Hamsterrad mit ganz viel Salz

Platz für eure Beziehungsstories - fact and fiction
Gay Stories - keine Sexstories!
Benutzeravatar
Zuri
Star-Member
Star-Member
Beiträge: 2029
Registriert: 26 Mai 2014, 18:23
Wohnort: Hamburg

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon Zuri » 07 Jul 2018, 10:35

Markus hat geschrieben:Wie weit wärst du bereit bzw hast/hättest du ne Grenze wie weit du für einen Partner da wärst, wenn er z.b. eine Behinderung hätte/bekommen würde oder ne Krankheit (Krebs, Depressionen, ...) hätte? [...]

Das ist keine komische Frage — abgesehen vielleicht von der Situation, wenn man sie nicht kommen sieht. Eigentlich ist sie eher philosophisch. Und auch eine ganz wichtige Frage, die man sich gerne mal ohne Partner stellen sollte.
Ein entscheidender Faktor ist auch, dass man sich mit dem Thema vertraut machen sollte. Nicht selten hat man mit diesen Themen wenig Berührungspunkte und das führt zu Unsicherheit und auch ein bisschen Scheu.
Wenn sich man mit den Themen aber schon mal beschäftigt hat und Betroffene kennt, kann damit souveräner umgehen.

Ausgehend von deinem ersten Kapitel: Ist das die Leitfrage über der ganzen Sache mit Magnus?

Magnus schluckte und sah starr nach vorne, während ich ihn mit fragendem Gesicht anblickte.
"Du... also... ich hab Depressionen."

Also nicht nur das Coming-out mit Homosexualität, sondern auch Depression. Auch da gibt es noch ein ziemlich großes gesellschaftliches Stigma.
Das ist eine gewisse Doppelbelastung. Beide Sachen eignen sich auch leider gut für Bullshitbingo...

"Hattest du denn schon eine Therapie", fragte ich.
"Nein, leider nicht", antwortete er und drehte seinen Kopf in meine Richtung. "Ich bin nur bei einer Selbsthilfegruppe. Müsste mich mal auf die Suche nach einem Therapieplatz machen."

Einen Therapieplatz zu finden, ist heutzutage auch absolut nicht einfach. In Hamburg beispielsweise gibt es viel zu wenig Therapeuten mit Kassensitz. Alle anderen müsste man aus eigener Tasche bezahlen und kann höchstens versuchen, das von der Krankenkasse teilweise oder seltener ganz erstattet zu bekommen.
Das liegt nicht zuletzt am sogenannten Verteilungsschlüssel, der bestimmt, wie viele Therapeuten einen Kassensitz bekommen. Mehr gibt es nichts. Das sagt aber nicht, wie viele Stunden dieser Therapeut an Terminen vergibt. Wenn ein Therapeut kurz vor der Rente steht und nur noch halb so viele Stunden arbeitet, wird er weiterhin als ganzer Kassensitz gerechnet.
Auf der anderen Seite ist da noch die Ironie der ganzen Sache: Die Depression versucht ja gerade, Depressive die Fähigkeit zu nehmen, überhaupt irgendetwas selbst zu tun. Und dann soll man sich auf einmal selbst Hilfe suchen. Einige Therapeuten rufen z. B. nicht zurück, weil sie erwarten, dass man noch einmal nachfasst, um zu unterstreichen, dass es einem wichtig ist — ein Kraftakt, der in manchen Stadien der Depression schlichtweg unmöglich ist.

"Am Anfang gings ja", meinte er. "Aber letztes Jahr, so im Juni/Juli, da war es richtig schlimm."
"Was war denn da?", ich legte meinen Arm um ihn, während Magnus' Blick immer leerer wurde.
"Da wollte ich nicht mehr."
Ich seufzte. Das hatte ich überhaupt nicht erwartet.
"Ich hatte Gedanken", fuhr er fort und fuhr sich mit Daumen und Zeigefinger über die Nase, "aber den letzten Schritt, den hab ich nicht geschafft. Ich konnte es nicht."

Ja, ich habe auch einen echt guten Freund, der Suizid begehen wollte, aber es selbst nicht konnte. Das ist echt schlimm. In solchen Momenten sieht man, wer damit umgehen kann und wer nicht. Das war für mich eine sehr lehrreiche Erfahrung.

Das zeigt auch wieder, dass man unzählige Vermutungen anstellen und Aussagen machen kann, wie man sich in einer solchen Situation verhalten würde, aber man es erst mit Gewissheit sagen kann, wenn man es wirklich erlebt.
Bäumchen raus, wirres Zeug rein... Hier entsteht eine neue Signatur...

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Werbung
 

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 07 Jul 2018, 16:02

* Kapitel 8 - Fortsetzung *

Neugierig öffnete ich den Brief. Wow - es waren sieben bedruckte Seiten. Finn hatte offenbar sehr detailliert auf meinen Brief geantwortet. Während ich ihn nach und nach durchlas und seine Worte in meinen Gedanken abspeicherte, informierte ich ihn darüber, dass sein Brief angekommen war, und dass ich baldmöglichst antworten würde. Schon nach kurzer Zeit schrieb Finn zurück, dass er sehr gespannt darauf sei, was ich denn dazu sagen würde. Ich freute mich sehr darüber, dass er nun geschrieben hatte und bereit war, mit mir zu reden, und legte den Brief zunächst mal beiseite, um mir noch Gedanken zu meiner Antwort zu machen.
Während ich noch darüber überlegte, was ich Finn antworten sollte, schrieb ich nochmals mit Magnus, weil ich ihn am Wochenende wieder besuchen wollte.
"Das heißt, wenn, dann sollte ich am Sonntag kommen?", fragte ich ihn.
"Am Sonntag koch ich mir nur was, nach aktuellem Stand..."
"Ok, wäre aber ja nicht schlimm, falls ich dich da besuchen würde."
"Leider ist das nix für dich", bedauerte Magnus. "Das was ich am Sonntag koche."
"Was machst du denn zu essen?"
"Hab gestern den Plan gefasst gehabt... Auf Schinkennudeln."
Ich fragte mich zwar, warum er diesen Plan nicht einfach ändern könnte, wenn ich ihn besuchen käme, schrieb ihm das aber nicht.
"Oki ;-). Ich möchte dir nur total gern wieder sehen, egal was du isst; notfalls bring ich halt was mit."
"Da wusste ich noch nicht wie mein Wochenende letzten Endes aussieht und außerdem wollte ich nur noch das nötigste kaufen", entgegnete mein Freund.
"Bin dann mal im Bett - schlaf später gut, mein Schatz."
"Dankeschön."
Ich war enttäuscht, dass nicht mehr von Magnus zurückkam, schob es aber auf seine Depression.

***

Kapitel 9 - Panik

Da ich davon ausging, dass das Treffen nun vereinbart war, setzte ich mich am letzten Aprilsonntag in den Zug und fuhr Richtung Stuttgart.
"Guten Morgen - ich bin schon unterwegs", begrüßte ich Magnus.
"Ah ja..."
Seltsame Antwort, dachte ich mir. Wir hatten doch ausgemacht, uns zu treffen?
"Du kannst ganz in Ruhe bei dir bleiben und dich ausruhen, ich komm dann vorbei", antwortete ich gelassen.
"Ausruhen? Gibt genügend zu tun heute", Magnus schickte sieben Emoticons, einen für jeden Punkt auf seiner To-do-Liste, "aber gesagt hast nichts davon wann du kommst bzw du los gehst..."
"Wie meinst du das?", schrieb ich irritiert zurück
"Bist halt einfach los... Was wenn ich noch im Bett wäre? Oder...? Weil ich nicht weiß das jmd kommt, weil ich zb WhatsApp noch nicht benutzt hätte..."
"Langsam, langsam...", beruhigte ich ihn, "dann hätte ich halt gewartet oder wäre wieder zurück...irgendwann hättest du dich schon gemeldet."
"Jetzt muss ich ja quasi wach bleiben..."
"Dauert sowieso noch, bis ich bei dir bin, also keine Panik. Leg dich nochmal hin - ich ruf dich dann 15 Minuten, bevor ich bei dir bin, auf dem Festnetz an."
"Schon zu spät... Jetzt bin wach und müde in einem. Schlafen geht nemme."
"Tut mir Leid, das wollte ich nicht -.- Ich bin in ca. einer Stunde bei dir", antwortete ich um 11 Uhr 18.
Um 12 Uhr 06, als ich gerade auf dem Fußweg zu ihm war und eine Rose gekauft hatte, schrieb mir Magnus, dass er mit 12 Uhr gerechnet hätte.
"11 Uhr 18+1h=12 Uhr 18 ungefähr", gab ich zurück.
Tatsächlich saß ich um 12 Uhr 22 bereits neben meinem Freund auf dem Sofa. Als ich ihm die Rose überreichen wollte, lachte er.
"Was soll ich denn mit Blumen?"
Ich war merklich irritiert. "Ich dachte dir, ich bring dir eine mit, um mich zu entschuldigen, dass ich dich hier so überrasche."
"Ja, sowas hab ich schon oft geschenkt bekommen."
Ich war geschockt. Eine blödere Aussage konnte es ja wohl nicht geben. Offensichtlich war ich Magnus heute einfach egal. Auch wenn wir uns schon drei Wochen nicht gesehen hatten. Auch wenn ich nach Stuttgart gefahren war, obwohl es mir nicht gut ging. Auch wenn ich ihm eigentlich helfen wollte, damit er schneller fertig wurde.
Ich sagte jedoch nichts und blieb neben Magnus auf dem Sofa sitzen. Doch er hatte keine Augen für mich, stattdessen verfolgte er den Film und schrieb auf dem Handy mit Fabian, einem Freund von ihm, mit dem er mal etwas gehabt hatte. Gerade noch so war Magnus bereit, mit mir zu kuscheln, und ab und zu einen Kuss zu geben, doch spätestens nach fünf Minuten war Fabian wieder dran.
"Ich bin süchtig", meinte Magnus lapidar, anstatt einfach zu sagen, dass er keine Lust auf mich hatte, was ja offensichtlich war.
Trotzdem half ich ihm danach dabei, seine Wohnung etwas auf Vordermann zu bringen, bevor wir zusammen zum Bahnhof gingen und ich mich dort enttäuscht von ihm verabschiedete.

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 07 Jul 2018, 16:06

Die nächsten Tage verliefen nicht besser. Anfang Mai geriet Magnus in Panik, weil ein Treffen mit Fabian nicht geklappt hatte, den er mit der Aufsicht auf Joe beauftragen wollte, während er in den USA war. Er könnte ohne dieses Treffen nicht wegfahren, sondern müsste daheim bleiben. Am nächsten Tag hatte sich das geklärt, doch mein Freund wollte mir partout nicht sagen, was konkret mit Fabian gewesen war. Ich fühlte mich veräppelt und benutzt.
Tags darauf schrieb mir Magnus, er müsste an seinem Leben etwas ändern.
"Das schaffen wir beide, Schatz", entgegnete ich. "Hast du schon ne Idee, was du ändern möchtest?"
"So einiges... Ich muss aktuell und solange es mir nicht so gut geht mehr nach mir selber schauen..."
"Ist okay, das mach ich ja auch ein bisschen. Möchtest du irgendwas in deiner Freizeit reduzieren? Würde mir beispielsweise überlegen, ob du das mit dem Verein im Vorstand dauerhaft packst."
"Ich weiß, dass es alle Bereiche meines Lebens betrifft. Nur noch nicht in wie fern bzw was ich in welchem Bereich ändern sollte/muss/kann/..."
Na toll, dachte ich mir. Also betraf das auch mich...
"Bin ich dir zu anstrengend oder fordere ich von dir zu viel?"
"Hab dich doch gar nicht persönlich angesprochen..."
"Ich meinte nur, weil du sagtest 'alle Bereiche'", entgegnete ich.
"Mir geht's nicht um dich. Da geht's um den Bereich Beziehung und wie viel Zeit und Energie man da rein stecken muss damit es funktioniert..."
Aber hinter der Beziehung stand doch ich, oder?
"Findest du, es funktioniert bei uns im Moment gerade nicht?"
"Nicht so ganz..."
"Und du machst wahrscheinlich dich verantwortlich?"
"Ich weiß nur, dass von mir nicht viel kommt..."
"Das weiß ich auch, Schatz, aber das versteh ich doch vollkommen."

* Fortsetzung folgt *

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 07 Jul 2018, 20:16

* Kapitel 9 - Fortsetzung *

"Erinnerst du dich noch daran, dass ich gesagt habe, dass ich auch dann da bin für dich, wenn es dir schlecht geht?", fuhr ich fort. "Ich erlebe gerade, und hab es auch am Sonntag erlebt, wie wichtig es sein kann, einfach nur nebeneinander zu liegen und miteinander zu reden."
"Was den Sonntag angeht, da wolltest du ja Beachtung von mir und Aufmerksamkeit, was mir auch gesagt hast. Ich wollte eigentlich nur meine Ruhe", bedauerte Magnus.
"Hmmm... lag das an mir persönlich?"
"Sowas liegt nicht an den Leuten persönlich, sondern an mir", schloss Magnus.
Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass mein Freund auch nur wegen mir sich am Flughafen verabschieden wollte, und für ihn das selbst eher Stress bedeutete. Da ich hierfür auch um vier Uhr hätte aufstehen müssen und es mir selbst zwar schon besser, aber immer noch nicht ganz gut ging, entschloss ich mich, nicht zum Flughafen zu fahren und stattdessen Magnus Anfang Mai nochmals spontan einen Besuch abzustatten, wenn er dabei war, sein Gepäck zusammenzustellen.

(hier folgt chronologisch Kapitel 1)
***

Kapitel 10 - Einmal um die halbe Welt

Es war Donnerstag, der 10. Mai 2018. Als ich morgens aufs Smartphone guckte, war Magnus bereits am Flughafen in München. Nach einer kurzen Begrüßung fragte ich zunächst, wie es ihm ginge.
"Müde weil ich wenig geschlafen hab... Ansonsten ganz gut."
"Glaub ich, die Nacht war doch ziemlich kurz... kannst du im Flugzeug gut schlafen? Mich freut es, dass es dir soweit besser geht als in den letzten Tagen und Wochen."
Danach passierte mir ein folgenschwerer Fehler. Ich wollte Samuel, mit dem ich gerade schrieb, mitteilen, dass Magnus gut gestimmt war. Stattdessen verrutschte ich im Chat und schrieb es Magnus selbst: "Müde, ansonsten ganz gut, meint er. "
"? Ich kann im Flieger nicht so besonders gut schlafen."
Ich versuchte, abzulenken.
"Naja, dass du im Flugzeug nicht so gut schlafen kannst, vermutete ich."
"Passt aber nicht zusammen... Weil das klingt so nach ner Nachricht die du jmd anderes schreiben wolltest."
"Ja, ich hab nen Fehler gemacht. Das sollte eigentlich an Samuel... warum? Weil er mir gerade total hilft. Bist du sauer?"
"Wieso sollte ich?"
"Ich mein nur... weil ich ihm sowas schreibe... wir waren grad am Schreiben, und ich hab ihm erzählt, dass du dich grad gemeldet hast. Und da gings dann auch drum, wie es dir grade geht - Samuel hat mir enorm geholfen, die letzten Wochen einzuordnen, weil ich manchmal echt nicht mehr weiterwusste."
Ich wartete. Fünf Minuten, zehn Minuten. Es kam nichts mehr.
"Magnus, jetzt schreib doch...", tippte ich ein.

* Fortsetzung folgt *

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 07 Jul 2018, 20:41

Zuri hat geschrieben:
Markus hat geschrieben:Wie weit wärst du bereit bzw hast/hättest du ne Grenze wie weit du für einen Partner da wärst, wenn er z.b. eine Behinderung hätte/bekommen würde oder ne Krankheit (Krebs, Depressionen, ...) hätte? [...]


Ausgehend von deinem ersten Kapitel: Ist das die Leitfrage über der ganzen Sache mit Magnus?

Ja, das ist sie. Der Ich-Erzähler hat, auch wenn er manchmal Zweifel hatte, Magnus nie aufgegeben wegen seiner Depression. Wie es weitergeht, verraten die nächsten Kapitel.

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 08 Jul 2018, 13:26

* Kapitel 10 - Fortsetzung *

"Keine Hektik hier....", antwortete er kurz darauf. Zum Glück! Ich atmete tief aus und schrieb "Ich mach mir Gedanken, dass du das schlimm finden könntest."
"Man darf ja wohl noch auf's Klo gehen", beschwerte sich Magnus.
"Ja klar ;-). Sorry -.-. Weißt du, ich bin nicht depressiv, ich weiß nicht, wie sich das anfühlt und auswirkt - deswegen muss ich mit Samuel reden, weil er das auch kennt."
"Da kannst du ja machen... Also mit schreiben."
"Ich wusste halt nicht recht, wie du dazu stehst, weil du nur sagtest, es wäre so 'grob-oberflächlich' in Ordnung. Aber dass es dir grade jetzt gut geht, würde ich nicht als 'grob-oberflächlich'e Information sehen, deswegen hab ich ein mega schlechtes Gewissen. Gleichzeitig hab ich durch Finn gelernt, dass ich nichts in mich hineinfressen soll."
"Brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben... Hab jetzt aber auch keine Zeit... Da noch viel zu schreiben...", meinte Magnus. "Demnächst ist Boarding... Bin dann mal weg."
Die Unsicherheit der letzten Wochen machte sich deutlich bei mir bemerkbar. Langsam verlor ich das Vertrauen daran, dass Magnus' distanzierte Haltung nur mit seiner Depression zu tun hatte.
"Weißt du, ich leg da nicht täglich Wert drauf, aber ich habe seit Wochen von dir keine Zeichen mehr bekommen, dass du mich liebst...deswegen hab ich dauernd ein ungutes Gefühl und frag mich, ob da was dahinter steht", erklärte ich. "Dann die Ankündigung, was ändern zu wollen... vielleicht verstehst du mich jetzt ein wenig besser... Ich mach wirklich alles für dich, aber dafür brauch ich halt Sicherheit... Sicherheit, dass wir zwei zusammenbleiben. Jetzt genieße aber deinen Flug :-)."
"Sry das ich dazu nichts großartiges schreibe... Aber damit will ich mich jetzt in Moment nicht befassen (wollen)... Danke."
Es folgten noch ein paar wenige Bilder meines Freundes, bevor er schließlich offline ging und ich seine Flugroute verfolgte.

***

Kapitel 11 - Sonne, Strand und schlechte Gefühle

Pünktlich war Magnus in den USA angekommen. In den darauffolgenden Tagen schrieben wir kaum, doch da er das schon vorab angekündigt hatte, machte ich mir wenig Sorgen. Hin und wieder schickte er mir Bilder von sich.
"Das freut mich sehr, wenns dir fast die ganze Zeit gut geht, und ja, nutze die Zeit und mach einfach mal nichts", schrieb ich am 22. Mai. "Denk jetzt erst mal nicht daran, dass es irgendwann wieder zurück geht, sondern genieße die Zeit."
"Bis ich wieder in die USA gehe", antwortete Magnus zwei Tage später.
"Nächstes Jahr dann?"
"Dieses/nächstes Jahr... Da muss aber noch schauen wie viele Monate (2+) ich mir leisten kann."
"So viel?", fragte ich erstaunt.
"Minimum..."
"Ich verstehs ja... aber mir kommt das so vor, als ob du vor dir selbst davonlaufen möchtest :/."
"Ich will einfach raus aus dem öden Alltagsleben. Und Spanisch will ich auch lernen noch..."
"Hmmm..."
"Jup."
"Ich muss das erst mal sacken lassen."
"Mach das."
"Ich respektiere das, und ich möchte ja auch, dass es dir gut geht. Ich werde dich allerdings nicht begleiten können", antwortete ich schließlich.
"Das werde ich auch alleine machen (wollen)."
"Ganz alleine?" Offenbar war ich ihm nun völlig egal.
"Halt auf ne Sprachschule gehen."
"Oki. Du weichst aber trotzdem aus..."
Magnus tat, als hätte er meine Frage nicht verstanden.
"?"
"Mir fällt es halt nicht leicht, dich so lange gehen zu lassen, gerade weil du das jetzt sagst, wo ich gar nicht weiß, was ich eigentlich im Moment für dich bin - ich weiß nicht, ob dir nur die Kraft dazu fehlt oder ob da grundsätzlichere Zweifel dahinterstecken... Eigentlich kann ich wegen meiner Ohrgeräusche gerade gar keinen Stress brauchen. Und dann kommst du mir mit zwei Monaten und mehr USA."
"Dann lass ich es...! Mehr von meinen Plänen zu schreiben..."
"Verschweigen bringt nichts... ich frage mich nur, wo ich in deinen Plänen vorkomme."
"Ich verschweig nichts... Hab nur noch nicht alles erzählt..."
Hä? Das war doch dasselbe?
"Im Moment muss ich vorrangig nach mir schauen...", fuhr Magnus fort. "Und das tu ich aktuell auch."
"Ich mache mir aktuell Gedanken, wie du am schnellsten zu einer Psychotherapie kommst und hab damit schon etliche Stunden verbracht. Was hast du denn für weitere Pläne? Schreib mir einfach nur, dass du mich als deinen Freund behalten möchtest."
"Da bin ich mir leider :-/, und das tut mir leid, dass es über WhatsApp ist, nicht sicher. Aber du hast gefragt. Das gleiche verhält sich auch mit meinem Job - denn will ich auch nicht mehr unbedingt behalten."
Ich schluckte. Wollte er jetzt alles umwerfen?
"Woran liegt das denn, dass du dir mit mir nicht mehr sicher bist?"
"Es liegt an mir... Ich muss aktuell meinen Weg finden..."
"Das vermutete ich... Bist du am Überlegen, gar keine Beziehung mehr eingehen zu wollen?"
"Das nicht... Nur Stand heute ist es nicht leicht."
Ich begann, zu retten, was noch ging.
"Ich würde dir ja helfen, wo ich kann. Nur brauche ich unbedingt deine Loyalität und deine Sicherheit. Ich lass dich auch gehen in die USA, alles, wenn ich weiß, dass alles so bleibt, wie es ist, wenn du wieder zurückkommst. Von meiner Seite aus würde das der Beziehung keinen Abbruch tun."
"Es kam auch schon der Gedanke länger zu gehen. Also Umzug", meinte Magnus emotionslos. "Aufhalten lassen werde ich mich nicht. Weil es was ist was ich will."
"Was mich irritiert: das, was du willst, ändert sich bei dir ja ständig. Im Februar und März wolltest du unbedingt mich."
"Dann kam mein Tief. Seit dem ich nicht mehr wusste was ich will. Hab ich aber auch gesagt. Im Urlaub nun hatte ich genügend Zeit um nachzudenken. Und das ist das Ergebnis."
So kühl hatte ich Magnus noch nie erlebt.
"Ja, hast du gesagt. Ich fühl mich halt jetzt irgendwie so abgelegt wie so ein benutztes Hemd... bei mir ist es hingegen klar gewesen, was es heißt, mit dir zusammen zu sein, wenn du in einem Tief bist. Deswegen hab ich mich so in die Suche reingehängt :-/."
"Ich wollte nicht das du dich so fühlst... Aber unvermeidlich, dass du dich so fühlst, war es wohl. Und das tut mir sooo leid."
Ach, jetzt, auf einmal...
"Du musst dir klar sein, wohin du mich treibst mit der Aussage, dass du dir mit uns beiden nicht sicher bist..."
"Das weiß ich..."
"Und es ist dir egal? Willst du lieber wieder alleine sein?"
"Es ist mir nicht egal. Aber aktuell wohl besser so..."
"Ich würde dich auch mit deinen Plänen gern behalten. Weil ich dich liebe. Und zwar wirklich."
"Ich weiß das du das tust..."
"Sonst hätte ich nicht am allerersten Tag, an dem es mir wieder einigermaßen gut ging, an den PC gesetzt und nach Psychotherapeuten gesucht."
"Die USA haben bei mir grundlegendes geändert."
"Und was ist, wenn du wieder hier bist? Dann ist nix mehr mit USA."
"Dann muss ich anfangen mein Leben zu ändern... Nicht nur was ich machen will... Sondern auch was ich so getan hab hier..."
"Was hast du in Mexiko gemacht?"
"Du weißt das Alkohol und ich keine Freunde sind.."
"Ja und weiter?"
"Das was ich erzähl ist schmerzlich und es tut mir von Herzen leid... Ich war letzten Samstag auf ner Geburtstagsparty und hab viel getrunken und da hatte ich dann was mit jemandem..."
Ich war fassungslos, schüttelte den Kopf, und überlegte fünf Minuten lang, wie ich reagieren sollte. Ich kontaktierte sofort Samuel, schrieb aber schließlich im Alleingang an Magnus "Du Arsch!"
"Keine Ahnung wie das passiert ist... Ich weiß nur das ich Hagel dicht war :-/. Nett ausgedrückt..."
"Dann trinkt man nicht oder nicht so viel", stellte ich klar. "Weißt du noch, wie schnell du dich "verarscht" gefühlt hast? Und dann kommst du mir mit sowas."
"Das weiß ich..."
"Es ist unglaublich... Einfach unglaublich", ich war immer noch am Kopfschütteln. "Weißt du, mit welcher Gelassenheit ich es ertragen habe in den letzten Wochen, dass von dir in Sachen Küsse immer weniger kam? Von mehr gar nicht zu reden..."
"Das weiß ich... Passiert ist es jetzt nunmal... keine Ahnung was ich sagen soll."
Na super... das hätte er sich vorher überlegen können...
"Was ist da eigentlich genau passiert?"
"Werd ich dir noch Schreiben... Bin jetzt erstmal weg..."
Ich hatte das Gefühl, im falschen Film zu sein. Was?
"Na super... Ich bin dir also mehr oder weniger total egal, sind ja 9.000 Kilometer dazwischen... Danke jedenfalls, dass du so ehrlich zu mir warst."
"Im Moment will ich noch ins Meer... Deswegen."
Ich schlug mir die Hand auf die Stirn.
"Aha."
"Und da nehm ich es nicht mit das Handy."
Eine gute halbe Stunde überlegte ich, es war schon fast Mitternacht, vom 24. auf den 25. Mai. Schließlich schrieb ich: "Bei dir zählst im Moment nur du... echt krass. Wenn du Schluss machen möchtest, dann liegt das ganz in deiner Verantwortung und es liegt auch an dir, die Konsequenzen zu tragen. Ich sag nur soviel: wenn ich mal weg bin, bin ich weg und es kostet dann viel Mühe und Anstrengung, mich wieder zu bekommen, auch, wenn du dich dann in Stuttgart zurück einsam fühlen solltest. Ich würde dir raten, einen solchen Schritt wirklich zu überdenken. Ich selbst werde mich jedenfalls nicht unter Druck setzen lassen, Schluss zu machen."
Morgens antwortete Magnus: "Keine Ahnung auf welche Aussage das bezogen war ... Bzw wie da drauf kommst."
"Du teilst mir mit, dass du mich betrogen hast, und gehst dann einfach so ins Meer - ohne meine Fragen zu beantworten. Was ist wohl in dem Moment wichtiger?"
"Hab immer noch Urlaub..."
"Hast du mich mit Julian betrogen?"
"Nein hab ich nicht... War jmd denn ich nicht kannte."
"Das mit dem Urlaub mag sein... aber in einem solchen Moment kannst du doch den mal für 30 Minuten liegen lassen", ich war erneut fassungslos. "Ich hab dir vertraut, und deswegen hab ich zugestimmt, dass du allein wegfährst. Während ich hier ständig aufgepasst habe, dir keinen Anlass für Misstrauen zu geben."
"Ich hab das nie erwartet..."
"Du hast mir relativ bald erzählt, dass du dich schnell 'verarscht' fühlst - dem wollte ich entgegentreten."
"Im Endeffekt wäre ich auch so in die USA gegangen... Hab denn Urlaub gebraucht."
Ich war empört. "Na denn... was zähle ich denn eigentlich noch für dich? Bin ich so ne Art Kuscheldienst für Zeiten, in denen du ihn brauchst? Ich habe es immer ernst gemeint mit dir, immer, und meine es auch noch so."
"Ich auch...Mit meinem Zusammenbruch hat sich bei mir so vieles geändert."
"Du machst mich damit verantwortlich für deinen Zusammenbruch", antwortete ich kopfschüttelnd. "Ich wollte immer für dich da sein, auch wenn es zuletzt mit deiner Depression vor dem Urlaub immer schwieriger wurde und ich einige Einschränkungen in Kauf nehmen musste. Ich wollte dir helfen, deine Probleme zu bewältigen, indem ich mich nach jemandem umgucke, der noch nen freien Platz für dich hat. Aber das, was du vorhast ist doch keine Lösung. Ja, es mag kurzfristig besser für dich sein und dir positive Impulse liefern - aber irgendwann kommt jemand anderes, der an die Stelle deines Arbeitskollegen tritt. Noch dazu lässt sich deine Vergangenheit auch nicht ändern, mit der du Probleme hast. Du machst damit mich verantwortlich für deinen Zusammenbruch, wenn auch nur indirekt - ich kann aber nichts dafür. Für mich bedeuten die USA vor allem Realitätsflucht. Denk auch daran, es sind dann nur zwei, drei Monate - und was ist mit den anderen neun, zehn? Du müsstest deine Probleme lösen, nicht vor ihnen weglaufen... nur dann wird es dir wirklich langfristig besser gehen."
"Ich mach dich doch gar nicht verantwortlich... Hab ich nicht gesagt!!! Und nun willst mir die Möglichkeit eines Sprachurlaubs schlecht machen? Ich fliehe nicht vor der Realität, sondern komm raus aus dem Alltag denn ich nicht mag. Wenn wieder jemand kommt wie mein Arbeitskollege dann ist das halt so..."
"Nein, den Sprachurlaub möchte ich dir nicht schlecht machen, ich versteh das ja, wie ich dir gestern gesagt hab - ich denke eben nur, dass dich das dann halt nur für die zwei, drei Monate pusht. Dass du das aber als Lösung für alle deine Probleme siehst. Und davor möchte ich dich warnen. Übrigens: du kannst auch mehr auf dich zu schauen, ohne egoistisch zu werden - die Gefahr sehe ich grad auch", ich holte tief Luft und schrieb weiter. "Du hast das zum Thema Zusammenbruch nicht gesagt, aber wenn ich gar nichts damit zu tun hätte, würdest du fest weiter mit mir planen und dir nicht unsicher sein... ich ziehe dir ja keine Energie, sondern schenke dir welche, schenke dir Liebe, also eigentlich was Positives."
"Der Zusammenbruch ist die Schuld von niemandem... Das ist die Konsequenz davon das ich nicht wirklich stabil war die letzten Monate. Das werde ich - nicht egoistisch sein."
"Siehst du denn nicht die Chance, dass ich dir helfen kann, stabiler zu werden?"
"Ich denke nicht..."
"Warum lässt du das nicht zu und baust eine Mauer um dich?"
"Mach ich nicht... Es gibt aber auch noch andere die mir helfen können..."
"Warum nicht ich?"
"Nicht als Partner (Beziehung)."
"Was ist da denn das Problem? Ich versteh es nicht. Wenn du dich von mir trennst, werde ich erst mal weg sein, weil ich dann verarbeiten muss. Mich gibts mit der Unterstützung, die ich jetzt leiste, nur als Partner - würde ich jedem meiner Freunde so viel Unterstützung schenken, würde ich zusammenklappen. Es wird nicht so sein, dass ich dann sage 'ah, okay, Beziehung beendet, es läuft so weiter wie vorher, nur ohne Küsse'."
"mir unterstellen ich hätte was mit einem meiner besten Freunde was gehabt...", echauffierte sich Magnus. "Niemals mit Julian!!!!"
"Manuel, es tut mir Leid, aber die Frage musste sein", entgegnete ich voller Unverständnis und Verärgerung. "Du hättest mir ja auch gleich vorhin mehr schreiben können, aber du wolltest ja ins Wasser. Du hast mich betrogen, nicht ich dich, und da muss ich dich sowas fragen. Ich habe dir das nicht unterstellt, es war mehr ein Ausschlussgedanke."
Magnus schien von meinen Ausführungen keine Notiz zu nehmen.
"Außerdem hast du mir zu Verstehen gegeben was du davon hälst, das ich mit einem anderen im Bett war... Und so kann das dann nicht mehr funktionieren... Weil ich dann davon ausgehen kann das jedes Mal misstrauisch wärst."
"Moment...", wandte ich ein, "da hab ich noch gar nichts dazu gesagt... Außer zu verstehen gegeben, dass ich äußerst enttäuscht bin ("Du Arsch"). Wer hat denn gesagt, dass er mich nur für sich haben wollte? Das warst du im Februar, wenn du dich noch erinnerst."
" 'Arsch' / 'Es ist unglaublich...Einfach unglaublich'. Das mein ich. Wie oft muss ich außerdem noch sagen das ich Anfang April allmählich 'zusammengebrochen bin'?"
"Haben wir je davon gesprochen, dass unsere Beziehung offen ist? Was hat dein Zusammenbruch damit zu tun, dass du mich betrogen hast? Wir sind immer noch zusammen, wenn du dich erinnerst, und haben nie ausgemacht, dass wir auch mit anderen Sex haben können. Du hast mich nie gefragt, darüber hätte man reden können. Jetzt im Nachhinein damit zu kommen, halte ich für ziemlich dreist", empörte ich mich.
"Das war im Februar so... Dann kam der Zusammenbruch der kam ohne das ich es ahnte, wo mir alles zu viel war. Dann bin ich in Urlaub gegangen und da ist es passiert. Das war nicht geplant!"
So einfach stellte sich das für ihn also dar. Ich hätte das nicht gedacht...
"Das unterstelle ich dir auch nicht", entgegnete ich.
"Auf diese Diskussion hab ich keinen Bock mehr!!!!!", regte sich Magnus auf.
Ich zeigte mich unbeeindruckt. "Weißt du, wann wir das letzte Mal was miteinander hatten, und weißt du, wie ich mich gefühlt hab, weil nichts mehr lief? Ich finde es krass, dass du erwartest, dass ich keine Probleme damit habe, wenn du mit anderen Jungs im Bett landest - ohne mich zu fragen, ob das okay für mich wäre."
"Ich geh davon aus das der andere jedes Mal misstrauisch ist wenn ich mich mit jmd treffe (egal wer es ist)."
"Nein, das stimmt nicht", widersprach ich. "Wenn sonst alles passt und du mir zeigst, wie lieb du mich hast, dann hab ich da keine Bedenken... Weißt du, wie weh mir das tut, dass du mich betrogen hast? Bei mir hat es nie richtig geklappt im Bett, aber bei nem anderen..."
"Deswegen wird es auch nicht mehr funktionieren zwischen uns..."
Mir war nun klar, dass Magnus sich trennen wollte, aber vermutlich mir die Entscheidung zuschieben wollte, um sich keine Vorwürfe über sein Fehlverhalten machen zu müssen.
"Lass das doch mich entscheiden", versuchte ich, die Situation zu beruhigen. "Das ist nicht deine Entscheidung. Genauso wie die Entscheidung, ob du dich mir zumuten kannst. Gib mir bitte etwas Zeit, um darüber nachzudenken."
"Du kannst doch für mich nicht entscheiden was ich denke und für mich meine."
"Aber du entscheidest hier ja gerade für mich."
"Diese Aussage gilt für mich..."
"Na super..."
"Ist meine Meinung."
"Warum gehst du dann überhaupt mit einem ins Bett? Warum hast du dich nicht unter Kontrolle?"
"Weil sowas passieren kann auf einer Party mit zu viel Alkohol..."
"Kann, aber muss nicht. Ich bin jetzt der Leidtragende dafür, dass du das nicht hinbekommen hast", ich wollte ihm klar darlegen, dass er verantwortlich für die aktuelle Situation war und er derjenige war, der sich trennen wolltem "Magnus, ich kann dir auch verzeihen. Aber ich brauche dafür Zeit. Und es tut weh, sehr weh."
"Ich kann aber so nicht weiter machen...", wandte Magnus ein, "weil meine Depressionen dafür sorgen das ich Mistrausch sein werde das man mir nicht vertraut... und das kann und will ich mir nicht antun..."
"Deswegen sollst du sie ja angehen. Ich kann dir auch wieder vertrauen, aber ich brauche Zeit. Ich verzeihe auch, aber hab Verständnis, dass mir das erstmal wehtut. Du kannst mir ja zeigen, wie lieb du mich hast, das würde Vertrauen schaffen."
"Es ist besser wenn wir es lassen, also zumindest von meiner Seite aus...ich weiß wie weh das tut..."
"Weil du Angst hast, dass ich dir nicht mehr vertraue?"
"Auch ja... Das wird nicht mehr funktionieren."
"Warum weißt du das jetzt schon?"
"Weil ich mich kenne."
"Hat denn schon jemals jemand so viel Verständnis dir gegenüber gebracht wie ich?"
"Ja da gibt es Leute...", meinte Magnus.
"Aha...", ich war schon wieder fassungslos, "shön zu wissen, dass man nicht gebraucht wird. Was hättest du eigentlich für eine Reaktion von mir erwartet auf den Betrug? 'Ist okay, passiert halt mal'?"
"'es ist vorbei!'"
Ich war irritiert. Aber andererseits wunderte mich bei Magnus jetzt gar nichts mehr.
"Das liest sich ja so, als wolltest du, dass es vorbei ist. Aber so bin ich nicht, Magnus. Liebe heißt auch, Fehler verzeihen zu können."
"Von meiner Seite aus ja, wollte ich das. Erst kommt n Vorwurf dann wieder das alles gut wird dann wieder ein Vorwurf dann wieder..."
"Das ist Quatsch", ich schüttelte den Kopf, "ich muss dir sagen, was ich nicht gut finde und was mich belastet. Gleichzeitig denke ich, dass das schon wieder werden könnte. Und die Geschichte mit dem Betrug stimmt auch wirklich?"
"Dein Ernst?"
"Ich hätte es dir nicht wirklich zugetraut. Nee, gar nicht."
"Glaubst ich mach n Spass?"
"Nein, das nicht - aber dass du unter Umständen einen Vorwand suchst, damit ich mich von dir trenne, nachdem das mit den Plänen nicht deutlich genug war. Ich hab heute schon sehr deutlich gemerkt, dass du mich weghaben möchtest."
"Das war kein Vorwand... Ich hatte Sex!..."
Es ging noch eine Weile hin und her, bevor ich schließlich ins Bett ging. Nachmittags verfasste ich nochmals eine Nachricht auf WhatsApp, diesmal als eine Art Brief. Aber auch dieser konnte Magnus nicht von seinem Vorhaben abbringen. Nach seiner Antwort und einer weiteren Nachricht von mir, auf die er nicht mehr antwortete, war es also vorbei. Vorbei. Doch ich war nicht wirklich traurig - ich fand es zwar schade, dass Magnus und ich nun getrennt waren, aber gleichzeitig war ich erleichtert, dass ich mich nicht mehr um seine Depressionen kümmern müsste.

Eine Woche später, es war der 1. Juni 2018, schrieb ich ihn nochmal an. Mich interessierte, ob er mit dem Typen, mit dem er mich betrogen hatte, nun zusammen war, und wie wir unseren zukünftigen Kontakt gestalten sollten. Doch er antwortete nur barsch, was mich das denn anginge, um nach einer längeren Diskussion zu schreiben, dass er nicht in einer Beziehung wäre. Daraufhin teilte ich mit, dass er mich zu sehr stressen würde, ich eine längere Pause bräuchte und ich mich irgendwann nach meinem Urlaub melden würde. Ich wollte noch keine endgültige Entscheidung über einen Kontaktabbruch treffen.

***

Kapitel 12 - Berlin, Berlin, Berlin

Keine 24 Stunden später saß ich neben Finn in einer Straßenbahn der Linie 12 Richtung Pasedagplatz. Wir waren am Nordbahnhof umgestiegen, wo wir mit der S-Bahn vom Brandenburger Tor hingefahren waren. Nachdem wir uns im Mai ausführlich ausgesprochen hatten und über alle Differenzen zwischen uns geredet hatten, hatten wir kurzfristig ein Treffen am ersten Juniwochenende vereinbart.

* Fortsetzung folgt *

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 08 Jul 2018, 14:24

Und gleich zwei Fehler sind mir passiert:

Einmal wurde die Nebenperson Manuel mit der Hauptperson Magnus verwechselt.
Ein anderes Mal steht fälschlicherweise "Mexiko" statt "USA" im Text.

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 09 Jul 2018, 20:07

* Kapitel 12 - Fortsetzung (vielen Dank an nobodyfrm fürs Abtippen) *

Die Tram hielt an. Finn und ich stiegen aus, ich blickte mich um und zog meine Videokamera aus der Tasche, um die Straße aufzunehmen. Fast ein Dreivierteljahr war es nun her, dass ich hier das letzte Mal gewesen war. Wie oft hatte ich in den Monaten danach, nachdem Finn mit mir Schluss gemacht hatte, daran gedacht, ob ich wohl noch einmal hierher zurückkommen würde... Als ich meine Aufnahme beendet hatte und mit Finn zusammen über die Straße ging, meinte ich zu ihm: 
"Es gab Zeiten, in denen ich nicht geglaubt hätte, dass ich eines Tages zusammen mit dir hier stehen würde. Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass das nie mehr wieder der Fall sein würde." Freudige Emotionen kamen in mir hoch, während mein Begleiter meinte: 
"Für mich ist es jetzt nicht ganz so überraschend. Aber ich hatte das ja auch nicht so kategorisch ausgeschlossen."
Wir liefen die Straßen entlang, bogen um mehrere Ecken, um schließlich vor dem Haus zum Stehen zu kommen, in dem sich Finns Wohnung befand. Ein Backsteingebäude war es, aus den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts stammend. Die Häuser gegenüber versprühten den Charme der 60er Jahre des Ost-Berliner Sozialismus. Sie erinnerten mich an den Film "Das Leben der Anderen". Es war fast genau ein Jahr her, dass ich hier das erste Mal mit Finn gewesen war. 11. Juli 2017. Ich erinnerte mich sehr genau daran. Wie oft hatte ich mich zu diesem Tag zurückgewünscht...
"Ein Jahr ist es her", meinte ich schließlich zu ihm, "dass ich hier das erste Mal war."
"Joa, das war, als du das erste Mal bei mir zu Hause warst. Und dann sind wir uns auch gleich näher gekommen."
Wir schauten uns für einen Moment nachdenklich an, bevor Finn seinen Schlüsselbund aus der Tasche zog und die blaue Haustür aufsperrte. Der Geruch des Treppenhauses zog in meine Nase. Er war so unverwechselbar geblieben wie letztes Jahr. Linoleumböden, etwas dunstig, feucht, erdig. Ich war zufrieden, dass ich wieder hier sein durfte.
Zwei Stockwerke ging es nach oben, bevor Finn wieder seinen Schlüsselbund klimpern ließ und seine Wohung aufsperrte. Wir traten hinein in den kleinen Vorraum, von dem vier Türen in alle Richtungen wegführten. Die zur Küche stand wie immer offen. Hinter dem kleinen Tisch konnte ich einen Wäscheständer erkennen. Und auch die zum Zimmer von Finns Mitbewohner Alex stand offen. Als ich einen Schritt nach vorne machte, erblickte ich ihn, genauso vor dem PC sitzend wie im Oktober 2017, als ich hier zuletzt gewesen war. Ob er den Platz zwischenzeitlich mal verlassen hatte?
Ich drehte mich um. Finn war gerade dabei, seine Schuhe auszuziehen und sie links neben die Eingangstür zu stellen, kam gleich darauf aber auf mich zu, als er meinen Blick bemerkt hatte, und lief an mir vorbei, um die Tür zu seinem Zimmer zu öffnen. Als ich hineinblickte, staunte ich. Er musste wohl extra aufgeräumt haben. Ich freute mich. Bevor wir beide uns in sein Zimmer verzogen, sah ich kurz nach links ins Bad. Am Waschbecken konnte ich noch immer den Seifenspender mit der Handseife erkennen, den ich im September des Vorjahres mit nach Berlin gebracht hatte. Er war nur wenig leerer geworden.
"Eigentlich nicht viel", entgegnete er, während er seine Jacke auf seinen Drehstuhl warf. "Die Anlage ist weg. Und ein bisschen Elektroschrott. Kannst du Elektroschrott gebrauchen?"
Ich verneinte und schüttelte den Kopf, während ich mich umsah. Rechts neben der Eingangstür zu Finns Zimmer befand sich immer noch derselbe kleine weiße Regalschrank, der rechts daneben durch ein weiteres Möbelstück ergänzt wurde, auf welchem ein Fernseher stand. 

* Fortsetzung folgt *

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 09 Jul 2018, 23:33

* Kapitel 12 - Fortsetzung *

An der Fensterfront, bestehend aus zwei zu öffnenden Fensterpaaren mit einem kleinen Zwischenraum dazwischen und einer durchgehenden Glasplatte, die ebenfalls doppelt ausgeführt war, folgte der Schreibtisch, auf dem mehrere Laptops und Bildschirme standen, darüber ein Schild mit der Aufschrift "Herr der Lage". Welche davon welche Funktion hatten, hatte ich mir nicht erklären können.

* Fortsetzung folgt *

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 11 Jul 2018, 23:05

* Kapitel 12 - Fortsetzung (vielen Dank an nobodyfrm fürs Abtippen) *

Aber ich war ja auch kein Informatiker, im Gegensatz zu Finn, der seinen Beruf leidenschaftlich auch in seiner Freizeit ausübte. Auf der rechten Hälfte des Schreibtisches standen nur noch wenige Dinge. Wenn ich mich richtig erinnerte, war es im Oktober dort sehr viel voller gewesen. Auch der pinke Stuhl, der sich zwischen dem Tisch und dem sich an der Wand anschließenden Kleiderschrank befand, war frei, wohingegen ich auf letzterem noch einige Kartons entdecken konnte. Rechts daneben erstreckte sich ein dunkles Schlafsofa, welches die gesamte Ecke des Raumes ausfüllte und auf welchem ich schon mehrmals übernachtet hatte, woran sich ein Bücherregal, das zum Teil mit Büchern, zum Teil mit Fotoalben, Medikamenten, PC-Zubehör und diversen anderen Dingen befüllt war, anschloss.
Finn und ich setzten uns auf das Sofa, während ich meine Jacke daneben ablegte und meinen Rucksacktrolley in die Mitte des Raumes stellte, nicht weit weg von mir und den Erasco-Dosen, die sich links neben dem Schreibtisch aufeinandergestapelt auf dem Boden befanden. Ich holte einige Blätter heraus, die den Chatverlauf zwischen Magnus und mir enthielten (Anmerkung für die Leser: siehe voriges Kapitel), und rutschte etwas näher zu Finn, sodass wir nun im 90-Grad-Winkel zueinander saßen.
Die nächste Stunde waren wir damit beschäftigt, die Unterhaltung genauer durchzugehen. Da Finn mit seinem linken Auge nur sehr wenig sehen konnte und die Textmenge sehr groß war, wartete ich geduldig, bis er von den einführenden zu den entscheidenden Passagen gekommen war. Mir war es wichtig, dass er die Situation zwischen Magnus und mir mit möglichst vielen Informationen beurteilen konnte.
"Hä? Das versteh ich nicht", rief Finn aus, als er zu der Zeile gekommen war, in der Magnus angekündigt hatte, an den Strand zu gehen, obwohl er zuvor davon erzählt hatte, dass er mich betrogen hatte. Finns Unverständnis wuchs mit jeder Zeile mehr, und er strich mir sanft über die Schulter, während ich ihn von der Seite anstupste. Es ergab sich im weiteren Verlauf, dass wir uns immer näher kamen und ich schließlich meinen Arm um ihn legte. Finn legte die Blätter weg, und eine Sekunde später fanden wir uns nebeneinander auf dem Sofa liegend wieder.
Ich war überrascht. Meine Gedanken begannen sich zu entwickeln. Das war ja fast wie am 11. Juli letztes Jahr! Aber... was wurde das nun? Noch ein paar Sekunden zuvor hatte ich nicht an die Möglichkeit gedacht, Finn irgendwann wieder näher kommen zu können, auch wenn ich mich bereits in der Straßenbahn von ihm angezogen gefühlt hatte. Mein Gefühl war noch nicht so weit, ich konnte noch nicht wirklich dabei etwas empfinden, schließlich war ich im Kopf noch halb bei Magnus. Mir fiel auf, wie positiv gestimmt Finn im Vergleich zu ihm war. 
In dieser Situation zog mich Finn sanft zu sich, sodass ich nun auf ihm lag und ihn von oben anblickte. Diese wuscheligen dunkelblonden Haare, diese Ohren, diese schönen blauen Augen... es schien mir, als hätte jemand einen Schalter umgelegt und als wäre ich daraufhin ein Jahr in die Vergangenheit gereist. Mit einem Mal war Magnus ganz weit weg, unendlich weit, unerreichbar. Es mochten Sekunden, Minuten vergangen sein, in denen Finn und ich aufeinander lagen und uns ansahen, bis ich bemerkte, dass er auf etwas zu warten schien. Ich blickte auf seinen Mund, der mich erwartungsvoll anlächelte. Aber... ich war doch noch nicht soweit. Wollte ich mich wirklich trauen? Was würde das auslösen?
Drei, zwei, eins. Schließlich fasste ich mir ein Herz und küsste Finn. Einmal. Finn leckte sich mit der Zunge über die Lippen. Zweimal. Wir blickten uns an. Ich schüttelte den Kopf und lächelte. 
"Du bist der einzige, der das macht", meinte ich leise, "danach mit der Zunge über die Lippen zu fahren."
"Sie sind dann so trocken", flüsterte Finn und legte seine Arme um mich. Wir begannen zu kuscheln, während wir unsere Brillen beiseite legten und uns abermals küssten. Wer hätte das gedacht?
Irgendwann schickten wir Samuel ein Foto von uns beiden. Während Finn meinte, er hätte damit gerechnet, dass es dazu kommen könnte, und einfach mal abgewartet, war ich immer noch völlig überrascht. Nichtsdestotrotz kuschelten wir weiter, bis ein Blick auf die Uhr verriet, dass wir wieder zum Bahnhof müssten, damit ich meinen Zug noch erwischen könnte.
Als wir bereits an der Straßenbahnhaltestelle standen und uns wieder umarmten und küssten, meinte Finn zu mir: "Du, wenn das zu viel wird, dann es es mir. Mit einer Beziehung, das wird, denke ich, nicht funktionieren."
Daran hatte ich an diesem Tag aber noch gar nicht gedacht. Ich musste mich erst sammeln, bevor ich ihm antworten konnte. Finn war gerade eindeutig zu schnell. "Also... im Moment möchte ich keine Beziehung. Aber für die Zukunft möchte ich das nicht komplett ausschließen", entgegnete ich.
Meine Gedanken drehten sich weiter, während Finn sich wieder an mich drückte, mich umarmte, mich küsste, ich ihm sanft über den Rücken strich. Das mit Magnus war gerade acht Tage her, ich wollte definitiv jetzt nichts Neues anfangen. Was mit Finn werden würde, würde die Zeit zeigen. Einfach abwarten. Ruhe und Gelassenheit.

***

* Fortsetzung folgt*

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 12 Jul 2018, 09:40

zwiebelfisch hat geschrieben:"Du, wenn das zu viel wird, dann es es mir. Mit einer Beziehung, das wird, denke ich, nicht funktionieren."


Hier ist wieder versehentlich ein Fehler reingerutscht: statt "es es mir" muss es "sag es mir" heißen.

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 14 Jul 2018, 00:56

***

Epilog

Berlin, 2. Juli 2018. In den vergangenen Wochen hatte ich viel mit Finn geschrieben, telefoniert, über ihn nachgedacht. Doch nicht nur mit ihm hatte ich Kontakt gehabt, sondern auch mit einem anderen, der zwar themenmäßig sehr nahe bei mir gewesen war, aber im Gegensatz zu Finn nur sehr wenig Anziehung auf mich ausüben konnte. Bei letzterem hatte ich nun das fehlende Puzzleteil gefunden, das ich gebraucht hatte, um zu verstehen, warum es mit der Beziehung zwischen Finn und mir so schlecht gelaufen war und warum sie in die Brüche gegangen war.

Dieses Puzzlestück stammte aus dem Jahr 2016. 2016, lange, bevor es zwischen Finn und mir zu "mehr" gekommen war. Ich war damals noch im Studium gewesen und hatte mich in einen Kommilitonen, Christoph, verliebt, ohne zu wissen, ob er überhaupt schwul/bi war und ob er sich etwas mit mir vorstellen könnte. Da er schon relativ bald einen Praxisabschnitt absolvieren sollte, es mein letzter Studiumsabschnitt gewesen war und er sich zwei Jahrgänge unter mir befunden hatte, waren mir nur rund sechs Wochen Zeit geblieben, um eine Antwort auf die beiden Fragen zu erhalten. Christoph war nicht irgendein Junge gewesen, er hatte auf mich damals eine noch stärkere Anziehung ausgeübt als Finn ein Jahr später. 
Im Zusammenhang mit meinen Versuchen, zu klären, ob was mit Christoph laufen könnte oder nicht, hatte ich auch Finn gefragt, wie ich vorgehen sollte. Da dieser jedoch ein sehr ruhiger, gelassener, eher introvertierter Mensch war, hatte er meine Eile nicht verstanden. Er hätte an meiner Stelle sogar in Kauf genommen, dass "mehr" mit Christoph zwar funktioniert hätte, aber es zeitlich nicht möglich gesesen wäre, das zu klären, und lieber auf den nächsten Typen gewartet. Jedenfalls hatte Finn aus dieser konkreten Situation von mir mit Christoph für sich den Schluss gezogen, dass eine Beziehung zwischen ihm selbst und mir wegen meiner Eile in Beziehungsdingen nicht klappen könnte, obgleich diese Eile an der konkreten Situation, der großen Anziehung und den sechs Wochen gelegen hatte. Bei meinem ersten Freund hatte ich mir beispielsweise vier Monate Zeit gelassen, ohne Eile, ohne Druck.
Als es dann ein Jahr später, 2017, zwischen Finn und mir geknistert hatte, hatte dieser sich an die Situation mit Christoph und mir erinnert. Finn hatte deswegen einmal vor und mehrmals nach der Zeit, in der er über beide Ohren verliebt in mich gewesen war, gemeint, es würde zwischen mir und ihm wahrscheinlich nicht passen. Da er den Hintergrund nicht erwähnt hatte, hatte ich diese Feststellung diffus gefunden, weil der Kontakt zwischen Finn und mir vor unserer Beziehung sehr oberflächlich gewesen war und er mich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht richtig hatte kennen können - mir war es bei ihm im Übrigen nicht anders gegangen.
Als wir schließlich zusammen gewesen waren, hätte Finn Zeit gebraucht, um seine Feststellung von 2016 zu hinterfragen. Jedoch hatte er mir dies nur unterschwellig versucht mitzuteilen, indem er seine Kontakthäufigkeit stark reduziert hatte und den Hintergrund seiner Annahme nicht konkret benannt, sodass ich nicht erkannt hatte, dass er Abstand brauchen und woran das liegen würde. Unglücklicherweise hatte ich ihn sogar direkt gefragt, aber die Beantwortung war von uns auf den nächsten Tag gelegt worden, da Finn damals noch zu einen Freund gewollt hatte, und dann vergessen worden. Im Laufe der Wochen hatte sich Finn dann immer mehr zurückgezogen und auch immer weniger von seinen Gedanken und Gefühlen berichtet, die ich gebraucht hätte, um sein Verhalten nachvollziehen zu können. Da meine Aktivität im Wesentlichen gleich geblieben war und ich von Finns Bedürfnis nach Abstand zunächst gar nichts mitbekommen hatte, hatte er mich zunehmend als zu drängend empfunden, was seiner Feststellung, ich wäre zu eilig in Beziehungsdingen, in seinen Augen bestätigt hatte. Um dies zu kompensieren, hatte er sich infolgedessen noch weiter zurückgezogen. Eine Abwärtsspirale war entstanden.
Als ich nach Wochen schließlich erkannt hatte, dass Finn Abstand brauchte, war es mir nicht gelungen, herauszufinden, was das denn bedeuten sollte, ob damit nur weniger schreiben oder eine längere Pause ohne Kontakt gemeint gewesen war. Erst, als ich Samuel zu Rate gezogen hatte, dem Finn nahezu alles berichtet hatte, hatte ich herausfinden können, dass die letzte Option einschlägig gewesen war. Doch da war es schon zu spät gewesen. 
Zum einen hatte sich der Eindruck, ich wäre zu hektisch und zu eilig in Beziehungsdingen, bereits sehr tief in Finn verfestigt, zum anderen hatte er den Bezug zu Gefühlen zu mir bereits verloren, während ich immer noch nichts von seiner Feststellung von 2016 gewusst hatte und mir die Situation damals mit Christoph und Finn auch nicht mehr geläufig gewesen war. Schließlich hatte sich Finn von mir getrennt, mit der Unterstützung von Samuel, der für ihn die entsprechende Nachricht verfasst hatte. Auch danach hatte ich zunächst nur herausfinden können, dass die ganze Lage mit Erfahrungen zu tun hatte, aber nicht, womit genau. Auch Samuel hatte sich keinen Reim machen können. Ich war sehr froh gewesen, dass ich das alles schließlich im Juni mit Finn hatte klären können.

So war ich auch äußerst entspannt, als Finn und ich an diesem schönen Julinachmittag nach dem Essen im Vapiano im Berliner Hauptbahnhof und einem Besuch des "Tränenpalastes", der früheren Ausreisehalle aus der DDR am Bahnhof Friedrichstraße, wieder in seine Wohnung kamen. Schon in der Straßenbahn hatten wir miteinander gekuschelt, wie wir es auch schon bei der Rückfahrt zum Bahnhof im Juni getan hatten. Doch jetzt war es noch schöner gewesen. Ich fand es einfach angenehm, Finn nahe sein zu können, in der Berliner Öffenlichkeit, in der sich praktisch niemand an zwei kuschelnden Typen störte. Erst recht mit einem so positiven Gefühl wie jetzt.
Auch, als wir in Finns Wohnung waren, dauerte es nicht lange, bis wir miteinander auf dem Sofa lagen und kuschelten.
"Was fühlst du im Moment?", frage ich ihn sanft, als ich durch seine wuscheligen dunkelblonden Haare fuhr und und seinen Dreitagebart betrachtete.
"Ich finde es schön", flüsterte Finn.
Ich strich weiter an seinem Gesicht entlang, über seine Ohren, seinen Hals, und blickte in seine wunderschönen blauen Augen. Es war das erste Mal nach unserer Trennung, dass ich ihn wieder richtig süß finden konnte. Ein Gefühl der Zuneigung stieg in mir auf. Ich wollte ihn nicht so schnell verlassen, um in meinen Urlaub zu fahren. Ich wollte möglichst lange mit ihm hier liegen. Schade, dass sich das Hotel für die Nacht nicht hier, sondern in Bremen befand...
Gerade, als ich daran dachte, bedauerte auch Finn dies mir gegenüber. 
"Ich wusste ja nicht...", meinte er leicht jammernd, wobei er die Zähne zusammenpresste.
"Und ich hab mich nicht getraut, dich zu fragen, weil ich nicht wusste, wie du reagieren würdest", entgegnete ich.
Ich griff nach meiner Brille und legte sie ab, zur Seite. Finn tat es mir gleich.
"Wo fühlst du es denn, dass du mich anziehend findest?", fuhr ich fort.
Finn blickte mich an. Seine Augen spiegelten Ruhe und Gelassenheit wider.
"Überall", antwortete er leise, "in jeder Faser. Überall im Körper."
Ich küsste ihn und begann langsam, sein Hemd zu öffnen. Knopf für Knopf. Schritt für Schritt. Bald lag er mit seinem nackten Oberkörper unter mir. Seine Narben am Bauch waren immer noch da, an den gewohnten Stellen. Ich streichelte sie, bevor er sich an mein Hemd machte.
Wir kuschelten weiter. Irgendwann wagte ich es, mich an seine Hose zu machen. Darunter kam eine schwarze Shorts zum Vorschein. Genauso wie beim ersten Mal, als ich ihn so gesehen hatte. Es kam schließlich eines zum anderen, heute auch, genauso wie damals.
Irgendwann lagen wir wieder ruhig nebeneinander, kuschelten, sahen uns an.
"Hast du denn heute damit gerechnet?", fragte ich Finn.
"Hab ich. Ich hab ja auch was dafür gemacht."
"Was denn?", meinte ich neugierig.
"Na, das Zimmer aufgeräumt. Und dir schöne Augen gemacht."
Okay, dachte ich mir, das war aber noch im vertretbaren Rahmen. Und hatte wenig mit Ausnutzen zu tun, was Samuel im Vorfeld befürchtet und wovor er gewarnt hatte.
"Finn unmöglich", lachte ich.
"Nichts ist unmöglich. Toyota", gab er zurück.
Wir kamen auf Verschiedenes zu sprechen. Irgendwann äußerte Finn, dass es mir an Ruhe mangeln würde. Abermals verwies ich ihn darauf, dass sein Eindruck aufgrund der Situation mit Christoph entstanden war, ich aber durchaus ruhig und gelassen sein konnte.
"Aber ich hab das doch mittlerweile selbst erlebt", gab Finn zurück.
"Aber du hast es provoziert", entgegnete ich vorsichtig. Ich hätte noch "durch deine damalige Art, zu kommunizieren" hinzufügen wollen, doch mir schien es, als ob er auch so wusste, worauf ich mich bezog.

Finn wusste nicht, was er sagen sollte. Nachdenklich betrachtete ich ihn. Ich hatte mir immer noch keine näheren Gedanken zum Thema Beziehung gemacht. Es gab da etwas, was uns beide verband, uns anzog, wie zwei Magneten. Wir waren beide optimistisch gestimmt, trotz der schwierigen Erfahrungen, die wir in unserer Vergangenheit schon hatten machen müssen, auch durch unsere körperlichen Beeinträchtigungen bedingt. Wir waren beide lebenslustig und humorvoll. Wir waren beide mit uns selbst im Reinen, dachten aber oft nach. Wir hatten beide Erfahrungen mit Ausgrenzung gemacht. Wir taten uns beide sehr schwer damit, Menschen gehen zu lassen, die wir liebgewonnen hatten. Wir waren beide offen und aufgeschlossen, auch wenn wir doch Bedenken hatten, wenn wir in eine Gruppe voller unbekannter Leute das erste Mal hineinkamen, und auch wenn wir uns auch sehr gut selbst beschäftigen konnten. Aber es gab auch Unterschiede und unsere Beziehung im Jahr 2017 war auch deswegen schwierig gewesen, weil wir sie im Vorfeld nicht wirklich gekannt hatten und daher nicht damit hatten umgehen können. Meinem Gefühl nach war es jetzt an der Zeit, diesen Umgang zu lernen, sich gegenseitig Zugeständnisse zu machen, bevor wir überhaupt uns Gedanken um "mehr" machen könnten. Zumal ich immer noch auf dem Standpunkt war, noch keine Beziehung zu wollen, sondern erst einmal eine Pause nach Magnus zu benötigen. Unterschiede... was waren das für Unterschiede? Nun, Finn nahm sich sehr viel Zeit, um nachzudenke, während ich in diesem Bereich sehr schnell zu einem Ergebnis kam. 
Mittlerweile war mir dieser Umstand bewusst und ich kannte ihn schon nahezu so gut, dass ich sein Ergebnis im Vorfeld zumindest teilweise erahnen konnte, während ich im Jahr zuvor nicht verstanden hatte, warum er so lange brauchte, ich ihn aufgrund fehlender Erfahrungen kaum einschätzen konnte und daher ungeduldig war. Eine Ungeduld, die aufgrund der Unkenntnis der Vorgeschichte und der Unsicherheit von Finn noch verstärkt worden war. 
Seine Bedürfnisse nach Ruhe und Gelassenheit, die mir nach Magnus' Ängsten und seiner Panik auch sehr entgegenkamen, hingen mit dieser kognitiven Geschwindigkeit zusammen. Im letzten Jahr war mir das noch nicht gelungen, Finn dort entgegenzukommen, aber jetzt gelangen mir erste Schritte. Zum Beispiel konnte ich jetzt in innerer Ruhe auch länger abwarten, bis eine Rückantwort von ihm auf Telegram kam, oder bis er sich von selbst melden würde, während ich im Jahr zuvor hinter jeder längerer Pause ein neues Problem vermutet hatte. 
Positiv wirkte sich nun auch aus, dass Finn mir nun nahezu immer Bescheid gab, wenn er anderweitig beschäftigt war und nicht zum Antworten kommen könnte, und mir damit sehr entgegen kam. 
Ein anderer Unterschied zwischen Finn und mir lag in der nonverbalen Kommunikation, die ich stets nur unterstützend, er aber bisweilen ausschließlich anwandte. Mir war es aber in der Vergangenheit aufgrund mangelhafter Einsichten in ihn nicht gelungen, bestimmte Andeutungen auch so aufzufassen, wie sie gemeint waren. Nachdem ich im April, Mai und Juni durch meine Gespräche mit Finn einiges mehr über ihn erfahren konnte, tat ich mich damit nun deutlich leichter.
Ich traute mich mittlerweile auch, mehr und genauer nachzufragen, wenn ich ihn nicht genau verstand oder mir nicht sicher war, was er mir sagen wollte oder wenn ich das Gefühl hatte, dass irgendetwas in ihm vorzugehen schien.
Der letzte Punkt, der mir in diesem Zusammenhang einfiel, waren die Interessen und das Projekt. 
Während ich sehr viele Interessen hatte und diese zum Teil auch nur oberflächlich betreiben konnte, lag es Finn sehr daran, ein gemeinsames Interesse zu finden, in das man dann tief eintauchen könnte und in dem sich ein gemeinsames Projekt betreiben ließ. Vielleicht könnte ein solches ja im Bereich des Schreibens zu finden sein? Immerhin hatte Finn auf bestimmten Gebieten viele eigene Erfahrungen, war bereit, Geschichten gegenzulesen und abzuschreiben, und ließ sich nicht zuletzt sehr gerne vorlesen. Ich hatte mir auch vorgenommen, ihm etwas auf der Orgel beizubringen, wenn sich die Gelegenheit einmal ergeben würde. 
Was zog mich an Finn an? Sein Humor, sein Lächeln, sein brandenburgischer Einschlag, seine blauen Augen, ja sogar seine bisweilen etwas kindische Art Seine Informatikkenntnisse, seine Geduld, seine Ungeschicklichkeit in machen Dingen, seine chaotische Kreativität, seine liebe Art, seine Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Kuscheln. Seine Aufgeschlossenheit, seine ähnliche politische Sichtweise, seine Erfahrungen, die ich auch gemacht hatte. Seine Ohren, seine wuscheligen dunkelblonden Haare. Aber jetzt einfach mal abwarten. Geduld, Ruhe und Gelassenheit. Ich wollte bewusst alles einfach laufen lassen.

Ich rief mich in die Gegenwart zurück und begann ein Gedankenspiel.
"Wie würde es wohl laufen, wenn wir eine Woche zusammen verbringen würden?", fragte ich Finn.
Er überlegte. "Du müsstest wahrscheinlich in Alex' Zimmer ziehen. Ihn raus schmeißen, dann würde das funktionieren." 
"Und wenn ich bei dir hier sein würde?"
"Dann könnte/würde es krachen, irgendwann. Wenn ich nicht mehr dazu käme, meine anderen Sachen zu machen."
"Doch, doch", beruhigte ich ihn. "Da kommst du schon dazu. Ich würde mich dann ja auch mal alleine beschäftigen wollen."
Finn wirkte verständnisvoll. Eine Pause entstand, in der ich unter seinem Tisch immer noch eine Tasche entdeckte, die ich ihm letztes Jahr geschenkt hatte.
"Darf ich dein Bad benutzen?", fragte ich schließlich Finn.
"Joa, klar", meinte er.
"Ich würde dann duschen gehen."
"Warum?", fragte er interessiert.
"Einfach so." Es war eine Angewohnheit von mir, wenn es zu "mehr" als nur Kuscheln gekommen war. Ich hätte mir auch vorstellen können, das nicht alleine zu tun.
"Möchtest du mitkommen?", fragte ich.
Finn schüttelte den Kopf.
"Darf ich dein Handtuch benutzen?"
Er nickte. "Ist das obere."
Als ich aus dem Bad zurück kam, fiel mein Blick auf die Uhr. 
"Wann möchtest du fahren?", fragte Finn, der inzwischen wieder komplett angekleidet war.
Es dauerte eine Weile, bis ich mich angezogen hatte, mein Smartphone hochgefahren war und ich entdeckte, dass wir gleich los mussten. 
"Vier Minuten zur Tram. Das schaffen wir gerade so." entgegnete Finn.
Wir drückten und küssten uns nochmals, bevor wir uns eilig auf den Weg machten. Doch tatsächlich klappte alles, sodass wir kurz darauf wieder kuschelnd in der Straßenbahn saßen. Keine 45 Minuten dauerte es, bis wir nach einem Umstieg am Nordbahnhof an der früheren Sektorengrenze am Berliner Hauptbahnhof angekommen waren. In den Untergrund hinab, eine breite Halle entlang, durch eine Tür hindurch, ein paar Schritte, eine Treppe nach unten - schon standen wir am Gleis 4, wo mein ICE Richtung Hannover abfahren sollte. Er rollte gerade schon ein, doch bis zur Abfahrt verblieben noch fast zehn Minuten. Finn und ich nahmen uns noch mit meiner Videokamera auf, bevor es Zeit wurde für den Abschied. Wir umarmten und küssten uns. Einmal. Zweimal. Wir waren schon auseinander getreten, als Finn nochmals auf mich zu kam, mich ein drittes Mal küsste, seine Arme um mich legte und mich meine um ihn. Es fühlte sich unglaublich schön an. Er war einfach so süß... Mir wurde richtig warm ums Herz.
Ich trat einen Schritt zurück, in den Wagen des ICE hinein. Hinter mir kam schon der Zugchef zum Vorschein, der an mir vorbei nach draußen trat, um abzufertigen. Doch es dauerte noch eine Weile, bis das Ausfahrtsignal auf Annäherung, gelb, umschaltete, 60 km/h, Richtung Spandau, während der sich Finn und ich beständig ansahen. Der Zugchef pfiff. Die Türen schlossen sich. Ich winkte Finn zu, der immer noch Blickkontakt zu mir hielt, bevor er dem anfahrenden ICE hinterherlief und dabei winkte. Das war so typisch Finn... ich freute mich und winkte zurück. Alles war gut. Wir würden uns wiedersehen. Und was die Zukunft bringen würde - einfach mal gucken.

*** ENDE ***

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 14 Jul 2018, 08:57

Vielen Dank auch beim Epilog an nobodyfrm fürs Abtippen und für einige Änderungsvorschläge!

Benutzeravatar
Zuri
Star-Member
Star-Member
Beiträge: 2029
Registriert: 26 Mai 2014, 18:23
Wohnort: Hamburg

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon Zuri » 25 Jul 2018, 08:38

Würde ein Hamster in einem Aquarium leben, wäre er dann kein Meerschweinchen? ;-) Das Präfix zeigt doch an, mit was der Glaskasten befüllt ist... Andere Tierbesitzer geben ihren Schützlingen neben Stroh nämlich sonst eher Terra-.

Oder ist Magnus einfach ein bisschen sadistisch veranlagt?^^

Die Zeit verging schnell. So schnell, dass wir erst gegen 16 Uhr loskamen und Magnus sich tierisch aufregte, als wir um 16 Uhr 15 noch nicht bei den beiden angekommen waren, sondern auf der Bundesstraße am Neckar im Stau standen, direkt hinter einem LKW des SWR.
"Wann fährt der denn endlich los? Ohhh... Mann!" Eine Pause folgte, ehe Magnus fortfuhr. Sollte man sowieso verbieten, diese Sender, bringen eh nichts Gescheites. Und für sowas zahle ich Gebühren!"

Oh, da fehlt irgendwo ein Anführungszeichen ;-) Also ist er eher für Privatsender? Was schaut er denn so?
Der Vergleich mit den Straßen, die er "ja benutzen" kann, hinkt seinerseits wirklich etwas. Mit einem Empfangsgerät kann man natürlich auch Fernsehen nutzen.
Interessante Unterhaltung auch über seine Biotonne :D (Y) Da wären wir dann ja schon beim Containern.

Magnus hat geschrieben:Aber da brauchts doch keine x Sender. Einer würde doch reichen, oder von mir aus zwei. Weißt du, wie viel die Pensionen der Leute im Rundfunk kosten? Ich zahl denen ihre Pensionen

Es gibt meines Wissens nach deutlich mehr Privatsender als öffentlich rechtliche. Pensionen zahlen wir auch von Politikern und Beamten. Wo ist da der Unterschied? Wenn jemanden das stört, ist das kein Problem von nur einer Branche. Außerdem ist die Sendervielfalt ja heutzutage das, was uns die Wahl des Senders so flexibel macht.

Na ja, vielleicht war das auch nicht der Fernsehsender SWR, sondern der des gleichnamigen russischen Auslandsnachrichtendienstes. Dann könnte ich seiner Abneigung wenigstens zustimmen :D

Auf seine Fahrweise angesprochen, meinte Magnus nur, wie wir denn ohne sein Auto zum Restaurant gekommen wären

Das ist keine sehr freundliche Reaktion von jemandem, der seine Fahrgäste in unnötige Gefahr bringt oder sie sich zumindest unwohl fühlen lässt.

Ich bekomme mehr und mehr den Eindruck, dass Magnus etwas eingebildet und Ich-fixiert ist. Ich hoffe, ich liege nicht komplett falsch :D

Nach dem Abendessen [...] fuhren wir mit dem Auto zurück zu Magnus' Wohnung, um von dort aus nach einem kleinen Fußweg die U-Bahn zum Kino zu nehmen

Ich dachte, er bevorzugt rücksichtsloses Autofahren und Flugzeuge oO Also ist U-Bahn auch für ihn akzeptabel...

So, erst einmal bis hier hin. Ich war dir ja jetzt seit längerem wieder einen Kommentar schuldig ;-)
Bäumchen raus, wirres Zeug rein... Hier entsteht eine neue Signatur...

zwiebelfisch
member-boy
member-boy
Beiträge: 164
Registriert: 20 Apr 2010, 00:06

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Beitragvon zwiebelfisch » 25 Jul 2018, 21:20

Zuri hat geschrieben:Würde ein Hamster in einem Aquarium leben, wäre er dann kein Meerschweinchen? ;-) Das Präfix zeigt doch an, mit was der Glaskasten befüllt ist... Andere Tierbesitzer geben ihren Schützlingen neben Stroh nämlich sonst eher Terra-.

Oder ist Magnus einfach ein bisschen sadistisch veranlagt?^°


Nein, nein, damit hat das nichts zu tun. Für mich ist "Aquarium" auch die Bezeichnung für den Behälter. Genauso in etwa, wie "Gleis" auch für "Bahnsteig" verwendet wird - vergleiche etwa "wir treffen uns auf Gleis 7", da ist nicht das Gleis in Gestalt der Schienen gemeint, sondern der Bahnsteig.


Zuri hat geschrieben:Oh, da fehlt irgendwo ein Anführungszeichen ;-) Also ist er eher für Privatsender? Was schaut er denn so?
Der Vergleich mit den Straßen, die er "ja benutzen" kann, hinkt seinerseits wirklich etwas. Mit einem Empfangsgerät kann man natürlich auch Fernsehen nutzen.
Interessante Unterhaltung auch über seine Biotonne :D (Y) Da wären wir dann ja schon beim Containern.

Magnus hat geschrieben:Aber da brauchts doch keine x Sender. Einer würde doch reichen, oder von mir aus zwei. Weißt du, wie viel die Pensionen der Leute im Rundfunk kosten? Ich zahl denen ihre Pensionen

Es gibt meines Wissens nach deutlich mehr Privatsender als öffentlich rechtliche. Pensionen zahlen wir auch von Politikern und Beamten. Wo ist da der Unterschied? Wenn jemanden das stört, ist das kein Problem von nur einer Branche. Außerdem ist die Sendervielfalt ja heutzutage das, was uns die Wahl des Senders so flexibel macht.

Na ja, vielleicht war das auch nicht der Fernsehsender SWR, sondern der des gleichnamigen russischen Auslandsnachrichtendienstes. Dann könnte ich seiner Abneigung wenigstens zustimmen :D


Stimmt, da fehlt ein Anführungszeichen ;-).
Ja, er schaut eher sowas wie RTL 2 an, aber schon auch Dokus von öffentlich-rechtlichen Sendern. Aber hauptsächlich eher Filme. Insofern also nicht ganz nachvollziehbar.
Richtig, insofern könnte man natürlich überall sparen. Was das Problem ist, wenn es keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk mehr gibt, habe ich den Ich-Erzähler auch ausdrücken lassen. Wir hätten dann zum Teil nur noch sehr tendenzielle Berichterstattung. Und die ist zum Teil heute schon ein Problem.
Nein, es war tatsächlich der südwestdeutsche Rundfunk gemeint ;-).

Zuri hat geschrieben:Ich bekomme mehr und mehr den Eindruck, dass Magnus etwas eingebildet und Ich-fixiert ist. Ich hoffe, ich liege nicht komplett falsch.

Ich dachte, er bevorzugt rücksichtsloses Autofahren und Flugzeuge oO Also ist U-Bahn auch für ihn akzeptabel...

So, erst einmal bis hier hin. Ich war dir ja jetzt seit längerem wieder einen Kommentar schuldig ;-)


Hmmm… eingebildet... gute Frage... ich-fixiert? Würde ich insofern bejahen, als dass er aufgrund seiner vielen Ängste meist nur einen Weg sieht, den er dann konsequent verfolgt, egal, was andere dazu meinen, und ob es kontraproduktiv ist. Am Anfang hat er noch versucht, das zu verbergen und alles recht zu machen, aber das konnte er auch nicht durchhalten, weil da die Anforderungen an ihn selbst zu hoch waren.

Ja, in dem Fall wäre Auto aber auch umständlich gewesen, weil sich das Kino mitten in Stuttgart befindet und man da nicht so gut parken kann... von den Parkgebühren mal abgesehen...

Danke für deinen Kommentar :).

Re: Hamsterrad mit ganz viel Salz

Werbung
 

Zurück zu „Schwule Geschichten“



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste