Als ob!

Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist, ihn im Krankenhaus zu besuchen. Nachdem was ich bisher so gelesen und vor allem so aufgefasst habe, kennen sich die beiden doch kaum. Wird sich wohl zeigen, wie er dann reagiert, wenn er aufwacht. Vorausgesetzt er erfährt von diesen Besuch. Ich halte es auch für eine schlechte Idee, wegen dieser seltsamen Situation am Wasser.

Und was sagen die anderen zu seinen Besuchen? Man wird es wohl noch sehen.

Die größte Frage, die sich mir stellt, ist der Sturz an sich. Wieso springt der überhaupt darunter? Bislang hatte ich von ihn nicht das Gefühl, dass er suizidale Gedanken pflegt. Unfall? Möglich. Absicht mit Fremdeinwirkung und somit ein Versuch, ihn aus dem Weg zu räumen? Halte ich für denkbar. Doch dafür sind noch zu wenig Informationen vorhanden.

Vielen Dank für diesen sehr scharfsinnigen Kommentar, Cyberfox! Du hast durchaus nicht unrecht. Womit du jedoch nah dran bist und wo noch weit von entfernt, werde ich dir aber natürlich noch nicht verraten, aber du wirst es im Laufe der Handlung erfahren :wink:

Ich freue mich aber definitiv immer sehr über Kommentare mit vielen Fragen und Vermutungen (Y)

Das neue Kapitel ist schon geschrieben und das darauffolgende bereits bis zu Hälfte. Das nächste geht also online, sobald ich es abgetippt habe.

Wo wäre da auch der Reiz, wenn ich bereits jetzt schon alles wüsste? :slight_smile: Es ist viel lustiger, wenn eigene Theorien und Gedanken sich selbst zusammenfügen und mit der Zeit bestätigt werden. Manche werden vielleicht nicht zutreffen, andere hingegen vielleicht schon. Man wird sehen.

Welches Programm verwendest du für diese Geschichte? Nutzt du Microsoft Word, Openoffice oder eine andere Alternative, die mir nicht bekannt ist? Das würde mich interessieren. :slight_smile:

Stimmt. Geht mir auch so. Das führt zu dem Problem, dass ich einmal gelesene Bücher bzw. einmal geschaute Filme meist sehr lange nicht mehr anschauen kann, weil mein Langzeitgedächtnis das zu gut cached :smiley:

Ja, das ist echt toll. In ein paar Geschichten, die ich hier gelesen habe, ist das zu einem regelrechten Sport geworden :smiley:

Ich schreib aktuell mit LibreOffice Writer und halt auf Papier vor :wink:

Kann mir mal kurz jemand einen Trommelwirbel geben?

Sorry für die lange Wartezeit, aber darum geht es jetzt auch ohne Umschweife los:


Als ob!
PART 8

„Ich glaube, ich muss Ihnen nicht sagen, dass ich dagegen bin. Ihre Entscheidung ist grob fahrlässig Ihnen selbst gegenüber. Aber ich kann Sie ja nicht zwingen, hier zu bleiben. Ich unterschreibe Ihnen dann die Entlassungspapiere. Aber sollte irgendetwas sein, Mr. Cotton, melden Sie sich bitte umgehend. Sie sollten Ihren gegenwärtigen Zustand nicht auf die leichte Schulter nehmen. Beherzigen Sie zumindest das. Alles gute.“
Der Arzt, der eben noch mit dem ungeduldigen Patienten gesprochen hatte, eilte an Jannis vorbei.

Heute war es ein bisschen anders; heute wusste er, was ihn erwartete. Diesmal waren keine Mitschüler bei Kai, als er vor dessen Zimmer stand.

„Hi, Kai“, begann er unsicher, nachdem er eingetreten war und ihm kam die Situation lächerlich vor.
Andererseits wäre Aufhören, nachdem man gerade angefangen hatte, etwas zu sagen, nicht erst recht lächerlich und damit quasi ein Eingeständnis der Lächerlichkeit?
Also machte er weiter: „Komm bitte ganz schnell wieder auf die Beine, hörst du? Ich hab dir jetzt kein Krankengeschenk mitgebracht, weil man das doch sonst so macht, weil… na ja… Blumen kämen dir sicherlich zu schwul vor und alles andere könntest du gerade eh nicht gebrauchen. Also das war jetzt nicht irgendwie negativ auf deinen Zustand bezogen…“

Er merkte, wie er immer unsicherer wurde und ins Schwitzen kam.
„Um die Ecke hat ein Dönerladen aufgemacht“, setzte er wieder an. „Vielleicht könnte man… Probier ihn unbedingt aus, wenn du wieder fit bist. Kann ich dir nur empfehlen.“

Was machte er da gerade? Das hatte doch denselben Effekt, wie mit der Wand zu reden. Kai würde ihm nicht antworten. Zumindest nicht, bis er wieder genesen war. Aber der Arzt hatte gesagt, er solle mit Kai reden. Nun würde er sich dabei gerne weniger blamieren.

„Meine Mutter hat morgen Geburtstag und ich weiß wirklich nicht, was ich ihr schenken soll. Hab heute nur ein paar Kerzen gesehen, die ihr gefallen könnten…“
Jetzt erzählte er Kai sogar schon private Dinge, die ihn nichts angingen. Gut, dass der ihn nicht hören konnte. Das wäre ja noch umso peinlicher geworden. Aber ihm gingen die Themen aus. Was sollte man einem Komapatienten schon erzählen? Da war doch alles einerlei. Er setzte sich auf einen Stuhl vor dem Bett, aber erhob sich wieder, kaum dass er sich gesetzt hatte. Erneut begann er, im Zimmer auf und ab zu gehen. Richtig helfen tat das allerdings nicht.

In diesem Moment wurde die Tür geöffnet. Konnte man nicht einmal ungestört… Es waren Freunde von Kai. Wie selbstverständlich räumte Jannis den Platz vor Kais Bett und lief zur Tür. Für Kais Freunde schien das ebenso selbstverständlich. Als er sie passiert hatte, beachteten sie ihn schon gar nicht mehr. An der Tür warf er einen letzten Blick auf Kai und schloss diese dann hinter sich.

„Hallo, ich bin Emma und du bist?“
„Äh… ähm…“
„Schüchtern.“
„Woher…?“
„Na, das liegt doch wohl auf der Hand“, erklärte sie. „Dein Gang, deine Stimme und du schwitzt fürchterlich, seitdem ich dich angesprochen habe.“
„Na, danke! Das kann ich jetzt absolut nicht…“, wollte er sie anblaffen, auf der Stelle kehrt machen und die Cafeteria verlassen, doch Emma fiel ihm ins Wort.
„Jetzt halt mal die Luft an und ergreif nicht gleich die Flucht. Ich hab nur gesagt, was ich gesehen hab und nicht, dass ich irgendwas davon schlimm finde. Mich meiden auch schon alle.“
Interessiert sah er sie an: „Warum?“
Ohne darauf zu antworten, platzte es aus ihr heraus: „Die wollen, dass ich das alles hier aufesse. Bei dem Gedanken wird mir schon kotzübel und der Geruch erst.“
Verständnislos starrte er sie an.
„Magersucht“, klärte sie ihn auf. „So nennen die das. Als ob man süchtig nach was wäre. Ich könnte ja gut ohne das Zeug leben. Aber das wollen die nicht. Und nun zu dir: Was hast du?“, fragte sie. „Außer Schüchternheit“, fügte sie dann noch schnell hinzu.
„Äh… Ich bin kein Patient.“

Weil Ostern ist, nun gleich wieder ein neuer Part. Die gute Nachricht: Ein paar weitere neue Teile sind schon fertig geschrieben und müssen nur getippt werden.

Mich würde mal interessieren, was ihr von Emma haltet. Alternativ auch gerne eure Meinung zu anderen Charaktere.


Als ob!
PART 9

„Wer ist denn der Glückliche?“
„Was? Wer? Äh…“
„Ironie. Schon mal was davon gehört?“, stichelte sie. „Du fährst aber heute das volle Programm auf. Deine Wangen haben die Röte von Tomaten. Daneben ist das Rouge der Oberschwester, die damit ihr Alter kaschieren will, Totenblässe. Aber wie das bei Fails nun mal so ist: Man zieht erst recht Aufmerksamkeit auf sich.“
Ganz genau, dachte er. Jetzt blamierte er sich noch mehr als vorhin bei Kai im Zimmer. Und diesmal war die Person, vor der er sich blamierte, sogar bei Bewusstsein, was seine Lage nicht gerade verbesserte. Er wäre am liebsten im Boden versunken.
„Ich meinte, wer in diesem schönen fünf-Sterne-Hotel wohnen darf“, klärte sie ihn mit offensichtlichem Sarkasmus auf. „Also wen hast du besucht? Familie? Freunde? Ich will alles wissen, solange ich nicht dieses Zeug essen muss.“
„‘n Bekannter würde ich sagen.“
„Würdest du sagen“, wiederholte sie mit fragendem Unterton.
„Na ja, zu seinen Freunden gehöre ich schon mal nicht. Ich kenne ihn eigentlich auch noch gar nicht so lange…“
„Du musst nicht zu einer Clique gehören, um mit einem davon befreundet zu sein“, meinte sie darauf und wechselte das Thema: „Sag mal, warst du gestern auch schon hier?“
„Ja, da durften wir das erste Mal zu ihm.“
„Dann hab ich dich da auf dem Gang gesehen. Für einen Bekannten besuchst du ihn aber häufig“, bohrte sie nach.
„Na ja, ich war am Tag davor das erste mal auf seiner Party. Und dann landet er gleich hier. Ich fühl mich ein bisschen verantwortlich…“
„Hast du denn was gemacht?“
„Ich? Nicht wirklich… Also…“

„So, Emma“, ein junger, blondhaariger Pfleger kam an Emmas Tisch. Dieser war vielleicht gerade einmal zwei Jahre älter als Jannis. Er wirkte locker und auf Anhieb sympathisch.
„Also doch nichts gegessen“, kommentierte er ehrlich enttäuscht das Offensichtliche. „Ich mach dir ja keinen Vorwurf. Ich weiß, dass das verdammt schwer ist. Ich mach mir nur Sorgen, weil das mit deinem aktuellen Gewicht ganz schnell gefährlich werden kann.“
„Ja, schon gut, sorry.“ Sie schien nicht wirklich überzeugt. „Dann mach doch mal den Ärzten klar, dass die mich nicht immer gleich so verurteilend und von oben herab anschauen und mit mir reden sollen.“

Jannis kam nicht umhin, festzustellen, dass der Pfleger gut aussah. Emma sah auch gut aus, aber bei dem Pfleger war das anders. Erst Kai, dann…

Emma ist noch eine sehr neue Person und daher ist es zu früh, sich über ihr ein Urteil zu bilden oder eine Meinung über sie zu haben. Man wird sehen, welche Rolle sie in diesem ganzen Desater noch haben wird. Ohne Grund hast du die beiden sich ganz sicher nicht begenen lassen.

Der Pfleger ist ebenfalls interessant. Warum du Jannis seine Gedanken über den Pfleger in dieses Kapitel integriert hast, ist mir noch nicht schlüssig. Ablenkung? Oder etwas Verwirrung für die Leser stiften? Halte ich für möglich. Eine zukünftige und intensivere Rolle des Pflegers? Durchaus denkbar und meiner Auffassung nach eher wahrscheinlicher. Wir werden sehen.

Jannis braucht mehr Selbstbewusstsein. Und mit mehr meine ich ein ordentliches Upgrade. Schick ihn zum Friseur und schicke ihn zu Jemanden, der ihn beibringt selbstsicher aufzutreten. Er macht sich ja bald vor Angst in die Hose. :stuck_out_tongue:

Jubiläum! Und damit gleich zweimal! Die Geschichte hat mittlerweile über 1.000 Aufrufe — vielen Dank dafür :slight_smile:

Und wir erreichen einen runden Part.

Das nächste Kapitel wird etwas kürzer aber dafür nur einen Tag nach dem vorherigen :wink:

@Cyberfox Möchtest du das mit dem Selbstbewusstsein übernehmen? Ich habe gerade keinen dafür zur Hand. Außer dir reicht Emma für den Job in Richtung: Was dich nicht umbringt, macht dich stärker :smiley:

Danke für deine Kommentare an dieser Stelle mal (Y)


Ehrlich gesagt sind sowohl Emma als auch der Pfleger sehr spontane Erfindungen und waren gar nicht für die Handlung geplant. Ich kann schon einmal so viel verraten, dass damit beide für den Haupthandlungsstrang nicht sehr relevant sind. Aber ich habe Emma trotzdem als eine Art Sidekick eingeführt für die Szenen, in denen Ced nicht auftaucht.

Wie der Pfleger ist auch Emma eine Person, die letztendlich aus einer Hommage entstanden ist. Emma erinnert ein klein wenig an den gleichnamigen Charakter aus “Club der roten Bänder”. Dennoch will ich gar nicht versuchen, exakt dieselbe Person zu Papier zu bringen. Aber Emma soll Jannis ein bisschen vor Herausforderungen stellen…

Warum Jannis über den Pfleger nachdenkt? Nun, er weiß, dass er Jungs interessant findet. Dennoch ist sein inneres Coming-out noch nicht wirklich abgeschlossen. Er sieht es als einen Teil seiner Uncoolness an und versucht, es zu unterdrücken. Aber bei Kai hat er sich stark geöffnet und trotz der Zurückweisung nicht ganz geschlossen. Deshalb kann er seine Reaktion auf den Pfleger nicht mehr so gut verdrängen.

Noch eine positive Sache an der Geschichte ist, dass mich ein Bekannter/Kumpel, den Namen eines meiner Charaktere hat (aber der Charakter ist nicht von ihm inspiriert), angeschrieben hat, weil er auf meine Geschichte gestoßen ist., So kann’s gehen! :smiley:


Als ob!
PART 10

Am nächsten Tag schaffte Jannis es endlich, still zu sitzen, während er Kai besuchte. Heute hatte sich keiner von Kais Freunden zum Besuchen eingetragen. Er war zu dem Schluss gekommen, dass Kai ihm wahrscheinlich eh nicht hörte und so wirkte er zumindest weniger verrückt als wenn er Selbstgespräche führen würde.

Aus einem Impuls heraus ergriff Jannis Kais Hand. Trotz dessen Bewusstlosigkeit war sie angenehm warm. Sie fühlte sich gleichzeitig glatt und kräftigt an. Er hätte sich gewünscht, Kai hätte an dem Abend seinem Hand genommen und gehalten. Kai hätte ihm endlich ein Gefühl der Geborgenheit gegeben, welches Jannis ihm nicht geben konnte. Seien wir doch mal ehrlich, dachte er, Ich bin dünn, nicht unbedingt groß, habe kaum Muskeln, … Ich bin ganz anders als Kai.
Liebevoll bewegte sich sein Daumen über den Handrücken der Hand, die Jannis sanft umschlossen hielt. Er konnte nicht anders. Es war total schön. Wie ein Scheibenwischer — auch wenn ihm bewusst war, dass es kaum einen schlechteren und unromantischeren Vergleich gab — glitt der Finger hin und her über die Hand des anderen Jungen.
Einen Moment lang fragte er sich, wie sinnlos das eigentlich war, was er da gerade tat. Und dennoch wusste er, dass es das war, was er jetzt brauchte. Auch wenn Kai die zärtliche Berührung nicht erwiderte, musste Jannis zugeben, dass der Augenblick wahnsinnig schön und elektrisierend war — fast so wie ihre Begegnung am Teich. So musste sich Jannis zumindest im Moment nicht vor Kais Reaktion fürchten.

Das Tolle war, dass er heute die gesamte Besuchszeit für sich hatte. Er beschloss, zum Automaten auf dem Flur zu gehen und sich eine heiße Schokolade zu ziehen. Danach würde er zu Kai zurückkehren.

1.000 Aufrufe sind eine schöne Zahl. Wer weiß schon, wie viele hier still und heimlich mitlesen und eben nicht kommentieren. :wink:

Alleine du bist für Jannis verantwortlich. Schließlich hast alleine du diese Figur erschaffen und kannst somit alles mögliche mit dieser tun und somit verwandeln. :stuck_out_tongue: Emma ist ideal als Gegenpart geeignet und kann Jannis ruhig noch etwas auf Trap halten. Ob sie ihn noch in den Wahnsinn treiben wird? Wäre doch lustig. Und ich selbst? Glaub mir, ich wäre wahrscheinlich die letzte Person auf diesem Planeten, die so einer Aufgabe gewachsen wäre.

Spontane Erschaffungen sind meistens perfekt. Selbst, wenn man es vorher noch nicht erkennen mag. Beobachte die Entwicklungen deiner beiden Figuren gründlich und genau und urteile dann zu einem späteren Zeitpunkt erneut darüber, ob sie wirklich nicht für die Handlung von Bedeutung werden “könnten” Wer weiß schon, welches Potential sich in den beiden noch verbirgt? Aber das wirst du selbst herausfinden. :slight_smile:

Die Erzähler Perspektive gefällt mir übrigens sehr gut in dieser Geschichte.

Jopp, ich freu mich über jeden Leser und jeden Kommentar :slight_smile:

Ich weiß nicht, wie es anderen Autoren da geht, aber Ideen und Charakterentwicklung sind nur zu einem winzigen Teil “Wollen”, da ist viel “sich Ergeben” und “ich glaube, so ist Charakter xy drauf”.

Ich kann auf jeden Fall garantieren, dass Emma noch ein paar Mal auftauchen wird :wink: Wir werden alle noch sehen, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Es ergeben sich ja immer noch zusätzliche Handlungsfäden.

Was genau findest du an der Erzählerperspektive bei Als ob! so gut?

Ich finde es gut, dass diese Geschichte extern erzählt wird. Es wird nicht so wirklich aus der “ich Form” berichtet, was ich derzeit doch sehr abwechslungsreich finde.

Nach meinem Wissensstand ist die dritte Person die meistgewählte Erzählform. Interessanterweise ist die “Ich”-Form eigentlich nur was für Anfänger und Profis: Anfänger machen die üblichen Anfängerfehler damit, wozu die “Ich”-Form verleitet, Fortgeschrittene lassen wohlwissend die Finger davon und Profis wissen um die Fehler, aber auch, wie man sie umgeht und schaffen es somit auch, in dieser Form souverän und interessant zu erzählen.

Dann folgt hier noch eine Emma-Szene für dich (die vorerst letzte) :wink:

Und weiter geht’s! Easy going, wenn man vorgeschrieben hat :smiley:


Als ob!
PART 11

„Dann hab ich dich doch hier gesehen. Hat ein bisschen gedauert, bis ich das hier wiedergefunden habe.“
„Hallo, Emma.“
„Hallo Schüchtern. Du hast mir deinen Namen gestern gar nicht verraten.“
„Ich bin Jannis.“ Er reichte ihr die Hand, welche sie annahm.
„Meinen Namen kennst du ja.“

Er brachte nur ein verlegenes Lächeln zustande, das wahrscheinlich sehr dämlich aussah, da er nicht wusste, was er erwidern sollte. Emma offenbar schon. Anscheinend war sie bereits mit dieser einen Frage im Kopf hergekommen.

„Du magst ihn, stimmt‘s?“
„Was?“
„Gestern dachte ich, du seist so nervös, weil du vielleicht auf mich stehst oder generell Probleme hast, Mädchen anzusprechen“, fuhr sie ohne Umschweife fort, „aber wenn du nicht willst, dass man in deinem Gesicht lesen kann, wie in einem offenen Buch, solltest du auch am Getränkeautomaten auf deine Mimik achten“, eröffnete sie ihm.
„Was, sieht man das einfach so…?“
Er starrte sie entsetzt an.
„Na ja, da braucht man schon ein bisschen Menschenkenntnis und Kontext zu.“ Sie lachte.
Es entstand ein Augenblick der Stille und sie schaute auf ihre Smartphoneuhr.
„Verdammt, ich hab jetzt einen Termin bei meine Therapeutin.“ Sie verdrehte die Augen. „Man sieht sich.“

Mit einer dampfenden heißen Schokolade in der Hand schloss er die Tür zu Kais Zimmer und setzte sich wieder auf den Stuhl vor dem Krankenbett seines Schwarms.

War ihm das wirklich so leicht anzusehen? Verdammt, war diese Emma direkt! Jedes Mal brachte sie ihn aus dem Konzept und er machte den Eindruck, als sei er nicht einmal in der Lage, ganze Sätze zu formulieren oder stammelfrei zu sprechen.
Er wollte gerade wieder Kais Hand nehmen; jedoch hielt er inne. Welchen Zweck hatte das? Kai hatte klargestellt, dass er auf Frauen stand. Wäre Kai bei Bewusstsein, hätte er das bestimmt nicht erwidert; vielleicht nicht einmal zugelassen. Und was tat er? Er nahm sich, was er wollte, weil ihm die Situation in gewisser Weise in die Hände spielte. Weil — um es klar zu sagen — Kai wehrlos war und Jannis mit ihm allein. Taten das nicht Kais Freunde auch? Ausnutzen, dass jemand schwächer war als sie? Auf einmal kam es Jannis vor, als würde er Kai benutzen — nur wenige Tage zuvor war es Jannis gewesen, der sich benutzt vorkam — wenn nicht zu sagen missbrauchen.
Und was war mit ihm? Er klammerte sich buchstäblich an einen Menschen, den er nicht haben konnte — ein Trauerspiel. War er wirklich so verzweifelt? Es tat ihm doch nicht gut, sich an einen Strohhalm festzuhalten, den es unter normalen Umständen gar nicht gegeben hätte und der auch in Wirklichkeit nicht das bot, was Jannis eigentlich wollte, sondern nur einen Bruchteil dessen, welches nicht mehr war als ein begierdeweckendes Probierhäppchen an einem Stand in einem Einkaufszentrum.

Also kam er zu dem Schluss, dass er auch ohne Händchenhalten für Kai da sein konnte und wollte.

Endlich gibt es mal wieder Cliffhanger und damit auch wieder der Slogan am Ende. Mich würde interessieren, was ihr denkt, was als nächstes passiert und warum.


Als ob!
PART 12

Nachts um zwei schrieb Ced Jannis an. Im ersten Moment bereute Jannis, zum Handy gegriffen zu haben. Die Displaybeleuchtung stach unangenehm in den Augen und es dauert einen Moment, bis diese sich an das Licht gewöhnt hatten.

„Alter, hat Kai nicht morgen Geburtstag?“
„Woher soll ich das wissen? Ich kenn Kai ja kaum. Warum fragst du mich das überhaupt mitten in der Nacht?“
„Nein, er hat morgen Geburtstag. War nicht als Frage gefragt.“
„Warum fragst du dann?“
„War halt so ‚ne Frage, wie wo man die Antwort schon kennt, weißt du?“
„Eine rhetorische Frage?“
„Ja, so‘n Zeug.“

Kai hatte morgen Geburtstag? Er hatte gar kein Geschenk! Aber dann waren wahrscheinlich eh alle seine Freunde da. Dann hatte er sowieso keine Zeit für Kai. Wahrscheinlich lohnte es sich dann gar nicht, zu kommen.

„Ich geh morgen auch mal hin. War ja noch nicht da“, verkündete Ced. „Kommst du mit?“
„Jup“
„Du weißt ja auch, in welchem Zimmer der is. Warst ja schon mal da, oder?“
„Ja, kein Problem. Ich hol dich ab.“

Jetzt wo er Ced das Angebot gemacht hatte, konnte er sich ja nicht mehr drücken.

Das war das erste Mal, dass er am Nachmittag das Krankenzimmer betrat und es waren bereits Freunde von Kai da. Aber nun war Ced mit dabei und Jannis hoffte, diesmal möge er ihn nicht in Stich lassen. Aber wo sollte Ced jetzt auch hin? Das Zimmer war ja diesmal auch nicht so groß.
Alle standen um das Bett herum und die, die sich kannten — was die meisten waren — sprachen miteinander. Ced und Jannis hatten ihr Gespräch auf dem Flur kurz vor dem Zimmer eingestellt. Etwas unsicher betrat Jannis hinter seinem Kumpel das Zimmer.

„Hey, Ced! Gleich noch ‚n paar Clubs unsicher machen und ‚n paar Bierchen zischen?“, fragte ein kurzhaariger, muskulöser Junge mit gerötetem Gesicht.
„Auf jeden! Giubt ja schließlich was zu feiern“, stimmte ihm der angesprochene zu.

Die Zimmertür öffnete sich erneut und ein Typ, an den Jannis sich von der Party erinnerte, trat ein. Ced fuhr herum, ging auf den anderen Jungen zu und nahm ihn beiseite. Was hatte er vor?


Ereignisloses Socializing?
Als ob!

Schon recht spannend. Ich les fleißig mit, also bitte schnell weiterschreiben. :3

Hmm…was könnte das bedeuten mit dem Typ?

Jannis kennt ihn von der Party…also nicht aus der Schule?
Der könnte Kai und Jannis natürlich am Teich beobachtet haben und Ced will verhindern das er es verrät? Vielleicht wissen die aus der Schule noch nix? Oder er hat es schon verraten und Kai ist deshalb gesprungen ?
So viele Fragen, schreib besser schnell weiter!

Wer ist dieser Junge und was wird ihm Ced sagen?

Schreib bitte schnell weiter - ich bin gespannt…

Ganz so schnell geht das nicht, da ich auch irgendwann noch wieder schreiben muss, weil auch irgendwann das Material aufgebraucht ist. Ich hab aktuell nur noch ein Kapitel und bin am Wochenende unterwegs.

Daher freu ich mich erst einmal auf weitere Kommentare und Spekulationen. Ich denke, das ist eine gute Stelle, um auch mal Gedanken und Feedback von Lesern zu lesen.

Sorry, Leute. Irgendwie komm ich mit dem Abtippen gerade nicht hinterher, auch wenn ein paar weitere Kapitel bereits in Arbeit sind. Aber ich wollte euch nicht länger warten lassen, und euch zumindest mit einem ganz kleinen Kapitel bereits die Auflösung präsentieren.

Danke noch einmal besonders an dich Simson für deine Vermutungen, auch wenn du etwas daneben lagst :wink: Aber ich finde, genau das macht es aus. Zumindest wenn ich von anderen Geschichten schreibe. Und es freut mich immer, wenn Leser spekulieren :slight_smile:


Als ob!
PART 13

Jannis konnte nicht hören, was er zu dem anderen sagte, aber er presste es bedrohlich zwischen den Zähnen hervor. So wichtig es ihm war, wollte er offenbar dennoch nicht, dass die anderen etwas davon mitbekamen. Allerdings schien er mit dieser Frage einen wunden Nerv getroffen zu haben. Der andere schrie ihn an.

„Denkst du, ich bin dafür verantwortlich!? Das kotzt mich echt an! Ja, ich hab Kai in der Küche angequatscht, ob er ‚n paar Drogen will und ja, er wollte. Schreib dir das ruhig auf: Er wollte. Wir sind dann noch aufs Dach und ham ‚n bisschen gechillt. Ich hab ihm aber nichts getan. Isch schwör, Alter! Ich bin dann irgendwann abgehauen; er ist dageblieben. Ich weiß nicht, was dann passiert is.“
Ced funkelte ihn böse an und trotz seiner geringen Größe konnte man Angst vor ihm bekommen.
„Ich kann nichts dafür“, stellte der andere klar „Ich war nicht mal da, als das passiert ist. Also fuck mich nicht ab, Alter! Du kannst mich mal.“ Er stürmte hinaus und ließ die Tür geräuschvoll ins Schloss knallen.

„Party?“, fragte ein Mädchen unvermittelt, als der Knall der Tür allmählich verhallt war.

okay, zugegeben: Der letzte Part war wirklich unmöglich kurz. Darum sollt ihr auch nicht schon wieder eine Woche warten. Der neue Teil ist auch wieder deutlich länger.


Als ob!
PART 14

„Party?“, fragte ein Mädchen unvermittelt, als der Knall der Tür allmählich verhallt war.

„Jo“, antwortete ihr jemand und alle setzten sich in Bewegung Richtung Tür.
Alle außer Jannis.
„Kommst nicht mit, Jannis?“, wunderte sich Ced.
„Nö, mir ist nicht so nach feiern“
„Mensch, hier kannst du nichts für ihn tun und Kai würde wollen, dass wir feiern und er würd‘s ja selber auch tun.“
„Ich pass eh nicht so zu den anderen und die kennen mich ja auch gar nicht.“
„Dafür muss man sich ja auch erst einmal kennen lernen. Hab gehört, du wärst letztes Mal so schnell weg gewesen. So schließt man natürlich keine Bekanntschaften. Aber wirst sehen: Das kommt mit der Zeit. Musst dich ja auch erst einmal daran gewöhnen. Und hey, der ist jetzt halt im Koma. Hätt jedem von uns passieren können. Hier immer nur rumzusitzen und ihn zu bemitleiden macht doch eh voll depri.“
„Ich bleib hier, ist schon okay“, erwiderte Jannis standfest. „Viel Spaß, Ced“
„Wie du meinst.“

Kai hatte Drogen genommen? War das überhaupt das erste Mal gewesen? Wäre Kai nicht so unvorsichtig gewesen… Kai hätte ja an dem Abend keine Drogen genommen, wenn der Dealer ihm keine angeboten hätte. Dann wäre das alles nicht passiert und Kai nicht im Koma. Dann hätte er seinen Geburtstag miterleben können. Wenn Kai es nicht schaffte… Der Typ wäre für Jannis ganz klar ein Mörder.

Vielleicht erreichte er ihn noch und konnte ihn zur Rede stellen. Er eilte aus dem Zimmer, aber natürlich war auf dem Gang keine Spur mehr vom Dealer. Klar. Wie lange hatten sich Ced und Jannis unterhalten? Lange genug zumindest, dass der Dealer jetzt mittlerweile wie vom Erdboden verschwunden war. Er war so wütend! Das würde er diesem Typen nie verzeihen. Ihm wurde bewusst, dass seine Augen sich mit Tränen gefüllt hatten.

Schnell drehte er sich um — er wollte so auf dem Gang nicht gesehen werden — und kehrte zu Kai ins Zimmer zurück, der weiterhin ungerührt dalag.
Als er sich gesetzt hatte, wich die Wut Entsetzen über die Enthüllung und den Unfallhergang, den sie enthüllt hatte, und Hilflosigkeit. Er zitterte. Ob er weinte oder ihn nur das Zittern schüttelte, vermochte er nicht zu sagen.

Es war wie eh und je. Jannis saß an Kais Bett. Nicht einmal an seinem Geburtstag wachte Kai auf. Er würde diesen wohl verpassen. Wie würde das sein: Aufwachen und ein Jahr älter sein? Alle wussten es, nur er nicht. Das musste sehr verwirrend sein. Alles wäre anders. Das Leben wäre weitergegangen. Alles hätte sich verändert. Alle hätten weitergelebt. Nur er war kurzzeitig ausgestiegen. Beängstigende Vorstellung…

„Hallo Jannis.“
„Kai!“ Jannis war sprachlos.
„Du musst liegenbl…“ setzte Jannis an. Die letzten Worte gingen unter, weil Kai seine Arme um ihn geworfen und ihn geküsst hatte. Die Minuten verstrichen und wurden zu Stunden. Kai schien das nachholen zu wollen, was er am See nicht vollenden hatte können und seitdem sozusagen verpasst hatte. Sein Mund schien Jannis verschlingen zu wollen. Jannis‘ Herz wollte ihm aus der Brust springen; er war überglücklich. Und Kai ein guter Küsser. Genau so, wie er es sich immer erträumt hatte. Es fühlte sich an, als stünden ihm seine Haare zu Berge und er wollte, dass dieser Moment nie enden würde. Es war alles so schön und Kai so sanft zu ihm.

Er war eingeschlafen. Kai lag unverändert da. Das war zu schön gewesen, um wahr zu sein. Die Enttäuschung ließ sich kaum in Worte fassen. Es war wie als wäre Kai erneut vom Dach gefallen, ins Krankenhaus eingeliefert worden und ins Koma gefallen.

Da wurde die Tür erneut geöffnet und kurz obligatorisch geklopft. Er wäre lieber allein gewesen. Es waren eine Frau und ein Mann, die Jannis nicht kannte. Das mussten Kais Eltern sein. Er hatte sie bisher hier nicht gesehen.

Hmm im Moment streckt es sich leider ein bisschen. Wobei das denke ich weniger an der Story liegt und mehr an den kurzen Teilen. Ich bin eher an 2,5-8k Wörter Kapitel gewöhnt. ^^
Aber ich weiß wie schwer es ist so viel zu schreiben, also mach ruhig in deinem Tempo weiter. :slight_smile:

Der Traum war übrigens obvious! :smiley: