In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

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SergeyP
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 08 Jun 2018, 03:36

Puh... bin wieder da XD Also es ist endlich Zeit, alles klar zu machen, oder? Im nächsten Kapitel haben unsere Hauptfiguren endlich zum ersten Mal etwas Ruhe...

[10] Ruhe

Eddie saß auf dem Boden bei der Tür meiner Zimmer. Er hatte sich dort hingesetzt, als er die Hälfte des Briefes erledigte, und hatte sich seitdem nicht bewegt. Als er sich auf den Boden senkte, dachte ich mir, dass es besser einen Stühl für ihn hätte geben sollen, aber trotzdem war es ihm anscheinend egal. Er schien völlig schockiert zu sein, deshalb wäre es wahrscheinlich gut, dass er auf dem Boden saß.

Währenddessen fühlte ich mich extrem nervös, aber es hatte mehr damit zu tun, dass Luke gerade im Flur hinter Eddie stand und uns neugierig betrachtet. Da ich schon gut kannte, was im Brief von meiner Mutter zu Eddie stand, hatte ich das Gefühl, dass Luke bald ein paar interessante Dinge hören würde. Seine Reaktion darauf war es, was mir Sorgen machte, insbesondere nach unserem Gespräch, bevor wir nach Hause zurückfuhren.

„Alice hat nie... ich hatte sie seit Monaten gesprochen, ehe du hierher gekommen bist, und sie hat nie gesagt... ich meine, sie hätte erwähnen müssen...“

„Dass ich schwul bin.“ Ergänzte ich für Eddie, doch als ich das sagte, sah ich an ihm vorbei auf Luke, der schlussfolgern mochte, dass ich ein Heuchler wäre, sobald er sich den überraschten, komischen Ausdruck von seinem Gesicht abwischte.

„Dass du schwul bist.“ Meldete Eddie endlich zu Wort, als Luke sich ruckartig von der Wand, an die er sich lehnte, löste, und nachdem er mir einen weiteren merkwürdigen, nachdenklichen Blick zugeworfen hatte, ging er davon. Ich unterdrückte den Drang, ihm zu folgen. Ich würde ihn mich später anbrüllen lassen, aber jetzt musste ich mit einem verwirrten, und offenbar homosexuellen Vater zurechtkommen.

„Ja, und sie hätte mir das Gleiche über dich erzählen müssen.“ Sagte ich, und Eddie schaute von dem Stück Papier auf, sein Blick meinen getroffen. Er sah dabei frustriert aus, und da seine Frustration auf mich gerichtet zu werden schien, wirkte ich dann abwehrend.

„Du hast nie sowas gesagt.“ Erwiderte er, und ich nahm es sofort als einen Vorwurf an, dafür warf ich ihm einen ungläubigen Blick zu.

„Ich?“ Entgegnete ich etwas hitzig. “Was war mit dir denn? Ich bin dran gewöhnt, es vor Menschen, die ich nicht mal kenne, zu verbergen! Hier kennen alle über dich, und du hast sie mich anlügen lassen! Und hast du dir je überlegt, dass ich dir davon erzählt hätte, wenn ich wüsste, dass es mir sicher wäre? Ehe ich hergekommen bin, gab es nur zwei Menschen, die über mich wussten, und eine von ihnen ist schon gestorben! Du kannst nicht auf mich wütend sein, weil...“

„Okay, Rory!“ Erhob Eddie auch seine Stimme, und hielt eine Hand hoch, als wollte er kapitulieren. „Okay... du hast recht. Du hast es recht. Entschuldigung. Das ist nur... zu viel.” Er sah sich den Brief in seinen Händen an, dann mich wieder. „Hast du... hast du das gelesen?“

„Nein.“ Antwortete ich stirnrunzelnd. Ich war mir nicht sicher, warum mich die Frage störte. Vielleicht weil der Umschlag noch versiegelt war, als ich Eddie den reichte, und ich mich immer noch abwehrend fühlte. „Sie hat mir auch einen gesendet.“

Eddie betrachtete mich neugierig, und ich wurde plötzlich nervös. Ich hatte Angst, dass er mich darum bitten würde, meinen Brief zu lesen. Ich wollte ihn nicht teilen. Definitiv noch nicht. Der war von meiner Mutter, zu mir. Der war meiner. Trotzdem konnte ich seine Neugier verstehen. Ich war also auch neugierig darauf, was in seinem stand. Dennoch bat Eddie mich nicht darum, meinen Brief lesen zu dürfen, bot mir jedoch auch nicht an, seinen zu lesen. Stattdessen hievte er sich von dem Boden, wieder riesig, doch etwas unangenehm wirkend, als er bei der Tür stand.

„Das ist...“

„Zu viel.“ Ergänzte ich. “Du hast es schon gesagt.”

Eddie sah stirnrunzelnd zu mir. „Rory, weißt du... ich habe keine Ahnung, was dir zu sagen.“ Gab er kopfschüttelnd zu. „Ich weiß bloß nicht, was ich dir nun sagen sollte.“ Davon hörte er sich enttäuscht an.

“Vielleicht... solttest du nichts sagen.” Erwiderte ich, als die Stille zu lang unbehaglich zu sein schien. „Vielleicht ist jetzt an der Zeit... dass ich dich anbrüllen, und alles vorwerfen sollte.“ Daraufhin sah Eddie alarmiert aus, offen bar nicht begreifend, dass ich gerade versuchte, einen Witz zu machen. „Weißte... dass ich schwul bin: wenn es tatsächlich erblich wäre, dann bist du allein es, der schuld dran ist.“ Na ja, das war zwar ein schlechter Witz, doch wusste ich nicht, was anders zu tun. Ich wollte noch auf ihn sauer sein, aber das schien unmöglich zu sein, wenn er genauso verloren wirkte, wie ich mich fühlte.



„Na gut.“ Sagte er, meinen Scherz ignorierend. “Rory, könntest du mir mal mitteilen, was du dir denkst.”

„Huh?“

„Du bist vorhin weggelaufen. Ich verstehe, das war einfach zu viel für dich, und alles kam dir wieder fremd vor, aber du kannst es nicht machen. Ich muss zumindest wissen, wo du bist.“ Ich stöhnte innerlich auf. Ein Vortrag jetzt? Sollte ich nicht wegen des Umstandes in Ruhe gelassen werden oder so? „Sag mal, was ist vorhin passiert, warst du verärgert, warst du...“

„Verärgert... geht.” Unterbrach ich ihn. “Hör mal, das ist nicht meine Schuld, dass ihr alle mich wieder angelogen habt. Ich wollte nur davon weggehen, außerdem habt Jase und du euch sowieso gestritten, und...“

„Deswegen hast du das gewusst?“ Fragte Eddie plötzlich. „Du hast mich und Jase streiten hören?“

“Ich hab den Brief meiner Mutter gelesen.” Erwiderte ich. Das war nicht genau eine Lüge, sondern eher halbe Wahrheit. Aus gewissen Gründen hielt ich es nicht für nötig, Aarons Namen im Moment zu erwähnen. „Ähm... und du sollst vielleicht wissen... ich meine...“ Ich verstummte, mich wundernd, ob ich das nächste Geständnis wirklich ablegen wollte.

„Was denn?“ Fragte Eddie.

„Ich war es, der dieses Foto draußen gelassen hab.“ Gab ich zu, mich zwingend, seinen Blick zu treffen. „Nachdem ich es rausgefunden hatte, bin ich in dein Zimmer gegangen... ich wollte nur sehen...“

Ich war vielleicht dankbar, dass Eddie nur darüber nickte, statt mich zu tadeln, dass ich ohne Erlaubnis sein Zimmer betreten hatte. „Wo gingst du denn hin?“

„Bin nur spazieren gegangen. Hör mal, es tut mir leid, wenn ihr euch Sorgen um mich gemacht habt, aber ich war wütend, und dann hat Jase gemeint, dass er ausziehen würde, und nicht wollte, dass ich hier bin, wenn...“

„Du hast ihn nur missverstanden.“ Unterbrach Eddie mich unvermittelt. „Er war wütend auf mich, Rory, weil ich dir die Wahrheit nicht früher gesagt hab... offensichtlich hatte er recht.“ Ich sah zu, wie Eddie sich mit den Fingern durch seine dunklen Haare fuhr und endlich mein Zimmer eintrat, da zog er einen Stuhl mit sich an die Tür hin, wo er sich hinsetzte und seine Ellbogen auf die Knien stellte. „Du hast auch recht. Ich sollte nicht damit rechnen, dass du mir alles erzählen konntest. Ich hätte dir in erster Linie ehrlich sein sollen, deswegen entschuldige ich mich.“

Ich blinzelte, rechnete echt nicht damit, dass ich so früh eine Entschuldigung bekam. Irgendwie verschwand danach alle meine Wut, und ich war mir wirklich nicht sicher, was ich davon hielt. Trotzdem brachte es die Frage, die mir mittlerweile im Hinterkopf lag, hervor.

„Dann warum warst du nicht?“ Fragte ich ruhig. „Das ist sowieso kein Geheimnis hier rum... warum würdest du es vor mir verbergen?“

Eddie lachte tatsächlich darüber auf. Es handelte sich um ein scharfes, trauriges Lachen, aber trotzdem war es doch ein Lachen, welches ich nicht begreifen konnte.

„Angst.” Sagte er sachlich, als er auf mich aufschaute. „Das ist ja unglaublich, Rory... aber du hast mich zu Tode erschrocken.“

„Was?” Das verstand ich nicht, da es von dem Riesen, der mich zerquetschen könnte, wenn er wollte, gesagt wurde.

„Das ist die Wahrheit.” Bestand Eddie darauf. “Ich hatte immer Angst, seit ich von deiner Existenz erfahren hab. Ich war so beängstigt, dass du Vorurteile gegen mich haben würdest, und das hat sich auch nicht verändert, als ich rausgefunden hab, dass du auch nicht von mir wusstest. Ich konnte dich nicht mal ans Telefon bringen, ehe du hergekommen bist... Ich hab mir halt gedacht, was für ein Mistkerl du warst, aber trotzdem bist du mein... du bist Ginas Sohn. Ich wollte nur, dass du mich kennenlernst, ehe ich dir mehr über mich mitteilen würde, weil mich kennenzulernen war etwas, welches du...“

„Total dagegen?” Ergänzte ich für ihn, mich plötzlich wieder schuldig fühlend. Das erinnerte mich nur erneut daran, dass er nicht wie gedacht der verabscheuenswürdige Vater war.

„Ich kann’s verstehen, warum du es nicht wolltest, Rory. Du hattest einfach nicht alle Informationen... und ich hatte Angst, sie dir zu geben. Hätte dir deine Oma etwas erzählt, hätten wir dieses Gespräch viel früher geführt... oder gar nicht. Ich wollte nur, dass du mir eine Chance gibst. Ich hab’s nicht bemerkt, dass ich es für dich schwieriger gemacht hab.“

„Auch wenn ich gewusst hätte, dass du schwul bist, und ich selbst nicht wäre, heißt es nicht...“

„Ich weiß.“ Unterbrach er mich. “Angesichts dass du deine Mutters Sohn bist, hatte ich mir tatsächlich gedacht, dass ich mir keine Sorgen darum machen sollte, aber trotzdem hatten wir ja so einen schwierigen Anfang. Und du sollst auch was anderes über mich wissen, Rory. Vor Jase hatte ich so große Angst, irgendjemandem zu offenbaren, dass ich schwul war. Im ganzen ersten Jahr, in dem wir zusammen waren, hab ich echt geglaubt, dass er Schluss mit mir machen würde, weil ich nicht mal seine Hand in Öffenlichkeit halten würde... und ich würde ihn nie zu meiner Wohnung kommen lassen, weil die in der Nähe von Uni war. Es hat ja lange gedauert, bis ich realisiert hab, dass ich ich selbst sein könnte, ohne mich darum zu kümmern, was andere Menschen davon halten. Meine Familie war mir aber... nicht so verständnisvoll. So sind sie jetzt immer noch, und seitdem fand ich es schwierig, ehrlich zu sein, besonders gegenüber Menschen, die mir wichtig sind.“

Ich runzelte die Stirn und versuchte das zu verstehen. In gewisser Weise konnte ich seine Situation nachempfinden. Wären meine Mutter und meine Oma nicht so verständnisvoll für mich gewesen, wäre mir meine Sexualität bestimmt nicht so angenehm, auch wenn ich noch nicht beschlossen hatte, der ganzen Welt diese mitzuteilen.

„Wann hast du deiner Familie darüber geredet?“ Fragte ich.

„Erst als ich zur Uni.“ Erwiderte er. „Zuvor waren die einzigen Leute, die über mich wussten, deine Mutter, deine Oma... und eine andere Person.“

„Josh Kemlar.“ Da erinnerte ich mich an den Namen im Brief meiner Mutter.

„Genau.“ Daraufhin lächelte Eddie sachte. “Hat deine Mutter den auch erwähnt?” Ich nickte nur. “Abgesehen von deiner Mutter war er mein anderer sehr guter Freund. Ich hab ihn in der Oberschule kennengelernt, und wir waren zusammen, bis ich ausgezogen bin. Josh hat sich entschieden, die Staatsuni zu besuchen, und ich hab Jase kennengelernt... also, er schickt noch jedes Jahr eine Weihnachtskarte.“

„Aber du warst mit meiner Mutter zusammen... als du ihn kennengelernt hast?“

„Schon zuvor.“ Klärte Eddie. “Aber wir waren nie zusammen, als ich noch mit deiner Mutter zusammen war. Das verspreche ich dir.“

Ich nickte nur. Meine Mutte hatte das schon erwähnt.

„Aber du wusstest schon, dass du schwul warst, als du mit meiner Mutter zusammen warst?“ Fragte ich, meine Neugier immer mehr erweckt.

„Genau.“ Nickte Eddie. “Aber damals dachte ich mir, dass ich das einfach ignorieren konnte, Rory. Das war wegen meiner Familie besser so.“

„Aber trotzdem warst du mit meiner Mutter zusammen, und sie ist von dir schwanger geworden, deswegen...“ Ich verstummte abrupt und wurde hochrot, als ich mitbekam, wozu diese Frage führte. Ich musste wahrscheinlich auch nicht die störenden Vorstellungen, die mir in den Sinn kamen, erwähnen. Währenddessen saß Eddie plötzlich aufrecht, dabei sah er vollkommen unbehaglich aus.

„Ähm...“

„Ach, das ist widerlich.“ Grummelte ich kopfschüttelnd, und er verzog eine Augenbraue, fast beleidigt wirkend. Doch dann sah er eher amüsiert aus, als er mitbekam, dass ich im Moment verlegener war als er.

„Willst du das wirklich wissen?” Fragte er, und etwas überrascht schaute ich zu ihm auf. Ich glaubte, die Antwort hätte offensichtlich sein sollen. Auf keinen Fall wollte ich diese Details wissen, aber trotzdem war ich doch so neugierig.

„Also... ich versteh’s nur nicht.“ Platzte ich heraus. “Auch wenn jemand ein Mädchen vor mich stellt, wüsste ich gar nicht, was mit ihr zu tun. Ich meine... na ja, aber trotzdem...” Ich senkte meine Stimme und sah ihn etwas verzweifelt an. „Ich denke nicht, dass das funktionieren würde.“

Ich war nicht amüsiert, als Eddie jäh auflachte. Es handelte sich um ein lautes, fröhliches Gelächter, bei welchem man alle seine weißen Zähne sehen konnte. Dennoch dauerte es nicht so lang, da er danach bemerkte, dass ich nicht mitlachte.

„Nein, Entschuldigung, Rory. Ich versteh ganz gut, was du meinst, und wenn ich ehrlich bin, war ich damals doch auch bisschen besorgt... als ich mit deiner Mutter zusammen war.“

„Dann warum hast du das gemacht?“ Fragte ich stirnrunzelnd, als mir ein anderer Gedanke durch den Kopf schoss. „Hast du sie ausgenutzt?“

„Nein.“ Erwiderte er schnell. “Rory, ich kann mir ja vorstellen, wie dir das alles klingt... aber ich hatte deine Mutter echt lieb.“

„Aber du bist schwul. Ich meine, hast du dir mal gedacht, dass... es sein könnte, dass ich nicht mal...“

„Wenn Gina meint, du seist mein Sohn, dann bist du meiner.“ Behauptete er. „Und das bin ich mir sicher... pass auf, damals dachte ich mir recht, dass ich glücklich bei Gina sein könnte. Ich hatte sie echt lieb. Als wir uns dafür entschieden haben... also kurzgesagt hab ich rausgefunden, dass ich mir in diesem Alter nicht so viel Mühe geben muss, damit das... funktioniert. Das ist aber nur zweimal passiert, und deine Mutter war das einzige Mädchen, mit dem ich je zusammen war.“

„Also... hast du kein Gummi benutzt?“ Fragte ich weiter, da blinzelte Eddie, und er wurde wegen der Frage hochrot.

„Wenn ich mich richtig erinnere... hab ich nicht genau Rücksicht darauf genommen.“

„Beides Mal?“ Fragte ich ungläubig. Selbst ich wäre nicht so dumm gewesen.

„Ich war mir ziemlich sicher, dass wir doch beim ersten Mal Gummi benutzt... es war wahrscheinlich beim zweiten Mal... Pass auf, wir haben einfach nur nicht darüber nachgedacht, Rory. Ich hab nicht darüber nachgedacht.“ Er sah plötzlich erschöpft aus, da fuhr er sich hart mit einer Hand übers Gesicht. „Vielleicht wenn ich das gemacht hätte... hätte ich es rausgefunden, was los war, als Gina... als deine Mutter angefangen hat, sich von mir zu distanzieren, nachdem wir uns getrennt hatten. Hätte ich gewusst, was sie durchgemacht hat, oder von dir... also, wäre ich da gewesen. Das kann ich dir versprechen.“

Daraufhin schaute ich von ihm weg, um einen Moment darüber nachzudenken. Ich glaubte ihm. Ich wusste, dass meine Mutte das geglaubt hätte. Ich fragte mich nur, wie es gewesen wäre, bei Eddie als Vater aufzuwachsen. Ich wunderte mich, was für Unterschied es gewesen wäre... wie anders ich gewesen wäre, hätte ich ihn früher gekannt.

„Ich kannte nie zuvor jemanden, der schwul ist.“ Sagte ich unabsichtlich, brach dabei die lange Stille.

„Nie?“ Darauf reagierte Eddie überrascht. “Du musst wahrscheinlich einen gesehen haben, hast das aber nur nicht gemerkt.”

„Vielleicht.“ Erwiderte ich achselzuckend. “Aber ich kannte nie zuvor wirklich einen.“

„Ach so...“ Er saß wieder aufrecht und betrachtete mich neugierig. „Also... hast du noch Fragen... oder...“

„Nein.“ Sagte ich schnell, da fühlte ich mich irgendwie unangenehm. “Ich denk nur darüber nach... was für ein Zufall es war, dass wir alle...“

„Stimmt... ich hab auch nicht damit gerechnet.“

„Also... Meinst du, dass ich es von dir bekommen hab? Wie das Schwulvirus oder so?”

Eddie lächelte, obwohl ich es doch etwas ernst mit der Frage meinte.

„Ich glaub nicht, dass es so auf die Art funktioniert, Rory.“

„Aber Luke und Jase sind Cousins. Es könnte wohl sein, dass das in der Familie liegt.“

„Bin mir nicht sicher. Sie sind ja Cousins, aber wenn ich mich nicht täusche, ist das nur durch Heirat.“

„Ach so... also dann hast du wirklich keine Antworten für mich.“

„Ich... hab mein Bestes versucht.“

Wir schwiegen beide erneut. Vielleicht hatte er recht sein Bestes versucht. Es war mir merkwürdig, aber dieses Gespräch ließ mich scheinbar vergessen, dass ich überhaupt auf ihn wütend war. Es mochte daran liegen, dass ich einfach zu müde war, mich über ihn zu ärgern. Sicher war ich mir nicht, doch es fühlte sich so an, dass wir noch viel zu sprechen hatte. Ich hatte nur keine Ahnung, mit welchem davon anzufangen. Es war wahrscheinlich glücklich, dass Jase uns genau dann unterbrach.

„Eddie?“ Rief er, als er uns vom Flur zukam.

„Hier rüber.“ Erwiderte Eddie, doch Jase erblickte ihn nicht, bis er erst sich in mein Zimmer begab. Auch dann schenkte er Eddie nur einen kurzen Blick, bevor er mich nervös ansah. Trotzdem zweifelte ich, dass er so nervös war wie ich. Seine Gegenwart erinnerte mich nur an seine Worte von vorhin, und ich war mir noch nicht sicher, was ich davon halten sollte. Da kam das unwillkommene Gefühl zurück, welches ich bei Seth wahrgenommen hatte.

„Sind wir alle okay?” Fragte Jase.

“Ähm... denk ich schon.” Antwortete Eddie, stand danach prompt auf und sah mich herüber. „Rory, ich glaub ich soll Jase einen Moment sprechen. Hast du Hunger, oder...“

“Alles gut.” Unterbrach ich ihn, über die Pause erleichtert. „Ich bin bisschen müde.“

„Okay.“ Erwiderte Eddie ruhig, und als er Jase eine Hand auf die Schulter legte, kam mir die Geste ganz anders vor, als die mir einige Tage zuvor. Ich war mir auch nicht sicher, was ich davon hielt. Daran müsste ich mich unbedingt gewöhnen. „Ich bin in ein paar Minuten zurück, um nach dir zu sehen.“

Ich nickte ihm zu, hatte jedoch keine Ahnung, ob er tatsächlich einige Minuten später zurückkam, da ich bis dahin schon eingeschlafen war.

Fortsetzung folgt...

Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

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SergeyP
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 10 Jun 2018, 14:18

Fortsetzung zu Kapitel 10

Denn ich hatte den ganzen Tag kaum gegessen und das Abendessen ausgelassen, war es mir gar nicht merkwürdig, dass ich im Schlaf hungrig wurde. Das führte zu einer unruhigen Nacht, in der ich wegen Bauchschmerzen ab und zu aufwachte, trotzdem war ich zu müde, richtig aufzustehen, um das Problem zu lösen. Doch ich hatte keine Wahl. Etwa drei Stunden nachdem ich eingeschlafen war, weckte mich das Gewicht, das auf das Bett aufprallte, auf.

Dafür stöhnte ich auf, und als die Nachttischlampe das Zimmer erhellte und meine Augen dabei brannte, ehe sie überhaupt geöffnet waren, stöhnte ich noch einmal laut.

„Bist du aufgewacht, Rory?“ Ertönte Lukes Stimme... laut. Sehr laut. War ich aufgewacht? Ich schwor, ich dachte mir, dass er seinen verdammten Verstand verloren hatte. Oder... vielleicht war er nur sauer auf mich. Mehr Sinn ergab also das Letztere.

„Im Ernst?“ Grummelte ich, als ich mir meine schmerzhaften Augen rieb und versuchte, mich auf einen Ellbogen zu erheben. „Jetzt?“

Luke erwiderte nicht, bis ich erst ein Auge öffente und ihm meine Aufmerksamkeit widmete. In Anbetracht dessen, dass ich nur gerade aufgewacht war, schien mir die Art, wie der so ernst auf meinem Bett saß und mich ausdruckslos ansah, irgendwie bedrohend. Da trug er nur Boxershorts mit einem T-Shirt, seine blonden Locken auf seinem Kopf zerzaust, und er sah definitiv nicht begeistert aus. Das konnte ich dennoch nachvollziehen. Ich hatte ihm sowieso eine Menge Beschwerden gegeben, weil er mich angelogen hatte. Ich konnte mir also vorstellen, dass ich ihn auch schön schuldig fühlen ließ, deswegen ergab es nur Sinn, dass er ungehalten gewesen wäre, als er mein Geheimnis entdeckte, über welches wir noch nicht wirklich redeten.

„Ich hab gehört, was du zu Eddie gesagt hast.“ Sagte er leise, daraufhin setzte ich mich aufrecht und sah ihm ins Auge, wobei ich wahrnahm, dass ich noch voll angezogen war, einschließlich Schuhe. Offenbar war ich zu müde, mich auszuziehen, bevor ich eingeschlafen war.

„Was meinst du?“ Fragte ich. Ich wusste schon, dass er mein Outen bei Eddie gehört hatte. Trotzdem war ich mir nicht sicher, worauf genau er anspielte.

„Stimmt das eigentlich?“ Fragte er mich zurück. “Ich meine, ich hab normalerweise ein gutes Gespür für sowas, und ich hab nie... ich meine, ich hab noch keine auffälligen Anzeichen an dir gesehen, und ich hab auch danach gesucht.“

Ich saß ein bisschen aufrechter, fühlte mich plötzlich perplex, alamiert, und ehrlichgesagt... etwas amüsiert.

„Du... hast nach meinen auffälligen Anzeichen gesucht?“

„Das tue ich bei jedem.“ Meinte er achselzuckend, als wäre es nichts. „Hab normalerweise recht.“

Ich war mir nicht sicher, was zu erwidern. Vielleicht sollte ich es als Kompliment nehmen, in Anbetracht dessen, dass mir früher gesagt wurde, wie offensichtlich ich gewesen war. Zumindest hatten beide Oma Alice und Aaron sowas gemeint. Da wollte ich mich etwas geschmeichelt fühlen, dass Luke nach diesen Anzeichen an mir suchte, weil... also, er hatte mich in den Bann gezogen, seit wir uns zum ersten Mal begegnet waren. Natürlich hätte ich mich beleidigt fühlen können, da er das offenbar bei jedem tat, trotzdem beschloss ich, nicht weiter daran zu denken. Es gab definitiv noch andere Probleme, die Aufmerksamkeit bedurften.

„Bist du... enttäuscht?“ Fragte ich, dabei nutzte ich dasselbe Wort, das ihn den Tag zuvor belästigt hatte, woraufhin er seine Augen verengte.

Ja... und nein.“ Antwortete er kopfschüttelnd, einen Atemzug ausstoßend. “Du hast keine Ahnung, wie schlecht ich mich gefühlt hab, als ich rausgefunden hab, dass du das wusstest... und dass du es nicht von mir, oder zumindest einem von uns gehört hast. Ich meinte es ernst, als ich sagte, dass ich dir alles erzählen wollte, Rory. Es hat mich wie verrückt gestört, und als ich dachte, dass du mich hasst...“

„Ich hab nie gesagt, dass ich dich hasse.“ Erwiderte ich abwehrend.

„Ich weiß, aber ich hab mich mit Sicherheit gehasst, weil du gelabert hast, wie du mir nicht vertrauen konntest.“ Entgegnete er. „Und dann hab ich entdeckt, dass auch du die ganze Zeit dein eigenes kleines Geheimnis gehalten hast? Da war ich mehr als bisschen enttäuscht. Ich war verdammt pissig. Und als ich dich Eddie sagen hören hab, dass es anders für dich sei, als für uns, wollte ich sofort diesen Blödsinn in deinen Hals zurück schieben.“

„Das war kein Blödsinn...“ Ich fing unvermittelt an zu sagen. Ich dachte mir tatsächlich, dass sie es hätten sein sollen, die den ersten Schritt zur Ehrlichkeit machten, da das Outen sowieso nichts Neues für sie war. Außerdem gab es diesen Aaron. Er mochte Verantwortung für seine eigenen Fehler nicht übernehmen können und dadurch die Freundschaft mit Luke zerstören, aber soweit ich damals wusste, hätte Luke ihn auch aus anderen Gründen hassen können, wie zum Beispiel, dass er schwul war. Trotzdem schaffte ich das nicht, Luke irgendeines davon zu sagen, weil er mich gerade unterbrochen hatte.

„Das war doch Blödsinn... macht aber trotzdem Sinn.“

„Was?“ Da dachte ich mir recht, dass er irre geworden war.

„Pass auf, ich halte es für beschissen, dass es hier ne Doppelmoral gibt. Du hast mich wie verrückt schuldig fühlen lassen, weil ich dir nicht ehrlich war, aber im Endeffekt bist du auch nicht der Ehrliche, aber trotzdem ist es dir kein Problem? Das ist einfach Quatsch. Was aber Sinn macht... also, eigentlich macht es Sinn wegen Eddie. Als ich ihn meinen hören hab, wie schwierig es sei für ihn, sich zu outen, musste ich recht drüber nachdenken.“

Als Luke danach verstummte und sich in Richtung Tür, welche noch geschlossen war, ansah, konnte ich nicht anders, als ihn anzustarren, und mich frustriert zu fühlen, weil ich mir gar nicht sicher war, ob wir uns gerade stritten oder nicht. Um ehrlich zu sein, konnte ich recht nicht sagen, ob er auf mich sauer war. Die Tatsache, dass mein Blödsinn trotzdem Sinn ergab, zwang mich dennoch, ihm zuzuhören. Freilich war es mir unmöglich, ihm überhaupt zuzuhören, wenn er gar nichts sagte. Unbehaglich. Total unbehaglich.

“Und?” Meldete ich endlich zu Wort, woraufhin Luke zu mir sah, blinzelnd, als hätte er vollständig vergessen, dass er es gewesen war, der redete. Meine Aufregung wurde trotzdem nicht gemindert, als er gähnte, ehe er fortfuhr.

„Ich hab nur drüber nachgedacht, wie schwierig es wär.“ Klärte er. „Es gab immer ein paar Leute, die über mich wussten, aber ehe ich mich geoutet hab, hätte ich das nie irgendeinem preigegeben können. Ich meine, Dave ist mein bester Freund, aber trotzdem hab ich Jahre gebraucht, ihm das endlich zu offenbaren. Du hast dich nur bei deiner Mutter und deiner Oma geoutet, oder?“ Er wartete jedoch nicht auf meine Antwort. „Also kann ich mir vorstellen, warum du das mir nicht preisgeben wolltest. Ich meine, du kennst mich nicht mal, zumindest nicht wirklich.“

„Es wär anders gewesen, wenn ich wüsste...“

„Ich weiß.“ Unterbrach er mich. “Aber du wusstest es nicht, und wir können das jetzt nicht ändern, deswegen... möchte ich, dass wir das los lassen.“

Lassen wir das los?“

„Entweder so, oder wir sind wütend aufeinander.“ Erwiderte er sachlich. „Versteh’s nicht falsch, Rory, ich weiß, dass es vieles gab, was dich verärgert, aber ich hab das gleiche Recht drauf, mich über dich zu ärgern wegen des Schuldgefühl-Dings. Nur weil es einfacher für mich gewesen wäre, dir die Wahrheit zu sagen, ist es trotzdem nicht cool, dass du so tust, als wärst du der Opfer hier.“

„Ich hab nie gemeint, dass ich der Opfer sei.“ Entgegnete ich, mich plötzlich deswegen beleidigt fühlend. „Ich hab nur...“

„Du hast mich Scheiße fühlen lassen.“ Unterbrach Luke mich. Ich öffnete den Mund erneut, um ihn zu widersprechen, hielt mich jedoch zurück. Der Ausdruck auf seinem Gesicht wirkte nicht nur ernst, sondern auch verletzt, und der brachte mir die Schuld, welche ich vorhin spürte, zurück. Die Tatsache, dass ich Luke absichtlich wegen der ganzen Situation schuldig fühlen ließ, nur weil ich wütend war, kam mir als inakzeptabel vor, deswegen musste ich unbedingt über mein Verhalten ihm gegenüber nachdenken. Vielleicht hatte ich zwar... die Grenze ein bisschen überschritten. Luke schien mir zuzustimmen. „Du warst ja die ganze Zeit hochmütig, als du verdammt sicherlich dasselbe Geheimnis wie meins gehalten hast.“ Fuhr er fort. „Mir ist egal, was die Umstände waren. Das war sowieso beschissen vor dir, das zu tun.“

“Ich weiß.” Gab ich zu. Luke sah mich ins Auge, schien überrascht, und ehrlichgesagt, ungläubig zu sein, deshalb fuhr ich fort, bevor er irgendwas sagen konnte. „Das war nicht deine Verantwortung, mir es zu erzählen... und, ich hätte dich so nicht behandeln sollen.“ Dann schwieg ich, fühlte mich etwas unbehaglich, weil Luke mich weiter stierte, aber als er gar nichts sagte, fügte ich hinzu. „Entschuldigung.“

Daraufhin lächelte er. Offenbar hatte er keine Entschuldigung erwartet, und ich musste zugeben, dass ich ihm eine schuldete, obwohl es mein Ego etwas herabsetzte. Nach dem allen, was ich heute erfahren hatte, war das Allerletzte, was ich tun wollte, mich bei irgendeinem von ihnen zu entschuldigen.

„Hör mal.“ Sagte ich. “Als ich dir vorhin gesagt hab, dass ich enttäuscht war...“

„Ich weiß schon, was du gemeint hast.“ Erwiderte er. „Eigentlich... bin ich ziemlich froh, dass du es nicht im anderen Sinne gemeint hast. Es hätte das Zusammenleben schwieriger gemacht... für uns alle, glaub ich.“ Ich zuckte nur mit den Schultern, meistens weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, wie es doch schwieriger sein könnte, als es in den letzten Wochen gewesen war. „Aber weißt du was, Jase möchte unbedingt, dass jetzt einer von uns nach oben zieht.“

„Was? Wieso?“ Fragte ich schnell, fühlte mich plötzlich alarmiert.

Luke sah mich so an, als hätte ich etwas Offensichtliches verpasst.

„Weil er Angst hat, dass er uns dabei ertappen würde, dass wir nackt sind und möglicherweise miteinander vögeln.“ Meinte Luke beiläufig, woraufhin meine Augen sich weiteten. Es fiel mir schwer, mit diesem neuen Gespräch mitzuhalten. Er hatte mich bei der Erwähnung vom Nacktsein und Vögeln vollkommen verblüfft gemacht, doch es lag eher daran, dass mir die nicht-so-reizlosen Vorstellungen in den Sinn schlichen. Luke lachte über den Ausdruck auf meinem Gesicht, und ich war mir sicher, dass ich deswegen hochrot wurde. „Im Ernst, Rory. Ehe wir hierher gezogen sind, haben ein paar Leute Jase und Eddie kritisiert, weil sie mich adoptiert haben, besonders nachdem ich mich geoutet hab. Sie wollen nicht, dass andere Leute falsche Vorurteile gegen sie hätten... Außerdem bin ich ziemlich sicher, dass sie beide total entsetzt wären, wenn sie zwei geile Teenager vor ihren Augen hätten.“

„Ich bin nicht geil!“ Sagte ich fast abwehrend, erschrocken, weil Luke meine Gedanke irgendwie las, und es sehen konnte, wie ich mir vorstellte, dass er nach der Dusche den Flur entlang nackt, und nass, schlenderte... Diese bestimmte Vorstellung kam mir leicht in den Sinn, da ich sie sowieso jeden Tag sah.

„Echt?“ Fragte Luke, als würde er wirklich darüber nachdachte, lehnte dann auf mein Bett zurück, verschränkte seine Finger hinter dem Kopf und machte es sich bequem, als er die Decke vom oben anstarrte. „Ich bin saugeil. Zumindest sehr oft. Jase weiß das auch, weshalb er einen von uns zwingen würde, nach oben zu ziehen, sonst würde er mir drohen, meinen Schwanz zu sperren, wie beim letzten Mal auf unserer Reise.“ Luke lachte vor sich hin, als hätte ihm etwas Witziges einfiel. Da machte ich mir eine Notiz im Geiste, ihn später danach zu fragen, nur weil es vermutlich eine interessante Geschichte dahinter gäbe. Doch im Moment machte ich mir mehr Sorgen um das aktuelle Problem.

„Meinst du es ernst?“ Fragte ich. “Ich meine, sie werden einen von uns zwingen, nach oben zu ziehen? Wir teilen aber nicht mal ein Zimmer.“

Mir gefiel diese Idee auf keinen Fall. Es schien vermutlich ein bisschen lächerlich zu sein, auch für mich, aber ich wollte nicht aus meinem Zimmer ziehen, es sei denn, dass ich nach Hause ging. In Anbetracht dessen, dass Luke zuerst da bewohnte, hatte ich das Gefühl, dass, wenn einer ausziehen müsste, dann wäre ich es. Und außer der Tatsache, dass es nicht wahnsinnig viel Spaß machte, alle meine Sachen wieder einzupacken und sie nach oben zu schleppen, wollte ich wirklich nicht auf dem gleichen Stock wie Eddie und Jase bewohnen. Ich hatte nur kürzlich von ihrer tatsächlichen Beziehung erfahren, und um ganz ehrlich zu sein, kam es mir immer noch komisch vor. Immerhin war ich noch an den Anschein gewöhnt, dass sie Brüder waren, und jetzt... Bäh! Deswegen konnte ich mit Sicherheit sagen, dass ich gerne im Abstand von möglichst vielen Etagen von ihnen bleiben wollte. Abgesehen davon gab es auch die Tatsache, dass es mir schon bequem geworden war, im Keller mit Luke zu bewohnen. Es war ruhig, und privat, und... es war für mich ein viel geeigneterer und angenehmerer Ort, in den ich weglaufen könnte, wenn ich Probleme hätte, als da draußen.

„Sie werden vielleicht zumindest versuchen.“ Erwiderte Luke mit einem leichten Lächeln. „Das ist irgendwie schlecht. Ich gewöhne mich langsam an dein Schnarchen.“

“Ich schnarche nicht!” Protestierte ich, woraufhin er sich aufsetzte und lachte.

„Vielleicht wenn ich Jase spreche, wird er das Thema sogar nicht erwähnen.“ Schlug Luke vor. „Ich meine, es wär sowieso bescheuert. Dass unsere Zimmer möglichst weit voneinander entfern würd uns doch nicht stoppen, wenn wir wirklich sowas tun wollen.”

Noch einmal weiteten sich meine Augen. Was genau meinte er eigentlich? Also, wir beide waren schwul... und das hieß automatisch, dass wir nackt werden, und wie Luke gerade so beredt gesagt hatte, miteinander vögeln wollten? Na ja, ich wäre nicht genau dagegen, weil es sich hier um Luke handelte, aber trotzdem war ich ehrlichgesagt von diesem ganzen Gespräch erstaunt.

„Ähm...“ Ich konnte nur so viel sagen, bevor Luke mich ins Auge sah und mein Gesicht rot wurde. Wie konnte er sich nur so lässig benehmen, als führten wir ein normales Gespräch? Da wartete er noch auf was auch immer, was ich gerade sagen wollte, deshalb öffnete ich den Mund, um mich endlich zu Wort zu melden. Was auch Worte. Worte waren gut. “Du hast recht... also, keiner von uns sollen umziehen... es würde uns sowieso nicht zurückhalten, ich meine, wenn wir wirklich wollten...” Wollten wir das eigentlich? Ich war verwirrt. Ich wusste sogar nicht mehr, worum es bei diesem Gespräch ging, und ich schwor, dass es nur wenige Stunden her war, dass ich Aaron küsste. Ich war mir auch nicht sicher, ob ich Luke im Geiste ausziehen durfte. Da konnte ich spüren, wie mein Blick jede wenige Sekunden weg von seinem Gesicht zu anderen Bereichen schlich. Doch hörte ich unmittelbar damit auf, als Luke erneut sagte.

„Aber ich glaub, sie müssen sich keine Sorgen machen, dass sowas passieren würde.“

„Huh?“ Mein Blick traf seinen wieder, und ich sah ein amüsiertes Lächeln auf seinem Gesicht.

„Nichts für ungut, Rory, ich meine, du bist süß und so, aber wir könnten praktisch Verwandten sein.“

„Ja, als hätte ich überhaupt Interesse an dir.“ Erwiderte ich unvermittelt, dabei versuchte ich, es nicht zu harsch zu meinen. Ich war mir nicht sicher, warum ich mich plötzlich so beleidigt fühlte. Da war ein neckischer Hauch in Lukes Stimme. Er hatte sichtlich versucht, einen Witz zu machen, doch schien ich es zu ernst zu nehmen. Es lag vielleicht daran, dass ich zwar von ihm angezogen wurde. So sehr sogar. Also, ich stand auf ihn, und er war schwul. Ich würde sagen, ich fand seine Worte irgendwie beleidigend, weil sie hindeuten könnten, dass er kein Interesse an mir hätte. Es sei denn, er war sarkastisch, was hieß, dass er doch Interesse hatte, versuchte er nur, die Stimmung aufzuhellen. Ich versuchte zu erkennen, wie er darauf reagierte, was ich gesagt hatte. Vielleicht war ich enttäuscht zu sehen, dass er gar nicht davon beleidigt zu werden schien.

„So... ist jetzt alles wieder gut?“ Fragte Luke nach einer stillen Weile, welche mir sicherlich unbehaglich fiel. „Ich meine, können wir neu beginnen oder so? Wie gesagt, ich möchte echt nicht, dass wir wütend aufeinander sind, Rory.“

„Ich weiß.“ Erwiderte ich. Das war es, womit ich einverstanden sein konnte. Ich war mir nur nicht sicher, was nun passierte, oder wie viel ich noch mit Eddie besprechen müsste, oder sogar ob wir dabei miteinander zurechtkommen würden. Und wenn es um Jase ging, war ich mir nicht einmal sicher, ob er wollte, dass ich hier lebte. Ich wäre nicht dagegen, mindestens einen Freund in diesem Haus zu haben, und würde gar nicht beklagen, wenn jener Freund Luke wäre. „Ich glaube... neu zu starten wäre... ist es eigentlich zu spät, neu zu starten?“

„Glaub ich nicht.“ Antwortete Luke lächelnd, dann wurde er wieder ernst. „Trotzdem muss ich fragen... wie hast du denn alles rausgefunden? Ich weiß, es gab etwas im Brief von deiner Mutter... also ich hab Jase und Eddie drüber reden hören, aber es kann nicht sein, dass du alles nur mithilfe diesem Brief rausfinden konntest. Ich meine, wie hast du das rausgefunden, dass ich und Jase schwul sind? Deine Mutter kannte uns halt nicht.“

Ich öffnete meinen Mund, mir fehlten aber plötzlich die Worte. Noch einmal wollte ich Aaron wirklich nicht erwähnen. Meine Gefühle dem gegenüber waren schon ziemlich unklar, und ich mochte Luke keine weiteren Gründe geben, weswegen er den noch mehr verabscheute. Es stellt sich jedoch heraus, dass ich gar nichts sagen musste, denn nach einem langen Moment, in dem er mich betrachtete, wurde Lukes Miene zu einem Stirnrunzeln.

„Du hast mit Aaron geredet.“ Meinte er, da war keine Frage in seiner Stimme.

„Früher heute.“ Gab ich seufzend zu. “Hör mal, er hat mich irgendwie durchschaut und...“

„Das überrascht mich nicht.“ Erwiderte Luke achselzuckend. “Ich schwöre, er kann irgendwie immer einen schwulen Kerl von einem Kilometer entfern erkennen. Also, ist der Grund, warum du ihn so sehr sprechen willst... ich meine, bist du... stehst du auf ihn?“

Ich spürte, wie meine Backen wegen der Frage erwärmten, trotzdem schaffte ich es, mich zu beherrschen, als ich ihm antwortete.

„Das... weiß ich nur nicht.“ Gab ich zu.

„Pass auf, Rory.“ Meinte Luke ernst. “Ich hab es schon gesagt, und ich werd es noch mal sagen. Ich glaub nicht, dass du überhaupt mit ihm zu tun haben sollst... besonders so auf die Art. Aaron hat... Probleme. Ich will auf keinen Fall sehen, dass du verletzt würdest, weil er ein dämliches Miststück ist.“

Daraufhin verzog ich eine Augenbraue. Ich war mir nicht sicher, wie ich erwidern sollte, doch bekam er definitiv meine Aufmerksamkeit.

„Was für Probleme?“ Fragte ich.

„Abgesehen davon, dass er ein krankhafter Lügner ist?“ Antwortete Luke schnaubend. „Er ist nur... nicht genau ein toller Typ... Freund. Er hat so ne Gewohnheit, sich um niemanden zu kümmern, außer ihm.”

„War er dein Freund?“ Fragte ich plötzlich. Um ehrlich zu sein, hatte ich nicht einmal daran gedacht, bis zu diesem Moment. Ich wusste, dass sich die beiden sehr nah gewesen waren, aber jetzt schien es Sinn zu ergeben, wenn sie damals zwar ein Paar gewesen waren. Luke verzog das Gesicht wegen der Frage.

“Es ist kompliziert.” Erwiderte er, fuhr jedoch fort, als ich die Stirn runzelte. Ich hatte es satt zu hören, dass Dinge kompliziert seien. „Pass auf, Rory, ich hab dir schonmal erzählt, als ich nur gerade hierher gezogen bin, war meine Emotion schön instabil, und Aaron war es, mit dem ich schließlich verbunden war. Ich musste ihm sogar nicht mitteilen, dass ich schwul sei... und ja, vielleicht könntest du sagen, dass wir zusammen waren, für ne kurze Zeit.“

„Also warst du...“ Ich versuchte, das zu verdauen. Wenn Aaron Lukes Ex war, dann wurde was auch immer... Beziehung, und da verwendete ich den Begriff eher lose, zwischen mir und Aaron nur komplizierter. Bei mir daheim hatten meine Freunde immer eine stillschweigende Regel, dass sie nicht die Ex-Freundinnen voneinander daten würden. Es schien, dass die gleiche Regel in diesem Fall auch gelten sollte.

„Am Anfang hab ich gedacht, er sei der beste Typ, dem ich je begegnet bin.“ Gab Luke zu. „Aber dann hab ich rausgefunden, Aaron hat sich nie wirklich für eine Beziehung interessiert. Deshalb ist unsere zu einer chaotischen, lächerlichen Beziehung geworden, bei der er jeden Monat Schluss mit mir machen würde, und wie ein Idiot, ich würde mit ihm befreundet bleiben und wäre wieder mit ihm zusammen, jedes einzige Mal, wenn er mich darum bitten würde. Diesen Abend an meinem Geburtstags letztes Jahres... waren wir in einer anderen Unterbrechung. Danach hat er mich mit einem anderen Kerl betrogen, und als er mich angerufen hat, hat er mir gesagt, wie es ihm leidgetan habe... und dass es ein Fehler sei. Das war zwar ein Fehler: mein Fehler, weil ich ihm geglaubt hab.“

Ich runzelte die Stirn. Da glaubte ich Luke einhundertprozentig, aber gleichzeitig wollte ich auch glauben, dass Aaron sich verändert hatte, wie er das geschworen hatte. Ich bemerkte nicht, dass ich es ausplauderte, bis ich Lukes Stimme wieder hörte.

„Es ist ja möglich, dass er sich verbessert hat. Ich meine, ich hab doch gehört, er sei seinem letzten Freund für ne Weile ohne Kacke treu geblieben, aber trotzdem würde ich nicht drauf wetten, Rory. Sei nur... vorsichtig bei ihm. Und im Ernst, ich würd sogar nicht mitmischen.”

Ich starrte Luke einen Moment an. Um ehrlich zu sein, war ich ein bisschen überrascht, dass er mir nicht heftig von Aaron abgeraten hatte. Klar war er zuvor einverstanden gewesen, dass ich meine eigenen Entscheidungen treffen sollte, aber damals ging es nur um die Möglichkeit, dass ich mich mit Aaron befreunden würde. Jetzt schien es ein wenig anders zu sein. Vielleicht hatte ich mit einem stärkeren Widerspuch von Luke gerechnet. Deswegen konnte ich nicht umhin, Luke damit zu necken.

“So so, wirst du mir nicht mit Körperverletzung drohen, wenn ich nicht weg von Aaron bleibe?” Luke schenkte mir ein leichtes Lächeln, welches mir nicht ganz real zu sein schien, und ich bereute sofort meine Worte. „Warum?“ Ich ertappte mich dabei zu fragen.

Er zuckte mit den Schultern. „Vielleicht hab ich es satt, ihn zu hassen.“ Gestand Luke. „Aber trotzdem, wenn es dich überhaupt besser fühlen lässt: bleib weg von ihm, Rory.“ Ich konnte nicht anders, als den ernsthaften Tonfall bei den letzten Worten zu bemerken, da kam mir unvermittelt die Redewendung „sei vorsichtig, was du dir wünscht“ in den Sinn. Im Endeffekt gefiel mir diese Warnung nicht, egal ob ich darum gebeten hatte oder nicht.

Wir verfielen in Schweigen, welches uns beiden diesmal sicherlich unangenehm fiel. Ich fühlte mich langsam wieder überwältigt, doch diesmal war es nicht wegen der Lügen. Dass Luke in mein Zimmer ging, um mich zu sprechen, ließ mich viel zu denken, da musste ich mit vielem zurechtkommen, welches direkt mit den Leuten, die gerade in mein Leben getreten waren, zu tun hatte. Ich sah kurz zu ihm hinüber, der noch auf meinem Bett saß und ins Leere starrte, während seine Faust den unteren Rand seines Hemdes hielt und dadurch seinen flachen Bauch, welchen er wann auch immer möglich gern vorzeigte, zu sehen ließ. Da fiel mir meine Anziehung zu ihm ein, aber laut des Gesprächs hatte er kein Interesse an mir, und dieser Gedanke schien mir belästigender zu sein, als ich erwartet hätte. Auf der anderen Seite gab es den Aaron, von dem ich auch angezogen wurde, und der schien sich definitiv für mich zu interessieren. Doch laut Luke, war er leider auch der scheußlichste Arschloch der Welt. Ich realisierte, dass ich wirklich nicht glauben wollte, dass das wahr war. Er mochte in der Vergangenheit Probleme haben, aber es könnte wohl sein, dass er jetzt tatsächlich anders wäre. Auch Luke hatte gemeint, Aarons letzte Beziehung hatte gedauert... und das ließ mich an Seth, den ich verabscheute, denken. Aber selbst wenn Seth ein Mistkerl wäre, war es offensichtlich, dass er und Aaron immer noch Freunde waren, nachdem sie sich getrennt hatten. Es gab vermutlich einen Grund dafür. Da fiel es mir einfach vorzustellen, dass Aaron der Gute in der Beziehung zwischen ihm und Seth war.

Das Schweigen kam scheinbar zum Ende, als Luke abrupt gähnend aufstand, woraufhin ich etwas aufrechter saß und ihn ansah.

„Es ist die Schlafenszeit, glaub ich.“ Meinte er, sah danach zu mir herüber. „Ähm...“

„Nacht, Luke.“ Ich beschloss, dass es wirklich an der Schlafenszeit war. Mein Hunger schien zu verschwinden nach unserem Gespräch, und jetzt war ich nur wieder müde.

„Wir sehen uns am Morgen.“ Erwiderte Luke. „Ach so, ich geh morgen arbeiten, aber erst gegen zehn, also vielleicht kann ich dich aufwecken und dann können wir mal ne Runde schwimmen oder so?”

„Gerne.“ Ich war schnell einverstanden, worüber er lächelte. Nachdem er davongegangen war, dachte ich mir, dass ich erleichtert war, weil wir uns nicht stritten. Es hatte sich letztes Mal nicht genau gut angefühlt. Also glaubte ich, dass das mich glücklich hätte machen sollen. Es könnte wohl sein. Doch das änderte nicht die Tatsache, dass ich irgendwie nicht erneut einschlafen konnte, obwohl ich so todmüde war, da mein Kopf noch damit beschäftigt war, die Ereignisse der letzten zweiundzwanzigen Stunden zu analysieren.

Fortsetzung folgt...

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 12 Jun 2018, 06:21

:flag:
Luke geht ja ganz schön ran. Ich finde lustig, wie das Rory verwirrt :D
...also Luke + Rory , die Konstellation könnte mir gut gefallen.
Ich habe aber so die Befürchtung, dass Rory doch nicht von Aaron fern bleibt!
Bin gespannt !
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 19 Jun 2018, 04:02

Boah... bin wieder da ^^ Sorry für die lange Wartezeit. Hier geht's weiter:

Fortsetzung zu Kapitel 10

Es stellte sich heraus, dass Luke mich am folgenden Morgen nicht aufweckte, sondern Eddie. Es fühlte sich so an, als hätte ich kaum geschlafen, bevor er mich zum Aufwachen schüttelte und meinte, dass Frühstück bereits auf dem Tisch sei. Ich brauchte fünf Minuten, um mich umzuziehen, dann schlurfte ich nach oben, wobei es mir auffiel, dass die Tür von Lukes Zimmer noch geschlossen war. Vermutlich schlief er noch. Es könnte wohl sein, da es nur sechs Uhr morgens war.

Ich zweifelte auch daran, dass Jase da zum Frühstück wäre, und meine Theorie wurde bestätigt, als ich Eddie am Tisch entdeckte und feststellte, dass nur zwei Portionen zubereitet wurden. Ich wunderte mich, ob das hieß, dass wir uns mehr unterhalten müssten. Hoffentlich nicht. Um ehrlich zu sein, hätte ich gerne die Chance, mich erstmal zu erfrischen. Ich war seit dem letzten Tag sowohl emotional, als auch körperlich erschöpft, infolgedessen war ich momentan recht schlecht gelaunt. Trotzdem versuchte ich, mich nicht zu mürrisch zu verhalten, als Eddie mir ein Lächeln schenkte, ein Teller Waffeln auf den Tisch legte und Milch für Müsli holte.

„Guten Morgen.“ Sagte er, als er sich mir gegenüber hinsetzte.

Was war denn gut daran?

„Morgen.“ Murmelte ich, mir die Augen reibend.

„Konntest du überhaupt schlafen?“

„Bisschen.“

„Gut... ich glaub, ich soll heute zu Hause sein.“

Ich schaute auf, gerade als ich nach einer Waffel griff und bemerkte, dass Eddie mich betrachtete. Es hätte mich vielleicht nicht überraschen sollen, dass er nach dem letzten Abend nicht wollte, dass ich allein zu Hause sei. Tatsächlich nahm ich mich gestern nur vor, kurz spazieren zu gehen. Es war nicht so, als wollte ich niemals zurück. Doch die Ereignisse von gestern waren meiner Meinung nach einen harten Schlag für alle. Ich war mir sicher, dass ich nicht der Einzige war, der glaubte, dass es noch ungeklärte Probleme gab. Ich hatte gewusst, dass Eddie etwas mehr reden möchte, als er letzte Nacht mein Zimmer verließ. Deshalb dachte ich mir, er halte es für passend, heute zu Hause zu bleiben, um das zu erledigen. Was mich jedoch überraschte war, dass es mir irgendwie nichts ausmachte.

„Okay.“ Erwiderte ich achselzuckend, legte dann eine Waffel auf meinen Teller, wobei ich Eddies erstaunten Ausdruck ignorierte. Er hatte vermutlich eine Ablehnung oder so erwartet.

„Cool.“ Nickte er. “Ich bleib dann zu Hause... vielleicht können wir mal rausgehen oder so.“

„Okay.“ Ich verweigerte auch nicht die Idee, auszugehen. Tatsächlich schien mir eine Gesellschaft plötzlich besser zu sein, als den Tag nur einsam zu verbringen.

„Warte mal, Mist.“ Fluchte Eddie stirnrunzelnd, als er einen dicken, schwarzen Ordner neben seinem Frühstück durchblätterte. „Laut dem rosa Klebezettel muss ich heute Morgen vor Gericht zur Verfügung stehen.“ Trotz meiner Laune, ertappte ich mich dabei zu lächeln, als er sich den kleinen Zettel finster anschaute, als stünde darauf ein widerwärtiger Witz. „Na gut, ich könnte noch nach Hause zu einem späten Mittagessen.“ Meinte er nach einem Moment, wieder aufblickend. „Geht dir das?”

“Klar.” Stimmte ich wieder zu, woraufhin Eddie lächelte, zufrieden zu sein scheinend.

Ich fing an zu essen, und mein Körper, auch mein Verstand, wachte langsam auf. Dabei brauchte mein Appetit keine Hilfe, denn sobald ich den ersten Biss Essen schluckte, realisierte ich, dass ich nach dem gestrigen Auslass vom Abendessen so viel essen konnte, bis mein Magen platzte. Ich war mir bewusst, dass Eddie mich ansah, und er schien auch begeistert zu sein, dass ich aß, doch ich ignorierte das. Essen war mir im Moment wichtiger.

Ich verlangsamte mich dennoch, als Jase plötzlich erschien. Er war beruflich bekleidet, trotzdem nicht so formal wie Eddie. Ich saß dem Eingang zur Küche gegenüber, deswegen erblickte ich Jase zuerst. Ich fühlte mich irgendwie unbehaglich, als er innehielt und mich einen Moment betrachtete. Jase war die einzige Person, die ich letzte Nacht nicht sprach, und ehrlichgesagt war ich mir nicht sicher, was zu erwarten.

Eddie bekam mit, dass ich an ihm vorbei schaute, und drehte seinen Kopf um. Ich sah ein leichtes, unsicheres Lächeln sein Gesicht verziehen, als er Jase erblickte, danach wurde seine Miene erleichtert, als Jase ihm ein Lächeln zurück schenkte.

„Ihr seid früh aufgestanden.“ Bemerkte Jase, als er sich in die Küche begab.

„Jap.“ Erwiderte Eddie. „Hast du Hunger?“

Jase sah sich kurz Eddies Frühstücksauswahlen an und schmunzelte nur, als er an uns vorbeiging, um eine Kanne Kaffee vorzubereiten.

„Ich werde mir glaub ich was auf dem Weg zur Arbeit kaufen.“ Erwiderte er. Ich merkte, dass er mich nicht mehr ansah. Ich war mir wirklich nicht sicher, was davon zu halten. Etwas unangenehm machte es mich vielleicht. Immerhin, soweit ich wusste, könnte Jase wohl denken, dass ich zu viele Probleme verursacht hatte, und vermutlich wollte er sogar, dass ich verschwinde... das war ein anderer Gedanke, der mich störte.

„Ich werde heute wahrscheinlich nur halbtäglich arbeiten.“ Sagte Eddie, woraufhin Jase sich zu ihm drehte. Nun fühlte es sich, als würde er absichtlich meinen Blick ausweichen. Vielleicht war ich nur paranoid.

“Echt?” Erwiderte Jase, seine Stimme sich etwas interessiert angehört. Dabei blickte er in meine Richtung, doch nur für einen kurzen Moment, bevor sein Blick wieder auf Eddie gerichtet wurde. „Das ist vielleicht... gut. Bin mir nicht sicher, wann ich nach Hause komme. Ich ruf dich dann an, ne?“

„Klar.“ Antwortete Eddie achselzuckend, und ich merkte, dass es einen unbequemen Moment zwischen ihnen zu geben schien. Da fragte ich mich, ob es hieß, dass sie sich immer noch stritten. Ich war eher darüber überrascht, wie schnell ich das Schuldgefühl wegen dieses Gedanken spürte.

„Kannst du mir einen Gefallen tun?“ Fragte Jase Eddie nach einigen stillen Momenten. „Weck bitte Luke auf, ehe du losgehst. Ich glaube, er muss heute arbeiten, und ich möchte sicherstellen, dass er pünktlich ist.“

„Alles klar.“ Erwiderte Eddie, und ein paar Minuten später griff Jase sich seinen Kaffee und Eddie begleitet ihn hinaus, während ich mich fragte, worüber sie sich flüsterten, als sie nach draußen gingen.

.............................

Nach dem Frühstück machte ich ein Nickerchen. Ich konnte einfach nicht anders. Ich musste meinen Schlafmangel kompensieren, oder zumindest mich etwas erholen. Um etwa halb zehn war ich wieder aufgestanden. Mir war sicher, dass beide Eddie und Jase bereits auf der Arbeit wären, doch ich hoffte mir irgendwie, dass Luke noch Lust auf eine Runde Schwimmen hatte. Letzte Nacht hatten wir uns schon unterhalten, aber trotzdem konnte ich nicht umhin, mich zu fragen, ob es nun einen unbequemen Moment zwischen uns gäbe, weil alle Geheimnisse bereits offenbart wurden, auch wenn wir quasi beschlossen hatten, neu anzufangen. Da möchte ich mich wahrschleinlich nur vergewissern, dass unsere Beziehung nicht... komisch... oder komischer wurde. Leider schien es, dass ich abwarten müsste, das herauszufinden, denn nach einem schnellen Spazieren um das Haus herum, blieb ich am Schwimmbad auf dem Hinterhof stehen, und stellte fest, dass er bereits zur Arbeit gefahren war. Mindestens war es der Grund dafür, warum Chey mir überallhin folgte, verwirrt wirkend, als ich herumging und den Namen ihres Herrchens rief.

Ich brauchte fünfzehn Minuten zu realisieren, dass ich nur allein schwimmen könnte, wenn ich Lust darauf hatte. Das war irgendwie enttäuschend, doch hatte ich ein paar Stunden zu vertreiben, bevor Eddie nach Hause kam. Als ich ins Schwimmbad trat und niedersank, fiel mir ein, dass ich jetzt vor dem Treffen mit Eddie viel nervöser war, als früher während des Frühstücks.

Ich meine, warum würde er nach Hause kommen eigentlich? Vertraute er nicht auf meine Fähigkeit, allein zu Hause zu bleiben? Na ja, das konnte ich verstehen, und wie ich mir immer wieder sagte, unter diesen Umständen wollte ich recht nicht allein sein. Aber vielleicht wollte Eddie mir jetzt etwas näher kommen, da die Wahrheit sowieso ans Licht gebracht worden war. Das könnte mehr Gespräche heißen. Und worüber genau würden wir diesmal reden? Oder es könnte auch sein, dass er dachte, wir werden bald beste Kumpel, in Anbetracht dessen, dass wir beide das schwule Gene besaßen oder so. Mir gefiel dieser Gedanke nicht ganz besonders. Ich meine, ja klar, bevor ich die Wahrheit entdeckt hatte, versuchte ich doch, Eddie eine Chance zu geben. Doch um ehrlich zu sein, möchte ich ihm ersthaft nicht näher als das kommen. Ich war auf keinen Fall dafür bereit. Ich war noch nicht bereit für eine... Beziehung, mit Eddie, dessen tatsächlichen Charakter ich nur gerade herausgefunden hatte. Ich dachte mir, ich brauche nur, mich anzupassen. Genau, an die neue Situation... noch einmal. Ich brauchte, mich ans Zusammenleben mit drei ebenfalls schwulen Typen, von denen einer mein neu gefundener Vater war, wie ich, anzupassen. Man könnte es wirklich das Haus der Schwuchtel benennen... Mein Gott, das war nicht gut.

Ich war schwul.

Tja das war nichts Neues, aber im Ernst, ich war schwul. Dass mich diese Tatsache plötzlich störte hatte meiner Meinung nach damit zu tun, dass alle hier davon wussten. Ich hatte nie gedacht, dass ich mich so sehr darum kümmerte. Daheim wusste niemand davon, und das war mir gut so. Aber als ich über meine aktuelle Situation nachdachte, realisierte ich, dass es zum Ende des Sommers möglich sei, dass der ganze Staat Arizona von meiner Sexualität wüsste. Derzeit wussten das alle, bei denen ich lebte... und Aaron... und Aarons Ex, welcher mir weder als sympathisch vorkam noch zuverlässig fiel. Was aber schlimmer war, dass Luke Dave wahrscheinlich bereits davon erzählt hatte, und wenn was Aaron über ihn redete wahr war, war er nicht in der Lage, irgendein verdammtes Geheimnis zu bewahren. Das war einfach mies.

Ich fing an, eine Runde zu schwimmen, um mich zu beruhigen. Immerhin wären alle, denen ich soweit begegnet waren, eher akzeptierend, da sie sowieso Lukes Freunde waren. Ich meine, wollte ich mich irgendwann outen, dann war ich bestimmt in der geeigneten Umgebung dafür, aber trotzdem... Ich war mir nicht sicher, wie behaglich das mir alle fiel. Ich meine, daheim hatte das meine Sexualität niemanden angegangen, es sei denn, dass ich ihnen das mitteilte. Deswegen gefiel mir die Veränderung hier nicht besonders, egal wie die Umstände waren.

Ich schwamm hin und her, bis ich außer Atem war, dabei versuchte ich, die ankommende Panik zu unterdrücken. Es war kein Wunder, dass ich nicht allein sein möchte, angesichts dass ich so entnervt war. Ich war mir vage von Cheys Bellen bewusst, trotzdem gab ich kaum Acht darauf, zumindest nicht bis ich mitbekam, dass es brutal klang. Ich hielt in der Mitte des Schwimmbads inne und sah mich um, wobei ich tief durchatmete und Aaron entdeckte, der aus der anderen Seite des Hauses auf mich zukam. Zum ersten Mal, dass ich mich erinnerte, war ich tatsächlich froh, ihn zu sehen. Das löste in erster Linie das einsame Problem. Auch zum ersten Mal, dass ich mich erinnerte, sah Aaron besonders unangenehm aus, seine Hände in die Hosentaschen gesteckt und seinen Kopf gehangen. Ich hatte das Gefühl, dass es mehr damit zu tun, dass Chey auch seinen Kopf abreißen wollte, deshalb rief ich rief sie weg, als ich mich zum Rand des Schwimmbads trieb und ihren Kopf streichelte, bis sie sich neben mich hinlegte. Dabei löste sich mein Blick nicht von Aaron ab, als er sich mir näherte.

„Hi.“ Sagte er fast vorsichtig, und das war mir vielleicht nachvollziehbar. Normalerweise hätte ich jetzt seinen Kopf aus irgendeinem Grund, den ich ausdenken konnte, abgebissen.

„Na.“ Erwiderte ich, als er etwa anderthalb Meter von Chey und mir entfern stehen blieb.

„Ich hab versucht, an der Vordertür zu klingeln.“ Klärte Aaron. „Ähm... pass auf, ich weiß, ich sollte vielleicht nicht hier sein, also ich werd ja bald gehen... ich möchte nur...“ Da sagte er nicht weiter, und meine Neugier wurde definitiv erweckt, als er sich nervös umsah. In der Tat schien er nicht direkt zu mir sehen zu wollen. Dieses Verhalten war auf jeden Fall neu.

„Warum bist du hierher gekommen?“ Fragte ich.

„Du bist gestern Abend einfach verschwunden.“ Bemerkte er, und mir fielen jede einzelnen Details ein. Ich fragte mich, ob Seth ihm erzählte, was passiert war. Vermutlich tat es Aaron leid, weil er mich dorthin gebracht hatte. Wenn so, dann wollte ich seine Entschuldigung hören. „Seth hat mir gesagt, was passiert ist.“ Also, das beantwortete diese Frage.

„So so?“ Erwiderte ich, versuchte, beiläufig zu klingen, war dennoch innerlich aufgebracht, als ich mich daran erinnerte, was für einen Arschloch dieser Kerl gewesen war. Ich freute mich recht nicht darauf, den bald wiederzusehen.

„Ja... Rory, pass auf, wenn du nicht auf mich stehst, konntest du mir einfach so sagen. Es hätte meine Gefühle nicht verletzt und ich hätte mich auch nicht peinlich gemacht, als ich dich eingeladen hab, mit mir auszugehen. Scheiße.“ Fluchte er. „Ich musste mich wie ein Miststück benommen haben. Ich wär schon zufrieden gewesen, dass wir Freunde sind, weißte.”

Was?

Ich erinnerte mich nicht daran, Seth irgendwas davon zu sagen.

„Was genau hat er dir gesagt?“ Fragte ich wütend. Das konnte ich mir nur vorstellen. Es musste offensichtlich nichts Gutes gewesen sein.

“Also... dass du denkst, dass ich ein Mistkerl sei, und dass du dich wegen meines Flirtens unangenehm fühlst. Hör mal, es tut mir sehr leid. Ich weiß, du hast viel klarzukommen, es ist nur so, wenn ich jemanden mag... neig ich halt dazu, ihm sofort Bescheid zu geben.“

Ich starrte Aaron für einen langen Moment an, dabei war ich total empört auf Seth, den lügenden Arschloch. Trotzdem konnte ich mir vorstellen, dass er Aaron sowas erzählen würde. Das bestätigte also, dass er ein recht eifersüchtiger Ex war. Ohnehin war es ihm... ein bisschen missgelungen, weswegen ich beschloss, Aaron nicht zu sagen, was für ein Lügner Seth war.

Zwar hatte Aaron vorher mit mir so geflirtet, dass ich mich etwas... unangenehm fühlte, aber jetzt schien er tatsächlich aufgewühlt zu sein. Vollkommen aufgewühlt, und traurig. Vielleicht war das ein Teil von ihm, den ich nie erfahren hatte. Vor allem hatte ich das Gefühl, dass er mich mochte. Sehr sogar. Das war ein Konzept, über das ich nie wirklich nachgedacht hatte, und es tat mir... echt gut. Es kam mir sowieso seltsam vor, wie dieses schüchterne, traurige, erbärmliche Verhalten mich ihm tatsächlich näher brachte.

„Zwar war ich bisschen unangenehm wegen deines Flirtens.“ Gab ich zu, woraufhin er etwas errötet, und sein Blick sich von mir wieder ablöste. Das war einfach süß, auch wenn es einen bestimmt genervten Hauch in seiner Stimme gab, als er erneut zu Wort meldete.

„Na ja, wie gesagt, es tut mir leid. Ich geh gleich los... und, lass dich in Ruhe. Vielleicht... vielleicht wenn all deine Probleme gelöst werden, können wir halt ausgehen oder so... als Freunde. Ich wollte mich echt nicht vor dir wie ein Arschloch benehmen. Ich hab nur... ich dachte, du stehst auf mich.“

Ich blinzelte und hob eine Hand, um mir das Wasser aus den Haaren, dann meinem Gesicht abzuwischen, als ich Aaron fragend hinterher sah, als er losmachte. Ich war mir nicht sicher, was mich mehr nervte, dass er davon ging, ohne mich erwidern zu lassen, oder dass etwas Seth sagte tatsächlich eine Wirkung auf ihn haben konnte, während er immer darüber zu lachen schien, was aus meinem Mund herauskam. Wie auch immer gefiel mir es nicht... dass er wegging, meine ich. Insbesondere wenn ich mich noch nicht entschied, ob ich wirklich mit ihm ausgehen wollte. Gegen Küssen war ich aber trotzdem nicht.

Für einen Moment bedachte ich, nach ihm... barsch zu rufen. Ich würde ihn dann als Idiot oder so benennen. Stattdessen beschloss ich, ihn anders anzusprechen. Immerhin mochte ich irgendwie eine andere Seite von ihm sehen, als hochmütig... oder verärgert... oder einfach nervig.

„Na Aaron?“

Chey hob ihren Kopf und sah mich an, als hätte ich ihren Tag verdorben, während Aaron stehen blieb und sich umdrehte. Ich ignorierte die Hündin und schob ihr von mir weg, als ich gegen den Schwimmbadrand trat und in die Mitte watete, da betrachtete Aaron mich neugierig.

„Ja?“

„Schwimmst du?“

Ende des 10. Kapitels

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 19 Jun 2018, 06:58

Schön von dir zu hören :D
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich hätte am Wochenende nicht ständig nachgeschaut, ob ein neuer Teil online ist :P Aber ich will dich ja nicht unter Druck setzen. Ich bin froh, dass ich diese Geschichte hier lesen darf und finde es toll, dass du dir so viel Mühe machst. Danke dafür !
Ich freue mich einfach immer total darauf weiter zu lesen.

Es ist gut nachzuvollziehen, dass es für Rory total komisch ist plötzlich überall geoutet zu sein. Noch dazu ohne es selbst mitgeteilt zu haben. Jetzt muss er sich ganz anders damit auseinander setzen als bisher gewohnt.

Jase finde ich gerade komisch. Man hat wirklich den Eindruck, dass er Rory nicht so gerne da hat.

Eddie und Luke dagegen machen einen guten Eindruck.

...und Aaron :D Da wird es langsam interessant ! Sollte er tatsächlich verknallt sein in Rory ? Oder lügt und biegt er sich das alles wieder zurecht?
Das bleibt auf jeden Fall spannend :brokenhearted:
(Haha, ich hab einen neuen Smiley entdeckt ...passt ja ganz gut...)
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 19 Jun 2018, 14:13

Ich danke dir für deine Geduld ^^ ich freue mich auch sehr, dass du noch die Geschichte verfolgst und dir die gefällt XD Am Anfang habe ich versucht, jede Woche ein volles Kapitel zu posten, aber mittlerweile ist mein Studium so anstrengend geworden, dass ich mein Ziel nicht mehr erfüllen kann. Das ist ja schade. Also versuche ich jetzt, mindestens einen Teil jede Woche zu posten. Also bleib dran ^^

Na ich glaube Jase hat auch sein Bestes gegeben, Rory Zuhause fühlen zu lassen. Er ist gerade nur sauer, dass Eddie seine kleine Lüge so lang vorenthalten möchte, obwohl sie anfangs abgemacht hatten, dass es nur ein paar Tage hätte dauern sollen ^^ Aber trotzdem kennt Rory Jase doch nicht sehr gut, also mal schauen, wie es sich herausstellt ^^ Was Aaron betrifft stimme ich dir zu. Man kann sich nie sicher sein, was er sich vornimmt. Es könnte aber wohl sein, dass er sich tatsächlich verändert hat. Er lässt Rory in dem letzten Kapitel seine Schwäche sehen, oder? Na dann mal schauen XD :D :D

Spätestens kommt diesen Freitag der erste Teil des 11. Kapitels: Ich kann's nicht glauben, dass du mich dazu gebracht hast.

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 21 Jun 2018, 05:52

11.Kapitel. ..cool...Schön, dass ich dich dazu bringen konnte :)
Schade, dass ich hier als Einziger kommentiere :-?
Obwohl mit Sicherheit wieder ne Menge Leute mitlesen.
Das setzt mich auch etwas unter Druck :P , aber die Geschichte ist einfach zu schön um zu schweigen.
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 22 Jun 2018, 21:45

“Im Ernst?” Aaron sah mich an, als hätte ich ihn gefordert, seine Beine zu rasieren.

„Warum nicht?“ Erwiderte ich, bevor ich einen Moment unter Wasser tauchte, dann ging wieder auf. „Mach dir keinen Kopf, dass Luke oder irgendjemand jetzt zu Hause ist. Eddie wird in ein paar Stunden nach Hause kommen, aber wenn du bis dann rumhängen willst... ich meine, es sei denn, du hast was anderes zu tun...“

„Nein,“ Sagte er schnell. „Ich dachte nur...“

“Du magst ein Mistkerl sein.” Unterbrach ich ihn. „Aber ich hab nicht gesagt, dass du letzten Abend so einer warst. Ich war weg, weil...“ Ich wollte ihm gerade erzählen, was genau zwischen Seth und mir passiert war, doch ich hielt mich zurück. Wenn etwas, was Seth ihm gesagt hatte, ihn drängte, hierher zu kommen, nur um sich bei mir zu entschuldigen, dann hatte ich recht kein Interesse daran zu wissen, wie er reagieren würde, wenn ich Seth als Lügner benennen würde. „Ich musste nur weg... und mit Dingen klarkommen. Also, wenn du hier rumhängen möchtest, dann jetzt ist die richtige Zeit. Du kannst doch schwimmen, oder?“

Er lächelte darüber und zuckte mit den Schultern.

„Also... wenn du noch rumhängen willst... heißt es dann, dass wir noch ausgehen können?“

Aaron war zurück.

„Keine Ahnung.“ Sagte ich schnell. Ich wollte lieber fühlen, dass ich ihm einen Schritt voraus war, und möchte dieses Gefühl noch nicht verlieren. Außerdem war ich mir wirklich nicht sicher, ob ich dafür bereit war... mit ihm auszugehen. „Ich möchte darüber nachdenken. Also, willst du ne Badehose borgen, oder was?”

“Brauch ich aber keine.” Erwiderte er, schelmisch schmunzelnd, und ich sah zu, als er seine Flip-Flops abstreifte und sich das Hemd auszog. Es störte mich auch nicht, mir das anzuschauen. Ich hatte ihn nicht wirklich ohne Hemd gesehen, seit dem Abend, an dem wir uns beim Park begegneten, und als ich zusah, könnte ich schwören, dass sein Bräune etwas tiefer geworden war... und vielleicht war sein Haar auch bisschen heller geworden, was ich bemerkte, als er den langen Pony aus seinem Gesicht schüttelte, nachdem sein Hemd ihn zerzauste. Trotzdem wurde ich aus diesen kleinen Details abgelenkt, als er unvermittelt seine Hose fallen ließ. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Aaron schaute auf, gerade als er mich dabei ertappte, die engen weißen Boxershorts, die den privaten Teil seines Körpers bedeckte, zu beäugen, und das war alles vorbei. Dieses Grinsen und meine Röte machten ganz deutlich, wer in der Lage war, den anderen auf Zack zu bringen, und im Moment war es mir total peinlich. Ich wurde auch nicht erleichtert, als er bemerkte, „Vielleicht magst du mich doch immerhin. Ich bin nie falsch, weißte.“

„Komm einfach her, Arschloch.“ Erwiderte ich trotzig, tauchte mich prompt unter Wasser, um die Röte zu verbergen, da folgte mir Aarons Gelächter.

Noch einmal fragte ich mich, worauf ich mich einließ. Jene Frage schien oft aufzutauchen, wenn es sich um Aaron handelte. Es könnte sein, dass seine vergangene Geschichte mit Luke mich unangenehm machte, denn es fiel mir immerhin schwer, Aaron zu vertrauen. Ich wusste nie, was er dachte, oder was er sich vornahm... oder wie ich darauf reagieren würde. Das beängstigte mich. Deswegen dachte ich mir, das war Neugier, oder meine jetztige Sehnsucht nach Gesellschaft, die mich verhinderte zu bereuen, dass ich ihn zu bleiben eingeladen hatte. Aber trotzdem könnte es auch damit zu tun haben, dass ich mit Seth abrechnen wollte. Offenbar hatte er mich nicht gern bei Aaron... oder Aaron bei mir, was eine bessere Begutachtung war. Ich würde sagen, er hatte nicht damit gerechnet, dass Aaron zu mir vorbeikam, um sich zu entschuldigen. Ich mochte recht nicht diesen Kerl. Es gab auch die Möglichkeit, dass ich Aaron zu bleiben einlud, weil er es nicht falsch hatte. Ich mochte ihn. Ich wusste nicht, warum es so schwierig ist, das zuzugeben.

Ich tauchte wieder auf, gerade als Aaron ins Schwimmbad hineinsprang, und er lächelte mich an, als er etwa einen halben Meter von mir entfern auftauchte. Er wedelte mit dem Arm, dabei planschte er in Richtung meines Kopfs, und nachdem es mir misslang, mein Gesicht dagegen abzuschirmen, warf ich ihm einen genervten Blick zu, bevor ich versuchte, ihn zurück anzulächeln.

„Also, wo sind denn die anderen?“ Seine jetzt durchnässten Haare vom Gesicht abwischend, fragte er.

„Auf Arbeit.“ Antwortete ich. “Jeder führt ein Leben, außer mir.“

„Was laberst du denn?“ Lachte er auf. “Dein Leben ist doch interessanter als das von jeden, den ich kenne.”

„Oh ja? Dann kannst du es haben.“ Erwiderte ich bitterlich.

“Ich hab nie gesagt, dass ich es wollte. Was ist genau passiert, als du gestern zu Hause ankam?“

„Ich hab Eddie gesprochen, und dann Luke.“ Sagte ich, hatte aber kein Interesse, alles ausführlich zu erzählen. „Ich glaube, ich komm damit klar.“

„Echt?“

„Vielleicht.“

„Also, das ist gut, oder?“

„Kann sein... ist aber komisch.“

„Das glaub ich dir.“ Meinte er mit einem leichten Lächeln, aber dann wurde er ernst. „Ähm... wenn du es getan hast, ist alles in Ordnung und so... aber, du hast doch nicht erwähnt, dass ich es war, der dir das verraten hat, oder? Ich meine, ich brauch ja ihnen keine Gründe mehr geben, sodass sie mich mehr hassen.“

„Dich hab ich nicht erwähnt... aber trotzdem, Luke hat es irgendwie selbst rausgefunden.“ Gab ich zu.

„Scheiße.“ Fluchte Aaron, sich den Schwimmbadrand greifend, um sich zur Pause zu hieven. Daraufhin schwamm ich hinüber und hielt mich an der Kante neben ihm fest.

„Hör mal... mach dir keine Sorgen darum.“ Bestand ich darauf. „Sie haben wirklich kein Recht, sich zu ärgern, weißte? Mindestens hast du mir die Wahrheit erzählt. Scheiß drauf, was sie denken.“

Aaron sah nicht überzeugt aus, trotzdem schien er glücklich über meine Erwiederung zu sein.

„Zumindest ärgerst du dich nicht drüber.“ Bemerkte er, mir ein kleines Lächeln schenkend, und dann, „Also... hat Luke mich überhaupt erwähnt, nachdem er das rausgefunden hast?“

Aaron wirkte nervös, und diesmal dauerte es nicht lang, bis ich verstand, worauf er anspielte. Um ehrlich zu sein, hatte ich gar nicht vor, dieses Thema vorzubringen. Immerhin gab es da einfach Dinge zwischen ihm und Luke, die es mich einfach nicht anging.

„Na ja.“ Gab ich zu.

Darauf runzelte Aaron die Stirn, und schien meinen Blick für einen Bruchteil der Sekunde auszuweichen.

„Wie schlecht war es?“ Fragte er grimmig. Sichtlich glaubte er nicht, dass Luke eine sehr gute Meinung über ihn hatte, nicht, dass es nicht wahr war. Ich beschloss, ihn diesmal vom Haken zu lassen.

„Das war nicht so schlecht.“ Versicherte ich ihn, doch Aaron sah mich skeptisch an. „Es war echt nicht... Ich meine, ich glaub nicht, dass er je wieder mit dir ausgehen würde, nichts für ungut. Aber er hat auch nicht so über dich geredet, als wär er ein eifersüchtiger Ex.“

„Aber trotzdem, lass mich mal raten... Das reicht schon, um dich von mir fern zu halten.“

„Das meine ich nicht.“ Erwiderte ich, bevor ich mich stoppen konnte, woraufhin Aaron mich mich neugierig betrachtete.

„Dann bist du...“

„Das hab ich auch nicht gesagt.“ Sagte ich schnell. „Pass auf, Aaron...“

“Egal.” Unterbrach er mich, dabei sah er frustriert aus. “Scheiße. Ich hab doch gesagt, dass wir nur als Freunde rumhängen würden, aber ich hab es schon verkackt, oder? Also... vergiss es nur, Rory. Ich weiß, was Luke über mich sagen würde... deswegen lass es doch.”

Ich wusste nich einmal, was zu erwidern. Lass es doch? Was hieß es denn? Wenn Aaron zwar wusste, was Luke sagen würde, dann würde er nicht mal versuchen, sich zu verteidigen? Es schien was Aaron tun würde, zu sein. Oder wollte er es nur lassen, weil alles, was Luke gesagt hatte, wahr war? Aber trotzdem war es wirklich egal. Luke meinte doch, dass es schon lange her gewesen war, und auch er sagte tatsächlich, dass es möglich war, dass Aaron sich verändert hatte. Das erwähnte ich fast zu Aaron, vor allem um ihn zu erleichtern. Doch bevor ich das machen konnte, hob er sich ruckartig aus dem Schwimmbad. Dabei lenkte mich sein Po von den Gedanken ab, da der jetzt auf der gleichen Höhe mit meinem Kopf war, und ich konnte nicht umhin, seine Unterhose anzustieren, welche so durchnässt geworden war, dass die leicht herabhing, doch dicht an der Haut war. Außerdem war sie weiß, deswegen konnte ich direkt durch sie sehen, zumindest so gut, dass ich bemerken konnte, dass es keine Bräunungsstreifen auf seinem Po gab, welche schön knackig aussah. Als er ein Bein aus dem Wasser hob und mein Blick ihm nach oben folgte, verfolgte ich mit den Augen die sichtbare Spalte zwischen seinen Pobacken, bis zu den dunklen Haaren, die seine Eier bedeckten, den anderen Körperteil, an dem seine Unterhose anheftete.

Ich beschloss genau dann und da, dass ich ihn gern in weißen Kleidungen sah. Luke sah ich schon häufig nackt, deshalb sollte diese Szene nichts sein. Trotzdem war ich der Meinung, noch etwas übriges für die Fantasie zu haben, machte es fast... besser, und auch der Gedanke, seine Unterhose sofort auszuziehen... was ich übrigens auf keinen Fall tun könnte, wegen Mutmangels und anderer Gründe, aber trotzdem... Es wäre eine tolle Vorstellung, die ich später ins Badezimmer mitbringen würde.

„Hast du hier was zu trinken?“ Fragte Aaron, was mich zur Realität zurück brachte, wobei ich merkte, dass er versuchte, das Thema zu wechseln. Leider erst nach einem Moment konnte ich erwidern, als er sich umdrehte. Und genau wie die Hinterseite, klammerte sich die Vorderseite seiner Unterhose an allem.

„Ähm... ja klar.“ Antwortete ich, meinen Blick von den Bereichen seines Körper, die ich hätte nicht gaffen sollen, ablösend. Ich zog mich aus dem Schwimmbad, dabei ignorierte ich das plötzliche Kribbeln in meiner Leiste. Es schien mich zur gestrigen Unterhaltung mit Eddie zurück zu bringen. In meinem Alter, muss man sich tatsächlich nicht viel Mühe geben, damit das funktioniert. Doch glücklicherweise ekelte mich der Gedanke an Eddie und meine Mutter zusammen genug an, dass was auch immer Gefühle, die ich jetzt empfand, momentan verschwand. Da war ich auch froh, dass es Handtüche diesmal draußen gab, und ich stellte sicher, Aaron erst eins zu reichen. Während ich mich mit meinem Handtuch abtrocknete, wickelte er sich einfach seins um die Taille und wartete auf mich.

Ich öffnete die Glasschiebetür, wobei Chey uns voran hineinrannte, als ich auf Aaron zurückblickte. Er wirkte irgendwie erneut unbehaglich, und aus unbekanntem Grund, fühlte ich mich deswegen schuldig.

„Das ist sowieso schon lange her passiert... zwischen dir und Luke, oder?“ Sagte ich, um ihn zu erleichtern. „Ich meine... vielleicht macht es sogar nichts... was auch immer passiert ist.”

Aaron sah mich fragend an, runzelte dann die Stirn, als er mir nach innen folgte.

„Nichts? Wie jedesmal wenn Luke auftaucht?“ Erwiderte er sarkastisch. “Meinetwegen.”

“Das ist anders.” Entgegnete ich abwehrend. “Ich meine, ach komm Aaron, du hast ein Auto gestohlen und ihm das eingebrockt... Das war Kacke.“

„Deswegen nimmst du mir das übel, wie jeder andere? Toll.“

Ich runzelte die Stirn, als ich zum Kühlschrank schlurfte, wo ich die Soda ignorierte und mich zwei Wasserflaschen griff. Ich wurde langsam genervt. Wie ich es ansah, hatte der ganze Diebstahlvorfall nichts damit zu tun, dass Aaron einst mit Luke zusammen war. Es handelte sich um zwei unterschiedliche Sachen. Versteht mich nicht falsch, ich hätte gern gewusst, warum Aaron das getan hatte, also Luke in Schwierigkeiten gemacht hatte, aber ich brauchte es auch nicht, dass er mich mit diesem unnötigen Schuldgefühl im Kreis drehte. Außerdem war er sowieso es, der das Thema in erster Linie hervorbrachte. Ich wäre total glücklich gewesen, wenn wir uns ein paar Stunden hätte sehen können, ohne dass irgendwelcher Blödsinn erschien. Sowas wollte ich gar nichts mehr.

„Hör mal, können wir vorest nicht über dieses Thema reden?“ Fragte ich, ihm eine Wasserflasche reichend, als ich mich umdrehte und ihn direkt hinter mir entdeckte. „Ich hab es ziemlich satt, mit allem klarzukommen, weißte? Es ist mir schlecht genug, mich drum Sorgen zu machen, dass Eddie in wenigen Stunden nach Hause kommt. Er wird sich wahrscheinlich mehr mit mir unterhalten, und ich will nicht klarkommen mit...“

„Mir?“ Aaron unterbrach mich, da stieg meine Frustration, weil er tatsächlich verärgert aussah.

„Das meine ich nicht. Ich hätte dich nicht eingeladen zu bleiben, wenn...“

“Weißt du was? Vergiss das. Ich werd gehen.” Sagte er. “Seth hatte recht, wie auch immer. Ich bin ein Idiot, hierher zu kommen.“

Seth.

Noch einmal? Ich hatte diesen Typ schon satt. Ich hatte es auch satt, dass Aaron mir davonging. Sollte es aber nicht anders rum sein, dass er es war, der mir nachlaufen müsste?


„Warum?“ Hitzig fragte ich ihn auf dem Weg nach draußen, wo er seine Kleider liegen lassen hatte, hinterher. „Weil ich nicht über Luke reden möchte? Sollst du nicht dafür dankbar sein oder so?“

Er drehte sich zu mir um, seine Augen verengt, als er das Handtuch fallen ließ und seine Shorts aufhob.

„Weil du genauso wie er bist.“ Entgegnete Aaron. „Du kennst nur ein kleines Ding über mich, und hasst mich trotzdem deswegen.“

“Was laberst du denn eigentlich? Ich hab nie gesagt, dass ich dich hasse!“

„Du musst es nicht sagen, Rory. Wenn du dich nicht für mich interessierst, ist in Ordnung, aber tue nicht so, als wären wir Freunde, nur weil ich dir leidtue!“

Ich blinzelte, war vollkommen verdutzt.

„Also, welches ist das denn? Hasse ich dich, oder tust du mir leid, weil ich hab echt keine Ahnung mehr!“ Ich hielt inne, um zu versuchen, meine Wut im Zaum zu halten. Kein Wunder, dass ich immer verwirrt wurde, wenn ich mit Aaron umging. Wir konnten uns nicht mal auf eine Weise streiten, die Sinn ergab. „Scheiße... ich hab wirklich einen schlechten Monat oder so, okay? Ich hab jetzt Angst vor ner Menge Dinge, und ich hab dich nicht eingeladen rumzuhängen, nur sodass wir uns streiten können. Es war ziemlich nett von dir, mich gestern mitzunehmen, weißte? Es hat mich von meinen Problemen abgelenkt... für ne Weile. Und ich hab ja gedacht, denn du warst der Einzige, der ehrlich zu mir war, wär es vielleicht kein Problem, mit dir befreundet zu sein. Und Luke hat nichts damit zu tun.“

Aarons Gesichtsausdruck schien besänftigt zu werden, doch er sah immer noch unwohl aus, als er wortlos seine Shorts über der durchnässten Unterhose zog. Seine Augen schienen nicht so quirlig wie normal zu sein, und ich bemerkte, dass er meinen Blick wieder auswich.

„Luke wird immer was damit zu tun haben.“ Sagte er kleinlaut, und ich war mir nicht sicher, was das hieß, dennoch war ich mir ganz sicher, dass es mir nicht gefiel. Als unsere Blicke sich trafen, war ich mir auch sicher, dass er sehen konnte, dass ich genervt wurde, aber dann lächelte er. Lächelte. Und Rory Norrick wurde noch einmal völlig verblüfft. “Weißt du, ich möchte nicht weiter über diesen Scheiß reden.” Erwiderte er beiläufig, als hätten wir gerade das Wetter diskutiert. „Du wolltest nur schwimmen gehen, oder? Tut mir leid... dass ich deinen Tag verdorben hab und so. Wir werden uns eventuell wiedersehen.“

Wir werden uns eventuell wiedersehen?

Ich war einfach zu perplex, darauf zu erwidern, als er sein Hemd aufhob und davonging. Ich ließ ihn trotzdem gehen, weil... also, da verstand ich ihn überhaupt nicht. Nachdem er schon weg gewesen war, verstand ich auch nicht einmal, worüber wir gerade stritten. Nur, dass ich das Gefühl hatte, es hatte mehr mit Luke zu tun, als mit mir, dass Aaron davonging. Immerhin war alles scheinbar normal gewesen, bevor ich Lukes Namen erwähnte.

Ich begab mich nach innen, mich wieder erschöpf fühlend, als ich daran dachte, was gerade passiert war. Vielleicht mochte Aaron nicht, dass ich wusste, dass er und Luke ein Pärchen gewesen war. Vielleicht fühlte er sich dabei genauso unangenehm, wie ich. Ich meine, ich musste zugeben, die Tatsache, dass Luke und Aaron einst zusammen waren, ein weiteres Negatives auf die Frage, ob ich mich auf ihn einlassen wollte. Es würde die Situation nur komplizierter machen. Deswegen war es wahrscheinlich gut so, dass Aaron verlassen hatte und ich keine Ahnung hatte, ob ich ihn jemals wiedersehen würde. Ich wünschte mir nur, dass der Gedanke mich nicht so sehr störte.

SergeyP
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 22 Jun 2018, 22:41

Ach, ich habe diesen Teil versehentlich gepostet, ohne den noch mal zu bearbeiten. Ich kann ihn aber nicht mehr löschen, also poste ich auch die bearbeitete Version. Übrigens, danke dir für deine Kommentare. Vielleicht ist meine Übersetzung nicht so gut, dass nicht so viele Menschen Feedbacks geben, oder? XD Auf jeden Fall sind deine Kommentare meine Motivation, weiter an diesem Projekt zu arbeiten. Jetzt geht's weiter:

Fortsetzung zu Kapitel 11

“Im Ernst?” Aaron sah mich an, als hätte ich ihn gefordert, seine Beine zu rasieren.

„Warum nicht?“ Erwiderte ich, bevor ich mich einen Moment unter Wasser tauchte, dann ging wieder auf. „Mach dir keinen Kopf, dass Luke oder irgendjemand jetzt zu Hause ist. Eddie wird in ein paar Stunden nach Hause kommen, aber wenn du bis dann rumhängen willst... ich meine, es sei denn, du hast was anderes zu tun...“

„Nein,“ Sagte er schnell. „Ich dachte nur...“

“Du magst ein Mistkerl sein.” Unterbrach ich ihn. „Aber ich hab nicht gesagt, dass du letzten Abend so einer warst. Ich war weg, weil...“ Ich wollte ihm gerade erzählen, was genau zwischen Seth und mir passiert war, doch ich hielt mich zurück. Wenn etwas, was Seth ihm gesagt hatte, ihn drängte, hierher zu kommen, nur um sich bei mir zu entschuldigen, dann hatte ich recht kein Interesse daran zu wissen, wie er reagieren würde, wenn ich Seth als Lügner benennen würde. „Ich musste nur weg... und mit Dingen klarkommen. Also, wenn du hier rumhängen möchtest, dann ist jetzt die richtige Zeit. Du kannst doch schwimmen, oder?“

Er lächelte darüber und zuckte mit den Schultern.

„Also... wenn du noch rumhängen willst... heißt es dann, dass wir noch ausgehen können?“

Aaron war zurück.

„Keine Ahnung.“ Sagte ich schnell. Ich wollte lieber fühlen, dass ich ihm einen Schritt voraus war, und möchte dieses Gefühl noch nicht verlieren. Außerdem war ich mir wirklich nicht sicher, ob ich dafür bereit war... mit ihm auszugehen. „Ich möchte darüber nachdenken. Also, willst du ne Badehose borgen, oder was?”

“Brauch ich aber keine.” Erwiderte er, schelmisch schmunzelnd, und ich sah zu, als er seine Flip-Flops abstreifte und sich das Hemd auszog. Es störte mich auch nicht, mir das anzuschauen. Ich hatte ihn nicht wirklich ohne Hemd gesehen, seit dem Abend, an dem wir uns beim Park begegneten, und als ich zusah, könnte ich schwören, dass sein Bräune etwas tiefer geworden war... und vielleicht war sein Haar auch bisschen heller geworden, was ich bemerkte, als er den langen Pony aus seinem Gesicht schüttelte, nachdem sein Hemd ihn zerzauste. Trotzdem wurde ich aus diesen kleinen Details abgelenkt, als er unvermittelt seine Hose fallen ließ. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Aaron schaute auf, gerade als er mich dabei ertappte, die engen weißen Boxershorts, die den privaten Teil seines Körpers bedeckte, zu beäugen, und das war alles vorbei. Dieses Grinsen und meine Röte machten ganz deutlich, wer in der Lage war, den anderen auf Zack zu bringen, und im Moment war es mir total peinlich. Ich wurde auch nicht erleichtert, als er bemerkte, „Vielleicht magst du mich doch immerhin. Ich bin nie falsch, weißte.“

„Komm einfach her, Arschloch.“ Erwiderte ich trotzig, tauchte mich prompt unter Wasser, um die Röte zu verbergen, da folgte mir Aarons Gelächter.

Noch einmal fragte ich mich, worauf ich mich einließ. Jene Frage schien oft aufzutauchen, wenn es sich um Aaron handelte. Es könnte sein, dass seine vergangene Geschichte mit Luke mich unangenehm machte, denn es fiel mir immerhin schwer, Aaron zu vertrauen. Ich wusste nie, was er dachte, oder was er sich vornahm... oder wie ich darauf reagieren würde. Das beängstigte mich. Deswegen dachte ich mir, das war Neugier, oder meine jetztige Sehnsucht nach Gesellschaft, die mich verhinderte zu bereuen, dass ich ihn zu bleiben eingeladen hatte. Aber trotzdem könnte es auch damit zu tun haben, dass ich mit Seth abrechnen wollte. Offenbar hatte er mich nicht gern bei Aaron... oder Aaron bei mir, was eine bessere Begutachtung war. Ich würde sagen, er hatte nicht damit gerechnet, dass Aaron zu mir vorbeikam, um sich zu entschuldigen. Mir gefiel dieser Kerl recht nicht. Es gab auch die Möglichkeit, dass ich Aaron zu bleiben einlud, weil er es nicht falsch hatte. Ich mochte ihn. Ich wusste nicht, warum es so schwierig ist, das zuzugeben.

Ich tauchte wieder auf, gerade als Aaron ins Schwimmbad hineinsprang, und er lächelte mich an, als er etwa einen halben Meter von mir entfern auftauchte. Er wedelte mit dem Arm, dabei planschte er in Richtung meines Kopfs, und nachdem es mir misslang, mein Gesicht dagegen abzuschirmen, warf ich ihm einen genervten Blick zu, bevor ich versuchte, ihn zurück anzulächeln.

„Also, wo sind denn die anderen?“ Seine jetzt durchnässten Haare vom Gesicht abwischend, fragte er.

„Auf Arbeit.“ Antwortete ich. “Jeder führt ein Leben, außer mir.“

„Was laberst du denn?“ Lachte er auf. “Dein Leben ist doch interessanter als das von jedem, den ich kenne.”

„Oh ja? Dann kannst du es haben.“ Erwiderte ich bitterlich.

“Ich hab nie gesagt, dass ich es wollte. Was ist genau passiert, als du gestern zu Hause ankamst?“

„Ich hab Eddie gesprochen, und dann Luke.“ Sagte ich, hatte aber kein Interesse, alles ausführlich zu erzählen. „Ich glaube, ich komm damit klar.“

„Echt?“

„Vielleicht.“

„Also, das ist gut, oder?“

„Kann sein... ist aber komisch.“

„Das glaub ich dir.“ Meinte er mit einem leichten Lächeln, aber dann wurde er ernst. „Ähm... wenn du es getan hast, ist alles in Ordnung und so... aber, du hast doch nicht erwähnt, dass ich es war, der dir das verraten hat, oder? Ich meine, ich brauch ihnen ja keine Gründe mehr geben, sodass sie mich mehr hassen.“

„Dich hab ich nicht erwähnt... aber trotzdem, Luke hat es irgendwie selbst rausgefunden.“ Gab ich zu.

„Scheiße.“ Fluchte Aaron, sich den Schwimmbadrand greifend, um sich zur Pause zu hieven. Daraufhin schwamm ich hinüber und hielt mich an der Kante neben ihm fest.

„Hör mal... mach dir keine Sorgen darum.“ Bestand ich darauf. „Sie haben wirklich kein Recht, sich zu ärgern, weißte? Mindestens hast du mir die Wahrheit erzählt. Scheiß drauf, was sie denken.“

Aaron sah nicht überzeugt aus, trotzdem schien er glücklich über meine Erwiederung zu sein.

„Zumindest ärgerst du dich nicht drüber.“ Bemerkte er, mir ein kleines Lächeln schenkend, und dann, „Also... hat Luke mich überhaupt erwähnt, nachdem er das rausgefunden hast?“

Aaron wirkte nervös, und diesmal dauerte es nicht lang, bis ich verstand, worauf er anspielte. Um ehrlich zu sein, hatte ich gar nicht vor, dieses Thema vorzubringen. Immerhin gab es da einfach Dinge zwischen ihm und Luke, die es mich einfach nicht anging.

„Na ja.“ Gab ich zu.

Darauf runzelte Aaron die Stirn, und schien meinen Blick für einen Bruchteil der Sekunde auszuweichen.

„Wie schlecht war es?“ Fragte er grimmig. Sichtlich glaubte er nicht, dass Luke eine sehr gute Meinung über ihn hatte, nicht, dass es nicht wahr war. Ich beschloss, ihn diesmal vom Haken zu lassen.

„Das war nicht so schlecht.“ Versicherte ich ihn, doch Aaron sah mich skeptisch an. „Es war echt nicht... Ich meine, ich glaub nicht, dass er je wieder mit dir ausgehen würde, nichts für ungut. Aber er hat auch nicht so über dich geredet, als wär er ein eifersüchtiger Ex.“

„Aber trotzdem, lass mich mal raten... Das reicht schon, um dich von mir fern zu halten.“

„Das meine ich nicht.“ Entgegnete ich, bevor ich mich stoppen konnte, woraufhin Aaron mich mich neugierig betrachtete.

„Dann bist du...“

„Das hab ich auch nicht gesagt.“ Sagte ich schnell. „Pass auf, Aaron...“

“Egal.” Unterbrach er mich, dabei sah er frustriert aus. “Scheiße. Ich hab doch gesagt, dass wir nur als Freunde rumhängen würden, aber ich hab es schon verkackt, oder? Also... vergiss es nur, Rory. Ich weiß, was Luke über mich sagen würde... also lass es doch.”

Ich wusste nich einmal, was zu erwidern. Lass es doch? Was hieß es denn? Wenn Aaron zwar wusste, was Luke sagen würde, dann würde er nicht mal versuchen, sich zu verteidigen? Es schien was Aaron tun würde, zu sein. Oder wollte er es nur lassen, weil alles, was Luke gesagt hatte, wahr war? Aber trotzdem war es wirklich egal. Luke meinte doch, dass es schon lange her gewesen war, und auch er sagte tatsächlich, dass es möglich war, dass Aaron sich verändert hatte. Das erwähnte ich fast zu Aaron, vor allem um ihn zu erleichtern. Doch bevor ich das machen konnte, hob er sich ruckartig aus dem Schwimmbad. Dabei lenkte mich sein Po von den Gedanken ab, da der jetzt auf der gleichen Höhe mit meinem Kopf war, und ich konnte nicht umhin, seine Unterhose anzustieren, welche so durchnässt geworden war, dass die leicht herabhing, doch dicht an der Haut war. Außerdem war sie weiß, deswegen konnte ich direkt durch sie sehen, zumindest so gut, dass ich bemerken konnte, dass es keine Bräunungsstreifen auf seinem Po gab, welcher schön knackig aussah. Als er ein Bein aus dem Wasser hob und mein Blick ihm nach oben folgte, verfolgte ich mit den Augen die sichtbare Spalte zwischen seinen Pobacken, bis zu den dunklen Haaren, die seine Eier bedeckten, den anderen Körperteil, an dem seine Unterhose anheftete.

Ich beschloss genau dann und da, dass ich ihn gern in weißen Kleidungen sah. Luke sah ich schon häufig nackt, deshalb sollte diese Szene nichts sein. Trotzdem war ich der Meinung, noch etwas übriges für die Fantasie zu haben, machte es fast... besser, und auch der Gedanke, seine Unterhose sofort auszuziehen... was ich übrigens auf keinen Fall tun könnte, wegen Mutmangels und anderer Gründe, aber trotzdem... Es wäre eine tolle Vorstellung, die ich später ins Badezimmer mitbringen würde.

„Hast du hier was zu trinken?“ Fragte Aaron, was mich zur Realität zurück brachte, wobei ich merkte, dass er versuchte, das Thema zu wechseln. Leider erst nach einem Moment konnte ich erwidern, als er sich umdrehte. Und genau wie die Hinterseite, klammerte sich die Vorderseite seiner Unterhose an allem.

„Ähm... ja klar.“ Antwortete ich, meinen Blick von den Bereichen seines Körper, die ich hätte nicht gaffen sollen, ablösend. Ich zog mich aus dem Schwimmbad, dabei ignorierte ich das plötzliche Kribbeln in meiner Leiste. Es schien mich zur gestrigen Unterhaltung mit Eddie zurück zu bringen. In meinem Alter, muss man sich tatsächlich nicht viel Mühe geben, damit das funktioniert. Doch glücklicherweise ekelte mich der Gedanke an Eddie und meine Mutter zusammen genug an, dass was auch immer Gefühle, die ich jetzt empfand, momentan verschwand. Da war ich auch froh, dass es Handtüche diesmal draußen gab, und ich stellte sicher, Aaron erst eins zu reichen. Während ich mich mit meinem Handtuch abtrocknete, wickelte er sich einfach seins um die Taille und wartete auf mich.

Ich öffnete die Glasschiebetür, wobei Chey uns voran hineinrannte, als ich auf Aaron zurückblickte. Er wirkte irgendwie erneut unbehaglich, und aus unbekanntem Grund, fühlte ich mich deswegen schuldig.

„Das ist sowieso schon lange her passiert... zwischen dir und Luke, oder?“ Sagte ich, um ihn zu erleichtern. „Ich meine... vielleicht macht es sogar nichts... was auch immer passiert ist.”

Aaron sah mich fragend an, runzelte dann die Stirn, als er mir nach innen folgte.

„Nichts? Wie jedesmal wenn wir über Luke reden?“ Erwiderte er sarkastisch. “Meinetwegen.”

“Das ist anders.” Entgegnete ich abwehrend. “Ich meine, ach komm Aaron, du hast ein Auto gestohlen und ihm das eingebrockt... Das war Kacke.“

„Deswegen nimmst du mir das übel, wie jeder andere? Toll.“

Ich runzelte die Stirn, als ich zum Kühlschrank schlurfte, wo ich die Soda ignorierte und mich zwei Wasserflaschen griff. Ich wurde langsam irritiert. Wie ich es ansah, hatte der ganze Diebstahlvorfall nichts damit zu tun, dass Aaron einst mit Luke zusammen war. Es handelte sich um zwei unterschiedliche Sachen. Versteht mich nicht falsch, ich hätte gern gewusst, warum Aaron das getan hatte, also Luke in Schwierigkeiten gemacht hatte, aber ich brauchte es auch nicht, dass er mich mit diesem unnötigen Schuldgefühl im Kreis drehte. Außerdem war er sowieso es, der das Thema in erster Linie vorbrachte. Ich wäre total glücklich gewesen, wenn wir uns ein paar Stunden hätte sehen können, ohne dass irgendwelcher Blödsinn erschien. Sowas wollte ich gar nichts mehr.

„Hör mal, können wir vorest nicht über dieses Thema reden?“ Fragte ich, ihm eine Wasserflasche reichend, als ich mich umdrehte und ihn direkt hinter mir entdeckte. „Ich hab es ziemlich satt, mit allem klarzukommen, weißte? Es ist mir schlecht genug, mich drum Sorgen zu machen, dass Eddie in wenigen Stunden nach Hause kommt. Er wird sich wahrscheinlich mehr mit mir unterhalten, und ich will nicht klarkommen mit...“

„Mir?“ Aaron unterbrach mich, da stieg meine Frustration, weil er tatsächlich verärgert aussah.

„Das meine ich nicht. Ich hätte dich nicht eingeladen zu bleiben, wenn...“

“Weißt du was? Vergiss das. Ich werd gehen.” Sagte er. “Seth hatte recht, wie auch immer. Ich bin ein Idiot, hierher zu kommen.“

Seth.

Noch einmal? Ich hatte diesen Typ schon satt. Ich hatte es auch satt, dass Aaron mir davonging. Sollte es aber nicht anders rum sein, dass er es war, der mir nachlaufen müsste?

„Warum?“ Hitzig fragte ich ihn auf dem Weg nach draußen, wo er seine Kleider liegen lassen hatte, hinterher. „Weil ich nicht über Luke reden möchte? Sollst du nicht dafür dankbar sein oder so?“

Er drehte sich zu mir um, seine Augen verengt, als er das Handtuch fallen ließ und seine Shorts aufhob.

„Weil du genauso wie er bist.“ Entgegnete Aaron. „Du kennst nur ein kleines Ding über mich, und hasst mich trotzdem deswegen.“

“Was laberst du denn eigentlich? Ich hab nie gesagt, dass ich dich hasse!“

„Du musst es nicht sagen, Rory. Wenn du dich nicht für mich interessierst, ist in Ordnung, aber tue nicht so, als wären wir Freunde, nur weil ich dir leidtue!“

Ich blinzelte, war vollkommen verdutzt.

„Also, welches ist das denn? Hasse ich dich, oder tust du mir leid, denn ich hab echt keine Ahnung mehr!“ Ich hielt inne, um zu versuchen, meine Wut im Zaum zu halten. Kein Wunder, dass ich immer verwirrt wurde, wenn ich mit Aaron umging. Wir konnten uns nicht mal auf eine Weise streiten, die Sinn ergab. „Scheiße... ich hab wirklich einen schlechten Monat oder so, okay? Ich hab jetzt Angst vor ner Menge Dinge, und ich hab dich nicht eingeladen rumzuhängen, nur sodass wir uns streiten können. Es war ziemlich nett von dir, mich gestern mitzunehmen, weißte? Es hat mich von meinen Problemen abgelenkt... für ne Weile. Und ich hab ja gedacht, es wär vielleicht kein Problem, mit dir befreundet zu sein, denn du warst der Einzige, der ehrlich zu mir war. Und Luke hat nichts damit zu tun.“

Aarons Gesichtsausdruck schien besänftigt zu werden, doch er sah immer noch unwohl aus, als er wortlos seine Shorts über der durchnässten Unterhose zog. Seine Augen schienen nicht so quirlig wie normal zu sein, und ich bemerkte, dass er meinen Blick wieder auswich.

„Luke wird immer was damit zu tun haben.“ Sagte er kleinlaut, und ich war mir nicht sicher, was das hieß, dennoch war ich mir ganz sicher, dass es mir nicht gefiel. Als unsere Blicke sich trafen, war ich mir auch sicher, dass er sehen konnte, dass ich genervt wurde, aber dann lächelte er. Lächelte. Und Rory Norrick wurde noch einmal völlig verblüfft. “Weißt du, ich möchte nicht weiter über diesen Scheiß reden.” Erwiderte er beiläufig, als hätten wir gerade das Wetter diskutiert. „Du wolltest nur schwimmen gehen, oder? Tut mir leid... dass ich deinen Tag verdorben hab und so. Wir werden uns eventuell wiedersehen.“

Wir werden uns eventuell wiedersehen?

Ich war einfach zu perplex, darauf zu erwidern, als er sein Hemd aufhob und davonging. Ich ließ ihn trotzdem gehen, weil... also, da verstand ich ihn überhaupt nicht. Nachdem er schon weg gewesen war, verstand ich auch nicht einmal, worüber wir gerade stritten. Nur, dass ich das Gefühl hatte, es hatte mehr mit Luke zu tun, als mit mir, dass Aaron davonging. Immerhin war alles scheinbar normal gewesen, bevor ich Lukes Namen erwähnte.

Ich begab mich nach innen, mich wieder erschöpf fühlend, als ich daran dachte, was gerade passiert war. Vielleicht mochte Aaron nicht, dass ich wusste, dass er und Luke ein Pärchen gewesen war. Vielleicht fühlte er sich dabei genauso unangenehm, wie ich. Ich meine, ich musste zugeben, die Tatsache, dass Luke und Aaron einst zusammen waren, ein weiteres Negatives auf die Frage, ob ich mich auf ihn einlassen wollte. Es würde die Situation nur komplizierter machen. Deswegen war es wahrscheinlich gut so, dass Aaron verlassen hatte und ich keine Ahnung hatte, ob ich ihn jemals wiedersehen würde. Ich wünschte mir nur, dass der Gedanke mich nicht so sehr störte.

Fortsetzung folgt...

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Simson
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 24 Jun 2018, 13:37

Da sieht man mal, wie viel Mühe du dir machst! :D
Wie gesagt, ich finde deine Übersetzung völlig in Ordnung. Soll doch erstmal jemand besser machen :P

Klar lese ich manches zweimal (aber das stört ja nicht, eher im Gegenteil :D ), um den genauen Sinn im richtigen Kontext zu erfassen.
Wie zum Beispiel hier:

„Vielleicht magst du mich doch immerhin. Ich bin nie falsch, weißte.“

als Muttersprachler würde man das wohl eher so übersetzen:
"Vielleicht stehst du ja doch auf mich. Ich liege nie falsch, weißt du."

oder hier:

Wenn Aaron zwar wusste, was Luke sagen würde, dann würde er nicht mal versuchen, sich zu verteidigen? Es schien was Aaron tun würde, zu sein.

Wenn Aaron wusste, was Luke sagen würde, dann würde er nicht mal versuchen sich zu verteidigen? So schien es zu sein.

Aber ehrlich mal, das ist doch kein Problem. Ich möchte ja eine super Geschichte lesen und keinen Aufsatz korrigieren.
Wir sind hier ja nicht im Deutschunterricht :P

Also, lass dich bitte nicht verunsichern.
LG simson
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 29 Jun 2018, 00:00

Haha danke für dein Korrigieren, daraus habe ich auch was gelernt ^^ Tja sieht so aus, dass ich wirklich einen Editor brauche. Da ich kein Muttersprachler bin, bin ich mir immer nicht sicher, ob die Texte fehlerfrei sind. Manchmal stolperte ich über Wörter oder Redewendungen, die einfach keine Äquivalenz im Deutschen haben. Ich verstehe deren Sinn, muss sie aber umschreiben, und daher habe ich Angst, dass die Leser den Kontext anders verstehen würden. Ich bin froh, dass es dich nicht stört, aber wie gesagt, muss ich mich noch viel verbessern. Ich hoffe, dass ich noch mehr Feedbacks von dir hören kann. Vielen Dank! :D :flag:

Also jetzt geht's weiter mit der Story

Fortsetzung zu Kapitel 11

Ich bewegte mich unbequem auf meinem Sitz Eddie gegenüber, meinen Blick auf das große Hähnchensalat vor mir gerichtet. Als er sagte, dass er nach Hause zum späten Mittagessen komme, rechnete ich nicht damit, dass er dabei meinte, dass wir tatsächlich zum Essen ausgehen würde. Ich hatte so viel gefrühstückt, deswegen hatte ich nicht wirklich großen Hunger, also hatte ich den Fehler gemacht, ihn für mich bestellen zu lassen. Nun lag vor mir ein so großes Salat, dass ich zweifelte, dass das ganze Ding meinem Magen passte, und das war nur die Vorspeise.

„Hast du deine Oma angerufen?“ Fragte Eddie, mich mit der Frage überrumpelnd.

„Wieso würde ich sie anrufen?“ Ich konnte nicht umhin, ihm kalt zu erwidern.

„Keine Ahnung.“ Antwortete er achselzuckend. “Nach all den Ereignissen, dachte ich nur, dass du das gemacht hättest.”

„Ich kann sie nicht sprechen.“ Runzelte ich die Stirn. „Ich meine, ich will auch nicht. Bist du nicht sauer auf sie?”

“Empört.” Meinte er, doch er klang eher beiläufig. “Ich halte das, was sie getan hat, für hinterhältig, und falsch, und sinnlos... aber trotzdem ist sie noch deine Oma.“

„Na und?“

Also, du bist alles, was sie übrig hat, Rory.“ Erwiderte Eddie, und ich fühlte mich einen Moment schuldig, doch das war schnell vorbei. „Außerdem, wenn du vorhast, am Ende des Sommers zu ihr zurück zu ziehen, denkst du nicht, dass ihr mal zueinander reden sollt? Du hast noch vor, zurückzukehren, oder?“

„Natürlich.“ Sagte ich schnell, mich ein bisschen argwöhnisch fühlend. Ich wollte Eddie nicht denken lassen, dass sich irgendwas verändert hatte, nur weil er auch schwul wie ich war, und wir dadurch etwas gemeinsam hatten. Ich hatte immer noch vor, am Ende des Sommers zurückzukehren, aber leider hieß das, dass er recht hatte, und letztendlich müsste ich mit Oma Alice zurechtkommen. „Ich bin nur... ich bin nicht bereit, mit ihr zu reden, okay?“ Brachte ich abwehrender hervor, als ich es meinte, doch Eddie schien sich nicht darum zu kümmern.

„Du sollst dein Salat mal probieren. Das Essen hier ist echt gut.“ Schlug Eddie vor. Ich hob die Gabel auf und begann zu essen, nur um das Gespräch zu enden. „Eigentlich bin ich Jase in diesem Restaurant zum ersten Mal begegnet.“ Ich schaute auf, mein Interesse aus unbekanntem Grund erweckt. „Ich hab gefeiert, weil ich diese Klausur an der Uni nicht durchgefallen bin. Ich war hier mit einigen Freunden und war schön besoffen, deswegen hab ich angefangen, einen der Kellner zu quälen... das war mir damals ne große Sache, weißt du. Danach hab ich mich deswegen bei manchen Leuten geoutet.“

„War es schlimm?“ Fragte ich.

„Nicht wirklich.“ Schmunzelnd antwortete er.

„Also... hat Jase hier gearbeitet?“ Ich schaute mich um. Das Restaurant war nicht sehr groß, und hatte so eine Stimmung, wie die in einer Kneipe. Es gab sogar einen Billardtisch in der Ecke. Trotzdem konnte ich mir irgendwie nicht vorstellen, dass Jase in einem anderen Ort arbeiten würde, als einem bequemen Büro.

„Nein, hat er nicht.“ Erwiderte Eddie, und ich schwor, dass er erröttete. „Das war tatsächlich das Problem. Er hat am Tisch hinter uns gesessen, ist jedoch immer wieder zur Theke gegangen. Er hat außerdem ein Hemd angezogen, das der damaligen Uniform von diesem Restaurant echt ähnlich aussah, deswegen hab ich mich peinlich gemacht, jedesmal wenn er an unserem Tisch vorbeiging. Letztendlich hat er mir seine Nummer gegeben, aber er meinte, er habe das nur gemacht, damit ich die Klappe halten, und damit aufhören würde, Getränke bei ihm zu bestellen... War aber nicht böse, als ich ihm Trinkgeld gegeben hab.“

Ich ertappte mich dabei zu lächeln, und mir die Situation vorzustellen. Ein betrunkener Eddie und ein genervter Jase. Ich konnte mir einen gereizten Jase vorstellen, aber ein betrunkener Eddie kam mir irgendwie komisch vor. Eigentlich machte er recht den Anschein, dass er niemals in seinem Leben ein Bier bestellen würde... oder zumindest niemals betrunken und laut wäre.

„Du hast ihn angerufen, auch nach diesem Geschehnis?“ Fragte ich, woraufhin Eddie lächelte, wahrscheinlich weil ich mich für die Geschichte zu interessieren schien.

„Eigentlich war ich so fertig, dass ich mich kaum daran erinnert hab.“ Verlegen erwiderte Eddie. „Einer meiner Freunde hat mir erzählt, was passiert war, aber ich dachte, er hat einfach nur gescherzt. Ich bin nahezu gestorben, als ich rausgefunden hab, dass das tatsächlich passiert war. All, was ich in Erinnerung hatte, war, dass ein Kellner mich angeschrien hatte. Aber einen Monat später, als ich die Wäsche gewaschen hab, hab ich in einer Tüsche ne Serviette mit einer Telefonnummer drauf gefunden, und danach hab ich diese Nummer aus Neugier gewählt. Es stellt sich raus, dass die zu Jase gehört hat, und ich glaub, er hatte nur grade Schluss mit nem anderen Mann gemacht, also als ich ihn angerufen hab, war er schön deprimiert, und er hat mir gefordert, mit ihm auszugehen. Er hat sich nicht mal an mich erinnert, bis ich mich mit ihm in diesem Restaurant getroffen hab.“

„Er hat sich echt nicht an dich erinnert?“

„Nö. Seine ersten Worte zu mir waren, „Ach, das ist der Arschloch.“ Dann hat er für uns ein paar Getränke bestellt, und wir sind seitdem zusammen gewesen. Nicht die romantischte Lovestory, oder?“

„Irgendwie witzig.“ Gab ich achselzuckend zu.

„Ich bin mir sicher, dass Jase nicht der gleichen Meinung ist.“ Entgegnete Eddie mit einem matten Lächeln. „Wenn er die erzählt, würde er immer drauf bestehen, dass wir uns auf einem Blind-Date kennengelernt haben und ich ihm Blumen gebracht hab. Wüsste ich, was sich rausstellen würde, hätte ich wahrscheinlich das echt gemacht.“

„Hat er dich jemals verwirrt?“ Fragte ich ungewollt, da ich plötzlich an Aaron dachte. Wir hatten uns auch nicht unter den besten Umständen kennengelernt. Ich konnte mir niemals vorstellen, dass ich ihm Blumen schenken würde. Das hörte sich einfach dumm an. Doch das Thema komisches Kennenlernen ließ mich an ihn denken.

„Immer.“ Lachte Eddie auf. “Hier sind ein paar Ratschläge für dich, Rory. Glaub deinen hetero Freunden nicht, dass nur Frauen verwirrend sind. Männer sind sogar schlimmer. Frag irgendeine Frau, und sie würde dir sagen, dass Männer immer falschliegen, also kannst du dir vorstellen, was passieren würde, wenn wir zwei zusammen leben. Aber das heißt nicht, dass es sich nicht lohnt. Wie auch immer, warum fragst du das?“

Ich blinzelte nur als Antwort, weswegen Eddie mich fragend betrachtete. Ich beabsichtigte gar nicht, ihm das Chaos bezüglich Aaron zu erklären. Soweit ich es wusste, hatten er und Jase keine Ahnung, dass ich Aaron kannte, und ich dachte mir, dass es gut so war. Insbesondere wenn Luke mir zustimmte, in Anbetracht dessen, dass er ihnen auch nicht davon erzählt hatte. Deshalb beschloss ich, die Frage als eine Art, meine andere Neugier zu stillen, auszunutzen.

„Jase... verwirrt mich.“ Sagte ich kleinlaut, und Eddie schien ein bisschen aufrechter zu sitzen, wobei er alarmiert aussah. „Ich meine, ich weiß, gestern hab ich alles verka... verdorben. Er hat mir nichts gesagt, deswegen dachte ich, er ist mir böse oder so.“

Ich sah zu, als Eddie die Gabel niedersetzte und den Atem ausstieß, sein alarmierter Gesichtsausdruck langsam zu bekümmert geworden, als er den Kopf schüttelte. Für einen Moment machte mich seine Reaktion nervös, da fragte ich mich, ob Jase mich da wirklich nicht gern hatte.

„Jase ist wütend.“ Gab Eddie zu. “Auf mich, nicht dich. Er ist aber genauso enttäuscht, dass du wieder weggelaufen bist, wie ich.“ Fügte er hinzu, was mich genervt, aber trotzdem gut gescholten, fühlen ließ. „Aber wir verstehen, dass du verärgert warst. Jase ist dir nicht böse, Rory. Er hat wahrscheinlich noch nicht zu dir geredet, weil er keine Ahnung hat, was zu sagen, und wenn ich ehrlich bin, hat er mit mir seit letztem Abend gestritten, also war er heute Morgen vielleicht nicht in der Stimmung zu reden.“

„Streitet ihr euch meinetwegen?“ Fragte ich. Vielleicht hätte mich dieser Gedanke eine Woche zuvor nicht gestört, doch der störte mich jetzt sehr. Dass Eddie schuldig wirkte, bevor er auf die Frage antwortete, ließ mich nicht genau besser fühlen.

„Wir versuchen gerade nur, uns an einige Sachen anzupassen.“ Erwiderte er, und als er mitbekam, dass ich nicht überzeugt aussah, fuhr er fort. „Ich hab einen Fehler gemacht, als du hierher gezogen bist, Rory. Ich glaube, Jase braucht nur noch Zeit... mir das zu verzeihen.“

„Aber... Luke hat gesagt, dass ihr abgemacht habt, mir die Wahrheit nicht zu erzählen.“ Entgegnete ich. „Ich meine, für ein paar Tage, bis ihr mich kennenlernt.“

“Ja klar.” Nickte Eddie. “Doch ich hab die Grenze überschritten. Rory, du musst es verstehen, sogar ehe ich Jase kennengelernt hab, war es ihm sehr wichtig, er selbst zu sein. Er wollte nie vorgeben, dass er jemand anders ist, und er hält es für sinnlos, das zu tun... auch nicht als er rausgefunden hat, dass du hergekommen bist. Er hat das nur gemacht, weil er wusste, dass es mir wichtig war, und ich glaube, in den letzten zwei Wochen hatte er echt das Gefühl, dass ich die Situation ausgenutzt habe. Ich hab vorgegeben, sein Bruder zu sein. Er hat einen guten Grund, sich darüber zu ärgern. Aber das hat recht nichts mit dir zu tun, ist eher ein Problem, womit Jase und ich klarkommen müssen, und ich möchte gerne, dass du, oder Luke, dir keinen Sorgen darum machst, klar?“

„Klar.“ Sagte ich, obwohl ich mich immer noch unsicher fühlte. Das antwortete doch nicht darauf, ob Jase mich da gern hatte.

„Wenn du willst, können wir später vielleicht zu Jase und Luke reden. Ich bin mir sicher, dass wir viel zu besprechen haben...“

„Nein danke.“ Erwiderte ich schnell. Es reichte mir schon, mit jeweils einem von ihnen zurechtzukommen. Ich war deshalb nicht genau dafür bereit, mit der ganzen Familie auf einmal umzugehen. „Ähm... das mach ich nicht gern, okay?“

„Okay.“ Eddie nickte, sein Gesicht zu einem amüsierten Ausdruck verzogen. Ich fragte mich, ob er wusste, was ich dachte. Doch der Gesichtsausdruck verschwand, als er ernst zu werden schien. „Rory, ich weiß, wir haben schon erwähnt, dass du weggeliefst... aber ich glaube, wir müssen mehr darüber reden. Das ist schon zweimal passiert, und...“

„Gestern ging ich wirklich nur spazieren.“ Von dem Themawechsel irritiert murmelte ich. Daraufhin sah er aber amüsiert aus.

„Das glaub ich dir, aber ich mach mir eher Sorgen um zukünftige Vorfälle. Diese ganze... Erziehungssache ist mir neu, okay? Jase hat immer sowas bezüglich Luke behandelt, also bin ich bisschen ahnungslos, aber es fällt mir ein, auch wenn ich nicht den Anschein machen möchte, dass ich dein Schließer bin, will ich doch wissen, wo du bist. Ich weiß, das ist nicht immer möglich, weil ich während des Sommers arbeite, und du wirst wahrscheinlich Freundschaften schließen. Was, wenn ich dir einen Pager kaufe? Läuft das? Also pass auf... egal was ich getan habe, welches dich verärgert hat... oder egal was die Umstände sind... wenn du dich nicht bei uns in, zum Beispiel, zehn Minuten meldest, dann werde ich mich an die Suchmannschaft wenden.“

Ich dachte einige Minuten darüber nach.

„Es gäbe sogar nicht genug Zeit, ein Handy zu finden.“ Endlich sagte ich.

„Ich werde dir dann eins kaufen.“ Erwiderte Eddie, als würde das das Problem lösen.

„Meine Mutter hat das einst gemacht. Ich hab mein Handy immer irgendwo vergessen.“

„Dann vergiss es nicht.“ Entgegnete er mit einem Grinsen, als unser tatsächliches Mittagessen auf den Tisch kam. Es sah so aus, dass es drei verschiedene Fleischsorten auf unseren Tellern gab, und es wunderte mich, ob sogar Eddie das alles essen könnte. „Außerdem, ist ein Handy nicht in Mode heutzutage? Ich glaube, wir können uns auf meinen Plan einigen. Wir gehen los, nachdem wir mit dem Essen fertig sind.“

“Meinetwegen.” Antwortete ich gleichgültig, als ich mein Salat beiseite schob, dabei hoffte ich, dass es Eddie nichts ausmachte, dass ich es kaum gegessen hatte. Er lächelte nur, und in den nächsten fünfunddreißig Minuten wurde die Unterhaltung leichter, als Eddie das Essen praktisch verschlang, während ich meins stocherte.

..........................

“Das will ich nicht.” Behauptete ich, den weißen Suburban, der zurzeit außerhalb des Restaurants eingeparkt war, anstarrend. Ich schwor, der war irgendwie in den letzten wenigen Sekunden doppel so groß geworden, nachdem Eddie mich gefragt hatte, ob ich eine kurze Strecke dahin fahren wollte, wo er mir ein neues Handy kaufen möchte. Zwar wollte ich lernen zu fahren, aber nicht auf einer Stadtstraße mit Verkehr. Na ja, der Verkehr hier bestand nur aus zwei Autos, die in den letzten fünf Minuten vorbeigefahren waren, aber trotzdem fühlte ich mich eingeschüchtert.

„Du wirst es nie lernen, wenn du dir nicht mal Mühe gibst.“ Entgegnete Eddie, wobei er mir die Schlüssel entgegenstreckte.

„Ich hab gesagt, dass ich das nicht möchte.“ Bestand ich gereizt darauf.

„Na gut.“ Enttäuscht wirkend gab er nach. “Wenn du Angst hast, dann fahre ich.”

Angst?

„Ich hab doch keine Angst!“ Vollkommen beleidigt fühlend entgegnete ich. Ich ignorierte Eddies Lächeln, als ich mir die Schlüssel aus seiner Hand schnappte und zur Fahrerseite ging. Ich war mir seiner Absicht bewusst, aber leider war ich auch für paradoxe Intervention anfällig. Einen Feigling genannt zu werden, verlieh mir zumindest den Mut, in den riesigen Wagen einzusteigen, und mich anzuschnallen. Eddie stieg von der Beifahrerseite ein, und ich schwindelte unvermittelt, als ich auf das Lenkrad herunterblickte.

„Egal.“ Sagte ich schnell. “Du fährst.”

“Alles okay, Rory.” Versicherte Eddie mich. “Du hast nicht mal das Auto gestartet. Ach komm, los.“

Ich runzelte die Stirn, machte trotzdem, was mir gesagt wurde. Es lag nicht daran, dass ich keine Ahnung vom Autofahren hatte, ich hatte sondern das nur nie zuvor getan, weswegen ich zu Eddie sah, um sicherzustellen, dass alles in Ordnung sei, als ich in den ersten Gang schaltete.

„Hast du deinen Fuß auf die Bremse gelegt?“ Fragte er mich.

„Ja.“ Anwortete ich gereizt, auch als ich erst dann meinen Fuß auf die Bremse legte. Ich hoffte, dass er das nicht gemerkt hatte, doch das Lächeln, das er mir schenkte, weiste darauf hin, dass er es gesehen hatte.

„Schalte in den Rückwärtsgang.“ Beauftragte Eddie. “Der Idiot vor uns hat zu nah geparkt, also must du mal rückwärts fahren. Guck erstmal in die Spiegel.“

In die Spiegel gucken? Ich musste sie erstmal einstellen. Verdammt, Eddie war groß. Nach einer Weile, in der er mir bei den nötigen Einstellungen half, schaltete ich endlich in den Rückwärtsgang.

„Okay, geh von der Bremse runter. Du sollst kein Gas geben.“

Das genau tat ich, aber auch als mein Fuß von der Bremse richtig losgelassen wurde, bewegte sich der Wagen nicht. Dafür warf ich Eddie meinen besten besserwisserischen Blick zu.

„Wir müssen auf einem Hügel sein.“ Sagte er abwehrend. “Na gut, gib bisschen Gas, abgesehen davon musst du so gut wie nichts tun...“

Zwar tat ich fast nichts. Zumindest dachte ich so, deswegen wurde ich zu Tode erschrocken, als die Hinterreife gegen den Bordstein stieß, und Eddie aufbrüllte, „Bremse!“

Da hatte ich gut gebrochen*. Etwas gebrochen. Seine Warnung ist gekommen, genau als ein alarmierender Zusammenstoß von hinten vorfiel, da saß ich auf dem Fahrersitz, meinen Fuß auf die Bremse gepresst, meine Finger um dem Lenkrad weiß geworden, als ich vor Schreck starr wurde.

(* Im Original verwendete der Autor ein Wortspiel: das Wort „break“, welches „brechen“ bedeutet, ist ein Homophon von „brake“, welches „Bremse“ heißt. Eddie hat das Letztere aufgebrüllt, und Rory hat wegen der Umstände an das erste Wort gedacht. Er hat zwar etwas „gebrochen“.)

„Alles gut?“ Fragte Eddie, was mich aus dem Trance zog, als er sich herüberstreckte und den Wagen parkte. Es gelang mir zu nicken, bevor er ausstieg und zum Hinten des Autos schlurfte. Ihm folgte ich nach einem Moment.

„Okay.“ Sagte Eddie gelassen, als ich neben ihm stehen blieb und der Schaden einschätzte. „Das ist nicht so schlimm.“

Na ja, alles in Ordnung, abgesehen von der großen Beule in der hinteren Stoßstange, die von dem Feuerhydrant verursacht wurde.

Ich warf ihm einen finsteren Blick als Antwort zu, als Eddie mir ein leichtes Lächeln schenkte, und all, was ich zu sagen hatte, war, „Ich kann’s nicht glauben, dass du mir dazu gebracht hast.“

.........................................

Das wäre eine Lüge, wenn ich sagte, dass ich mich nicht schuldig für den Schaden fühlte. Trotzdem verdeckte ich das, denn immerhin war er es, der darauf bestand, dass ich fuhr. Doch ich war auch Schuld daran, weil ich es war, der hinter dem Steuer war. Ich wurde erleichtert, als er mir sagte, mir keine Sorgen darum zu machen, nachdem ich mich schließlich entschuldigt hatte. Vielleicht dachte er sich, er hätte mehr Acht darauf gegeben, und das auf einer der leeren Straßen um dem Haus probiert. Das stimmte ich ihm völlig zu.

Ich dachte, wenn Eddie überhaupt auf etwas sauer wäre, dann wäre es die Bäule, aber trotzdem versicherte er mich, und sich selbst, glaube ich, dass sich das Auto nicht so schwierig reparieren ließ. Tatsächlich machte er einen Termin dafür, ungefähr fünf Minuten nachdem wir das Handy abgeholt hatten, das ich versehentlich bei dem Geschäft vergaß, nachdem es mir gegeben worden war. Also, ich hatte ihn doch gewarnt, dass ich dazu neigte, diese Sachen zu verlegen. Eigentlich hielt er das für lustig. Ich wünschte nur, dass ich hätte genauso amüsiert sein können.

Ich glaube, ich war vor allem erleichtert, als wir zu Hause ankam. Es war schon ziemlich spät, und Eddie erwähnte, dass Luke und Jase auch bald nach Hause kämen. Er schien überglücklich zu sein, als ich mich hinsetzte, und mit ihm bis dahin die Nachrichten schaute. Ich nahm an, dass er erwartete, dass ich in mein Zimmer zurückgehen würde.

Luke kam zuerst zu Hause an, was eher schwer zu versäumen war, als Chey sich plötzlich von der Wand springend ablöste.

„Na.“ Den Kopf drehend begrüßte Eddie ihn, als Luke sich in das Wohnzimmer begab. Dieser sah müde und nassgeschwitzt aus, seine Locken platt, weil er den ganzen Tag einen Schutzhelm trug. Mindestens lächelte er, wobei seine Zähne, welche wegen des Staubs auf seinem Gesicht sogar weißer wirkten, sich sehen ließen. „Wie war die Arbeit?“

„Nicht schlecht, würde ich sagen. Nicht alle die Typen da sind dumm, wie ich dachte.“

„Das heißt, er wird gern den ganzen Tag von Männern umgeben.“ Zu mir sehend bemerkte Eddie, und obwohl mir diese Unterhaltung irgendwie seltsam vorkam, lächelte ich doch darüber.

„Na ja, wer hätt‘ das gedenkt?“ Erwiderte Luke, die Augen verdrehend. „Na Eddie, ist es in Ordnung, wenn ich heute das Abendessen auslasse? Dave möchte, dass ich heute Abend mit ihm zum Park gehe, denn er braucht Rückenstärkung. Also Angela wird da sein.“ Sich an mich gewandt fügte er hinzu.

„Wirst du nicht zumindest etwas essen?“ Fragte Eddie ihn.

„Ich werde mir was auf dem Weg kaufen.“

„Na gut, alles in Ordnung.“

„Willst du mit, Rory?“ Fragte Luke mich. “Ich gehe erstmal schnell duschen.”

Daraufhin sah ich zu Eddie. Um ehrlich zu sein, war ich mir nicht mal sicher, ob ich ausgehen durfte, nach den gestrigen Geschehnissen. Eddie verdrehte die Augen, als er meinen Gesichtsausdruck sah.

„Ab mit dir.“ Sagte Eddie, fügte dann in einer sanfteren Stimme hinzu. „Es wird mir eine Chance geben, zu Jase zu reden.“

Ich nickte, sagte aber nichts dazu. Mit Luke für eine Weile auszugehen, schien mir tatsächlich eine gute Idee zu sein. Nachdem ich mit Aaron gestritten, dann ein Auto kaputt gemacht hatte, dachte ich mir sowieso nicht, dass mein Tag überhaupt schlechter werden könnte. Außerdem war ich einfach froh, dass der erwartete unbehagliche Moment zwischen mir und Luke nicht aufgetreten war.

Fortsetzung folgt...

SergeyP
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 07 Jul 2018, 00:48

Fortsetzung zu Kapitel 11

“Tut mir leid wegen dem heutigen Morgen.” Sagte Luke, als er den Cheeseburger, welchen er sich auf dem Weg gekauft hatte, mampfte.

„Huh?“ Ich hatte keine Ahnung, was er meinte. Da sah ich aus dem Fenster heraus, meinen Gedanken an den Park, in den wir fuhren, nachgehangen. Aaron kam mir den ganzen Tag immer wieder in den Sinn, und ich konnte nicht umhin, mich zu fragen, ob er da wäre. Das war aber wahrscheinlich egal, besonders wenn er beschloss, nicht mehr zu mir zu reden. Doch um ehrlich zu sein, war ich mir nicht sicher, ob er sich das wirklich vornahm. Zwar hatte er nie sowas gemeint, aber trotzdem... Vielleicht war das ein Teil meines jetztigen Problems.

„Wir haben ja vorgehabt, heute Morgen schwimmen zu gehen.“ Erinnerte Luke mich. „Aber ich hab irgendwie verpennt.“

“Ach so... na ja, kein Ding.”

„Alles gut bei dir?“ Fragte Luke, als er zu mir sah.

„Super.“ Versicherte ich ihn, wobei ich mir ein Lächeln abrang.

„Gut. Also sag mal, was ist Eddies Wagen passiert? Ich hab ihn in der Garage gesehen.“

Ich stöhnte innerlich auf, erzählte Luke aber trotzdem, was geschehen war. Als ich mit dem Erzählen fertig war, lachte er aus vollem Hals darüber.

„Das ist nicht lustig.“

„Doch doch.“ Bestand er darauf. “Als ich fahren gelernt hab, haben Jase und er immer darum gestritten, wer der bessere Lehrer war. Eddie hat mich bestochen, damit ich sagte, dass er der bessere war, deshalb war Jase immer noch stocksauer drauf. Diesmal kann Eddie das nie vergessen machen. Also habt ihr etwas mehr zueinander geredet, oder?“

“Na ja.” Antwortete ich schulterzuckend. “Wir haben zusammen Mittag gegessen.”

„Also... fühlst du dich zumindest besser?“

„Vielleicht. Ähm.. Luke, weißt du wie... tja...“

„Was ist?“ Fragte er, als ich kein Wort hervorbringen zu können schien.

„Wie viele Leute gibt es, die wissen, dass ich schwul bin?“ Meldete ich endlich zu Wort. „Ich meine, außer dir, Jase, und Eddie. Ich weiß, Dave war gestern bei uns, aber...“

Luke betrachtete mich mit einer komischen Miene, die schnell zu einem Stirnrunzeln wurde.

„Kacke, das hab ich ihm irgendwie gesagt, Rory. Ich meine, ich glaub nicht, dass es ein Problem wäre...“

„Alles in Ordnung.“ Erwiderte ich. Vernünftig gesagt, wusste ich, es wäre lächerlich zu sagen, dass das nicht in Ordnung war. Dave stellte mit Sicherheit keine Bedrohung dar. „Das ist nur... das ist mir einfach neu, weißt du? Und wir fahren jetzt zum Park, deswegen frage ich mich...“

„Ich werde zu Dave reden.“ Sagte Luke schnell. „Mach dir also keinen Kopf... aber weißt du, das ist kein Problem, dass du...“

„Ich weiß.“

„Alle meine Freunde sind cool damit, Rory. Wenn du willst, könnte ich dir alle Menschen zeigen, die möglicherweise ein Problem damit hätten.“

„Danke.“ Ich wusste nicht, wie schnell das sich zwischen den Menschen, die beim Park rumhingen, herumgesprochen hatte, doch ich dachte mir, wenn es unweigerlich war, dann wäre es gut zu wissen, wem ich aus dem Weg gehen sollte. In der Tat, weil jetzt die Wahrheit ans Licht gekommen war, fühlte ich mich ein bisschen nervös, in den Park zu gehen. Soweit ich wusste, kannten praktisch alle da, dass Luke schwul war, und das könnte heißen, dass sie mich alle für ihn angelogen hatten. Das fand ich irgendwie inakzeptabel, und ich war mir nicht sicher, was zu erwarten.

Im Endeffekt war ich freudig überrascht.

Der Ort war so voll wie am ersten Abend, mindestens um die Tische herum. Diesmal ließ Luke Chey zu Hause, also gab es eine Hündin weniger, doch alle anderen schienen da zu sein, und sie behandelten mich nicht anders, als sie mich beim ersten Mal, dass ich ihnen begegnet war. Nur Dave warf mir einen unangenehmen Blick zu, als wir ihn mit Rick und Brian, der auf einer Tisch-Bank saß und seinen riesigen Bauch hielt, erblickten, dabei sah er mehr als ein bisschen elend aus.

„Was ist denn los mit ihm?“ Fragte Luke.

„Der hat seinen Vater zu nem anderen Hot-Dog-Essen-Wettkampf herausgefordert.“ Klärte Rick, seinen großen Freund mitfühlend ansehend. Ich sah zu Luke, welcher eine Grimasse schnitt.

„Ist sein Vater so...“ Wollte ich wissen.

„Sein Vater wiegt rund vierundsechzig Kilogramm.“ Erwiderte Luke. „Aber ich schwöre, er könnte Brian verschlingen, wenn er will. Es soll physisch nicht möglich sein, dass so ein Mann so viel essen kann.“

„Ich glaub ich werde krank.“ Stöhnte Brian auf.

„Sei später krank.“ Sagte Rick, wobei er seinen armen Freund einen Stoß gab. „Cathy ist hier.“

Es war erstaunlich zu sehen, wie die Übelkeit bei der Erwähnung seiner Freundin mit einem Mal von seinem Gesicht verschwand, und er stand auf, als sich die große Blonde, welche von einem kleineren, dunkelhaarigen Mädchen begleitet wurde, uns näherte. Ich runzelte die Stirn, als ich mich an Meg erinnerte. Wegen der letzten Begegnung zwischen uns, hoffte ich tatsächlich, dass sie von meiner Sexualität wüsste. Das Lächeln, das sie mir schenkte, als sie auf uns zukamen, deutete leider darauf hin, dass sie noch keine Ahnung hatte. Da konnte ich nur hoffen, dass sie sich nicht noch einmal kokett benahm. Ich wich ihren Blick aus und sah zu, als Cathy Brian mit einem Kuss begrüßte, dann prompt eine Grimasse schnitt.

„Bäh! Brian, wieder Hot-Dog?”

“Tut mir leid.” Murmelte er, lächelte sie dann an. “Hast du Lust auf Spazieren?“

Sie lächelte über sein Puppy-Face, setzte sich aber dann auf die Bank, wo er kurz zuvor saß, hin.

„Können wir ne Weile abwarten?“ Fragte sie. „Meine Füße bringen mich doch um.“

Meine Aufmerksamkeit wurde von Brian und Cathy abgelöst, als Luke mich leicht stieß und mir Dave subtil bedeutete, welcher gerade den Park mit seinen Augen scannte, wahrscheinlich suchte er also nach Angela. Ich konnte nicht anders, als über ihn zu lächeln. Er schwärmte definitiv für dieses Mädchen. Mir tat er eigentlich leid, denn er schien seine Sprachfähigkeit in Gegenwart von ihr komplett zu verlieren.

„Hi Meg.“ Begrüßte Luke das andere Mädchen. “Kommt Angela mit euch?” Das erregte Daves Aufmerksamkeit, und ich musste mir das Lachen verbeißen, als sich sein Kopf praktisch umdrehte.

„Sie soll ja unterwegs sein.“ Erwiderte Meg, wandte sich dann zu mir. „Hi Rory.“

„Moin.“ Ich beschloss, höfflich zu sein.

„Es ist heute irgendwie frisch.“ Sagte sie mir und zitterte ein bisschen. Ich sah mich um, da wurde ich wegen des zweiunddreißig Grad Wetters und des wolkenfreien Himmels völlig verdutzt. Ich hörte Luke neben mir prusten und sah zu ihm hinüber, da entdeckte ich, dass er auch versuchte, das Lachen zu unterdrücken. Offenbar fand er etwas recht lustig. Das verstand ich nicht, also ignorierte ich ihn, und richtete stattdessen mein Augenmerk auf das drittkommende Mädchen, das sich unserer Gruppe, welche sich scheinbar von der Menge um die Tische herum distanziert hatte, näherte. Die von ihren Schultern abprallenden blonden Locken sagten mir, dass Daves Traumfrau angekommen war. Luke erblickte sie auch, und bedeutete Dave mit dem Kopf in ihre Richtung, dabei sah er ihn erwartend an. Luke sah vollkommen verzweifelt aus, als Dave sich ruckartig auf den möglichst weitesten Platz am Tisch hinsetzte, während Angela auf uns zukam. Luke verdrehte die Augen, da hatte er sichtlich kein Problem, Angela selbst anzusprechen.

„Na Angela, hast du grad Feierabend?“

„Genau.“ Lächelte sie ihn an. “Woher weißt du das?”

“Du hast noch dein Namensschild an.“ Bedeutete Luke.

Angela verdrehte die Augen und schenkte ihm ein Lächeln, als sie promt das Ding entfernte.

„Also,“ Zu mir und Luke sehend sagte sie. „Werdet ihr tatsächlich Ricks Party bei euch schmeißen?“

Lukes Augen schienen sich zu weiten, und als sie sich alle jäh an Rick wandten, bekam ich mit, warum.

„Party?“ Fragte Rick, sein Gesicht plötzlich erhellt.

„Scheiße.“ Murmelte Brian.

„Ups.“ Angela erröttete leicht. „Sollte es ein Geheimnis sein?“

„Ja!“ Sagten alle am Tisch außer Rick und mir auf einmal.

„Tut mir leid.“

„Alles gut!“ Meldete Dave sich endlich laut zu Wort. Sie schenkte ihm ein Lächeln, ging aber danach zu Rick, um seine Wange zu küssen. Dazu wirkte Dave absolut entsetzt.

„Na dann, wie auch immer, alles Gute zum Geburtstag, Rick.“ Sagte Angela.

„Ich danke dir.“ Erwiderte Rick lächelnd, sah danach unvermittelt zu Luke. „Ich will Stripperinnen.“

Luke klatschte seine eigene Stirn, bevor er sich zu seinem übereifrigen Freund wandte.

„Klar, wenn du meinem Frauengeschmack vertrauen willst.“ Scherzte Luke. Daraufhin lachte er, und ich konnte nicht umhin zu bemerken, wie es ihm so einfach war, er selbst bei seinen Freund zu sein, ohne Geheimnisse vor ihnen verbergen zu müssen.

„Vergiss es.“ Die Augen verdrehend runzelte Rick die Stirn.

Ich bemerkte, dass Dave Angela betrachtete, als sie ein Gespräch mit Meg anfing, und dann begann er sich langsam in ihre Richtung zu begeben. Er wollte nur gerade seinen Mund öffnen, um etwas zu sagen, oder zumindest zu versuchen, irgendwas hervorzubringen, höchstwahrscheinlich zu Angela, als Meg plötzlich mit dem Finger deutete und Angela drehte sich um. Bevor irgendeiner etwas sagen konnte, ging sie prompt von den Tischen weg und warf sich einem Kerl, der nur kürzlich angekommen war, in die Arme. Ich merkte, dass alle still wurden und zu Dave sahen, welcher genau in diesem Moment komplett niedergeschlagen aussah... aber ich nicht. Ich starrte stattdessen den Typ an. Groß. Breite Schultern. Baseballkappe. Ich brauchte rund zwei Sekunden, um herauszufinden, wer der war. Die Tatsache, dass Angela das Mädchen war, mit dem Seth zusammen war, erhöhten dessen Wert in meinen Augen gar nicht, besonders als sie ihren Arm um seinen schlang und sie beide dann zusammen davongingen. Es war zu weit weg festzustellen, aber ich bildete mir ein, dass Seth mir einen bösen Blick zuwarf, als er in unsere Richtung sah.

Ich wandte mich daraufhin zu Dave, und dem jämmerlichen Ausdruck auf seinem Gesicht. Es mochte am Tag zuvor eine kleine Spannung zwischen uns geben, aber jetzt tat er mir echt leid. Warum musste es Angela sein? Seth interessierte sich offensichtlich für Aaron... was mich scheinbar sogar mehr ärgerte... also warum musste er das Mädchen, für das Dave schwärmte, daten? Da meinte ich nicht, dass ich wollte, dass er Aaron nachlief.

Mich überraschte der letzte Gedanke. Ich wollte echt nicht, dass er Aaron nachlief. In der Tat, wenn ich total ehrlich war, wollte ich nicht, dass irgendeiner Interesse an Aaron hatte. Ich war ganz zufrieden, dass Aaron Interesse an mir hatte. Das könnte heißen, dass ich auf ihn richtig verknallt war. Ich wünschte nur, dass alles so einfach wäre.

Ich sah zu, als Luke um den Tisch herumging und seinem besten Freund eine Hand auf die Schulter legte. Danach gingen sie zusammen spazieren, doch ihnen folgte ich nicht, ansonsten fühlte ich, dass ich sie störte. Trotzdem wünschte ich, dass ich verschwinden könnte, als ich mich umdrehte und Meg da erblickte, welche mich anstrahlte, als wäre nichts Schlimmes geschehen.

..............................................

Vermeidung. Das war die beste Art, Meg zu behandeln, zumindest bis sie jemand anderen fand, an den sie sich gern hing. Da hatte ich aber kein Glück, weil solcher jemand andere im Moment anscheinend nicht zur Verfügung stand, also als die Sonne unterging, saß ich letztendlich auf der Wiese, entfernt vom Tisch, während sie nach mir suchte. Es war nicht, dass sie nicht ein nettes Mädchen war, ich hatte sondern einfach kein Interesse.

Ich sah im Park um, um Luke und Dave zu finden, die fehlend waren, seitdem Angela mit Seth weggegangen waren. Auch diese zwei waren nicht wieder erschienen. Luke hatte Aarons letzte Beziehung erwähnt, doch ich wunderte mich, ob er wusste, dass der Kerl, der gerade mit Angela ausgegangen war, tatsächlich jener Ex war. Auf jeden Fall fand ich es scheußlich.

Ich schloss momentan meine Augen und fragte mich, wann wir nach Hause fahren würden. Ich fühlte mich langsam erneut müde, und um ganz ehrlich zu sein, ein bisschen gelangweilt. Doch meine Aufmerksamkeit wurde erregt, als sich ein Gewicht an meine linke Seite lehnte. Ich öffnete die Augen, und mein Kopf drehte sich so, dass meine Nase praktisch Aaron Keslins berührte, welcher mich mit einem ruhigen Gesichtsausdruck betrachtete.

„Was machst du denn hier ganz alleine?“ Fragte er.

Ich beschloss, meine Überraschung nicht auszudrücken, und erwiderte.

„Meg ausweichen.“ Gab ich zu.

Darüber lachte Aaron.

„Cool... warum sagst du ihr einfach nicht, dass du schwul bist?“

„Weil mein Bauchgefühl mir sagt, wenn ich das mache, dann wüssten alle das, sogar noch ehe ich weg von hier gehe.“

„Na und?“

„Also... ich bin nicht genau dafür bereit.“ Gab ich zu. „Eigentlich bin ich daheim noch nicht geoutet. Deswegen bin ich nicht wirklich froh, dass das hier passiert. Es fühlt sich so an, dass ich mich auch outen müsste, weil alle um mich herum geoutet sind.“

„Im Ernst?“ Er sah mich jetzt komisch an. “Aber du musst dir doch keine Sorgen machen. Guck dir mal deinen Vater an.“

„Na und? Nur weil er schwul ist, und alle das über ihn kennen, heißt es nicht, dass ich es gerne möchte, Aaron. Es ist mir scheußlich genug, dass immer mehr Leute über mich wissen.“

„Das ist ja dämlich.“ Bemerkte Aaron, woraufhin ich ihm einen entnervten, und wahrscheinlich trotzigen Blick zuwarf. „Richtig dämlich. Du hast keine Ahnung, wie viel Glück du hast. Du lebst bei den Menschen, die sich nicht darum kümmern, wen du liebst. So einen Luxus hab ich nicht, also lass es dir von mir gesagt sein: das ist’n gutes Ding.“

„Das heißt nicht, dass ich will...“ Begann ich, doch er unterbrach mich jäh, genervt wirkend.

„Ich mag geoutet sein, aber meine Eltern sind ahnungslos. Sie könnten sogar ihren Verstand verlieren, wenn ihnen das jemals suspekt ist. Das ist ja beschissen, dass du nicht mal wertschätzt, was du hast.“

Es fiel mir vage ein, dass Aaron früher sowas erwähnt hatte, deshalb fühlte ich mich plötzlich schuldig. Vielleicht hatte ich wirklich Glück, zumindest, laut Aaron, mehr als er.

„Aaron, hör zu, ich hab nicht gemeint...“

„Du hast doch gesagt, dass du hier nur für den Sommer bleibst, oder? Also dann warum gibst du dir nicht eine Chance, du selbst zu sein? Nicht alle haben diese Gelegenheit, und wenn du dir ab und zu den Kopf aus dem Arsch ziehst, würdest du rausfinden, dass du dich nicht gern verstecken.“

Ich öffnete meinen Mund, um eine hastige Erwiderung zu machen, fand es aber sinnvoll, was er mir gesagt hatte, und um ehrlich zu sein, wollte ich ihn nicht mehr streiten.

„Okay.“ Erwiderte ich gelassen, und er zog eine Augenbraue hoch.

Okay?“

„Ich denke darüber nach.“ Sagte ich schulternzuckend. “Aber trotzdem will ich nicht, dass Meg das weiß.”

„Alles klar.“ Ein Hauch des Lächelns zog über sein Gesicht, bevor er vor sich sah und ich das Gleiche machte, wir beide in Schweigen fielen, bis er sich endlich erneut zu Wort meldete. „Das früher tut mir leid.“

„Vergiss es.“

„Es hat mich irgendwie ausflippen lassen, dass du über mich und Luke wusstest...“

Ich sah neugierig wieder zu ihm.

„Wieso? Das ist ja nicht schlimmer als dass ich über... weißt du, das mit dem Auto weiß.“ Sagte ich zögernd.

„Ja stimmt.“ Erwiderte er schmunzelnd. “Denn wenn du es noch nicht mitbekommst, steh ich halt auf dich. Und wenn ich es wäre, der zu Luke über mich reden würde, wollte auch ich selbst nicht mit mir ausgehen... und ich weiß, wie heiß ich bin.“

Darüber konnte ich nicht umhin zu lachen.

„Warum?“

„Weil ich weiß, dass ich ein Arschloch war. Er verdient was Besseres. Das weiß er auch.“ Fügte Aaron nachdenklich hinzu, woraufhin ich ihn fragend betrachtete. Es war möglich, dass er nicht mehr so ein Mensch war. Ich wollte das zumindest glauben. „Wie auch immer, tut mir leid, weil ich dich heute für ne Weile irgendwie erschrocken hab. Das war bescheuert. Ich bin ja froh, dass du noch zu mir redest.“

“Hmm... es mag wohl dran liegen, dass es hier nur dich gibt.” Bemerkte ich.

Aaron lächelte nur, und wir sahen beide vor uns hin, als eine andere Stille erneut zu uns kam. Aber diesmal fiel sie mir scheinbar angenehm, auch als er sich an mich lehnte, unsere Arme aneinander wegen einer Schicht Schweiß geklebt. Vielleicht war es der Grund dafür, dass ich meine Hand drehte, als ich spürte, wie er seine Hand auf meine legte, da unterdrückte ich einen unerwarteten Ansturm der Nervösität, als unsere Finger ineinander griffen.

„Halten sich Freunde die Hand?“ Fragte ich kleinlaut. Ich war mir nicht einmal sicher, dass er mich hören konnte.

Doch er hörte mich.

„Ich will nicht nur ein Freund von dir sein, Rory.“

Ende des 11. Kapitels

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 13 Jul 2018, 14:07

Sorry, bin gerade ziemlich im Stress und komme erst nächste Woche dazu dir ausführlicher zu antworten.
Auf jeden Fall wieder 2 sehr schöne Teile. Mit Eddie und Luke läuft es besser- das ist schön.
Und mit Aaron bleibt es nach wie vor spannend, irgendwie fange ich sogar an ihn zu mögen :-o :disappear:
Bis dann, ich freue mich auf die Fortsetzung.
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 13 Jul 2018, 18:15

Hey, lange nicht gesehen XD Na ich freue mich schon, wieder von dir zu hören, da habe ich mich schon gefragt, ob es dich noch gibt haha. Also nächste Woche habe ich 2 Klausuren, deswegen kommt dann vlt kein neuer Teil. Dafür entschuldige ich mich, aber trotzdem versuche ich, ihn möglichst bald zu posten. Erhol dich gut, ich bin gespannt auf deine "ausführliche Antwort" :P :flag:

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 19 Jul 2018, 07:16

Sooo, jetzt aber :) Sorry, diesmal hat es bei mir echt lange gedauert.

Du wolltest Feedback :D ,also hier sind ein paar Dinge, welche mir besonders aufgefallen sind:

...dass ihr mal zueinander reden sollt? / miteinander wäre hier besser

„Natürlich.“ Sagte ich schnell, mich ein bisschen argwöhnisch fühlend. / etwas misstrauisch

deswegen hab ich mich peinlich gemacht, / hab ich mich blamiert

auch wenn ich nicht den Anschein machen möchte, dass ich dein Schließer bin / Aufpasser oder Aufseher

Da hatte ich gut gebrochen*. Etwas gebrochen. Seine Warnung ist gekommen, genau als ein alarmierender Zusammenstoß von hinten vorfiel,
Hier hast du ja selbst angemerkt, dass sich dieses Wortspiel gar nicht ins Deutsche übertragen lässt. Ich habe auch keine sinnvolle Umschreibung dafür gefunden.
Den letzte Teil des Satzes könnte man eher so schreiben: Seine Warnung kam genau in dem Moment, als es hinten krachte...oder so ähnlich...als ich ein alarmierendes Geräusch von hinten hörte...

Vielleicht hilft dir das wieder ein wenig. Ich hoffe nur es nervt dich nicht. Ich möchte ja nicht, dass du die Lust verlierst die Geschichte hier fortzuführen.

Die Story, wie Eddie und Jase sich kennengelernt haben ist ja sehr niedlich :oops: Ich kann mir den betrunkenen und am nächsten Tag beschämten Eddie gut vorstellen.
Ich bin gespannt, wie sich Rorys und Jases Verhältnis weiterentwickelt. So richtig gut fühlt sich das bisher nicht an.
Dafür gefällt mir die Entwicklung mit Aaron immer besser. Ich hoffe jetzt einfach mal darauf, dass er sich wirklich verändert hat bzw. aus seinen Fehlern gelernt hat. Bleibt mit Spannung zu erwarten, wie Eddie, Jase und vor allem Luke auf eine "Beziehung" von Rory und Aaron reagieren würden. Mal sehen, ob es überhaupt dazu kommt !?

So, und nun freue ich mich auf den nächsten Teil :D :flag:
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

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