gasse und Hugo schaute sich mehrfach besorgt um.
„Keine Panik. Ich pass auf dich auf,“ grinste Alex. Er stellte sich an eine Wand und knöpfte die Hose auf. Hugo zögerte, aber die volle Blase brachte ihn dann scheinbar doch dazu es Alex nachzutun. Er stellte sich jedoch an die andere Wand.
„Angst, dass ich dir was weggucke?“ fragte Alex leicht spöttisch. „Ich glaube ich kenn den Part an dir ganz gut. Brauchst ihn nicht vor mir zu verstecken.“
Hugo schnaufte nur. „Du musst mir aber nicht unbedingt beim Pinkeln zuschauen.“
Alex zog grade den Reißverschluss an der Hose zu, mit dem Knopf gab er sich keine Mühe. Der würde eh nicht lange geschlossen bleiben. Er trat langsam von hinten auf Hugo zu. „Ich könnte dir bei allem zugucken und würde es immer noch heiß finden,“ flüsterte er ihm ins Ohr.
Hugo wandte erschrocken den Kopf. „Halt die Klappe,“ murmelte er und machte einen Schritt zur Seite. Etwas hastig machte er seine Hose zu. Dabei schien sich seine Boxershorts im Reißverschluss verhakt zu haben.
„Brauchst du Hilfe?“ fragte Alex grinsend.
„Erinnerst du dich, dass du zu mir sagtest, du würdest einfach nur mit mir befreundet sein wollen und hättest keine Hintergedanken?“ fragte Hugo und wirkte nun leicht säuerlich. Alex musste grinsen. So war es schließlich schon immer zwischen ihnen gewesen. Wenn Hugo so etwas sagte, hieß es eigentlich nur, dass er sich mehr Mühe geben sollte.
„Ach komm Hugo. Ein bisschen Spaß wird man doch wohl noch machen dürfen. Wir verstehen uns doch grade wieder richtig gut.“
„Ja, weil du mal ein paar Stunden nicht alle drei Sekunden über Sex geredet hast,“ murmelte Hugo, der sich immer noch bemühte den Stoff aus dem Reißverschluss zu befreien.
„Ich kann nichts dafür, dass wir uns einfach voneinander angezogen fühlen. Und jetzt lass mich mal sehen, was du da angerichtet hast,“ lächelte er und versuchte möglichst unschuldig zu wirken. Hugo würde schließlich nicht nein sagen, wenn es erst einmal so weit war. Er ging vor ihm in die Hocke. Vorsichtig löste er den Stoff von seiner Unterhose aus dem Reißverschluss, aber statt sich wieder aufzurichten schob er seine Hand zwischen Hugos Beine.
„Lass das,“ meinte Hugo und wollte sie wegschieben.
„Wieso stellst du dich immer so an?“ fragte Alex jetzt leicht ungehalten. „Wir wissen doch beide worauf es mit uns hinausläuft. Du bist nur einfach zu stolz, um das zuzugeben. Das war doch schon immer so. Du lässt mich zappeln, damit du dich besonders fühlen kannst, weil ich dir hinterherrenne.“
Hugo ließ plötzlich seine Hand los und Alex richtete sich auf.
„Das stimmt überhaupt nicht,“ flüsterte Hugo, der schon wieder Tränen in den Augen hatte. Warum wusste Alex nicht, aber Hugo weinte sowieso wegen allem Möglichen.
„Du hast halt gerne das Gefühl, dass du den Ton angeben kannst. Ist doch nichts Schlimmes.“
Er legte seine Hände an Hugos Seiten und fuhr dann leicht an ihm hinab, wollte ihm die Hose runterschieben. „Nur können wir vielleicht heute einmal den Teil überspringen, bei dem du so tust, als wärst du schwer zu haben und einfach genießen, dass wir uns wieder vertragen.“
Hugo schaute ihn groß an und stieß dann kräftig Alex Hände von sich. „Fass mich nicht an,“ knurrte er. „Ich weiß wirklich nicht, weshalb ich dachte es wäre dieses Mal anders.“
Alex hatte diese Unterhaltung schon so oft mit Hugo gehabt und jedes Mal war dieser doch irgendwann eingeknickt. Danach konnte man die Uhr stellen. Auch wenn ihm dieses Mal dieser Branko in die Quere gekommen war. Aber jetzt stand ihnen nichts mehr im Weg und Hugo würde noch begreifen, dass es einen Grund hatte, dass er nicht von ihm loskam.
„Tut mir leid,“ meinte er also mit erhobenen Händen. „Ich dachte nur, dass du es auch wollen würdest.“
Hugo holte tief Luft. „Du dachtest, ich würde hier im Hinterhof mit dir…?“ fragte er ungläubig. „Hast du sie eigentlich noch alle? Wieso gibst du dir die Mühe und bist tagelang so nett zu mir, um dann wieder dieses Arschloch zu sein.“
Alex hob die Augenbrauen. „Ich bin gerne nett zu dir Hugo. Und natürlich möchte ich wieder Sex mit dir haben, was ist daran denn so schwer zu verstehen? Ich dachte, dass heute die Gelegenheit wäre uns ein für alle Mal zu vertragen.“
Hugo schüttelte den Kopf. „Wieso begreifst du nicht, dass man so etwas auch anders anstellen kann, als jemanden in einem Hinterhof blöd anzumachen? Meinst du, dass das dazu führt, dass ich dir wieder vertraue?“
Alex seufzte. Manchmal war es wirklich anstrengend mit Hugo. „Ich muss jetzt wieder arbeiten. Ich ruf dich später an.“
„Brauchst du nicht,“ murmelte Hugo. „Wir sollten da nicht wieder etwas aufwärmen, dass nicht aufgewärmt gehört.“
Erstaunt blickte Alex ihn jetzt an. „Sei nicht blöd Hugo. Wir wissen beide, dass es mit uns noch nicht vorbei ist. Wir sprechen da später drüber.“
„Ich will aber nicht mehr mit dir sprechen Alex. Das jetzt grade hat mir wieder ins Gedächtnis gerufen, weshalb ich nicht mehr mit dir zusammen sein wollte.“
Alex verdrehte die Augen. „Langsam machst du mich wirklich sauer. Du spielst schon die ganze Zeit mit mir. Tust so, als hättest du kein Interesse mehr an mir, suchst dir irgendeinen Typen, mit dem du mich eifersüchtig machen kannst. Aber ich sehe doch, dass du mich immer noch liebst.“
„Tu ich nicht,“ fauchte Hugo.
„Tust du wohl,“ erwiderte Alex und wollte nach Hugos Arm greifen, als dieser sich abwandte.
Da machte dieser eine plötzliche Bewegung und verpasste Alex einen kräftigen Schlag gegen die Brust. „Tu ich nicht,“ rief er noch einmal.
Alex versuchte ihn festzuhalten, aber Hugo machte sich von ihm los.
„Doch, tust du,“ sagte Alex entschieden, aber er hatte nicht damit gerechnet, dass Hugo ihn daraufhin so kräftig von sich stoßen würde, sodass er etwas zurück stolperte. Er hatte nicht einmal gewusst, dass er so stark war. Hugo atmete schwer und schaute ihn wütend an.
„Ich hasse dich,“ flüsterte er dann und etwas in Hugos Stimme verriet Alex nun doch, dass er es dieses Mal ernst meinte. Es war schließlich nicht das erste Mal gewesen, dass er so etwas zu ihm sagte. „Ich wünschte ich hätte dich nicht in mein Leben gelassen und ich hasse mich selbst dafür, dass ich nicht von dir loskomme. Du sorgst dafür, dass ich an mir selbst zweifle, mich wie ein Mensch zweiter Klasse fühle und du denkst ernsthaft, dass ein paar lahme Entschuldigungen das alles wieder in Ordnung bringen?“
Alex zog die Schultern hoch. „Bisher hat das doch ganz gut funktioniert,“ murmelte er.
Dieses Mal war er mehr darauf vorbereitet, dass Hugo auf ihn losging. Er hatte ihn oft wütend erlebt, aber nie so außer sich wie jetzt. Deshalb fiel es ihm äußerst schwer ihn in den Griff zu bekommen, als er wild um sich schlug. Aber er hatte Übung mit so etwas, da er schon lange bei einem Sicherheitsdienst arbeitete.
„Hugo, beruhig dich bitte. Es tut mir leid,“ meinte Alex und hielt ihn fest. Für einen Moment schaute Hugo ihn aus seinen großen, hellen Augen an und dann spuckt er ihm ins Gesicht. Augenblicklich ließ Alex ihn los. Wütend wischte er sich durchs Gesicht. Das war wirklich zu viel. Ohne darüber nachzudenken verpasste er Hugo einen kräftigen Schlag.
Als er rückwärts stolperte und hinfiel, war Alex einen Augenblick überrascht über sich selbst. Er war häufig grob zu Hugo gewesen, aber geschlagen hatte er ihn nie. Und auch wenn das Spucken mehr als respektlos gewesen war, bereute er instinktiv was er getan hatte.
Hugo blutete ihm Gesicht und Alex wollte zu ihm und ihm aufhelfen, aber er stieß seine Hände fort.
Er rappelte sich langsam auf und ging langsam weg.
„Hugo,“ meinte Alex verzweifelt. „Das wollte ich nicht.“
Aber Hugo sagte nichts mehr und Alex hatte das ungute Gefühl, dass er dieses Mal endgültig etwas falsch gemacht hatte.

Aaaaalso … spätestens jetzt bin ich mir sicher, dass Hugo und Alex nie mehr zusammen kommen werden. Hugo wurde viel zu sehr von Alex verletzt (innerlich, aber jetzt auch äußerlich). Es hätte nicht mehr viel gefehlt und Alex hätte ihn beinahe vergewaltigt. Gut, so schlimm war es jetzt nicht, aber nah dran. Vielleicht hat Alex jetzt zum Schluss aber endlich begriffen, dass er mit Hugo so nicht umspringen kann. Ein sehr interessanter Part, nur Hugo tut mir jetzt unendlich Leid. Ja, ich will Branko und Leo zusammen sehen, aus denselben Gründen, die auch Olli genannt hat (Leo tut Branko gut), aber Hugo will ich auf keinen Fall am Ende der Geschichte alleine sehen. Das würde mir das Herz zereissen. Da wartet also noch etwas Arbeit auf dich Salto.
Und da du offenbar (fast) alles umsetzt, was ich dir so sage, hier meine offizielle Wunschliste :smiley: :

  1. Ich will Branko tanzen sehen :laughing:
  2. Brankos Vater muss wieder eine Rolle spielen
  3. Hugos Schwester ebenfalls
  4. Ein süßer kleiner Freund für Hugo? Vielleicht ein Hund? :stuck_out_tongue:
  5. Leo und Hugo gehen wieder bouldern - diesmal mit Branko?
  6. Sind Olli und Severin jetzt eigentlich ein Paar? (Ist mir irgendwie entgangen)
  7. Der neue Mitbewohner von Branko und Olli - wichtig?
  8. Einmal … zumindest einmal sollte Leo den Arsch in der Hose haben, Branko ernst seine Gefühle zu gestehen - egal ob negativ oder positiv
  9. Konfrontation zwischen Branko und Alex (Bitte lass Branko Alex einmal eine reinhauen :smiley: )
  10. Branko - Leo - Hugo - sollte einer am Ende allein dastehen, nehme ich denjenigen :laughing:

“…und Alex hatte das ungute Gefühl, dass er dieses Mal endgültig etwas falsch gemacht hatte.”

Ach echt jetzt ??? Der Typ macht ständig alles falsch !!! Zumindest was Hugo betrifft.
Und Hugo ist echt NAIV ! Ich hoffe das Erlebte reicht ihm nun endlich um Alex endgültig abzuschießen.

Bin gespannt wie es weiter geht. Ich habe da 2 Theorien:

  1. Hugo läuft Branko (der ja unterwegs zum Klo ist) gleich heulend und blutend in die Arme, und Branko knöpft sich darauf hin Alex vor. Und haut ihm (wie von skystar gewünscht) eine rein.

oder (viel schlimmer)

  1. Branko beobachtet auf dem Weg zum Klo, wie Alex vor Hugo kniet und sich an ihm und seiner Hose zu schaffen macht. Interpretiert das völlig falsch und tut irgendwas dummes.

Ich hoffe auf 1. :smiley:

Ich war gestern beim Bouldern und musste unweigerlich an Leo und Hugo denken :smiley:
Ich hoffe es geht bald weiter!

:rat: :flag: wann geht’s denn weiter ?

Jetzt :smiley:

Also Skystar ich weiß nicht, ob ich dir alle Wünsche erfüllen werde, aber ein Paar der Dinge standen ohnehin schon auf der Agenda. Aber lass dich überraschen, welche das sind.

Und ja Simson Hugo war da vielleicht etwas naiv.

Tut mir leid, dass es wieder so lange gedauert hat, aber ich höre jetzt auf mich zu entschuldigen und poste einfach den nächsten Teil :slight_smile: Schön, dass ihr noch immer dabei seid!

Er hätte es doch wissen müssen, dachte Branko sich, als er mit tief in den Hosentaschen vergrabenen Händen in Richtung der Toiletten lief. Eigentlich musste er überhaupt nicht, aber ihm wäre jede Ausrede lieb gewesen, um nicht weiter von den anderen angestarrt zu werden. In ihm drehte sich alles. Hugo, der wieder mit Alex herumlief, als sei nie etwas gewesen. Leo, der ihn küsste und danach so tat, als wäre nie etwas passiert. Hatte Hugo wirklich schon mit ihm abgeschlossen? Und was wollte er selbst überhaupt? In den letzten Wochen hatte er ihn viel weniger vermisst. Das lag vermutlich an Leos ständiger Präsenz, die bei ihm seit einer Weile wieder heftiges Herzklopfen hervorrief.
Branko setzte sich auf eine Bank und stützte das Gesicht in die Hände. Natürlich bedeutete ihm Hugo noch sehr viel. So etwas stellte man schließlich nicht von jetzt auf gleich ab. Und was glaubte er eigentlich? Dass Alex auf einmal ein lieber Kerl geworden war? Er kannte ihn doch. Aber Branko wusste auch, dass er nie wirklich mit Alex abgeschlossen hatte. Ja er war sauer auf ihn gewesen, aber hatte er je aufgehört etwas für ihn zu empfinden?
Branko lehnte sich zurück und atmete tief durch. Wenn er sich aufregte neigte er manchmal dazu keine Luft mehr zu bekommen und was ihm jetzt noch fehlte war hier vor allen Leuten zusammen zu brechen. Er konnte sich sehr gut vorstellen was Hugos Schwester dazu sagen würde, wenn sie wüsste, dass Hugo sich wieder mit Alex einließ. Und wo waren die zwei hingegangen? Hatten sie sich einen ruhigen Ort gesucht, um allein zu sein? Standen sie jetzt irgendwo fest umschlungen und küssten sich?
Aber er selbst war ja kein Stück besser. Er hatte Leo auch nie völlig vergessen und er konnte verstehen, dass Wut auf jemanden die wahren Gefühle gut zurückhielt. Aber Leo würde nie mit ihm zusammen sein wollen. Branko war doch mehr ein Bruder für ihn als alles andere. Wieso verschwendete er überhaupt einen einzigen Gedanken daran?
Am liebsten hätte Branko gebrüllt, um seinen Gefühlen Luft zu machen, aber das ging hier nicht. Deshalb kaute er bloß auf seinen Fingernägeln herum. Eine blöde Angewohnheit, die er eigentlich schon vor langer Zeit abgelegt hatte.
„Hey, du,“ meinte Leo, der langsam auf ihn zu geschlendert kam. Branko senkte den Blick auf seine Hände.
„Ich will jetzt echt nicht darüber reden,“ murmelte er mit aufeinandergebissenen Zähnen.
„Dachte ich mir fast,“ sagte Leo und setzte sich neben ihn auf die Bank. „Ich dachte ich sehe nur mal kurz nach, wo du hin gegangen bist.“ Dann schwieg er und schaute den Leuten beim vorbeigehen zu.
„Ist echt eine blöde Situation,“ meinte er nach einer Weile. „Kann verstehen, dass du sauer bist.“
„Ich bin nicht sauer,“ sagte Branko entschieden.
„Naja, dann eben eifersüchtig oder was auch immer.“ Leo klang komisch, aber Branko wollte das nun gar nicht hinterfragen.
„Ich verstehe bloß nicht, wieso er ihm verzeiht, aber mir nicht, dabei habe ich nicht einmal halb so schlimme Sachen gemacht wie er,“ sagte Branko verbissen.
„Ach Branko. Glaubst du, dass das in irgendeinem Zusammenhang steht? Und wir wissen doch überhaupt nicht, ob er ihm verziehen hat. Ich glaube, dass Hugo es einfach ein bisschen mag, wenn die Männer ihm hinterherlaufen. Und das hast du ja nicht wirklich getan. Vielleicht hätte er dir dann auch verziehen.“
Branko sah ihn erstaunt an.
„Hat vielleicht einfach nicht so den Eindruck gemacht, als wolltest du ihn zurück,“ murmelte Leo schulterzuckend.
„Also meinst du ich hätte mich mehr bemühen sollen?“ fragte Branko.
Leo seufzte. „Keine Ahnung. Willst du denn wieder mit ihm zusammen sein?“
Branko sah zu Boden. „Ich weiß es nicht,“ flüsterte er.
„Dann solltest du das vielleicht herausfinden.“ Leo sah ihn von der Seite an und Branko erwiderte kurz den Blick. Nein, Leo würde tatsächlich niemals ernsthaft eine Beziehung mit ihm wollen. Sonst würde er so etwas nicht sagen.
„Ich hasse diesen Typen einfach so sehr,“ murmelte Branko. „Für alles was er Hugo angetan hat.“
Leo schaute ihn weiterhin an. „Ist er echt so schlimm?“
Branko schnaufte und war sich eine Sekunde nicht sicher, ob er den Verstand verloren hatte. Denn an der nächsten Straßenecke kam Hugo aus dem Eingang zu einem Hinterhof. Das bildete er sich doch ein, denn eben hatte er noch so glücklich gewirkt und jetzt blutete er an der Lippe und weinte offensichtlich. Ein paar Augenblicke später kam Alex ihm hinterher.
„Das kann doch nicht wahr sein,“ sagte Branko und sprang auf. „Dieses Arschloch.“ Entschiedenen Schrittes ging er auf sie zu.
„Branko, stopp,“ rief Leo ihm noch hinterher, da er offensichtlich die Situation ähnlich gedeutet hatte, aber Branko hörte ihn gar nicht.
Hugo starrte ihn erstaunt an, als er ihn entdeckte. Und Branko war es egal, dass Alex stärker war als er und offensichtlich sehr viel mehr Erfahrung im Zuschlagen hatte. Es war vermutlich auch Alex Überraschung, die dafür sorgte, dass er nicht als erster eine gelangt bekam, aber der Schmerz in seiner Hand reichte schon aus, als seine Faust in Alex Gesicht schlug.
„Branko!“ Leo riss ihn zurück. Entsetzt schaute er ihn an. Aber im nächsten Moment wurde Branko von Alex von den Füßen gerissen. Hart schlug er auf dem Asphalt auf und spürte wie Alex Fäuste nun auf ihn eindroschen.
Leo allein hätte Alex vermutlich nicht von ihm runterziehen können, aber Severin und Olli waren von irgendwo her aufgetaucht.
„Alex, beruhig dich,“ meinte Severin, der ihn am einen Arm gepackt hatte.
„Hängst du jetzt auch mit diesem Pack ab?“ fuhr Alex ihn an. Dann sah Branko, wie Alex Leo musterte und ihm wurde dabei speiübel. Wenn dieser Kerl es jetzt auch noch wagte, ihn in irgendeiner Weise anzubaggern. „Und bist du der neue Freund vom Fettklops?“ fragte er grinsend. „Guten Geschmack hat er ja, was man allerdings nicht von euch behaupten kann,“ meinte er dann zu Hugo, der immer noch wie erstarrt dastand.
„Ich würde vorschlagen, dass du deine Schnauze hältst und verschwindest,“ fuhr Leo ihn an. Branko mochte die Härte in seiner Stimme, die er sonst nicht kannte.
Alex lachte jedoch bei diesen Worten. „Der Wichser hat mich zuerst geschlagen, das ist euch schon bewusst?“
„Mag sein, aber Hugo hast du offensichtlich auch geschlagen. Warum? Weil er dich nicht rangelassen hat? Ich würde sagen das zählt wahrscheinlich schon als sexuellen Belästigung, wenn nicht sogar schlimmeres. Wobei ich ja nicht weiß, was da tatsächlich abgelaufen ist. Müsste man mal Hugo fragen.“
Alex machte den Mund auf, schloss ihn aber wieder. Branko war erstaunt, dass Leo in einem so sachlichen Ton sprach und sich so schnell zusammengereimt hatte, was in dem Hinterhof wohl passiert war. Und scheinbar lag er damit gar nicht so falsch, denn Alex hatte es offensichtlich die Sprache verschlagen.
„Als ob das irgendwer glauben würde,“ meinte er nach einer Weile kühl. „Ich und jemanden belästigen? Als ob ich das nötig hätte.“
„Komm schon Alex,“ meinte Severin und zog ihn beiseite. „Ist vielleicht wirklich besser, wenn du jetzt gehst.“
Alex hob beide Hände und zuckte die Schultern. „Wenn ihr meint. Ich muss jetzt eh weiterarbeiten.“ Damit drehte er sich um und ging ohne ein weiteres Wort weg.
Als Alex weg war legte sich eine etwas drückende Stimmung über die Gruppe.
„Du blutest,“ meinte Leo irgendwann und kramte ein Taschentuch aus seiner Hosentasche, das er Hugo reichte.
„Danke,“ sagte dieser mit dünner Stimme. Man konnte sehen, dass seine Hände zitterten.
„Kein Thema. Überleg dir vielleicht nur beim nächsten Mal mit wem du so in dunklen Hinterhöfen verschwindest.“ Er klang bitter und reichte dann Branko die Hand, um ihm aufzuhelfen.
Hugo drückte sich das Taschentuch auf die blutende Lippe. „Wir wollten da nur pinkeln gehen.“
„Ist aber nicht erlaubt und kostet hier 60 €,“ brummte Leo und vergrub die Hände in den Hosentaschen. Alle blickten ihn etwas erstaunt an.
„Ich mein ja nur,“ sagte er schulterzuckend.
Branko fing Hugos Blick auf. Er sah ziemlich verloren aus und er tat ihm leid. Aber er war wiederum auch selbst schuld.
„Ich sollte nach Hause,“ murmelte er. „Tut mir leid, dass ihr das mitbekommen habt.“ Dabei sah er Branko noch immer an.
„Du solltest besser nicht alleine gehen,“ sagte Leo und schaute dann Branko an. „Willst du ihn nach Hause bringen? Ihr habt vielleicht noch ein bisschen was zu bereden.“
Wieder sahen alle Leo an. Branko hatte plötzlich einen Kloß im Hals. Wieso wollte Leo, dass er sich mit Hugo aussprach? Hoffte er, dass dadurch zwischen ihnen wieder alles beim Alten war?
„Naja, nur wenn du möchtest,“ flüsterte Branko leise und schaute Hugo an. Er hatte ihm tatsächlich noch einiges zu sagen, hatte aber die Sorge, dass diese Unterhaltung unangenehm werden könnte.
Hugo zuckte die Schultern, machte dann aber eine Kopfbewegung, um anzudeuten, dass er mitkommen sollte. Unsicher folgte Branko ihm. Jedoch nicht ohne Leo noch einen kurzen Blick zuzuwerfen. Um ehrlich zu sein hätte Branko lieber den Abend mit ihm verbracht, aber was nützte das? Es würde nie wieder so etwas zwischen ihnen passieren. Und er hatte recht. Er sollte sich mit Hugo aussprechen, um herauszufinden, ob da noch etwas zwischen ihnen war.

Sie liefen schweigend nebeneinander her. Hugo presste sich noch immer das Taschentuch auf die Lippe, hatte aber aufgehört zu weinen. Branko überlegte lange was er sagen sollte. Ob er sich entschuldigen sollte oder Hugo lieber Vorwürfe machen wollte.
„Ich hätte nicht auf ihn losgehen sollen,“ murmelte er irgendwann.
Hugo nahm jetzt das Taschentuch vom Mund und betrachtete es.
„Da sind wir schon zwei,“ flüsterte er.
„Wie?“ fragte Branko überrascht.
„Ich bin auch auf ihn losgegangen. Nachdem er mich festgehalten hat, habe ich ihn angespuckt. Da hat er mich geschlagen. Kann man ihm fast nicht verübeln.“
„Bitte, was? Ich habe euch vorhin gesehen, da sah es eher so aus als wärt ihr wieder…naja.“
Hugo schüttelte den Kopf. „Nein. Ich bin nur einfach viel zu dumm und dachte wir könnten Freunde sein. Er weiß blöderweise genau was er machen muss, damit ich ihm wieder auf den Leim gehe. Ich fühl mich eben schnell einsam und das weiß er genau.“
Branko schwieg. „Es hat mich wütend gemacht, dass du wieder mit ihm rumgelaufen bist. Ich mein, die letzten Male war er so gemein zu dir und allgemein hat er dich so schlecht behandelt. Und mich hat das was er zu mir gesagt hat auch sehr verletzt. All die Sachen über meine Figur und so. Ich verstehe einfach nicht, was du an so einem Menschen findest.“
Hugo schaute ihn von der Seite an. „Tut mir leid,“ sagte er leise. „Ich weiß auch nicht, was mit mir nicht stimmt. Ich stehe zurzeit völlig neben mir. Ich muss ständig heulen und kriege meine Gedanken einfach nicht zusammen. Einerseits die Trennung von dir und dass ich dadurch nicht nur dich sondern auch Olli verloren habe und dann der völlig neue Lebensabschnitt mit der Schule und so. Und dann ist Alex wieder aufgetaucht und war wirklich lieb zu mir. Ich weiß aber, dass das nichts entschuldigt.“
„Naja bei mir musst du dich nicht entschuldigen, vielleicht eher bei dir selbst. Und dass du mit mir nicht mehr zusammen sein wolltest, ist eine Sache, aber dass du ihm eher verzeihst als mir, ist schon heftig.“
Er konnte Hugo atmen hören. Es klang beinahe ein bisschen genervt. „Du weißt genau, was mein Problem war Branko. Und das war nicht, dass ich einfach keinen Bock mehr auf dich hatte. Du hast es mir nur so unglaublich schwer gemacht. Ich wusste einfach nicht mehr wie ich damit umgehen soll.“
Branko starrte auf den Fußweg, den sie grade entlangliefen. Er fühlte sich blöd.
„Hast du eigentlich nochmal mit deinem Vater gesprochen?“ fragte Hugo dann unvermittelt.
Branko zuckte die Schultern. „Nicht wirklich. Er hat mich ein paar Mal angerufen, aber ich habe mich nicht getraut dran zu gehen.“
Er spürte Hugos Blick und schämte sich plötzlich. „Ich kapier das einfach nicht,“ meinte er dann und schüttelte den Kopf.
„Da gibt es auch nicht viel zu kapieren,“ murmelte Branko. „Ich bin einfach noch nicht bereit mich damit auseinander zu setzen. Dafür habe genug andere Baustellen gehabt in letzter Zeit. Ist mir auch egal ob du das verstehst oder nicht. Du hattest nicht das recht dich da einzumischen.“
Er wusste, dass er Hugo damit vor den Kopf stieß, aber er wollte sich nicht weiter rechtfertigen müssen.
„Mhm, hatte ich wohl nicht. Ich weiß, dass ich dich bedrängt habe, aber ich dachte ehrlich, dass ich dir damit helfe und du es im Grunde auch möchtest.“
Kurz blickte Branko Hugo an. Irgendwie kam ihm die Beziehung mit ihm ewig weit weg vor. Als wären seit ihrer Trennung nicht Wochen, sondern eher Monate, wenn nicht Jahre vergangen.
„Ich glaube was das angeht kommen wir auf keinen grünen Zweig mehr,“ flüsterte Branko. „Ich weiß einfach nicht wie ich zu diesem Mann stehe und ob ich Kontakt zu ihm will. Ich habe mich dort einfach nicht wohl gefühlt. Und dann habe ich den für mich einzig offensichtlichen Ausweg gesucht. In meinem Kopf macht dann einfach alles zu. Ich kann das nicht erklären. Es reicht meistens mich einfach in Ruhe zu lassen.“
„Wenn du mir das einfach so erklärt hättest…“
„Ich habe es doch versucht,“ sagte Branko laut. „Öfter sogar. Aber du hast immer gesagt, dass über Dinge zu reden hilft. Aber nicht jeder verarbeitet Dinge, in dem er darüber spricht. Es kann helfen, aber nicht, wenn man mich dazu drängt. Ich hatte einfach immer das Gefühl ich mache was falsch.“
Hugo kratzte sich im Nacken. „Naja, aber wenn man dich nicht drängt sagst du schließlich gar nichts. Und ich komme mir dumm vor, weil ich nichts über dich weiß. Und dann taucht jemand wie Leo auf, dem du so viel mehr anvertraust. Da fragt man sich als Freund schon, wieso das bei mir nicht auch so ist. Ich war echt eifersüchtig, auch wenn du immer wieder betont hast, dass er nicht mehr dein bester Freund wäre. Und es sieht so aus, als wäre wieder alles beim Alten zwischen euch.“
Branko war es nicht lieb, dass die Sprache jetzt auf Leo kam. „Naja nicht ganz beim Alten,“ murmelte er. Schließlich brannte ihm immer noch der Magen bei den Gedanken an ihren Kuss. „Aber nach unserer Trennung hat sich dahingehend einiges geändert. Ich weiß nicht wo ich ohne ihn im Moment wäre.“
Hugo schwieg und sie liefen ein paar Momente einfach nur nebeneinander her. Als sie um die nächste Ecke bogen waren sie in Hugos Straße angelangt.
„Mich macht es irgendwie traurig, wie das zwischen uns auseinander gegangen ist,“ flüsterte Hugo. „Weil wir uns ja eigentlich wirklich gut verstanden haben und ich dich wirklich mag.“
„Ja,“ machte Branko nachdenklich. Grundsätzlich hatte er die Zeit mit ihm sehr genossen und er fehlte ihm irgendwie auch sehr. „Auch wenn alles blöd gelaufen ist, bist du mir immer noch nicht egal. Wie auch. Schließlich warst du mein erster richtiger Freund.“
„Das ist wirklich süß von dir,“ sagte Hugo leise, als sie vor seiner Wohnungstür stehen blieben. Sie sahen sich eine Weile an und seine großen, hellen Augen durchbohrten Branko plötzlich. Mit Hugo gingen die Dinge manchmal unglaublich schnell. Allerdings war er sich gar nicht sicher, ob er das überhaupt wollte. Und er mochte ihn viel zu gerne, um wieder von jetzt auf gleich irgendetwas zu erzwingen.
Branko hatte plötzlich das Gefühl, dass Hugo einen klitzekleinen Schritt auf ihn zu machte. „Willst du noch mit hochkommen?“ fragte er dann ganz leise.

Danke für die schnelle Fortsetung Saltoboy! :flag:

Also jetzt bin ich mir eigentlich zu 98% sicher, dass das Ende der Geschichte auf Branko und Leo hinaus laufen würde. Warum? Ist ein BAUCHGEFÜHL? Es passt einfach mehr. Klar haben Branko und Hugo noch Gefühle füreinander, aber sie können nicht so gut auf den jeweils anderen eingehen. Ich glaube, wären sie sowas wie Best Friends, würde das ganz gut klappen. Und Branko hat es eigentlich selber schon zugegeben, für wen sein Herz schlägt. Könnte Leo Brankos Gedanken lesen, dann hätte er Branko wohl schon längst sein Herz offen gelegt, aber beide haben noch zu viel Schiss vor der Wahrheit. Würde mich nicht wundern, wenn Olli den beiden noch den nötigen Arschtritt verpasst. Trotzdem hoffe ich noch immer, dass es auch für Hugo eine Art Happy End gibt, so blöd das auch klingen mag. Es macht mich traurig ihn so leiden zu sehen …

Lg
Himmelsstern

Wieder ein sehr schöner-und langer!- Teil.
Jetzt denke ich auch fast, dass Branko doch mehr Gefühle für Leo hat. Vielleicht verborgen immer hatte?
Überhaupt finde ich Leo mittlerweile ziemlich klasse. Sein selbstloses Verhalten zeigt, wieviel ihm Branko eigentlich bedeutet.

Armer Hugo :cry: , was wird jetzt mit ihm ? Er tut mir echt leid ! Nicht mehr viel übrig vom einstigen Strahlemann.

Bitte gib ihm auch ein Happy End :flag:

Es folgt ein relativ kurzer Teil aus Leos Sicht. Eigentlich wollte ich noch einen weiteren Absatz hinzufügen, aber der ist noch nicht ganz fertig. Deswegen kommt jetzt erstmal das. :slight_smile:
Danke für eure Kommentare. Ich will einfach mal nicht zu viel sagen.

Leo blickte den beiden hinterher. Er hatte Bauchschmerzen dabei, aber es half alles nichts. Die Beziehung zwischen den beiden war schließlich keine Kleinigkeit gewesen. Branko hatte ihn offensichtlich wirklich geliebt und da war es mehr als verständlich, dass er sich mit ihm aussprechen musste, auch wenn Leo ihm einen kleinen Schubser hatte geben müssen. Sonst würde er nie damit abschließen. Nur langsam kam in ihm die leise Sorge auf, dass sie sich wieder vertragen könnten. Natürlich würde Branko dann wieder lieber seine Abende mit seinem Freund verbringen und nicht mit ihm. Er wollte zwar nur das Beste für Branko, aber der Gedanke tat weh.
Plötzlich stieß ihm etwas in die Seite. Erschrocken blickte er zu Olli hinab, die ihn in den Bauch geschlagen hatte. „Können wir mal kurz unter vier Augen reden?,“ meinte sie und klang dabei etwas wütend.
„Ähm okay,“ machte Leo irritiert und ließ sich von ihr ein paar Meter von Severin wegziehen.
„Was zum Teufel sollte das?“ fuhr sie ihn an.
Leo merkte, dass sein Lachen etwas nervös klang. „Was sollte was?“ Natürlich wusste er genau was sie meinte.
„Stell dich nicht so blöd. Branko mit Hugo mitschicken.“
Leo kratzte sich an der Stirn. „Ich wollte lediglich, dass sie sich aussprechen, mehr nicht. Ich habe ihnen schließlich kein Gummi in die Hand gedrückt und gesagt, dass sie sich amüsieren sollen.“
Sie stöhnte. „Wieso bist du so verdammt feige und sagst Branko nicht einfach, dass du etwas für ihn empfindest.“
Leo lachte wieder leicht. Olli stellte es so dar, als wäre es etwas absolut Selbstverständliches.
„Wieso versuchst du mir die ganze Zeit einzureden ich hätte Gefühle für ihn?“ Er hatte seine Stimme absolut nicht unter Kontrolle, das hörte er selbst.
Sie sah ihn verzweifelt an. „Leo, mal ernsthaft. Du hast es mir gegenüber doch schon zugegeben. Wieso streitest du es denn jetzt wieder ab?“
„Er will das nicht, okay? Branko vertraut mir nicht. Von daher heißt das für mich wohl Friendzone. Also Schwamm drüber,“ meinte Leo nun und zuckte mit den Schultern.
„Ach, glaubst du? Aber geküsst hast du ihn trotzdem.“
Leo hob erstaunt die Augenbrauen. Woher wusste sie das jetzt schon wieder? Hatte Branko ihr davon erzählt? Etwas anderes blieb eigentlich nicht übrig. Er mied jetzt jedoch ihren Blick.
„Ist doch egal,“ flüsterte er. „Es war ein Fehler. Branko möchte das nicht, das hat er deutlich gemacht.“
Olli verdrehte die Augen. „Sei nicht so blöd Leo. Branko liebt dich. Er hat einfach nur Angst, dass du es nicht ernst meints.“
„Ach und woher willst du das wissen?“ fuhr Leo sie jetzt an. Ihm ging es wirklich etwas zu weit, wie stark sie sich einmischte.
„Weil er das gesagt hat. Naja, jedenfalls implizit.“
„Es ist mir verdammt egal was er implizit oder auch explizit zu dir gesagt hat. Es geht darum, was er zu mir gesagt hat. Und das war nun mal, dass er den Kuss vergessen möchte und ich werde einen Teufel tun und seinen Wunsch nicht respektieren. Und vielleicht meine ich es ja wirklich nicht ernst mit ihm und das Ganze ist nur eine dumme Spinnerei.“
Sie schnaubte. „Und dann schubst du ihn lieber wieder in die Arme seines Exfreundes?“
Leo wurde jetzt zunehmend ungehalten. „Sag mal,“ machte er und sah zu Severin hinüber, der sich jetzt auf die Bank gesetzt hatte, auf der er eben mit Branko gesessen hatte. „Was macht dich eigentlich zur Beziehungsexpertin? Ich mein, du bekommst es doch auch nicht auf die Reihe dem Typen zu sagen, dass du ihn gern hast. Und dabei liegt er dir ganz offensichtlich zu Füßen. Wo ist dein Problem?“
Olli machte den Mund auf und schloss ihn wieder. „So lange kennen wir uns ja noch nicht,“ meinte sie dann kleinlaut.
„Ja, aber mir willst du Vorschriften darüber machen was ich Branko gegenüber unternehmen will. Krieg erst mal deinen Scheiß zusammen, bevor du dich bei uns einmischst.“
Sie sah flüchtig zu Severin hinüber und die Unsicherheit in ihrem Blick besänftigte Leo irgendwie.
„Du magst ihn doch, oder?“ fragte er dann leicht grinsend.
Sie zuckte die Schultern. „Vielleicht,“ murmelte sie und wurde rot. Das brachte ihn leicht zum Lachen, denn dieses Verhalten erinnerte ihn so sehr an Branko.
„Siehst du. So einfach ist das eben nicht mit den Gefühlen. Ich bin seit über zehn Jahren mit Branko befreundet und selbst wenn ich gewisse Dinge ihm gegenüber empfinde, heißt das nicht automatisch, dass ich unsere Freundschaft dafür aufs Spiel setzen will. Bei Severin ist das viel unkomplizierter und du bekommst es trotzdem nicht auf die Reihe. Als ich eben mit ihm Bier holen war, da hat er die ganze Zeit von dir geschwärmt, also was hält dich auf?“
Olli schaute ihn eine Weile an. „Es hat sich noch nicht ergeben,“ sagte sie dann. „Aber auch wenn ich selbst vielleicht keine Expertin bin, macht es mich wahnsinnig bei euch zuzusehen. Du kannst ja nicht einmal mir gegenüber zugeben, dass du in ihn verliebt bist, obwohl ich das schon weiß. Woher soll Branko denn dann auch wissen, dass du nicht nur mit ihm spielst?“
Leo sah sie an. „Er hat dir wirklich von dem Kuss erzählt?“ fragte er dann, weil er es immer noch nicht glauben konnte.
Sie nickte. „Ich habe ihn etwas ausquetschen müssen, aber dann hat er mir davon erzählt.“
Leos Mund wurde trocken. Er wusste natürlich, dass Branko Gefühle für ihn hatte, vermutlich immer gehabt hatte. Ansonsten hätte er den Kuss nicht auf diese Art erwidert. Und Leo war überrascht gewesen, was der Kuss in ihm selbst ausgelöst hatte. Einerseits war er heillos verwirrt, weil er ja gar nicht wirklich schwul war. Andererseits wollte er es unbedingt wieder tun, mochte es auch noch so komisch gewesen sein. Nur hatte Brankos Reaktion danach gezeigt, dass es um einiges komplizierter war, als ihm lieb war. Es wäre vermutlich so einfach gewesen ihn einfach weiter zu küssen und Leo war sich sehr sicher, dass Branko nicht nein gesagt hätte. Doch war da etwas in seinen Augen gewesen, dass gesagt hatte: ‚Tu mir das nicht an.‘ Und Leo hatte Branko schon einmal weh getan, weil er damals die Gefühle nicht erwidern konnte. Da war es selbstverständlich, dass er ihm misstraute. Er traute sich ja selbst nicht einmal. Wer wollte es Branko also verübeln?
Olli sah ihn nachdenklich an, weil er nichts mehr sagte.
„Hat es dir gefallen?“ fragte sie dann.
Leo schüttelte resigniert den Kopf und lachte dann leicht ungläubig. „Tut das irgendwas zur Sache?“
Sie grinste. „Hat es also.“
„Ich glaub ich verschwinde dann jetzt auch,“ murmelte Leo und sah Olli nicht an. „Lass ihn nicht zu lange zappeln und macht euch noch einen schönen Abend,“ fügte er noch hinzu, winkte Severin zum Abschied zu, jetzt wieder zu ihnen hinüberkam und ebenfalls, jedoch etwas irritiert die Hand hob.
„Ach Leo, du musst nicht gehen,“ meinte sie, aber Leo schüttelte den Kopf.
„Keine große Lust das dritte Rad am Wagen zu sein. Außerdem bin ich ziemlich fertig.“
„Okay. Dann komm gut nach Hause,“ sagte sie und drückte ihn. „Und spiel nicht den Helden für Branko. Wenn du ihn wirklich willst, dann zeig es ihm,“ flüsterte sie ihm noch ins Ohr.

Aber Leo ging nicht nach Hause. Jedenfalls nicht direkt. Der zweite Bierstand, an dem er vorbeikam, war der an dem Alex arbeitete. Leo war sich nicht ganz sicher, ob er mit Absicht diesen Weg gewählt hatte, um noch einmal einen Blick auf diesen Typen zu werfen. Man konnte nicht bestreiten, dass er ein gutaussehender Mann war. Ein bisschen zu gepflegt, fand Leo. Den Augenbrauen sah man an, dass er sie regelmäßig zupfte und für die Frisur hatte er bestimmt eine ganze Weile vor dem Spiegel verbracht. Leo sah ihm eine Weile zu. Er flirtete, sowohl mit den Frauen als auch mit den Männern, die bei ihm Bier bestellten und offensichtlich kam er sehr gut bei den Leuten an. Da war nichts von dem unfreundlichen und aggressiven Kerl, den er eben kennen gelernt hatte in seinem Verhalten zu erkennen.
Langsam ging Leo auf ihn zu. Als er nur noch ein paar Meter entfernt war, sah Alex ihn und fing an zu grinsen.
„Aber hallo,“ sagte er und schaute aus dem Bierwagen zu ihm hinab. „Wenn das nicht der Bodyguard von dem Dicken ist. Was willst du? Bier…?“
„Ich will, dass du nie wieder in Brankos Nähe kommst,“ sagte Leo entschieden, obwohl er von Alex Blick etwas verunsichert war. Noch nie war er von einem Mann so offensichtlich mit den Augen ausgezogen worden.
Alex stützte sich auf den Tresen, sodass seine Arbeitskollegen ihn nicht hören konnten. „Was ist eigentlich mit diesem Typen, dass hübsche Männer, wie du und Hugo sich auf ihn stürzen als wäre er ein Schokoriegel in einem Abspeckcamp?“
Leo atmete tief durch. „Wenn du ihn noch einmal beleidigst oder schlägst, dann…“
„Was dann?“ meinte Alex lachend. „Keine Sorge, dein Freund interessiert mich überhaupt nicht. Und wenn ich ganz ehrlich bin sieht er so schlimm auch wieder nicht aus. Natürlich greif ich jemanden genau da an, wo er am empfindlichsten ist. Und das ist bei dicken Menschen natürlich das Gewicht und das Selbstbewusstsein.“
Leo zog die Augenbrauen zusammen. „Sympathisch. Jetzt weiß ich wirklich was Hugo an dir gefunden hat. Und Branko ist nun alles andere als dick.“
„War er aber mal. Aber was auch immer. Ich habe die beiden eben zusammen weggehen sehen. Und ich dachte schon du wärst jetzt sein Neuer.“
Jetzt lachte Leo und es klang schon wieder so nervös. „Branko ist bloß mein bester Freund.“
„Also bist du gar nicht schwul?“ meinte Alex und legte den Kopf schief.
„Nein,“ antwortete Leo ein bisschen zu entschieden.
Alex durchbohrte ihn mit seinen Augen und grinste dann. Leo hatte dabei leicht das Gefühl geröntgt zu werden. „Weiß er, dass du auf ihn stehst?“ fragte Alex mit einem wissenden Unterton.
Verdattert blickte Leo ihn an. Stand es ihm mittlerweile auf die Stirn geschrieben?
„Ich erkenne homosexuelle Schwingungen sofort,“ meinte Alex lachend, ohne dass Leo etwas hatte sagen müssen. „Wenn du den beiden nachgehst lassen sie dich vielleicht noch mitmachen. Wäre bestimmt ein netter Dreier.“
Leo schüttelte ungläubig den Kopf. „Jedenfalls lass ihn in Ruhe, sonst gibt es beim nächsten Mal eine Anzeige wegen Körperverletzung.“
Er drehte sich weg.
„Da sitzen wir wohl beide im selben Boot,“ meinte Alex noch. „Kannst dich aber gerne bei mir melden, wenn die zwei sich lieber ohne dich vergnügen wollen.“ Leo ignorierte ihn und ging weiter. Er ärgerte sich zu dem Stand gegangen zu sein. Nicht nur weil Alex einfach nur ekelig und obszön war, sondern weil er ihm noch einmal schrecklich bewusst gemacht hatte, dass Branko und Hugo eventuell wieder etwas miteinander haben würden. Mit dem Gedanken würde er sich wohl abfinden müssen, schließlich wollte er nur das Beste für ihn. Ihm hallte nur etwas durch den Kopf, dass Olli vor einer ganzen Weile zu ihm gesagt hatte. „Könntest du das denn? Ihn mit einem anderen sehen?“
Was blieb ihm denn anderes übrig. Und natürlich konnte er das. Schließlich hatte er lange genug zugesehen, wie Branko mit Hugo zusammen war. Auch wenn ihm in den letzten Monaten immer mehr bewusst geworden, weshalb er so eine Abneigung gegen diese Beziehung gehegt hatte, beziehungsweise immer noch hegte. Und das war nicht bloß die Eifersucht eines vernachlässigten Freundes.

Um 3 Uhr nachts posten … hast du nichts besseres zu tun? :smiley:

Oh mann Leo … SAG BRANKO WAS DU FÜR IHN EMPFINDEST. Olli hat schon Recht, Leo aber auch im Bezug auf sie und Severin.
Die Szenen mit Alex sorgen bei mir inzwischen für Gänsehaut. Ich find den Typen einfach unheimlich. Er kann wohl wirklich nett sein, aber innerlich schlummert ein Monster, dass immer wieder zum Vorschein kommt. Seine Beleidigungen Branko gegenüber bringen mich immer wieder auf die Palme. Am schlimmsten fand ich aber, wie er Leo anbot, zu ihm zu kommen, wenn Branko und Hugo wieder beisammen sind. Allein die Vorstellung - ekelhaft! Nur gut, dass sich Leo nie auf diesen Typen einlassen würde! (Wehe wenn doch Saltoboy!)

Liebe Grüße
Himmelsstern

Haha offensichtlich nicht. War mal wieder alleine zu hause. Da kann ich manchmal nicht schlafen.
Skystar, du bist glaube ich nicht der Einzige, der Alex nicht leiden kann. Ich mag ihn übrigens auch nicht besonders, aber das ist schließlich auch ein bisschen seine Aufgabe :smiley:
Viel Spaß mit dem nächsten Teil. Da hier nicht so viel passiert, werde ich mir alle Mühe geben schnell weiter zu schreiben :slight_smile:

Branko runzelte die Stirn. Mit nach oben kommen?
„Weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist,“ murmelte er unsicher.
Hugo lächelte. „Keine Sorge Branko. Ich will einfach noch ein bisschen reden. Nichts weiter.“
„Okay,“ murmelte Branko und wurde rot. „Nur als wir das letzte Mal allein waren, haben wir… und das will ich grade wirklich nicht.“
Hugo senkte den Blick und kramte seine Schlüssel aus der Hosentasche. „Ich weiß auch nicht was mich da überkommen hat,“ murmelte er. „Es war in dem Moment sehr schön, aber…“
„Nicht so schön, dass du es nochmal mit mir versuchen wolltest.“
Hugo schüttelte den Kopf. Er hatte seinen Schlüssel gefunden. „Ich wollte so gerne wieder mit dir zusammen sein, aber dein Verhalten hat mich wahnsinnig gemacht.“
Branko sah Hugo dabei zu, wie er die Haustür aufschloss. „Kommst du?“ fragte er und schaute Branko erwartungsvoll an. Dieser zögerte jedoch eine Weile, folgte Hugo dann aber doch die Treppe hinauf.
Die Wohnung roch so wie immer, als Branko hinter Hugo durch die Tür trat. Branko mochte den Geruch. Es war komisch wieder hier zu sein und um ehrlich zu sein, hatte er nicht mehr daran geglaubt, dass er je wieder mit Hugo sprechen würde.
„Und jetzt?“ fragte er unsicher, als Hugo seine Schuhe auszog.
„Lass uns in mein Zimmer gehen,“ meinte Hugo mit einem Nicken auf seine Zimmertür.
Unsicher folgte er ihm und sah zu wie er sich auf die Couch setzte. Er war sich nicht sicher, ob er sich zu ihm setzen sollte, tat es dann aber. Jedoch mit ausreichend Abstand.
„Ich bin froh, dass wir noch mal die Gelegenheit haben miteinander zu reden. An Ollis Geburtstag war das schließlich alles andere als schön. Mir war selten etwas so unangenehm.“
Branko verzog den Mund. „Ich wusste einfach nicht wie ich reagieren soll. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie dich einlädt.“
„Mir hatte sie gesagt, du wärst nicht da. Sie kann sich einfach nicht aus dem Liebesleben anderer heraushalten,“ murmelte Hugo und sah Branko mit schief gelegtem Kopf an.
„Da hast du recht,“ flüsterte Branko.
„Geht es dir denn gut?“ fragte Hugo und schaute nun wieder so forschend.
Branko schnaufte leicht. „Ging mir schon mal besser. Im Moment ist alles ein bisschen verrückt und ich kann irgendwie nicht klar denken.“
„Immerhin hast du ja Leo. Der scheint sich ja um dich zu kümmern,“ murmelte Hugo und schaute Branko weiter an
Branko mied jedoch seinen Blick. Wieso war das alles so unglaublich kompliziert? Sie saßen nun wieder hier zusammen und wenn sie sich aussprachen bestand vielleicht die Möglichkeit, dass sie wieder zusammenkamen. Aber nach Leos Kuss war dieser Gedanke in weite Ferne gerückt.
„Was ist los?“ fragte Hugo Branko leise. Dieser war sich plötzlich nicht sicher, was bei Hugos Worten auf seinem Gesicht passiert war.
„Nichts,“ murmelte er, wusste aber dass Hugo ihm nicht glaubte.
Er seufzte hörbar und setzte sich grade hin. „Ich weiß, dass das hier grade unangenehm ist,“ sagte er. „Mir ist unglaublich peinlich was vorhin passiert ist und es soll wirklich nicht so aussehen, als wäre ich Alex direkt wieder an den Hals gefallen, nachdem wir uns getrennt haben.“
„Ist schon in Ordnung Hugo. Wir sind schließlich nicht mehr zusammen. Aber ich glaube trotzdem wäre es besser, wenn du dich von dem Typen fernhältst.“
Hugo zog die Schultern ein. „Ja,“ murmelte er kleinlaut. „Ich wünschte bloß das wäre so einfach. Nur… ach es ist dumm mit dir darüber zu reden.“
Branko sah ihn fragend an. „Wieso?“
„Naja, keine Ahnung.“ Er schaute Branko immer noch nicht an.
„Weil es mich verletzen könnte oder ich eifersüchtig werde? Ich weiß ohnehin, dass du noch etwas für ihn empfunden hast, als wir zusammen waren.“
Jetzt blickte Hugo ihn doch direkt an. Er wirkte ein wenig erschrocken.
Branko fing erneut an seinen Fingernägeln zu knibbeln. „Es mag dir selbst vielleicht nicht bewusst gewesen sein, aber so sehr bringt einen niemand auf die Palme, der einem egal ist.“
„Das heißt aber nicht, dass du nur ein Lückenbüßer warst,“ meinte Hugo dann.
„Weiß ich,“ murmelte Branko und starrte seinen Daumennagel an. „Deswegen kannst du meinetwegen gerne mit mir über ihn sprechen. Hätten wir vielleicht die ganze Zeit schon tun sollen. Dann hätte ich mir wegen ihm vielleicht nicht solche Komplexe eingeredet.“
Hugo lachte jetzt leicht. „Die hast du doch auch schon ohne ihn gehabt.“
„Mag sein.“
Sie schwiegen eine Weile, bis Hugo erneut seufzte. „Erst war ich echt beeindruckt von seiner selbstsicheren Art und er kann wirklich zauberhaft sein, wenn er will. Nach einer Weile wurde es mir jedoch zu viel. Ich habe mich komplett zum Affen gemacht, weil ich mich auf eine offene Beziehung eingelassen habe, obwohl ich wusste, dass das nichts für mich ist. Ich habe glaube ich ungefähr dreißig Mal mit ihm Schluss gemacht und jedes Mal hat er mich wieder um den Finger gewickelt und mir versprochen, dass er ab jetzt treu ist. Und jedes Mal habe ich mich selbst dafür verachtet. Und jetzt ist es fast wieder passiert. Zum Glück scheint er etwas an Übung verloren zu haben und hat sich ziemlich blöd angestellt.“
Branko runzelte die Stirn. Er konnte die Anziehung, die Alex auf Hugo hatte irgendwie nicht ganz nachvollziehen. Er selbst fand den Kerl einfach nur abstoßend.
„Naja, er war halt deine erste Liebe,“ meinte Branko und sah Hugo nicht an.
Hugo runzelte die Stirn. „Sag mal, Branko. Du meintest eben, dass einen niemand so sehr auf die Palme bringt, der einem egal ist. Und von wegen erster Liebe… kann es sein, dass du auch noch nicht ganz über Leo hinweg warst?“
Jetzt sah Branko ihn entsetzt an. „Das war etwas komplett anderes,“ sagte er dann hastig.
„Ich mein ja bloß. Weil du ihm, obwohl er sich alle Mühe gegeben hat, nicht wirklich verziehen hast. Und er war ja der erste Typ, in den du verliebt warst.“
Branko schloss die Augen. „Das war nur, weil er nichts mehr mit mir zu tun haben wollte.“ Branko war sich nicht einmal sicher, ob das gelogen war. Er hatte seine Empfindungen Leo gegenüber nie weiter in Frage gestellt.
„Okay,“ machte Hugo. „Aber ich glaube auch, dass es sehr schwierig ist nach so etwas einfach weiter normal befreundet zu sein.“
Der Satz versetzte Branko einen Stich, daher sagte er auch nichts weiter.
„Ich mag es wieder mit dir zu reden,“ lächelte Hugo dann. „Ich habe das sehr vermisst.“
Branko lächelte jetzt ebenfalls. „Ich auch,“ flüsterte er und kratzte sich an der Stirn.
„Und ich fände es schön, wenn wir das wieder öfter machen würden. Also zumindest freundschaftlich.“
Branko nickte. Er wusste zwar nicht wie er diese Worte deuten sollte, aber wenn Hugo sie aufrichtig meinte, dann war es absolut in seinem Sinne.
„Aber Branko versprichst du mir etwas?“
Sie sahen sich nun direkt an. „Was denn?“ fragte Branko.
„Es muss ja nicht jetzt sein, aber bitte sprich dich mit deinem Vater aus.“

„Das war Branko, nicht wahr?“ fragte Merle, als sie eine ganze Weile später in Hugos Zimmer kam. Dieser hob den Blick und nickte leicht.
„Was ist denn mit dir passiert?“ fragte sie erschrocken und deutete auf Hugos Lippe, die mittlerweile angeschwollen war. „Das war doch nicht er, oder?“
Hugo schüttelte bloß den Kopf. Das letzte was er wollte war ihr nun von Alex zu erzählen. Zwei Ex-Freunde an einem Abend, waren wohl für jede große Schwester zu viel.
„Das hätte ich ihm irgendwie auch nicht zugetraut. Was ist denn passiert?“ Sie kam auf ihn zu und setzte sich neben ihn auf die Couch.
Hugo schluckte. „Ähm,“ machte er unsicher und mied ihren strengen Blick.
„Sag mir bitte, dass es irgendwer war und nicht der der ich denke,“ seufzte sie.
Jetzt sah Hugo sie an und er wusste genau, dass der Blick Bestätigung genug war.
„Wie zum Teufel?“ Sie klang enttäuscht und Hugo schämte sich noch mehr als ohnehin schon. „Zeig den Kerl an.“
Hugo schüttelte den Kopf. „Ich bin selbst schuld Merle. Ich war heute mit ihm unterwegs. Beziehungsweise habe ich ihm bei der Arbeit Gesellschaft geleistet. Und in seiner Pause waren wir pinkeln und er hat mich blöd angemacht, da haben wir uns gestritten und nachdem ich ihn angespuckt habe, hat er mich geschlagen.“
Merle stand der Mund offen. „Du hast dich wieder mit ihm getroffen?“ fragte sie empört. „Hugo, warum tust du mir das an?“
Hugo tastete seine Lippe ab. „Keine Sorge,“ murmelte er. „Das war jetzt wirklich das letzte Mal.“
Sie lachte. „Und das ist nicht das erste Mal, dass du so etwas sagst kleiner Bruder. Und selbst wenn ich dir das glaube, was wollte Branko hier?“
Hugo lächelte müde. „Er war zufällig mit Freunden auf dem Fest und ich bin ihm in die Arme gelaufen. Er hat Alex eine reingehauen.“ Bei der Vorstellung musste Hugo plötzlich leicht grinsen.
„Und er musste danach nicht ins Krankenhaus?“ fragte Merle ungläubig.
Hugo lachte. „Ne waren zum Glück noch andere da, die Alex abgehalten haben Branko zu Brei zu schlagen. Ich fand es aber irgendwie süß, dass er sich für mich eingesetzt hat.“
Merle schaute Hugo kritisch an. „Und deswegen ist jetzt wieder Branko angesagt?“
Hugo verdrehte die Augen. „Er hat mich nach Hause gebracht. Ich war ziemlich aufgelöst und es war irgendwie gut wieder mit ihm zu reden. Er ist einfach ein verdammt lieber Kerl.“
„Ja das ist er. Aber ich glaube ich muss jetzt endlich mal ein Machtwort mit dir sprechen Hugo. Vielleicht solltest du diese Geschichte nicht wieder aufwärmen. Es gibt schließlich Gründe, wenn man sich trennt. Das tut man nicht aus einem Bauchgefühl heraus. Ich muss es wissen, nach allem was mit Thomas war. Wenn eine Beziehung einmal auseinander gegangen ist, heißt das vielleicht auch, dass man getrennt voneinander sein sollte.“
Hugo blickte sie nachdenklich an. „Naja, vielleicht hast du einen Punkt, aber Branko scheint wirklich an sich zu arbeiten. Er machte mir jedenfalls einen sehr viel abgeklärteren Eindruck. Außer dass er ziemlich nervös war.“
Sie verdrehte die Augen und warf sich zu Hugo auf die Couch. „Du musst lernen allein sein zu können Hugo. Sonst wirst du dich immer von irgendwelchen Typen abhängig machen. Natürlich wäre mir ein Branko sehr viel lieber als ein Alex, aber was ist denn mit dir? Bist du nur glücklich, wenn du jemanden hast? Du bist schließlich bisher immer von Beziehung zu Beziehung gesprungen.“
Hugo zuckte die Schultern. „Ich fühle mich schon besser, wenn ich nicht allein bin,“ murmelte er kleinlaut.
„Siehst du,“ sagte Merle. „Für mich war es auch komisch Single zu sein am Anfang, aber im Moment gibt es fast nichts Befreienderes als unabhängig zu sein.“
Hugo verzog den Mund. Ihm gefiel nicht was Merle sagte. Vielleicht weil er wusste, dass sie recht hatte.
„Ich möchte meinen strahlenden kleinen Bruder zurück und nicht nur, wenn in seiner Beziehung grade zur Abwechslung mal alles rund läuft. Ich weiß es ist hart, aber ich würde mir wirklich wünschen, dass du nicht mehr irgendwelchen Typen hinterherläufst, die dir nicht guttun.“
„Aber Branko hat mir gutgetan,“ meinte Hugo verunsichert.
„Ja, solange alles gut lief. Aber es gab auch Zeiten, da hat er dich sehr unglücklich gemacht. Natürlich ist es schön, wenn einen jemand mit verliebten Dackelaugen ansieht, aber dieses ganze hin und her ist es doch nicht wert, oder?“

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass Hugo wohl keinen neuen Freund bekommen wird. Ich glaube Merle liegt das gar nicht so falsch, dass Hugo mal schauen sollte, auch ohne einen Partner glücklich zu werden. Das heißt ja nicht, dass er auf ewig Single bleiben muss, aber zumindest in absehbarer Zeit. Vor allem kann er sich nicht auf was Neues einlassen, solange Branko und Alex noch in seinem Kopf/Herzen rumspuken.
Jedenfalls bin ich heilfroh, dass zwischen Branko und Hugo nichts lief. Mal sehen, ob Branko Hugos Wunsch erfüllt und seinen Vater anruft …

Sieht wirklich danach aus als würde Hugo am Ende übrig bleiben :confused:

Ich nehm’ ihn :flag:

:wave: geht’s dennbald weiter ?

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Tut mir leid, dass es wieder so lange gedauert hat. Hat sich ja einiges geändert hier :smiley: Beim nächsten Mal bin ich hoffentlich wieder schneller.

Leo hatte sich an einem anderen Stand noch ein Bier gekauft und saß nun auf einer Bank. Er kam sich armselig vor. Eigentlich hatte er mit Sophie doch alles gehabt. Sie war super attraktiv und hatte ihn vergöttert. Und das hatte er aus welchem Grund noch mal weggeworfen? Wieso hatte er nicht einfach mit ihr zufrieden sein können?

Leo kickte ein paar Steine umher. Branko und Hugo waren grade vielleicht schon auf dem besten Weg wieder zusammen zu kommen. Beim letzten Mal waren sie ja scheinbar auch direkt übereinander hergefallen. Und nachdem Leo Hugo nackt gesehen hatte würde er es Branko auch nicht verübeln. Er nahm einen großen Schluck vom Bier. Was dachte er da überhaupt? Es ging ihn absolut nichts an was die beiden miteinander taten.

Sie waren vor einer ganzen Weile miteinander verschwunden und Leo wusste nicht wie lange er schon auf dieser Bank saß. Allerdings wollte er auch nicht so richtig nach Hause gehen.

Irgendwann summte etwas in seiner Hosentasche. Als er sein Handy hervor kramte glaubte er erst es wäre seine Mutter, aber es war Branko. Das überraschte Leo nun doch. Er war sich sicher gewesen, dass er heute nichts mehr von ihm hören würde.

„Hey,“ sagte er, als er abnahm. „Alles in Ordnung?“

„Seid ihr noch unterwegs?“ fragte Branko. Am Telefon klang seine Stimme immer so anders. Beinahe noch dunkler.

Leo zögerte. „Ich bin noch auf dem Fest. Aber ich habe mich von den anderen beiden verabschiedet. Wollte nicht das fünfte Rad am Wagen sein und es wirkte irgendwie so, als wolle er lieber mit ihr allein sein.“

„Tut mir leid, dass ich dich allein gelassen habe,“ meinte Branko. „Ich bin jetzt auf dem Rückweg, falls du noch warten willst.“

Leo konnte nicht umhin, er musste lächeln. Er war schon häufiger ein bisschen verknallt gewesen, aber bei Branko fühlte es sich so anders an. Einerseits lehnte er das Gefühl ab, aber andererseits fühlte es sich auch wirklich gut an.

„Klar, ich bin grade gegenüber der Sparkasse.“

„Supi, dann bis gleich,“ meinte Branko und legte auf.

Leo schaute noch eine Weile auf sein Handy. Er hatte ein Bild eingestellt, das jedes Mal wenn Branko ihn anrief auf dem Bildschirm erschien. Das Bild war ein bisschen peinlich und Leo musste jedes Mal grinsen, wenn er es sah. Er hatte es selbst in der Schule gemacht. Brankos Haare waren länger und er hatte deutlich mehr auf den Rippen. An dem Tag hatten sie aus der Schulmensa Tabletts mitgehen lassen und waren den Berg hinter der Schule hinuntergerutscht. Branko war in einem Haufen Schnee gelandet. Leo steckte das Handy in die Hosentasche zurück und nahm noch einen Schluck von seinem Bier.

Der Branko der eine Weile später auf ihn zukam hatte nicht mehr viel mit dem dicklichen Jungen aus der Schule gemein. Leo musste sich ein wenig eingestehen, dass vielleicht auch sein verändertes Äußeres dazu beitrug, dass er sich mehr und mehr zu ihm hingezogen fühlte. Dass Alex die ganze Zeit auf ihm rumhackte, lag ganz bestimmt nicht an Brankos Erscheinung.

„Hey,“ machte er und setzte sich zu Leo auf die Bank.

„Wie wars? Überrascht mich, dass du schon wieder hier bist?“

„Wieso?“ fragte Branko verwundert. „Hab ihn nach Hause gebracht und dann haben wir noch kurz gequatscht. Das war alles.“

„Keine Ahnung. Ich dachte einfach das würde länger dauern. Habt ihr denn alles geklärt?“

Branko schaute ihn kurz an. „Joar. Wir haben uns ganz gut unterhalten und über ein paar Sachen gesprochen, über die wir sonst nie so reden konnten.“

„Das freut mich,“ sagte Leo und meinte es sogar vollkommen aufrichtig. Er wollte Branko fragen wie es jetzt mit ihnen aussah, wusste allerdings nicht wie er es formulieren sollte ohne dass Eifersucht in seiner Stimme mitschwang. Deshalb sagte er nichts und hielt Branko nur sein Bier hin. Dieser beäugte es einen Augenblick, nahm es dann aber. Brankos Verhältnis zu Alkohol war nicht unbedingt das Beste. Verständlicherweise, wenn man sein Leben lang zusehen musste, wie die eigene Mutter Alkoholmissbrauch betrieb und sich nach und nach das Hirn wegsoff.

„Und du meintest, dass Severin lieber mit Olli allein sein wollte?“ fragte Branko als er an dem Bier nippte.

Leo grinste leicht. „Ich glaube das ging von beiden Seiten aus. Ich wollte dem Ganzen auch nicht im Wege stehen.“

„Läuft denn zwischen den beiden was?“

„Also bisher glaube ich noch nicht, aber sie mag ihn. Wobei sie da ähnlich auskunftsfreudig ist wie du. Das finde ich fast ein bisschen frech. Sie mischt sich immer in alles ein, aber selbst erzählt sie gar nichts.“

Branko schaute ihn an. „Wo hat sie sich denn bei dir eingemischt?“ fragte er und man hörte unterdrückte Neugier aus seiner Stimme heraus.

Leo wollte nicht rot werden. „Naja mit Sophie halt. Sie hat gemerkt, dass ich nicht in sie verliebt war. Aber da hatte ich auch schon vor mit ihr Schluss zu machen.“

Jetzt hob Branko leicht die Augenbrauen. Leo musste zugeben, dass die Geschichte etwas dünn klang. Aber Branko die Wahrheit zu sagen kam ihm auch nicht richtig vor in diesem Moment.

„Ich wusste gar nicht, dass ihr so eng miteinander seid. Naja, vielleicht lenkt Severin sie ja jetzt ein bisschen ab. Dann hat sie keine Zeit mehr sich bei irgendwem einzumischen,“ meinte Branko dann und vergrub die linke Hand in der Hosentaschen.

Leo grinste leicht. „Und was machen wir jetzt?“ fragte er dann.

„Keine Ahnung. Das was wir vor hatten, bevor… naja bevor Hugo aufgetaucht ist.“

Leo streckte die Füße aus. „Also mein Plan war mit euch abzuhängen und sehr viel Bier zu trinken.“

Branko schnaufte. „Tja jetzt bin nur noch ich übrig. Ich hoffe das passt dir auch.“

Leo sah ihn einen Moment an und nickte dann. „Klar.“

Am liebsten hätte er sich dafür gegen die Stirn geschlagen. Er verhielt sich komplett bescheuert. Ansonsten hätte er vielleicht irgendetwas fieses gesagt und nicht so dumm gelächelt.

Branko schien etwas irritiert. „Alles okay bei dir?“ fragte er und sah Leo durchdringend an.

Dieser nickte nur. „Ja, sicher. Komm, wir holen uns noch was zu trinken.“ Mit diesen Worten stand er auf und sah Branko nicht weiter an. Er merkte jedoch, dass Branko ihm folgte.

„Lass uns lieber hier lang gehen. Dieser Alex arbeitet da drüben,“ meinte er dann. „Und ich glaube dem willst vor allem du heute nicht mehr über den Weg laufen.“

Branko hatte ihn eingeholt. „Woher weißt du das?“

Leo zog die Schultern hoch. „Habe ich vorhin gesehen. Hat er dir eigentlich sehr weh getan? Alle waren eben fixiert auf Hugo, aber wir haben gar nicht gefragt, ob bei dir alles in Ordnung ist.“

Branko zuckte die Schultern. „Könnte vielleicht ein paar Blutergüsse geben, aber sonst ist alles in Ordnung.“ Leo wusste allerdings, dass Branko es mal wieder herunterspielte. Genau wie früher, als er regelmäßig blaue Flecke versteckt hatte.

„Du bist schlimmeres gewöhnt, was? Und ihm hast du scheinbar auch ordentlich eine verpasst,“ grinste Leo jetzt und als sie sich in die Schlange am nächsten Bierstand stellten. „Hast du den Becher von eben noch? Da sind zwei Euro Pfand drauf.“

Branko reicht ihm den Becher. „Irgendwie dachte ich es wäre befreiend ihm eine reinzuhauen. Aber seltsamerweise tut mir nur meine Hand weh.“

„Lass mal sehen,“ meinte Leo und griff nach Brankos Hand. Sie war tatsächlich etwas geschwollen.

„Verdient hatte er es auf jeden Fall. Aber vielleicht lässt du beim nächsten Mal nicht direkt die Fäuste sprechen. Soll nicht böse sein, aber es ist nicht so richtig dein Ding sich zu prügeln.“

Branko zog plötzlich die Hand weg und seufzte. „Nein, bin ich vielleicht wirklich nicht so der Typ für. Und besonders gut bin ich darin auch nicht.“

Leo wandte sich kurz ab, um bei einem etwas gelangweilt wirkenden Mädchen zwei neue Bier zu bestellen.

„Ist auch nicht sonderlich erstrebenswert. Eigentlich ist es auch ziemlich dumm sich zu prügeln,“ meinte er dann mit hochgezogenen Schultern. „Aber die Liebe bringt einen manchmal zu Dingen, die vielleicht nicht besonders schlau sind.“

Branko massierte sich etwas die Hand und verzog leicht das Gesicht. „Das hatte nichts mit Liebe zu tun. Der Typ hatte es nur einfach wirklich verdient,“ brummte er dann und das brachte Leo leicht zum Lachen.

„Also nichts mehr mit Hugo?“ fragte er dann und versuchte möglichst unbeteiligt zu klingen, was ihm auch einigermaßen gelang.

Branko sah kurz auf und zuckte die Schultern. „Keine Ahnung. Er ist… naja er ist eben Hugo.“

Leo zahlte die Bier und drückte eines davon Branko in die Hand, der schon zu einem Protest ansetzen wollte. „Halt die Klappe und trink einfach,“ fuhr Leo ihn daher an und schob Branko in Richtung der Bühne. „Was meinst du damit, dass er Hugo ist?“ fragte er und nippte an dem Bier.

Branko stöhnte. Ihm schien das Thema nicht sonderlich zu behagen. „Jemand wie ich sollte sich darum reißen mit ihm zusammen zu sein. Und ein Teil von mir will das auch. Nur…“ Branko brach ab und schüttelte den Kopf.

Leo spürte ein Stechen im Magen. Er hatte plötzlich Angst, dass Branko weitersprach und genau das sagte, was Leo befürchtete. Aber Branko sprach nicht weiter und Leo zweifelt auch daran, dass Branko sich ein zweites Mal trauen würde ihm seine Gefühle zu gestehen.

Leo räusperte sich. „Was denn?“ fragte er unsicher. So zwiegespalten hatte er sich noch nie gefühlt. Er hatte zwar Gefühle für Branko, aber trotzdem löste die Vorstellung an eine Beziehung mit ihm Panik in ihm aus.

„Egal,“ flüsterte Branko dann. „Ich bin einfach ein bisschen durcheinander.“ Er trank von dem Bier und mied jetzt merklich Leos Blick. Am liebsten hätte dieser ihn jetzt einfach umarmt, aber er atmete nur tief durch und klopfte Branko dann auf die Schulter.

„Das wird schon wieder.“

Branko verzog den Mund zu etwas das aussah wie ein Lächeln.

Eine Weile sahen sie der Band auf der Bühne zu. Leo trank weiter fleißig von seinem Bier. Vielleicht würde ihn die Situation nicht weiter so bedrücken, wenn er ein bisschen angetrunken war. Und auch Branko nippte nicht ganz so scheu wie sonst an seinem Becher.

„Lass uns tanzen,“ meinte Leo irgendwann und griff nach Brankos Arm.

„Ach ne,“ meinte Branko und wollte sich losmachen.

Leo verdrehte die Augen. „Du bist manchmal so eine Spaßbremse. Warum denn nicht?“

Branko stöhnte. „Weil ich mir blöd dabei vorkomme, ganz einfach.“

Leo lachte. „Du stellst dich einfach nur an. Es juckt doch keinen wie du dabei aussiehst. Hauptsache du hast Spaß und schaltest einfach mal ein bisschen ab. Ich kann auch nicht tanzen und sehe dabei bescheuert aus.“

„Pff,“ machte Branko. „Als ob du bescheuert aussehen könntest,“ fügte er dann ganz leise hinzu und schaute Leo nicht an. Dieser musste leicht grinsen. Branko machte ihm so gut wie nie Komplimente. Leo konnte sich jedenfalls nicht daran erinnern, dass er jemals einen Kommentar zu seinem Äußeren abgegeben hätte. Höchstens wenn sie sich gegenseitig neckten und da war es meistens nicht so nett gewesen.

Leo zog Branko jetzt weiter zur Bühne. Etwas widerspenstig folgte Branko ihm. Es sah auch beinahe aus wie tanzen, was Branko nach mehreren Ermunterungen machte. Er bewegte sich jedenfalls im Takt der Musik. Leo musste sich eingestehen, dass er ihn dabei irgendwie unglaublich süß fand. Er lächelte ihn aufmunternd an und griff seinen Arm, wirbelte ihn ein bisschen herum. Der Ausdruck auf Brankos Gesicht hellte sich ein wenig auf und dann lachte er plötzlich. Man merkte, dass er für einen kleinen Augenblick seinen Kopf ausschaltete. Und es machte Spaß für einen Moment so unbeschwert mit ihm zu tanzen und einfach seine Nähe zu genießen. Die angespannte Stimmung zwischen ihnen hatte es irgendwie schwer gemacht in der letzten Woche.

„Kann ich später bei dir pennen?“ fragte Leo und leerte seinen Becher. „Keine Lust noch ewig Bus zu fahren,“ fügte er dann noch hinzu, um einen Vorwand zu liefern. Aber eigentlich war in den letzten Minuten die Hoffnung in ihm aufgekeimt, dass der heutige Abend noch etwas interessanter werden könnte.

Branko zögerte. „Ja, klar,“ meinte er dann. „Hast du eigentlich noch lange vor bei deinen Eltern zu wohnen?“

Leo seufzte. Er mochte dieses Thema nicht. „Nein. Ist das ein Angebot?“ fragte er dann jedoch grinsend.

Er sah wie Branko die Augen verdrehte. „Du weißt genau, dass wir das Zimmer jetzt vermietet haben. Und ich glaube nicht, dass das eine gute Idee wäre.“

Leo schmunzelte. „Wäre auch hart für Olli,“ lachte er. „Naja, ich bin auch so gerne bei euch, solange ihr und besonders du mich duldest.“

„Immer,“ murmelte Branko und lächelte ihn jetzt leicht an.

„Gut zu wissen,“ meinte Leo. „Ist im Moment irgendwie nervig zuhause.“ Er kratze sich im Nacken und spürte kurz Brankos Blick, als er den Arm wieder senkte.

„Wieso das?“ fragte Branko dann.

„Naja, meine Mutter ist cool, aber ich habe irgendwie das Gefühl, dass mein Dad mich raushaben will. Das macht es irgendwie sehr unentspannt.“

Branko nickte verständnisvoll, obwohl er sich vermutlich nicht wirklich vorstellen konnte was Leo meinte.

„Warte hier, ich hol noch was zu trinken,“ sagte Leo dann und nahm Branko den Becher aus der Hand.


„Ich bin müde,“ murmelte Branko irgendwann. Er hatte das Gefühl, dass er etwas angetrunken war und irgendwie mochte er das nicht. Leo hatte ihn dazu gebracht viel zu viel Bier zu trinken. Aber irgendwie war es auch viel zu schön gewesen mit ihm Zeit zu verbringen. Und jetzt wollte Leo bei ihm übernachten. Das letzte Mal als Leo neben ihm geschlafen hatte, hatten sie sich vorher geküsst. Nein, Leo hatte ihn geküsst. Das war etwas völlig anderes. Branko hatte die letzten Tage über das Gefühl gehabt, dass Leo der Kuss wirklich nichts bedeutet hatte, aber heute war es irgendwie anders. Jedenfalls fühlte es sich für Branko so an, als sähe er ihn anders an.

„Wir können gerne gehen,“ meinte Leo und zuckte die Schultern. Er hatte mehr getrunken als Branko, wirkte aber ziemlich nüchtern. „Wollen wir laufen oder soll ich nachsehen ob ein Bus komm?“

Branko zuckte die Schultern. „Naja, ich dachte du hättest keine Lust Bus zu fahren. Dann lass uns doch lieber laufen, warm genug ist es.“

Leo grinste ihn an und zog ihn dann wieder am Arm. Sie nahmen die Abkürzung durch den Park und er sang leise vor sich hin. Er schien gute Laune zu haben und sich über irgendetwas zu freuen.

Irgendwann stieß Branko ihm in die Seite. „Hör auf,“ meinte er. „Du kannst echt nicht singen.“

Empört riss Leo den Mund auf. „Du warst die ganze Zeit so nett zu mir und jetzt fängst du wieder so an,“ rief er.

„Vielleicht bin ich auch einfach nur ehrlich,“ schmunzelte Branko.

„Du meintest auch letztens ich sähe mit meiner Kappe bescheuert aus. Und vorhin meintest du dann ich könne gar nicht bescheuert aussehen. Was ist denn jetzt die Wahrheit?“

„Ich… naja…,“ er brach ab. „Halt doch die Klappe.“ Er hasste das Gefühl, das Leo in ihm auslöste. Er machte ihn irgendwie so nervös und zittrig.

Leo blieb plötzlich stehen und Branko merkte erst ein paar Schritte später, dass er nicht mehr neben ihm war.

„Was ist los?“ fragte Branko und ging zu ihm zurück.

Leo hatte den Kopf schief gelegt. „Manchmal bist du echt ein Idiot. Also eigentlich sind wir beide Idioten.“

„Wieso?“ fragte Branko, als er jetzt vor ihm stehen blieb.

Leo verzog den Mund. Es sah beinahe aus wie ein halbes Lächeln. „Das fragst du noch?“

„Ja, ich habe keine Ahnung was du meinst.“

Leo seufzte und griff plötzlich nach Brankos Hand. Kurz sah Branko hinab, wie Leo die Finger mit seinen verschränkte. Erst begriff Branko nicht ganz was das sollte, aber dann dämmerte es ihm leise. War das nun wirklich sein ernst? Nachdrücklich zog er die Hand weg.

„Hör auf mit dem Mist,“ fuhr er ihn an, auch wenn er die Hand gerne dagelassen hätte. Es ging einfach nicht.

„Wieso?“ fragte Leo ganz leise. „Du hast doch gesagt, dass mit Hugo nichts mehr ist und irgendwie…“

In diesem Moment konnte Branko nicht mehr anders als ihn entgeistert anzublicken.

„Und da dachtest du, ich wäre dann jetzt wieder für dein Experiment zu haben? Was soll das Leo? Wir verstehen uns doch endlich wieder richtig gut. Wieso willst du das jetzt kaputt machen?“

Leo blickte zu Boden. „Ich will gar nichts kaputt machen,“ murmelte er. „Ich dachte nur du würdest das auch wollen. Und wer sagt überhaupt, dass es für mich ein Experiment ist?“ Bei der letzten Frage sah er wieder auf und schaute Branko herausfordernd in die Augen.

„Ich! Ich kenne dich. Und auch wenn du das irgendwie für dein Ego brauchst, dass du mich am Haken hast, will ich das nicht mehr. Du mochtest Hugo doch nur nicht, weil ich dir nicht mehr hinterhergelaufen bin, wie ein Blöder. Vor allem nachdem du mich so hängen gelassen hast.“

Branko konnte sehen wie Leo jetzt die Lippen aufeinander presste. „Das denkst du ernsthaft von mir? Weißt du was eigentlich mein Problem war Branko? Dass du mich monatelang wie ein Aussätziger behandelt hast. Du hast mir dauern gesagt, ich wäre nicht mehr dein bester Freund. Weißt du wie weh mir das jedes Mal getan hat? Und noch immer hältst du mir vor, dass ich weggegangen bin. Und ist dir mal in den Sinn gekommen, dass nicht ich es war, der sich komisch verhalten hat, nachdem du mir deine Gefühle gestanden hast?“

War das jetzt Leos Ernst? Er klang wirklich sauer, dabei war Branko es eigentlich, der sauer sein durfte. Leo hatte die Hände in den Hosentaschen vergraben und sah irgendwie elend aus. Wieso hatte er nicht einfach den Abend so weiterlaufen lassen können?

„Und ist dir mal in den Sinn gekommen, dass ich vielleicht gar nichts mehr von dir will? Du bist längst nicht so unwiderstehlich, wie du denkst,“ sagte Branko entschieden. Das war natürlich eine fette Lüge, aber die Worte waren schneller aus seinem Mund, als er denken konnte. In Wahrheit war es so, dass jede Sekunde, die sie zusammen verbrachten dazu führte, dass Branko mehr und mehr den Kopf verlor. Er musste sich eingestehen, dass es viel zu spät war. Leo hatte ihn längst wieder um den Finger gewickelt. Das schaffte er immer mit allen.

Leo schnaufte jetzt und schüttelte den Kopf. „Ich halte mich überhaupt nicht für unwiderstehlich. Hätte wirklich nicht gedacht, dass du sowas von mir denkst. Ich weiß, dass ich Mist gebaut habe. Ich habe mich aber schon tausendmal dafür entschuldigt und ich dachte du hättest mir endlich verziehen. Aber scheinbar kannst du das nicht. Und ich verstehe auch, dass du Angst hast irgendetwas zwischen uns zuzulassen.“

Jetzt war es an Branko zu schnaufen. Ihm war schlecht und er merkte auch, dass er wieder in seine Abwehrhaltung verfiel, die er eigentlich ablegen wollte. Nur konnte er in diesem Moment nichts dagegen tun.

„Ich will mich nur nicht von dir verarschen lassen,“ meinte er und verschränkte die Arme vor der Brust.

Leo verzog wieder den Mund und fuhr sich über die kurzen Haare. „Klar, weil ich nichts Besseres zu tun habe. Mein einziges Lebensziel ist es dich zu verarschen. Was geht eigentlich in deinem Kopf vor Branko?“

Branko konnte ihn jetzt nicht mehr ansehen. „Wann hast du es denn jemals irgendwie ernst mit jemandem gemeint? Du machst doch nur was dir passt und wenn es irgendwie schwierig wird, haust du ab. Sophie hast du doch auch nur benutzt, weil dir langweilig war. Und die ganze Sache mit Olli habe ich sowieso nie verstanden.“

Einen Augenblick sahen sie sich an. Leos Augen flackerten ein bisschen. Dann lachte er spöttisch. „Was hat das Ganze denn bitte damit zu tun? Ich wollte nie etwas von Olli du Dummkopf, sondern von dir.“ Seine Stimme war gegen Ende sanfter geworden. Branko sah ihn einen Moment lang an. Er konnte nicht glauben, was Leo da grade gesagt hatte.

„Ich will aber nichts von dir,“ flüsterte er. Natürlich war auch das wieder eine Lüge und Branko war auch bewusst, dass Leo das wusste.

Dieser schloss die Augen und schüttelte den Kopf. „Okay du hast gewonnen. Ich hab’s kapiert. Dann lass uns jetzt bitte nach Hause gehen. Ich habe keine Lust mich deswegen mit dir zu streiten.“

Branko schüttelte den Kopf. „Nein. Ich gehe nach Hause. Und ich glaube es wäre besser, wenn wir uns eine Weile voneinander fern halten. Mir tut das nicht gut. Du kannst nicht immer mein komplettes Leben auf den Kopf stellen. Vielleicht wäre ich schon längst wieder mit Hugo zusammen, wenn du nicht wärst. Und vielleicht hätte ich mich gar nicht von ihm getrennt. Es ist nicht richtig, wenn du mir immer im Hinterkopf rumspukst.“

Leo machte den Mund auf, schloss ihn dann wieder. Es passierte nicht oft, dass er sprachlos war und Branko hasste sich mal wieder selbst dafür, dass er einen solchen Ausdruck auf diesem Gesicht auslöste. Es gab schließlich niemanden, der ihm mehr bedeutete.

„Also du willst nichts mehr von mir und trotzdem spuk ich dir im Hinterkopf herum?“ fragte Leo nach einer ganzen Weile.

Branko merkte plötzlich wie ihm die Tränen in die Augen stiegen. Er hatte noch nie vor Leo geweint und das wollte er heute nicht ändern

„Lass bitte einfach gut sein,“ flüsterte er heiser und wandte sich langsam ab.

„Macht eh keinen Sinn so mit dir zu reden,“ meinte Leo genervt. Er klang sauer und auch irgendwie verletzt und Branko hätte sich am liebsten zu ihm umgedreht und ihn in die Arme geschlossen, aber irgendetwas in ihm hielt ihn davon ab. Vielleicht war es eine Art Selbstschutz, dass er nicht auf Leos Annäherungen reagieren konnte. Es war beinahe so wie ein Autopilot, der eingeschaltet hatte und Branko blieb nichts anderes übrig als zuzusehen und sich selbst dafür zu verfluchen, dass er ihn jetzt nicht mit nach Hause nehmen konnte. Nur wusste Branko, dass es sich noch schlimmer anfühlen würde, wenn sie eine Nacht zusammen verbracht hätten und Leo ihm dann sagen würde, dass er es sich anders überlegt hatte. Er konnte viel verkraften, aber das auf keinen Fall.

„Du kannst ein so richtiges Arschloch sein. Da ist man einmal ehrlich… Du hast keine Ahnung was mich das für Überwindung gekostet hat,“ rief Leo ihm noch hinterher.

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Saltoboy, was machst du mit mir?
Das Kapitel war soooo schön … bis zum Ende!

Die Szenen zwischen Leo und Branko waren teilweise richtig niedlich. Das knistert es gewaltig! Ich hab Leos Herzklopfen bis zu mir gehört. Ich hab es glaub ich schon einmal geschrieben, aber gerne noch mal: Leo ist bislang der einzige Mensch, der Branko immer wieder mal aus seinem Negativ-Loch rauszuziehen vermag, z.b. beim tanzen. Hugo hätte das einfach nicht geschafft.

Der Schluss war dann leider nicht mehr so geil. Branko kann Leos Gefühle nicht ernst nehmen. Er denkt, dass ist nur ein Experiment. Zugegeben, anfangs konnte ich Branko diesen Gedanken nicht verübeln, aber inzwischen müsste ihm doch klar werden, dass Leo es ernst meint. Die Freundschaft zwischen den beiden steht ein zweites Mal auf den Spiel, dass würde Leo doch nicht für ein Experiment wieder kaputt machen. Branko blockt aber einfach ab, weil er schlicht und ergreifend Angst hat, verletzt zu werden. Leider hat er jetzt damit Leo sehr verletzt und normalerweise müsste Branko nun den ersten Schritt auf Leo zugehen. Ich fände es nicht gut, wenn Leo den nächsten Schritt wagt, weil Branko ihn doch leider sehr verletzt hat.

Oh bitte, ich hoffe auf ein Happy End zwischen den beiden!

Liebe Grüße
Skystar

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:innocent:(genau das wollte ich schreiben) Das wird skystar nicht gefallen ! Aber er war schneller.

Ganz ehrlich gesagt, gefällt es mir auch nicht so recht. Mittlerweile denke ich auch, dass Leo besser für Branko (den Feigling) ist… und ich mag Leo :sunglasses:

Hey Saltoboy,
ich bin vor 3 Tagen auf diese Geschichte gestoßen und fand sie von Anfang an super, ich habe sie aufgesogen wie ein Schwamm und hoffe es geht bald weiter. Was ich noch loswerden möchte ist, dass ich mich gut in Branko hineinversetzen kann denn er steht zwischen zwei echt tollen charmanten Jungs und das würde mich auch fertig machen. Naja ich hoffe es geht bald weiter und wünsche noch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch

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