Schwarzer Schmetterling

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Matti
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 22 Mai 2019, 23:04

:D Na das wird interessant :flag:

Re: Schwarzer Schmetterling

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Simson
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 23 Mai 2019, 19:36

Also Felix tut mir echt leid :(
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

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Quianye
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 23 Mai 2019, 20:57

@Matti, ohhh ja...

@Simson, Er hat es nicht ganz leicht und es wird noch einige Ups and Downs geben im weiteren Verlauf.

23. Referat schrieben 1

„…ist fun to stay at the Y-M-C-A….“ Keine fünf Sekunden länger hätte ich es ausgehalten dem Karnevalsverein beim tanzen und, nennen wir es mal singen zuzusehen. Seit einer halben Stunde Sitz ich jetzt schon vorm PC und mir will einfach kein guter Anfang für mein Referat einfallen. In meiner Verzweiflung suchte ich mir sogar diesen bescheuerten Song samt Video au YouTube um mich in Stimmung zu bringen. Doch anstatt Ideen kam eher mein Mittagessen in mir hoch. So langsam begann ich daran zu zweifeln, ob es wirklich so eine gute Idee war das ganze bis zum Wochenende aufzuschieben. Samstag 13 Uhr und bis auf das Wort „Referat“ hatte ich noch nichts konstruktives zu Stande gebracht. Seufzend steckte ich mir ein Zigarette an.
„Das wird ein laaanger Tag“, sagte ich zu mir selbst wärend ich eine dicke Rauchwolke aus meiner Lunge stieß. Das Referat nicht zu erledigen war auch keine Option. Ich hatte eh schon genug Ärger am Arsch.

Arsch….ich saß vor Dr. Google und begann „Arschfick“ einzutippen und löschte es gleich auch wieder. Blödeleien brachten mich jetzt auch nicht weiter. Überhaupt, wie soll man ein Referat über etwas halten an das mein kein Interesse hat? Auch hatte ich mich noch nie so richtig mit dem Thema „Schwul sein“ auseinander gesetzt. Klar wussten wir alle mehr oder weniger was es bedeutet. Aber bisher hatten wir im Unterricht nichts näheres darüber erfahren. Und Zuhause warn solche Themen eh tabu. Und wenn über Schwule geredet wurde, dann nur um zum Ausdruck zu bringen wie ekelhaft und pervers die doch sind. Hier am Arsch der Welt ist dies die allgemein gültige Meinung zu Schwulen. Und Wehe einer sagt etwas anderes.

Ich war auch mal einer von denen, die diese Ansicht mit voller Überzeugung teilten. Wenn man jung ist schwimmt man halt auch gerne mit dem Strom. Irgendwann fing ich dann aber an dies zu hinterfragen. Sie tun ja niemanden weh, außer such gegenseitig vielleicht. Und es ist sicher nicht jeder Schwule gleich ein notgeiler Perverser. Vielen sieht man auch bestimmt nichtmal an, dass sie auf Jungs stehn. Ich selbst kannte keine der homosexuell war. Außer vielleicht Elton John oder Freddy Mercury. Aber die könnte ich ja schlecht um Rat für mein Referat Fragen.

Ich drückte meine Zigarette aus und versucht mich wieder aufs Wesentliche zu konzentrieren.
Wieder tippte ich das Wort „Homosexualität“ in die Suchmaschine ein. Und auch wie die Male davor poppen reihenweise Suchergebnisse auf. Ich sucht mir nach dem „Ehne-Mehne-Mu“ verfahren irgendeine Seite aus und öffnete sie. So ganz wohl war mir immer noch nicht bei dem Gedanken auf irgendwelchen Schwulenseiten herum zu surfen. Aber wie schon erwähnt, Es half ja eh nichts.

Zum Glück schien ich diesmal tatsächlich auf einer einigermaßen seriösen Aufklärungsseite gelandet zu sein. Zumindest sprang mir nicht gleich beim Öffnen der Seite ein Schwarz ins Gesicht, so wie bei meinem ersten beiden Versuchen. Nach kurzer lesen stellte ich fest, Das es tatsächlich um eine reine Informationsseite handelte. Ich blickte mich etwas durchs Menü. Geschichte, AIDS, Couming Out, Rechte, Gruppierungen, im Tierreich….
„Im Tierreich?!“, stieß ich verwundert aus. Für mich klang das schon ein wenig absurd. Unser Hund zumindest knurrte andere Rüden immer nur an und wollte sie nicht besteigen. Schmunzelnd klickte ich auf den Button.
„Einige Vögel…bla bla bla…Delfine, na gut es heißt ja die sind schwule Haie…Giraffen, kann man auch verstehen mit zwei Dildos aufm Kopf…“, Ich murmelte mir den Text leise vor ohne mir dabei den ein oder andren dummen Kommentar verkneifen zu können. „Bei Tieren scheint es ja das normalste der Welt zu sein“, dachte ich mir, „Warum eigentlich nicht bei uns Menschen?“ ich begann im Geschichte Bereich weiter zu lesen bis plötzlich mein Handy klingelte.

„Hey Felix, hast du Zeit? Ich hab ein neues Spiel und kein Bock allein zu zocken…“
Es war Patrick, Wer sonnst. Sehr gerne hätte ich mit ihm den Samstag lieber mit zocken verbracht als über dem scheiß Referat zu sitzen.
„Sorry, Aber ich muss doch das Referat bis Montag fertig haben“, antwortete ich niedergeschlagen.
„Ach, Das hast du immer noch nicht gemacht?“, kam die Antwort ebenfalls etwas enttäuscht zurück.
„Außerdem hab ich Hausarrest“, fuhr ich fort
„Hmm“, kam es aus der anderen Leitung, „und was wenn ich dir helfe?“
„Ernsthaft?“, Ich war schon etwas verwundert, dass sich das jemand freiwillig antun will. Letztendlich ließ mich die Aussicht den Mist nicht alleine machen zu müssen imaginäre Luftsprünge durchführen.
„Warum nicht? Wenn ich dafür dann nicht alleine Zocken muss, kann ja auch bei dir pennen. Dann haben wir die ganze Nacht Zeit“
Ich kam ins grübeln. Einerseits war die Verlockung schon riesig. Andrerseits würde es meine Situation nicht gerade verbessern wenn ich trotz ausdrücklichen Verbotes Besuch empfangen würde. Am Ende aber überwiegte dich die Aussicht auf eine durchzockte Nacht mit meinem besten, einzigen, Freund.
„Okay, ab fünf ist meine Mom im Dienst. Die kommt dann erst Morgen Früh wieder. Und mein Alter sollte da auch schon in der Kneipe sein. Müssen aber trotzdem aufpassen,“ sagte ich schließlich zu ihm.
„Super dann bis nachher“, antwortete er nur knapp. Sein Grinsen könnte ich förmlich durch den Hörer sehn.
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 23 Mai 2019, 21:01

Und den zweiten Teil hinterher...

24. Referat schreiben 2

„…und dass alles tun sie offen während du dich nur versteifst…“ Ich macht mich wieder über die Geschichte der Homosexualität. Je mehr ich las desto erstaunter wurde ich. In der Antike gab es nicht mal ein Wort dafür, so normal war es. Scheinbar gibt es sogar Skulpturen und Vasen und so Zeug von damals auf der deutlich schwules Zeug gemacht wird.
Ich überlegte: „Warum ist das jetzt so viel anders?“ Ohne weiter drüber nachzudenken wann ich zu schreiben: Homosexualität ist keine moderne Erscheinung. Es gibt sie schon……….

Es begann so langsam Gestalt anzunehmen. Ich braucht gar nicht viel darüber nachzudenken. Die Worte flogen nur so durch meinen Kopf und bildeten Sätze die sich auf meinem Bildschirm präsentierte. Der geschichtliche Teil war in minutenschnelle getippt. Noch schnell zwei drei Bilder zur Veranschaulichung auf eine Power Pointe Folie und fertig war der erste Abschnitt. Ich atmete tief aus. Etwas verwundert über meinen plötzlichen Gedankenausbruch las ich mir den Text nochmal durch nur um sicher zu gehen, dass ich nicht vollkommenen Blödsinn geschrieben hab. Aber es war perfekt. Für mich zumindest. Und ich hatte mir Gedanken gemacht. Genau wie Herr Bruckner es wollte. Logischerweise folgte auf die Geschichte das aktuelle. Ich las und schrieb und bemerkte dabei gar nicht wie die Zeit vergeht.

Ich war so vertieft in den Text der dir sich Stück für Stück auf dem einst leeren Dokument aufbaute, dass ich nicht ein mal bemerkte, wie sich von hinten zwei Hände um meine Augen schlossen.
Zack…instinktiv ließ ich meinen Ellenbogen nach hinten sausen.
„Hmpf…ist das deine Art jemanden zu begrüßen,“ keuchte eine mir bekannte Stimme neben meinem Ohr. Patrick war von mir unbemerkt ins Zimmer gekommen. Eiligst versuchte ich meine Reaktion zu erklären.
„Sorry man, das wär nur Reflex, Ich schwörs dir,“ sprach ich aufgeregt und versucht ihn zu besänftigen., „wie bist du überhaupt hier rein gekommen?“
„Ernsthaft?,“ entgegnete er mir und zog dabei eine Augenbraue hoch, „euer Schlüssel liegt noch immer am selben Platz wie vor 8 Jahren.“
„Ja gut, dumme Frage“, antwortete ich, „klopfen wäre trotzdem nicht schlecht gewesen!“
„Schon gut, schon gut. Wie weit bist denn schon gekommen?“, fragte er mich. Bereitwillig zeig ich ihm meine bisherige Ausarbeitung über die ich schon ein wenig stolz war. Er nahm sich Zeit und las sie sich aufmerksam durch. Nach einer Weile lehnte er sich nach hinten und schaute mich ungläubig an.
„Und das hast du selbst geschrieben?“, fragte er mich schließlich.
„Wieso? Ist was falsch damit?“ Ich begann zu zweifeln ob ich nicht doch nur lauter Mist geschrieben hab.
„Ne, um ehrlich zu sein hört sich das verdammt gut an, so mitfühlend und irgendwie…naja so gar nicht wie du halt“, sagte er zu mir. Ich konnte nicht ganz nachvollziehen was er meinte.
„Versteh mich nicht falsch, Aber du wirkst immer so kalt und distanziert. Und das hier klingt so, irgendwie mitfühlend. Als ob dich das wirklich beschäftigt“, sprach er weiter. Er schaute mich bei diesen Satz ganz komisch an. Irgendwie kam ich mir auch gerade etwas komisch vor. War es denn so falsch wenn einem ein solches Thema irgendwie beschäftigt?
„Ich dachte auch nicht wirklich, dass der ganze Scheiss einen so beschäftigen kann“, antwortete ich langsam.

Ich überlegte genau was ich als nächstes sagen würde. Schließlich wollte ich nicht das Patrick irgendwas in den falschen Hals bekommt und durch sowas unsre gerade wieder entdeckte Freundschaft gleich wieder zerbricht.
„Es ist nur….findest du nicht auch, das es irgendwie Scheiße ist, dass sich Jungs wie du und ich einfach vor irgend nen Zug werfen nur weil sie…anders sind? Oder das sich Andre ihr Leben lang verstecken nur um nicht ausgegrenzt zu werden. In manchen Ländern werden Jungs auch nur beim kleinsten Verdacht das sie schwul sein könnten Umgebracht! Findest du das nicht irgendwie voll fürn Arsch. Es ist doch nichts dabei schwul zu sein!“
Unbemerkt redete ich mich fast schon in Rage. So viel zum Thema erst denken dann reden. Zu meiner Überraschung aber lächelte mich Patrick auf einmal an. Es war fast schon ein glückliches Lächeln. Das verwirrte mich nur noch mehr. Langsam begann sich mir ein ungutes Gedanke ins Hirn zu bohren.
„Nicht das du denkst…“, begann ich. Doch noch bevor ich meinen Satz beenden konnte unterbrach er mich.
„Ich denke einfach nur das du Recht hast. Und das du lang nicht so ein Riesenarschloch bist wie du immer tust.“

Ich schaute ihm in die Augen. Da war es wieder, dieses grüne Funkeln in dem man sich komplett verlieren könnte. Dieses Funkel, dass einen unweigerlich in seinen Bann zog aus dem ich, selbst wenn ich es wollte nicht ausbrechen kann. Ein unsanfter Stoß an meiner Schulter weckte mich schließlich aus meinen Tagträumen.
„Du bist schon irgendwie seltsam Felix“, sagte er schließlich lachend zu mir. Ich macht zurück.
„Nicht seltsamer als du. Und jetzt lass mich gar zusende schreiben, sonnst kommen wir nie zum zocken“, mit diesen Worten ging ich ans Fenster und öffnete es. Dann zündete ich mir eine Zigarette an und setzte mich wieder an den Computer um mein Referat zu beenden.
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 24 Mai 2019, 11:45

25. Nur so…

„…come, as you are, as a friend, as I want you to Be…“ Ich hatte es tatsächlich Geschäft mein Referat in der Rekordzeit von knapp sechs Stunden auf Papier zu bringen. Das es mir am Ende dann doch so leicht fallen würde, hätte ich Anfangs garantiert nicht für möglich gehalten. Schließlich war es ja das erste mal, dass ich mich wirklich intensiv mit diesem Thema auseinander setzte. Es hatte ja auch bisher keinen Grund dazu gegeben. Ich steh ja auch auf Mädchen. Gut weniger auf Mädchen als mehr auf Frauen. Mädchen, zumindest die in meinem Alter, gackern den ganzen Tag nur unnützes Zeug vor sich her oder sie lästern über irgendwen. Und dann das Getue mit Make Up und Schuhen und den ganzen Mädchenkram. Da war man schon zufrieden das man ein Junge ist und sich nicht mit sowas beschäftigen muss. Ne, Mädchen können einen echt auf den Geist gehen. Richtige Frauen sind da sicher ganz anders. Und ne anständige Brust sieht doch auch viel besser aus als diese Zwergentittchen.

Nachdem ich uns eine kleine Erfrischung aus dem Kühlschrank geholt hatte, die Patrick seltsamerweise zuerst verweigern wollte, schob ich die Disk in meine Playstation. Dann setzten wir uns auf mein Bett und starteten das Spiel. „Killzone 2“ hieß es und war so eine Art Science-Fiction Horror Strategie Eco Shooter Spiel. Auf alle Fälle reichlich Blut und viel Geballer. Also genau richtig für zwei leicht zu beeinflussende pupertierende Jungs. Aus den Lausprecherboxen sang Kurt Cobain einen Song über Drogen und Depressionen nach dem anderen.
Vier Dosen Bier und ettlichen „Sie sind tot“ Nachrichten später schmiss Patrick enttäuscht seinen Kontroller in eine Ecke meines Bettes.
„Schon wieder verreckt. So langsam hab ich keinen Bock mehr,“ murmelte er beleidigt vor sich hin. Irgendwie auch nachvollziehbar, andrerseits hätte man ja auch erst mal ne einfachere Stufe wählen können.
„So viel zum Thema „Profi Stufe is gar nicht soo schwer“. Neein überhaupt nicht“, Ich konnte nicht anders als ihn ein wenig aufzuziehen, mit einem unmissverständlich ironischen Unterton natürlich.
„Ich hätte langsam Hunger. Komm wir schaun mal was der Kühlschrank so hergibt“, sprach ich zu ihm, stand auf und lief voraus nach unten in die Küche.
„Warte ich hab doch ne Tüte Chips dabei“, rief er mir eilig hinterher.
„Komm jetzt, ess erst mal was anständiges mit bevor du dir den Süßkram reinstopfst“, schrie ich von unten zu Patrick, „sonst siehst du noch irgendwann so aus wie Marvin!“
Meine kleine Provokation scheint gewirkt zu haben. Kaum hatte ich den Mund zu gemacht, Da Stand er auch schon neben mir.
Ich öffnete den Kühlschrank und begann nach etwas essbarem zu suchen.

„Aha, zwischen dem ganzen Bier versteckt sich also irgendwo was zu Essen?“, kommentierte Patrick den Inhalt unseres Kühlschrankes.
„Klar, musst nur wissen wo“, antwortete ich ihm während ich ein paar Karotten, eine Zwiebel, ein Dose passierte Tomaten und ein angefangenes Päckchen Nudeln hervor kramte.
„Hm, nicht viel, Aber sollte reichen“, murmelte ich vor mich hin und begann uns ein Abendessen zu kochen. Patrick starrte mich dabei die ganze Zeit über an, als ob ich ein Alien oder sowas wäre.
„Hier probier mal“, sagte ich schließlich zu ihm und reichte ihm einen Löffel mit Tomatensoße. Verwundert betrachtete er den Löffel ehe er in sich in den Mund schob.
„Ah, heiß!“, schrie er kurz auf.
„Naja also kalt kann ich noch nicht kochen“, antwortet ich waren ich du Nudeln im Spülbecken abgoss.
„Sehr witzig“, sprach Patrick und warf mir ein paar viel sagend Blicke zu, „ aber sag mal, Woher kannst du sowas?“
„Kochen? Meine Mom ist Abends oft Weg. Mein Herr Vater kocht nicht und irgendwann möchtest du auch mal was andres essen als Tiefkühlpizza.“
Nach dem Essen spülte ich noch schnell Patricks Geschirr auf. Sollte ja keiner mitbekommen, dass ich trotz Verboten Besuch, Ja gar einen Übernachtungsgast hatte. Der Rest wanderte lieblos in den Geschirrspüler. Wieder in meinem Zimmer war mein erster Weg zur Zigarettenpackung. Ich setzte mich ans Fensterbrett und rauchte, während Patrick meine Filmesammlung durchforstet.

„Und was dabei?“, fragte ich ihn dann als ich zusende geraucht hatte.
„Der hier wär doch ganz cool“, antwortete er und hielt mir eine Hülle entgegen. Scarry Movie 3.
„Warum nicht“, sagte ich kurz Achselzuckend und schob den Film in den Player. Wir legten uns zusammen auf mein Bett, löschten das Licht, legten die Chipstüte zwischen uns und starteten den Film. Gleich erste Szene, zwei heiße Blondinen mit einen Hauch von Stoff auf den Körpern bei der Kissenschlacht.
„Die beiden sehn schon richtig scharf aus“, kommentierte Patrick das gerade gesehene und griff erneut in die Chips. Aus versehen berührten sich unsere Hände als wir gleichzeitig in die Tüte griffen. Da durchzuckte es mich wie ein Blitz. Es fühlte sich an, wie kleine Nadelstiche. So seltsam kribbelig. Dann breitete sich das kribbeln aus. Von der Hand bis in die Magengegend. Komisch aber nicht unangenehm eher…irgendwie schön. Er schaute zu mir rüber. Einen Moment lang blickten wir uns wieder tief in die Augen.
„Wieder dieses verdammte grün. Wieso macht es das mit mir“, dachte ich so bei mir. Als ich bemerkte, dass unsere Hände immer noch aufeinander lagen, zuckte ich kurz zurück. Wir schauten uns wieder an und begannen beide zu Lachen. Danach konzentrierten. Wir uns wieder auf den Film.

Es war bereits 1 Uhr vorbei. Mittlerweile hatten wir uns zum schlafen hingelegt. Das war leider notwendig, da mein Stiefvater wieder zu Hause war. Er war zwar, wie immer nach seiner Kneipentour Sturz besoffen und kriegt eh nicht viel mit, aber sicher ist sicher. Wir lagen nebeneinander im Bett. Patrick hatte sich mit dem Rücken zu mir gedreht. Ich starrte an die Decke. Ich könnte deutlich die Wärme spüren, Die von seinem Körper ausging. Zufrieden lächelte ich vor mich hin. Nach dieser Freundschaft hatte ich mich so lange heimlich gesehnt. Und jetzt geht plötzlich alles so schnell. Es wirkt alles wieder so vertraut, so als ob es nie anders gewesen wäre.

„Schläfst du schon Felix?“, flüsterte Patrick neben mir.
„Noch nicht“, antwortete ich ihm leise.
„Kann ich dich was Fragen?“, fuhr er fort.
„Klar“, jetzt hatte er meine Neugierde geweckt. Was will er den bitte jetzt Fragen was nicht auch bis Morgen Zeit hätte?
„Du warst doch schonmal verliebt, oder?“, fragte er mich zögerlich und mit leicht zittriger Stimme.
„Ja, schon“, sagte ich zu ihm. Natürlich war ich schonmal mit einem Mädchen zusammen das ich toll fand. Das wusste er auch. Also wieso die Frage?
„Wie fühlt es sich an verliebt zu sein?“, sprach er schließlich.
„Weiß auch nicht genau wie ich das jetzt beschreiben kann. Wieso?“, antwortete ich ihm wieder. Kurz war Stille im Raum. Es Tat mir etwas leid, dass ich ihm nicht genauer antworten konnte. Nach einigen Sekunden der Stille seufzte er kurz auf.
„Nur so….Gute Nacht Felix“, hauchte er in kuschelte sich tief in die Decke.
„Gute Nacht Patrick“, flüsterte ich etwas verwirrt um das abrupte Ende des Gespräches. Dann drehte ich mich auch zur Seite. Wir lagen nun Rücken an Rücken dicht beisammen und es dauerte keine fünf Minuten, Da schlief ich ein…
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 27 Mai 2019, 12:01

26. Unendlich traurig

„…I Don't know what’re fighting for, And why I have just screamed, I Don’t know how I used to Be…“ Ich schreckte plötzlich auf. Wieder mal eine Nacht, In der ich mein volles Schlafpensum nicht ausschöpfte. Müde rieb ich mir die Augen und blickte mich in meinem Zimmer um. Durch die eintretende Morgendämmerung war es in ein leicht rötliches Licht getaucht. Ich tastete neben mir die leere Betreute ab um sicher zu gehen, dass ich das wirklich nur geträumt hatte. Erleichtert seufzte ich auf. Es war niemand weiter im Raum. Nur ein etwas klebrig, schleimiges Gefühl zwischen meinen Beinen machte mir deutlich, dass zumindest ein klitzekleiner Teil meines Traumes tatsächlich passiert ist. Ich schlug die Bettdecke zur Seite und sah die Bescherung.
„Na toll“, dachte ich mir, „heißt quasi ich sollte nachts zumindest ne Unterhose tragen.“

Ich hob mein Handy vom Nachttisch auf. 5:30 Uhr. Nochmal umdrehen lohnte sich also auch nicht.
Etwas widerwillig erhob ich meinen Körper von der Matratze. Da an schlafen ja eh nicht mehr zu denken war, beschloss ich schon mal etwas nützliches zu tun und mein eingesautes Bettzeug abzuziehen. Bevor ich dann in die Dusche stieg, verstaute ich noch meine Betatschen tief unter dem Berg ungewaschener Wäsche der sich einsam und vernachlässigt in einer Ecke des Bades türmte. Das heiße Wasser aus dem Brausekopf fühlte sich heute unglaublich gut an. Ich genoss es ausgiebig, wie die warmen Tropfen an meiner Haut zu kleinen Bächen wurden die sich ihren Weg über meinen Körper in den Abfluss bahnten. Nur diesen merkwürdigen Traum bekam ich einfach nicht aus dem Kopf. Ich träumte ja viel Stuss aber sowas? Da waren mir ehrlich gesagt meine Monsterträume lieber. Die hinterlassen wenigstens kein solches Chaos. Ansonsten lief der Morgen wie üblich, Kaffee, Kippe, Bus, Kippe, zu spät im Unterricht, usw.

In der zweiten Schulstunde hatten wir Mathematik bei unserem Klassenlehrer. Dieser teilte, in einer meiner Meinung nach etwas zu zynischen Art und Weise, der Klasse mit, dass sie sich doch darauf freuen könnten heute noch einen wertvollen Beitrag zum schulischen Miteinander von mir hören zu dürfe. Und als er dann noch ebenso sarkastisch sein bedauern über den Ausfall der heutigen Physikstunde zu diesem Zweck kund tat, hätte ich ihn an liebsten vom nächst besten Dach gestoßen. Meine Mitschüler hingegen nahmen dies natürlich zum Anlass um in anhaltende Jubelstürme auszubrechen. Auch Kevin und seine Halbaffen, hier ein großes Sorry an alle Primaten, stimmten in die allgemeine Begeisterung mit ein. Wobei diese Begeisterung vielmehr von Schadenfreude und der Erwartung mich so richtig zu blamieren geprägt war. Einzig Patrick saß still an seinem Platz und starrte regungslos, Ja fast schon abwesend, auf den Edding in seiner Hand.

Die fünfte Unterrichtsstunde brach an. Die Stunde meiner unfreiwilligen Aufklärung über Schwule. Ich hatte mir von Herrn Jeske extra den Schlüssel zum Klassenzimmer geben lassen um schon etwas eher mit dem Aufbau beginnen zu können. Den USB Stick mit der Präsentation schob ich leicht zögerlich in den Slot. Innerlich hoffte ich ja, dass irgendetwas unvorhersehbares passieren würde und der Rechner sich in Rauch auflöst. Andrerseits hätte ich das Referat ja trotzdem halten müssen. Und wenn ich nur mein Skript hätte zum vorlesen. Ich atmete nochmal tief durch und stellte mich seelisch auf die wahrscheinlich peinlichsten 45 Minuten meines bisherigen Lebens ein. Ich beobachtete die sich so langsam die Zuschauerränge füllten. Die meisten freuten sich nur auf eine Freistunde, gewisse andere Personen auf meinem Demütigung. Herr Bruckner und Herr Jeske machten es sich mit erwartungsvollen Minen auf den hinteren Rängen bequem. Nur Patrick schon mir heute irgendwie anders. Er saß auf seinen gewohnten Platz, den Blick auf den Tisch gesenkt. Den schwarzen Edding hielt er immer noch fest in der Hand umklammert. Ich schaute nochmal zu ihn rüber, wendete mich dann doch von ihm ab, atmete tief durch, räusperte mich kurz und begann mit meinem Vortrag.

„Schon seit tausenden von Jahren existiert sie. Damals noch ohne das es dafür einen extra Begriff gab. Es war ganz normal und man machte sich schlicht weg keine Gedanken darüber. Im laufe der Zeit änderte sich jedoch diese Einstellung bis hin zur Stigmatisierung und gezielter Verfolgung. Die Rede ist von Homosexualität. Doch was bedeutet Homosexualität ….“ Ich wollte eigentlich noch meinen Satz zu Ende sprechen, doch ich wurde jäh unterbrochen.
„Na das Jungs Andre Jungs in den Arsch ficken, was sonst!,“ grölte es aus dem Publikum begleitet von zustimmendes Gelächter. Ich hätte nicht mal aufschauen zu müssen um genau zu wissen wer diesen unqualifizierten Kommentar von such gab. Ich fühlte wie eine Mischung aus Scham und Wut in mir hochstieg. Ich wollte grade etwas sagen, Da übernahm ein anderer diesen Part für mich.
„Ich sag es jetzt genau einmal Sodass die anwesenden Herrschaften es auch alle verstehen. Wenn ich noch einen solchen Kommentar während dieses Vorträge höre, könnt ihr euch sicher sein Das ich mich nicht scheue eure Eltern und euch zu Einzelgesprächen einzuladen um über das Thema zu diskutieren. Hab ich mich klar ausgedrückt?“, sprach eine dumpfe, autoritäre Männerstimme aus dem Hintergrund. Einige meiner Mitschüler schlucken. Die Nachricht schien angekommen zu sein.
„Fahr bitte fort Felix“

Ich nickte kurz und nahm meinen Satz wieder auf: „Doch was bedeutet Homosexualität überhaupt und wie wird man schwul oder lesbisch? Wie konnte es zum heutigen ständig in der Gesellschaft kommen und wieso ist es für viele betroffene so schwer ihre Sexualität zu akzeptiere. All das werde ich euch versuchen in der nächsten halben Stunde etwas näher zu bringen…“
Ohne weiter drüber nachzudenken, trug ich die Früchte meiner Recherchen vor. Ich versuchte dabei so wenig Blickkontakt wie möglich zu meinen Zuhörern zu haben, kam aber doch nicht drum Rum, mir das ein oder andere mal die Reaktionen meines Publikums zu Gemüte zu führen. Zu meinem eigenen Erstaunen, schienen sie mir tatsächlich ernsthaft zuzuhören. Die Meisten zumindest. Hin und wieder erblickte ich ein erstauntes, Ja vielleicht sogar nachdenkliches Gesicht. Vor allem der Absatz in dem es über den Suizid von schwulen Jungs ging scheint den ein oder andren zum Nachdenken bewegt zu haben. Auch bin den beiden Lehrkörpern erhielt ich das ein oder andere zustimmende Nicken.

„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Homosexualität keine Krankheit oder eine Modeerscheinung ist. Sie ist etwas ganz Natürliches. Und jeder von uns kann mit ein wenig Toleranz dazu Beitragen, dass es irgendwann auch wieder als solches angesehen wird. Danke für die Aufmerksamkeit“, mit diesen Worten endeten meine Ausführungen. Ich blickte wieder in die Runde. Stille. Erstaunte Gesichter schienen mich mit ihren Blicken zu durchbohren. Es fühlte sich unangenehm an so angestarrt zu werden. Ich wurde zwar schon etliche Male blöd angestarrt, Aber nie so, ich weiß nicht, seltsam. Ein einzelnes Klatschen durchbrach die Stille. Ein zweites gefolgt von hektischen Stühlerücken brachen Dreiviertel der Klasse in Beifall aus. Ich lächelte zufrieden und machte mich auf meinem Platz.

Herr Bruckner und Herr Jeske richteten noch ein paar mahnend Worte an die Klasse ohne es dabei zu verpassen meine Arbeit immer wieder loben zu erwähnen. Ich hatte mir erwartet, dass das Ganze so positiv aufgenommen werden würde. Nun ja bis auf die paar unwichtigen Ausnahmen. Die hatte sich auf mein Scheitern gefreut und wurden herb enttäuscht. Die Frustration war ihnen deutlich ins Gesicht geschrieben. Nur Kevin schien das alles nicht zu kümmern. Er saß wie immer an seinen Platz mit seinem bescheuerten selbstverliebten Grinsen.

Pünktlich zum Gong der Schulglocke endeten die angeheizten Gespräche. Schulschluss. Endlich. Ich hatte meinen Kram langsam zusammen. Mache meiner Mitschüler, welche mich meist einfach links liegen ließen, klopften mir beim vorbeigehen zustimmend auf die Schulter. Nicht das es mir etwas bedeuten würde, Es fühlte sich trotzdem gut an. Ich ging also letzter nach draußen. Auf dem Weg durchs Schulgebäude bemerkte ich, dass sich meine Blase ganz schön voll anfühlte. Und da ich noch etwas Zeit hätte bis der Bus kommt, beschloss ich nochmal zu Toilette zu gehen und der Natur ihren Lauf zu lassen. Ich ging eigentlich nicht gerne auf die Schultoilette wegen dem fiesen Gestank dort. Ader manchmal geht es halt nicht anders. Ich stellte mich also ans Pissbecken und entlehrte meine Blase. Als der letzte Tropfen rausgeschüttelt war Schloss ich meinen Reißverschluss, drückte auf die Spüle und…

Mein Kopf dröhnte. Wieder diese eiserne Blutgeschmack zum zweiten mal schon innerhalb einer Woche. Ich versuchte etwas zu sehn doch es war alles so verschwommen. Ich spürte, wie ich an beiden Armen fest gegen die Wand gepresst würde. Ich hörte stimmen wie durch ein altes Radio. Vor meinen Augen liefen zwei Umrisse hin und her. Ich versucht zu verstehen was sie sagten
„Mach jetzt wir haben nicht ewig Zeit,“ klang es dumpf vom größeren der beiden. Ich blinzelte nochmal. Es musste Kevin sein.
„Gehen wir da nicht zu weit? Komm lassen wird gut sein!“, sagte der andere etwas unsicher.
„Und diese Stimme… ich… Patrick!“, schoss es mir schlagartig durch den Kopf. Ich hustete und spuckte dabei etwas Blut aus.
„Na das schau her, Die kleine Schwuchtel ist ja wieder wach“, hörte ich Kevin Stimme hämisch zu mir sprechend, „jetzt mach Pat oder soll doch ihn ihn verschönern.“

Mein Kopf brummte. Ich versuchte das Gedankenchaos irgendwie in den Griff zu bekommen.
„Moment mal, Die meinen mich mit Schwuchteln? Aber…“, Es traf mich wie einen Blitz. Da sah ich die zweite Person auf mich zukommen. Ich blinzelte nochmal. Langsam wurde meine Sicht wieder klar. Es war tatsächlich Patrick. Die Mine traurig. Er wollte das nicht, dass könnte man ihm deutlich ansehn. Und trotzdem Tat es mir in dem Moment so unendlich weh. Er trat dichter an mir ran. Ich werte mich nicht. Ich wollte mich einfach auch nicht wehren. Patriks Gesuch war nun kurz vor meinem ich sah seine Augen die dunkler wirkten als sonst, fast schon braun statt des üblichen strahlenden Grün. In seiner Hand hielt er den Edding immer noch fest umklammert. Nur fehlte jetzt die Kappe. Er bewegte seine Lippen. Ein „es tut mir leid“ formte sich auf ihnen. Dann setzte er auf meiner Stirn an. Ich Schloss die Augen. Dann wieder ein Schlag. Diesmal mitten in die Fresse und ich ging zu Boden. Um mich herum wurde es still.
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 27 Mai 2019, 14:16

:evil: Was ist denn mit diesem Patrick los :cry: Echt übel.
Er sollte wohl was homophobes auf Felix Stirn schreiben ? Und wer hat nochmal zugeschlagen ?
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 27 Mai 2019, 18:47

Simson hat geschrieben::evil: Was ist denn mit diesem Patrick los :cry: Echt übel.
Er sollte wohl was homophobes auf Felix Stirn schreiben ? Und wer hat nochmal zugeschlagen ?


Einiges wird im weiteren Verlauf erklärt und noch mehr oder weniger von Bedeutung sein. Daher möchte ich nicht zu weit vorgreifen. Ein Teil deiner Fragen wird in den nächsten beiden Kapiteln behandelt. Deine erste Frage/Feststellung wird dich noch eine Zeit beschäftigen. Wir sind ja auch erst ca. Bei der Hälfte.

Ansonsten fünf ich es schön wenn sich jemand auch Gedanken macht und diese Postet. Lässt das alles etwas lebendiger wirken :D
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 27 Mai 2019, 19:59

Ja, die Kommentare hier sind leider mager, aber ich finde die Geschichte sehr interessant.
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 29 Mai 2019, 11:48

27. Unendlich enttäuscht

„…Nun liebe Kinder gebt fein Acht, Ich bin die Stimme aus dem Kissen, Ich hab euch etwas mitgebracht, Hab es aus meiner Brust gerissen…“ Finsternis. Absolute Finsternis. Und ich stand inmitten des Meeres aus Nichts. Ich könnte nicht hören, nicht sehen und nicht sprechen. Meine Gliedmaßen fühlten sich taub an. Ich versuchte zu schreien, doch kein Ton kam aus meiner Kehle. Ich wollte rennen, irgendwo hin, nur um die Chance zu besitzen dem Nichts zu entgehen. Dich meine Beine wollten meinen Gedanken nicht folgen. Ich versuchte einen klären Gedanken zu fassen, doch diese fürchterliche Stille begann mir den Verstand zu rauben. Wieder versuchte ich zu schreiben, vergebens. Einzig die erdrückende Kälte totaler Dunkelheit blieb mein Weggefährte in dieser scheinbar ausweglosen Situation. Meine Emotionen stiegen in mir hoch. Angst, Wut, Traurigkeit, Verzweiflung und alles möglichen anderen Gefühle stritten sich in meinem Kopf um die Oberhand und machten mir das Denken immer schwerer. Ich flehte innerlich um Erlösung. Ich wollte einfach nur, dass es aufhört.

Ich hatte mich bereits vollkommen aufgegeben, da begann ein leises Flüstern aus der Ferne an mein Ohr zu dringen. Eine unbekannte Stimme hallte in meinem Kopf. Ich könnte nicht verstehen, was sie sagte. Konzentriert versuchte ich das Gesamte zu verstehen. Je mehr ich mich anstrengte desto deutlicher wurde die Stimme. Erst verwaschen und entfernt, wie aus einem alten Plattenspieler, dann immer lauter und deutlicher werdend, drang die Stimme in meine Gehörgänge. Die Stimme rief nach mir. Sie will das ich antworte. Ich versuchte noch einmal zu schreien. Meine letzte Kraft sollte in diesen einen Versuch fließen. Ich erinnerte mich wie es sich anfühlt zu schreien. Fühlte wie meine Stimmbänder zu vibrieren begannen und dann…

„Wo bin ich?“, war der erste Gedanke den ich fassen konnte als ich dieses gleisend helle Licht erblickte. Der Sprung aus der Dunkelheit ins Licht war zu viel für meine Augen. Ich nahm einen weißen Schatten neben mir war wärend das grelle Licht in meinen Augen begann zu flackern und schließlich erlosch. So langsam begann mein Blickfeld wieder klar zu werden. Die Funktion meiner Sinne kehrte allmählich zurück. Ich hörte mehrere besorgte Personen um mich herum wild diskutieren. Es fühlte sich hart an. Und dieser Geruch. Es roch nach…Pisse und irgendwie chemisch. Mein Kopf brannte höllisch und der Geschmack in meinem Mund ließ mich beinahe erbrechen. Ich kniff nochmal die Augen zusammen, schüttelte leicht meinen Kopf und öffnete die Augen wieder. Mein Blick richtete sich nach oben. Dort hingen zwischen demolierten Deckenplatten große Lampen mit Neonröhren. Ich richtete meinen Blick zur Seite und erblickte etwas weiß glänzendes das aussah wie…Schlagartig kam meine Erinnerung zurück. Jetzt wusste ich wieder genau wo ich war und….auch was passiert war. Als sich das Geschehene nochmals in meinem Kopf abspielte, fing der Schmerz am Kopf an zu wandern, meinen Hals hinunter, bis in den Magen. Es war ein Schmerz der sehr viel tiefer saß und auch wesentlich schlimmer war.

Ich versuchte mich aufzurichten, doch wurde sofort von zwei Händen sanft an der Schulter zurück gehalten.
„Ruhig junger Mann, bleib erst mal ruhig liegen. Ich bin Frau Doktor Walter. Wir werden jetzt kurz ein paar Routine Checks durchführen“, sprach eine Junge weibliche Stimme neben mir. Sie nahm wieder ihre Lampe und leuchtete mir in die Augen. Während dessen legte mir eine andere Person eine Manschette um den Arm und pumpte diese auf.
„Blutdruck 140 zu 80, Puls bei 62“, sagte ein junger Mann, geschätzt Anfang zwanzig und lächelte mich dabei mitfühlend an.
„Pupillenreaktion normal, Atmung stabil“, fügte die Ärztin hinzu, „Felix heißt du oder?“
„Ja, wieso? Was machen sie hier für einen Aufstand? Ist doch alles okay“, sprach ich etwas angestrengt. Natürlich war nicht alles okay. Mein Kiefer tat mir höllisch weh und mein Kopf fühlte sich an wie ein geplatzer Wasserballon.

„Du warst bewusstlos. Wir können aber nicht sagen wie lange. Der Hausmeister hat dich gefunden und uns verständigt. Was ist passiert? Weißt du, welcher Tag heute ist?“, fragte sie mich. Zu viele Fragen. Ich wollte eigentlich nur nach Hause und mich alleine in mein Bett verkriechen.
„Montag, vierter Juni, irgendwas nach zwölf“, antwortete ich in der Hoffnung, dass die Fragerei bald ein Ende hat und ich Heim kann.
„Kannst du mir auch sagen was passiert ist?“, fragte sie weiter. Ich überlegte kurz. Nicht weil ich es nicht mehr wusste, sondern mehr weil ich mir nicht sicher war was ich sagen sollte.
„Offenbar hab ich eins in die Fresse bekommen“, sagte ich, vielleicht etwas zu patzig zu ihr. Letztendlich wollte sie mir ja nur helfen, drum gebeten hatte ich sie trotzdem nicht. Sie schaute mich etwas ungläubig an, stellte sich auf und ging zum jungen Mann.
„Er soll auf jeden Fall erst mal in Klinikum weiter untersuch werden. Verdacht auf SHT“, erklärte sie.
Der Mann nickte und drehte sich zu mir: „Na dann holen wir mal die Trage und bringen dich ins Krankenhaus.“
„Moment mal, stop“, widersprach ich sofort, „das ist nicht nötig, mir geht es gut ehrlich!“

„Keine wiederrede“, sagte die Ärztin etwas verärgert, „mit einem Schädel Hirn Trauma ist nicht zu spaßen. Wir müssen sicher gehen, dass wirklich alles in Ordnung ist und du keine bleibenden Schaden davon trägst.“ Ihr Tonfall ließ nicht den geringsten Widerspruch zu. Mir blieb also nichts weiter übrig als mich brav auf die Trage zu legen und mich abtransportieren zu lassen. Im vorbeigehen blickte ich in das entsetzte Gesicht von Herrn Bruckner. Sein Kopf war angelaufen wie eine Tomate. An seiner Stirn drängen die Adern deutlich sichtbar hervor.
„Wir haben deinen Eltern Bescheid gegeben. Die Polizei würde auch alarmiert. Ruh dich jetzt erstmal aus,“ sprach Herr Bruckner und bemühte sich dabei vergebens möglichst ruhig zu wirken. Ich nickte ihr nur zu, drehte meinen Kopf Weg und rollte mit den Augen.
„Auch das noch“, dachte ich mir, „mir bleibt heute wohl auch gar nichts erspart.“

Die fahrt im Krankenwagen dauerte keine 10 Minuten. Ich wurde mit der Trage ausgeladen und auf eine andere Liege verfrachtet. Dort wartete ich eine Zeit bis ein Arzt und seine Assistentin sich die Ehre gaben. Nochmal die gleiche Prozedur. Puls, Blutdruck, Pupillen und wieder dies bescheuerten Fragen. Zu guter Letzt musste noch unbedingt ein Ct gemacht werden da ich ja noch Jugendlicher bin und bla…bla…bla. Als ich dachte, Ich hätte es hinter mir, schlug auch noch der FC GrünWeiß auf und löcherte mich nochmal mit Fragen. Ich war zu Frieden, als ich endlich meine Ruhe hätte. Sie schoben mich in ein Krankenzimmer mit zwei weiteren belegten Betten. In einem saß ein Junge, vielleicht 16 Jahre alt und zockte auf seiner PsP. Im anderen ein, vielleicht 8 Jahre altes Mädchen und schlief. Die Assistenzärztin erklärte mir noch kurz, dass meine Eltern schon warten und ich über Nacht hier bleiben musste. Ich wäre vor „Freude“ am liebsten aus dem Bett gesprungen. Die Assistenzärztin verließ den Raum. Ich konnte sie vor der Tür mit jemanden reden hören ohne zu verstehen, Was sie sagten. Da ging auch schon die Tür auf und meine Eltern traten ein.

Während meine Mutter so aussah, als wäre gerade ihre Lieblingstante gestorben, starrte mich mich Stiefvater nur an. Ich könnte dieses abwertende Starren von ihm nur zu gut, doch dieses mal war noch etwas anderes darin zu sehn. Ich könnte mir nur noch nicht erklären, was es war. Er schnaubte kurz sein „Ich geh gleich durch die Decke“ schnauben und fragte nur kurz: „Bist du es?“
„Was bin ich?“, fragte ich verwundert, „was meinst du?“ Ich hatte keine Ahnung was er meinte. Ich könnte beobachten, wie sein Gesichtsausdruck immer unansichtlicher wurde. Meine Mutter begann zu weinen, kramte einen Schminkspiegel aus ihrer Tasche und hielt ihm mir vors Gesicht. Erschrocken riss ich die Augen auf. Über die komplette Stirn entlang in großen Schwarzen Druckbuchstaben stand das Wort „Schwuchtel!“.

Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Ich musste an Patrick denken, an die Zeit die wir wieder miteinander verbracht hatten und an unsere neue alte Freundschaft. Und jetzt das. Mir zog sich der Magen zusammen. Es Tat so weh. Und noch schlimmer als der Schmerz war die Enttäuschung. Ich blickte hoch in das wutentbrannte Gesicht meines Stiefvaters. Jetzt wusste ich auch, Was mach in seinem Blick zu sehen war, blanke Abscheu. Auch in mir kocht nun die Wut über. Rationales Denken war nicht mehr möglich. Meine Emotionen brachen mit nur einem einzelnen kurzen Satz aus mir heraus.
„Fick dich!“, schrie ich ihm so laut ich nur konnte entgegen. Einen Moment war er perplex. Mit der rechten Hand holte er aus, war drauf und dran mir so richtig eine zu verpassen. Doch dann hielt er kurz inne, drehte sich um, packte meine Mutter am Arm und ging wortlos zur Tür hinaus…
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 29 Mai 2019, 18:23

Ach du Sch... :cry:
Auch wenn dieser Teil doch recht vorhersehbar war...also das mit dem Edding. ..das Felix gefunden wird ...und die Reaktion des Vaters .
Ich finde es trotzdem echt KRASS !!!
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 03 Jun 2019, 15:12

28. Uschi reimt sich auf…

„…how could I ever eat your Ass when you treat your biggest fan like that…“ Ich starrte noch immer auf die zugeschlagen Tür des Krankenzimmers. Anders als erwartet, brachte mir mein emotionaler Ausbruch keine Befriedigung. Hätte er wenigstens zugeschlagen oder mich noch besser gleich erschlagen. Vielleicht hätte ich die ganze Scheiße jetzt schon hinter mir. Aber den gefallen Tat er mir nicht. Unbewusst stiegen mir ein paar Tränen in den Augen hoch. Ich lehnte mich in mein Krankenbett zurück und starrte mit tränenunterlaufenen Augen in das kalte Neonlicht der Deckenlampe.

„Dein Alter ist ein Arsch“, krächzte eine stimmbruchgebeutelte Stimme neben mir. Ich war etwas erstaunt, schließlich kannte ich meinen Bettnachbarn nicht geschweige denn hätte ich auch nur den geringsten Versuch gestartet ihn kennen zu lernen. Mit der Rückseite meiner Hand wischte ich mir die Tränen aus dem Gesicht. „Einfach nicht beachten“, dachte ich mir und drehte mich zur Seite. Doch ihm schon es gar nicht aufzufallen, dass ich gerade so gar nicht in der Stimmung für Smalltalk war. Er redete einfach munter weiter.
„Und deine Mutter ist ne feige Sau. Sich so von dem Gartenzwerg rumzerren zu lassen. Und dieses weinerliche Getue ist ja wohl das allerletzte“, sagte er. Normalerweise kann ich es ja nicht ausstehen, wenn jemand schlecht über meine Mom spricht, auch wenn es natürlich stimmte was er sagte. Aber seine krächzstimme ließ das alles so komisch wirken, dass ich nicht wirklich sauer auf ihn sein konnte.
„Ich heiße übrigens Jakob“, fuhr er unvermittelt fort, „und du?“
„Felix“, antwortete ich knapp. Wie schon gesagt, Ich hatte keine Lust auf Smalltalk. Noch weniger Lust hatte ich darauf, neue Bekanntschaften oder gar Freundschaften zu schließen. Die die ich jetzt hatte waren schon beschissen genug. Da viel mir wieder der Schriftzug auf meiner Stirn ein. Ich stieg aus meinem Bett und nahm den Rucksack mit den frischen Klamotten den man mir gnädigerweise mitgebracht hatte. Zum Glück war auch Waschzeug mit eingepackt worden. Mein Körper schrie nur so nach einer Dusche.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis aus den tiefschwarzen Lettern ein nur noch kaum wahrzunehmender Schatten würde. Dafür leuchtete meine Stirn jetzt in einem knalligen rot. Ich betrachtete mein Gesicht in dem kleinen Badezimmerspiegel. An meiner rechten Wange war ein Bluterguss deutlich zu sehn und natürlich auch zu spüren. Der Cut an meiner Oberlippe viel dagegen kaum auf. Ich kontrollierte mein Gebiss, ob denn sich hier noch alles intakt war. Danach zig ich mich aus und stieg in die Dusche. Das heiße Wasser verfehlte seine Wirkung nicht. Mit jedem Tropfen, Der auf meine Haut prasselte, entspannte sich mein Körper ein wenig mehr. Und mit meinem Körper entspannte sich auch mein Geist und ich driftete wieder in meine Gedankenwelt ab. Dort angekommen kreisten meine Hirnströmungen nur um ein einzelnes winziges Erinnerungsfrakment, Patricks Gesichtsausdruck als er mit dem Stift an mich heran trat. Ich wusste in diesem Moment nicht, Was ich eigentlich genau fühlte. Es war ein Mix aus vielem. Da waren Wut und Enttäuschung, Aber auch Sorge.
„Hatte er das wirklich freiwillig gemacht? Was wenn Kevin ihn bedroht? Hat er vielleicht mitbekommen, dass wir wieder zusammen sind?“, dachte ich mir.
„Moment mal“, blitze es schlagartig in mir auf, „was hab ich da gerade gedacht? Ich meinte doch…“ Als mir klar würde wie merkwürdig sich mein letzter Gedanke anhörte, versuchte ich augenblicklich ihn vor mir selbst zu rechtfertigen, Was an sich jedoch seltsamer ist als der Gedanke selbst. Ich schüttelte den Kopf, machte das Wasser aus, öffnete den Duschvorhang und…

„Uaaaaa…“, mit einem läuten Schrei machte ich einen Satz zurück und versuchte mit dem Duschvorhang meinen Genitalbereich zu verdecken. Dabei Riss ich den Vorhang aus den Ösen, stolperte und lag nun wie eine Schildkröte auf dem Rücken. Und damit nicht genug, anstatt sich für seinen Überfall zu entschuldigen oder sich zumindest augenblicklich in Rauch aufzulösen, begann mein gegenüber lauthals zu lachen.
„Du solltest dich mal sehn…das ist einfach zu komisch…wart ich mach dir ein Foto“, brüllte Jakob unter Tränen frei heraus. Mir war gar nicht zum Lachen zumute. Neben meinem Kopf Tat nun auch noch mein Rücken Weg. Komplett zum Vollidioten hatte ich mich auch noch gemacht. Wutentbrannt nahm ich das nächstbeste was ich greifen könnte und schleuderte es in seine Richtung.
„Ist es zu viel verlangt hier ein bisschen Privatsphäre zu haben?“, schrie ich ihm stinksauer an, „musst du unbedingt gerade dann kacken wenn ich in der Dusche steh?“ Wenn Blicke töten könnten wäre wahrscheinlich nicht mal Asche übrig, so wütend war ich gerade.
„Hab dich doch nicht so“, lachte er immer noch, „ist ja nicht so, dass ich nicht weiß wie Jungs untenrum aussehen. Und nur so nebenbei, viel kann ich dir ja nicht wegkucken.“
Ich starrte ihn fassungslos an. In meinen fast fünfzehn Jahren hatte ich noch nie jemand so absolut schamloses getroffen. Ich raffte mich auf nahm mir ein Handtuch und verließ das Bad demonstrativ ohne mir das Handtuch um die Hüften zu wickeln.
„Ihhhhhhhgittt….“, kreischte es aus dem dritten Bett im Zimmer. Die Kleine hatte ich ja komplett vergessen. Das Lachen aus dem Bad wurde nur noch lauter.

Ich lag auf der Seite und wagte nicht aufzuschauen. Mein Kopf war immer noch feuerrot angelaufen. Halb aus Wut auf diesen verdammten Mistkerl Und halb aus Scham für meine freeballing Aktion vor dem kleinen Mädchen. Diese hatte natürlich sofort die Stationsschwester herbeordert um sich so richtig über mich auszuheulen, Was mir eine prompte Standpauke einbrachte. Ich wollte nur noch, dass es morgen wird und ich wieder nach Hause kann. Gelangweilt Griff ich nach meiner Hose um mein Handy raus zu holen. Doch statt meines Handys hatte ich meine Zigarettenschachtel in der Hand. „Meine Rettung“, dachte ich erfreut. Ich steckte mir die Schachtel samt Feuerzeug in die Tasche und wollte mich nach draußen machen.

„Das würd ich an deiner Stelle jetzt nicht tun“, klang es hinter mir.
„Spars dir einfach“, gab Ich immer noch gereizt zurück.
„Ich mein ja nur, Die Schwestern kriegen es mit wenn du jetzt nach draußen gehst. Und die werden dich garantiert nicht allein in der Gegend rum schleichen lassen“, sprach er weiter, „und wenn die erst noch mitkriegen das du Rauchen gehen willst…“
„Und wieso erzählst du mir das? Kann dir dich egal sein“, gab Ich zurück.
„Wie wär’s wenn du noch eine halbe Stunde wartest. Dann kommt die nächste Schicht und da passen die während ihre Übergabe garantiert nicht auf. Dann gehen wir nach draußen und können in Ruhe eine rauchen“, sagte Jakob.
„Das sag ich der Schwester,“ brüllte das Mädchen aus dem anderen Bett.
„Das würde ich an deiner Stelle bleiben lassen oder willst du das ich deiner Pippi heute Nacht die Haare schneide?“, fragte Jakob sie lächelnd. Daraufhin nahm das Mädchen ihre Puppe fest in den Arm und schüttelte ihren Kopf.

Eine halbe Stunde später stand ich Dan tatsächlich in einer Ecke vor dem Krankenhaus und inhaliert diesen unglaublich angenehmen Dunst. Mit einem Mal sah die Welt schon wieder ein wenig besser aus.
„Sorry wegen vorhin,“ sagte Jakob neben mir und stieß ein Schwall Rauch aus seinem Hals.
„Schon gut,“ entgegnete ich ihm.
„Ein Konversationschenie bist du ja nicht gerade?“, sprach er weiter. Ich zog lange an meiner Zigarette und ließ den Rauch in meiner Lunge zirkulieren Ehe ich ihn durch die Nase ausatmete.
„Hmm, vielleicht“, antwortete ich knapp, „kann ja nicht jeder so ne Quasselstrippe wie du sein“.
Er grinste: „ Stimmt, Ich bin einzigartig.“
„Nette Umschreibung für nervtötend,“ dachte ich nur. Er starrte mich weiter mit diesem aufdringlichen Lächeln an. So langsam ging es mir etwas auf den Zeiger.
„Was ist?“, fragte ich ihn letztendlich.
„Nichts, dachte mir nur gerade, dass du so ganz anders bist wie die anderen Schwulen die ich kenne.“
„Ich bin nicht schwul“, brach es mit einem mal aus mir heraus. Vor lauter Schreck ließ ich sogar meine Zigarette fallen. Er schaute mich kurz an und zuckte nur mit den Achseln.
„Um so besser, dann kann ich dir nämlich was zeigen“, sprach er packte mich am Arm und zerrte mich um die Mauer herum an ein schmales Kellerfenster. Er bedeutete mich leise zu sein. Vorsichtig schob er das Fenster ein Stück auf und grinste mich an.

„Da schau“, flüsterte er. Ich ging näher ans Fenster und schaute hinein. Auf den ersten Blick könnte ich nichts Besonderes entdecken. Erst als ich mich weiter im Raum umsah erkannte ich, Es war die Umkleidekabine der Krankenschwestern. Ich spürte wie mein Kopf wieder rot anlief.
„Hey Rutsch ein Stück“, sagte Jakob leise. Ich rutschte etwas zu Seite und starrte weiter nach innen. Ich sah zwei Junge Schwestern wie sie sich gerade aus ihrer Dienstkleidung pellten, bis sie nur noch in Unterwäsche dort standen. Doch es dauerte nicht mehr lange, Da entledigte sie sich auch noch dieser. Ich war geplättet. Ich hatte so was noch nie live gesehen. Ich könnte nicht beschreiben, Was gerade in mir vorging. Neben mir hörte ich eine leises rythmische Bewegung. Ich blickte zur Seite und sah, wie Jakob sich bereits genüsslich einen runter holte. Er hatte da wirklich schon einiges mehr zu bieten als ich. Mit geschlossenen Augen massierte er sich immer schneller. Auch mein kleiner Freund machte sich in der Hose bemerkbar. Ich wendete die Augen von Jakob und starrte wieder die beiden Schwestern an. Ihre nackten Körper glänzten im Licht der Neonröhren. Doch ich könnte mich kaum auf die beiden Schönheiten konzentrieren. Immer wieder schielte ich seitlich auf Jakob. Ich Griff mir in die Hose und ging auch an mir einen zu wixxen.

Wieder in Zimmer angekommen setzte ich mich aufs Bett und starrte wieder die Wand an.
„Sag mal, Woher weißt du eigentlich so viel über das Krankenhaus?“, fragte ich ihn zögerlich. Er sagte nichts. Ich schaute rüber zu ihm. Mit einem mal schien alles Fröhlichkeit von ihm gewichen zu sein. Er starrte traurig auf sein Bett.
„Sorry wenn ich was falsches gesagt hab“, versuchte ich die Anspannung aufzulösen. Er biss sich auf die Unterlippe und schüttelte schließlich den Kopf.
„Du hast nix falsches gesagt Felix. Es ist nur…ich bin hier fast Dauergast. Manchmal will halt mein Körper nicht so wie ich“, sagte er traurig. Ich verstand. Er wollte nicht genauer darauf eingehen. Jetzt machte auch seine sonst so überdrehte Art für mich einen Sinn. Ich musste schlucken.

„Erzähl mal, Was machst du sonst so außer dich zu prügeln und dich bemalen zu lassen?“, fragtest. Ich war ihm dankbar, dass er einen Weg aus dieser bedrückten Situation fand und erzählte ihm bereitwillig alles was er wissen wollte. Erst die entgültig letzte Aufforderung zur Bettruhe der fürsorglichen Nachtschwester Uschi brachte unseren Gesprächen ein Ende. Jedoch könnte Jakob sich einen letzten Witz nicht verkneifen: „ Was reimt sich auf Uschi……?“
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 04 Jun 2019, 12:08

29. Demütigung

„…fuck you all, fuck this world, fuck everything that you stand for…“ Nachdem mich mein Stiefvater am Tag darauf widerwillig aus dem Krankenhaus abholte, durfte ich noch für den Rest der Woche zuhause bleiben. „Ich sollte mich schonen und ausruhen“, schärfte der Arzt mein Alten immer wieder ein. Dem interessierte das eh nicht. Hätte es eine andere Möglichkeit gegeben, wäre er nochmal zum abholen gekommen. Auf der ganzen Fährt redete er kein Wort mit mir, Was mir eigentlich ganz Recht war. Zuhause angekommen ging ich sofort auf mein Zimmer und ließ mich in mein Bett fallen. Mein Schädel schmerzte zwar noch etwas, aber nichts dramatisches.

Meine freien Tage verbrachte ich dann mit viel zocken und noch mehr texten. Jakob hatte mir noch seine Handynumner gegeben und so schrieben wir allen möglichen Blödsinn hin und her. Alle anderen Nachrichten und Anrufe ignorierte ich konsequent. Von ihm wollte ich erst mal meine Ruhe haben. Denn auch wenn es mein Wunsch war unsere Freundschaft erst mal geheim zu halten, so hatte ich dich erwartet, dass er bei so nem Scheiß nicht mitmacht.

Ehe ich mich versehen könnte, war meine Woche Urlaub um. Und auch wenn ich noch so wenig Lust hatte, Ich musste wieder in die Schule. Ich hatte seit der fünften Klasse schon eine totale Lustlosigkeit wenn um Schule ging, aber jetzt gesellte sich auch ein wenig Angst hinzu. Kevin wurde langsam immer brutaler. Noch dazu hatte er seine speichelleckenden Vollidioten, während ich ganz alleine war. Wer sollte mir schon helfen? Die Lehrer? Eher unwahrscheinlich. Meine Mitschüler? Es kümmert sich doch eh jeder nur um sich. Freunde? Hab ich überhaupt noch welche? Tausende Gedanken schossen durch meinen Kopf als ich rauchend zur Bushaltestelle schlenderte. Innerlich spürte ich den Drang einfach stehen zu bleiben. Nicht weiterlaufen und den Bus einfach vor mir wegfahren lassen. Aber was half es mir denn? Ich konnte ja nicht ewig vom Unterricht fern bleiben, leider. Also tat ich was getan werden musste und stieg in den Bus.

Ich konnte die merkwürdigen Blicke der anderen Schüler rings um mich herum spüren. Mache kicherten andere waren sichtlich angewidert, andere wiederum schauten nur kurz her zu mir um dann schnellstmöglich wieder Weg zu sehn. Ich dachte mir nicht viel dabei. War ja klar, dass in kürzester Zeit jeder in der Schule von dem Vorfall Wind bekommt. Ich gab mein bestes mithilfe möglichst lauter Musik in meine Gedankenwelt einzutauchen und alles um mich herum einfach zu ignorieren. Doch die unerbittlichen, sich immer tiefer in mein Fleisch bohrenden Blicke wollten es nicht zulassen das ich mich in meine Welt zurückzog. Ich kam mir langsam schon ein wenig merkwürdig vor. Wie ein Tier in einem Zirkus, dass von allen Seiten vom Publikum beim Kunststücke vorführen begafft wird. Ich wollte nur noch raus aus dem Bus, mich einfach der Situation entziehen.
Nur kurze Zeit später wurden meine stillen Gebete erhört. Mit quietschenden Bremsen hielt der Bus vor der Schule. Eilig stand ich von meinem Sitz auf und wollte nach draußen. Ich wollte mich gerade in den Gang drängen da drückte mich eine Hand unsanft zurück in den Sitz.

„Ey Homo, lass gefälligst deine Pfoten von mir“, blaffte mich ein älterer Schüler an.
„Was ist dein Problem, Ich hab doch doch nicht mal berührt“, gab Ich wütend zurück.
„Halt die Fresse du Opfer sonst stopf ich sie dir hiermit, Da stehst du doch drauf“, sprach der Kumpel von dem Typ und griff sich dabei an seine Kronjuwelen. Die beiden gaben sich ein High Five und verließen lachend den Bus.
„Was stimmt nicht mit denen?“, dachte ich mir. Diesmal wartete ich bis alle Andern draußen waren. Erst dann Stan ich wieder auf und verließ eiligst das Fahrzeug.
Überall wo ich hingibt gafften mich die anderen Schüler an. Die meisten gaben sich nicht mal die Mühe ihr Getuschel zu verstecken. Mein Gang zum Klassenzimmer entpuppte sich immer mehr als Spießrutenlauf. Unterwegs begegneten mir immer mehr Leute mit obszönen Gesten. Andere bewiesen es nicht dabei und warfen mir die ein oder andere Beleidigung an den Kopf. „Schwuchteln“ oder „Homo“ waren die häufigsten Bezeichnung die ich zu hören bekam, Und auch die freundlichsten. „Was zur Hölle ist in dieser einen Woche hier passiert“, fragte ich mich, „Nur wegen diesem Scheiß Referat? Deswegen bin ich hier jetzt Staatsfeind Nummer eins?“ Ich könnte nicht glauben, dass es nur damit etwas zu tun hatte, könnte mir aber auch nicht erklären, Was mir sonst den Unmut der ganzen Schule zukommen ließ. Ich war fast froh als ich endlich unser Klassenzimmer erreichte.

Als ich den Raum betrat, war es mit einem mal mucksmäuschenstill. Alle Gespräche wurden abrupt unterbrochen. Auch hier wurde ich von allen Seiten angestarrt. Ich blickte mich um. Das erste was mir auffiel war der letzte Platz, auf den Patrick normalerweise saß. Das nächste waren die zufrieden grinsenden Fratzen von Kevin und Marvin. So langsam dämmerte mir etwas. Was auch immer geschehen ist, Kevin hatte auf alle Fälle etwas damit zu tun. Ich wusste nur noch nicht was. Ich lief an meinen Tisch, packte meine Schulsachen aus und setzte mich. Noch immer ruhten alle Blicke auf mir, so als ob sie auf irgendetwas warten würden. Aber ich wusste ja noch nicht einmal, Was passiert war und was sie jetzt von mir erwarteten. Ich konnte es jetzt nicht mehr ertragen.

„Was soll die Scheiße hier? Wenn ihr mir was zu sagen habt dann tut es und schaut mich nicht so bescheuert an“, sprach ich wütend in die Klasse. Das Grinsen der Halbaffen wurde immer breiter.
„Stimmt es?“, fragte schließlich Stefan, einer der wenigen in meiner Klasse die sich eigentlich eher für mich aussprachen wenn es hart auf Harz kommt.
„Stimmt was?“, gab Ich zurück.
„Na das mit dir und Patrick, seit ihr…“, fragte er weiter Ehe er mitten im Satz unterbrochen würde.
„Er will wissen ob ihr fickt!“, schrie einer der Halbaffen dazwischen. Mir würde ganz anders. Das über mich geredet wird gut, Aber diese ziehen die Patrick jetzt mit rein? Ich saß mit offenem Mund da. Mir viel nichts dazu ein.
„Na klar treiben es die beiden, habens wir doch alle auf den Bildern gesehn“, rief ein weiterer meiner Mitschüler.
„Und wie schön der kleine Felix seinen Arsch hingehalten hat, dachte eigentlich Patrick wäre bei den beiden das Mädchen!“, grölte ein weiterer in den Raum der augenblicklich von lautem Gelächter geflutet wurde. Mir wurde ganz anders.

„Was für Bilder? Wie kommen die auf den Scheiß?“, fragte ich mich. Ich könnte immer noch kein Wort sagen. Ich war komplett fassungslos. Als sie sahen, dass ich offenbar wirklich keine Ahnung hatte, stand Stefan auf holte sein Handy aus der Hosentasche und zeigte mir welche Bilder gemeint waren. Darauf waren ich und Patrick zu sehen. Ich auf allen vieren und Patrick….in mir drin. Mir wurde schlecht. Um mich herum begann sich alles zu drehen. Ich könnte keinen klären Gedanken mehr fassen. Ich stand auf, stolperte ein paar Schritte zurück. Und lehnte geschickt an der Wand. Da Stand Kevin auf. Mit den Händen lässig in den Hosentaschen lief er auf mich zu. Kurz vor mir blieb er stehen, beugte sich grinsend zu mir vor und flüsterte mir ins Ohr: „ Ich hab dir gesagt ich mach dich fertig“. Mein Kopf drehte sich. Unglaubliche Wut stieg in mir auf. Ohne auch nur eine Sekunde weiter nachzudenken hob ich mein Knie und rannte es Kevin in die Magengegend.

„Was ist hier schon wieder los?“, klang die Stimme unseres Lehrers von der Tür zu mir hinüber. Ich schaute ihn kurz mit tränenden Augen an stieß ihn zur Seite und rannte zur Tür hinaus…
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 04 Jun 2019, 16:45

:freaked: :-o
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 04 Jun 2019, 20:19

Ouh man... ich hätte jetzt mit irgendwelchen Fakefotos gerechnet. Aber er selbst auf allen vieren? Das heißt ja, das er nicht bewusstlos war und die ihn unter Drogen gesetzt haben. :cry: ich hoffe, er zeigt die beiden an. :rat:

Re: Schwarzer Schmetterling

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