Einsam mit dir

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Einsam mit dir

Beitragvon streamy » 14 Jun 2015, 21:14

Guten Abend!

Schon sehr lange lese ich nun in diesem Forum still mit und habe mich endlich dazu durchgerungen, mich zu registrieren. :)
Besonders viele Geschichten hier gefallen mir sehr gut und deshalb habe ich mich entschlossen ebenfalls meine Geschichte zu posten. Teile davon habe ich schon vor längerer Zeit verfasst, fertig damit bin ich allerdings noch lange nicht. Dazu möchte ich noch sagen, dass ich in dieser Geschichte wahre Elemente aus meinem eigenen Leben mit ausgedachten Geschehnissen verknüpft habe. Wie jeder andere freue ich mich natürlich über jedes Feedback. :flag:
Los geht’s!


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>> Manchmal buddeln wir uns so tief in die Einsamkeit, dass wir vergessen, in welche Richtung wir graben müssen, um wieder
ans Licht zu kommen. << (Damaris Wieser)


Teil 1:

Ring … Ring … Ring …
Völlig perplex und kraftlos wälzt sich Jonah unruhig in seinem Bett herum. Erst nach einigen Minuten grausamer Lärmbelästigung ringt er sich dazu durch, seinen Handywecker auszuschalten.
Heute ist der erste Schultag nach den so wunderschönen Sommerferien. Ruckartig reißt er seine Augen auf: „SCHEISSE!“. Jedes Jahr an diesem einen verdammten Tag würde er am liebsten jemanden umbringen, wie kann man denn auch nur von einem 16-jährigen verlangen, sechs Wochen gemütliches Bett und erholsame Stunden einfach so von einem Tag auf den anderen in rechtwinklige Dreiecke und Kohlenstoffatome einzutauschen? Fast ist Jonah nochmals eingeschlafen, da bemerkt er das Flimmern seines Fernsehers. „Na super, da hab ich mal wieder vergessen den Timer anzustellen“.
Stöhnend griff er links nach der Fernbedienung auf seinem weißen Nachtschrank, dabei schmettert er das noch halbvolle Glas Fanta um, dass er sich vor dem Schlafen gehen eingeschenkt hatte. Am Liebsten würde er jetzt schreien, doch er reißt sich zusammen. Gerade läuft RTL2 über den Bildschirm. Auch nicht unbedingt seine erste Wahl. Er kann sich sowieso nicht mehr daran erinnern, warum er diesen Sender als letztes angehabt hatte. Jedenfalls war sicher, dass er ohne Fernseher nicht mehr einschlafen kann, spätestens nicht mehr seit das mit IHR und IHM war. Ohne Fernseher empfängt ihn eine tiefschwarze Dunkelheit, bei der ihm immer wieder Erinnerungen von IHR und IHM kommen. Doch es war nicht nur SIE und ER, es war noch so viel mehr... er will abschließen mit allem. Doch seine Fassade bröckelt. Bevor er weiterdenken kann, drückt er die Standby-Taste und schüttelt unwillkürlich mit seinem Kopf.

„Jonah, mein Schatz, es ist Zeit endlich mal wieder frische Luft zu bekommen, also raus aus den Federn und hopp hopp, sonst verpasst du noch deinen Bus!“. Ja genau, Mom wäre die Erste die er gleich umbringen würde. Bildlich gesehen natürlich. Er verflucht sie für ihre Euphorie am frühen Morgen. Heute steigt diese Euphorie bei ihr weiter ins Unermessliche, denn sie hat einen berühmten „Star“ an der Angel, den sie gleich zum Interview treffen wird. Jonah bewundert seine Mutter für ihren Job als Journalistin, sie ist bei ihrer Arbeit immer sehr hartnäckig und temperamentvoll, und trotzdem würde sie nicht im Schlaf daran denken falsche Tatsachen aufzustellen oder andere Leute zu bedrängen. Er will in Zukunft das Gleiche machen. Aber diese Euphorie... die wird er wohl nie haben. Da ging seine Zimmertür schwungvoll auf und vor ihm steht nun die Glückseligkeit in Person. Fehlt nur noch ein Regenbogen über ihrem Kopf, musste Jonah gedanklich schmunzeln. „Hey, ich weiß es ist schwer, aber nicht nur du musst dadurch. Wenigstens kommst du wieder raus unter Leute“. Dabei weiss sie genau, dass dies das letzte ist was er mag. Er spürt auch genau, dass sie noch - genauso wie er - an der Vergangenheit zu nagen hat, jedoch kann sie es besser überspielen. „Ich erwarte dich in zehn Minuten unter der Dusche“. Sein Grummeln erwidert sie mit einem schnellen Marsch aus seinem Zimmer, begleitet von einem rhythmischen Pfeifen.

Wenn er nicht tut, was sie sagt, dann könnte sie von der Laune her schon mal genauso gut zum krassen Gegenteil überspringen. Daher beschließt Jonah besser zu tun was sie gesagt hat, er will ihr diesen Tag nicht kaputt machen. Doch vorher nutzt er die Zeit um ein bisschen in facebook zu stöbern. WhatsApp ruft er ebenfalls auf. Keiner hat ihm geschrieben. Wie jeden Morgen. Warum sollte ihm auch jemand schreiben? Er hat keine Freunde und in seiner Kontaktliste hat er höchstens 15 Leute, von denen fast jeder jemand aus seiner Familie war, mit denen er eh kaum Kontakt pflegt.
Nur EINER sticht ihm wieder heraus. Die einzige Person, für die es sich seiner Meinung nach überhaupt noch lohnt, aufzustehen. Nachdem er das Profilbild von dieser Person aufgerufen hat, fühlt er sich schon etwas besser und springt schnell unter die Dusche. Dabei schaltet er im Badezimmer die kleine rote Musikanlage mit Wasserschutz an und sucht nach seinem Lieblingsradiosender. Eine echt sinnvolle Investition die meine Mutter da getätigt hat. Und was ein Zufall, eines seiner Lieblingslieder wurde gerade gespielt.
Run boy run! The sun will be guiding you, Run boy run! They're dying to stop you, Run boy run! This race is a prophecy, Run boy run! Break out from society
Grinsend lässt er das lauwarme Wasser über seine nackte Haut prasseln, um wenig später auf die kalte Stufe zu stellen. Ohne Wechseldusche geht heute überhaupt nichts bei ihm. Er gibt sich der Musik hin, doch stellt er das Wasser kurze Zeit später direkt aus, damit er nicht noch mehr Zeit verschwendet. Er sieht das Licht seines Smartphones aufblinken und stürmt direkt zum Waschbecken, auf dem er es zurückgelassen hatte. Dabei rutscht er auf der Pfütze aus, die er gerade selbst verursacht hat, und kann sich gerade noch am Schrank festkrallen. Woah, ich muss ja echt krank sein wegen einem blinkenden Licht so hampelig zu werden. Aber es hat sich gelohnt. Eine Nachricht von der Person, für die er alles direkt stehen und liegen lassen würde:

--- Guten Morgen meine Schlafmütze, ich wollte dir mal einen klasse ersten Schultag wünschen, ich hab ja noch frei :-P lass dich nicht ärgern, ich bin immer für dich da wenn was ist :) ---

- Fortsetzung folgt -

Einsam mit dir

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priZem
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Re: Einsam mit dir

Beitragvon priZem » 14 Jun 2015, 23:47

Beginnt ja bereits spannend, Mal sehen wer diese
" Person" ist.
Freue mich auf den nächsten Teil.

lg. priZem
Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.
> Perikles <

yenredron
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Re: Einsam mit dir

Beitragvon yenredron » 15 Jun 2015, 00:05

Wow, toll geschrieben!
Ich freue mich auch auf den nächsten Teil!
Und ich finde den Titel deiner Geschichte sehr schön!

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Re: Einsam mit dir

Beitragvon streamy » 15 Jun 2015, 19:29

Danke für eure ersten netten Worte yenredron und priZem :)

Hier kommt direkt der nächste Teil hinterher, ich hoffe ich finde noch einen passenden Rhythmus für das Posten der weiteren Teile.
In diesem Teil versuche ich nun die Geschichte an Fahrt aufnehmen zu lassen.
Es wird ein wenig Licht ins Dunkel gebracht über die "Person" und ich hab einen kleinen ersten Cliffhanger
verbaut (wenn man das nach 2 Teilen überhaupt schon so sagen kann :D )

Viel Spaß und weiterhin immer her mit eurem Feedback :flag:
______________________________________________________________

Teil 1.2:

Danke, dass wenigstens er mir diesen Tag erträglicher macht. Es kommt nicht oft vor, dass Leon ihm von sich aus schreibt, und dann noch um diese Uhrzeit! Jonah ist erstaunt. Und könnte ihn dafür ohrfeigen das er noch 4 Wochen Ferien hat. Jonah wohnt in Niedersachsen, er in Baden-Württemberg. Noch dazu könnte er ihn dafür ohrfeigen, dass sie sich jetzt schon seit fast genau einem Jahr nicht mehr gesehen haben, und das lag einzig und allein an Leon. In allen Ferien fand er neue Ausreden, die immer skuriler wurden. Der Todesfall seiner Oma war ja noch plausibel, aber spätestens bei der immer wieder auftretenden Aussage „Wir haben momentan nicht genug Platz“ wurde es merkwürdig. Jonah weiß, dass er nicht umgezogen und seine Familiensituation auch unverändert ist. Aber Jonah kann ihm eh nicht böse sein. Er ist der einzige, den ich noch habe, er hält mich wenn es mir schlecht geht, auch wenn es nur übers Internet oder per Telefon ist. Er ist so stark und ich vermisse seinen Umarmungen und seinen Geruch und … jetzt ohrfeigt Jonah sich selbst. Er und Leon sind nur beste Freunde, schon seit Jahren. Er wird diese Freundschaft mit allen Mitteln verteidigen! Irgendwann wird er ihn wiedersehen, da ist Jonah sich zu zweihundert Prozent sicher. Die Antwort geht ihm schnell von der Hand:

--- Jaja danke Leon, hab schon verstanden. Ich hoffe doch das wenigstens du deinen Tag genießt ;) wir schreiben später! ---


** 2 Jahre zuvor, im Sommer **
„WAS?!?! Du willst bei 35 Grad im Schatten und praller Sonne mit mir Fahrrad fahren gehen?!“ Jonah starrt Leon fassungslos an.
„Ja, das habe ich gesagt“, Leon grinst schelmisch, „sei nicht so ein Weichei und lass uns losfahren“.
- „Du weißt ganz genau wie schnell ich bei Anstrengung bei solchen überirdischen Temperaturen zusammenklappe“. Jedes Wort betont Jonah gewollt dramatisch. Er weiß das bei Leon Widerstand zwecklos ist. „Hey, wir nehmen doch genug Wasser mit, und die Stadt entfaltet ihre wahre Schönheit erst bei diesem Wet-“ - „Jaaa es ist in Ordnung, hör auf damit! Lass es uns hinter uns bringen“ - „Komm, vielleicht finden wir ja eine heiße Braut für dich“ - „Ist schon klar“. Jonah ist gelangweilt. Immer versucht Leon ihn zu verkuppeln, damit sie zusammen etwas unternehmen können, so ein Zwei-Paare-Abend zum Beispiel, immerhin hat Leon ja eine feste Freundin. Und so langsam war Jonah mal an der Reihe. „Bis zu diesem Tag war noch keine ansatzweise attraktiv“. Dabei fügt er gedanklich noch etwas hinzu, dass vorerst unausgesprochen bleibt. „Das wird schon, heute werden wohl die meisten viel nackte Haut für uns entfalten“. Dabei macht Leon mit seinen Händen eine verschwörerische Geste in der Luft. „Du bist einfach unmöglich, Leon“. Jetzt geben sich beide einem Lachanfall hin. „Deswegen liebe ich dich so, weil ich nur mit dir so hemmungslos lachen kann“. Leon wuschelt Jonah durch seine lockigen, braunen Haare, die ihm leicht über die Stirn fallen. Jonah läuft rot an. Immer spürt er dieses eigenartige Kribbeln, wenn Leon ihn berührt. Erst nur an dieser bestimmten Stelle, dann zieht sich dieses Kribbeln durch den ganzen Körper und lässt ihn jedes Mal aufs Neue erschaudern. „Am meisten vermisst du wohl echt immer meine Haare“. Leon grinst nur, und das trifft Jonah tief. Obwohl er keinen Anlass dazu hat, fühlt er sich verletzt, da er für sich selbst erwartet hatte, dass Leon ihm sagt er würde IHN immer vermissen und nicht nur seine Haare. Vielleicht tut mir das Fahrrad fahren ja doch gut, ich werde noch wahnsinnig wenn ich über jeden Floh nachdenke. Schon jetzt, als sie das Haus verlassen, kann Jonah seinen Schweiß überall spüren, selbst langsames Gehen reicht aus um einen ganzen See Flüssigkeit zu verlieren. Leon scheint das überhaupt nicht zu stören. Entschlossen läuft er schnurstracks auf die Garage neben dem Haus zu, in dem die Fahrräder gelagert sind.

„Wir fahren erst ein bisschen über die Hauptstraße, dann kurz durch den Park und noch zu meiner Schule, die habe ich dir ja immerhin noch nie gezeigt“. Ehrlich gesagt wollte Jonah die eh nicht sehen. Zumindest nicht bei dieser Hitze. Sein Kopf glüht vor Anstrengung, jeder Tritt in die Pedale tut mittlerweile höllisch weh und Leon ist viel zu schnell unterwegs. Um im Klartext zu reden, Jonah hasste so oder so jegliche Art von Sport. Fußball verabscheute er von Natur aus, beim Basketball hat er sich mal etwas gebrochen und eine gescheite Rolle vorwärts bekommt er auch kaum hin. Tischtennis oder so etwas geht gerade noch. Selbst ein Extremsportler hält diese pralle Sonne doch nicht aus. Aber Leon radelt einfach gemütlich weiter, und das in enormem Tempo. „Hallo, nicht so langsam da hinten“. Er grinst teuflisch.

Gefühlte Stunden sind die beiden nun bereits unterwegs, ohne nur einen Schluck Wasser getrunken zu haben. Jonah beginnt leicht das Gleichgewicht zu verlieren und sieht die Welt vor sich auf und abwackeln. Er kneift die Augen zusammen. Das scheint eine kleinere Besserung herbeizuführen. Er hat irgendwie keine Kraft mehr nach Leon zu rufen, um ihn um eine Pause zu bitten. Und stehen bleiben darf er sowieso nicht, denn dann würde er den Anschluss verlieren und sich irgendwo in dieser Stadt dumm verfahren. Da bleibt Leon auf einmal stehen. Endlich: die Schule! Jonah's Beine zittern kräftig, als diese festen Boden finden. „Nun, die Aula und die Mensa dortdrüben...“, Leon winkt mit seiner Hand nach rechts, „... haben jeweils einen eigenen Gebäudetrakt, während die anderen-“. Jonah verstand immer weniger von den Worten. Nun beginnt sich alles noch viel heftiger zu drehen und zu schwanken. Leon sieht er allerdings klar und deutlich vor sich. Seine reine, gebräunte und mittlerweile ebenfalls total verschwitzte Haut glänzt verführerisch in der Sonne. Er wirkt einfach wie ein Magnet auf Jonah. „Manchmal wünschte ich, dass mein scheiß Leben einfach nur vorüber wäre“, murmelt er schwach vor sich hin. HAT ER DAS GERADE WIRKLICH GESAGT? So etwas bringt er also einfach mal so über die Lippen, wenn er kurz davor ist, zusammenzubrechen? Die Worte kamen zwar leise aus Jonah's Mund, doch Leon hört sie laut auf sich einprasseln. Er tritt an Jonah heran und rüttelt ihn heftig durch. „Haben dich denn alle guten Geister verlassen? Jonah? Hör mir zu, das kannst du doch nicht ernst meinen, du musst mir versprechen...“. Da wird Jonah bereits schwarz vor Augen und fällt zusammen mit dem Fahrrad Richtung Erde. Ein Klopfen in seinem Kopf. Ein Klopfen? Moment mal, dass passt doch hier ganz und gar nicht rein...

***

Jonah erschreckt sich heftig, als er sich plötzlich wieder in seinem Badezimmer vorfindet. Oh Gott, ich kann ja ganz schön tief in Erinnerungen fallen. Mehrmals muss er mit seinem Kopf schütteln um wieder ins Hier und Jetzt zu finden. „Jonah, ich habe mir schon gedacht, dass du trödelst, dein Bus ist jetzt jedenfalls auf und davon. Und deshalb werde ich dich jetzt zur Schule fahren, vorausgesetzt, du kommst da mal raus“. Noch immer leicht verwirrt zieht er sich blitzschnell um, dreht das Schloss der Badezimmertür um und geht automatisch wie ein Zombie nach draußen und in Richtung Auto. Die knallrote Klapperkiste bedeutet seiner Mutter alles und sie pflegt und hegt diese wie ein Baby, ganz der Mann in seiner Mutter. Manchmal glaubt Jonah, dass er und das Auto Geschwister wären, er soll immer bevor er einsteigt die Front streicheln, damit sie in Frieden fahren kann. Ja, sie hat einen gewaltigen Sprung in der Schüssel, aber ich bin da nicht viel besser. Bei all den Gedanken die ihm heute schon so im Kopf herumschwirrten, hat er die Schule ganz vergessen. Die wird nun in fast 20 Minuten wieder vor ihm stehen und ihn hämisch auslachen.

„Hab einen guten Start mein Schatz, ich hab dich lieb“ - „Ich dich auch, Mom. Und viel Erfolg bei deinem Termin“. Mit einem Zwinkern steigt er aus und lässt die Tür hart in den Rahmen zurückfallen. Er sieht noch, wie sie ihn unsicher anlächelt und kurz darauf davonbraust. Sie scheint wohl ziemlich nervös zu sein wegen diesem Interview. Oder lag es an etwas anderem? An ihm?
Auf dem Schulgelände und vor den Eingängen herrscht reger Betrieb. Aber irgendetwas stimmt hier nicht mit den anderen. Er muss sich mehrmals umsehen, um diese Tatsache zu realisieren. Sie ignorieren ihn nicht wie die letzten Jahre auch. Sie starren ihn an. Einige grinsen nur unauffällig, andere brechen in offensichtliches Gelächter aus. Es stimmt etwas ganz und gar nicht. Er spürt, wie sich sein Herz zusammenzieht. Nein bitte nicht jetzt, hab bitte jetzt keinen Anfall Jonah, du wirst herausfinden was der Grund für das alles hier ist und dich dann selbst darüber kaputtlachen weil es bestimmt nur irgendeine Belanglosigkeit ist, atme tief ein und aus...

- Fortsetzung folgt -

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Re: Einsam mit dir

Beitragvon streamy » 18 Jun 2015, 21:46

Ohne neue Kommentare geht es weiter mit dem nächsten Teil.
Hoffentlich vereinsame ich hier nicht. :D

Viel Spaß :flag:
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Teil 2.1:

Das regelmäßige und ruhige Ein- und Ausatmen zeigt Wirkung, genauso wie es seine Mutter es ihm einst zeigte. Anfangs hatte sie sich schreckliche Sorgen gemacht, dahinter könne möglicherweise etwas in Richtung Epilepsie stecken, aber der Arzt hat nichts dergleichen feststellen können. So redet Jonah sich nun selbst ein, dass diese ganzen Anfälle reine Kopfsache sind. Keine Überreizung, kein Anfall. So einfach soll es sein.

Jonah versucht möglichst unauffällig einen Fuß vor den anderen zu setzen. Er spürt durch die abschätzigen Blicke der Mitschüler fiese Stiche in seinem Körper, obwohl sein Blick starr auf den Boden gerichtet ist, als er gegen eine andere Person stößt. Sollen sie sich doch über mich lustig machen, aber dieses in den Weg stellen ist echt ätzend. Langsam hebt Jonah den Kopf und realisiert blitzschnell: bei der Person vor ihm handelt es sich um keinen Mitschüler, sondern um einen ihm fremden Erwachsenen. Ein neuer Lehrer?
„Jonah Lange?“ - „Ja?“, bringt Jonah krächzend hervor.
„Hallo, ich bin Dr. Schmidt, der neue Schulleiter, da Herr Kranz ja nach Ende des letzten Schuljahres in den Ruhestand gewechselt ist“ -
„Hmm“. Das hatte Jonah völlig vergessen. Ehrlich gesagt hatte er sich öfter in den Ferien gefragt, wer wohl der neue Schulleiter wird, aber diese Gedanken werden immer weiter in den Hintergrund gedrängt, denn schließlich hat er jetzt mit wesentlich schlimmeren Problemen zu kämpfen. Wenigstens ist der Griesgram Kranz weg und der Dr. Schmidt scheint das positive Gegenteil zu sein. „Würdest du mir kurz in mein Büro folgen?“. Wortlos setzt sich Jonah wieder in Bewegung und hofft, dass Dr. Schmidt das Büro von Kranz übernommen hat, denn genau darauf steuert er zu.
Das Büro des Schulleiters kennt jeder Schüler hier von Natur aus, egal ob guter Schüler oder schlechter Schüler. Während dem Weg dorthin legt Dr. Schmidt seine Hand auf den Rücken von Jonah. Es ist schon komisch, von Lehrern auf irgendeiner Weise angefasst zu werden und vom Schulleiter erst recht. Aber Jonah fühlt sich dadurch sicherer und bewältigt den Weg durch die restlichen Menschenmassen routinierter als noch vorhin. Das Öffnen der Tür überlässt er jedoch Dr. Schmidt, denn alles andere erscheint ihm unhöflich. „Geh ruhig vor, ich bin da ganz locker“. Dr. Schmidt lacht herzlich auf und betritt nach Jonah den Raum.
Nichts hatte sich über die Sommerferien verändert. Doch, da war eine Sache. Die Ausstrahlung des Raumes. Und Jonah kann sofort feststellen das es nur an Dr. Schmidt liegt. Dieser ändert seine Miene schlagartig von erheitert auf besorgt und lässt sich auf seinem großen Bürostuhl nieder. Jonah setzt sich ihm gegenüber auf einen alten und eingesessenen Sessel. „Jonah, Du kannst Dir sicherlich denken, dass ich Dich nicht ohne Grund hierhergebracht habe, nicht wahr? Es gibt da nämlich etwas, dass du wissen solltest. Ich will Wohlergehen für jeden Schüler auf dieser Schule und nicht schon an meinem ersten Tag irgendwelche schwerwiegenden Probleme haben.“ Jonah stockt der Atem. Er will überhaupt nichts wissen. „Jedenfalls hat jemand herausgefunden, dass du … nun ja ...“. - „HALT! Hören Sie auf zu reden! Irgendwann werde ich es so oder so erfahren, also quälen Sie mich bitte jetzt nicht damit, denn es ist mir sowas von egal, worüber sich die Kindergartenkinder da draußen die Münder zerreißen“.
Jonah schreckt vor seiner eigenen impulsiven Reaktion zurück. „Ähm, entschuldigen Sie“ - „Das macht doch nichts, ich verstehe Dich. Doch ich fände es trotzdem angebracht, wenn ich Dir heute direkt Deinen neuen Stundenplan und alle wichtigen Informationen aushändige und Du erstmal nach Hause gehst. Ich möchte nämlich jede mögliche Eskalation vermeiden.“ - „Wie bitte? Ich lasse mich von denen nicht einschüchtern und Sie können mir wohl schlecht verbieten, mein Schuljahr normal wie jeder andere auch zu beginnen“. - „Da hast Du Recht, das möchte ich eigentlich sowieso nicht. Aber ich rate es Dir“ - „Meine Entscheindung steht“. Dr. Schmidt schaut Jonah eindringlich mit seinen klaren Augen über seine Brille hindurch an. „Alles klar. Trotzdem werde ich einmal die Nummer deiner Mutter heraussuchen müssen, wie heißt sie?“. - „Katja Lange“. - „Die Journalistin Katja Lange?“. Dr. Schmidt wirkt ziemlich überrascht. - „Ja, genau die“.
Bei dem Blick muss Jonah einfach schmunzeln. Das passiert ihm öfter, denn seine Mutter ist nicht mehr die Unbekannteste. „Ich entlasse Dich dann nun, die Aula füllt sich bestimmt schon langsam. Du kannst Dich jederzeit an mich wenden, falls Probleme auftreten sollten, klar?“ - „Vielen Dank. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag“. Nach einem letzten musternden Blick vom Schulleiter verlässt Jonah das Büro in Richtung Aula, in welcher traditionell jedes Jahr das neue Schuljahr eingeläutet wird. Irgendwie schaffe ich das schon. Gibt Schlimmeres. Jonah spricht sich gefühlte tausend Mal selbst Mut zu, bis er in der Aula steht...

- Fortsetzung folgt -

In Teil 2.2: Erleichterungen, Überraschungen und Alarm

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Re: Einsam mit dir

Beitragvon Max221B » 18 Jun 2015, 23:04

Wow, echt klasse deine Geschichte! Ich bin echt gespannt, wie es weiter geht. Da es Jonah bis jetzt anscheindend in der Schule nicht sooo toll ging, hoffe ich auf Besserung für ihn! :)

Weiter bitte, ist einfach schön! :flag:
LG Max
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Re: Einsam mit dir

Beitragvon streamy » 19 Jun 2015, 21:55

Danke dir Max :)
In diesem Teil geht es Jonah schon etwas besser, aber man merkt weiterhin, das ihn viele Dinge im Kopf herumgeistern und es ein einschneidendes Erlebnis in seinem Leben gab, dass ihn so schuf wie er jetzt ist. Schonen werde ich ihn natürlich trotzdem nicht :wink:

Viel Spaß mit dem vierten Teil! :flag:
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Teil 2.2:

Verdammt! So schnell Jonah bei dem Gespräch mit dem Schulleiter Mut gefasst hat, so zerbricht diese wieder in jenem Moment durch seine Unsicherheit. Hätte ich ihn doch mal lieber ausreden lassen. Aber die haben meine Aufmerksamkeit alle nicht verdient. Da haben die sich geschnitten, wenn sie denken sie könnten mich auf irgendeiner Art und Weise fertig machen. Er überlegt, ob er jetzt wohl niemanden mehr ansprechen kann, ob jeder schon weiß was dieser „jemand“ über ihn herausgefunden haben soll. Jonah scheitert kläglich daran, sich einen Reim darauf zu bilden. Es gibt absolut nichts über ihn in Erfahrung zu bringen, was laut Dr. Schmidt „eskalieren“ könnte.

Zu seinem Vorteil sitzen alle, die bisher gekommen sind, ganz vorne in der Aula, sodass die hinteren Reihen alle noch komplett frei waren, wie für Jonah gemacht. Er entscheidet sich dazu es sich in der hintersten Ecke gemütlich zu machen. Dort ist man weit, weit weg von den anderen, aber man bekommt trotzdem alles vom Geschehen auf der Bühne mit. Jonah schnaubt wie von tausend Tonnen Last befreit aus – erster Etappensieg für heute. Die Betonung liegt auf Etappe. Denn schließlich genügt ein flüchtiger Blick auf seinen neuen Stundenplan: er wird heute noch sechs Stunden Unterricht hinter sich bringen müssen. Damit er als Erster auch wieder raus aus der Aula ist, verlässt er diese sogleich nachdem er sich alle wichtigen Informationen für dieses Schuljahr sorgfältig notiert hatte. Er ist ein sehr ordentlicher Schüler, schriftlich stärker als mündlich, der immer ziemlich gute Zeugnisse hervorbringt. Er hofft, dass sich dieses Jahr daran nichts ändern wird.

***
Die zweite Etappe heißt: möglichst normal und gesittet diesen Kursraum betreten, sich hinsetzen und alles genauso machen wie immer. Jonah schickt ein Gebet Richtung Himmel (an irgendeinen Gott glauben tut er trotzdem nicht) und übertritt die Schwelle vom Flur in den Raum. Scheinbar sitzen alle bereits auf ihren Plätzen, nur sein Platz neben Jennifer ist noch frei. Während seine Augen scharf vorbei an dem Smartboard, den Plakaten und dem kleinen Waschbecken vorbeiziehen, stirbt Jonah auf einmal tausend Tode. Er sieht, wie ihn ein blonder Junge aus der Mitte des Raumes anstarrt und angrinst. Diese blauen Augen... genau wie die von Leon! Aber bei ihm hier sieht es so aus als würde er durch Jonah hindurchgucken. Jonah kann dieses Grinsen nicht interpretieren. Irgendwie ist das eine Mischung aus mitleidigem, amüsierten, herablassendem und liebevollen Grinsen. Reiß dich zusammen, Jonah! Zieh dein Ding durch. Jonah glaubt, wenn man sich aus allem heraushält, mit den anderen nur die nötigsten Worte wechselt, sich den anderen nicht offenbart, dann bekommt man keinen Stress. Dieses Motto hatte sich spätestens seit DEM Ereignis mit IHM und IHR fest in seinem Unterbewusstsein verankert. Zielstrebig lässt sich Jonah auf seinen Stuhl gleiten, als Dr. Schmidt den Raum betritt.
„Guten Morgen Klasse, ich bin euer neuer Mathelehrer und für die, die es noch nicht wissen sollten, ich bin auch der Nachfolger von Herrn Kranz“. Darauf folgt allgemeines Gemurmel. Irritierenderweise verspürt Jonah sobald Dr. Schmidt anwesend ist eine gewisse Sicherheit, um daraufhin in den ewigen grässlichen Wahnsinn der Mathematik zu verfallen. Trotz dieses Elends entgeht Jonah nicht der Blick von dem Jungen mit den blauen Augen, der ihn mittlerweile nicht mehr angrinst, sondern verträumt ansieht. Jonah wird ganz warm ums Herz bei diesen Augen. Man kann sich so schön darin fallen lassen. Am Liebsten würde Jonah jetzt aufstehen und diesem Jungen durch die Haare streicheln, jede einzelne Strähne durch seine Finger gleiten lassen. Wie er wohl heißt? Ist er neu oder wiederholt er das Schuljahr? Moment mal?! Abrupt stoppen Jonah's Gedanken. Sieht er jetzt Leon in diesem Jungen oder nicht? „Herr Jonas Lange!“ - „Ähm, wie, was, ja bitte?“ - „Es wäre sehr nett, wenn Du deinen Blick mal an das Smartboard heften würdest und nicht an andere Personen“. Da fing ich gerade an, ihn zu mögen und nun bringt er sowas. Jonah will einfach nur, dass diese Doppelstunde Unterricht vorüber geht. 15 Minuten, 40 Minuten, 60 Minuten. Jonah merkt, dass Jennifer schon seit dem Anfang der Stunde weit von ihm abgerückt ist, als ob seine Nähe irgendwie tödlich wäre. DING! Das war der Gong der Erlösung. Etappe zwei: abgehakt!
Wie auf der Flucht vor einem Massenmörder läuft Jonah den Weg Richtung Ausgang, als eine Hand sanft seinen Arm berührt und mit ihr den ganzen Jonah herumdreht. Jetzt steht er direkt vor dem blonden Jungen, Auge in Auge. Meine Güte, dieser Typ raubt mir echt den Atem.
„Jonah, nicht wahr?“ - „Jap“. Jonah beginnt zu schwitzen. „Ich bin Patrick und muss dummerweise das Schuljahr wiederholen“. Er reicht Jonah die Hand, welcher diese zaghaft schüttelt. „Super, ich mein, nett dich kennenzulernen, ich, ähm, ich wollte sagen, dass wir uns ja irgendwie noch nie über den Weg gelaufen sind, und die Schule ist ja, nun ja, nicht die Größte um es so zu sagen“. Patrick beginnt zu grinsen. Schon wieder dieses Grinsen, in das man nichts hineininterpretieren kann! „Macht dich meine Anwesenheit etwa nervös?“. Patrick zwinkert Jonah mit seinem rechten Auge provokant zu. Ja, du machst mich nervös, verdammt nochmal. Genau wie Leon. Ich kann es nicht mehr verdrängen, irgendwas zieht mich wie magisch zum gleichen Geschlecht hin. Bin ich etwa schwul? Das ist doch bestimmt nur so eine Phase … aber das mit Leon ist immerhin schon seit einigen Jahren so. Immer dieses Kribbeln. MIST! Und warum zieht Patrick gerade an meinem Arm? Jonah realisiert, dass der Feueralarm losgegangen ist. Eigentlich passiert das jedes Jahr nach den Sommerferien, als Übung für den Notfall eben...

- Fortsetzung folgt -

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Tai
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Re: Einsam mit dir

Beitragvon Tai » 21 Jun 2015, 20:11

Mehr davon..meeeeehr. Richtig toll geschrieben, gefällt mir! :)
Ich kann Dir nicht weh tun, ohne mich dabei selbst zu verletzen.

♥ 01.01.12 ♥

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Re: Einsam mit dir

Beitragvon Max221B » 21 Jun 2015, 22:57

Ich warte auch gespannt auf den nächsten Teil! :)
Was ich ganz witzig finde, bei mir an der Schule gabs letztens auch einen Feueralarm, keine Übung, da ist das Holzlager für die Heizung total abgebrannt! Das witzige war, dass bei uns die Lehrer den dichten weißen Rauch gesehen haben und nichts gemacht haben, einfach den Unterricht weiter. :lol:
Ich hoffe mal an Jonahs Schule ist das wieder nur der Probealarm...wobei ein echter Brand natürlich mehr Dramatik reinbringen würde. Weeeeeiter!!!! :)
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Re: Einsam mit dir

Beitragvon streamy » 22 Jun 2015, 21:03

Freut mich, dass es dir gefällt Tai. :oops:

Max221B hat geschrieben: Was ich ganz witzig finde, bei mir an der Schule gabs letztens auch einen Feueralarm, keine Übung, da ist das Holzlager für die Heizung total abgebrannt! Das witzige war, dass bei uns die Lehrer den dichten weißen Rauch gesehen haben und nichts gemacht haben, einfach den Unterricht weiter. :lol:


Diese Sorte von Lehrern kenne ich auch. Hauptsache das letzte was man dann gemacht hat, war Unterricht :D
Dieser Teil hat etwas länger gebraucht, weil mir die erste Fassung überhaupt nicht gefallen hat. Dort ist erstens die Logik etwas verloren gegangen und zweitens war mir das Ganze zu überspitzt. Dafür bin ich mit dieser "entschärften" Fassung umso zufriedener.
Es würde mich allerdings noch interessieren wie ihr die Länge der Teile findet. Angemessen, zu kurz oder zu lang? :roll:

Nun aber viel Spaß beim Lesen. :flag:

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Teil 3.1 – Zersplittert:

Dieses monotone Auf und ab-Geheule tut einfach nur weh in den Ohren. Würde diese Probeübung mal auf einen jedes Jahr anderen, geheimen Tag fallen, dann würde jetzt mit Sicherheit mehr Panik und Hysterie in der Luft liegen. Aber so wie es immer ist verlassen einfach alle nur entspannt und langsam das Schulgebäude. Jonah merkt, dass Patrick ihn immer noch festhält. „Danke, aber ich bin wirklich alt genug um alleine laufen zu können“. Langsam zieht Patrick seine Hand zurück und wirkt dabei leicht verlegen. Sie befinden sich im dritten Stockwerk des Altbaus und erreichen nach einigen Augenblicken die Treppen. Wo sind eigentlich die ganzen anderen so schnell hin? Außer ihm und Patrick ist hier keiner mehr. Spätestens als Jonah die Sirene eines Feuerwehrwagens in der Ferne ausmachen kann, gerät er etwas aus der Fassung. Und zum ersten Mal kann er den Gesichtsausdruck seines Gegenübers korrekt erfassen. Er kann Sorge in Patricks Gesicht erkennen. Doch worüber sollten sie sich überhaupt Sorgen machen? Sie sehen kein Feuer, sie spüren kein Feuer, sie riechen kein Feuer. Wenn es auf dem Schulgelände brennen sollte, dann garantiert nicht hier wo sie gerade stehen. „Ich würde mal sagen, dass wir runter gehen sollten“. Jonah nickt kräftig und daraufhin laufen beide schnell, aber bedacht, die Treppen hinunter. Im Erdgeschoss angekommen bemerkt Jonah, dass die Scheibe eines Feuermelders eingeschlagen worden ist, trotzdem kann er immer noch nirgendwo Feuer sehen. Zu seinem Verwundern kommen plötzlich Dr. Schmidt und ein augenscheinlicher Feuerwehrmann herbeigeeilt. Jonah und Patrick bleiben wie angewurzelt stehen. „Könnt ihr mir vielleicht erklären, wer hier einfach mal so den Alarm ausgelöst hat?!“. In Dr. Schmidts Stimme erklingt bloße Wut.. „Hallo? Habt ihr eure Stimme verloren oder was?“ - „Aber … ich dachte … an diesem Tag ist doch eigentlich immer der Probealarm“. Glaubt Dr. Schmidt wirklich, dass er und Patrick das ganze Theater hier veranstaltet haben sollen?. „Tja, und ich als neuer Schulleiter habe es so festgelegt, dass ein Probealarm nicht mehr angekündigt wird und somit heute auch nicht stattfindet“. War ja klar. Da hat Jonah grad selbst noch dran gedacht und es für gut befunden. „Glaubt mir, sollte sich herausstellen, dass jemand von euch daran Schuld ist, dann wird das mächtig große Konsequenzen haben“. Doch Patrick schüttelt nur mit seinen Schultern. „Warum sollten wir hier so seelenruhig stehen bleiben, wenn wir es gewesen wären? Also irgendetwas stimmt da mit ihren professionellen Schlussfolgerungen nicht, Herr Schmidt“. Schnell nimmt das Gesicht von Dr. Schmidt eine unnatürliche Farbe an. Jonah registriert das totale Desinteresse von Patrick. Er jedoch kocht innerlich. Er hatte sich fest vorgenommen, Stress jeglicher Art zu vermeiden und trotzdem ist er in diese Situation gerutscht ohne selbst daran Schuld zu sein. Genauso wenig wie er an dem Gelächter der ganzen Schüler über ihn heute Morgen Schuld war. Dr. Schmidt schüttelt mit dem Kopf und scheint sich etwas zu beruhigen. „Bis die Sache geklärt ist, werde ich euch bis auf weiteres vom Unterricht freistellen müssen. Jonah, mit deiner Mutter stehe ich ja bereits in Kontakt. Und bei dir Patrick werde ich deine Schwester anrufen müssen“. Seine Schwester? Warum seine Schwester? Ohne ein weiteres Wort zu verlieren sprintet Jonah an Patrick, Dr. Schmidt und dem Feuerwehrmann vorbei Richtung Ausgang, wird aber schnell von Patrick eingeholt. Was will er denn noch? Erst lässt er mich nach dem Alarm nicht los und jetzt verfolgt er mich. Patrick legt eine Hand auf die Schulter von Jonah und redet ermutigend auf ihn ein. Zieht Jonah ihn wirklich so an oder will Patrick einfach nur nett sein? „Hey, die ganze Sache wird mit Sicherheit schnell aufgeklärt werden und dann wird sich das Problem in Luft auflösen“. - „Mich würde es total freuen, wenn das mein einziges Problem wäre“. Fragend schaut Patrick ihn direkt an. „Na, hat unsere Schulschwuchtel endlich seinen Retter in der Not gefunden?“. Wer hat das gesagt? Und WAS hat derjenige gesagt? Schwuchtel? Ich? Tosendes Gelächter bricht über ihn hinein, noch grauenvoller als heute Morgen. Gleich kann er nicht mehr an sich halten. Sogar Patrick kann er nicht mehr sehen. Er will nur noch weg von hier, weit weit weg. Als er Richtung Bushaltestelle rennt, bemerkt er durch einen flüchtigen Blick auf seine digitale Armbanduhr am rechten Armgelenk, dass der nächste Bus erst in 25 Minuten kommen wird. Das halte ich nicht aus. Aber zu Fuß wäre er nach Hause mindestens gefühlte Stunden unterwegs. Letztendlich entscheidet er sich dazu, bis zur nächsten Haltestelle weiterzurennen. Dort angekommen entsperrt Jonah Smartphone und muss sich jetzt unbedingt den Frust von seiner Seele schreiben. LEON! Rasch öffnet er den entsprechenden Whatsapp-Chat:

Jonah:
--- Alles bricht hier zusammen Leon, ich kann das nicht mehr aushalten, sie haben mich gerade einfach alle ausgelacht. ALLE! --- 12:39

Leon:
--- Was ist denn passiert? :$ Mach bloß nichts unüberlegtes, wir haben die letzten Jahre da schon oft genüg drüber geredet! --- 12:41

Jonah:
--- Ich weiß... aber erst dieser schreckliche Unfall früher, dann das mit meinem Vater, meine Anfälle. Es passiert rein gar nichts Gutes :'-( --- 12:42

--- Kann ich nicht zu dir kommen?? ich halte das nicht mehr aus --- 12:42

Leon:
--- Jonah, du weißt doch dass das nicht geht --- 12:43

Jonah:
--- ACH JA? Dann erklär es mir doch mal ganz anstatt immer nur dieses 'wir haben hier nicht mehr genug Platz für dich' --- 12:44

Darauf erfolgt keine Antwort von Leon mehr. Jonah lässt seinen Tränen freien Lauf, wehrt sich nicht gegen sie. Das ist das erste Mal wieder seit Monaten, dass er sich weinend zusammenkauert. Hier, auf dieser verschmutzen Bank an dieser maroden Bushaltestelle. Im Kontrast zu diesem mildem Wetter und dem strahlenden Sonnenschein.

- Fortsetzung folgt -

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Re: Einsam mit dir

Beitragvon Tai » 23 Jun 2015, 13:30

Wieder toll geworden :)
Ich persönlich find, dass die Länge gerade passend ist, so bekommt man immer etwas mit aber bleibt doch spannend. Zu spannend :D

Bin gespannt wie's weiter geht :)
Ich kann Dir nicht weh tun, ohne mich dabei selbst zu verletzen.

♥ 01.01.12 ♥

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Re: Einsam mit dir

Beitragvon Max221B » 23 Jun 2015, 16:17

Armer Jonah... :-? :cry:
Ich bin auch sehr gespannt, unter anderem mehr über Patrick zu erfahren! :)

LG Max
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Re: Einsam mit dir

Beitragvon streamy » 24 Jun 2015, 19:31

Danke das ihr mir weiter Feedback gebt Tai und Max, das spornt enorm an :)
Über Patrick an sich erfährt man in diesem Teil noch nichts Neues, aber lange dauert es nicht mehr :P

Viel Spaß mit dem 6. Teil :flag:

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Teil 3.2 – Zersplittert:

Warum mache ich mich eigentlich immer so verrückt? Patrick hat doch gesagt das sich alles aufklären wird. Und wieder ist Patrick in meinen Gedanken... Da! Da ist er! Dieser Moment, in welchem Jonah Mut fasst. Genauso wie vor einigen Stunden auf dem Weg zur Aula. Nur bleibt immer die Frage im Raum stehen, wie lange dieser Mut anhält. Zumindest geht sein Vorrat an Tränen langsam aber sicher zu Neige. Drum hebt er den Kopf und wischt sich mit seinen Ärmeln durchs Gesicht. In zwei Minuten soll der Bus kommen. Anscheinend ist Weinen ein guter Zeitvertreib. Sarkastisch lacht Jonah über seinen eigenen Gedanken.

In den Bus eingestiegen, setzt sich Jonah in die Mitte des Wagens und steckt sich direkt seine weißen Kopfhörer in die Ohren. Er wählt wahllos einen Song von seinem Handy aus. Aber der Bus fährt nicht los. Die vordere Tür ist ebenfalls noch geöffnet, dabei hat der Busfahrer doch schon fünf Minuten Verspätung auf der Uhr. Jonah ist fast dabei, sich darüber aufzuregen, als ein Junge am Bus vorbei Richtung Bustür rennt und dem Busfahrer völlig aus der Puste seine Fahrkarte vorzeigt. Erst als der Blick von dem Jungen seinen kreuzt, bemerkt er: es ist Patrick! Patrick's Mundwinkel ziehen sich leicht nach oben, doch Jonah erkennt sofort, dass es sich dabei um ein gezwungenes Lächeln handelt. Jonah schaut unwillkürlich weg und Patrick setzt sich einige Reihen vor ihm auf einen freien Sitzplatz. Der Bus ist um diese Uhrzeit immer von unheimlich vielen Senioren besetzt. Der Großteil hat ja immerhin noch Schule. Außer Jonah und Patrick. Während der ganzen Busfahrt kann Jonah seine Augen nicht von Patrick nehmen, auch wenn er nur Bruchteile seines Kopfes von hinten sehen kann. Abrupt reißt er seine Kopfhörer aus seinen Ohren und läuft ungewollt rot an. Das Handy spielte vor einigen Momenten den Song „Halt dich an mir fest“ von Revolverheld ab und Jonah fühlt sich ertappt. Doch jetzt macht er sich keine Gedanken darüber. Er grinst und schüttelt nur seinen Kopf und taucht direkt danach wieder in die Welt der Musik ein.
Noch drei Haltestellen... zwanzig Minuten Fahrzeit von der Schule bis zu seiner Zielhaltestelle sind zwar nicht wirklich viele, aber der Bus hält gefühlt alle hundert Meter irgendwo an.
Noch zwei Haltestellen... noch eine Haltestelle... Moment! Patrick steht auf. Wenn er an der nächsten aussteigt, dann wohnt er in Jonah's Nähe! Die Tür öffnet sich, allerdings geht Patrick nicht direkt zur hinteren Tür, sondern zu Jonah. Dessen Herz steht für den Bruchteil einer Sekunde still. Patrick fasst ihm im Vorbeigehen mit einer Hand an den Arm und mit dem selben leichten Lächeln wie vorhin schon sagt er leise: „Bis dann“. Daraufhin eilt er zur Tür, bis er mit einem leichten Sprung aus dem Fahrzeug auf den kahlen Asphalt tritt.

***
Er hält mich in seiner Umarmung fest, so, als wäre ich das Wertvollste für ihn auf der ganzen Erde. Sein leicht herber Geruch lässt mich komplett in ihn fallen. Es gibt nur zwei Dinge hier. Ihn und mich. Patrick und Jonah. Vereint wie eh und je. Er beugt sich leicht zurück, um mir in die Augen schauen zu können. Trotzdem lässt er seine Arme an meiner Hüfte liegen. „Jonah...“. Diese melodische Stimme... so schön...


Jonah schreckt von der Wohnzimmercouch auf und muss seinen gerade erlebten Traum erstmal verarbeiten. Wieso zur Hölle träume ich von Patrick? Und warum träume ich von einem Patrick, der MICH umarmt? Ich habe ihn heute zum ersten Mal wirklich gesehen. Von Leon träum ich natürlich nie. Seitdem er aus dem Bus ausgestiegen und zuhause angekommen war, hatte er sich direkt auf die Couch geschmissen. Ich muss ja echt müde gewesen sein. Daher wohl auch der Traum. Während er sich verschlafen durch die Augen reibt, schreckt er wegen der zuknallenden Wohnungstür zusammen. Jonah's Mutter scheint nicht mehr so fröhlich wie heute morgen zu sein. Und das alles nur wegen ihm. Das wird wahrscheinlich ein langer Nachmittag werden.

- Fortsetzung folgt -

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Re: Einsam mit dir

Beitragvon Tai » 25 Jun 2015, 22:44

Wieder sehr toll :)
Und wieder ein guter Abschluss der Lust auf mehr macht. :)
Ich kann Dir nicht weh tun, ohne mich dabei selbst zu verletzen.

♥ 01.01.12 ♥

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Re: Einsam mit dir

Beitragvon Max221B » 26 Jun 2015, 00:33

Haha, du machst ja den ganzen alteingesessenen Autoren hier Konkurrenz, was die Spannung der Cliffhanger angeht! :D
Ich kann nur sagen, toll wie immer und ich bin gespannt wie Jonah's Mutter reagiert. Ich hoffe doch, Jonah hat irgendwann in deiner Geschichte auch mal richtig Glück! :)
Und Patrick stell ich mir grad echt süß vor... Weiter bitte!

LG Max
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Re: Einsam mit dir

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