In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

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Simson
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 14 Apr 2018, 16:20

Hmm, wieso ich denke das Eddie und Jase ein Paar sind ?
Na weil Eddie schwul ist :D .
Ich denke wirklich von Anfang an, dass das so ist.
Es gab so viele kleine Hinweise z.B.:
Rory soll sich unbedingt bei im outen, will die Oma und weiß dass das gut wird...
es gibt einen bestimmten Grund (ausser das er sein Vater ist) warum Rory unbedingt zu Eddie soll
... Eddie konnte nicht bei Rorys Mutter bleiben, sie war seine beste Freundin...es war kompliziert... aber er KONNTE einfach nicht...
Du betont so sehr Eddies Männlichkeit :wink: ...
Eddie und Jase wohnen nicht nur zusammen, sie LEBEN zusammen... Jase wickelt ihn um den Finger...Sie tauschen ständig Blicke... das Foto...
usw.

Aber vielleicht liege ich ja auch völlig falsch 8)
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

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SergeyP
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 15 Apr 2018, 01:02

Simson hat geschrieben:Hmm, wieso ich denke das Eddie und Jase ein Paar sind ?
Na weil Eddie schwul ist :D .
Ich denke wirklich von Anfang an, dass das so ist.
Es gab so viele kleine Hinweise z.B.:
Rory soll sich unbedingt bei im outen, will die Oma und weiß dass das gut wird...
es gibt einen bestimmten Grund (ausser das er sein Vater ist) warum Rory unbedingt zu Eddie soll
... Eddie konnte nicht bei Rorys Mutter bleiben, sie war seine beste Freundin...es war kompliziert... aber er KONNTE einfach nicht...
Du betont so sehr Eddies Männlichkeit :wink: ...
Eddie und Jase wohnen nicht nur zusammen, sie LEBEN zusammen... Jase wickelt ihn um den Finger...Sie tauschen ständig Blicke... das Foto...
usw.

Aber vielleicht liege ich ja auch völlig falsch 8)

Sieht so aus, dass du sehr auf Details geachtet hast, oder? XD also mal schauen, ob deine Vermutungen wahr sind. Nächste Woche kommt das 4. Kapitel: Grund

Fortsetzung zu Kapitel 3

Den-ganzen-Sommer-lang-Verschlafen und Schlafen sind zwei sehr verschiedene Dinge. Das Probleme des ersteren war, dass es einerseits nichts bringen konnte, andererseits konnte ich nicht immer einschlafen wegen meiner eigenen Gedanken an meine Situation.

Also lag ich einfach da unter der Decke, bis ich mich so träge fühlte, als wäre ich nicht mehr am Leben. Trotzdem hörte ich endlich damit auf, an alles, was mich störte, zu denken. Das aufreibende Gefühl verschwand auch. Ich war nur noch einfach... taub.

Nachdem meine Mutter gestorben war, schlief ich sehr viel. Damals nannte man das Depression, aber ich würde es eher Vermeidung nennen. Etwa zwei Stunden nachdem ich ins Bett gegangen war, kam Eddie in mein Zimmer, um nach mir zu sehen. Ich zog danach das Kissen über den Kopf und tat so, als wäre ich am Schlafen. Er ging daraufhin einfach weg.

Als Eddie nach ein paar Stunden später zurückkam, um mich zu informieren, dass das Abendessen gleich fertig sei, schüttelte er mir tatsächlich die Schulter, um mich aufzuwecken. Diesmal öffnete ich meine Augen, aber nur lang genug, um auszudrücken, dass er mir auf die Nerven ging, bevor ich mich umdrehte und ihn weiter ignorierte.

Danach kam Jase. Er war nicht so zärtlich wie Eddie, als er versuchte, mich aufzuwecken. Er schwang die Tür auf und rief ins Zimmer.

„Rory, das Abendessen ist schon fertig. Wir warten alle auf dich. Dave übernachtet heute hier... du wirst wahrscheinlich früher oder später rausfinden, dass er nicht gerne wartet, wenn es ums Essen geht.“ Er versuchte, einen Witz zu machen, glaubte ich. Ich machte mir sowieso nichts daraus.

„Hab keinen Hunger.“ Murmelte ich und griff das Kissen fest über meinen Kopf.

„Wie du willst.“ Jase hörte sich genervt an. Mindestens machte er danach die Tür zu und ließ mich in Ruhe. Dennoch war ich nicht allein. Chey war irgendwie im Zimmer eingesperrt, und als sie begann, meinen Fuß zu lecken, schmieß ich sie weg.

Und dann war es still. Ich war wahrscheinlich irgendwann eingeschlafen. Es musste der Fall sein, denn als ich wieder aufwachte, war das ganze Haus total still. Und ich war hellwach. Na ja, nach dem achtsstündigen Schlafen wäre es eher unmöglich, nicht hellwach zu sein.

Es war nur kurz nach elf. Normalerweise wäre es an der Zeit, dass ich ins Bett gehen müsste. Aber ich konnte jetzt einfach nicht. Deshalb stand ich auf, ging in meinem Zimmer herum und fühlte mich dabei etwas ruhelos. Alle meine Frustationen des letzten Tags kamen mir langsam wieder in den Sinn. Jene Bilder von Mama und Eddie. Luke und die Art, wie er mich plötzlich verabscheute. Und die Luft in meinem Zimmer schien schal zu sein. Es lag nicht daran, dass mein Zimmer stank, sondern dass ich einfach ausgehen wollte.

Ich zog Jeans und ein T-Shirt an, dann verließ ruhig das Zimmer. Es war im Keller dunkeln. Ich konnte die Musik aus Lukes Zimmer hören, aber die war nicht sehr laut. Er war wahrscheinlich eingeschlafen, während das Radio noch ein war.

Trotz der Dunkelheit schaffte ich es ohne Probleme auf die Treppe. Oben gab es ein schwaches Flurlicht, das mir genug Licht gab, damit ich mich in der ungewohnten Umgebung zurechtfinden konnte, als ich barfuß auf Ziehenspitzen ging und dabei hoffte, dass ich niemanden aufwecken würde. Schließlich erreichte ich die Hintertür und trat aus.

Die Luft da draußen schien nicht so heiß wie sie war früher am Tag, aber trotzdem war sie immer noch wärmer als die im Haus. Und sie war frisch. Ich atmete tief ein und konnte dabei den bekannten Geruch des Chlors vom Schwimmbad riechen.

Das Wasser war für mich immer beruhigend. Selbst wenn es sich bewegte, schien es immer so ruhig, friedlich. Und Schwimmen. Ich liebte einfach zu schwimmen. Wenn ich schwamm, dachte ich an nichts anders als das Gefühl, dass ich vom Wasser umgeben war. Wasser war mir bekannt. Ich brauchte jetzt diese Bekanntschaft. Ich könnte mein altes Leben nicht mehr zurückholen, aber zumindest konnte ich noch etwas Bekanntes hier finden.

Ich zog bis auf die Unterhose aus und ging ohne zu zögern zum tiefen Ende des Schwimmbads. Ich weder sprung noch tauchte, trat sondern einfach ein. Es war dadurch ruhiger.

Ich hob meine Knien an meine Brust und schlang meine Arme um sie, fühlte mich dabei schwerelos, als ich sank. Mir gefielen das Gefühl, und wie es nur genug Licht für mich gab, damit ich meine Umgebung sehen konnte, als ich meine Augen öffnete und mich an die Empfindung des Wassers gegen sie gewöhnte.

Ich versuchte nicht, mich zu ertrinken. Ich konnte sehr lang meinen Atem anhalten. Deswegen war es mir kein Problem, unter Wasser zu sitzen, um mir etwas Fried zu finden. Tatsächlich war es nicht das erste Mal, das ich es gemacht hatte.

Ich hatte nach dem Tod meiner Mutter viel Zeit auf dem Boden des Schwimmbads meiner Schule verbracht. Mein Trainer gab mir sogar den Schlüssel für das Fitness-Studio, sodass ich zurückkommen konnte, nachdem alle anderen nach Hause gegangen waren. Ich würde mich unter Wasser schweben lassen und darauf warten, dass das entspannte Gefühl übernahm und sich meine Gedanken beruhigten. Ich würde dabei auch an meine Mutter denken.

Ich würde nicht an traurige Erinnerungen denken, nämlich wie sie starb, oder dass sie nicht mehr da für mich war. Ich würde an die Zeit, als wir glücklich waren, denken. Nämlich das erste Mal, dass sie mich zum Schwimmen brachte. Schon als Kind hatten wir zusammen unter Wasser gesessen. Mama würde meine Hände halten und wir würden üben, unseren Atem anzuhalten, dann würden wir miteinander im Wasser sprechen, obwohl wir kaum verstehen konnten, was wir zueinander redeten. Es hörte sich da immer so lustig.

Und ich erinnerte mich an ihr Lächeln. Und ihr Lachen. Sie hatte ein einzigartiges Lachen. Es war irgendwie piepsig, welches manche Leute irritierend finden könnten. Ich fand es aber lustig. Jedesmal wenn Mama lachte, lachte ich auch, einfach weil ich sie lachen hörte.

Als sie gerade gestorben war, blieb ich auf dem Boden des Schwimmbads sitzen und streckte ihr meine Hände aus, genauso wie ich es gemacht hatte, als ich klein war. Natürlich war sie nie mehr da, aber ich konnte mich immer noch an das Gefühl, wie sie meine Hände hielt und mich aus dem Wasser zog, empfinden.

Ich steckte wieder meine Hände aus, versuchte dabei an meine Mutter zu denken, als mich das friedliche Gefühl übernahm. Ich spürte, dass ich noch nicht zu atmen brauchte. Es dauerte noch eine Weile. Ich schloss meine Augen, setzte etwas Luft aus meinen Lungen ins Wasser frei und bewegte mich. Ich wünschte mir, dass ich gar nicht atmen müsste. Ich könnte für immer im Wasser bleiben.

Aber das friedliche Gefühl war eher kurzlebig.

Ich spürte, dass meine Handgelenke ergriffen wurden, und daraufhin schnappten meine Augen auf. Offenbar war ich aufgeschreckt. Ihr wärt natürlich auch erschrocken, wenn ihr unter Wasser plötzlich ergriffen werdet. Bevor ich mal herausfinden konnte, wer oder was das war, wurde ich umgedreht und an einen Körper herangezogen, während mir ein Arm um die Brust fest schlang.

Ich geriet anfangs unmittelbar in Panik, versuchte dabei, mich vom Griff zu befreien, aber als wir uns der Oberfläche näherten, zwang ich mich zu entspannen und ließ mich aus dem Wasser bringen, während ich versuchte herauszufinden, was zur Hölle los war.

Sobald mein Kopf die Oberfläche erreichte, wurde ich gegen die Wand geschubst und ich hielt mich fest an den Vorsprung, hievte mich damit instinktiv aus dem Wasser. Ich war noch kaum ober der Oberfläche, als Chey mein Gesicht leckte, und ich musste sie stöhnend wegschubsen.

„Was zum Teufel machst du denn?“

Ich blickte auf und sah Luke über mir stehen, dabei sah er wütend aus. Aber es war im Moment nicht das Problem. Er war tropfnass und hatte nichts außer einer weißen Unterhose an. Nasse Unterhose. Es ließ sich deshalb nur noch wenig phantasieren. Außerdem war sein Schritt gerade vor meinem Gesicht, und ich konnte nicht umhin anzustarren.

„Oder verlierst du schon den Verstand?“ Brüllte er so, dass ich meinen Blick zurück auf sein Gesicht richten musste.

Dann fang ich langsam an, die Situation zu verstehen. Luke hatte mich aus dem Wasser gezogen. Aber wieso? Das machte keinen Sinn. Ich erinnerte mich daran, dass ich noch sauer auf ihn war, dann sprang auf die Füße und warf ihm einen finsteren Blick zu.

“Ich?” Fragte ich irritiert, “Was ist los mit dir?“

„Nur weil du hier nicht glücklich bist, heißt es nicht, dass du so einen kindischen Streich spielen darfst!“ Entgegnete Luke, „Mein Gott, du bist so ein Balg! Versuchst du Aufmerksamkeit oder sowas zu bekommen? Na ich muss es dir dann sagen, dass es dir nichts bringt, bis es zu spät ist, wenn du dich ertrinkst. Du bist echt dumm, weißte?“

Ich ertrank mich? Das klang mir irgendwie so dämmlich, dass ich über ihn gelacht hätte, aber ich war leider wegen meiner Wut nicht in der Stimmung dafür. Zuerst warf er Aarons Nummer aus dem Autofenster, danach behandelte er mich beschissen, und schließlich zog er mich aus dem Schwimmbad, als hätte er mir einen Gefallen getan.

“Erstens ging’s mir ganz gut, also war’s nicht nötig, dass du den Helden spielst.“ Erwiderte ich, „Zweitens, selbst wenn ich Rettung brauchen würde, bist du der Letzte, den ich um Hilfe bitten würde. Und wenn du jemanden für kindisch hälst, guck dich selbst an! Tja, ich bin hier ja nicht glücklich, aber du hast kein Recht, dich drüber zu beklagen. Du bist wahrscheinlich die erste Person, die freiwillig meine Koffer packen wird, wenn es mich aus eurem Leben schneller rausschmeißen kann.“

Luke öffnete seinen Mund, um etwas zu sagen, aber ich gab ihm keine Chance. Ich sprung rückwarts ins Wasser, denn ich wollte ihn komplett ausweichen und zu meinem friedlichen Ort zurückkommen. Aber es war nicht einfach nach der letzten Begegnung.

Wie kam er darauf, mich zu retten? Ich brauchte sowieso keine Rettung. Und wegen ihm verlor ich meine Mutter. Na ja, nicht meine Mutter, sondern meine Einbildung von ihr. Und ich konnte sie auch nicht zurückbekommen. Jene verdammten Hormone hatten fröhliche Urstände gefeiert und all, was ich einbilden konnte, war Luke in seiner nassen Unterhose. Es wurde auch nicht besser, mich zu erinnern, dass er mein Cousin, den ich nicht einmal mochte, war. Mein Schwanz sprang einfach auf, genauso wie er gestern, als Luke nackt herumging. Was zum Teufel war los mit mir?

Ich schloss noch einmal meine Augen, als ich mich auf den Boden des Schwimmbads setzte, um meinen Kopf abzuräumen, mein Körper schwebte dabei ein bisschen. Unterwassersein half immer, aber als ich meine Augen öffnete, bekam ich einen anderen Schock, weil ich Luke mir gegenüber sitzen sah, wo ich normalerweise meine Mutter einbilden würde, und er schaute mich dabei intensiv an.

Ich starrte ihn zurück und fragte mich, was zur Hölle er machte. Ich überlegte mir, das Schwimmbad zu verlassen, weil ich dachte, dass er mich nur nerven wollte, aber stattdessen blieb ich da und starrte ihn einfach an. Ich konnte warten, bis er aufgab. Es war unmöglich, dass er seinen Atem länger als ich anhalten konnte.

Tatsächlich, einige Minuten später wurde sein Gesicht rot und er trat plötzlich vom Boden des Schwimmbads und schwamm zur Oberfläche, um Luft zu bekommen. Ich kam eine Minute später zu ihm und er watete immer noch Wasser und hustete.

“Bist du ein Biest oder sowas?” Fragte er und wischte sich Wasser aus seinem Gesicht.

„Was willst du denn?“ Runzelte ich die Stirn. “Du hast ganz deutlich gemacht, dass du nicht will, dass ich hier bin, Luke. Dann warum lässt du mich nicht in Ruhe?“

„Weil ich nicht viele Leute kenne, die den ganzen Tag schlafen und dann in der Nacht auf dem Boden des Schwimmbads sitzen.“ Erwiderte er. „Eddie und Jase machen schon Sorge um dich, wenn dir etwas passiert wäre, weil du verdammt dumm bist...“

“Niemand muss Sorge um mich machen.” Runzelte ich die Stirn. „Also lasst mich in Ruhe.“

Ich fing an, wieder ins Wasser zu gehen, aber meine Nase war kaum unter der Oberfläche gewesen, bevor ich von Lukes Händen erschrocken wurde, als sie meine Ärme griffen, um mich nach oben zu ziehen. Danach zog Luke mich an sich heran, positionierte dabei unsere Schritten gegen einander, und meiner war noch halbhart. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie schrecklich es wäre, wenn Luke es herausfände, deswegen reagierte ich blitzschnell, indem ich ihm meine Hände auf den Kopf legte und ihn eintauchte, dadurch gelang es mir, mich zu befreien.

Luke tauchte wieder auf, spuckte dabei Wasser aus und sah absolute beleidigt aus. Ich konnte nicht umhin zu lachen.

Ich fand nichts besonders komisch, nicht wirklich, aber es fühlte sich gut zu lachen, als würde ich plötzlich hellwach. Ich ignorierte es, dass Luke mich so ansah, als wäre ich verrückt. Aber als ich mich abwandte, um auf den Rücken zu schwimmen, verzog sein rechter Mundwinkel zu einem Lächeln und er planschte mich.

Ich hatte es erwartet, deshalb tauchte ich mich ins Wasser ein und schwamm dreist unter ihm, dann griff ich seinen Fußknöchel und zog ihn nach unten. Luke bewegte sich mit mir, versuchte dabei, auch mein Bein zu greifen, aber ich entging ihm, und ehe er mich fangen konnte, war ich schon in den Schatten hinter ihm.

Danach tat ich etwas, welches mich auch überraschte. Vielleicht lag es daran, dass ich noch über ihn verärgert war, weil er Aarons Nummer wegwarf. Oder vielleicht lag es einfach an meiner momentan spitzbübischen Laune. Ich war mir nicht sicher, was ich dachte, als ich nach seiner Unterhose griff und zog sie von ihm aus.

Ich hörte Luke überrascht verfluchen, bevor er sich eintauchte, um mich zu fangen, als ich mit seiner Unterhose wegschwamm. Sowieso schaffte er das nicht, weil ich bereits aus dem Schwimmbad war, und als ich auf ihn zurückschaute, warf er mir einen finsteren Blick.

Du wirst es bereuen.” Warnte er, aber es gab keinen Ärger in seiner Stimme wie ich erwartet hatte. Er hörte sich fast amüsiert an.

Ich grinste ihn an, dann blickte auf Chey herab, die ihren Schwanz wild wedelte, und bevor ich darüber nachdenken konnte, hielt ich die nasse Unterhose vor ihrer Nase. Ich hatte nie damit gerechnet, dass sie mir die Unternase wegreißen und ins Haus damit rennen würde, aber genau das tat sie.

“Nein, Scheiße! Chey!” Rief Luke.

Er fing dann an, aus dem Schwimmbad zu klettern, während ich mit dem Lachen so beschäftigt war, dass ich fast vergaß wegzulaufen. Fast. Ich erreichte die Glasschiebertür kurz vor Luke, und ich sperrte ihn aus, noch einmal ohne darüber nachzudenken.

Ich sah den Ausdruck des Unglaubens sein Gesicht überziehen, als er auf der anderen Seite der Tür nackt und geschockt stand. Er versuchte dabei vergeblich, die Tür aufzumachen. Und dann schnappten seine blauen Augen, die weit und fast flehend waren, zu meinen.

“Rory!” Runzelte er die Stirn, “Mach die Tür auf! Rory!”

Ich überlegte mir, die Tür aufzumachen. Wirklich. Aber dann erinnerte mich daran, wie er mich wegen Aaron behandelte. Und wie er mich vor Dave behandelte, oder wie es sich fühlte, als er mich offensichtlich ignorierte. Ich entschied mich dafür, den Gefallen zu erwidern. Ich ging einfach weg. Und nein, ich fühlte mich gar nicht dafür schuldig.

……………

Ich hörte Chey an meiner Schlafzimmertür scharren und ließ sie hinein, nachdem ich mir ein trockenes Hemd über den Kopf gezogen hatte. Ich entschied mich dafür, ihr einen guten Kratzer hinter den Ohren zu geben, weil sie mir dabei geholfen hatte, ihrem beschissenen Besitzer einen Streich zu spielen.

Aber es hatte schon fast dreißig Minuten gedauert. Ich dachte, dass ich Luke bereits hineinlassen sollte. Ich mochte kindisch, rachsüchtig sein, Scheiße, aber ich war nicht total boshaft. Ich hatte nicht vor, dass ich ihn die ganze Nacht aussperren würde. Aber sowieso würde er nicht da draußen zum Tod erfrieren. Und obwohl ich Luke nur seit einem Tag kennen durfte, war es mir schon offensichtlich, dass er wegen seines Körpers definitiv nicht schüchtern war. Ich war mir sicher, dass er daran noch mindestens eine Stunde leiden könnte.

Außerdem hatte ich keine Eile, verprügelt zu werden. Ich wusste zumindest gut genug, dass Luke größer und stärker als ich war. Die Gedanke, dass er mich entzwei bricht, kam mir nicht in den Sinn wie als ich an Eddie gedacht hatte, aber Luke konnte mich definitiv so gut vermöbeln, deswegen wollte ich es möglichst lang verzögern.

Ich hörte aber auf, mir zu überlegen, ob ich ihn hineinlassen sollte, als ich das Tippen an meinem Fenster hörte. Ich zog die Vorhänge zurück und schaute auf. Weil mein Zimmer im Keller war, waren die Fenster höher als normal. Trotzdem waren sie nicht so hoch, dass ich Luke nicht sehen konnte, der sich da draußen kniete und mit den Händen die Leiste bedeckte.

Ich war irgendwie überrascht, ihn da zu sehen. Mein Zimmer war zur Vorderseite des Hauses gerichtet, das hieß, dass er in diesem Zustand rund um es gegangen war. Nackt. Er hatte anscheinend Glück, weil wir mitten im Nirgendwo wohnten.

Er runzelte die Stirn, aber ich konnte nicht einmal über ihn lachen, weil seine Augen mich im Moment praktisch flehte. Ich zögerte mich daher nicht, das Fenster aufzumachen. Ich trat zurück, und diesmal blickte ich weg, als seinen Körper ausstreckte und er ließ sich dann durch das Fenster hineinfallen. Der Gedanke, dass ich von einem Verwandten angezogen wurde, wurde zunehmend beunruhigend. Aber der Gedanke, dass ich von jemandem, über den ich mich noch ärgerte, angezogen wurde, war sogar schlechter.

Ich schaute erst zurück, als ich das Fenster sich schließen hörte, und ich versuchte mein Bestes, meinen Blick auf sein Gesicht zu halten, während er mich böse ansah. Ich fühlte mich dann nervös, denn ich bemerkte, dass ich gerade den Feind hineingelassen hatte und er würde wahrscheinlich sehr gern mich verprügeln. Dennoch gab es keine einzelnen Schläge, er starrte mich sondern einfach an und knurrte mit zusammengebissenen Zähnen „Danke“, dann ging zur Tür, ohne sich darum zu kümmern, irgendeinen Teil seines nackten Körpers zu bedecken. Er hielt kurz an, um auf seine Hündin, die noch neben mir stand, herabzublicken, dann rief er „Los, Chey.“ Aber zu meiner Überraschung, und auch Lukes, setzte sie sich genau dort hin, wo sie war. Luke sah sie stirnrunzelnd an, verließ dann aber ohne ein weiteres Wort und schloss dabei die Tür hinter ihm.

Ich blickte auf Chey hinunter und ließ den Atem los, den ich gehalten hatte, als ich mich langsam auf das Bett setzte. Ich hatte eine Konfrontation erwartet, nach dem, was ich Luke angetan hatte. Die Tatsache, dass er mir dafür dankte, ihn hineinzulassen, und wegging, ohne etwas zu sagen, ließ mich verblüfft fühlen. Ich hatte jedoch nicht viel Zeit, darüber nachzudenken. Eine Weile später unterbrach das leise Klopfen an meiner Tür meine Gedanken. Bevor ich darauf antworten konnte, öffnete sich die Tür und Luke kam zurück hinein, diesmal in Kleidung.

“Okay.” Sagte er lässig und sah mich an, “Du gewinnst.”

„Ich gewinne?“ Runzelte ich die Stirn, denn ich hatte keine Ahnung, was er meinte.

„Ja.“ Seufzte er, dann setzte sich mir gegenüber auf den Boden, als er Chey seine Hand ausstreckte, um sie zu streicheln. „Wenn meine eigene Hündin anfängt, mich zu ignorieren, dann weiß ich, dass ich mich wie ein Arschloch benehmen müsste.“ Ich starrte ihn nur an, weil ich mir nicht sicher war, was zu sagen, dann setzte Luke fort. „Also... ich schulde dir eine Entschuldigung. Ich war irgendwie ein Trottel... wegen Aaron.“

“Irgendwie?” Verzog ich ihm eine Augenbraue.

„He, ich war gerade vierzig Minuten draußen nackt.“ Erinnerte er mich, „Du hast deine Meinung klargemacht. Also versuche ich mich jetzt bei dir entschuldigen. Du könntest sie mindestens annehmen.“

“Stimmt.” Seufzte ich, “Na gut, tut mir leid, dass ich dich ausgesperrt hatte.” Ich dachte, er habe Recht. Und ehrlichgesagt war Lukes Entschuldigung das Beste, was mir den ganzen Tag passierte.

“Das war zwar irgendwie lustig.” Grinste er, „Ich meine, ich hab recht nicht gedacht, dass du es tatsächlich machen würde.“ Aber sein Lächeln dauerte nicht lang, „Ich hab es irgendwie verdient, ne?“

“Irgendwie.” Stimmte ich zu. “Ich meine, wenn wir Nachbarn hätten, denk ich nicht, dass ich es gemacht hätte.”

“Doch.” Lächelte er, “Aber im Ernst tut mir leid wegen dem ganzen Aaron Ding... und heute. Du hast es nicht verdient, so behandelt zu werden.“

Ich runzelte die Stirn und erinnerte mich daran, wie es sich bei unseren wenigen Begegnungen am Tag fühlte. Ich hatte die Art, wie er mich behandelte, gehasst. Egal ob er verärgert war, hatte er sich wie ein Trottel benommen.

“Also tut mir leid.” Sagte er weiter, “Ich weiß, es ist für dich hart... hier zu sein. Ich wollte es nicht schlimmer machen. Es lag nur dran, dass Aaron... er ist mir irgendwie unerträglich. Der Gedanke, dass irgendeiner in disem Haus mit ihm spricht, treibt mich schon auf den Wahnsinn. Aber vielleicht war es zu erwarten, oder? Ich meine, du hast nur versucht, Freunde zu finden, und als wir bei dem Park waren... hab ich dich wahrscheinlich schließlich ignoriert.“

Ich hatte nicht darüber nachgedacht. Sie hatten mich zu einem Spiel beim Park eingeladen. Das war meine Entscheidung gewesen, nicht beizutreten.

„Du hast mich nicht ignoriert.“ Erwiderte ich. Er sah schuldig aus, und ich beschloss, dass es nicht so schlimm wäre, ihn zu begnadigen. „Ich hab mit Aaron gesprochen, weil ich es wollte. Nicht weil ich musste. Übrigens warum hasst du ihn so sehr? Er schien mir ganz nett zu sein. Und er hat auch nichts böses über dich gesagt.”

“Würd’ er nicht, denk ich.” Sagte er spöttisch, „Aber glaub mir Rory, der Kerl ist gut für nichts.“

“Das klärt bloß nicht, warum du so meinst.” Wies ich hin. Ehrlichgesagt war ich neugierig darauf, warum Luke Aaron so sehr hasste. Es schien eventuell untreu von mir zu sein, Lukes Seite nicht automatisch zu ergreifen. Aber die Tatsache war, dass ich keinen von ihnen wirklich kannte. Wahrscheinlich hatte ich mich in der ganzen Zeit hier länger mit Aaron unterhalten, als mit Luke. Und Aaron war nicht derjenige, der mir sagte, wie schrecklich die andere Person sei.

„Ich denke es macht nichts draus, warum er mir nicht gefällt.“ Seufzte er. „Ich hab kein Recht, dir vorzuschreiben, mit wem du dich anfreunden kannst, Rory. Hör mal, ich kann den Kerl nicht leiden, und ich werde dich vor ihm warnen, aber... wenn du ihn anrufen willst, werde ich dich nicht deswegen verabscheuen.“

„Aha? Und wie kann ich denn das machen?“ Griente ich.

„Ja stimmt.“ Lachte Luke, „Also hatte ich einen kindischen Moment, als ich die Nummer weggeschmissen hab.“ Gab er zu, “Was muss ich denn machen, sodass du mir verzeihst?”

„Keine Ahnung, vielleicht würde ich dir verzeihen, wenn du zurück zur Autobahn gehst und nach dem Dairy Queen Bon mit der Nummer suchst.“ Antwortete ich.

“Meine Güte du bist hart, oder?” Lächelte er, „Aber glücklicherweise muss ich nicht was so Extremes machen.“ Sagte er, als er aufstand und wieder zur Tür ging. „Du kannst Aaron jederzeit anrufen, wenn du willst. Seine Telefonkurzwahl ist sieben.”

Kurzwahl? Wieso würde Luke eine Kurzwahl für jemanden, den er hasste, einstellen? Das war definitiv seltsam.

„Dann ist alles okay zwischen uns?“ Fragte er, als er bei der Tür auf mich zurückblickte. Diesmal war Chey bei ihm.

„Jap.“ Zuckte ich die Schultern. „Alles gut.“

“Gut.” Nickte er, “Aber Rory... ich mein’s ernst, was ich über Aaron gesagt hab. Sei vorsichtig... ich weiß, er scheint cool zu sein. Aber er neigt dazu, seine ‘Freunde’ sich hängen zu lassen.”

Ich fragte mich, was Luke dabei meinte. Ich konnte aber nicht wirklich fragen, weil er kurz danach aus dem Zimmer ging, schloss dabei leise die Tür hinter ihm.

Tja, ich würde dann spatter fragen. Aber trotz Lukes Warnung war ich schon froh, dass Aarons Nummer wieder zur Verfügung stand. Ich konnte ihn eventuell anrufen und mich eine Weile von hier abhauen.

Alles mochte okay bei Luke sein, aber ich hatte immer noch Probleme mit Eddie. Ich wäre gerne weg von diesem Haus, von Eddie und allen Gefühlen, die mit ihm einhergingen. Vielleicht könnte Aaron so eine Flucht leisten. Jetzt musste ich mich nur entscheiden, wann ich ihn anrufen wollte.

Ende des 3. Kapitels

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 19 Apr 2018, 08:10

Trotz kummerreichem Start ein schöner und auch lustiger Teil :)
Jetzt bin ich aber auf Kapitel 4 gespannt. .. Grund... klingt vielversprechend.
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 20 Apr 2018, 01:18

Sorry ich bin diese Woche wirklich beschäftigt mit dem Studium, also kann ich heute erst posten. Enjoy!

[4] Grund

“Wohin willst du diesen stellen?” Fragte Luke bei meiner Schlafzimmertür, trug dabei einen anderen Karton. Meine Sachen sind angekommen, und es schien, als hätte Oma Alice das ganze Haus eingepackt hatte. Es waren Kartonhaufen überall in meinem Zimmer, und ich hatte mich dafür entschieden, dass ich nicht alle auspacken würde, denn das spätere Einpacken wäre eine echte Nervensäge.

“Irgendwohin.” Winkte ich, als ich einen anderen Karton Kleidung in die Kommode auslud.

Luke stellte den Karton auf einen Stapel ein paar andere, bevor er die Stirn abwischte und zur Tür zurückging.

“Es gibt noch drei.” Sagte er, “Brauchst du Hilfe beim Auspacken?“

“Es geht, danke.” Erwiderte ich.

Es waren zwei Tage gewesen, seitdem ich und Luke uns versöhnte. Seither war er mir gegenüber extrem nett. Es lag vielleicht nur daran, dass er sich immer noch schuldig fühlte. Ich hatte ihm verziehen, aber das hinderte ihn nicht daran, mir Hilfe anzubieten, jedesmal wenn er dachte, dass es nötig sei. Sowieso hatte ich Glück, weil ich heute seine Hilfe definitiv brauchte.

Meine Sachen sind um fünf Uhr morgens angekommen, kurz bevor Eddie und Jase zur Arbeit gingen. Wir vier hatten dann alle Kartons in den Keller gebracht, danach half mir Luke dabei, sie in mein Zimmer zu laden, und er schlug dabei vor, dass er die Kartons bringe, während ich auspacken würde. Es gelang uns, es ohne Eddie und Jase ziemlich schnell fertig zu machen.

Die letzten zwei Tage waren quasi ereignislos. Nachdem ich und Luke uns versöhnt hatten, erschien ich am nächsten Morgen zum Frühstück und hörte auf, mich in meinem Zimmer zu verstecken. Als Jase und Eddie bemerkten, dass wir uns nicht mehr stritten, kommentierten sie dazu und fragten sich dabei, was passiert war, aber ich und Luke tauschten einfach ein stilles Lächeln und sagten ihnen nichts. Ich wollte nicht gestehen, dass ich ihn draußen nackt aussperrte, und ich zweifelte daran, dass er es auch zugeben wollte. Auf jeden Fall kümmerten sich Eddie und Jase bald nicht mehr darum. Ich glaubte, sie waren schon begeistert, dass etwas Spannung verschwunden war.

Ich hatte aber noch Probleme mit Eddie. Er hatte nicht erwähnt, was bei unserem Ausflug passiert war. Ich dachte, er hatte sich dafür entschieden, sich zurückzuhalten und mir etwas Zeit zu geben, sodass ich mich beruhigen konnte, und ich war dafür dankbar. Es gelang mir sogar, ihm gegenüber danach freundlich zu sein, aber ich hatte immer noch die Schwierigkeit, allein in demselben Zimmer mit ihm zu sein.

Ich fürchtete mich einfach davor, dass er wieder mit mir spechen wollte, und bisher jedesmal wenn es passierte, wurde es zu einer Katastrophe. Deshalb war ich vielleicht erleichtert, dass er letzte einige Tage arbeiten musste, und ich hatte meine Zeit zu Hause mit Luke verbracht. Unsere Tätigkeiten bestanden meistens aus Fernsehen, Essen und Schlafen. Jedes Kind sollte meiner Meinung nach zumindest einen Teil des Sommers verbringen, einfach faul zu sein. Das Behandeln mit den Kartons war die größte Arbeit, die wir an den letzten Tagen geleistet hatten.

Mindestens hatte Oma die Kartons beschriftet, sodass ich etwas Ordnung halten konnte, indem ich die Kartons, die ich nicht auszupacken vorhatte, an der Wand stapelte, und den Rest in den Schrank, wobei ich alles, was ich brauchen mochte, auspackte.

Luke war gerade damit fertig gewesen, die restlichen Kartons hineinzubringen, als ich auf einen stieß, der nicht beschriftet war, und Neugier veranlasste mich, ihn zu öffnen. Als ich sah, was drinnen war, fiel ich auf meine Knien und starrte.

Als ich auszog, hatte ich Oma Alice gesagt, dass ich Mamas Bilder nicht mitnehmen wollte. Es war mir schwierig gewesen, sie zu sehen, welches wahrscheinlich der Grund dafür, warum ich beim Park mit Eddie so sentimental geworden war. Zwar wollte ich ihre Bilder, aber ich hatte gedacht, dass Oma sie mir erst später schicken würde, wenn ich darum bat. Inzwischen hatte ich ein paar Sachen, die zu Mama gehört hatten, beispielsweise ihren Schal. Und zu den Sachen, die angekommen waren, zählten eines ihrer Armbände, eine Lesebrille, eine Kopie eines Gute-Nacht-Buches, das Mama als Kind besaß, und sogar eine halbvolle beliebte Flasche Parfüm von ihr.

Aber dieser Karton war mit Fotos gefüllt. Einige davon waren aus Oma Alices Haus, die ich sie darum gebeten hatte herunterzunehmen, als ich gerade zu ihr gezogen war. Damals tat es mir weh, sie zu sehen. Oma Alice war verständnisvoll gewesen und nahm die, die von mir und Mama waren, herunter, aber ließ die anderen. Diese Fotos, die auf einigen Fotoalben lagen, waren noch gerahmt, und auf ihnen war ein nach unten gelegtes Stück Papier. Ich hob es an und fand Oma Alices Handschrift auf der anderen Seite.

“Lieber Rory,

Werd doch mal erwachsen und teil diese mit deinem Vater.

Liebe Grüße

Oma Alice

P.S. Werf deine Kleider nicht auf den Boden. Du bist nicht erzogen, ein Faultier zu sein.“


Ich schüttelte meinen Kopf über den Zettel und lächelte. Manchmal hatte ich das Gefühl, als könnte ich die Frau nicht entkommen. Ich blickte auf, als Lukes Schatten auf mich fiel. Er sah ihm dabei neugierig in den Karton an.

„Wow, ist das deine Mom?“ Fragte er, nahm Platz mir gegenüber und hob ein älteres Bild von Mama und mir an, auf dem ich nicht älter als drei war. „Sie war hübsch. Und na warst du süß.“

“Bin immer noch.”

Luke blickte auf und grinste mich an, aber dann richtete er seinen Blick wieder auf das Bild. Ich hatte den Drang, es von ihm wegzunehmen, denn ich wollte es nicht wirklich teilen, aber die Art, wie er es ansah, hielt mich zurück. Er schien gedankenverloren zu sein, vielleicht sogar traurig, welches seltsam war, weil nur ich traurig sein sollte, wenn ich Fotos meiner Mutter sehen würde.

“Luke? Alles gut?” Fragte ich.

“Huh?” Blickte er auf und dann wieder auf das Foto, bevor er es sanft in den Karton zurücklegte, „Ja. Also willst du später auspacken? Hier drin ist irgendwie heiß. Ich will mal schwimmen gehen.”

“Klar.” Zuckte ich die Schultern, stand auf und schließ den Karton. „Lass mich mal umziehen.“

Luke nickte und schloss die Tür auf dem Weg nach draußen, während ich zum Schrank ging, um eine kürzlich ausgepackte Badehose zu holen. Es war noch ein bisschen früh, aber nach dem Auspacken war ich nicht so erschöpft wie ich gedacht hatte. Eigentlich war es mir nach zwei Tagen satt, nur im Haus zu bleiben. Schwimmen war definitiv eine gute Idee, und ich dachte, wenn ich mich später schon an die Hitze gewöhnte, machte es mir vielleicht nichts daraus, spazieren zu gehen. Mir ging alles, solange ich rausgehen konnte.

Ich dachte auch daran, Aaron anzurufen. Zwar hatte ich schon seit letztzen Tagen daran gedacht, aber ich hatte gezögert. Ich wollte ihn auf jeden Fall anrufen, aber Luke und ich hatten uns gut vertragen, und ich war mir nicht sicher, wie ein Anruf mit Aaron es beeinflussen würde.

Ich wusste, dass es Luke stören würde, aber ich war nicht wirklich besorgt, ob es ihn störte. Ich war nur besorgt, dass er mich wieder schrecklich behandeln würde. Ich war mir nicht sicher, ob ich es ertragen konnte, mindestens wenn ich noch bei ihm wohnte. Denn beide Eddie und Jase waren bei der Arbeit und ich würde Eddie aus dem Weg gehen, wenn er zu Hause war, war Luke die einzige Person gewesen, die mir ständig Gesellschaft leisten konnte.

Das hieß nicht, dass ich Luke nicht mochte, ganz im Gegenteil. Er sah nicht nur süß aus, war sondern auch eine angenehme Gesellschaft. Ich mochte denken, dass er nur wegen des Schuldgefühls hilfsreich war, aber danach fand ich heraus, dass er tatsächlich nicht halbherz war. Mir zu helfen war ein gutes Beispiel dazu. Nachdem Jase und Eddie zur Arbeit gegangen waren, bat ich Luke nicht einmal um Hilfe. Er hatte selbst vor, was wir machen würden, und alles war in Ordnung. Es bestand keinen Zweifel, dass er es ernst meinte, dass er mir helfen würde, bis alles fertig war, wenn ich ihn um Hilfe bat. Aber nur weil er hilfsreich war, hieß es nicht, dass ich ihn ausnutzen wollte.

Ich begann mich bei Luke angenehm zu fühlen. Ich gewöhnte mich sogar daran, dass er gar keine Bescheidenheit hatte, wenn wir zusammen allein im Keller waren. Ich hatte das Gefühl, dass er eines jener Babys war, die ihre Windel auszogen und nackt in der Nachbarschaft herumliefen, denn das einzige Mal, wenn er scheinbar Kleider anhatte, war, als er rausging. Als er mir geholfen hatte, trug er nichts außer einer Unterhose.

Aber ich lernte etwas Anderes über Luke. Eigentlich war es dasselbe, was ich an jedem in diesem Haus bemerkt hatte. Alle wollten von mir wissen. Trotzdem bot mir anscheinend keiner seine persönlichen Informationen an. Na ja, zugegeben könnte es sein, weil ich ihnen keine Fragen gestellt hatte. Aber ich wollte Eddie keine Fragen stellen, denn es schien nicht eine gute Idee zu sein. Und Jase, nun ja, Jase und ich waren einander gegenüber freundlich, aber ich sah keine Verbindung zwischen uns in weder naher noch ferner Zukunft. Aber Luke... Ich wollte Luke kennenlernen. Leider hatte ich Angst, ihn zu fragen. Ich wusste, dass er bei Jase und Eddie lebte, weil sein Vater im Gefängnis war, und als ich ihn danach gefragt hatte, war mir klar, dass er nicht darüber reden wollte. Deswegen war ich mir nicht sicher, wie ich Luke Fragen stellen sollte. Ich dachte, inzwischen war ich schon einfach begeistert, seine Gesellschaft zu genießen.

Dennoch war ich irgendwie nervös, noch einmal mit Luke zu schwimmen, besonders nach dem, was ich ihm letzetes Mal angetan hatte. Ich dachte, es lag zum Teil daran, dass ich mich Angst davor hatte, dass er Vergeltung suchen würde. Aber als ich das Schwimmbad erreichte, schwamm er einfach ein paar Runden. Er hielt an, mich anzulächeln und zu winken, und nachdem ich festgestellt hatte, dass nichts Schlechtes passieren würde, kratzte ich Chey hinter den Ohren und ging mit ihr ins Schwimmbad.

Ich sank zum Boden. So mochte ich immer starten. Es war ein warmer Tag, die Temperaturen stiegen schon auf 32 Grad, aber das Wasser war kühl und erfrischend, als ich von ihm umgeben wurde. Ich schloss diesmal meine Augen nicht, als ich mich auf den Boden setzte, deshalb sah ich Luke, als er zu mir kam. Er nahm Platz mir direkt gegenüber, verschränkte seine Beine und sah mich neugierig an.

Ich lächelte ihn an, danach starrten wir uns einfach ein paar Minuten an, bis Lukes Gesicht rot wurde und er musste nach oben schwimmen, um Luft zu bekommen. Ich schloss ihn einige Minuten später an und sah ihn auf dem Sprungbrett sitzen, wobei er ins Wasser starrte.

“Wie kannst du so lang da unten bleiben?” Lächelte er mich an.

„Übung, vielleicht.“ Zuckte ich die Schultern, drehte mich dann um, um auf den Rücken zu schwimmen, „Ist es hier immer so still, Luke?“

„Kann sein.“ Antwortete er. “Das ist unser erster Sommer in diesem Haus, also... keine Ahnung. Meine Freunde waren früher näher dran. Aber trotzdem mag ich die Stille.“

“Ich auch.” Gab ich zu.

“Heimweh?” Grinste Luke mich an.

„Bisschen. Vielleicht bin ich einfach dran gewöhnt, dass immer was passiert, weißte?“

„Also vermisst du deine Freunde?“

„Ja.“ Nickte ich. „Und meine Oma. Es ist irgendwie komisch. Sie hatte mich früher immer in den Wahnsinn getrieben. Also nachdem meine Mutter gestorben ist, und ich zu ihr ziehen musste, dachte ich nicht, dass ich da als mein Zuhause ansehen könnte. Trotzdem hab ich mich irgendwie dran gewöhnt.“

“Und dann musst du herkommen.” Lächelte Luke. „Wahrscheinlich war es dir gar nicht einfach... aber, weißte, du könnstest dich auch ans Leben hier gewöhnen, oder sogar Zuhause fühlen.“

“Keine Ahnung.” Runzelte ich die Stirn. “Ich meine, es ist mir einfach zu viel, weißte? Ich denke nicht, dass ich hier länger bleiben will, als einen Sommer.“

“Das ist weil du damit zu beschäftigt bist, auf Eddie sauer zu sein, um dich zu entspannen.“ Grinste Luke.

Ich sank eine Sekunde unter Wasser, dann tauchte wieder auf und sah ihn an.

„Ich kann nicht anders.“ Sagte ich. “Ich weiß sowieso nicht, was er erwartet. Es ist nicht, als hätte ich ihn früher gebraucht. Außerdem kann er nicht einfach über Nacht zu einem Vater werden, besonders wenn es seinem angeblichen Kind seit sechzehn Jahren ganz gut ohne ihn ging.“

“Du behandelst ihn eher zu hart, glaub ich.”

„Na was weißt du denn darüber?“ Grinste ich.

Ich sah zu, als Luke aufstand und dann machte er eine Arschbombe. Ich sank wieder unter der Oberfläche, um den Platscher zu vermeiden, und als ich auftauchte, schwamm er zu mir.

“Ich weiß einfach, dass Eddie die letzten sechs Jahre verbraucht hat, um zu lernen, ein Vater zu sein.“ Informierte er mich. „Ich war zwölf, als ich zu ihm und Jase gezogen bin, Rory. Tja, er mag nicht mein leiblicher Vater sein, wie er deiner. Aber damals hab ich einen gebraucht, und er war derjenige. Jase war für mich immer ein großer Bruder, aber Eddie... er hat mich nicht einmal gekannt, jedoch hat er mich adoptiert ohne Zögern.“

„Wie kommt‘s, dass er dich nicht kannte?“ Fragte ich, „Hat Jase dich gekannt?“

„Ach ja.“ Runzelte Luke die Stirn. “Na es ist kompliziert, Rory.”

„So sagen alle immer.“ Sagte ich verblüfft.

“Eddie kann ein guter Vater sein.“ Bestand Luke darauf. „Du hast nur kein Interesse dran, ihm eine Chance zu geben. Ich meine, du bist sauer auf ihn wegen etwas, was nicht einmal seine Schuld war, und wenn du drauf bestehst, ihn auszuschließen...“

„Was meinst du, das war nicht seine Schuld?“ Unterbrach ich ihn.

Luke stoppte und sah frustriert aus, als er ihm etwas Wasser aus seinem Gesicht abwischte.

“Scheiße.” Runzelte er die Stirn, dann sah mir wieder in die Augen, “Hör mal Rory, ich sollte dir wahrscheinlich nichts verraten, weil ich es versprochen hab, aber es gibt etwas, was Eddie dir noch nicht gesagt hat. Ich werde dir auf keinen Fall darüber reden wegen meines Versprechens, aber wenn du wissen willst, warum er die letzten sechzehn Jahre nicht da war, musst du ihn fragen. Da ist deine Antwort.“

“Ich brauche seine Ausreden nicht.”

„Na,“ Griff Luke plötzlich meinen Arm, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen, „Das ist nicht ne Ausrede, Rory. Frag ihn doch mal.“

Fortsetzung folgt...

SergeyP
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 21 Apr 2018, 00:42

Fortsetzung zu Kapitel 4

Ich starrte Luke neugierig an. Er schien ernsthaft zu sein. Es könnte zwar etwas geben, wonach ich Eddie fragen sollte. Aber ich war mir nicht sicher, dass ich den Mut hatte, das jetzt zu machen. Ich wollte auf keinen Fall Ausreden hören, und vielleicht auch keinen Grund, auch wenn es ein guter Grund wäre. Es hörte sich wahrscheinlich dumm an, aber ich war tatsächlich zufrieden, mich über Eddie zu ärgern.

In gewisser Hinsicht glaubte ich, solange ich noch einen Grund hatte, auf ihn sauer zu sein, müsste ich der Idee, in Arizona zu bleiben, oder sogar Eddie eine Chance geben. Außerdem war ich noch zu verärgert, darüber nachzudenken. Vielleicht hatte ich auch ein bisschen Angst. Ich fürchtete mich davor, dass es hieß, dass ich mit ihm Unrecht hatte, wenn der Grund gut genug wäre.

Ich wollte Eddie eine Entschuldigung absolut nicht schulden. Aber trotzdem nickte ich Luke zu. Eventuell würde ich Eddie nach dem Grund fragen. Ich glaubte, dass ich eine Erklärung verdiente, und vielleicht verdiente Eddie auch die Chance, mir eine zu geben. Ich hoffte nur, dass ich nächstes Mal, wenn wir redeten, meine Emotionen lang genug im Zaum halten könnte, damit er es machen konnte.

„Gut.“ Lächelte Luke mich an, dann legte mir absichtlich beide Hände auf den Kopf und tauchte mich ein.

Sobald ich unter Wasser war, griff ich seine Rippe mit meinen Fingern an, indem ich ihn kitzelte. Ich hatte damit nicht gerechnet, dass er so kitzlig war. Er versank, rollte sich zu einem Ball zusammen, dann tauchte stotternd wieder auf, während ich darüber lachte.

“Das ist unfair.” Sagte er, dann planschte mich überraschend. Ich bewegte mich auf meinen Rücken und planschte ihn mit meinen Füßen zurück. Wir machten das fünf Minuten weiter, während Chey uns anbellte, bis ich in der Niederlage unter Wasser versank und zum anderen Ende des Schwimmbads schwamm, um genügenden Abstand zwischen mir und Luke zu schaffen, damit ich mir Wasser aus den Augen wischen konnte.

Er lachte mich aus, als er sich ausstreckte und den Rand des Schwimmbades zur Ruhe ergriff, dann schaute er wieder in meine Richtung, „Na,“ Rief er, „Willst du was heute unternehmen? Wir können mal rausgehen.“

Ich schmunzelte. Luke hatte es offensichtlich auch satt, hier herumzuhängen.

„Wohin?“ Fragte ich.

„Keine Ahnung,“ Zuckte er die Schultern. „Wir haben noch nicht gefrühstückt. Also können wir halt essen gehen.“

„Okay. Wann?”

“Gleich?”

“Klar.” Ich hob mich aus dem Schwimmbad an, “Lass mich erstmal duschen.”

„Geh vor und benutz die unten.“ Erwiderte Luke, „Ich geh nach oben.“

Ich nickte. Er wollte wahrscheinlich noch ein paar Runden weiter schwimmen, also ging ich nach drinnen, um zu duschen. Ich beschloss, es schnell zu machen, deswegen betrat ich direkt das Badezimmer, drehte das Wasser auf bevor ich in die Dusche ging, dann zog ich die Badehose aus.

Ich bewegte mich schnell, schäumte auf dann spülte ab. Als ich damit fertig war, fiel mir ein, dass ich meine Kleidungen nicht mitgebracht hatte, und da waren auch keine Handtüche. Na gut. Ich mochte mehr Bescheidenheit als Luke haben, aber ich war definitiv nicht schüchtern. Trotzdem hieß es nicht, dass es mir angenehm war, nackt im Haus, in dem ich mich wie ein Gast fühlte, herumzulaufen.

Dennoch sagte ich mir, dass Eddie und Jase nicht zu Hause waren. Außerdem war Luke oben, deshalb ging ich aus dem Badezimmer, nachdem ich mir das Wasser aus meinen kurzen Haaren gekämmert hatte, dann erblickte ich einen Schrank, der wahrscheinlich Handtüche enthalten könnte.

Leider war all, was in diesem Schrank war, nur Waschlappen. Sowieso war es besser als nichts, deshalb nahm ich mir einen und fing an, mich damit zu trocknen. Es war das plötzliche Gelächter hinter mir, das mich umdrehen ließ, dabei musste ich den dünnen Waschlappen vor meiner Leiste halten.

“Hier.” Grinste Luke, warf mir das Handtuch, das er benutzt hatte, war danach so nackt wie ich.

Nun ja, ich war nicht wirklich schüchtern, aber nackt zu sein, und nackt mit Luke zu sein waren zwei sehr unterschiedliche Dinge. Ich hatte schon gewusst, welche Wirkung es auf meinen Körper hatte, Luke nackt zu sehen. Mich zu erinnern, dass er mein Cousin war, half anscheinend auch nicht. Er war absolut attraktiv, und ich war definitiv von ihm angezogen, weshalb ich nicht zögerte, mir das Tuch um die Hüfte zu wickeln. Es gefiel mir irgendwie, dass es scheinbar schwer und nass war, denn er hatte sich früher damit getrocknet.

“Danke.” Murmelte ich, aber als ich aufschaute, starrte Luke mich an. Es schien so, weil er seinen Blick hob, als ich ihn ansah. Die ganze Situation ließ mich ein wenig befangen fühlen. Aber was als nächstes passierte, erschrock mich.

“Kein Ding.” Lächelte Luke, bevor er an mir vorbeiging. Der Flur war zwar schmall, aber nicht zu schmall, deshalb erschock es mich fast zu Tode, als er mir dabei seine Hand auf die Schulter legte, und ich spürte, dass eine deutliche Beule einen Moment lang gegen meinen Po presste, ehe er weiter ging.

Ich glaubte, ich hatte eine ganze Minute da gestanden, bevor ich es abschüttelte und mein Zimmer betrat. Es hat offenbar nichts bedeutet. Immerhin lag es nur am schmalen Flur. Natürlich änderte es nicht die Tatsache, dass jetzt das Ding da unten das Handtuch zeltete und ich müsste auf jeden Fall wichsen, bevor ich mein Zimmer verlassen konnte.

……………………………….

Es war schon zehn Uhr morgens und das Aroma des Essens, das meine Nase übernahm, ließ mein Magen knurren, als ich mit Luke in ein kleines Bistro an der Straße ging. Wir waren seit zwanzig Minuten hingefahren, und jetzt hatte ich riesiegen Hunger.

“Bestell mal die Waffeln.” Sagte Luke mir, als er das Schild ‚Bitte warten Sie, bis Sie platziert werden’ ignoriert und direkt zu einem Tisch da hinten ging. „Erdbeergeschmack ist gut, Pfirsich auch. Vermeid aber den Heidelbeer, der ist eher fragwürdig.“

„Alles klar.“ Lachte ich.

„Und bestell hier keine Wurst.“ Bestand Luke darauf, als er sich hinsetzte und ich ihm gegenüber. „Sie wird fast nie komplett frittiert. Der Speck ist außerdem fettig. So fettig, dass der matschig ist. Und du magst den Pfannkuchen definitiv nicht.”

„Wenn das Essen so schlecht ist, dann warum müssen wir so weit herkommen?“ Lachte ich.

„Wegen Waffeln!“ Erwiderte Luke, als wäre es offensichtlich.

„Na gut.“ Grinste ich, “Dran werde ich mich erinnern. Irgendeine Getränkeempfehlung?”

“Natürlich Schokomilch.”

“Schokomilch?”

“Uh-huh.” Grinste er. “Glaub mir.”

Ich zuckte die Schultern, schob die Karte beiseite. Ich glaubte nicht, dass ich sie brauchen würde, und es schien, dass ich Recht hatte, denn Luke nahm beide Karten und schubste sie beiseite, sobald jemand bei unserem Tisch vorbeikam, um sie zu holen. Es fiel mir nicht einmal ein, dass wir ihn kannten, bis Luke den Kellner angrinste und mit den Karten auf den Kopf geschlagen wurde.

“Was machst du denn hier?” Fragte Dave Luke, als ich aufblickte und erkannte, dass er der Kellner war.

„Was meinst du?“ Erwiderte Luke mit einem Lächeln, „Ich hab Hunger, fütter uns.“

“Na ja.” Verdrehte Dave die Augen, “Aber diesmal solltest du mir besser Trinkgeld geben.“

„Definitiv.“ Lachte Luke, verdiente deswegen einen anderen Schlag auf den Kopf.

“Na Rory.” Lächelte Dave mich an, “Hat dieser Wichser gestoppt, dir gegenüber ein Arschloch zu sein?“

„Mal schauen.“ Grinste ich. Unsere letzte Begegnung war, als Luke mich behandelt hatte, als hätte ich die Pest.

„He,“ Protestierte Luke, „Ich hab mich bei dir entschuldigt.“

„Ich weiß.“ Erwiderte ich, und er lächelte.

„So, dann was kann ich für dich holen, Rory?“ Fragte Dave.

„Also... Waffeln.“ Nahm ich Lukes Vorschlag an. “Erdbeere.”

“Vergiss die Schokomilch nicht.” Fügte Luke hinzu.

“Und Schokomilch.” Sagte ich gleichgültig.

“Isst du mit uns?” Fragte Luke Dave.

„Ich kann ne Pause machen.“ Zuckte Dave die Schultern. „Bin gleich wieder da.“

Ich bemerkte, dass Dave sich nicht die Mühe machte, Luke nach seiner Bestellung zu fragen, musste er aber anscheinend nicht. Nach einer Weile kam Dave zurück mit drei Tellern Waffeln und der Schokomilch, auf die sich Luke scheinbar freute.

Luke machte Platz für Dave, danach fingen wir sofort an zu essen, obwohl Dave weniger begeistert vom Essen als wir zu sein schien.

Luke hatte Recht mit den Waffeln. Sie waren nicht unbedingt mein Lieblingsgericht, aber diese schmeckten super, und ich war satt. Ich war definitiv zufrieden mit meinem Frühstück.

“Na hast du sie gefragt?” Fragte Dave plötzlich.

„Jap.“ Grinste Luke ihn an.

Und?“ Klingte Dave wegen etwas aufgeregt. Es erweckte meine Neugier, weshalb ich aufschaute.

„In Ordnung für sie.“ Antwortete Luke, „Sie möchten nur erstmal mit Rory sprechen.“

“Mit mir? Über was denn?” Fragte ich ein bisschen genervt, weil sie redeten, als wäre ich nicht da.

„Tut mir leid.“ Lachte Luke, als er meine Miene sah. “Ich hätte dich gefragt aber ich denke, wenn Eddie es macht, wäre es ein Vorwand für euch zu reden.“

Daraufhin warf ich Luke einen finsteren Blick, und Dave schlug seinen Arm.

„Sag ihm bloß mal.“ Jedoch sagte mir Dave, bevor Luke das machen konnte, „Rick Leto hat Geburtstag in drei Wochen.“ Erklärte Dave, “Er wird siebzehn und wir wollen ihm ne Party schmeißen, aber der einzige genügend große Ort dafür ist euer Haus.“

“Jase und Eddie haben gesagt, wir können den Keller benutzen.” Erklärte Luke, „Wenn es für dich in Ordnung ist.“

“Bin mir sicher, dass es geht, weil du eingeladen bist.” Grinste Dave mich hoffnungsvoll an.

„Das ist sowieso euer Platz.“ Zuckte ich die Schultern, „Mir ist egal.“

„Du wohnst auch da.“ Runzelte Luke die Stirn, „Wenn es für dich nicht in Ordnung ist, dann feiern wir da nicht.“

„Alles in Ordnung.“ Bestand ich darauf.

„Sicher?“ Fragte Luke.

„Er hat kein Problem damit.“ Zischte Dave, schlug dabei Lukes Arm, bevor er mich wieder angrinste, „Es wird bestimmt spannend sein. Angela Conner wird mit ein Paar Freundinnen von ihr kommen.“ Ich bemerkte, dass Luke dazu seine Augen verdrehte, „Ich werde sie zu einem Date einladen.“

„Das sagst du immer wieder.“ Murmelte Luke, schüttelte seinen Kopf, dann lächelte er mich an, „Er hat das seit der achten Klasse gesagt.“

„Diesmal werde ich.“ Runzelte Dave die Stirn.

„Du solltest ihn bei diesem Mädchen sehen.“ Lachte Luke, „Er hat irgendwie so große Angst. Das letzte Mal, als er versucht hat, sie zum Tanzen einzuladen, hat er Traubensoda überall auf sie verschüttet.“

Dave errötete, schüttelte seinen Kopf und ich konnte nicht umhin zu lachen.

„Das war ein Versehen.“ Protestierte er. “Diesmal wird es anders.” Dann wechselte er das Thema, sah mich dabei an, „Also Rory, hast du zu Hause ne Freundin?“

Luke schaute auf, anscheinend auch interessiert, und ich fühlte mich unangenehm, dass plötzlich ihre Aufmerksamkeit auf mich gerichtet wurde.

“Nein.” Sagte ich rundweg.

“Komm schon.” Grinste Luke mich an, “Es muss jemanden geben. Bin mir sicher, dass alle Mädchen für dich schwärmen.“

“Er ist zwar süß.” Fügte Dave neckend hinzu.

Jetzt war ich dran zu erröten und sie beide lachten mich aus.

„Es gibt niemanden.“ Murmelte ich, dann fing mit einem neuen Thema an, „Also lassen Eddie und Jase euch tatsächlich ne Party zu Hause schmeißen?“

„Sowas ist für sie kein Problem.“ Sagte Luke, „Sofern einer von ihnen zu Hause ist und wir selbst danach aufräumen, ist alles in Ordnung.“

“Hmm.” Nickte ich.

“Jase wird nicht sowas machen wie letztes Mal, oder?” Fragte Dave plötzlich entsetzt, dazu brach Luke in Gelächter aus.

“Was hat er gemacht?” Fragte ich neugierig.

„Als ich siebzehn wurde, hat Jase meine Party gestürmt und getanzt.“ Erklärte Luke.

“Das war nicht Tanzen.” Bestand Dave darauf. „Es war furchtbar.“

“Echt?” Lachte ich, “Jase scheint nicht so ein Typ zu sein.”

“Was meinst du?” Fragte Luke.

„Keine Ahnung.“ Zuckte ich die Schultern, „Er scheint ernst zu sein.“

„Nee. Du musst ihn einfach kennenlernen. Manchmal denk ich, Jase ist sogar verrückter als seine Patienten. Du wirst ja rausfinden, er ist nur nervös bei dir, glaub ich. Sobald du ihn kennst, wird er halt lockerer.“

„Nervös bei mir?“ Fragte ich ungläubig.

„Er ist einfach still wenn er versucht, Menschen zu verstehen.“ Zuckte Luke die Schultern. „Mach dir keinen Kopf, er wird sich entspannen. Er weiß, wie viel du Eddie bedeutest.“

Ich wünschte mir, dass Luke mir soetwas nicht sagen würde. Es ließ mich schuldig fühlen. Ich war mir unsicher genug über Eddie, deshalb wollte ich mich definitiv nicht schuldig fühlen. Ich meine, vielleicht bedeutete ich Eddie zwar etwas, aber ich versuchte immer noch herauszufinden, was Eddie mir bedeutete.

……………………

Fortsetzung folgt...

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 21 Apr 2018, 11:22

Wieder ein sehr schöner Teil, da baut sich Spannung auf. Was wohl als nächstes passiert ?

Was Eddie und Jase betrifft bleibe ich bei meiner Vermutung. ..aber was ist das mit Luke ? Der kann doch nicht auch noch schwul sein :P ...oder ?
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 21 Apr 2018, 12:43

Simson hat geschrieben:Wieder ein sehr schöner Teil, da baut sich Spannung auf. Was wohl als nächstes passiert ?

Was Eddie und Jase betrifft bleibe ich bei meiner Vermutung. ..aber was ist das mit Luke ? Der kann doch nicht auch noch schwul sein :P ...oder ?

Danke für deinen Kommentar XD Ich glaube Luke ist einfach nur ein cooler Typ, der nicht schüchtern wegen seines Körpers ist, außerdem hat er unsern armen Rory total in den Bann gezogen, weshalb Luke ihn so erschrocken hat. Nächste Woche kommt das 5. Kapitel: Neu Anfangen

Fortsetzung zu Kapitel 4

“Warst du schonmal da draußen?” Fragte ich Luke, als ich auf das Gebirge in der Ferne blickte. Wir waren nur gerade zu Hause angekommen und er hatte außerhalb der Garage geparkt.

“Jap.” Nickte er, “Ich geh wandern manchmal mit Eddie und Jase. Wir warten aber oftmals bis es kühler wird. Warum, willst du mal hingehen?“

“Keine Ahnung.” Zuckte ich die Schultern. “Ich bin irgendwie noch nicht gewöhnt an diese verdammte Hitze.”

„Wir gehen zusammen manchmal hin, wenn du willst.“ Lachte Luke, „am späteren Nachmittag, aber nicht nachdem es dunkeln ist.“

„Wieso denn?“

„Es wird schwierig zu sehen, wohin du gehst.“ Erklärte Luke, als ich ihm ins Haus folgte, wo Chey uns fröhlich begrüßte. „Da waren Schlangen, Spinnen, alle Dinge kommen raus in der Nacht. Es könnte gefährlich sein, auf sowas zu treten. Außerdem willst du absolut nicht, versehentlich auf einen Kaktus zu stoßen. Ganz zu schweigen von den Kojoten.“

“Es gibt Kojoten?”

“Jap.” Schmunzelte Luke, “Wir haben ein paar gesehen, deshalb stell ich immer sicher, Chey nah dran zu halten, besonders in der Nacht. Aber trotzdem sind sie meistens harmlos. Sie neigen oftmals dazu, Menschen aus dem Weg zu gehen, nur manche Wanderer da drüber füttern sie, und deswegen verlieren sie etwas die Angst. Vorsicht ist ohnehin wichtig.“

„Dann vielleicht will ich nicht dorthin gehen.“ Murmelte ich.

„Keine Sorge.“ Grinste Luke, „Wir werden mal wandern gehen, müssen nur auf die richtige Zeit warten.“

„Wie du willst.“ Schüttelte ich den Kopf. “Wann meinst du werden Eddie und Jase zu Hause sein?”

„In ein paar Stunden.“ Erwiderte Luke. “Ich guck ja gleich ‘nen Film, willst du mit?“

„Klar.” Nickte ich, “Aber geh vor und fang damit ohne mich an, ne? Ich sollte mal meine Oma anrufen. Ich hab mich nicht mit ihr seit ein paar Tagen unterhalten.“

„Wie du willst.“

Wir gingen nach unten in den Keller, danach griff ich mich das Telefon und ging in mein Zimmer, während Luke über die Sofalehne hüpfte, dabei zog er schon sein Hemd aus. Ich schmunzelte, erinnerte mich an meine Gedanken am Morgen und daran, dass Luke Kleidungen nicht mochte. Ich müsste ihn irgendwann danach fragen.

Ich stellte sicher, die Tür zuzumachen, bevor ich die Nummer wählte. Es war aber nur weil ich nicht vorhatte, Oma Alice zu telefonieren. Ich könnte sie vielleicht später anrufen. Die Nummer, die ich wählte, war Kurzwahl sieben.

Ich fühlte mich dabei nervös, auf die Antwort auf der anderen Leitung zu warten. Ich wollte fast auflegen und erst später anrufen, wenn ich meine Aufregung besser im Zaum halten konnte, aber bevor ich das machen konnte, kam eine gedämpfte, schlafende Stimme heraus.

“Hallo?”

“Ähm... Ist Aaron da?” Fragte ich.

„Wer ist da?“ Kam die schläfrige, irritierte Erwiderung. Ich war mir ganz sicher, dass das Aaron war, und genauso sicher, dass ich ihn nicht aufweckte. Ich blickte sogar kurz auf die Uhr, um sicher zu stellen, dass es nicht zu früh war. Ich glaubte nicht, dass kurz nach Mittag zu früh war.

„Rory Norrick.“ Antwortete ich.

„Wer?“ Fragte er.

Super. Er erinnerte sich nicht einmal an mich. Ich wusste, wir hatten uns nur einmal gesehen, aber trotzdem war der Gedanke frustrierend und verletzend.

“Wir haben uns am anderen Abend getroffen.” Runzelte ich die Stirn. “Ich bin Lukes Cousin.”

Es war eine Pause auf der anderen Leitung, dann kam die Stimme viel wacher und klarer durch, als hätte er sich plötzlich aufgesetzt.

„Ach so, ja, ich erinnere mich an dich, Rory. Tut mir leid, ich bin noch nicht ganz wach. Bin gestern irgendwie spät eingeschlafen.“

„Kein Ding.“ Erwiderte ich, setzte mich auf das Bett. Ich war auf jeden Fall erleichtert zu hören, dass er sich an mich erinnerte.

„Also wie läuft’s bei dir soweit?“ Fragte er, „Willst du noch nach Hause gehen?“

„Ja.“ Lachte ich, „Mir geht’s super übrigens.“

„Gut zu hören... weißte, ich dachte nicht, dass du anrufen würdest.“

„Warum nicht?“

„Keine Ahnung. Luke mag’s nicht, dass wir uns unterhalten, glaub ich.“

Das war eine Untertreibung.

“Nein, alles in Ordnung. Ich war nur beschäftigt, weißte, mit dem Einzug.”

„Genau.“ Klang er sarkastisch, „Hör mal, Rory, ich weiß wie Luke über mich fühlt. Du musst meine Gefühle nicht verschonen.”

“Aber Luke hat nicht gesagt, warum ihr euch nicht auskommt.” Sagte ich.

“Es ist ne lange Geschichte.“ Seufzte Aaron, „Aber trotzdem ist es nicht wichtig. Ich bin froh, dass du mich anrufst, ich will nur nicht, dass du und Luke euch wegen mir streitet.“

“Du bist nicht schuld dran.” Bestand ich darauf, obwohl ich wusste, dass es nicht ganz richtig war.

„Na gut, also... vielleicht wenn du mit dem Einzug fertig bist, können wir mal rumhängen. Es gibt ein paar Kerle in der Nähe, denen ich dich vorstellen kann. Es soll spannend sein.“

“Klar, das klingt gut.” Stimmte ich zu.

„Wir könnten dieses Wochenende rausgehen, meinst du kann ich dich dann telefonieren? Wir können was planen.“

„Ja. Hört sich gut an. Du hast vielleicht schon meine Nummer, oder?“

„Jap.“ Lachte er, „Ich ruf dich an... und ich bin echt froh, dass du mich angerufen hast, Rory.“

“Gerne. Tschüss Aaron.”

“Tschüss Rory.”

Ich legte auf mit einem Lächeln. Es war ein kurzes Gespräch gewesen, jedoch ließ es mich leicht und glücklich fühlen. Es war etwas an Aaron, was diese Wirkung auf mich hatte. Ich wusste auch, was das war. Ich mochte ihn. Sehr. Ich war mir nicht sicher, ob das wirklich gefährlich war, außerdem war mir klar, dass niemand davon wissen sollte. Sowieso war ich begeistert mit diesem Gefühl. Ich mochte Aaron und es bestand die Wahrscheinlichkeit, dass ich dieses Wochenende einen Plan mit ihm haben würde. Ich machte mir Sorgen, was Luke sagen würde, wenn er davon erfuhr, aber im Moment wollte ich mir keine Sorge machen. Das kurze Gespräch mit Aaron ließ mich glücklicher fühlen, als ich hatte seit dem ersten Abend bei dem Park.

Als ich das Telefon wieder nach draußen brachte, lächelte Luke mich vom Sofa an.

“Wie geht’s deiner Oma?”

“Super.” Antwortete ich ein bisschen schuldig. Ich mochte recht nicht das Gefühl, dass ich Luke log, nicht einmal über Aaron. Ich meine, Luke hatte erwähnt, dass es meine Entscheidung war, mit wem ich mich anfreundete, und er würde mich nicht verabscheuen, wenn derjenige Aaron wäre, aber trotzdem konnte ich das irgendwie nicht glauben.

“Dann komm schon.” Rief er, “Der Film geht gleich los.”

Ich zog meine Schuhe aus, sprung über die Sofalehne wie Luke gemacht hatte, als er sich die Fernbedienung griff und die Lautstärke aufdrehte. Ich beschloss mich, mir momentan keine Sorge mehr um Luke zu machen. Ich würde mich darum dieses Wochende kümmern, wenn ich mich tatsächlich mit Aaron traf. Ich hoffte, dass es ging.

………………

Während des ersten Filmes, sagte ich mir, dass ich danach mein Zimmer aufräumen gehen würde. Während des zweiten Filmes, sagte ich mir, dass ich es morgen machen würde. Das Sofa war einfach so bequem und Verzögerung klang gut, denn ich war in den letzten Stunden immer lethargischer geworden.

Irgendwann kam Eddie nach Hause und er ging nach unten, um nach uns zu sehen. Er saß sogar zehn Minuten bei uns, in der ganzen Zeit sah mich Luke finster an. Ich wusste, er wollte, dass ich mit Eddie sprach, aber ich konnte mich einfach nicht zu Wort melden. Aus irgendeinem Grund furchtete ich mich noch davor, ihn anzusprechen.

Eine Weile später kam Jase nach unten, um zu fragen, was wir zum Abendessen wollten. Luke schlug Pizza vor, und weil Jase meinte, dass beide er und Eddie erschöpft seien, stimmte er zu. Kurz danach kam Eddie zurück mit einem Pizzakarton für Luke und mich, dann wurde es still.

Gegen neun Uhr war der Keller dunkel bis auf den Fernseher, und Luke und ich aßen noch unsere letzten Stücke Pizza, als er mich ansah.

“Durstig?” Fragte er. Wir hatten eine Weile früher unsere Getränke ausgetrunken. Ich nickte ihn zu und stand auf.

„Ich hol mir sie.“ Bot ich an. Es war definitiv praktisch, einen Kühlschrank im Keller zu haben. Leider gab es darin keine Soda und kein Flaschenwasser mehr, als ich ihn öffnete. „Es gibt nichts mehr.“

“Nach oben?” Sah Luke mich hoffnungsvoll an.

„Klar.“ Grinste ich ihn an, dann ging nach oben aus dem Keller heraus.

Das Haus schien still zu sein, aber es gab Licht vom oben. Ich hoffte, dass Eddie und Jase schon ins Bett gegangen waren. Ich wollte recht nicht auf einen von ihnen stoßen und daher einen anderen unbehaglichen Moment verursachen. Als ich ihre Stimmen schwach aus dem Wohnzimmer hörte, drehte ich mich fast um, um wieder nach unten ohne die Getränke zu gehen, aber etwas, was Jase sagte, hielt mich an.

“Du solltest nicht für Ginas Fehler zahlen, Eddie.” Meine Mutter. Er redete über meine Mutter. Und was für Fehler? Meinte er mich? War ich ein Fehler? Meine Neugier war definitiv erweckt, und weil ich ein so guter Lauscher wie Oma Alice war, schlich ich den Flur entlang in Richtung Wohnzimmer, sodass ich sie besser hören konnte.

“Was soll ich denn machen?” Fragte Eddie wütend, erhob jedoch seine Stimme nicht. „Es ist schon geschehen, Jase. Ich kann es nicht ändern.“

“Du musst ihn ansprechen.”

“Ich hab’s versucht.” Argumentierte Eddie. “Er will mir nicht zuhören.”

“Dann setz ihn hin und zwing ihn zuzuhören. Du bist der Vater, Eddie. Du hast dich von ihm herumschubsen lassen, seit er hergekommen ist.“

„Er schubst mich nicht herum.“ Protestierte Eddie, „Ich geb ihm nur Zeit anzupassen.“

“Du redest dich nur heraus.” Sagte Jase, „Wenn du ihn hinsetzt, wird er dir schießlich zuhören müssen.“

Ich erreichte das Ende des Flurs und blickte ins Wohnzimmer. Eddie ging auf und ab, als wollte er einfach rausgehen, während Jase gelassen auf dem Sofa saß.

„Ich kann ihn nicht ansprechen.“ Murmelte Eddie. „Ich kann ihm es nicht sagen, Jase. Einfach nicht. Er will es jetzt absolut nicht. Er hat gerade seine Mutter verloren. Vielleicht hat Gina einen Fehler gemacht, aber das heißt nicht, dass sie ein böser Mensch war. Rory liebt sie, wenn ich ihm das sagen...”

“Liebt er sie immer noch.” Sagte Jase rundweg. „Er mag sich verwirrt, eventuell verärgert fühlen, aber weshalb du da bist.“

“Ich werde es ihm nicht sagen.” Schüttelte Eddie den Kopf. „Nicht jetzt. Es ist unfair, es ihm zu sagen. Er ist so beschützend für seine Mutter. Er würde mir sowieso wahrscheinlich nicht glauben.“

„Wie kannst du dir so sicher sein? Eddie, was Gina gemacht hat, war falsch. Du muss es zugeben. Rory muss davon wissen. Ich meine, was wirst du denn machen? Lässt du dich von ihm aus keinem Grund hassen?”

Eddie hielt endlich an und setzte sich hin, rieb dabei seine Schläfen, als Jase ihm eine Hand auf den Rücken legte, und ich im Flur verwirrt lauschte. Was zum Teufel war hier los? Worüber redeten sie denn? Und was für Fehler machte meine Mutter? Es gefiel mir nicht, dass sie über sie redeten.

„Und was soll ich ihm denn sagen, Jase? Er ist schon entrüstet, hier zu sein. Soll ich ihm dann sagen, dass es schade ist? Dass ich auch sauer bin? Auf seine Mutter? Denn ich hatte bis vor sechs Monaten nicht einmal gewusst, dass er existiert?”

Was zur Hölle?

“Genau das musst du ihm sagen.” Sagte Jase. „Und du hast jedes Recht, deswegen auf Gina sauer zu sein. Sie hat dich von deinem Sohn ferngehalten, Eddie, und er hat auch das Recht zu wissen.“

Nein. Nein! Das stimmt nicht. Eddie wusste von mir. Er musste. Er hatte immer gewusst und er war nicht da gewesen. Meine Mutter würde das nicht tun. Sie erzählte mir nicht von ihm, weil sie mich schützte. Sie wollte mir nicht sagen, dass er uns nicht wollte. Sie würde mich nicht von... von meinem Vater fernhalten. Sie würde einfach nicht. Er hätte mindestens davon wissen müssen.

„Das würde klingen, als wäre Gina böse.“ Argumentierte Eddie, „Ich kann ihm das nicht antun, nicht jetzt.“

“Aber du kannst ihn dich nicht weiter hassen lassen.” Erwiderte Jase, „Ich meine nicht, dass du ihm irgendwas böses über seine Mutter sagst. Ich weiß... ich weiß, dass Gina dir viel bedeutet hat. Aber das war falsch. Rory von dir fernzuhalten war falsch. Und er sollte die Wahrheit wissen. Er braucht die Wahrheit zu wissen.”

Ich hatte genug von der Wahrheit gehört, wenn das tatsächlich so war. Mein Verstand raste mit Fragen. Das einzige Problem war, meine Mutter war die einzige Person, die sie beantworten konnte, und sie war nicht da. Größtenteils wollte ich nur wissen warum. Warum würde sie mich von ihm fernhalten?

Zu ihrer Verteidigung wollte ich mir sagen, dass es deswegen war, weil Eddie ein widerlicher Mensch war, der unwürdig war, die gleiche Luft wie andere zu atmen. Aber ich wusste schon, das das nicht stimmte. So sehr ich es auch hasste, es zuzugeben, wusste ich, dass was mir andere Menschen sagten, stimmte. Eddie war ein netter Mann. Ein netter Mann, der mein Vater war. Ein Vater, von dem mich meine eigene Mutter absichtlich ferngehalten hatte.

Ich musste weg. Ich musste denken. Ich musste einfach... ich musste wissen warum. Ich brauchte jemanden, der mir das erklären konnte. Ich wandte mich schnell ab, und in der Eile, mich abzuhauen, rannte ich direkt gegen eine Wand. Ein altes Foto von Luke fiel und ich erstarrte, als es den Boden traf und das Glas zerbrach.

Ich drehte mich um, war mir nicht sicher, wer schockierter aussah, ich, oder Eddie und Jase, als sie aufstanden und mich erblickten. Eddie bewegte sich als erster, machte einen Schritt in meine Richtung.

„Rory...“ Fing er an.

Ich schüttelte nur meinen Kopf, wich von ihm zurück und ignorierte den scharfen Schmerz in meinem Fuß, als ich auf ein Stück Glas trat. Eddie sah mich darauf treten und kam schneller voran.

“Rory...” Rief er mich etwas klarer. Aber ich war nicht in der Verfassung zu warten. Ich musste denken. Ich musste einfach denken. Aber das Problem war wahrscheinlich, dass ich nichts dachte, weil ich mich umdrehte und direkt aus der Haustür floh.

Ende des 4. Kapitels

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 23 Apr 2018, 13:12

Hey, 3 Teile bzw. 1 ganzes Kapitel in 2 Tagen :flag:
Danke dafür!
...
Rory wird doch hoffentlich keinem Kojoten begegnen :o ... oder Eddie rettet ihn und ist dann der Held... :D
Es bleibt auf alle Fälle spannend.
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 27 Apr 2018, 13:03

Boah, sorry fürs späte Posten. Ich hatte diese Woche echt viel zu tun. Wie auch immer, hier ist der erste Teil des 5. Kapitels. Enjoy!

[5] Neu anfangen

Aua! Jeder mit einem gesunden Menschenverstand wäre nach drinnen zurückgegangen, und offenbar hatte ich im Moment keinen. Ich hörte Eddie und Jase mich rufen, konnte aber einfach nicht zurück. Ich brauchte nur zu denken. Leider könnte ich sowieso nicht denken, wenn ich da draußen ohne Schuhen lief.

Der Boden war ernsthaft nicht barfußfreundlich, und je mehr ich vom Haus distanzierte, desto schärfer wurde der Schmerz in meinem Fuß, wo ich auf die Glasscherbe getreten hatte. Es half auch nicht, dass ich bei jedem Schritt immer auf etwas scharf oder hart trat. Ohnehin war es recht dunkeln, deshalb konnte ich gar nicht sehen, was unter meinen Füßen war.

Irgendwie vergegenwärtigte ich Lukes Warnung über die Gefahr, hierher im Dunkeln zu gehen, aber trotzdem war ich im Moment nicht wirklich darum besorgt. Vielleicht lag es zum Teil daran, dass ich mir einfach wünschte, dass mich etwas giftiges beißen würde. Ich wollte nicht sterben. Gar nicht. Ich war verärgert, nicht suizidal, aber ich hatte gehört, dass manche Menschen, die Nahtoderfahrung hatten, „das Licht sahen“. Vielleicht wenn soetwas mich lang genug ohnmächtig machen könnte, könnte ich das auch erleben, und mein Licht eventuell meine Mutter sein dürfte.

Ich wollte mit ihr so sehr sprechen, obwohl ich wusste, dass es auf jeden Fall unmöglich war. Es fiel mir einfach schwierig, die neue Wahrheit anzunehmen. Ich brauchte nur, dass sie mir den Grund gäbe. Warum hatte sie mich von Eddie ferngehalten? Sollte ich mich deswegen über sie ärgern? Ich meine, ich war am Anfang sauer auf sie, weil sie mich hierher geschickt hatte, sodass ich bei Eddie leben würde. Machte es deshalb sogar Sinn, ihr böse zu sein, weil sie mich von ihm ferngehalten hatte?

Ich fühlte mich einfach verwirrt, welches ich hasste. Es war so hoffnungslos, darüber verwirrt zu sein, denn ich hatte keine Antwort, und es sah so aus, dass im Moment keine kommen würde.

Ich sah Licht. Licht der Taschenlampen. Sie suchten nach mir, gingen aber in die falsche Richtung. Vielleicht war es momentan gut so, weil ich nicht wirklich gefunden werden wollte. Dennoch wusste ich, dass ich anhalten musste, selbst wenn ich mich noch so labil fühlte. Meine Füße taten weh, als würden sie bis zu den Zehen verbrannt. Jeder nächste Schritt schien dabei schlimmer zu sein, als der letzte.

Als mein Fuß auf etwas hartes trat, zuckte ich zusammen und streckte meinen Arm aus, berührte dabei ein Gestein. Ich wischte mir ruhig die verdammten Tränen aus meinem Gesicht ab, dann drehte mich um zu sitzen, jaulte aber sofort, als ich einen scharfen Schmerz in meiner rechten Pobacke spürte. Natürlich kam mir der erste Gedanke in den Sinn, dass mein Wunsch erfüllt wurde.

Ich war weggelaufen und wurde von einer Schlange in den Po gebissen.

Aber dann erinnerte ich mich plötzlich an Lukes Warnung, und es kam mir in den Sinn, dass ich wahrscheinlich nur auf einen Kaktus stieß. Ich schaute zurück und konnte die Pflanze kaum erkennen, aber die war definitiv da. Als ich mich langsam davon entfernte und auf das Gestein kletterte, dachte ich mir, dass ich vielleicht dankbar dafür sein sollte, das der Kaktus nicht meine andere Seite stoch.

Ich setzte mich auf das Gestein, zuckte zusammen, als die harte Oberfläche in Kontakt mit meinem gestochenen Po kam, hob dabei meine wunden Füße und schlang meine Arme um meine Knie. Was zum Teufel tat ich denn? Ja klar, ich wollte denken. Ich wollte in Ruhe gelassen werden, damit ich meine Gedanken orden konnte, aber mein Gott, was war denn los mit mir? Ich meine, es wäre viel vernünftiger gewesen, mich einfach in meinem Zimmer einzuschließen. Aber nein, stattdessen war ich in die verdammte Wüste weggelaufen, und jetzt schmerzten meine Füße so sehr, dass ich nicht zurückgehen konnte. Außerdem hatte ich gar keinen Mut, um Hilfe zu rufen. Ich war mir sogar nicht sicher, wie ich Eddie dann gegenübertreten würde. Ich schloss also meine Augen, fühlte mich dabei so niedergeschlagen, und mir stiegen mehr Tränen in die Augen, als ich mich immer wieder fragte, wieso Mama mir so angetan hätte.

Ich war mir nicht sicher, wie lange ich nur dort saß, aber das Gefühl von etwas Nassem und Sabber auf meiner Hand erschrak mich zu Tode. Dazu kam ich zum sogar unvernünftigeren Schluss, es könne nur ein Kojote sein!

Als ich meine Augen öffnete und dabei Chey erblickte, wusste ich nicht mehr, ob ich froh sein sollte. Dann blitzte das Licht über mir auf, und ich musste deswegen meinen Arm hochhalten, um meine Augen abzuschirmen. In diesem Moment war mir klar, dass ich mich doch ein bisschen darüber freute.

“Rory?” Rief Luke, als er die Taschenlampe senkte und näher kam, „Was zur Hölle machst du denn? Wir haben dich gerufen.“

Er hatte noch nichts außer kurzen Jeans und Sandalen an. Ich nahm an, dass Jase und Eddie ihn auch rekrutiert hatten, um nach mir zu suchen. Er sah dabei verärgert aus, bis er mein tränenüberströmtes Gesicht besser sehen konnte, dann wirkte er mitfühlend, als er Chey von mir wegzog. Ich schaute auf meine Füße herab, wo die Taschenlampe leuchtete, und zum ersten Mal seit ich das Haus verließ, sah ich, dass Blut praktisch aus meinem linken Fuß tropfte.

„Scheiße.“ Murmelte Luke, dann nahm er mein Bein, als er die Taschenlampe auf das Gestein legte, dabei richtete er die auf meinen verletzten Fuß. Danach hob er ihn an und ich zuckte zusammen, „Tut mir leid... Was zur Hölle ist passiert?“

„Ich hab auf ne Glasscherbe getreten.“ Murmelte ich, „Tut mir leid, ich hab dein Foto zerbrochen.“

Luke sah zu mir auf und lächelte, bevor er sich wieder damit beschäftigte, meinen Fuß zu prüfen. Ich war froh, dass er das machte, weil ich es ernsthaft nicht wollte.

„Dies muss wahrscheinlich genäht werden.“ Sagte er. „Wir müssen zurück ins Haus.“

“Sind Eddie und Jase sauer?” Fragte ich bescheuert.

„Machen eher große Sorge um dich.“ Antwortete Luke, „Ich sollte dich wirklich zurück zum Haus bringen, bevor sie die Polizei anrufen. Du kannst nicht in diesem Zustand laufen...“

„Ich hab gegen nen Kaktus gestoßen.“ Platzte ich heraus.

„Hast du drauf getreten?“ Fragte Luke, hob dabei meinen anderen Fuß, um ihn auch zu prüfen. „Ich sehe Splitter, aber...“

„Drauf gesessen.“ Gab ich zu, dann lachte mich aus wegen des Gedanken, dass ich tatsächlich auf einem Kaktus gesessen hatte. Luke lächelte mich zart an und stand auf, griff sich dabei die Taschenlampe. Ich verlor fast das Gleichgewicht, als er mir eine Hand auf die Schulter legte und mich zwang, nach vorne zu beugen, sodass er meinen Po prüfen konnte.

“He..:” Runzelte ich die Stirn.

„Tatsache.“ Klang Luke, als würde er versuchen nicht zu lachen, trotzdem konnte er es nicht zurückhalten. Ich warf ihm einen finsteren Blick zu, dazu sah er mich entschuldigend an. „Halte still.“ Sagte er, beugte sich auch, um mir seinen Arm um die Brust zu schlingen, damit ich das Gleichgewicht behalten konnte. Ich begann, mich ein wenig besorgt zu fühlen.

„Was machst du?“ Fragte ich ungläubig, dann erschrak, als ich spürte, dass seine Finger meinen wehen Po anfassten.

„Beweg dich nicht.“ Befiehl er. “Du hast hier nen Dorn, ich zieh ihn mal raus.“

„Ein Dorn?“ Stieß ich hervor.

Ich zuckte zusammen, als ich spürte, dass er etwas aus meiner Haut durch die Jeans herauszog, und als er einen langen, rot schimmernden Dorn vor mir hochhielt, weiteten sich meine Augen, dabei fühlte ich mich bisschen krank. Luke merkte meine Reaktion, also schmieß er den Dorn weg, bevor er sich neben mir auf das Gestein setzte. Er legte seinen Arm um mich und ich lehnte mich an ihn. Ich war von mir selbst genervt, weil ich mich genauso wie ein großes Kind benahm.

“Na,” Sagte Luke ruhig, “Wir müssen mal zurück, dein Fuß blutet, Rory. Ich kann dir hier ernsthaft nicht helfen.”

“Ich kann nicht zurück.” Schüttelte ich den Kopf.

„Alles gut. Keiner ist sauer auf dich.“

„Ich weiß nicht warum sie das getan hat.“ Murmelte ich. „Es macht keinen Sinn. Meine Mutter würde sowas nicht tun.”

“Na wir werden es rausfinden, ne? Los, lassen wir uns zurück ins Haus. Ich trage dich.“

„Du kannst mich nicht tragen.“ Runzelte ich die Stirn.

„Dann müsste ich Eddie rufen und er würde dich dann tragen.“ Grinste Luke.

Das wollte ich auf keinen Fall. Es war mir schon peinlich genug, und um Eddies Hilfe zu bitten würde mir auch nicht helfen, mich besser zu fühlen.

“Was soll ich denn machen?” Sah ich Luke entrüstet an.

Er lächelte, drehte sich dann um und kniete sich.

“Kletter auf mich.” Grinste er zurück auf mich.

Ich runzelte die Stirn und stieg vom Gestein runter, ohne meine nackten Füße zu viel zu belasten, trotzdem taten sie immer noch weh. Ich fand es irgendwie lächerlich, von ihm huckepack getragen zu werden, als ich ihm meine Hände leicht auf die nackten Schultern legte, während er seine Arme unter meine Knie schlang und mühelos abrupt aufstand.

“Alles gut?” Fragte er, als sich meine Arme um seinen Hals bewegten.

„Ja.“ Murmelte ich, als er anfing, zurück zum Haus zu gehen, dabei pfief er nach Chey, damit sie uns folgte. Es war mir seltsam, so auf die Art getragen zu werden, aber es machte Luke offenbar nichts daraus, und trotz des komischen Gefühls, war mir eigentlich irgendwie angenehm bei ihm. „Luke?“

„Hmm?“

„Entschuldigung.“

“Vergiss das.” Lächelte er auf mich zurück, “Wir dürfen schlechte Tage haben.”

„Es fühlt sich wie mehr als nur nen schlechten Tag.“

„Alles wird gut, Rory.“ Beruhigte er mich, „Nimm dir Zeit.“

Es war mir satt, das zu hören. Jetzt war ich einfach erschöpft, und das Stechgefühl begann mir in die Füße zu kommen. Ich konnte den Schnitt in meinem linken Fuß spüren, und sogar mein rechter schmerzte auf, weil ich früher auf fragwürdige Dinge getreten hatte. Ich fürchtete mich auch davor, Eddie gegenüberzutreten.

Als wir das Haus erreichten, waren beide Eddie und Jase da. Eddie war am Telefon, aber sobald er uns erblickte, legte er auf und folgte Jase, als er herüberkam und meinen blutigen Fuß sah.

“Ab in die Küche.” Sagte Jase kurz.

„Nein,“ Protestierte Eddie, „Ich denke wir müssen ins Krankenhaus.“

„Warte nur.“ Beharrte Jase, „Luke, bring ihn in die Küche.“

Ich saß da nur still, hielt dabei Luke fest. Sowieso redeten sie über mich, als wäre ich nicht da, deshalb dachte ich, dass es nicht nötig war, zum Gespräch beizutragen. Als Luke mich endlich runterließ, befand ich mich am Esstisch und er nahm Platz neben mir, sah dabei zu, als Jase wieder vor mir mit einem Verbandskasten erschien.

Jase hob ohne einen Streit von mir meinen linken Fuß an, um ihn noch einmal zu prüfen, während Eddie über seine Schulter anschaute.

„Die Wunde ist nicht zu tief.“ Sagte Jase, „Wir können sie hier reinigen. Wir sollten besser ne Pinzette finden, da es in seinen Füßen ne Menge an Splittern ist.“

„Ich geh sie suchen.“ Meldete Eddie sich freiwillig. Noch einmal sprach mich keiner an, Eddie warf mir sogar keinen Blick zu, bevor er losging. Eigentlich machte mir die Art, wie sie alle mich behandelten, Sorge, insbesondere Eddie. Soweit hatte er alle Mühe gegeben, mich anzusprechen, selbst wenn ich es nicht wollte, aber jetzt wenn ich jemanden brauchte, zu dem ich tatsächlich reden könnte, wirkte er komplett distanziert, als könnte er mich aus irgendeinem Grund nicht konfrontieren.

Ich fühlte mich so, als sollte ich ihm etwas sagen. Ich erinnerte mich langsam daran, was ich heute Abend herausgefunden hatte. Eddie hatte nicht einmal von meiner Existenz gewusst. Er war nur ein normaler Typ, der sein Leben führte. Er wäre wahrscheinlich auch glücklich gewesen, bis er herausfand, dass er nach sechzehn Jahren einen Sohn hatte. Sein Leben wurde vielleicht genauso stark verändert wie meins, und ich wäre zu hart zu ihm gewesen. Trotzdem konnte ich ihn nicht sofort mögen, nur weil jetzt ich die Wahrheit kannte. Ganz am Anfang an hatte er mir die nicht mitgeteilt. Das hatte keiner.

Na gut, vielleicht wäre ich nicht genau offen gewesen,um die Wahrheit zu hören, aber so sehr ich es hasste, hatte Jase jedoch Recht gehabt. Wenn Eddie einfach mich hingesetzt und zuzuhören gezwungen hatte, wäre dieses ganze Drama nicht geschehen.

Wahrscheinlich war es jetzt ganz egal, da ich schon die Wahrheit erfahren. Der ganze Abend hatte mich verwirrt, und ehrlichgesagt, wütend auf fast jeden Erwachsenen in meinem Leben gelassen. Ich ärgerte mich über meine Mutter, und sogar Oma Alice. Sie hatte sicher davon gewusst, weshalb sie mich immer wieder gedrängt hatte, Eddie anzusprechen. Wenn sie mir das einfach ganz vom Anfang an gesagt hätte, wenn mir jemand... also, ich würde nicht sagen, dass ich lieber zu Eddie ziehen wollte als früher, aber trotzdem hätte ich mindestens die Wahrheit gekannt.

Ich begann mich übel zu fühlen, und die nervigen Tränen drohten zurückzukommen. Logischerweise lag es nur an Emotionen, die ich nicht beherrschen konnte. Ich fühlte mich so, als wäre ich heute mit einem heftigen Schlag getroffen worden.

“Rory?” Rief Luke. Er redete zu mir, welches hieß, er ignorierte mich nicht. Ich sah ihn über den Tisch an, und er gab mir ein kleines Lächeln. „Ich hol mir gleich was zum Trinken, hast du Durst?“

Ich schaffte es, sein Lächeln zu erwidern, und nickte, fühlte mich dabei einfach erleichtert, dass ich nicht ignoriert wurde.

„Koch bitte einen Kaffee, Luke.“ Schlug Jase vor, als er damit anfing, das Blut von meinem Fuß sorgfältig zu reinigen. Der Schnitt war direkt unter meiner Großzehe, ungefähr vier Zentimeter lang, tat dennoch weh, und es fiel mir schwer zu vermeiden, mich zu viel zu bewegen, während Jase die Wunde säuberte. Es schmerzte nur mehr, als er unabsichtlich gegen einen Splitter drückte. „Es soll ne Weile dauern.“

“Entschuldigung.” Murmelte ich zu niemandem Bestimmten.

Jase schaute auf, gab mir dabei einen mitfühlenden Blick und ein taktvolles Lächeln, das mich irgendwie besser fühlen ließ, ehe er sich zurück auf seine Arbeit konzentrierte.

„Du hättest nicht so weglaufen sollen.“ Sagte er, in seiner Stimme steckte kein Ärger.

„Ich weiß.“ Gab ich zu.

“Dann warum hast du das getan?”

„Keine Ahnung.“ Zuckte ich die Schultern. “Vielleicht hab ich recht nicht durchgedacht.”

„Also wie hast du dich denn gefühlt? Eventuell bisschen ängstlich, wütend, verwirrt?“

Meine normale Reaktion dazu wäre zu protestieren, dass ich gar keine Angst hatte. Ich meine, ich kannte nicht so viele Jungs, die zugeben würde, dass sie Angst vor etwas hatten. Trotzdem dachte ich, dass ich mich doch ängstlich gefühlt hatte. Ich fürchtete mich davor, mit Eddie zu sprechen.

“Weiß ich nicht.” Zuckte ich die Schultern als Antwort auf seine Frage.

„Was, glaubst du, würdest du schaffen, als du nach draußen weggelaufen bist?“ Fragte Jase weiter.

„Meine Güte, Jase.“ Lachte Luke, „Du bist nicht bei der Arbeit, lass ihn doch in Ruhe!“

“Musst du nicht schon ins Bett?” Grinste Jase Luke an, dazu schmunzelte ich.

„Willst du denn dann deinen Kaffee?“ Erwiderte Luke von der Theke.

Dazu lächelte Jase nur, schüttelte seinen Kopf, dann sah er mich entschuldigend an, als er noch einmal über einen Splitter strich.

Ich schaute auf, als Eddie zurückkam, dabei hielt er zwei Pinzetten.

„Blutet’s noch?“ Fragte er.

„Ich glaub, wir haben es unter Kontrolle.“ Antwortete Jase, als er etwas Antiseptikum auf den Schnitt sprühte, bevor er ihn mit einem Stück Baumwolle und Gazen bedeckte. „Die Splitter sind aber eher tricky.“

Ich runzelte die Stirn. Es war lieb von Jase, sich um meine Wunde zu kümmern, aber ich begann mich verlegen zu fühlen. Ich mochte nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, und die Entfernung aller Splitter dürfte ewig dauern.

“Ähm, mir geht’s gut.” Meldete ich unsicher zu Wort. „Ich meine, ich kann einfach duschen gehen, vielleicht...“

Ich erschrak ein bisschen, als mir Eddie plötzlich eine Hand auf das Knie legte, dabei stellte er zum ersten Mal, seit ich reinkam, mit mir Augenkontakt her. Sein Blick ließ mich schweigen, aber wie Jases, ging es nicht um einen bösen Blick. Er sah tatsächlich besorgt aus.

“Wir kümmern uns drum, Rory.” Sagte er ruhig. „Tut es sehr weh?“

Ich schüttelte wortlos den Kopf. Ja klar, es tat zwar weh, aber nicht so sehr, dass ich es nicht ertragen konnte. Eddie gab mir ein kleines Lächeln, bevor er meinen anderen Fuß überraschend zärtlich anhob. Es brachte mich ein wenig aus dem Gleichgewicht, bis Luke einen Schemel herüberschob, danach arbeiteten beide Jase und Eddie an den Splittern.

Es war mir irgendwie unbehaglich. Sie redeten über die Hausarbeiten, die nächste Woche zu erledigen waren, darüber, dass beide Jase und Eddie vorhatten, etwa eine Woche des Sommers Urlaub zu nehmen, sodass wir alle etwas zusammen machen könnten, und sogar über die Party, die Luke für seinen Freund machen würde, und deren Anzahl an Teilnehmern, die er als vernünftig argumentierte. Abgesehen davon wurde der Grund dafür, warum wir alle in der Küche waren, um uns mit meinen Wunden zu beschäftigen, nicht erwähnt.

Davon wussten wir alle. Der Grund würde besprochen, aber nicht jetzt, da es ein Gespräch zwischen mir und Eddie wäre. Ich wusste, dass wir uns sprechen mussten, auch wenn ich mich nicht darauf freute. Da meine Mutter nicht hier war, könnte er mir vielleicht etwas erklären, warum sie mich absichtlich von ihm ferngehalten hatte, dennoch bestand sie darauf, dass wir uns sechzehn Jahre später sahen.

……………………….

Fortsetzung folgt...

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 27 Apr 2018, 17:33

:D ok, fast ein Kojote!
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SergeyP
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 28 Apr 2018, 19:00

Fortsetzung zu Kapitel 5

Als ich nächsten Morgen aufwachte, war ich immer noch erschöpft. Nachdem sie fertig mit der Entfernung der Splitter aus meinen Füßen, die eine ganze Stunde dauerte, gewesen waren, konnte ich endlich duschen gehen, ein Pflaster auf den Schnitt festkleben und irgendwie einschlafen.

Es war etwa zehn Minuten gewesen, welche mir knapp reichten, Jeans anzuziehen, als jemand an meiner Tür klopfte. Es war schon zehn Uhr, und ich dachte, dass das Luke wäre, deshalb zögerte ich nicht, die Tür aufzumachen. Da stand aber nicht Luke, sondern Eddie, der eine braune, nach Essen riechende Papiertüte und zwei Plastikbecher hielt. Ich war mir nicht sicher, was zu denken, weil es so außergewöhnlich war. Normalerweise sollte er jetzt schon bei der Arbeit sein. Eigentlich trug er einen Anzug, deswegen hatte ich keine Ahnung, was er hier machte.

„Kann ich rein?“ Fragte er.

Ich starrte ihn eine ganze Minute lang an. Ich wusste, dass wir uns sprechen mussten, war aber nicht zuversichtlich, dass ich dafür bereit war, dennoch trat ich zurück, um ihn hineinzulassen.

„Klar.“ Erwiderte ich unsicher.

Er trat aber einen Moment heraus, bevor er mit einem Stuhl zurückkam. Ich nahm an, das wäre ein langes Gespräch, trotzdem machte es mir nichts daraus. Ich setzte mich auf das Bett, nahm danach den Orangensaft und das Sandwich an, die er mir anbot.

„Danke.“ Murmelte ich, legte momentan das Essen beiseite.

“Kein Ding.” Nickte er.

“Solltest du nicht bei der Arbeit sein?” Fragte ich.

„Wahrscheinlich.“ Lächelte er. “Aber ich möchte erstmal mit dir sprechen... wenn du dafür bereit bist. Ich weiß, der letzte Abend war für uns alle ziemlich lang. Ich wollte dich nicht drängen, Rory.“

Ich nickte nur dazu. Mir war nicht klar, was ich zustimmte, ob ich mit ihm sprechen möchte, oder ob ich mehr Zeit brauchte. Davon hatte Eddie offenbar auch keine Ahnung. Ich ging davon aus, dass er auf eine verbale Antwort wartete, also verfielen wir lang in Schweigen, bevor ich beschloss, mich zuerst zu Wort zu melden.

“Du hattest keine Ahnung?” Fragte ich. “Von mir?”

“Nein.” Seufzte er, “Gar nicht. Ich war also... überrascht, als der Rechtsanwalt deiner Mutter mich kontaktiert hat. Als ich davon erfahren hab... dass sie gestorben war... war ich echt traurig. Wir hatten vor langer Zeit den Kontakt verloren, aber ich hatte sie echt lieb, Rory. Und als mir gesagt wurde, dass ich einen Sohn hatte...“ Stieß er ein nervöses Lachen aus, „Sowas hört man nicht jeden Tag... aber trotzdem will ich, dass du weißt, ich hab nie dran gezweifelt, dass du mein Sohn bist, als sie mir Ginas Worte weitergeleitet haben. Ich wollte dich sehen. Das würde ich auf jeden Fall machen, hätte ich früher von dir erfahren, ich schwöre.“

Ich nickte nur, dann fragte, “Warum, meinst du, hat sie es gemacht?”

„Weiß ich nicht.“ Runzelte er die Stirn. “Das kann ich dir recht nicht erklären. Auch bevor Gina und ich den Kontakt verloren haben, hat sie viele Dinge gemacht, die ich nicht nachvollziehen konnte.“

„Wie zum Beispiel?“

Seine Finger durch die Haare nervös streichend stieß Eddie einen Atemzug aus, .

„Deine Mutter und ich...“ Begann er langsam, fast so, als würde er sich Sorge machen, dass ich ihn wieder unterbrechen würde. „Sie war wirklich meine beste Freundin, Rory. Nachdem wir angefangen haben zu daten, ist alles schnell geschehen. Du musst verstehen... wir waren beide sehr jung. Und als wir uns schließlich getrennt haben, haben wir uns entschieden, Freunde zu sein. Ich schwöre dir, ich dachte, sie wäre okay damit...“

Er sah mich an, wartete vielleicht darauf, dass ich ihm wieder vorwerfen würde, dass er sie verließ, stattdessen nickte ich ihn zu. Ich musste das zuhören.

“Etwa zwei Monate später ist sie ein paar Tage nicht in der Schule erschienen.” Setzte er fort. „Ich hab mir bisschen Sorge gemacht. Also normalerweise würden wir anrufen, wenn einer von uns krank war. Aber ich hab damals gar keine Anrufe bekommen, deshalb bin ich bei ihr vorbeigekommen. Deine Oma war da. Aber... deine Mutter...”

“Sie war weg.”

“Ja genau.” Nickte Eddie, in seiner Stimme steckte ein bisschen Ärger. „Alice hat mir gesagt, dass sie eine Weile bei einem alten Familienfreund leben würde. Sie sagte aber nie warum. Würde sie nicht. Oder wo. Als ich sie nach einer Telefonnummer gefragt hab... hat Alice mir gesagt, Gina wollte nicht, dass ich sie anrufe. Oder dass ich weiß, wo sie war.” Schüttelte Eddie den Kopf. „Ich war so verwirrt. Ich meine, als wir ein paar Tage zuvor zusammen Hausaufgaben gemacht haben, war alles noch gut, aber dann hab ich erfahren, dass Gina nichts zu tun mit mir haben wollte. Das Einzige, was Alice mir sagen würde, war „Gina will einfach so.“ Für ne lange Zeit bin ich immer wieder dorthin zurückgekommen, Rory. Ich denke nicht, dass deine Oma... sie hat es nur für deine Mutter gemacht.“

„Sie musste nicht für sie lügen.“ Runzelte ich die Stirn, fühlte mich wieder verärgert.

„Du hast Recht.“ Nickte Eddie. “Musste sie nicht. Aber ich konnte nichts dagegen tun. Nach einer Weile hab ich aufgehört, vorbeizukommen, trotzdem hab ich mich noch gefragt... weißte, ich konnte es nicht verstehen... Nächsten Sommer ist meine Familie hierher gezogen. Sie... Gina musste dich gehabt haben und ist wieder heimgezogen, nachdem ich schon ausgezogen hatte.”

„Hast du nicht versucht, zurück zu kommen? Um sie wieder zu sehen?“ Fragte ich, denn ich brauchte irgendwie mehr Erklärungen von ihm.

“Vielleicht sollte ich schon.” Seufzte Eddie, „Hätte ich von dir erfahren, würde ich es gemacht. Leider hab ich nicht, Rory. Es mag dir schwer sein zu verstehen, aber deine Mutter hat es ganz klargemacht, dass sie nichts mit mir zu tun wollte... Ich hab doch ein paar Jahre später einen Brief von ihr bekommen.“

„Und sie hat's dir nicht gesagt?“ Drängte ich ihn.

“Wenn sie es mir gesagt hätte, hätten wir uns viel früher gesehen.“

„Also was steht im Brief?”

„Nur dass sie hoffte, es ging mir gut... Sie hat gesagt, es habe ihr leidgetan, weil sie so verlassen hat, aber nicht warum. Sie hat auch gesagt, es sei ihr gut gegangen, und sie sei glücklich. Leider hat sie keine Adresse verraten... Aber trotzdem hab ich noch den Brief. Du kannst ihn gerne lesen.”

Da Eddie mir anbot, den Brief zu lessen, glaubte ich, dass er nichts vor mir verbergen wollte, welches hieß, dass er tatsächlich nicht von mir gewusst hatte. Das nahm ich langsam an. Aber das anzunehmen hieß, dass die angeblich offene, ehrliche Beziehung zwischen mir und meiner Mutter immerhin nicht so ehrlich war. Ich war ihr deswegen böse.

Ich meine, meiner Mutter zu erzählen, dass ich Schwul sei, war das Schwierigste, was ich jemals gemacht hatte. Das war das einzige Geheimnis, das ich ihr vorenthalten hatte, trotzdem teilte ich ihr das schließlich mit. Wieso würde sie mir nicht erzählen, dass mein Vater nicht einmal von mir erfuhr? Ich bin immer davon gegangen, dass er da nicht sein wollte. Mama hatte mir gar nichts gesagt... sie hatte mich daran glauben lassen.

“Ich weiß nicht, warum sie das tun würde.“ Sagte ich herabblickend. „Es macht keinen Sinn. Wir haben keine Geheimnisse voreinander behalten.”

“Weiß ich auch nicht.” Erwiderte Eddie. “Aber wir können es jetzt nicht ändern... Ich will, dass alles gut wird, Rory... Ich weiß, es ist für dich neu, und ich bitte dich nicht, alles ganz plötzlich anzunehmen... oder mich. Wenn du bei mir nicht leben willst, kapier ich das. Aber wenn du am Ende des Sommers nach Hause gehst, will ich, dass du wieder herkommst. Ich will auch, dass du mich anrufst. Ich will eine Beziehung mit dir. Ich erwarte sogar nicht, dass du mich als Vater anerkennst, aber... ich will eine Chance haben, einer zu sein. Und du verdienst die Chance, einen zu haben.“

Ich war mir nicht sicher, was zu erwidern. Die Tatsache, dass mich meine Mutter von Eddie ferngehalten hatte, änderte nicht meine Gefühle für ihn. Klar, ich war nicht mehr so sauer auf ihn, aber trotzdem war er mir immer noch ein Fremder. Das meinte er vielleicht, dass er nicht mehr ein Fremder sein wollte. Dennoch musste ich ehrlich zugeben, dass ich doch darauf neugierig war, Eddie kennenzulernen, denn es könnte eventuell erklären, warum Mama das gemacht hatte. Ich würde ihn nicht sofort umarmen und feiern, sondern ich könnte ihn zumindest kennenlernen, und ihn sogar mich ein bisschen kennenlernen lassen.

“Ich kann dich Papa nicht nennen.” Sagte ich nach einem langen Moment.

„Mir kein Problem.“ Schenkte er mir ein kleines Lächeln, dann starrte er mich so nachdenklich an, dass es mich nervös machte, und ich musste wegschauen. Es mochte gut sein, ihn kennenzulernen, aber es wäre besser, das langsam zu unternehmen.

Ich stand abrupt auf, zuckte zusammen, als ich auf den Schnitt in meinem Fuß trat, dabei stand Eddie auch sich sorgend auf.

“Tut’s dir noch weh?” Fragte er stirnrunzelnd.

„Alles gut.“ Zuckte ich verlegen die Schultern. “Tut nur bisschen weh.” Ich ging an ihm vorbei, während er mich besorgt ansah, als machte er Sorge darum, dass ich weggehen würde. Eigentlich stand ich vor dem unbeschrifteten Karton, den Oma Alice geschickt hatte, und zörgerte einen Moment, bevor ich ihn anhob und mich zu Eddie wandte, der verwirrt wirkte.

„Du kannst... ähm, dir das anschauen. Wenn du willst.“ Sagte ich.

Eddie nahm neugierig den Karton an, hob ihn dabei aus meinen Armen mit weniger Mühe als ich an. Als er eine der Klappen zurückzog und hineinschaute, lächelte er mich an, erkennend, dass da drinnen Bilder waren.

“Danke dir, Rory.”

“Mama hat gerne Fotos gemacht.” Zuckte ich die Schultern. „Also... ähm, mein ganzes Leben war da drinnen. Auf diese Weise muss ich dir nicht alles erzählen.“

„Alles klar.“ Nickte er. “Ich hab auch was, wenn du sie dir anschauen willst.“

„Okay.“ Nickte ich, dann einen Moment später, „Also Eddie? Das Album, das du mir beim Park gezeigt hast...”

„Ach ja.“ Seufzte er, „Vielleicht sollte ich dich erstmal gewarnt haben...”

„Kann ich mir es nochmal anschauen?“

“Natürlich.” Lächelte er. “Irgendwann, wenn du willst.”

“Danke.” Ich wollte mir es wirklich noch einmal anschauen. Sowieso hatte ich beim Park Interesse darauf, bevor ich mich über Eddie ärgerte.

„Gut, ich hol dir das mal.“ Bot er an, „Und ich denke, ich geh auch mir diese mal anschauen... es sei denn du willst, dass wir das zusammen machen.“

„Nein, kein Problem. Ich meine, manche davon sind eher peinlich, ich würde sie nicht zusammen mit dir sehen.“

“Alles klar.” Lachte Eddie, dann wandte er zur Tür. Er blieb aber danach stehen und sah auf mich zurück.

„Rory... Gina... also, deine Mutter, sie würde nie jemanden absichtlich verletzen. Ich weiß nicht, warum sie mir nicht von dir erzählt hat. Aber wenn du mal drüber reden willst...“

„Danke.“ Nickte ich, fügte dann hinzu, „Das würd ich machen. Aber jetzt... muss ich über was anderes nachdenken.“

„Na gut. Sag mir einfach Bescheid.“

“Danke Eddie, und ähm... danke fürs Frühstück.”

„Gerne. Ich bin heute zu Hause, also wenn du was brauchst...“

“Alles klar.” Nickte ich, “Ich glaub, ich mach nur mal fertig mit dem Auspacken.”

„Okay. He, ich weiß du möchtest nicht alle auspacken. Ich schlage vor, du stellst mal alle Dinge zusammen, die du nicht brauchst, und dann helfe ich dir, sie heute Abend ins Lager zu laden.“

„Klar.“ Stimmte ich ihm zu, und dann ging Eddie raus. Er hatte mir manche Gedanken hinterlassen, nach einigen davon ich Oma Alice fragen musste. Aber ich würde sie später telefonieren. Ich hatte Angst, dass ich meine Geduld verlieren würde, wenn ich sie jetzt anrief, denn ich wusste, dass sie die ganze Zeit vom Geheimnis wusste, dennoch hatte sie meiner Mutter dabei geholfen, mich vor Eddie zu verstecken, ganz zu schweigen davon, dass sie mir nie davon erzählt hatte. Ich musste deswegen auf jeden Fall vernünftig denken, wenn ich wirklich mit ihr sprach. Außerdem würde sie sowieso einfach auflegen, wenn ich gereizt wurde.

……………….

Zusammenzuckend stieg ich die Holztreppe hinauf zum Dachboden, hielt dabei einen weiteren Karton. Mein Fuß fing an wehzutun, trotzdem konnte ich mich nicht beklagen, da ich selbst schuld daran war. Es war sowieso bescheuert gewesen, so wegzulaufen. Sogar ich musste es zugeben.

“Hier.” Lachte Luke mich aus, als er die Treppe runterging, dann nahm er mir den Karton und verschwand wieder in den Dachboden. Ich seufzte und folgte ihm nach oben, wo er den Karton in den Haufen mit meinen restlichen Sachen stapelte.

“Wie viele gibt’s noch?” Sich die Stirn abwischend fragte er.

„Etwa vier Stück noch.“ Runzelte ich die Stirn. “Ich kann es selbst erledigen, Luke. Danke für deine Hilfe.“

„Na wollen wir dann ne Pause machen, und dann helfe ich dir es fertig zu machen?“ Grinste er. „Oder wir können einfach nur lassen und Eddie wird es für uns erledigen. Er hat doch gesagt, dass er helfen würd.“

„Ich hab ihn ne Weile nicht gesehen.“ Erwiderte ich. „Nicht seit Mittagessen.“

Ich hatte kurz vorhin mit Eddie und Luke zu Mittag gegessen, und war schön überrascht, dass es um eine angenehme Mahlzeit ging. Luke und ich hatten Eddie erzählt, warum wir mit dem Streit aufhörten, ohne ihm dessen Grund zu sagen. Aus irgendeinem Grund wollte Luke ihn auch scheinbar nicht erwähnen. Aber als Luke erwähnte, wie ich ihn ausgesperrt und Chey zu mir gestanden hatte, lachte Eddie. Ich dachte, er dürfte missbilligend sein, aber vielleicht gab es viel an ihm, was ich noch kennenlernen musste. Es wäre wahrscheinlich gut so, dass er Humor hatte.

„Ich hab ihn kurz zuvor gesehen.“ Erwiderte Luke. „Als Jase nach Hause kam, gingen sie beide ins Wohnzimmen, um sich deine Bilder anzuschauen.“

„Ahh.“ Stieß ich hervor, und Luke lachte.

„Ich glaub, er hat sich sie alle seit heute Morgen zweimal angeguckt.“ Lächelte Luke, als er begann, mir voran nach unten zu gehen. „Es war echt lieb von dir, ihn die Bilder sehen zu lassen.“

“Danke.” Zuckte ich die Schultern. “Ich denke, ich fühl mich irgendwie schlecht... nach dem letzten Abend und... weißte?“

„Du musst dich aber nicht so sehr schuldig fühlen. Ich meine, du magst ja bisschen zu hart zu Eddie sein, aber er könnt dir einfach am Anfang an alles erklären. Ich glaub ich wär ja auch sauer, wenn ich du wär.“

„Echt?“

„Ja.“ Sagte Luke sachlich. „Ich meine, wenn er anfangs von dir nicht erfahren hat, sollte er dir einfach das gesagt haben. Du hast keine Ahnung, wie viel Mal ich es rausplatzen wollte.“ Klang er praktisch verärgert.

“Dann warum hast du nicht?” Lachte ich.

„Na weil Eddie mich drum gebeten hat.“ Antwortete Luke. „Ich glaub weil er wollte nicht, dass du deiner Mutter, oder ihm, böse wärst, wenn er sagen würd, dass sie einen Fehler gemacht hat. Dies, und es ging mich recht nichts an, weißte? Eddie sollte dir es gesagt haben... Tut mir trotzdem leid, dass du es auf diese Weise rausgefunden hast. Wie auch immer, was ist passiert? Hast du spioniert oder so?“

“Irgendwie.” Gab ich zu. “Ich kann manchmal nicht anders, besonders wenn jemand über mich redet.“

„Dran muss ich mich definitiv erinnern.“ Lachte Luke.

Wir gingen nach unten in die Küche, wo Luke den Kühlschrank aufmachte und mir eine Wasserflasche warf.

„Ich wollte dich mal fragen, ob du heute Bock auf wandern gehen hast.“ Auf meinen in Socke bedeckten Fuß herabblickend grinste er. „Aber sieht so aus, es geht nicht mehr.“

“Ja, ich glaub wir sind mittlerweile schon genug gegangen. Eigentlich muss ich meine Oma noch telefonieren. Ehrlichgesagt freu mich nicht drauf.“

„Wieso denn?“ Fragte Luke. “Vielleicht kann sie dir alles erklären.”

„Sie kann“ Runzelte ich die Stirn. „Aber ich weiß nicht, ob sie es wird. Es kann manchmal schwer, mit ihr zu reden.“

„Zumindest liebt sie dich.” Zuckte er die Schultern, als wir uns an den Tisch hinsetzten.

„Ja klar.“ Grinste ich. “Es ist beide ein Segen und ein Fluch.”

Luke schenkte mir ein kleines Lächeln und einen jener einschätzenden Blicke, die mich wundern ließen, woran er dachte, aber er sagte nichts.

“Kennst du irgendeine Oma von dir?” Fragte ich.

„Eine. Sie ist aber gestorben, als ich sechs war. Ich erinnere mich dran, dass sie sehr nett war. Sie war meine Mutters Mutter. Ich glaub, ich hab noch einen Opa auf der Seite meines Vaters, der noch am Leben ist, aber ich kenne ihn nicht wirklich. Meine Familie besteht größtenteils nur aus Jase, mir und Eddie... und jetzt dir.“

Ich lächelte, blickte aber weg, wunderte mich dabei, wie Luke mich als Familie nach nur ein paar Tagen ansehen konnte. Außerdem hatten wir sowieso nicht genau einen guten Anfang. Aber vielleicht war es ganz egal. Vielleicht war heute der Tag, den ich als meinen ersten Tag hier ansehen konnte, da jetzt alles scheinbar klargemacht wurde.

Fortsetzung folgt...

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 29 Apr 2018, 21:54

Zur Abwechslung mal ein sehr vernünftiger Teil. ..auch schön :D
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

SergeyP
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 01 Mai 2018, 14:57

Boah, bin wieder da. Ich wollte schon seit letzter Woche mit diesem Teil fertig machen, hatte aber kaum Zeit dafür. Also ohne weiteres, hier ist den letzten Teil des 5. Kapitels. Ich versuche möglichst bald das 6. Kapitel zu posten.

Fortsetzung zu Kapitel 5

„Du hast nie gesagt, was deiner Mutter passiert ist.“ Sagte ich. Ich hatte die ganze Zeit darüber nachgedacht. Ich wusste, dass ich nicht über Lukes Vater reden sollte, trotzdem war ich immer noch neugierig. Er hatte nie seine Mutter erwähnt, und die Art, wie er auf das Foto von mir und meiner Mutter sah, wunderte mich. Jedoch nahm ich an, dass ich auch nicht über seine Mutter reden sollte, denn sein Gesichtsausdruck wurde ernst, und er blickte auf den Tisch von mir weg.

“Also sie ist gestorben.” Sagte er. “Es war schon lange her, kurz ehe ich zu Eddie und Jase gezogen bin.“

“Tut mir leid.” Sagte ich schnell, und dann hasste ich mich sofort deswegen. Ich hasste es, wenn Menschen mir sagten, dass es ihnen leidtat, also zweifelte ich daran, dass Luke sich anders fühlte.

“In Ordnung.” Nickte er. „Ich hab damit klargekommen. Eddie und Jase haben mir auch viel dabei geholfen. Aber... hör mal, Rory, ich kenne Kummer gut. Wenn du jemals drüber reden möchtest, ich meine... also will ich, dass du weißt, ich verstehe, was du durchmachst.“

“Was ist ihr passiert?”

“Das war ein Unfall.” Erklärte er. “Also ein Autounfall. Alle haben mir gesagt, das sei schnell. Aber... keine Ahnung.”

Ich starrte Luke lange an, merkte dabei den leeren Blick in seinen Augen. Ich wunderte mich, ob ich so den Blick hätte, wenn ich an meine Mutter dachte. Es schien so, als wäre Luke nicht mehr hier. Er war irgendwoanders, und ich konnte ihn verstehen. Es war dieser dunkler Ort, genau wohin ich ging, wenn ich diese spontanen Trauermomente hatte.

„Wachst du jemals auf und vergisst?“ Fragte ich. „Manchmal wenn ich morgens aufwache, erwarte ich, dass sie ganz plötzlich in mein Zimmer kommt, und mir sagt, ich solle mich schnell auf die Schule vorbereiten... oder ich solle erstmal ne saubere Unterwäsche anziehen.“

Luke blickte auf, der leere Blick war schon verschwunden, als er mir ein kleines Lächeln schenkte.

“Es ist mir öfter passiert, als ich noch jünger war.” Sagte er. „Es passiert noch ab und zu, aber nicht mehr so oft... Du wirst nie vergessen, Rory. Aber ich verspreche, es wird doch einfacher.“

Ich nickte. Menschen sagten das immer wieder. Es wird doch einfacher. Aber da diesmal Luke es sagte, dachte ich, dass ich bisschen mehr daran glaubte. Es lag vielleicht daran, dass er es wirklich verstand.

„He.“ Lächelte er plötzlich, als hätten wir gar nichts Trauriges besprochen. „Ich werd mal heute Abend zurück zum Park gehen. Dave wird da sein, und auch Rick und Brian. Willst du mit? Ich meine, wenn du keinen Plan mit Eddie hast...“

“Meinst du, will Eddie was mit mir unternehmen?” Fragte ich bisschen ängstlich. Ich versuchte immer noch zu verstehen, was wir am Morgen besprochen, und obwohl ich versuchen möchte, ihn kennenzulernen, wollte ich es doch langsam machen.

“Er wird dich gehen lassen.” Lachte Luke. „Aber... schließ ihn bitte nicht aus, ne? Ich hab’s ernst gemeint, als ich gesagt hab, dass er ein guter Vater ist. Du musst ihm nur eine Chance geben.“

“Werd ich.” Meinte ich ernst. „Es ist... es ist mir einfach zu viel, weißte? Gestern war ich sauer auf ihn und heute...“

„Das ist ganz normal. Ich meine, dass du früher auf ihn sauer warst. Eigentlich bin ich überrascht, dass du dich nicht mehr über ihn ärgerst, denn er hat dir die Wahrheit nicht gesagt.“

„Ja.“ Nickte ich, obwohl ich mich tatsächlich deswegen über Eddie ärgerte. Aber ich kannte ihn sowieso nicht genau so gut, dass ich ihm sowas glauben konnte. Aber meine Mutter, und Oma Alice, sie sollten mir davon erzählt haben. Also waren sie diejenigen, denen ich böse war.

“Na dann, willst du schwimmen gehen? Es soll deinem Fuß nicht so schlimm gehen.“

„Jap.“ Lächelte ich. „Aber ich soll erstmal meine Oma telefonieren. Es gibt noch ein paar Sachen, die ich sie fragen muss, und wenn ich’s nicht hinter mich bringen kann, werd ich vielleicht verrückt.“

„Klar, ich warte dann da draußen auf dich.“

Ich begann wirklich, Luke zu mögen. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, was wäre, wenn wir uns noch streiten würden, und nachdem ich mehr von seiner Mutter erfahren hatte, fühlte ich mich ihm näher. Vielleicht hieß es einfach, dass eine Verbindung zwischen uns entstand, welches wahrscheinlich zu erwarten war. Wir waren seit den letzten Tagen ständig zusammen gewesen, er hatte einen Kaktusdorn aus meinem Po entfernt, und ich hatte ihn mich ohne große Beschwerden tragen lassen.

Es war dieses schöne Gefühl, das ich bei Luke empfand, wissend, dass wir nicht nur als Bekannte am Leben eines anderen vorbeigingen. Wenn ich zu Hause kam, würde ich sehr gerne in Kontakt mit ihm bleiben. Und es sagte viel, weil ich mir hingegen noch keine Mühe gegeben, um den Menschen, die ich mein ganzes Leben gekannt hatte, zu schreiben, oder zu telefonieren. Das machte mich aber traurig, denn es fiel mir auf, dass ich mich Luke näher fühlte, als irgendeinem Menschen, den ich verlassen hatte.

Wenn ich mir tiefer daran dachte, hatte ich mich von allen meinen alten Freunden distanziert, sogar bevor ich auszog. Es lag größtenteils daran, dass meine Mutter krank war. Tja, meine Freunde waren alle für mich da, aber ich war nicht genau offen für ihre Unterstützung. Damals lag Mama im Sterben und keiner von ihnen konnte es verstehen. Zumindest nicht wie ich es verstand. Außerdem konnte ich nicht an etwas anderes denken, sogar als ich bei ihnen war. Und nachdem meine Mutter gestorben war, glaube ich nicht, dass ich mir viel Mühe machte, Freundschaften wieder herzustellen. Wir waren uns nie wieder so nah, wie wir einst gewesen waren.

Dies vorausgeschickt, wäre es vielleicht seltsam, dass ich noch am Ende des Sommers heimgehen möchte, sogar nachdem ich mich mit Luke angefreundet hatte. Das wollte ich aber auf jeden Fall. Ja klar, ich könnte mich eventuell mit Eddie als Freunde verabschieden, und ihn sogar an Wochenenden anrufen, oder ihn nächsten Sommer besuchen. Aber ich wollte nach Hause. Ich musste nach Hause. Es war mein Zuhause, wo ich bei meiner Mutter aufgewachsen war, und ich wollte dorthin zurückgehen.

………………….

Atme tief ein. Bleib ruhig. Und was auch immer du machst, werd nicht sauer. Es dürfte eine Nervensäge sein, mit Oma Alice zu reden. Von ihr Informationen zu ewerben könnte also ein Alptraum sein. Es sollte daher sorgfältig durchgeführt werden. Wenn ich sauer würde, würde ich nichts von ihr erhalten, und im Moment schien Oma Alice die Einzige zu sein, die die Antworten auf alle meinen Fragen haben mochte.

Komischerweise machte ich den Anruf nicht privat in meinem Zimmer. Ich dachte, dass es mir einfacher wäre, meine Wut im Zaum zu halten, wenn ich dieses Gespräch irgendwo führte, wohin jeder betreten und mich hören könnte.

Somit wählte ich die Küche, die also viel Raum herumzugehen anbot. Zu der Zeit, nachdem ich mir das Telefon geholt, mich von Jeans zu Badehose umgezogen und die Küche erreicht hatte, war Luke schon da draußen. Ich konnte ihn durch das Glasschiebetür auf dem Sprungbrett sehen, dabei trug er seine Boxershorts statt Badehose, und Chey wartete ungeduldig auf ihn, um in das Schwimmbad zu springen und mit ihm zu spielen.

Ich beschloss fast den Anruf zu verzögern, um nach draußen zu ihm zu kommen. Mit Luke Abhängen schien viel entspannter zu sein, als den Anruf, den ich gleich machte. Trotzdem zwang ich mich, die Nummer zu wählen, und ich wartete auf Oma Alices Antwort.

“Hallo? Hallo?”

Ich nahm einen tiefen Atemzug, dann “Morgen Oma...“ und das war so viel wie ich sagen konnte.

„Rory Norrick!“ Bei ihrem scharfen Tonfall springend hätte ich beinahe das Telefon fallen lassen. „Ich schwöre, man würde denken, dass du keinen gesunden Menschenverstand hast! Du musst das sturste Kind sein, das ich kenne! Du bist sogar schlechter als dein Opa John! Jetzt erklär mir bitte, warum du es für passend gehalten hast, deiner armen Oma fast einen Herzinfakt zu geben. Ich mag gesund sein, aber ich schwöre, du hast mich fast umgebracht!“

Hätte ich eine Ahnung, worüber sie redete, würde ich ihr es vielleicht schon erklären. Aber ehrlichgesagt begann ich mich zu fragen, ob Oma Alice gerade ihren Verstand verloren hatte.

“Oma...”

“Weggelaufen, Rory? Unglaublich. Du hast mehr Verstand als das.” Uh-oh. Ich wunderte mich, wie sie von meinem gestrigen Missgeschick erfahren hatte. Ich hätte Eddie sofort vorgeworfen, aber meine neue Einstellung ihm gegenüber bestand darauf, dass ich ihm zumindest den Vertrauensbonus gab. „Du hättest dich verlaufen können! Hast du ne Ahnung, wie es gefährlich war? Du kennst die Wege da noch nicht! Und ohne Schuhe? Meine Güte, arm bist du nicht! Wo waren deine Schuhe?”

“Ich hatte sie nicht an, ich...“

“Du hast deinen Verstand total verloren, das bin ich mir sicher! Mein Gott, ich weiß nicht, was dir durch den Kopf ging aber...“

„Nichts!“ Schrie ich plötzlich auf. Okay, ich gebe es zu. Es dauerte nicht lang, bis mich die Frau komplett in den Wahnsinn trieb. „Ich hab gar nichts überlegt! Entschuldigung, okay? Es war bescheuert. Aber weißt du, was noch bescheuert war, Oma? Dass niemand mir gesagt hat, dass Eddie nicht mal von mir wusste! Das war bescheuert! Warum hast du mir das nicht erzählt?“

“Ich glaub nicht, dass ich dein Geschrei mag.“ Sagte sie gelassen. Ich beschloss, es zu ignorieren.

„Du wusstest davon und du hast mir nicht erzählt! Warum hast du mir das nicht erzählt? Und warum hat Mama das getan? Warum habt ihr mich denken lassen, er wollte nichts mit mir zu tun haben? Warum hat Mama mich von Eddie ferngehalten? Und weißt du was, ich wäre vielleicht nicht weggelaufen, wenn jemand sich die Mühe gäbe, das mir zu erzählen! Nämlich du, Oma!“

„Ich denke, du sollst mich wieder telefonieren, wenn du dich an deine Manieren erinnerst.“ Erwiderte sie sachlich.

„Nein!“ Brüllte ich. “Nein, wag es nicht, mich aufzulegen! Du schuldest mir ne Erklärung und mir ist egal, ob ich dorthin zurückgehen muss und...“

Plötzlich legte mir jemand eine Hand auf die Schulte, welches mich erschrak. Als ich dann Eddie hinter mir stirnrunzelnd stehen sah, erwartete ich schon eine Strafe, aber stattdessen tippte er nur auf meine Schulter, nahm mir sanft das Telefon und brachte es ans Ohr.

“Alice, Eddie hier…”

Uh-oh. Oma brüllte. Vielleicht war ich ihr so auf die Nerven gegangen, dass jetzt Eddie unter ihrer Frustration leiden musste. Ich konnte ihre gedämpfte Stimme aus dem Telefon heraus hören, bevor Eddie begann zu versuchen, sie zu unterbrechen.

“Nein, denk ich nicht... Ja. Er ist jetzt echt gereizt... also... ähm... aber...“

Eddie begann zu schwitzen. Es war seltsam zu sehen, wie ein Mann seiner Größe vor meinen Augen schrumpfte, nur wegen der Stimme einer kleinen alten Frau am anderen Ende der Leitung. Ich setzte mich an den Tisch und sah schweigend zu.

„Also ich denke, es macht nur Sinn, dass er verärgert ist.“ Das überraschte mich. Stand er gerade zu mir? “Du weißt, wie es mich betrifft, Alice... nein, ich mein’s nicht, aber ne Erklärung wär toll...”

Eddie klang genervt. Also war ich nicht der Einzige, der eine Erklärung brauchte. Es sah so aus, dass Eddie wissen wollte, warum ihm auch keiner von mir erzählt hatte, ihm gelang es aber scheinbar nicht besser als mir.

Ich spürte eine andere Hand auf meine Schulter und schaute auf, wobei ich Jase hinter mir stehen sah, der Eddie besorgt beobachtete. Er blickte mich an und schenkte mir ein kleines Lächeln.

„Geht’s dir gut?“ Fragte er leise.

„Besser als ihm.“ Erwiderte ich, wandte dann an Eddie, dessen Kiefer zu zucken begann.

„Oh, halte nur die Klappe!“ Schrie Eddie plötzlich ins Telefon.

Ich wurde erschrocken, und Jases Augen weiteten sich, als eine abrupte Stille dem Zornausbruch folgte. Ich konnte sagen, dass Oma immer noch redete, denn ich sah Eddies Schultern sich verhärten, als er sich aufrichtete, aber sie musste ihre gelassene Stimme benutzt haben, weil wir sie nicht durch das Telefon hören konnten.

Ich machte mir fast Sorge um Eddie, wunderte mich, was Oma redete, als ich ihn errötend an seinem Kragen zerren sah. Nach einer langen Stille sagte er schließlich leise, „Ja ma’am. Alles klar. Tschüss Alice.“

Jase hatte mich die ganze Zeit an der Schulter festgehalten, aber ich hatte es kaum bemerkt, bis er losließ und an meinem Stuhl vorbeiging, als Eddie auflegte und einen Atemzug ausstieß, bevor er mich fast entschuldigend ansah.

„Was soll das denn?“ Fragte Jase.

„Also,“ Seufzte Eddie. „Rory und ich müssen beide überlegen, wie man richtig zu einer Frau sprechen. Übrigens, Alice erwartet unsere Entschuldigungsbriefe.“ Mich angrinsend sagte er.

“Tut mir leid.” Runzelte ich die Stirn. “Ich wollte sie nicht anschreien, aber sie ist einfach... es ist ja schwierig, mit ihr zu reden!“

„Glaub mir, ich weiß.“ Lächelte Eddie, aber dann sah er ernst aus. “Sie hat gesagt, sie schicke dir etwas, Rory. Eigentlich meint sie, es sei für uns beide... von deiner Mutter.“

„Was?“

„Hat sie gesagt, was das ist?“ Fragte Jase.

„Leider nein.“ Schüttelte Eddie den Kopf, „Aber es soll hier in ein paar Tagen ankommen. Kannst du so lang warten, Rory?”

“Keine Ahnung.” Runzelte ich die Stirn. Ich konnte es sowieso nicht manipulieren. Noch einmal fühlte ich mich, als hätte ich einen heftigen Schlag bekommen. Der Gedanke, dass mir meine Mutter etwas schickte, schien so surreal zu sein. Sie war gestorben. Und wenn es etwas für mich und Eddie sein soll, dann wieso wurde es mir nicht von Anfang an geschickt? Was auch immer es war, war ich mir sicher, dass Oma Alice damit zu tun haben musste.

“Alles gut?” Fragte mich Eddie.

Ich musste gedankenverloren gewirkt haben, denn als ich aufschaute, starrten mich beide Eddie und Jase an.

„Ähm, ja.” Nickte ich, stand auf und ging an ihnen vorbei. “Ich geh mal kurz raus. Luke wartete auf mich.”

“Klar.” Nickte Eddie.

Ich trottete zur Tür hoffend, dass Luke und ein kaltes Schwimmbad mir dabei helfen könnten, mich von allen diesen Gedanken abzulenken. Ich blieb aber dann bei der Tür stehen, ein leichtes Lächeln zerrte an meinen Lippen, als ich auf Eddie zurückblickte.

“Ich kann’s nicht glauben, dass du ihr gesagt hast, die Klappe zu halten.“ Sagte ich ihm.

„He,“ Grinste Eddie. „Tue was ich sage, nicht was ich tue.“

Die Bemerkung verwirrte mich für einen Moment, bevor ich Eddie grinsen und Jase seine Augen verdrehen sah. Ein Witz. Ich lächelte ihn an, dann trat heraus. Ich glaube, ich war lieber nicht auf ihn sauer.

Vielleicht wurde alles letztendlich gut. Ich kam mit Eddie zurecht, und Jase war auch nicht so schlecht. Ich hatte mich mit Luke angefreundet, und ich war mir sicher, dass ich früher oder später wieder mit Oma Alice zurechtkommen würde, sofern ich ihr den Entschuldigungsbrief schickte. Ich erhoffte mir nur, dass nichts mein Leben noch einmal auf den Kopf stellen würde. Ich wusste nicht, wie viele Überraschungen ich noch annehmen konnte.

Ende des 5. Kapitels

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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon Simson » 01 Mai 2018, 17:57

Boah :P du machst es ja echt spannend.
So wirklich kann ich mir den Grund für das totale Verschweigen durch die Mutter und Oma von Rory nicht ausmalen :-?
Ich bin seeehr neugierig auf die Post, die er bekommen soll.
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Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

Beitragvon SergeyP » 04 Mai 2018, 22:31

@Simson: Danke für deinen Kommentar XD Was auch immer der Grund ist, warum die Oma und die Mutter Rory die Wahrheit nicht sagten, muss der ein guter sein. Also mal schauen ^^

[6] Ein bisschen Spaß

“Oh, guckt euch das an.” Murmelte Dave kaum lauter als ein Flüstern. „Das ist einfach unfair. Ich meine, guckt euch nur das mal an.“

Ich schaute mir das doch an, interessierte mich aber nicht dafür. Was mich wahrscheinlich mehr interessierte, war der Sonnenuntergang, der dem Himmel eine Myriade roter und oranger Tönne verlieh. Es war vielleicht noch rund eine Stunde, ehe es komplett dunkel wurde, und das machte mir nichts daraus, in Anbetracht dessen, dass wir nur auf der Wiese des Parks rumsaßen und dabei den Tätigkeiten um uns herum zusahen.

Luke und ich waren früh hergekommen, und dann kamen Rick und Brian, schließlich Dave. Natürlich war Chey auch da, die zufällig das Zentrum der Aufmerksamkeit von allem geworden war... also, mindestens der Mädchengruppe, die glaubte, dass Chey noch nicht genug Aufmerksamkeit bekam. Sie legte nun auf ihren Rücken, und ihren Bauch wurde dabei von mehr als genug Händen gekratzt.

„Das ist vollkommen ungerecht.“ Dave schüttelte traurig seinen Kopf, als Chey das Gesicht eines kleinen Mädchens, das kurze lockige blonde Haare und ein hübsches Lächeln hatte, leckte. Vorhin hatte jemand erwähnt, dass sie Angela Corner, Daves Traumfrau, war. „Luke, Mann, ich hab mir nie gedacht, dass ich eifersüchtig auf deine Hündin wär.“

„Halt die Klappe.“ Lachte Luke, schnippte ein Stück trocknenes Gras in Daves Richtung. “Du bist eifersüchtig auf meine Hündin, wenn ich ihren Bauch kratze.”

„Angela sieht heute doch gut aus.“ Kommentierte Rick links von mir, wo er auf Brians anderer Seite saß, der sich zwischen uns befand. Luke war rechts neben mir, und Dave war neben ihm.

“He!” Dave beugte sich vor und warf Rick einen finsteren Blick zu. “Da ist’n Haufen Mädchen, und du guckst dir nur sie an?”

„Was?“ Lachte Rick. “Nicht dass sie nicht zur Verfügung steht.”

„Rick, ich schwöre...“ Knurrte Rick genervt.

„Meinste, wird sie mich mal daten?“ Unterbrach Rick, an Brian gewandt.

„Ja klar, warum nicht?“ Erwiderte Brian achselzuckend. “Sie ist sowieso bisher Single, oder?”

„Ihr alle seid verdammt Wichser.“ Sagte Luke entrüstet, und Brian und Rick lachten.

Ich blickte Luke kurz an, der nur leicht lächelte und seine Augen verdrehte.

„Du sollst sie mal ansprechen, Dave.“ Bestand Brian darauf.

„Genau, vergiss diesmal aber deine Sprachfähigkeit nicht.“ Fügte Rick lachend hinzu.

Ich sah auf Dave herüber, der etwas errötete und über seine Freunde den Kopf schüttelte. Es war mir irgendwie seltsam zu sehen, wie jemand wie Dave so schüchtern wirkte. Er war auf keinen Fall unattraktiv, hatte zumal auch einen freundlichen Charakter, soweit ich das beurteilen konnte. Als ich mir dann diese Angela Corner ansah, fragte ich mich, wie konnte dieses Mädchen Dave so in den Bann ziehen. Klar war sie süß, doch sah ich nichts Besonderes an ihr. Na ja, ich war aber wahrscheinlich nicht in der Lage, ihre Schönheit richtig zu beurteilen.

„Leute, lasst Dave doch in Ruhe.“ Sagte Luke. „Er wird’s ja bestimmt schaffen... na und mach dir keine Sorge, Dave, wenn es dir nicht gelingt, werd ich dich selbst daten.“

Brian und Rick brachen in Gelächter aus, als Luke plötzlich seinen Arm um Dave schlang, um ihn heranzuziehen, und ihm dann einen großen Kuss auf die Wange gab, welches mich leicht überraschte. Ich nahm an, dass Luke seinen Freunden gegenüber nur super freundlich war.

„Das ist nur weil du ne Schlampe bist.“ Erwiderte Dave, als er Luke wegschieb, dabei wischte er sich die Wange mit dem Handrücken.

“Ja.” Lächelte Luke. “Doch bin ich ne wählerische Schlampe, also nimm es als Kompliment, Arschloch.“

„Ist das alles, was ihr immer macht?“ Ich beschloss, mich am Gespräch teilzunehmen. „Also Mädchen angucken und Dave necken?“

„Lass es nicht so langweilig klingen.“ Antwortete Luke. „Ich garantiere dir, du wirst es am Ende des Sommers genauso wie wir lieben, Dave zu necken.“

Ich lächelte, schüttelte den Kopf, als Dave Luke mit dem Ellbogen rempelte. Wir waren nicht so lang im Park gewesen, doch war ich überrascht, dass ich mich so angenehm bei Lukes Freunden fühlte, in Anbetracht dessen, dass der Einzige, mit dem ich länger als zehn Minuten rumgehangen hatte, Dave war.

Es lag vielleicht daran, dass sie Lukes Freunde waren. Seitdem wir uns versöhnten, hatten wir uns langsam an die Anwesenheit voneinander gewöhnt, und ich begann, ihn als den Bruder, den ich nie hatte, anzusehen, insbesondere nach den letzten Tagen, und nachdem ich von seiner Mutter erfahren hatte, und davon, dass er wirklich verstand, wie ich mich fühlte. Es war tatsächlich schön, dass ich jemanden hatte, mit dem ich über meine Mutter reden konnte, der es wirklich verstand.

Freilich glaubte ich nicht, dass Lukes Mutter zurückkommen würde, um ihn zu verfolgen, aber ich hatte das Gefühl, dass mir meine Mutter genau das antat. Sie verfolgte mich. Versteht mich nicht falsch, ich würde sie doch auf jeden Fall annehmen. Wäre es möglich, zehn Jahre meines Leben zu tauschen, damit ich meine Mutter wiedersehen konnte, würde ich nie zögern. Trotzdem machten alle die Sachen, von denen ich kürzlich erfahren hatte, gar keinen Sinn. Größtenteils machte die Tatsache, dass meine Mutter meine ganze Existenz vor Eddie geheim gehalten hatte, keinen Sinn.

Ich konnte nicht nachvollziehen, warum sie das machen würde. Wäre er ein Krimineller oder ein böser Mensch, würde es mindestens Sinn machen... aber er war in der Tat Rechtsanwalt.

Also konnte ich mir wahrscheinlich nur erhoffen, dass die Post von Oma Alice zumindest eine Antwort darauf bieten könnte. In der Zwischenzeit konnte ich einfach nur warten. Glücklicherweise erwiesen sich Luke und seine Freunde als eine tolle Ablenkung.

Ich war froh, dass Luke mich einlud, heute mit ihm zu kommen, und um ganz ehrlich zu sein, war ich überrascht, dass Eddie mich gehen ließ, insbesondere nach dem Vorfall letzter Nacht, als ich abrupt beschlossen hatte, in die Wüste wegzulaufen. Ich war mir sicher, wäre ich noch bei Oma Alice gewesen, könnte ich nirgendwohin mehr gehen. Jedoch dachte ich mir, dass Eddie einfach nur mit mir auskommen wollte. Außerdem schien er echt glücklich zu sein, nachdem ich beschlossen hatte, meine Bilder mit ihm zu teilen.

Ich dachte, dass ich auch mit Eddie zurechtkommen wollte. Dabei spielte die Tatsache, dass ich jetzt wusste, dass er eigentlich nicht der verantwortungslose Mann war, der seine Familie verließ, auch eine Rolle. Zwar war ich vorhin ihm gegenüber nicht ganz... nett, aber ich konnte mich kaum deswegen schuldig fühlen. Hätte er mir einfach am Anfang an die Wahrheit gesagt... also, wäre alles eventuell besser gewesen.

„Mein Gott.“ Murmelte Dave, zog mich dabei aus meinen Gedanken. “Sie kommt rüber. Warum kommt sie rüber?”

„Beruhige dich mal.“ Lachte Luke.

Ich schaute auf und bekam mit, dass Angele und ein anderes Mädchen mit Chey zu uns traten.

„Genau Dave.“ Fügte Rick hinzu. “Reiß dich mal zusammen, es ist nicht so, als würde sie rüberkommt, um mit dir zu reden. Ich glaub, sie interessiert sich für den, der ne wirkliche Unterhaltung mit ihr führen kann.“

„Halt die Klappe, Rick.“ Murmelte Dave.

„Genau, Rick, halt die Klappe.“ Witzelte Brian. „Wenn du so weiter redest, würden wir versäumen zu sehen, wie Dave sich blamiert.“

„Halt die Klappe!“ Zischte Dave ein wenig lauter.

Ich bemerkte, dass alle um mich herum scheinbar leiser wurden, als uns die Mädchen begegneten, trotzdem konnten sie meine Aufmerksamkeit nicht fangen. Eigentlich widmete ich im Moment alle meine Aufmerksamkeit jemandem anderen, der gerade plötzlich erschien.

Als Luke mich zum Park eingeladen hatte, wusste ich schon, dass es die Wahrscheinlichkeit gab, Aaron wiederzusehen. Ich hatte mir sogar erhofft, ihn zu sehen. Dennoch hoffte ich mir gleichzeitig, dass er hier nicht wäre, weil ich noch bei Luke war.

Luke meinte, er würde mir nicht mehr vorschreiben, mit wem ich mich anfreunden konnte. Er hat sogar gesagt, dass er mich alleine mit Aaron lassen würde. Aber trotzdem hatte ich immer noch keine Chance zu prüfen, ob er es wirklich ernst meinte. Ich war auch nicht sicher, ob ich nun diese Chance ergreifen sollte, weil er bei einigen anderen Typen war, und er hatte uns, oder mich, anscheinend noch nicht bemerkt.

Ich wunderte mich, ob er herüberkommen und mich ansprechen wollte, wenn er mich doch bemerkte. Wir hatten uns letztes Mal, als wir im Park waren, ganz gut verstanden, und nachdem ich ihn telefoniert hatte, fragte er mich sogar, ob ich mich mit ihm treffen und etwas zusammen unternehmen möchte. Ich hoffte, dass er mich ansprechen wollte. Aus irgendeinem Grund war ich von Aaron angezogen. Ich hatte noch nicht herausgefunden, was genau an ihm mich interessierte... außer dem Gedanken, dass er damals mit mir zu flirten schien, und da war ich mir nicht einmal sicher. Jedoch war mir ganz klar, dass ich ihn wirklich besser kennenlernen wollte.

Was auch immer der Fall wäre, wollte ich doch vorsichtig bei Luke sein. Ich möchte nichts machen, was unsere neue Freundschaft gefährden könnte, und wenn es hieß, dass ich in Anwesenheit von Luke mit Aaron zu reden vermeiden soll, dann wäre ich bereitwillig, es anzunehmen.

Doch als ich schließlich von Aaron wegblickte, bekam ich mit, dass Luke mir einen schwer zu verstehenden Blick zuwarf. Ich konnte nur sagen, dass er gar nicht begeistert war, denn er hatte offenbar Aaron erblickt. Ich öffnete meinen Mund, um ihm etwas zu sagen. Ich war mir nicht sicher, was zu sagen, aber hauptsächlich irgendetwas. Leider wurden wir von einer weiblichen Stimme unterbrochen, ehe es mir gelingen konnte.

„Moin.“

„Hallo Angela!“ Platzte Dave so auf die Art heraus, als hätte er seine Worte seit Wochen drin gehalten.

„Ähm... hallo Dave.” Erwiderte das blonde Mädchen, wandte sich aber danach an Luke. „Luke, deine Hündin ist mega süß. Wie heißt sie eigentlich?“

„Cheyenne.” Antwortete Luke mit einem stolzen Lächeln.

“Na, Meg.” Sprach Brian das dunkelhaarige Mädchen an, das neben Angela stand. “Ist Cathy da?”

“Sie kommt noch später, Brian.” Lächelte Meg den großen Kerl an.

„Also was habt ihr denn vor?“ Fragte Angele, als sie sich uns gegenüber hinsetzte und Chey zu streicheln begann, während Meg ihr folgte.

„Ist es nicht offensichtlich?“ Erwiderte Rick. „Bloß nichts tun... abgesehen von Dave da drüber, der meint, dass du heute hübsch aussiehst, Angela.“

Ich sah leicht überrascht auf Rick, dann auf Dave, der so rot geworden war, als würde er sich wünschen, dass der Boden öffnen und ihn ganz verschlucken würde.

„Das ist süß von dir, Dave.” Lächelte Angela.

Der Arme. Es sah so aus, als wollte er etwas erwidern wollte, jedoch konnte nicht einmal in ihre Augen sehen, sondern nur seine Schultern leicht zucken. Er vergiss scheinbar tatsächlich bei diesem gewissen Mädchen seine Sprachfähigkeit. Da Dave nichts erwiderte, wandte sich Angela an mich.

„Du bist neu hier.“

“Genau, Angela, hier ist Rory.” Antwortete Luke ihr. „Er... kommt diesen Sommer zu Besuch.”

„Hallo.“ Lächelte ich.

“Echt? Du bist hier nur für den Sommer? Wo bleibst du denn?” Fragte Angela.

Lukes Cousin.“ Sagte ich gedehnt.

„Jap, er bleibt halt bei uns.“ Erwiderte Luke etwas überrascht, schenkte mir trotzdem ein Lächeln.

„Super, vielleicht werden wir uns noch öfter sehen, Rory.“

„Klar.“ Zuckte ich die Schultern.

„Na Leute, ich geh mir mal Wasser holen.“ Verkündete Luke plötzlich, stand dabei abrupt auf. „Willst du mit, Rory?“

„Ähm... klar.“ Antwortete ich achselzuckend. Ich wunderte mich, warum Luke wollte, dass ich mit ihm ging, in Anbetracht dessen, dass er doch eine Wasserflasche und Cheys Frisbeescheibe in seinem Rucksack hatte.

Ich lächelte die anderen um mich an, als sie mir winkten, dann stand auf, und ging mit Luke zusammen zur Wasserfontäne auf der anderen Seite des Parks.

„Alles gut bei dir?“ Fragte er mich.

„Ja. Was meinst du?“

„Du scheinst abgelenkt zu sein.“ Zuckte er die Schultern. „Aber nach heute macht es nur Sinn, oder?“

„Es war ja ein langer Tag.“ Gab ich zu.

„Aaron ist hier.“ Sagte er abrupt, als er auf Aaron, der sich immer noch mit derselben Kerlengruppe unterhielt, sah.

„Ja, hab ich gemerkt.“ Runzelte ich die Stirn, war eher unsicher, wohin es führte. „Hör mal, Luke...“

„Willst du mit ihm reden?“

„Keine Ahnung...“ Antwortete ich zögernd. „Muss ich aber nicht, und es ist auch nicht so, als wär ich mit ihm hergekommen, sondern mit dir, also...“

„Du möchtest mich nicht verärgern.“

Ich sah ihn genervt an. Ich wusste nicht, ob er versuchte, mit mir zu streiten. Das wollte ich nun auf keinen Fall, aber als ich ihn ansah, bekam ich mit, dass er tatsächlich lächelte.

„Ich will nur keine Probleme verursachen.“ Gestand ich. „Ich weiß, du magst ihn nicht, also denke ich mir, vielleicht wenn du hier bist...“

„Wenn du mit ihm befreundet bist, kannst du ihn nicht ausweichen nur meinetwegen, Rory.“

„Ich dachte du bist es, der gar nicht will, dass ich sein Freund bin.“

„Stimmt.“ Erwiderte Luke ohne zu zögern. “Doch hab ich bemerkt, dass es mich gar nichts angeht. Ich kann dich einfach nur warnen und warten, bis du selbst von Aaron erfährst.“

„Weißt du.“ Sagte ich frustriert. “Es mag hilfsreicher sein, wenn du mir einfach sagen würdest, was er dir angetan hat. Es war mir schon satt geworden, dass Menschen immer drauf warten, dass ich selbst alles rausfinde. Das letzte Mal, als ich es gemacht hab, wurde mein Po mit einem Dorn gestochen.“

„Genau.“ Lachte Luke. “Übrigens, wie geht’s deinem Fuß? Willst du dich mal hinsetzen?“

„Alles gut. Also wirst du mir dann sagen, was mit dir und Aaron los ist?“

Lukes Gesicht verzog sich zu einem nachdenklichen Stirnrunzeln, als ich auf seine Entscheidung, ob er mir davon erzählen wollte, wartete. Ich hoffte, dass er es machen würde. Ich war bestimmt darauf neugierig, was einem so geselligen Menschen wie Luke passieren könnte, sodass er jemanden so sehr hasste. Ich meine, ich selbst hatte auch eine Menge Menschen, die ich nicht mochte, aber ich hatte nie jemanden so verabscheut, wie Luke den Aaron. Ich glaubte, ich hatte sogar nicht so großes Problem mit Eddie, als Luke scheinbar mit Aaron.

„Kurzgesagt ist er nicht genau ein zuverlässiger Freund.“ Sagte Luke schließlich. „Und er war einmal mein Freund, Rory. Ich leugne es nicht. Die Wahrheit ist, dass er einst mein bester Freund war. Damals war er mir sogar näher als Dave.”

„Also was ist passiert?“

Luke stieß einen Atemzug aus, als er mich genervt ansah, denn ich es fragte, aber mir war egal. Wenn er mir nicht davon erzählen wollte, konnte er mir einfach Bescheid sagen.

„Er war immer so ein... Unruhestifter.“ Zuckte Luke die Schultern. “Ich glaub, es liegt zum Teil dran, dass seine Eltern ihn dafür nie bestrafen. Als ich ihm zum ersten Mal begegnet bin, dachte ich, manche Dinge, die er begangen hat, waren cool. Ich meine, wenn ich es jemals machen würde...also, damals musste ich immer noch mit dem Tod meiner Mutter klarkommen, und ich hab geglaubt, Eddie und Jase wollten nichts mit mir zu tun haben. Also ging ich davon aus, dass ich nur jenes Kind, das zufällig in ihr Leben eindringt. Deshalb hab ich mich widerspenstig benommen, weißte? Ich hab mich Aaron angeschlossen, jedesmal wenn er etwas begangen hat, was er nicht machen soll.“

„Wie zum Beispiel?“ Fragte ich neugierig.

„Anfangs war es nur was Kleines.“ Erzählte Luke. „Wie die Zigaretten seiner Mutter zu klauen, oder ab und zu ein wenig Geld von ihr. Es war alles bescheuert. Aber wir wurden nie erwischt. Für eine Weile hab ich sogar gedacht, dass wir alle Scheiße der Welt machen konnten... es hat aber nicht sehr lang gedauert.“

„Bei was wurdet ihr erwischt?“ Es war mir irgendwie seltsam daran zu denken, dass Luke ein Vergehen begehen würde. Er schien so ein Mensch zu sein, der nur Gutes tut.

„Also Aarons Nachbar war einmal nicht zu Hause, und Aaron dachte, es wäre cool, in sein Haus einzudringen.“ Sagte Luke stirnrunzelnd, und mein Blick folgt seinem auf Aaron, der sich immer noch mit den Kerlen unterhielt. „Er war aber nicht ganz schuld dran. Er hat die Entscheidung für mich nicht getroffen oder so.“

„Ihr wurdet erwischt?“

„Ja klar. Wir waren richtig am Arsch.” Schüttelte Luke den Kopf. „Doch denke ich, es war in mancher Hinsicht das Beste, das mir je passiert ist, also erwischt zu werden. Danach hab ich begonnen, mit Eddie und Jase zu reden, und es ist mir seither besser geworden.“

„Nur deswegen hast du nicht mehr mit Aaron gesprochen? Du hast gesagt, es war wahrscheinlich das Beste, das dir je passiert ist.“

„Nein.” Erzählte Luke weiter. „Danach waren wir uns noch nah. Trotzdem nur für ne Weile. Aaron war immer noch widerspenstig, aber nachdem wir erwischt worden waren und er so lang wie ich Hausarrest gehabt hatte, ist er ein wenig milder geworden, hat auch weniger Scheiße gemacht... Das hat einige Jahre gedauert, und Aaron war noch mein bester Freund... es war aber an meinem sechzehnten Geburstag, dass ich nicht mehr mit ihm gesprochen hab. Aaron ist zwei Monate älter als ich, also durfte er schon fahren... Ich hatte damals sogar keine Party, nur einen kleinen Abendessen mit Eddie und Jase, weil ich eher lieber mit Aaron rausgehen würde. Wie auch immer, er hat mich mit dem neuen Auto seiner Mutter abgeholt und gesagt, er wollte was besonderes unternehmen. Ich hatte nur grade am Morgen meinen Führerschein gekriegt, also als Aaron mich gefragt hat, ob ich fahren wollte, hab ich gedacht, das war eins der besten Geschenke, die ich je bekommen hab, weißte?“

„Nicht ganz.“ Gab ich mit einem Lächeln zu. “Ich fahre nicht.”

“Stimmt.” Lachte Luke, wurde aber dann ernsthaft und setzte fort. „Wie auch immer, seine Mutter hat ihm nicht so oft ihr Auto ausgeliehen, aber ich konnte nicht glauben, dass sie ihn das neue nehmen ließ. Er hat gesagt, das war weil es mein Geburtstag war. Trotzdem konnte ich noch nicht glauben, dass er mich fahren ließ.“

„Hast du in einen Unfall geraten oder so?“

„Schlimmer.“ Schnaubte Luke. “Es stellte sich raus, dass es nicht seine Mutters Auto war. Der Mistkerl hat’s gestohlen. Als wir rangefahren sind, konnte ich nur dran denken, dass Jase auf mich sauer wäre, denn ich hab meinen ersten Strafzettel gekriegt hab, als ich seit nicht mal einem Tag meinen Führerschein hatte. Ich hab überlegt, wie ich es entkommen konnte, also der Polizei sagen, dass es mein Geburtstag war und dann ist alles gut, oder so, aber dann wurde mir urplötzlich gesagt, dass ich festgenommen wurde. Es war richtig beschissen.“

„Ernsthaft?“ Vielleicht lag es daran, dass ich niemals in meinem ganzen Leben in so Schwierigkeiten gewesen war, aber es ängstigte mich, verhaftet zu werden. Und es war offenbar nur letztes Jahr passiert.

„Es ist noch schlimmer geworden.“ Erwiderte Luke. Jedoch klang er traurig, anstatt entrüstet. “Da ich das Auto gefahren bin, hat Aaron gesagt, er wusste nichts davon und ich hatte ihn mit dem Auto abgeholt.“

„Scheiße.“ Kein Wunder, dass Luke Aaron so sehr hasste. Nachdem ich davon erfahren hatte, änderte mein Gefühl für Aaron. „Also dann was ist passiert?“

„Eddie.“ Seufzte Luke. “Gott sei Dank wussten er und Jase, dass ich ein Auto niemals klauen würde. Das glauben sie nie... Leider hat die Polizei Aaron geglaubt, also wurden gegen ihn sogar keine Anklagen erhoben.“

„Er hat nie die Wahrheit gestanden?“

„Oh, er ist vorbeigekommen und hat sich entschuldigt, als alles schon fertig war, aber bis dann hatte er sich als den unschuldigen Opfer gestellt... auch als wir vor Gericht waren. Da hat er noch gesagt, dass ich es getan hab. Vielleicht hatte ich Glück, dass Eddie ziemlich guter Rechtsanwalt war. Nachdem Luke dem Richter Lügen erzählt hat... und er ist sehr guter Lügner... war ich letztendlich schuldig, aber Eddie hat mir dabei geholfen, sodass ich nur einen kleinen Zivildienst machen musste. Trotztdem liegt es immer noch in meinen Unterlagen, dass ich ein Dieb bin.“

„Tut mir leid, Luke, hätte ich es gewusst...“

„Also du hattest keine Ahnung. Aber jetzt schon. Also wie gesagt, sei vorsichtig bei Aaron.“

“Ich glaub, du musst dir keine Sorge mehr drum machen.” Behauptete ich, als ich kurz auf Aaron blickte und dabei beschloss, nie mehr mit ihm zu reden. Die Tatsache, dass Aaron Luke etwas so... schreckliches antun konnte, verärgerte mich. Ich dürfte auf Aaron neugierig sein, aber nachdem Luke mir von seinen Erfahrungen mit ihm erzählt hatte, konnte ich sicherstellen, dass es mir wahrscheinlich besser ohne ihn ging.

„Hör mal, Rory...“ Seufzte Luke und fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. „Es war falsch von mir, dir so zu sagen, von ihm wegzubleiben. Und ehrlichgesagt denk ich nicht, dass er seither nochmal Probleme verursacht hat. Außerdem ist es nicht so, als hätte er nicht versucht, sich tausend Mal zu entschuldigen...“

Jetzt überlegst du dir, ihm zu verzeihen?“

„Nein.“ Erwiderte Luke sofort. “Ich werd ihm nie verzeihen... Hör mal, es ist mir kompliziert mit Aaron. Aber trotzdem hoffe ich mir recht, dass er sich verändert hat. Es muss mir nicht unbedingt gefallen, dass du mit ihm befreundet bist, da kann ich ehrlich sein. Aber wenn er sich doch verändert hat, ist es eher unfair von mir, dir zu sagen, ihn aufgrund meiner Erfahrung zu beurteilen. Also wenn du ihn noch kennenlernen möchtest... werd ich damit klarkommen.“

„Luke... danke dass du mir erzählt hast. Aber ernsthaft hast du schon am Anfang an Recht. Wenn er dir sowas angetan hat... glaub mir, er ist einfach nur ne wenigere Komplikation, die ich jetzt nicht brauche.“

.......................

Fortsetzung folgt...

Re: In Die Wüste Gefallen - Desert Dropping

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