Schwarzer Schmetterling

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Quianye
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 23 Jul 2019, 09:11

Matti hat geschrieben:Das erklärt jetzt wirklich vieles. Aber warum hat er noch Schuldgefühle gegenüber Alex nachdem der ihn vergewaltigt hat :evil:


Schuldgefühle eher weniger. In anderen Kapiteln hatte er ihn sogar eher den Tod gewünscht. Er weiß halt eben, dass er Schuld hat, fühlt sich deshalb aber nicht gleich schuldig...

Zumindest interpretiere ich das so
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Re: Schwarzer Schmetterling

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 23 Jul 2019, 12:06

Mir wäre es ja lieber gewesen, die Geschichte hätte mit dem Kapitel "Happy End" geendet.
Aber ich fürchte Kevin wird noch ganz einschneidenden Einfluss nehmen :-?
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 23 Jul 2019, 14:11

Simson hat geschrieben:Mir wäre es ja lieber gewesen, die Geschichte hätte mit dem Kapitel "Happy End" geendet.
Aber ich fürchte Kevin wird noch ganz einschneidenden Einfluss nehmen :-?


Wäre ein gutes Ende gewesen. Hätte aber gleichzeitig für meinen Geschmack zu viele Fragen offen gelassen...
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 23 Jul 2019, 15:53

Na dann hoffe ich, dass du schnell weiter schreibst. Dann sind die offenen Fragen hoffentlich bald geklärt.
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Matti
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 23 Jul 2019, 16:03

Quianye hat geschrieben:Wäre ein gutes Ende gewesen. Hätte aber gleichzeitig für meinen Geschmack zu viele Fragen offen gelassen...


Unterschreib ich so :D
Da es förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 23 Jul 2019, 16:32

Bin schon dabei. Die nächsten beiden sind nur etwas länger als die bisherigen. Sollte aber diese Woche noch klappen mit einem weiteren
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 26 Jul 2019, 11:42

Wie versprochen, das erste Der beiden ellenlangen Kapitel. Viel Spaß beim lesen....

Ach ja....noch 2....

48. Party

„…Eine Stimme aus dem Licht, fällt dem Himmel vom Gesicht, reist den Horizont entzwei…“ Schweißgebadet schreckte ich auf. Wieder der Selbe Traum. Oder mehr, wieder dieselbe Erinnerung. Die Erinnerung an diese Nacht in der mich der große Bruder meines damaligen Freundes vergewaltigte. Fast hätte ich es geschafft sie weit genug zu verdrängen. Zumindest riss sie mich bis vor ein paar Tagen nicht mehr dauernd aus dem Schlaf. Doch er hatte sie wieder auf brutalste weiße in mein Gedächtnis zurückgerufen. Wieder saß ich da in meinem Bett. Nackt, verschwitzt, heulend, gebrochen. Ich wollte, dass der Schmerz endlich wieder aufhört. Mit feuchten Augen starrte ich auf den Wecker. Nicht einmal zwei Uhr. Nicht einmal drei Stunden hatte ich also geschlafen. Und mehr Schlaf würde ich heute wohl auch nicht mehr bekommen. Bereits zum vierten Mal hintereinander. Zumindest musste ich morgen oder genauer gesagt heute nicht mehr zur Schule. Gestern war der letzte Schultag und heute offiziell der Beginn der Sommerferien. Ich holte meine Kippen vom Schreibtisch, öffnete das Fenster und setzte mich auf die Fensterbank. Ein langer Zug und meine Lungenflügel füllten sich mit dem Rauch der Zigarette.

Ich hatte das extreme Bedürfnis meine Sorgen mit einer Flasche Vodka oder Ähnlichem einfach wegzuspülen. Ein paar Schlücke nur, vielleicht auch ein paar mehr und der Schmerz wäre erst mal wieder weg. Doch leider meist nicht lange. Und dann würde in der Regel noch ein Kater dazu kommen. Diese Erfahrung musste ich schon oft genug machen und wirklich gebracht hat es mir letzten Endes nichts. Also hatte ich eine andere Methode entdeckt. Das Schreiben. Wann immer ich auch nachts wach wurde und nicht mehr schlafen konnte, schrieb ich. Ich schrieb über das was passiert war. Manchmal auch ein Gedicht. Dabei war mir die Qualität meiner literarischen Ergüsse vollkommen Egal. Jeder der auch nur den geringsten Hang zu Literatur hat würde mein Geschreibsel sofort in die Tonne treten. Aber es war ja auch für niemand anderen. Nur für mich. Ich wollte es einfach irgendwie loswerden, mich selbst zum Ausdruck bringen. Nur nicht durchdrehen. Ich konnte ja schließlich mit niemandem wirklich darüber reden. Meinen Eltern so etwas anvertrauen? Sicher nicht. Der beste Ausgang wäre dann, dass die mich zu irgendeiner Psychotante schicken, welche mir dann mit Fragen und Gegenfragen das letzte bisschen Verstand zu saugen versucht. Mit meinen Freunden drüber reden? Vielleicht mit Patrick oder Jakob. Aber wie würden die wohl reagieren, wenn ich zu denen gehe „Hey, ich wurde von nem Kerl gefickt und hab jetzt deswegen nen Dachschaden!“ Nein, eine wirklich gute Option war das auch nicht. Also blieb ja nur Papier. Einem Blatt Papier konnte ich alles anvertrauen. Es fragt nicht blöd nach und gibt keine dummen Kommentare. Es hört einfach nur zu und versteht.

Die vierte Nacht bedeutete das vierte Kapitel. Ich nannte es Freiflug. Es sollte vom ersten Mal als ich das Bedürfnis verspürte einfach aus diesem Leben zu verschwinden handeln. Vielleicht hätte ein Sprung damals wirklich alles gelöst. Zumindest wäre es für mich die einfachste Lösung gewesen. Was aber nicht heißt, dass es die Beste gewesen wäre. Wenigsten das hatte ich mittlerweile verstanden. Ich schrieb also weiter vor mich hin. Zuerst langsam, dann immer flüssiger. Schon beim Schreiben erkannte ich den ein oder anderen Rechtschreibfehler. Doch wen störts? Es war ja eh nur für mich bestimmt. Es dauerte gerade einmal eine knappe Stunde, bis ich das Kapitel fertig hatte. Etwas stolz betrachtete ich mein Werk das mit dem Satz „Vermissen würde mich eh keiner“ Endete. Lächerlich eigentlich was ich da von mir gegeben hatte. Aber so fühlte es sich zu der Zeit eben an. Woher hätte ich denn damals wissen sollen, wie sich die ganze Sache noch entwickeln würde. Egal. Seinen Zweck hatte die Schreiberei in jedem Fall erfüllt. Ich fühlte mich wieder ein wenig besser.

Die Morgendämmerung schlich sich langsam aber sicher in mein Zimmer und tauchte den Raum in ein zartes Rose`. Ich saß wieder an meinem Fenster und las auf meinem Handy. Der warme Morgenwind streichelte meine nackte Haut. Wie erwartet hatte ich in der Nacht kein Auge mehr zu getan. Ich vertrieb mir die friedlichen Stunden mit Lesen eine Tätigkeit, die mir neben dem schreiben aktuell die größte Freude bereitete. Bei einem bekannten Anbieter für E-Books hatte ich mir „Es“ heruntergeladen. Bei irgendetwas über 1000 Seiten hatte ich genug Stoff für die sicherlich folgenden schlaflosen Nächte. Es musste wohl ein unglaublich friedliches Bild abgegeben haben. Ich selbst, getaucht in die ersten warmen Sonnenstrahlen, nackt auf dem Fenster sitzend, mit Buch in der Hand und Zigarette im Mund. Und so fühlte ich mich im Moment auch. Bill und seine Freunde vom Club der Verlierer hatten mich, wenn auch nur für ein paar Stunden, aus meinem Trübsal geholt. Bei Gelegenheit sollte ich Stephen King ein dankesschreiben aufsetzen. Ich legte mein Buch ab, drückte meine Kippe aus und machte mich auf ins Bad um mich ein wenig frisch zu machen. Heute würde ich mit Patrick und Stefan an den nahegelegenen See zum Schwimmen gehen.

„Alter siehst du Scheiße aus!“, begrüßte mich Patrick als ich mit meinem Fahrrad vor seinem Haus auftaucht.
„Sehr freundlich, dafür stinkst du nach Sonnenmilch und das fünf Kilometer gegen den Wind. Und was hast du da in dem Rucksack? Wanderst du aus?“
„Mom hat mir Wasser für eine ganze Kamelherde eingepackt. Die ist seit dem Unfall echt nur noch zum kotzen. Mich wundert’s, dass sie mir nicht wieder Stützräder ans Fahrrad montiert hat.“ Bei dieser Vorstellung musste ich augenblicklich laut loslachen. Auch Patrick grinste. Es tat so gut ihn so zu sehn. Sein lächeln löste in mir eine tiefe innere Zufriedenheit aus. Er schaute sich vorsichtig um, erst rechts dann links, ehe er mich hinter sich her zum nächsten Busch zog. Dort schwang er seine Arme um meinen Hals und küsste mich zärtlich auf den Mund. Ich liebte seinen Geschmack. Heute war es Minzkaugummi. Ich schloss meine Augen und genoss den Moment. Als ich sie wieder öffnete, funkelten mich zwei Saphire zufrieden an.

„Ich hätte es ihr trotzdem sagen sollen, dann müssten wir uns nicht wie zwei Schulkinder im Busch verstecken“, sagte er etwas enttäuscht.
„War glaub ich erst mal besser so. Wer weiß ob die dich sonst nochmal alleine vor die Tür lassen würde.“
„Auch wieder war. Trotzdem Scheiße!“ Ich gab ihm erneut einen sanften Kuss.
„Komm wir müssen los. Stefan wartet sicher schon.“ Mit diesen Worten schwangen wir uns auf unsere Fahrräder und machten uns auf den Weg.
Trotz der doch noch recht frühen Uhrzeit war schon einiges los am Badesee. Hauptsächlich Muttis mit ihren plärrenden Bälgern. Oder alte Fossile aus längst vergangenen Zeiten die ihre faltigen Körper laut schnaubend durch das Wasser bewegten. Wir suchten uns ein relativ schattiges und vor allem abgelegenes Plätzchen auf der großen Liegewiese und breiteten unser Lager aus. Stefan hatte eine große Decke mitgebracht, bei weitem groß genug für uns drei. Patrick hätte mit dem ganzen Wasser in seinem Rucksack wahrscheinlich eine ganze Fußballmannschaft versorgen können. Blieb für mich der Proviant. Dieser stellte sich, zu Patricks Leidwesen, hauptsächlich aus Obst und Gemüse zusammen. Und natürlich Lungenbrötchen. Patrick und ich wollten uns erst einmal ein wenig hinlegen und in der Sonne chillen. Einfach den Tag genießen und ein wenig was für einen gesunde Hautfarbe tun. Doch Stefan hatte da eine andere Vorstellung.

„Kommt schon ihr Langweiler. Liegen könnt ihr nachts im Bett“, sagte er. Dabei hatte er einen Wasserball in der Hand, hüpfte von einem Fuß auf den Anderen und starrte uns erwartungsvoll an.
„Alter hast du dein Ritalin nicht genommen oder warum gehst du so ab“, entgegnete ich. Ich hatte schließlich die ganze Nacht nichts geschlafen und war dementsprechend eigentlich viel zu schlapp für irgendwelche sportlichen Aktivitäten. Viel lieber wollte ich den ganzen Tag lang auf der faulen Haut liegen und mir die Sonne auf den Pelz brennen lassen.
„Kommt jetzt auf mit euch faulen Pack. Das Wasser ist viel zu geil um hier draußen zu liegen.“ Ich schaute zu Patrick. Und er zu mir. Schließlich ergaben wir uns unserem Schicksal. Seufzend kramte ich meine Badeshorts aus der Tasche, schlang mir ein Handtuch um die Hüften und begann mich umzuziehen. Patrick verzog sich dazu ganz und gar ins nächstgelegene Gebüsch.
„Was ist dem mit dem los?“, fragte Stefan etwas verwundert, „denkt der wir schauen ihm irgendwas weg?“
„Lass ihn doch“, murmelte ich nur, „oder würdest du vor versammelter Mannschaft blankziehen?“
„Warum nicht? Hab nix zu verstecken!“ Dabei fasse er sich lasziv an die Eier. Ich zog eine Augenbraue hoch, schüttelte kurz den Kopf und zog mir meine Badehose hoch. Dann hieß es warten. Es dauerte noch geschlagene 5 Minuten bis Patrick wieder zu uns stieß. Doch zumindest für mich hatte sich das Warten gelohnt. Er sah schon verdammt heiß aus in seinen roten Billabong Boardshorts. Sein schlanker Körper, die leicht definierte Brust, das kleine V, welches im Bund seiner Hose verschwand. Ich musste mich echt tierisch zusammenreißen, dass ich ihn nicht zu offensichtlich anstarrte. Außerdem betete ich, dass eine gewisse Körperregion im Ruhezustand bleiben würde. Er machte es mir gerade wirklich nicht leicht. Konzentration. Selbstbeherrschung. Doch wie es um diese bestellt war, wusste ich ja leider nur zu gut. Und als ich noch so mit mir selbst am Ringen war, holte mich Stefan in die Realität zurück.

„Wenn ich du wäre, würde ich es ihm sagen. Er ist immerhin dein bester Freund“, sagte er mit einem Mal ernst. Ich schreckte auf. Mit offenem Mund starrte ich Stefan an. Hatte ich mich wirklich so offensichtlich verhalten? Hatte ich vielleicht ohne es zu merken doch die Beherrschung über meinen Schwanz verloren? Nein, der war noch so wie er sein sollte.
„Wie…was meinst du?“, stotterte ich verlegen. Ich konnte mir bildlich vorstellen welche Farbe mein Gesicht wohl mittlerweile haben musste.
„Komm schon. Glaubst du ich bin blind?“ Er legte eine Hand auf meine Schulter. Schöne Scheiße. Eigentlich wollte ich es ja vermeiden das jeder davon Wind bekommt, dass ich doch auf Jungs stand. Das konnte ich jetzt wohl endgültig vergessen. Nicht mal einen Tag konnte ich mich unter Kontrolle halten. Alles Patricks Schuld. Der Junge bringt mich einfach total um den Verstand.
„Hey, mach dir kein Kopf. Ich hab echt kein Problem damit. Von mir erfährt niemand was, versprochen. Aber du solltest dich in Zukunft etwas zusammenreisen, wenn du nicht willst, dass jeder blinde erkennt was mit dir abgeht.“ Mein innerstes Selbst führt gerade einen doppelten Salto rückwärts aus. So cool hätte ich Stefan nun wirklich nicht eingeschätzt. Erleichterung machte sich in mir breit. Ich atmete tief durch und schaute ihn an.
„Danke“, sagte ich nur knapp. Mehr Worte waren auch nicht nötig um auszudrücken was ich gerade fühlte. Sowieso schien mich mittlerweile jeder lesen zu können wie ein offenes Buch. Es hatte eben auch Nachteile, wenn man sich wieder für seine Umwelt öffnete. Noch vor ein paar Wochen wäre mir das sicher nicht passiert.
„Seit wann weißt du es?“, fragte er weiter.
„Wissen? Keine Ahnung. So richtig gemerkt das es wirklich so ist hab ich erst vor ein paar Wochen vielleicht. Ich komm aber ehrlich gesagt immer noch nicht so richtig damit klar. Aber Patrick weiß schon darüber Bescheid. Er war überhaupt der erste mit dem ich drüber gesprochen hab.“
„Hey ihr beiden. Was gibt’s da zu tuscheln?“
„Ach nichts weiter“, sagte Felix, „kommt jetzt los. Ich will endlich ins Wasser!“

Entgegen meines eigentlichen Zieles, nämlich faul in der Sonne zu liegen, verbrachten wir den kompletten Vormittag im Wasser. Wir hatten unglaublich viel Spaß zusammen. Ich vergaß alles was mir im Moment Kummer bereitete. Kevin. Alex. Meine sexuelle Orientierung. Alle diese Probleme existierten für ein paar Stunden nicht mehr. Da waren nur wir drei. Drei normale Jungs die einfach ihren Spaß zusammen hatten. Und damit war ganz sicher nicht irgendein schwules Vergnügen gemeint. Ich fühlte mich seit langer Zeit einfach wieder einmal so normal wie ein fast fünfzehn jähriger Junge sich nur fühlen konnte. Frei, wild und, trotz mehrerer schlafloser Nächte, voller Energie. Doch irgendwann ging selbst uns die Puste aus. Erschöpft schleiften wir uns auf unseren Platz und liesen uns auf die große Decke nieder. Tief schnaufend kramte ich im Rucksack nach meinen Zigaretten.
„Hey, hast du noch eine für mich übrig?“, fragte Stefan.
„Schnorrer. Hättest dir auch selbst welche mitbringen können.“ Nichts desto trotz hielt ich ihm die Schachtel hin. Er nahm sich eine raus und zündete sie sich an.
„Meine Mom hat meine gefunden und konfisziert. Und Geld für Neue hab ich grad nicht.“
„Da gibt’s ne einfache Lösung“, warf Patrick ein, „hör mit dem Rauchen auf, ist eh nicht gesund!“
„Du qualmst doch selbst gerne mal Patrick? Oder irr ich mich da?“, entgegnete Stefan.
„Und? Aber ich hab zumindest eigene Kippen!“ Mit diesen Worten zog er seine Jeans aus der Tasche und holte eine Schachtel West ICE hervor. Mir fielen fast die Augen aus. Klar wusste ich, dass er ab und an mal zog, aber eigene hatte er bisher noch nie. Noch dazu kannte ich ja seine Mutter recht gut. Das würde sicher einiges an Ärger geben, wenn sie es den rausbekommt. Zumindest für mich.
„Dir ist schon klar, dass deine Mom mich umbringt, wenn sie davon erfährt?“
„Hä, wieso sollte sie dich denn dafür umbringen, wenn er raucht? Kapier ich jetzt echt nicht.“ Er schaute uns etwas dusslig an. Ich schaute zu Patrick, er zu mir. Dann brachen wir in schallendes Gelächter aus.
„Ist ein Insider“, sprachen wir fast gleichzeitig während wir uns halb auf dem Boden rollten vor Lachen. Stefans rechtes Augenlied begann zu zucken als er uns immer noch ungläubig ansah. Dieser Anblick hatte jedoch zur Folge, dass wir uns nur noch mehr vor Lachen kugelten. Nun konnte auch Stefan sich nicht mehr beherrschen und lachte laut los.
„Ihr würdet echt ein süßes Paar abgeben!“, prustete er mehr scherzhaft los. Patrick und ich tauschten kurz vielsagende Blicke aus. Ich konnte mir schon denken was ihm gerade durch den Kopf ging.

Den restlichen Tag verbrachten wir dann doch zumeist faul in der Sonne liegend. Es fühlte sich einfach nur gut an, die warmen Strahlen auf der Haut. Eine leichte Brise die über einen hinweg zog. Ab und an sprangen wir dann wieder in das kalte Wasser des Badesees um unseren Körpern ein wenig zusätzliche Frische zu verschaffen. Wenn wir an unserem Platz lagen, dann quatschten wir einfach nur über Dieses und Jenes und über so manche Belanglosigkeit. Und ehe wir es uns versahen, bewegte sich die Sonne immer weiter in Richtung Westen. Wir waren nun vollkommen in den Schatten eines großen Baumes, welcher inmitten der weiträumigen Liegewiese befand eingehüllt. Der Wind wurde kälter und so langsam merkten wir, dass es so langsam Zeit wurde den Weg nach Hause anzutreten. Wir packten unsere Sachen, gingen gemeinsam zu Fahrradständer, Sattelten unsere Drahtesel und fuhren nach Hause. Nach ein paar Kilometern trennten sich unsere Wege, da Stefan nun in eine andere Richtung weiter musste.

„Sag mal ahnt er etwas? Der hat da so ne komische Andeutung gemacht?“, fragte Patrick schließlich als Stefan außer Sichtweite war.
„Ich hab mich vor ihm mehr oder weniger geoutet. Aber keine Sorge, von dir hab ich nichts gesagt.“
„Hm. Danke. Ich möchte auch nicht, dass es jeder erfährt solange ich mir da nicht ganz sicher bin.“
„Ist doch klar. Ich wollte eigentlich auch nicht gleich jedem erzählen, dass ich schwul bin. Und hätte er mich nicht direkt drauf angesprochen, hätte ich es ihm auch nicht gesagt.“
„Aber du hättest doch lügen können“, sprach Patrick weiter.
„Weißt, ich hab einfach keinen Bock mehr drauf mich immerzu verstellen zu müssen. Und Stefan ist echt cool damit. Und er wird es auch von sich aus niemandem erzählen.“
„Nee, so schätz ich ihn auch nicht ein. Kommst du eigentlich am Montag auf seine Geburtstagsparty?“
„Wie Geburtstagsparty?“, fragte ich ihn. Ich hatte das erste Mal davon gehört. War ich vielleicht gar nicht eingeladen?
„Oh man, liest du überhaupt irgendwann mal die Gruppennachrichten? Er hat die Einladung doch schon letzte Woche in die Gruppe gestellt!“ Da dämmerte es mir. Unsere Gruppe. Da hatte ich ja schon ewig nicht mehr reingeschaut. Kein Wunder, dass ich sowas fast verpasst hätte.
„Klar komm ich. Wieso auch nicht. Wird bestimmt lustig!“
„Na, dann. Kannst ihm ja ein paar neue Kippen mit einer Schleife drum schenken!“ Wieder musste ich lachen. Und Patrick gleich mit. Es dauerte auch nicht mehr lange, bis wir wieder kurz vor Patricks Haus angelangt waren. Etwas wehmütig blickte ich ihn an. Eigentlich wollte ich ihn jetzt noch nicht ziehen lassen. Am liebsten wäre ich sogar noch mit zu ihm gegangen. Nur zu gerne hätte ich die Nacht mit ihm verbracht. Und den nächsten Tag. Und überhaupt die kompletten Ferien. Doch noch war seine Mutter leider nicht vollends von mir überzeugt. Noch immer machte sie mir bei jeder sich bietenden Gelegenheit deutlich, dass ich hier nur geduldet war und das auch nur auf Bewährung. Es blieb uns also nichts weiter übrig, als die Sache langsam angehen zu lassen. Sie konnte mich ja nicht ewig von ihm fernhalten. Patrick blickte sich noch einmal vorsichtig um. Es waren nur noch gute zehn Meter bis zum Grundstück, doch wegen der großen Hecke im Garten war die Sicht an den meisten Stellen versperrt. Als er sicher war, dass weder seine Mutter noch irgendjemand anderes in Sichtweite war, zog er mich dicht an sich ran und küsste mich leidenschaftlich. Ich öffnete meinen Mund ein Stück und spürte wie seine Zunge in mich eindrang und sanft an meiner entlang glitt. Fast schon mit Lichtgeschwindigkeit richtete sich mein Freund in meiner Hose auf. Auch an meinem Bein konnte ich Patricks steifen Penis deutlich spüren. Wir schauten uns an und lächelten zufrieden. Seine Hand glitt von meinem Rücken an meinen Bauch, dann weiter nach unten. Sanft fasste er mich an. Mir wäre es fast Augenblicklich gekommen, so geil war ich gerade. Langsam lösten wir uns voneinander.
„Ich liebe dich Felix“, hauchte Patrick leise in mein Ohr.
„Und ich dich Patrick!“ Damit trennten wir uns für heute. Und leider auch für morgen. Patrick würde am nächsten Tag zu seiner Oma auf irgendeine Feier gehen. Das hieß also ein ganzer Tag totale Langeweile. Alleine. Zuhause. Erst bei Stefans Party würde ich ihn wieder seh. Ich seufzte kurz und fuhr dann langsam nach Hause.

Frisch geduscht stand ich vor unserem Bodentiefen Spiegel und betrachtete meinen mittlerweile wieder fast makellosen Körper. Kein Hämatom, keine Verletzungen, keine Narben, bis auf diese eine zierten mehr meine Haut. Doch so gut auch äußerlich alles verheilt war, meine innere Verletzung schmerzte wieder stärker als noch vor ein paar Tagen. Die Wunde wurde gewaltsam wieder aufgerissen und blutete Tag für Tag auf meine Seele. Es wird sicher noch einige Zeit vergehen bis sie sich wieder schließt. Ganz verheilen wird sie aber wahrscheinlich nie. Nichts desto trotz, dass Leben musste weitergehen. Ich wollte Leben und nicht jeden Tag nur vor mich hinstarren und im selbstmittleid zerfließen. Mit meiner Kleidungsauswahl gab ich mir heute große Mühe. Es sollte passen. Und es sollte gut aussehen. Bei der Durchforstung meines Kleiderschrankes fiel mir auf, dass die Auswahl dahingehend nicht gerade üppig war. Ich musste dringend mal shoppen gehen. Moment! Hatte ich das gerade wirklich gedacht? Ich musste selbst über mich lachen. Der Gedanke hat sich gerade ganz schön schwul angehört. Aber es war ja leider so. Ich hatte wirklich nicht viele gute Klamotten. Letztendlich fiel die Wahl auf ein paar enge „Calvin Klein“ Boxer, die ich noch von Jakob hatte, eine schwarze Jeans und ein weißes „Circa“ Shirt. Nicht spektakuläres, aber das beste was ich gerade hatte. Noch ein wenig Wachs in die Haare und etwas Parfüm aufgelegt und schon konnte es losgehen. Meine Mitbringsel, eine große Packung „Lucky Strike“ und ein Flasche Vodka aus dem Privatvorrat meiner Mutter, hatte ich in meinem Rucksack. Ich schwang mich auf mein Fahrrad und fuhr los. Eine halbe Stunde würde ich ungefähr brauchen, also sollte ich pünktlich um sieben bei Stefan eintreffen. Eigentlich wollte ich ja mit Patrick hinfahren. Aber dieser wurde von seiner Mutter gebracht, welche sich vergewissern wollte, dass auch Stefans Eltern anwesend sind und uns beaufsichtigen würden.

Es waren schon einige meiner Klassenkameraden da als ich bei Stefans Haus eintraf. Ich war erleichtert festzustellen, dass weder bunte Luftballons, noch irgendwelche anderen Dekorationen angebracht waren. Meine Vermutung, dass es sich hierbei nicht um einen typischen Kindergeburtstag handelte, hatte sich also bestätigt. Aus dem Garten dröhnten die Bässe der Lautsprecher bis vor an die Straße. Gelächter und Gegröle war zwischen den hämmernden Beats deutlich wahr zu nehmen. Ich lief in Richtung Haustür. Stefans Vater saß dort auf einem Stuhl und mit einer Zigarette in der Hand neben dem Eingang. Er schaute freundlich, wenn gleich auch etwas überfordert. Mit einem Andrang solchen Ausmaßes hatte er offensichtlich nicht gerechnet.
„Hallo Herr Bedenk“, begrüßte ich ihn freundlich.
„Hallo Junge. Einfach durch in den Garten. Und ich sags dir genauso wie jeden anderen auch. Rauchen nicht in der Hütte, mal davon abgesehen das ihr eigentlich gar nicht rauchen solltet. Wer kotzt wischt es auf. Wer was kaputt macht ersetzt es. Wenn ihr euch dran haltet kriegen wir auch keine Probleme miteinander“, sprach er mit runzliger Stirn.
„Ach Papa, wir sind doch alle ganz anständig, oder Felix“, hörte ich neben mir eine Stimme. Stefan stand wie aus dem nichts neben mir, eine Flasche Bier in der Hand und ein breites Grinsen im Gesicht. Sein Vater schaute ihn kurz an, runzelte die Stirn, schüttelte kurz den Kopf und sagte nichts dazu. Wäre auch überflüssig gewesen.
„Hey Stefan, alles Gute zum Geburtstag!“, begrüßte ich ihn, hab dir auch ne Kleinigkeit mitgebracht.“ Dabei grinste ich, holte meinen Rucksack vom Rücken, öffnete diesen einen Spalt und offenbarte Stefan den Inhalt. Dieser gab mir grinsend und mit gehobenem Daumen zu verstehen, dass ich mit meinem Geschenk genau ins Schwarze getroffen hatte. Gemeinsam gingen wir in den Garten zur großen Gartenhütte in der es sich schon die Hälfte der Klasse gemütlich gemacht hatte. Es waren drei Biertische aufgestellt. Zusätzlich stand ein altes Sofa in einer Ecke und daneben zwei Kästen Bier. Auf dem Bistrotisch standen zwei Flaschen Sekt und ein paar Plastikbecher neben bergen aus Chips Tüten. Das Bier war meiner Meinung nach ein wenig knapp bemessen aber immerhin. Und es hatte sicher auch der ein oder andere noch eine Kleinigkeit dabei. Vor der Hütte stand ein steinerner Grill. Die Kohle glühte schon leuchtend rot. Das Grillgut stand bereits in Tupperschüsseln verpackt bereit. Einige der Mädchen saßen mit Bechern voller Sekt und O-Saft auf dem Sofa und unterhielten sich kichernd. Achtzehn Personen konnte ich zählen, also bis auf die Nerd-, Streber-, und Kevinfraktion war die ganze Klasse anwesend. Auch Patrick war schon da. Er unterhielt sich grad mit den anderen Jungs aus meiner Klasse über den bevorstehenden Bundesligastart. Stefan und Ich gingen auch an diesen Tisch und setzten uns zu den anderen. Die Stimmung war ausgelassen. Jeder verstand sich mehr oder weniger gut miteinander. Eigentlich eine perfekte Party.

Gegen zehn Uhr erreichte die Feier ihren bisherigen Höhepunkt. Aus den ehemals achtzehn Leuten sind mittlerweile zehn geworden. Der Rest wurde bereits von Mami und/oder Papi abgeholt. Insgeheim wunderte es mich, dass auch Patrick noch da war. Nicht falsch verstehn. Es freute mich natürlich, ich hätte es nur nicht für möglich gehalten, dass er seine Mutter dazu bewegen konnte ihn länger bleiben zu lassen. Stefans Vater schaute das ein oder andre Mal nach dem rechten. Er wirkte recht zufrieden mit uns. Niemand lag besoffen in der Ecke, in der Hütte wurde nicht geraucht und bis auf zwei Gläser ist bisher nichts zu Bruch gegangen. Seinem Wunsch, die Musik doch etwas leiser zu drehen gingen wir zu seiner Zufriedenheit natürlich auch nach. Wir waren allesamt gut angeheitert, doch noch weit vom Alkoholdelirium entfernt. Es war eine wirklich rundum gelungene Feier. Dann kam unsere weibliche Randgruppe auf die Idee „Wahrheit oder Pflicht“ zu spielen. Ich hasste dieses Spiel. Es übt einen gewissen Zwang auf einen aus. Und wenn man nicht als Spielverderber gelten wollte, hatte man keine Möglichkeit diesem Zwang zu entkommen. Einige der Jungs waren natürlich hellauf begeistert von der Idee, brachte das Spiel doch die Gelegenheit wild und ungezwungen rumzuknutschen. Und vielleicht würde am Ende ja noch mehr laufen. Und auch wenn ich generell keinen Bock darauf hatte, ließ ich mir nicht anmerken und willigte ein. Ein Blick zu Patrick genügte um zu erkenne, dass er sich wohl gerade das selbe dacht. Doch auch er spielt am Ende mit. Wir setzten uns also alle im Kreis auf den Boden, platzierten eine leere Sektflasche in der Mitte und begannen unser Spiel.

Unter lautem Jubel wurden die ersten Wahrheiten und Pflichten von den glücklichen auserwählten durchgeführt. Harmlosigkeiten. Zum Glück noch. Es war mehr ein vorsichtiges abtasten, wie weit man doch gehen könnte. Meine Wenigkeit blieb natürlich auch nicht verschont. Zweimal zeigte der Flaschenhals bereits auf mich. Einmal wählte ich Wahrheit. Die Frage war, ob ich mir schonmal in der Schule einen runtergeholt hatte. Etwas zögerlich bejahte ich dies. Ich spürte wie mein Kopf etwas rot wurde. Und während die Mädchen ein wenig angeekelt aus der Wäsche schauten, kamen von den Jungs eher Gleichgültige Blicke. Jeder musste nun mal ab und an Druck ablassen. Das zweite Mal wählte ich dann lieber Pflicht. Eigentlich hatte ich mich da auf eine Kussszene mit irgendeiner eingestellt, doch sie wollten nur meine Narbe sehn und anfassen. Und als sie sich davon überzeugten, dass diese wirklich echt war, ließen sie auch wieder von mir ab. Patrick hatte da weniger Glück. Er musste drei runden lang nur in Unterhosen teilnehmen und einmal die picklige Saskia küssen.

Im weiteren Verlauf des Spiels wurden die Aufgaben immer intensiver. Wahrheiten wurden langsam langweilig und daher kaum noch eingefordert. Es musste nun mit Zunge geküsst werden, es wurde gefummelt und auch die ersten Brüste und Schwänze sollten gezeigt werden. Mit steigendem Alkoholpegel fiel die Hemmschwelle immer weiter nach unten. Es ging sogar schon so weit, dass Vanessa vor versammelter Mannschaft Stefans Teil in den Mund nehmen musste. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass die beiden das wirklich durchziehen würden. Doch sie taten es unter lautem Gegröle der anderen Gäste. Mittlerweile hoffte ich, dass ich nicht mehr gezogen werden würde, oder noch besser, dass das Spiel komplett ein Ende finden würde. Ich schien sogar Glück zu haben. Eine letzte Runde noch. Nur noch einmal den Kelch an mir vorbeiziehen lassen. Das Schicksal konnte manchmal echt ein Arschloch sein. Nur noch ein verficktes Mal hätte der Hals weiterziehen müssen, doch er blieb auf mir stehen. Mir wurde flau im Magen. Die diabolischen blicke der anderen verhießen nichts Gutes.

„Küss Patrick, leidenschaftlich und mit Zunge mindestens zehn Sekunden lang!“ Mir blieb der Mund offenstehen. Wie kommen die auf sowas? Hatte Stefan doch etwas gesagt? Ich blickte wütend zu ihm rüber. Doch er schüttelte leicht den Kopf. Er wollte mir so scheinbar signalisieren, dass er dichtgehalten hatte. Mein Blick wanderte weiter zu Patrick. Dieser war kreidebleich. Er starrte zu mir, ich zu ihm. Wir wollten es beide nicht. Könnte es uns doch komplett verraten.
„Muss das sein?“, fragte ich, „kann ich nicht irgendwas Anderes machen?“
„Komm schon sei kein Spielverderber. Ist doch nur ein Kuss. Ist ja nicht so, dass es euch gleich schwul macht. Wir Mädels küssen uns dauernd gegenseitig“, lallte eine deutlich betrunkene Vanessa. Dumme Fotze. Ich schaute wieder unentschlossen zu Patrick und er genauso zu mir.
„Küssen, Küssen, Küssen!“, schrie die Menge. Nur Stefan enthielt sich und schaute etwas besorgt.
„Leute, das muss echt nicht sein. Ihr müsst nicht, wenn ihr nicht wollt“, warf er ein. Die anderen ließen sich jedoch nicht davon abbringen ihre Forderung noch einmal zu wiederholen.
„Küssen, Küssen, Küssen!“, riefen sie immer lauter. Patrick schaute mich weiter an. Ich zuckte kurz mit den Achseln. Unter lautem Gejubel standen wir auf. Langsam bewegten wir uns aufeinander zu. Es war wirklich nicht leicht eine gewisse Abneigung zu einem leidenschaftlichen Zungenkuss mit einem Jungen zu spielen. Zumal ich eh nicht der beste Schauspieler war. Nur nicht zu sehr genießen. Einfach vorstellen, du würdest eine hundertjährige Oma küssen. Millimeter für Millimeter bewegten sich unserer Münder aufeinander zu.
„Küssen, Küssen, Küssen!“
Dann trafen sich unsere Münder. Sie öffneten sich ein Stück und schon spürte ich Patricks Zunge an meiner. Ich versuchte mich zurück zu halten, vorsichtig zu sein, nicht zu viel Gefühl in den Kuss zu stecken. Doch als Patricks Hand mir über den Rücken fuhr war diese Vorhaben endgültig at Acta gelegt. Meine Hand glitt sanft an seinem Rücken entlang. Wenn wir schon so geoutet werden würden, wollten wir ihnen wenigstens eine gute Show bieten. An Patricks Hand, welche sich mittlerweile an meinem Hintern befand, spürte ich, dass er wohl das selbe dachte. Das Gejohle wurde immer lauter. Bis es mit einem Mal verstummte. Die Tür ging auf und ich vernahm eine Stimme, die ich jetzt gerade überhaupt nicht hören wollte. Ich ließ von Patrick ab und drehte mich ruckartig um.

„Na, du kleine perverse Schwuchtel. Hast du mich vermisst…
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Matti
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 26 Jul 2019, 22:21

Nein nein nein ich habe ganz böse Vorahnungen :-? :x
Und Bilder von blutverschmierten Partygästen im Kopf.
Da ich aber bis jetzt immer falsch lag, bitte ich darum, das es jetzt auch so ist.
Wenn nicht musst du das nächste Kapitel neu und umschreiben.
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 27 Jul 2019, 13:00

Matti, ich schließe mich deinem Beitrag an ! Ich habe auch schlimme Befürchtungen und für den Fall das die stimmen, bin ich für Umschreiben !!!
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 27 Jul 2019, 22:19

Simson hat geschrieben:Matti, ich schließe mich deinem Beitrag an ! Ich habe auch schlimme Befürchtungen und für den Fall das die stimmen, bin ich für Umschreiben !!!


Umschreiben? Hm. An sich keine schlechte Idee. Aber ob es wirklich nötig ist? Ich persönlich würde auch das Original maximal mit FSK 16 einstufen....

Ihr werdet schon sehn was kommt....in ein paar Tagen...
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 30 Jul 2019, 12:50

Wie versprochen hier das vorletzte Kapitel...Viel Spaß...auch wenn es vielleicht ein wenig unangebracht ist...

49. Nur du allein

„…Wenn das Haus deiner Seel in Flammen steht und dir bleibt jeglicher Ausweg versperrt…“ Mir wurde mit einem Mal speiübel. Mein Magen verkrampfte sich. Tausende Gedanken rasten nahezu gleichzeitig durch meinen Kopf. Die Luft blieb mir weg. Das Atmen fiel mir schwer. Eine gespenstische Stille lag in der Luft. Noch vor wenigen Sekunden war die Stimmung ausgelassen und die Feier in vollem Gange. Doch nur ein Satz von Kevin genügte, um alles ins Gegenteil kippen zu lassen. Eines war mir sofort klar. Der kalte Stahl der Klinge in seiner linken Hand lies die Temperatur im Raum drastisch sinken. Er war wegen mir hier. Er wollte sein Versprechen einlösen. Ich wusste, dass dies kein gutes Ende mehr nehmen würde. Kevins Blick schien tief in mich einzudringen. Wir starrten uns an wie zwei Boxer in einem Ring. Wir waren nur auf einander fokussiert. Jeder wartete nur darauf, dass der Andere seine Deckung aufgibt. Und während keiner von uns dem Anderen auch nur die geringste Öffnung bieten wollte, positionierten sich Kevins Lakaien vor der Tür. Jeder der hier Anwesenden sollte Teil dieser Show werden. Keiner sollte diesen Moment verpassen. Er oder Ich. Es gab nun keinen Ausweg mehr.
Doch es war Stefan der die Stille mit einem Mal durchbrach. Er stand auf, stellte sich neben mir und funkelte Kevin böse an.

„Was soll das Kevin? Was willst du hier? Dich hat niemand eingeladen!“, sprach er mit fester Stimme. Nach außen hin wirkte er sicher und souverän. Doch ich konnte erkennen, wie seine Hände vor Nervosität zitterten. Kevin hatte immer noch dieses diabolische Grinsen auf dem Gesicht. Es war das selbe Grinsen, dass Alex damals aufgelegt hatte. Bösartig. Grausam. Unheimlich. Als wäre er gerade eine ganz andere Person.
„Was ich hier will?“, fragte er. Dabei hob er seinen rechten Arm und streckte seinen Zeigefinger auf mich aus.
„Ich will, dass er endlich für das büst was er mir und meiner Familie angetan hat. Ich will, dass er so sehr leidet wie wir. Ich will, dass sein Leben die Hölle wird. Ihr habt die Wahl. Geht zur Seite oder ihr seid genauso dran!“ Stefan stand mit weit aufgerissenen Augen da. Scheinbar unbewusst war er dabei einen Schritt zurück zu weichen, entschied sich doch letztendlich dafür stehen zu bleiben. Ich schaute kurz in sein Gesicht. Schweißtropfen liefen ihm von der Stirn. Er hatte Angst. Zu Recht. Auch ich verspürte tief in mir die Furcht aufsteigen. Und trotzdem trat ich einen Schritt nach vorne. Vor Stefan vor Patrick. Ich war sein Ziel. Nicht die beiden. Patrick hielt mich am Arm, wollte mich zurückhalten. Ohne mich umzudrehen schüttelte ich nur mit dem Kopf und riss mein Handgelenk aus seinem Griff.

„Lass die Anderen aus dem Spiel. Das geht nur dich und mich was an!“, sagte ich zu ihm. Auch mein Puls raste wie verrückt. Und doch versuchte ich so ruhig wie möglich zu wirken.
„Das war vielleicht mal so“, faucht er mich an.
„Was meinst du damit Kevin?“
„Ach Felix, stell dich doch nicht dümmer an als du bist. Weißt du, ich hab mir lange überlegt wie ich dir am meisten Schaden könnte. Mir ging da schon so einiges durch den Kopf.“ Langsam lief er auf mich zu. Ich behielt sein Messer immer im Auge, bereit jeden Moment zu reagieren. Der Schweiß lief mir den Rücken hinunter. Aber ich musste ruhig bleiben, durfte nicht in Panik geraten.
„Zuerst dachte ich, hey, schneid ihm doch einfach seine scheiß Eier ab und stopf sie ihm in die Fresse. Aber das wäre mir dann doch ein wenig zu einfach gewesen. Was wenn du mir dabei verblutet wärst?“ Er stand nun neben mir und strich mit der Spitze des Messers über meine Jeans.
„Aber dann ist mir eingefallen, wie ich dich wirklich treffen kann“, flüsterte er mir ins Ohr.
„Du hast jemandem zum Krüppel gemacht den ich Liebe, was liegt da näher als dass ich das selbe mit dir tue?“ Erschrocken starrte ich Kevin an. Ich hätte nie auch nur zu denken gewagt, dass das Alles ein solches Ausmaß annehmen würde. Kevin schlich weiter um mich herum. Ich versuchte mich zwischen ihm und Patrick zu drängen. Ihn möglichst vor diesem Psychopaten abzuschirmen.

„Komm schon süßer“, hörte ich plötzlich eine Stimme hinter mir, „hör endlich auf mit dem endlosen Gequatsche und komm zum Punkt. Ich hab schon mehr als genug Zeit mit diesen Pissern verschwendet!“ Ich sah mich um und erkannte den Ursprung der Stimme es war Vanessa. Sie stand auf, ging zu Kevin und nahm ihn in den Arm. Demonstrativ küssten die beiden sich leidenschaftlich.
„Was schaust du so blöd? Denkst du im ernst ich würde mich freiwillig mit euch kleinen Wichsern abgeben? Ha! In euren feuchten Träumen vielleicht. Wir hätten uns auch die ganze Farce ersparen können. Nachdem der kleine „Unfall“ nicht geklappt hat, hatten wir ja eigentlich schon unsre Pläne geändert. Aber nein, der Herr wollte ja lieber zu seinem Schwuchtelfreund als mit mir mit zu kommen. Selbst schuld. Und diesmal hat dein kleiner Patrick nicht so viel Glück.“ Mir dämmerte es. Ich hatte es schon immer geahnt. Doch es nun zu hören brachte mir doch nochmal einen gewaltigen Schock. Er steckte also tatsächlich hinter Patricks Unfall. Er und Sie. Aber wieso machte sie bei der ganzen Aktion mit?
„Was hat das Ganze mit dir zu tun?“, schrie ich ihr ins Gesicht. Sie lacht nur. Ein schrilles hysterisches Lachen. Dann drehte sie sich wieder zu Kevin. Dieser nickte. Ich sah nur noch, wie Marvin aus dem Hintergrund hervortrat.

Ich ging auf die Knie. Mir wurde schlecht. Mit der einen Hand hielt ich meinen Bauch, mit der anderen stützte ich mich am Boden ab. Der Aufschlag des Baseballschlägers raubte mir die Luft. Ich hustete. Ich hatte das Gefühl gleich brechen zu müssen. Mir wurde schwindlig. Tränen liefen mir in die Augen. Ich hustete und spuckte eine Masse aus Blut und Erbrochenem aus. Ich versuchte tief Luft zu holen doch die Schmerzen in meinem Bauch verhinderten jeden tiefen Atemzug. Vanessa sprang in die Luft und klatschte in die Hände. Ihr Lachen schallte durch die Hütte. Sie beugte sich über mir und zog mein Gesicht an den Haaren hoch.
„Na, wie gefällt dir das? Nicht schön so am Boden zu liegen. Genauso war ich am Boden als du Alex fast umgebracht hättest. Er war die Liebe meines Lebens und du hast ihn zum Krüppel werden lassen!“ Ihr schreien wurde immer lauter. Dann spuckte sie mir mitten ins Gesicht.
„Die Liebe deines Lebens?“, presste ich unter Schmerzen zwischen den Zähnen hervor, „pah. Lächerlich?“ Ihr Lachen verstummte. Ihre Mine versteinerte sich. Dann fing meine Wange an zu brennen. Der Knall der Ohrfeige schallte wie ein Echo durch den Raum.
„Lass dich nicht provozieren Süße. Der bekommt schon noch was er verdient,“ hörte ich Kevins eiskalte Stimme sagen.

„Bitte Kevin, bitte dich, hör auf damit. Bitte geh und wir tun alle so, als wäre nicht passiert“, flehte Stefan mit erstickter Stimme. Er war kreidebleich vor Angst. Der Schweiß lief ihm in Strömen von der Stirn.
„Bitte Kevin, es ist noch nicht zu spät. Du machst echt einen Riesenfehler.“ Doch Kevin dachte nicht im Traum daran sein Vorhaben aufzugeben. Entschlossen trat er an Stefan heran und hielt ihm das Messer an die Kehle.
„Misch dich gefälligst nicht ein oder du erlebst was!“, knurrte er Stefan an. Ein übler Geruch verbreitete sich im Raum. Mühsam blickte ich auf. An Stefans Hose bildete sich ein feuchter Fleck der langsam immer größer wurde und sich über sein komplettes rechtes Hosenbein ausbreitete. Er hatte sich vor Angst eingepisst. Kevin schaute nach unten und blickte dann wieder angewidert in Stefans Gesicht.
„Du ekliger kleiner Pisser!“, stieß er kurz aus ehe er ihm mit einem Stoß nah hinten auf Sofa beförderte.
„Hör auf mit der Scheiße Kevin, du willst mich und niemanden sonst!“, schrie ich ihm so laut es ging entgegen. Er drehte sich wieder zu mir um. Mit langsamen Schritten ging er auf mich zu. Als er wieder über mir stand, trat er zu. Mit voller Wucht in meine Rippen. Der Schmerz durchzuckte meine Körper. Mir wurde schwarz vor Augen. Aber ich durfte nicht das Bewusstsein verlieren. Solange ich nur wach bin konnte ich versuchen, ihn von den anderen Abzulenken. Von Stefan, von Patrick. Zeit schinden. Hoffen, dass Stefans Vater bald zu einem Kontrollgang erscheinen würde. Irgendwie schaffte ich es, von der Schwelle der Bewusstlosigkeit zu springen. Keuchend richtete ich mich wieder auf alle Viere. Meine Arme und Beine zitternden. Jeder Atemzug versetzte mir Stiche in meinem Brustkorb.

„Vielleicht hast du ja recht und ich sollte mich wirklich erst mal um dich kümmern.“ Er bedeutete zwei seiner Handlanger zu ihm zu kommen. Ich hatte Angst. Riesige Angst. Doch ich gab mein bestes es ihm nicht zu zeigen. Hasserfüllt funkelte ich Kevin an.
„Los, haltet ihn schön fest!“, befahl er den beiden. Sie drehten mich um und setzten mich auf. In dieser Position viel es mir noch schwerer frei zu atmen. Jeder der beiden nahm einen Arm von mir und hielt ihn fest mit beiden Händen umklammert. Ich konnte mich nicht wehren, war zu schwach dazu. Die Schmerzen in meinem Magen und an den Rippen verhinderten effektiv, dass ich mich hätte befreien können. Um mich herum verschwamm alles erneut. Ich sah Kevins Silhouette vor meinem Sichtfeld auftauchen. Blinzeln versuchte ich wieder klar zu sehen. Doch außer einem kurzen metallischen Aufblitzen war meine Wahrnehmung nicht mehr in der Lage etwas zu erkennen.
„Nun Felix, dass wird dir sicher mehr wehtun als mir“, spottete er. Dann fühlte ich den kalten Stahl an meinem T-Shirt Ausschnitt. Ein leises Geräusch. Stoff wurde von der Klinge durchtrennt. Mit einem mahl fühlte ich, wie der Stoff meinen Oberkörper verlies. Ich spürte, wie jemand von hinten an den Stofffetzen anzog und mir diese nun komplett entriss.
„Ich frag mich nur, soll ich das hier fertigmachen? Oder soll ich lieber ein neues Kunstwerk daneben setzten? Was meinst du?“ Er strich mit der Klinge leicht an meiner Narbe entlang. Das Bild vor meinen Augen wurde wieder klar und ich konnte sein sadistisches Grinsen sehen. Ich versuchte nochmal durchzuatmen. Vergebens. Meine Lungenflügel waren nicht mal zur Hälfte gefüllt ehe der Schmerz ein weiteres Einatmen verhinderten. Kalter Schweiß lief mir über die Stirn.

„Fick dich!“, presste ich aus meiner Kehle hervor.
„Zz Zz Zz, Und mit diesem dreckigen Mund küsst du deinen Lover? Aber gut, dann entscheide ich eben!“ Er setzte das Messer an. Mein Oberkörper versuchte sich aufzubäumen. Reflexartig, ungewollt. Doch die beiden griffen nur noch fester nach meinen Armen und hielten mich am Boden. Es war kalt und doch brannte es wie Feuer als die Klinge meine Haut zum Aufplatzen brachte. Sofort spürte ich, wie das Blut aus der Wunde zu laufen begann. Ich wollte schreien, doch eine speckige Hand hielt meinen Kiefer eisern umklammert. Nur ein unterdrücktes Stöhnen war von mir zu hören. Tränen liefen unkontrolliert meine Wangen hinunter. Marvin hielt meinen Kopf auf die anderen gerichtet. Ich konnte in ihren starren Gesichtern erkennen, wie sehr sie das ganze schockierte. Diese Brutalität, diese Grausamkeit. Keiner von ihnen hatte so etwas schon einmal erlebt. Sie zitterten. Wagten sich nicht auch nur einen Laut von sich zu geben. Die Mädchen hielten sich die Hände vor die Augen. Und dann war da noch Patrick. Stefan versuchte ihn hinter sich abzuschirmen. Auch wenn er selbst gerade starr vor Angst war versuchte er sein Bestes den anderen beizustehen. Ich sah diese großen grünen weinenden Augen. Ich wusste, ich musste durchhalten. Für sie. Für mich. Für uns alle. Ich spürte, wie mir das Blut an der Seite entlang bis zu meinem Hosenbund lief und dort vom Stoff aufgesogen wurde. Durchhalten. Nicht Ohnmächtig werden. Und wieder hörte ich Kevins spottende Stimme.

„Na was denn? Der erste Strich ist doch gar nicht so schlecht geworden oder was meinst du Vanessa?“
„Wenn es nach mir ginge hättest du das Schwein auch abstechen können! Der Bastard hat es nicht anders verdient!“, zischte sie nur giftig. Meine Wut stieg ins unermessliche. Ich versuchte erneut die Kraft aufzubringen um mich zu wehren doch vergeblich.
„Sieh an, sieh an. Er hat ist ja noch ganz schön fit. Dann können wir ja weitermachen!“ Und wieder fühlte ich die Klinge auf meiner Haut. Diesmal zog er sie ganz langsam durch meine Haut. Millimeter für Millimeter. Dieser brennende Schmerz machte mich fast wahnsinnig. Mein ersticktes Schreien hallte durch die Stille des Raumes. Das Blut lief mir aus den frischen Wunden. Tränen ließen meine Sicht verschwimmen. Irgendwann hörte ich auf mich zu wehren. Ich ertrug nur noch den brennenden Schmerz. Meine Arme hingen nur noch schlaff in den Händen der beiden anderen. Nur mein hasserfüllter Blick ruhte unverändert auf Kevin. Ich hoffte und wartete. Ich hoffte, dass er die anderen in Ruhe lassen würde. Und wartete darauf, nur eine Chance zu bekommen. Eine einzige Chance noch einmal alle Kräfte in mir frei setzen zu können und ihm sein scheiß Messer in den Hals zu rammen. Dann plötzlich nahm er das Messer von meinem Bauch und stand auf.
„Wow, ist ja richtig hübsch geworden!“, kommentierte er sein blutiges Werk, „lass ihn los Marvin. Ich will ihm doch die Gelegenheit geben seiner Bewunderung Ausdruck zu verleihen!“ Marvin lies meinen Kopf los und trat schnell zurück. Ich holte vorsichtig Luft. Das stechen in der Brust verhinderte jedoch, dass ich meine Lungenflügel wieder komplett füllen konnte. Mein Kopf senkte sich leicht. Nun konnte ich es auch sehn. Ein großes „K“, genau gegenüber dem „A“. Noch immer lief Blut aus den Schnitten. Einiges davon war auch schon getrocknet und klebte auf meiner Haut.

„Du scheinst nicht ganz zufrieden zu sein Felix. Gefällt dir etwa mein Kunstwerk nicht?“
„Du verdammtes Schwein“, keuchte ich leise, „irgendwann bekommst du was du verdienst!“ Sein Blick wurde mit einem Mal scharf. Er packte mich im Gesicht und zog mein Ohr dichter an seinen Mund.
„Mag sein. Aber bis es do weit ist wird ich dir zeigen was leiden heißt. Du wirst dir wünschen nie aus der Fotze deiner Mutter gekrochen zu sein, dass schwör ich dir.“
„Was hast du vor?“, schrie ich ihn an.
„Nicht so ungeduldig. Das Ganze ist auch für mich nicht leicht. Ich glaub ich gönn mir erst mal ein Bier. Künstler zu sein ist echt anstrengend. Und ne kleine Pause hab ich mir nun wirklich verdient!“ Mit diesen Worten nahm er sich ein Bier aus dem Kasten und setzte sich auf eine der Bierbänke. Er öffnete die Flasche und nahm erst einmal einen großen Schluck. Ein lautes Rülpsen entfuhr seinen Hals, als er die Flasche wieder absetzte.
„Weißt du Felix, dass alles hätte nie so weit kommen müssen. Ich frage mich schon seit dem Tag, wieso hat er das getan. Am Anfang dachte ich sogar noch, dass es wirklich ein Unfall war.“ Er kramte in seiner Hosentasche und holte eine Schachtel Zigaretten hervor. Vanessa gab ihm Feuer. Gierig saugte er an der Kippe und blies anschließend den Rauch in dicken Schwaden aus. Dann Stand er auf, lief zu mir und ging vor mir in die Hocke.
„Es ändert zwar an der ganzen Situation hier nichts mehr, aber ich würde trotzdem gerne von dir hören, was da genau passiert ist. Und erzähl mir nicht wieder du hättest nichts mitbekommen. Ich weiß ganz genau, dass du dabei warst.“ Er fasste sich wieder in die Hosentasche. Zum Vorschein kam ein kleines gelbes Armband. Es war schmutzig und an manchen Stellen konnte man eingetrocknetes Blut erkennen. Ich kannte es. Patrick hatte das Selbe in Rot, und Kevin in blau. Es war einst das Zeichen unserer Freundschaft. Die ganze Zeit dachte ich, ich hätte es irgendwo verlegt.

„Wo hast du das her?“, fragte ich erschrocken.
„Kannst du dir das nicht denken? Also, ich geb dir jetzt eine letzte Chance. Was zur Hölle ist passiert?“ Ich wusste, das leugnen nun keinen Zweck mehr hatte. Er wusste, dass ich da war. Er hatte sogar einen Beweis dafür. Jetzt sollte also tatsächlich alles rauskommen. Doch komischerweise fühlte ich keine Furcht mehr davor. Auch wenn es mir nicht leicht fiel darüber zu reden. Innerlich war ich froh es nicht mehr mit mir herum schleppen zu müssen.
„Wir wollten uns an dem Abend zum Zocken treffen, weiß du noch? Du warst noch nicht da. Nur Alex und seine Kumpels und die waren schon ganz schön drauf. Ich wollte eigentlich draußen auf dich warten. Aber er holte mich mit rein. Erst war er ganz normal. Wir haben zusammen was getrunken und was geraucht. Aber dann von jetzt auf gleich ist er ganz anders geworden. Und dann hat er…“ Ich stockte. Der Satz wollte mir einfach nicht über die Lippen kommen. Es war so erniedrigend. Ich schaute Kevin an. Seine Stirn hatte sich in Falten gelegt.
„Ja, was hat er verdammt. Lass dir nicht jeden Scheiß aus der Nase ziehn!“
„Er hat mich gefickt verdammt. Dein scheiß Bruder hat mich vergewaltigt!“ Stille im Raum. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Nur mein eigener Herzschlag donnerte mir in den Ohren. Die kreidebleichen Gesichter der Anderen ruhten auf mir. Ich konnte ihre Blicke spüren. Mitleidig, erschrocken, Ungläubig. Die beiden Arme, welche mich noch Sekunden vorher fest in ihrem Griff hatten lösten sich. Und während Kevin nachdenklich wirkte, zitterte Vanessa am ganzen Körper. Ihr Gesicht zu einer unansehnlichen Fratze verzerrt.

„Bullshit“, schrie sie plötzlich los, ging auf mich zu und schlug mir ihre flache Hand ins Gesicht.
„Du erzählst Scheiße, so was würde er nie tun. Er war mit mir zusammen. Ich bring dich um du Wichser!“ Sie war außer sich vor Wut. Verständlicherweise.
„Halt die Fresse Vanessa!“, fauchte Kevin sie an. Sie zitterte immer noch am ganzen Körper. Ihre Augen wurden feucht. Ich konnte nicht sagen, ob es aus Wut oder Enttäuschung war. Dann sackte sie in sich zusammen und saß nun mit angewinkelten Beinen heulend auf dem Boden.
„Und dann hast du ihn die Treppe hinunter gestoßen“, stellte Kevin nüchtern fest. Nach kurzem Zögern nickte ich ihm zu.
„Ich konnte mich losreisen. Er ging mir hinterher und ich hab ihn gestoßen. Und um ehrlich zu sein, es tu mir nicht mal leid.“
„Versteh ich“, antwortete Kevin, „ich hätte vermutlich das gleiche getan. Nichts desto trotz, er ist mein Bruder. Und wegen dir ist er jetzt ein Krüppel. Ich mach das jetzt wirklich nicht gerne Felix. Aber irgendjemand muss bestraft werden.“ Er stand auf und schritt auf Marvin zu.
„Gib mir die Keule Marv“, sagte er ruhig.

„Scheiße Kevin, was hast du vor?“, fragte dieser.
„Na was wohl? Ich werd seinem kleinen Lover die Beine zertrümmern. Deswegen sind wir doch hier. Und jetzt gib mir den verdammten Baseballschläger!“, forderte Kevin ungeduldig.
„Verdammt nein Kevin ich mach da nicht mehr mit, dass geht mir echt zu weit!“
„Wir sitzen im selben Boot. Du hast genau gewusst worauf das hinaus läuft. Und jetzt ziehst du den Schwanz ein?“ Ich blickte hoch zu Marvin. Erstaunt. Das gerade er sich jetzt gegen Kevin stellen würde hätte ich nicht für möglich gehalten.
„Denkst du es bringt dir irgendwas?“, schrie Kevin wütend, „du bist genauso dran wie ich wenn er bei den Bullen auspackt. In den Knast gehen wir eh alle. Da kommt’s auf auf die paar Jahre mehr nicht an!“ Jetzt starrte Marvin ihn erschrocken an. Man konnte ihn förmlich denken hören.
„Aber ich will nicht in den Knast. Was werden meine Eltern denken?“, sprach Marvin fast schon flehend. Tränen stiegen ihm in die Augen. Der Vollidiot dachte ernsthaft, dass das alles keine Konsequenzen für ihn haben würde.
„Hast du dir dein Hirn tot gefressen oder bist du wirklich so naiv. Du, du, ihr alle seid genauso dran wie ich!“, blaffte Kevin zornig und zeigte dabei auf seine Untertanen.
„Es ist noch nicht zu spät Marvin. Wir können so tun, als ob du und die anderen drei nichts damit zu tun hattet“, sagte der immer noch bleich auf dem Sofa sitzende Stefan. Die Anderen tauschten unentschlossene Blicke aus. Schließlich warf Marvin den Baseballschläger auf den Boden.
„Sorry Kevin, ich kann das nicht! Ich will das alles nicht mehr!“
„Komm schon Kevin, lass es gut sein. Das hat doch alles keinen Sinn!“, flüsterte einer von Kevins Helfern.
„Haltet die Fresse! Haltet alle eure verdammte Fresse! Ich bring das jetzt zu Ende! Mit euch oder ohne euch. Und dann verschwinde ich! Irgendwohin und ihr könnt die Scheiße schön alleine ausbaden. Ihr mieses Pack!“ Kevin war nun wie von Sinnen. Er hob den Schläger vom Boden auf und schritt auf Patrick zu. Düster blitze er diesen an.
„Bitte nicht Kevin!“, schrie ich, „lass Patrick in Ruhe. Scheiße man. Bitte!“ Ich rappelte mich auf. Schwankend lief ich auf Kevin zu. Immer wieder wurde meine Sicht kurz schwarz und ich taumelte. Schweiß lief in dicken Tropfen von meiner Stirn. Ich hatte Mühe mich überhaupt auf den Beinen zu halten. Das Einzige was mich noch stehen ließ, war die Angst um Patrick. Dieser rutschte immer weiter zurück. Doch irgendwann konnte er nicht weiter ausweichen. Das Wände der Gartenhütte blockierten jegliche Fluchtmöglichkeit.

„Bitte Kevin!“, rief ich nochmals mit allem was ich hatte. Doch Kevin lachte nur. Es war ein spottendes lachen. Durch und durch bösartig. Komplett gefühlskalt. Als wäre er in seiner eigenen Welt gefangen. Besessen von dem Gedanken mich zu brechen indem er das zerstören würde, was ich am meisten liebte. Für Patrick gab es nun keinen Ausweg mehr. Er konnte nicht weiter zurück. Und vor ihm bäumte sich Kevin auf. Seine Hände umklammerten den Schläger. Das vordere Ende deutete auf Patricks linke Kniescheibe. Aus Patricks Augen rannen unkontrolliert Tränen.
„Bitte nicht!“, schluchzte er leise, wohl mehr zu sich selbst. Keiner wagte sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Niemand hätte vor ein paar Stunden damit gerechnet, dass der Abend so verlaufen würde. Niemand, selbst ich hätte nie Gedacht, dass Kevin zu so etwas fähig wäre. Langsam hob er die Keule über seinen Kopf. Die Zeit schien still zu stehen. Meine eigenen Bewegungen kamen mir wie in Zeitlupe vor. Ich befahl meine Körper zu springen. Rein in die Flugbahn das Schlägers. Ich sollte büsen müssen, nicht Patrick und auch sonst niemand.
„Spring“, befahl ich meinem Körper nochmals, „spring verdammt beweg dich!“ Ich sah dabei zu wie sich der Baseballschläger langsam senkte. Doch was für mich langsam wirkte musste wohl in rasender Geschwindigkeit geschehen sein.
„Nein!“, war das letzte was ich aus mir herauspressen konnte. Dann…

Ein Markerschütternder schrei hallte durch dein Raum. Gepaart mit bitterem Schluchzen und Heulen. Ein Schrei, so markerschütternd wie ich ihn nie in meinem Leben vergessen werden. Ein Schrei, wie ich ihn noch nie gehört hatte. Ein Schrei, so schmerzerfüllt wie ich ihn noch nie zuvor ausgestoßen hatte. Ich rollte auf dem Boden, hielt mir die linke Schulter. Ich spürte nichts mehr. Nur noch diesen Schmerz. Ich konnte nicht mehr aufhören zu schreien.
„Felix!“, hörte ich Patrick nach mir rufen. Doch ich konnte nicht antworten. Nur Schreie und gewimmer wollten meiner Kehle entweichen. Aus zusammengekniffenen Augen sah ich nur sein tränenunterlaufenes Gesicht.
„Du verdammter Wichser musst wohl immer den verschissenen Helden spielen!“, hörte ich Kevin schreien.
„Es reicht Kevin!“, rief Marvin. Dann hörte ich schwere Schritte. Ich konnte meinen Blick nicht mehr von Patrick abwenden. Ich wollte ihn sehn. Wollte in seine Augen schauen solange ich noch konnte. Mein Sichtfeld wurde immer trüber. Meine Schreie immer gedämpfter. Plötzlich hörte ich einen dumpfen Aufschlag. Dann das Geräusch von Holz, das auf den Boden viel.
„Scheiße Marvin, da bist du selbst dran schuld, hörst du. Nur du. Du, verdammt!“, brüllte Kevin, Scheiße, du scheiß Vollidiot!“
„Du hast ihn umgebracht!“, hörte ich Stefan erstickt sagen. Weitere Geräusche. Der Geruch von Kotze füllte den Raum. Und von Blut. Hastige Schritte. Meine Augen verweilten auf Patrick. Mittlerweile konnte ich nur noch seine Umrisse sehen. Ich fühlte nichts mehr. Der Schmerz hatte meinen kompletten Körper betäubt.
„Bitte halt durch“, hörte ich ihn in mein Ohr flüstern. Seine Tränen tropften mir auf die Stirn.
„Ich werde es versuchen“, dachte ich. Ich spürte, wie seine Hände durch meine Haare fuhren. In meinen Ohren hallte mein Herzschlag. Langsam. Gleichmäßig. Ich spürte, wie sich um mich herum alles hektisch bewegte. Die Geräusche entfernten sich immer weiter. Ein dunkler Schleier legte sich auf meine Augen. Langsam wurde meine Sicht schwarz. Das letzte was ich hörte, waren entfernte Sirenen.

Ich fand mich in einem Raum wieder. Nicht groß, doch es reicht. In einer Ecke stand ein Schrank aus hellem Holz. In der anderen ein Schreibtisch. Ich selbst lag in meinem Bett. Der zarte Duft der Bettwäsche zog in meine Nase. Ich war zu Hause. In unserem Haus. In meinem Zimmer. Es hatte sich ein wenig verändert. Aber nicht gerade zu seinem Nachteil. Durch das geöffnete Fenster drang eine warme Brise. Vor dem Fenster konnte ich Vögel ihre Lieder singen hören. Nur das geschäftige Treiben auf den Straßen trübte das friedliche Bild. Ich blinzelte. Rieb mir die Augen. Vorsichtig stieg ich aus dem Bett. Verwundert blickte ich an mir herab. Die Narbe war weg. Und auch von der neuen Narbe keine Spur. Ich starrte verwundert meinen Körper. Er war makellos. Keine Wunde, kein blauer Fleck, nicht mal der kleinste Pickel war zu sehn. Der Wind wehte durch mein Haar. Der Duft von Rasen und Holz drang von außen in den Raum. Ich ging ans Fenster und schaute hinaus. Draußen schien die Sonne hell am strahlend blauen Himmel. Keine einzige Wolke trübte die Sicht. Das leichte rascheln der Blätter in den Bäumen hatte etwas Meditatives an sich. Beruhigend. Friedlich. Nur dies Geräusche aus der Ferne störten mich. Ich sah mich um, konnte aber nicht erkennen woher sie kamen. Ich trat wieder vom Fenster weg. Ich wollte in den Garten. Nur in Unterwäsche bekleidet lief ich durchs Haus. Freudig öffnete ich die große Terrassentür. Wieder wehte mir der Wind durchs Gesicht. Barfuß trat ich nach draußen. Das warme Gras unter meinen Füßen kitzelte leicht. Der Boden war weich und sanft. Ich lief hinüber zum Lieblingsplatz meiner Kindheit, dem alten Apfelbaum. Dort stand ein großer Mann. Ich kannte ihn nicht oder besser, ich konnte nicht erkennen wer er war. Er trug eine helle Jeans und ein weißes Hemd. Seine kurzen Dunkelblonden Haare bewegten sich leicht mit der sommerlichen Brise. Seine grünen Augen schauten mich friedlich an. Er hatte ein sanftes Lächeln auf den Lippen als er mich so ansah.
„Papa?“, fragte ich ungläubig. Ja er musste es sein. Genau so sah er auf den wenigen Fotos aus, die von ihm noch übrig waren. Ich selbst hatte keine Erinnerung an ihn. Ich war ja auch erst zwei als er bei einem Autounfall ums Leben kam. Freudig lief ich auf ihn zu. Und wieder hörte ich diese störenden Geräusche im Hintergrund. Diesmal deutlicher. Und eine Stimme hörte ich diesmal auch.
„Wir verlieren ihn!!! Komm häng dich rein Junge! Nicht aufgeben!“
Ich fragte mich, was da wohl vorging? Wen verlieren die? Wer soll nicht aufgeben? Am Ende war es mir dann doch egal. Ich wollte zu meinem Vater, den ich nicht kannte und doch so sehr vermisste. Als ich kurz vor ihm stand und ihn in die Arme nehmen wollte trat er einen Schritt zurück. Ich war verwirrt. Doch er lächelte nur und schüttelte seinen Kopf.
„Es ist noch nicht an der Zeit. Wir sehen uns irgendwann aber nicht jetzt. Ich liebe dich Felix!“
„Papa!“, schrie ich nochmal so laut ich konnte. Doch alles bewegte sich in rasender Geschwindigkeit von mir weg. Die Farben änderten sich. Es wurde dunkel. Blaue Lichter blitzten auf. Um mich herum viel unbekannte Gestalten.
„Wir haben ihn wieder…“
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Matti » 31 Jul 2019, 11:42

:cry: ich hoffe das er schnell wieder auf die Beine kommt und Patrick nichts abbekommen hat.
Da es förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Simson » 31 Jul 2019, 18:34

Puhhh, ich hatte ja vermutet, dass Kevin irgendwie bewaffnet ist und Felix an den Kragen will. Aber das er Patrick als Opfer benutzen will um Felix zu quälen ist ja noch krasser !!! Was für ein kranker Typ !!! Und was für dämliche und kranke Typen, die ihm dabei auch noch helfen (und denken ihnen passiert dabei nix).
Ich hoffe Felix wird wieder gesund ... und er und Patrick haben dann Ruhe ... und ich hoffe Kevin ist jetzt weg vom Fenster ... und Alex auch ... und

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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 01 Aug 2019, 12:13

Das Letzte Kapitel...viel Spaß

50. Ein neuer Anfang

„…weißt du wer ich war und was ich bin, Ich bin der schwarze Schmetterling…“ Ich lag mit Patrick zusammen auf einer Wiese. Das Gras um uns herum war weich und warm. Bienen und Schmetterling flogen von Blüte zu Blüte und gingen eifrig ihrem geschäftigen Treiben nach. Die heißen Strahlen der Sonne schienen auf unsere nackten Körper. Wir lagen dicht an dicht bei einander und hielten uns im Arm. Einen Moment lang schauten wir uns tief in die Augen. Fast zeitgleich schlossen wir diese und bewegten unsere Gesichter aufeinander zu. Ich spürte seine zarten Lippen auf meinen. Ein Stück weit öffnete sich sein Mund. Für mich das Zeichen, dass er meine Zunge spüren wollte. Sanft streichelten sich unserer Zungen in den Mundhöhlen. Erst zaghaft, dann immer wilder gingen wir unserer Leidenschaft nach. Es dauerte auch nicht lange, bis ich seine Erektion fest an meinem Bein spüren konnte. Ich drehte ihn auf den Rücken und öffnete die Augen. Zufrieden strahlte er mich an. Ich küsste seinen Hals, glitt hinunter zur Brust, küsste dort seine weichen Brustwarzen. Ein genüssliches Stöhnen entwich seiner Kehle. Ich arbeitete mich weiter nach unten, küsste ihm zärtlich seinen Bauchnabel, ehe mein weg an seiner festen Männlichkeit endete. Sein stöhnen wurde heftiger als er in meinem Mund verschwand. Er begann unter mir zu beben. Als ich merkte, dass er kurz vorm Höhepunkt stand, lies ich von ihm ab. Sofort entspannte er sich wieder. Mein weg führte mich wieder hoch zu seinem Mund. Wieder küsste ich ihn zärtlich. Wir schauten uns an. Er nickte mir kurz zu. Dann nahm er seine Beine hoch. Ich positionierte mich zwischen ihnen. Vorsichtig setzte ich meinen steifen Freund an. Langsam und so vorsichtig wie möglich drang ich langsam in ihn ein. Er zuckte kurz, verzog ein wenig das Gesicht, ehe sich sein Ausdruck in ein genüssliches Grinsen veränderte.

„Aufwachen Schlafmütze,“ hörte ich eine Stimme in mein Ohr flüstern.
„Nur noch fünf Minuten“, murmelte ich und drehte mich auf die andere Seite. Doch anstatt noch ein wenig Schlaf zu bekommen, wurde mir mit einem Mal die Decke weggezogen.
„Los auf mit dir, oder willst du schon am ersten Schultag zu spät kommen?“ Ich schaute auf die Uhr. Ungläubig blickte ich von ihr auf und schaute in ein strahlendes Augenpaar.
„Dein ernst Patrick? Es ist grad mal sechs Uhr. Was glaubst du wie lange ich früh brauche?“
„Duschen, anziehen, frühstücken…stimmt wir hätten schon vor einer viertel Stunde aufstehen sollen“, feixte Patrick.
„Ich esse früh nie was, dass solltest du eigentlich mittlerweile wissen“, murmelte ich immer noch schlaftrunken.
„Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit am Tag. Und jetzt schwing deinen Arsch auf, sonst kommen wir wirklich noch zu spät!“ Ich rollte kurz mit den Augen, widersprach dann aber nicht weiter. Stattdessen stand ich auf.
„Schon wieder der Traum?“, fragte er als er sah, was da noch, nur vom Stoff meiner Unterhose verhüllt, zwischen meinen Beinen stand.
„Schon wieder! Und daran bist nur du schuld!“, entgegnete ich ihm, „ich hab eben auch gewisse Bedürfnisse!“
„Du weist was wir vereinbart hatten?“ Natürlich wusste ich es. Wie könnte ich es auch vergessen. Die Folge stand stramm zwischen meinen Beinen.
„Ja ich weiß. Keine sexuellen Aktivitäten bevor ich nicht ohne Schmerzmittel durch den Tag komm“, seufzte ich, „ich geh dann mal kalt duschen“.

Das kalte Wasser lies meinen Schwanz relativ schnell wieder erschlaffen. Nach einer Zeit stellte ich das Wasser ab und stieg aus der Dusche. Im bodentiefen Spiegel betrachtete ich meinen Körper. Am auffälligsten waren die drei Narben an meinem Bauch. Auf der einen Seite die alte „A“ förmige Narbe auf der anderen ein Vernarbtes „K“. Und die größte in der Mitte. Es wird sicher ewig dauern, bis sich die Muskulatur unter dem langen Schnitt wieder vollkommen regeneriert hat. Doch was war schon ein perfektes Sixpack gegen mein Leben. Durch diese wurde mein Leben gerettet. Leberriss meinten die Ärzte. Für sie war es fast ein Wunder, dass ich trotz des immensen Blutverlustes überhaupt noch bis zum Krankenhaus durchhielt. Da waren die paar gebrochenen Rippen und das zerschmetterte Schlüsselbein fast schon Kleinigkeiten. Doch auch diese Verletzungen waren immer noch bei der kleinsten hektischen Bewegung deutlich spürbar. Ein paar Wochen Krankenhaus waren eben nicht genug um alles vollkommen ungeschehen zu machen. Doch das war nicht weiter schlimm. Jeder Schmerz den ich spürte, zeigte mir, dass ich noch am Leben war. Ich ging zurück ins Zimmer und zog mich an.

Der Duft von frischem Kaffee führte mich in die Küche. Je eine gefüllte Tasse stand bereits für mich bereit und Patrick bereit. Dieser saß bereits fix und fertig angezogen am Tisch und aß ein Nutella Brot. Meine Mutter stand an der Theke und bereitete unsere Pausenbrote vor.
„Guten Morgen Schatz“, begrüßte sie mich freundlich. Sie kam auf mich zu küsste mich auf die Stirn.
„Morgen Mom“, antwortete ich. Ich setzte mich an den Tisch und trank erst einmal einen großen Schluck aus der Kaffeetasse. Schweigen füllte den Raum. Nichts Ungewöhnliches. Ich war absolut kein Morgenmensch und vor der ersten Tasse Kaffee nahezu unansprechbar.
„Ich geh mir dann mal die Zähne putzen, bis gleich,“ sagte Patrick, gab mir im vorbei gehen einen kurzen Kuss und ging aus der Küche. Meine Mutter zuckte kurz zusammen als sie uns beide küssen sah, sagte aber letztendlich nichts. Sie hatte es akzeptiert, dass ich schwul bin. Auch wenn es ihr manchmal noch etwas Schwierigkeiten bereitete. Mein Herr von und zu Ex-Stiefvater hingegen hat meine Mutter verlassen. Besser so. Ich hatte wirklich beim besten Willen keine Lust mich täglich mit seinen Anfeindungen rumärgern zu müssen. Mom hingegen setzte die Trennung noch immer ganz schön zu. Ich konnte sie oft dabei beobachten, wie sie heimlich weinte. Als ob der Penner das verdient hätte.
„Wir schaffen das schon“, versuchte ich sie zu beruhigen. Mit eher mäßigem Erfolg. Ich hörte sie kurz schniefen. Dann nickte sie und verließ den Raum. Mit rollenden Augen trank ich den letzten Schluck aus meiner Kaffeetasse und stellte diese samt Patricks Sachen in die Spülmaschine.

Der Bus war wie immer brechend voll. Etliche neue, unbekannte Gesichter drängten sich im engen Gang zusammen. Einige waren hingegen nicht mehr zu sehen. Sie sind entweder umgezogen oder haben die Schule beendet. Patrick und ich saßen nebeneinander in einer Bank und beobachteten das geschäftige Treiben. Ich konnte die vielen Blicke spüren die auf uns gerichtet waren. Doch durch den allgemeinen Lärm war nicht viel vom Getuschel der anderen Schüler zu verstehen. Es war mir ein wenig unangenehm so im Mittelpunkt zu stehen. Und ehrlich gesagt war ich auch ein wenig nervös. Ich wusste nicht, was mich in der Schule erwarten würde. Ablehnung? Unverständnis? Es wusste so gut wie jeder, was an Stefans Geburtstag geschehen war. Zum einen waren die riesen Artikel in den diversen Zeitungen unübersehbar, zum anderen würde sich so etwas in einer Kleinstadt ohnehin verbreiten wie ein Lauffeuer. Ich habe es schon sehr früh aufgegeben mir all den Quatsch der in den Foren geschrieben wurde durchzulesen. Die Hälfte davon stimmte sowieso nicht. Und die andere Hälfte war maßlos übertrieben. Aber aus der Vergangenheit hatte ich gelernt, dass die Wahrheit nicht immer das ist was zählt. So lange es nur genug glaubten, konnten die absurdesten Dinge Wahrheit werden. Siehe Religion. Patrick schien mitbekommen zu haben, dass mir das alles schon noch ganz schön naheging.
„Hey, wenn’s noch nicht geht dann lass dich wieder abholen. Die Psychotante hat doch auch gesagt, du sollst dir jetzt nicht zu viel zumuten. Immerhin warst du ne Minute quasi tot. Es wird dir niemand übelnehmen, wenn du noch Zeit brauchst.“ Er legte seine Hand in meine und hielt mich fest.
„Schon gut. Ich hab echt nicht vor mich ewig zu verstecken. Ich bin nur etwas nervös, das ist alles“, sagte ich ruhig. Patrick lächelte mich an. Ich liebte sein Lächeln so sehr. Und wären wir nicht im Bus gewesen, wäre ich vermutlich über ihn hergefallen. Zumindest hätte ich es versucht. Doch wir waren nun mal im Bus und um uns herum gut fünfzig andere Schüler. Es ist zwar bekannt geworden, dass wir beide ein Paar sind, dennoch wollten wir die Toleranz unserer Mitmenschen nicht überstrapazieren.
„Sag mir wenn’s zu viel für dich wird okay? Ich bin für dich da!“ Ich nickte ihm zu. Plötzlich vibrierte sein Handy. Er holte es aus der Hosentasche, entsperrte es und las die Nachricht.

„Ich soll dir schöne Grüße von Mom sagen“, sprach er, „und wir sollen doch heute mal wieder bei mir schlafen.“
„Das sie uns besser überwachen kann?“, scherzte ich. Patricks Mutter hat, was das Thema Beziehung zwischen mir und Patrick angeht, so ziemlich die größtmögliche Rolle rückwärts gemacht. Nicht nur, dass sie ihm erlaubt hatte jederzeit, selbst an Schultagen, bei ihm mir zu übernachten, sie hatte mich sogar mittlerweile voll und ganz akzeptiert und behandelte mich fast wie einen eigenen Sohn.
„Ne ich glaub eher sie hat Angst, dass ich bei dir verhungere! Meine Eltern wollen uns zum Pizza essen einladen!“
„Na dann, ich muss aber erst nach der schule paar Sachen bei mir holen und Mom Bescheid geben!“
„Logisch!“, sagte er nur kurz. Dann schwieg er wieder. Ich konnte deutlich spüren, dass ihn noch etwas beschäftigte.
„Willst du Morgen echt hin?“, fragte er mit gedämpfter Stimme. Ich blickte nach unten und nickte kurz.
„Warum willst du dir das antun?“
„Ich weiß es nicht. Vielleicht um abzuschließen.“ Wieder war er ruhig. Es würde mir sicher auch nicht leicht fallen auf Kevins Beerdigung zu gehen. Auch die Psychotante riet mir eigentlich davon ab. Aber ich wollte es. Es würde das Ganze für mich ein für alle Mal beenden.
„Der ist viel zu leicht davongekommen. Er dich fast umgebracht. Marvin ist auch tot. Der hätte eigentlich in irgendeinem dunklen Loch für den Rest seines Lebens eingesperrt gehört!“, zischte er wütend.
„Kannst jetzt nicht mehr ändern. Mir tut nur seine Mom leid. Gleich zwei Psychopathen zur Welt gebracht und jetzt steht sie mit dem einen allein da.“ Mit quietschenden Bremsen hielt der Bus an der Haltestelle. Wir beeilten uns nicht auszusteigen. Fast als letztes erhoben wir uns von unserem Platz und verließen den Bus. Unser Weg führte uns als erstes ins Gebüsch.

Ich holte meine Kippen Packung aus der Hosentasche und nahm zwei Zigaretten heraus. Genüsslich inhalierte ich den blauen Dunst. Nikotin ist schon eine herrliche Droge. Immer wieder schaffte sie, es, dass ich wieder klar denken und ruhig bleiben konnte. Auch hier waren wir das Zentrum der Aufmerksamkeit.
„Ignorier sie einfach,“ flüsterte mir Patrick zu. Ich nickte etwas verlegen und nahm nochmal einen tiefen zug.
„Patrick, Felix, hey ihr zwei!“, rief uns eine bekannte Stimme von hinten zu. Wir treten uns um und schauten in Stefans gut gelauntes Gesicht.
„Hey Stefan, und alles klar bei dir!“, fragte Patrick.
„Logisch und zur Not hab ich vom Doc diese süßen kleinen Stimmungspillen. Kann echt nicht verstehen, warum du die nicht wolltest Patrick!“, rief Stefan und schlang dabei seine Arme um uns.
„Wieso sollte ich? Der Masochist da neben mir will ja nicht mal mehr seine Schmerztabletten nehmen“, witzelte Patrick und zeigte dabei auf mich.
„Du weist auch genau warum!“, knurrte ich ihm zu.
„Schön, dass es euch beiden wieder gut geht“, flüsterte Stefan auf einmal ernst. Wir schauten uns kurz alle drei an. Aus der Ferne war das Leuten der Schulglocke zu hören. Ich nahm Patricks Hand. Und gemeinsam liefen wir in Richtung des Eingangs. Kurz vor der Tür blieb ich stehen. Als die beiden das merkten hielten sie auch einen Moment inne. Ich wurde nachdenklich. Die Schule hatte sich nicht verändert. doch wir drei schon. Patrick und ich waren ein Paar. Und Stefan unser bester Freund. Die Geschehnisse hatten uns zusammengeschweißt und uns verändert. Ob zum Positiven oder Negativen wird nur die Zukunft zeigen.

„…weißt du nun endlich wer ich bin? Ich bin ein schwarzer Schmetterling …“

ENDE
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Re: Schwarzer Schmetterling

Beitragvon Quianye » 01 Aug 2019, 12:41

Hallo zusammen,

Die Geschichte ist nun zu Ende, leider wenn ich ehrlich bin. Denn auch wenn sie nicht komplett von mir ist, hab ich doch einiges an Herzblut rein gesteckt. Den Rahmen einer Kurzgeschichte hab ich hier mit knapp über 300 Seiten bei weitem gesprengt.

Danke an diejenigen, die die Entwicklung von Felix und Patrick verfolgt haben und mich in Nachrichten und Kommentaren ermutigt haben es bis zum Ende durchzuziehen. Danke auch an Tineoides, dass ich seine Geschichte übersetzen durfte. Wenn du das lesen solltest hoffe ich, dir gefällt was draus geworden ist.

Es existiert noch ein kleiner Anhang in dem aufgeklärt wird, Was von all den Fiction und was Wirklichkeit ist. Ich hab mich aber dagegen entschieden es hier zu posten. Wen es trotzdem interessiert, Der kann mich gerne privat anschreiben.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, werde ich mich nach einer kurzen Pause dem nächsten Projekt zuwenden. Ich hoffe, dass ich schon den ein oder andren dafür gewinnen konnte. Bis dahin Alles Gute und bis Bald

Euer Quianye
Das Leben ist keine Keksfabrik

Re: Schwarzer Schmetterling

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