Schwarzer Schmetterling

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Quianye
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 27 Mär 2019, 15:45

13. Schattenwesen

„…schwarz wird ewig existieren, schwarz am Anfang der Zeit….“ Es war kalt. Und es war dunkel. Gerade noch war ich in meinem Zimmer. Nun blickte ich mich um und sah nichts außer die geisterhaften Silluetten alter Bäume. Von überall um mich herum dröhnten Stimmen wie Kriegsmaschinen in meinen Ohren waren das Rascheln des Laubes mich zu verhöhnen schien. Umrissmenschen rannten an mir vorbei und zerrissen mir mit ihren eiskalten Klauen meine Kleidung. Ich sah mich selbst zitternd auf den Boden liegen, Die Beine an den Bauch gezogen und die Hände über den Ohren.

Doch so sehr ich mich auch bemühte, Ich konnte die Geräusche nicht dämpfen. Und je mehr ich es versuchte, desto lauter schienen die Gestalten zu schreien. Sie zerren an mir, rissen mir die wenigen verbliebenen Fetzen Kleidung vom Körper. Ich sah Augen rot wie Rubine gierig funkelnd auf mich hinabstarren. Eine dieser Gestalten kam immer näher an mich heran. Bald bedekte sie mir komplettes Sichtfeld. Ich Schloss die Augen. Ich wollte nur raus aus dieser Welt. Wollte die Gestalten hinter mir lassen. Ich wollte das es aufhört. Als ob die Kreatur meine Gedanken lesen könnte, fing diese plötzlich nur noch lauter an zu lachen. Alles um mich herum lachte. Dann spürte ich eine messerscharfe Kralle meine Brust entlangfahren. Kalt und tödlich. Ich wagte mich keinen Millimeter zu bewegen. Sie spielten mit mir, genossen meine Angst. Jeder Tropfen Schweiß, der mir den Rücken hinunter glitt stimulierte das Wesen nur noch weiter. Die Krallen glitten meinen Bauch hinunter bis zu meiner Narbe.

Ich versuchte zu schreien doch kein Ton entwich meiner Kehle. Der Schmerz war schier unaufhaltbar als meine Narbe Millimeter für Millimeter wieder geöffnet wurde. Ich spürte das Blut, wie es im Rhythmus meines Herzschlages aus dem Schnitt gepumpt wurde. Da sah ich eine weitere Gestellt auf mich zukriechen. Sie war weder schnell noch langsam und doch konnten meine Augen ihre Bewegungen kaum wahrnehmen. Ich sah Zähne aus dem weit geöffnetem Maul ragen. Dann nur noch Schmerzen. Unaussprechliche Schmerzen. Ich schaute auf mich heran. Sah zu wie mein Körper zerstückelt auf dem Boden lag. Ein bis zur Unkenntlichkeit entstelltes Stück Fleisch. Nur das Gesicht war unbeschadet. Aus den leblos wirkenden Augen flossen blutig rote Tränen. Ich hörte die Gedanken meines geschundenen selbst wie eine Anklage in meinem Hirn donnern:“ Ich hoffe, du bist jetzt zufrieden. Du bist Schuld, nur du!“ Der Satz halte wie ein Echo in meinem Kopf.

Unter tosenden Gelächter verschwanden die Gestalten wieder, verschmolzen mit der Umgebung, wurden wieder Finsternis. Ich lag wieder in meinem Bett. Die blutigen Wunden geheilt. Ich gleitet von oben wieder zurück in meinem Körper. Ich betrachtete meine Arme, meine Hände. Als ich mir sicher war, dass wieder alles in Ordnung war, seufzte ich auf. Meine Blicke wanderten zur Decke. Dort blieben sie an einem Punkt haften, Der mir fremd zu sein schien. Ich kniff die Augen zusammen und versuchte zu erkennen was das war. Immer stärker konzentrierte ich mich auf diesen einen Punkt. Bis ich bemerkte, Das es zwei Punkte waren. Wie im Zeitraffer würden aus den Punkten zwei grüne Smaragte, die in Lichtgeschwindigkeit auf mich Zurasten. Ein riesiges Maul öffnete sich und verschlang mich. Ein letzter Schrei Drang aus meinem Hals.

Ich schreckte auf. Klatschnass lag ich auf der ebenso durchnässten Matratze. Seit einer guten Woche schlafe ich schon sehr unruhig, noch unruhiger als sonst. Ich nahm mein Handy um die Urzeit abzulesen. 01:30 Uhr. Ich hatte ja öfters Albträume. Aber dieser hat so ziemlich alles getoppt. Ich stand auf und entledigte mich meiner nassen Unterhose. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, würde ich sagen, Ich hab mich vollgepisst, so nass war sie. Ich ging runter ins Bad um mir ein Handtuch zu holen. Auf dem Weg dorthin kam ich am großen Spiegel im Flur vorbei. Traurig betrachtete ich diese verdammte Narbe. Ich Taste sie ab. Sie Tat mir heute irgendwie mehr weh als sonst.

Abgetrocknet und mit frischer Unterwäsche legte ich mich zurück ins Bett. Nich einmal starrte ich auf mein Handy. Mittlerweile sind noch 4 Nachrichten von Patrick hinzu gekommen. Auf keine hab ich bisher geantwortet. Ich starrte weiter Löcher in die Luft. An schlafen war heute nicht mehr zu denken. Ich weiß nicht mehr ob es Müdigkeit oder irgend ein anderer Impuls war. Nach einer Weile tippte ich einen kurzen Satz. „okay, reden wir….“ Und drückte auf senden.
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Re: Schwarzer Schmetterling

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 28 Mär 2019, 12:34

Sorry wenn ich die Rechtschreibungmanchmal etwas aus dem Blick verlier. Aber das ganze aus dem englischen zu Übersetzten und gleichzeitig jugendfrei zu Gestalten ohne inhaltlich zu viel zu verändern fordert ganz schön.
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 08 Apr 2019, 11:37

14. Reden ist Silber….

„…ich bin Lazarus, Ich kann nicht gehen, so bleibt nur das fliegen,….“ Oswald Henke schaffte es immer wieder mich auf andre Gedanken zu bringen. Auch wenn mich manche seiner Textpassagen leicht überforderten, so regten sie mein Gehirn doch immer wieder an über wichtigere Dinge nachzudenken. Dieses mal fiel es ihm aber besonders schwer. Und obwohl er es letztendlich doch schaffte meine Gedankenwelt zu stabilisieren, komplett konnte er das flaue Gefühl im Magen nicht abschalten.

Ich hatte schon die Nacht davor ziemlich unruhig geschlafen. Diesmal hielten mich aber nicht irgendwelche Albträume wach, sondern meine Aufregung. Warum ich so Aufgeregt war weiß ich selbst nicht. Es gab mal eine Zeit, da war es das Normalste auf der ganzen Welt das wir uns trafen und etwas unternahmen. Doch diese Zeit ist seit gut eineinhalb Jahren vorbei. Ich hatte auch lange mit mir gerungen, ob ich mich den überhaupt mit ihm treffen wollte. Vor gut einer Woche hatte ich dann in einem Zustand zwischen Einsamkeit, Angst und Müdigkeit einem treffen zugestimmt.

Seitdem ging die ein oder andere Nachricht hin und her. Ich hab natürlich versucht meine Zustimmung zu dem Treffen rückgängig zu machen, doch es half nichts. Wir verabredeten uns schließlich für heute Nachmittag in der nächsten Großstadt am Bahnhof um irgendwo hin zu gehen wo uns niemand kennt und wir ungestört reden konnten. Patrick hatte ein Cafe vorgeschlagen, In dem er mal mit seinem Eltern war. Und auch wenn ich nicht so auf Cafés stand, und das vor allem etwas von „Datekarakter“ bekommen würde, willigte ich ein.

Ich stand also früh auf, duschte mich ausgiebig und, aus welchem Grund auch immer, rasierte mich an gewissen Stellen. Als ich mich dann dabei ertappte, wie ich verzweifelt meine guten CK Unterhosen suchte, war ich schon wieder kurz davor unser TREFFEN abzublasen. Ich schlug mir die Faust gegen die Stirn.
„Komm runter man, ihr trefft euch nur um zu reden. Es hat nichts aber auch gar nicht mit nen Date oder irgend so was zu tun“, redete ich mir Mantraartig immer wieder selbst ein, „Außerdem ist er ein Junge und dein bester……ex bester Freund.“
Der Bastard in meinem Kopf macht es mir manchmal echt nicht leicht. Ich öffnete mein Fenster, setzte mich auf die Fensterbank und ertränkt meine innere Stimme erst mal in Nikotin. Nachdem ich wieder ein Stück weit normal war, sofern man das überhaupt von mir behaupten kann, schaffte ich es schließlich mich anzuziehen. Wohlgemerkt ohne in ein „hach was zieh ich nur an“ Gehabe zurück zu fallen. Zurecht gemacht wie ich war ging ich in die Küche um mir noch einen Kaffee zu genehmigen. Zu meiner Verwunderung war meine Mom schon wach und saß am Tisch.

„Musst du in allerherrgottsfrüh schon wieder nach Rauch riechen?“, blaffte sie mich an.
„Dir auch einen wunderschönen guten Morgen Mama. Was machst du denn schon auf?,“fragte ich sie ohne weiter auf ihre, vermutlich sowieso rethorische, Frage zu antworten. Stattdessen ging ich an den Kaffeeautomat und ließ mir einen Espresso raus.
„Dein Herr von und zu Vater holt gerade den ganzen Frankenwald ab. Hatte gestern mal wieder zu viel getrunken. Was hast du eigentlich vor? Hast dich ja ganz schön rausgeputzt. Hast wohl ein Date?“, sie konnte ihr Grinsen kaum verbergen. Meine Eltern machten sich immer einen Spaß daraus wenn ich Mädchen mit nach Hause brachte. Sie kamen dann mit irgendwelchen dummen Sprüchen von wegen Verhütung und nicht so laut und so weiter. Meistens wäre ich da am liebsten vor Scham im Boden versunken. Seit ich mich jedoch zurück zog würde auch „Damenbesuch“ seltener, Was vor allem mein Herr Stiefvater dazu nutzte meine ganze Sexualität in Frage zu stellen. Umso erfreute war meine Mutter als sie mich gut zurecht gemacht an einem Samstagmorgen aufbruchbereit vorfand. Mütter halt.
„Ich Treff mich nur mit jemanden, nichts weiter. Ihr braucht übrigens nicht auf mich zu warten, könnte spät werden,“ sprach ich zu ihr und kippte den kleinen Koffeinkick hinunter, „ich muss dann auch los. Machs gut, Mom!“
„Spätestens um 10 bist du wieder da!“, rief sie mir noch knapp hinterher.

Nach 20min Busfahrt und 2 Bier mehr im Rucksack saß ich nun endlich im Zug und lauschte mit flauen Gefühl im Magen den lyrischen Ergüssen von Gothes Erben. Ich würde noch mindestens eine Stunde hier so sitzen und die vorbeifliegende Landschaft anstarren. Oder die anderen Leute im Zug beobachten wie sie ihrem eigenen Treiben nachgehen ohne ihrer Umwelt wirklich bewusst zu werden. Schon nach wenigen Minuten widmete ich mich wieder der Landschaft. Im Zug selbst gab es nichts und niemanden, der mein Interesse weckte. Mein Magen beruhigte sich langsam etwas, obwohl ich innerlich so aufgeregt war wie heute Morgen. Ich starrte auf die Uhr in meinem Zugabteil, immer und immer wieder. Erst war es 10:49 dann 11:05 dann 11:13. Noch 20 Minuten bis ich mich zum ersten mal seit langem wieder mit ihm treffe. Das erste mal seit fast eineinhalb Jahren. Mit jeder Minute wuchs meine Anspannung wieder. Nicht mehr lange und er wird die Wahrheit wissen wollen…und wieder begann ich zu zweifeln ob das wirklich richtig ist….
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 11 Apr 2019, 12:57

15. Bankgespräch

„…so fern, nur blind bemerkt man den eigenen Mut, springt in die Leere und füllt sie mit Blut…“ Der Zug stoppte mit lautem gequietsche an den Bahnsteigen meines Zielbahnhofes. Sofort bildete sich eine Menschentraube an der Abteiltür, die sich wie beim öffnen jener Türen wie eine Splitterbombe in sämtliche Richtungen verteilte. Ich war der letzte, der sich aus dem unbequemen Stühlen erhob und nach draußen ging. Eilig hatte ich es nicht. Eine Mischung aus Angst und Vorfreude breitete sich in mir aus. Meine Knie begannen weich zu werden, dass Atmen fiel mir mit jedem Schritt ein bischen schwerer. Ich wusste immer noch nicht, ob es wirklich so eine gute Idee war hierher zu kommen um mit Patrick zu reden. Schließlich hatte ich ihn, meinen besten Freund, damals sehr verletzt. Aber ich hatte ja keine Wahl. Ich könnte ihm nicht die ganze Wahrheit sagen. Ich kann es auch jetzt nicht. Meine Hoffnung bei diesen Treffen war nur, dass er verstehen würde und wir vielleicht wieder etwas näher zueinander finden würden. Ich dachte immer, Ich würde niemanden mehr brauchen. Doch da lag ich entsetzlich falsch. Das haben mir die letzten Wochen und Monate eindrucksvoll vor Augen geführt.

Ich ging also den Menschüberladenen und für mich schier endlos scheinenden Fluren des Bahnhofs entlang hinaus ins Freie. Die Sonne knallte mit all ihrer Wucht auf meinem Schädel. Taxis führen Kreuz und quer über das Bahnhofsgelände. Busse fuhren vor dem Bahnhof an und auch wieder ab. Feine Herren in Anzügen drängten sich genauso wie Familien mit Kindern oder irgendwelche abgefuckten Penner über den Vorplatz. Ich lies mich auf einer Bank nieder, zündete mir eine Kippe an, genoß die warmen Sonnenstrahlen auf meiner Haut und wartete auf Patrick.

Mein Handy vibrierte. Eine neue Nachricht. „Wo bist du?“, war ihr kurzer Inhalt. „Bin auf ner Bank vorm Bahnhof“, schrieb ich zurück. Keine 10 Sekunden später: „Bin in 5 Minuten da.“ Mir wurde langsam wieder etwas mulmig zumute. „Was wenn es doch ein Fehler war und er es einfach nicht versteht,“ dachte ich ohne zu merken das ich diesen Satz laut ausgesprochen hatte.

„Es geht mich zwar nichts an aber wenn du es nicht versuchst kann er es ja nicht versteht,“ hörte ich plötzlich eine Frauenstimme neben mir sprechen. Ich war wieder mal so in meinen Gedanken vertieft, dass ich nicht merkte wie sich eine Junge dunkelhäutige Frau neben mich setzte. „Verzeihung, Ich wollte nicht lauschen, Aber du siehst so mitgenommen aus da dachte ich ein gutgemeinter Rat könnte nicht Schaden,“ fuhr die Frau fort. Ich war verwirrt, vielleicht auch etwas verärgert. Ich hatte nicht vor hier mit irgendeiner wildfremden Person über etwas zu sprechen was dieser nun wirklich gar nichts angeht. All zu unfreundlich wollte ich aber auch nicht werden, denn wie sie schon gesagt hat, Es war ja nur gut gemeint. „Danke“, presste ich kurz hinter meinen halb verschlossenen Lippen hervor, für mich war die Sache damit erledigt. Für mich ja, für sie nicht.

„Weißt du Junge, Ich weiß wie es sich anfühlt wenn man etwas für sich behalten muss. Es frisst einen innerlich auf. Man versucht zu vergessen und zu verdrängen aber es kommt immer wieder hoch. Hier in Deutschland sagt man die Zeit heilt alle Wunden, Aber das tut sie nicht. Ich habe Jahre gebraucht bis ich endlich jemanden gefunden habe mit dem ich reden kann,“ erzählte sie weiter ob es mich interessierte oder nicht. Ich wollte das ganze nicht hören. Ich hatte genug mit meinen eigenen Problemen zu tun. Wie sollte ich mich auch noch um die Belange anderer kümmern. „Hier ich zeig dir was“, sagte sie und hob wie aus dem Nichts ihr Top hoch. Ich spürte, wie die Röte mir ins Gesicht schoss als sich diese zugegebenermaßen sehr hübsche Junge Frau neben mir in aller Öffentlichkeit ihr Körper präsentierte. Ich könnte mich jedoch nicht ganz zurückhalten und schaute sie aus dem Augenwinkel an. Doch was ich sah ließ mich erschaudern.

Ihr kompletter Körper war mit weißen, mittlerweile verheilten Narben übersät. Kaum ein Quadratzentimeter ihrer Haut war unverletzt. So etwas hatte ich noch nie gesehen. „Weißt du“, fuhr sie fort wärend sie ihr Oberteil wieder über zog, „da wo ich herkomme werden Christen immer noch verfolgt. Unsere Häuser werden verbrannt, Die alten getötet, die Jungs meistens auch. Wir Mädchen sind noch schlimmer dran.“ Ich sah wie sich das Wasser in ihren nussbraunen Augen sammelte. Mir steckte ein Kloß im Hals. Natürlich liest man immer wieder davon, es aber aus erster Hand zu hören war nochmal was ganz anderes.
„Um selbst zu leben hab ich etwas unverzeihliches getan. Ich bin ihnen entkommen und hab meine Schwester bei diesen Monstern gelassen. Ich weiß nicht mal, ob sie noch lebt. Ich war noch so jung. Aber jetzt bereue ich es so sehr. Ich hab mich so sehr dafür geschämt. Aber ich kann es nicht mehr rückgängig machen. Und irgendwann muss ich das vor meinem Schöpfer verantworten. Ich hoffe er verzeiht mir.“ Dicke Tränen liefen von ihren Wangen. Auch ich spürte, wie meine Augen feucht wurden.

„Wieso erzählen sie mir davon?“, fragte ich sie. Doch anstatt mir zu antworten, zeigte sie mir die Innenseite ihres Armes. Es waren 3 deutlich sichtbare längliche Narben zu sehn. Da Verstand ich. Ich nickte ihr zu.
„Kein Geheimnis der Welt sollte wichtiger sein als das eigene Leben. Wenn meine Geschichte hilft jemanden vor den gleichen Fehlern zu bewahren, ist das vielleicht ein kleines bisschen Buhse für meine eigenen Sünden. Bitte denk an meine Worte.“ Mit diesem Satz stand sie auf und ging. Ich wurde wieder nachdenklich. Würde ich irgendwann auch diesen Weg gehen? Weich nicht schon einmal fasst so weit? Gedanken über Gedanken huschten durch meinen Kopf.
„Hallo, Erde an Felix….“
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 12 Apr 2019, 02:00

Schöne Geschichte und gut geschrieben, endlich gibts auch ein paar mehr Hintergrund Infos. Ich fand es bis hier etwas langatmig. Um sich anfangs besser in die Hauptfigur hinein zu versetzen war es ein wenig zu weit gezogen.
Sonst aber schön flüssig zu lesen, freu mich auf mehr :flag:

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 12 Apr 2019, 06:15

Matti hat geschrieben:Schöne Geschichte und gut geschrieben, endlich gibts auch ein paar mehr Hintergrund Infos. Ich fand es bis hier etwas langatmig. Um sich anfangs besser in die Hauptfigur hinein zu versetzen war es ein wenig zu weit gezogen.
Sonst aber schön flüssig zu lesen, freu mich auf mehr :flag:


Ich weiß was du meinst. Ging mir genau so als ich die Geschichte zum ersten Mal gelesen hab. Ist kommt auch im Verlauf noch häufiger vor das vieles lang gezogen wird und man öfters an eine Stelle kommt wo man sich denkt "jetzt komm endlich zum Punkt". Auch die Albtraumsequenzen können teilweise ganz schön nerven, geben aber am Ende ein Gesamtbild und sind Dan fast schon wie eine Geschichte in der Geschichte. Fairerweise muss ich aber auch dazu sagen, dass ich einiges was als Hinweis im Original gedient hat aufgrund des Jugendschutzes streichen musste. Schade das sein Tumblr Account gelöscht würde, Da hattet ihr es im Original auf englisch lesen können. Ansonsten danke für das Feedback. Freut mich das meine Übersetzungskünste ankommen.
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 16 Apr 2019, 11:17

16. Ruine

„…so gebar die Hochmut den Fall, Die Angst und das Nichts,…“ ich war mal wieder vollkommen abgedriftet in meine Gedankenwelt. Ich könnte nichts dagegen tun. In solchen Momenten fühlte ich mich wie eine Motte, die wohlwissend um ihr eigenes Verderben immer weiter in Licht flog. Mein Flug wurde diesmal recht frühzeitig unterbrochen.

„Hallooooo, Erde an Felix, antworten sie wenn sie mich hören können,“ hallte es erneut in meinen Ohren. Ich hob langsam meinen Kopf und blickte in zwei große leuchtend grüne Augen die mich erwartungsvoll anblinzelten. Ich blickte ihn tief in die Augen. Sie schienen so tief, dass man sich in ihnen verlieren könnte.
„Halt, Stop, jetzt bloß nicht wieder abdriften, wach bleiben“, befahl meine innere Stimme. Ich schüttelte mich kurz, raffte mich mit Mühe von seinen Augen weg und stand auf.

„Da bist du ja endlich, dachte schon du hast es dir anders überlegt“. Ich versuchte möglichst cool zu klingen um mein beinahe Abdriften so gut es eben geht unter den Tisch fallen zu lassen.
„Das hätte dir wohl so gepasst was? Aber vergiss es, eher wäre ich her gelaufen als das ich dich wieder von der Angel gelassen hätte,“ sprach er und grinste mich dabei verschmitzt an. Ich sah wieder diese Grübchen auf seinen Wangen, die sich jedesmal bildeten wenn er so grinste. Ein warmes Gefühl machte sich in mir breit und ich musste mir eingestehen, dass ich es wirklich vermisst hatte etwas mit Patrick zu unternehmen. Auch mein Mund formte sich zu einem Lächeln.

„Jetzt machst du mir aber Angst. Tut Dur was weh oder war das tatsächlich eine freundliche Mimik?“, fragte er und sein Grinsen wurde immer breiter.
„Ach, lass die Scheiße“, erwiderte ich in gespielt angepissten Ton, „sag lieber wohin du jetzt willst. Hast du nicht was bin nem Café erzählt?“
„Ja schon, dachte mir dann aber, dass es dich irgendwie schwul ist wenn sich zwei Jungs zum reden in ein Café setzen und ne Latte schlurfen“, sagte er in gespielt tuntigem Tonfall und machte dabei eine klischeehafte Handbewegung, „Ich weiß da was besseres, komm einfach mit.“
Ich verdrehte die Augen. Ich hatte mir zwar etwas ähnliches gedacht, sah aber nicht unbedingt einen Grund mich derartig drüber lustig zu machen. Man muss ja schließlich keine Tucke sein um sich normal in einem Café zu unterhalten. Aber egal, jedem sein Vorurteil.

So liefen wir also erst einmal Quer durch die Fußgängerzone. Patrick wollte für uns noch etwas zum Essen besorgen und er wusste natürlich ganz genau wo es den weltbesten Döner in ganz Deutschland gibt. Unterwegs Sprachen wir zwar viel aber eigentlich nur über Belanglosigkeiten wie das Wetter, wie es denn sonst so läuft und so weiter und so weiter. Ich merkte wie es ihn danach brannte vom Smalltalk auf das eigentliche Thema zu kommen, er hielt sich jedoch zurück. Nach gefühlten Stunden und zigtausend Kilometern Kreuz und quer durch die Stadt, mit Zwischenstopp beim „Weltbestendönerladen“ kamen wir endlich an unserem Ziel an.

„Hier???“, fragte ich etwas ungläubig.
„Hier!“, kam die prompte Antwort.
Wir standen vor einem, sagen wir mal renovierungsbedürftigem Altbau mitten in der Stadt. Das Gebäude selbst war von einem hohen Bretterzaun umgeben. Einige Fensterscheiben waren eingeschlagen. Unzählige Schmierereien zierten die bröcklige Fassade. Teile des Dachs lagen Schutzlos den Witterungen ausgeliefert.
„Woher kennst du bitteschön solche Orte?“, fragte ich immer noch sichtlich erstaunt, „Ich glaub man sollte sich eher Sorgen um dich machen.“
„Bin bei MySpace in so einer Gruppe, die in verlassene Gebäude und Ruinen einsteigt um sie zu erforschen. Da bin ich auf das Haus gestoßen“, erklärte er, „außer ein paar Penner und Junkies kommt hier denk ich niemand mer her.“
„Na wenn das sooo ist,“ ohne meinen ironischen Unterton auch nur ansatzweise verstecken zu wollen gab Ich meine Meinung zu der Bruchbude Preis. Ohne auf eine weitere Reaktion zu warten, nahm mich Patrick am Arm und zerrte mich zur Rückseite des Hauses. Durch ein loses Brett im Gartenzaun gelangen wir in den Garten.

„Hier, die Kohletür ist offen hier kommen wir rein,“ sagte Patrick und versuchte mich weiter zu zerren. Doch ich hielt dagegen. Verwundert drehte er sich um. Ich konnte sehn, dass er darauf nicht vorbereitet war. Ich erkannte Unsicherheit, vielleicht sogar etwas Angst in seinem Blick. Vielleicht Angst davor, dass ich es mir anders überlegt hatte? Wir schauten uns einen Moment lang schweigend an.
„Was ist?“, unterbrach Patrick zögerlich das Schweigen. Der Unsicherheit war nun Traurigkeit gewichen, „pass auf ich versteh schon. Es ist okay wenn du…“ Ich lies ihn den Satz nicht beenden. Ich nahm allen Mut in mir zusammen, packte ihn an den Schultern und drückte ihn gegen die Hauswand. Ein leichtes Stöhnen entwich seinem Mund.
„Was..??“. Er versuchte wieder einen Satz zu beginnen. Dich ich bedeutete ihm still zu sein. Sein Kopf wurde feuerrot, seine Augen funkelten ungläubig. Er entspannte sich. Wehrte sich nicht mehr gegen meinen Griff. Ich kam näher an ihn heran, bis meine Stirn fasst die seine berührte. Ich öffnete zaghaft den Mund. Er schloss die Augen.

„Patrick hör zu. Ich will heute offen zu dir sein und versuchen dir alles zu erklären, Was du willst. Aber es gibt Dinge, die kann und will ich auch nicht sagen. Noch nicht zumindest. Bitte versteh das, okay,“ meine Stimme zitterte. Doch ich musste das klarstellen bevor es wieder so endet wie letztes mal. Stille. Er sagte keinen Ton. Er starrte mich nur verwirrt an. Ich wusste nicht was ich davon halten sollte. Meine Augen wurden feucht. Ich blickte zu Boden und wischte mir mit der Hand übers Gesicht. Da spürte ich wie aus dem Nichts zwei Arme die sich fest um mich schlungen. Nach meiner anfänglichen Verwunderung erwiderte ich die Umarmung.
„Ist okay..“, sagte er kurz. Ich merkte wie die Stelle, an der sein Kopf an mich lehnte feucht wurde…
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 18 Apr 2019, 14:57

17. Schweigen ist Katzengold

„…du hast mich gefragt, du hast mich gefragt, du hast mich gefragt und ich hab nichts gesagt…“ wir saßen gemeinsam auf dem Dachboden des Hauses. Durch die Löcher im Dach Drang das Sonnenlicht ins Innere und zeichnete dabei helle Streifen in die Luft. Das Bauwerk macht von innen einen noch viel schlechteren Eindruck als bin Außen. Überall waren die Bodenbretter durchgebrochen. Die Täfelung an den Wänden faulte fröhlich vor sich hin. An den morschen Treppen fehlt teilweise ganz und gar das Geländer. Das wir es überhaupt hier hoch geschafft haben, glich einem Wunder. Allerdings war deutlich zu erkennen, dass wir nicht die ersten waren die dieses Wunder vollbracht haben. Um uns herum lagen unzählige zerknüllte Bierdosen. In einer Ecke könnte ich ein Gebilde ausmachen, das vermutlich nachts zu schlafen genutzt wurde. Einige gebraucht Spritzen und seltsam gebogene Teelöffel lagen daneben. Der Geruch von Staub und Bier drängte sich in meine Nase.

„Ich glaub so im Nachhinein betrachtet war ein Café doch keine so schlechte Idee“, sprach Stirnrunzelnd zu Patrick. Der Geruch hier machte mir nichts aus, ebenso wenig wie die Gefahr jederzeit 3 Stockwerke ungebremst in die Tiefe zu stürzen. Keine besonders angenehme Vorstellung aber es gibt schlimmeres. Was mir wirklich Sorgen machte war die Vorstellung jederzeit von einer Horde Junkies oder Pennern oder Pennerjunkies überfallen und ausgeraubt werden zu können.
„Du kannst immer nur meckern“, sagte Patrick leicht beleidigt, „früher warst du mal abenteuerlustiger. Außerdem sind wir hier völlig ungestört.“ Seine Argumentation machte Sinn, für den Moment zumindest. So ganz konnte ich trotzdem nicht glauben, dass wir lange ungestört bleiben würden. Ich Rang mich trotzdem zu einem zustimmendes „hast ja Rech“ durch. Eine Zeit lang saßen wir nur so da. Eine beklemmende Stimmung machte sich breit, bis Patrick endlich die Stille unterbrach.

„Ich hätte nicht gedacht, dass du tatsächlich nochmal mit mir reden würdest“, begann er, „nicht nachdem wir Sir das angetan haben.“ Ich hörte die Traurigkeit in seiner Stimme. Auch ich musste unweigerlich an diesen Tag denken, versuchte es aber mir nicht anmerken zu lassen.
„Weißt du, Ich hab versucht sie davon abzuhalten. Aber Kevin meinte nur du hättest es verdient. Und wenn ich kneifen würde, wäre ich ein Verräter und keinen Deut besser als du. Aber als ich dich da so liegen sah wusste ich, dass es falsch war. Es tut mir ehrlich leid Felix. Das musst damit glauben. Aber ich dachte ich hätte keine Wahl. Ich hatte meinen besten Freund verloren. Ich wollte nicht auch nich meine anderen Freunde verlieren...“ Seine Stimme zitterte leicht. Er wusste selbst, dass diese Erklärung vollkommener Schwachsinn war.
„Lass gut sein“, unterbrach ich ihn apprubt, „du weißt doch selbst wie lächerlich das klingt. Aber egal, ist eh schon passiert.“ Ich versuchte möglichst gelassen zu klingen obwohl in ich in diesem Moment große Lust gehabt hätte ihm ordentlich eins einzuschenken. „Das du diese Pisser als Freunde bezeichnen musst ist eh Strafe genug.“

Wieder Schweigen. Die Situation war ihm offenbar genau so unangenehm wie mir. Ich seufzte laut auf. Um die Situation etwas aufzulockern kramte ich aus meinem Rucksack meine Zigaretten und das mitgebrachte Bier hervor. Eine Dose gab Ich ihm die andere öffnete ich mir und nahm einen großen Schluck. Dann zündete ich mir eine Zigarette an.
„Auch eine?“, fragte ich ihn und hielt ihm die Schachtel hin. Er nickte und nahm zögerlich eine. Ich hab ihm mein Feuerzeug. Er zog einmal, zweimal. Plötzlich begann erst zu husten, als würde er seine Lunge gleich mit ausspeien. Ich könnte nicht anders und begann laut zu lachen.

„Das ist nicht witzig,“ warf er mir leicht verärgert entgegen. Ich bemühte mich mit dem Lachen aufzuhören. Er schaute mich immer noch böse an. Ich schaute zurück. Unsere Blicke trafen sich.
Wir konnten nicht mehr an uns halten und lachten beide laut los. Noch immer lachend schlang er seinen Arm um meine Schulter. Es durchzuckte mich wie tausende kleine Nadelstiche. Ein seltsames Gefühl machte sich in mir breit. Kein schlechtes oder unwohles. Ganz im Gegenteil. Es fühlte sich gut an wieder mit jemanden Lachen zu können. Ich wurde stumm.
„Weißt du wie weh es mir getan hat als du…ich meine wir nichts mehr miteinander zu tun haben wollten,“ fragte ich ihn mit ernster Mine, „ich hab das echt nicht so gewollt. Ich hielt es für das Beste.“ Ich spürte seinen Blick auf mir ruhen. Ich wusste nicht was jetzt alles kommen würde, Aber ich würde ehrlich zu ihm sein, soweit das möglich ist.

„Ich war….vielleicht bin ich sogar noch dein bester Freund. Vielleicht im Moment sogar dein Einziger. Ich hab doch damals schon gemerkt das du mir nicht die Wahrheit sagst. Ich war verletzt das du mir nicht vertraust. Erst später würde mir klar, dass es einen Grund geben musst,“ sagte er. Ich hörte ihm zu. Wir kannten aus schon so lange. Es hatte mir klar sein müssen das, wenn einer gleich Bescheid wusste, dann er. Nach einer kurzen Pause fragte er: „Was ist damals passiert? Wieso hasst dich Kevin seitdem so?“ Ich wusste das diese Frage unweigerlich kommen würde. Ich fasste mir ein Herz, atmete noch einmal ein und aus.
„Patrick, Was wäre wenn ich Schuld daran wäre, das Alex jetzt im Rollstuhl sitzt…“
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 22 Apr 2019, 13:03

Diese Geschichte wird auch immer besser ;)
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 25 Apr 2019, 14:09

Simson hat geschrieben:Diese Geschichte wird auch immer besser ;)


Schön wenn sie dir gefällt. Solche Kommentare geben echt Antrieb die Sache weiter zu führen. Langsam nimmt das ganze auch endlich etwas fahrt auf...auch wenn sich die Geschichte noch ganz schön ziehen wird...
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 29 Apr 2019, 12:10

18. Schuld

„…viel zu oft beherrschte mich die Angst vorm Fallen, schon so lang tobt der Wunsch in meinem Blut…“ wieder war es Still auf dem kalten Dachboden. Patrick starrte mich mit weit aufgerissenen Augen an. Sein Schweigen machte mich von Sekunde zu Sekunde nervöser. Meine Magen verkrampfte sich allmählich unter der Anspannung. Seine Lippen bewegten sich, brachten aber keinen Ton hervor. Ich atmete nochmal tief ein.
„Eigentlich wollte ich an dem Tag zu Kevin. Wir hatten uns zum zocken verabredet,“ fuhr ich langsam fort. „Er war aber noch mit seiner Mom unterwegs. Ich wollte vor der Tür auf ihn warten aber Alex wollte, dass ich mir rein komme. Da waren auch noch seine Kumpels und die waren…naja, allesamt nicht mehr ganz bei sich und…“

„Halt stop mal,“ unterbrach mich Patrick. Ich konnte immer noch nicht erkennen, was er gerade dachte. Er schien mir nur immer noch Recht durcheinander.
„Du sagtest doch damals das du erst später dazu gekommen bist als er schon die Treppe hinunter gestürzt war?“, fuhr er fort, „und Alex sagte auch nichts davon, dass du schon eher da warst. Das war also alles gelogen? Wieso zur Hölle habt ihr nicht gesagt was da passiert ist?“ Er klang jetzt wütend. So wie beim letzten mal als wir uns verstritten hatten. Irgendwie kann ich es ihm auch nicht verübeln.

„Weißt du Patrick,“ ich könnte die Tränen nicht zurückhalten als ich stotternd versucht weiter zu erzählen, „Es ist nicht schön was mit ihm passiert ist. Aber das Schwein hat es verdient. Verrecken hätte er sollen!“ wutentbrannt und unter Tränen sprang ich auf und rannte in eine andere Ecke des Raumes. Es war einfach gerade zu viel für mich. Die Erinnerungen, die in mir hochkochten brannten wie ein glühendes Messer auf meiner Seele. Ich wollte nicht mehr zurückhalten. Und selbst wenn ich gewollt hätte, Ich hätte es wohl nicht geschafft. Ich stand da in der Ecke, auf dem alten maroden Dachboden und heulte mir einfach nur die Seele aus dem Leib. Alles was sich in mir in knapp über eineinhalb Jahren Aufgestaut hatte, brach mit einem mal aus mir heraus. Ich heulte bis meine Knie nachgeben und ich auf den dreckigen Boden sackte. Ich zog meine Beine an den Bauch und heulte weiter in mich hinein.
Als ich aus meiner tranceartigen Starre langsam erwachte, bemerkte ich, dass Patrick neben mir saß. Seine Wärme Hand streichelte sanft über meine Schulter. Unbewusst lehnte ich mich gegen seine schmale Schulter und ließ mich von ihm trösten.

„Ich weiß nicht was passiert sein kann was so schlimm für dich ist, dass du ihm den Tot wünscht. Aber wenn es so schlimm ist, kann ich jetzt irgendwie verstehen, dass du nicht darüber reden willst. Ich bin für dich da. Ich bin dein bester Freund,“ mit diesen Worten nahm mich Patrick fest in den Arm. Ich genoss seine Nähe, Die Wärme, die von ihm ausging. Ich fühlte mich irgendwie geborgen in seinen Armen, so als ob ich nur hier ich selbst sein könnte. Verletzlich, kaputt und zutiefst gestört.

„Danke…,“ presste ich aus meinen Lungen hervor, „Danke das du da bist. Ich weiß nicht wie lange ich noch durchgehalten hätte ohne dich.“ Wir saßen noch eine Zeit lang einfach nur da, Arm in Arm, dicht beisammen. Endlich spürte ich wieder dieses Gefühl, nicht vollkommen alleine zu sein. Wieder jemanden zu haben, mit dem ich reden könnte. Ein Lächeln breitete sich in meinen Gesicht aus. Es Tat so gut den ganzen Schmerz einfach so raus zu lassen. Ich schaute Patrick in seine Smaragdgrünen Augen. Es waren diese Augen, Die mir in meinen funkelten Albträumen immer ein wenig Licht gespendet haben. Diese Augen, die ich selbst verstoßen hatte und nach denen ich mich so gesehnt hatte. Nun funkelten so mich wieder an und schenkten mir erneut Hoffnung. Wir starrten uns tief in die Augen und lächelten.

„Irgendwann bin ich so weit, dir wirklich alles zu erzählen,“ flüsterte ich sanft in sein Ohr.
„Egal was passiert ist, Ich bin und bleib dein bester Freund,“ flüsterte er zurück. Wir umarmten uns noch einmal Ehe er sprach: „aber jetzt sollten wir uns erst mal auf den Heimweg machen.“
Wir verließen das alte Haus. Und auch wenn ich hier drin meinen Besten Freund wieder gefunden habe , so war ich doch Recht zufrieden hier lebend wieder raus zu sein. Feixen liegend wir durch die Abenddämmerung in Richtung Bahnhof. Nachdem ich uns, mithilfe meines „korrigierten“ Schülerausweises, Proviant für die Heimfahrt besorgt hatte, stiegen wir in den nächsten Zug nach Hause. Es war seltsamerweise nichts los und wir hatten ein Abteil ganz für uns alleine. Wir tranken und alberten und merkten gar nicht, wie schnell die Zeit verging. Im Null Komma nichts waren wir fast zu Hause. Das einzige Problem war Patricks Zustand…
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 29 Apr 2019, 21:02

19. Pyjamaparty 1

„…Dreh dich Dreh dich, Tanz und Dreh dich, ewig…“ Mit quietschenden Rädern hielt der Zug an unserem Zielbahnhof an. Ein Ruck ging durch das gesamte Zugabteil. Ich könnte Patrick gerade noch so halten als dieser im Begriff war nähere Bekanntschaft mit dem Fußboden zu machen. Die paar Bier, die wir zusammen gekippt hatten , haben bei ihm deutliche Spuren hinterlassen. Seine Augen waren glasig und er wankte beträchtlich hin und her. Ich seufzte laut auf. Hätte ich gewusst, dass seine Toleranzgrenze gegenüber Alkohol so niedrig liegt, hätte ich erst gar nicht angefangen mit ihm zu trinken. Doch diese Erkenntnis kam leider etwas spät.

„Kannst du dich nicht etwas zusammenreißen?“, fragte ich ihn stirnrunzelnd. „Typische rethorische Frage eigentlich“, dachte ich mir noch im selben Moment. Er kann ja nicht mal mehr gerade stehn. Alleine das Verlassen des Zuges ging nicht ganz reibungslos von Statten.
"Es ist alles gut“, lallte er, „ich bin vollkommen nüchtern. Mir geht es …“ kaum ausgesprochen kotzte er sich in hohem Bogen aufs Gleisbett. Ich packte ihn von hinten an der Schulter um zu verhindern, das er mir noch auf die Gleise stürzt. Das er sich bei der kotzerei die Hose einsaut, konnte ich allerdings nicht verhindern.
„So viel zum Thema nüchtern“, warf ich ihm etwas vorwurfsvoll entgegen. Eigentlich Tat er mir mehr leid. Besoffen zu sein ist letztendlich kein sehr gutes Gefühl.
„Scheiße Alter meine Mom bringt mich um wenn die mich so sieht. Was mach ich denn jetzt?“ Ich setzte ihn erstmal auf eine Bank um schlimmeres zu verhindern.

„Komm, gib mal dein Handy“, sagte ich zu ihm.
„Hä, du hast doch selber eins…“, antwortete er.
„Frag nicht so viel, mach einfach,“ unterbrach ich ihn bevor er mit der Diskussion richtig starten könnte. Ohne weitere Widerworte kramte er sein Telefon aus der Tasche, entsperrt es und gab es mir. Ich suchte aus den Kontakten die Nummer seines Vaters und wählte. Ich wollte bewusst nicht seine Mutter anrufen. Die könnte nämlich manchmal ne ganz schöne Glucke sein wenn es um ihren Patrick geht. Sein Vater war da lockerer. Außerdem mochte er mich irgendwie schon immer.

„Ja was ist los Patrick,“ ertönte die tiefe Männerstimme von Patricks Vater.
„Hallo Herr Sommer, Ich bins, Felix.“
„Ja Hallo Felix, von dir haben wir ja schon ewig nichts mehr gehört. Ist alles okay? Was ist mit meinem Sohnemann?“
„Dem geht’s gut, Wir sind nur grade erst vom Bolzplatz gekommen und wollten eigentlich nur Fragen, ob es nicht besser wäre, wenn Felix heute bei mir übernachte. Er trat sich mal wieder nicht zu Fragen. Es ist ja auch schon fast dunkel und er wollte noch bei mir duschen und dann wird’s ja eh schon recht spät.“ log ich in der Hoffnung, dass das ganze plausibel genug klingt.
„Ja warum nicht. Bei dir ist er ja gut aufgehoben. Macht nur keinen Blödsinn. Er soll sich dann Morgen mal melden.“
„Na klar richtig ich ihm aus. Danke Herr Sommer.“
„Nichts zu danken. Viel Spaß euch beiden…“, mit diesen Worten legte Patricks Vater auf.

„Bei mir in guten Händen?“, dachte ich mir, „und Spaß werd ich mit dem heut keinen mehr haben.“ Ich drehte mich wieder zu Patrick um. Dieser spielte mittlerweile den sterbenden Schwan auf der Bahnhofsbank. Ich reichte ihm die Hand hin und half ihm auf.
„Los komm,“ sagte ich und schleifte ihn halb unter dem Arm geklemmt neben mir her. Zum Glück sind um diese Uhrzeit schon sämtliche Bürgersteige hochgeklappt und es war kaum jemand unterwegs. Einzig ein altes Ehepaar mit ihren kleinen Kläffer lief uns über den Weg und warf uns ein paar verachtende Blicke entgegen. An so etwas störte ich mich aber schön lange nicht mehr.

Fast zwei Stunden brauchten wir für die knapp 4 Kilometer zu meinem Elternhaus. Wir redeten so gut wie kein Wort auf dem Weg. Er nicht, weil er zu betrunken war, Ich nicht, weil ich genug damit beschäftigt war ihn auf den Beinen zu halten. Am Haus angekommen setzte ich ihn erst einmal an die Treppe vom Hintereingang. Ich setzte mich neben ihn und rauchte erst mal noch eine Zigarette.
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 29 Apr 2019, 21:06

20. Pyjamaparty 2

„Wo bin ich,“ schrie Patrick plötzlich auf und sprang mit einem Satz in die Vertikale.
„Würde es dich umbringen etwas leiser zu sein? Es ist elf Uhr nachts und du bist bei mir“, zischte ich ihn entgegen.
„Aber ich muss doch Heim zu Mama“, stammelte er weiter. Da ging auch schon das Licht bei uns in Haus ein. Ich wusste genau was jetzt kommen würde. Mit einem Ruck wurde die Tür aufgerissen und mein Herr von und zu Vater stand schnaubend in der Tür. Noch bevor ich etwas sagen könnte fing ich mir erst mal eine gewaltige Ohrfeige ein.

„Du verdammter Bastard, hast du schon mal auf die Uhr geschaut?“, schrie er mich an. Ich hab keinen Antwort und starrte nur auf den Boden. Zack, fing ich mir noch eine ein.
„Was ist mit dem los? Zu viel gesoffen oder was?“, brüllte er weiter. Ohne eine Antwort abzuwarten zeigte er ins Haus und fuhr fort:" Rein mit euch, waschen und ab ins Bett. Und Wehe er kotzt mir die Bude voll, dann kannst du die Scheiße sauber machen“. Wortlos nahm ich Patrick am Arm und schleifte ihn hinter mir her ins Bad.

„Tut es sehr weh?,“ fragte Patrick mich als ich die Badezimmertür hinter uns schloss. Die Begrüßung hatte ihn wohl schlagartig wieder nüchterner gemacht. „Geht schon“, entgegnete ich ihm und begann mich auszuziehen, „komm zieh auch dich aus und dusch dich erst mal ab.“ Er blieb regungslos stehn. Sein Kopf wurde rot wie eine Tomate.

„Was ist?“, fragte ich ihn. Anstatt sich auszuziehen hatte er sich mittlerweile umgedreht und starrte die Wand an.
„Jetzt sag bloß du schämst dich. Als ob ich dich noch nie nackt gesehen hätte.“ Ich schaute ihn ungläubig an. Langsam begann er sich zögerlich sein Shirt überzustreifen. Ich zuckte kurz mit dem Schultern, reichte ihm ein Badetuch und ging in die Dusche. Nach nur ein paar Minuten stieg ich wieder raus. Patrick saß auf dem Rand der Badewanne, dass Badetuch fest um seine Hüfte gewickelt. Er saß nur so da und starrte mich an, sein Kopf immer noch Feuerrot.

„Stimmt was nicht? Du bist auf einmal so seltsam. Hab ich was falsch gemacht?“, fragte ich ihn. Er starrte immer noch Löcher in die Luft. Ich beugte mich zu ihm vor und starrte ihn nun genauso an. Das ganze hielt keine 10 Sekunden da fing er endlich zu Grinsen an.
„Na also. Ab jetzt mit dir in die Dusche. Ich hol dir schonmal ein frisches Shirt und ne Short“, mit diesen Worten ging ich aus dem Bad und in mein Zimmer um Patrick und mir frische Kleidung zu holen. Sein verhalten kam mir gerade schon ein bisschen seltsam vor, so als ob ihm irgendetwas unangenehm wäre. Doch so sehr ich mir auch Gedanken machte mir wollte einfach kein Grund einfallen.

„ Was solls“, dachte ich mir letztendlich schnappte mir eine frische Unterhose und zog sie an. Ich nahm noch frische Kleidung für Patrick und ging wieder Richtung Bad. Sachte öffnete ich die Tür. Er stand immer noch in der Dusche und seifte sich gerade ein. Unweigerlich schaute ich ihm dabei zu. Seine leicht gebräunte, nasse Haut schimmerte im Licht der Deckenleuchte. Das Seifenwasser lief ihm vom Rücken über seine Pobacken bis hinunter zu seinen Füßen.

„Wow, wenn er doch nur ein Mädchen wäre“, dachte ich mir.
„ Moment, hab ich das Grad wirklich gedacht?“ ich wusste nicht wie ich auf einmal auf solche Gedanken kam. So schnell wie diese kamen, so schnell war ich auch wieder dabei sie zu verdrängen. Ich legte ihm die Kleidung hin und schlich mich so leise wie möglich aus dem Bad und ging in mein Zimmer. Dort setzte ich mich aufs Fensterbrett und zündete mir eine Zigarette an. So ganz ging mir das Bild von meinem neuen alten besten Freund dann dich nicht aus dem Kopf, Was ich aber nicht als schlimm empfand. Es dauert auch nicht lange, da kam Patrick zu mir ins Zimmer. Mein Shirt hing ihm etwas kantig an den Schultern und die eigentlich enge Boxer rutschte ihm fast vom Hintern. Ich lächelte ihm zu und hielt ihm die Zigarettenpackung hin. Etwas zögerlich nahm er sich eine und zündete sie an.

„Was war das gerade im Bad?“, fragte ich ihn. Er zuckte kurz mit dem Schultern.
„Ich weiß auch nicht“ , antwortete er, „es fühlte sich auf einmal so seltsam an, ach keine Ahnung.“
Etwas verwirrt schaute ich ihn an, zog nochmal an meiner Kippe und drückte sie am Fensterbrett aus. Er tat es mir gleich. Ich holte einen Schlafsack aus dem Schrank und breitete ihn auf dem Boden aus.
„Du nimmst mein Bett“, sagte ich zu ihm, „aber wichs mir nicht die Decke voll.“ Ich grinste ihn verstohlen an.
„Kommt nicht in Frage“, entgegnete er, „ Ich nehm den Schlafsack.“
„Wollen wir uns jetzt prügeln?“, fragte ich ihn herausfordernd, „Vorschlag zur Güte, wenn es doch nicht stört, können wir uns das Bett ja teilen.“ Ich schaute ihn wieder in die Augen. Ich könnte Unsicherheit in seinem Gesicht erkennen. Nach kurzer zögern stimmte er zu.
„Aber behalt deine Hände schon bei dir,“ scherzte ich. Er fand das scheinbar gar nicht so witzig. Mit einem unzufriedenen Grummeln drehte er sich zur Seite. Ich grinste leise in mich hinein, löschte das Licht und legte mich zu ihm.

Es fühlte sich wieder genauso an wie früher. So vertraut, so gut, so richtig, als wäre nie was gewesen. Ich starrte an die dunkle Decke. Da drehte sich Patrick wieder zu mir um. Er betrachtete mich wieder. Oder mehr betrachtete eine Stelle an meinem Bauch. Er hatte schon in Bad immer wieder diese Stelle angestarrt. Erst dachte ich m8r nichts dabei. Ich hatte ganz vergessen was an dieser Stelle war. Zum ersten mal seit langem. Es war genau die Stelle, an der sich meine Narbe befand. Er führt mit dem Zeigefinger darüber. Ich zuckte zusammen, versuchte aber meine reflexartig Reaktion bestmöglich zu unterbinden.
„Darf ich dich was Fragen“, schlich es zögerlich über seine Lippen. Ich schluckte kurz und nickte leicht.
„War er das?“
Ich nickte wieder kurz zustimmend, drehte mich zur Seite und schloss die Augen.
„Gute Nacht“, sagte ich leise zu ihm.
„Gute Nacht,“ flüsterte er mir ins Ohr.
Es verging eine Zeit in der ich einfach nur so reglos dalag. Wieder versunken in meinen Gedanken. Da spürte ich plötzlich einen Arm, der sich vorsichtig um mich legte. Kurz darauf rückte ein Körper hinterher. Ich spürte seinen Atem in meinem Nacken. Ein Lächeln formte sich auf meinem Lipoen und ich schlief ein…
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 20 Mai 2019, 14:41

21. Neue Woche

„…so close we are but still apart, Not in mine, but in your heart….“ 6:06. Mein gottverdammter Wecker wollte einfach nicht aufhören zu bimmeln. Das metallische schlagen erinnerte mich daran, dass eines der schönsten Wochenenden seit langem nun endgültig vorbei war. Und wieder ging eine Schulwoche los. Wieder eine Woche in der so viel oder auch gar nichts passieren könnte. Kevin Drohung steckte mir immer noch tief in Gedächtnis fest. Ich wusste, dass er mich wohl nie in Ruhe lassen wird. Aus dem Weg gehen war quasi unmöglich. Bleibt also nur die Flucht nach vorne.

Wenigstens mit Patrick hatte ich mich ja zum Glück wieder ausgesöhnt. Er hatte sogar gesagt das er zu mir stehen würde. Aber das wollte ich gar nicht. Zumindest nicht vor den anderen. Das er in die ganze Sache mit rein gezogen würde, war das Letzte was ich wollte. Ich ging sogar soweit, dass ich unsere wiederentdeckt Freundschaft erstmal geheim halten wollte. Patrick war nicht begeistert davon. Ich ja genauso wenig. Es war aber zu seinem eigenen Schutz. Ich hatte mir ein dickes Fell zugelegt. Patrick war da viel sensibler. Die ganze Scheiße würde ihn kaputt machen.

Widerwillig bewegte ich meinen Körper in Richtung Bad. Meine sonst so genüssliche morgendliche Dusche glich heute eher einer Katzenwäsche, schnell und alles Andre als gründlich. Zurück in Zimmer holte ich mir eine schwarze Jeans und ein Shirt aus dem Schrank und griff achtlos nach irgendeiner frischen Unterhose. Ich musste schmunzeln. Es war Patricks Boxershorts, die er wohl gestern vergessen hatte. Ich hatte noch extra seinen Sachen gewaschen, denn so wie sie gerochen hatten, hatte ich sie ihm nicht mit nach Hause geben können. Immer noch grinsend zog ich sie an. Ich mochte diese weiten Dinger eigentlich gar nicht, aber so könnte ich zumindest mit einem kleinen Teil von ihm den Tag verbringen.

Die Busfahrt zur Schule zog sich mal wieder endlos in die Länge, zumindest fühlte sie sich so an. Und mit jeder Haltestelle wurde das Gedränge größer und der Lautstärkepegel höher. Die Kids aus den unteren Klassen strömten noch voller Begeisterung ein, den älteren war die Lustlosigkeit und der Widerwillen deutlich anzusehen. Auch meine Lust auf Schule schwand mit jedem Kilometer Richtung eben dieser ein weiteres Stück. Schwer vorstellbar, dass das überhaupt noch möglich war. Am Ende half es ja doch nichts.

Mit quietschenden Reifen hielt der Bus an der Haltestelle vor dem Schulzentrum. Seufzent blickte ich hoch zu den inzwischen beleuchteten Klassenräumen. Auch wenn überall schon Licht brannte, kam mir das ganze Gebäude heute noch düsterer und trostloser vor als sonst. Wie ein Urzeitliches Biest, dass mich hämisch grinsend in seinen tödlichen Schlund beordert ragt der Koloss aus Stahl und Beton in der Morgensonne aus dem Boden. Der Gedanke bereitwillig in sein mit Messern bewährtes Maul zu springen ließ mich schaudern. In meinen Ohren klang das Leuten der Schulglocke herausfordernd und herablassend, fordernd wie ein Marschbefehl ins verderben.

Ich kramte in meinen Taschen, holte mir eine Zigarette aus der Schachtel. Demonstrativ zündete ich mir diese direkt vor dem Komplex an. Die drohende Strafe völlig außer acht gelassen zog ich so fest es nur ging an der Kippe um im nächsten Moment einen Möglichst großen Schwall des blauen Dunstes in Richtung Gebäude zu blasen. Nach diesem einen Zug schnappte ich meine Zigarette wieder Weg, blickte noch einmal hinauf zu den Räumen in denen dem wilden Treiben mit Ankunft des Lehrkörpers ein jähes Ende gesetzt würde. Mit schnellen Schritten durchtrat ich die Eingangstür und machte mich auf in mein Klassenzimmer. Dort würde ich erneut den Kampf aufnehmen. Und auch wenn es fürs erste niemand wissen sollte, ich war nicht mehr alleine…..
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 22 Mai 2019, 15:03

22. Strafe

„…jetzt hast du Angst und ich bin so weit, dein rotes Blut versaut dir das Kleid…“ Ich starrte auf die Uhr in der Wand gegenüber von mir. Die Stille im Flur wurde nur durch das monotone Ticken des Sekundenzeiger unterbrochen. Hin und wieder drang das Gemurmel der Personen im Raum gegenüber nach außen. Ich spürte, wie ein Augenpaar keine 50 cm neben mir hasserfüllt auf mich ruhte. Der eiserne Geschmack von Blut lag noch immer in meinem Mund. Die Spur von meinen Lippen hinunter über mein Kinn auf die Brust war bereits getrocknet. Ebenso das Blut an meinen Fingerknöchel. „Tick, Tack, Tick, Tack“. Die Uhr tickte unerbittlich weiter, während die Diskussionen hinter der verschlossenen Tür immer hitzigen zu werden schienen.

Es war mittlerweile kurz nach 1. Eigentlich sollte ich längst zu Hause sein, wie an jedem normalen Schultag. Doch dieser Tag war nicht normal. Schon morgens hatte ich diese Vorahnung, dass irgendetwas passieren würde. Und mein, nennen wir es mal sechster Sinn, hat sich nicht getäuscht. Genervt vom Gericke der Uhr, Und noch viel mehr vom ständigen angestarrt werden, drehte ich meinen Kopf zu Seite und blickte tief in ein, vor Wut dunkelrot abgelaufenes Gesicht.

„Willst ein Passbild?“, fragte ich genervt meinen Nebenmann, was zur Folge hatte, das Marvins Schweinegesicht nur noch mehr anlief.
„Halt die Fresse du dummer Wichser“, zischte Marvin zurück, „wegen dir sitzen wir doch erst hier.“
Ich wusste erst nicht was ich sagen sollte. Schließlich war er es , der wie eine Wildsau auf mich los gegangen war. Was konnte ich schon dafür, dass der Typ keinen einzigen Konflikt verbal lösen konnte. Aber das er wegen einer kleinen Beleidigung gleich so austickt. Außerdem hatte ich ja nicht ganz Unrecht. Er spielte halt nun mal Fußball wie ne Schwuchtel. Vielleicht liegt es ja daran, dass er vor lauter Fett seine eigenen Füße nicht mehr richtig sieht. Anders könnte ich mir eine so schlechte Fuß zu Auge Koordination jedenfalls nicht erklären. Nach dem x-ten mal am Ball vorbei stochern, was dann auch noch zu einem weiteren Gegentor geführt hat, ist mir dann entgültig die Hutschnur geplatzt und es kam zu einer verbalen Entgleisung meinerseits. Und das Ergebnis war eine offene Lippe bei mir, eine ledierte Nase bei ihm und mächtig Ärger beim Direktor. Und genau auf diesen Ärger warteten wir nun.

Mit einem mal wurde die Tür aufgerissen. Herr Jeske, unser Klassenlehrer, trat heraus. Er musterte uns kurz. Sein Blick ruhte eine Zeit auf meiner blutverschmierten Hand ehe er uns mit einer Handbewegung ins Direktorenzimmer beförderte. Unser Direktor, Herr Bruckner, saß an seinem alten überdimensionierten Schreibtisch. Vor ihm lagen zwei Akten. Die Brille ist ihm runter bis auf die Nasenspitze gerutscht, auf dem weißen Hemd bildeten sich an den Achseln riesige Schweißflecken. Das graue, akkurat zum Scheitel gekämmt Haar roch unangenehm nach Haaröl. Ich könnte den Geruch von meinem Opa und auch bei ihm könnte ich jedesmal im Strahl kotzen wenn ich das Zeug rieche. Er bedeutete uns auf den Plastikstühlen vor dem Tisch platz zu nehmen.

„So meine Herren, Und jetzt möchte ich nochmal von euch hören warum ihr euch wie die Barbaren aufgeführt habt,“ sprach Herr Bruckner. Sein Zeigefinger tippte dabei ungeduldig auf die Armlehne seines Bürostuhles. Noch bevor ich den Mund aufmachen konnte um meinen Teil der Geschichte zu erzählen, begann Marvin unter wilden gestikulieren seine Wahrheit vorzutragen.
„Der hat mich Schwuchtel genannt und als ich ihm sagen wollte, dass das nicht in Ordnung ist, hat er mich geschlagen und dann…“
„Sag mal hast du den Arsch offen?“, unterbrach ich ihn, „du hast doch zuerst zugeschlagen! Ich hab…“
„Ruhe!“, wurde ich aprubt unterbrochen. Her Bruckner schaute uns mit seinem oberautoritären Blick durchdringend an. Sein Tonfall ließ nicht das geringste Wiederwort zu.
„Es ist mir letztendlich auch egal Wer wen zuerst geschlagen hat. Ich dulde hier an meiner Schule keine Gewalt. Und was ich noch mehr verachte ist Intoleranz. Selbst wenn Marvin schwul sein sollte…“
„Hey, Ich bin nicht…“, wollte Marvin gerade einwerfen. Ich hatte am liebsten laut losgemacht, wäre da nicht der scharfe Blick gewesen der meine Belustigung und Marvins Einwand sofort beendete.
„Wie gesagt selbst wenn Marvin schwul sein sollte gibt es dir nicht das Recht ihn deswegen zu beleidigen. Haben wir uns verstanden“
„Ja Herr Bruckner“, antwortete ich.
„Und du junger Mann solltest endlich lernen, dass das Faustrecht Gott sei Dank seit vielen vielen Jahren nicht mehr gilt.“
„Ja Herr Bruckner“, antwortete auch er. Man könnte ihm aber deutlich ansehen, dass er immer noch am liebsten intensiv über seine Sexualität debattiert hätte.
Herr Bruckner lehnte sich derweil wieder in seinen Stuhl zurück, nahm einen Schluck Kaffee aus seiner weißen Tasse und begann sichtlich zu grübeln.

„Um einen Verweis kommen wir hier nicht herum. Ich bezweifle aber, dass es reicht damit ihr nachhaltig über euer Betragen nachdenkt,“ erklärte unser Direktor und legte dabei die Hand ans Kinn. Mir schwarmte dabei nichts Gutes. Und meine Befürchtungen wurden im nächsten Moment erfüllt.
„Felix, du wirst eine kleine Präsentation zum Thema Homosexualität erstellen und sie vor deiner Klasse vorstellen. Und ich will kein 0-8-15 Referat aus dem Internet. Ich werde anbei sein und mich persönlich davon überzeugen, dass du dir zu dem Thema ernsthaft Gedanken gemacht hast. Sagen wir Termin nächsten Montag.“
Ich schaute nicht schlecht, als ich meine Strafe erhielt. Mit so etwas hatte ich dann doch überhaupt nicht gerechnet. Vor allem fragte ich mich, wie ich so etwas in so kurzer Zeit schaffen sollte. Auch Marvin schien das sehr amüsant zu finden. Er machte sich nicht mal ansatzweise die Mühe sein dreckiges Grinsen zu verbergen.
„Marvin, du wirst für den Rest dieses Schuljahres den Streitschlichtern beitreten,“ sprach Herr Bruckner mit leicht amüsiertem Blick. Marvin klappte die Kinnlade nach unten, doch am Ende akzeptierte er stillschweigend seine Strafe.
„Und jetzt geht, eure Eltern sind schon auf dem Weg um euch abzuholen“
Oh man. An den Ärger zu Hause hatte ich noch gar nicht gedacht. Dagegen war das ja Kindergeburtstag….
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Re: Schwarzer Schmetterling

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