Schwarzer Schmetterling

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Matti
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 04 Jul 2019, 20:26

Das hab ich doch schon geahnt :evil: das sie ihn nur testen wollte.
Doch unwissentlich war ich an einem Punkt angelangt von dem es kein zurück mehr gab…

... das ihm langsam doch bewusst wird, das er Gefühle für Patrick hat?
Da es förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.

Re: Schwarzer Schmetterling

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Quianye
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 08 Jul 2019, 14:22

42. Blind

„…mach die Augen zu und küss mich, Und dann sag das du mich liebst…“ Ich war schon fast erleichtert, als wir endlich an der Haltestelle nahe des Krankenhauses ankamen. Die fahrt dorthin, oder vielmehr meine weibliche Begleitung hatten mir einiges an Kraft gekostet. Vanessa hatte es tatsächlich geschafft, meine ganze Gefühlswelt in ein noch größeres Chaos zu stürzen. Das dies überhaupt möglich war, grenzte schon fast an ein Wunder. Wobei Wunder ja etwas gutes bewirken sollten. In meinem Fall war es eher das krasse Gegenteil. Ich fühlte mich wie eine Fliege, die in das klebrige Netz einer Spinne geraten war und nun nur noch hilflos darauf warten konnte, dass die achtbeinige Kreatur Mitleid zeigt und meine Qualen schnell beenden würde. Vanessa mit einer mordlustigen Spinne zu vergleichen mag im ersten Moment etwas extrem klingen, jedoch schien es mir in Anbetracht ihrer rabiaten Vorgehensweise die einzig treffende Beschreibung zu sein. Ich zerbrach mir den Kopf darüber, wie ich nur möglichst unbeschadet aus dieser Situation entfliehen könnte, als mir erneut der Zufall seine helfende Hand reichte. Wir wären nicht mal ganz aus dem Bus ausgestiegen, da klingelte ihr Handy.

„Oh man, Was will Die denn jetzt von mir?“, schnaubte Vanessa als sie las, von wem der Anruf stammte. Doch ohne groß weiter zu zögern nahm sie an. Was folgte war ein, um es vorsichtig auszudrücken, hitziges Wortgefecht mit ihrer Mutter an dessen Ende sie nur noch verzweifelt versuchte ihre Gesprächspartnerin davon zu überzeugen sie nicht höchstpersönlich abholen zu müssen. Da war offensichtlich jemand ganz schön angefressen, das das liebe Töchterlein ohne Bescheid zu geben nach der Schule nicht nach Hause gekommen ist. Vanessa war kreidebleich, als sie ihr Telefon wieder in die Tasche steckte. Ich hingegen bemühte mich nach Kräften nicht in unbändigbare Jubelstürme auszubrechen. Mit gespielt enttäuschter Mine blickte ich sie an.

„Schade das du jetzt nicht mit kannst“, heuchelt ich ihr vor, „aber wir holen das bestimmt nach.“
„Ach, lass mich in Ruhe“, fauchte Sie, „Nur wegen dir hab ich jetzt Ärger mit meiner Mom!“ Diese Reaktion hatte ich nun wirklich nicht erwartet. So anhänglich und verführerisch sie doch die ganze Zeit war, so abweisend wirkte sie jetzt von einem Moment auf den Nächsten.
„Was kann ich jetzt bitteschön dafür, dass du Stress mit deiner Alten hasst,“ fragte ich wütend.
„Du hättest einfach mit zu mir kommen können. Wir hätten ein wenig Spaß gehabt und fertig. Aber nein, der Herr will ja lieber zu seinem armen Freund anstatt mit mir rumzumachen. Du bist echt noch voll das Kind Felix. Hätte ich nicht deine süße kleine Reaktion gesehen könnt ich wirklich denken du wärst schwul!“ So langsam reichte es auch mir. Ich war ja wirklich ein geduldiger Mensch, aber sie ging jetzt entgültig zu weit. Für was hällt Sie mich? Denkt Sie ich hätte es so nötig? Noch dazu hat sie sich doch an mich rangeschmissen. Am liebsten hätte ich ihr jetzt so richtig Die Meinung gegeigt. Aber trotzdem wollte ich nicht zu sehr unter die Gürtellinie gehen.

„Weißt da was? Du kannst mich mal kreuzweise,“ sagte ich zu ihr, „und wenn ich es mir Recht überlege, find ich es schon ganz schön erbärmlichen wie du dich gerade aufführst. Ich geh dann mal.“ Ich blieb so ruhig wie es nur irgendwie möglich war. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich zu einer unansehnlichen Grimasse. Und noch ehe sie mir etwas entgegneten könnte, drehte ich mich um und lief mit ruhigen Schritten in Richtung Krankenhaus.
„Dann geh doch und lutsch deinem Patrick den Schwanz!“, schrie Sie mir dann doch unüberhörbar für sämtliche Passanten hinterher. Ich konnte die gaffenden Blicke der Massen auf mich spüren, hörte das Getuschel der Leute. Ich blieb stehen. Jetzt hatte sie meine Geduld wirklich überstrapaziert.
„Wer dich fickt is echt zu faul zum wichsen. Du bist einfach nur armselig Vanessa,“ sagte ich zu ihr langsam Wort für Wort. Ich wollte ihr eigentlich nicht so direkt sagen was ich von ihr hielt. Doch die Umstände erforderten es leider. Und auch wenn es sich eventuell als Fehler herausstellen würde, Sie war es dann dich einer den ich gerne begangen hab. Ohne sie weiter zu beachten, lief ich weiter hoch in Richtung des gewaltigen Baus.

Vorsichtig klopfe ich an die schwere Tür des Krankenzimmer. Ich wartete einen Augenblick ab, dich es kam keine Antwort. Langsam drückte ich die Türklinke nach unten. Millimeter für Millimeter schob ich die Tür zur Seite und legte durch den Spalt ins Innere. Es stand nur ein einzelnes Bett darin. Das erste was mir auffiel, war ein dicker weißer Gips an einem Bein. Ganz oben schauten ein paar Zehen heraus, deren leicht gelb orange Farbe einen starken Kontrast zum restlichen Bein boten. Ich öffnete die Tür einen Stückchen weiter. Nun könnte ich auch einen ebenso eingegibsten Arm sehn, welcher auf einer Art Erhöhung neben einem schmächtigen Körper lag. Dieser Körper war nur mit einer dünnen weißen Decke bedeckt. Mein Blick wanderte weiter nach oben und hielt dann auf dem Gesicht des Patienten an. Dieses trug ebenfalls noch deutliche Spuren des Unfalls. Auf einer Wange war eine große Schürfwunde deutlich zu erkennen, auf der Stirn befand sich knapp über dem Auge ein langes Pflaster. Leise trat ich in das Zimmer und schloss die Türe hinter mir. Ruhig schlich ich ans Bett und setzte mich auf den bereit stehenden Stuhl.

Er sah wie ein Engel aus, wie er da so ruhig im Bett lag und schlief. Ich beobachtete ihn eine Weile einfach nur. Schaute zu, wie sich sein Brust mit jedem Atemzug erst leicht hob und dann wieder senkte. Betrachtete seine zarten Lippen und wie sie leicht mit jedem kleinen Schnarchen vibrierten. Aller Ärger den ich noch wegen Vanessa in mir trug war mit einem mal vergessen. Patrick brachte mir ohne es zu wollen meinen Inneren Frieden zurück. Er schaffte es, dass ich mich wohl und geborgen fühlte und einfach alles um mich herum vergaß. Ich lächelte ihm an und mir war es, als hätte er im Schlaf zurück gelächelt. Mir wurde warm. Ein seltsames Gefühl breitete sich wieder in meinem Bauch aus. Es war wieder dieses eine Gefühl, dass ich in letzter Zeit immer hatte, wenn wir zusammen waren. Das eine Gefühl, das ich seit einiger Zeit schon immer wieder zu unterdrücken versuchte und gegen das ich doch am Ende völlig wehrlos war. Dieses eine Gefühl, dass ich doch eigentlich schon so lange spürte, jenes dass erst so schwach begann und nun wie ein Tsunami auf mich einschwappt. Ein Gefühl, dass ich schon seit Jahren bekämpfe, weil es dich eigentlich nicht sein kann, nicht sein darf. Doch am Ende musste ich mir in diesem Moment eingestehen, dass ich den Kampf verloren hatte. Ich musste die unausweichliche Wahrheit über mich akzeptieren, so schwer es mir auch fallen würde.

„Wie könnte ich die ganzen Jahre nur so blind sein?“, murmelte ich leise vor mich hin. Ich strich Patrick eine Strähne seines Haares aus dem Gesicht. Wieder sah ich dieses zufriedene Lächeln auf seinen Lippen und mir würde warm ins Herz. Und trotz alle Dem was ich gerade Empfand, wurde mir auch noch etwas anderes diesem Moment klar. Egal wie sehr es mir weh Tat, Ich würde niemals mit ihm zusammen sein können. Letztendlich war er nicht schwul, und selbst wenn hatte er jemand besseren verdient als mich. Jemanden, der ihn nicht von einem Unglück ins Nächste stürzen würde.

Ich wurde traurig bei dem Gedanken und beschloss, dass es wohl einfach das beste sei zu gehen. Leise schob ich den Stuhl nach hinten zurück und versuchte auf Zehenspitzen zu Tür zurück zu schleichen. Dann drehte ich mich noch ein letztes mal um und schaute noch einmal in das Gesicht des Jungen den ich heimlich liebte. Das Geräusch als sie Tür ins Schloss viel fühlte sich wie ein langes Messer in meinem Eingeweiden an. Ich hatte mir meinen Besuch ganz anders vorgestellt. Und das alles nur wegen diesen blöden Gefühlen. Warum mussten Die mich auch gerade jetzt so komplett überwältigen. Warum musste ich nur etwas für ihn empfinden. Es war doch gerade gut So wie es war. Mit Tränen in den Augen schlenderte ich langsam Richtung Aufzüge. Ich fragte mich immer wieder, Warum ich es nicht einmal im Leben einfach haben könnte. Das ich mich in meinem besten Freund verliebt hatte, war ja nur die Spitze des Eisberges. Vor dem Krankenhaus setzte ich mich erst einmal auf eine Bank und suchte bei einer Zigarette Trost. Doch auch nach der dritten Zigarette in Folge wurde meine Gemütslage nicht nachhaltig besser. Ich starrte nur vor mich auf den Boden und versank tief in Gedanken.

Die Busfahrt nach Hause kam mir unendlich lang vor. Außer mir saß nur ein junges Pärchen mit ihm Bus. Und wieder stieg mir unausweichlich diese eine Frage die ich mir selbst immer wieder stellte in den Kopf. Warum ausgerechnet ich. Wieso konnte ich nicht einfach sein wie alle andern auch. Warum musste gerade ich schwul werden. Ich steckte mir die Kopfhörer in die Ohren, drehte die Musik voll auf und ließ mich von Rhythmus geleitet immer tiefer in meine Gedankenwelt sinken. Irgendwann hielt der Bus dann an meinem Ziel, dem alten herunter gekommenen Busbahnhof. Ich holte mein Fahrrad und machte mich auf dem Weg nach Hause. Die Welt um mich herum fühlte sich so unrealistisch an. So als ob jemand einen Filter auf meine Wahrnehmung gelegt hätte. Die bunten Blumen in den Vorgärten der Einfamilienhäuser wirkten grau und trostlos. Ohne es zu merken legte sich erneut ein Schatten auf meine Seele. Selbst die Musik in meinem Ohr hörte sich anders an, so leer und bedeutungslos. Ich bog in unsere Einfahrt und stellte mein Rad einfach achtlos in irgend einer Ecke ab. Ich betrat das Haus und ging wortlos hoch in mein Zimmer. Die Schultasche schmiss ich einfach auf den Boden und warf mich aufs Bett.

Ich muss wohl eingeschlafen sein, denn als ich meine Augen wieder öffnete war es bereits dunkel geworden. Verschlafen holte ich mein Handy hervor und schaute auf die Uhrzeit. Es war bereits nach zwölf. Dem aufblinkenden Symbol für eine neue Nachricht schenkte ich erst mal meine Beachtung. Stattdessen rappelte ich mich auf und zog mir erstmal meine Jeans und mein Shirt aus und ging hinunter in die Küche. Zu meiner Verwunderung brannte dort noch Licht und mein Stiefvater saß sturzbesoffen auf einem Stuhl. Vor ihm Stand eine leere und eine halbleere Flasche Whiskey der Marke „Jim Beam“ und ein noch bis zum Rand gefülltes Glas. Sein lautes Schnarchen verriet mit, dass er wohl mitten unterm Saufen eingeschlafen sein musste. Ich zögerte einen Moment, nahm dann aber doch das Glas und kippte es in einem Zug meine Kehle hinunter. Der Alkohol brannte in meinem Hals und mir würde augenblicklich etwas schummrig zu mute. Ich merkte, wie mein Körper nicht mehr zu hundert Prozent meinen Befehlen folgte. Doch mein Kopf fühlte sich gelöst an. Meine Sorgen und meine Ängste traten langsam in den Hintergrund. Dieses Gefühl von allen losgelöst zu sein, alle Probleme zu vergessen weckte mein Verlangen nach mehr. Also schenkte ich mir ein weiteres Glas ein und kippte auch dieses mit einem schnellen Zug nach unten. Mein Sichtfeld verschwamm ganz langsam. In meinem Kopf drehte sich alles im Kreis. Ein leichtes Unwohlsein stieg in mir hoch. Ich dachte an nichts. Meine Gedanken waren nun vollends gelöst. Mein Orientierungssinn fing an auszusteigen. Mühsam torkelt ich die Treppe hoch zurück in mein Zimmer. Dort ließ ich mich betrunken aufs Bett fallen. Die Welt um mich herum drehte sich unaufhaltsam weiter. Mir wurde schlecht. Erst als ich ein Bein aus dem Bett hielt begann das Kettenkarussell sich langsamer zu drehen. Ich griff nach meinem Handy.

Mit einigen Schwierigkeiten entsperrte ich das Telefon und öffnete die Nachricht. Patrick hatte mir geschrieben. Nach der tagelangen Funkstille endlich mal wieder eine Nachricht. Ich kniff die Augen zusammen, bemühte mich, den Text lesen zu können. Wieder und wieder musste ich meinen Kopf schütteln damit sich die doppelten und verschwommenen Buchstaben wieder zu einem Ganzen verbanden. Erst beim dritten oder vierten Versuch schaffte ich es, den Text zu lesen.

»Hey, Felix. Sorry das ich mich erst jetzt melde aber mein Handy war bei meinem Unfall kaputt gegangen und Dad hat mir erst heute ein neues Gebracht. Hast bestimmt gehört was passiert ist. Wie geht’s dir so? Warst du heut zufällig mal bei mir im Krankenhaus?«
Ohne darüber nachzudenken was ich Tat, tippte ich eine Nachricht in mein Telefon.
»Ich Liebe dich Patrik, Ich hab dich schon immer….«
Meine Finger kamen zum Stillstand. Urplötzlich schoss ein wenig Klarheit zurück in mein Gehirn. Gerade genug um mich wahrscheinlich vor einem großen Fehler zu bewahren. Sofort löschte ich den eingegebenen Text. Ich überlegte ein wenig. Eigentlich hätte ich in meinem Zustand besser gar nichts mehr schreiben sollen. Doch es fühlte sich wie ein innerer Drang an diese Nachricht zu beantworten, So als ob mir mein innerstes mich zu einem Fehler zwingen wollte. Ich versuchte nochmal etwas Sinnvolles zu schreiben.
»Hi Patrick. Ja ich hab von deinem Unfall gehört. Wollte eigentlich heute besuchen kommen, Hatte aber keine Zeit. Wann kommst du raus? Ich vermiss dich…«
Ich kam wieder ins grübeln. Kommt der letzte Satz vielleicht schwul rüber? Doch anstatt wie gewollt zu löschen drückte ich auf Senden.

„Scheiße“, dachte ich mir sofort als ich nein Missgeschick bemerkte, „Was soll er jetzt von mir denken?“ Doch zu spät. Die Nachricht war geschickt und ich konnte nichts mehr daran ändern.
„Ich bin so ein Idiot!“, schimpfte ich mit mir selbst. Da ertönte mein Handy. Zu meiner Verwunderung hatte Patrick trotz der Uhrzeit in Sekundenschnelle geantwortet. Wieder hatte ich Mühe den Text zu lesen. Doch als ichves schaffte stiegen mir Freudentränen in die Augen.
„Oh, na dann hab Ichs mir wohl eingebildet. Würde mich freuen wenn du mich mal besuchen kommst. Ich vermiss dich auch…
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 08 Jul 2019, 17:26

:lol: manchmal hilft es doch, besoffen Nachrichten zu verschicken
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 09 Jul 2019, 12:44

@Matti: naja, hätte er die Botschaft schon gecheckt, hätte er die erste Nachricht bestimmt auch geschickt. Aber was solls...hätte hätte Fahrradkette

43. Diesmal wirklich

„…I love to see you run around, And i can see you now, Running to me…“ Mein Schädel fühlte sich an wie eine geplatzte Wassermelone. Mittlerweile bereute ich zutiefst, dass ich mich gestern so habe gehen lassen. Aber was soll ich sagen, besondere Zeiten erforderten eben besondere Maßnahmen. Und ein paar Aspirin und viel viel Wasser würden meinen dröhnenden Kopf sicher auch wieder beruhigen. Was mir wesentlich größeres Kopfzerbrechen bereitete, war die Nachricht die ich Patrick in meinem geistig verwirrten Zustand geschrieben hatte. Zwar freute ich mich über seine doch positive Rückmeldung, hoffte aber dennoch, dass er nicht die richtigen Schlüsse daraus ziehen würde. Ich wollte unter keinen Umständen, dass unsere Freundschaft aufgrund meiner Unfähigkeit mich zu beherrschen wieder zerbricht.

An der Schule angekommen, führte mich mein Weg auf gewohnten Pfaden zum Rauchergebüsch. Wie immer tummelten sich hier die selben Leute. Abgefuckte möchtegern Punks, Die obercoolen neunzigerjahre Skater, dauerdepressive Emos und auch die Normalos wie ich einer wahr. Zumindest hielt ich mich verglichen zu den anderen für relativ normal. Ein Trugschluss vielleicht, aber es half mir, mich selbst besser zu fühlen. Ein Gesicht fehlte jedoch heute wieder nach einem kurzen Intermezzo. Von Vanessa war keine Spur zu sehen. Dafür stand Stefan wieder im Gebüsch. Allein. Ein Umstand der mir gerade Recht kam. Er war ja recht häufig mit Vanessa unterwegs und es hätte mich stark gewundert, wenn er nichts von dem gestrigen Vorfall wusste. Viel interessanter war für mich aber nicht das in sondern was sie ihm gesagt hat. Ich ging also auf Stefan zu. Und ich brauchte nicht einmal selbst einen Grund zu finden ihn vorsichtig auszudrücken. Denn als er mich sah preschte er gleich nach vorne wie ein wild gewordenes Rinozeros.

„Alter, Was hast du gestern mit Vanessa gemacht? Die ist jetzt immer noch fuchsteufelswild.“
Erste Frage schonmal beantwortet. Und das sogar ohne das ich überhaupt danach Fragen musste. Wäre letztendlich eh eine rhetorische Frage geworden. Man musste schließlich kein Frauenversteher sein um zu wissen, dass das weibliche Geschlecht nicht ganz so locker mit einer Abfuhr umgehen konnte. Wenn man es denn überhaupt Abfuhr nennen wollte.
„Bin halt kein Mann für eine Nacht“, gab Ich ihm schulterzuckend zurück.
„Erzähl keinen Scheiß man, deswegen rastet die doch nicht so aus.“
„Naja, hab vielleicht noch nen etwas übertriebenen Kommentar losgelassen.“
„Wieso? Was hast du den zu ihr gesagt?“, fragte Stefan weiter.
„Wer dich fickt ist zu faul zum wichsen oder so ähnlich.“ Stefan starrte mich einen Moment fassungslos an. Doch dann konnte er nicht mehr an sich halten und prustete laut los.
„Dein Ernst Mann? Und da hat sie dir nicht gleich die Eier abgerissen? Du hast echt keine Ahnung wie man mit Mädchen umgeht, oder? Kein Wunder das sie so sauer ist.“
„Was hat das eine den mit dem ändern zu tun?“, fragte ich etwas verwundert. Klar ich war noch nicht mal fünfzehn und meine Erfahrung beschränkte sich auf ein paar kurze Knutschbeziehungen. Aber das man einem Mädchen nicht mehr die Wahrheit sagen darf hatte doch damit so rein gar nichts zu tun.
„Pass auf, jeder weiß, das Vanni eine Schlampe ist. Aber glaubst du irgendjemand sagt ihr das? Natürlich nicht. Man Nutz das für sich aus, wird kurz Druck los und paar Tage später hängt sie eh nem Andern am Arsch. Dann bist du die los ohne groß was dafür machen zu müssen. Ist ne win win Situation.“ Ich war kurz sprachlos. Von dieser Seite hatte ich es überhaupt nicht betrachtet. Abgesehen davon, dass ich es von der Seite gar nicht betrachten wollte.

„Sag bloß du hast auch schon mit der?“
„Klar, warum nicht. Und im Bett ist die echt ne Granate“, fragte er. Dazu viel mir nun gar nichts mehr ein.
„Aber hey Kopf hoch. Die wird schon nicht ewig sauer sein. Und vielleicht kommst du ja doch noch in den Genuss ihrer Muschi, dass heißt wenn du jetzt ganz lieb zu ihr bist!“
„Dann wird ich mich wohl anstrengen müssen“, scherzte ich, nahm noch einen letzten Zug von der Zigarette und warf diese dann auf den Boden. Eigentlich war mir ein anderer Satz durch den Hinterkopf gehuscht. Doch ich schob ihn bei Seite. Ich Tat mir schon mit meinem Inneren Couming-out schwer genug. Da will ich von einem richtigen gar nicht anfangen.
„Komm wir müssen uns beeilen sonnst kriegt Frau General Feldmarschal noch einen Anfall!“
Stefan seufzte: „Boah ne oder, Auf die Weigl hab ich jetzt echt keinen Bock!“ Ich konnte gut verstehen was er meinte. Auf Geschichte hatte ich genauso wenig Lust. Noch dazu nicht mit dem alten Drachen. Zumal mein Schädel noch immer wie verrückt hämmerte. Aber selber Schuld. Hat mich ja niemand drum gebeten mich unter der Woche volllaufen zu lassen. Da musste ich nun durch.

Pünktlich um 12:40 endete mein Martyrium. Über die vollen sechs Unterrichtsstunde war ich mehr damit beschäftigt nicht auf meinem Tisch einzuschlafen. Daran dem Unterrichtsgeschehen aufmerksam zu folgen war überhaupt nicht zu denken. Die letzten beiden Stunden Sport waren dann der Höhepunkt der Tortur. Erst hätte ich mich fast in den Mittelkreis des Fußballfeldes gekotzt und dann Stand auch noch unser Sportlehrer mit seiner bescheuerten Trillerpfeife ständig neben mir und pfiff mir meine Trommelfelle kaputt. Und dann in der Umkleide dieser Geruch nach Schweiß und Testosteron. Heute fühlte es sich an als würde mir jemand Buttersäure unter die Nase reiben. Ich konnte meine Freude kaum in Worte fassen als ich endlich wieder Luft atmen könnte die nicht nach Sportsocken roch. Ich hatte mal zufällig gelesen, dass es tatsächlich Leute gibt sie bei dem Geruch geil werden. Totale Freaks meiner Meinung nach. Vanessa hat mich den ganzen Tag nicht mal mit dem Arsch angeschaut. Sollte mir nur Recht sein. Auf irgendwelche dummen Kommentare von ihr könnte ich gut und gern verzichten. Zu Fuß machte ich mich gemächlich auf den Weg zum Busbahnhof. Auch wenn mir dabei etwas mulmig zu mute war, so wollte ich doch Patrick nicht enttäuschen. Dem armen Kerl ist sicher langweilig so alleine den ganzen Tag im Bett zu liegen.

Eine gute Stunde später stand ich wieder vor dem Haupteingang des massiven Betonklotzes. Ich möchte Krankenhäuser überhaupt nicht. Alleine der allgegenwärtige Geruch nach Desinfektionsmittel weckte in mir blanke Abscheu. In der Kinder und Jugendstation ging es ja noch so einigermaßen. Schlimmer ist es auf den anderen. Als meine Oma dort drinnen lag und wir sie in der Geriatrie besuchen kamen roch es überall nur nach alten Menschen und Pisse. Noch dazu kamen wir gerade rein als sie einen verstorbenen Patienten aus dem Zimmer fuhren wie ein totes Vieh. Ich denke seit diesem Zeitpunkt habe ich diese Abneigung gegen unsere medizinischen Anstalten. Mein Weg führte mich durch die automatischen Türen durchs Forum bis hin zu den Aufzügen. Nun hoch in den vierten Stock zur Kinder und Jugendmedizin, zweiter Gang rechts, dann wieder links, Zimmer 408. Ich holte noch einmal tief Luft und klopfte an die Tür. Ohne eine Antwort abzuwarten betrat ich den Raum. Doch dann blieb ich plötzlich wie angewurzelt in der Türe stehn.

Patrick lag immer noch in seinem Bett. Doch diesmal war das weiße Lacken beseite gelegt. Auch sein Krankenhauskittel war nirgends zu sehn. Er lag splitterfasernackt dort. Sein Gesicht war roter als ein Feuermelder. Sein Blick sprach Bändend. Mit seinen Lippen formte er etwas, Das fast schon aussah wie ein Hilferuf. Mein Timing war wieder mal perfekt gewesen. Über ihm beugte sich eine dicke ältere Krankenschwester. Sie trug neben ihrer Schwesternuniform gelbe Gummihandschuhe. In der einen Hand hatte sie einen Schwamm und in der anderen…nun ja, Sie war eben dabei Patricks privateste Teile ordentlich zu schrubben. An seiner Grimasse könnte ich erkennen, dass sie nicht gerade zärtlich zu seinen Kronjuwelen war. Ich spürte, wie mir die Röte ins Gesicht stieg. Mir war das mindestens genauso peinlich wie Patrick. Gerade wollte ich einen Schritt rückwärts gehen, wieder raus aus dem Zimmer und der Guten ihre Arbeit in Ruhe beenden lassen, da hob sich ihr Blick und sie lächelte mich freundlich an.

„Kannst ruhig hierbleiben Jungchen. Den kleinen Freund haben wir Null Komma Nix wieder ordentlich Sauber“, sprach sie Schwester mit einem starken osteuropäischen Akzent, „muss dir nicht peinlich sein. Er hat nix was du nicht auch hast.“
„Können wir es nicht für heute gut sein lassen“, bat Patrick fast flehend. Das waren auch meine Gedanken. Beziehungsweise, dass ich bei der Prozedur nicht anbei sein musste und mich lieber verdrückt hätte bis sie beiden fertig waren.
„Nein, nein. Muss ich dich hier unten gut waschen das hübsche Pippimann nicht eine Ausschlag bekommt und kaputt geht“, antwortete Sie, „wenn dir vor Freund peinlich ist kann er ja wegschauen.“ Das sagte sie so leicht. Von wegen wegschauen. Bei einem Autounfall schaut man ja auch nicht Weg obwohl man es sollte. Ich setzte mich auf einen der sich im Zimmer befindlichen Stühle und gab mein bestes meine Blicke starr auf den Boden zu richten. Hin und wieder könnte ich aber doch nicht anders und erhaschte den ein oder andren Blick. Und es dauerte auch wirklich nicht lange da war die Krankenschwester fertig.
„So mein Freund, haben wir wieder saubere Junge. Wenn du hast eine Problem dann einfach läuten und Schwester Natascha kommt.“ Sie half Patrick noch schnell in einen frischen Kittel, deckte ihn etwas zu und verließ dann den Raum.

Ich war nun mit ihm allein, meinen Freund, meinen heimlichen Schwarm. Kurze Zeit herrschte betreffendes Schweigen. Irgendwie musste ich die dich etwas sehr peinliche Situation auflockern.
„Die ist echt schräg“, sagte ich schließlich zu Patrick. Dessen Kopf war noch immer in ein tiefes Rot getaucht was bei dem weißen Bettzeug nur noch viel mehr zu Geltung kam.
„Mag sein“, antwortete er knapp, „aber tausendmal besser als Hermann.“
„Wer ist Hermann?“
„Einer der Pfleger. Stell dir Marvin in älter und mit Leberwurstflecken auf dem Shirt vor. Von dem würde ich mich normalerweise nicht mal mit der Kneifzange anfassen lassen.“
„Muss der dich etwa?“, begann ich, wurde aber sofort von Patrick unterbrochen.
„Ich will nicht darüber reden“, sprach er und drehte seinen Kopf beschämt zur Seite. Der Gedanke, Wie ein fetter schwitzender Pfleger meinen Patrick am Sack rumfummelt jagte mir einen Schauer eiskalt den Rücken hinunter.
„Hättest ruhig Bescheid geben können das du kommst. Dann wäre uns das hier erspart geblieben.“
„Und Die Überraschung verderben?“
„Tolle Überraschung“, murmelte er leicht eingeschnappt. Auch ich fühlte mich so langsam ein wenig unerwünscht, was mich schon auch ein wenig traurig stimmte.

„Soll ich wieder gehen?“
„Natürlich nicht du Holzkopf. Sorry man. Ich krieg nur langsam echt den Lagerkoller hier. Jeden Tag die gleiche Scheiße. Und das Essen schmeckt auch noch zum kotzen.“
„Nimmt mal positiv, wirst du wenigstens nicht fett.“
„Sehr witzig!“, gab er beleidigt zurück.
„Wie lang musst noch hier drin bleiben“, fragte ich ihn.
„Noch mindestens vier Wochen. Wenn ich schon dran denke würde ich an liebsten aus dem Fenster springen. Kannst du mich nicht einfach entführen Felix.“
„Klar warum nicht. Und dann fliehen wir auf eine einsame Insel und Leben glücklich bis uns ein Tsunami aufs offene Meer reißt und wir jämmerlich ersaufen. Oder von Haien gefressen werden.“
„Immer noch besser als hier drin an ewiger Langeweile zu sterben.“ Eine Zeit lang herrschte wieder Ruhe zwischen uns. Ich konnte gut verstehen, dass er einfach nur noch hier raus wollte. Er tat mir einfach nur leid.
„Sag mal wie ist die das hier überhaupt passiert?“, setzte ich unser Gespräch fort.
„Keine Ahnung. Ich weiß nur noch das ich mich mit Mom gestritten hab und dann weg gerannt bin. Ich wollte zu dir und mich bei dir entschuldigen für…du weißt schon…dafür das ich mich einfach ausn Staub gemacht hab. Ich wollte dir Abkürzung übern Bolzplatz nehmen und bin Dan anscheinend Die Treppe runter gestürzt. So richtig erinnern kann ich mich aber nicht mehr. Redroirgendwas meinten die Ärzte.“ Ich kam etwas ins grübeln. So ganz würde ich das dumme Gefühl nicht los, dass es dann dich nicht ganz so einfach gewesen sein musste. Woher dieses Gefühl kam wusste ich nicht. Vielleicht täuschte ich mich ja auch.

„Wie läufts bei dir so? Hat dein Alter dich wieder beruhigt?“ Ich erzählte ihm alles. Von meiner Flucht, über meinen Aufenthalt bei Jakob, wobei ich hier das ein oder andere unnötige Detail auslies, bis hin zu meiner Rückkehr und die erfolgreiche Wiedereingliederung in die Klasse. Ich hätte ihm auch gerne noch mehr erzählt, hielt es dann aber doch für angebracht mich etwas zurück zu halten. Und als wir so gemeinsam da saßen, respektablerweise lagen, kehrte auch langsam Der Glanz in seine wunderschönen grünen Augen zurück. Selbst ein zartes Lächeln formte sich wieder auf seinen Lippen. Es machte mich glücklich ihn etwas aufheitern zu können. Es fühlte sich so gut an, So vertraut, So richtig. Da war etwas zwischen uns. Irgendetwas magisches. Wie ein Band, dass uns beide unzertrennbar miteinander vereinte. Doch je bewusster mir diese Verbindung wurde, desto größer würde auch die Angst, dass alles mit einem mal wie eine Seifenblase zerplatzen könnte. Nur der eine falsche Schritt und es wäre nichts mehr wie es jetzt ist. Tief in mir reite der Entschluss dies alles auf keinen Fall aufs Spiel zu setzen. Auch wenn das bedeuten würde eine Lüge Leben zu müssen.

Als ich noch so am Nachdenken war, kramte Patrick nach seinem Handy.
„Fuck, Felix du musst jetzt gehen.“
„Hä? Wie jetzt?“, antwortete ich verwirrt.
„Sorry man, meine Mom ist auf dem Weg. Die kriegt bloß wieder einen Anfall wenn sie dich hier sieht!“ Patrick hatte Recht. Und von allen Menschen auf der Welt war seine Mutter definitiv in den Top 10 derer die ich gerade nicht treffen wollte. Nur ganz knapp hinter Kevin und Vanessa und vor Assad und Sadam Hussein. Trotzdem war ich ein wenig enttäuscht. Ich wäre gerne noch länger bei ihm geblieben.
„Dann verschwind ich mal besser bevor Mammasaurus Rex mich bei ihrem Jungtier erwischt und auffrisst“, alberte ich. Auch Patrick musste kurz lachen. Doch seine Augen verrieten, dass auch er wenig erfreut darüber war.
„Sehn wir uns bald wieder?“, fragte er mich als ich schon an der Türe stand.
„Klar, So bald wie möglich. Aber das nächste mal sag ich vorher Bescheid.“
„Ich freu mich“, rief er noch. Ich blickte zurück, sah seine strahlenden Augen und das süße Lächeln, dann winkte ich ihm noch kurz zum Abschied zu.
„Ach Patrick“, seufzte ich als sie Tür ins Schloss gefallen war, „warum musst du es mir nur so schwer machen…“
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 09 Jul 2019, 14:09

Ach ja, eins hatte ich ja komplett Vergessen...
Nur noch sieben Kapitel bis zum Schluss, Und nur noch 5 bis sie ganze Wahrheit endlich ans Licht kommt
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Matti
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 09 Jul 2019, 17:41

Quianye hat geschrieben:Ach ja, eins hatte ich ja komplett Vergessen...
Nur noch sieben Kapitel bis zum Schluss, Und nur noch 5 bis sie ganze Wahrheit endlich ans Licht kommt


:x grrr jetzt reit noch drauf rum
Ich hab am Ende von so klasse Storys immer die Angst nie wieder eine Vergleichbare Geschichte zu lesen. :rat:
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 10 Jul 2019, 14:25

Noch 6...

Bei diesen Kapitel muss ich zugeben, dass selbst ich mich beim Übersetzen total gelangweilt habe. Meiner Meinung nach hatte es nur den Zweck am Ende auf eine runde Kapitelzahl zu kommen. Dementsprechend ist es auch etwas kürzer als sie Letzten. Hoffe, dass ihr es trotzdem lest. Die ein oder andere Kleinigkeit ist vielleicht doch ganz interessant, wenn auch nicht unbedingt gut den Rest von Bedeutung....


44. Vier lange Wochen

„waiting for the dawn, waiting for the night, the day is to long, the day is to bright…“ So langsam aber sicher kehrte wieder vollkommene Normalität in mein Leben ein. Vorbei war die Zeit, In der mir der tägliche Schulbesuch wie ein nie enden wollende Spießrutenlauf vorkam. Ich hatte nun endlich meinen Frieden gefunden. Einen Frieden nachdem ich so lange suchte und von dem ich nicht dachte, dass er überhaupt existieren würde. Alle Ängste, alle Sorgen schienen sich so langsam aber sicher in Luft aufzulösen. Alles was ich bis dahin erlebt hatte, all die schlechten Erfahrungen verblassten immer mehr und wurden so zu entfernten Erinnerungen die sanfte in einen Nebel aus vergessen eingehüllt wurden. Nur eines würde wohl für immer tief verankert in meinem Gedächtnis sitzen bleiben. Diese eine Erinnerung an diese eine schicksalhafte Nacht wird mich wohl ein Leben lang verfolgen. Vergessen werde ich diese Schmerzen wohl nie können, dennoch lernte ich immer besser damit umzugehen.

Fast jeden Nachmittag verbrachte ich an Patricks Krankenbett. Ich versuchte Ihm, Aufenthalt So erträglich wie möglich zu gestalten. Obgleich es sich für mich auch ein wenig wie Folter anfühlte, den Menschen den ich heimlich liebte So nah zu sein und ihm trotzdem so weit entfernt von mir zu wissen. Und trotzdem war ich glücklich. Jedes kleine Lächeln, jedes noch so kleine Strahlen in seinen Augen zeigte mir mal um mal das es richtig war so wie es ist. Wer braucht schon Liebe, wenn zwischen uns doch so viel mehr ist als es diese eine Wort je ausdrücken könnte. Und doch war es meine Liebe zu ihm, die mir dies immer wieder aufs neue klar machte.

Nach einer Woche erlebte ich die erste freudige Überraschung als ich ihn wieder besuchte. Er begrüßte mich wie immer freudig als ich sein Krankenzimmer betrat. Doch dieses Malbelag nicht in seinem Bett, sondern stand auf eine Krücke gelehnt neben der Tür. Der dicke weiße Gips war ab. Stattdessen trug er ein seltsames Plastikgestell um sein Bein. Auch wenn er noch etwas wackelig auf den Beinen stand, so konnte man ihm deutlich ansehen, dass diese kleine Verbesserung doch etwas Positives für ihn hatte. Zumindest musste er sich nicht mehr täglich von irgendeiner wildfremden Personan seinen intimsten Teilen waschen lassen. In der ganzen Zeit, die ich mit ihm verbrachte hat er noch nicht so zufrieden ausgesehen. Ich freue mich so unendlich für ihn, auch wenn ich zugeben musste, dass ich etwas beleidigt war, bisher nie so ein strahlen bei ihm auslösen zu können. Und als wir dann zusammen in den kleinen Park vor dem Krankenhaus eine kurze Runde drehten, staunte ich nicht schlecht, als ich sah wie sehr sich ein Mensch Über ein wenig frische Luft freuen konnte.

In der Schule lief alles wie gehabt. Auch Vanessa redete mittlerweile wieder das ein oder andere Wort mit mir. Meist zwar nur Belanglosigkeiten, aber zumindest warf sie mir keine weiteren Beleidigungen an den Kopf. Mit Stefan verstand ich mich mittlerweile hervorragend. Er war sogar so etwas wie ein weiterer Freund von mir geworden, obgleich auch unsere Freundschaft bei weitem nicht zu tief reichte wie die mit Patrick. Kevins übrig gebliebene Lakaien zogen sich vollkommen zurück. Ihre Devise schien bloß nicht auffallen zu sein. Von dem ehemals so großkotzigen und aggressiven Gehabe war nicht die geringste Spur Mehr übrig.
Kevin war wie vom Erdboden verschluckt. Seit ich damals von seiner Suspendierung erfahren habe, habe ich wieder etwas von ihm gehört Noch ist er mir über den Weg gelaufen. Und das mag auch in der Kleinstadt beziehungsweise auf dem Dorf schon was heißen. Es war eigentlich quasi unumgänglich ihn irgendwo Mal zu treffen. Doch Fehlanzeige. Er war und blieb verschwunden. Nicht dass ich ihn vermisst hätte, etwas seltsam kam es mir trotzdem vor. Er hatte sich so große Mühe gegeben mir das Leben zur Hölle zu machen. Und das sollte er jetzt einfach wie aus dem Nichts aufgeben? So sehr ich auch hoffte, dass ich ihn nie wieder sehen würde, So wenig glaubte ich letztendlich daran. Und schließlich kannte ich ihn gut genug um zu wissen, dass er nicht der Typ dazu war etwas dass er begonnen hatte so einfach aufzugeben. Er war mehr wie eine tickende Zeitbombe, die nur darauf wartete bis der Countdown ablief. Ich blieb also auf der Hut. Ich wollte nicht riskieren, dass er mich oder noch schlimmer, dass er Patrick irgendwann doch In die Finger bekommen würde.

Eine weitere Woche Verging. Patrick blühte immer mehr auf. Ich genoss unsere täglichen Spaziergänge im Park mindestens genauso sehr wie er. Mittlerweile war es sogar recht fit auf seinem Krücken. Ich musste nicht mal mehr sehr viel langsamer laufen, damit er mit mir Schritt halten konnte. Trotz dieser nicht ganz unerheblichen beeinträchtigung war er schon ganz schön flott auf den Beinen. Dennoch konnte er es kaum erwarten, bis das verdammte Plastikgestell, dass noch immer fest an seinem Bein fixiert war endlich abkam. Zumindest seinen Arm konnte er wieder frei bewegen. Nur ein lockerer Verband war noch um ihn gewickelt. Unsere Freundschaft vertiefte sich auch zusehends mit jedem Tag etwas mehr. Wir konnten uns fast schon blind verstehen. Wussten genau, Wie der andere so tickt. Doch das ganze hatte auch einen gravierenden Nachteil. So langsam merkte er, dass mich etwas Die ganze Zeit über beschäftigte. Im Moment konnte ich seine Neugierde noch mit fadenscheinigen Ausreden beschwichtigen. Aber mir war klar, dass ich ihm die Wahrheit nicht ewig verschweigen konnte. Das hatte ich auch nicht vor. Wie ich es ihm sagen sollte, war mir auch noch nicht so ganz klar. Zumindest wollte ich, dass er der erste wird vor dem ich mich oute. Die andere Kleinigkeit würde ich aber dann doch besser für mich behalten.

Das Schuljahr war fast um. Das hieß, dass fast keiner unserer Lehrer mehr normalen Unterricht anhielt. Bis auf die gute alte Frau Weigl natürlich. Meistens standen irgendwelche totlangweiligen Filme von neunzehnhundertweißichnichtwann auf der Tagesordnung. Es war schon eine Kunst für sich da nicht augenblicklich in einen Tiefschlaf zu verfallen. Und als ich glaubte, dass man Die alten Schinken an Langweiligkeit nicht mehr übertreffen konnte, kündigte unser Klassenlehrer eine Exkursionen ins Naturkundemuseum an. Ganz toll. Wenn ich irgendwelche Überbleibsel als längst vergessenen Zeiten anglotzen wollte, hätte ich auch genauso gut meine Großmutter im Altenheim besuchen können. Die Hälfte der dortigen Bewohner ist mindestens genauso tot wie die aufgestellten Exponate im Museum. Und so verging wieder eine Woche mehr. Nur noch eine und dann würde Patrick endlich aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Drei Wochen hatte ich es geschafft Patrick jeden Tag zu sehn und dabei auch noch seiner Mutter aus dem Weg zu gehen. Zwar war es das ein oder andere mal sehr knapp gewesen, doch ich schaffte es immer irgendwie unter ihrem Mamaradar abzutauchen. Nur noch ein paar Tage hatte ich dieses ständige Katz und Maus Spiel aushalten müssen, doch das Schicksal hatte andere Pläne mit mir. Und so kam es, dass sie an einem Tag vollkommen unangekündigt und für meine Begriffe viel zu früh ins Krankenhaus kam und uns beide quasi auf frischer Tat ertappte. Wie zu erwarten keifte diese natürlich sofort los und warf mir die ein oder andere Beschimpfung an den Kopf. Von wegen ich würde ihren Sohn verderben und schlechter Umgang und schuld am Untergang des römischen Reiches war ich selbstverständlich auch noch. Doch Patrick stellte sich entschlossen vor mich und verteidigte mich mit allem was er hatte. Ganz zum Entsetzen seiner Mamasaurusmutter versteht sich. Ich hingegen war schon fast etwas gerührt das er sich so für mich einsetzte. Noch vor ein paar Monaten hätte er nicht mal im Traum daran gedacht sich gegen seine eigene Mutter zu stellen. Ich konnte mir ehrlich gesagt nicht erklären, wo er auf einmal die Eier für So eine Aktion herbekommen hatte. Ihr Blick verriet eindeutig, dass sie wohl etwas ähnliches gedacht haben musste. Und auch wenn es ihr sichtlich schwer fiel zu akzeptieren, dass ihr kleiner Engel nun doch schon alt genug war seine Freunde selbst aussuchen zu können, so hatte sie schließlich doch ein einsehen. Begeisterung sah zwar anders aus und ich war mir sicher, dass sie mich an liebsten immer noch mit Fackeln und Mistgabeln bewaffnet davon gejagt hatte, doch es reichte mir fürs erste aus wenn ich einfach nur von ihr toleriert würde. Und Wer weiß, vielleicht würde sie mich ja irgendwann wieder wie einen normalen Menschen behandeln.

Bei mir Zuhause war auch wieder alles beim alten. Mein Stiefvater bemühte sich nach Kräften seine Ausbrüche besser zu kontrollieren, was ich ihm noch anrechne. Doch sein bester Freund, Herr Kulmbacher Edelherb, ließen ihn dann doch ab und an in alte Muster verfallen. Und so gerieten wir doch das ein oder andere mal wieder aneinander. Aber so eskaliert wie damals ist es bisher zum Glück nicht mehr. Dennoch wusste ich genau, dass es früher oder später wieder einmal so weit kommen würde. Wir konnten eben nicht so einfach aus unserer Haut. Er war ein verbitterter alter Säufer und ich ein unverbesserlicher Sturkopf. Meine Mutter tat das was sie immer tat. Nämlich nichts. Wenn sie nicht gerade auf Arbeit war, saß Sie auf ihren Sofa, stopfte Unmengen an Chips in sich rein und trank dazu einen Apperol Spritz nach dem anderen. Wenn ich mich wieder mal mit meinem Stiefvater stritt, drehte die nur ihre Telenovelas lauter um nur nichts mit zu bekommen.

Ein großes rotes X markierte den heutigen Tag auf dem Kalender in meinem Zimmer. Es markierte nicht etwa den Ferienbeginn, denn für diesen hatte ich einen Kreis gewählt, sondern den Tag an dem Patrick endlich aus dem Krankenhaus entlassen werden würde. Schon sehr früh am Morgen, noch bevor mein Wecker Die Chance gehabt hätte mich aus dem Schlaf zu reißen, war ich voller Vorfreude aus meinem Bett gesprungen. Wäre in der Schule nicht noch Anwesenheitspflicht, hätte ich vermutlich sogar in Patricks Garten campiert. Doch so musste ich die sechs Stunden Proformaunterricht noch hinter mich bringen bis ich meinen Freund nach schier endlos erscheinenden Wochen endlich wieder außerhalb des Krankenhauses sehen konnte. Hibbelig wie ein Adhs Patient verbrachte ich die Stunden auf meinem Stuhl inmitten des Klassenzimmers. Ich verfolgte den sich stetig etwas weiter bewegenden Minutenzeiger der Uhr wie ein Jäger der seine Beute anvisierte und nur auf den richtigen Moment wartete den Abzug zu betätigen. Als der kleine Zeiger hinter der zwölf und der Große auf der acht stand, sprang ich auf und rannte förmlich zum Bus. Das dieser, egal wie sehr ich mich beeilen würde auch nicht früher kommen würde, hielt mich in diesem Moment auch nicht davon ab. Fast wäre ich noch selbst die steilen Treppen zu Haltestelle hinunter gestürzt, kinntemuch aber in letzter Sekunde nich am Geländer festhalten. Nach einer halben Stunde kam Der Bus in unserem kleinen Ort an. Ich wartete die Türen hinaus und lief so schnell ich konnte zu dem Haus in dem Patrick wohnte. Doch die Einfahrt war noch leer. Enttäuscht ließ ich mich auf dem Bordstein vor dem Haus nieder. Da drang plötzlich eine Stimme von hinten an mein Ohr.
„Willst hier draußen Wurzeln schlagen oder kommst du mit rein…
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Zuri » 14 Jul 2019, 22:25

So, jetzt hab ich endlich mal die erste Seite geschafft. So, mal mein Fazit zu den bisherigen Kapiteln:

Erst war ich mir nicht ganz sicher, ob die Geschichte authentisch-professionell oder eher amateurhaft ist. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass sich die Qualität gesteigert hat, auch wenn Rechtschreibung und Interpunktion beim Lesen doch immer noch hin und wieder für Verwirrung sorgen. Schön finde ich auch die sich langsam aufbauende Handlungskurve und das Einführen einzrlner Charaktere und bin gespannt, wie diese sich im Verlauf der Geschichte jeder für sich entwickeln.

Kann es sein, dass Felix mit einem aus der Clique was hatte und durch den erwähnten zurückliegenden Vorfall und dadurch, dass die Clique homophob ist, nichts aus den beiden wurde? Die anderen mobben ihn vielleicht, weil sie zwar nicht wissen, was vorgefallen ist, aber sich ihren Teil denken.
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 14 Jul 2019, 23:45

Vielen Dank erst fürs Feedback Zuri, schön dass ich dich nur die Geschichte noch gewinnen könnte.

Thema Rechtschreibung und Interpunktion. Ja kann ich dir leider nur zustimmen. Und die automatische Texterkennung gibt da oft noch ihr übriges dazu. Ich selbst überlese dann leider auch noch die meisten Fehler und schon ist das Chaos perfekt. Vielleicht mach ich mir ja noch die Arbeit und geh alles nochmal durch. Gibt eh, vor allem am Anfang viele stellen Die man besser hätte schreiben können.

Aber zurück zu aktuellem. Leider neigt sich das Projekt ja schon dem Ende. Und hier kommt eines der Kapitel bei denen ich an manchen Stellen Tränen in den Augen hatte. Man erfährt auch wieder das ein oder andere.
Bin mir ziemlich sicher, dass du eine derer sein wirst, Die aus dem neuesten Kapitel die paar Informationen zur Vergangenheit richtig rauslesen und interpretieren kann.

Ansonsten wünsch ich die und natürlich auch allen anderen viel Spaß mit den restlichen 5 Kapiteln.
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 14 Jul 2019, 23:51

45. Kontrolle

„…nun setz ich meine Erfährt fort und wollt mir doch das Leben nehmen…“ Freudestrahlend drehte ich mich um. Da Stand er am Fenster. Mein Engel. Meine heimliche Liebe. Mein bester Freund. Und vielleicht mein Untergang. Es war nur ein kurzer Bewegung, eine schnelle Muskelkontraktion, instinktiv und ohne Bewusstsein ausgeführt, die mir den wohl schönsten Anblick der Welt bescherte. Nach langem Wochen des Wartens, nach unzähligen Stunden die wir gemeinsam eingesperrt in das triste schmutzige Weiß des Krankenhauses verbrachten, hatte ich ihn endlich wieder ganz nah bei mir. In Freiheit. Ich wollte aufspringen, laufen, rennen, ihn fest in meine Arme schließen und ihn nie mehr loslassen. Doch ich musste die Kontrolle behalten, den Schein wahren, mir selbst wieder und wieder klar machen, dass es nie mehr als Freundschaft zwischen uns geben wird. Auch wenn es weh Tat, dass ich ihm nie meine Liebe gestehn könnte. Es war das Beste. Ich wollte ihn niemals wieder verlieren.

Mit pochenden Herzen stand ich auf. Durchatmen. Ruhe bewahren. Cool bleiben. Aber auch nicht zu sehr. Ich wollte nicht künstlich wirken, nicht zu unterkühlt. Er wusste wie sehr ich mich auf diesen Tag freute. Also musste ich Freude zeigen. Freude, wie man Die empfand wenn der beste Freund aus dem Krankenhaus zurück ist. Aber nicht zu viel. Nicht so wie Ehefrauen, die ihren geliebten nach einem langen Kriegseinsatz wieder in die Arme schlossen zeigten. Auch wenn ich gerade ähnliches Empfand. Selbstkontrolle war das Schlüsselwort. Ich war doch ein guter Schauspieler, dachte ich zumindest immer. Das musste doch zu schaffen sein. Durchatmen. Umdrehen. Freude zeigen. Zu ihm gehen. Innerlich ging ich noch einmal jede Gestik, jede Mimik, jede Bewegung die ich jetzt machen würde durch. Passt. So kann es ablaufen. Was sich anhört wie minutenlange Denkprozesse geschah in Wirklichkeit in Sekundenbruchteilen. Ablauf befolgen. Es musste perfekt werden. Schritt eins, durchatmen, Check. Schritt zwei, umdrehen, freudig Lächeln, nur nicht zu sehr, Rechte Hand zum Gruß heben, Check. Schritt drei, mit ruhigen sicheren Schritten…
„Halt verdammt, ruhig und sicher war der Plan…“, schrie mir mein Gehirn zu als ich begann zur Haustüre zu rennen. So viel zum Thema Selbstkontrolle.

Als ich die wenigen Meter von Gartentor zur Haustüre hinter mich gebracht hatte, stand Patrick auch schon in der Türe. Seine grünen Augen funkelten in den verschiedensten Nuancen. Außen in einem zarten Mintgrün und nach innen hin immer dunkler werden bis hin in ein tiefes Saphirgrün. Seine Haut hatte ein wenig an Farbe verloren. Kein Wunder wenn jemand über längere Zeit den dreiviertlen Tag in einem Zimmer liegt in dem die Hauptlichtquelle eine kaktweise Neonröhre an der Decke ist. Dem Krankenhausfraß war es auch geschuldet das seine Gesichtszüge noch stärker zum Vorschein kamen. Seine sowieso schon schlanke Figur wirkte durch die verlorenen Pfunde nur noch zierlicher, noch zerbrechlicher. Sein dunkelblondes strubbeliges Haar reflektierte die eintreffenden Sonnenstrahlen. Er trug sein Lieblingsshirt, ein weißes von „Atticus“ mit einem schwarzen toten Vogel darauf. Die schwarze Slim Fit Hose hing ihn fast bis zu den Kniekehle. Das komische Plastikteil musste er auch nicht mehr tragen. Nur eine kleine Narbe an der Stirn durchbrach die absolute Makellosigkeit seines wunderschönen Gesichtes. Ich kämpfte stark mit mir ihn nicht sofort in den Arm zu nehmen und ihn leidenschaftlich zu küssen. Es wäre sicher so schön mit ihm, Ich würde für ihn sogar meine Angst davor überwinden. Wäre es noch vor ein paar Wochen gewesen, Ich hatte jeden dieser Gedanken sofort im Keim erstickt. Doch jetzt fühlte ich mich frei. Wieso sollte ich also meine Gedanken weiter wegsperren. Es reichte doch schon, dass ich ihm in diesen Moment nicht sagen könnte was ich empfand. Schlagartig legte sich meine überschwängliche Euphorie wieder ein klein wenig.

„Siehst gut aus“, sagte ich schließlich um die Stille, Die uns beide umgab zu durchbrechen.
„Danke. Ich fühl mich auch viel besser. Endlich wieder draußen aus diesem verdammten Gefängnis.“
„Schön, dass du wieder da bist Patrick.“
„Find ich auch. Komm, lass uns rein gehen. Du weißt ja wo mein Zimmer ist, Ich hol uns noch schnell was zu trinken.“ Ich ging hinter ihm her ins Haus und ließ die Tür ins Schloss fallen. Patrick lief in die Küche, Ich die Treppe hoch in sein Zimmer. Es war sauber und ordentlich. Bei Patrick war es fast immer ordentlich. Das Bettzeug lag sauber zusammengefaltet auf den großen Bett. Seine Bücher ordentlich aneinander gereiht im weißen Bücherregal. Nicht ein benutztes Kleidungsstück lag auf dem Boden herum. Der Schreibtisch war eine Oase der Ordentlichkeit. Selbst seine Playstationspiele waren allesamt sauber an ihrem Platz verstaut. Die Konsole lief noch. Auf dem Bildschirm flackerte das Pausenmenü von „Devil May Cry 4“. In der ganzen Ordnung viel es mir umso mehr auf das etwas zusammengeknüllt unter einem Kissen des Sofas lag.

Ich holte den roten Stofffetzen hervor und staunte nicht schlecht als ich realisierte was und vor allem von wem es war. Wie sollte man auch etwas nicht erkennen, was einem letztendlich selbst gehörte. Auf dem Bund war groß der Schriftzug „Bench.“ Zu lesen. Größe M. Mir schon fast etwas zu klein. Ihm wahrscheinlich zu weit. Allem Anschein nach, hatte er ihn trotzdem erst kürzlich getragen, den Slip den ich ihn damals als er sturzbetrunken bei mir übernachtete gab. Die Front war nicht glatt, so wie bei frischer Wäsche. Stattdessen könnte man deutlich die Ausbuchtung, Die sein bestes Stück hinterlassen hatte sehn. Ich wusste nicht, was mich da geritten hatte, doch ich konnte nicht anders und musste daran riechen. Der Geruch von Schweiß stieg in meine Nasenlöcher. Gepaart mit diesem typischen Schwanzgeruch. Ein Geruch, der sich so schwer beschreiben lässt, den man aber doch immer wieder sofort wahrnehmen könnte. Ich hatte ihn bisher erst einmal aus nächster Nähe gerochen, doch diesen speziellen Geruch würde ich unter tausenden wieder erkennen. Ich schaute mir die Unterhose wieder an. Drehte die in meinem Händen. Plötzlich spürte ich etwas schleimiges an meinen Händen. Verwundert blickte ich nach unten. Ich erkannte sofort was es war. Ich zog Daumen und Zeigefinger auseinander. Zwischen den Fingern bildete sich ein dünner Fäden, welcher immer dünner würde, je weiter ich meine Finger voneinander entfernte. Schließlich riss der dünne Spermafaden. Ich fragte mich, warum in aller Welt er in meinem Slip wuchsen würde. Überhaupt warum er ihn überhaupt noch trug. Wieder starrte ich seinen Saft in meinem Fingern an. rgendwie stieg die Lust in mir hoch meine Finger abzulenken. Ihn zu probieren, Patrick zu schmecken. In diesem Moment hörte ich sanfte Schritte kurz vor der Tür. Eilig wischte ich den Samen in den Slip und stopfte ihn wieder dahin wo ich ihn her hatte.

„Sorry, hat etwas länger gedauert,“ sagte Patrick kurz als er die Tür betrat.
„Macht nix, hab’s mir schonmal bequem gemacht.“
„Es tut einfach so gut wieder zu Hause zu sein“, fuhr er fort, „kannst dir gar nicht vorstellen wie sehr ich mich darauf gefreut hab endlich Heim zukommen. Es war so scheiße trostlos den ganzen Tag in dem scheiß Krankenhaus. Jeden Tag immer nur die selbe Leier.“
„Kann ich mir gut vorstellen.“
„Und es war so dermaßen erniedrigend sich ständig von fremden Menschen am Sack einmummeln zu lassen. Ich will nie wieder in den Laden müssen.“
„Komm schon, Ich hab doch gesehen wie es dir gefallen hat als dir Schwester Natascha den Schwanz geschrubbt hat“, scherzte ich. Sein Kopf fing augenblicklich wieder zu leuchten an wie eine Tomate.
„Da kann ich nix für“, murmelte er, „das war eine natürliche Reaktion“.
„Ja klar, red dir das nur weiter ein!“ Ich konnte nicht mehr an mich halten als er mich mit einer Mischung aus Wut, Schüchternheit und Belustigung anstarrte. Ohne auch nur ansatzweise auf seine Gefühle zu achten lachte ich laut los. Die Reaktion darauf folgte auf dem Fuß. Mit voller Wucht bekam ich eines der Sofakissen ins Gesicht geschleudert. Unvorbereitet wie ich war fiel ich rückwärts um.

„Na warte, dass kriegst du zurück!“, rief ich und sprang auf ihn los. Mit der einen Hand griff ich nach seiner Schulter und drückte ihn auf den Rücken. Mit der anderen hielt ich seinen Arm fest. Ich kneten auf im drauf. Er könnte sich nicht wehren. So sehr er sich auch bemühte, Er schaffte es nicht mich von sich runter zu werfen.
„Mal überlegen, wie könnten wir dich denn jetzt angemessen bestrafen. Vielleicht erst mal mit dem größten Nippelzwicker den du je erlebt hast?“ Ich grinste ihn verschlagen an, nahm meine Hand von seiner Schulter und führte diese stattdessen langsam in Richtung seiner Brustwarze.
„Aua mein Arm!“, rief er plötzlich. Ich erschrak. Das hatte ich komplett vergessen. Der war ja gerade erst verheilt und tat sicher noch weh. Und wehtun wollte ich ihn ganz sicher nicht. Reflexartig ließ ich von ihm ab und rutschte von ihm runter.
„Scheiße, sorry das wollt ich nicht….“, begann ich. Doch dann merkte ich, leider viel zu Spät, dass ich auf den selben Trick reingefallen war mit dem ich noch vor kurzem Jakob überlistete. Ich Vollidiot. Ohne Verwarnung war er aufgesprungen und versuchte nun selbst mich handlungsunfähig zu machen. Sein abruptes Manöver hatte zur Folge, dass ich das Gleichgewicht verlor und vom Sofa viel. Hart landete ich auf den Rücken, Patrick auf mich drauf.

Ich spürte seinen warmen Atem in meinem Gesicht. Seine Hände hatte er auf meine Schulter gelegt. Diese kleinen sanften Hände auf meinem Schultern übten keine Kraft aus. Sie holten mich nicht fest, drückten mich nicht wehrlos nach unten. Sie ruhten einfach nur dort. Er selbst saß auf meinem Bauch. Er schaute mich an. Nicht lüstern oder gierig. Er sah glücklich aus. Fröhlich. Gelöst. Ich schaute ihm tief in die Augen. Normalerweise wäre das der Moment in dem das Mädchen sich zum Jungen hinunter beugt und ihn küsst. Aber er war kein Mädchen. Er war ein Junge. Er war mein Freund. Einer der mit mir schon vieles erlebt…und überlebt hatte. Einer der fast immer zu mir gestanden hatte. Der mich aus der Dunkelheit gezogen hatten. Er war mein bester Freund. Selbstkontrolle. Bitte. Nur dieses mal nicht die Kontrolle verlieren. Ich presste meine Oberschenkel ein wenig zusammen. Ich spürte immer mehr, wie mir das Blut in den Schwanz floss. Ich musste unter allen Umständen verhindern, dass er es mitbekommt. Ich drückte meine Beine fester aneinander. Versuchte, meine aufkommende Erektion nach unten zu drücken. Mein Puls würde immer schneller. Ich konnte mein Herz deutlich in meiner Brust hämmern hören. Patrick schaute mir immer noch in die Augen. Er war leicht rot im Gesicht. Er musste etwas bemerkt haben. Verdammt. Ich betete, dass er es nicht gemerkt hatte. Und dass er möglichst schnell von mir runter steigen würde. Ich wusste noch, wie lange ich mein hartes Teil noch zwischen meinen Beinen fixieren könnte. Er schaut mich die ganze Zeit nur an. Ernst, nachdenklich, vielleicht sogar traurig. Als ob ihm irgendetwas beschäftigen würde. In mir wuchs eine Gewissheit. Er weiß es. Er musste es wissen, oder zumindest ahnen. Ich schämte mich so dafür es nicht einmal einen Tag zu schaffen mich unter Kontrolle zu halten. Ich drehte meinen Kopf zur Seite. Wollte seinen blicken entfliehen. Wollte der Situation entfliehen. Wenn doch nur mein Körper mitgespielt hätte. Es wäre ein leichtes für mich gewesen ihn von mir runter zu stoßen. Ich war so viel stärker als er. Körperlich zumindest. Doch ich konnte es nicht. Als ob mein Unterbewusstsein das Kommando übernommen hatte und befahl, jetzt oder nie. Bei ihm hatte ich mich gewehrt. Nach Kräften. Obwohl es sinnlos war. Und jetzt. Jetzt wollte sich ein Teil von mir nicht wehren.

„Patrick, bitte…“, Ich fing an zu stocken. Wusste nicht wie ich es ihm sagen sollte.
„Oh, sorry“, stieß er plötzlich wie aus einem Traum gerüttelt aus und sprang wie besessen von mir auf, „ich war wohl zu sehr in Gedanken. Muss wohl der Umgang mit dir sein.“ Dabei fing er wieder an zu Lächeln. Da war es wieder. Dieses unwiderstehliche Lächeln. Hatte ich mich getäuscht? Hatte er doch nichts gemerkt? Die Verwirrung in mir wuchs von Sekunde zu Sekunde an. Er setzte sich wieder auf sein Sofa. Auch ich stand auf. Meine Latte immer noch fest zwischen meine Schenkel gezwickt. Nackte Oma. Nackte Oma. Vorsichtig setzte ich mich zu ihm aufs Sofa. So langsam fing das Kopfkino zu wirken an. Erleichterung machte sich in mir breit als mein Schwellkörper so allmählich tatsächlich wieder in seinen Ruhezustand zurück ging. Eine seltsame Stille nahm den Raum nun vollkommen für sich ein. Ich wusste nicht was ich jetzt tun sollte. Welcher Schritt jetzt der richtige sein würde. Vielleicht sollte ich es Ihm einfach sagen, nur drei kurze Worte, nur ein Satz und es wäre raus. Und die Stimmung entweder komplett im Arsch oder vielleicht wäre es ja auch eine Erleichterung, eine Entlastung.

„Patrick ich bin…“, weiter kam ich nicht als Patrick mir erneut ins Wort viel.
„Hast du Lust auf Pizza? Ich hab nen Bärenhunger. Wäre Salami in Ordnung? Ich bestell uns eine!“ Er sprach ohne Punkt und Komma, sprang auf und lief aus dem Zimmer ohne mir auch nur ansatzweise die Gelegenheit zu geben ihm zu sagen, was ich auf dem Herzen hatte. Ich war einfach nur noch sprachlos. Schon wieder. Es kam mir fast so vor, als würde Patrick versuchen mir aus irgend einen Grund auszuweichen. Hat er etwas gemerkt? Ahnt er etwas und will er mir deshalb lieber aus dem Weg gehen. Könnte er vielleicht nicht damit umgehen? Ich fühlte mich mit einem mal traurig. Der Gedanke, dass er mich wegen meiner Sexualität ablehnen könnte tat einfach nur weh. Es war bestimmt besser wenn ich jetzt einfach gehen würde. Den Tag hatte ich mir dann doch ganz anders vorgestellt. Traurig stand ich von Sofa auf. Es hatte wohl nicht sein sollen. Ich hätte mir ja auch denken können, dass es nicht ewig so weiter gehen kann. Letzten Endes war es mir wohl nicht vergönnt ein glückliches Leben führen zu können. Und schuld daran war wieder einmal nur ich. Wieso musste ich nur unbedingt schwul werden. Schlimmer noch. Warum musste ich mich in meinen besten Freund verlieben. Ich starrte noch einmal auf den Platz auf dem Patrick gerade noch gesessen hatte und seufzte.

Mit leerem Blick ging ich zu Patricks Zimmertür hinaus. So leise wie nur möglich schlich ich die Treppe hinunter, vorbei an Bildern von ihm und seiner glücklichen Familie. Ich lief weiter und betrat die kleine Garderobe. Sah in den Spiegel an der Wand. Sah mich an. Sah wie mein Spiegelbild mich verhöhnte. Spottend blickte ich mich selbst an und dachte mir nur: „Du naiver Vollidiot“. Am liebsten hätte ich den Spiegel in tausende kleine Einzelteile zerschlagen. Doch das hätte Patrick am Ende nur wieder Ärger eingebracht. Ja, Ich liebte ihn. Und es ist schon weh genug in so abweisend zu erleben. Ich wollte es nicht noch schlimmer machen. Innerlich verabschiedete ich mich noch einmal von ihm. Schweren Herzens nahm ich die Türklinke in die Hand. Tränen standen mir in den Augen. Es tat einfach nur so sehr weh. Ich spürte, wie mir das Wärme salzige Wasser die Wangen hinunter lief. Meine Brust schnürte sich langsam zu. Langsam senkte sich meine Hand und betätigte die Klinke. Das Geräusch, als der Riegel sich aus dem Türrahmen schob, ließ meine Tränen nur noch schneller laufen.

„Bitte geh nicht Felix. Es tut mir Leid wenn ich dich gerade so überrumpelt hab“, hörte ich Patrick hinter mir rufen.
„Bitte mach es nicht noch schwerer Patrick“, gab Ich unter Tränen zurück. Ich wollte einfach weiter laufen doch da spürte ich Patricks zarte Hand wie sie sich um mein Handgelenk legte. Ich drehte mich um und sah, dass auch Patrick weinte. Ich wurde etwas wütend, vielleicht war es auch Verzweiflung.
„Bitte Felix. Es ist doch auch für mich nicht leicht. Ich komm da einfach noch nicht so damit klar. Es ist alles so….so seltsam!“ Ich würde jetzt richtig wütend. Hatte ich da gerade richtig gehört?
„Du kommst nicht damit klar?“, schrie ich ihm an, „Du findest es schwer. Kannst du die verdammt nochmal überhaupt vorstellen wie es mir damit geht? Denkst du ich hab mir das ausgesucht?“ Patrick ging nun an zu schluchzen. Ich wollte ihn wirklich nicht so anschreien. Aber meine Gefühle gingen einfach mit mir durch.
„Aber Felix…!“
„Scheiße nichts aber Patrick. Wenn ich es könnte würde ich es sofort ändern. Es kotzt mich mindestens genauso an. Aber es geht leider nicht.“
„Bitte Felix hör einfach auf,“ schrie er mich jetzt mit tränenunterlaufenen Augen an. Er könnte mir nicht mehr in die Augen schauen. Stattdessen richtete er seinen Blick auf den Boden. Ich hatte mich mittlerweile wieder etwas gefasst. Ich war nur noch wütend. Und ich war enttäuscht.

„Ich bin nun mal schwul Patrick. Vielleicht kannst du es ja irgendwann akzeptieren.“ Mit diesen Worten drehte ich mich um. Ich wollte nur noch Weg bevor ich wieder Die Kontrolle über mich verlieren würde. Einfach nach Hause und mich so richtig volllaufen lassen. Doch ich kam nicht mal durch die Türe. Ich weiß nicht Woher er auf einmal diese Kraft nahm. Denn anstatt von der Tür weg zu kommen, wurde ich zurück gezogen und gegen die Haustür gedrückt. Ich blickte in zwei große grün leuchtende Augen. Sie waren noch feucht von den vielen Tränen. Aber sie sahen nicht mehr traurig aus. Im Gegenteil. Man könnte ganz deutlich…Freude in ihnen erkennen. Und was mich noch viel mehr verwirrte, Er hatte ein Lächeln auf den Lippen. Sein Lächeln, dieses eine, dass mich magisch in seinen Bann zog.
„Du bist echt der größte Idiot dem ich je begegnet bin“, flüsterte er ehe er seine Augen Schloss und sanft seine Lippen auf meine legte…
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Zuri » 15 Jul 2019, 00:04

Was die Rechtschreibprüfung und so angeht, kann ich dir das hier ans Herz legen:
https://languagetool.org/

Das nimmt mir auch ein bisschen Arbeit ab. Ist in etwa so gut wie gramarly, kann aber such Deutsch.

Ansonsten nimmt du dir vielleicht noch einen Editor, der vor Veröffentlichung noch einmal mit drauf schaut ;-)
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 15 Jul 2019, 00:55

Na endlich :D da hatte ich auch Tränen in den Augen :oops:
Jetzt ist alles schön und toll und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr lebensende.


Ach ne da kommen ja noch ein paar Kapitel. :x jetzt trau ich mich fast nicht mehr weiter zu schreiben.
Da es förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 15 Jul 2019, 15:36

Noch 4...

46. Happy End

„…das Schicksal hat mich angelacht, Und mir ein Geschenk gemacht, warf mich auf einen warmen Stern…“ Für mich ging gerade ein Traum in Erfüllung. Ein Traum, den ich schon so lange tief in meinem innersten zu verbergen versuchte. Der nun mit einem mal aus mir heraus brach und alle Ängste, alle Zweifel auf einen einzigen Schlag beseitigte. Diese Sehnsucht, die ich stehts tief in mir verbarg, Sie unterdrückte und nicht wagte sie zuzulassen brach unvermittelt bei der Berührung seiner weichen Lippen aus mir heraus. Alles was ich jemals wollte, alles wovon ich träumte aber nie auch nur zu erhoffen wagte, alles was ich so lange vor mir selbst verheimlichte würde in diesem Moment Realität. Ja, Ich war wirklich der größte Idiot auf diesen ganzen gottverdammten Planeten.

Seine eine Hand lag immer noch auf meiner Schulter während sich seine andere vorsichtig unter mein T-Shirt hin zu meinem Rücken schob. Mit sanften Druck schob er seinen Körper etwas Dichter an meinem heran. Er küsste mich immer noch. Zärtlich, leidenschaftlich. Auffordernd aber nicht fordernd. Ich schlang meine Arme um den Jungen. Sanft, zurückhaltend. Ich konnte ihn riechen. Er riechen, sein Deo, Sein Duschgel, Das Shampoo in seinem Haar. Es roch nach Menthol und nach ihm. Ein besonderer Duft den nur Jungs an sich hatten. Diese besondere Note, die nur er an sich hatte. Ich konnte ihn fühlen. Den zarten, definierten Oberkörper. Die straffe Brust, seine kleinen festen Brustwarzen. Die sanften Hände an meinem Rücken und an der Schulter. Und sein Schwanz, der sich regte und streckte und nur vom Jeansstoff in Zaum gehalten wurde und sich leicht pulsierend an meinen Oberschenkel drückte. Ich konnte ihn schmecken. Den Mix aus Kaugummi und Cola, der stark aber nicht aufdringlich auf seinen Lippen lag. Auf meinen Armen breitete sich eine Gänsehaut aus. Ich genoss diesen ersten Kuss von ihm, mit ihm in vollen Zügen. Am liebsten hätte ich ihn nie mehr los losgelassen. Der Moment war für mich einfach nur vollkommen.

Patrick öffnete langsam seine Augen. Sie waren noch immer leicht wässrig von den Tränen. Doch die strahlten. Sie strahlten in dem schönsten grün, dass ich je gesehen hatte. Ich blickte tief in die hinein, konnte mein Spiegelbild in seinen schwarzen Pupillen erkennen. Sah mein dümmliches aber zufriedenes Grinsen. Auch seine Mundwinkel zogen sich nach oben. An seinen Wangen bildeten sich kleine Grübchen ab. Er hatte sich immer noch fest an mich gedrückt. Bei jedem seiner Atemzüge spürte ich, Wie sich sein Brustkorb langsam hob und wieder senkte. Dann legte er seinen Kopf einfach auf meine Schulter. Die Tür stand immer noch offen. Jeder der am Haus vorbei lief hätte uns so zusammen sehen können. Doch es war uns egal. Jetzt, genau in diesem Augenblick, zählten nur wir. Irgendwann würden wir dann doch aus unserem tranceartigen Zustand gerissen als der silberne BMW von Patricks Eltern die gepflastert Garageneinfahrt hoch fuhr.

Mit einem mal erhob Patrick seinen Kopf von meiner Schulter. In seinem Blick könnte ich nur eines entdecken. Entschlossenheit. Mit hingegen war eher etwas mulmig zu mute. Patricks Mutter möchte mich sowieso schon nicht sonderlich. Für sie war ich der böse Bube drehten kleinen süßen Engel auf die dunkle Seite der Macht ziehen wollte. Und mit hundert prozentiger Sicherheit würde sie mir auch die Schuld an Patricks frisch entdeckter Homosexualität geben. Ich schaute zu Patrick, unsicher ob ich es denn selbst überhaupt wollte. Doch er schüttelte nur mit dem Kopf als er merkte wie unwohl mir gerade war.
„Wir müssen das nicht tun wenn du es noch nicht willst“, sagte er leise zu mir.
„Deine Mutter wird mich hassen, soviel ist sicher.“
„Ich weiß, aber ich will endlich zu mir stehn. Aber allein schaff ich das nicht Felix.“ Ich blieb einen Augenblick lang stumm. Dann nahm ich seine Hand fest in meine. Leicht, fast schon unmerklich nickte ich ihm zu. Er lächelte wieder. Er hatte verstanden. Sollen sie mich doch hassen. Auch ich wollte mich nicht mehr verstecken müssen. Die Türen des Wagens gingen auf. Als erstes sahen wir seinen Vater. Er blickte kurz zu uns. Sah uns mit einem wissenden Blick an als wir so Hand in Hand in der Haustüre standen. Mit sicherem Schritt kam er auf und zu stellte sich kurz vor uns und schaute immer noch auf unsere ineinander verfangenen Hände. Er strich seinem Sohn liebevoll über den Kopf.

„Du weißt schon das deine Mutter gleich einen Anfall bekommen wird?“, fragte er mit leicht besorgten Blick.
„Meinst du sie wird sehr sauer sein Papa?“ Er schaute von Patrick zu mir und wieder zurück. Ein leises Seufzen schlich über seine Lippen.
„Na ja, begeistert wird sie nicht gerade sein vermute ich mal.“ Was sich bei Patricks Vater wie ein Worst Case Szenario anhörte, klang für mich eher wie der best mögliche Ausgang. Patrick hatte eine Augenbraue nach oben gezogen. Ein sicheres Indiz dafür, dass er wohl gerade etwas ähnliches gedacht haben musste. Zumindest seinen Vater hatten wir aber allen Anschein nach auf unserer Seite.
„Will mir vielleicht mal einer der Herren bei den Taschen helfen?“, rief seine Mutter aus der geöffneten Kofferraumklappe heraus.
„Na komm, sammeln wir nich schnell ein paar Bonuspunkte bei ihr. Vielleicht reißt sie dir dann nicht gleich die Eier ab“, scherzte Patrick.
„Sehr witzig“, gab Ich zurück und boxte ihn dabei leicht auf die Schulter.
Seine Mutter staunte nicht schlecht als wir beide bereitwillig dabei halfen die schweren Einkaufstüten ins Haus zu schleppen. Wobei wir in diesem Fall eindeutig übertrieben war. Ihr armer kleiner Junge musste sich ja noch schonen. Da konnte sich der verzogene Bengel ruhig nützlich machen. Und das tat ich auch ohne zu murren, auch wenn mir dabei die Arme fast vom Körper gebrochen wären. Nachdem dann auch die letzte Tüte in der Küche stand war ich ganz schön außer Atem.

„Was hat deine Mutter da eingekauft? Backsteine?“, flüsterte ich Patrick zu. Dieser konnte sich daraufhin ein Lachen nicht verbeißen.
„Es ist sicher schön das du wieder so gut drauf bist mein Schatz“, trällerte Patricks Mutter, „ich dachte schon ich seh meinen kleinen Engel nie mehr so fröhlich.“
„Mom bitte“, unterbrach sie Patrick vorsichtig. Man merkte, dass er die unter keinen Umständen verärgern wollte.
„Was? Ist die deine alte Mutter etwa peinlich? Na egal. Ihr könnt noch etwas spielen gehen. Ich koch uns was schönes zum Abendessen. Du bist ja eh So dünn geworden.“ Sie drehte sich kurz zu mir, musterte mich von oben bis unten und drehte sich dann gleich wieder von mir Weg.
„Er kann natürlich auch bleiben wenn er will“, sagte sie schließlich in einem weit unfreundlicherem Tonfall. Patrick schaute mich an und dann hilfesuchend zu seinem Vater,der gerade am Tresen in der Küche saß und sich ein Bier genehmigte.
„Du Mama.. “, begann er plötzlich. Herr Sommer hatte gerade noch Zeit heftig mit dem Kopf zu schütteln bevor Patrick seinen Satz beendete.
„Was ist Liebling?“ Sein Vater wedelte weiterhin wie wild vor seinem Hals herum.
„Ich…wollte nur sagen, dass ich dich lieb hab!“
„Oh komm her und nimm deine Mama mal in den Arm.“ Etwas peinlich berührt ging Patrick auf seine Mutter zu und nahm sie fest in den Arm. Situation gerettet. Sein Vater formte etwas mit seinen Lippen. Ich meinte, ein Stummes »noch nicht« erkannt zu haben. Seine Mutter ließ ihn wieder los und wir gingen zurück in sein Zimmer.
Oben angekommen ließ sich Patrick rücklings auf sein Bett fallen. Er wirkte immer noch etwas angespannt. Die größte Hürde stand uns ja noch bevor.

„Echt cool wie es dein Dad aufgenommen hat.“
„Ja bei meinem Vater hab ich mir da auch überhaupt keine Gedanken gemacht.“
„Seit wann weißt du es eigentlich?“, fragte ich ihn leise.
„Ich denke seit ein paar Wochen. Als wir zusammen in der Ruine waren. Ich weiß selbst nicht genau in ich jetzt wirklich auf Jungs steh. Es fühlt sich nur immer so seltsam an wenn ich mit dir zusammen bin. So ein Gefühl hatte ich noch nie. Und auch sonst hab ich es nur bei dir. Ich hab mich dafür geschämt. Ich wollte dir davon erzählen, hab’s mich aber nie so ganz getraut. Ich habe mir dann versucht in einer Nachricht zu gestehn, verschlüsselt. So das du mehr oder weniger selbst drauf kommen müsstest. Hab die aber dann irgendwie verloren.“ Nachricht? Verschlüsselt? Mir ging ein Licht auf. Das war es, was ich die ganze Zeit So seltsam an dem Brief fand.
„Was ist, wenn es gar keine Liebe ist und du gar nicht schwul bist? Hast du daran schonmal gedacht?“
„Klar. Das frag ich mich ehrlich gesagt ständig. Aber weist du, seit meinem Unfall ist mir eins klar geworden. Wenn ich mich einfach feige versteck werd ich nie heraus finden was ich wirklich fühle. Aber in Moment fühlt es sich nur gut an. Und ich könnte mir keinen besseren ersten Freund wie dich vorstellen.“ Ich schwieg. War es denn wirklich so einfach? Hatte er Recht damit, alles erst mal auf sich zukommen zu lassen? Einfach mit dem Strom schwimmen und schauen an welches Ufer es ihn verschlägt?

„Wie ist es bei dir?“, fragte er schließlich.
„Ich weiß nicht genau. Quatsch. Wenn ich ehrlich sein soll….“ Ich wusste nicht wie ich es beschreiben sollte.
„Ich spüre es einfach. Es ist So schwer zu beschreiben. Weißt du noch als wir zusammen aufs Pornoheftchen gewichst haben?“
„Klar, Da waren wir zwölf oder so.“
„Da hab ich zum ersten mal gemerkt das irgendwas mit mir nicht stimmt, das es so nicht sein kann. So als ob irgendwas in mir einfach nicht wollte. Ich habs aber verdrängt weißt du. Ich wollte normal sein, sowie jeder andre.“
„Aber du hattest doch auch schon Freundinnen?“
„Ich dachte einfach es geht vorbei. Aber egal mit wem ich zusammen war, es hat sich immer falsch angefühlt. Letztendlich bin ich anscheinend schon immer schwul.“
„Wolltest es aber nicht wahr haben.“ Ich nickte ihm zu.
„Und ich hab mich jetzt auch nie schwul gefühlt. Ich steh weder auf rosa noch intressiert mich der ganze andre weiberkram. Ich ganz jetzt auch nicht irgendwelchen Typen hinterher und frnkbmir Mensch ist der heiß. Ich bin halt auch nicht so wie man sich ne Schwuchtel so vorstellt.“
„Vielleicht ist es ja auch nur so ne Phase?“, warf Patrick schließlich ein.
„Hab ich auch gedacht. Aber dann mit dir gerade. Es hat sich zum ersten mal richtig angefühlt.“
Patrick sagte nichts mehr. Er schaute mich nur tief in seine eigenen Gedanken versunken an.
„Selbst wenn ich an Ende doch nicht schwul sein sollte, du wirst immer mein bester Freund bleiben.“
„Danke Patrick. Das du so offen zu mir bist. Du bist echt der beste.“ Das war schon alles viel mehr als ich mir je erhofft hatte. Ich war nun komplett vor ihm geoutet. Und er? Vielleicht war er schwul vielleicht auch nicht. Es kümmerte mich nicht mehr. Er war mein Freund und wird es immer bleiben.

„Jungs, kommt runter es gibt essen“, rief seine Mutter von unten die Treppe hinauf.
„Willst du es ihr immer noch sagen?“, fragte ich ihn.
„Ja, stand jetzt bin ich schwul und mit dir zusammen. Sie soll es ruhig wissen. Egal ob es ihr passt oder nicht!“ Er stand auf und lief mit großen Schritten zur Tür. Doch diesmal war ich es, der ihn festhielt. Ich zog ihn wieder näher an mich heran. Mein Gesicht bewegte sich auf seines zu. Er schloss die Augen. Meine Lippen landeten auf seinen. Wieder dieses angenehme elektrisierende Gefühl. Nur ein kurzer Kuss, dann ließ ich wieder von ihm ab.
„Ich bin für dich da Patrick…Ich liebe dich!“ Er starrte mich einen Sekunde an, dann lächelte er.
„Und ich Liebe dich“, sagte er ohne auch nur den Hauch eines Zweifels daran aufkommen zu lassen, dass er es auch wirklich so meinte. Wieder trafen sich unsere Lippen. Dann nahm ich seine Hand und wir gingen gemeinsam hinunter in die Küche…
Das Leben ist keine Keksfabrik

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 22 Jul 2019, 14:53

Noch 3...

Und endlich wird über einiges aufgeklärt...

47. Krank

„…damals, morgen, jetzt, keine Macht kann größer sein als die des Schicksals…“ Ich lief alleine die menschenleere Straße entlang. Ich genoss diese Ruhe in den dunklen Abendstunden. Sie half mir klar zu denken, runter zu kommen und mich neu zu sortieren. So vieles war in den letzten Tagen geschehen. Und eigentlich ging mir alles doch etwas zu schnell. Auch wenn ich mich mittlerweile damit abgefunden hatte homosexuell zu sein, So fühlte sich das Ganze doch noch etwas befremdlich an. Ich hatte vieles über das Coming-out und die damit verbundenen Folgen in gewissen Foren gelesen. Viele beschrieben es als Erleichterung, endlich frei sein zu können und Zu sich selbst zu stehen, Sich nicht mehr verstecken zu müssen. Als Befreiung empfand ich persönlich es nicht. Es war mehr eine Last für mich. Ich konnte die Euphorie der anderen Betroffenen irgendwie nicht teilen. So sehr hatte ich mir ein stinknormales Leben gewünscht. Irgendwann ein Häuschen mit Garten, eine Frau und ein zwei Kinder. Doch das alles würde nun nie in Erfüllung gehen. Ob ich es wollte oder nicht, ich war nun mal schwul. Und Schwule haben keine Häuser mit Vorgarten und erst recht keine Frau und auch keine Kinder. Es stimmte mich etwas traurig, dass meine Idealvorstellung eines erfüllten Lebens mit einem Mal über den Haufen geworfen wurde.

Ich ließ mich auf eine Bank am Straßenrand nieder. Aus meiner Hosentasche zog ich meine Zigaretten und mein Feuerzeug. In solchen Situationen verschaffte mir das Nikotin ein wenig mehr Klarheit. War es denn wirklich so schlimm, Wenn mein Leben nicht so verlaufen würde, wie ich es mir immer ausgemalt hatte? Musste immer alles in den gelenkten Bahnen unserer spießigen Gesellschaft Verlaufen? Vielleicht machte ich mir auch nur zu viele Gedanken. Letztendlich bin ich ja noch jung. Und wer weiß, Wie mein Leben weiter verlaufen würde. Vielleicht war es ja wirklich nur eine Phase. Aber die Chancen darauf standen eher gering. Ich zocke noch einmal kräftig an der Zigarette, schmiss schmiss diese dann unachtsam auf die Straße und setzte meinen Heimweg fort. Eigentlich hatte Patrick ja recht. Vielleicht sollte ich wirklich alles erst einmal Alles auf mich zukommen lassen. Immerhin war ich ja nicht alleine. Ich hatte Patrick. Und auch wenn es mir noch etwas schwer fiel es zuzugeben, ich liebte ihn. Das war das einzige Was ich zu diesem Zeitpunkt sicher wusste.

Kurz vor unserem Haus parkte ein Auto. Ein alter Opel mit rostigen Kotflügeln und ziemlich zerbeulten Türen. Allgemein machte Die Karre einen Recht schäbigen Eindruck. Irgendwoher kannte ich das Fahrzeug, mir wollte nur gerade nicht einfallen wo. Letzten Endes schenke ich ihm keine größere Bedeutung, wir leben ja schließlich in einem freien Land und jeder darf sein Auto dort hinstellen wo es ihm gerade passte. Ohne weiter drüber nachzudenken setzte ich meinen Weg fort. Doch als ich gerade in unsere Einfahrt biegen wollte, hörte ich hinter mir eine männliche Stimme. Eine Stimme, die ich mir verwechseln würde. Eine Stimme, die mich immer und immer wieder quälte. Die Stimme einer Person, die mich schon so oft in einen Albträumen heimgesucht hatte. Auch wenn ich genau wusste, dass er mir nun nichts mehr anhaben kann, So ließ seine bloße Anwesenheit einen Schauer über meinen Rücken laufen. Nun viel mir auch wieder ein Woher ich das Auto kannte. Ich drehte mich zögerlich um und erstarrte. Er war es tatsächlich. Alex.

„Hallo Felix“, begrüßte er mich emotionslos. Ich wollte mich einfach wieder umdrehen, weglaufen. Nur zehn Meter und ich wäre im Haus. Doch irgendetwas hielt mich zurück.
„Bitte bleib, hör mir zu. Wir müssen dringend reden.“
„Ich wüsste nicht was ich mit dir noch bereden sollte“, gab Ich bissig zurück. Es war plötzlich alles wieder da. Die Schmerzen, die Erniedrigung, die Hilflosigkeit, die Angst. Die Szenen von damals spielten sich erneut vor meinem Inneren Auge ablaufen. Unbewusst fasste ich an die Stelle an der sich meine Narbe befand. Ich konnte jeden Millimeter spüren den die Klinge durch meine Haut fuhr. Und dann diese endlosen Schmerzen als würde es mich zerreißen.
„Bitte Felix, du musst mir zuhören. Ich schwör dir, Ich hab nichts schlechtes im Sinn.“ Unsicher blickte ich mich um. Ich erkannte ein weiteres bekanntes Gesicht aus jener Nacht. Er hielt sich bewusst im Dunkeln. Wollte ganz offensichtlich nicht erkannt werden. Doch wie könnte ich den Typen nicht erkennen. War er doch derjenige der mich damals festhielt und mir jegliche Möglichkeit der Flucht nahm. Ich ging vorsichtig ein paar Schritte mehr in Richtung Haus. Bereit jederzeit loszurennen.
„Und deswegen kommst du mit deinem Kumpels?“
„Selbst herfahren ist wohl schlecht möglich“, sagte er und blickte dabei auf seine Beine, „entspann dich, Ich will nur mit dir reden“. Ich blieb wachsam. Jedoch machte es mich schon neugierig zu erfahren, was so wichtig sein könnte, dass er sich extra hierher fahren ließ.
„Wieso sollte ich dir irgend etwas glauben? Ich hab dir schon einmal vertraut. Du warst wie ein Bruder für mich. Du hast mein scheiß Leben zerstört“, fauchte ich wütend.
„Und du meins! Glaubst du für mich ist das hier einfach. Schau mich doch an. Ich bin ein verdammter Krüppel.“ Er sprach sie ganze Zeit über ruhig. Doch In seinem Gesicht könnte ich tiefe Verbitterung ablesen. Vielleicht sogar einen Hauch Schuldbewusstsein.

„Es tut mir leid, Was ich dir damals angetan hab. Und glaub mir, Ich würde alles tun um die ganze Scheiße rückgängig zu machen. Kann ich aber nicht. Ich kann nur versuchen es nicht noch schlimmer kommen zu lassen“, sagte er weiter.
„Was meinst du damit? Was soll denn noch schlimmer werden? Du Sitz im verschissenen Rollstuhl und ich… “
„Ich spreche von Kevin. Er dreht immer mehr durch. Und ich fürchte, dass er kurz davor steht eine riesen Dummheit anzustellen! Ich komm einfach nicht mehr an ihn ran!“
„Und wieso kommst du da zu mir? Was kann ich schon dagegen tun? Dein Bruder hasst mich und das nicht ganz zu Unrecht. Das hätte alles nie soweit kommen dürfen!“
„Ich weiß aber dafür ist es jetzt eben schon ein wenig zu spät. Hör zu ich will einfach nur, dass du vorsichtig bist. Am besten du gehst ihm komplett aus dem Weg. Ach scheiße, Es war vielleicht ein Fehler hierher zu kommen.“
„Du hättest ihm auch einfach nur die Wahrheit sagen können!“
„Und dann? Was glaubst du wie er reagiert hätte, hätte ich ihm alles erzählt. Er hätte das nie verstanden!“
„Weil es auch nichts zu verstehen gibt hörst du?“
„Ich hätte wirklich nicht kommen sollen!“ Miit diesen Worten drehte er sich um und rollte in Richtung seines Opels. Ich wusste nicht, Was ich sagen sollte. Prinzipiell bestätigte er nur das, was ich schon die ganze Zeit vermutete. Aber wie durchgeknallt musste er mittlerweile sein, dass selbst sein Bruder nicht mehr an ihn ran kommt? Zu was ist er wohl mittlerweile im Stande? Je mehr ich darüber nachdachte desto mulmiger wurde mir. Doch da gab es noch etwas, Was mir vor allem in letzter Zeit immer wieder Kopfzerbrechen bereitete.

„Warum hast du das gemacht? Warum ausgerechnet ich?“ Das war eine Frage, die mir schon so lange auf der Seele brannte. Ich wusste nicht, ob ich die Antwort wirklich wissen wollte oder ob es irgend etwas ändern würde. Aber trotzdem stellte ich sie. Tränen liefen mir dabei aus den Augen. Innerlich hoffte ich, dass es einen speziellen Grund dafür gab. Das ich nicht einfach eines dieser zufälligen Opfer war. Vielleicht hätte ich ihm ja unbewusst irgendwelche Signale gesendet. Vielleicht war ich ja auch mit daran Schuld. Zur falschen Zeit am falschen Ort würde das Ganze für mich nur noch schlimmer machen. Erst jetzt merkte ich, wie sehr mir diese Nacht doch noch zu schaffen machte. Ich dachte, Ich hätte gelernt damit umzugehen. Doch auch in diesem Punkt log ich mir wohl selbst die ganze Zeit etwas vor. Warum ausgerechnet ich? Er drehte sich nur kurz zu mir um und schaute mich etwas nachdenklich an. Dann drehte er sich wieder Weg, so als ob er es vermeiden wollte mir in die Augen zu sehn.
„Ich weiß es nicht!“
Dieser Satz zog mir nun komplett den Boden unter den Füßen weg. Doch was hatte ich erwartet? Eine logische Begründung? Irgendeinen Grund dafür, dass er mich ausgewählt hatte? Vielleicht hätte es ja alles etwas erträglicher gemacht. Aber geändert hätte es auch nichts. Also wieso war ich jetzt so sehr enttäuscht? War ich wirklich so naiv zu glauben, dass selbst die größte Scheiße irgendeinen tieferen Sinn haben musste? Ich wurde nun richtig zornig. Ich ging hinter ihm her, packte seinen Rollstuhl und drehte ihn zu mir um. Mit verheulten Augen blickte ich in sein eiskaltes Gesicht.

„Du willst mir ernsthaft erzählen, Du weißt nicht warum Du mich gedemütigt hast? Warum du mir dein scheiß A auf den Bauch geritzt hast? Warum du mich vor deinen Freunden vergewaltigt hast? Ist das wirklich dein scheiß Ernst?“, schrie ich ihm ins Gesicht. Aus dem Augenwinkel sah ich wie sein Kumpel sich langsam auf mich zu bewegte, bereit mir jeden Moment eine zu verpassen. Doch es war mir egal. Sollte er doch kommen. Ich hatte schon zu viel erlebt. Die paar Prügel hätte ich auch noch locker wegstecken können. Doch Alex signalisierte seinen Kumpel stehen zu bleiben. Ich starrte ihn weiter an, wollte endlich eine Antwort von ihm hören. Doch was nun folgte, war einfach nur erschreckend.. Sein Gesichtsausdruck wurde mit einem mal ganz anders. So als ob ich bei ihm einen Schalter umgelegt hatte. Weg war der ruhige emotionslose Alex. Jetzt war er wieder diese wilde Bestie die mich nachts im Schlaf immer wieder heimsuchte. Doktor Jekyll wurde zu Mister Hyde. Erschrocken wich ich etwas zurück.

„Du willst einen Grund? Schön. Fotzen wie du haben es nicht anders verdient. Ihr denkt ihr seid so viel besser als wir mit euren intakten Familien und eurem Scheiß Geld. Ihr behandelt Menschen wie uns wie Müll. Denkst du wir merken nicht wie ihr uns anstarrt und über uns redet. Es wurde mal Zeit das einem von euch so richtig der Arsch aufgerissen wird. Und ich hab jeden Zentimeter genossen. Ich hoffe, Du wirst dein Leben lang daran denken müssen.“ Ich war Fassungslos. Mir viel gerade nichts mehr ein. Und ich war erschrocken wie ein und die selbe Person sich in Sekundenschnelle so verändern könnte. Ohne jede Vorwarnung.
„Du bist einfach nur krank“, stieß ich schließlich entsetzt aus. Von ihm kam mir ein kurzes hämisches Lachen. Sein Kumpel funkelte mich nur böse an. Regungslos beobachtete ich, Wie Alex vom anderen ins Auto verfrachtet wurde und die beiden davon fuhren. Ich stand immer noch wie angewurzelt dort als der Opel schon um die Kurve und somit außer Sichtweite war. Dann sackte ich in mich zusammen…
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 22 Jul 2019, 15:29

Das erklärt jetzt wirklich vieles. Aber warum hat er noch Schuldgefühle gegenüber Alex nachdem der ihn vergewaltigt hat :evil:
Da es förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.

Re: Schwarzer Schmetterling

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