Wandel des Herzens

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ArokhsSohn
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Wandel des Herzens

Beitragvon ArokhsSohn » 05 Sep 2012, 01:02

Die folgende Geschichte ist frei erfunden:

Frühling

„Ich liebe Dich!“ Die Stimme des Jungen klang jetzt deutlich verzweifelter. „Ich weiß…“ antwortete der andere. Die Worte kamen leise und zaghaft, er versuchte ein Lächeln aufzusetzen, was nicht ganz gelang. Seine wunderschönen Augen blickten traurig auf. Kaum hörbar fügte er hinzu „…Und es tut mir so leid, dass…“ …

Mit einem Mal war Thomas hellwach. Dieser verschissene Wecker - den er zwar absichtlich gleich neben das Bett gestellt hatte, in der Hoffnung, wenigstens einmal pünktlich diese Woche aufzustehen – brüllte seinen widerlichen, sich immer widerholenden Piepton in sein Ohr. „Ich hasse früh aufstehen“ murmelte er so vor sich hin und gab dem Wecker einen wirschen Stoß, der ihn vom Nachttisch fegte. Felix, sein bis dahin verschlafener Hund, schreckte sofort auf und begutachtete das immer noch vor sich her piepende Ding, welches jetzt auf dem Boden lag. Der junge Pinscher-Mischling, mit einem deutlichen Schuss Border-Collie drin, dachte aber gar nicht daran, jetzt aufzustehen. Seiner Gewohnheit entsprechend drehte er sich einmal um die eigene Achse und ließ sich wieder neben Thomas plumsen. „Na es hilft ja nix“ dachte er sich und rappelte sich langsam auf. Er schlurfte langsam ins Bad und ließ sich erstmal wie üblich auf der Toilette nieder und den Schlaf so langsam von sich abfallen. „Schon wieder dieser Traum“ kam es ihm in den Sinn. „Wer ist nur dieser Junge? Ich kann ihn nie richtig erkennen. Und überhaupt, wieso träume ich immer von Jungs? Ich will mal von Sandy träumen. Sonst kann ich auch immer an nichts anderes denken, als an dieses wunderbare und doch so unerreichbare Mädchen. Aber nein, meine Träume werden von seltsamen Jungs heimgesucht, ätzend. Mann, ich bin 16, ich bin bereit für eine Freundin, warum klappt es nur nicht?“

Mit der Erkenntnis, dass die Zeit schon wieder knapp wird, raffte er sich auf, spülte und ging in die Dusche. „Ha, liegt vielleicht daran, dass Du nicht der attraktive Typ bist, auf den die Weiber so stehen. Ich mein, guck Dich doch an: elend lang, dünn, seit letztem Jahr die blöde Brille, Scheiß straßenköterblonde Haare und jetzt noch das Problem mit der Akne, zum kotzen.“ Thomas war zwar ein Warmduscher, aber das störte ihn nicht. Wenn es ging, nutzte er die Dusche immer ausgiebig. Wasser war ihm höchst angenehm. Beim Rauschen des Wassers dachte er wieder an die schöne Sandy, obwohl sich immer wieder diese Augen des Jungen aus dem Traum in die Bilder mischten. „Ach, ich hätte es mir noch mal besorgen sollen, jetzt bin ich wieder so halbgeil und hab keine Zeit mehr. Mann, denk an was Abartiges, denk an was anderes. 3 mal 3 ist 9 mal 3 ist 27 mal 3 ist 81 mal 3 ist 243 mal 3 ist 729 mal 3 ist… äh… oh, geht doch, jetzt isses wieder vorbei.“ Wie jeden Morgen musste Thomas sich auch diesmal zwingen, nicht zu viel Zeit unter der Dusche zu verplempern und am Ende doch wieder den Zug zu verpassen. Felix wollte ja schließlich auch noch mal raus.

Nachdem er Felix überzeugt hatte, dass es doch besser wäre, nochmal eine Runde Gassi zu gehen als die nächsten 4 Stunden auszuharren, bis seine große Schwester Zeit gehabt hätte, gingen die beiden noch die übliche Strecke zum Wald und zurück. Es war März, gerade Frühling geworden, aber hier auf dem Dorf war es um 06:30 trotzdem verdammt einsam, dunkel und kalt. Wieder zurück, verabschiedete er sich von seinem geliebten Hund, schnappte sich seinen Schulranzen und lief eilig zum Bahnsteig hinunter, denn der Zug würde jeden Moment eintreffen. „Nächste Woche mache ich es besser“ dachte er „Ich muss nur die Prioritäten richtig setzen und vielleicht mal eher ins Bett gehen, anstatt noch vor dem Computer zu hocken“ Den Bahnsteig erreichte er aber trotzdem rechtzeitig, dank der langen Beine war Thomas einer von der schnelleren Sorte. Dass er nicht wirklich viel Körpergewicht mit sich rumtrug war dabei sicher auch von Vorteil. Er war eben so ein typischer langer, schmaler Kerl. Sicher nicht allzu sportlich, aber auch nicht so träge, wie einige der anderen 10.-Klässler. Da Thomas immer recht schnell warm wurde, hatte er heute wieder relativ dünne Klamotten an. Obwohl es erst Ende März war, trug er unter der Sommerjacke schon kurzärmelig, so kam er auch nicht so doll zum Schwitzen. Im nächsten Moment fuhr die Bahn auch schon um die Ecke ein. „Na, wenigstens habe ich diese Woche jedes Mal den Zug gekriegt. Gott, freu ich mich auf morgen, endlich ausschlafen“. Thomas war ein ausgesprochener Langschläfer. Natürlich waren ihm die Ferien und die Wochenenden am liebsten, da hatte der Wecker Sendepause. Doch noch war nicht Wochenende. Noch war Freitag und ein letztes Mal für diese Woche hieß es Augen zu und durch. „Bestimmt sind wieder diese bescheuerten Idioten im Zug. Es reicht, dass ich in der Schule Stress habe, da brauch ich das eigentlich nicht noch auf dem Weg dahin. Wo kommen die bloß her? Die letzten Jahre war es doch immer schön ruhig im Zug.“ Die Bahn hielt und Thomas stieg ein. Ein kurzer Blick nach links und rechts, dann setzte er sich in Bewegung auf der Suche nach einem freien Platz. Die Fahrt dauerte zwar nur knapp 20 Minuten, aber stehen wollte er dennoch nicht. Sein Blick streifte flüchtig die verschiedenen Leute – viele waren wie er Schüler, manche von seiner Schule, andere vom Gymnasium, wieder andere von der Berufsschule, andere… Halt, was war das?

Beim Vorbeigehen an einem der kleinen Klappsitze fiel ihm ein Junge auf, der seinen flüchtigen Blick zufällig kreuzte. Er war etwa in Thomas‘ Alter, gesehen hatte er diesen Jungen jedoch noch nie. Die Größe war nicht so genau abzuschätzen, da er saß. Es war ein scheinbar durchschnittlicher blonder Junge, aber… diese Augen… Er hatte nur ganz kurz zu Thomas aufgesehen, aber diese wunderschönen, leuchtenden Augen… „Hä? Wunderschöne, leuchtende Augen? Hallo, geht’s noch? Das ist ein Kerl. Langsam glaub ich, ich spinne“ Unwillentlich schüttelte er den Kopf und erntete irritierte Blicke der umherstehenden Kids. „Komischer Typ“ oder „bekloppt“ und anderes drang an sein Ohr, dazwischen Gegacker von irgendwelchen Weiberansammlungen. Beschämt ging er weiter und war auch schon am Ende des Waggons angelangt.

Da, tatsächlich ein freier Platz. Thomas beschleunigte seine Schritte und glitt blitzschnell in die freie Nische, einen unglaublicherweise freien 2-Sitzer. Er wollte gerade sein Buch aus dem Ranzen kramen, um die restliche Zeit bis zum Ziel zu lesen, als laute Stimmen im Gang zu hören waren. Schubsen und Gedränge war eingetreten. Augenblicke später erschienen die fies und hämisch grinsenden Gesichter von 3 älteren Jungs vor Thomas. Er wusste genau, was jetzt kommt…

Wandel des Herzens

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Re: Wandel des Herzens

Beitragvon ollivio » 05 Sep 2012, 01:26

Es beginnt verheißungsvoll... und ist sehr schön geschrieben :)
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Jason94
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Re: Wandel des Herzens

Beitragvon Jason94 » 05 Sep 2012, 19:35

geil geschrieben eine der besten storys die ich hier gelesen habe!

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Re: Wandel des Herzens

Beitragvon CoOKiiEe » 05 Sep 2012, 23:38

Echt sehr viel versprechend :) kann's kaum erwarten weiter zu lesen

Dragon900
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Re: Wandel des Herzens

Beitragvon Dragon900 » 06 Sep 2012, 13:30

Fängt ja gut an, die Geschichte. :)
Es gibt nur zwei Tage in deinem Leben an denen du nichts ändern kannst. Der eine ist gestern und der andere ist morgen.

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Re: Wandel des Herzens

Beitragvon ArokhsSohn » 06 Sep 2012, 22:29

„Ja was haben wir denn da? Hatten wir Dich nicht gewarnt, dass hier ohne unsere Erlaubnis so ein Furzgesicht wie Du sich nicht zu bewegen hat?“ grunzte der kräftige Typ, offensichtlich der Anführer der drei Idioten. „Mann, was soll das? Der Platz war frei und Ihr wart doch eh schon im Zug. Hättet ihn Euch doch nehmen können“ Thomas war ganz erstaunt, dass diese Worte über seine Lippen kamen. Wurde er jetzt etwa auch noch mutig oder was? „Ey Typ, pass mal auf, wenn ich Deine Meinung hören will, kriegste das schon mit. Will ich aber nicht. He Marv, Dee, sollen wir dem Freak nicht mal zeigen, mit wem er es zu tun hat?“ Die beiden anderen Kerle grinsten hämisch. Natürlich war niemand sonst aus dem Zug an dem Geschehen interessiert, das hätte Thomas auch gewundert. Er war auf alles gefasst, als plötzlich eine Stimme um die Ecke mit freundlichem aber bestimmtem Ton erklang: „Hey Leute, habt Ihr nichts besseres zu tun?“ Der große Kräftige donnerte dem Fremden ohne ihn anzusehen entgegen „Boah, halt die Fresse und verzieh Dich, Typ“. Die Stimme erklang erneut – immer noch freundlich, aber eindringlich: „Steven…“ Jetzt wandte sich der ätzende Kerl um „Sag mal, was …“ Weiter kam er nicht, er stutzte plötzlich und begann merkwürdigerweise ganz kleinlaut zu stammeln „Oh… hey, Mann, nix für ungut. Gehört der zu Dir? Äh, ich meine … geht mich ja auch nix an, wir gehen dann mal…“ Die beiden anderen Typen kamen nicht mehr klar. „Ey, Steve, Mann, was geht ab? Was ist mit dem Typen?“ „Fresse Marv, los, komm mit, zeig mir noch mal die Alte von vorhin.“ Und mit diesen Worten verschwanden die Kerle. „Was war denn das jetzt?“ dachte Thomas, dann trat der Junge, welchen er vorhin auf dem Klappsitz sitzen sah, um die Ecke.

„Ich glaub, die belästigen Dich nicht mehr“ sagte er mit einer warmen Stimme, ein freundliches Lächeln im Gesicht – und wieder diese leuchtenden Augen. Thomas war noch ganz verdattert, er wusste gar nicht, wie ihm geschah „Der Junge von vorhin, was…“ „Danke… äh…“ „Kevin. Kein Thema, das sind aber auch Idioten. Kann ich mich mit hierher setzen?“ „Äh… ja, ja na klar. Ich bin Thomas.“ Kevin lächelte Thomas auf diese merkwürdig angenehme Art an und setzte sich neben ihn. „Wie hast Du das gemacht? Ich meine, der war ja plötzlich, als hätte er `nen Geist gesehen.“ „Ha, sagen wir mal so, er steht bei mir gewaltig in der Schuld…“ Kevins Gesicht hatte jetzt einen geheimnisvollen, tiefgründigen Ausdruck, sein Lächeln dabei war nicht so leicht zu deuten, gerade so, als stecke da mehr dahinter. „Wer ist dieser Kevin? Warum hat er mir geholfen? Und was ist das für ein seltsames Gefühl…“ Erst jetzt merkte Thomas, dass er Kevin mit leicht offenem Mund anstarrte, es sah tatsächlich etwas einfältig aus. Sofort wurde er rot und sah weg. Kevins Gesichtsausdruck war jedoch immer noch warm und freundlich und er machte keine Bemerkungen darüber, was Thomas erleichterte. „Mann, Thomas, sitz nicht nur so da, wie eine Salzsäule. Sag was zu ihm. Ja, aber was nur? Egal, rede mit ihm. Er ist… keine Ahnung… interessant? Hä? Nein, äh… egal, sprich ihn schon an…“ Thomas hob den Kopf und wandte sich um, um etwas zu Kevin zu sagen, doch dieser hatte sich bereits die Ohrstöpsel von seinem MP3-Player reingesteckt und hatte den Kopf zurück gelehnt und die Augen geschlossen. „Äh… tja, soviel dazu… Wow, sieht der gut aus. Diese perfekten Konturen, die glatte Haut, die schönen blonden Haare, voll das Gegenteil von mir“ Er wurde wieder rot. „Whaa, was tu ich denn?“ Halb nervös kramte er nach seinem Buch im Ranzen. Als er es endlich gefunden hatte, fischte er es heraus, um die wenigen Minuten bis zum Zielbahnhof noch etwas zu lesen. Kevin sah ihm aus leicht geöffneten Augen zu und als Thomas das bemerkte, zuckte er leicht zusammen, machte ein verlegenes Gesicht und vergrub sich dann so gut es ging hinter seinem Schmöker. Kevin schenkte ihm noch einmal sein freundliches Lächeln und schloss die Augen wieder.

Der Zug war am Hauptbahnhof angekommen. Thomas tippte Kevin leicht an, um ihm zu bedeuten, dass er am Ziel wäre. „Ja, ich muss hier auch raus“ erwiderte Kevin. „Äh, ja, ok.“ Sie verließen den Zug gemeinsam. Thomas warf nochmal einen Blick auf die Rowdys, aber die entfernten sich rasch in eine andere Richtung. „Wirklich seltsam“ ging es Thomas noch einmal durch den Kopf. An Kevin gewandt sagte er „Tja, ich muss jetzt in die Schlossallee, wo musst Du hin?“ „Ich geh rüber, in die…“ Da unterbrach eine schrille Mädchenstimme die beiden: „Hey, Kevin, mein Süßer, da bist Du ja. Wolltest Du mich unbedingt übersehen?“ „Kathy, nein, wie kommst Du denn da drauf?“ Das Mädchen, ein ziemlich gut aussehendes, mit langen braunen Haaren, kam angestürmt und fiel Kevin um den Hals. „Und, Kev, wollen wir? Die anderen warten schon“. Sie hatte es offenbar eilig, denn sie zog ihn bereits weiter. „Ja klar, kann los gehen. Thomas, machs gut, vielleicht sieht man sich ja mal wieder“. Wieder dieses Lächeln, dann wandte er sich zum gehen. „Äh… ja klar… wär cool… oder so“ „Was stammel ich hier nur rum?“ Thomas spürte, wie ihm wieder warm wurde, also drehte er sich blitzartig um und stürmte davon. Er schaute sich nicht noch einmal um und zog etwas den Kopf ein, um so unauffällig wie möglich zu wirken. So konnte er nicht sehen, dass Kevin sich noch einmal umsah und ihm noch lange nachschaute, einen leicht bedauernden Blick in den Augen…

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Re: Wandel des Herzens

Beitragvon ollivio » 07 Sep 2012, 01:51

weiter weiter...! :)
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Re: Wandel des Herzens

Beitragvon ArokhsSohn » 21 Aug 2014, 14:37

So, vor 2 Jahren hatte ich diese Geschichten angefangen, aber einige persönliche Probleme hatten mich gehindert da weiter zu machen. Was ich immer irgendwie schade fand. Nachdem ich aber in der letzten Zeit so viele tolle Geschichten hier gelesen habe (ganz besonders ans Herz will ich jedem unbedingt Gemini von SammyBlue legen, was für eine Super Geschichte), hab ich mir vorgenommen, die Story jetzt doch noch zu bringen. Vorerst werde ich aber wahrscheinlich nur einmal pro Woche posten können. Also, hier kommt der nächste Teil:
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(3)

Thomas‘ Schule war nicht so weit vom Bahnhof entfernt. Er brauchte bei gemütlichem Tempo keine 10 Minuten. An der Bushaltestelle in der nächsten Straße warteten bereits seine Freunde Basti und Robin, welche beide mit ihm in einer Klasse waren.

Wie immer überfiel Basti ihn regelrecht. „Hey, Morgen Tom, na, alles fit? Sag mal kannst Du mir bei den Mathe Sachen aushelfen. Ich würd ja den Klotz hier fragen, aber irgendwie hab ich in Dein Hirn mehr vertrauen, als in seine Holzrübe.“ „Hee, ich geb Dir gleich Holz. Was kann ich dafür, dass Du nicht bis 5 zählen kannst?“ „Hehe, da kann ich immer noch weiter zählen als Du.“ Thomas rollte mit den Augen und grinste. Basti und Robin, diese beiden, die sich die ganze Zeit in den Haaren haben, aber nicht ohne einander können. Basti, der Kleinere von beiden – mit seinen 1,70 m war er fast einen Kopf kleiner als Thomas – schaute ihn erwartungsvoll an, weil er hoffte, Thomas könne ihn, wie so oft, in Mathe aus der Patsche helfen. Sein wirres, langes, flachsblondes Haar hing ihm fast bis in die Augen, während er flehentlich zu ihm sah. „Also gut, Basti. Nicht, dass Du mir nachher noch anfängst, wie ein Mädchen zu heulen.“ „Hee,“ funkelte er Thomas gespielt böse an „Auf einen am Boden liegenden Mann tritt man nicht noch.“ „Das kann ja sein, aber seit wann bist Du denn ein Mann?“ War ja klar, dass Robin sich das nicht nehmen lassen konnte. Die drei Freunde lachten über ihren Blödsinn und machten sich dann auf den Weg zur Schule. Tatsächlich konnte man Basti , wenn man flüchtig hinsah, für ein Mädchen halten. Für sein Alter hatte er noch so zarte Konturen und das schulterlange Haar verstärkte die Wirkung noch. Robin hingegen war ein ganz anderes Kaliber. Er war riesig in die Höhe geschossen in den letzten 2 Jahren und kratzte bestimmt bald an der 2-Meter-Marke. Und dazu war er ein wandelnder Schrank. Kein Wunder, er ging auch gerne ins Fitness-Studio. Robin hatte kurze schwarze Haare, braune Augen und ein schlichtes Gemüt, nicht so ein unruhiger Hüpfer wie Basti. Sie alle waren Freunde seit dem Kindergarten und Thomas hoffte, das würde sich nie ändern.

Da im Moment alle ihren Gedanken nachzuhängen schienen, sagte keiner etwas, während sie die Straße entlang schlenderten. „Schlossallee… dieser Kevin geht also aufs Gymnasium. Eigenartig, ich dachte, ich kenne so ziemlich alle Gesichter im Zug, sind ja immer die Gleichen. Na, vielleicht ist er ja neu… … Mann, was interessiert‘s mich überhaupt? Er ist ein Junge unter Vielen, völlig bedeutungslos… Aber er hat mir geholfen – einfach so, total selbstlos… wow…“ „Thomas? Hallo, hörst Du mir überhaupt zu?“ Basti wedelte mit der Hand vor Thomas’ Gesicht herum. „Hm? Oh äh, na klar hör ich Dir zu… Was hast Du nochmal gesagt?“ „Ich hab gefragt, ob Du am Wochenende mit Robin zu mir kommen willst? Wegen der Prüfungsvorbereitungen und so. Mathe, da sind wir doch voll die Null, schon vergessen?“ „Ja klar, dürfte kein Problem sein. Robin, wie steht’s mit Dir?“ Robin schaute Thomas etwas verdutzt an und erwiderte „Mann, Tom, alles klar? Basti und ich haben uns doch grad schon verabredet, Du warst doch dabei“ „Sorry, ich war wohl in Gedanken“ Basti grinste unverschämt „Oho, war da in Deinen Gedanken auch eine gewisse Sandra?“ „Was, wie? Nein, ich hab nur… (vorsicht, ich kann ja schlecht erzählen, dass ich an einen Typen gedacht hab) ist auch egal. Ich kann aber erst so nach Vier, wir fahren vorher noch zu meiner Oma, der geht’s doch nicht so gut.“ Basti schien zufrieden mit der Antwort, denn er ging nicht näher auf Sandy, wie sie allgemein genannt wurde, ein, sondern sagte nur „Cool, da wirst Du uns dann erstmal bissel schlauer machen und später gucken wir noch 'nen Film oder so, um wieder auf Robins gewohntes Level runter zu kommen.“ „HEEYY!“

Am Eingang zu dem alten Gemäuer, dass sie Schule nannten, wartete schon Franzi auf sie, eine gute Freundin. „Hey Jungs.“ „Hi Franzi“ begrüßte Robin sie als erster und umarmte sie, bevor Basti und Thomas an der Reihe waren. „Und, wie sieht’s aus Basti, hast Du Mathe fertig gekriegt?“ stocherte sie gleich los, wohl wissend, dass Basti in Mathe eine Niete war. „Na ja, fertig schon, aber die Funktionen hab ich voll verkackt. Ich versteh den Mist einfach nicht.“ „Na wird schon, unser Tommy kann Dich bestimmt nochmal retten, was?“ zwinkerte sie Thomas zu. „Ach übrigens, eh ich’s vergesse,“ flötete sie weiter „Sandy feiert doch morgen ihren Geburtstag nach. Und ihr kennt doch unser Prinzesschen: keine Party ohne Motto. Na ja, diesmal hat sie sich für einen Päärchen-Abend entschieden. Ich meine, ich muss da ja nicht hingehen, sooo dolle nah stehen wir uns ja auch nicht, aber…“ „Aber Du hast Angst, was zu verpassen und Dein komisches kleines Mädelhirn kann den Gedanken nicht ertragen, bei der High Society zu fehlen“ witzelte Basti rum. „Ja, ich meine nein, also der springende Punkt ist doch, es ist eine Päärchen-Party. Da geht man zu weit hin…“ „Aber Du hast keinen Freund“ stellte Robin nüchtern und sachlich fest. Gekünzelt empört reagierte Franzi mit „Na das ist ja mal ganz was neues, das hab ich ja noch gar nicht gewusst. Männer…“ „…oder solche, die’s werden wollen“ stichelte Basti mit Blick auf Robin. „Also, was ich fragen wollte… ich brauch halt ‘ne Begleitung… würde sich einer von Euch nicht opfern?“ Sie setzte ihren Hundeblick auf. „Mann, eine Party bei Sandra. Vielleicht die Gelegenheit ihr näher zu kommen…“
Robin unterbrach die eingetretene Stille „Ja, Moment mal, wollten wir aber nicht lernen morgen? Ich meine, so lange ist das mit den Prüfungen nicht mehr hin, und wir…“ Da bekam er einen Stoß in die Seite von Basti, welcher gleich rausposaunte „Jaaa, genau Mann, Franzi tut uns echt leid,“ sagte er gedehnt. „Robin und ich müssen echt was für sein sinkendes Niveau tun * aua, pass doch auf, wo Du hintrittst, Klotz * aber Tommy hier ist sicher ganz heiß, Dir da auszuhelfen, was?“ Franzi blickte Thomas erwartungsvoll an „Echt, das würdest Du für mich tun?“ Basti räusperte sich. „Na ja, auch. Wenn Du weist was ich meine.“ Thomas wurde leicht verlegen, aber Franzi verstand endlich. „Ach wegen der Sandra. Tommy, ich hab Dir schonmal gesagt, lass es lieber sein, die ist nichts für Dich… Aber würdest Du trotzdem mitkommen?“
„Was für eine Frage. Andererseits… Ein Abend mit meinen Freunden, wo ich weiß, dass sie mich gern haben oder ein Abend auf einer schicken Party, wo ich nicht einmal weiß, er da alles kommt“ Er schaute zu seinen beiden Freunden rüber. Basti grinste ihn nur an und Robin sah ausdruckslos in die Runde. „Ja gut, ich komme mit“.
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Re: Wandel des Herzens

Beitragvon Iroc » 21 Aug 2014, 16:24

Hey Arokh Jr. ^^

Respekt, dass dir der Anschluss an die Geschichte so gut gelungen ist. 2 Jahre sind da schon ne echt lange Zeit. :P Ich merke das bei meiner Geschichte immer schon nach nen paar Wochen, dass ich raus bin.
Aber das hat gut geklappt, der Schreibstil ist in etwa der Gleiche und auch formale Sachen wie die Gedanken wurden übernommen.
Dafür bekommst du meinen Hut. Daumen hab ich leider nicht mehr, die hab ich bei einem anderen Kommentar verschenkt.

Ich bin echt gespannt wie es weiter geht, hoffentlich schon nächste Woche. ;)

Wird Kevin auch auf der Party sein? Landet er bei Sandra? Fragen über Fragen. ^^

LG
Leon

PS: Dieses liebevolle Streiten zwischen Basti und Robin kenne ich auch, irgendwie ist meine ganze Familie so drauf und viele meiner Freunde auch. Ich genieße das immer. ^^

PPS: Deine Beschreibung von Basti passt interessanterweise genau auf einen Basti den ich auch kenne. :P
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Re: Wandel des Herzens

Beitragvon ArokhsSohn » 22 Aug 2014, 16:21

@Iroc: Danke für den Kommi. So 100% gelungen ist mir der Anschluss dann doch nicht, es gibt 'nen fiesen Logik-Fehler. In Teil 2 sagt Thomas zu Kevin, dass er in die Schlossallee muss und fragt ihn, was sein Ziel ist. Kevin kommt zwar nicht mehr zu einer Antwort. Aber im Teil 3 überlegt Thomas "Schlossallee... dieser Kevin geht also aufs Gymnasium" :x WTF, Da haut doch was nicht hin. Verdammt, ich werd es also so halten, dass Kevin sagte, er muss in die Schlossallee und Thomas nicht mehr zur Antwort kam - ärgerlich so was.

PS.: Witzig, ich hatte erst vor, einen von Thomas' Freunden Leon zu nennen.


So, früher als ich gedacht hätte hab ich den nächsten Teil schon fertig. Sollte man sich aber lieber nicht gleich dran gewöhnen. Wöchentlicher Rythmus ist schon sicherer.
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(4)

„Echt? Supi, da muss ich gleich nochmal rüber zur B und Sandy sagen, dass alles klar geht. Ach das wird toll, da werden bla bla bla bla…“ Thomas hörte schon gar nicht mehr zu und dann war Franzi auch schon in Richtung Parallelklasse verschwunden. „Puh, ob das wirklich so eine gute Idee war? Ach was, das könnte die Chance sein, auf die ich gewartet hab. Ob sie mich überhaupt wahr nimmt? Was soll ich ihr sagen? Gott, sie feiert ihren Geburtstag nach, ich brauch noch ein Geschenk. Was soll ich ihr schenken?“ Da platze Basti in seine Gedanken herein. „Gern geschehen, Alter“ sagte er, noch immer grinsend. Robin meinte nur „Ich kapier nicht, was Du an der ollen Sandra nur so findest. Die sieht gut aus, klar, aber Du kennst sie doch gar nicht. Ja ja, ich weiß, sie hat Dich auf dem Hof mal angelächelt. Kein Grund, gleich in so eine Schwärmerei zu verfallen.“ „Ach Du Ochse, lass den Tommy doch. Kann sich sowieso keiner erklären, wie ausgerechnet Du unsensibler Holzkopf an so ein süßes Mädel wie die Jenny gekommen bist“ Robin wurde etwas rot, als er erwiderte „Hey, lass meine Kleine da aus dem Spiel. Wenigstens hab ich jemanden und häng nicht so verzweifelt mit Kumpels rum, weil keiner mich haben will, weil ich wie ein Mädchen ausseh.“ Sie hatten ihren Unterrichtsraum erreicht und es würde bald klingeln, also beschloss Thomas, das Thema ersmal zu beenden. „Lasst gut sein Jungs. In der Pause nachher machen wir mal noch die Mathe-Sachen fertig. Ist Dir doch recht so Basti, hm?“ „Cool, Danke, bist der Beste“ „Passt schon. Übrigens, Danke Mann, ich schulde Dir was.“ Basti schenkte ihm ein ehrliches Lächeln und dann waren sie schon drin und suchten ihre Plätze auf. Kurze Zeit später kam Frau Leikers und dann war erstmal Geschichte angesagt.

Nachdem sie in der Pause ihre Hausaufgaben hin und her geschoben und ergänzt hatten, sagte Basti zu seinen beiden Freunden „Hey, da das ja morgen nicht klappt, was haltet Ihr davon, wenn wir uns heute einfach bei mir einen schönen Abend machen. Ich weiß, es ist Freitag und so, aber ehrlich gesagt könnt ich schon ein bissel Hilfe bei dem Mist hier brauchen.“ Er deutete mit einer Geste auf die Mathe Hausaufgaben. „Unser holzköpfiger Freund Robin hat ausnahmsweise mal recht, so weit ist es mit den Prüfungen echt nicht mehr hin.“ Robin wehrte mit bedauernder Miene ab „Sorry Leute, aber Jenny und ich haben uns für heute abend schon verabredet. Wir wollen ins Kino. Vielleicht wollt Ihr ja mitkommen“ „Bäh, nein lass mal, auf Euer Rumgeknutsche hab ich dann doch keinen Bock“ stichelte Basti. Thomas wusste, was Basti meinte. Außerdem wollte er das Paar nicht bei ihrer gemeinsamen Verabredung stören. „Nee, Robin, geht Ihr nur ins Kino.“ An Basti gewandt sagte er „Da Du Dich vorhin so für mich eingesetzt hast, geht das heut abend natürlich klar. Aber ich muss erst noch nach Hause, mich um Felix kümmern.“ „Ok, vielleicht kann ich ja dann mit zu Dir, vielleicht sogar bei Dir pennen?“ Aus irgendeinem Grund schlief Basti gern bei Thomas. Er vermutete ja irgendwie, dass er ein Auge auf seine Schwester geworfen hatte, hatte ihn aber nie danach gefragt. Warum auch, er hatte Basti gern bei sich zu Haus. „Ich denke, das ist kein Problem. Du weißt, meine Mutter mag Dich.“ Er konnte sich nicht verkneifen, mit einem Augenzwinkern hinzuzfügen „warum auch immer“.
In dem Moment kam Franzi an den Tisch. „Hey Tommy, wir treffen uns übrigens morgen Abend um sechs am Bahnhof. Wir gehen dann erst noch kurz zu mir und mein Dad fährt uns dann raus zur Sandra. Basti, was grinst Du schon wieder so dämlich?“ „Och nichts. Es ist nur auffällig, dass Du aufgeregter bist, als unser Casanova hier. Sollte er etwa eifersüchtig sein? He, aua“ In gespielter Wut trat sie ihn leicht vors Schienbein und schlug mit ihrem Hefter auf ihn ein. Die Freunde mussten lachen und gingen dann in den ungeliebten Mathe-Unterricht.

Nach der 7. Stunde, und damit dem Beginn vom Wochenende, telefonierten Thomas und Basti mit ihren Eltern und holten sich das OK für den Abend. Dann verabschiedeten sie sich von Franzi und Robin und gingen erst noch zu Basti nach Hause, um ein paar Sachen zu holen. Kurz nach 15 Uhr standen sie schon am Bahnhof und warteten auf den Zug, der sie nach Altleben, Thomas‘ Heimatdorf, bringen würde. „Ich frage mich, ob dieser Kevin auch wieder mit dem Zug fährt... Mann, schon wieder Gedanken an den verschwenden. Ja, aber die Augen waren schon irgendwie besonders…“ Da durchfuhr es ihn wie ein Blitz „der Junge aus dem Traum…“ Basti blickte stirnrunzelnd zu Thomas „Tom, alles klar? Hast grad geguckt, als hättest Du ein Gespenst gesehen.“ „Was? Nein… nein, das hast Du Dir sicher eingebildet. Ah, da vorn kommt ja der Zug.“ „WTF, das kann nur Zufall sein. Mann, Thomas, mach Dich nicht irre. Wahrscheinlich seh ich den Typ eh nie wieder, was soll’s?“

Die 20 Minuten Zugfahrt liefen ohne besondere Ereignisse ab. Es war nicht viel los im Zug und Idioten waren auch nicht weiter dabei. Thomas las in seinem Buch, während Basti neben ihm saß und MP3-Player hörte. Als Thomas flüchtig zu ihm rüber schaute, hatte er ein leichtes Déjà-Vu Gefühl. „Eigenartig… wie heute Morgen“ Als Basti ihn auch noch ansah und lächelte, wurde Thomas rot und sah schnell weg. „Gott, Alter, reiß Dich zusammen. Hoffentlich denkt Basti jetzt nichts Komisches.“ Was auch immer Basti dachte, er sagte nichts, sondern schloss die Augen und schien die Fahrt zu genießen.

Bei Thomas zu Hause angekommen, kam Felix gleich herbei gelaufen. Als er Basti erblickte, bellte er fröhlich, wedelte heftig mit dem Schwanz und sprang ihn an. „Mann Tom, wenn die Weiber nur auch so auf mich fliegen würden, wie Dein Hund“ lachte Basti. „Wenn Du uns nicht immer Weiber betiteln würdest, täten sie das vielleicht auch.“ Thomas‘ Schwester war unbemerkt um die Ecke gekommen und überraschte die beiden. „Oh, hey Tina, Dich würde ich allerdings niemals nur-so-ein-Weib nennen, oh Strahlende“ alberte Basti zu seiner Verteidigung herum. Tina lächelte freundlich und umarmte ihn zur Begrüßung „alter Schleimer. Warst doch erst letzte Woche hier, hat man Dich zu Hause doch endlich rausgeworfen?“ stichelte sie ihn an. Thomas konnte nicht anders, als zu erwidern „Vielleicht kann der Basti auch einfach nicht genug von Dir bekommen, Schwesterlein.“ Diesmal wäre es an Basti gewesen, rot oder zumindest verlegen zu werden, aber nichts passierte. Entweder war er einfach cool genug oder die Überlegung, dass er was von seiner Schwester wollte, war Blödsinn. „Oho, da muss er sich aber noch bissel anstrengen“ zwinkerte sie Basti zu. „Hey, immer auf die Kleinen.“ „Du verkraftest das schon. Tommy, ich bin grad erst vom Gassi gehen zurück, musst also nicht gleich wieder los. Mama und Papa sind noch einkaufen, kann noch ein Stück dauern. Ich fahr mal in die Stadt, komme wahrscheinlich erst in der Nacht wieder. Macht’s gut Jungs.“ sagte sie und war verschwunden. „Tja… weg ist sie. Nun Tom, wir haben wohl sturmfrei... Was machen wir?“ fragte Basti und grinste.
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So, genug für heute
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Re: Wandel des Herzens

Beitragvon Nuraxx » 23 Aug 2014, 00:57

Toller Anfang :) habe deine Geschichte jetzt erst gesehen und ich bin beigeistert
Das mit dem Jungen aus dem Traum ist mysteriös, vlt hat er ihn irgendwann mal in der Bahn gesehen aber es nicht realisiert und durch sein Bewusstsein ist Kevin in seinen Träumen erschienen.
Ich denke mal Basti will mehr von Tommy als von seiner Schwester ;)
Ich bin auch mal auf das innere Coming-Out von Tommy gespannt...
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Re: Wandel des Herzens

Beitragvon ArokhsSohn » 23 Aug 2014, 22:52

@Nuraxx: Freut mich sehr, dass Dir die Geschichte gefällt. Wo Bastis Vorlieben liegen, scheint ja wirklich ziemlich offensichtlich zu sein - und das ist auch so von mir gewollt :P Dass der Traum mit dem Jungen mysteriös ist, hat ebenfalls seinen Grund, aber alles zu seiner Zeit...

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(5)

„Na das, weswegen Du hier bist… Mathe natürlich“ antwortete Thomas trocken. Worauf er ein mürrisches „Spielverderber“ erntete. Die beiden schnappten sich also etwas zu trinken und gingen auf Thomas’ Zimmer. Wie Das der meisten anderen Jugendlichen, die er kannte, war sein Zimmer jetzt nicht das pure Chaos, aber auch nicht wirklich von Ordnung geprägt. Vor 2 Jahren hatte er neue Möbel bekommen, was seinem Zimmer noch einen relativ frischen Touch gab. Das Bett stand in einer ziemlich dunklen Ecke unterhalb einer Dachschräge, da Thomas‘ Zimmer im 2. Obergeschoss, ziemlich unter dem Dach lag. Auf der anderen Seite des länglichen Raumes hatte er sich eine gemütliche Sitzecke mit Couch, Sessel und Fernseher eingerichtet. Auf seinem Schreibtisch sah es wüst aus, eine Zettellandschaft aus Schulunterlagen und Kritzeleien. Ein paar CDs lagen auch verstreut dort herum. Auf zwei riesigen Regalen an der Wand stapelten sich zahlreiche Bücher, welche auch mal wieder eingeordnet werden mussten. Thomas liebte Fantasy und Science Fiction Geschichten und so fanden sich hauptsächlich Sachen wie „Eragon“, „der Drachenflüsterer“, „das Lied von Eis und Feuer“, „die Drachen von Tashaa“ usw. in den Regalen. Der Wecker, den er am Morgen vom Nachttisch katapultiert hatte, befand sich auch noch dort, wo er gelandet war.
Schließlich ließen sich Thomas im Sessel und Basti auf der Couch nieder und sie gingen den Stoff, der Basti die größten Schwierigkeiten machte, durch.

Etwas über eine Stunde später kamen Thomas‘ Eltern nach Hause. Die zwei Freunde gingen nach unten, um Hallo zu sagen. „Na Ihr zwei, kommt Ihr klar? Schön, Dich wieder bei uns zu haben, Basti. Thomas, Schatz, Dein Vater und ich wollen heute Abend essen gehen. Ihr zwei wollt nicht etwa mit?“ Thomas wechselte kurz einen Blick mit Basti. „Ach lass mal, Mum. Wir machen uns nachher Pizza und wollen später noch einen Film schauen. Haben wir für Pizza alles da?“ „Ich dachte mir so was schon, wir haben vorsichtshalber noch etwas mehr eingekauft.“ „Cool, Danke Mum.“ Thomas und Basti beschlossen, bevor es wieder dunkel wurde, nochmal mit Felix spazieren zu gehen. Die Tage waren jetzt wieder länger geworden - ab diesem Wochenende sollte sich das dann nochmal verschieben, da dann die Sommerzeit begann – und so wollten sie das verbliebene Licht noch nutzen, um zum Wald zu gehen.
Als sie später nach Hause kamen, drückten sie und Thomas’ Eltern sich quasi die Klinke in die Hand. „Also dann,“ sagte sein Vater „wir machen jetzt mal los. Macht Euch einen schönen Abend… aber lasst das Haus ganz.“ Mit Basti Kochen machte Thomas immer unglaublich viel Spaß. Sie drehten die Musik laut und Basti versuchte, die Stellen, die er kannte mit zu singen – wie Thomas fand, mit zweifelhaftem Erfolg. Heute hatte er eine ältere Scheibe von Within Temptation eingelegt, und Thomas hatte nicht nur einmal Angst, dass sämtliche Glasscheiben im Haus Schaden nehmen würden, wenn Basti versuchte Sharon den Adels hohen Gesang nach zu ahmen. Am Ende blieb aber alles heil, Basti war etwas heiser und die Pizza sah gut aus im Ofen. Während sie so in der Küche standen und auf die Pizza warteten, dachte Thomas, dass obwohl er Robin und Basti so ziemlich gleich gern hatte, er Basti noch klein wenig lieber mochte. „Ich kann gar nicht sagen warum. Er ist manchmal so eine Nervensäge. Aber guck ihn Dir an, diesen unbekümmerten, quietsch fidelen Kerl, der mit niemals alle werdenden Duracell-Batterien zu laufen scheint und immer ein Grinsen im Gesicht hat.“

Nachdem sie sich das gesamte Blech Pizza einverleibt und sich den urkomischen Film „Tucker & Dale vs. Evil“ reingezogen hatten, beschlossen sie, sich bettfertig zu machen und dann noch bis zum Einschlafen zu quatschen. Wie immer bekam Basti das Bett, während Thomas etwas tiefer auf einer großen Luftmatratze lag. Sie redeten noch bis spät in die Nacht über dies und das, tauschten absurde Vorstellungen aus, was Robin und Jenny in dem Moment wohl trieben und überlegten schließlich, was sie nach der Schule anstellen würden. Als Thomas Basti danach fragte, wie er sich seine Zukunft vorstellte, wurde es still. „Basti? Bist Du spontan eingeschlafen?“ „Nein, ich überlege nur.“ „Na ja, ich meine, willst Du von hier weg oder da bleiben? In welche Richtung willst Du eigentlich, also so berufsmäßig?“ „Ach weißt Du Tom, ich wollte eigentlich immer irgendwas mit Kunst machen, vielleicht Kunst studieren oder so. Aber noch das Abi hinterher schieben, wo ich schon Bammel vor dem Realschulabschluss hab? Das wird wohl nix. Vielleichte eine Lehrstelle als Grafiker oder Grafikdesigner oder Mediengestalter, wer weiß. Dafür müsste ich aber auf jeden Fall von hier weg…“ Wieder war Stille eingekehrt. Das passte so gar nicht zu Basti – kein Witz, keine flapsige Bemerkung. Dann fragte er Thomas aber doch „Und Du? Wirst Du weggehen?“ „Ich weiß es noch nicht. Ehrlich, ich bin total unsicher, was ich machen soll, dabei wird’s langsam wirklich eng. Meine Eltern liegen mir deshalb schon ständig in den Ohren.“ „Hm“ kam es vom Bett und es klang fast, als hätte Basti den Atem angehalten gehabt. Thomas stützte sich auf die Ellbogen hoch. „Sag mal Basti, was ist los? Irgendwas stimmt doch hier nicht. Du bist doch sonst nicht so ernst.“ „Nee, diesmal bist Du es, der sich was einbildet. Warum bist Du eigentlich so heiß auf diese Sandra?“ Dieser unerwartete Themenwechsel brachte Thomas völlig aus der Fassung. Im nächsten Moment erwartete er schon eine der üblichen frechen Kommentare von Basti… doch es kam nichts. Es blieb lange still. „Das ist eine einfache Frage, aber auch wieder nicht. Was will ich eigentlich von ihr? Na liegt doch auf der Hand, sie sieht gut aus, ist beliebt, intelligent – Gott, sie ist ein wandelndes Klischee. Warum schwärme ich eigentlich für sie? Tue ich das denn? Maaaannn, warum fragt er mich jetzt so was?“

Nachdem eine Weile nichts gesagt wurde, kam doch noch etwas von Basti: „Hast Du Dir eigentlich schon einmal überlegt, dass wenn wirklich auch nur einer von uns hier weg geht, dass das unser letzter gemeinsamer Sommer werden könnte?“ „Hier stimmt definitiv irgend etwas nicht, seit wann hat Basti einen Hang zur Melancholie?“ Er wollte etwas erwidern, hatte aber plötzlich einen riesigen Klos im Hals und so schwieg er - schwiegen sie beide - bis der Schlaf die zwei Freunde einholte.

In dieser Nacht hatte Thomas einen weiteren Traum:

Wie durch einen Schleier konnte er zwei Personen miteinander reden hören, aber es war zu grelles Licht, als dass er etwas sehen konnte. Die eine Person, offenbar ein Junge, schien sich heftig über irgend etwas aufzuregen. Darauf antwortete die zweite Person, auch ein Junge, mit einer warmen, freundlichen Stimme „Ist schon gut… davor musst Du Dich nicht fürchten.“ Der erste Junge schrie seine Antwort fast „Ich habe keine Angst, ich bin einfach nur nicht…“ Dann zerriss der Schleier und für einen Moment konnte Thomas einen der beiden Jungs erkennen.

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So, wieder ein Teil draußen. Funzt ja schneller, als ich gehofft hatte. Bin da auch froh drüber, irgendwie wär ein Teil pro Woche doch recht wenig. Wer weiß, wann ich dann fertig werde mit der Story.

Ähm, Kritik und Verbesserungsvorschläge sind übrigens durchaus erwünscht. Ich mein, soll ich mehr oder lieber weniger schreiben, soll ich mehr BEschreiben, sind die Teile langatmig, kommt Ihr mit der Übersicht klar (z.B. wer spricht gerade) usw. Wie, was, Lob? Achwas, wer braucht denn schon Lob? (Sarkasmus-Mode off) - ist natürlich auch schön, wenn positive Rückmeldungen kommen. Ist doch Balsam fürs Ego :D

Also dann, schönen Abend noch und lasst lesen, wies gefällt (oder nicht).

PS, hab so das Gefühl, dass morgen noch ein Teil drin wär.

LG
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Re: Wandel des Herzens

Beitragvon ArokhsSohn » 25 Aug 2014, 21:49

Na sowas, kein Kommentar? Aber ein paar stille Leser scheine ich schon zu haben, wenn ich so auf die Zugriffe schaue :)
Also gut, hier kommt der neue Teil:
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(6)

Mit einem Keuchen schreckte Thomas aus dem Schlaf hoch. Es war noch dunkel und er brauchte einen Moment, um sich zu besinnen wo er war. „Ah, na klar, die Matratze, Basti schläft im Bett.“ Schnell vergewisserte er sich, dass Basti tatsächlich noch schlief. Felix, der Frechdachs, hatte sich mittlerweile zu ihm ins Bett geschlichen. Basti hatte sich zur Wand gedreht und sein Gesicht halb im Kissen vergraben. Es war ein Tag nach Neumond, daher war die Nacht dunkel - hier hinten in der Ecke, wo das Bett stand, sogar noch dunkler. Thomas machte das Licht an, dämmte es aber sofort weit herunter, und ging erstmal auf Toilette. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er noch keine zwei Stunden geschlafen haben konnte. Als er zurück kam und das Licht wieder ganz ausmachen wollte, betrachtete er noch einmal den schlafenden Basti. „So friedlich… halt, was ist das?“ Unglaublich, es sah tatsächlich so aus, als hätte Basti vor kurzem geweint. Er konnte es noch deutlich am Kissen und auch an Auge und Wange sehen, die nicht im Kissen vergraben waren. „Basti…“ dachte Thomas erschüttert. Er war unentschlossen, was er jetzt tun oder gar denken sollte. Letztendlich löschte er das Licht, legte sich hin und dachte krampfhaft nach, bis seine Gedanken so wirr und schwer waren, dass der Schlaf ihn wieder in die Tiefe zog.

Es war Samstag Morgen. Den Wecker zu stellen, darauf hatte Thomas verzichtet. Es war Wochenende und das war zum Ausschlafen da. Als er erwachte und sich hochstemmte, stellte er fest, dass Basti bereits aufgestanden war. Wahrscheinlich war er im Bad und duschte. Basti war doch genau so ein Warmduscher wie er selbst. Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis sein Freund zur Tür reinkam, nur in Shorts, ein fröhliches Grinsen aufsetzte, und „Guten Morgen Schlafmütze“ sagte. „Wirklich seltsam. Hab ich mich vielleicht getäuscht heut Nacht? Er ist, als wär nix gewesen, als hätte unser Gespräch, oder die paar Fetzen zumindest, nicht stattgefunden“ Thomas setzte sich auf. Mit einem leicht unsicheren Gesichtsausdruck fragte er Basti „Ist alles in Ordnung, geht es Dir gut?“ Basti hatte noch immer sein gewohnt fröhliches Gesicht „Ja klar, könnt nicht besser sein. Was sollte nicht stimmen?“ Thomas überlegte kurz, während Basti seine Klamotten zusammen suchte und sich anzog. „Na ich mein nur… Wegen unseres Gespräches gestern Abend.“ Dass er gesehen hatte, dass er geweint haben muss, erwähnte er lieber nicht. Vielleicht war es ja auch gar nicht real. Für einen Moment wich das Strahlen aus Bastis Gesicht, aber es war wirklich nur für den Bruchteil einer Sekunde. „Spielt er mir was vor?“ Dann sagte Basti ganz gelassen „Ach das, bah, war ein sentimentaler Moment, darfst Du nicht überbewerten.“ Er drehte sich dabei zum Fenster, eine Spur zu schnell, wie Thomas fand. Und er glaubte auch zu sehen, dass sein Lächeln dabei verschwand. Doch bevor er noch irgend etwas sagen konnte, wirbelte Basti bereits wieder herum, ein fröhliches Gesicht aufgesetzt „Mach mal hin, Schnecke, Deine Mum hat uns Frühstück gemacht und ich hab schon wieder Kohldampf“. Thomas raffte sich auf und trottete zur Tür, um sich ins Bad zu begeben. An der Tür angekommen, sah er noch einmal zu Basti. Dieser hatte sich wieder zum Fenster gedreht und sah hinaus, wobei er irgendwie gedankenverloren wirkte. „Ich finde schon noch heraus, was Dich beschäftigt, mein Freund. So leicht kommst Du mir nicht davon.“

Thomas‘ Eltern saßen bereits am Tisch, als Basti und er in die Küche kamen. Tina schien noch im Bett zu liegen, sie war erst weit nach Mitternacht zurück gekommen. Thomas’ Vater hatte beim Bäcker Brötchen geholt und es gab eine kleine Auswahl an Marmelade, Aufstrich und Käse. Dazu etwas Obst. Thomas‘ Mutter sah es gern, wenn er morgens mindestens einen Apfel aß. Während des Frühstücks warf sie in die Runde „Basti hat uns erzählt, dass Du heut Abend mit Franzi auf eine Party gehst. Wann hattest Du denn vor, uns das zu erzählen?“ „Die Party, ach du Sch**** das Geschenk!“ „Äähh, ja, sorry, muss ich gestern voll verschwitzt haben. Ich kann doch hin, oder?“ Seine Eltern schauten sich kurz an. Ein Ritual, welches sie bei jeder Entscheidung vollzogen. Es machte den Eindruck, als könnten sie dadurch Gedanken übertragen. Zu seiner Erleichterung hatte seine Mutter nichts dagegen. Der Abend war also geritzt. Sie sagte lediglich „Aber Du weißt, dass wir erst wieder gegen 16 Uhr hier sind, weil wir nachher zu Oma fahren.“ „Ja, Mum, geht klar, ich nehm den 17.30er in die Stadt. Franzi und ich treffen uns am Bahnhof.“ An Basti gewandt fragte er „Sag mal, hast Du eigentlich eine Ahnung, was ich der Sandra schenken soll?“ „Was fragst Du mich? Seh ich aus wie ein Mädchen?“ Thomas legte zur Antwort den Kopf schief und zog eine Augenbraue hoch. Darauf musste Basti wieder grinsen „Blödmann. Nee, ehrlich, keine Ahnung. Frag doch mal Franzi. Überleg Dir aber auch, wo Du noch was her kriegen willst. Ihr seid ja dann unterwegs.“ „Kacke, stimmt ja. Ich frag Franzi mal.“ Er tippte eine SMS an Franzi. Kaum hatte er die Nachricht abgeschickt, kam auch schon die Antwort. „Wie macht die das nur immer, das ist unheimlich.“ „Ah, cool, Franzi hat schon alles besorgt. Sie schreibt, nur ich fehl noch. Na da ist ja gut, ich hätte auch echt keine Ahnung, was ich Sandra schenken sollte.“ „Ach Tommy, Du bist eben manchmal hoffnungslos einfallslos. Ich weiß genau, was ich demjenigen schenken würde, für den mein Herz schlägt…“ Plötzlich war es still am Tisch. Ein seltsamer Moment, alle Blicke ruhten auf Basti. „Was hat er da gerade gesagt?“ „Was hast Du da gerade gesagt?“ fragte Thomas laut. Was war denn das, bekam Basti da gerade tatsächlich rote Farbe im Gesicht? Thomas‘ Mutter beendete den Moment „So Jungs, macht mal hin, in einer viertel Stunde müssen wir los, Oma wartet. Unterwegs setzen wir Dich dann zu Hause ab, Basti.“ Damit stand sie auf, begann den Tisch abzuräumen und sie und Thomas‘ Vater machten sich fertig.

Während der Fahrt in die Stadt wurde nicht besonders viel gesprochen. Sie lieferten Basti zu Hause ab und die Freunde verabschiedeten sich. Mit einem verschmitzten Grinsen stand Basti in der Haustür und rief Thomas zu „Pass gut auf Dich auf, wenn Du Dich heute in die Höhle des Löwen begibst und bleib sauber. Meld Dich morgen mal bei mir und erzähl mir, wie es gelaufen ist.“ „Geht klar Basti. Wünsch Dir noch einen schönen Tag.“ „Bis zum nächsten Mal Basti, schönen Gruß an Deine Eltern“ rief Thomas‘ Mutter vom Beifahrersitz aus. Dann fuhren sie wieder weiter und ließen einen nachdenklich dreinblickenden Basti zurück.
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das wärs auch schon wieder für heute. Rückmeldungen sind natürlich immer noch erwünscht. Kritik, Lob, Anregungen - alles her damit :)

Joah, und ansonsten, kommt der nächste Teil entweder morgen oder spätestens Übermorgen - je nach Motivation :wink:

LG
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Re: Wandel des Herzens

Beitragvon ArokhsSohn » 26 Aug 2014, 21:44

Schade, noch kein Kommentar. Ich warte jetzt aber trotzdem nicht länger, der nächste Teil kommt.... jetzt:

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(7)

Die Fahrt zu Thomas‘ Oma dauerte ungefähr eine Stunde. Er schaute aus dem Fenster und sah zu, wie die Landschaft im Eiltempo an ihnen vorüber zog. Immer wieder ging ihm der gestrige Abend und die Nacht durch den Kopf. Mit seiner Aussage, dass das ihr letzter gemeinsamer Sommer sein könnte, hatte Basti ihn kalt erwischt. Überhaupt war gestern so vieles seltsam gewesen. „Ein ernster, melancholischer Basti. Die Tränen in der Nacht. Und was hatte er vorhin von seinen Gefühlen erzählt? …für den sein Herz schlägt? Was meinte er damit, hat er sich nur versprochen?“ Außer der Vermutung mit seiner Schwester, hatte Thomas keine Ahnung gehabt, dass Basti sich überhaupt für irgendjemanden ernsthaft interessierte. „Wenn er es denn überhaupt so gemeint hat. Er hat nie etwas in dieser Richtung erwähnt... Basti…“ Er kam wieder zu keinem Ergebnis und dann waren sie auch schon am Ziel.

Thomas‘ Eltern und die Geschwister seiner Mutter wechselten sich wöchentlich ab, um seiner Oma im Haushalt zu helfen. Sie konnte sich körperlich nicht mehr überall so betun, hatte aber immerhin ein kleines Haus zu bewirtschaften, von dem sie sich nicht trennen wollte. Er hatte seine Oma gern, also fuhr er meistens mit, wenn seine Mutter an der Reihe war und half mit aus. An diesem Tag kam ihm das sogar ganz recht, denn so musste er nicht pausenlos an den noch bevorstehenden Abend und die Party denken. Außerdem konnte sie sehr gut kochen. Diesmal hatte Sie ein eigenartiges, aber verdammt leckeres Essen aus mit Käse überbackenen Birnen und Kartoffeln zubereitet. Dazu gab es scharf gewürzte Hänchenstreifen und Salatbeilage. Seine Oma probierte gern etwas aus, was nicht der alltäglichen Küche entsprach. Beim Essen unterhielt sie dann die anderen gern mit dem neuesten Klatsch und Tratsch aus dem Dorf. „Na ja, alte Leute eben“ dachte Thomas, während sie wieder von den neuesten merkwürdigen Bekanntschaften der jungen Nachbarin oder den seltsamen Frisur-Vorlieben von deren Kindern berichtete.

Dann war der pflichtbewusste Teil des Tages vorüber und Thomas und seine Eltern befanden sich auf dem Heimweg. Sie waren gut vorangekommen und er würde noch etwas Zeit haben, bevor er sich auf in die Stadt machen müsste. Damit stieg natürlich wieder die Nervosität. „Gott, hoffentlich kenn ich wenigstens ein paar Leute, die da kommen. Sandra ist zwar aus der Parallelklasse, aber die Chancen stehen gut, dass auch ein paar Leute von uns hingehen, so beliebt wie die ist.“ Er stand vor dem Schrank und überlegte, was er anziehen sollte. „Worauf hab ich mich da nur eingelassen? Wenn das mal gut geht… Mensch, Junge, jetzt reiß Dich zusammen. Du wolltest doch die Sandy kennen lernen, willst Du doch schon seit Jahren… oder etwa nicht?“ In der einen Hand hatte er ein graphitfarbenes Kapuzenshirt mit einem Aufdruck, der NYC darstellte, in der anderen Hand hatte er eine marineblaue Kapuzenjacke. „Jaa, aber wenn sie mich nun gar nicht leiden kann… Aber sie hat Dich angelächelt, Mann… oder? ODER?“ Er entschied sich für die Jacke. Darunter wollte er ein Shirt ziehen. „Überleg doch mal, wenn SIE Interesse hätte, wär sie da nicht auf Dich zugekommen? Neee, Mädels wollen doch erobert werden… Ja, aber kann ich das denn überhaupt?“ Er wählte ein hellgraues Shirt mit dem Aufdruck Brooklyn. „Vielleicht sollte ich ganz relaxt an die Sache rangehen. Mal ehrlich, was erhoff ich mir eigentlich? Warum sollte sie ausgerechnet mich kennen lernen wollen. Hab doch gestern erst wieder festgestellt, dass meine Optik nicht das ist, was ich anziehend nennen würde.“ Nachdem er eine, seiner Meinung nach passende, Jeans ausgesucht und sich umgezogen hatte, legte er sich noch einen Moment aufs Bett und starrte, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, an die Decke. „Ja, Kontaktlinsen wären doch mal was. Da wär ich diese blöde Brille wieder los.Hmm … Mann, machen sich alle Jungs solche Gedanken, bevor sie auf eine Party gehen, oder bin ich einfach nur bescheuert? Was Basti wohl jetzt machen würde… ja, was macht er eigentlich jetzt gerade?“ Er setzt sich auf, griff nach seinem Handy und schrieb Basti, dass er in einer halben Stunde los machen würde. Dann erkundigte er sich, was er heute Abend machen würde, ob er sich trotzdem noch mit Robin treffen würde. Kaum eine Minute später kam schon die Antwort. „dieses Mädchen“ dachte Thomas und musste unwillkürlich grinsen. >kein plan. robin hat abgesagt. werd zocken. viel spaß< „Eigenartig… liest sich irgendwie komisch. Möchte wirklich wissen, was mit dem los ist.“ Nach einigen Minuten, die er noch weiter so auf dem Bett lag, kam eine neue Nachricht. >sorry, war iwie kurz angebunden. bin ziemlich müde, krieg vielleicht ne erkältung oder so. reden morgen ausführlich< Und kurz darauf kam noch >halt die ohren steif... aber belass es auch dabei gg< Das brachte Thomas wieder zum lachen. „Das ist der Basti, den ich kenne. Vielleicht hab ich da auch nur was überbewertet und er kriegt halt wirklich nur ne Erkältung oder so.“ Zehn Minuten später war es dann an der Zeit, aufzubrechen.

Die Fahrt mit dem Zug in die Stadt verging wie im Flug. Thomas war jetzt ziemlich aufgeregt, obwohl sie ja erst noch zu Franzi nach Hause gehen würden. Sie erwartete ihn wie vereinbart am Bahnhof und begrüßte Thomas. „Na Tom, alles klar, bereit für die große Party?“ „Hi Franzi. Ja, alles klar… denke ich.“ „Wird Dir gefallen, glaub mir. Hm, wo hast Du denn Deine Klamotten?“ Überascht blickte Thomas an sich runter. „Hä? Seh ich etwa nackt aus?“ „Jetzt sag mir nicht, Du willst So gehen?“ „Äh… doch?“ „Wir gehen hier nicht zu irgendeinem Treffen mit unseren Freunden, wir gehen zur Sandra, DER Sandra! Ihre Partys haben einen ganz anderen Stil als das, was wir sonst so machen. Ich dachte, Du wüsstest das.“ „He, komm mal wieder runter. Ich dachte, ich geh so in Ordnung.“ „Hmm, kein Beinbruch. Wir haben vielleicht Glück, mein Cousin ist öfter bei uns zu Besuch und hat ein paar Ausgeh-Klamotten eingelagert, für den Fall, dass er hier weggehen will. Ihr habt in etwa die gleiche Größe und er hat… sagen wir mal, er bewegt sich in ähnlichen Kreisen wie Sandra. Komm, wir müssen Dich herrichten.“ sagte sie, nahm ihn am Arm und zog ihn schon weiter. „Oh Gott, fange ich schon an, es zu bereuen?“
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So, noch ein Teil geschafft. Ähem, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole... könnt ruhig Euren Senf dazu abgeben - Kritik, Lob, Vorschläge, Fragen - egal was :wink: Na ja, wie auch immer, bin grad so gut drin, ich denke, ich werd morgen, spätestens übermorgen, den nächsten Teil bringen - wenn nichts dazwischen kommt, is klar.

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Re: Wandel des Herzens

Beitragvon ArokhsSohn » 26 Aug 2014, 21:53

kurzer Edit zur letzten Zeile: „Oh Gott, fange ich schon an, es zu bereuen?“ sollte Thomas eigentlich nur denken, nicht aussprechen. Ich habe vergessen, es kursiv zu schreiben.

Re: Wandel des Herzens

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