Ich muss mich in dich verlieben

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Simson
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Re: Ich muss mich in dich verlieben

Beitragvon Simson » 20 Mai 2017, 15:16

Hi Svenni ,
deine Geschichte mag ich mittlerweile auch ganz gerne. Im Moment erscheint es mir, als wäre das mit Marco gar kein Problem für Oliver. Aber kann das so einfach sein ? Ich bin gespannt.
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

Re: Ich muss mich in dich verlieben

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Svenni
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Re: Ich muss mich in dich verlieben

Beitragvon Svenni » 21 Mai 2017, 18:28

Hey :)
Vielen Dank für deine Rückmeldung :) Freue mich, dass manche mein Geschreibsel lesen :D


Kapitel 8



Sie saßen am Küchentisch. Seine Oma aß das Stück Pizza, das Oliver ihr aufgehoben hatte. Prinz saß auf ihrem Schoß und ließ sich die Ohren kraulen. Laut schnurrte er und versuchte immer wieder mit seinen Pfoten ein Stück Pizza zu erhaschen.

„Ich bin echt froh, dass du wieder zuhause bist“, bemerkte Oliver und lächelte.

„Ich auch. Und wie! Ich habe Krankenhäuser schon immer gehasst.“

Sie schwiegen einen Augenblick lang. Oliver starrte aus dem Fenster. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Seine Oma sah ihn misstrauisch an. Fast so, als wüsste sie, dass er etwas zu verbergen hatte.

„Ich war heute Vormittag bei Marco drüben gewesen.“

„Okay. Ihr versteht euch super, nicht wahr?“

„Ja, das tun wir. Aber Marco war gar nicht da.“

„Nicht? Wo war er denn?“

„Er ist in der Arbeit.“

„Ach ja, natürlich. Ich bin echt froh, dass er seinem alten Chef entkommen ist. Der, der so ein Idiot war und dem niemand etwas recht machen konnte. Marco hat dir bestimmt davon erzählt, nicht wahr?“

Oliver nickte. Ja, Marco hatte ihm von den Arschloch-Chef, den er während seiner Ausbildung hatte, bei ihrem ersten Zusammentreffen in Olivers Zimmer erzählt.

„Ich glaube, er ist in seiner jetzigen Firma sehr glücklich“, ergänzte er dann.

„Das wünsche ich ihm auch. Er hat mir so schöne Regale gebaut. Und dein Opa wäre echt stolz, wenn er wüsste, dass seine heiß geliebte Werkstatt auch weiterhin benützt wird.“

„Aber du meintest doch, dass du denkst, dass Opa trotzdem noch alles mitbekommt, was wir machen. Auch wenn er tot ist.“

Seine Oma lächelte. „Ja, daran glaube ich. Oder besser gesagt, ich hoffe es. Beweise gibt es ja leider nicht.“

„Ja, das stimmt.“ Oliver biss sich auf die Lippen. „Ich würde auch gerne noch einmal mit ihm reden.“

„Aber das kannst du doch.“

„Ich weiß nicht... Ich würde mir eher doof vorkommen, wenn ich in meinem Zimmer sitze und sozusagen Selbstgespräche führe.“

„Du musst ja auch nicht reden. Es reicht, wenn du es denkst.“

„Glaubst du?“

„Ganz sicher. Willst du eigentlich mal zum Friedhof mitkommen? Ich gehe fast jeden Tag dort hin.“

Oliver schluckte. „Ich glaube nicht, dass ich das möchte. Ich stelle es mir sehr schwer vor, vor seinem Grab zu stehen.“

„Das musst du ja auch nicht. Ich zwinge dich bestimmt nicht.“

Seine Oma nahm den letzten Bissen ihrer Pizza zu sich und trug das leere Teller zur Spüle.

„Wen hast du dann heute morgen getroffen, wenn Marco in der Arbeit ist? Seine Eltern?“

„Ja, seinen Vater, aber nur kurz. Der scheint ganz nett zu sein. Er hat uns beide für morgen zum Essen eingeladen.“

„Wie schön. Darauf freue ich mich.“

„Glaubst du, das es das richtige ist? Ich meine, du kommst gerade erst aus dem Krankenhaus...“

Seine Oma fing schallend zum Lachen an. „Ach, mach dir um mich keine Sorgen, Oli. Ich halte das schon aus. Unkraut vergeht nicht so schnell.“



Oliver lag bäuchlings auf dem Boden und schob Trockenfutter unter seinen Kleiderschrank. Er hatte das halbe Haus nach Kaptain abgesucht und ihn schließlich unter seinem Möbelstück gefunden. So langsam machte er sich ziemliche Sorgen um den Kater. Was, wenn er krank war? Vielleicht ging es ihm so richtig schlecht und wollte deshalb nichts fressen? Oliver wollte auf keinen Fall, dass das Tier leiden musste.

„Komm schon, wir tun dir doch nicht weh“, flüsterte er leise und ließ einen Knusperstern aus Rindfleisch unter den Schrank kullern. Doch als Antwort bekam er nur ein lautes Fauchen. Seufzend stand er auf und klopfte den Staub ab. Natürlich könnte er das schwere Möbelstück mit ein bisschen Kraft auf die Seite schieben, aber ihm war klar, dass Kaptain dann unter dem nächsten Schrank Zuflucht finden würde. Es war zum Haareraufen. Seine Oma hatte eine ganze Auswahl an Leckerchen gekauft, in der Hoffnung, somit das Vertrauen der Katze zu gewinnen, aber bisher hatte sie kaum Erfolg damit gehabt.

Am Abend saß er auf dem Balkon, hatte sich in eine dicke Decke eingewickelt und hatte ein Fotoalbum auf dem Schoß. Es dämmerte bereits, trotzdem konnte er die Fotos noch relativ gut erkennen. Er schlug die erste Seite des Albums auf und starrte auf das erste Foto. Es zeigte ihn als Baby, wie er friedlich auf dem Bauch seiner Mutter schlief. Das Bild war anscheinend direkt nach seiner Geburt aufgenommen, denn seine Mum lag in einem Krankenhausbett und sah dementsprechend müde und fertig aus. Lange betrachtete Oliver das Bild. Sah seine Mutter glücklich aus? War sie froh, dass ihr Sohn endlich auf der Welt war? Oliver fiel es schwer, das zu beurteilen.

Auf dem nächsten Foto war er schon etwas älter. Er saß auf dem Boden und schob einen Plastikzug auf dem Boden umher. Im Hintergrund sah man diesmal seine Mutter und seinem Vater, die miteinander redeten. Dem Gesichtsausdruck zufolge, den sein Dad aufgelegt hatte, schienen sie jedoch eher zu streiten. Oliver sah das wütende Gesicht seiner Mutter, das er nur allzu oft hatte bewundern dürfen. Nachdenklich sah er sich eine Aufnahme nach der anderen an. Er merkte, dass er sich gar nicht mehr richtig an das Gesicht seiner Mutter erinnern konnte. Auf den vielen Bildern kam sie ihm meist wie eine Fremde vor.

Als er in der Mitte des Bilderalbums angekommen war, entdeckte er zum ersten Mal eine Aufnahme von seinen Großeltern. Anders als seine Eltern lachten sie in die Kamera. Sein Opa trug einen großen, grünen und dreckigen Hut. Seine Oma hatte die selbe Schürze, die sie auch heute noch öfters trug, an. Sie wirkten beide so glücklich. Oliver schluckte und schlug das Buch zu. Er wollte nicht noch mehr Bilder sehen.



Eigentlich hatte er sich vorgenommen, seiner Oma spätestens beim Abendessen von ihm Marco zu erzählen, aber er war nicht dazu gekommen. Das Thema hatte sich einfach nicht ergeben. Bis spätestens morgen Abend muss sie es wissen, dachte er und ihm wurde bei dem Gedanken übel. Er schloss die Balkontür hinter sich und legte sich in sein Bett. Es quietschte laut und vom Schrank aus ertönte ein Fauchen. Oliver seufzte, drehte sich auf den Bauch und war sofort eingeschlafen.

Gähnend saß er am nächsten Morgen am Frühstückstisch. Es war ruhig im Haus. Seine Oma schlief noch, Prinz hatte die Nacht im Garten verbracht und Kaptain hielt sich immer noch versteckt. Er blinzelte und versuchte, einen Absatz in seinem Chemiebuch zu lesen. Es war viel zu früh am Morgen, er konnte sich einfach nicht konzentrieren. Am liebsten wäre er direkt zurück ins Bett gedackelt, aber er hatte schon so oft in der kurzen Zeit die Vorlesungen geschwänzt und wenn er das Semester schaffen wollte, müsste er ordentlich Gas geben.

Genervt schlug er den dicken Wälzer zu und verstaute ihn in seinem Rucksack. Er nahm den letzten Bissen seines Käsebrotes, das seine Oma ihm am Vortag liebevoll hergerichtet hatte und machte sich auf den Weg in die Universität.



Physik und Biochemie standen heute als erstes auf seinem Stundenplan. Müde schlurfte er den Flur entlang und suchte den richtigen Vorlesungsraum. Sein Blick ging über die zahlreichen besetzten Tische, in der Hoffnung, an einem Katharina zu finden, bevorzugt ohne ihrem dämlichen Freund. Aber sie blieb unentdeckt. Schulterzuckend setzte sich Oliver an einem freien Einzeltisch. Vielleicht würde sie ja noch kommen.

Der Professor betrat das kleine Podium und fing sofort mit seiner Rede an. Im Hintergrund schaltete sich der Beamer an und warf ein großes Bild mit tausenderlei Formeln und Abkürzungen an die Wand. Oliver seufzte und zog seinen Ordner nah an sich heran, um so viele Zeichen wie möglich abzuschreiben.



Acht Stunden später hatte er das Gefühl, dass sein Kopf rauchte. Es waren zu viele Vorlesungen und Kurse ohne Mittagspause dazwischen gewesen. Er war jetzt heilfroh, dass er endlich nach Hause konnte. Ihm knurrte der Magen und er wollte nichts lieber, als sich gemütlich zuhause auszustrecken.

Er setzte sich in seinen Audi und drehte das Radio ganz laut. Laut und Falsch sang er zu Xavier Naidoo mit, als er seinen Wagen in die Hofeinfahrt lenkte.

Auf dem Weg zur Haustüre fiel ihm auf, dass in der Werkstatt Licht brannte. Er vermutete stark, dass Marco sich in ihr befand und beschleunigte seine Schritte.

Tatsächlich, der Blonde stand hinter den großen Maschinen und hatte mehrere Holzbretter vor sich.

„Hey“, begrüßte Oliver ihn.

Marco schaltete die Maschinen ab und umarmte ihn fest. Oliver verkrampfte sich automatisch, denn er nahm an, dass Marco ihn womöglich küssen wollte. Aber nichts geschah – der Andere ließ wieder von ihm ab. Oliver wusste, wie dumm sein Gedanke war. Er war mit Marco zusammen und irgendwann würde er ihn wohl küssen müssen.

„Wie war Uni heute so?“

„Ziemlich anstrengend. Bin froh, endlich daheim zu sein. Aber was baust du hier eigentlich?“

„Das soll dein neues Bett werden.“

„Mein neues Bett?“

„Habe ich dir doch versprochen, weißt du noch? An deinem ersten Abend hier. Und dein altes quietscht ja so.“

„Danke“, Oliver lächelte seinen Freund an, „aber bau doch bitte die Seitenwände bis zum Boden runter.“

„Wegen dem Kater? Damit der sich nicht mehr darunter verstecken kann?“

„Ja, obwohl, im Moment liegt er unter dem Kleiderschrank“, Oliver seufzte, „ich habe mir schon überlegt, ihn irgendwie einzufangen und zum Tierarzt zu fahren.“

„Danach wird er sich aber erst recht nicht mehr anfassen lassen.“

„Ja leider. Übrigens – ich habe mit meiner Oma geredet. Wir kommen heute Abend zu euch zum Essen.“

„Super. Nina hat mir schon erzählt, dass du gestern auch schon bei uns warst und ihr Pizza gebacken habt.“

„Genau.“

„Weiß deine Oma denn schon über uns Bescheid?“

„Ne, ich wollte es ihr eigentlich sagen, aber...“

„Mach dir keinen Stress. Du kannst es ihr sagen, wann du willst. Es muss nicht heute Abend sein. Wie Nina schon meinte – wir könnten einfach so tun, als wären wir nur Freunde.“

„Das wäre kein Problem für dich?“

Anfangs hatte Oliver den Vorschlag für unnötig befunden, doch jetzt schien er wirklich darüber nachzudenken.

„Überhaupt nicht.“

Oliver lächelte. „Du bist so lieb.“

Auch Marco fing zum Strahlen an und beugte sich zu ihm, - um ihn zu küssen?! -, doch er legte nur seine Arme um Oliver.



Wie so oft trug er das rote Shirt und die dunkle Jeans, die Klamotten, die Marco so gefielen. Seine Oma war im Bad und er drehte sich unaufhörlich vor dem Spiegel seines Kleiderschrankes. Konnte er so Marcos Eltern vor die Augen treten? Sah er gut aus?

Er kannte Marcos Eltern nicht wirklich, denn diese wenigen Sätze, die er mit dem Vater gesprochen hatten, zählten wohl kaum.

„Oliver? Bist du fertig?“, rief seine Oma.

Oliver antwortete ihr und mit einem letzten Blick in den Spiegel ging er nach Unten.

„Schick siehst du aus“, lobte sie ihn.

„Du Oma, ich muss dir etwas sagen.“

Oliver hielt die Luft an, seine Oma drehte sich neugierig zu ihm. „Ja?“

„Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll...“

„Nur raus damit – oder ist es etwas Schlimmes?“

„Nein! Mhm, kommt darauf an - vielleicht doch.“

„Okayyy“, sie wollte wohl noch etwas sagen, doch ihr Enkel unterbrach sie.

„Ich bin mit Marco zusammen.“

„Mit Marco? Na, das ist ja ein Überraschung. Wie schön. Aber was ist denn jetzt die andere Nachricht?“

„Die andere Nachricht?“

„Ja, die schlechte. Die, die du mir nicht sagen wolltest.“

„Ach so. Aber – ähm – es gibt keine andere. Das war die einzige.“

„Oh, so ist das.“ Seine Oma blickte ihn kurz vorwurfsvoll an, wandte sich dann aber der Haustüre zu. „Wir gehen am besten sofort los, sind eh schon ein wenig spät dran.“

Oliver nickte und verließ hinter ihr das Haus. So einfach war es gewesen? So wenig Wörter hatte er gebraucht? Seine Oma – was dachte sie jetzt? Oliver hätte sie gerne gefragt, traute sich aber nicht.



Ein wenig nervös saß er auf seinem Stuhl. Marco war ganz nah an ihn heran gerückt. Im ganzen Haus roch es nach Essen. Brokkoli-Auflauf, hatte Nina verraten. Nach ihren Angaben stand sie seit 16 Uhr in der Küche und sorgte dafür, dass das Gericht gelang.

Während seine Oma und Marcos Eltern ungezwungen Smalltalk führten, hatten Marco und er noch nicht allzu viel geredet.

„Weiß deine Oma jetzt eigentlich Bescheid?“, flüsterte er ihn jetzt leise zu.

Oliver nickte glücklich. „Ja, ich habe es ihr eine Minute, bevor wir hier her gekommen sind, gesagt.“

„Und, ist alles gut gegangen?“

„Ja, ich glaube schon.“

Marco drückte seine Hand. „Hast du Lust, nach dem Essen noch hier zu bleiben? Wir könnten einen Film anschauen oder so. Und du musst auch nicht übernachten, wenn du nicht willst.“

„Sehr gerne.“ Oliver freute sich wirklich, Zeit mit Marco alleine zu verbringen.



Oliver sah sich in Marcos Reich um. Viele Fotos hingen an den Wänden und die Möbel waren kunterbunt zusammengewürfelt, aber er konnte erkennen, dass sein Freund sie alle selbst hergestellt hatte. Auf jeden Fall wirkte dieses Zimmer sehr gemütlich und Oliver fühlte sich sofort wohl.

„Hast du einen Film, den du besonders gerne sehen willst?“

Oliver schüttelte seinen Kopf.

„Egal, wir finden schon einen.“

Marco schmiss sich auf die Couch und klopfte mit seiner Hand neben sich. Zögernd setzte sich Oliver. Marco angelte die Fernbedinung vom Tisch und drückte auf eine Taste. Keine Sekunde später hatte er Netflix geöffnet und eine Liste mit etlichen Filmen erschien. „Mhm, mal überlegen. Hast du Star Wars schon mal gesehen?“

„Machst du Witze? Natürlich kenne ich Star Wars. Alle Teile, schon in und auswendig.“

„Okay, dann hat sich das erledigt. Jurassic Park?“

„Rate mal, welches Buch ich gerade lese“, forderte Oliver amüsiert auf.

„Jurassic Park gibt es als Buch? Ich kenne nur den Film.“

„Das Buch ist klasse. Habe es schon fast durch. Wenn du willst, kann ich es dir ausleihen.“

„Eigentlich lese ich kaum. Aber vielleicht habe ich irgendwann mal Lust drauf.“

„Wie du willst. Welche Filme hast du denn noch?“

„Mal gucken.“ Marco drückte auf die Fernbedinung und suchte nach weiteren Filmtiteln.

„Kennst du Hannibal Lecter?“

„Wen?“

„Lecter. Von Schweigen der Lämmer. Noch nie gehört?“

Oliver verneinte.

„Was? Das kann nicht sein! Hast du Lust, diesen Film anzuschauen?“

„Nur zu, ich bin gespannt.“

Marco drückte noch einen Knopf und der Film begann. „Mach es dir nur gemütlich, ich richte nur noch schnell etwas her.“

Fast schon schüchtern legte sich Oliver auf die weiche Couch, während Marco die Vorhänge zu zog, damit sie nicht durch die helle Sonne geblendet wurden. Er füllte zwei Gläser mit Cola und kramte eine Tafel Schokolade hervor. Zum Schluss zog er noch seine Bettdecke vom Bett und legte sie auf seinen Freund. „Ist es okay, wenn ich mich zu dir lege?“

„Natürlich.“ Oliver rutschte ganz nah an die Kante und Marco nahm umständlich hinter ihm platz. Er legte seinen Arm um Olivers Oberkörper, dem die Berührung zwar fremd war, sie aber trotzdem genoss.

„Siehst du genug?“, fragte er besorgt.

„Mehr als genug, keine Sorge. Und wie sieht es mit dir aus? Liegst du bequem?“

Als Antwort kuschelte sich Oliver noch enger in die Arme seines Freundes.



„Und, was sagst du zu dem Film?“

„Der war fantastisch. Wirklich.“

„Ich habe auch den nächsten Teil. Wenn du willst, können wir uns den gleich ansehen.“

Oliver gähnte: „Oh, tut mir leid. Heute nicht mehr, ich bin total müde. Und ich muss morgen wieder so früh aufstehen.“

„Möchtest du denn hier übernachten?“ Marco sah ihn fragend an.

Oliver fuhr sich verlegen durch die Haare. „Ich glaube schon.“

„Wir können es auch so machen, dass ich auf der Couch schlafe, wenn es dir lieber wäre.“

Oliver schüttelte energisch den Kopf: „Nein, es ist schon okay, wenn wir zu zweit in deinem Bett schlafen.“

Marco wirkte zufrieden.

Während der Blonde das Geschirr und die angebrochene Schokoladentafel in die Küche verfrachtete, ging Oliver ins Bad. Er war so schlau gewesen und hatte sich seine Zahnbürste und Kleidung für die Nacht mitgenommen. Jetzt stand er am Waschbecken und putzte ausführlich seine Zähne, ehe er aus seiner Jeans und dem T-Shirt schlüpfte und sich stattdessen eine Jogginghose und ein weites Shirt anzog. Kritisch sah er an sich hinunter. Sollte er das wirklich anlassen? Marco war es sicherlich lieber, wenn er sich mit deutlich weniger Kleidungsstücken zu ihn legte. Aber er merkte, dass er das nicht wirklich mochte. Er war eh schon so nervös, dass er sich gleich zu Marco ins Bett legen sollte und da wollte er nicht unbedingt nackt sein.

Er hörte, wie sein Freund die Treppe hinauf trabte und wieder in sein Zimmer trat. Oliver beeilte sich beim Waschen, bürstete nur noch kurz seine Haare durch und trat aus dem Badezimmer.

Marco war gerade dabei, eine zweite Decke auf seinem Bett auszubreiten. Das war Oliver nur recht. Marco drehte sich zu ihm um. „Hübsch siehst du aus“, bemerkte er.

Oliver lächelte ihn an.

„Leg dich ruhig schon mal ins Bett, ich gehe nur noch kurz Zähne putzen.“

Marco verschwand ins Badezimmer und Oliver blieb aufgeregt neben dem Bett stehen. Er betrachtete es lange Zeit. Es war breit genug, dass sie nebeneinander schlafen könnten, ohne halb aufeinander liegen zu müssen. Schüchtern hob er die Bettdecke und kroch darunter. Er legte sich ganz an den Rand. Er wollte nicht direkt an der Wand schlafen. Wieso, wusste er selbst nicht. Hoffentlich würde es Marco nichts ausmachen.

Es dauerte einen Augenblick, bis sein Freund wieder ins Zimmer kam. Er duftete herrlich nach Pfefferminze und seine Haare waren noch leicht feucht. Anscheinend war er noch schnell unter die Dusche gesprungen.

Er kletterte über Oliver ins Bett und kuschelte sich unter die selbe Bettdecke, unter der auch Oliver lag.

Oliver atmete den erfrischenden Geruch ein, den sein Freund verströmte. Dessen Haare berührten seine Wangen und fühlten sich dort wunderbar weich an.

Marco drehte sich ein wenig und begann Olivers Oberkörper sanft zu streicheln. „Es ist echt schön, so neben dir zu liegen.“

„Ja, das finde ich auch“, bestätigte Oliver und rutschte ein wenig näher an seinen Freund. Es war ungewohnt, aber schlecht fühlte es sich nicht an, musste er zugeben.

Marco drehte sich noch einmal und blieb mit seinem Gesicht keine zehn Zentimeter von Olivers entfernt.

„Jetzt will er mich küssen“, schoss es diesem durch den Kopf und er wurde nervös. Wollte er das jetzt?

Marco strich ihm mit seiner Hand über die Wange, strubbelte ihm kurz über die Haare und setzte dann einen kleinen Kuss auf Olivers Lippen.

Der Kuss war allerdings so schnell vorbei, dass Oliver gar keine Zeit hatte, seine Augen zu schließen.

„War das okay gewesen?“, flüsterte Marco ihm zu.

„Ja, das war es.“

Marco strahlte. Er wirkte überglücklich. Ganz vorsichtig beugte er sich erneut über seinen Freund und küsste ihn ein zweites Mal. Dieses mal länger und intensiver.

Oliver küsste ihn zurück. Es machte Spaß, Marco zu küssen, obwohl es sich so anders anfühlte, als ein Mädchen zu küssen. Marcos Lippen waren ganz weich, aber die Haut an seinem Wangen und am Kinn viel stacheliger, als Oliver es gewöhnt war. Marco küsste sehr gut.

Trotzdem, Oliver hatte erwartet, dass dieser Kuss das selbe Feuerwerk in ihm auslösen würde, das er bei Tanja immer gefühlt hatte. Dieses Kribbeln im ganzen Körper, diese Schmetterlinge im Bauch, dieses Verliebtsein – doch das alles blieb aus.














Imagine there's no heaven

It's easy if you try

No hell below us

Above us only sky

Imagine all the people

Living for today... Aha-ah...



Imagine there's no countries

It isn't hard to do

Nothing to kill or die for

And no religion, too

Imagine all the people

Living life in peace... You...



You may say I'm a dreamer

But I'm not the only one

I hope someday you'll join us

And the world will be as one







Lied: https://www.youtube.com/watch?v=DVg2EJvvlF8

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Re: Ich muss mich in dich verlieben

Beitragvon Svenni » 21 Mai 2017, 18:56

Schweigen der Lämmer war damals auch mein erster Film, den ich mir mit meinem Freund zusammen angeschaut habe. Man, ist das schon wieder lange her :D Ich wollte unbedingt, dass Oliver und Marco den selben Film zusammen anschauen. Und Hannibal ist irgendwie richtig cool ;)

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Re: Ich muss mich in dich verlieben

Beitragvon Svenni » 23 Mai 2017, 19:02

Kapitel 9



Oliver hatte sich richtig darauf gefreut, Katharina am nächsten Tag in der Uni wieder zu treffen, doch er wurde wieder enttäuscht. Er fand das Mädchen in keiner Vorlesung. Ob ihr Freund sich durchgesetzt hatte und ihr jetzt verbot, ihr Studium zu beenden? Oliver hoffte es nicht. Er fand Kathie so nett und ohne sie waren die ganzen Kurse so langweilig.

Unkonzentriert hörte er den Professor seines Chemiekurses zu und malte dabei Strichmännchen auf seinen Ordner. Er dachte die ganze Zeit über an das Abendessen und die Nacht mit Marco zurück. Marcos Eltern waren wirklich freundlich gewesen. Sie hatten ihm viele Fragen gestellt, ohne aufdringlich zu wirken. Es schien ihnen tatsächlich überhaupt nichts auszumachen, dass ihr Sohn auf ihn stand. Oliver fand das toll. Er fragte sich, wie sein Dad wohl reagieren würde, wenn er von seiner Beziehung zu Marco wissen würde. Bestimmt nicht so locker. Aber Oliver hatte sowieso nicht vor, ihm davon zu erzählen.

Er malte energisch Haare an den Kopf seines Strichmännchens und betrachtete es. Es sah Marco unheimlich ähnlich. Marco … was er wohl gerade machte? Kotzte es ihm an, dass Oliver ihre Beziehung langsam angehen wollte? War er von Olivers Verhalten genervt? Oliver hoffte, dass das nicht der Fall war.

Er mochte Marco. Aber lieben – das tat er ihn nicht.

Oliver stöhnte genervt auf und vergrub sein Gesicht in seiner Armbeuge. Es war so kompliziert. Wieso konnte er sich nicht einfach in ihn verlieben?!

„Vielleicht, weil du es noch gar nicht wirklich versucht hast“, flüsterte eine leise Stimme in seinem Kopf. Vielleicht, wenn du dich ein bisschen anstrengst...Dann müsstest du das doch schaffen. Marco war so nett und auch sehr hübsch. Da war das doch kein unüberwindbares Hindernis, oder?

Oliver war fest entschlossen: Wenn er sich endlich mal komplett auf Marco einlassen würde, würde das mit dem Verlieben auch klappen.





Zu Olivers Enttäuschung hatte der warme Sommer sie verlassen. Es wehte ein kühler Herbstwind, der ihn frösteln ließ. Er ließ Marcos Hand los, um den Reißverschluss seiner Jacke zu schließen. Seit einer Stunde wanderten sie schon durch die Reihen des Flohmarktes. Marco blieb bei allem möglichen Krimskrams stehen, bewunderte kleine Holzfiguren oder alte Gemälde und führte immer wieder lange Gespräche mit den Verkäufern. Oliver hatte sich nur dazu hinreißen lassen, ein weiteres Buch von Michael Crichton, dem Autoren von Jurassic Park, zu kaufen.

Nachdem sie die Hälfte der Flohmarktstände durch hatten, hatte Marco seine Hand genommen. Anfangs war es ihm sehr unangenehm gewesen und er hatte nervös nach angewiderten Blicken Ausschau gehalten, doch die blieben aus. Nur zwei kleine Kinder, die spielend unter ihren verschränkten Händen durchliefen, hatten Kenntnis von ihnen genommen. Trotzdem fühlte sich Oliver unwohl und hätte seine Hand am liebsten weggezogen.

„Ist dir kalt?“, fragte Marco besorgt, als Oliver seine Jacke zugemacht hatte.

„Ja, ein wenig.“

„Da vorne verkaufen sie Tee. Willst du eine Tasse?“

Oliver wäre der Vorschlag, nach Hause zu gehen zwar lieber gewesen, aber er wollte Marco den Tag nicht verderben und somit willigte er ein. Marco marschierte sofort los und kam mit einem heißen Becher Kamillentee zurück.

Doch Oliver achtete nicht auf ihn, sondern starrte in die Ferne. Er hatte vor einem Augenblick gedacht, Katharina gesehen zu haben. Das war irrsinnig, denn er wusste gar nicht, wo das große, dunkelhaarige Mädchen wohnte, es wäre also ein extremer Zufall, sie ausgerechnet auf dem Flohmarkt seines Dorfes zu treffen. Auch fiel ihm kein Mann auf, der Ähnlichkeit mit Katharinas Freund, Stephen, haben könnte.

„Suchst du wen?“, fragte Marco ihn.

Oliver verneinte: „Ich dachte nur, dass ich jemanden gesehen habe, den ich kenne. Aber ich habe mich getäuscht.“



Dank des Tees war ihm zwar nicht mehr kalt, aber er war trotzdem froh, als sie das Ende des Marktes erreichten. Marco hatte dieses Mal seine Hand nicht erneut ergriffen, aber er hatte seinen Arm um Olivers Schulter gelegt und seitdem nicht mehr runter genommen. Oliver war verblüfft, dass dessen Arm noch nicht eingeschlafen und taub war.

„Ich habe für später einen Termin beim Tierarzt ausgemacht“, verkündete Oliver.

„Mit Kaptain, nicht wahr? Soll ich mitkommen?“

Oliver lächelte. „Ich habe gehofft, dass du mitkommst.“

„Das mache ich doch gerne.“ Marco küsste ihn kurz auf die Wange. Da sie bereits bei Olivers Auto angekommen waren und durch dieses von der Menschenmenge verdeckt wurden, störte es Oliver nicht.



Zuhause angekommen standen sie jedoch erst einmal vor einem Problem.

„Wie zur Hölle sollen wir ihn unter dem Kleiderschrank raus bekommen?“ Oliver kratzte sich verzweifelt am Kopf.

„Mhm. So voll ist er auf jeden Fall zu schwer, um ihn schieben zu können“, überlegte Marco, „aber wenn wir ihn ausräumen, wird es vermutlich klappen.“

Oliver seufzte. „Dann los.“

T-Shirt für T-Shirt, Hose für Hose räumten sie aus den Tiefen des Schrankes und sammelten es auf den Boden. Oliver hätte gar nicht gedacht, dass er so viele Klamotten hatte. Es schien gar kein Ende zu nehmen. Marco nahm sich währenddessen die Schublade mit den Socken und Boxershorts vor. Oliver wurde rot, als er bemerkte, dass sein Freund seine Unterwäsche aus räumte und jedes einzelne Stück noch ausführlich betrachtete.

„Ich glaube, die kannst du drinnen lassen“, wandte er ein und versuchte, seine rote Gesichtsfarbe zu verstecken.

„Mhm? Wenn du meinst.“ Marco legte die Unterwäsche bereitwillig in die Schublade zurück. „Probieren wir mal aus, ob wir den Schrank schon schieben können.“

„Aber glaubst du nicht, dass Kaptain sofort flüchten würde, sobald sich der Schrank bewegt?“

„Das wird er sicherlich. Aber dann schmeißen wir am besten ein Handtuch über ihn. Ich hoffe, dass das klappt. Einen Katzenkorb habt ihr, oder?“

Oliver nickte. „Ja, Oma hat erst einen gekauft. Ich glaube nicht, dass das klappen wird, aber was bleibt uns schon anderes übrig?“

„Versuchen wir es einfach mal.“

Oliver verschwand aus dem Zimmer und kam mit einem großen Handtuch und dem Katzenkorb wieder.

„Du stellst dich am besten an dieses Ende“, wies Marco ihn an, „wenn ich den Schrank bewege, wird er wahrscheinlich sofort nach draußen rennen und muss dann an dir vorbei. Und dann wirfst du das Handtuch über ihn.“

„Na dann, los.“ Einen Moment lang fragte sich Oliver, ob sie für die Tat nicht lieber dicke Handschuhe hätten anziehen sollen. Er stellte sich darauf ein, sich die eine oder andere Bissverletzung zuzuziehen. Er erinnerte sich an Marco und dessen erste Begegnung mit dem Kater.

Aber dann schob Marco auch schon den schweren Eichenschrank in einem Schwung auf die Seite. Ein Fauchen ertönte und etwas haariges rannte an Olivers Beinen vorbei.

„Schnell!“, hörte er Marco noch schreien und er warf das Handtuch.

Zu ihrem Glück – und zu Kaptains Missgunst – trafen sie genau und die Katze verschwand unter dem Handtuch.

Er fauchte und knurrte fürchterlich und hätte sich schon beinahe aus dem Tuch befreit, doch Marco packte ihn blitzschnell und steckte das Tier mitsamt des Handtuches in den Korb. Keine Sekunde zu früh knallte er die Türe zu. Kaptains Krallen kratzten wütend auf dem Plastikboden und er streckte die Pfoten durch die Gitterstäbe.

„Das wäre geschafft“, murmelte Marco erleichtert.

„Ja. Das Raubtier ist gefangen. Ich frage mich echt, was er erlebt haben muss, dass er so wild ist.“

„Hat bestimmt nicht die nettesten Leute um sich gehabt. Aber schauen wir mal, was beim Tierarzt raus kommt.“ Marco ergriff mit einer Hand die Transportbox, die fürchterlich wackelte, mit der anderen schnappte er sich Olivers Handgelenk.



So liefen sie die Treppe hinunter und in Richtung ihrer parkenden Autos. Olivers Oma stellte gerade ihr Fahrrad an der Hauswand ab, als sie an ihr vorbei gingen.

„Na ihr beiden“, begrüßte sie ihren Enkel und dessen Freund, „was habt ihr denn mit der Katzenbox vor? Hat sich einer der beiden Rabauken verletzt?“ Die Besorgnis konnte man deutlich aus ihrem Gesicht heraus lesen.

„Nein, wir bringen nur Kaptain vorsichtshalber zum Tierarzt. Vielleicht hat er einen Rat, was wir am besten mit ihm anfangen können.“

„Vielleicht gar keine so schlechte Idee.“ Mit undefinierbarem Blick betrachtete sie den Katzenkorb, der hin und her schaukelte und aus dem immer wieder lautes Fauchen ertönte.

„Wir sehen uns später, Oma“, verabschiedete Oliver sich von ihr und stellte die Box auf den Rücksitz. Vorsichtshalber schnallte er ihn noch an. Marco nahm neben ihn platz.

„Ich war noch nie bei einem Tierarzt. Bin schon richtig gespannt, wie es da so sein wird“, offenbarte Marco, als Oliver den Motor startete.

„Ich auch noch nicht. Wahrscheinlich, wie in einer normalen Arztpraxis. Nur, dass eben Tiere die Patienten sind.“

„Na, wir werden ja sehen.“



Zu ihren Glück war die Tierklinik nicht allzu weit entfernt. Kaptain schrie nämlich die ganze Fahrt über wie am Spieß und dem Geruch nach zu urteilen, hatte er auf das Handtuch gepinkelt.

Oliver nahm den Korb vom Rücksitz und gemeinsam mit Marco betrat er die Praxis. Als erstes fiel ihm der Geruch auf. Es roch stark nach Desinfektionsmitteln, aber auch nach den unterschiedlichen Ausdünstungen der Tiere.

Eine Dame am Empfang lächelte ihnen freundlich zu. Sie trug einen türkisfarbenen Kittel und eine weiße Hose. Oliver trat zu ihr und nannte ihr seinen Namen.

„Ah richtig. Sie haben einen Termin für 17 Uhr, nicht wahr?“

„Genau.“

Sie reichte ihm einen Bogen. „Füllen Sie den doch bitte aus.“

Oliver nahm das Anmeldeformular und den Kugelschreiber entgegen und begann, seine Adresse, Telefonnummer und Mailadresse auf das Papier zu schreiben. Auf der zweiten Seite wurden Angaben zu seinem Tier verlangt.

Jedoch konnte er nicht mehr Felder als „Tierart, Name und Fellfarbe“ ausfüllen.

„Ich hab keine Ahnung, wie alt Kaptain ist.“ Er sah die Tierarzthelferin entschuldigend an.

„Vielleicht können Sie es schätzen? Wir brauchen auch nicht den genauen Geburtstag, nur eine ungefähre Altersschätzung.“

Oliver sah zu den Korb hinunter. „Wie alt bist du denn, Kaptain?“ Doch die Katze gab ihm nur ein Knurren zur Antwort. Somit trug er nur die Zahl 10 in das leere Feld und gab es der Helferin zurück.

Diese las es sich kurz durch. „Kastriert ist er wohl, oder?“

„Ja, das haben sie im Tierheim gemacht.“

Die Dame ergänzte etwas auf dem Formular und winkte sie dann ins Wartezimmer. „Einen kleinen Moment wird es noch dauern.“



Oliver war echt erstaunt, als er das Wartezimmer betrat. Sieben Hunde unterschiedlichster Größe zogen entweder an ihrer Leine, verkrochen sich ängstlich unter den Stühlen oder bellten. Ihre Besitzer versuchten sie verzweifelt unter Kontrolle zu behalten oder sie zu beruhigen. Mehrere Katzen, die ebenfalls in Körben saßen, miauten um die Wette und von irgendwoher zwitscherte ein Vogel. Doch zu Olivers größter Verwunderung watschelte plötzlich eine Gans, die einen Verband um den Hals trug, unter einem der Stühle hervor. Die Besitzerin, eine ältere Frau, schnappte sich die Gans und setzte sie sich auf ihren Schoß.

Marco warf Oliver einen Blick zu, während sie sich auf die letzten freien Stühle setzten. Im Wartezimmer herrschte ein unglaublicher Geräuschpegel. Kaptain war plötzlich ganz still geworden und hatte sich in die hinterste Ecke seiner Box verkrochen. Er musste ziemlich Angst haben.

Die Dame mit der Gans war die erste, die aufgerufen wurde. Mit dem Tier unter dem Arm geklemmt, folgte sie dem Tierarzt und verschwand in einem der Behandlungsräume. Als sie wenig später den Raum wieder verließ, war der Verband am Hals des Vogels verschwunden, doch Oliver konnte noch eine verkrustete, aber gut abgeheilte Wunde erkennen. Was der Gans wohl passiert war? Er hätte die Dame gerne gefragt, aber sie hatte schon die Praxis verlassen. Er fragte sich, ob seine Oma auch mit den Hühnern zum Tierarzt ging, sollten diese einmal krank werden.



Einer nach dem anderen wurde aufgerufen und verschwand in den Tiefen der Tierklinik. Es gab hier wohl sehr viele Tierärzte, denn obwohl so viele Patienten vor ihnen an der Reihe waren, hielt sich ihre Wartezeit in Grenzen.

„Herr Farländer mit Kaptain, bitte.“ Ein großer Mann mit weißem Bart und weißem Kittel hatte das Wartezimmer betreten.

„Das sind wir.“ Oliver stand auf und schnappte sich den Katzenkorb.

„Das ist ja ein außergewöhnlicher Name für eine Katze“, bemerkte der Tierarzt, „wie seid ihr denn auf diesen gekommen?“

„Das war nicht unsere Idee. Er kommt aus dem Tierheim und wurde dort so getauft.“

Oliver konnte das Namensschild des Tierarztes erkennen. „Dr. Carlsen“ stand in großen Buchstaben darauf.

„Und warum genau seit ihr denn mit ihm hier? Was fehlt ihm denn?“

Sie betraten den Behandlungsraum und Oliver sah sich gespannt um. Es war alles so, wie in einer normalen Arztpraxis. In der Ecke konnte er ein Ultraschallgerät erkennen, ein Regal mit etlichen Ampullen und eine Schublade, die vor lauter Spritzen und Kanülen fast überquoll.

„Genau wissen wir das leider nicht. Seitdem wir ihn haben, verkriecht er sich nur unter unseren Möbelstücken und kommt höchstens nachts zum Vorschein.“

„Das ist ja interessant.“ Der Tierarzt befahl ihnen, den Korb auf den Behandlungstisch zu stellen. „Ist er denn alleine bei euch?“

„Nein, wir haben zeitgleich mit ihm Prinz bekommen, den zweiten Kater. Der war aber vom ersten Moment an zutraulich.“

„Wisst ihr denn, ob Kaptain genug frisst? Oder glaubt ihr, er verweigert es?“

„Fressen tut er schon. Wir wissen aber nicht, wie viel.“

„Okay.“ Der Tierarzt nickte und wollte sich am Deckel der Box zu schaffen machen, doch Marco unterbrach ihn. „Aufpassen!“, rief er, „ich würde ihn nicht alleine raus holen. Er ist sehr bissig und sehr wild.“

„Danke für die Warnung.“ Dr. Carlsen nahm sofort die Hände vom Korb, „wenn das so ist, dann hole ich mir am besten Verstärkung.“

Er zog ein Telefon aus seiner Kitteltasche und hielt es sich ans Ohr. Er wechselte zwei, der Wörter, die Oliver nicht verstand, aber kurze Zeit darauf betrat eine kräftige Frau mit kurzen, braunen Haaren den Behandlungsraum. Sie holte bissfeste Handschuhe aus einem Schrank und nahm das Handtuch vom Waschbecken.

„Bettina ist so nett und hilft uns“, stellte Dr. Carlsen die Helferin vor.

„Keine Angst, wir haben schon mehrere wütende Katzen gehabt. Das mit eurem kriegen wir auch noch hin.“ Sie lächelte und zeigte dabei mehrere Schneidezähne.

Sie schlüpfte in die Handschuhe, der Tierarzt öffnete den Korb und sofort konnte Oliver ein Fauchen hören. Bettina schnappte sich den Kater, doch er wehrte sich so stark, dass sie ihn beinahe fallen gelassen hätte. Schnell ließ sie ihn wieder in den Korb zurück plumsen.

„So können wir ihn nicht untersuchen“, bemerkte Dr. Carlsen und strich sich den Schweiß von der Stirn.

Oliver nickte. Das sah er selbst. Ihm war das alles ziemlich peinlich.

„Uns bleibt nichts anderes übrig, als ihn in Narkose zu legen.“

„Was werdet ihr dann mit ihm machen?“

„Auf jeden Fall werden wir ein Blutbild machen. Bei der Gelegenheit könnten wir ihn auch röntgen oder gegebenenfalls ein Ultraschall machen.“

„Okay. Wie lange dauert das?“

„In zwei Stunden könnt ihr ihn wieder abholen. Aber selbstverständlich könnt ihr dabei sein, während wir ihn schlafen legen.“

Der Tierarzt öffnete einen verschlossenen Safe-schrank und holte zwei Fläschchen mit den Aufschriften Dormilan und Ketamin hervor. Er zog sich beide Flüssigkeiten in eine Spritze auf, während Bettina erneut todesmutig und mit Handschuhen die Box öffnete. In Windeseile spritze der Tierarzt Kaptain die Beruhigungsmittel.

Es dauerte nicht lange und der Kater wurde immer müder und müder, ehe er schließlich fest einschlief.

Bettina holte ihn vorsichtig aus dem Korb und legte das schlafende Tier auf den Behandlungstisch.

Oliver fuhr vorsichtig über das matte und krause Fell. Es war das erste Mal, dass er Kaptain berührte. Das Fell von Prinz war so schön weich, doch dieses hier fühlte sich sehr borstig an. Er hob den Kopf des Katers und konnte somit endlich erkennen, wie das Tier zu seinem Namen gekommen war. Der komplette Kopf der Katze war weiß, jedoch war sein rechtes Auge von schwarzem Fell umrandet. Es sah aus, als würde er eine Augenklappe tragen. Eine tiefe Narbe, die ihm ebenfalls zum ersten Mal auffiel und die über die gesamte Stirn verlief, passte auch noch gut dazu.

„Mein kleiner Pirat“, flüsterte Oliver traurig, als er mit Marco den Raum verließ.





„Komm, ich lade dich zum Essen ein.“ Marco versuchte wohl seinen Freund abzulenken, denn dieser machte sich ziemliche Sorgen um sein Haustier. Was, wenn Kaptain die Narkose nicht überstehen würde? Oder die Ärzte eine schlimme Krankheit diagnostizierten?

„Kennst du hier ein gutes Restaurant?“, fragte Oliver und versuchte, nicht an den Kater zu denken.

„Ja, dort drüben ist ein Chinese. Früher war ich mit meiner Familie oft dort.“

„Ihr Vegetarier geht zum Chinesen?“, Oliver lachte laut. Es war als Scherz gemeint und Marco fasste es zum Glück auch so auf.

„Ja, das tun wir. Es gibt dort viele gute Gerichte, auch ohne Fleisch. Außerdem müsste es dort heute Abend Büfett geben und das ist immer besonders cool.“

„Gut, dann gehen wir chinesisch essen. Das war ich schon lange nicht mehr.“

Marco bugsierte ihn durch die Straßen und sie erreichten ein hell erleuchtetes Restaurant. Gleich am Eingang wurden sie von einem kleinen, schlitzäugigen Mann begrüßt. Er lud sie ins Innere ein und zeigte ihnen ihren Tisch.

„Es ist schön hier“, stellte Oliver fest.

„Ja, sind immer echt gerne hier gewesen. Und das Essen ist wirklich super.“

„Na das will ich hoffen“, lächelte Oliver.

Der Kellner fragte nach ihren Getränken und Oliver bestellte für sich eine Johannisbeerschorle. Marco gab sich mit einem stillen Wasser zufrieden.

„So, legen wir los?“, forderte Marco ihn auf.

„Aber wirklich. Ich habe einen richtig großen Hunger.“ Sie schnappten sich ihre Teller und stellten sich an die Schlange, die sich vor dem Büfett gebildet hatte.

Oliver konnte es kaum erwarten, an die Reihe zu kommen. Es duftete verführerisch und über den Köpfen der anderen Gäste hinweg konnte er die lecker aussehenden Speisen sehen.

Endlich erreichte er das Ende der Schlange und häufte sich sofort eine große Portion Reis auf den Teller. Er liebte Reis und wenn er schon chinesisch essen ging, konnte es gar nicht genug von den kleinen, weißen Körnchen sein. Dazu schaufelte er sich noch Frühlingsrollen und gebratene Nudeln auf und übergoss das alles mit einer Süß-Sauer-Soße. Ihm lief das Wasser quasi im Mund zusammen. Marco zu liebe hatte er sich nur Speisen ohne Fleisch geholt. Er wusste nicht, wie Marco es finden würde, wenn er sich neben ihm Fleisch in den Mund schaufelte.

Sein Freund wartete schon am Tisch auf ihm.

„Du hast aber eine kleine Portion“, bemerkte Oliver, als er sich setzte.

„Ich gehe lieber öfter und hole mir dafür kleine Portionen.“

Marco schnitt sich eine Frühlingsrolle auf und tunkte sie in eine feurig aussehende Soße.

Kaum hatte er den Bissen zum Mund geführt, fing er fürchterlich an zu husten. Seine Augen traten quasi aus der Höhle und Schweißtropfen bildeten sich auf seiner Stirn.

„Was ist los?“, fragte Oliver besorgt.

„Man, ist das scharf“, keuchte Marco entsetzt und versuchte angestrengt, den Bissen in seine Speiseröhre zu manövrieren.

Oliver schob ihm das Wasserglas entgegen, was er nur zu gerne entgegen nahm und das Essen damit hinunter spülte.

„Wird es besser?“

„Ein wenig, danke.“ Noch immer waren Marcos Augen gerötet und seine Stirn klatschnass.

Sein Mund schien immer noch wahnsinnig zu brennen. „Probiere auf gar keinen Fall die rote Soße.“

„Habe ich nicht vor.“ Oliver reichte seinem Freund sein Glas mit der Schorle. „Komm, trink noch etwas. Dann wird es hoffentlich besser.“



Die restliche Zeit verging ereignislos. Oliver schmeckte das Essen super und auch Marcos Mund schien sich von der scharfen Einlage erholt zu haben, denn er holte sich noch drei weitere Portionen, vorsichtshalber ohne Soßen. Oliver störte es nur, dass Marco fast während dem gesamten Essen in sein Handy starrte und kaum Interesse an ihm zeigte. Wer war denn schon so wichtig, dass Marco die ganze Zeit über mit ihm schreiben musste?! Oliver hatte Angst, dass David derjenige war, der am anderen Handy saß. Schrieb Marco die ganze Zeit über mit seinem Ex? In seinem Bauch rumorte es heftig.

Marco schien die schlechte Laune seines Gegenübers irgendwann aufzufallen. „Was ist los?“, fragte er, „du siehst irgendwie traurig aus.“

„Alles okay“, murmelte Oliver und senkte seinen Blick.

„Ist es wegen Kaptain? Machst du dir Sorgen um ihn?“

„Auch. Aber nicht nur.“

„Was ist denn los, Oli?“ Marco wollte seine Hand streicheln, die auf dem Tisch lag, doch Oliver zog sie schnell zurück.

„Wieso bist du denn mit mir hier? Du schaust doch sowieso nur die ganze Zeit in dein Handy.“

„Oh.“ Marco zuckte erschrocken zusammen, steckte aber sein Mobilphone sofort in die Jackentasche. „Tut mir leid.“

„Da ist wohl jemand interessanter als ich.“

Marco sah ihn entsetzt an. „Bitte sag so etwas nicht. Das stimmt nämlich nicht.“

„Mit wem schreibst du denn? Mit David?“

„Nein, natürlich nicht. Nur mit ein paar Arbeitskollegen, die wollen, dass ich morgen eine extra Schicht schiebe. Und darauf habe ich natürlich gar keine Lust. Darum musste ich mich gerade die ganze Zeit schreiben, sonst hätte ich morgen den kompletten Tag lang arbeiten müssen.“

„Okay.“

„Glaubst du mir etwa nicht?“ Marco sah ihn traurig an.

Oliver wusste nicht, was er daraufhin sagen sollte. Er vertraute Marco ja. Aber irgendwie hatte er trotzdem Angst, dass Marco sich bei der ersten Gelegenheit wieder an seinen Exfreund werfen würde.

„Hier. Überzeuge dich selbst.“ Marco zog sein Handy aus seiner Tasche, entsperrte es und drückte es Oliver in die Hand. „Les dir alle Nachrichten durch, wenn du willst. Ich habe nichts zu verbergen.“

Oliver warf einen Blick auf die Chatverläufe vor ihm. Marco schien die Wahrheit gesagt zu haben, denn ganz oben in der Kontaktliste von Whatsapp war eine Gruppe mit dem Namen „Schreinerei.“ Vier neue Nachrichten blinkten von ihr auf.

Oliver wollte seinem Freund sein Handy wieder zurückgeben und sich entschuldigen, als ihm etwas einfiel.

Er scrollte durch die Chatverläufe, auf der Suche nach einen ganz bestimmten Namen, den er schließlich ganz unten im Verlauf fand. Marco hatte David noch immer in seinem Handy eingespeichert, doch die letzte Nachricht war vor einem Monat geschrieben worden. Dieser David hatte Marco damals einen Herzsmiley gesendet.








So if I stand in front of a speeding car

Would you tell me who you are, what you like?

What's on your mind, if I'd get it right?

How I love that no one knows

And these secrets all that we've got so far

The demons in the dark, lie again

Play pretends like it never ends

This way no one has to know

Even the half smile would have slowed down the time

If I could call you half mine

Maybe this is the safest way to go

Svenni
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Re: Ich muss mich in dich verlieben

Beitragvon Svenni » 25 Mai 2017, 16:26

Kapitel 10



Sie schlenderten den Weg zur Klinik zurück. Oliver hatte ein schlechtes Gewissen, doch wie Marco sich fühlte, wusste er nicht. Sie hatten nur wenige Sätze miteinander gesprochen und Marco hatte seine Hand dieses mal nicht genommen.

In der Tierarztpraxis angekommen, winkte die Dame am Empfang sie direkt in das erste Untersuchungszimmer. Oliver war aufgeregt. Was war bei den Untersuchungen raus gekommen?

Dr. Carlsen wartete schon auf sie. Vor ihm auf dem Tisch stand ein Katzenkorb. In ihm lag Kaptain und war noch fest am Schlafen.

„Mein Kleiner“, flüsterte Oliver und blickte in die Box. Der Kater sah richtig friedlich aus,

während er so tief und fest auf dem frischen Handtuch, das eine Helferin wohl in den Korb gelegt hatte, schlief.

„Pass auf, er ist gerade dabei, wieder aufzuwachen“, warnte der Tierarzt ihn..

„Wie geht es ihm?“, fragte Marco und stellte sich neben seinen Freund.

Der Arzt seufzte: „Ich habe leider schlechte Nachrichten für euch.“

Augenblicklich verkrampfte sich Olivers Innere. Ihm wurde schlecht. Marco legte seinen Arm um ihn.

„Was hat er denn?“

„Wir haben eine Niereninsuffizienz bei ihm festgestellt. Es war auf jeden Fall sehr gut, dass ihr mit ihm hier her gekommen seid.“

„Was ist eine Niereninsuffizienz?“, wollte Marco wissen.

„Insuffizienz heißt Schwäche“, antwortete Oliver anstelle des Tierarztes. Ihm war das Wort natürlich bekannt.

„Aber das kann man bestimmt behandeln, oder?“

Dr. Carlsen schüttelte den Kopf. „Nein. Eine Heilung gibt es nicht. Ich kann auch gar nicht sagen, wie lange er noch zu leben hat. Ich kenne Katzen, die noch eine ganze Weile ein schönes Leben führen konnten, aber es kann auch ganz schnell gehen.“

„Was können wir jetzt noch für ihn tun?“ Oliver war sehr verzweifelt.

„Ihm ein schönes, restliches Leben bereiten. Mehr ist leider nicht möglich. Normalerweise lassen wir Katzen mit dieser Diagnose ein paar Tage stationär bei uns, um sie mit Infusionen zu stärken, aber bei eurem Kleinen ist das leider nicht möglich. Er würde in den engen Katzenboxen durchdrehen und sich die Kanüle aus dem Bein reißen.“

Oliver sah traurig seinen Kater an. „Aber bei uns ist er doch auch nicht glücklich. Ich will nicht, dass er sein restliches Leben unter dem Schrank verbringen muss.“

„Dann lasst ihn doch einfach nach draußen.“

„Wie meinen Sie das?“

„Ich an eurer Stelle würde ihn einfach in den Garten lassen. Ihr wohnt doch ländlich, nicht wahr? So kann er sich in der restlichen Zeit, die er noch hat, frei bewegen. Ich gebe euch spezielles Nierenfutter mit, vielleicht könnt ihr das dann draußen verteilen.“

Oliver nickte. Er fühlte sich wie damals, als er aus der Höllenachterbahn Olympia gekommen war. Seine Beine zitterten genauso und er glaubte, jede Sekunde vor Marco und dem Veterinär auf den Tisch kotzen zu müssen.

„Es tut mir jedes Mal leid, wenn ich Besitzern eine so traurige Diagnose verkünden muss.“

„Jetzt haben wir wenigstens Gewissheit“, murmelte Oliver traurig.

„Wenn ihr noch irgendwelche Fragen habt, könnt ihr gerne jederzeit anrufen.“

„Danke.“ Oliver öffnete den Deckel der Box und streichelte das schütterne Fell seines Tieres. Kaptain zuckte leicht im Schlaf.

„Er wird bald aufwachen, dann könnt ihr ihn mit nach Hause nehmen.“

„Ok, danke.“

Marco und Oliver verabschiedeten sich. Während Marco die Hand des Tierarztes schüttelte, konnte Oliver seine nicht einmal heben. Er fühlte sich richtig erbärmlich.

Dr. Carlsen nahm den Katzenkorb mit, um den Kater in Ruhe und unter ärztlicher Aufsicht aufwachen zu lassen. Oliver verließ mit schnellen Schritten die Klinik und rannte quasi zum Auto. Marco konnte ihm kaum folgen. Er riss die Wagentüre auf und ließ sich auf den Fahrersitz fallen. Marco kletterte zu ihm ins Innere. Aber anstatt sich auf die Beifahrerseite zu setzten, verengte er sich, um sich zwischen das Lenkrad auf den Schoß seines Freundes zu setzen. Dieser war am Anfang mehr als verdutzt, aber genoss dann die Nähe zu Marco.

Marco drückte seinen Körper fest gegen den des Anderen und umschlang ihn mit seinen Armen.

„Danke, dass du da bist“, flüsterte Oliver. Tränen brannten in den Höhlen seiner Augen.

„Das ist doch selbstverständlich. Und du wirst sehen, alles wird wieder gut werden.“

Doch Oliver konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Wie Bäche flossen sie aus seinen Augen. Marco presste sich ganz eng an ihn und versuchte ihn zu trösten.

„Ich habe echt gehofft, dass er irgendwann so zutraulich wie Prinz wird“, schluchzte Oliver.

„Ich weiß“, Marco streichelte seinen Rücken, „Und er ist so ein hübsches Tier.“

„Ja, das ist er. Hast du die Fellfarbe an seinem Auge gesehen? Sieht aus wie eine Augenklappe.“

„Ja, er ist ein richtiger Pirat.“

„Vielleicht kann er doch noch ganz lange leben.“

„Sicherlich. Vermutlich rennt er noch in zehn Jahren durch euren Garten.“

Oliver umarmte Marco fester. „Nein, so lange leben Katzen mit Niereninsuffizienz nicht.“

„Na, wer weiß. Kaptain schafft das bestimmt – Seeräuberkatzen können alles, weißt du?“

Oliver lächelte trotz der letzten Tränen in seinen Augen. „Du hast recht. Ich glaube, wir können ihn so langsam wieder abholen. Er ist bestimmt schon wieder aufgewacht.“

Marco kroch umständlich von ihm herunter und wäre beinahe aus der offenen Autotüre gefallen. Oliver folgte ihm um einiges eleganter.

Händchen haltend liefen sie zum Tierarzt zurück. Dieses Mal wurden sie nicht in einen Behandlungsraum geschickt, sondern Bettina, die Helferin, überreichte ihnen Kaptain quer über die Empfangstresen. Dazu erhielt er eine große Tüte voll mit Katzenfutterdosen.

„Er soll ausschließlich dieses Futter fressen“, informierte sie ihn und eilte dann in das nächste Zimmer.

Oliver hob den Katzenkorb hoch. „Na dann, mein Kleiner – ab nach Hause.“

Im Auto hielt Oliver die Transportbox die ganze Zeit über auf seinem Schoß, während Marco fuhr. Beruhigend redete er auf das Tier ein und anscheinend nützte es etwas, denn Kaptain verhielt sich auf auf der Rückfahrt um einiges ruhiger.



Seine Oma wartete schon auf sie. Sie kam gerade aus den Hühnerstall und hatte noch zwei Eimer mit ihren Körnern in den Händen.

„Wie geht es Kaptain?“, rief sie schon von Weitem und eilte zu ihnen.

„Schlechte Nachrichten“, murmelte Oliver.

„Oh nein. Was ist denn los?“ Seine Oma ließ sich neben den Katzenkorb, den Oliver auf den Boden gestellt hatte, fallen. „Was hat der Kleine denn?“

„Niereninsuffizienz.“

„Davon habe ich mal gehört. Aber seid ihr euch da wirklich sicher?“

„Ja, der Tierarzt war das.“

„Und wie geht es jetzt mit ihm weiter?“

„Tja, gute Frage. Man weiß es nicht. Der Tierarzt hat uns geraten, ihn einfach in den Garten zu lassen, damit er seine letzten Tage noch genießt.“

„Es gibt also keine Chance mehr auf Heilung?“

Oliver schüttelte nur traurig den Kopf.

Kaptain hatte sich in ganz nach hinten in der Box verkrochen.

„Und der Arzt will, dass wir ihn jetzt einfach sich selbst überlassen sollen?“

„Wäre das nicht für ihm am Schönsten? Dann kann er wenigstens draußen umher laufen und genau wie Prinz Mäuse jagen.“

„Ja. Ja, wahrscheinlich hast du recht. Ich bin schon mal froh, dass wir ihn zu uns geholt haben und er nicht im Tierheim sterben muss.“

„Nein. So hat er noch eine schöne, letzte Zeit.“

Kaptain miaute in seiner Box.

„Ich glaube, wir sollten ihn raus lassen. Er soll nicht länger als nötig in diesem engen Korb sitzen.“

Oliver stimmte zu. Gemeinsam mit Marco öffnete er ganz langsam den Deckel, immer darauf gefasst, dass der Kater ihnen wie eine Furie entgegen springen würde. Aber nichts geschah. Sie legten den Deckel beiseite und Kaptain ließ vorsichtig seinen Kopf hinaus ragen. Man konnte richtig beobachten, wie er seine Umwelt musterte und zu überlegen schien.

Ganz langsam kletterte er aus der Box und blieb einen Meter vor seinen Besitzern sitzen. Er schnupperte an einem Grashalm, schien den dunkelblauen Himmel zu betrachten und setzte sich dann ganz langsam in Bewegung. Wie in Zeitlupe schlich er von den Menschen weg und bahnte sich seinen Weg durch das Gras.

Sie alle drei beobachten ihn, wie er immer schneller über die Wiese huschte und schließlich hinter dem Hühnerstall verschwand.

„Er sah richtig glücklich aus“, bemerkte seine Oma.

„Ja, das tat er. Er muss die Freiheit schrecklich vermisst haben.“

„Hoffentlich findet er genug zu Fressen.“

„Bestimmt.“ Oliver deutete auf die Tüte mit all den Futterdosen. „Die haben wir vom Tierarzt mitbekommen. Wir verteilen die am besten überall im Garten. Es ist ein Spezialfutter.“

„Und das macht dann nichts, wenn Prinz auch davon frisst? Nicht, dass das Futter für gesunde Katzen giftig ist.“

„Ich rufe Dr. Carlsen am besten später noch einmal an und frag ihn das.“ Immerhin hatte der Arzt ja versprochen, dass Oliver ihn jederzeit erreichen konnte.

„Eine gute Idee. Ich muss jetzt leider noch einmal in die Bücherstuben zurück“, verkündete seine Oma, „eine riesige Ladung Bücher ist angekommen und muss heute unbedingt noch verräumt werden.“

„Sollen wir dir helfen, Oma?“, bot Oliver an, doch seine Großmutter verneinte.

„Ich bekomme schon Hilfe von Lisa, eine Mitarbeiterin. Genieße du nur den Abend mit Marco zusammen.“

„Das werden wir wohl“, Oliver grinste seinen Freund an, „es sei denn, du hast schon etwas anderes vor?“

„Für dich habe ich doch immer Zeit.“





Marco schien ganz erpicht darauf, Oliver von seinen traurigen Gedanken an Kaptain los zu bringen. Den ganzen Abend hing er an Olivers Seite, streichelte ihn und legte das eine oder andere Mal seinen Kopf auf dessen Schulter. Oliver streichelte seinen Freund sogar hin und wieder zurück, was dieser mit einem breiten Grinsen quittierte.

Oliver hatte seine Medizinbücher vor sich aufgeschlagen. Er hatte überhaupt keine Lust zu Lernen, aber er lag mit seinen Aufzeichnungen mittlerweile so weit hinten, dass er sich fragte, wie er überhaupt die ersten Prüfungen schaffen sollte. Aber Marco hatte sich fest vorgenommen, ihm zu helfen.

Oliver zog seufzend sein Biologiebuch zu sich. Eigentlich hatte er gehofft, dass sie diesen Abend mit etwas lustigerem verbringen würden, aber nachdem er seinem Freund von den schwierigen Kursen erzählt hatte, war dieser ganz erpicht darauf, mit ihm gemeinsam zu lernen.

Marco beugte sich über seine Schulter und las mit ihm das Kapitel.

„pKs-Wert?! Pufferkapazität?, Carboxylgruppe?“, Marco starrte ganz entsetzt auf die Wörter, „willst du mich verarschen?! Was sind das denn für Wörter?“

„Wörter, die ich können muss“, Oliver runzelte die Stirn.

„Die kann sich kein Mensch merken. Was bedeuten die eigentlich?“

Oliver zuckte hilflos mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich kapier das selbst nicht.“

Marco sah ihn mitleidig an. „Mach dir nichts daraus. Ich bin mir sicher, dass keiner von deinen Kommilitonen die Wörter auch nur aussprechen kann.“

„Doch, Katharina kann das. Sie war diejenige, die am meisten und am schnellsten gelernt hat.“

„Wer ist denn Katharina?“

„Sie geht mit mir in die Uni. Oder besser gesagt, sie ging. Jetzt sehe ich sie seit Tagen nicht mehr.“

„Oh. Was ist mit ihr passiert?“

Oliver seufzte. „Genau weiß ich das auch nicht. Es hat auf jeden Fall etwas mit ihrem Freund zu tun. Er drangsaliert sie. Sie darf keinen ihrer Freunde mehr treffen und auch mit niemand anderem mehr sprechen. Er war auch letztens mit in den Vorlesungen dabei.“

„Nur um seine Freundin zu überwachen? Das ist ja krass.“

„Ja, das ist es.“

„Und das Mädchen ist glücklich mit der Situation?“

„Nein, eben nicht“, Oliver fuhr sich durch seine Haare, „aber sie wollte sich auch nicht wehren.“

„Das ist, glaube ich, auch schwierig.“

„Sie wollte auch mit mir nie wirklich darüber reden. Sie hat sich immer hinter der Aussage versteift, dass das alles gar nicht so schlimm sei und dass sie Stephen liebt.“

„Aber das kann doch keine Liebe sein, oder?“ Marco sah ihn entsetzt an.

Oliver zuckte nur mit den Schultern.

Marco rutschte ganz nah an ihn heran und legte, wie so oft, seine Arme um ihn. „Ich werde dich niemals zwingen, bei mir zu bleiben“, hauchte er seinem Freund ins Ohr.

Oliver hob seinen Kopf und sah tief in Marcos dunkle Augen. Er sagte nichts.

„Du musst nicht bei mir bleiben, wenn du nicht willst, okay? Ich werde dich nie zu etwas zwingen.“

„Ich würde aber gerne bei dir bleiben.“ Oliver wusste nicht, ob er Marco liebte oder ob er auch nur ein winziges bisschen in ihn verliebt war – aber er war sich ganz sicher, dass er Marco nicht verlieren wollte. Er verstand sich so super mit ihm, Marco war so lieb und so nett und sie hatten so viel Spaß zusammen – auf keinen Fall wollte er sich von ihm trennen. Aber ob es wirklich Liebe war, das bezweifelte er. Aber er hatte sich vorgenommen, sich in ihn zu verlieben und er hoffte, dass er das auch schaffte.



Marco schienen diese Worte wirklich viel zu bedeuten. Er umarmte Oliver fester und dieser drückte ihm zum ersten Mal von sich aus einen Kuss auf die Lippen.

„Ich bin so froh, dass ich dich habe“, flüsterte Marco ihm zu und streichelte durch seine Haare.

„Das bin ich auch“, gab Oliver zu und fühlte sich in den Armen seines Freundes gleich viel wohler.

„Ich mochte dich schon damals, als wir Jugendliche waren. Ich habe jeden Tag darauf gewartet, dass du irgendwann wieder zurück zu uns kommst und ich dich wieder sehen kann.“

„Ich habe mich auch wahnsinnig darauf gefreut, dich endlich wieder zu sehen, nachdem ich beschlossen hatte, hier her zu ziehen.“

„Es war ein unbeschreibliches Gefühl, nachdem Marina mir erzählt hatte, dass du wieder hier her zurück kommst. Ich war so glücklich.“

Oliver lächelte. Marcos Umarmung fühlte sich so schön an. Und trotzdem brannte ihm eine Frage auf den Lippen. Er musste sie unbedingt stellen. „Warst du zu der Zeit noch mit David zusammen“, fragte er fast lautlos.

Marcos Hände verkrampften sich fast schmerzhaft um seinen Bauch. Oliver rechnete im ersten Moment nicht mit einer Antwort, erhielt aber dann doch eine. „Ja, das war ich. Wenn man es so nennen kann.“

„Wieso?“

„Ich war mir sicher, dass das zwischen uns beiden nicht mehr lange halten würde.“

„Aber wieso? Was war an David so verkehrt?“

Marco seufzte. „Ich weiß nicht. David war schon nett und so, und ich mochte ihn wirklich. Ja, ich war sogar in ihn verliebt, zumindest am Anfang. Aber ich glaube, wir haben einfach nicht zusammen gepasst und das habe ich, umso länger wir zusammen waren, umso heftiger gespürt.“

„Glaubst du denn, dass wir gut zusammen passen? Oder hast du da auch Angst, dass das zwischen uns in ein paar Jahren genauso sein wird?“

Marco schüttelte energisch den Kopf. „Nein – und da bin ich mir ganz sicher. Ich habe so viele Jahre auf dich gewartet und jede Nacht gehofft, dass ich dich irgendwann wieder sehen werde. Ich habe so starke Gefühle für dich und die werde ich auf keinen Fall wieder los.“

Oliver lächelte gequält. Er wusste, wie sehr Marco in ihn Verknallt war und fühlte sich schlecht, da er nicht wusste, ob er dessen Gefühle erwidern konnte.

Er fragte sich, ob er Marco von diesem Gefühlschaos erzählen sollte, entschied sich aber dagegen. Er wollte nicht, dass sein Freund enttäuscht oder gar traurig war.

„Eine Frage noch: Wieso wolltest du auf keinen Fall bei David einziehen?“

Marco zog die Augenbrauen in die Höhe. „Woher weißt du davon?“

Augenblicklich errötete Oliver. Scheiße, jetzt war er in einer saublöden Situation gelandet.

„Ähm. Nina hat mir davon erzählt, als wir gemeinsam Pizza gebacken haben.“

„Ach, meine Schwester natürlich. Sie kann nie ihren Mund halten.“

Ängstlich drehte er seinen Kopf, um zu schauen, ob Marco wütend war, doch dessen Augen blitzten belustigt.

„Es stimmt, ich hatte keine Lust, bei David einzuziehen. Ich habe damals schon gemerkt, dass es zwischen uns nicht auf Dauer funktionieren würde und ich hatte Angst, dass ich niemals von ihm wegkommen würde, wenn wir zusammen eine Wohnung hätten.“

„Warum warst du dann aber so lange mit ihm zusammen?“

Marco zuckte verzweifelt mit der Schulter. „Ich weiß nicht. Ich mochte ihn ja, zumindest am Anfang. Später sah ich dann keinen Grund, mich von ihm zu trennen.Ich habe es zwar ein paar Mal getan, aber bin immer wieder zu ihm zurück gelaufen. Ich hatte ja sonst niemanden und war lieber in einer unglücklichen Beziehung, als alleine zu sein. Dann, als ich dich zum ersten Mal wieder gesehen habe und dich die ganze Zeit vom Balkon aus beobachtet habe, wie du die Koffer und Kartons ins Haus deiner Oma geschleppt hast, war ich mir sicher, dass ich mich von David trennen muss.“

„Aber wieso? Du kanntest mich zu dem Zeitpunkt doch fast gar nicht.“

Marco drückte einen Kuss auf seinen Scheitel. „Aber ich habe gemerkt, dass die Gefühle, die ich als Teenager für dich hatte, noch nicht weg waren. Sie kamen sofort wieder hoch. Und ich nahm mir vor, alles zu tun, nur damit ich mit dir zusammen komme.“

„War David sauer?“

„Anfangs ja. Aber er hat dann recht schnell eingesehen, dass die große Verliebtheit bei uns beiden schon längst vorbei war.“

„Und trotzdem hingst du in der Nacht, als wir gemeinsam feiern waren, in seinen Armen.“

„Ja...“ Marco vergrub sein Gesicht in den Haaren seines Freundes. „Ich wollte das nicht tun. Ich hatte aber solche verdammte Angst, dich nicht zu bekommen.“

„Mich nicht zu bekommen? Was meinst du damit?“

„Du hast dich so gut mit dem Mädel verstanden. Und da habe ich befürchtet, dass du mich niemals so mögen können würdest, wie ich es tue.“

Sofort meldete sich Olivers schlechte Gewissen zurück. Marco glaubte fest daran, dass er in ihn verliebt war.

Er erwiderte nichts, sondern drückte sich noch enger an den Blonden.

Marco lächelte zufrieden auf. „Lass uns nicht mehr über David reden, okay? Du musst da keine Angst haben, ich habe keinen Kontakt mehr zu ihm.“

„Okay.“ Oliver fiel der Herzsmiley wieder ein, den David ihm geschickt hatte, aber er verdrängte den Gedanken.

„Ich weiß dafür was viel schöneres“, flüsterte Marco ihm zu.

„Mhm?“

Marco beugte sich nach vorne und schlug das dicke Medizinbuch zu. Dann stand er auf und ergriff Olivers Hände und zog ihn somit auf die Beine.

„Ich lag noch nie in deinem Bett“, wisperte er ihm betont verführerisch ins Ohr.

Oliver versteifte sich.

„Keine Angst, es ist alles okay.“ Marco zog ihn mit sich und ließ sich auf Olivers Bett fallen.

Ganz langsam folgte Oliver ihm. Fast in Zeitlupe kroch er zu Marco.

Verfickt, er wusste nicht, ob er das wollte.

Marco legte sich neben ihm und küsste ihn. Seine rechte Hand begann, seinen Bauch zu streicheln.

Oliver lag völlig verkrampft auf der Bettdecke. Mit Tanja hatte er das schon tausende Male gemacht. Er war mit ihr sogar noch etliche Schritte weiter gegangen. Wieso sollte er das mit Marco dann nicht auch machen?

Marco versuchte wohl, in etwas aus der Reserve zu locken. Er strich mit seinen Fingerspitzen über seine Wange, folgte dann mit seinen Lippen und küsste schließlich seinen Hals. Oliver versuchte zwar, das alles zu genießen, aber es gelang ihm nicht wirklich.

„Versuch dich zu entspannen“, raunte Marco ihm zu.

„Aber ich weiß gar nicht, ob ich das alles will.“

„Keine Angst, ich will nicht mit dir schlafen. Ich will nur ein wenig kuscheln.“

„Mhm.“ Kuscheln sah für Oliver anders aus.

Marco seufzte und zog seinen Freund in eine Umarmung. „Ich habe dir doch versprochen, dass ich dich zu nichts dränge.“

„Ja, das hast du.“

„Also vertraue mir auch, okay? Ich mache nichts, was du nicht auch möchtest.“

„Okay.“

Erneut fühlte er Marcos Lippen an seinem Hals und dieses Mal konnte er sich ein wenig mehr entspannen. Trotzdem fühlte er sich noch immer nicht wirklich wohl. Marcos Hände fuhren unter sein T-Shirt und er duldete es.

Er war froh, als Marco eine Stunde später neben ihm eingeschlafen war.

Er selbst lag in dieser Nacht noch lange wach.





Du weißt genauso gut wie ich

Dass ich nicht schlafen kann

Denn meine Träume kreisen

Immer nur um dich


Ich habe nächtelang gewartet

Dass du zu mir kommst

Jetzt gib mir endlich deine Hand

Und komm ins Licht


Es ist ein winzig kleiner Schritt

Und es gibt kein zurück mehr






Song: https://www.youtube.com/watch?v=FsbivRpEiS4

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Simson
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Re: Ich muss mich in dich verlieben

Beitragvon Simson » 25 Mai 2017, 20:58

:-? Na, doch alles nicht sooo einfach, wie es am Anfang aussah. Hätte mich auch gewundert. Ich bin gespannt, wie es weitergeht!
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

Svenni
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Re: Ich muss mich in dich verlieben

Beitragvon Svenni » 30 Mai 2017, 19:52

Kapitel 11

Oliver rechnete schon gar nicht mehr, Katharina in der Uni wieder zu treffen. Auch heute saß er wieder alleine an seinem Tisch und starrte Löcher in die Luft. In der Mittagspause beschloss er, ins Sekretariat zu gehen, um zu fragen, ob das Mädchen überhaupt noch in der Uni angemeldet war. Vorsichtig klopfte er an die Tür des Sekretariates und trat langsam ein. Er war bisher noch nie hier gewesen. Eine ältere Frau, die sehr beschäftigt wirkte, saß hinter den Tresen. Eilig schob sie Stapel von Blätter auf die eine und die andere Seite und suchte ständig ihren Kugelschreiber. Während der ganzen Zeit redete sie auch noch leise vor sich hin. Bisher hatte sie noch keine Notiz von Oliver genommen. Dieser trat direkt vor sie, doch sie sah nicht einmal von ihrem Schreibtisch auf.
Zu allem Überfluss klingelte jetzt auch noch das Telefon und die Sekretärin stieß einen spitzen, genervten Schrei aus. Sie riss den Hörer von der Anlage und er wäre ihr beinahe aus der Hand gefallen. Oliver beobachtete sie, wie sie gefühlte Stunden an der Strippe hing und währenddessen Kringel auf ein Papier vor ihr malte.
Oliver zog sein Handy aus der Hosentasche. Er hoffte, dass er nicht allzu lange hier stehen musste. Er hatte ziemlichen Hunger und in der Kantine gab es heute Chili Con Carne und darauf freute er sich schon die ganze Zeit.
Verdutzt stellte er fest, dass Marco ihm eine Nachricht geschickt hatte. Er klickte sie an.


Hast du Lust, heute mit mir ins Schwimmbad zu gehen? <3



Einen Augenblick starrte er die Nachricht an, ehe er antwortete.

Ich sitze gerade in der Uni

Es dauerte nicht lange, bis die nächste Nachricht eintraf.


Weiß ich doch <3
Ich meinte auch danach.
Ich würde dich abholen und wir fahren dann nach Erding in die Therme?
Hast du Lust?


Oliver lächelte.


Lust habe ich schon.
Aber das kommt ein bisschen sehr spontan.
Ich habe keine Badesachen dabei.




Ach, das soll kein Problem sein
Ich bringe dir was.
Ich würde dich direkt nach der Uni abholen?
Ist das okay?



Alles klar


Oliver steckte sein Handy wieder in die Tasche. Schwimmbad mit Marco? Das würde sicherlich lustig werden. Die Sekretärin beendete zu seiner Freude das Telefonat und wollte sich gerade wieder ihren Blättern zuwenden, doch Oliver unterbrach sie.
„Hallo. Ich möchte gerne wissen, ob eine Frau namens Katharina März noch angemeldet ist.“
Die Dame zog genervt die Augen zusammen. „Welches Semester?“
„Im ersten.“
Sie tippte blitzschnell etwas in ihrem PC ein. „Nein. Abgemeldet seit vorgestern.“
„Was? Das kann nicht sein!“
„Sie haben doch gefragt, nicht wahr? Hier steht es klipp und klar.“
„Aber wieso?“
„Die Fragte, mein Lieber, stellst du lieber jemand anderem. Und jetzt lass mich arbeiten. Wie du siehst, habe ich auch ohne dich genug zu tun.“
Oliver trat vorsichtig den Rücktritt an. Die Sekretärin war schon wieder dabei, ihren ganzen Tisch zu durchwühlen.
Katharina hatte sich abgemeldet? Ihr Studium abgebrochen? Aber wieso? Es hatte ihr doch so Spaß gemacht und sie war so gut gewesen. Aber er kannte die Antwort schon: Stephen. Oliver konnte ihn nicht ausstehen, obwohl er noch nie ein Wort mit ihm gesprochen hatte.


Marco stand schon grinsend vor dem Haupteingang und wartete auf ihm.
Oliver umarmte ihn zur Begrüßung. Marco machte den Eindruck, als würde er ihn küssen wollen, doch Oliver wich ihm aus. Vor dieser großen Menschenmenge wollte er nicht unbedingt einen anderen Mann küssen.
Marco schien es nur bedingt zu stören. „Hast du Lust zum Schwimmen“, fragte er grinsend.
„Und wie.“ Oliver lächelte zurück, „ich war schon ewig nicht mehr im Schwimmbad.“
„Wir gehen aber nicht in ein einfaches Schwimmbad, sondern in die Therme.“
„Noch besser.“


Unruhig stand Oliver in der Einzelkabine und starrte an sich hinunter. Er trug seine lange, weite Badehose. Hatte Marco sich in sein Zimmer geschlichen und sie aus dem Schrank geholt oder hatte Oma sie ihm gegeben? Nervös zuppelte er am Bund der Shorts und band die Schleife enger. Gleich würde er halbnackt vor seinem Freund stehen. Was würde er zu ihm sagen? Fand er seinen Körper schön oder sogar erregend?
Marco klopfte gegen seine Kabinentür. „Oliver? Bist du fertig?“
Oliver sperrte die Tür auf und trat nach draußen. Sein Handtuch hatte er in den Händen zerknüllt und hielt es vorsichtshalber vor seinem Körper. Marco strahlte ihn an und ergriff sein Handgelenk. Oliver war aber nicht entgangen, dass dessen Augen einmal über seinen kompletten Körper gewandert waren. Hatte Marco ihn deswegen ins Schwimmbad eingeladen, um ihn somit halbnackt bewundern zu können? Er war sich ziemlich sicher.
Verstohlen musterte er den Blonden, der noch immer vor ihm lief und ihn fröhlich in Richtung Becken zerrte. Er sah den schlanken Körper seines Freundes, seinen sehnigen, glatten Oberkörper, der am Bund seiner feuerroten Badehose endete. Kurz wanderte sein Blick sogar zu dessen Hintern, aber sofort wieder nach oben.
Klar, Marco war hübsch und sein Körper mehr als ansehnlich, aber stand er wirklich darauf? Auf so einen Männerkörper? Oder waren ihm die Brüste einer Frau einfach lieber?
Oliver seufzte lautlos. Er wollte Marco nicht enttäuschen. Er musste sich wohl noch mehr anstrengen.
Sie hatten das Wasser erreicht. Marco blieb augenblicklich stehen und vollführte eine halbe Drehung, wodurch er hinter Oliver gelang. Mit Schwung warf er sich gegen seinen Freund, um ihn ins Becken zu werfen. Oliver versuchte angestrengt, sein Gleichgewicht zu bewahren, was ihm auch gelang. Er lachte und zog kräftig an Marcos Armen. Sie rangelten kichernd miteinander und versuchten, den anderen ins Wasser zu schubsen. So lange, bis der Bademeister sie ermahnte und sie wie gesittete Menschen ins Becken stiegen.
„Man, ist das kalt“, beschwerte sich Oliver. Das Wasser reichte ihm bis zum Hals und hatte gefühlte Minustemperaturen.
Marco lachte und spritze ihm als Antwort eine Ladung Wasser ins Gesicht.
Oliver verdrehte die Augen, doch Marco kam sofort näher und begann, ihn zu küssen.
Etwas vorsichtig erwiderte dieser den Kuss. Er hatte nicht darauf geachtet, welche anderen Personen im Schwimmbad waren. Aber sicherlich viele Kinder. Da war das nicht so toll, dass er vor ihnen einen Mann küsste, oder?
Aber Marco presste seine Lippen noch fester auf seine. Oliver spürte seinen nackten Oberkörper, seine nackte Haut an seiner und wurde nervös. Marco umschlang ihn enger und ließ seine Beine zwischen Olivers gleiten.
Doch das war zu viel für ihn. Oliver unterbrach den Kuss und schob seinen Freund auf Abstand. Aus den Augenwinkeln betrachtete er die anderen Gäste. Wurden sie beobachtet? Aber die meisten waren eher mit sich selbst oder ihren Familien beschäftigt und achteten nicht auf sie. Einzig und allein zwei Frauen in Liegestühlen lästerten auffallend über sie. Oliver drehte ihnen den Rücken zu.
Marco wurde ein Wasserball an den Kopf geworfen. Er packte ihn und warf ihn zu den Kindern zurück.
„Willst du rutschen gehen?“, fragte Marco ihn und war schon aus dem Becken geklettert.
Oliver folgte ihm. Sie stiegen mehrere Treppen empor und standen schließlich im Rutschenparadies der Therme.
Sie probierten jede Rutsche mindestens ein Mal aus und meistens rutschten sie zusammen, wobei Marco hinter ihm saß, seine langen Beine neben Olivers gelegt und mit seinen Armen hatte er Olivers Bauch umschlungen.
Später am Abend saßen sie zusammen am Kiosk und teilten sich eine Schale Pommes. Sie beobachteten, wie der Bademeister den Sprungturm eröffnete. Sofort rannten etliche Menschen darauf zu.
„Traust du dich zu springen?“, fragte Marco.
„Nein.“ Oliver schüttelte energisch den Kopf.
„Wirklich nicht? Wir könnten gemeinsam runter springen.“
„Nein. Ich hasse es, von Springtürmen zu hüpfen. Aber du kannst gerne. Ich schaue dir zu.“
„Mhm.“ Kurz zögerte Marco noch, stand dann aber doch auf und lief zum Turm.
Oliver rekelte sich gemütlich in seiner Liege, steckte sich das letzte Pommes in den Mund und hielt nach Marco Ausschau, der sich ans Ende der langen Schlange gestellt hatte.

Ein Mädchen lief an seiner Liege vorbei. Im ersten Moment glaubte er, eine Halluzination zu haben. Das wäre ein zu großer Zufall. Sicherlich verwechselte er das Mädchen nur.
„Kathie?“, fragte er vorsichtig.
Das Mädchen drehte sich überrascht um. Es war tatsächlich Katharina. Er konnte es kaum glauben.
„Oliver? Was machst du hier?“ Sie schien ebenso erstaunt.
„Das wollte ich dich auch fragen. Ich bin hier nur mit meinem Freund baden. Aber wieso bist du nicht mehr in der Uni? Warum hast du dich abgemeldet? Ich war heute im Sekretariat und die Dame dort hat es mir erzählt.“
Katharina rollte eine ihrer dunkeln Locken in den Händen. „Es ging nicht anders.“
„Warum?“
„Ich arbeite jetzt bei Stephen. Da bleibt keine Zeit fürs Studium.“
„Er hat sich also durchgesetzt“, warf Oliver ein und zog verächtlich die Augen zusammen, „und du machst was er will.“
Katharina sah ihn wütend an, wurde dann aber leichenblass. Oliver sah einen großen, schwarzhaarigen Mann, der auf sie zustürmte. Hinter ihm hatte Marco gerade den Fuß der Leiter zum Sprungturm erreicht.
Kathie wich ängstlich nach hinten aus. Der Mann baute sich vor Oliver auf. Oliver erkannte ihn sofort.
„Was willst du von meiner Freundin“, herrschte Stephen ihn an.
„Nichts. Wir haben nur geredet“, versuchte er die Situation zu retten.
„So sieht mir das aber nicht aus.“ Stephen trat einen Schritt näher.
„Wir kennen uns aus der Uni“, erklärte Oliver, „und haben uns zufällig hier getroffen.“
„Ich habe genau gesehen, wie du Kathie angeschaut hast!“
Oliver zog seinen Kopf ein. „Ich habe sie nicht angestarrt. Ich habe überhaupt kein Interesse an ihr.“ Er hoffte, dass Katharina ihm diesen Satz nicht übel nehmen würde. Aber es stimmte. Er fand sie zwar hübsch, aber sie gehörte überhaupt nicht dem Typ Mädchen an, die Oliver gefielen. Nina mit ihrer kleinen Größe und den strahlenden Lächeln passte da schon eher rein. Aber er hatte ja jetzt Marco und außerdem war jetzt sowieso nicht der rechte Zeitpunkt, um über das alles nachzudenken.
Aus den Augenwinkeln sah er, wie Marco kopfüber vom Turm sprang und ins Wasser eintauchte.
„Oliver ist schwul“, bemerkte Katharina, die ihren Freund somit wohl beruhigen wollte.
Ausnahmsweise war Oliver für diese Worte diesmal sehr dankbar.
Aber sie hatte wohl etwas falsches gesagt.
Ohne einen weiteren Satz schlug Stephen zu und traf Olivers Nase. Katharina schrie erschrocken auf. Oliver presste seine Hand an seine Nase. Er spürte, wie das Blut durch seine Finger lief.

„Du riesiges Arschloch!“ Plötzlich war Marco an seiner Seite. Er wollte sich auf Stephen stürzen, doch der Bademeister war zur Stelle. Er brüllte Oliver und Stephen gleichzeitig an. Oliver konnte seine Worte gar nicht verstehen, er war zu sehr mit seiner blutenden Nase beschäftigt. Marco streichelte nebenbei seinen Nacken.
Stephen packte, ohne ein weiteres Wort an Oliver oder dem Bademeister zu verschwenden, Katharinas Hand und sie wurde hilflos hinter ihm her gezogen.

„Komm mit.“ Marco verschränkte ihre Finger miteinander und führte ihn zu den Toiletten.
Dort wischte er mit einem Papiertuch vorsichtig über Olivers Gesicht.
„Tut es sehr weh?“
„Ne, wird schon besser.“ Oliver versuchte zu lächeln.
„Was war das eigentlich für ein Idiot?! Kanntest du den? Oder wieso hat er dich geschlagen?“
„Das war der Freund von Katharina. Von ihm habe ich dir letztens erzählt.“
„Das Mädel, das von ihrem Freund so tyrannisiert wird?“
„Genau. Und die beiden habe ich vorhin zufällig hier getroffen.“
„Was für ein Arschloch dieser Typ nur ist.. Geht es dir wirklich wieder gut?“
„Ja, tut kaum noch weh. Dieser Stephen hat Kathie auch gezwungen, ihr Studium aufzugeben.“
„Das ist nicht dein Ernst!“, Marco war mehr als entsetzt, „davon hat sie dir gerade erzählt oder wie ist das?“
„Nein. Ich habe heute im Sekretariat nachgefragt, weil ich mich gewundert habe, weil ich sie in keiner Vorlesung mehr gesehen habe.“
„Das ist echt traurig. Aber ich glaube, man kann ihr da auch nicht helfen, oder?“
Oliver sah traurig in den Spiegel. „Nein. Ich glaube, da kann nur sie sich helfen. Sie müsste sich von ihm trennen. Aber sie liebt ihn halt so.“
Marco schnaubte auf. „Eine schöne Liebe ist das zwischen den beiden. Wie gut, dass das zwischen uns anders ist.“ Er küsste Oliver auf die Wange und wischte das letzte bisschen Blut ab.
„Wollen wir zu den Duschen gehen“, schlug Oliver vor, „oder willst du noch hier bleiben?“
„Nein, nicht, dass wir diesen Stephen noch einmal begegnen.“ Händchenhaltend liefen sie zu den Duschräumen.
Oliver freute sich, dass sie die einzigen dort waren. Er hasste es, zwischen zehn anderen Männern duschen zu müssen.
Aber er stand jetzt vor einem Problem. Wie sollte er sich unter den Wasserstrahl stellen? Mit Badehose oder nackt? Und was würde Marco machen?
Er schluckte. Er hatte nicht das dringende Bedürfnis, sich vor Marco nackt auszuziehen.
Marco küsste ihn kurz auf die Lippen, reichte ihm sein Shampoo und stellte sich in die Duschkabine gegenüber von Oliver.
Dieser drehte seinem Freund gekonnt den Rücken zu und stellte sich unter den Wasserstrahl. In Windeseile shampoonierte er seine Haare ein und wusch sich den Schaum herunter. Seine Badehose behielt er die ganze Zeit über an.
Er wusste nicht, was Marco machte, ob dieser ihn musterte und ob dieser nackt unter der Dusche stand. Ein oder zweimal wollte er sich glatt umdrehen, um dies zu überprüfen, doch er ließ es bleiben. Er wollte sich nicht in Verlegenheit bringen.


Er blieb so lange unter dem schön warmen Wasserstrahl, bis er hörte, dass Marco aus der Dusche trat und sich abtrocknete. Erst dann traute er sich, sich langsam umzudrehen und zu seinen Freund zu linsen. Dieser hatte sich sein Handtuch um die Hüfte geschlungen und fest verknotet. Aber ob er darunter noch seine Badehose an hatte, wusste Oliver nicht.
Sie verschwanden in ihren Einzelkabinen und trafen sich fertig angezogen bei den Föhns wieder.
Während Oliver seine Haare nach kurzer Zeit trocken hatte, stand Marco ewig vor dem Spiegel und versuchte seine blonden Haare zu stylen. Oliver lächelte. Es war schon fast niedlich, wie Marco so angestrengt versuchte, seine Haare einmal von links und einmal von rechts föhnte. Es fehlte nur noch, dass er ein Glätteisen aus seiner Tasche zog, dachte Oliver.
Nachdem Marco endlich fertig war und Oliver seinen Rucksack schultern wollte, zog der Blonde jedoch sein Handy aus der Tasche.
„Wir haben noch gar kein Foto zusammen“, stellte er enttäuscht fest.
Oliver zog verwundert die Augenbrauen in die Höhe.
„Können wir schnell eins machen?“, bat Marco ihn.
Oliver ließ seinen Rucksack fallen und trat zu seinem Freund. Marco hielt das Handy neben seinen Kopf, um sie im Spiegel zu fotografieren.
Oliver wusste nicht, was er tun sollte. Was wollte Marco für ein Foto haben? Sollte er ihn küssen oder wenigstens seinen Arm um ihn legen? Er begnügte sich jedoch damit, so breit wie möglich in die Kamera zu grinsen. Marco tat es ihm gleich und lehnte sich so nah wie möglich an seinen Freund. Er drückte auf die Taste und zeigte Oliver wenig später das Ergebnis.
„Schön“, murmelte er und steckte lächelnd das Handy in seine Tasche zurück.

Schweigend liefen sie zu Marcos dunkelblauen Toyota. Olivers Wagen hatten sie am Parkplatz an der Uni stehen gelassen.
Sie mussten die ganze Münchner Innenstadt durchqueren, aber zum Glück hatten sie nicht mehr mit dem Berufsverkehr zu kämpfen, so kamen sie sehr schnell an ihr Ziel.
„Danke für den schönen Tag“, bedankte sich Oliver, als sie vor seiner Haustüre hielten.
„Gern geschehen. Ich hoffe, deiner Nase geht es wieder gut.“
„Die ist wieder völlig in Ordnung.“
„Schlaf gut, Oliver.“
„Du auch.“ Er beugte sich zu Marco und küsste ihn. Erst dann stieg er aus dem Wagen und lief zur Tür.
Seine Oma schlief wohl schon, denn es war ganz still im Haus. Er konnte Prinz erkennen, der auf dem Sofa schlief. Ganz automatisch beugte er sich nach unten, um unter die Möbel zu gucken, in der Hoffnung, Kaptain zu entdecken. Aber dann fiel ihm ein, dass der Kater ja draußen im Garten war. Ging es ihm gut?
Oliver schlich in sein Zimmer. Er schaltete das Licht ein und staunte für einen Augenblick lang. Da stand ein völlig neues Bett im Raum. Oliver trat näher. Es war viel größer als sein altes. Vorsichtig lehnte er sich auf die Matratze. Kein Quietschen war zu hören. Marco hatte es extra für ihn gebaut. Oder besser gesagt für sie beide, denn somit hatte Oliver keine Ausrede mehr, ihn nicht bei sich schlafen zu lassen. Stumm stand er mitten im Raum und lächelte.
Er trat ans Fenster, um nach Kaptain Ausschau zu halten, doch er sah nur völlige Dunkelheit. Von einer Katze war weit und breit keine Spur.
Er löschte das Licht und trat zu seinem neuen Bett. Er kroch unter die Bettdecke und kuschelte sich wohlig ein. Ein letztes Mal griff er zu seinem Handy, um seine Nachrichten zu checken. Dabei fiel ihm auf, dass Marco das Bild von ihnen im Schwimmbad sofort als Profilbild eingestellt hatte. Er grinste. Schnell machte er einen Screenshot vom Bild und stellte es auch als sein Profilfoto ein. Marco würde sich darüber sicherlich darüber freuen.



Sie macht einfach nicht Klarschiff
auch keine Karten auf den Tisch
dachte, dass ich sie durchschauen kann aber irgendwie auch nicht
Ihre Blicke kalkuliert, ihre Gesten auf den Punkt,
meine Hände sind nervös vielleicht dreh ich mich nochmal um
Es war zufällig, dass sie nebenan eingezogen ist
und ihre Wohnung auch ganz oben ist bei mir
Und wenn wir uns sehen spielst du gelegentlich Roulette mit mir
Ich bin der Einsatz den du gern riskierst
am Ende werd ich sowieso verliern,
denn ich spiel eigentlich nur Schach
und du setzt mich Schachmatt

Svenni
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Re: Ich muss mich in dich verlieben

Beitragvon Svenni » 30 Mai 2017, 19:53

Verzeiht mir, normalerweise hab ich alles schön ordentlich formatiert, aber das gelingt hier irgendwie nicht :(

Svenni
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Re: Ich muss mich in dich verlieben

Beitragvon Svenni » 07 Jun 2017, 19:26

Kapitel 12





Ein paar Tage später betrat Oliver mit Marco händchenhaltend das Haus seiner Oma. Marco hatte ihn gerade von der Uni abgeholt und eigentlich hatten sie vor, in Olivers Zimmer und in seinem neuen Bett gemütlich einen Film anzuschauen.

Doch kaum hatten sie die Haustüre hinter sich gelassen, sahen sie Olivers Oma, die im Wohnzimmer auf der Couch saß und ein Fotoalbum auf ihren Schoß hatte. Eine Träne lief ihr langsam die Wange herunter.

„Oma! Was ist los?“ Oliver ließ Marcos Hand los und stürzte zu seiner Großmutter.

„Ach Oliver, du bist schon wieder zurück?“ Sie blickte bestürzt drein. Mit dem Handrücken wischte sie sich über die Wangen.

„Was ist passiert?“ Oliver schielte auf das Bilderalbum vor ihr.

„Nichts. Ich habe mir nur alte Fotos angeschaut.“

„Von Opa?“

„Ja. Und das hat mich ein bisschen traurig gemacht.“

„Ach Oma...“ Oliver quetschte sich zu ihr auf das Sofa und legte seinen Arm um die zierliche alte Frau.

„Es sind einige echt schöne Fotos dabei. Und da kamen dann die Erinnerungen hoch.“

„Willst du darüber reden, Oma?“

„Nein. Das macht mich immer nur noch trauriger. Eigentlich sollte ich ja eher froh sein, dass wir ein so schönes Leben miteinander hatten.“

„Aber trotzdem ist es selbstverständlich, dass man hin und wieder traurig ist.“

Seine Oma versuchte zu lächeln. „Ich weiß. Aber ich denke dann immer daran, wie sehr er es gehasst hat, wenn ich traurig war. Er wollte immer, dass ich lache und nicht weine.Und daran versuche ich mich zu halten.“

„Das ist schön.“ Oliver wusste nicht, was er sagen sollte. Seine Oma strich sich die letzten Tränen weg und setzte dann wieder ein Lächeln auf.

„Mir ist vorhin etwas eingefallen“, meinte sie dann und winkte auch Marco näher an sich heran.

„Was denn?“

Seine Oma zog ein Foto aus dem hintersten Teil des Albums. Es zeigte eine schöne Blumenwiese an einem Waldrand. „Dein Opa und ich waren oft dort wandern. Angefangen, lange, bevor wir verheiratet waren. Wir sind den ganzen Tag durch die Wälder und Wiesen marschiert und sind keiner Menschenseele begegnet. Das war richtig romantisch. Wir haben dort auch in einem Zelt unsere erste Nacht miteinander verbracht. Und seitdem sind wir jedes Jahr dort wandern gewesen. Es war unsere kleine Tradition.“

„Und du möchtest, dass Marco und ich diese Tradition weiterführen?“

Seine Oma lächelte. „Ganz genau. Ich fände das richtig schön. Und dein Opa wäre wohl auch richtig glücklich darüber.“

Marco ergriff Olivers Hand. „Dann machen wir das doch, oder?“

„Das machen wir auf jeden Fall.“ Oliver war von der Idee richtig begeistert.

„Dann solltet ihr das aber relativ bald planen. Schließlich haben wir schon Ende Oktober und sonst wird es zum Zelten vermutlich zu kalt“, bedachte seine Oma.

„Wie sieht es dieses Wochenende aus? Geht das so kurzfristig?“, fragte Marco ihn, „oder hast du schon was vor?“

„Nein. Alles in Ordnung. Das Wetter müsste eigentlich auch passen. Dann gehen wir am Samstag los und kommen am Sonntag wieder?“

„Es sind insgesamt ungefähr 20 Kilometer und verläuft an der Grenze zu Österreich. Ich gebe euch eine Karte mit und ihr werdet den Weg sicherlich finden.“



Vorsichtig hob Oliver seinen Rucksack hoch und schulterte ihn probemäßig. Nichts drückte, die Träger waren auch richtig eingestellt und zu schwer war er auch nicht und das, obwohl Oliver seinen Schlafsack und das Zelt an ihm befestigt hatte.

Seine bequemsten Turnschuhe hatte er auch schon hervor gekramt, denn richtige Wanderschuhe hatte er nicht. Insektenschutzmittel, zwei saubere T-Shirts und seine Zahnbürste hatte er auch schon eingesteckt.

Seine Oma klopfte gegen seine Zimmertüre. Sie trug drei Tupperdosen in den Händen.

„Ich habe euch was Süßes als Nachspeise eingepackt“, verkündete sie, „dein restliches Essen hast du schon eingepackt, oder?“

Oliver schüttelte den Kopf. Er deutete auf den Berg Brottüten, Semmeln und die zwei großen Wasserflaschen. Wie sollte das alles noch in den Rucksack passen?

Er nahm ihn wieder von seinem Rücken, öffnete ihn und begann zu stopfen. Am Schluss passte wahrhaftig alles in das Gepäckstück und Oliver bekam sogar den Reißverschluss noch zu.

Er griff in seine Hosentasche und zog die Karte hervor. Sie zeigte mehrere Wanderwege in den Voralpen. Seine Oma hatte den richtigen farbig gekennzeichnet.

Er war nicht gut in Kartenlesen und sein Orientierungssinn war nur wenig ausgeprägt, er hoffte also, dass Marco mehr Talent hatte und sie sich nicht verirren würden.

Seine Oma umarmte ihn. „Viel Spaß euch beiden.“

„Danke. Das werden wir auf jeden Fall haben.“



Marco wartete schon mit einem breiten Grinsen in Gesicht vor seinem Auto. Man konnte ihn die Vorfreude direkt von seinem Gesicht ablesen.

„Da bist du ja endlich“, rief er Oliver zu.

„Ja, da bin ich. Bist du fertig? Können wir los?“

„Ich halte es vor Aufregung kaum noch aus“, lachte Marco und ließ sich auf den Sitz hinter das Lenkrad fallen. „Das Wochenende mit dir wird super werden.“

Oliver stimmte ihn zu.

„Kannst du das Navi einstellen? Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob ich sonst auf Anhieb zu dem Dorf finde.“

Oliver zog als Antwort die Karte aus der Hosentasche. Seine Oma hatte auf die Rückseite eine Adresse aufgeschrieben, an der ihre Wanderung begann und wo sie das Auto stehen lassen konnten.



Dank des Navigationsgerätes und der freien Straßen waren sie nach zwei Stunden beinahe am Ziel.

Sie fuhren durch kleine Dörfer und schmale Landstraßen entlang.

„Nur noch zehn Kilometer, dann sind wir in Österreich“, bemerkte Oliver. „Warst du hier schon mal?“

„Ja, als Kind war ich oft mit meinen Eltern in Mühldorf. Das liegt hier ganz in der Nähe. Und auch schon ein paar Mal in Österreich.“

„Wo warst du denn schon überall im Urlaub?“

„Ich war zweimal in Italien“, erklärte Marco, „und einmal in Kroatien. Letztes Jahr war ich mit David in Polen. Das war ganz lustig dort. Und du so?“

Oliver überlegte. „Ich war schon oft in anderen Ländern. Griechenland, Großbritannien, Italien am Gardasee, Ägypten, Tunesien und einmal sogar Teneriffa. Meine Eltern haben versucht, im Urlaub das gutzumachen, dass sie sonst tagtäglich nicht schafften.“

„Dann bist du schon oft geflogen?“

„Ja, ein paar Mal schon.“

„Wie ist das so?“

„Wie das so ist? Keine Ahnung. Bist du noch nie geflogen?“

Marco schüttelte den Kopf.

„Mal überlegen... Also es ist gar nicht so aufregend. Man sitzt ewig am Flughafen rum und wartet, bis man eingecheckt ist und seine Koffer abgeben kann. Und dann kann man ins Flugzeug und sitzt auf unbequemen Sitzen und wartet, bis man angekommen ist.“

„Hast du dabei aus den Fenster geschaut? Ist das nicht eine wahnsinnige Aussicht?“

„Ja, natürlich. Aber recht viel sieht man meist nicht. Erst recht nicht, wenn es bewölkt ist.“

„Ich würde gerne mal in den Urlaub fliegen“, gab Marco zu, „glaubst du, wir könnten das mal machen?“

„Sicherlich“, stimmte Oliver zu.

„Das fände ich richtig schön. Nach Amerika zum Beispiel. Was sagst du dazu?“

„New York wäre schon cool. Oder Los Angeles oder San Francisco.“

„In New York wohnt deine Mum jetzt, nicht wahr?“

Oliver nickte. Wenn er wirklich mit Marco in die USA fliegen würde, würde er dann seine Mutter suchen? Er wäre dann so nahe bei ihr, aber was sollte er ihr sagen? 'Hallo Mama, ich bin extra aus Deutschland angereist, nur um zu sehen, wie du jetzt so lebst. Ich bin Oliver, erinnerst du dich an mich?' Nein, das kam ihm viel zu dämlich vor.



„Glaubst du nicht, dass wir gerade eine Abfahrt verpasst haben?“, fragte Marco ihn und riss ihn aus seinen Gedanken.

„Ähm.“ Oliver schielte auf das Navi. „Stimmt. Wir hätten gerade rechts abbiegen müssen.“

Marco lachte: „Du bist ja ein guter Pilot.“ Er bremste ab und wendete den dunkelblauen Toyota auf einer Nebenstraße.

„Jetzt erst Mal gerade aus, dann an einem Kreisverkehr die dritte Ausfahrt nehmen und dann sind wir schon da“, verkündete Oliver, nachdem sie dieses Mal richtig abgebogen waren.

Keine zehn Minuten später fuhren sie einen Schotterweg entlang.

„Glaubst du, das ist richtig?“, fragte Marco nervös.

Der Weg wurde immer schmaler und Äste streiften das Autodach.

„Laut der Beschreibung meiner Oma müssten wir jetzt gleich zu einen Parkplatz kommen.“

„Das hoffe ich“, gab Marco zu, „denn umdrehen kann ich hier nicht mehr. Sonst rutschen wir in den Graben.“ Er blickte zweifelnd aus dem Seitenfenster.

„Bestimmt sind wir hier richtig.“ Oliver warf einen Blick auf das Navi, doch dieser Weg war hier gar nicht eingezeichnet. Laut dem Gerät fuhren sie querfeldein durch den Wald.

Er wollte dies gerade seinen Freund sagen, doch dann tauchte schon ein großer, freier Platz vor ihnen auf.

„Sehr gut, das müsste der Parkplatz sein, den deine Oma gemeint hat“, meinte Marco erleichtert, parkte seinen Wagen am Rand und stieg aus.

Oliver sah sich um. Sie waren mitten in Wald. Auf der anderen Seite stand ein dunkelgrüner Ford, sonst war der ganze Platz leer.

Marco schulterte bereits seinen Rucksack. „Hier sind wir ja richtig abgelegen“, bemerkte er und sprach somit Olivers Gedanken aus. „Ich glaube nicht, dass wir viele Menschen begegnen werden.“

„Nein, das glaube ich auch nicht.“

„Ist doch so viel schöner. Nur wir beide.“



„Wo fängt der Weg jetzt eigentlich an?“, fragte Oliver und wollte schon seine Karte aus der Tasche ziehen.

Marco deutete mit den Finger nach vorne. „Dort vorne ist ein kleiner Pfad. Ich bin mir sicher, dass das der richtige ist.“

„Wenn du meinst.“

Marco zuckte mit den Schultern. „Sonst gibt es hier nur den Weg, den wir her gefahren sind.“



Auch Oliver griff jetzt nach seinen Rucksack und setzte ihn auf. Marco überprüfte, ob alle Türen des Wagens abgeschlossen waren und marschierte dann zielsicher auf den Pfad zu. Oliver folgte ihm.

Sie redeten und lachten miteinander, während sie den Waldweg entlang liefen. Anfangs war es noch sehr entspannend, aber umso länger sie unterwegs waren, umso steiler wurde die Route.

„Ich brauche eine Pause“, keuchte Marco nach anderthalb Stunden und ließ sich zugleich auf den Waldboden fallen.

Oliver tat es ihm gleich. Auch er war ziemlich ins Schwitzen gekommen und hatte schon seine Jacke aufgeknöpft.

Marco zog eine Wasserflasche aus seinem Rucksack, nahm einen Schluck und gab sie an Oliver weiter. „Ich bin Bergsteigen nicht mehr gewöhnt.“

„Ich auch nicht. Ehrlich gesagt ist es das erste Mal, dass ich eine richtige Wanderung mache.“

„Wie meinst du das?“

„Na ja. Wir haben früher höchstens ein paar kurze Spaziergänge gemacht. Aber da meine Eltern sich eh immer den ganzen Weg über gestritten haben, haben wir schnell damit aufgehört.“

„Das ist ja traurig. Wir waren früher oft wandern. Aber Nina hat da mittlerweile gar keine Lust mehr. Es ist ihr viel zu langweilig, den ganzen Tag umher zu marschieren und ihrer Meinung nach nichts zu erleben.“

„Jeder wie er meint.“ Oliver stand auf und klopfte sich den Schmutz von der Jeans. „Lass uns weiterlaufen, wir haben noch ein gutes Stück vor uns.“



Die Sonne war bereits untergegangen, als sie an eine Lichtung kamen. Etliche Bäume waren abgeholzt und nur die Stümpfe und paar verdorrte Büsche waren übrig.

Marco blieb erneut stehen. „Das ist der optimale Platz zum Zelten, was meinst du?“

„Ja, hier ist es schön.“

Marco ließ seinen Rucksack fallen und gemeinsam liefen sie die Lichtung ab, um einen Platz zu finden, der möglichst eben war.

„Weißt du, wie man ein Zelt aufbaut?“, fragte Oliver.

„Nein. Es ist schon Jahre her, als ich das letzte Mal zelten war. Aber wir werden das bestimmt schaffen.“



Eine halbe Stunde später saßen sie umringt von Stangen und Planen auf den Waldboden. Marco fuhr sich nervös durch die Haare.

„Ich glaube, diese Stange kann man mit dieser hier zusammen stecken.“ Er ergriff beide und schraubte sie zusammen.

„Gut. Aber wie sollen denn die beiden Querstangen dann halten? Die müssen ja auch irgendwo hin.“

Marco verdrehte die Augen. „Man, ist das kompliziert. Am besten schlafen wir einfach unter freiem Himmel.“

„Ich glaube, dass das keine gute Idee ist.“ Oliver schielte zum Himmel empor. Große Wolken hatten sich im Horizont gesammelt und es sah aus, als würde es bald zum Regnen anfangen. „Wir werden das schon irgendwie schaffen.“

Er nahm seinem Freund die Stangen ab, betrachtete sie einen Moment lang und befestigte dann zwei miteinander. „Eine Anleitung hast du nicht mitgenommen?“

„Nein. Ich hätte nicht gedacht, dass wir eine brauchen.“



Eine Stunde später stand das Zelt. Zwar mehr schlecht als recht und Oliver hoffte, dass es nicht bei der kleinsten Böe weg fliegen würde.

Sie saßen gemeinsam auf dem Waldboden, Marco wühlte in seinem Rucksack und reichte seinem Freund anschließend ein Butterbrot. Dieser biss genüsslich ab. Er hatte gar nicht gemerkt, was für einen großen Hunger er mittlerweile hatte.

„Es ist so schön hier“, flüsterte Marco.

Oliver konnte ihm nur zustimmen. Vögel flogen über sie durch die Luft, Insekten zirpten und von irgendwo her schrie ein Kuckuck.

Wie er vorausgesehen hatte, waren sie bisher keinem einzigen Menschen begegnet. Aber das machte ihm auch ein wenig Sorgen. Was, wenn sie sich verirren würden? Wie sollten sie dann wieder zurück finden?

Aber er verwarf den Gedanken schnell wieder. Er wollte jetzt nicht darüber nachdenken.

Ein Tropfen fiel vom Himmel und landete auf Olivers Nasenspitze.

„Och ne, jetzt fängt es zum Regnen an“, jammerte Marco, „ich hoffe, dass das Zelt dicht ist.“

Ehe es stärker zum Regnen anfangen konnte, krochen sie durch den Eingang in das kleine, aber kuschelige Zelt. Ihre Schlafsäcke hatten sie schon ausgebreitet und Oliver ließ sich sofort nach hinten fallen. „Also bequem ist es hier auf alle Fälle“, bemerkte er.

„So soll es sein.“ Marco legte sich sofort neben ihn.

Oliver war nervös. Er wusste nicht so recht, was er jetzt tun sollte. Marco hatte es sich in seinen Armen bequem gemacht und atmete ganz ruhig.

Im Zelt wurde es immer dunkler. Er konnte noch immer den Kuckuck hören, der irgendwo im Wald schrie. Und direkt neben ihrem Zelt klopfte ein Specht an einem Baum.

„Weist du, das du richtig hübsch bist?“, fragte Marco urplötzlich.

„Was?“

„Du bist richtig schön“, wiederholte Marco.

Oliver wusste daraufhin keine Antwort. „Ähm, danke“, brachte er gerade so zwischen seinen Lippen heraus.

„Freust du dich nicht darüber?“

„Doch. Doch, natürlich.“

Eine Hand legte sich auf seine Wange und streichelte sie.

„Wieso bist du dann immer so nervös?“

„Ich bin nicht nervös“, versuchte sich Oliver zu rechtfertigen, merkte aber, dass das keinen Sinn hatte.

„Natürlich bist du es. Und ich frage mich, wieso.“

„Das weiß ich selbst nicht so genau“, seufzte Oliver.

„Versuch dich doch einfach mal zu entspannen.“

„Na, das ist leichter gesagt als getan.“

„Ich helfe dir dabei“, flüsterte Marco. Er ließ die Hand an Olivers Wange nach oben wandern, wuschelte durch seine Haare und fuhr dann mit seinen Fingerspitzen hauchzart über seine dessen Lippen.

„Du bist wirklich so schön“, wisperte er dann.

Oliver legte seinen Arm um Marcos Hüfte und zog ihn nahe an sich, um ihn zu küssen.

„Es ist so toll, neben dir zu liegen“, offenbarte Marco anschließend.

„Ja, da hast du recht.“

„Ich war früher mit Nina oft zelten. Aber meistens im Garten oder am See. Noch nie mitten im Wald.“

„Hier sind wir wirklich alleine“, stellte Oliver fest.

„Hier bekommt niemand mit, was wir machen. Und auch niemand kann uns hören.“

Oliver wurde augenblicklich ganz flau im Magen. Was wollte Marco damit nur anspielen?

Er hatte gar keine Zeit, irgendetwas zu antworten, denn sein Freund hatte sofort einen neuen Kuss auf seinen Lippen platziert. Diesmal ließ er auch nicht so schnell wieder von ihm ab.

Ganz energisch presste er seine Lippen auf Olivers und lächelte kurz, als dieser den Kuss erwiderte.

„Es ist alles okay“, sprach Oliver zu sich selbst, „wie Marco schon sagte – du musst dich nur entspannen.“

Und es gelang ihm sogar. Einigermaßen zumindest. Er konnte den Kuss sogar genießen.

Er erschrak kurz, als Marcos Hand unter seinen Pullover gewandert war. Ganz automatisch verkrampfte er sich.

„Nicht doch“, flüsterte Marco, „versuche es, zu genießen.“

Und das versuchte Oliver wirklich. Er versuchte, alle Ängste über Bord zu werfen und sich nur auf Marcos Berührung zu konzentrieren.

Marcos Finger kraulten seinen Bauch unterhalb seines Bauchnabels und wanderten dann weiter nach oben. Olivers Shirt schob er dabei mit.

Als Marco dann noch begann, seinen Bauch und den unteren Teil seiner Brust zu küssen, fiel ein weiterer Teil seiner Anspannung ab.

Das war jetzt doch ganz schön, musste er zugeben.

„Tu deine Arme hoch“, forderte Marco ihm leise auf.

„Mhm?“ Oliver zögerte, hob aber doch seine Arme und ließ sich seinen Pullover ausziehen.

Sofort bildete sich eine Gänsehaut auf seiner Brust. Diesmal jedoch, weil es ohne Oberteil ziemlich kalt war. Marco setzte sein vorheriges Tun fort. Er streichelte Olivers kompletten Oberkörper entlang und platzierte mehrere Küsse auf ihn.

„Alles okay?“, fragte er ihn währenddessen.

„Ja...“, presste Oliver zwischen seinen Lippen hervor.

„Dir gefällt das?“

„Schon, ja.“

„Aber?“

„Es ist arschkalt“, antwortete Oliver und versuchte, sein Zittern zu unterdrücken.

„Oh.“ Marco schien kurz zu überlegen. „Dann machen wir doch am besten im Schlafsack weiter.“

Oliver dachte für einen Augenblick, dass Marco vor hatte, sich zu zweit in einen Schlafsack zu legen. Das wäre wohl sehr eng geworden. Aber Marco blieb neben ihm liegen und öffnete nur den Reißverschluss am oberen Teil von Olivers Schlafsack, sodass er ihn weiterhin streicheln konnte.

„Oder soll ich lieber aufhören?“, fragte er.

„Nein, es ist alles okay“, flüsterte Oliver.

Marco strahlte. Er legte sich auf die Seite und begann von Neuem die Haut seines Freundes zu berühren und zu liebkosen.

Oliver schaffte es dieses mal wirklich, sich zu entspannen und seinen Kopf zu leeren.

Das, was Marco mit ihm machte, war tatsächlich schön. Es fühlte sich gut an.



Er erschrak, als Marcos Hand sich auf seine Jeans legte. Er bäumte sich auf, doch Marco drückte ihn sanft zurück in die Kissen.

„Alles ist okay. Leg dich wieder hin, in Ordnung?“

Oliver tat ihm den Gefallen, aber die Anspannung hatte sich erneut in seinem Körper gesammelt. Am liebsten hätte er Marcos Hände weggestoßen, die jetzt den Knopf seiner Hose öffneten. Er wollte das nicht – oder? Er wollte Marcos Hände nicht in seiner Hose haben – oder? War er sich da wirklich sicher?

Sein Freund ließ ihm jedoch keine Zeit zum Nachdenken. Mit einem Ruck zog Marco ihm seine Jeans mitsamt Boxershort nach unten und er lag jetzt völlig nackt in seinem Schlafsack.

Er war froh, dass es mittlerweile im Zelt stockdunkel war und er somit Marcos Gesicht nicht sehen konnte.

Marco küsste sein ganzes Gesicht ab, während er seine Hand auf Olivers Mitte legte und ihn jetzt auch dort sanft streichelte.

Oliver ballte seine Hände neben sich zu Fäusten. Er war total überfordert. Er wusste nicht, was er machen sollte. Er wusste nicht einmal, ob er die Berührung genoss oder ob es ihm unangenehm war. Aber er wollte auch Marco nicht bitten, aufzuhören.

Immer wieder wurde ihm ins Ohr geflüstert, dass alles okay sei und er sich nur zurück lehnen musste. Aber das war leichter gesagt als getan.

Oliver legte seinen Kopf auf das kleine Kissen und schloss die Augen. Er versuchte, an nichts zu denken. Und irgendwann gelang es Marco, ihm durch seine Berührung zu erregen. Es gefiel ihm schließlich sogar.

Aber er stellte sich vor, dass es Tanja war, die zwischen seinen Beinen kniete und ihm einen runter holte. Er konnte den Gedanken nicht zulassen, dass Marco dies tat.







Ich will mich nicht verändern, um dir zu imponieren

nicht den ganzen Abend, Probleme diskutieren

aber eines geb ich zu, das was ich will bist Du!


Ich will nichts garantieren, was ich nicht halten kann

will mit dir was erleben besser gleich als irgendwann

und ich gebe offen zu, das was ich will bist Du!


Ohne dich schlaf ich heut Nacht nicht ein

Ohne dich fahr ich heut Nacht nicht heim

Ohne dich komm ich heut nicht zur Ruh

Das was ich will bist Du!





Song: https://www.youtube.com/watch?v=SoZ8naG0sj0

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Re: Ich muss mich in dich verlieben

Beitragvon Simson » 13 Jun 2017, 22:39

:-? Hmm- und nun ?
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Re: Ich muss mich in dich verlieben

Beitragvon Svenni » 14 Jun 2017, 20:06

Sorry. lag diese Woche im Krankenhaus und konnte kaum weiterschreiben. Aber ich gebe mein bestes vielleicht ist am Wochenende schon das Kapitel fertig

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Re: Ich muss mich in dich verlieben

Beitragvon Simson » 14 Jun 2017, 23:14

Das "und nun" bezog sich eher auf die verzwickte SituatIon zwischen Oliver und Marco. Ich wollte dich nicht drängen :D
War hoffentlich nix schlimmes im Krankenhaus :( und dir geht es wieder gut ?
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Re: Ich muss mich in dich verlieben

Beitragvon Simson » 26 Jun 2017, 22:51

:flag:
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Re: Ich muss mich in dich verlieben

Beitragvon Svenni » 28 Jun 2017, 20:20

Danke der Nachfrage. Mir geht es wieder besser :) Ich hab nur zu wenig Blut im Körper und kippe deshalb ständig weg ^^

Diesmal hat es ein bisschen länger gedauert, aber hier ist das neue Kapitel


Kapitel 13

Marco schlief längst neben ihm. Oliver konnte seinen gleichmäßigen, leisen Atem hören. Marco hatte seinen Arm um ihn gelegt und seinen Kopf auf seiner Schulter platziert.
Olivers Arm wurde durch dieses Gewicht jedoch ziemlich belastet und er schmerzte ihm bereits. Aber er wagte nicht, seinen Freund zu wecken.
Währenddessen lag Oliver im dunklen Zelt und starrte Löcher in die Luft. Er dachte, wie so oft, über sich und Marco nach. War sein Freund glücklich mit ihm? Oliver wusste es nicht, aber er hoffte es. Marco war so nett und Oliver wollte nicht, dass der Blonde seinetwegen traurig war. Aber das war alles so kompliziert. Er fühlte nichts, wenn Marco ihn küsste. Es gefiel ihm zwar, wenn er gestreichelt wurde, aber es löste kein Feuerwerk in seinem Körper aus. Und er konnte es sich überhaupt nicht vorstellen, Marco nackt sehen zu müssen. Aber das würde bald der Fall sein. Irgendwann würde Oliver auch an ihn ran müssen. Es sei denn, er wollte Marco noch trauriger machen, indem er noch länger wartete.
Oliver biss sich genervt auf die Lippe. Scheiße! Wieso war das alles nur so schwierig?! Konnte er sich nicht einfach in Marco verlieben? Wieso gelang ihm das nicht?
Marco grunzte im Schlaf, drehte sich kurz und kam noch mehr auf Oliver zum Liegen.
Oliver seufzte. Er wusste nicht, ob er in dieser Nacht überhaupt noch zum Schlafen kommen würde.
Mit seinen Fingerspitzen fuhr er ganz vorsichtig Marcos Wirbelsäule empor. Marco hatte seinen Pullover kurz bevor er in seinen Schlafsack geklettert war, ausgezogen. Oliver hatte automatisch seine Augen geschlossen und er wusste auch nicht, ob Marco seine Hose anbehalten hatte oder ob er wie Oliver selbst ohne Kleidung im Schlafsack lag.
Olivers Bauch grummelte, als ihm einfiel, dass er sich am Morgen wohl komplett nackt vor seinem Freund zeigen musste. Oder würde es ihm gelingen, sich aus den Schlafsack zu schälen und seine Klamotten anzuziehen, ohne dass Marco ihn dabei beobachten konnte? Es schien fast unmöglich.

Plötzlich hob Marco seinen Kopf. Verschlafen blinzelte er seinen Freund an. Oliver hörte sofort auf, Marcos Rücken mit seinen Fingern zu massieren.
„Nicht aufhören“, murmelte Marco schlaftrunken.
„Okayyy.“ Fast schon schüchtern setzte Oliver die Berührung fort. Er bereute es schon fast, überhaupt damit angefangen zu haben.
Marco rutschte noch ein Stückchen näher an ihn ran und nahm anschließend Olivers zweite Hand in seine. Diese legte er sich selbst auf seine Brust.
„Es ist alles okay“, flüsterte Marco wie so oft.
Oliver wusste, was sein Freund von ihm erwartete. Ganz langsam strich er mit seiner Hand über dessen Brust und seinen nackten Bauch. Er spürte die weiche Haut und die Bauchmuskeln seines Freundes.
Marco lächelte. Er ließ seinen Kopf nach Hinten fallen und genoss förmlich die Berührung.
Oliver strich abwechselnd über die rechte und die linke Brustwarze und traute sich schließlich sogar, einen Kuss auf ihnen zu platzieren.
„Es ist so schön mit dir“, wisperte Marco.
Oliver wusste nicht, was er antworten sollte. Er hatte auch keine Ahnung, was er tun sollte. Gefiel Marco wirklich, was er machte? Oder tat er nur so?
Mit seinen Fingern drückte Marco sanft das Gesicht seines Freundes nach oben und drückte einen Kuss auf dessen Lippen.
Mit der anderen Hand schob er Olivers Finger immer weiter Richtung Körpermitte.
Oliver bekam das natürlich mit und war anfangs sehr erschrocken. Er wusste, was Marco wollte, was er von ihm erwartete. Er wollte, dass Oliver ihn genauso berührte, wie er es vor ein paar Stunden getan hatte.
Aber... Aber... Was sollte er nur machen? Oliver wollte das nicht. Er wollte keinen anderen Mann so berühren. Aber hatte er eine Wahl? Marco würde sehr enttäuscht sein, wenn er es nicht tun würde.
Seine Hand hatte mittlerweile den Bund von Marcos Boxershort erreicht. Oliver war sehr froh, dass Marco dieses Kleidungsstück anbehalten hatte. Doch Marco hob den Bund seiner Shorts ein wenig hoch und führte Olivers Hand darunter.
„Mach es einfach“, flüsterte Oliver in die Stille, darauf bedacht, dass Marco dies nicht hörte. Augen zu und durch.
Marco keuchte leise auf. Eine Gänsehaut bildete sich auf Olivers Unterarmen.
Seinen ganzen Mut zusammen nehmend schob er seine Hand die letzten drei Zentimeter nach unten, spürte kurze, krause Haare an seinen Fingern und schließlich Marcos Glied.
Dieser schloss genießerisch die Augen und presste seine Lippen auf Olivers.
Oliver betete, dass Marco nicht all zu lange brauchen würde, ließ seine Hand dann abwechselnd auf und ab gleiten und versuchte das zu machen, was Marco wollte.

Während der restlichen Wanderung sprachen sie kein Wort über das, was sie im Zelt gemacht hatten. Oliver war darüber mehr als froh. Er wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Er war eher froh, dass er es hinter sich hatte. Aber Marco würde es bald wieder wollen, oder?
Seit Stunden stapften sie schon durch den Wald. Mal ging es Berg auf, mal ging es Berg ab. Nur einem weiteren Pärchen waren sie in der ganzen Zeit begegnet. Es waren zwei ältere Personen gewesen, ein Mann und eine Frau. Händchenhaltend waren sie ganz locker den Berg hinauf geklettert, den Oliver und Marco gerade hinunter liefen. Oliver hatten die beiden sehr an seine Großeltern erinnert. Sie waren genauso glücklich wie sie durch diesen Wald gewandert.
Er nahm seinen Rucksack von den Schultern und nahm einen Schluck aus seiner Wasserflasche. Nur noch wenige Milliliter, dann würde sie leer sein. Auch das letzte Brot hatten sie schon auf gefuttert und nur noch ein paar Apfelschnitze waren übrig.
„Sag mal, müssten wir nicht so langsam wieder zurückkommen? Wir sind bestimmt schon mehr als 20 Kilometer gelaufen.“ Marco drehte sich zu ihm um und sah ihn verunsichert an.
„Ich weiß nicht. Wie spät ist es denn?“
„Schon beinahe halb vier“, bemerkte Marco mit einem Blick auf seine Armbanduhr.
„Du glaubst, dass wir uns verlaufen haben?“
Marco wurde augenblicklich bleich. „Ich hoffe nicht. Glaubst du es?“
„Ich kann es mir nicht vorstellen. Schließlich gab es in der ganzen Zeit nicht viele Abzweigungen, oder?“
„Nur die eine, weißt du noch?“
Vor ein paar Stunden waren sie an eine Weggabelung gekommen und hatten sich für einen Moment fragend angesehen. Schließlich hatten sie sich für den breiteren Weg mit wenigeren Brombeerhecken entschieden. Aber war das wirklich der richtige Pfad gewesen?
„Wir sind hier in Deutschland und nicht auf dem Appalachian Trail. Irgendwann kommen wir schon wieder raus.“ Oliver dachte zuversichtlich.
„Wir sind vielleicht sogar in Österreich“, lachte Marco, „aber du hast recht. Lass uns weitergehen. Oder willst du lieber umdrehen und zur Weggabelung zurück gehen?“
Oliver schüttelte den Kopf. „Das wäre nur Zeitverschwendung. Wir bräuchten sicherlich vier Stunden, bis wir dort zurück sind und dann ist ist es schon stockdunkel hier draußen.“
„Genau. Wahrscheinlich stehen wir in spätestens in einer halben Stunde am Auto.

Aber so war es nicht. Zwei Stunden später liefen sie noch immer kreuz und quer durch den Wald. Mittlerweile war sogar Oliver nervös. Was, wenn sie sich wirklich verirrt hatten? Wo und wann würden sie wieder raus kommen.
„Hast du immer noch kein Handyempfang?“, fragte er seinen Freund schon zum zehnten Mal.
Marco holte sein Handy aus der Hosentasche, löste den Bildschirmschoner und schüttelte dann den Kopf. „Wir sind mitten in der Pampa. Das ist echt beschissen.“
„Ich habe echt keine Lust, noch eine Nacht im Zelt zu schlafen“, bemerkte Oliver.
„Ach, das fände ich nicht schlimm. Es war schön, neben dir zu liegen.“ Marco grinste, doch Oliver schluckte trocken. „Aber ich bekomme so langsam Hunger.“
„Zwei Apfelschnitze haben wir noch. Willst du eins?“
Marco verneinte. „Die heben wir uns sicherheitshalber noch ein bisschen auf.“
Die Sonne ging unter, die Schatten der Bäume wurden länger und es würde nicht mehr lange dauern, bis es vollständig dunkel war.
Oliver hatte ein ganz komisches Gefühl im Magen. Er wollte es nicht zugeben, aber er fürchtete sich. Er hätte jetzt alles getan, nur um hier raus zu kommen. Verdammt – er hätte alles mit Marco getan, wenn sie dafür endlich den Parkplatz mit Marcos Toyota gefunden hätten.

Ehe sie sich versahen, war der Wald um sie herum in fast völlige Dunkelheit gehüllt. Ganz automatisch drängten sie sich näher zusammen.
„Was für ein Abenteuer“, wisperte Marco.
„Das kannst du laut sagen. Was sollen wir jetzt tun?“
„Wir haben zwei Möglichkeiten. Weiterlaufen oder hier bleiben.“
„Glaubst du wirklich, wir könnten den Weg im Dunklen finden?“
„Ich bezweifle es. Eher fällt einer von uns beiden hin und bricht sich das Bein.“
„Also bleibt uns nur eine weitere Nacht im Zelt übrig.“
„Scheint so.“ Marco fuhr sich durch seine Haare.
„Oma macht sich bestimmt große Sorgen“, überlegte Oliver.
„Ja, die Arme. Komm, lass uns das Zelt aufbauen.“
Diesmal stand ihr Schlafquartier deutlich schneller als in der ersten Nacht. Marco kroch als erster ins Innere. Oliver hatte erneut ein komisches Gefühl im Bauch. Er erinnerte sich nur zu gut daran, was er und Marco in der vorherigen Nacht getan hatten. Und er fühlte sich nicht bereit, es ein zweites Mal zu tun.
Doch zu seiner Freude schien auch Marco kein Interesse an seinen Körper zu haben, denn er kuschelte sich in seinen Schlafsack, zog die Decke über den Kopf, rutschte dann aber nahe an Oliver heran.
„Ich hoffe, morgen finden wir hier heraus“, flüsterte der Blonde in die Stille.
„Das werden wir. Irgendwann ist selbst der größte Wald zu Ende.“
„Ich hab Hunger.“
„Ich auch“, gab Oliver zu, „mein Magen knurrt richtig.“
„Kennst du Bear Grylls?“
„Ähm, ja. Wieso?“
„Der würde jetzt schon anfangen, Maden und Insekten zu essen. Oder wüsste, wie wir Fallen bauen könnten.“
„Du als Vegetarier möchtest Fallen bauen und Tiere fangen?“, Oliver konnte nur schmunzeln.
„In der Not isst man alles. Außerdem würde Bear Grylls hier sofort heraus finden. Für ihn wäre dieser Wald Kinderkram.“
„Ja, er würde uns auslachen.“
Marco legte seinen Kopf auf Olivers Schulter ab und war eingeschlafen.

Oliver konnte es kaum glauben, dass er endlich menschliche Stimmen hörte, nachdem er mit Marco nach einer weiteren unbequemen Nacht auf dem Waldboden bereits eine Stunde kreuz und quer durch das Gestrüpp gewandert war. Seine Füße schmerzten und auch Marco sah alles andere als fit aus.
„Hörst du das auch?“, fragte er aufgeregt.
Marco hob seinen Kopf. In den letzten fünfundvierzig Minuten war er nur lustlos vor Oliver her geschlendert.
„Da redet jemand.“
„Na Gott sei Dank“, seufzte Marco. Man konnte ihm die Erschöpfung und jetzt auch die Erleichterung deutlich ansehen.
„Komm, beeil dich“, forderte Oliver ihn auf und fing zum Joggen an.
„Pass auf, sonst fällst du noch hin“, rief Marco ihm zu, versuchte dann aber, schnell hinter seinem Freund her zu kommen.
Ein Mal rutschte Oliver tatsächlich beinahe auf den nassen Nadelboden aus, aber er fing sich schnell wieder. Dann konnte er sein Glück kaum glauben. Vor ihm liefen zwei Wanderer. Auf den zweiten Blick erkannte er, dass das das selbe Ehepaar war, das sie am gestern getroffen hatten. Da Pärchen, das seinen Großeltern so ähnlich sah.
„Na, wer seid ihr denn?“, fragte die alte Frau verwundert, als sie durch das Gestrüpp brachen und keuchend vor den beiden stehen blieben.
„Ihr seht aus wie zwei Waldgeister“, erkannte der Mann und lachte bellend auf.
„Wir haben uns verlaufen“, stellte Marco klar.
„Das dachte ich mir schon.“ Jetzt fing auch noch die Frau zum Lachen an.
Oliver waren sie irgendwie unsympathisch. Er konnte es kaum erwarten, sie und den Wald bald zu verlassen.
„Wir sind am Parkplatz von Mühlbach gestartet. Wissen sie, wie wir vielleicht dort hin zurück kommen?“ Marco klang schon voll verzweifelt.
„Diesen Weg habt ihr genommen und euch verlaufen? Wie geht das denn? Das ist der einfachste hier im Umkreis.“
„Ja, ich weiß.“ Oliver verdrehte die Augen. „Können Sie uns nicht einfach verraten, wie wir zum Parkplatz kommen?“
„Also...“ Der Mann keuchte zweimal lauf auf, ehe ihm ein neuer Lachanfall überkam. „Ihr geht jetzt noch einen Kilometer gerade aus und biegt dann bei der ersten Gelegenheit rechts ab. Da wird euer Wagen schon auf euch warten. Aber passt auf – sonst verirrt ihr euch abermals und landet noch am Knusperhäuschen.“
Sein Lachen klang jetzt wie das Knurren eines Wolfes.
„Komm.“ Oliver zog Marco ohne ein weiteres Wort zu dem verrückten Paar mit sich mit. Sie waren ihm mehr als unheimlich. Jetzt sah her überhaupt keine Ähnlichkeit mehr zu seinen Großeltern.
„Glaubst du, sie haben uns den richtigen Weg erklärt“, fragte Marco.
Oliver zuckte mit den Schultern. „Lass es uns hoffen.“
Noch lange hörten sie das angsteinflößende Lachen der Eheleute hinter sich.

Er glaubte schon fast, zum Heulen anfangen zu müssen, so machte sich die Erleichterung in ihm breit, als sie Marcos dunkelblauen Toyota entdeckten.
So lange hatten sie gesucht...
Mit einem lauten Aufschrei stürmten sie auf das Auto zu.
„Wir haben es geschafft“, jubelte Marco und ließ sich gegen Olivers Körper fallen.
Sie konnten es kaum erwarten, nach Hause zu kommen. Marco kletterte hinter das Lenkrad. „Ich glaube, irgendwo habe ich noch eine Flasche Wasser rum liegen.“ Suchend sah er sich im Auto um und ergriff dann eine halbvolle Mineralwasserflasche. Er nahm einen großen Schluck und reichte sie an Oliver weiter. „Köstlich.“

In Windeseile parkte Marco aus und raste den schmalen Schotterweg entlang. Sie wollten so schnell wie möglich nach Hause. Während der Fahrt telefonierte Oliver mit seiner Oma, die sich unglaublich erleichtert anhörte.
„Ich habe mir solche Sorgen gemacht“, schniefte sie ins Telefon, doch als Oliver von ihrem Missgeschick erzählte, musste sie lachen. Es war aber ein viel fröhlicheres und ansteckendes Lachen als das der alten Wanderer.
Oliver verzog seine Mundwinkel zu einem Grinsen. Was für ein Abenteuer!


I'm starting with the man in the mirror
I'm asking him to change his ways
And no message could have been any clearer
If you wanna make the world a better place
Take a look at yourself and then make a change



Song: [link href="https://www.youtube.com/watch?v=PivWY9wn5ps"]https://www.youtube.com/watch?v=PivWY9wn5ps[/link]

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Re: Ich muss mich in dich verlieben

Beitragvon Fireboy » 21 Jul 2017, 22:25

Oa schon fertig wann kommt denn ein neues kapitel^_^ echt gut geschriebn in 2 tagn verschlungen will unbediengt ein buch davon haben. ^_^

Re: Ich muss mich in dich verlieben

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