In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

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SergeyP
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 06 Mai 2018, 15:32

Fortsetzung zu Kapitel 6

“Also ist Cathy deine Schwester?” Fragte ich.

„Uh-huh.“

„Und sie ist Brians Freundin?“

„Uh-huh.“ Nickte Meg. Meg. Ich hatte ihr nur kürzlich begegnet, früher am Abend, als sie zu uns mit Angela trat. Ich erinnerte mich daran, dass Brian sie nach jemandem namens Cathy fragte, aber das war’s. Natürlich kannte ich jetzt anscheinend die ganze Schichte, zumindest nachdem ich Meg richtig kennengelernt hatte. Sie schien alle zu kennen.

Ich sah kurz in Richtung Brian, der immer noch auf der Wieser saß und dessen rote Haare sogar im Dunkeln auffielen, als er sich mit einem großen, blonden Mädchen unterhielt, das so aussah, als könnte sie in einen seiner Ärmel hineinpassen. Sie war mir vorhin als Cathy vorgestellt worden, aber wenn Meg ihre Schwester wäre, ähnelten sie sich gar nicht, da Meg im Gegensatz zu Cathy dunkelhaarig war.

„Hast du ne Freundin?“ Fragte sie mich. Ich hasste wirklich diese Frage.

„Nö.“

„Willst du eine?“

Ich wurde vollkommen baff. Nur eine Sekunde zuvor führten wir noch ein normales Gespräch und ich fühlte mich tatsächlich langsam wohl bei ihr, aber jetzt... rutschte sie näher zu mir auf der Picknicktischbank, wo wir saßen.

„Ähm...“

„He Meg.“ Ich hörte eine bekannte Stimme rufen und drehte mich um. “Ich glaub, Craig sucht dich.”

Als ich Aaron sah, der mit den Haaren über die Augen und den kleinen Gesichtszügen, sogar diesem listigen Lächeln, immer noch gut aussah,... wollte ich ihn auch anlächeln, aber da ich mich daran erinnerte, was Luke mir vorher erzählt hatte, hielt ich es zurück. Aber verdammt, wieso ließ mich seine Erscheinung so wunderschön fühlen?

„Echt?“ Lächelte Meg und stand auf. “Oh, also schön, dich kennenzulernen, Rory.” Dann wurde ich unvermittelt vergessen, als sie davon ging. Ich versuchte, so unzugänglich zu wirken, und rutschte herüber, als Aaron sich neben mich hinsetzte.

„Na.“ Sagte er. „Ich hab mich drauf gefreut, dich heute zu sehen.“

„Ach so.“ War meine kurze Antwort, als ich mir kurz umschaute, um zu sehen, wo Luke war. Leider war es für mich schon zu dunkeln wahrzunehmen, wo genau er war.

„Ich hab dich vorhin bemerkt, aber du warst bei Luke und nach dem letzten Mal...“

„Ja.“ Unterbrach ich ihn abrupt und stand auf. „Also bis dann.“

„He.“ Aaron griff sich meinen Arm, als er auch aufstand, welches mich überraschte, und ich drehte mich zu ihm, fühlte mich dabei unbehaglich. Ich hatte einfach keine Ahnung, was mit ihm zu reden, nach dem, was Luke mir erzählt hatte. „Alles gut bei dir? Ich dachte Meg hat dich genervt, aber wenn du mit ihr reden willst...“

“Nein.” Erwiderte ich. “Ich muss... einfach los.”

“Okay.” Sagte Aaron langsam, ein wenig verwirrt. “Also... wollen wir uns noch dieses Wochenende treffen? Vielleicht können wir...“

„Ich bin halt ziemlich beschäftigt.“ Seine Augen ausweichend antwortete ich.

„Beschäftigt?“ Klang er nun misstrauisch.

„Jap, ich hab Dinge zu erledigen.“ Erwiderte ich. Diese Begegnung gefiel mir einfach gar nicht. Wenn ich verärgert wäre, wäre es ganz anders. Jedoch machte es mich nur unwohl... und traurig, Aaron zu vertreiben. Ich hatte mich darauf gefreut, ihn besser kennenzulernen. Offenbar wurde ich vorher von Jungen angezogen, dazu zählte sogar mein Cousin. Es lag vielleicht zum Teil daran, dass ich nie zuvor einen so attraktiven gesehen hatte wie Luke, und ich war mir auch nicht sicher, ob ich jemals so einem in Zukunft begegnen würde. Aber im Fall von Aaron wurde ich nicht nur von ihm angezogen, ich empfand sondern auch trotz der kurzen Zeit etwas für ihn. Da war scheinbar eine Verbindung, nämlich die Art, wie er mit mir redete, oder die leichten Berührungen und Gesten...Ich konnte gar nicht sagen, ob diese Verbindung nur einseitig war. Das könnte ich wahrscheinlich nie herausfinden, aber es wäre am besten. Aaron schien zu... kompliziert für mich zu sein. Außerdem fiel es mir schwer, ihm zu vertrauen, nachdem ich davon erfahren hatte, was er Luke antat. Das brauchte ich jetzt auf keinen Fall.

“Was für Dinge?” Fragte er, rutschte etwas näher heran. Ich wurde langsam unruhig.

Etwas an Aarons Gesicht... er schien plötzlich kalt, sogar entrüstet, zu sein. Sein Gesichtsausdruck überraschte mich, trotzdem gab ich vor, dass ich ihn nicht bemerkte.

„Nur Dinge.“ Sagte ich entnervt.

„Na gut. Dann nächstes Wochenende?“

Ich stieß einen Atemzug aus. Offenbar hatte er schon bemerkt, dass etwas nicht stimmte, und hörte nicht damit auf, mich ohne eine Erklärung loszulassen.

„Hör mal, Aaron.“ Ich gab auf. “Ich glaub nicht...”

“Stimmt.” Unterbrach er mich. “Ich kapier’s. Also du hast mit Luke geredet?”

„Ja.“ Gab ich zu.

„Und er ist der Grund, warum du mir sagst, mich zu verpissen?“

Seiner scharfe Tonfall erschrak mich, und ich mochte nicht die Art, wie er mir die Worte in den Mund legte.

„Er hat mir erzählt, was du getan hast.“ Erwiderte ich. Ich begann defensiv zu klingen, konnte aber nicht anders. Da Aaron vor mir stand... größer als ich war... also er war nicht so sehr groß, aber im Moment fühlte es sich, als würde er mich überragen.

„Und was hat er dir erzählt?“ Forderte Aaron. Ich mochte seinen Tonfall definitiv nicht. Es war grenzwertig wütend, und er war gar nicht der fröhliche Mensch, dem ich am ersten Abend hier begegnet war.

„Von dem Auto.“

„Also willst du die Geschichte von meiner Seite nicht erfahren?“

„Ich will deine Ausreden nicht hören.“

Ein gereizter Blick kam Aaron ins Gesicht, ehe er abrupt zurücktrat.

„Weißt du was, na gut.“ Runzelte er die Stirn. „Es war dumm von mir zu glauben, dass du mich tatsächlich kennenlernen würdest, ehe du mich beurteilst, nur weil du neu bist. Aber du bist offensichtlich einfach wie alle hier, und ich brauche diese Scheiße von dir nicht.“

Ich verstand nicht, was Aaron dabei meinte, aber es gelang ihm schon, mich schuldig fühlen zu lassen, als er davon schlenderte. Ich drehte mich um, um zum Tisch zurückzugehen, blieb aber stehen, als ich Luke da sah, der über mich in Richtung, wohin Aaron ging, mit einem kryptischen Gesichtsausdruck starrte. Als er mich bemerkte, ging er einen kleinen Schritt voran.

„Es ist schon ziemlich spät.“ Sagte er. „Ich bin gleich los. Bist bereit?“

„Klar.“ Zuckte ich die Achseln.

„Gut... warte, ich hole Chey ab.“

Luke drehte sich um, hielt aber plötzlich an und blickte auf mich zurück.

„Alles gut bei dir, oder?“

„Jap.“ Nickte ich. „Alles super... danke.”

.............................

“Das Kind ist noch schlimmer als Jase.” Ich hörte Eddie hinter mir murmeln, und dann etwas lauter. „Ich beginne mich zu fragen, ob du sein Sohn bist, statt meiner.“

Dazu konnte ich nicht umhin zu lächeln, wirkte aber ernst, als ich mich umdrehte und eine Packung Möhren in unseren Einkaufswagen eingab, der einer Miniaturversion der Gemüseabteilung zu ähneln schien.

„Du bist es, der wollte, dass ich mitkomme, damit du rausfinden kannst, was ich esse.“ Sagte ich sachlich.

Es war Samstagmorgen, und während ich auszuschlafen bevorzugt hätte, stieß Eddie früh in mein Zimmer hinein und bestand darauf, dass ich aufstand und mit ihm in den Supermarkt ging. Und nachdem ich einige Mal nicht so höfflich protestiert hatte, murmelte Eddie etwas darüber, dass es mich nicht umbringen würde, ein wenig Zeit an seinem freien Tag mit ihm zu verbringen. Anschließend warf er mir meine Hose und sagte, ich solle ihn oben treffen.

Nun hatten wir die letzte Halbstunde in der Obst- und Gemüseabteilung verbracht, in der ich verschiedene Früchten und Gemüsesorten mitnahm, nachdem Eddie mir gesagt hatte, dass ich meine Lieblingswaren wählen solle. Freilich müsste es normalerweise nicht so lang dauern, aber ich nahm mir absichtlich Zeit, meistens um Eddie in den Wahnsinn zu treiben, und es würde wahrscheinlich garantieren, dass er mich niemals wieder zwingen würde, mit ihm einkaufen zu gehen.

„Ja klar.“ Erwiderte er. “Aber isst du nie was komisches?”

Was komisches?“ Wiederholte ich, zog eine Augenbraue hoch.

„Ja, wie Cheetos, oder Popcorn, oder... etwas, sodass ich dir sagen kann, dass du aufhören sollst zu essen, sonst werden deine Zähne verrotten.“

„Ich mag Nerds.“

Nerds?“

„Weißt du, das Bonbon?“

„Ja... ich weiß.“ Lächelte Eddie. “Das war deine...” Er endete seinen Satz nicht, als hätte er Angst, es zu sagen.

„Meine Mutters Lieblingsbonbon.“ Sagte ich für ihn, schenkte ihm sogar ein kleines Lächeln.

„Genau.“

„Und Taco.“ Fügte ich hinzu. “Ich mag Taco... sie auch. Jede Woche hätten wir ne Taconacht und Oma Alice würde vorbeikommen. Sie würden sich immer streiten, weil meine Mutter Käse in den Fleisch mischen mochte und sie schmelzen ließ.“

„Taconacht.“ Wiederholte Eddie nach einer Weile. “Gute Idee. Wir können mal sowas unternehmen... wenn du willst.”

“Okay.” Zuckte ich die Schultern, und er lächelte. Ich war ein bisschen überrascht von mir selbst, denn ich hatte mit Eddie über meine Mutter geredet. Trotzdem dachte ich mir, dass ich es gut machte. Ich meine, ich hatte Eddie noch nicht anschreien, oder war nicht weggelaufen.

„Also was hast du vor, dieses Wochenende zu machen, Rory? Ich hab frei bis Montag.“

„Keine Ahnung... sieht so aus, als könnte man hier nur in den Park gehen.“

„Es gibt doch andere Dinge.“ Lachte Eddie. „Es gibt einen Wasserpark etwa zwanzwig Minuten von hier entfernt. Was hielst du davon? Es könnte Spaß machen... wir können morgen hinfahren.“

“Na gut.” Seufzte ich. “Aber... was wäre, wenn Oma Alices Post morgen ankommt?”

Eddie schenkte mir ein verständnisvolles Lächeln und tippte mir an der Schulter, ehe er den Einkaufswagen drehte und aus der Gemüseabteilung herausschlenderte, während ich ihm folgte.

„Die Post kommt am Sonntag nicht.“ Erinnerte Eddie mich. „Mach dir keinen Kopf, Rory. Die wird hier sein. In der Zwischenzeit sollen wir was unternehmen, uns zu entspannen und unsere Köpfe frei zu machen.“

Seine letzten Worte erinnerten mich daran, dass ich nicht der Einzige war, der abwartete. Vielleicht wäre Eddie genauso neugierig wie ich darauf, was kommen würde. Immerhin machte es nur Sinn, dass er auch eine Erklärung bekommen wollte, warum er nie davon wusste, dass er einen Sohn hatte.

„Was meinst du soll das? Was Oma Alice schickt?“ Fragte ich.

„Bin mir nicht sicher. Sie hat nur gesagt, es sei von deiner Mutter. Das mag wohl ein Brief sein, wenn es für uns beide ist.“

„Du hast drüber nachgedacht, ja?“

„Du nicht?“ Lächelte Eddie.

„Natürlich doch. Ich meine, es macht gar keinen Sinn. Meine Mutter und ich haben uns alles erzählt.“ Zumindest erzählte ich ihr alles. „Ich kann einfach nicht nachvollziehen, warum sie es mir geheim gehalten hat.“

Dann kam ein stiller Moment und als ich zu Eddie aufschaute, schien er gedankenverloren zu sein.

„Ihr wart euch also sehr nah, oder? Ich weiß, Alice hat so gesagt.“

„Sie war quasi meine beste Freundin.“ Sagte ich traurig.

„Hast du... je nach mir gefragt?“ Fragte Eddie vorsichtig.

„Also... ich glaub ich hab doch einige Mal gefragt.“ Antwortete ich zögerlich. „Als ich noch jünger war, hab ich alle meine Freunde mit ihren Vätern gesehen. Ich war neugierig, also hab ich gefragt, wo meiner war. Aber meine Mutter hat dann nur erzählt, dass du nicht bei uns zusammen sein konntest.“

Etwas wie entweder Schmerz oder Ärger kam Eddie ins Gesicht, bevor er es schnell versteckte und auf mich zurücksah. Für einen Moment fühlte ich mich schuldig, nachdem ich diesen Blick von ihm bemerkt hatte, weil ich nie zuvor versucht hatte, ihn kennenzulernen.

„Hast du je was anderes gefragt?“

„Nicht wirklich.“ Gab ich zu. “Ich war... ich war schon glücklich bei nur meiner Mutter, deshalb hat es mir wahrscheinlich nie eingefallen... Tut mir leid, Eddie.“

„He, entschuldige dich nicht.“ Sagte er schnell. “Es war nicht deine Schuld, und da ich deine Mutter kenne... also bin ich mir sicher, sie müsste einen Grund haben.“

Ich bekam mit, dass er nicht sagte, dass es ein guter Grund war.

„Ich freu mich, dass du glücklich warst.“ Sagte er. „Entschuldigung, dass ich nie wusste... aber trotzdem ist es gut zu wissen, dass du glücklich warst. Das... bedeutet mir viel.“

Ich war mir nicht sicher, wie ich erwidern sollte. Es war lieb von ihm, das zu sagen, aber mir war völlig neu, mit ihm ein bedeutungsvolles Gespräch zu führen... und auch irgendwie seltsam.

„Na, bist du bereit, hier rauszukommen und die anderen aufzuwecken?“ Fragte er, bevor die Stille zu unangenehm werden könnte.

„Klar.“

„Gut, wir brauchen nur noch ein paar andere Sachen... Willst du die mal aufteilen? Damit können wir hier schneller rauskommen.“

„Jap, was brauchst du noch?“ Stimmte ich zu. Es machte mir definitiv nichts daraus, wenn ich hier schneller herauskommen konnte.

„Hundefutter... das ist direkt da drüber.“ Deutete er hin. „Ich glaub, Luke füttert Chey mit was für große Rassen. Kannst du es schaffen?”

„Klar.“

Ich fand ohne Probleme die Tierabteilung und begann nach Hundefutter für große Rassen zu suchen. Das war auch kein Problem, eine der verschiendenen Marke auszuwählen. Ich hatte keine Ahnung, was Luke Chey fütterte, außerdem hatte Eddie auch nicht genauer gesagt, deswegen nahm ich schließlich eine achzehn Kilogramm Packung mit, die sich schwieriger heben ließ, als die zu sein schien. Es könnte also mit dem unteren Rand der Packung zu tun haben, denn Körnchen Hundefutter begannen dann auszugießen, übersäten dabei den Boden und knirschten unter meinen Füßen, während ich fluchend die Packung so bald wie möglich runterließ. Leider wurde sie noch weiter gerissen und ich hatte die Hälfte des Hundefutters verloren, bevor ich die Packung losließ und zurücktrat, dabei wunderte ich mich, was genau ich damit machen sollte.

Ich beschloss, es zu ignorieren. Immerhin war ich nicht schuld daran, dass die Packung zerrissen wurde. Trotzdem könnte ich jemandem auf dem Weg nach außen davon Bescheid sagen. Aber als ich kniete und eine weitere Packung anhob, natürlich nachdem ich sie sorgfältig geprüft hatte, merkte ich, dass ein Schatten über mich fiel, und schaute auf, erkannt dabei, dass jemand mein Missgeschick gesehen hatte.

„Es war nicht meine Schuld.“ Stieß ich unvermittelt hervor. Aber ich ließ die zweite Packung los, wo sie war, und stand auf, als Aaron Keslin eine Augenbraue zu mir hochzog.

„Können wir uns sprechen?“ Fragte er, nachdem er mich für einen ganzen Moment nur angestarrt hatte.

Seine Aufforderung mochte bei normalen Situationen nicht ungewöhnlich sein. Immerhin wollen Menschen sich immer sprechen. Es war nicht genau außergewöhnlich. Dennoch hatte ich gestern Abend schon klargemacht, dass ich kein Interesse daran hatte, mit ihm rumzuhängen, und er hatte auch sehr klargemacht, dass er es verstand, und es verärgerte ihn, deswegen machte es mir nicht wahnsinnig viel Sinn, ihm hier zu begegnen. Im Supermarkt. Morgenfrüh am Samstag. Hat er mich verfolgt?

„Was machst du hier?“ Fragte ich unruhig.

„Sehe dich ein Chaos machen.“ Witzelte er. „Also können wir uns sprechen?“

“Wie weißt du, dass ich hier bin?” Fragte ich argwöhnisch.

„Ich hab dich reinkommen gesehen.“ Erwiderte Aaron genervt. „Ich bin hier, um Milch für meine Mutter zu holen.”

„Wo ist denn die Milch?“

„Hab mir sie noch nicht geholt. Mein Gott, was soll das, ein Verhör? Ist nicht so, als würde ich dich verfolgen oder so... das hast du tatsächlich nicht gedacht, oder?“

„Nein.“ Sagte ich schnell. “Es ist nur... seltsam, dich hier zu sehen, nach dem letzten Abend.”

„Was ist denn so seltsam? Wir sind in einem Supermarkt, und gestern ist praktisch nichts passiert, weil du so damit beschäftigt warst, mir aus dem Weg zu gehen.“

„Aaron, ich hab dir schon gesagt...“

„Ja, du hast mit Luke geredet.“ Sagte er kalt. „Und jetzt glaubst du, ich bin nur ein Arschloch, stimmt?“

“Hör mal, ich muss jetzt mit vielen Dingen klarkommen und ich hab recht nicht viel Zeit...”

„Also bin ich deiner Zeit nicht mal würdig?“

„Das hab ich nicht gemeint...“ Es frustrierte mich, da er mir noch einmal die Worte in den Mund legte.

„Aber trotzdem willst du nicht mit mir für fünf Minuten reden.“

„Du hast ein Auto gestohlen und Luke die Schuld gegeben!“ Schnauzte ich plötzlich. Es gefiel mir nicht, dass er so auf die Art sagte, als wäre ich gemein, nur weil ich nichts mit einem zu tun haben wollte, der in der Lage war, einen Freund zu verraten, wie er Luke verraten hatte.

„Es war schon ein Jahr zuvor! Es tut mir leid, okay? Es hat mir immer noch leidgetan!“

„Echt?“ Entgegnete ich, fühlte mich immer genervter. “Hat es dir leidgetan, als du der Polizei gesagt hast, dass Luke schuld dran war, oder später als er vorm Gericht war? Wann genau hat es dir denn leidgetan, Aaron?“

„Eddie ist Rechtsanwalt! Ich hab mir ehrlich gedacht, dass es Luke okay wäre!“

„Willst du mich verarschen? Was für Ausrede soll das?“

„Das war beschissen, ich weiß.“ Sagte Aaron stirnrunzelnd, als er sich den Pony aus der Stirn und weg von seinen braunen Augen wischte. „Aber es tut mir echt leid... du magst keinen Grund haben, mir zu glauben. Du kennst mich auch nicht mal... aber glaubst du nicht, dass sich Menschen verändern können?“

„Doch. Aber... es ist nur zu kompliziert. Ich meine, der schlimmere Grund, den ich ausdenken kann, warum Luke dich hassen könnte, war... dass du seine Freundin gestohlen hast oder so, aber das... Luke hat einen richtigen Grund, dich nicht zu leiden, Aaron. Ich wohne für den Rest des Sommers bei ihm und...“

„Also das ist der einzige Grund, warum du willst, dass ich mich verpisse? Wegen Luke?“

Ich starrte Aaron einen Moment an, davon etwas überrascht. Aaron schien echt traurig zu sein. Trotzdem war es nicht so, als hätte ich eine zehnjährige Freundschaft mit ihm gekündigt, ich endete sondern nur etwas, das sogar noch nicht gestartet hatte. Ich konnte einfach nicht verstehen, warum er so großes Interesse daran zu haben schien, jetzt mit mir zu reden... fast als wollte er eine andere Chance.

„Das ist nicht der einzige Grund.“ Gab ich zu, als ich mich kniete, um die neue Packung Hundefutter zu heben. „Ich will nur nicht mit jemandem befreundet sein... dem ich bereits nicht vertrauen kann.“

Aaron trat einen Schritt näher heran, als ich die Packung auf meiner Schulter trug und aufstand, und als ich wieder aufschaute, bekam ich mit, dass er mir nah war. Sehr nah. Er war wieder in meinem persönlichen Raum, genauso wie er das am ersten Abend bei dem Park gemacht hatte, und es bescherte mir noch einmal dieses seltsame Gefühl... Schmetterlinge im Bauch oder so.

“Du kannst mir nicht vertrauen?” Fragte er ungläubig, erhob seine Stimme aber nicht. „Du kennst mich nicht mal!“

„Werd ich auch nicht.“ Sagte ich rundweg. Diesmal war ich es, der von Aaron wegging. Dennoch fühlte es sich nicht besser, als als er von mir weggegangen war.

............................

Fortsetzung folgt...

Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 07 Mai 2018, 11:15

:flag: 2 schöne neue Teile. Die Übersetzung ist manchmal etwas wild, aber das stört mich nicht. Ich finde die Geschichte einfach klasse... und sehr emotional.
Es ist schön, dass es jetzt mit Eddie und Luke besser läuft für Rory. Nun wird wohl Aaron dafür sorgen, dass es nicht langweilig wird :D
Ich bin gespannt.
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 07 Mai 2018, 19:48

Danke sehr Simson. Ich freue mich, dass dir die Geschichte gefällt. Ich muss mich aber entschuldigen, wenn die Übersetzung, wie du sagst, wild ist haha. Deutsch ist immerhin nicht meine Muttersprache, aber ich werde versuchen, mich zu verbessern

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 08 Mai 2018, 06:37

Dafür musst du dich nicht entschuldigen. Ich freue mich, dass du dir soviel Mühe machst.
Wenn du aus Vietnam kommst, ist deine Muttersprache vermutlich auch nicht englisch. ..oder ?
Und die Übersetzung ist auch nicht immer "wild". In manchen Abschnitten ist sie sehr perfekt und dann halt mal wieder etwas freier.
Ich finde das wie gesagt nicht schlimm, eher bissel lustig und es nimmt der Geschichte nicht von ihrer Emotionalität.
Ich mag es :flag:
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 11 Mai 2018, 01:44

Simson hat geschrieben:Dafür musst du dich nicht entschuldigen. Ich freue mich, dass du dir soviel Mühe machst.
Wenn du aus Vietnam kommst, ist deine Muttersprache vermutlich auch nicht englisch. ..oder ?
Und die Übersetzung ist auch nicht immer "wild". In manchen Abschnitten ist sie sehr perfekt und dann halt mal wieder etwas freier.
Ich finde das wie gesagt nicht schlimm, eher bissel lustig und es nimmt der Geschichte nicht von ihrer Emotionalität.
Ich mag es :flag:

Ja beide Deutsch und Englisch sind mir Fremdsprachen, aber trotzdem will ich nicht, dass meine Übersetzung die Qualität der Geschichte verschärfen würde. Ich danke dir, dass du mir die Motivation gibst, mir Mühe zu machen, weiter an diesem Projekt zu arbeiten. Oh und kannst du mir bitte die echt merkwürdigen Fehler, die ich machte, zeigen, sodass ich mich in Zukunft verbessern kann XD Also hier ist der letzter Teil des 6. Kapitels, das ich schon seit letzter Woche hätte fertig machen sollen.

Fortsetzung zu Kapitel 6

Ich schloss meine Augen, entspannte meine Zehen und ließ das Wasser gegen meinen Körper plätschern, als ich mich an der Matte festhielt und das immer schnellere Fallgefühl genoss. Es fühlte sich an, als wäre es nur einen Bruchteil der Sekunden gewesen, ehe ich plätschernd im Schwimmbad ankam, und ich tauchte lachend auf, verdrehte dabei meine Augen, als ich Eddie sah, der am Tor mit Jase stand und seine Kamera in meine Richtung richtete. Als er mich anlächelte, schenkte ich ihm jedoch ein kleines Lächeln zurück, kurz bevor ich zwei Hände auf meinen Schultern spürte und dann wurde ich ins Wasser untertaucht. Hustend tauchte ich wieder zu Lukes Gelächter auf, dann planschte ich ihn als Retaliation, weshalb wir einen züchtigenden Pfeifton von einem der Rettungsschwimmer bekamen.

Luke warf dem älteren Mann einen trotzigen Blick zu, grinste mich aber dann an und schlug meine nasse Schulter.

„Na komm.“ Sagte er, dann griffen wir uns unsere Matten und traten zu Eddie und Jase.

Als Eddie beiläufig vorgeschlagen hatte, dass wir in den Wasserpark fuhren, hatte mich die Idee nicht sehr interessert, denn ich rechnete nicht damit, dass wir direkt am nächsten Morgen losfahren würden. Sontagmorgen, an dem ich normalerweise daran gewöhnt war, dass Oma Alice mich aufweckte, damit ich sie zu der Kirche begleitete, stoßen dennoch Jase und Eddie in meins und Lukes Zimmer ein, um uns zu befehlen, dass wir uns unsere Badehosen holen und in zwanzig Minuten im Auto sein sollen.

Ich freute mich recht nicht darauf, heute Morgen auszugehen. Ich war damit zu beschäftigt, nur rumzusitzen und mich dabei zu fragen, wann genau was auch immer, was Oma Alice schickte, ankommen würde. Als wir den Park erreichten und Luke und ich den ganzen Morgen wie kleiner Kinder rumliefen, begann ich trotzdem, mich zu entspannen... selbst wenn Jase und Eddie uns wie Glucken mit Elektrogeräten herumfolgten, und sich weigerten, eigenen Spaß zu haben. Und obwohl Jase Luke und mir befahl, jede dreißig Minuten die Sonnencreme zu erneuern, gewann ich langsam eine Sommenbräune.

Mir fiel es ein, dass es schon eine Weile her war, dass ich irgendwohin wie einen Freizeitpark gegangen war... es war schon eine Weile her, dass ich soetwas nur zum Spaß gemacht hatte. Es war irgendwie schön, meinen Kopf momentan frei machen zu können, und es war der erste Tag seit langem, dass keine zufälligen Depressionsmomente zu mir gekommen waren, und damit meinen Tag verdorben hatten. Nicht dass es nichts gab, was mich an meine Mutter erinnern konnte, es war einfach nur, dass alles gute Erinnerungen an sie zu sein schien.

„Wollt ihr was essen?“ Fragte Eddie, als Jase uns jeweils ein Tuch reichte.

„Nö.“ Erwiderte Luke, nachdem er mit mir einen Blick getauscht hatte.

„Aber wenn ihr schon Hunger habt, solltet ihr ja ohne uns vorgehen.“ Fügte ich hinzu.

„Also... wir können warten, wenn ihr wollt.“ Erwiderte Jase.

„Müsst ihr nicht.“ Sagte Luke schnell. „Wenn ihr Hunger habt, solltet ihr euch mal was zum Essen holen.“

“Was wenn ihr später Hunger habt?” Fragte Eddie.

“Dann können ich und Rory selbst was kriegen.” Bestand Luke entnervt darauf, und ich nickte nur, als Eddie mich ansah.

„Ich glaub sie versuchen, uns zu abzuwimmeln.“ Meinte Jase und stieß Eddie leicht mit dem Ellbogen.

Eddie machte nur ein unglückliches Gesicht, ehe er einatmete und ein paar Minuten zwischen Luke und mich hinblickte.

„Ne Stunde?“ Fragte er.

„Zwei.“ Lächelte Luke. “Wir sehen euch dann außerhalb der Badezimmer bei dem Parkeingang?“

„Na gut, zwei Stunden.“ Jase war einverstanden.

„Geht dir das, Rory?“ Fragte Eddie.

Die Frage war für mich, aber beide Luke und ich antworteten mit einem gesummten „uh-huh“ darauf, als Luke mir eine Hand auf die Schulter legte und mich wegführte. Jase musste uns aber jagen, um sicherzustellen, dass wir Handtüche, Sonnencreme und viel Wasser mithatten, erst dann waren wir los. Es stört mich eigentlich nicht, dass Eddie und Jase in der Nähe waren. Um ehrlich zu sein hatten wir doch eine gute Zeit in ihrer Anwesenheit. Trotzdem hieß es nicht, dass ich nicht für eine Weile frei von ihrer ständigen Aufsicht sein wollte. Außerdem gefiel es mir, mit Luke für ein paar Stunden ohne Aufsicht der Erwachsenen herumzulaufen.

Für über eine Stunde, ehe wir uns mit Eddie und Jase treffen sollten, liefen wir tatsächlich um den Park herum und hatten richtig viel Spaß, probierten praktisch alle Rutschen, die uns danach außer Atem lassen konnten, und manche stiegen wir sogar zweimal ein. Dabei genoss ich meine Gesellschaft sehr. Es war schön, über zufällige, bescheuerte Dinge mit jemand anderem lachen zu können.

Als wir schließlich beschlossen, mit den Rutschen aufzuhören und uns zu erholen, führte Luke mich zu einem Boot. Es war eines der kleinen Boots, die zu einer Fahrt gehörten, die momentan außer Betrieb war und zu einem Tunnel führte, welchen Paare sicherlich ausnutzten. Ohnehin schwebte das Boot nur friedlich auf Wasser, und es war trocken, in der Sonne, und im Moment der perfekte Ort, wo man sich erholen konnte.

„Wasser?“ Fragte Luke vom Sitz neben mir, als er in seine Tasche griff. Ich nickte ihn zu und nahm die Flasche, als er sie mir reichte, und nach einem großen Schluck gab ich sie ihm zurück.

Ich fing an, mich umzusehen, als ich auf meinem Sitz zurücklehnte und zusah, wie die Menschen vorbeigingen. Der Wasserpark war definitiv überfüllt, dennoch hatte ich es nicht genau bemerkt, bis ich mir Zeit nahm, mich hinzusetzen und alles um mich herum zu beobachten.

„Was ist?“ Fragte Luke.

„Huh?“

„Du guckst dich um, als würdest du jemanden erwarten.“

„Ach nein. Na ich denke nur, Eddie lauert ja wieder mit dieser Kamera irgendwo rum... ich warte nur ab, dass er halt aus heiterem Himmel auftaucht.“

„Nee.“ Lachte Luke. „Er ist immer noch damit beschäftigt, Jase zu überzeugen, dass die Rutschen nicht gefährlich sind. Wir sind also frei bis es an der Zeit ist, uns anzusammeln... also was hielst du denn davon? Willst mal weiter?“

„Moment bitte.“ Seufzte ich. “Ich glaub ich brauch mich noch zu erholen.”

„Alles gut.“ Luke schmunzelte, als er sich weiter in den Sitz lockerte und seine Augen schloss, dabei fing sein Körper an, sich an meinen zu lehnen. Ich hob meinen Arm und drapierte ihn über die Rücklehne des Sitzes. Seltsam bequem fand ich es, als Luke sich an mich lehnte und mir seinen Kopf auf die Schulter legte. Seine Haut fühlte sich warm gegen meine an, und es war trotz des heißen Wetters wunderbar. Als ich spürte, wie die Wassertröpfchen von seinen Haaren auf meine Haut fielen, dann meine Brust entlang floss, nahm ich einen Atemzug und empfand ein Frösteln durch meinen ganzen Körper.

„Meinst du, würde es Spaß machen, hier zu arbeiten?“ Fragte Luke nach ein paar Minuten glückseliger Stille.

„Wie bitte?“

„Es wär richtig geil, den ganzen Sommer an einem Ort wie diesem zu arbeiten. Es ist draußen... lustige Atmosphäre... auch eventuell freie Rutschen.“

„Dann warum nicht?“

„Ich hab ja schon einen Job diesen Sommer.“ Erwiderte er wenig begeistert.

„Ähm... Bauarbeiten, oder?“ Ich erinnerte mich daran, dass vorhin Aaron etwas von Lukes Arbeit erwähnte.

„Jap, hat Eddie dir erzählt?“

„Hab es halt irgendwo gehört.” Ich zuckte leicht mit den Achseln, sodass sein Kopf nicht aus meiner Schulter fiel. Ich wollte Aaron nicht in diesem friedlichen Moment erwähnen. Von meiner Begegnung mit ihm im Supermarkt hatte ich immer noch nicht erwähnt, und womöglich nie. Ich hatte geschlussfolgert, dass Aaron jetzt besser vergessen würde.

„Also das ist ein Sommerjob.“ Sagte Luke. „Und der wird gut bezahlt.“

„Sparst du denn Geld für etwas?“

„Na ja... ich hab noch ein Jahr in der Schule und dann geh ich zur Uni. Eddie und Jase haben vorhin einen Fonds für mich zusammengestellt, aber ich möchte nicht, dass sie sich alles leisten, weißte? Manchmal fühlt es sich, als hätten sie schon mehr als genug gemacht, deshalb hab ich seit fünfzehn jeden Sommer arbeiten. Ich fang also am Montag mit der Arbeit an.“

„Das ist morgen.“

„Ich weiß.“

„Super.“ Stöhnte ich. “Jetzt muss ich auch mal einen Job finden, oder was Konstruktives mit meiner Zeit zu tun haben.“

„Wieso? Ich dachte du bist im Urlaub?“

“Na wenn du arbeitest, und beide Eddie und Jase arbeiten... dann wär es nur ich und deine Hündin, die den ganzen Sommer rumhängen. Klingt also nicht wahnsinnig interessant.“

„Scheiße... hab ich nicht drüber nachgedacht... vielleicht musst du dann schön einsam sein, oder?“

„Mach dir keine Sorge um mich. Ich werd sicherlich was finden. Keine Ahnung... vielleicht lässt ja ein Job diesen Sommer schneller vergehen.“

Luke hob seinen Kopf und sah mich leicht stirnrunzelnd an.

„Du willst immer noch, dass dieser Sommer bald vorbei ist?“ Trotz seiner gleichgültigen Miene, konnte ich definitiv die Enttäuschung in seiner Stimme bemerken. Als ich mitbekam warum, und was ich gerade gesagt hatte, fühlte ich mich sofort schuldig.

„Entschuldigung, Luke. Hab es nicht so gemeint.”

„Ich weiß.“ Zuckte er die Schultern.

„Ich meine, ich hasse es hier nicht so sehr wie ich dachte. Es ist nur... das ist einfach nicht mein Zuhause. Mir war sicher, dass ich hier nicht für immer wär, seit Eddie mir die Möglichkeit angeboten hat. Ich hab also mein eigenes Leben, zu dem ich zurückgehen muss.“

„Hmm.“ Mit den Schultern zuckend stand er abrupt auf. Ich schaute zu ihm auf, als er sein Bein hob und über meine Knie trat und das Boot ausstieg, und ich richtete meinen Blick sogar höher, als seine Bewegung seine Leiste direkt vor meinen Augen positionierte. Es wäre eine Lüge zu sagen, dass ich den ganzen Tag nicht versucht hatte, das hinzusehen zu vermeiden. Er trug eine dunkelblaue Badehose, die tief auf seinen Hüften hängen und seine goldene Haut hob sich scheinbar davon ab. Die Hose war aber so dünn, dass man, als er ging, den Umriss seines schlaffen Organs darunter schwanken sehen konnte. Ich wurde schon langsam die Tatsache, dass er verdammt heiß war, hassen. Ihr würdet also meinen, dass ich mich bisher schon daran hätte gewöhnen müssen, da er immerzu nackt rumlief. „Hast du Hunger, Rory? Ich geh mir mal ne Brezel oder so holen.“

“Nicht ganz.” Antwortete ich. “Geht das, wenn ich hier auf dich warte?”

„Ich hol dir dann was.“ Luke lächelte, als er sich vorbeugte, um mein Knie leicht zu schlagen. „Bleib hier.“

„Keine Sorge.“ Ich gähnte und lehnte mich zurück, als ich ihm müde nachsah. Auch sein Po sah in dieser Hose schön aus. Ich zwang mich wegzublicken, und schloss meine Augen. Ich sollte besser den Po meines Cousins nicht anstarren, insbesondere in Öffentlichkeit. Es war mir schon schwierig, den ganzen Tag halbnackt mit Luke herumzulaufen, ganz zu schweigen davon, dass es meinen Schwanz aufregte, als ich mich in der Nähe tausender nach Schweiß, Bräunungsöl und Chlor riechenden Kerle befand. Gott sei Dank gelang es mir bisher, meine Aufregung im Zaum zu halten. Jedenfalls würde ich sicherlich länger als üblich duschen, wenn ich nach Hause kam.

Ich war mir nicht sicher, wie lange ich im Boot gesessen hatte, aber die Kombination des Sonnenscheins, des leichten Schaukelns vom Boot und meiner eigenen Erschöpfung ließ mich nahezu einschlafen. Da fragte ich mich, ob es sich schlecht herausstellen würde, wenn ich einen Moment einschlief, bis Luke zurückkam.

Ich war mir des Klangs der anderen Menschen um mich vage bewusst, gab trotzdem kaum Acht darauf, bis das Boot heftig schaukelte. Für einen Moment fühlte ich mich, als würde ich das Gleichgewicht verloren und deshalb saß ich erschrocken aufrecht. Erst nach einigen Sekunden bekam ich mit, dass die Bootsfahrt langsam anfing, und Menschen vor und nach mir Platz nahmen, aber als ich mich bewegte, um auszusteigen, bevor Luke zurückkam, rüttelte plötzlich das Boot und ich wurde gezwungen, mich hinzusetzen.

„Scheiße.“ Runzelte ich die Stirn. Offenbar musste ich dann abwarten, bis die Fahrt fertig war.

Ich schaute kurz zurück, um Luke in der Menge zu finden, aber es gab immer noch keine Spur von ihm. Als ich das Gewicht von jemand anderem neben mir spürte, drehte ich mich um und war vollkommen überrascht, denn über mich trat niemand anders als Aaron Keslin, der eine rote Badehose trug, als er Lukes Sitz besetzen wollte.

„Wie war das Nickerchen?“ Er setzte sich hin, während ich ihn sich anschnallen sah.

„Was machst du hier?“ Fragte ich unwohl.

„Das ist’n öffentlicher Park, Rory. Auch Arschlöcher wie ich dürfen betreten.“ Erwiderte er kalt.

„Aaron!“ Runzelte ich die Stirn.

„Du magst dich anschnallen sollen.“ Sagte er, als wir uns in den Tunnel begaben und es wurde dunkeln, bevor meine Augen von einem Ansturm der blickenden Lichter angegriffen wurden.

„Das ist nur so komisch! Was machst du denn hier? Wusstest du, dass ich hier wär?“

„Wirst du dich mal beruhigen? Ich komm halt jede Woche hierher. Ernsthaft, schnall dich an!“

„Und du musst unbedingt in dieses Boot steigen?“ Fragte ich, als das Boot etwas beschleunigte.

„Es gibt nur noch einen Sitz und das ist meine Lieblingsfahrt... schnall dich mal an.“

„Weißt du, es mag paranoid von mir sein, aber ich hab echt das Gefühl, dass du mich verfolgst, wieso... Scheiße!“ Das Boot rüttelte plötzlich nach vorne, als wir anfingen, einen Hügel hinunterzufallen, als wäre es eine Achterbahn auf Wasser, und es fiel mir ein, dass es nicht um einen friedlichen Liebetunnel ging, wie ich mir gedacht hatte.

„Ich hab dir schon gesagt, dich anzuschnallen!“ Tadelte Aaron mich, als ich mich das nächste Ding griff, um das Gleichgewicht zu halten, und es war leider sein Arm.

„Ich kann nichts sehen!“ Runzelte ich die Stirn, als ich nach dem Gürtel suchte. Aaron streckte sich herüber, aber dann bog das Boot plötzlich links ab, und Wasser gegen uns plätscherte, als wir auf eine Beule stießen, welches mich aus dem Sitz brachte. Dennoch gelang es Aaron irgendwie, meinen Gürtel zu finden, und er schnallte mich an, während ich nicht umhin konnte, seine Hand zu ergreifren, da ich etwas brauchte, mit dem ich mich festhalten konnte. „Das ist alles deine Schuld!“

„Halt die Klappe.“ Lachte er auf und lehnte zurück, trotzdem ließ er meine Hand nicht los, auch wenn ich versuchte, sie von ihm wegzuziehen. „Und sei bereit.“

„Was?“

Eine Sekunde später fühlte es sich an, dass wir uns drehten, eine Hügelkette hinauf und hinunter glitten, während Wasser uns versprühte, Lichter blinzelten und Menschen um uns herum begeisterte Schreie hervorstießen. Ich konnte Aaron lachen hören, und als sich das Boot noch einmal drehte, musste ich auch lächeln, weil diese Fahrt scheinbar die gleiche Freude bringen konnte, wie jede Achterbahn, trotz der Gesellschaft.

„Siehst du.“ Schrie Aaron durch das Geräusch. “Du solltest mir danken! Wenn ich dich nicht angeschnallt hätte, wärest du sicher ins Wasser runtergefallen!“

„Bin mir sicher, dass du so denken möchtest.“ Entgegnete ich.

Er griff fester nach meiner Hand, als wir begannen, noch einmal zu fallen, und das Boot anfing, sich in die andere Richtung zu drehen. Von hier aus wurde die Fahrt immer härter und mehr Wasser versprühte uns, deswegen griff ich auch trotz meiner Unwilligkeit nach seiner Hand zurück.

„Wir hätten zusammen herkommen können, weißte.“ Schrie Aaron durch sogar mehr Geräsche.

„Das war ehe ich rausfand, was du getan hast!“ Entgegnete ich. „Ich hab dir schon gesagt, ich kann nicht...“ Ich wurde von Schreien unterbrochen, als alles plötzlich dunkeln wurde und die Fahrt abrupt anhielt, da konnte ich nichts mehr sehen, und die Schreien wurden langsam durch Stille und Geflüster ersetzt, zu dem auch Aarons zählte.

„Glaubst du nicht an zweite Chancen?“

„Das war nicht der Punkt.“

„Na was wenn ich eine wollte?“

„Ne zweite Chance?“

„Genau.“

„Du weißt schon, wie ich mich drüber fühle.“ Sagte ich, als ich mich anstrengte, irgendetwas in der Dunkelheit zu sehen, und mich dabei fragte, ob die Fahrt schiefgelaufen war. Super. Es wäre alles, was ich brauchte, also in einem dunklen Tunnel mit Aaron stecken zu bleiben.

„Dann was ist mit meinem Gefühl?“

„Aaron.“ Ich runzelte die Stirn, obwohl ich wusste, dass er mich nicht sehen konnte. „Ich...“

Ich wurde wieder unterbrochen, aber diesmal von etwas viel erschreckenderem, als die Drehungen und Wendungen des Boots. Es war nur ein Bruchteil der Sekunde bevor Aaron mir eine Hand hinter den Kopf legte und mich nach vorne zog, danach presste er seinen Mund fest gegen meinen.

Meine Augen weiteten sich wegen des Schocks, als die Fahrt langsam fortfuhr, diesmal in der Dunkelheit, aber trotzdem löste er sich nicht von mir. Während ich versuchte, das Gleichgewicht zu halten und zu verhindern, dass mein Kopf gegen seinen stieß, als das Boot rüttelte, konnte ich spüren, dass Aarons Zunge schlampig gegen meine Lippen presste. Obwohl ich ihn instinktiv wegschieben wollte, hinderte mich meine Neugier daran, und stattdessen machte ich zögerlich meinen Mund auf. Mein Atem stockte mir, als seine Zunge meinen Mund betrat und ich mich dagegen drückte... Ich küsste einen Jungen.

Es wäre der schlampigste, unbehaglichste Kuss, den ich je erlebt hatte. Trotzdem war der auch mein erster, wahrer Kuss. Mein erster Kuss mit einem anderen Jungen, und er war es, vom dem ich fern bleiben sollte. Diejenige Komplikation, auf die ich keineswegs vorbereitet war.

Ende des 6. Kapitels

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 11 Mai 2018, 15:38

Also, ich weiß nicht, was ich von diesem Aaron halten soll ! Schon komisch, wo der überall "zufällig " auftaucht. Auch bin ich mir nicht sicher, was seine Motivation betrifft. Hat er wirkliches Interesse an Rory, oder benutzt er ihn vielleicht nur um Luke zu ärgern ?
Er setzt jedenfalls alles auf eine Karte. Er weiß ja nicht mal, das Rory schwul ist. Da ist so ein Kuss schon mutig !

Und was macht Rory jetzt ? Hier heißt es ja wohl Herz vs. Verstand.
Ich habe so ein Bild davon, dass Luke mit dem Essen zurück kommt, und die Beiden knutschen sieht. Das findet er dann sicher ziemlich Schei ... !
Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Eddie und Jase begeistert davon sind. Nicht weil Rory schwul ist, sondern weil es ausgerechnet Aaron ist . Die Beiden sind bestimmt auch noch sauer auf ihn.

Wegen der Übersetzung such ich dir mal ein paar Sachen zusammen, wenn ich bissel mehr Zeit habe als jetzt gerade.

Ich freu mich schon auf das nächste Kapitel :flag:
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 11 Mai 2018, 22:10

Deine Analyse finde ich ganz toll, also der Aaron, wie Luke es gesagt hat, ist ein ganz guter Lügner. Man weiß ja gar nicht, ob er wirklich ehrlich ist. Also mal schauen, was seine echte Motivation ist. Und ja, Eddie und Jase sind bestimmt nicht begeistert, wenn sie rausfinden, dass die Jungs knutschen, aber Rory hat vielleicht Glück, dass sie nicht da sind, oder? XD

[7] Wie bitte?

Das Boot drehte sich weiter und die blinkenden Lichter schwindelten mir... Ich hatte Angst, dass uns jemand wegen dieser Lichter sehen konnte, trotzdem fiel es mir schwierig, mich auf etwas anderes zu konzentrieren, als auf Aarons Zunge in meinem Mund und darauf, dass unsere Stirne zusammenstießen, jedesmal wenn das Boot rüttelte.

Aber der Kuss... der mochte nicht am besten sein, trotzdem war der eigenartig, da ich gleichzeitig von einer Vergnügungsparkfahrt herumgewirbelt und disorientiert wurde. Das war doch ein Kuss. Und ich küsste ihn zurück... zumindest so gut wie möglich, bis die Lichter heller wurden, erst dann geriet ich ein bisschen in Panik und legte Aaron eine Hand auf die Brust, um ihn wegzuschieben. Er hatte mich so hart geküsst, dass es wehtat, als wir uns lösten.

„Stopp!“ Ich wusste sogar nicht, ob er mich trotz der Schreie hören konnte, aber mir war völlig egal. Mir kamen so viele Gedanken in den Sinn, als ich vor mich sah und abwartete, bis die Fahrt fertig war.

Aaron war schwul.

Na ja, offensichtlich. Vielleicht hatte ich das schon gespürt, als ich vorhin bei ihm war. Dieser Kuss bestätigte es nur, und löste jeden meinen Zweifel auf, ob er damals mit mir geflirtet hatte.

Aaron küsste mich.

Genau. Und ich küsste ihn auch, oder? Das war mein erster Kuss, und der ließ mich immer noch schwindelig, als ich mich verkneifte, mich an ihm zu wenden, oder sogar nach ihm zu greifen, um ihn noch einmal zu küssen, nur damit ich wusste, wie mein zweiter Kuss wäre... Gleichzeitig musste ich auch mein Bestes versuchen, eher auf dem Sitz zu bleiben, als meinem Bootskameraden zu entkommen. Aaron Keslin.

Warum musste er es sein? Warum musste es jemand, den Luke hasste, sein? Jemand, dem ich nicht einmal vertraute, nachdem ich von seiner Geschichte erfahren hatte... warum musste er es sein, der mir den ersten Kuss bescherte? Was würde dann passieren? Ich hätte Aaron vergessen müssen. Wie könnte es mir denn nach diesem Geschehnis gelingen?

Ich schüttelte leicht den Kopf und ließ den Schock nachlassen, als ich mitbekam, dass die Fahrt verlangsamt hatte und Licht vom Ende des Tunnels auf mein Gesicht schien. Die Fahrt war fast vorbei, und auch diese interessante Begegnung mit Aaron. Ich sah wieder kurz zu ihm und bemerkte, dass er auch vor sich mit einer merkwürdig ruhigen Miene sah. Als er mich ertappte, dass ich ihn anstarrte, drehte er jedoch den Kopf zu mir und zog eine Augenbraue hoch, als wollte er fragen „Was?“. Da warf ich ihm einen ungläubigen Blick zu und er lachte auf.

„Meinst du, das ist witzig?“ Zischte ich, als die Fahrt zum Schluss kam.

„Ich denke, du solltest mich anrufen.“ Erwiderte er, als er sich abschnallte und über mich trat, genauso wie Luke es gemacht hatte, sodass ich auf meinem Sitz zurücklehnen musste, und ich schaute zu ihm auf. Und da war er. Der Kerl, den ich geküsst hatte. Ich konnte anscheinend nicht aufhören, zu starren... bis ich merkte, dass er sich nicht bewegte, sondern da nur stand und meine Beine spreizte.

„Beweg dich doch!“ Ich runzelte die Stirn über ihn und suchte nach meinem eigenen Gürtel.

„Wirst du mich anrufen?“ Fragte Aaron, klang aber viel weniger zuversichtlich, als er war einige Sekunden zuvor.

Was zum Teufel für Frage war das?

Tja, das war eine gute Frage. Ich war mir bewusst, dass es diese kleine Stimme in meinem Kopf gab, die mich erinnerte, dass ich besser fern von Aaron bleiben sollte, aber er hatte mich gerade geküsst. Alle Hormone beiseite, er hatte mich gerade geküsst. Ich hatte nie zuvor eine Gelegenheit gehabt, mich mit jemandem, der auch schwul war, zu unterhalten. Ich hatte niemand anderen gekannt. Ich war neugierig und wollte mit jemandem, der auch wie ich war, sprechen.

Ich wollte wissen, ob Aaron wie ich war, im Sinne, dass er auch große Angst davor hatte, das Geheimnis, das er seit Ewigkeit hatte, seinen Bekannten zu verraten. Oder vielleicht war Aaron anders. Vielleicht war er schwul und es war ihm egal, wer das wusste. Vielleicht hatte er es schon jemand anderem erzählt, und konnte mir sagen, wie sie darauf reagierten. Die einzigen Menschen, die von meiner Sexualität wussten, waren Oma Alice, und natürlich meine Mutter... Ich war nie mutig genug gewesen, einem Freund davon zu erzählen. Ich war sogar nicht mutig genug, den Menschen, mit denen ich wohnte, davon zu erzählen.

Und dann war auch diese Tatsache, dass Aaron einst mit Luke befreundet gewesen war. Vielleicht wusste Luke, dass Aaron schwul war. Wahrscheinlich konnte mir Aaron sagen, wie Luke darauf reagierte, wenn er tatsächlich davon erfahren hatte. Es konnte mir eventuell einen Hinweis geben, ob ich hier sicher wäre, wenn jemand mein Geheimnis entdeckte.

„Weiß ich nicht.“ Antwortete ich ehrlich. “Kannst du dich bitte bewegen?”

Aaron schmunzelte achselzuckend und zog sein Bein weg, als ich mich beeilte, mich abzuschnallen.

„Also du hast schon meine Nummer.“ Sagte er. „Ich möchte gern von dir hören, Rory.“ Danach wandte er sich und ging davon, und ich zuckte zusammen, als er abrupt anhielt, da er direkt einem aufgewühlt aussehenden Luke begegnete.

„Was machst du denn hier?“ Fragte Luke entrüstet, als ich beängstigt aus meinem Sitz herauskrabbelte. Ich glaube, ich hatte Angst, dass Luke uns nur einmal sehen musste und schon mitbekommen könnte, dass etwas passiert war. Logisch wusste ich, dass es ihm unmöglich war, zu bemerken, dass wir uns gerade geküsst hatten, da vorhin wir noch tief im Tunnel waren, trotzdem machte ich mir Sorge, dass er mich das ertappen würde, selbst wenn ich gar nicht schuld daran war.

„He Luke.“ Erwiderte Aaron, und ich sah seine Schultern lockerten, als der Schock, dass er dem blonden Kerl begegnete, nachließ. Luke warf ihm nur einen finsteren Blick zu, dann sah mich an, als es mir schließlich gelang, aus dem Boot auszusteigen. Da waren meine Beine ziemlich wackelig.

„Alles klar, Rory?“

„Ja.“ Sagte ich schnell. „Ich bin bereit zu gehen.“

Ich ging an Aaron vorbei, ohne ihn anzusehen, musste jedoch innehalten, weil Luke immer noch da stand und Aaron den giftigen Blick zuwarf. Er sagte aber nichts weiter. Stattdessen drehte er sich um und ging von dem Typ, den er scheinbar so sehr verabscheute.

„Hat er dich gestört?“ Fragte Luke mich.

„Ähm, nein... er ist nur bei der Fahrt erschienen.“ Erwiderte ich. „War mir ja ne Überraschung.“

“Vergiss nicht, mich zu anzurufen, Rory.“ Rief Aaron plötzlich hinter mir aus, dass ich erschrocken wurde. Ich kann es nicht glauben, dass er das tat. Luke sah fragend zu mir, aber ich konnte nur mit den Schultern zucken als Antwort, als hätte ich keine Ahnung, was los war. Es war trotzdem keine ganze Lüge. Ich hatte doch keine Ahnung.

.......................................

Ich wusste, dass ich Eddie hätte fragen sollen, wann der Briefträger kam. Es wäre viel hilfreicher gewesen, als den ganzen Morgen draußen in der Hitze zu sitzen und mit Chey vor dem Haus auf ihn zu warten. Es war mir ein merkwürdiger Morgen gewesen, denn nachdem ich aufgestanden war und mit den anderen gefrühstückt hatte, war ich der Einzige, der nirgendwohin ging. Eddie schlug vor, dass er einen Tag Urlaub nahm, um mir Gesellschaft zu leisten, aber um ehrlich zu sein, dachte ich mir, dass wir schon genug Zeit am Wochenende zusammen verbracht hatten. Mir war es immer noch neu, und ich wollte nicht, dass es so anfühlte, als wollte er mich ersticken. Ich brauchte eine Pause.

Trotzdem hasste ich es, allein zu sein. Mir fehlte Luke definitiv. Ich hatte mich so daran gewöhnt, dass nur zwei von uns tagsüber zu Hause waren, dass ich es hasste, dass er arbeitete. Cheys Gesellschaft war nicht schlecht, trotzdem war die nicht das Gleiche. Ohnehin saß sie den ganzen Morgen neben mir, als wir auf den Briefsträger warteten, und als er endlich auftauchte, erreichten ich und Chey den Briefkasten sogar vor ihm. Der ältere Mann schenkte mir ein Lächeln, als er mir einen Stapel Briefe reichte, und ich winkte ihm zu, als ich nach Chey pfiff, welches unnötig war, denn sie immer noch bei mir war. Anschließend traten wir wieder ins Haus, während ich die Umschläge durchblätterte.

Ich hatte nicht so geduldig darauf gewartet, dass Oma Alices erwartetes „etwas“ ankam. Als ich aber die Briefe durchblätterte, war da leider nichts. Zumindest nichts, worauf ich wartete. Ich war halb versucht, Oma Alice anzurufen, um ihr vorzuwerfen, dass sie diese sogenannte Botschaft von meiner Mutter erfunden hatte, sodass sie mich in den Wahnsinn trieb. Aber ich hatte schon genug Probleme mit ihr, und ein solcher Anruf würde mich nur danach schlechter fühlen, da war ich mir sicher. Und jetzt, nachdem ich den ganzen Morgen auf nichts gewartet hatte, hatte ich nichts anderes zu tun, als weiter zu abzuwarten und den ganzen Prozess zu wiederholen.

Da ich jetzt also nicht mehr auf den Briefträger warten, und dabei mich fragen musste, was er bringen sollte, hatte ich ziemlich viel Zeit, über andere Dinge nachzudenken. Ich war mir nicht sicher, ob es gut oder schlecht wäre. Als ich die Briefe in der Küche absetzte und zu meinem Zimmer ging, um mir die Badehose zu holen, dachte ich an meine Mutter und wunderte mich, was sie sagen wollte, oder warum sie mir nicht davon hätte erzählen können, als sie noch am Leben war, was auch immer das war.

Ich dachte an Eddie. Ich wunderte mich, ob was auch immer, was bald ankam, meine Ansicht über ihn noch einmal ändern würde, und ich wunderte mich, ob es ihm helfen würde, meiner Mutter zu verzeihen. Denn auch wenn es für ihn in Ordnung zu sein schien, musste ich kein Gedankenleser sein, um zu bemerken, dass er sich über meine Mutter ärgerte. Er hatte gesagt, dass sie einen Grund dafür hatte, und er hatte nie über sie hergezogen, mindestens so weit ich es beurteilen konnte. Trotzdem war er auf jeden Fall verärgert, und aus unbekanntem Grund machte es mich unwohl. Mir gefiel nicht der Gedanke, dass Eddie es meiner Mutter nachtrug. Es lag vielleicht daran, dass sie nicht hier war und sich nicht verteidigen konnte, oder vielleicht an der vorherigen Spannung zwischen Eddie und mir... Ich war mir nicht sicher, aber der Gedanke, dass Eddie sauer auf Mama war, war mir unwohl, selbst wenn ich auch sauer auf sie war.

Ich versuchte, alle dieser Gedanken aus meinem Kopf abzuschütteln, als ich das Schwimmbad erreichte und hineintrat, ließ danach wie immer meinen Körper zum Boden sinken. Diesmal suchte ich jedoch nicht nach den friedlichen Erinnerungen an meine Mutter, stattdessen gab ich mir Mühe, an alles andere zu denken, als sie. Jedesmal wenn sie mir in den Sinn kam, besann ich mich darauf, dass sie mich anlog. Und wenn ich darüber nachdachte, wie sie mich anlog, brauchte ich eine Erklärung dafür, und ich käme wieder genau dorthin, wo ich angefangen hatte: ich wunderte mich, wann Oma Alices Post ankommen würde. Nicht darüber Nachdenken erinnerte mich aber gleichzeitig daran, was ich seit gestern zu vermeiden versucht hatte.

Aaron. Es war meiner Meinung nach normal, dass sich einer meines Alters jede wachende Sekunde an seinen ersten Kuss dachte, und ich war anscheinend keine Ausnahme. Dieser Kuss befand sich in meinem Hinterkopf, seit der geschehen war. Während die aktuellen Umstände mir erlaubten, mich an diesen Kuss zu erinnern, hinderten sie mich leider daran, irgendetwas dagegen zu machen. Es war aber nicht, dass ich etwas dagegen machen wollte... und selbst wenn es der Fall wäre... was könnte ich denn machen? Es handelte sich um Aaron.

Nur weil Aaron mich küsste, hieß es nicht, dass sich irgendetwas verändert hatte, seitdem Luke mir erzählte, was zwischen ihnen passiert war, abgesehen von der Tatsache, dass ich wusste, Aaron sei schwul... und er habe mich geküsst... und ich habe ihn zurück geküsst. Ohnehin bat er mich darum, ihn anzurufen, und tatsächlich überlegte ich das. Scheiße.

Ich wusste, ich sollte nicht darüber nachdenken, aber da ein Telefon zur Verfügung stand, war es mir schwierig, Aaron nicht zu telefonieren. Es gab einfach zu viele Dinge, die ich ihn fragen wollte, und ich konnte nicht einfach nur vergessen, dass er mich plötzich so küsste. Immerhin war mir nie soetwas passiert. Ich vertraute meinen Gefühlen nicht ganz, deshalb wollte ich wirklich mit jemandem darüber sprechen.

Ich war nicht genau einer dieser Menschen, die schweigen konnten, wenn ihnen etwas so... Bedeutsames passierte. Leider konnte ich dieses Thema nur mit der einzigen Person besprechen. Aaron. Ich meine, wahrscheinlich erwies Oma Alice als eine Alternative, da sie mich verstand... aber trotzdem würde dem Anruf mit ihr über meinen ersten Kuss tausende folgende Fragen folgen, ganz zu schweigen vom Geld, für das ich in Zukunft meinen Irrenarzt bezahlen müsste, wenn es sich herausstellen würde, dass der solche Anruf der Anfang aller meinen Probleme war. Also nein. Ich würde sie nicht anrufen.

Ich ließ meinen Körper schweben, benötigte noch nicht, zu atmen, und schaute auf. Da oben sah die Sonne verzerrt aus, als sie auf das Schwimmbad schien. Ich grübelte, was ich für den Rest des Tages machen sollte. Ich erhoffte mir, dass ich irgendwann zu denken stoppen könnte, aber momentan müsste ich auf eigene Faust sein, bis alle von der Arbeit nach Hause kamen. Kein Brief. Keiner, mit dem ich mich unterhalten konnte. Das Echo einer bellenden Hündin.

Chey.

Ich kickte den Boden des Schwimmbads, und als ich auftauchte, sah ich Luke vor mir stehen, der Chey von sich hielt, als sie sprang und beschloss, ihn richtig zu begrüßen, indem sie sein Gesicht leckte. Seine Jeans waren dreckig, und sein Hemd war auch nicht viel besser. Es sah so aus, dass Luke üppig unter dem Helm geschwitzt hatte, dennoch schmunzelte er. Ich lächelte ihn zurück, obwohl ich mich ein bisschen neidisch fühlte, dass er so gut aussah, selbst wenn er so schmutzig war.

„Was machst du denn hier?“ Fragte ich.

„Die Baustelle ist ja nicht so weit entfern. Ich wollte also kurz nach Hause zu Mittagessen und nach dir sehen. Übrigens, ich bin bisschen überrascht, dich hier zu sehen. Hab ja damit gerechnet, dass du da vorn auf den Brief wartest.“

„Die Briefe sind in der Küche.“ Erwiderte ich enttäuscht mit einem leichten Stirnrunzeln.

„Nichts von deiner Oma?“ Luke sah tatsächlich auch enttäuscht, deswegen lächelte ich.

„Noch nicht.“

„Tut mir leid Rory... vielleicht wird der morgen ankommen.“

„Hoffentlich.“ Seufzte ich.

„Na, hast du Hunger? Kannst du mir halt beim Essen Gesellschaft leisten? Ich kann ja nicht lang bleiben.“

„Klar.“ Ich hatte nicht wirklich Hunger, aber ich brauchte zufällig auch eine Gesellschaft, und Luke war perfekt dafür. Er streckte sich herunter, um mir seine Hand bot, also nahm ich sie und ließ ihn mich aus dem Schwimmbad ziehen.

„Weißt du, du kannt was finden, um dich abzulenken.“ Kommentierte Luke, als er mir das Tuch reichte, und ich mich damit trocknete, bevor ich es mir um die Hüften wickelte. „Wenn du nicht dran denkst, dann fliegt die Zeit schnell vorbei und unverzüglich hast du diese Post in der Hand.“

Ich sah Luke lächelnd an, wissend, dass er rechts hatte. Ich wünschte mir nur, dass die Gedanken, die ich als Ablenkung benutzte, weniger stressig wären, als auf diese Post zu warten. Dennoch war es genauso stressig, ständig an Aaron zu denken, und da Luke jetzt hier war, kam mir der Drang, mit jemandem darüber, was bei der Fahrt geschehen war, zu reden, zurück.

Vielleicht sollte ich das wirklich überlegen... nachdem ich ständig mit ihm rumgehangen hatte, seit ich hier gewesen war, war ich zuversichtlich, dass ich ihn kannte. Es war jedoch wichtiger, dass ich mich fühlte, ich könnte mich auf ihn verlassen. Ich hatte immer die Angst davor gehabt, was würde passieren, wenn jemand hier entdeckte, dass ich schwul war, aber wenn ich meinem Bauchgefühl vertraute, wie ich meiner Mutter erzählt hatte, konnte ich mir recht nicht vorstellen, dass es Luke störte. Ich meine, er schien alle zu mögen, außer Aaron, und er hatte einen guten Grund, Aaron nicht leiden zu können. Wahrscheinlich würde er mich nicht beurteilen nur aufgrund meiner Sexualität. Aber nur weil ich glaubte, dass er keine große Sache daraus machen würde, hieß es nicht, dass ich keine Angst hatte, ihm aus anderen Gründen zu erzählen. Auch wenn es in Ordnung für Luke wäre, und wir uns immer noch gut verstehen würden, fürchtete mich davor, dass er mich anders ansehen würde, hätte er von der Wahrheit gewusst. Er würde nie wieder nackt rumlaufen... das wäre wahrscheinlich gut so, aber trotzdem mochte ich unsere aktuelle Beziehung, die sich entwickelte. Es gefiel mir, dass ich jemanden hatte, der mit mir als Kumpel rumhing. Ich wollte wirklich nicht, dass sich alles zwischen Luke und mir veränderte. Außerdem wäre es sowieso auch nicht die beste Idee, ihm von Aaron zu erzählen. Da war er nicht genau neutral.

“Rory?” Lukes Stimme unterbrach meine Träumereien. Ich blinzelte und bekam mit, dass Luke jetzt an der Tür war, auf mich neugierig zurückblickend. Offenbar war ich gedankenverloren gewesen. „Alles gut?“

“Ja.” Nickte ich und zwang mich, ihn anzulächeln, als ich an ihm herantrat.

„Na komm.“ Schmunzelte Luke, griff sich meine Schulter und mich voran schob. “Lassen wir uns essen und wir schauen mal, ob wir dir den Kopf frei machen können. Was, meinste, können wir heute Abend unternehmen?“

„Was meinst du?“ Fragte ich neugierig, über seinen abrupten Themenwechsel lächelnd.

„Also, ich weiß, Eddie und Jase wollen, dass wir zusammen Abend essen, aber vielleicht können wir nachher ne Weile rausgehen. Wie geht’s deinem Fuß?“

„Besser.“ Erwiderte ich hinunterblickend, als ich die Zehen wackelte. Der Schnitt tat doch ab und zu weh, dennoch merkte ich es meistens nicht.

„Cool, meinst du, hast du Lust auf ne Wanderung heut Abend?“ Dann fügte er neckend hinzu. „Ich verspreche, dich heim zu tragen, wenn du dich auf nen anderen Kaktus setzt.“

„Das wird nicht passieren.“ Lachte ich auf. “Und ja klar, warum nicht? Ich werde sowieso bis dann verrückt. Weißt du... es ist ja nur komisch, Luke. Als ich hergekommen bin, war ich so bereit, euch allem aus dem Weg zu gehen, und jetzt fühlt es sich an, als würde ich meinen Verstand verlieren, denn alle arbeiten den ganzen Sommer.“

„Es wird nicht der ganze Sommer sein.“ Erwiderte Luke, als wir die Küche erreichten und er unvermittelt den Kühlschrank aufmachte, um Essen zu finden und es auf den Tisch legte. „Wir nehmen wohl wahrscheinlich Urlaub, und außerdem wirst du ja was finden, mit dem du Zeit verbringen kannst. Die Erwachsenen werden auch wahrscheinlich ab und zu nach dir sehen... eigentlich, wenn du willst, kann ich dich irgendwo auf dem Weg zur Arbeit absetzen.“

„Nein.“ Sagte ich nach einem Überlegungsmoment. “Ich danke dir, Luke, aber ich würde mich dann sowieso verlaufen. Ich werd halt nur wieder schwimmen gehen, wenn du losgehst, das soll mich ein paar Stunden beschäftigt halten, und danach... werd ich mal was finden.“

„Der Dachboden.“ Sagte Luke mit einem vollen Mund. Er hatte schon angefangen, die Zutaten des Sandwiches zu essen, bevor er die Sandwiche zusammenstellte, deshalb wusch ich mir die Hände, während er aß, dann ging ich zur Theke, um ihm bei der Zubereitung zu helfen.

„Huh?“

„Der Dachboden.“ Wiederholte er. “Du hast also da nicht viel erkundet, oder? Es gibts alle möglichen alten Fotos und Dinge auf dem Dachboden. Wahrscheinlich auch ein paar komische von Eddie und Jase. Ich meine, wenn dir langweilig ist, kannst du mal ausprobieren.“

„Werd ich mal vielleicht.“ Erwiderte ich unverbindlich achselzuckend. Nachdem Eddie mir das Album mit den Fotos meiner Mutter gezeigt hatte, hatte ich Angst, mehr davon zu finden. An einem Tag, an dem ich nicht versuchte, an sie zu denken, hatte ich vielleicht Interesse daran, aber heute bitte nicht.

„Ernsthaft.“ Bestand Luke darauf. “Du solltest mal hingehen und guck dir das mal an. Ich meine, du magst dich für ein paar Sachen da interessieren.“

„Na gut, wenn mir echt langweilig ist, dann geh ich zum Dachboden.“ Schmunzelte ich und reichte ihm einen Haufen Sandwiche.

„Okay.“ Er verdrehte die Augen. “Also, bist du dir sicher, dass du nicht rausgehen willst? Ich geh bald los.“

„Nein.“ Zuckte ich die Schultern. “Bis später.”

“Na dann.” Lächelte er. “Viel Spaß.”

Er nahm mir die Sandwiche und nachdem er sich eine Cola aus dem Kühlschrank gegriffen hatte, ging ich mit ihm zur Haustür und sah von drinnen zu, als er in sein Auto einstieg und mir zuwinkte, ehe er aus der Auffahrt kam. Er war nicht genau lang zu Hause gewesen, trotzdem musste ich zugeben, dass es meinen Tag etwas erleichtert hatte, Luke nur für ein paar Minuten zu sehen. Ich wünschte mir einfach, dass er länger hätte bleiben können.

Nachdem Luke die Straße hinunter verschwunden war, wollte ich gerade die Tür zumachen, als ich etwas erblickte. Ich hielt die Tür aber dann auf, und starrte den braunen Kastenwagen an, als der sich dem Haus näherte. Meine Nerven lagen blank, als der an der Straße parkte, und unvermittelt rannte ich barfuß aus dem Haus, hatte dabei immer noch das Tuch um meinen Hüften, und nahm dem UPS-Angestellten plötzlich das Paket, bevor er sogar aus dem Wagen ausstieg.

„Haben Sie etwas erwartet?“ Er lachte auf, als ich das Paket nur so lang prüfte, um zu bestätigen, dass es zwar Oma Alices Handschrift darauf gab.

„Ja.“ Lächelte ich, als ich den Kugelschreiber, den er mir bereithielt, nahm, damit ich unterschreiben konnte. „Vielen Dank.“

Ich verschwendete keine Zeit, es sicher nach innen zu bringen. Das war definitiv eine Überraschung... und der Moment, den ich erwartet hatte. Meine Fingerknöchel waren weiß geworden, da ich es so fest hielt, bevor ich überhaupt hineinkam. Ich brachte es direkt in die Küche, mit Chey daneben, und nachdem ich mich das nächste Messer griff, drehte ich das Paket auf den Tisch, war bereit, es aufzuschneiden, und... stoppte.

Rory,

Wage es nicht, dieses Paket ohne Eddie aufzumachen. Es ist für euch beide, und ich werde es herausfinden, wenn du es machst. Achte darauf, dass du warm anziehst.

Liebe Grüße

Oma Alice


Fortsetzung folgt...

SergeyP
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 12 Mai 2018, 18:31

Fortsetzung zu Kapitel 7

Nein. Nicht fair. Diese böse, gemeine Frau. Ich knirschte die Zähne und hob das Messer sowieso an. Scheiß darauf, was sie sagte. Ich konnte immer sagen, dass ich den Zettel nicht gesehen hatte, bevor es zu spät war... aber nur... Gott, das ist so unfair.

In diesem genauen Moment wüschte ich mir recht, dass ich Eddie noch hasste. Wenn es der Fall wäre, dann würde das Paket aufgemacht, und Scheiß auf die anderen. Leider war es nicht wahr. Seitdem ich herausfand, dass Eddie nicht ein verantwortungsloser Vater war, hatte ich versucht, zumindest ihn zu respektieren. Und tatsächlich verdiente er so viel wie ich, zu wissen, was in diesem Paket war.

Trotzdem wollte ich es öffnen, gottverdammt.

Ich hob das Messer und fing an, es aufzuschneiden. Das Klebeband wurde gerade durchgestochen, bevor ich stoppte und mich selbst verfluchte. Ich würde sagen, dass ich gerade nur versuchte, meine Oma zu respektieren, aber es wäre eine riesige Lüge. Die Wahrheit war eher, dass sich mein Gewissen Eddie gegenüber entwickelte. Ich war mir sicher, wäre die Situation umgekehrt, indem er es zuerst erhielt, dann wollte ich, dass er auf mich wartete. Aber trotzdem hatte Eddie wahrscheinlich viel mehr Geduld als ich. Ohnehin ließ ich das Messer herunter... nicht dass ich aufgeben wollte.

Ich ging direkt zum Kühlschrank. Bevor Eddie am Morgen ausging, hatte er eine Nummerliste hinterlassen, die ich als nutzlos hielt, bis jetzt, als ich den kleinen Zettel herunterscrollte, bis ich die Liste für Eddies Arbeit fand. Eine Sekunde später hatte ich das Telefon in der Hand und wählte die Nummer.

Zuerst kam die Aufnahme des Büroortes, der Telefonnummern, und vieler anderen Informationen, die mir nichts bringen konnten, aus, als ich ungeduldig wartete, und schließlich hörte ich Eddies Namen. Leider ging es um eine Anweisung, dass ich die Nummer zwei drücken und abwarten sollte, bis es anfing zu läuten. Ich war sowohl enttäuscht, als auch genervt, als mir eine Frau anwortete, statt Eddie.

„Könnte ich bitte Herrn Edward Soarda sprechen?“ Fragte ich.

„Sind Sie Kunde?“

„Nein, ich bin...“

„Es tut mir leid. Herr Soarda ist zur Zeit vor Gericht. Wenn Sie einen anderen Rechtsanwalt sprechen möchten, kann ich ihm für Sie ausrichten.“

„Nein. Ich möchte einen Rechtsanwalt nicht sprechen. Ich muss Eddie sprechen.” Runzelte ich die Stirn. “Wissen Sie, wann er zurück ist?”

„Leider nein. Wollen Sie ihm eine Voicemail-Nachricht hinterlassen?“

„Kann ich ihn überhaupt nicht sprechen?“ Fragte ich ungeduldig, fügte dann hinzu. „Also, es geht um einen Familiennotfall.“

„Sie sind sein Verwandte?“ Fragte Sie etwas überrascht.

„Ich bin... sein Sohn.“ Gab ich zu. Obwohl die Worte sich seltsam anhörten, hoffte ich, dass sie mir helfen konnten.

„Genau.“ Erwiderte sie ungläubig. “Ich bringe Sie zur Voicemail. Bleiben Sie bitte dran.“

„Warten Sie mal!“ Ich machte mir keine Mühe, das Stöhnen zurückzuhalten, als die Verbindung abgebrochen wurde, und eine Weile später sprach ich die Voicemail von Eddie. Da hatte ich keine andere Wahl, als zu sagen, dass das Paket schon angekommen war, außerdem erwähnte ich auch klar und deutlich, dass ich mir nicht sicher war, wie lang ich warten konnte, ehe ich es aufmachte, unabhängig von seiner Anwesenheit.

Danach wartete ich. Noch einmal.

.......................................

Ich bewegte mich langsam durch das Wasser, hin und her über das Schwimmbad, während ich gleichzeitig den Titelsong von „Der weiße Hai“ summte, und dem Paket, das ich auf den Terrassentisch gelegt hatte, immer wieder einen finsteren Blick zuwarf. Ich wollte nur aus dem Schwimmbad springen und sofort das verdammte Ding aufreißen. Und warum sollte ich nicht? Das war von meiner Mutter. Die Antwort darauf, warum gewisse Dinge mein Leben beeinflussten, war darin. Zumindest sollten sie es sein. Ich sollte es öffnen können... und es war nicht, dass ich Eddie nicht im Voraus gewarnt hatte, dass ich es unbedingt aufmachen würde, wenn er nicht schnell genug nach Hause käme. Na ja, das hatte ich zu einer Aufnahme gesagt, und soweit hatte ich nur fühfzehn Minuten gewartet, trotzdem hatte ich ehrlichgesagt nicht so viel Geduld mehr.

Als ich mich zwanzig Minuten später aus dem Schwimmbad stieg, überraschte ich mich selbst, weil ich nicht direkt zum Paket ging. Eigentlich wich ich es absichtlich aus, als ich zu einem Stuhl in der Sonne trottete, um mich hinzusetzen und ein paar Minuten abtrocknen zu lassen. Als ich mich da erholte, versuchte ich, möglichst geduldig zu sein, achtete dabei auf irgendeinen Klang, der hoffentlich benachrichtigen würde, dass Eddie schon nach Hause kam und bereit war, mit mir das Paket aufzumachen. Doch passierte etwas anderes, als ich da frustriert und ungeduldig saß. Ich wurde langsam nervös, und auch ein bisschen beängstigt.

Ich hatte mir so viele Gedanken darüber gemacht, wie sehr ich wollte, dass das Paket ankam, und wie eifrig ich war, es aufzumachen, dass ich noch nicht wirklich darüber nachdachte, was darin war. So weit ich wusste, könnte es etwas, was... nochmal alles ändern würde, sein. Bisher hatte meine Mutter für sich die Tatsache, dass sie nach Eddie suchte, bevor sie starb, und Eddie nicht mal von mir wusste, behalten... ganz zu schweigen von der Tatsache, dass es überhaupt einen Eddie gab. Ich freute mich recht nicht darauf, es herauszufinden, dass sie noch eine Lüge sagte. Immerhin war es also wahrscheinlich besser, abzuwarten... mindestens sagte ich mir das, als ich meine Augen schloss und mich in der Sonne trocknen ließ.

Ich wünschte mir, dass Luke noch zu Hause war. Wäre der UPS-Angestellte eine Minute früher angekommen, hätte ich schon Lukes Angebot, dass er mich irgendwohin fuhr, angenommen. Ich wäre jetzt bei Eddies Büro gewesen, anstatt darauf zu warten, dass er nach Hause kam.

Es schien eine Ewigkeit zu sein, bevor Chey vom Inneren des Hauses bellte und meine Augen aufschnappten. Vom Hinteren des Hauses hörte es sich gedämpft an, aber jemand musste auf jeden Fall da vorne parken. Ich griff nach dem Paket und rannte durch das Haus, dorthin, wo Chey die Haustür anbellte. Ich wollte sie gerade aufmachen, als die Türklingel läutete. Doch hielt ich kurz inne, mich zu fragen, warum Eddie klingeln würde, merkte aber nicht, dass Eddie nicht klingeln würde, bis ich die Tür aufschwang und zweimal blinzelte, ehe ich die einzigen Worten, die mir in den Sinn kamen, hervorstieß.

„Du solltest nicht hier sein.“

„Also, vielleicht kann ich schon aufhören, mich zu fragen, ob du glücklich bist, mich zu sehen.“ Sagte Aaron, als er seine Daumen in die Tasche seiner Jeans steckte und listig lächelte. Ich konnte nicht anders, als sofort abwehrend zu wirken. Nachdem er gestern bei dem Wasserpark aus dem Nichts aufgetaucht war, war seine plötzliche Erscheinung heute ziemlich... unheimlich. Ich bemerkte auch, trotz meiner Neugier und Gedanken an diesen Kuss machte mich die Art, wie er mich ansah, unangenehm.

„Was willst du denn, Aaron?“

Er musste gesehen haben, dass mir seine plötzliche Erscheinung nicht wirklich gefiel, da sein listiges Lächeln verschwand und dann wirkte er etwas ernster.

„Kannst du dich mal entspannen, Rory? Ich will dich nur sprechen. Ich geh davon aus, dass du mich nicht anrufen wirst, also...“

„Also bist du hergekommen? Konntest du nicht erstmal telefonieren? Und übrigens, wie zum Teufel weißt du, dass ich hier bin?“ Ich konnte nicht umhin, mich umzusehen und etwas paranoid zu fühlen, weil ich nur allein zu Hause war. Trotzdem hatte ich Chey dabei, die unseren Gast leise anknurrte.

„Wusste ich doch nicht.“ Sagte Aaron schnell. „Hör mal, ich bin nur vorbeigefahren und weil ich Lukes Auto nicht gesehen hab, hab ich mir gedacht, es wäre in Ordnung...“

„Es ist nicht in Ordnung.“ Unterbrach ich ihn. Um ehrlich zu sein geriet ich langsam in Panik und wusste nicht warum. Ich hielt Aaron eigentlich nicht als eine Bedrohung, aber die Art, wie er angeblich zufällig erschienen war, war mir irgendwie unheimlich. Es schien aber auch absurd zu sein, in Anbetracht dessen, dass ich ihn tatsächlich treffen möchte, weil ich ihn sprechen und ihm Fragen stellen wollte. Ich war mir nicht sicher. Wahrscheinlich war das Gefühl, das ich gerade empfand, nichts mehr, als ein Bauchgefühl, das von der Tatsache, dass ich mir schon bewusst war, was für ein Mensch Aaron war, verstärkt wurde. Er war der solche Mensch, der seinen besten Freund verraten würde, als hätte er kein Gewissen.

„Hör mal zu, weißt du was? Entschuldigung.“ Aaron schüttelte den Kopf, als er begann, zum alten grauen Auto an der Straße zurückzutreten. „Ich hätte nicht herkommen sollen. Ich wollte dich sprechen aber offenbar...“

“Warte.” Runzelte ich die Stirn. Warum sagte ich das? Mein ganzes Gewissen schrie mich an, die Tür zuzumachen und zu schließen. Doch hatte er das Wort sprechen benutzt, und trotz meines besseren Instinkts wollte ich ihn zwar sprechen, welches nur eine Umformuliereung dafür war, dass ich mich verwirrte. Aaron hielt inne und warte darauf, dass ich etwas sagte. „Du solltest echt nicht hier sein.“

„Ich will dich nur sprechen.“ Bestand er darauf, fügte dann mit einem kurzen Blick über die Schulter hinzu. „Wenn du dir Sorge machst, dass ich das Auto geklaut hab, hab ich die Bescheinigung dabei.“

„Das ist nicht lustig.“ Sagte ich, dann nahm mir Zeit, um meine Gedanken zu ordnen, mindestens so gut wie möglich. Aarons heutige Erscheinung war mir vollkommen unerwartet, da ich immer noch andere Probleme zu überlegen hatte. „Über was willst du sprechen?“ Fragte ich zögerlich.

„Kann ich rein?“ Aaron trat einen kleinen Schritt voran.

Also das musste ich mir überlegen. Um ehrlich zu sein fiel mir der Gedanke, dass er ins Haus ging, irgendwie falsch. Luke lebte hier, und ich war mir sicher, dass es Luke nicht gefallen würde. Außerdem zweifelte ich daran, dass es Jase oder Eddie auch gefallen würde. Dennoch machte es gleichzeitig nicht wahnsinnig viel Sinn, im Eingang zu stehen und ihn zu fragen, warum er mich gestern geküsst hatte.

„Weißt du, wir könnten woanders hingehen.“ Schlug Aaron vor, als ich nichts sagte. „Wenn du nicht willst, dass ich hier bin... ich verstehe’s, aber vielleicht... können wir uns woanders sprechen.“

Ein paar Sekunden später nahm ich das Paket und sah es an.

„Kannst du mich irgendwohin fahren?“ Fragte ich, alle meine kürzliche Besorgnis verschwand, da ich die neue Gelegenheit in der Situation sah.

„Ähm... ja.“ Erwiderte Aaron, etwas überrascht aussehend. “Wo willst du hin?”

“Warte hier.” Sagte ich kurz, bevor ich zurück ins Haus trat und die Tür zumachte.

Für die nächsten fünf Minuten sah Chey mich neugierig an, als ich eilig hin und her lief, um mich anzuziehen und Eddies Büro nochmal anzurufen, damit ich die Adresse aufschrieb, dabei bekam ich auch mit, dass er immer noch vor Gericht war. Ich hoffte nur, dass er damit fertig sein wurde, was auch immer er machte, bevor wir da ankamen... und ich beeilte mich gerade, dorthin zu fahren. Sogar der erbärmliche Blick, den Chey mir zuwarf, als ich zur Haustür mit dem Paket und der Adresse lief, bekam nicht viel Aufmerksamkeit von mir. Ich konzentrierte mich wieder auf das Paket. Ich hatte eine Fahrt. Wenn Eddie nicht zu mir kam... dann käme ich zu ihm.

„Ich muss dorthin fahren.“ Ich gab Aaron die Adresse.

„Alles klar.“ Zuckte er die Schultern.

Ich wollte gerade zum Auto vorantreten, aber hielt inne, als ich merkte, dass er mir nicht folgte. Ich schaute kurz zurück, um ihm einen erwartenden Blick zuzuwerfen. Da fragte ich mich, warum er da nur stand, und danach bemerkte ich, dass Aaron etwas verwirrt... und enttäuscht wirkte. Vielleicht hatte er herausgefunden, dass der einzige Grund dafür, warum ich irgendwohin mit ihm fuhr, war, dass ich eine Fahrt brauchte. Trotzdem empfand ich, um ehrlich zu sein, gar kein Mitgefühl für ihn. Das mochte gemein von mir sein, aber er war es, der uneingeladen auftauchte, ganz zu schweigen davon, dass es mir irgendwie freudig war, ihn sich fragen zu lassen, nachdem er mich gestern so überrascht hatte. Außerdem hieß es nicht, dass ich ihn gar nicht sprechen wollte, nur weil ich ihn als meinen vorübergehenden Fahrer benutzte... Ich sprach ihn doch gleich.

„Kommst du?” Fragte ich.

Aaron warf mir einen leicht genervten Blick zu, ging jedoch zum Auto. Ich wartete, bis er einstieg, erst dann stieg ich auch ein. Ich schnallte mich an, während er mich vom Fahrersitz neugierig beobachtete.

„Warum musst du dich so beeilen?“ Fragte er, und ich wurde unvermittelt frustriert, weil er mir so eine Frage stellte, wenn er ganz deutlich sehen konnte, dass ich zwar in Eile war.

„Ich muss Eddie treffen.“ Erwiderte ich. “Wirst du mich dann fahren oder nicht?”

„Ja klar.“ Antwortete er etwas scharf, und startet das Auto. Ich lehnte mich auf meinem Sitz zurück, und fragte mich, ob ich ihm gegenüber zu feindlich war. Er hatte mich echt erschrocken, indem er so auf die Art erschienen war, aber jetzt erinnerte ich mich an den Abend bei dem Park, nachdem Luke mir die Wahrheit über Aaron erzählt hatte. Da benahm sich Aaron kalt... er hatte dieselbe Schärfe in seiner Stimme gehabt, und irgendetwas daran ließ mich unwohl fühlen... Es gab scheinbar noch viel an Aaron, die mich unbequem fühlen ließen.

Als wir uns vom Haus entfernten, begann ich, mich zu fragen, ob es eine gute Idee war, mit ihm zu fahren. Doch als ich kurz in seine Richtung blickte, bemerkte ich, selbst wenn ich mich noch etwas unbequem bei ihm fühlte, musste ich mich nur daran erinnern, wie sein Mund unbeholfen an meinen gepresst wurde, und wie sich unsere Stirne zusammenstießen, als er mich bei dieser Fahrt küsste, und dann konnte ich schon spüren, wie meine Herzschläge beschleunigten und mein Mund trocknete.

Wir schwiegen ein paar Minuten, als Aaron fuhr, dabei sah er meinetwegen frustriert aus, und ich sah zu dem Paket hinunter, Oma Alices Handschrift anstarrend, ohne sie zu lesen. Es fiel mir plötzlich schwer, in Aarons Richtung zu blicken.

„Was gibt’s drin?“ Endlich fragte er, diesmal verschwand die Schärfe in seiner Stimme und ich stieß einen kleinen, erleichterten Atemzug aus.

Es könnte merkwürdig unter diesen Umständen sein, aber ich mochte wirklich nicht das Gefühl, dass Aaron auf mich sauer war. Es fühlte sich fast so an, als sollte ich mich für meine Unhöflichket bei dem Haus entschuldigen... selbst wenn er es verdiente.

„Weiß ich nocht nicht.“ Antwortete ich. “Ich darf es nicht aufmachen, bis ich bei Eddie bin.”

„Wieso?“

„Weil es für uns beide ist.“ Zuckte ich die Schultern.

„Ach so... von wem ist es?“

„Meiner Mutter.“ Erwiderte ich nach einer Weile, dann sah aus dem Fenster heraus. Ich fühlte mich irgendwie schuldig, da es mir auffiel, dass dieses kleine Paket praktisch die letzte Sache, welche ich je von meiner Mutter bekommen würde... jedoch war ich in so einer Eile, es aufzumachen.

„Wo ist sie?“ Frage Aaron. Ich schaute auf, wurde von der Frage erschrocken. Aber dann fiel mir ein, dass ich ihm noch nicht genau erzählt hatte, wo meine Mutter war. Die meisten Menschen, mit denen ich mich unterhielt, wussten schon davon, deswegen war seine Frage... rar.

„Sie ist gestorben.“ Klärte ich und merkte, dass ich tief einatmen musste, als ich es laut sagte. „Seit fast acht Monaten.“

„Ernsthaft?“ Platzte Aaron etwas entsetzt heraus, als er seinen Kopf momentan in meine Richtung drehte. “Ich meine, sie...” Er hielt inne und sah zum Paket in meinen Händen mit ein bisschen mehr Neugier herunter, bevor er seinen Blick wieder zur Straße richtete. „Tut mir leid.“

Ich zuckte nur mit den Achseln. Ich hatte nie eine Ahnung, was zu sagen, wenn Menschen sagten, es tut ihnen leid. Ich konnte nicht einfach sagen, dass alles gut war, und ehrlichgesagt verstand ich nie, was genau ihnen leidtat. Es war nicht so, als hätten sie meine Mutter umgebracht.

„Also, du weißt echt nicht, was drin ist?“ Fragte Aaron, als ich ein paar Minuten nichts sagte.

„Antworten, hoffentlich.“ Murmelte ich, dann sah ich Aaron an. “Kennst du den Weg zur Adresse, die ich dir gegeben hab?“

„Eddies Büro, oder? Klar, kenne ich.“ Nickte Aaron. „Weiß er, dass du kommst?“

„Nein.“ Gab ich zu. “Die Sekretärin da meinte, er sei noch vor Gericht. Ich konnte ihn also gar nicht sprechen.“

„Du weißt, wenn er vor Gericht ist, musst du dann ewig warten, oder?“ Fragte Aaron, und ich warf ihm einen Blick, der deutlich sprach, dass er nicht ganz hilfreich war, zu. „Komm schon, Rory. Willst du echt den ganzen Tag da nur warten?“

“Ist doch besser, als zu Hause rumzusitzen, bis er nach Hause kommt.”

„Na gut... also pass auf, ich könnte dich mal bei seinem Büro absetzen, und du gehst rein. Wenn er immer noch vor Gericht ist, kannst du halt ne Nachricht hinterlassen, dass du bald wieder da bist.“

„Bald wieder da?“ Runzelte ich die Stirn. “Dann wo geh ich denn hin?”

„Mit mir.“ Lächelte Aaron. “Ich hab bisschen Hunger, und es gibt ein Bistro direkt gegenüber dem Büro... es ist nicht so, als würde es dich umbringen, mit mir Mittag zu essen. Ich lad dich sogar ein.“

Ende des 7. Kapitels

SergeyP
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 14 Mai 2018, 01:14

Fortsetzung zu Kapitel 7

Mittagessen mit Aaron? Wahrscheinlich eine andere schlechte Idee. Da war ein großer Unterschied zwischen einer zehnminütigen Unterhaltung bei der Autofahrt, und einem Mittagessen mit ihm. Doch hatte ich noch nichts gegessen, seitdem Luke zum Mittagessen beim Haus vorbeikam. Ich machte nur Sandwiche und sah zu, als er aß.

„Hör mal, Aaron...“ Sagte ich ernst. “Nur weil gestern... was gestern geschehen ist, ändert nichts. Ich halt’s ja noch als beschissen, was du Luke angetan hast... Ich kann mir echt nicht vorstellen, dass wir Freunde sind.“

„Was ist wohl gestern passiert?“ Fragte er unschuldig.

„Du hast mich geküsst!“ Ich fühlte mich irgendwie empört, dass er es gefragt hatte. Für eine Sekunde sorgte ich mich, dass er es vergessen hätte, und ich offentsichlicht nicht so beeindruckend für ihn wäre, aber dann lachte er auf und ich stellte fest, dass er mich gerade neckte. „Du Wichser.“ Murmelte ich.

„Ich würde es nie vergessen.“ Lächelte er mich schelmisch an.

„Du hättest es nicht machen dürfen.“ Ich warf ihm einen finsteren Blick zu.

„Was durfte ich nicht, dich küssen?“

„Ja, mich küssen!“

„Warum nicht? Hast du nen Freund?“

“Nein...”

“Ne Freundin?”

“Nein.” Runzelte ich die Stirn.

„Dann entschuldige ich mich nicht.“ Sagte er sachlich. „Du bist’n verfügbares Spiel.“

„Spiel?“ Brüllte ich praktisch. “Ich bin ein Spiel für dich? Mein Gott, du bist echt ein Arschloch! Wie kommst du denn drauf, dass ich geküsst werden wollte? Das wollte ich ja nicht, weißte.“

„Ich besinn mich nicht drauf, dass du mir gesagt hast, ich soll aufhören.“ Erwiderte Aaron. „Ganz im Gegenteil, ich dachte du...“

“Weißt du was, hör einfach auf damit, ja?“ Unterbrach ich ihn. „Es wird nicht nochmal passieren. Ich hab dir gesagt, das ändert ja nichts... wie auch immer, warum hast du es überhaupt gemacht?“

„Ich dachte, du willst damit aufhören.“ Antwortete er schlau.

Ich knirschte meine Zähne und fragte mich, ob es überhaupt möglich wäre, dass ich wegen ihm frustrierter wurde.

„Kannst du mich nur absetzen?“ Sagte ich nach einer ganzen grüblerischen Minute.

„Sei nicht so sauer.“ Aaron sah stirnrunzelnd zu mir herüber. “Komm mit mir zu Mittagessen. Außerdem weißt du ja, dass du weiter drüber reden willst.“

„Nicht mit dir.“ Entgegnete ich.

„Na gut.“ Erwiderte er etwas ernsthafter. “Entschuldigung... bleib nur ne Weile bei mir... also, lassen wir uns sprechen, und wenn wir damit fertig sind, wenn du mich nie wieder sprechen willst, dann lass ich dich in Ruhe. Ich schwöre’s.“

„Ich will dich nie wieder sprechen, ab sofort.“

„Du meinst’s nicht ernst.“ Aaron runzelte die Stirn, dabei sah er tatsächlich verletzt aus. Er hätte mir sogar vielleicht leidgetan, wäre ich im Moment nicht so frustriert. Ich wurde schon nahezu verrückt, da ich sowohl mit der Eile, bei Eddies Büro anzukommen, als auch mit Aaron umkommen musste.

„Hör mal.“ Einen Atemzug ausstoßend sagte ich gelassen. “Ich brauch nur zu Eddies Büro. Ich hab dir schon gesagt, nichts hat sich verändert. Luke... ich wohne in demselben Haus wie Luke. Ich werde da den ganzen Sommer bleiben... und er ist mein Freund. Ich ändere meine Meinung nicht drüber, was du ihm angetan hast... und wieso musst du dich überhaupt drum kümmern?“ Plötzlich schnauzte ich, welches Aaron erschreckte und er sah zu mir herüber.

„Um was kümmere ich mich denn?“ Erwiderte er kalt. Offenbar gefiel ihm nicht, was ich sagen wollte.

„Warum machst du das? Es macht gar keinen Sinn! Es ist nicht so, als wären wir alte Freunde oder so! Warum musst du dir so viel Mühe machen? Und warum hast du mich geküsst? Warum würdest du sogar denken... Spielst du hier etwa ein Spiel? Nur... warum würdest du dich mal drum kümmern, ob ich dich sprechen wollte?” Sie waren vernünftige Fragen für mich. Eigentlich hatte ich mir manche davon immer wieder gestellt. Ich sah Aaron an und erwartete, dass er mir irgendeine Erklärung geben würde... Ich rechnete jedoch nicht damit, dass er plötzlich in einen Parkplatz abbog und einparkte.

„Scheiße!“ Fluchte ich, als ich gezwungen wurde, mich fest an meinem Sitz zu halten. „Was zum Teufel machst du denn?“

Aaron parkte schweigend ein, schaltete dann die Zündung aus, bevor er ausstieg und die Tür zuschlug. Ich sah bestürzt zu, als er um das Auto herumtrat und eher hart an meinem Fester klopfte. Ich brauchte ein paar Minuten, mich zusammenzureißen, aber schließlich stellte ich fest, dass er mich bald herausschmieß. Um ehrlich zu sein war ich mir gar nicht sicher, ob ich mich deswegen verletzt oder sauer fühlen sollte. Trotzdem versuchte ich, so gleichgültig wie möglich zu wirken, und machte die Tür auf. Aaron hielt sie für mich offen, als ich ausstieg und ihm einen trotzigen Blick zuwarf, aber dann überraschte er mich noch einmal.

„Ich hol mir gleich was essen.“ Sagte er sachlich. „Du kannst hier draußen bleiben, oder mitkommen.“

Er wartete nicht auf meine Antwort, schlenderte sondern einfach in das Bistro, in dessen Parkplatz wir gerade eingeparkt hatten.

Ich musste rund fünf Minuten da gestanden haben, um meine Gedanken zu ordnen, und zu entdecken zu versuchen, was Aaron machte. Noch einmal musste ich mich fragen, ob ich ihm gegenüber zu feindlich war. Ich meine, na ja, er frustrierte mich... aber ehrlichgesagt war es nicht genau absichtlich. Die Worten kamen einfach nur so aus meinem Mund heraus. Es lag vielleicht daran, dass ich nervös war. Ich hatte keine Ahnung, wie ich mich bei ihm benehmen sollte. Er hatte mich geküsst. Ich war nie zuvor von einem Kerl geküsst worden, und obwohl es sich erbärmlich anhörte, war ich mir nicht sicher, wie ich darauf reagierte. Zwar hatte ich die Möglichkeit überlegt, dass Aaron mich mochte, aber ich hatte auch keine Ahnung, wie ich darauf reagierte... oder auf die Tatsache, dass ich ihn auch ein bisschen mochte.

Auf jeden Fall war es eine schlechte Idee, mit Aaron abzuhängen. Luke. Der erste Gedanke, der mir in den Sinn gekommen war, als ich die Haustür aufgemacht und da Aaron entdeckt hatte, war Luke. Wie würde Luke davon halten? Wie würde er sich fühlen, wenn er wüsste, wo ich gerade jetzt und mit wem ich war. Es mag trotzdem albern sein, an Luke zu denken, in Anbetracht dessen, dass ich mich ein paar Tage zuvor mit Aaron anfreunden wollen hatte, selbst wenn es Luke nicht gefiel, aber jetzt war die Situation schon anders.

Ich sah zum Paket in meinen Händen herunter, und zum ersten Mal am Tag bemerkte ich, dass ich nicht darüber nachdachte, was darin war. Tief atmete ich ein, dann ging ich langsam ins Bistro hinein, wo ich kurz stehen bleiben, um herumzusehen. Das war ein kleines Geschäft, in dem nur ein wenig Gäste anwesen waren. Es gab insgesamt nur sechs Tische, deshalb war es nicht wirklich schwierig, Aaron an einem der kleineren Tische zu finden, die sich an der Wand mit gerissenen Tapeten befanden. Aaron erblickte mich, doch sah er mich nur ganz an, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf das riesige Salat vor ihm richtete. Ich versprach mir, mich nicht dafür zu entschuldigen, dass ich ihn gestört hatte, als ich mich dem Tisch näherte.

„Entschuldigung.“ Ich zuckte innerlich zusammen, sobald die Worten aus meinem Mund herauskamen. Ich hätte mich nicht bei ihm entschuldigen sollen. Er hätte es sein müssen, der sich bei mir entschuldigte, da er mich so in den Wahnsinn trieb. Dennoch entwickelte sich bei mir irgendwie ein passiv-aggressiver Komplex, jedesmal wenn ich so stressig in Aarons Nähe war.

„Alles gut.“ Zuckte er lässig die Schultern. “Hast du Hunger?”

“Nicht ganz.” Runzelte ich die Stirn, da er sich so gelassen benahm, in Anbetracht dessen, dass ich ihn nur wenige Minuten zuvor offenbar verärgert hatte. „Aaron...“

„Ich setze dich ab, wenn ich hier fertig bin.“ Unterbrach er mich, sich immer noch auf sein Salat konzentrierend. Ich musste ihn eine ganze Minute neugierig beobachtet haben, fragte mich dabei, was er dachte, bevor er endlich aufschaute und mir in die Augen sah. „Wie ist deine Mutter gestorben?“

„Was?“ Erwiderte ich instinktiv, antwortete aber schnell, weil ich nicht wollte, dass er die Frage wiederholte. „Krebs. Sie ist an Krebs gestorben.“

“Ach so...” Nickte er. “Also, ist das der Grund, warum du hier bist? Bei Luke meine ich?“

„Na ja.“ Gab ich zu. “Ich meine, ja, da ist der Grund, warum ich hier bin.”

Ich merkte, dass Aarons Augen etwas feucht wurden, und für einen langen Moment sah er gedankenverloren aus, als ich mich wunderte, warum er mich danach fragte.

„Lukes Mutter ist auch gestorben.“ Sagte er schließlich. „Als ich ihm zum ersten Mal begegnet bin... war er noch zum Boden zerstört. Aber damals war er jünger... trotzdem hatte er schon viel durchgemacht... er würde niemanden sprechen. Niemanden, außer mich. Weißte, er hat mich nicht immer als ein Arschloch gehalten.“

„Aaron.“ Seufzte ich. “Das war vielleicht wahr, bevor du...”

„Ich hab einen Fehler gemacht.“ Unterbrach Aaron mich, plötzlich aufrecht sitzend, als er mich ansah. „Ich weiß... Ich hab einen Fehler gemacht. Aber ich bin nicht mehr so ein Mensch. Wenn ich in der Zeit zurück gehen könnte, wäre alles wohl anders. Das kann ich aber nicht. Jetzt hasst Luke mich, und ich muss damit klarkommen. Aber weißt du, mit was noch ich klarkommen muss? Dass Menschen mich beurteilen, ehe sie mich überhaupt kennenlernen, denn jemand wie Luke, oder einer seiner Freunde zögern nicht zu erwähnen, was für Menschen ihrer Meinung nach ich bin... Ich dachte du wärest anders.“

„Du hättest es wissen sollen, wie ich drauf reagierte hatte, als ich es rausfand.“ Erwiderte ich nach einem Moment. „Luke ist mein Cousin, du bist...“

“Nur ein Typ, von dem du denkst, dass du ihn magst?“ Sagte er bitterlich.

„Ich dachte, du warst schön cool, als ich dir zum ersten Mal begegnet bin.“ Gab ich zu. „Aber ich hab nie gesagt, dass ich dich magst...“

„Komm schon.“ Verdrehte er die Augen. “Du magst mich.”

Ich machte meinen Mund auf, um das zu verneinen, stattdessen errötete ich, also fragte ich etwas leiser. „Ist das der Grund, warum du... mich geküsst hast? Weil du dachtest, dass ich dich mochte?“

“Mich magst du immer noch. Und ja, warum nicht? Ich meine, ich konnte schon feststellen, dass du mich mochtest, ehe Luke dir all diese Scheiße erzählt hat, und ich dachte irgendwie, wenn ich dir zeig, dass ich dich auch mag... also, keine Ahnung, was ich dachte. Ich hab recht nicht damit gerechnet, dir gestern zu begegnen, weißte.“

Es entging meiner Aufmerksamkeit nicht, dass Aaron gerade zugegeben hatte, dass er mich mochte, im Sinne, dass er von mir angezogen wurde. Und ehrlichgesagt, wären die Umstände anders, wäre ich vielleicht wie ein Schulmädchen auf und ab gesprungen, als mir die Gedanken „Oh, mein erster Freund! Mein erster Freund!“ im Kopf herumtanzten.

“Wie kommst du denn drauf, dass ich dich mochte?” Ich fragte, dabei versuchte ich, neutral zu wirken. Außerdem gab es etwas, worum ich mir Sorgen machen sollten. Wahrscheinlich hatte Oma Alice rechts, dass ich offensichtlich war. „Ich meine, du solltest nicht irgendeinen Fremden küssen, wie kannst du überhaupt feststellen... ich meine, du weißt sogar nicht, ob ich... schwul bin.“ Die letzten Worten flüsterte ich, da ich sicherstellen wollte, dass niemand in der Nähe lauschen konnte.

„Ernsthaft?“ Grinste Aaron. “Ich nehm mal an, du wirst mir dann sagen, dass du es über mich auch nicht rausgefunden hast, oder?“

„Natürlich nicht!“ Zischte ich. Wie zum Teufel soll ich denn vor dem gestrigen Geschehnis wissen, dass er schwul war? Na ja, er hatte mit mir geflirtet, aber sogar das konnte ich mir nicht ganz sicher sein. „Du kannst es nicht einfach feststellen, indem du Menschen anguckst!“

„Das ist doch mehr.“ Erwiderte er, sich plötzlich über die Wende der Unterhaltung amüsierend. “Also, wie bei dir konnte ich es schon dadurch feststellen, wie du mich anguckst... und du hast ja gesagt, als ich dich zum Date eingeladen hab.“

„Was?“ Hob ich plöztlich meine Stimme. “Ich hab nie... du hast mich nicht... du hast nie...“ Stotterte ich, und Aaron lachte auf.

„Doch doch. Als du mich angerufen, erinnerst du dich?“

“Du hast mich nicht zum Date eingeladen! Ich dachte, wir würden nur mit deinen Freunden rumhängen oder so, nicht...“

„Ich hab es nur gesagt, weil meine Mutter in mein Zimmer reinging. Ich hab mich noch nicht bei ihr geoutet. Ich dachte, du wusstest schon.“

„Nein, hab ich nicht.“ Runzelte ich die Stirn. “Ich meine, ich hab es so gut wie nie gemacht. Ich hab mich nie bei jemandem geoutet, außer meine Mutter, aber sie ist... nicht mehr am Leben, und meine Oma weiß davon, aber... Scheiße. Meine Oma meinte, ich war offensichtlich, aber ich dachte nicht...“ Ich geriet langsam in Panik, und wurde wahrscheinlich wesentlich blass, als ich bemerkte, dass es jedem möglich wäre, es über mich herauszufinden.

„Ich hab nie gesagt, dass du offensichtlich warst.“ Sagte Aaron plötzlich, besorgt in meine Richung sehend. „Ich meine, ich kann es von Menschen irgendwie spüren. Wo du wohnst macht es bei dir sowieso einfacher rauszufinden. Ich meine, sobald du mir gesagt hast, dass du bei Luke bleibst...“

„Was meinst du?” Da war ich verwirrt.

“Na weißte.” Zuckte Aaron die Schultern. “Da drüber ist quasi das Haus der Schwuchteln.”

„Huh?”

“Na ja, ich meine, das ist nicht so üblich.“ Fuhr er fort. „Aber Jase und Eddie sind praktisch miteinander verheiratet, und dann hatten sie Luke, da ist also quasi ne große schwule Familie, also als du... was?“

Aaron sah mich komisch an, da ich wirklich geschockt gewirkt haben musste, als ich es langsam verdaut, was er mir gerade erzählt hatte. Ich machte meinen Mund ein paar Male auf und zu, versuchte mich zu Wort zu melden, als ich fragend zu Aaron herübersah. Schließlich schüttelte ich den Kopf und krächzte aus. „Wie bitte?“

Aaron runzelte die Stirn und beobachtete mich eine Minute, ehe seine Augen sich leicht weiteten und er ein bisschen aufrechter saß.

„Du meinst, du hast keine Ahnung, was ich sage?“ Fragte er ungläubig. Jetzt sah Aaron genauso verwirrt wie ich aus.

Ich konnte einfach nur den Kopf schütteln und wiederholen. „Haus der Schwuchteln?“

„Ja.“ Antwortete er mit einem kleinen Achselzucken. „Sie sind schwul, Rory. Alle von ihnen.“

Ende des 7. Kapitels

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 14 Mai 2018, 01:19

Ups, den letzten Beitrag hab ich versehentlich als den letzten Teil des 7. Kapitels gekennzeichnet. Nächste Woche kommt das 8. Kapitel: Aufgedeckt

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 14 Mai 2018, 08:27

Hahaha...you made my day :flag:

Hatte ich also doch recht ! Ich feier gerade so ab !
Eddie und Jase waren ja klar, aber Luke ist also doch auch schwul. Ich hatte es ja ein bisschen vermutet, aber dachte dann, das es doch eher unwahrscheinlich ist... und da du geschrieben hast Luke ist nur nett, habe ich das so hingenommen.
Aber es gefällt mir !
Was wird Rory jetzt machen ? Sich auch endlich outen hoffentlich. Ist er erleichtert, oder doch erstmal eher entsetzt ?

Und Aaron ist auch schwul ? Nicht nur ein Spiel? Bei ihm bin ich mir immernoch unsicher, wer er ist und was er vor hat.

Jedenfalls sehr schöner Teil :D
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SammyBlue » 14 Mai 2018, 23:35

Hey Sergey,

konnte meinen Augen kaum glauben, als ich das sah. :D Alter Schwede hast du dir da ein Megaprojekt vorgenommen.

Es ist sehr lange her, dass ich Desert Dropping gelesen habe, aber habe es als sehr gute Story in Erinnerung. The Long Way / In The Fishbowl waren auch empfehlenswert, soweit ich mich erinnere...

Theoretisch bräuchtest du hierfür eine Erlaubnis, aber da DomLuka anscheinend endgültig von der Bildfläche verschwunden ist... wo kein Kläger da kein Richter und ich nehme mal an dass er das hier sowieso befürworten würde.

Habe nur ein paar Passagen gelesen aber die Übersetzung sieht soweit gut aus, auch wenn du doch recht nah am Englischen übersetzt und dadurch einige Stellen entstehen, die man im Deutschen eher anders ausdrücken würde. Vielleicht ist ja einer deiner Leser hier bereit, als Editor zu helfen... insgesamt ist es aber eucht gut und sicherlich auch eine gute Wahl für boypoint.

Ich wollte ja auch immer mal was übersetzen, habe da mehrere Favoriten, aber es fehlt mir da einfach die Zeit...

Wie bist du auf GA gekommen? Bist du da öfters oder war das eine Einzeltat? ;)

Viel Erfolg mit der Übersetzung hier auf BP

Liebe Grüße
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 15 Mai 2018, 01:04

Hallo Sammy

zuerst einmal danke für deinen echt netten Kommentar, ich freue mich sehr, dass so ein bekannter Autor hier auf boypoint meinen beitrag kommentiert hat XD. In Bezug auf Erlaubnis hätte ich zwar theoretisch darum fragen müssen, aber leider konnte ich den Autor nicht kontaktieren, weil er, wie gesagt, schon lange verschwunden war (ich warte immer noch auf die Fortsetzung zu Hello Stupid :D ). Dabei möchte ich mich auch entschuldigen, wenn die Übersetzung eher "zu englisch" wäre, denn Deutsch ist ja nicht meine Muttersprache. Ich kann nur hoffen, dass mir jemand hier als Editor helfen könnte XD

Zu deiner Frage, wie ich auf GA gekommen bin, also ich war da seit glaub ich 5 Jahren, als ich noch in der Schule war. Ich wollte anfangs eigentlich nur mein Englisch üben, aber es ist langsam zu einer Sucht geworden XD Da habe ich deine englische Version von Gemini gelesen, und dann habe ich herausgefunden, dass es auch eine deutsche Version gibt, deswegen bin ich auf boypoint gekommen :D

Noch einmal danke dir sehr, und wenn du etwa Ratschläge zu der Übersetzung oder dem Schreibstil im Allgemeinen hast, bitte sag mir einfach. Ich freue mich darauf.

LG

C.Pham

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 15 Mai 2018, 01:14

Simson hat geschrieben:Hahaha...you made my day :flag:

Hatte ich also doch recht ! Ich feier gerade so ab !
Eddie und Jase waren ja klar, aber Luke ist also doch auch schwul. Ich hatte es ja ein bisschen vermutet, aber dachte dann, das es doch eher unwahrscheinlich ist... und da du geschrieben hast Luke ist nur nett, habe ich das so hingenommen.
Aber es gefällt mir !
Was wird Rory jetzt machen ? Sich auch endlich outen hoffentlich. Ist er erleichtert, oder doch erstmal eher entsetzt ?

Und Aaron ist auch schwul ? Nicht nur ein Spiel? Bei ihm bin ich mir immernoch unsicher, wer er ist und was er vor hat.

Jedenfalls sehr schöner Teil :D


Um ehrlich zu sein war ich selbst echt überrascht wie Rory, als ich gelesen habe, dass Eddie und Jase eigentlich nicht Brüder sind. So dumm von mir, oder? :D :D Aber ich meine, ich kann Rorys Schock verstehen, er hat schon einen starken Eindruck, dass Eddie der "Inbegriff der Männlichkeit" ist, außerdem hat er auch darauf bestand, dass er und Jase Brüder sind. Rory weiß einfach nicht besser :D Luke ist meiner Meinung nach viel "offensichtlicher", wenn man sein Benehmen richtig beobachtet.

Und Aaron, hmm... der Aaron ist wie immer ein Rätsel, ob er sich echt verändert hat, weiß man bisher ja nicht 8)

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 16 Mai 2018, 11:59

Na, ich bin gespannt wie's weitergeht !

Hier mal die versprochenen Anmerkungen zu deiner Übersetzung:

Meistens sind es nur Kleinigkeiten, hier und da ein Wort vergessen, oder die falsche Zeitform (ist aber selten), oder du benutzt ein eher ungewöhnliches Adjektiv / Verb -wie zum Beispiel beim "schlampigen Kuss". Das würde man im Deutschen nicht schreiben, eher wilder..., nasser..., stürmischer..., oder sowas. Andererseits finde ich persönlich sowas auch ganz witzig und es stört die Geschichte überhaupt nicht!

Ich möchte mich eher Sammy Blue anschließen, und dir danken, dass du dir die Mühe machst.
Ich kenne das Original nicht und wenn Sammy meint, das sei ein Megaprojekt, bin ich gleich noch dankbarer ! :D

Als Editor kann ich dir leider nicht dienen, mich kostet schon jeder Kommentar einige Überwindung. Ich mag es eigentlich nicht in Foren zu schreiben und zu kommentieren (dafür lese ich fleißig). Du hast mir schon erstaunlich lange Kommentare entlockt. Darauf kannst du dir was einbilden 8)
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

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