Hamsterrad mit ganz viel Salz

Platz für eure Beziehungsstories - fact and fiction
Gay Stories - keine Sexstories!
zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 26 Mai 2018, 20:46

Hallo an alle Mitleser,

auch ich starte nun mal nach langer Zeit eine schwule Geschichte. Sie orientiert sich sehr nah an tatsächlichen Erlebnissen, weicht aber in Einzelfällen davon ab. Ich schreibe daher in der Ich-Perspektive. Natürlich entsprechen sämtliche Namen nicht der Realität, sondern sind anonymisiert wiedergegeben. Ich lege dann einfach mal los...

***
Kapitel 1: Der Abschied

Nachdenklich stand ich da und blickte die Fassade des Hauses hinauf. Gelb war sie, gelb glänzend wie die Sonne, die immer noch an diesem schönen Mainachmittag die Straße hinaufleuchtete, gelb wie das Pollenmeer, das sich auf der anderen Straßenseite auf dem Auto meines Freundes ausbreitete. Gelb... ich hatte ein komisches Gefühl. Gelb, das war die Farbe zwischen Rot und Grün, die Farbe der Partei mit den Menschen mit den nicht ganz einfachen Vorstellungen. Die Farbe zwischen "es geht nichts mehr" und "es läuft fließend ohne Probleme". Gelb, wie die Vorwarnung, die ich dieses Mal Magnus nicht gegeben hatte. Ganz spontan hatte ich ich ihn besucht, ohne vorher was zu sagen, weil die geplante Verabschiedung am Flughafen nicht geklappt hätte. Ich seufzte, mein Blick blieb an der Haustür hängen. Meine Gedanken wanderten wenige Stunden zurück.

"Muss ich dazu noch was sagen?" Magnus guckte mich mit verdrehten Augen missbilligend an, als er mir die Tür aufhielt und mich in seine Wohnung einließ. Ich blieb im kleinen Flur stehen und stolperte dabei fast über den dort liegenden Staubsauger, während sich mein Freund daran machte, in der Küche auf dem Boden weiter klar Schiff zu machen. Denn schließlich wollte er in der Woche darauf in die USA fliegen. Strandurlaub in Kalifornien, das, was ihm schon länger vorschwebte. Schließlich hatte er sich vorgenommen, wenigstens einmal im Jahr über den Atlantik zu fliegen.
Meine Art, drei Wochen Urlaub zu machen, war das nicht, ich war noch kein einziges Mal geflogen. Ich brauchte im Urlaub Ruhe und Entspannung bei 25 Grad, und keine Partys bei brüllender Hitze. Mein Sommerurlaub dieses Jahr war ohnehin schon längst verplant gewesen, als ich Magnus noch nicht einmal kennengelernt hatte. Also hatte ich abgelehnt, als er mich gefragt hatte, ob ich ihn in die USA zu Julian hätte begleiten wollen. Julian, das war ein sehr guter Freund von Magnus, mit dem er vor Jahren mal für kurze Zeit in einer Beziehung zusammen gewesen war, mit dem er sich aber trotz der Trennung noch super verstand. Er war in die USA ausgewandert, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen, weit weg vom Leben in Deutschland. Natürlich hatte ich schon zu Beginn Bedenken gehabt, ob sich da vielleicht wieder was anbahnen könnte, doch Magnus hatte mich beruhigt, dass das schon längst vergessen sei und weder er noch Julian an so einem Wiederaufleben Interesse hätten. Ich konnte die beiden verstehen, ging es mir doch mit meinem allerersten Freund ähnlich.
Ich stand derweil immer noch im Flur, unsicher, ob Magnus meine Hilfe erwarten würde. Er wuselte konzentriert vor mir in der Küche herum, bis sein Blick meinen traf: "Du kannst dich ruhig ins Wohnzimmer setzen."
Entspannt drehte ich um, lief in die entgegengesetzte Richtung in den links angrenzenden Raum. An dem gewohnten Bett und dem Fernsehtisch vorbei nahm ich dort Platz, auf dem grauen Schlafsofa zwischen den beiden Bücherregalen, und erwartete jeden Moment, dass mein Freund kommen würde. Dieses Sofa. Nicht irgendeins. Es war das Sofa, auf dem wir uns das erste Mal geküsst hatten, überraschend, unvorhergesehen. Ich schweifte in meinen Gedanken zurück zum 17. Februar, diesem Tag des Jahres, und dachte daran, wie wunderschön das damals gewesen war. Ich hätte damals nicht gedacht, dass ich so schnell wieder einen neuen Freund haben könnte, nach den schwierigen Erfahrungen des Jahres 2017... Irgendwann, es waren gefühlt zwanzig Minuten vergangen, erschien auch Magnus, und ließ sich erschöpft neben mich auf das Sofa fallen, das merklich nachgab.
"Ich kann nicht mehr", keuchte er unverständlich, während er nach einer Flasche Wasser griff, die vor dem Sofa auf dem schwarzen Couchtisch stand. Ich legte meinen Arm um ihn, doch anders als noch beim vorigen Treffen blieb Magnus einfach so steif sitzen wie zuvor und blickte starr nach vorne, während sich auf seinem T-Shirt schon die ersten Schweißspuren abzeichneten. "Was mache ich als Nächstes?"
Fünf Minuten später saß er vor mir auf dem Boden, zwischen Couchtisch, Fernsehtisch und Bett, und prüfte gerade, was in seinen Trekkingrucksack noch alles hineinpassen würde, während ich auf der Bettkante saß und die dort sorgfältig aufgeschichteten Stapel musterte. Es mussten bestimmt fünfzehn verschiedene T-Shirts sein, eine Badehose, mehrere Jeans, mehrere kurze Hosen, etwas Unterwäsche und einige Paare Strümpfe. Einen Stapel reichte ich ihm nach dem anderen, und der Platz reichte nicht. Erst, als sich Magnus entschloss, ein paar Schuhe wieder herauszunehmen, klappte es.
"So! Ich muss jetzt noch mal nach der Wäsche im Trockenraum schauen", meinte Magnus seufzend.
"Ok, ist gut. Bis gleich", ich folgte ihm, immer noch auf der Bettkante sitzend, mit meinen Blicken, während er durch den Flur zur Wohnungstür schritt und sie hinter sich fallen ließ.
Ich überlegte, was noch zu machen wäre. Ach ja, das Geschirr in der Küche! Ich lief über den Flur in den Raum, vorbei an dem gewohnten großen Ikea-Regal mit Salatköpfen und Getränkeflaschen, das auf der linken Seite stand, und bog um die Ecke zur Küchenzeile. Tatsächlich war die Ablagefläche neben dem Spülbecken über und über voll mit ungespültem Geschirr , genauso wie der Küchentisch, der sich daneben befand. Ich hatte eine Vermutung, warum Magnus nicht zum Spülen gekommen war... ihm war es bestimmt während der letzten Woche genauso schlecht gegangen wie in den beiden Wochen davor. Ich seufzte, während ich mit der rechten Hand den Wasserhahn aufdrehte, nach dem Spülmittel griff und einen Spritzer zielgerichtet ins Becken gleiten ließ. Es war nicht einfach gewesen in der letzten Zeit mit Magnus - ohne "ich liebe dich", ohne Zeichen, dass er mich lieb hätte, ohne die gewohnten Emoticons in den WhatsApp-Chats. Sie wirkten nun nahezu emotionslos, ja nahezu teilnahmslos. Aber so war es eben nun mal, dachte ich mir. Ich hatte ja gewusst, was auf mich zukommen würde, als ich mich entschieden hatte, trotz seiner Depressionen mit Magnus zusammen zu bleiben. Ich hatte nur damals, ganz am Anfang, nicht geahnt, wie schwer sie tatsächlich waren.
Als ich gerade dabei war, den dritten Teller zu spülen, kam Magnus zurück und bemerkte am Klappern des Geschirrs, dass ich in der Küche war. "Was machst du denn da?", bog er um die Ecke.
"Ich hab gedacht, ich spül mal", antwortete ich beiläufig und drehte meinen Kopf in Magnus' Richtung.
"Wie spülst du denn?", echauffierte sich Magnus. "Gläser zuerst! Das wollte ich eigentlich später machen..."
"Hab nicht so viel Wasser eingelassen, um Wasser zu sparen", besänftigte ich ihn. "Und ich hab doch die Teller auch so ganz gut sauber bekommen, oder?" Ich griff nach seiner Hand und streichelte ihn.
Magnus seufzte tief und fing nun seinerseits an zu spülen, während ich nach dem Geschirrtuch griff, das über der Lehne des Küchenstuhls hing. Kaum zwanzig Minuten später sah alles wieder blitzblank aus, das Geschirr war verstaut, fertig für den Urlaub, und wenig später saßen Magnus und ich wieder auf der Couch im Wohnzimmer. Ich hatte das Bedürfnis, noch ein wenig mit ihm zu kuscheln und ihn zu küssen, doch irgendwie schien er damit nichts anfangen zu können, war er doch genauso starr und etwas erschöpft wie zuvor und schien er doch kaum Energie zu haben, mich von sich selbst aus küssen zu wollen. Ich bekam ein ungutes Gefühl. Es wäre wohl doch besser, aufzubrechen...
"Du, Magnus, ich würde dann den Zug um 18:14 nehmen. Möchtest du mitkommen?"
Mein Freund seufzte laut: "Ich kann nicht aufstehen..."
"Jetzt komm...", ich fasste ihn an den Armen und hob ihn sanft nach oben, was mir nicht ganz leicht fiel.
"Ich will nicht nach draußen in die Pollenschlucht", meinte er, "mein Auto ist ganz gelb voller Pollen."
"Ich fänds halt echt schön...", ich bewegte mich weiter in Richtung Flur, griff nach meinem Trolley, der vor dem Bücherregal stand, während mir Magnus langsam folgte, aber im Türrahmen des Wohnzimmers stehen blieb.
"Ok", seufzte ich. "Dann wünsch ich dir nen schönen Urlaub", meine Blicke wanderten über sein hübsches Gesicht.
"Danke", blickte mein Freund erschöpft zurück.
Ich trat noch einen Schritt näher an ihn und schloss meine Hände um seinen Rücken.
"Ich hab dich unendlich lieb."
"Ich weiß". Er lächelte.
Ich hob meinen Kopf an in Richtung seines Ohrs.
"Ich liebe dich."
Doch auch, als ich da wieder meinen Kopf auf Augenhöhe bewegte, kam keine Antwort, sondern nur ein mühsames Grinsen. Ihm schien es wirklich total schlecht zu gehen, dachte ich mir. Als ich ihn kurz darauf küsste, hatte ich das Gefühl, als würde er es mehr über sich ergehen lassen, als selbst Gefallen daran finden. Ich ging durch den kleinen Flur, aus der Wohnung nach draußen und konnte meine Blicke ewig nicht von Magnus lösen, während er schier ungeduldig schien und drängelte.
"Was ist denn los?"
"Nichts, nichts", meinte ich und ging die ersten Schritte in Richtung Treppe. "Erhol dich gut im Urlaub, und pass gut auf dich auf! Tschau!"
"Tschau!"
Ein letztes Mal blickte ich auf Magnus, als ich die ersten Stufen nahm. Auch er blickte mir nach, bis ich um die erste Biegung verschwunden war, und wenige Augenblicke später spürte ich die Wohnungstür ins Schloss fallen.

***

Kapitel 2: Sowas ist mir noch nie passiert...

Es war Samstag, der 17. Februar 2018. Wild und lustig wirbelte draußen an der Geislinger Steige der Schnee durch die Luft, während ich drinnen gelassen, aber freudig im ICE talabwärts fuhr, der sich ächzend mit 70 Stundenkilometern die engen Kurven hinabschlich. Schon so oft war ich diese Strecke gefahren, immer wenn ich Sebastian, meinen ersten Freund, an der badischen Bergstraße besuchte. Doch fast noch nie war ich direkt in der größten Stadt zwischen Ulm und Mannheim, der baden-württembergischen Landeshauptstadt, gewesen. Heute jedoch wollte ich mich dort mit Magnus treffen, den ich wenige Wochen zuvor im Internet kennengelernt hatte. Zuerst hatten wir uns eher schleppend unterhalten, doch das wurde immer besser, immer intensiver. Ob daraus wohl etwas werden könnte? Erwarte erstmal nicht zu viel, ermahnte ich mich, wer weiß, du hattest doch schon so viele Treffen...
Ich blickte aus dem Fenster. Gerade fuhr der Zug durch den Bahnhof Geislingen und weiter in Richtung Stuttgart, immer am Rand des Talkessels entlang mit schönem Blick auf die Württembergische Porzellanmanufaktur. Noch 30 Minuten waren es bis zu meinem Ziel. Ich konnte es kaum erwarten... Mein Smartphone vibrierte.
"Perfektes Wetter für einen Couchtag", las ich.
Ich lächelte und fing an zu tippen.
"Das hab ich mir auch gedacht.
Geislingen West, Kuchen, Gingen, Süßen, Salach, Eislingen, Göppingen. Bahnhof um Bahnhof zählte ich ab, während ich weiter mit Magnus auf WhatsApp schrieb. Bald kam Plochingen, dann Esslingen und irgendwann, schier unendlich weit weg, Stuttgart-Bad Cannstatt.
"Wartest du an Gleis 10 vorne?", fragte ich Magnus via WhatsApp.
"Wollte ich ... Bin spät dran", kam gleich zurück.
"Kein Problem", tippte ich ein, während mir Magnus versicherte, dass er dort hinkommen würde.
"Oki", entgegnete ich, "Der ICE hat auch geschätzt 2 Minuten Verspätung."
"Dann hab ich +5 mehr", las ich, als der Zug bereits aus dem Rosensteintunnel auftauchte und die Bahnsteige des Stuttgarter Hauptbahnhofs bereits in Sichtweite waren. Ich stand auf, zog meine Jacke, meinen Schal und meine Mütze an und setzte mir meinen Rucksack auf, bevor ich die wenigen Meter zur nächsten Tür ging. Es ruckelte. Die übliche scharfe Weiche an Gleis 10, an der vor wenigen Jahren schon ICs entgleist waren...
Die Bremsen begannen zu greifen. Der Zug hielt an. Zuerst musste ich die Leute vor mir noch durchlassen. Ich war angespannt, doch es dauerte nur wenige Sekunden, ehe ich ebenfalls aussteigen konnte.
Kaum zwei Minuten später stand ich schon an der Spitze von Gleis 10, doch Magnus war noch nicht da. Eine Minute verging, zwei, drei... Meine Ungeduld wuchs und wuchs... War es vielleicht der? Ich blickte einen Jungen an, doch der sah gar nicht so aus wie auf den Bildern, die mir Magnus von sich geschickt hatte. Hmmm...
Und da? Doch, das könnte er sein... Freudestrahlend lief ein Typ mit schwarzer Brille und dünner Jacke auf mich zu. Das musste Magnus sein! Noch drei Meter, zwei, eins...
"Hi", begrüßten wir uns fast gleichzeitig und gaben uns die Hand. Doch Magnus setzte sofort zu einer Umarmung an, die ich sehr gern erwiderte, und grinste mich fröhlich an. In dem Moment wusste ich, dass das was werden könnte. Könnte, wohlgemerkt. Aber ich musste erst noch abwarten, wie sich das Treffen entwickeln würde...

* Fortsetzung folgt *

Hamsterrad mit ganz viel Salz

Werbung
 

Benutzeravatar
Zuri
Star-Member
Star-Member
Beiträge: 2048
Registriert: 26 Mai 2014, 18:23
Wohnort: Hamburg

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon Zuri » 26 Mai 2018, 21:59

Hi Zwiebelfisch,

hab gerade angefangen, deine Geschichte zu lesen. Das erste Kapitel ist echt traurig, wenn man schon einen kurzen Einblick bekommt, worauf das, was im zweiten Kapitel beginnt, hinausläuft. Wenigstens weiß man aschon, dass ihr zusammenkommt :)

Man taucht richtig ein in deine Geschichte und kann die Emotionen der Charaktere regelrecht spüren. Dein Schreibstil gefällt mir :)Lass bitte möglichst bald in Form eines neuen Kapitels wieder was von dir hören :)

LG Zuri
"Sei du selbst. Alles andere wirst du eh verkacken" — Marie Meimberg

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 29 Mai 2018, 22:28

* Kapitel 2 - Fortsetzung *

Wir standen eine kurze Sekunde unschlüssig da, dann schlug ich Magnus vor, doch in die Stadt zu gehen.
"Gern - hast du dir was überlegt, wo du hinmöchtest?"
Ich lächelte. Magnus grinste zurück. Ich ließ meinen Blick über ihn wandern, von der kuscheligen Mütze, die er gerade aufhatte, bis hin zur orange-schwarzen Jacke. Magnus blickte neugierig zurück. Er war kleiner als ich. 1,87 und 1,72 waren halt doch ein paar Zentimeter Unterschied, dachte ich mir. Aber süß... richtig süß, so ein kleiner Typ...
"Nein, ich hab mir gedacht, wir schauen einfach spontan. Du kennst dich ja bestimmt aus."
"Also ich war noch nicht so oft in der Stadt richtig essen oder trinken", entschuldigte sich Magnus.
"Wir finden schon was." Ich klang entschlossen, während wir durch die linke Verbindung zwischen Gleishalle und Bahnhofsgebäude liefen, hoch über der Hauptbahnhof-Baustelle des Projektes Stuttgart 21, dessen Fundamente gerade am Entstehen waren, wie bei einem Blick aus den Sichtfenstern gut zu erkennen war. Es ging durch einen Seitenausgang nach draußen, zu der nächsten Fußgängerampel in Richtung Stadt. Erst jetzt bemerkte ich, dass es immer noch schneite, mit ein paar Tröpfchen Regen dazwischen. Weiß lag es in der Luft, weiß wie die leeren Seiten eines noch unbeschriebenen Buches, die sehnsüchtig darauf warteten, gefüllt zu werden. Ich war gespannt, was dieses Treffen mit sich bringen würde.
Wir liefen zusammen über die Königstraße bis zum Schlossplatz. Bei diesem Wetter war natürlich nicht viel los in der Haupteinkaufsstraße Stuttgarts, und wir mussten uns nicht durch Menschenmengen schlängeln, so wie ich fünf Jahre zuvor, als ich beim Tag der Deutschen Einheit zuletzt dort gewesen war. Wir plauderten locker miteinander, ein Wort ergab das nächste, ein Satz den nächsten, bis wir auf dem Schlossplatz angekommen waren. Plötzlich, aus unerfindlichen Gründen, fing Magnus plötzlich an zu kichern. Er kiekste wieder und wieder, bis er sich kaum mehr vor Lachen halten konnte. Ein lautes Lachen, tief aus dem Inneren, zwar fröhlich, aber irgendwie passte es nicht so ganz zu ihm. Irgendwie hatte ich das Gefühl, seine wirkliche emotionale Verfassung war in diesem Moment anders.
"Was ist denn los?", schüttelte ich den Kopf.
"Nichts, nichts", meinte Magnus, "weißt du, ich bekomm immer Lachanfälle. Ist halt so"
Zweifelnd schaute ich ihn an. Irgendwie war er mir in dem Moment nicht ganz geheuer. Ich war schon am Überlegen, ob ich das Treffen nicht möglichst schnell beenden sollte, doch irgendwas schien mich davon abzuhalten.
"Möchtest du lieber was richtig essen oder lieber in ein Café?"
"Mir ist ein Café lieber."
Wir liefen weiter durch die Stadt, weiter, immer weiter. Der Schneeregen nahm zu. Immer dichter und dichter wurden die Flocken, setzten sich auf meiner Jacke fest, meinem Rucksack, meiner Mütze. Die Leere der Stadt auch. Immer weiter und weiter wurden die Straßen, verschwanden die Menschen, die Eile der Stadt, die Betriebsamkeit. Irgendwann liefen wir nur noch zu zweit eine Gasse entlang und auf ein kleines Café zu, das sich in einem modernen Flachbau mitten auf einem Platz erhob.
Wir traten ein. Nachdem sich der Schleier auf meiner Brille gelichtet hatte, sah ich mich um. Nur noch wenige Sitzmöglichkeiten waren hier frei, genauer gesagt nur noch zwei, die einander gegenüber lagen. Schon eilte ein freundlicher Kellner auf uns zu.
"Bittesehr?"
"Wir bräuchten zwei Plätze. Wo wär denn noch was frei?", erkundigte ich mich.
"Hier", er wies uns die eben entdeckte Einheit zu.
Magnus und ich nahmen unsere Mützen und Jacken ab, ich stellte meinen Rucksack auf den Stuhl eines benachbarten Tisches, der bereits zum Teil von anderen Gästen beschlagnahmt war. Bevor wir unser Gespräch forderten, orderte ich eine heiße Schokolade und Magnus einen Cappuccino.
Sekunden, Minuten verflogen. Die Unterhaltung nahm Fahrt auf. Es ging um alles, um Ex-Freunde, Politik, meine Fahrt, seine Arbeit, seine Uhr als persönliches Erinnerungsstück an seine Großeltern. Mein Gefühl wurde immer positiver, vielleicht hatte ich Magnus vorhin am Schlossplatz falsch eingeschätzt. Ich nahm nur noch ihn wahr, alles andere darum herum war egal. Irgendwann, es mochten Stunden vergangen sein, grinste er und schaute mich von der Seite her an. Hmmm... ob er mich hübsch fand? Ich grübelte noch darüber nach, da setzte Magnus schon zu einer Frage an.
"Möchtest du mit zu mir in die Wohnung?"
Sofort kam der Gedanke in meinen Kopf, niemals nie beim ersten Treffen im Bett landen zu wollen, weil das viel zu schnell wäre und man es womöglich hinterher bereuen könnte. Ich zögerte.
"Du, ich weiß nicht..."
"Was ist denn?", Magnus schüttelte den Kopf.
Ich setzte an zu einem Satz, doch die Worte wollten mir nicht aus dem Mund kommen. Ich wollte ihn weder verprellen, noch wollte ich eine Gelegenheit verpassen, die sich womöglich sonst nicht mehr ergeben könnte. Andererseits... wenn mir in der Wohnung was passieren sollte, wüsste niemand, wo ich wäre. Ich blickte zur Seite, weg vom Tisch, überlegte eine Sekunde, zwei Sekunden, drei Sekunden...
Irgendwann wagte ich es wieder, Magnus anzusehen, dessen Augen genauso ruhig wie zuvor auf mir ruhten.
"Duu...", begann ich.
"Ja?" Magnus schob sein Kinn leicht nach vorne.
"Ich möchte nicht, dass da... dass da beim ersten Treffen zu viel passiert."
"Hmmm?"
"Du weißt ja, wir haben dadrüber schon geschrieben."
"Du, da brauchst du keine Sorge zu haben", beruhigte er mich. "Das wird nicht passieren."
Ich seufzte tief.
"Okay... dann komm ich mit."
Wir bezahlten, zogen uns wieder an. Der Schneeregen hatte immer noch nicht aufgehört. Quer durch Stuttgart ging es nun, gefühlt kilometerweit. Ich trabte mehr hinter Magnus her als neben ihm, denn ich hatte ja keine Ahnung, wo es hingehen sollte. Mir taten die Füße schon weh, als wir endlich vor einem gelben Haus ankamen, das sich in einer Seitenstraße befand und den Charme der 60er-Jahre verstreute. Magnus schloss auf, es ging einige Stockwerke nach oben. Nochmal ein drehender Schlüssel im Schloss, und schon standen wir zu zweit im Flur seiner Wohnung. Vor mir befand sich ein Schuhschrank, rechts daneben ein Regal für diverse andere Schuhe.
"Hier gehts rein", Magnus, der hinter mir stand, öffnete die linke Tür zum großen Wohn- und Schlafzimmer. Ich ließ den Blick durch den Raum schweifen. Sehr gepflegt sah es aus... linker Hand ein großer Kleiderschrank, gefolgt von einer kleinen Kommode, an der sich an der Wand entlang ein Schreibtisch mit PC und Drucker bis zum ersten Fenster anschloss. In der Mitte des Raumes trennte ein beidseitig benutzbares Regal, dessen Inhalt ich zunächst nicht wahrnehmen konnte, Arbeits- und Wohnbereich. Rechts des Regals befand sich ein gemütliches graues Sofa, hinter dem das Tageslicht des Winters durch das zweite Fenster fahl in den Raum schien, davor ein schwarzer Couchtisch. An der Wand folgte ein Würfel mit einer Wasserflasche darauf, daneben ein weiteres beidseitig benutzbares Regal mit vielen Büchern und Erinnerungsstücken, offenbar aus den verschiedenen Urlauben, von denen auch zahlreiche kleine Bilder an der Wand über dem Regal und dem Bett daneben zeugten. Zwei Flaggen zierten den Raum - einmal die der USA über dem Sofa, einmal die von Kanada über der Kommode. Ich fand es schön hier.
"Du warst wirklich viel unterwegs", ich trat in den Raum hinein und betrachtete die Bilder, während mir Magnus langsam folgte und auf Fragen von mir wartete.
"Das Bild kenn ich", meinte ich und wies auf ein Bild von Magnus mit einem Schaf, dass er mir bereits per WhatsApp geschickt hatte.
"Ja, das war in Irland 2016".
Wir begannen, uns über unsere verschiedenen Reisen auszutauschen, die wir schon unternommen hatten, er mit dem Flugzeug, ich mit dem Zug, bevor wir uns schließlich auf dem grauen Sofa niederließen, er vor der USA-Flagge, ich vor dem Fenster, sodass wir ums Eck saßen. Wir unterhielten uns weiter, immer weiter, es schien kein Ende zu finden. Ich fühlte mich ihm nah, näher als zuvor.
Irgendwann begann ich, ihm mit meiner Hand beim Unterhalten über seinen rechten Arm zu fahren, blieb aber dabei erst auf Distanz. Neugierig blickte er mich an.
"Du... wenn dich das stört, dann sags mir. Wenn ich dir zu nahe komme, dann sags mir."
Grinsend griff Magnus nach zwei Kissen und stopfte sie zwischen mich und sich, um dann doch "Nee, nee" zu sagen und weiter mit mir zu reden, über Reisen und Filme. Fünf Minuten mochten vergangen sein, da ergab sich eine Pause, in der wir uns anblickten und ich ihm abermals über seinen Arm fuhr, und näher zu ihm rutschte. Magnus folgte meinen Augen, legte sich dann auf die Kissen zwischen uns, ohne seinen Blick von mir abzulassen, und lag irgendwann genau unter mir. Ich blickte ihn an. Er guckte neugierig von unten zurück. Sein Gesicht bewegte sich leicht nach oben zu mir. Auch meines kam ihm näher, immer näher. Er war einfach süß, so knuddelig süß. Eh ich noch weiter überlegen konnte, überließ ich alles meinem Gefühl. Meine Lippen wanderten in Richtung der seinen. Zentimeter um Zentimeter, Millimeter um Millimeter kam ich ihm näher. Irgendwann fühlte ich seine feuchten Lippen. Es fühlte sich wunderschön an. Magnus erwiderte den Kuss und küsste nochmals zurück. Wir blickten uns an und waren sprachlos.
"Das ist mir noch nie passiert", meinte er.
"Mir auch nicht", entgegnete ich und rückte wieder näher an ihn heran. Wir begannen nun, uns innig zu küssen, minutenlang. Einfach nur schön...

* Fortsetzung folgt *

Benutzeravatar
Zuri
Star-Member
Star-Member
Beiträge: 2048
Registriert: 26 Mai 2014, 18:23
Wohnort: Hamburg

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon Zuri » 30 Mai 2018, 10:27

Wow, das Kapitel war... lang :D

Auch wenn ich selbst Depression habe, ist mir das mit dem Lachanfall neu. Hab das nur vom Erkonsum von Marihuana gehört...^^ Aber jeder Mensch ist anders. Und jeder Mensch reagiert sowohl auf Depression als auch auf Marihuana anders... :D

Wie dem auch sei — ich schweife ab. Also erst einmal muss ich sagen: Ich liebe lange Gespräche. Also kann ich verstehen dass das eine sehr angenehme Unterhaltung gewesen sein muss. Heiße Schokolade halte ich übrigens auch für eine gute Wahl (Y) ;-)

Ich schweife schon wieder ab. Hat er die Kissen zunächst als Grenze zwischen euch gestopft oder war das alles "geplant"? ^^ so viel zum Thema Prinzipien... :D aber wie gesagt: Jeder Mensch ist anders und nicht alles ist planbar. Ob deine Entscheidung, deinen Gefühlen zu vertrauen richtig war, werden wir ja sicherlich in den folgenden Kapiteln erfahren ;-)
"Sei du selbst. Alles andere wirst du eh verkacken" — Marie Meimberg

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 30 Mai 2018, 20:22

Hallo Zuri :)

Der Lachanfall ist ein charakteristisches Merkmal von Magnus. Anfangs kam er öfters vor, zum Ende hin dann gar nicht mehr. Aber da steckt tatsächlich was dahinter, was ich in späteren Kapiteln erklären werde.

Ja, die Kissen sollten sozusagen als Grenze zwischen uns dienen, aber ich vermute, dass das nicht ganz ernst gemeint war, sondern eher humorvoll. Das war dem Protagonisten am 17.2. aber noch nicht bewusst, sondern erst später, durch die ganzen Erfahrungen, die er mit Magnus durchleben sollte. Geplant war das Näherkommen tatsächlich vom Ich-Erzähler nicht - aber wohl von Magnus beabsichtigt, sonst hätte er ja das Angebot nicht gemacht, mit in die Wohnung zu kommen.

Genau, das mit den Gefühlen stellt sich im Laufe der Geschichte heraus :).

Benutzeravatar
Zuri
Star-Member
Star-Member
Beiträge: 2048
Registriert: 26 Mai 2014, 18:23
Wohnort: Hamburg

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon Zuri » 30 Mai 2018, 21:18

Okay, dann bin ich mal gespannt, wie's weitergeht :)

Es kommt doch immer alles anders. Und vor allem als geglaubt ;-)
"Sei du selbst. Alles andere wirst du eh verkacken" — Marie Meimberg

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 30 Mai 2018, 22:30

* Kapitel 2 - Fortsetzung *

Irgendwann lösten wir uns voneinander und setzten uns auf. Magnus blickte mich an.
"Möchtest du etwas zu trinken?"
"Was hast du denn da", fragte ich ihn.
"Wasser. Cola", lächelte er. "Ich kann dir aber auch Tee machen."
"Nein, danke, das ist schon in Ordnung", meinte ich und blickte durch das Fenster hinter mir nach draußen. Es war schon längst dunkel geworden, wir hatten es nur nicht bemerkt.
"Du, ich würde dann gern den Zug um 18:53 oder um 19:19 nehmen", meinte ich leise zu Magnus.
"Ist in Ordnung."
Ich stand auf und lief ein paar Schritte in Richtung PC. Magnus tat es mir gleich, wir blieben stehen und umarmten uns. Ich fasste sein Gesicht in beide Hände und streichelte an seinen Ohren entlang, bevor ich schließlich an seinen Schultern entlang nach unten rutschte und ihn abermals umarmte, während er mich die ganze Zeit festhielt und die Situation genoss. Genau in diesem Moment klingelte das Telefon, das sich wenige Zentimeter neben uns auf der Kommode befand. Magnus griff mit einer Hand nach dem tragbaren Gerät und hob ab.
"Ja? Ja, der ist da", er blickte mich an und streichelte mich. Es folgte eine lange Pause, in der der Anrufer wohl einiges zu erzählen schien.
"Ist in Ordnung", meinte Magnus. "Okay, dann telefonieren wir später nochmal. Tschau!" Er legte das Telefon zur Seite und umarmte mich wieder ganz, bevor er zu einer Erklärung ansetzte.
"Das war Julian. Er freut sich sehr, dass ich jetzt jemanden gefunden hab."
Ah, Julian - mir kam es in dem Moment wieder. Sein Ex und jetziger bester Freund, der in die USA ausgewandert war. Ich freute mich über seinen Zuspruch, hatte ich doch so etwas in meinen vorigen Beziehungen nicht erlebt. Ich küsste Magnus einmal, zweimal, dreimal... unendlich lange, bis mein Blick per Zufall auf die Uhr fiel: "Ich denke, wir müssen jetzt leider los", meinte ich und sah ihn schulterzuckend an.
Dreißig Minuten später standen wir am Stuttgarter Hauptbahnhof auf Gleis 2, wo der Regionalexpress nach Aalen heute außerplanmäßig abfuhr. Für den IC um 18:53 hatte es leider nicht gereicht, wir hatten gerade so seine Abfahrt mitbekommen, aber so hatte ich immerhin 20 Minuten mehr mit Magnus, der die Zeit genutzt hatte, um sich an einem Stand eine Butterbreze zu kaufen. Als wir uns wieder eine Weile unterhalten hatten, blickte ich ihn fragend an.
"Duu… ich möchte dich gern was fragen."
"Ja?", meinte er sanft.
"Wär es für dich okay... hier in der Öffentlichkeit... wenn ich dich küssen würde?"

* Fortsetzung folgt *

Benutzeravatar
Zuri
Star-Member
Star-Member
Beiträge: 2048
Registriert: 26 Mai 2014, 18:23
Wohnort: Hamburg

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon Zuri » 30 Mai 2018, 22:37

Tee klingt gut und Julian sympathisch (Y)

Und du verstehst dich auf Cliffhanger. Ich glaube, für Hereros wäre es nichtmal einer :D

Freue mich auf den nächsten Teil ;-)
"Sei du selbst. Alles andere wirst du eh verkacken" — Marie Meimberg

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 05 Jun 2018, 20:20

* Kapitel 2 - Fortsetzung *

Magnus blickte mich etwas unsicher an.
"Es tut mir Leid", er senkte den Kopf, "ich bin noch nicht soweit. Aber ich versprech dir, dass ich es irgendwann schaffen werde."
"Das ist doch kein Problem", meinte ich. "Das bekommst du schon hin. Aber mach dir keinen Druck."
Wir standen noch ein paar Minuten so da und unterhielten uns weiter, während der Regionalzug mit den Doppelstockwagen schon abfahrbereit auf dem Gleis stand. Doch irgendwann war die Zeit gekommen, uns für heute zu verabschieden.
"Also, ich steig dann mal ein", meinte ich zu Magnus. Wir schauten uns einen kurzen Augenblick an und umarmten und ganz fest.
"Wir sehen uns ja bald wieder. Machs gut!", ich winkte, trat die wenigen Schritte zur Zugtür und betätigte den Türöffner.
"Bis dann", rief mir Magnus hinterher.
Ich stieg in den Doppelstockwagen und drehte mich um, hielt zu ihm Blickkontakt. Irgendwann rauschten die Türen vor mir zu, irgendwann ruckelte es leicht, irgendwann setzte sich der Zug in Bewegung. Magnus stand immer noch auf dem Bahnsteig und winkte mir zu, bis ich ihn nicht mehr sehen konnte. Mein Smartphone vibrierte. Magnus hatte mir einen Kusssmiley geschickt, den ich erwiderte.
"Pünktliche Abfahrt", meinte er anerkennend.
"Stimmt."
Ich suchte nach einem freien Sitzplatz, den ich bald fand, und nahm Platz. Magnus und ich tippten noch eine Weile weiter, während ich mir überlegte, wem ich als Erstes von dem gelungenen Treffen erzählen wollte. Ja, Manuel und Samuel sollten es sein. Die beiden waren es, die mir in der schwierigen Schlussphase meiner letzten Beziehung mit Finn weitergeholfen hatten. Samuel war mit Finn sehr eng befreundet gewesen und war es immer noch, schließlich arbeiteten die beiden gemeinsam an einem Projekt in ihrer Freizeit, und so hatte ich in der Zeit, in der es für Finn zu schwierig gewesen war, mit mir zu kommunizieren, die Möglichkeit, über Samuel zu erfahren, was los war, und er gab mir auch Ratschläge, was ich tun könnte. Sicher nicht die beste Lösung, aber besser, als gar nichts zu erfahren. Nachdem ich zunächst Magnus Bescheid gegeben hatte, der sich sehr für mich gefreut hatte, seufzte ich und griff wieder zu meinem Smartphone, um zu sehen, ob eine neue Nachricht von Magnus da war.
"Sry das ich ich das nicht konnte... Dich zum Abschied in der Öffentlichkeit zu küssen", hatte er geschrieben.
"Nicht schlimm", meinte ich und ergänzte einen Kusssmiley. "Ich kann dich auch sehr gut verstehen."
"Du bist so lieb."
"Danke, du aber auch."
Während ich weiter mit Magnus schrieb, wechselte ich hin und wieder den Chat, um auch Samuel zu informieren. Hätte er mir nicht gesagt, dass Finn aktuell wohl eher nichts mehr mit mir probieren wollte, so wäre es vielleicht nicht zum Kuss mit Magnus gekommen... die Gedanken gingen mir durch den Kopf... Auch Samuel freute sich sehr, dass das Treffen so überraschend schön gelaufen war.
"Bist immer noch so erstaunt was da passiert ist oder hast es schon komplett realisiert?", meinte Magnus.
"Ein bisschen bin ich schon noch so - du auch?"
"Ich bin noch etwas sprachlos. Aber ändern würde ich es nicht wollen..."
"Ich auch nicht", meinte ich und schickte ihm abermals einen Kusssmiley.
Ich lehnte mich zurück und blickte aus dem Fenster. Wer hätte es gedacht, dass dieses Treffen so schön verlaufen würde?

***

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 05 Jun 2018, 20:30

Anmerkung: In einem Satz wurde ein Name vertauscht - so stimmt es:

"Nachdem ich zunächst Manuel Bescheid gegeben hatte, der sich sehr für mich gefreut hatte, seufzte ich und griff wieder zu meinem Smartphone, um zu sehen, ob eine neue Nachricht von Magnus da war."

Benutzeravatar
Zuri
Star-Member
Star-Member
Beiträge: 2048
Registriert: 26 Mai 2014, 18:23
Wohnort: Hamburg

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon Zuri » 06 Jun 2018, 10:53

Also hat der Ich-Erzähler wieder freundschaftlichen Kontakt mit seinem Ex Finn? Finde ich gut, wenn das danach wieder geht :) (Y)

Oder wird Finn noch ein Konkurrent von Magnus? Und was ist mit Samuel/Manuel?
"Sei du selbst. Alles andere wirst du eh verkacken" — Marie Meimberg

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 06 Jun 2018, 22:28

Was den Kontakt zwischen dem Ich-Erzähler und Finn betrifft: das klärt sich im allerletzten Kapitel. Es wird darin eine Überraschung geben ;-). Wie sich schon in Kapitel 1 und 2 andeutet, wird Finn kein direkter Konkurrent von Magnus, da sich die Zeiten, in denen er intensiveren Kontakt zum Ich-Erzähler hat und hatte, kaum mit denen überschneiden, in denen das bei Magnus der Fall war. Wieso und warum, das zeigen die nächsten Kapitel, die auch noch einige Hintergrundinformationen liefern, über die der Leser jetzt noch nicht verfügt.

Samuel und Manuel spielen zwar eine wichtige Rolle für den Ich-Erzähler, aber ihre Rolle beschränkt sich stets auf das rein Freundschaftliche. Das ist zwar auch äußerst wichtig - da diese Geschichte jedoch den Fokus auf Magnus legt, die Rolle von Samuel und Manuel die ganze Zeit über konstant bleibt und sich ihr Verhältnis zum Ich-Erzähler nicht ändert, kommen sie auch in den darauffolgenden Kapiteln nur am Rande vor.

Benutzeravatar
Zuri
Star-Member
Star-Member
Beiträge: 2048
Registriert: 26 Mai 2014, 18:23
Wohnort: Hamburg

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon Zuri » 07 Jun 2018, 11:38

So, so, so willst du deine Leser also nötigen, bis zum letzten Kapitel mitzulesen :P
Solange es bis dahin so interessant bleibt, wie jetzt... ;-)

Ja, wie du Manuel und Samuel beschreibst, ist der typische Stereotyp einer Nebenfigur. Evtl. trifft es hier sogar der englische Begriff supporting act besser.
"Sei du selbst. Alles andere wirst du eh verkacken" — Marie Meimberg

Jones13
new-boy
new-boy
Beiträge: 41
Registriert: 28 Feb 2018, 15:31

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon Jones13 » 09 Jun 2018, 08:06

Hey Zwiebelfisch :)

Ich finde deine Geschichte absolut Klasse! Dein Schreibstil gefällt mir, es liest sich sehr flüssig und es ist einfach eine schöne Story :)

Vor allem interessiert mich deine Geschichte, weil ich mich bisher sehr gut mit dem Hauptprotagonisten identifizieren konnte.

Freue mich auf das nächste Kapitel :)

LG Jones

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 18 Jun 2018, 21:29

Zuri hat geschrieben:So, so, so willst du deine Leser also nötigen, bis zum letzten Kapitel mitzulesen Solange es bis dahin so interessant bleibt, wie jetzt...


Ja, schließlich soll ja nicht alles im Voraus verraten werden, wenn schon die Geschichte anachronistisch erzählt wird ;-).

Jones13 hat geschrieben:Ich finde deine Geschichte absolut Klasse! Dein Schreibstil gefällt mir, es liest sich sehr flüssig und es ist einfach eine schöne Story Vor allem interessiert mich deine Geschichte, weil ich mich bisher sehr gut mit dem Hauptprotagonisten identifizieren konnte.Freue mich auf das nächste Kapitel


Danke für die Komplimente :). Ich kann nur nicht immer sagen, wie schnell ich zu einem neuen Kapitel komme, weil ich ich oft unterwegs bin und unter der Woche 40 Stunden schon an der Arbeit am PC sitze und nicht immer Lust habe, das daheim auch noch zu tun. Im Urlaub sollte ich aber zu mehr kommen, das dauert aber noch etwas :wink:.

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Werbung
 

Zurück zu „Schwule Geschichten“



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste