Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

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Ninghu
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Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

Beitragvon Ninghu » 31 Aug 2013, 14:16

Und wie geht es jetzt weiter mit deiner Geschichte ? :)

Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

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Patrick1994
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Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

Beitragvon Patrick1994 » 08 Sep 2013, 14:00

Ich hab mir jetzt die ganze Geschichte durchgelesen und sie ist einfach nur toll. Du schreibst so anschaulich und aufregend, als hättest du schon lange Übung darin Geschichten zu schreiben. Außerdem ist die Geschichte die ganze Zeit über spannend und ich freu mich schon darauf, wenn du den nächsten Teil postest.

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Wavesittich
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Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

Beitragvon Wavesittich » 13 Sep 2013, 00:14

Will. Mehr. Jetzt.

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Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

Beitragvon anybody » 24 Sep 2013, 14:36

Nach vielen Terminen, einem renovierten Zimmer, einer neu übernommenen Jugendmannschaft, Lehrgang und und und, fand ich endlich wieder die Zeit den neusten Teil zu posten, bitte sehr:)

Am nächsten Morgen wurden wir von aufmunternden Sonnenstrahlen begrüßt. Es war letzte Nacht noch recht spät geworden, als wir die körperliche Freude unserer Versöhnung ausgiebig auslebten.
Am Morgen begnügten wir uns damit uns dicht aneinander zu kuscheln und die Gegenwart des anderen zu genießen. Nach langer Zeit der Stille sagte Eddy:
„Ich danke dir.“
„Wofür?“, fragte ich ihn.
„Dafür, dass du mich so unterstützt und mir hilfst wieder aus diesem ganzen Schlamassel raus zu kommen.“
Ich winkte ab, „Du würdest dasselbe für mich tun.“ Tatsächlich realisierte ich immer mehr, wie froh ich sein konnte, dass er mich nicht einfach in den Wind geschossen hatte, als ich mich so aufgeführt hatte wie ein Vollpfosten. Ich konnte es immer noch nicht fassen, dass ich mich hatte so von meinen Gefühlen leiten lassen, dass ich gar nicht bemerkt hatte, wie irrational mein Verhalten war. Letztlich konnte ich wirklich froh sein, dass ich ihm so viel bedeutete.
„Also, was machen wir heute?“, fragte er.
„Gute Frage.“
„Fangen wir anders an, wie geht es deiner Hand?“
Ich warf einen skeptischen Blick auf meine rechte Hand, die immer noch im Verband lag.
„Es geht. Sie zwickt immer noch ein bisschen, aber ich glaube insgesamt sieht das ganz gut aus. Ich könnte damit vermutlich kein Volleyball spielen, aber alles andere sollte drin sein.“
„Gut.“
Wir blieben noch eine ganze Weile liegen und überlegten uns, wie wir den Tag verbringen wollten. Zuerst war es wichtig das Gespräch zwischen unseren Eltern zu arrangieren, aber wir hatten uns schon festgelegt, dass wir das bei einem gemeinsamen Abendessen führen wollten. Bis dahin gab es einige Zeit zu überbrücken.
Wir entschlossen uns am Ende den Tag nicht wieder in der Bucht zu verbringen. Heute wollten wir am normalen Strand bleiben und mal sehen, was es dort so an Aktivitäten gab.

„Morgen ihr Schlafmützen.“, begrüßte mein Vater uns, als wir die Küche betraten.
„Morgen.“, gaben wir zurück, da bemerkte ich seine ernste Miene. Bevor ich fragen konnte, was los war, sagte er:
„Wir haben deine Eltern eben gesehen. Wir mussten ihnen etwas zureden, aber sie haben am Ende zugesagt heute Abend hierher zu kommen und sich anzuhören, was wir zu sagen haben. Seid also spätestens um sechs wieder hier, was immer ihr heute vorhabt. Wir gehen heute wieder an den Strand, das Auto steht euch also zur Verfügung.“, erklärte er.
„Alles klar.“ Kurz darauf verließen meine Eltern den Wohnwagen und nicht lange danach gingen auch Eddy und ich.

Wir verbrachten den Rest des Vormittags damit zu schwimmen und den umhertollenden Kindern auszuweichen. Am frühen Nachmittag mieteten wir uns ein Tretboot und schipperten ein bisschen auf die Adria raus. Wir konnten leider nicht so weit raus, wie wir wollten, da es einen abgegrenzten Bereich gab, indem man aus Sicherheitsgründen bleiben musste, aber wir suchten uns eine ruhige Ecke, wo nicht noch fünf Boote in Sichtweite waren. Wir wollten uns zumindest Küssen können, ohne sofort argwöhnische Blicke auf uns zu ziehen. Wir verbrachten eine ganze Weile damit einfach in der Sonne zu liegen. Wir hatten sogar eine Luftmatratze mit, die wir an das Tretboot banden und uns vom anderen ziehen ließen.
Es war ein ruhiger und entspannter Nachmittag, doch je später es wurde, desto angespannter wurden wir.
„Was, wenn sie mich immer noch nicht zurückwollen?“, fragte Eddy irgendwann. Er hatte schon eine ganze Weile nachdenklich neben mir gesessen, unsere Beine baumelten im Wasser, während das Boot von dem seichten Wellengang hoch und runter wippte.
„Mach dir keinen Kopf. Ich bin mir sicher, dass sie dich nachher dankbar wieder bei sich aufnehmen. Wenn sie erst einmal mit meinen Eltern sprechen, können wir bestimmt ein paar ihrer Sorgen zerstreuen.“, versuchte ich ihn zu beruhigen. Er wirkte jedoch nicht überzeugt.
Ich konnte nichts tun, um ihm seine Sorgen zu nehmen. Ich war selber unruhig und fürchtete mich auch ein wenig vor dem Gespräch. Eddys gesamte Familie hatte im letzten Jahr viel durchgemacht, dieser Streit belastete sie alle zusätzlich, und unnötig wie ich fand.
Ich konnte ihre Reaktion nur wenig verstehen. Gerade weil sie erst vor kurzem ihr Kind verloren hatten, sollten sie doch eigentlich froh und dankbar sein, dass es ihrem zweiten Sohn gut ging. Wie konnten sie da so engstirnig sein und der Sexualität ihres Sohnes so viel Bedeutung beimessen?
Die Anspannung wurde bei uns beiden irgendwann so groß, dass wir es nicht mehr aushielten.
Wir fuhren zurück zum Strand und machten uns auf den Heimweg. Es war zwar noch Zeit, bis seine Eltern kamen, aber es hielt uns beide nichts mehr am Strand.

Um halb sechs standen wir fertig im Wohnwagen und warteten auf Eddys Eltern.
„Ich bin nervöser, als vor meinem Outing.“, gestand Eddy.
„Das wird schon.“, versuchte ich ihn zu beschwichtigen. Das Abendessen hatten wir beide nicht angerührt, so nervös waren wir gewesen. Ich hoffte so sehr, dass wir es schafften die Probleme an diesem Abend aus der Welt zu schaffen und dann endlich der entspannte Teil des Urlaubs beginnen konnte.
„Jetzt hör auf hier rumzulaufen!“, meckerte mein Vater, als ich zum X-ten Mal im Wagen auf und ab gegangen war. Er saß am Esstisch und versuchte Zeitung zu lesen.
„‘Tschuldigung.“, sagte ich und drehte eine weitere Runde.
„Meine Güte jetzt setzt dich schon hin. Sie werden gleich irgendwann kommen und dann regeln wir das, kein Grund hier umherzustreifen wie ein hungriger Löwe.“, fuhr er mich an.
„Jaja, ist ja schon gut.“, sagte mich und setzte mich neben Eddy. Der saß ebenfalls still und leise am Küchentisch, sein Blick ging seit geraumer Zeit vollkommen ins Leere. Ich konnte mir denken, welche Horrorszenarien durch seinen Kopf spukten. Die verbliebene Zeit bis sechs Uhr verging äußerst zäh, doch irgendwann hörten wir das erlösende Klopfen an der Tür.
Mein Vater legte die Zeitung beiseite und meine Mutter öffnete.
„Hallo, kommt herein.“, begrüßte meine Mutter die zwei. Eddys Eltern blickten düster drein. Als sie eintraten warfen sie Eddy einen vernichtenden Blick zu. Es sah gar nicht gut aus.
„Hallo Mama, hi Dad.“, sagte Eddy betreten.
„Also, was gibt es zu besprechen?“, fragte seine Mutter eisig.
„Bitte setzt euch doch erst einmal. Darf ich euch was zu trinken bringen?“, versuchte mein Vater die Spannung etwas zu lockern.
Während er uns alle mit Getränken versorgte, blieb es vollkommen still. Niemand sagte ein Wort, allen war die Anspannung deutlich anzumerken. Eddy fühlte sich besonders unwohl. Er hatte seine Eltern wahrscheinlich noch nie so kaltherzig ihm gegenüber erlebt. Es war kein schöner Anblick.
Mein Vater stellte seine Bierflasche vor sich ab und setzte sich zu uns. Er war es, der die unangenehme Stille durchbrach:
„Die Jungs haben uns von der Situation erzählt. Wir haben Eddy hier bei uns aufgenommen, nachdem es den Streit zwischen euch gegeben hat, aber so kann es offensichtlich nicht weitergehen. Wir hoffen einfach, dass wir mit diesem Gespräch ein paar Sorgen und Vorurteile ausräumen können.“, erklärte er vorsichtig.
„Ich denke nicht, dass euch das etwas angeht. Das ist eine Angelegenheit zwischen unserem Sohn und uns. Zumal wir euch erst seit ein paar Tagen kennen.“, hielt Eddys Mutter dagegen.
„Das stimmt. Aber da Eddy uns nun einmal um Hilfe gebeten hat, sehen wir es als nötig an uns einzumischen. Ich denke die Tatsache, dass wir in diesem Urlaub selber erst erfahren haben, dass unser Ben schwul ist, könnte das ganze einfacher machen.“
„Wir haben schon gehört, dass es Ben war, der damit angefangen hat. Ohne ihn wäre Eddy vermutlich nie auf solche bescheuerten Ideen gekommen. Bisher war er immer ein guter Junge, aber dann kommt euer Sohn und verdirbt ihn völlig.“, Eddys Vater sprach als würde er Gift und Galle spucken. Nach den ersten Tagen hätte ich ihn niemals als so böse eingeschätzt. Er hatte auf mich so einen freundlichen und aufgeschlossenen Eindruck gemacht.
„Das ist doch vollkommener Schwachsinn.“, brach es aus Eddy heraus. „Ich hatte vor Ben schon einmal einen Freund. Außerdem weiß ich schon seit ich 13 bin, dass ich bisexuell bin. Also gebt Ben nicht die Schuld an eurer Engstirnigkeit!“, Eddy war geradezu wütend.
„Hey, wir sind nicht hier um uns gegenseitig anzumeckern und die Schuld zu geben!“, versuchte mein Vater zu beschwichtigen.
„Soso, engstirnig sind wir also. Woher willst du denn überhaupt wissen, dass du so bist? Du hattest doch noch nie eine richtige Freundin, Sarah will ich mal nicht zählen. Warum probierst du nicht erst einmal wie es mit einem Mädchen wirklich ist, bevor du dich für die falsche Seite entscheidest?“, fragte seine Mutter.
Ich konnte es nicht fassen. Eddys Eltern sprachen nur in Vorurteilen. Ich hatte erwartet, dass sie irgendwelche vernünftigen Ängste und Sorgen hatten und deswegen solche Probleme mit Eddys Orientierung, aber es war schlichtes Unwissen.
„Es ist keine Entscheidung!“, stellte ich richtig. Wenn ich etwas bei meinen Recherchen im Internet gelernt hatte, dann das. „Man entscheidet sich nicht, schwul oder hetero zu sein, man ist es einfach. Man wird so geboren.“
„Das ist doch Quatsch! Selbst wenn das stimmen sollte, Eddy hat sich doch eben als Bisexuell bezeichnet, wenn er also auf beides steht, dann entscheidet er sich doch offensichtlich für etwas.“, hielt seine Mutter dagegen. Ein guter Punkt, das musste ich zugeben. Ich wusste nicht, was ich drauf erwidern sollte, aber das musste ich auch nicht, denn Eddy kam mir zuvor:
„Ich habe mich für Ben entschieden, weil ich ihn liebe! Nur deshalb.“
„Jetzt übertreib mal nicht! Ihr kennt euch knapp mehr als eine Woche, da brauchst du nicht von Liebe zu sprechen.“, winkte Eddys Vater ab.
„Gut, dann nennt es halt nicht Liebe. Tatsache ist, dass ich mich das erste Mal seit Monaten wieder lebendig fühle. Ich denke das habe auch ich mir verdient, nach allem was passiert ist. Ben war es, der das in mir geschafft hat, ihr solltet ihm dafür dankbar sein.“
„Tsss“, mehr sagte Eddys Mutter da nicht zu. Nach einem Moment des Schweigens fuhr mein Vater fort:
„Ich denke, es ist wichtig zu verstehen, dass Eddy immer noch derselbe ist. Er ist immer noch euer Sohn, genauso, wie er es vor vier Tagen war, als ihr es noch nicht wusstet. Und genauso, wie Ben noch immer unser Sohn ist. Was hat sich denn schon groß verändert mit dieser Information? Die zwei scheinen doch glücklich zusammen zu sein, was gibt es daran auszusetzen?“, fragte er und schaute Eddys Eltern erwartungsvoll an. Für einen Moment glaubte ich, er hätte sie.
„Was daran auszusetzen ist? Eine ganze Menge. Es ist falsch! Ist ja schön, dass ihr eurem Sohn das so einfach durchgehen lassen wollt, aber wir werden das nicht tun. Allein schon wenn ich daran denke, was die Leute sagen werden…. Nein, keinesfalls. Wir werden dich wieder auf den richtigen Weg bringen. Es gibt sicher Leute, die dir helfen können.“
Das war zu viel für Eddy. Ich sah, wie die Tränen in ihm hochstiegen. Er gab sich große Mühe sie zu verbergen, aber alle konnte er nicht zurückhalten. Ich konnte nicht glauben, dass seine Eltern auch nur darüber nachdachten ihn umpolen zu wollen.
„Das geht eindeutig zu weit!“, fuhr meine Mutter dazwischen. „Es gibt keinen Grund nach Leuten zu suchen, die ihm ‚helfen können‘. Es ist nichts verkehrt mit ihm. Ich gebe zu, die Neuigkeit, dass Ben schwul ist, hat mich ebenso vom Hocker gehauen wie euch, aber deswegen würde ich ihn doch niemals verstoßen. Sicher, es ist schade, dass wir so wohl keine Enkelkinder erwarten können und auch sonst hatte ich wohl die Vorstellung, die jede Mutter von der Zukunft ihrer Kinder hat: glücklich verheiratet, mit einem Haus und ein paar Kindern. Aber wenn das nicht der Weg ist, den mein Kind gehen möchte, dann kann ich ihn nicht dazu zwingen.“ Sie schien einen Moment zu überlegen, was sie sagen sollte, aber dann fuhr sie in sanfteren Tonfall fort:
„Ich weiß, dass der Schmerz bei euch allen noch tief sitzt. Ich kann es mir nicht vorstellen, wie schlimm es ist sein Kind zu verlieren. Aber gerade, weil wir immer nur eins hatten, liegt uns sein Glück umso mehr am Herzen. Riskiert nicht das Verhältnis zu eurem Sohn wegen dieser Kleinigkeit. Ich bin sicher, dass ihr mit der Zeit erkennen werdet, dass es überhaupt nicht schlimm ist.“
Eddys Eltern schwiegen. Die Anspielung auf Robins Tod löste auch bei ihnen die gleiche Reaktion aus, wie bei Eddy: sie wirkten plötzlich in sich gekehrt und waren vollkommen mit ihren Gefühlen beschäftigt. Ich drückte Eddys Hand unter dem Tisch und drückte ihm so meine Unterstützung aus. Dankbar sah er mich an. Seine Eltern schwiegen noch immer. Hatten sie es jetzt verstanden?
Eine Antwort bekam ich nicht. Wortlos standen sie auf und wandten sich zum Gehen. Ich wollte protestieren, aber meine Mutter bedeutete mir es zu lassen. Als sie schon fast zur Tür heraus waren rief Eddy ihnen hinter:
„Bitte, ich liebe euch und ich brauche euch.“, Tränen rollten seine Wangen herunter und ich schloss ihn fest in die Arme. Sein Vater drehte sich noch einmal um. Wir warteten alle darauf, dass er etwas sagte, doch nach einem langen Blick auf Eddy ging er. Eine einzelne Träne auf der Wange gab Aufschluss über seine Gefühlswelt.
Er schloss die Tür hinter ihnen und ließ uns vollkommen ahnungslos zurück. Es gab keinen Aufschluss, ob sie Eddy verziehen hatten oder nicht.
Einen solchen Ausgang des Gesprächs hatten wir uns nicht erhofft.
„Und jetzt?“, fragte ich ratlos.
Mein Vater zuckte mit den Schultern:
„Warten wir ab. Ich kann auch nicht sagen, was das bedeuten sollte. Ich hoffe, dass sie über unsere Worte nachdenken werden und sie ihre Meinung ändern.“
„Ich soll einfach rumsitzen und abwarten?“, fragte Eddy.
„Wir sind hier im Urlaub. Versuch die Zeit noch zu genießen und mach dir keine großen Sorgen um deine Eltern, die kriegen sich schon wieder ein, da bin ich sicher. Heute Nacht bleibst du auf jeden Fall noch hier, morgen werden wir wissen, wie deine Eltern das Gespräch aufgenommen haben. Vielleicht wehren sie sich noch dagegen, aber sie wissen, dass wir mit unseren Worten recht hatten. Du bist und bleibst ihr Sohn.“, ermutigte mein Vater Eddy. Er nickte betreten.
„Komm, wir gehen noch ein Eis essen. Mein Vater hat recht, wir sollten die restliche Zeit genießen.“, schlug ich vor. Nach kurzem Zögern willigte Eddy ein.
" Wenn wir Freiheit aufgeben, um Sicherheit zu gewinnen, verlieren wir am Ende beides!"

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Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

Beitragvon GoldenStar18 » 21 Okt 2013, 22:40

Hi. Ich lese deine Geschichte schon lange und sie gefällt mir sehr :D
Ich wollte mal wissen ob du da mal weiterschreiben könntst ;)

Lg ein Fan :)
Manchmal sollte man nicht zu viel nachdenken - wenn sich was richtig anfühlt ist wahrscheinlich auch so

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Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

Beitragvon anybody » 02 Nov 2013, 12:05

Weiter gehts. Das Ende rückt näher ;)

Wir schlenderten gemeinsam über den Campingplatz zur Eisdiele an der Promenade und spazierten danach am Strand entlang.
Wir redeten über alles Mögliche und ich versuchte Eddys Laune aufzubessern. Es gelang mir teilweise, seine Miene hellte sich nach und nach auf. Ich hatte das Gefühl, dass er zuversichtlicher wirkte, seit er mir vom Tod seines Bruders erzählt hatte. Die Zeit verging wie im Flug, der Tag neigte sich langsam dem Ende entgegen.
Als die Sonne langsam unterging, setzten wir uns vorne auf einen der steinernen Wellenbrecher und ließen unsere Blicke über die Adria streifen. Es wirkte alles so harmonisch.
Das Meer wog seicht hin und her. Kleine Wellen klatschten gegen die Steine, von Zeit zu Zeit spritzte das Wasser zu uns hoch. Die rote Sonne glitzerte auf der Wasseroberfläche und ließ uns den Stress der letzten Tage vergessen.
Wie viel war doch in diesem kurzen Urlaub geschehen. Alles war so furchtbar schnell gegangen, dass ich es noch gar nicht richtig begreifen konnte. Glücklicherweise war dieser Urlaub letzten Endes doch noch alles andere als langweilig geworden.
„Du denkst oft an ihn, oder?“, fragte ich Eddy vorsichtig, als ich seinen gedankenverlorenen Blick auf das Meer bemerkte.
Er nickte.
„Erzähl mir von ihm.“, bat ich ihn. Eddy sammelte sich einen Moment.
„Er war ein toller Junge. Er liebte es Fußball zu spielen. Im Sommer musste ich jeden Nachmittag mit ihm auf den Bolzplatz fahren. Egal bei welchem Wetter. Er konnte davon einfach nicht genug bekommen. Klar, hin und wieder hat mich das genervt, aber ich hatte auch immer viel Spaß daran. Meine Freunde haben sich auch ziemlich schnell daran gewöhnt, dass er nachmittags immer dabei war, egal was wir gemacht haben. Auch als ich noch jünger war, hatte ich immer schon den Auftrag auf ihn aufzupassen. Meine Eltern mussten viel Arbeiten, darum war es oft an mir ihn vom Schulbus abzuholen und nachmittags auf ihn aufzupassen. Wenn er nicht gerade von sich aus zu einem seiner Kumpels ging, dann verbrachte er den Tag mit mir und meinen Freunden.“ Interessiert hörte ich zu, wie Eddy mir Geschichte um Geschichte von seinem Bruder erzählte. Es war ihm anzumerken, wie nach und nach die Last von seinen Schultern verschwand. So lange hatte er mit niemandem darüber geredet. Es musste schrecklich für ihn gewesen sein. Er hatte so viele schöne Erinnerungen an seinen Bruder, die jedoch alle von dieser einen Schlimmen verdrängt worden waren.
Hin und wieder konnte ich sehen, dass er mit sich rang, als er daran dachte was passiert war, aber er fing sich immer wieder. Es tat ihm gut das alles zu erzählen und die Erinnerungen zu teilen.
Ich brauchte nichts sagen. Ich saß einfach nur da, hörte ihm zu und freute mich, dass ich ihm so helfen konnte.
Ich erfuhr, dass seine beste Freundin ihm die Kette mit der Hundemarke kurz nach Robins Beerdigung geschenkt hatte. Damit er sich immer an ihn erinnern konnte.
„Ich habe meine Freunde in den letzten Monaten ziemlich vernachlässigt.“, stellte er schließlich fest. „Sie haben die ganze Zeit versucht mir zu helfen, sie wollten mich aufmuntern und haben auf mich eingeredet, aber sie haben mich nie wirklich erreichen können. Ich war so sehr in meiner eigenen Welt gefangen, dass ich sie nicht beachtet habe. Ich denke es gibt einige Leute, bei denen ich mich entschuldigen muss, wenn wir wiederkommen.“
„Mach dir keinen Kopf. Ich bin mir sicher sie haben volles Verständnis dafür.“, munterte ich ihn auf.
Wir blieben noch lange auf dem Wellenbrecher sitzen. Erst als es wirklich dunkel wurde machten wir uns auf den Weg zurück. Es war ein schöner Abend gewesen und ich hatte vieles über Robin erfahren. Mir war jetzt klar, wie sehr Eddy seinen kleinen Bruder geliebt hatte und warum sein Tod ihn so heftig mitgenommen hatte. Ich fand es schon fast beachtlich, dass er an dem Schmerz nicht zerbrochen war. Ich wüsste nicht, wie ich reagiert hätte, wenn ich in der selben Situation gewesen wäre. Alleine die Vorstellung jemanden zu verlieren der mir so viel bedeutete, bereitete mir Bauschmerzen. Ich verwarf den Gedanken schnell wieder, ich wollte die gute Stimmung des Abends nicht durch wirre Gedankenspiele verderben.
Ich genoss einfach unsere Zweisamkeit und das Vertrauen, dass zwischen uns beiden entstanden war. Wenn seine Eltern sich noch wieder einkriegen würden, wäre das Happy End für diesen Urlaub perfekt. Das sollte an diesem Abend jedoch nicht mehr geklärt werden…


Der nächste Morgen begann sehr ähnlich dem vorigen. Wir schliefen lange, blieben einige Zeit kuschelnd im Bett und frühstückten anschließend spät. Wir überlegten eine Weile, wie wir den Tag verbringen wollten und beschlossen am Ende einfach noch einmal zur Bucht zur fahren. Eddys Eltern waren nicht da, darum mussten wir uns noch gedulden bis wir zu einem weiteren Gespräch mit ihnen kamen. Meine Eltern überließen uns freundlicherweise ihr Auto und fuhren mit einem Taxi in den Nachbarort, den sie noch besichtigen wollten.
Als wir den Ausgang des Campingplatzes fast erreicht hatten, bedeutete Eddy mir anzuhalten:
„Warte, wir sollten noch etwas zu Trinken einkaufen. Wir haben nur noch eine Flasche Apfelschorle.“. Wir stellten das Auto ab und gingen noch schnell in den Supermarkt. Während wir durch den Getränkegang stöberten, stießen wir auf jemanden, den ich fast schon vergessen hatte.
„Ben?!“, hörte ich eine Mädchenstimme hinter mir.
Überrascht drehte ich mich um. Als ich das Mädchen mit dem feuerroten Haar erblickte dämmerte es wieder bei mir.
„Hi Caro.“, sagte ich, immer noch etwas verdutzt. Ich hatte sie vor einigen Tagen in einem Restaurant hier getroffen. Sie hatte sich zu mir an den Tisch gesetzt, weil alle anderen voll gewesen waren. Nach allem was passiert war hatte ich die Begegnung mit ihr vollkommen vergessen. Sowie meine Zusage, dass ich mal bei ihr vorbeischauen würde.
Eddy schaute mich fragend an. Ich hatte ihm gar nichts von ihr erzählt.
„Eddy, das ist Caro, Caro das ist Eddy. Wir haben uns einmal zufällig in einem Restaurant kennengelernt.“, erklärte ich schnell.
„Du hattest doch gesagt, dass du mal vorbeischaust.“, erinnerte sie mich ohne Vorwurf in der Stimme.
„Ja…“, antwortete ich verlegen. „Wollte ich auch, aber ich hab vollkommen deinen Stellplatz vergessen…“, sagte ich nicht ganz ehrlich. Klar hatte ich auch den Stellplatz vergessen, aber vor allem hatte ich sie vollkommen vergessen.
„Achso, das ist blöd. Wenn ihr zwei mögt, meine Freunde und ich wollten heute Abend noch eine kleine Party feiern. Erst ein bisschen bei uns und danach ziehen wir wahrscheinlich noch in eine Disko. Wenn ihr Lust habt, kommt doch vorbei. Für die Verpflegung ist auf jeden Fall gesorgt.“, erklärte sie mit einem schelmischen Lächeln und hielt eine von den Schnapsflaschen hoch, die sie offensichtlich gerade einkaufte.
Ich guckte Eddy kurz fragend an, der nickte nur.
„Klar, warum nicht.“, antwortete ich.
„Super. So ab acht Uhr könnt ihr vorbeikommen. Unser Stellplatz ist: Block C, 1324. Ich hoffe du behältst das bis heute Abend.“, sagte sie mit einem Augenzwinkern.
„Sicher, diesmal habe ich ja eine Gedächtnisstütze.“, erklärte ich und deutete auf Eddy.
„Also dann, bis nachher.“, mit einem Lächeln ging sie.

„Wann hast du die denn kennengelernt?“, fragte Eddy mich, als wir wieder im Auto saßen.
Auf dem Weg zur Bucht berichtete ich ihm von unserer Begegnung und unserem Gespräch. Ich erzählte ihm sogar davon, wie sie es geschafft hatte mich bezüglich meiner Sexualität noch einmal zu verunsichern. Als er das hörte, lachte er nur wissend:
„Kein Wunder, die hat sich dir ja eben schon quasi an den Hals geworfen und so wie die hier rumläuft, ist die sich ihrer Wirkung auf Kerle mehr als bewusst.“ Da musste ich ihm Recht geben. Ich erinnerte mich, dass sie schon bei unserer letzten Begegnung reichlich knapp bekleidet gewesen war und eben hatte sie auch nicht mehr an, als eine ‚Minijeans‘, die nicht einmal für die Oberschenkel reichte und ein Bikini-Top.
„Tja, jetzt schafft sie es aber nicht mehr mich auch nur im Geringsten zu verunsichern.“, sagte ich. „Aber wenn sich hier einer Sorgen machen sollte, bin wohl ich das.“, fügte ich neckisch hinzu.
„Ja, absolut.“, erwiderte er in reinster Ironie. Gut gelaunt erreichten wir die Bucht.
An diesem Tag zeigte ich, dass sich die Übung ausgezahlt hatte. Ich hielt mich sicher auf dem Surfbrett und schaffte es manches Mal Eddy den Schneid abzukaufen. Der Spaß den ich dabei hatte, war unbeschreiblich.
„Zu schade, dass der Urlaub bald vorbei ist.“, sagte ich, als wir am Strand saßen und uns ausruhten.
„Ja, das stimmt.“, antwortete er, dann schwiegen wir. Wir stellten uns beide die gleiche Frage: was war dann?
„Hey, jetzt nicht die Stimmung versauen lassen!“, forderte er mich auf, als er meine bedrückte Miene bemerkte. Er schaute mir eindringlich in die Augen.
„Wir finden schon einen Weg.“, erklärte er und küsste mich eindringlich. Der Kuss schaffte es sofort sämtliche Sorgen über Bord zu werfen. Ich erwiderte den Kuss, während meine Gefühlswelt einmal mehr ein Feuerwerk abbrannte. Es war so ein unbeschreibliches Gefühl, dass ich bei jedem Kuss wieder erleben durfte. Er drückte mich zurück in den warmen Sand, mich unablässig küssend. Irgendwann wanderte er meinen Hals herab. Kuss um Kuss steigerte sich meine Erregung. Die Brust, den Bauch, den Bauchnabel, bis er schließlich an meiner Badehose angelangt war. Schelmisch grinste er mich an:
„Die brauchst du jetzt nicht mehr…“
Wir liebten uns ausgiebig am Strand, die Abgeschiedenheit die uns die Bucht bescherte dankbar ausnutzend.
" Wenn wir Freiheit aufgeben, um Sicherheit zu gewinnen, verlieren wir am Ende beides!"

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Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

Beitragvon GoldenStar18 » 02 Nov 2013, 12:49

Na endlich kommt wieder mal was von dir :D
Schöner teil. Da wirds wohl noch trouble geben ;)
Manchmal sollte man nicht zu viel nachdenken - wenn sich was richtig anfühlt ist wahrscheinlich auch so

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Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

Beitragvon Azazel » 02 Nov 2013, 18:29

Schöner teil.


indeed, nur wieder so kurz :( :P
"Sie mögen 'Gott ist groß' rufen, aber tatsächlich wird er jedesmal ein bisschen kleiner, wenn sich jemand in seinem Namen in die Luft sprengt."

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Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

Beitragvon Wavesittich » 07 Nov 2013, 23:00

Nicht Ende!!!! Nein!! Schreib für immer weiter!!

Eule
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Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

Beitragvon Eule » 08 Nov 2013, 11:07

Lass dass bitte nicht das Ende sein, schreib doch bitte weiter,
das Ende kann ja gern 3 Monate nach dem urlaub kommen, aber doch jetzt noch nicht.
Ich hoffe wir müssen nicht alzulange warten

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Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

Beitragvon steveXbird » 08 Nov 2013, 18:30

Ich finde (falls das, dass ende sein sollte) es ein gelungenes Ende. Ist so gut wie alles aufgeklärt und geklärt und bevor man so etwas in die länge zieht und die qualität drunter leidet (wie ich finde ist das bereits passiert in den vorletzten teilen leider...obwohl ich die story immernoch mega mag) sollte man wissen wo schluss ist.

Und warum nicht mit so einem schönen Moment? In der Bucht wo ''alles angefangen'' hat kann doch auch jetzt Ende sein.

Danke schonmal für diese tolle Geschichte mit tollem Ende (falls es das überhaupt ist :) )

mfg steve! (fan :D )
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Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

Beitragvon Azazel » 08 Nov 2013, 18:55

Das Ende rückt näher


heißt, dass es zuende sein soll? :D
"Sie mögen 'Gott ist groß' rufen, aber tatsächlich wird er jedesmal ein bisschen kleiner, wenn sich jemand in seinem Namen in die Luft sprengt."

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Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

Beitragvon anybody » 08 Nov 2013, 18:58

Öhmmmm
ich sagte, dass das Ende näher kommt, nicht, dass dies das Ende ist!
Da kommt noch ein bisl was, keine Sorge :D
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Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

Beitragvon anybody » 08 Nov 2013, 19:17

Ich dachte mir, wenn ich schon einmal dabei bin, versorge ich euch gleich mit dem nächsten Teil ;)
Übrigens halte ich die letzten Teile bewusst kürzer, denn sonst wäre es jetzt schon vorbei. Wie sagt man doch so schön, Vorfreude ist die schönste Freude :P

Nach dem Liebesspiel vertrieben wir uns noch den Rest des Nachmittages in der Bucht. Am frühen Abend wurde es dann Zeit sich auf den Rückweg zu machen. Wir aßen, duschten und machten uns fertig zu Cora auf die Party zu gehen.
„Wo wollt ihr denn drauf los?“, fragte mein Vater, als meine Eltern zurückkamen.
Ich erzählte ihm von der Begegnung und der Party.
„Habt ihr Eddys Eltern schon wieder irgendwo gesehen?“, fragte ich. Als wir zurückgekommen waren, war der Wohnwagen von ihnen mal wieder verlassen gewesen.
Mein Vater schüttelte den Kopf:
„Nein, die sind uns noch nicht wieder über den Weg gelaufen.“
Ich zuckte mit den Schultern: „Wir können es nicht ändern. Ich hoffe, dass wir sie morgen treffen und sich dann alles wieder aufklärt.“
Eddy sagte nichts. Die Sache mit seinen Eltern bedrückte ihn sehr. Ich war mir sicher, dass er sie inzwischen auch vermisste. Es war nicht schön während des eigentlich gemeinsamen Urlaubs so die kalte Schulter von seinen Eltern gezeigt zu bekommen.
„Na komm, wir müssen los.“, lenkte ich ab. Es war schon halb neun.
Wir wanderten durch die Gassen des Campingplatzes, bis wir schließlich an dem Stellplatz ankamen, den uns Caro genannt hatte. In diesem Bereich standen keine Wohnwagen mehr, sondern nur noch Zelte und zwar in allen Variationen. Es gab sowohl kleine Ein- bis Zweimann Zelte, die auf den großen Stellplätzen etwas verloren aussahen, als auch große Gruppenzelte und Zeltgemeinschaften. Eben so eine war auch auf dem Stellplatz errichtet, den Cora uns genannt hatte. Vier Zelte standen in einem Halbkreis um eine Feuerstelle herum. Gegenüber von den Zelten waren zwei Pavillons aufgebaut. Die Party war schon in vollem Gange. In den Pavillons war eine lange Tischreihe aufgebaut, auf denen ein altmodischer Ghettoblaster stand und die Umgebung mit lauter Chartmusik beschallte. Die Tische waren außerdem reich mit Flaschen alkoholhaltiger Getränke gefüllt, sogar ein kleines Büffet mit Knabberzeug und Fingerfood war vorbereitet worden. Wir versuchten Cora unter den Gästen auszumachen, aber sie kam uns zuvor.
„Hey, da seid ihr ja!“, freudig lächelnd kam sie auf uns zu.
„Hi, danke für die Einladung. Ist ja schon ordentlich was los. Sind das alles deine Freunde mit denen du hier bist?“, fragte ich.
Sie lachte: „Nein. Nur ein paar davon. Den Rest haben wir hier so getroffen. Die meisten hausen in den Zelten um uns herum, einige kommen auch von anderen Campingplätzen.“
Gemeinsam gingen wir zum Buffet.
„Möchtet ihr was trinken?“, fragte sie. „Wir haben Bier, Cocktails, Schnaps und noch ein paar andere Sachen.“, sagte sie.
„Bier reicht erst einmal.“, antwortete ich und zapfte für Eddy und mich eins aus dem kleinen fünf Liter Fass, das auf dem Tisch stand.
„Woher kennt ihr euch denn überhaupt?“, fragte sie.
„Wir wohnen direkt nebeneinander. Haben uns ziemlich schnell angefreundet, ist nicht so klasse, nur mit seinen Eltern hier zu sein.“, erklärte ich.
„Gott, ich weiß. Letztes Jahr haben meine mich auch noch gezwungen, aber dieses Mal bin ich einfach mit meinen Freunden losgezogen. Warum haben die euch denn mitgeschleppt?“, fragte sie.
Ich erzählte ihr die Geschichte, dass meine Eltern der Meinung waren, dass es das letzte Mal sei und so.
„Und bei dir?“, wandte sie sich an Eddy.
Er war erst einen Moment unsicher, was er sagen sollte, aber dann entschied er sich für die einfache Variante.
„War bei mir genauso.“
„Das stinkt.“, sagte sie.
Ich zuckte mit den Schultern:
„Es war am Ende nicht so schlimm wie gedacht. Und jetzt ist die Zeit ja eh fast rum.“
„Und wo kommt ihr her?“, setzte sie neugierig das Verhör fort, während sie sich eine Tomate vom Büffet in den Mund schob.
Eine Frage, die ich Eddy in der ganzen Zeit noch nicht gestellt hatte. Eddy antwortete zuerst:
„Aus einem Ort ein bisschen außerhalb von Düsseldorf. Ich könnte dir den Namen sagen, aber das Kaff kennt eh kein Mensch.“, er lachte. Innerlich freute ich mich über die Antwort. Düsseldorf! Das ist gar nicht so weit weg. Mit der Bahn sollte das maximal eine Stunde sein! Bisher hatte ich jeden Gedanken an die Zeit nach dem Urlaub unterdrückt, weil ich gefürchtet hatte, dass es überhaupt keine Chance für Eddy und mich gab, aber seinen Wohnort zu erfahren, gab mir neue Hoffnung.
„Düsseldorf also. Da wohnen wir gar nicht so weit auseinander.“, sagte ich. „Ich komme aus Cronenberg, das ist in der Nähe von Wuppertal.“ Überrascht sah Eddy mich an. Ihm schien das gleiche Licht aufgegangen zu sein wie mir kurz vorher.
„Pfff, das ist ja eine völlig andere Richtung.“, sagte Caro. „Ich komme aus Rostock, also wirklich ne ganz andere Ecke.“
Caro hatte noch viele Fragen auf Lager. Sie war sehr neugierig, fragte nach alten Freundinnen und allem möglichen privaten Kram. Wir verschwiegen natürlich, dass wir ein Paar waren. Wir hatten beide keine Lust uns an diesem Abend noch unnötig Gedanken über mögliche Reaktionen zu machen. Leider sorgte das dafür, dass Caro dachte wir wären beide Single, weshalb sie sich keine Mühe machte zu verbergen, dass sie flirtete ohne Ende. Sie schmiss sich an uns beide ran, je größer ihr Alkoholpegel wurde, desto offensichtlicher wurden ihre Versuche. Irgendwann fingen Eddy und ich an daraus ein Spiel zu machen. Wir lehnten sie nicht mehr ab, auch wenn sie überhaupt keine realistische Chance hatten, doch viel mehr taten wir so, als kämpften wir um ihre Gunst.
Die Zeit verging an diesem Abend wie im Flug. Eddy und ich machten genau das, was wir uns vorgenommen hatten: Wir amüsierten uns, prächtig. Wir lernten einige von Coras Freunden kennen. Sie waren mir zwar nicht wirklich sympathisch, aber es reichte um mit ihnen Trinkspiele zu machen. Je dunkler es wurde, desto lauter wurde die Musik aufgedreht. So kam es mir zumindest vor. Wir tanzten, tranken und feierten ausgelassen.
Um Ein-Uhr bekam die allgemeine Laune jedoch einen gehörigen Dämpfer. Ein Angstelter des Parks kam vorbei und zwang uns die Musik auszumachen. Zu viele Leute hatten sich beschwert.
Die Stimmung war bedrückt. Alle sammelten sich um das Feuer, was in der Mitte der Zelte entzündet worden war. Keiner wusste so recht, wie die Party noch weitergehen sollte. Unzufriedenheit machte sich breit.
„Dann machen wir halt unsere eigene Musik.“, rief Cora lallend durch die Meute. Sie hatte den ganzen Abend ohne Unterlass getrunken. Alle wandten sich zu ihr. Sie stand vor ihrem Zelt und hielt eine Gitarre in der Hand.
Sie deutete auf Eddy: „Du hast doch eben erzählt, dass du Musik machst. Dann lass mal was hören!“ Eddy schien seine Worte mehr als zu bereuen.
„Ich also…“, stammelte er. „Ich habe schon lange nicht mehr gespielt. Das ist keine gute Idee, denke ich.“, wehrte er verlegen ab.
„Ach komm. Auf jeden Fall besser als gar keine Musik. Lass mal was hören!“, rief ein Typ, mit dem wir uns irgendwann im Laufe des Abends unterhalten hatten. Seinen Namen hatte ich gleich wieder vergessen. Eddy wollte wieder ablehnen, aber es ruhten jetzt alle Augen auf ihm.
„Na gut.“, sagte er. Er nahm Caro die Gitarre aus der Hand und setzte sich ans Feuer. Ich setzte mich direkt neben ihn. Ich war gespannt etwas von ihm zu hören.
Er nestelte einen Moment an der Gitarre rum und ließ es so aussehen, als würde er etwas verstellen. Sein Blick verriet mir, dass er nur seinen Mut sammelte. Ich wusste nicht, ob er jemals vor so vielen Leuten gespielt hatte.
Ich kam mir ein bisschen vor wie in einem amerikanischen Teenie-Film, mit Strandpartys, Lagerfeuer und einem Typen, der Gitarre spielt und singt. Die Vorstellung war schön und die Tatsache, dass ich es gerade genau so erlebte, gefiel mir.
Es wurde vollkommen still. Alle waren gespannt darauf Eddy singen zu hören.
Er nahm noch einen Schluck aus seinem Glas, dann sang er.
Und wie er sang.
Wir alle hielten erstaunt den Atem an. Eddys Stimme war so gefühlvoll und voller Emotionen, dass ich Gänsehaut bekam. Er coverte einen etwas älteren Chartsong, eine getragene Ballade. Ich kannte den Song, aber Eddys Interpretation gefiel mir noch viel besser als das Original.
Alle in der Nähe blieben still. Sämtliche Gespräche waren komplett verstummt, jeder lauschte gebannt seiner Stimme. Ich kam nicht umhin ihn bewundernd anzusehen. Er hatte mir ja erzählt, dass er gerne Musik machte und damit auch später sein Geld verdienen wolle, aber ich hatte im Leben nicht damit gerechnet, dass er so gut war. Eddy hielt während des gesamten Liedes die Augen geschlossen. Er war vollkommen in seiner eigenen Welt während er sang.
Nachdem das Lied zu Ende war, gab es von allen nur anerkennendes Klatschen. Eddy sah einen Moment gerührt in die Runde, dann machte er sofort weiter. Ich sah ihm an, wie viel Spaß er hatte und wie wohl er sich beim Singen fühlte.
Er sang Lied um Lied. Mal etwas ruhiges, dann auch schnellere, rockigeres Songs. Die meisten waren Cover von Chart-Liedern, aber ein paar Lieder waren mir gänzlich unbekannt. Ich fragte mich, ob das seine eigenen Schöpfungen waren.
Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, bis Eddy die Gitarre wieder bei Seite legte. Obwohl sich nach der anfänglichen Begeisterung die Gruppe wieder etwas zerstreut hatte, gab es von allen langen Applaus.
„Danke.“, sagte Eddy nur verlegen und stahl sich in Richtung Pavillons davon. Ich folgte ihm.
„Das war unglaublich schön.“, sagte ich, während er sich etwas zu trinken nahm.
„Es hat mir auch viel Spaß gemacht.“, antwortete er. „Ich habe nicht mehr gesungen und Gitarre gespielt, seit Robin gestorben ist. Ich hatte nicht geglaubt, dass ich es überhaupt noch kann. Und jetzt habe ich das Gefühl, dass ich noch deutlich besser seit damals geworden bin.“
Ich zuckte mit den Schultern:
„Ich bin zwar nur ein Laie, aber dass du Talent hast, dafür verbürge ich mich.“, erklärte ich.
Er schaute mich dankbar an.
„Ich fühle mich geschmeichelt, aber ich würde auch behaupten, dass du nicht zählst. Ich glaube du kannst das im Moment gar nicht objektiv bewerten.“, sagte er mit einem frechen Grinsen.
„Pfff.“, antwortete ich gespielt beleidigt. „Ich vielleicht nicht, aber dem Rest hat es ebenso gut gefallen und für die gibt es keinen Grund nicht objektiv zu sein!“, gab ich zurück.
„Also das war wirklich gaaaanz große Klasse!“, Caro torkelte heran und fiel Eddy um den Hals.
„Danke.“, antwortete er und schob sie sachte von sich.
„Wie wäre es.“, hörte ich nur, den Rest flüsterte sie Eddy ins Ohr. Ich sah ihn nur fragend an.
Sein Blick wurde verlegen bei dem was sie sagte. Ich hatte da eine Ahnung, was sie ihm gerade vorschlug. Es war sehr beruhigend zu spüren, dass ich nicht eine Sekunde an Eddy zweifelte.
„Sorry, aber ich verzichte darauf.“, wehrte Eddy den Vorschlag ab und schob sie endgültig von sich.
„Aber warum?“, fragte sie empört. „Findest du mich nicht scharf? Mache ich dich nicht an?“, rief sie. Es gab einige, die sie jetzt fragend ansahen. Caro war sichtlich betrunken und sich nicht mehr bewusst, dass sie sich gerade selber lächerlich machte.
„Caro, du solltest dich hinlegen.“, versuchte ich sie zu beruhigen.
„Ich will mich nicht beruhigen. Ich will mit dir ins Bett Eddy. Nun komm schon!“, lallte sie weiter.
„Caro, ich will nicht mit dir ins Bett. Lass es gut sein. Es gibt schon jemanden mit dem ich zusammen bin.“, entschuldigend sah er mich an, als sie sich ihm wieder an den Hals warf.
Caro bemerkte seinen Blick. Sie blieb einen Moment stehen und schaute zwischen uns hin und her.
Oh oh. Ich bekam eine böse Vorahnung.
„Warte mal…“, sagte sie. Eddys Blick war zu offensichtlich gewesen. Es dauerte nur einen Moment, bis ihr betrunkener Verstand begriff, was einigen Umstehenden schon klar geworden sein musste.
„Ihr zwei.“, sagte sie. „Ihr seid Schwuchteln!“, rief sie und machte einen Schritt von Eddy weg. Er schüttelte enttäuscht den Kopf und kam auf mich zu.
„Lass uns gehen.“, sagte er, ich nickte.
„So ist das also. Ihr seid scheiß Schwanzlutscher! He Eddy, du solltest mit mir ins Bett gehen, ich zeige dir, was richtiger Sex ist!“, rief Caro höhnisch. Wir wollten den Zeltplatz gerade verlassen, da stellten sich uns zwei muskulöse Typen in den Weg. Ihre herablassenden Blicke verhießen nichts Gutes.
" Wenn wir Freiheit aufgeben, um Sicherheit zu gewinnen, verlieren wir am Ende beides!"

Eule
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Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

Beitragvon Eule » 08 Nov 2013, 20:39

oh oh, jetz gibt es Ärger......
man, ich bin schon ganz Ungedulig, schreib express weiter jetzt, heute, ohne Pause

Re: Italien-Sommer, Sonne und zwei Jungs

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