Schwarzer Schmetterling

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Quianye
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 28 Jun 2019, 12:29

38. Zurück

„…no need to run, And hide, it’s a wonderful wonderful life…“ In dieser Nacht schlief ich wie ein Baby. Keine Albträume, kein vorzeitiges Aufwachen, einfach nur ruhiger und erholsamer Schlaf. Ich konnte mich schon fast nicht mehr an das letzte mal, dass ich so gut schlief erinnern. Es war eine Wohltat. Als das elektrische Klingeln meines Weckers in aller Herrgottsfrühe ertönte fühlte ich mich frisch und ausgeruht. So als hätte ich im Schlaf eine zentnerschwere Last von mir geworfen. Ich war mir sicher, dass ich heute einen weiteren Schritt zurück in ein normales Leben gehen würde. Das Wasser prasselte auf meiner Haut. Die längst zur Routine gewordene morgendliche Dusche wusch mir auch des letzte bisschen Schlaf vom Körper. Der frische Duft des Duschgels stieg mir in die Nase und hinterließ gleichzeitig eine angenehme Note auf meiner Haut. Ich drehte das Wasser ab, schnappte mir ein Handtuch und stieg aus der Baustelle. Mein liebgewonnener Freund, der bodentiefe Spiegel, zeigte mir das Bild eines Jungen der seit längerer Zeit endlich wieder zum Vorschein kam.

Er war mir seinen knapp fünfzehn Jahren fast 180 groß. Sein Körper entwickelte langsam die ersten maskulinen Züge. Die Schultern wirkten breiter. Vom kindlichen Babyspeck war keine Spur mehr zu sehn. Die Brust zeigte erste Anzeichen wachsender Muskulatur. Auf dem Gesicht zeichneten sich die ersten markanten Züge ab. Seine grünen Augen betrachteten aufmerksam seinen Gegenüber. Nur die langsam verblassenden blauen Flecken sowie einige gerade heilende Wunden zeigten noch davon, dass er es nicht immer leicht hatte. Ein Punkt viel jedem bei genauerer Betrachtung sofort ins Auge. Auf der rechten Seite seines Bauches, knapp über dem Bauchnabel befand sich eine weiße Narbe. Gerade da der restlich Körper mittlerweile gut gebräunt war, viel diese besonders auf. Es war dieses eine Narbe, die ihn sein Leben lang an diesen ein Tag erinnern würde. Der eine Tag, der alles veränderte. Der Tag an dem er durch die Hölle ging. Die Narbe war in Form eines Buchstaben. Ein großes „A“ für den Namen den er nie vergessen würde.

Ich fuhr die Konturen mit dem Finger entlang. Unweigerlich erinnerte ich mich wieder an die Schmerzen die ich damals hatte. Und an die Hilflosigkeit. Aber das war Vergangenheit. Und auch wenn ich es nie vergessen würde, so konnte ich doch endlich damit umgehen. Ich strich mir durchs Haar. Allmählich wuchs mir auch die schwarze Farbe wieder heraus und man könnte die dunkelblonde Naturfarbe wieder erkennen. Ich zog mich an, putze mir die Zähne und Griff instinktiv zum schwarzen Eyeliner. Fast genau im selben Moment stockte ich und legte ihn wieder ab. Der Duft frischen Kaffees führte mich in Richtung Küche, wo meine Mutter schon auf mich wartete. Ohne mich irgendwie zu begrüßen, rannte Sie auf mich zu und nahm mich in die Arme.
„Ich bin so froh das es dir gut geht“, sagte sie unter Tränen, „Ich hatte solche Angst, dass du dir was antun würdest.“ Ich fühlte mich etwas erdrückt. So viel körperliche Zuneigung am frühen Morgen war dann doch ein wenig viel. Und ungewohnt.
„Ist alles okay, mir geht’s gut. Aber könntest du bitte…“ Sie ließ von mir ab und strahlte mich an. Ich hatte sie schon seit Jahren nicht mehr so Lachen gesehen. Und irgendwie machte mich das glücklich. Auch wenn sie sich meistens nicht wirklich so verhalten hat, So bleibt die doch meine Mutter.
„Ich hab mich so gefreut als dein Vater mir am Telefon gesagt hatte du seist von selber wieder Heim gekommen. Ich wäre am liebsten gleich nach Hause gefahren aber der Dienst, Ich konnte leider nicht. Und als ich daheim war hast du schon so fest geschlafen,“ sprach sie ohne auch nur annähernd einen Punkt oder Komma zu verwenden. Dich dann blickte sie plötzlich etwas traurig.
„Was ist?“, fragte ich sie.
„Ich…Ich hab dir gesagt. Die vielen Wunden und die blauen Flecken und…,“ sie stockte. Ich konnte mir gut vorstellen was sie meinte.
„Die Narbe?“ Sie nickte. Ich spürte, dass ihr die Frage nach dem Ursprung auf der Seele brannte.
„Ist nichts Besonderes, war eine Art Mutprobe“, log ich kleinlaut in der Hoffnung, Sie würde die Erklärung akzeptieren und nicht weiter Nachfragen. Das Glück schien auf meiner Seite zu stehn. Sie nickte nur kurz, schaute kurz auf die Stelle an der sich die Narbe befand und drehte sich dann um zur Kaffeemaschine.
„Magst du etwas frühstücken?“, fragte sie schließlich.
„Nein danke“, antwortete ich ihm, „mir reichen ein zwei Lungenbrötchen zum Frühstück“. Sie hab die Augenbraue, sagte aber nicht drauf. Stattdessen ging sie zur Küche hinaus nur um kurze Zeit später wieder rein zu kommen.
„Hier, Aber nicht alles nur für Zigaretten ausgeben“, sprach sie und hielt mir einen 20 Euro Schein entgegen. Da hatte meine Flucht wohl doch etwas gutes. Früher musste ich mir mein Kippengeld selbst „organisieren“.
„Danke Mim, Ich geh jetzt aber lieber los, sonst verlass ich noch den Bus“, sagte ich, stand auf und schnappte meine Schultasche.
„Viel Spaß in der Schule“, rief sie mir noch hinterher.

Im Bus war eigentlich alles wie immer. Was sollte sich auch innerhalb einer Woche groß verändert haben. Er war immer noch bis unters Dach voll gepfropft und viel zu laut für meinen Geschmack. Vor allem die jüngeren Kids gingen mir mit ihren geplärre ziemlich auf den Zeiger. Von den meisten würde ich einfach ignoriert. Zwar konnte ich vereinzelte Getuschel über mich wahrnehmen, Der große Hype um die neue, vermeintliche Schulschwuchtel schien aber bereits verflogen zu sein. Sollte mir nur Recht sein. Leider war Patrick bisher nicht zugestiegen, was im Prinzip nicht ungewöhnlich war, da er öfters mit dem Fahrrad zur Schule fuhr oder von seiner Gluckenmutter gebracht wurde. Etwas schade fand ich es trotzdem. Schließlich hatten wir uns schon eine ganze Zeit nicht mehr gesehn. So verbrachte ich die fährt schweigend mit meinem treuen Wegbegleitern im Ohr. System of a Down versüßte mir die fahrt ein wenig. Und So kam mir die Zeit bis zur Bushaltestelle vor der Schule gar nicht soo lang vor.

Rituale sollte man nicht brechen. Und So beschloss ich meinem Verlangen zu folgen und mein zweites „Frühstück“ im Gebüsch neben dem Schulgebäude einzunehmen. Ich achtete diesmal jedoch darauf, dass ich trotzdem pünktlich zum Unterrichtsbeginn auf meinem Stuhl im Klassenzimmer sitzen würde. Auch wenn dies bedeutete, dass ich mich mit dem Rauchen ziemlich beeilen musste. Doch ich Schäfte es. Eine Minute bevor die Glocke zum unterric6 leutete, stand ich vor dem Klassenzimmer. Zugegebenermaßen war mir schon ein wenig mulmig, als ich mir den Türgriff in der Hand dort stand. Ich atmete nochmal tief durch. Doch als ich den Griff nach unten drücken wollte, legte sich eine Hand auf meine Schulter. Ich drehte mich um und schaute in ein freundliches Gesicht.

„Guten Morgen Herr Jeske“, begrüßte ich meinen Klassenlehrer.
„Guten Morgen Felix“, entgegnete er, „Können wir müssen uns nochmal ganz kurz unterhalten. Da passt es gerade , dass ich dich hier antreffe“.
Ich zuckte mit dem Schultern und folgte ihn in ein Nebenzimmer, dass normalerweise als Krankenzimmer diente. Er schloss die Tür und setzte sich auf die darin befindliche Liege.
„Was da passiert ist und wie du und Patrick behandelt wurdet war nicht in Ordnung. Auch von Herrn Bruckner nicht. Dafür möchte ich mich in aller Form bei dir entschuldigen. Euch zu beurlauben hat hier meiner Meinung nach ein falsches Signal gesetzt. Umso erfreute war ich, dass eure Klassenkameraden scheinbar von selbst auf mich und Herrn Bruckner zugegangen sind und die ganze Sache aufgeklärt haben weshalb wir auch an der richtigen Stelle disziplinarische Maßnahmen anwenden könnten und eure Beurlaubung aufgehoben wurde.“ Hatte ich da gerade richtig gehört? Das waren ja fast schon großartige Neuigkeiten. Heimlich zwickte ich mich in den Arm. Nur um sicher zu gehen, dass ich die letzten 12 bis 14 Stunden nicht träumte. Doch es war kein Traum. Und du wie es schien, waren wir beide vor der Klasse rehabilitiert. Sie mussten mir also geglaubt haben was ich da in den Klassenchat schrieb.
„Klingt Großartig“, antwortete ich freudig.
„Ich hoffe du nimmst uns unsere zweifelhafte Reaktion nicht übel. Herr Bruckner hatte steht den Schulfrieden im Blick. Auch wenn es wie gesagt nicht richtig war. So und jetzt ab in die Klasse mit dir, sonst verpassen wir noch mehr wertvolle Unterrichtszeit.“ Mit diesen Worten stand er auf und ging mit mir zurück zum Klassenzimmer.

Ich öffnete die Tür. Alle Augen waren auf mich gerichtet. Die gerade noch angeregten Unterhaltungen stoppten abrupt. Es war nur ein wenig unangenehm So angestarrt zu werden. Da ich es mir aber auf keinen Fall anmerken lassen wollte, trat ich die Flucht nach vorne an.
„Auch schön euch wieder zu sehn“, sprach ich und ging an meinen Platz.
„Schön das du wieder da bist Alter,“ sagte Stefan als Erster.
„Ja und sorry nochmal wegen… du weißt schon was“, stimmte der nächste mit ein.
„Echt das war scheiße bin uns, schon das du zurück bist,“ kam es aus einer anderen Ecke. Ich war fast schon ein wenig gerührt. Mit so viel Kameradschaft hatte ich wirklich nicht gerechnet.
„Schön das du wieder da bist Homo“, äffte es aus einem fetten Schweinegesicht hinterher. Marvin, Wer könnte es anders sein.
„Boah halt deine verblödete Fresse Marvin, du bist echt voll das Kind“, schnautzte ihn eines Mädchen an. Ich musste schmunzeln. Wer sich den Zorn einer der Mädchen zuzog legte sich schließlich mit allen an.
„Echt ey, du bist einfach nur scheiße“, stimmten die anderen mit ein.

„Ähm entschuldigt bitte meine Unterbrechung“, unterbrach Herr Jede der das ganze von der Tür aus beobachtete, „Mädels, auch wenn ich eurer Kernaussage zustimme, So wäre es doch wünschenswert, wenn ihr die Kraftausdrücke unterlassen würdet.“
Die Mädchen beruhigten sich und drehten sich in ihren Stühlen wieder um. Marvin dagegen würde feuerrot, sagte aber keinen Ton. Grummeln legte er den Kopf auf den Tisch und spielte beleidigt. Ich selbst setzte mich auf meinen Platz, packte meine Sachen aus und bedeutete mich seelisch auf du unendlichen weiten der Physik vor. Und als ich mich so in der Klasse umschaut, viel mir etwas auf. Kevin war nicht da. Auf ihn könnte ich auch gerne verzichten. Doch etwas anderes beunruhigte mich schon ein wenig. Etwas das ich in meiner Euphorie nicht gleich bemerkt hatte. Dabei hatte ich mich darauf heute fast am meisten gefreut. Jemand anderes fehlte. Dort wo eigentlich Patrick hätte sitzen müssen stand nur ein leerer Stuhl.
„Psst“, machte ich leise zu Stefan, „weißt du was mit Patrick ist?“ Ich wartete kurz. Stefan kippte mit dem Stuhl nach hinten an meinen Tisch. Leise flüsterte er mir zu.
„Weißt du das denn noch nicht….?“
Das Leben ist keine Keksfabrik

Re: Schwarzer Schmetterling

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Simson
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 28 Jun 2019, 18:31

:o irgendwie hab ich den blöden Verdacht, dass Patrick noch einen Suizid begangen hat. Diesmal endgültig.
Ich hoffe sehr, dass ich falsch liege, aber ich hatte diesen Gedanken die ganze Zeit über.
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 29 Jun 2019, 09:40

Simson hat geschrieben::o irgendwie hab ich den blöden Verdacht, dass Patrick noch einen Suizid begangen hat. Diesmal endgültig.
Ich hoffe sehr, dass ich falsch liege, aber ich hatte diesen Gedanken die ganze Zeit über.


Jetzt setz mir doch nicht solche Gedanken in den Kopf :o
Patrick plant nur grad ne Überraschungsparty für Felix.
Das ist der wahre Grund für sein fehlen. :P
Da es förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 29 Jun 2019, 09:50

Ich hoffe DU hast recht !!! :-?
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Pferdinant » 29 Jun 2019, 22:34

ah typisch wieder ein cliffhanger
ich hoffe hier geht es immerhin in absehbarer zeit weiter

ich glaube nicht, dass patrik sich erneut
versucht hat umzubringen weder mit noch ohne erfolg

eher vermute ich dass es mit seiner mutter zu tun hat,
da wurden ja eigentlich schon schwierigkeiten angekündigt

ich freue mich auf die aufklärung
rechtschreibfehler sind sicher enthalten, aber darauf müsst ihr mich nicht hinweisen, wenn ihr es versteht

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 29 Jun 2019, 23:13

Hm ja ... könnte sein... klingt logisch... Ich hoffe trotzdem mehr auf die Überaschungsparty :flag:
Da es förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 01 Jul 2019, 14:03

Da werden ja mittlerweile interessante Theorien aufgestellt. Ne Überaschungsparty wäre an dieser Stelle sicher mal ne willkommene Abwechslung. :D Erneuter Suizidversuch wäre auch denkbar. :-? Aber ihr sehtja gleich, wie es weitergeht....

39. Schock

„…doch Sorge macht im der Tenor, So muss er ihm am nächsten sein, Auf seinem Nachttisch still und stumm, Ein Bild des Herrn er dreht es langsam um…“ Zuhause angekommen, rannte ich gleich hoch in mein Zimmer. Ich konnte immer noch nicht glauben, wollte auch einfach nicht wahrhaben, was ich heute erfahren hatte. Mein Magen fühlte sich flau an. Ich hatte das Bedürfnis mich einfach aufs Bett zu schmeißen und loszuheulen. Alles lag auf einmal wieder in Scherben. Er hatte es versaut. Wie konnte ein einzelner Mensch nur so dumm sein. Heute Morgen schien es noch so, als würde sich alles langsam wieder zum Guten wenden. Alles machte plötzlich wieder Sinn. Und nun das. Fassungslos starrte ich auf mein Handydisplay. Betrachtete mir die vielen unbeantworteten Nachrichten. Niemals hätte ich auch nur ansatzweise vermutet, dass das der Grund war das er nicht antwortete. Ich fühlte mich schuldig. Ich hätte es vielleicht verhindern können. Doch es war zu spät. Es war passiert. Und es war meine Schuld.

Die Knie dicht an meinen Bauch gezogen, saß ich in einer Ecke meines Bettes. Ich war im Moment komplett von der Rolle. Eigentlich wollte ich nur noch losheulen, doch seltsamerweise fand keine Träne den Weg in meine Augen. Es fühlte sich alles so unecht an, So wie in einem meiner bösen Träume. Wie konnte das nur passieren? Warum kann mein Leben nicht einmal gut verlaufen. Ich rappelte mich mühsam auf Und kroch übers Bett an mein Nachtkästchen. Ich war fast froh, dass ich damals das kleine Album mit den Erinnerungsfotos nicht in Rauch aufgehen ließ. Als hätte ich es damals irgendwie geahnt, dass wieder eine Zeit kommen würde in der ich mich gerne erinnerte. Ich blätterte in dem Album auf der Suche nach einem ganz bestimmten Bild. Und als ich es nun endlich fand, tropften dicke Tränen aus meinen Augen.

Auf dem Bild waren zwei Jungs zu sehn. Sie waren nicht mal 12 Jahre alt. Beide waren von oben bis unten dreckig. Einer der beiden hatte eine blutende Nase und ein riesiges Frischen am linken Auge. Der Andre sah auch nicht besser aus. Die Lippen waren aufgeschwollen. An den Mundwinkeln klebte noch etwas Blut. Und dich hatten die beiden sich fest um Arm und lachten. Ich sah die strahlenden saphirgrünen Augen des einen Jungen und wurde immer trauriger. Ich wusste noch genau, zu welchen Anlass dieses Foto gemacht wurde. Patrick hatte sich damals geweigert sein Pausenbrotgeld an die damaligen Schulterroristen anzutreten. Das wollten diese sich nicht gefallen lassen und haben ihn nach der Schule abgefangen. Und auch wenn wir damals beide ganz schön einstecken mussten, so waren wir nicht alleine.
„Ich bin immer für dich da“, versprach ich ihm damals feierlich. Wie naiv ich doch war. Wie oft hatte ich dieses Versprechen bereits gebrochen. Und damit nicht genug. Letztendlich war ich es, der an seinem Schicksal schuld hatte. Wutentbrannt schmiss ich das Album gegen die Wand. Bei seinem Freiflug löste sich offenbar ein Bild von seinem Platz. Eigentlich wollte ich es einfach nur liegen lassen und nicht weiter beachten, doch irgendetwas bewegte mich dazu es trotzdem aufzuheben. Ich stand also auf und ging auf das am Boden liegende Foto zu. Doch als ich es aufhob und wieder einsortieren wollte erstarrte ich.

Auf dem Bild waren Patrick und ich zu sehn. Trotz der Dunkelheit konnte man gut erkennen, dass Patrick auf dem Bild betrunken gewesen sein musste. Er lehnte an meiner Seite. Die Anstrengung ihn auf den Beinen zu halten war mir deutlich ins Gesicht geschrieben. Ich wusste von wann das Foto war. Es musste an dem Abend aufgenommen worden sein, als wir beide uns wieder versöhnt hatten. An dem Tag, an dem wir zusammen in der Stadt waren. Doch Wer hatte dieses Foto aufgenommen? Und wie kommt es in mein Fotoalbum? Ich war schockiert und entsetzte. Ich drehte das Foto um und entdeckte eine Notiz auf der Rückseite. Dort stand in roten Druckbuchstaben »Du weißt was man mit Ratten macht!« Als ich die Zeile gelesen hatte rutschte mir das Bild aus der Hand und ich sackte in mich zusammen.

Ich konnte es einfach nicht fassen. Wer der Urheber dieses Bildes war, war für mich nicht schwer zu erraten. Wer sonnst außer Kevin könnte sich so etwas perverses Ausdenken. Hatte er nun vollkommen den Verstand verloren? Hatte er tatsächlich etwas mit Patricks Unfall zu tun? War es am Ende gar kein Unfall? Wollte Kevin ihn wirklich umbringen? Aber warum? Nur um mich fertig zu machen? Wie krank kann denn ein einzelner Mensch nur sein. Der Gedanke daran ließ es mir eiskalt den Rücken runter laufen. Innerlich hoffte ich, dass ich es mir nur einbildete. Ich hoffte, dass ich mich irrte und Kevin sich nur einen äußerst geschmacklosen Spaß machte. Dich was wenn nicht? Was wenn er wirklich zu so etwas Fähig ist? Eigentlich wollte ich nicht einmal daran denken.

Ich zerriss das Bild und warf es in den Mülleimer. In meinem Kopf herrschte wieder nur blankes Chaos. Wenn ich nur genau wüsste, Was da passiert war. Stefan konnte mir da leider auch nichts genaueres sagen. Nur so viel, dass er wohl unglücklich gestürzt sei. Unglücklich gestürzt? Wieder kam ich ins stocken. War das nicht auch damals der offizielle Grund für Alex Missgeschick? Je mehr ich darüber nachdachte, desto größer würde die Gewissheit, dass es nicht nur ein Unglück gewesen sein konnte. Mehr und mehr wurde mir klar, wie durchgeknallt Kevin mittlerweile sein musste. Ich musste erfahren was passiert war. Um jeden Preis. Ich wusste nur nicht wie. Ob Patricks Eltern mir etwas erzählen würden? Eher unwahrscheinlich. Doch was blieb mir gerade anderes übrig. Ich musste es versuchen.

Eine halbe Stunde später stand ich vor dem Haus, In dem Patrick um seine Eltern wohnten. Die Sonne brannte mir heiß auf dem Rücken. Die Hitze und meine Nervosität führten dazu, dass mein Shirt mir feucht am Rücken klebte. Ich wusste, dass dieser Schritt kein leichter werden würde. Mit schweren Beinen lief ich den kleinen Weg vom Gartentor hoch an die Haustür. Mit zittrigem Finger drückte ich auf die Klingel. Von außen könnte ich hören, wie es im Inneren des Hauses läutete. Doch auch nach kurzem Warten war keine Regung zu erkennen. Ich drückte nochmal, diesmal ein wenig länger. Qualvolle Sekunden verstrichen, bis ich doch Fußspuren vernahm, die sich langsam auf mich zu bewegten. Beinahe in Zeitlupe öffnete sich vor mir die hölzerne Haustüre. Ich blickte in ein paar tränenunterlaufene Augen die mich wütend anfunkelten.

„Du hast nerven hier aufzutauchen. Seh bloß zu das du hier verschwindest“, fauchte mich Patricks Mutter an.
„Entschuldigen Sie bitte Frau Sommer, Ich wollte doch nur wissen was passiert ist“, sagte ich mit gesenktem Blick.
„Daran bist nur du Schuld hörst du. Seit er sich wieder mit dir rumtreibt hat er nichts als Ärger. Lass gefälligst deine Finger von meinen Sohn und verschwinde aus seinem Leben“, brüllte Sie. Dabei begann die wieder zu weinen. Ehe ich noch einen Ton sagen konnte warf sie mir die Tür vor der Nase zu. Durch die verschlossene Tür könnte ich sie bitterlich weinen hören. Da hörte ich eine zweite Stimme, Die mich etwas hoffen lies.
„Schatz, beruhigt dich. Es wird doch alles wieder gut. Du kannst Felix nicht an allem die Schuld geben“, versuchte Herr Sommer seine Frau zu beruhigen.
„Wäre er nicht gewesen hatte sich Patrick nie mit mir gestritten. Also ist er sehr wohl schuld!“, schrie Sie weiter hysterisch.
„Leg dich hin Schatz, Ich Regel das.“
„Du regelst das. So wie du immer alles regelst. Dieser Junge ist kein guter Umgang für Patrick und das weißt du!“, schrie Sie weiter. Ich hörte nur noch wütendes gestapft und eine Tür, Die unsanft in die Zarge geworfen wurde. In mir wuchs der Drang auf der Stelle kehrt zu machen und zu gehen. Ich konnte irgendwie nachvollziehen, dass Patrick Mutter gerade nicht gut auf mich zu sprechen war. Gerade wollte ich auf dem Absatz kehrt machen, doch dann ging die Tür wieder auf. Patricks Vater Test aus, schloss die Tür hinter sich und setzte sich auf die Holzbank neben der Tür. Er zeigte neben sich und bot mir den Platz neben ihn an. Ich setzte mich zu ihm.

„Es tut mir leid“, sprach ich kleinlaut. Herr Sommer holte tief Luft.
„Du kannst nichts dafür Felix. Sei meiner Frau bitte nicht böse. Sie macht sich selbst große Vorwürfe für das was passiert ist.“ Er sprach ganz ruhig. Aber ich könnte erkennen, dass ihn die ganze Sache auch ganz schön zu schaffen machte.
„Die beiden hatten sich heftig gestritten nachdem er letzte Woche nachts nicht nach Hause gekommen war. Und als er ihr erklärt hat, dass er bei dir war, ist die vollkommen ausgerastet. So hatte ich sie wirklich noch nie erlebt. Patrick ist dann wieder weggelaufen. Was dann passiert ist wissen wir nicht genau. Ein Passant hatte in an der Treppe zum Bolzplatz liegen sehn und den Notarzt verständigt.“
Mir liefen die Tränen in die Augen. Ich fühlte mich schlimm. Ich hatte ihn niemals alleine lassen sollen. Wir wollten das alles doch gemeinsam durchstehen.
„Wie geht es Ihm Jetzt?“, fragte ich Herrn Sommer.
„Der wird schon wieder“, versuchte er mich zu beruhigen, „Das schlimmste hat er hinter sich. Da haben mehrere Engel ganz gut aufgepasst. Sein Bein und ein Arm sind zwar Recht kompliziert gebrochen aber wenn man bedenkt aus welcher Höhe er gefallen sein muss kann man echt von Glück reden das nicht mehr passiert ist.“ Mir rollte ein gewaltiger Felsbrocken von meinem Herzen. Ich hatte schon das schlimmste vermutet. Dagegen hörten sich ein paar gebrochene Knochen glatt wie die besten Neuigkeiten überhaupt an.
„Danke“, sagte ich kurz, „Kann ich ihn…?“
„Natürlich kannst du ihn besuchen kommen. Er wird sich sicher riesig freuen. Er liegt ihm St. Anna Krankenhaus. Am besten gehst du Morgen Nachmittag. Da wirst du meiner Frau nicht über den Weg laufen.“ Mit diesen Worten kramte er in seiner Tasche und holte einen Zettel heraus und gab ihm mir.
„Hier, den hatte er bei sich. Ist wohl für dich bestimmt.“ Ich bedankte mich bei ihm, stand auf und ging.

Nach einer Weile setzte ich mich auf eine Bank am Wegrand und öffnete ich den Zettel. Er war ganz verknüllt und schmutzig, doch man konnte Patricks Handschrift noch deutlich erkennen.

„Lieber Felix,
Es tut mir leid, dass ich einfach weggelaufen bin. 6
Ich weiß nicht, Was mich da geritten hat, dich einfach alleine zurück zu lassen. 2 3
Wie ich mich entschuldigen kann. 1 2
Es tut mir leid was dir passiert ist. 1 6
Sagen wir es war Angst, soll ich mir Gedanken machen? 1 6
Ich hoffe du bist mir nicht böse. 1
Glaube ich war voll der Idiot 1 2
Liebe Grüße 1
Patrick
PS: ich bin für dich da 5“

Ich las den Brief Aufmerksam durch. Dann ein zweites mal. Und ein drittes mal. Irgendwie kam mir die Nachricht seltsam vor. Warum hatte er mir überhaupt einen Brief geschrieben? Eine SMS hätte es doch auch getan. Ich schob diese Gedanken jedoch schnell wieder von mir Weg. Letztendlich war ich nur zufrieden, dass ihn nicht mehr passiert war. Bestimmt war es auch wirklich nur ein blöder Unfall. Sicher hatte ich hier nur zuviel rein interpretiert. Mit deutlich besserer machte ich mich auf dem Heimweg. Meine Laune hatte sich mittlerweile wieder gebessert. Es dauerte auch nicht lange bis ich wieder Zuhause eintraf. Ich ging hoch in mein Zimmer, entledigte mich meiner schweißdurchnässten Klamotten und legte mich aufs Bett. Auch nach dem vierten und fünften Lesen kam mir der Brief noch seltsam vor. Vor allem die Zahlen irritierten mich etwas. Doch ich verschwendete nicht allzu viele Gedanken darauf. Im Moment freute ich mich nur darauf, ihn Morgen Nachmittag besuchen zu können….
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 02 Jul 2019, 19:42

Hmm, erstmal bin ich froh, das Patrick noch lebt !
Aber nun: so viele Fragen.
Was ist damals bei Alex passiert ?
Was davon weiß Kevin und wo ist der überhaupt?
Was ist Patrick wirklich passiert ?
Wieso gibt es ein Foto von der Versöhnung und wie kam es in Felix Album ?
Was bedeutet die Nachricht von Patrick an Felix (Zahlen )?
usw.... alles sehr mysteriös!
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 02 Jul 2019, 22:32

Die 1, 12 und die 16 sind doppelt also keine Reihenfolge.
Das die Zahl das wort in der jeweiligen Spalte angibt passt durch die 23 auch nicht.
Vieleicht die Buchstaben? :rat: ich hol mir eben was zum schreiben... gleich wieder da
Da es förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 02 Jul 2019, 22:58

Ich weiss nicht, wie ich es dir sagen soll. Ich glaube , ich liebe dich. :P
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 02 Jul 2019, 22:59

Die Zahl gibt das jeweilige Wort in der Spalte an...DANKE Matthi
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 02 Jul 2019, 23:19

Simson hat geschrieben:Ich weiss nicht, wie ich es dir sagen soll. Ich glaube , ich liebe dich. :P

:oops:

Aber ich häng hier irgendwie doch noch fest :-?
Da es förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 03 Jul 2019, 10:57

Soo und schon das nächste Kapitel.
Es sind ja tatsächlich mittlerweile viele offene Fragen. Manches klärt sich bald, manches kann man vielleicht bald ahnen anderes wird erst zum Schluss hin geklärt. Die Geschichte wird sich ja nich ein wenig hinziehen.
Mich wundert ja fast schon, dass sich niemand fragt warum die Nachricht verschlüsselt war. Aber zurück zum jetzigen Kapitel.
Dieses hier war an manchen Stellen eine echte Herausforderung. Ich war auch kurz davor eine gesamte Passage zu streichen. Da Die ganze Situation die doch an vielen Stellen düstere Geschichte ein wenig auflockert, hab ich es dann doch mit zensieren und umschreiben versucht. Hoffe es bewegt sich noch im zulässigem Rahmen. Ansonsten sei es mir bitte verziehen. Viel Spaß...

40. Date

„…ich bin so wild nach seinen Erdbeermund, ich schrie mir schon die Lunge wund, Der Klee hat uns ein Bett gemacht, für die erste Nacht….“ In meiner anfänglichen Sorge und der später eintretenden überschwänglichen Freude hatte ich ein winzig kleines Detail vergessen. Über die Wichtigkeit könnte man sich streiten. Ich selbst würde es als Nichtigkeit und vollkommen unbedeutend beschreiben. Andere Menschen wiederum, entgangen es als Notwendigkeit und ein absolutes muss für jeden Jungen in meinem Alter. Gut, es sei an dieser Stelle erwähnt, dass wir schon aufgrund der Geschlechtergleichheit hier auch die Mädchen nicht ausklammern sollten. Wie würde es denn aussehen, wenn nur wir Jungs unter dem pädagogischen Diktat leiden müssten. Eine Katastrophe wäre das. Ich hatte meine Hausaufgaben noch nicht erledigt. Wäre es vor ein paar Wochen gewesen hätte ich vermutlich drauf geschissen. Doch ich wollte mein Leben wieder in den Griff kriegen. Und dazu gehörte leider auch das Erledigen meiner schulischen Pflichten.

Widerwillig holte ich meine traurig in der Ecke liegende Schultasche hervor, kramte mein Mathebuch hervor und schlug die Seite auf, Die wir Zuhause erledigen sollten. Schon beim ersten Blick auf die Zahlen würde mir bewusst, dass ich es wohl vergessen könnte am heutigen Abend noch etwas anderes zu tun. Vereinfache Sie Gleichung mit Hilfe der binomischen Formel. Toll. Da sitze ich keine zwei Minuten und hab Schon das Bedürfnis, meine guten Vorsätze mit Karacho in die Tonne zu treten. Aber es half ja nix. Wie sagte mal eine meiner Lehrerinnen?
„Ihr lernt nicht für mich, sondern fürs Leben!“ Es hätte mich in diesem Moment brennend interessiert, wann in meinem Leben ich bitte irgendwelche x² Rechnungen brauchen sollte. Spätestens nach der Schule würde ich wahrscheinlich nie mehr auf eine solche Formel stoßen. Seufzend ergab ich mich meinem Schicksal und kramte in meinem Hinterkopf nach den richtigen Lösungsansätzen.

Eine geschlagene Stunde und 15 weitere nutzlose Aufgaben später, hatte ich es tatsächlich geschafft meine Hausarbeiten nach besten Wissen und Gewissen zu erledigen. Am Ende war es dann doch nicht soooo dramatisch wie ich Anfangs befürchtete. Ein wenig stolz war ich trotzdem auf das Produkt meines außerschulischen Fleises. Zur Belohnung setzte ich mich an mein Fenster und zündete mir eine Zigarette an. Nach so einem harten Stück Arbeit, bildete ich mir ein, dass mir der Rauch sogar noch ein wenig besser schmeckte. Nebenbei holte ich mein Handy vom Schreibtisch und schaute nach, ob ich von irgendwen ne Nachricht bekommen hatte. Und tatsächlich. Das Symbol für unseren Klassenchat war am linken oberen Rand zu sehn. Ich öffnete unsere Gruppe und staunte nicht schlecht. Die sonst so Stille Gesellschaft war gerade rege am Diskutieren.

»Habt ihr schon das mit Kevin gehört?«
»Ne was hat der Spacko jetzt schon wieder gemacht?«
»Sicher nix gutes«
»Wäre nichts Neues«
»Erzähl…«
»Ja hab da auch schon von gehört, stimmt es?«
»Meine Mom hat’s mir auch schon erzählt, geschieht im Recht nach der ganzen Scheiße«
»WAS DENN WILL AUCH WISSEN«
»na der ist von der Schule geflogen»
»WTF echt jetzt, naja kein Wunder«
»Nur fair, selbst Schuld«
»Kein Witz man»
»Fickt euch ihr Pisser«
Kevin hat die Gruppe verlassen
»Scheint ja zu Stimmen ;p«

Es waren noch einige Nachrichten mehr gewesen. Doch das reichte mir. Jetzt ist er tatsächlich geflogen? Es hörte sich fast zu gut an um wahr zu sein. Sollte ich nun endlich meine Ruhe von den haben? So wirklich dran glauben könnte ich nicht. Obwohl , Es war zumindest ein Anfang ihn nicht mehr jeden Tag über den weg laufen zu müssen. Um seine hirnlosen Hakbaffen machte ich mir so gar keine Gedanken. Da wird es sich wie bei den Bienen verhalten. Ohne Königin sterben die ja auch. Ich wollte Patrick gerade von den neuesten Entwicklungen berichten, ehe mir einfiel, dass eine Nachricht schreiben wohl gerade keinen Sinn machen würde. Außerdem würde ich ihn Morgen ja sowieso sehn. Da könnte ich es ihm auch persönlich sagen.

Ich drückte meine Zigarette aus und begann mich bettfertig zu machen. Es war mittlerweile kurz nach neun und ich war aus irgend einen Grund nur noch hundemüde. Ich legte mich also in mein Bett und schaltete meinen Fernseher ein. Die Programme wechselten in Sekundenschnelle. Wie immer nur der selbe Mist. Irgendwelche Assisendungen über die 17 jährige Chantal die gerade ihr zweites Kind erwartet oder ein zwanzig Jahre alter Krimi aus den öffentlich rechtlichen Anstalten. Dazwischen nur Wiederholungen von Wiederholungen. Nichts was auch nur ansatzweise mein Interesse wecken konnte. Genervt schaltete ich den Apparat wieder aus und schnappte mir wieder mein Handy. Doch zum zocken hatte ich auch keine Lust. Ich surfte noch etwas im Bett herum ohne ein genaues Ziel zu haben. Irgendwie kam dann ich auf die Idee mich etwas auf youporn rumzutreiben. Ich hatte diese Seite schon das ein oder andren mal besucht, konnte jedoch immer noch nicht ganz nachvollziehen was so geil daran sein soll irgend welchen wildfremden Menschen beim ficken zuzuschauen. Die Vorstellung, dass manch einer dafür auch noch bezahlt weckte in mir nichts als Unverständnis. Doch die Langeweile, gepaart mit einem Überschuss an Testosteron ließ auch mich meine eigentliche Abneigung gegen Sexfilmchen mal wieder vergessen. Letzten Endes war ich doch auch nur ein Junge wie jeder andere auch. Und auch ich hatte gewisse Bedürfnisse.

Die größte Schwierigkeit lag darin, sich etwas auszusuchen, was noch annähernd etwas erotisches an sich hatte und bei denen man nicht gleich das Bedürfnis hatte sich aufs Display zu übergeben. Damit vielen schonmal 90 Prozent der Clips weg. Weitere Fünf Prozent vielen Dan durch mein, rein-raus-fertig Raster. Das was dann übrig blieb könnte man dann zumindest ansatzweise niveauvoll nennen. Wie gesagt, diese zu finden war die eigentliche Herausforderung. Es war auch nicht selten, dass ich meine Suche am Ende erfolglos abbrach und mir dann einfach so Befriedigung verschaffte. Dich diesmal schien ich Glück zu haben. Nach gerade einmal 20 Seiten Vorschaubildern fand ich einen kurzen Streifen der in mein Anforderungsprofil zu passen schien. Die Frau in der Vorschau sah zumindest nicht schlecht aus. Lange dunkle Haare, braune Augen und einen üppigen Vorbau könnte die ihr Eigen nennen. Ihr lasziver Blick lud mich ein mir ihr Video anzuschauen. Leider hatte ich keine Ahnung was der Titel heißen sollte. Doch „Shemale furiosa“ hörte sich gar nicht so schlecht an. Ich lehnte mich also zurück, legte ein paar Taschentücher bereit und drückte auf play.

So wie das Vorschaubild und der Titel war auch der Anfang schonmal gar nicht übel. Die Frau präsentierte sich ausgiebig vor der Kamera, spielte mit ihren Brüsten und ließ die Finger erotisch durch ihr Haar gleiten. Dann kamen die „Handwerker“ zur natürlich offenen Tür herein. Zwei wirklich gutaussehende Typen mit durchtrainierten Oberarmen. Diese ließen sich nicht lange bitten und begannen augenblicklich mit ihrer Arbeit. Auch ich begann, angestachelt von dem gesehenen mit meinem Freund zu spielen. Einer der beiden Kerle war mittlerweile dabei an den Brustwarzen der Frau zu spielen waren der andere in ihren Intimbereich brauchte. Dann begann die genüsslich zu stöhnen. Ich schloss die Augen. Ihre laute würden immer intensiver. Auch ich merkte, dass ich mich meinem Höhepunkt näherte. Kurz davor öffnete ich meine Augen wieder und wäre fast vom Bett gekippt. Die Frau hatte da etwas, dass eine Frau nicht haben sollte. Ich lies mein Handy fallen, wollte von meinem Freund ablassen, doch zu spät. In großen Schüben verteilte sich die Sauerei über meinen kompletten Körper bis hoch in mein Gesicht.

„Bah Pfui Teufel“, fluchte ich laut los, nahm mir ein Taschentuch und versuchte die Sauerei zu beseitigen. Als ich zumindest die Hände wieder frei hatte, Griff ich nach meiner Handy und wollte gerade den Film wegstecken. Doch dieses wollte nicht so wie ich. Es flutscht mir aus der Hand. Mit dem Display nach oben lag es vor mir auf dem Bett. Da veränderte sich das Bild. Ich war zufrieden den Streifen nicht noch länger sehn und hören zu müssen. Also ließ ich es erst mal liegen, nahm mir noch ein paar Taschentücher und wischte das Ergebnis meiner sexuellen Entgleisung von meinem Körper. Innerlich beschloss ich, das mit den Pornos fürs erste sein zu lassen. Diese Erfahrung hatte mir erst einmal die Lust darauf gehörig verdorben. Ich entsorgt die Tücher in meinem Mülleimer und legte mich wieder ins Bett. Dort kramte ich nach meinem Handy. Dich was ich nun dort auf dem Display vorfand, ließ mir die Zornesröte ins Gesicht steigen.

Wutentbrannt schleuderte ich mein Handy gegen die Wand. Dieses hilft der Wucht des Aufprall nicht stand. Der Akku löste sich heraus, das Display hatte nun ein riesigen Sprung von einer Ecke zu Anderen.
„Fuck, scheiße“, schrie ich wütend, „wie krank muss man den sein sich so ne Scheiße reinzuziehen!“ Ich war einfach nur fassungslos. Ich konnte nicht glauben, dass sich ernsthaft irgendjemand an so etwas aufgeilen. Alleine der Titel war für mich wie ein Schlag in die Magengegend. Und selbst wenn es nur gestellt gewesen sein sollte, widerte mich der Gedanke an das offenbar vorhandene Publikum nur dermaßen an. Erinnerungen kamen wieder hoch. Jene Erinnerungen die ich immer besser Schäfte zu verdrängen. Dich mit einem mal waren sie wieder ganz frisch, So als ob es erst gestern gewesen wäre. Mir liefen dicke Tränen die Wangen hinunter. Ich schlug die Hände über den Kopf zusammen. Versuchte mich wieder zu beruhigen. Doch es klappte nicht. In Embrionalstellung, mit bis über den Kopf gezogener Decke lag ich in meinem Bett. Vergessen. Ich wollte doch einfach nur vergessen.

Wie gerädert wachte Ich am nächsten Morgen auf. Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass mir diese Nacht nicht wirklich viel Erholung gebracht hatte. Noch immer geisterten die Bilder in meinem Kopf herum. Selbst meine kalte Dusche konnte die Gedanken nicht vollkommen vertreiben. Nur der Gedanke Patrick heute Nachmittag besuchen zu können hallte mein Gemüt etwas auf. Ich hab meiner Mim Bescheid, dass ich heute nach der Schule noch zu einem Freund gehen würde und verließ dann das Haus. Den Schulweg trat ich heute auf dem Fahrrad an. Auch wenn ich kein Freund sportlicher Aktivitäten am frühen Morgen war, war mir die Schinderei heute allenfalls lieber als im stickigen engen Bus zu sitzen. Außerdem musste ich dann nicht nach der Schule zum Busbahnhof laufen. Mir war nie so richtig bewusst, wie viel Zeit für so wenig Schulweg draufgingen. Ich bin sogar extra früh heute los gefahren um nicht zu spät zu kommen. Doch stattdessen war ich fast eine halbe Stunde zu früh da. Es war also noch mehr als genug Zeit vorhanden um sogar zwei Zigaretten zu Rauchen und noch zu früh um Klassenzimmer zu sein. Ich lief den kleinen Trampelpfad zum Gebüsch. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass um diese Uhrzeit der sonst dich Recht geräumige Raucherplatz fast schon überfüllt war. Ich stellte mich in eine Ecke und zündete mir eine Kippe an.

Als ich gerade genüsslich den Rauch inhalierte, hörte ich eine Stimme meinen Namen rufen. Es war Vanessa, eine meiner Mitschülerinnen. Eigentlich eine ganz Hübsche, von Typ her sogar si, wie ich mir meine Freundin vorstellen würde, wenn ich denn mal wieder masochistisch genug für eine bin. Und vor allem aber war die eine der wenigen, die einem nicht den ganzen Tag nur die Ohren voll gackern. Außerdem gehörte Sie zu der kleinen Gruppe Mitschüler, die sich nie von Kevin und den Halbaffen mitreißen ließ. Zwar hat dieser kleine exklusive Kreis auch nie etwas gegen ihn unternommen, Aber mitgemacht haben sie auch nicht wenn diese Idioten mir mal wieder das Leben schwer machen wollten. Und das rechne ich ihnen mittlerweile hoch an.
„Hey Felix, komm dich zu uns“, rief sie mir zu. Ich zuckte mit den Achseln. Ein wenig soziale Interaktion könnte ja nicht Schaden. Also lief ich zu ihr hinüber. Da erkannte ich noch ein weiteres bekanntes Gesicht. Stefan stand bei ihr.

„Morgen“, begrüßte ich die Beiden freundlich aber knapp.
„Was ist denn mit dir los?“, fragte Stefan, „Machst jetzt auf Musterschüler oder warum bist du so überpünktlich?“
„War nicht meine Absicht. Aber was macht ihr hier?“
„Wonach sieht’s denn aus“, fragte Vanessa während sie den grade eingezogenen Rauch aus den Lungen blies.
„Du weißt aber schon das davon die Titten nicht mehr wachsen,“ scherzte ich. Da hustete es plötzlich laut neben mir los. Stefan hatte sich bei meinem Satz an seinem eigenen Rauch verschluckt und hatte nun Mühe wieder zu Atem zu kommen. Vanessa blinzelte mich verwundert an und schlug mir dann auf die Schulter.
„Blödmann!“, fauchte Sie gespielt beleidigt, „pass du lieber auf das dir von der Räucherei nicht die Eier abfaulen.“
„Lass das mal meine Sorge sein“, gab Ich zurück. Stefan war währenddessen immer noch nicht ganz bei sich. Er wirkte ein wenig weiß um die Nasenspitze.
„Ich geh schon mal vor, wir sehn uns dann gleich“, sprach er und ging.

„Sag mal was ist eigentlich mit Patrick, hast du was Neues gehört?“, wollte sie wissen.
„Nicht direkt“, antwortete ich ihr, „weiß nur der er sich n paar Knochen gebrochen hat und im St. Anna liegt. Aber ich geh ihn heut nach der Schule besuchen.Vielkeicht kann ich dir ja Morgen mehr sagen.“
„Oder ich komm einfach mit“, warf sie ein. Ich war einen Moment geplättet. Wollte sehn etwa etwas von Patrick? Eigentlich wollte ich heute alleine zu ihm gehen. Aber ich kann ihr ja schlecht vorschreiben was sie zu tun oder zu lassen hat. Und wenn sie unbedingt mit will kann ich es eh nicht verhindern.
„Gut warum nicht“, sagte ich schließlich seufzend.
„Cool freu mich. Da ist aber noch etwas“, dabei trat sie auf mich zu. Mit einem mal wurde ich etwas nervös. Der Blick den sie mir gerade zuwarf erinnerte mich ein wenig an diese „Shemale“ von Gestern. Ich schluckte kurz und versuchte meine Nervosität so gut es ging zu verstecken. Mit jedem Millimeter den sie näher kam schlug mein Herz ein wenig lauter. Sie stand nun nur noch wenige Zentimeter von mir entfernt.

„Du bist ja jetzt nicht schwul oder?“
„Nein nicht das ich wüsste, wieso?“
„Eine Freundin hast du aber auch nicht?“
Ich schluckte wieder. Nun Verstand ich worauf das hinaus lief. Nicht Patrick war das Objekt ihrer Begierde, sondern ich. Ich kam mir gerade vor wie ein Kaninchen in einer Höhle voller Schlangen. Ich hatte gerade absolut keinen Bedarf mich ein Mädchen ans Bein zu binden. Ich war doch auch gerade erst dabei mein Leben wieder zu sortieren. Allerdings wollte ich sie jetzt auch nicht so einfach vor den Kopf stoßen. Scheiß drauf. Ich beschloss der Sache trotz aller Bedenken und Unwohlsein eine Chance zu geben.
„Nein derzeit bin ich Solo“, antwortete ich wahrheitsgemäß.
„Hättest du dann Lust, dass wir uns ein wenig näher kennen lernen? So nach dem Krankenhaus? Nur wir zwei?“, flüsterte sie mir ins Ohr. Ihre Rechte Hand streichelte dabei sanft über meine Brust. Eine leichte Gänsehaut bildete sich auf meinem Rücken. Und nur um sicher zu gehen, dass ich wirklich richtig verstanden hatte, fragte ich sie; „Du meinst…sowas wie….ein…..Date?“
Das Leben ist keine Keksfabrik

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 03 Jul 2019, 18:09

Neeeee...was macht Felix denn da ??? :brokenhearted:

Na gut, er hat die Nachricht von Patrick noch nicht verstanden.
Warum war die denn verschlüsselt ???
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 04 Jul 2019, 12:52

41. Kein zurück

„…Sie will es und so ist es fein, So war es und so wird es immer sein…“ Stefan grinste mich nur an als Vanessa und ich das Klassenzimmer betraten. Für mich war sofort klar, dass er gewusst haben musste, dass sie was von mir will. Aber warum ausgerechnet ich? Es gibt doch genug andre Jungs in der Schule die sich nur zu gerne auf eine Beziehung mit ihr einlassen würden. Doch ausgerechnet ich sollte der Auserwählte sein. Zugegebenermaßen schmeichelte es mir schon ein wenig das eines der hübschesten Mädchen in meiner Jahrgangsstufe auf mich steht. Und wäre es zu irgend einem anderen Zeitpunkt, oder vielleicht gar in einem anderen Leben gewesen, wäre ich wahrscheinlich vor Freude an die Decke gesprungen. Doch im Moment hatte ich eigentlich so gar keinen Nerv dafür. Wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, war ich nicht einmal zu hundert Prozent sicher ob ich überhaupt auf Mädchen stand. Doch mit Jungs konnte ich es mir genauso wenig vorstellen jemals eine Beziehung führen zu können. Die ganze Situation überforderte mich gerade ein wenig.

Stillschweigend begab ich mich zu meinem Platz, packte meine Sachen aus und ließ mich auf den Stuhl fallen. Von meinem Sitzplatz aus beobachtete ich, wie auch Vanesse sich zu ihresgleichen begab. Augenblicklich steckten die Mädels ihre Köpfe zusammen und begannen aufgeregt zu tuscheln. Auch wenn ich kein einziges Wort Verstand, so ließen die Blicke, welche hin und wieder rüber zu mir wanderten, keinen Zweifel am Thema ihrer Unterhaltung. Ich ahnte langsam, dass ich aus dieser Nummer nicht so einfach wieder raus kommen würde. Während ich noch so in Gedanken war betrat unser Deutschlehrer, der gute alte Herr Hofmann den Raum. Das schwierige bei Herrn Hofmann war, dass man bei seinem steht fröhlichen Dauergrinsen das Unheil selbst aus kurzer Distanz nie kommen sah. Er stand so vor seinem Lehrerpult mit der sich so gut wie nie verändernden Mimik und schaute in die Klasse.

„Guten Morgen Jungs und Mädels. Wie bereits letzte Woche angekündigt Wolken wir heute ein neues Thema beginnen. Dazu hab ich mir eine kleine Gruppenarbeit als Einleitung überlegt.“ Gruppenarbeit? Das heißt selbst etwas denken am frühen Morgen? Das konnte doch nicht sein ernst sein.
„Bitte bildet jeweils Vierergruppen“, fuhr er fort, „Jede Gruppe bekommt ein Plakat von mir und einen Textausschnitt aus dem Buch »Der Herr der Fliegen« . Eure Aufgabe besteht darin euch in eine der Personen zu versetzen und aufzuschreiben, was in dieser Person gerade vorgehen könnte. Ihr habt jetzt diese Doppelstunde Zeit. Und in der nächsten Stunde tragt ihr eure Ergebnisse der Klasse vor.“ Na toll. Ich kam gerade nichtmal mit meiner eigenen Gefühlswelt klar und sollte mich in die eines fiktiven Charakters versetzen? Sonnst geht’s dem aber schon noch gut. Aber es half ja alles nichts. Ich konnte ja zumindest versuchen, mich so gut es ging im Hintergrund zu halten.

Unsere Gruppenkonstelation empfand ich persönlich als eher suboptimal. Mit Stefan kam ich ja ganz gut klar. Sein Banknachbar Markus stellte für mich auch kein Problem dar. Er war zwar einer dieser Menschen, die immer alles besser wissen mussten und nur schwer die Meinung anderer könnten, aber ansonsten Recht umgänglich. Und für diese Art von Arbeit war es vielleicht gar nicht so schlecht jemanden wie ihn das Zepter in die Hand nehmen zu lassen. Zumal ich selbst auf diese Rolle absolut keine Lust hatte. Nur unser viertes Mitglied bereitete mir Kopfzerbrechen. Oder besser ohne Glied in dem Fall. Vanessa schien es sich zur Aufgabe gemacht zu haben mir möglichst oft auf den Wecker zu fallen. Sie platzierte sich direkt neben mich. Am liebsten hätte sie sich wahrscheinlich noch auf meinem Schoß gesetzt. Unweigerlich musste ich an die Worte einer Religionslehrerin vor zwei Jahren denken.
„Knaben und Mädchen sollten sich nur so weit annähern, dass Jesus noch zwischen ihnen passt“, hatte die alte Schachtel damals gesagt. Ich musste Grinsen als ich mich an diesen Satz erinnerte. Was ein offensichtlicher Fehler war. Vanessa hatte da scheinbar irgend etwas anderes rein interpretiert. Jedenfalls begann die mit ihrer Hand meinen Oberschenkel zu streicheln. An konstruktives Arbeiten war nun, selbst wenn ich gewollt hätte, überhaupt nicht mehr zu denken. Stattdessen mühte ich mich nach Kräften das Bild meiner nackten Oma vor meinem Inneren Auge ablaufen zu lassen. Nur um nicht in eine noch unangenehmere Situation zu geraten.

Ich war heilfroh als der Schultag endlich rum war. Den ganzen Tag, sogar in den Pausen war ich fast permanent mit Vanessas Annäherungsversuchen konfrontiert. Und dabei waren wir ja noch nicht mal wirklich zusammen. Mir wollte aber auch kein Weg einfallen, wie ich mich irgendwie aus ihren Klauen befreien konnte. Nach Schulschluss verdrückt ich mich erstmal aufs Jungsklo, den einzigen Ort, wo ich definitiv erst mal ein paar Minuten Ruhe vor ihr haben würde. Schon beim betreten stieg mir der ekelerregende Pissegestank in die Nase. Und wäre es nicht für ein wenig Ruhe gewesen, So hätte ich den Raum auch so schnell wie möglich wieder verlassen. Doch stattdessen ging ich in eine Kabine, schliss die Tür und setzte mich auf den geschlossenen Klodeckel. Dann sollte ich mein lädiertes Handy raus und checkte meine Nachrichten. Und siehe da, eine neue Nachricht von Jakob.

»Hey, alles in Ordnung bei dir? Hast dich noch nicht wieder gemeldet seit du wieder zu Hause bist«
„Stimmt, Da war doch was“, dachte ich so bei mir. Ich fühlte mich sogar ein wenig schuldig. Es hätte ja sonst irgendwas bei meiner Rückkehr in die elterliche Fürsorge passieren können. Das alles doch so gut lief, hatte selbst mich überrascht.
»Ja klar, bei mir ins alles gut soweit. Schule nervt nur. Vor allem hängt mir so ne Tussi seit neuestem dauernd am Arsch»
Ich drückte auf Senden und wartete einen Moment. Das ich gleich eine Antwort bekommen würde war zwar eher unwahrscheinlich, doch ich hatte eh noch nicht vor meinen Zufluchtsort schon wieder zu verlassen. Unerwarteterweise kam jedoch trotzdem gleich eine Antwort.
»Dein ernst? Freu dich doch drüber. Kannst du deiner Hand bald frei geben; p«
Typisch Jakob. So eine Antwort konnte ja nur von ihm kommen. Doch damit nicht genug. Nur wenige Sekunden später setzte er noch einen drauf.
»Kannst natürlich auch gern zu mir ans Andre Ufer kommen, wir haben Kekse…«
Ich wusste nicht ob ich Lachen oder weinen sollte. Hilfreich war das jedenfalls nicht.
»Ne im ernst. Ich weiß jetzt Grad echt nicht ob ich die nerven für ne Beziehung hätte»
„Boah wie schnell schreibt der Typ“, dachte ich mir. Denn keine fünf Sekunden nach meiner Nachricht hatte ich schon eine Antwort auf dem Display.
»Musst du wissen. Ich an deiner Stelle würde mir so ne Gelegenheit nicht entgehen lassen. Hast ja nix zu verlieren«
Wenn man es So betrachtet hatte er nicht mal die Unrecht. Trotzdem war mir nicht ganz wohl bei der Sache.
»Maul schaun. Mein mich später nochmal«
Ich machte mein Handy aus, steckte es in die Hosentasche und ging aus der Kabine. Über den Waschbecken hingen alte vollgeschriebene Spiegel. Ich wusch mir meine Hände und betrachtete mich in einem davon.
„Eigentlich hat er Recht. Was kann ich schon verlieren“, sagte ich zu meinem Spiegelbild. Danach stellte ich das Wasser ab und ging zurück in die nahezu leergefegte Aula.

„Da bist du ja endlich. Dachte schon, du wärst ins Klo gefallen“, begrüßte mich eine weibliche Stimme. Ich zuckte mit mit den Achseln.
„Wollen wir“, fragte ich sie und schaute dabei auf die große Uhr die in mitten der Aula von der Decke hing, „der nächste Bus fährt in fünfzehn Minuten. Wir müssen uns schon ein wenig beeilen, wenn wir nicht noch eine Stunde länger warten wollen.“
„Wenn ein gewisser jemand etwas schneller gewichst hätte, waren wir schon längst unten“, gab sie zurück. Ich zog meine Augenbraue hoch und starrte sie an. Nur viel leider gerade keine passende Antwort ein. Das ich mich seelisch auf einen Nachmittag mit ihr vorbereiten wollte, könnte ich ihr ja wohl schlecht sagen.
„Kuck nicht so, glaubst du ich weiß nicht was ihr Jungs da drinnen treibt?“ Sie hatte schon ein seltsames Talent dafür mich immer wieder sprachlos zu machen. Mir war fast so als hätte ich eine weibliche Version von Jakob vor mir. Die beiden würden sicher ein Traumpaar abgegeben, wäre da nicht die Tatsache gewesen, das Jakob schwul ist. Ohne ein weiteres Widerwort ging ich voran in Richtung Ausgang. Dicht gefolgt von Vanessa. Ich schnappte mir mein Fahrrad und schob es neben mir her. Gerade noch rechtzeitig erreichten wir beide den Busbahnhof. Dort angekommen verschloss ich mein Fahrrad und suchte nach der richtigen Haltestelle. Ich löste zwei Tickets am Automaten und wir betraten den bereits wartenden Bus. Wir ließen uns auf einen Zweiersitz nieder und warteten darauf, dass der Bus endlich losfährt. Zwei Minuten später schlossen sich die Türen und das Gefährt setzte sich in Bewegung

„Sag mal, wie ist Kevin eigentlich auf die Idee mit den Bild gekommen“, fragte sie.
„Woher soll ich das Wissen? Keine Ahnung was in seinem kranken Kopf vor sich geht.“
Ich hatte mich schon drauf eingestellt, dass ich während der Fährt ins Kreuzverhör genommen werden würde. Von daher überraschte es mich auch noch sonderlich. Nervig war es trotzdem.
„Aber was hat der für ein Problem mit dir? Das mit seinem Bruder war doch ein Unfall. Wieso ist er der Meinung, dass du was damit zu tun hast?“
„Hat er das gesagt?“, fragte ich nur.
„Naja“, begann sie,“ du hast doch da selbst geschrieben, dass er dich dafür verantwortlich macht. Wir haben ihm drauf angesprochen. Er meinte nur das er sich zu hundert Prozent sicher ist, das du Alex gestoßen hast. Stimmt es denn?“ Jetzt wo sie es sagte viel es mir wieder ein. Ich hatte ja da mal diese Nachricht geschrieben. Für Kevin war das wohl der entgültige Beweis dafür, dass ich nicht ganz unbeteiligt an dem Unfall war. Was war ich nur für ein Vollidiot. Mir schien es So, als hätte ich erneut einen riesen Fehler begangen. Ich musste wirklich besser aufpassen. Wenn das so weiter geht, wird die Wahrheit früher oder später tatsächlich rauskommen. Ich spürte, wie sich sein Puls beschleunigte. Jetzt nur kein falsches Wort sagen.
„Ich weiß nicht, was er noch von mir will. Ich hab den Bullen damals schon alles gesagt. Ich war zwar da weil ich eigentlich zu Kevin wollte, bin aber bevor er gestürzt ist schon wieder gegangen“, erklärte ich ihr. Unterm sprechen bemerkte ich nicht, dass mein Tonfall merklich aggressiver wurde.

„Schon gut, schon gut. Komm runter,“ versuchte die mich zu beruhigen, „Aber die Narbe ist dich echt oder. Und das war doch Alex.“ Ich hob mein Shirt hoch und drehte mich seitlich zu ihr.
„Hier siehst du. Der und seine Kumpels haben mich verarscht und mir dieses A verpasst, zufrieden? Können wir jetzt vielleicht über was anderes reden?“ So langsam gingen mir die Erklärungen für meine Verschönerung aus. Aber in dem Fall war ich ja selbst Schuld. Ich hatte ja den Teil mit Alex und dem Abend einfach weglassen können. Dan waren vielleicht nicht so viele Fragen aufgekommen. Die Wahrheit könnte ich letztendlich weder meinen Mitschülern noch meinen Eltern sagen. Zu sehr schämte ich mich dafür. Sie strich mit ihren Finger über die Konturen. Ihre lila lackierten Nägel führten kratzen sanft aber doch gut spürbar über das Narbengewebe. Auf meinem Rücken bildete sich wieder eine Gänsehaut.
„Lass das bitte,“ bat ich sie ruhig. Es tat zwar nicht weh, trotzdem war es mir ein wenig unangenehm. Und tatsächlich zog die ihre Finger zurück. Erleichtert schob ich mein Shirt wieder nach unten.Sie fasste sich ins Haar und spielte mit einer Strähne. Dann hob Sie ihren Blick und schaute mich irgendwie seltsam an.
„Also mir gefällt die Narbe. Gibt dir so einen gefährlichen Touch. Aber wenn sie dir nicht gefällt kannst du die ja überstechen lassen. Mein Bruder kennt da so jemandem der das Privat für ne Flasche Jacky macht.“
„Ich komm drauf zurück wenn ich mal scharf auf eine Infektionskrankheiten bin“, scherzte ich. Sie lachte nur. Ich war zufrieden, dass ich diesen Teil der Konversation hinter mich hatte. Sie lächelte mich immer noch so seltsam an.

„Willst du mal mal sehn?“, fragte sie.
„Was sehn?“, antwortete ich geschockt. Ich hoffte, dass sie nicht das meinte was ich dachte.
„Mein Tattoo natürlich, Was den sonst“ Ich nickte erleichtert. Doch zu meinem entsetzen begann sie den Knopf ihrer Jeansshorts zu öffnen. Mir wurde plötzlich ganz heiß. Wollte ich wirklich wissen, an welcher Stelle es sich befinden würde? Ich schluckte. Sie zog ihre Hose samt Slip ein wenig nach unten. Knapp unter dem Bündchen kam ein kleines schwarzes Pentagramm zum Vorschein. Gott sei Dank hatte sie es sich nicht noch tiefer unten stechen lassen. Nichtsdestotrotz reichte dieser Anblick schon aus um das Blut in meiner Lendengegend zur Wallung zu bringen. Ich konnte nur hoffen, dass sie esnicht bemerkte. Vergebens. Ihr Blick sprach Bände.
„Das macht die doch gerade mit Absicht“, war alles was ich gerade denken könnte. Sie beugte sich über mich. Ihre Hand legte sie nur Millimeter von meinem Zelt entfernt auf mein Bein. Mir wurde gleichzeitig heiß und kalt. Mein Herz raste wie wahnsinnig in meiner Brust. Ihr Gesicht kam immer näher an meines heran. Ich ahnte was jetzt kommen würde. Doch anstatt mich dagegen zu wehren, ließ ich es zu. Ich Schloss die Augen. Sekunden später spürte ich ihre feuchten Lippen auf meinem. Das pulsieren in meiner Hose würde augenblicklich stärker. Dann zog sie sich wieder zurück. Ich öffnete mein Augen wieder.

„Eindeutig nicht schwul“, befand sie und setzte sich grinsend wieder auf ihren Platz. Ich war verwirrt, wusste nicht was ich jetzt davon halten sollte. Es wäre gelogen zu sagen, dass es mir nicht gefallen hätte. Der unwiderlegbare Beweis dafür befand auch zwischen meinen Oberschenkeln. Und doch war mir aus irgend einen Grund nicht wohl dabei. Das ging mir alles viel zu schnell. Doch unwissentlich war ich an einem Punkt angelangt von dem es kein zurück mehr gab…
Das Leben ist keine Keksfabrik

Re: Schwarzer Schmetterling

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