Als ob!

Ich finde es gut, dass diese Geschichte extern erzählt wird. Es wird nicht so wirklich aus der “ich Form” berichtet, was ich derzeit doch sehr abwechslungsreich finde.

Nach meinem Wissensstand ist die dritte Person die meistgewählte Erzählform. Interessanterweise ist die “Ich”-Form eigentlich nur was für Anfänger und Profis: Anfänger machen die üblichen Anfängerfehler damit, wozu die “Ich”-Form verleitet, Fortgeschrittene lassen wohlwissend die Finger davon und Profis wissen um die Fehler, aber auch, wie man sie umgeht und schaffen es somit auch, in dieser Form souverän und interessant zu erzählen.

Dann folgt hier noch eine Emma-Szene für dich (die vorerst letzte) :wink:

Und weiter geht’s! Easy going, wenn man vorgeschrieben hat :smiley:


Als ob!
PART 11

„Dann hab ich dich doch hier gesehen. Hat ein bisschen gedauert, bis ich das hier wiedergefunden habe.“
„Hallo, Emma.“
„Hallo Schüchtern. Du hast mir deinen Namen gestern gar nicht verraten.“
„Ich bin Jannis.“ Er reichte ihr die Hand, welche sie annahm.
„Meinen Namen kennst du ja.“

Er brachte nur ein verlegenes Lächeln zustande, das wahrscheinlich sehr dämlich aussah, da er nicht wusste, was er erwidern sollte. Emma offenbar schon. Anscheinend war sie bereits mit dieser einen Frage im Kopf hergekommen.

„Du magst ihn, stimmt‘s?“
„Was?“
„Gestern dachte ich, du seist so nervös, weil du vielleicht auf mich stehst oder generell Probleme hast, Mädchen anzusprechen“, fuhr sie ohne Umschweife fort, „aber wenn du nicht willst, dass man in deinem Gesicht lesen kann, wie in einem offenen Buch, solltest du auch am Getränkeautomaten auf deine Mimik achten“, eröffnete sie ihm.
„Was, sieht man das einfach so…?“
Er starrte sie entsetzt an.
„Na ja, da braucht man schon ein bisschen Menschenkenntnis und Kontext zu.“ Sie lachte.
Es entstand ein Augenblick der Stille und sie schaute auf ihre Smartphoneuhr.
„Verdammt, ich hab jetzt einen Termin bei meine Therapeutin.“ Sie verdrehte die Augen. „Man sieht sich.“

Mit einer dampfenden heißen Schokolade in der Hand schloss er die Tür zu Kais Zimmer und setzte sich wieder auf den Stuhl vor dem Krankenbett seines Schwarms.

War ihm das wirklich so leicht anzusehen? Verdammt, war diese Emma direkt! Jedes Mal brachte sie ihn aus dem Konzept und er machte den Eindruck, als sei er nicht einmal in der Lage, ganze Sätze zu formulieren oder stammelfrei zu sprechen.
Er wollte gerade wieder Kais Hand nehmen; jedoch hielt er inne. Welchen Zweck hatte das? Kai hatte klargestellt, dass er auf Frauen stand. Wäre Kai bei Bewusstsein, hätte er das bestimmt nicht erwidert; vielleicht nicht einmal zugelassen. Und was tat er? Er nahm sich, was er wollte, weil ihm die Situation in gewisser Weise in die Hände spielte. Weil — um es klar zu sagen — Kai wehrlos war und Jannis mit ihm allein. Taten das nicht Kais Freunde auch? Ausnutzen, dass jemand schwächer war als sie? Auf einmal kam es Jannis vor, als würde er Kai benutzen — nur wenige Tage zuvor war es Jannis gewesen, der sich benutzt vorkam — wenn nicht zu sagen missbrauchen.
Und was war mit ihm? Er klammerte sich buchstäblich an einen Menschen, den er nicht haben konnte — ein Trauerspiel. War er wirklich so verzweifelt? Es tat ihm doch nicht gut, sich an einen Strohhalm festzuhalten, den es unter normalen Umständen gar nicht gegeben hätte und der auch in Wirklichkeit nicht das bot, was Jannis eigentlich wollte, sondern nur einen Bruchteil dessen, welches nicht mehr war als ein begierdeweckendes Probierhäppchen an einem Stand in einem Einkaufszentrum.

Also kam er zu dem Schluss, dass er auch ohne Händchenhalten für Kai da sein konnte und wollte.

Endlich gibt es mal wieder Cliffhanger und damit auch wieder der Slogan am Ende. Mich würde interessieren, was ihr denkt, was als nächstes passiert und warum.


Als ob!
PART 12

Nachts um zwei schrieb Ced Jannis an. Im ersten Moment bereute Jannis, zum Handy gegriffen zu haben. Die Displaybeleuchtung stach unangenehm in den Augen und es dauert einen Moment, bis diese sich an das Licht gewöhnt hatten.

„Alter, hat Kai nicht morgen Geburtstag?“
„Woher soll ich das wissen? Ich kenn Kai ja kaum. Warum fragst du mich das überhaupt mitten in der Nacht?“
„Nein, er hat morgen Geburtstag. War nicht als Frage gefragt.“
„Warum fragst du dann?“
„War halt so ‚ne Frage, wie wo man die Antwort schon kennt, weißt du?“
„Eine rhetorische Frage?“
„Ja, so‘n Zeug.“

Kai hatte morgen Geburtstag? Er hatte gar kein Geschenk! Aber dann waren wahrscheinlich eh alle seine Freunde da. Dann hatte er sowieso keine Zeit für Kai. Wahrscheinlich lohnte es sich dann gar nicht, zu kommen.

„Ich geh morgen auch mal hin. War ja noch nicht da“, verkündete Ced. „Kommst du mit?“
„Jup“
„Du weißt ja auch, in welchem Zimmer der is. Warst ja schon mal da, oder?“
„Ja, kein Problem. Ich hol dich ab.“

Jetzt wo er Ced das Angebot gemacht hatte, konnte er sich ja nicht mehr drücken.

Das war das erste Mal, dass er am Nachmittag das Krankenzimmer betrat und es waren bereits Freunde von Kai da. Aber nun war Ced mit dabei und Jannis hoffte, diesmal möge er ihn nicht in Stich lassen. Aber wo sollte Ced jetzt auch hin? Das Zimmer war ja diesmal auch nicht so groß.
Alle standen um das Bett herum und die, die sich kannten — was die meisten waren — sprachen miteinander. Ced und Jannis hatten ihr Gespräch auf dem Flur kurz vor dem Zimmer eingestellt. Etwas unsicher betrat Jannis hinter seinem Kumpel das Zimmer.

„Hey, Ced! Gleich noch ‚n paar Clubs unsicher machen und ‚n paar Bierchen zischen?“, fragte ein kurzhaariger, muskulöser Junge mit gerötetem Gesicht.
„Auf jeden! Giubt ja schließlich was zu feiern“, stimmte ihm der angesprochene zu.

Die Zimmertür öffnete sich erneut und ein Typ, an den Jannis sich von der Party erinnerte, trat ein. Ced fuhr herum, ging auf den anderen Jungen zu und nahm ihn beiseite. Was hatte er vor?


Ereignisloses Socializing?
Als ob!

Schon recht spannend. Ich les fleißig mit, also bitte schnell weiterschreiben. :3

Hmm…was könnte das bedeuten mit dem Typ?

Jannis kennt ihn von der Party…also nicht aus der Schule?
Der könnte Kai und Jannis natürlich am Teich beobachtet haben und Ced will verhindern das er es verrät? Vielleicht wissen die aus der Schule noch nix? Oder er hat es schon verraten und Kai ist deshalb gesprungen ?
So viele Fragen, schreib besser schnell weiter!

Wer ist dieser Junge und was wird ihm Ced sagen?

Schreib bitte schnell weiter - ich bin gespannt…

Ganz so schnell geht das nicht, da ich auch irgendwann noch wieder schreiben muss, weil auch irgendwann das Material aufgebraucht ist. Ich hab aktuell nur noch ein Kapitel und bin am Wochenende unterwegs.

Daher freu ich mich erst einmal auf weitere Kommentare und Spekulationen. Ich denke, das ist eine gute Stelle, um auch mal Gedanken und Feedback von Lesern zu lesen.

Sorry, Leute. Irgendwie komm ich mit dem Abtippen gerade nicht hinterher, auch wenn ein paar weitere Kapitel bereits in Arbeit sind. Aber ich wollte euch nicht länger warten lassen, und euch zumindest mit einem ganz kleinen Kapitel bereits die Auflösung präsentieren.

Danke noch einmal besonders an dich Simson für deine Vermutungen, auch wenn du etwas daneben lagst :wink: Aber ich finde, genau das macht es aus. Zumindest wenn ich von anderen Geschichten schreibe. Und es freut mich immer, wenn Leser spekulieren :slight_smile:


Als ob!
PART 13

Jannis konnte nicht hören, was er zu dem anderen sagte, aber er presste es bedrohlich zwischen den Zähnen hervor. So wichtig es ihm war, wollte er offenbar dennoch nicht, dass die anderen etwas davon mitbekamen. Allerdings schien er mit dieser Frage einen wunden Nerv getroffen zu haben. Der andere schrie ihn an.

„Denkst du, ich bin dafür verantwortlich!? Das kotzt mich echt an! Ja, ich hab Kai in der Küche angequatscht, ob er ‚n paar Drogen will und ja, er wollte. Schreib dir das ruhig auf: Er wollte. Wir sind dann noch aufs Dach und ham ‚n bisschen gechillt. Ich hab ihm aber nichts getan. Isch schwör, Alter! Ich bin dann irgendwann abgehauen; er ist dageblieben. Ich weiß nicht, was dann passiert is.“
Ced funkelte ihn böse an und trotz seiner geringen Größe konnte man Angst vor ihm bekommen.
„Ich kann nichts dafür“, stellte der andere klar „Ich war nicht mal da, als das passiert ist. Also fuck mich nicht ab, Alter! Du kannst mich mal.“ Er stürmte hinaus und ließ die Tür geräuschvoll ins Schloss knallen.

„Party?“, fragte ein Mädchen unvermittelt, als der Knall der Tür allmählich verhallt war.

okay, zugegeben: Der letzte Part war wirklich unmöglich kurz. Darum sollt ihr auch nicht schon wieder eine Woche warten. Der neue Teil ist auch wieder deutlich länger.


Als ob!
PART 14

„Party?“, fragte ein Mädchen unvermittelt, als der Knall der Tür allmählich verhallt war.

„Jo“, antwortete ihr jemand und alle setzten sich in Bewegung Richtung Tür.
Alle außer Jannis.
„Kommst nicht mit, Jannis?“, wunderte sich Ced.
„Nö, mir ist nicht so nach feiern“
„Mensch, hier kannst du nichts für ihn tun und Kai würde wollen, dass wir feiern und er würd‘s ja selber auch tun.“
„Ich pass eh nicht so zu den anderen und die kennen mich ja auch gar nicht.“
„Dafür muss man sich ja auch erst einmal kennen lernen. Hab gehört, du wärst letztes Mal so schnell weg gewesen. So schließt man natürlich keine Bekanntschaften. Aber wirst sehen: Das kommt mit der Zeit. Musst dich ja auch erst einmal daran gewöhnen. Und hey, der ist jetzt halt im Koma. Hätt jedem von uns passieren können. Hier immer nur rumzusitzen und ihn zu bemitleiden macht doch eh voll depri.“
„Ich bleib hier, ist schon okay“, erwiderte Jannis standfest. „Viel Spaß, Ced“
„Wie du meinst.“

Kai hatte Drogen genommen? War das überhaupt das erste Mal gewesen? Wäre Kai nicht so unvorsichtig gewesen… Kai hätte ja an dem Abend keine Drogen genommen, wenn der Dealer ihm keine angeboten hätte. Dann wäre das alles nicht passiert und Kai nicht im Koma. Dann hätte er seinen Geburtstag miterleben können. Wenn Kai es nicht schaffte… Der Typ wäre für Jannis ganz klar ein Mörder.

Vielleicht erreichte er ihn noch und konnte ihn zur Rede stellen. Er eilte aus dem Zimmer, aber natürlich war auf dem Gang keine Spur mehr vom Dealer. Klar. Wie lange hatten sich Ced und Jannis unterhalten? Lange genug zumindest, dass der Dealer jetzt mittlerweile wie vom Erdboden verschwunden war. Er war so wütend! Das würde er diesem Typen nie verzeihen. Ihm wurde bewusst, dass seine Augen sich mit Tränen gefüllt hatten.

Schnell drehte er sich um — er wollte so auf dem Gang nicht gesehen werden — und kehrte zu Kai ins Zimmer zurück, der weiterhin ungerührt dalag.
Als er sich gesetzt hatte, wich die Wut Entsetzen über die Enthüllung und den Unfallhergang, den sie enthüllt hatte, und Hilflosigkeit. Er zitterte. Ob er weinte oder ihn nur das Zittern schüttelte, vermochte er nicht zu sagen.

Es war wie eh und je. Jannis saß an Kais Bett. Nicht einmal an seinem Geburtstag wachte Kai auf. Er würde diesen wohl verpassen. Wie würde das sein: Aufwachen und ein Jahr älter sein? Alle wussten es, nur er nicht. Das musste sehr verwirrend sein. Alles wäre anders. Das Leben wäre weitergegangen. Alles hätte sich verändert. Alle hätten weitergelebt. Nur er war kurzzeitig ausgestiegen. Beängstigende Vorstellung…

„Hallo Jannis.“
„Kai!“ Jannis war sprachlos.
„Du musst liegenbl…“ setzte Jannis an. Die letzten Worte gingen unter, weil Kai seine Arme um ihn geworfen und ihn geküsst hatte. Die Minuten verstrichen und wurden zu Stunden. Kai schien das nachholen zu wollen, was er am See nicht vollenden hatte können und seitdem sozusagen verpasst hatte. Sein Mund schien Jannis verschlingen zu wollen. Jannis‘ Herz wollte ihm aus der Brust springen; er war überglücklich. Und Kai ein guter Küsser. Genau so, wie er es sich immer erträumt hatte. Es fühlte sich an, als stünden ihm seine Haare zu Berge und er wollte, dass dieser Moment nie enden würde. Es war alles so schön und Kai so sanft zu ihm.

Er war eingeschlafen. Kai lag unverändert da. Das war zu schön gewesen, um wahr zu sein. Die Enttäuschung ließ sich kaum in Worte fassen. Es war wie als wäre Kai erneut vom Dach gefallen, ins Krankenhaus eingeliefert worden und ins Koma gefallen.

Da wurde die Tür erneut geöffnet und kurz obligatorisch geklopft. Er wäre lieber allein gewesen. Es waren eine Frau und ein Mann, die Jannis nicht kannte. Das mussten Kais Eltern sein. Er hatte sie bisher hier nicht gesehen.

Hmm im Moment streckt es sich leider ein bisschen. Wobei das denke ich weniger an der Story liegt und mehr an den kurzen Teilen. Ich bin eher an 2,5-8k Wörter Kapitel gewöhnt. ^^
Aber ich weiß wie schwer es ist so viel zu schreiben, also mach ruhig in deinem Tempo weiter. :slight_smile:

Der Traum war übrigens obvious! :smiley:

Ja, ich sagte, glaube ich am Anfang, dass es eine Kurzgeschichte werden soll. Dafür sind es jetzt wirklich etwas viel Kapitel. Vielleicht hilft es dir, es nicht als solche zu betrachten, da ich zugebe, dass das für eine solche den Rahmen sprengen würde und es somit keine ist :wink:

Ich kann dir sagen, dass erst geplant war, zwischen die ereignisreichen Kapitel im Krankenhaus seichtere zu packen, in denen eher Alltag passiert, damit ich nicht zu viel Material auf einmal verpulvere und es realistischer wird, da ja im RL auch mal vielleicht nichts besonderes passiert. Aber dann dachte ich mir, dass mit buchstäblich ein Kapitel lang nichts zu erzählen, ja auch keinem geholfen ist.

Wenn du 8k-Wörter-Kapitel haben willst, findest du auf Boypoint eher weniger solche Geschichten. Das hat man dann eher auf Boypoint. Ich muss zugeben, dass das vorletzte Kapitel wirklich sehr kurz war und eine eindeutige Ausnahme bilden soll. Zum einen wollte ich halt, dass ihr nicht schon wieder so lange warten müsst, außerdem gab es da eine Zwickmühle mit dem Cliffhanger…

Wie soll ich auch anders in meinem Tempo weitermachen? :smiley: Klar, ich habe mal versucht, jeden Tag zu veröffentlichen, aber das war zum Scheitern verurteilt und tat mir nicht gut, da damit der Druck viel zu hoch und die Zeit zu gering war. Also bei durchschnittlich ein Kapitel die Woche wird es wohl bleiben.

Die Befürchtung mit dem Traum hatte ich auch, aber mal ertappen einen die Leser sofort, wie eben bei diesem Kapitel und mal vermuten sie in eine andere Richtung wie beim Gespräch mit Ced und dem Dealer :wink: Und klar: Kais Reaktion war eher ein Wunsch von Jannis, als wirklich spontan realistisch, wenn auch nicht unmöglich. Wer weiß, was passiert, wenn Kai aufwacht… Und der Traum war eben recht kurz. Wer aus versehen den nächsten Absatz angelesen hatte, wurde sowieso gleich gespoilert…

Hey Zuri :slight_smile:

Weiter so! Deine Geschichte ist echt sau gut und liest sich super flüssig. :slight_smile: Hoffe das Jannis die Chance bekommt mit Kai zu reden oder das Kai selbst auf Jannis zukommt. Und ich bin gespannt, warum Kai sich tatsächlich vom Dach gestürzt hat. Vielleicht wars ja echt der Drogeneinfuss? Aber denke, vielleicht doch eher das nicht wahr haben seiner Orientierung. Bin jedenfalls gespannt :flag:

Hoffe es geht bald weiter :slight_smile:

Gruß Jones :wink:

So, nun der erste Part aus Alaska. Tut mir leid, dass ich schon länger nichts mehr gepostest habe, aber dieArbeit nimmt mich gerade doch sehr in Beschlag.

@Jones Danke für seinen Kommentar (Y) Freut mich, dass dir die Geschichte gefällt :slight_smile:


Als ob!
PART 15

Da wurde erneut die Tür geöffnet und kurz obligatorisch geklopft. Er wäre lieber allein gewesen. Es waren eine Frau und ein Mann, die Jannis nicht kannte. Das mussten Kais Eltern sein. Er hatte sie bisher hier nicht gesehen.

Er erhob sich.

“Bleib doch sitzen”, sagte die Frau. “Kais Freunde verschwinden sonst auch schon immer so schnell. Du bist bisher jeden Tag hier gewesen, richtig?”
“Ja, das stimmt.”
“Ihr scheint gute Freunde zu sein. Ich muss mich entschuldigen, aber wir lassen unserem Sohn seine Freiheit und kontrollieren nicht, mit wem er befreundet ist. Deshalb sind wir da nicht so im Bilde.”
“Kein Problem. Kai und ich…”, setzte Jannis an, zu erklären, “… kennen uns gar nicht so gut. Ich war auf seiner Party, aber schon weg, als… der Unfall passierte. Aber für mich ist es trotzdem sehr wichtig, für Freunde da zu sein.”
“Finde ich gut, wenn Leute so Courage zeigen und sich für ihre Freunde einsetzten.”, pflichtete ihm Kais Vater bei.
“Die Polizei tappt ob des Unfalls leider noch ziemlich im Dunkeln. Dass er wieder eine Party veranstaltet hat, haben wir auch gehört. Aber wenn du diese früher verlassen hast, hast du sicher nichts gesehen oder gehört, was uns helfen könnte.”
Die Frau starrte einen Moment nachdenklich und in Sorge um ihren Sohn vor sich hin. Beide waren offenbar etwas feinere Leute, dennoch waren sie freundlich und schienen sich für ihren Sohn zu interessieren.
Er überlege, ob er den Dealer an Kais Eltern oder vielleicht an die Polizei direkt verraten sollte. Jedoch kannte er bloß das Aussehen. Er würde Ced fragen müssen, um mehr zu erfahren. Außerdem hätte auch Jannis noch persönlich ein Hühnchen mit dem Dealer zu rupfen. Möglicherweise ließ der Typ sich dazu bringen, selbst zur Polizei zu gehen. Trotzdem sollte man ihn zumindest eine Chance einräumen.
“So, ich gehe eben zum Automaten und kaufe Kaffee. Soll ich dir auch einen mitbringen?”, fragte Kais Mutter unvermittelt ihren Mann, was dieser bejate. Daraufhin verließ sie das Zimmer.

“Es gibt viele Gerüchte über das, was passiert ist”, sprach Kais Vater mehr zu sich selbst als zu Jannis und stützte seinen Kopf auf seine Hand. “Es gab so zynische Leute, die behaupteten, er habe sich umbringen wollen. Meine Frau war das letzte Mal so fertig, als…”, er stockte. “Wir haben Angst, unseren Sohn zu verlieren.”, rief er. “Damals glaubte sie nur, dass Kai schwul sei. Wir hatten in die besuchten Seiten seines Browsers geschaut. Er war ja noch ein Kind. Wir mussten ja auf ihn aufpassen und bescheid wissen.” Er schien Jannis völlig vergessen zu haben, “dennoch hätte ich das nie tun dürfen. Sie war am Boten zerstört. Für sie gab es kaum etwas schlimmeres. Auch ich war entsetzt, aber wegen ihrer Reaktion. Ich konnte nicht glauben, dass das für sie einen Unterschied machte. Das hatte unsere Ehe fast zerstört. Vorallem, als sie anfing, dass es ja Therapien gegen sowas gebe — “sowas” nannte sie das, sagte ich ihr, dass unser Sohn ganz normal sei und sie diejenige sei, die sich eine suchen müsse, wenn sie das nicht verstehe und akzeptiere. Ich hoffe inständig, Kai hat damals nichts davon mitbekommen.”

Ein betretenes Schweigen entstand und Jannis wagte nicht, die Stille zu durchbrechen. Er wusste auch nicht, wie er angemessen darauf reagieren sollte. Sollte er Kais Vater überhaupt aus diesem Zustand herausreißen?
Aber ihm wurde die Entscheidung abgenommen, denn Kais Mutter kam wieder.

Was folgte, war eher verkrampfter Smalltalk; die Atmosphäre hatte sich verändert. Es gab nicht wirklich viel, worüber sie sich unterhalten konnten. Schnell legte sich wieder Stille über die Besucher. Schließlich erhob sich Kais Mutter und meinte:

"Nun, wir wollen dann auch los. Schön, dich kennengelernt zu haben.

Auch ihr Mann erhob sich. An der Tür blieb er jedoch stehen, kramte in seiner Hosentasche und drückte seiner Frau schließlich die Autoschlüssel in die Hand, mit den Worten: “Setz dich schon mal in den Wagen. Bin gleich da”
Als sie den Gang hinunter gelaufen war, schloss er die Tür und trat näher an Jannis heran.
“Das, was ich eben gesagt habe”, fing er unsicher an, “über meinen Sohn. Am Besten vergisst du das ganz schnell. Bitte! Mittlerweise wissen meine Fau und ich, dass das damals falscher Alarm war und auch wenn ich absolut kein Problem damit hätte, bin ich froh, dass mein Sohn nicht schwul ist. Noch ein Streit mit meiner Frau… das … ich weiß nicht, ob ich das schaffen würde. Aber ich würde meinen Sohn immer beschützen”
Er verharrte einen Moment; ließ die Worte im Raum stehen. Dann — als stellte er fest, es sei doch alles gesagt und bedürfe keiner weiteren Worte — drückte er die Türklinke, die er umfasst hatte, herunter und verließ den Raum durch die sich öffnende Tür, in dem nur Jannis mit Kai zurück blieb.

Yeah :slight_smile: Ein neuer Teil :slight_smile:
Und es geht super spannend weiter :slight_smile:

Interessantes Gespräch zwischen Kai’ s Vater und Jannis. Also scheint da doch evt ein fünkchen Hoffnung zu schimmen, dass Kai schwul sein könnte. Dann hoffe ich mal, das Kai wieder aus dem Koma erwacht und den Sturz vom Dach aufklärt.

Bin weiterhin gespannt :slight_smile: Viel Spaß in Alaska!

Gruß Jones :slight_smile:

Weiter geht’s!


Als ob!
PART 16

Am nächsten Morgen war er spät dran. Vor allem weil er heute vor der Schule noch etwas wichtiges erledigen wollte. Schnell sprang er aus dem Bett, schnappte sein Handy und verließ wenige Augenblicke später das Haus. An der Straßenecke blieb er kurz stehen, musste jedoch nicht lange warten: Ced kam wenige Augenblicke um die Ecke.

“Hey, wie war’s gestern noch?”
“Ich erinere mich nicht mehr an alles; muss also gut gewesen sein.”, erwiderte sein Kumpel. Jannis wusste darauf nichts zu erwidern. “Wir hatten Spaß, Alk war gut und ich erinnere mich, dass wir am Ende noch in 'ner Table-Dance-Bar waren…”
“Ced, weißt du, wie der Dealer heißt? Du weißt schon: Der der Kai die Drogen gegeben hat an dem Abend.”
“Ja, weiß ich. Aber… Warum willst du das wissen? Du kennst ja nicht mal Kai richtig.”
“Na ja…”
“Mach keinen Scheiß, Jannis.”
“Aber”, wollte Jannis protestieren.
“Ich sag ihn dir nicht, Alter, okay? Ende der Diskussion. Ich kann den Kerl auch absolut nicht ausstehen, aber so läuft das nicht.”

Der weitere Schulweg verlief schweigend. Da Ced gleich einen anderen Kurs hatte, trennten sich ihre Wege auf dem Schulhof. Auf dem Weg über den Schulhof und zu seinem Klassenraum holte Jannis sein Handy hervor und las die ungelesenen Nachrichten.

"Was’n das für’n Looser, dass der den ganzen Abend beim Scheintoten hockt?
“Tod isser nicht”
“Noch nicht”
“Sag nicht sowas”
“Okay, ging eher um seinen Schatten, der ihn keine Sekunde alleine lassen will.”
“Ja, stimmt. Der Typ ist schon ein bisschen strange”
“Vielleicht steht der ja auf Kai”
“Jammerschade, dass der da null Erfolg haben wird.”
Hämische Lachemojis mehrerer Chatteilnehmer folgten.
“Du meinst, der ist 'ne Schwuchtel?”
“Ja, was denn sonst? Schaut doch alles danach aus.”
“Und den lassen wir einfach so zu Kai? Sollte man seiner Freundin mal stecken.”

Es klingelte. Die Chatteilehmer verabschiedeten sich und Jannis steckte sein Handy weg. Er begrub sein Gesicht in seinen Händen. Konnte es schlimmer kommen? Konnte es. Das hier war der Beweis. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Die Begegnung mit Kai am Teich hatte ihn nicht verraten, aber hier reichte der bloße Verdacht. Wäre er nur nicht auf Kais Party gegangen, dann wäre das alles nicht passiert.

Auf den Unterricht konnte er sich mehr konzentrieren. Der Tag zog in Trance an ihm vorbei und er wäre am liebsten im Erdboden versunken. Es war wie ein Traum oder eher noch ein dumpfes Taubheitsgefühl.

Nach der Schule ging er wieder ins Krankenhaus zu Kai. Er hatte einen Moment überlegt, ob er vielleicht besser gar nicht mehr zu Kai sollte, um den Verdacht der anderen nicht zusätzlich anzuheizen, aber schließlich war er zu der Meinung gelangt, dass Kai nicht auch noch darunter leiden sollte.

In den vergangenen Tagen hatte er sich angewöhnt Kai zu erzählen, was ihn aktuell bewegte, da ihm eh nicht direkt dabei jemand zuhörte. Aber das waren bisher alles recht banale Sachen gewesen. Über sein aktuelles Problem konnte er vor Kai defiitiv nicht reden.

:astonished: ups, damit hatte ich jetzt nicht gerechnet.
Jetzt wird es Jannis noch schwerer haben. Cool, das er trotzdem ins Krankenhaus geht.
Kaiser “Freunde” scheinen ja wohl auch nur sehr oberflächliche Typen zu sein. So wirklich mitfühlend sind die nicht.
Und wo ist denn Kais Freundin die ganze Zeit?

Wieso wird Kai schwieriger zu haben? Kai hat doch gar nicht Stellung dazu bezogen.

Jannis verpasst sie entweder oder er sieht sie immer dann, wenn ich ihn nicht stalke und aufschreiben, war er so den ganzen Tag treibt :wink:

Storytechnisch hatte ich bisher keine weitere Verwendung für sie. Als Figur ist sie auch nicht viel mehr als ein Fakt und den eine Art Konkurrent für Jannis. Aber Jannis würde ja nicht gegen sie um Kai kämpfen…

Ich meinte Jannis wird es nun noch schwerer haben. In der Schule.

Cool, ein weiterer Teil!

Ich finds auch ziemlich mutig, das Jannis wieder ins Krankenhaus geht. Was Kais “Freunde” über ihn denken, scheint ihm auch egal zu sein, find ich gut.

Mal schauen was er diesmal Kai so erzählen wird. Vielleicht doch einige private Dinge, wer weiß.

Gruß Jones

@Simson Ahso, ja. Das in der Schule ist jetzt eine ziemlich unschöne Situation für Jannis. Da gebe ich dir recht.

@Jones Mal sehen, wie lange Jannis das noch so wegsteckt. Ich hoffe, solange wie möglich… Was denn für private Dinge? :wink:

Kleiner Ausblick auf den nächsten Teil: Es kommt ein bekanntes Gesicht mal wieder vor.

Danke euch beiden für die Kommentare (Y) :wink:

Gruß, Zuri