Ehemann

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Re: Ehemann

Beitragvon Zuri » 17 Jul 2019, 19:24

Zumindest das ist erfreulich :)

Hättet ihr Colin eigentlich auch geheiratet? ;-)
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Re: Ehemann

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Re: Ehemann

Beitragvon Matti » 18 Jul 2019, 00:05

So ... dann solst du auch deinen Kommentar von mir erhalten.
Dir ist die Ehe sehr wichtig, zumindest war es das, was sich bis jetzt wiederholt hat :rat:
Ich brauch noch ein - zwei Kapitel um richtig rein zu kommen. Ob ich Colin geheiratet hätt, kann ich auch noch nicht sagen
aber Mark ist mir sympatisch :D jede Stunde hungrig, das könnte ich sein :D
Da es förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.

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Re: Ehemann

Beitragvon Quianye » 18 Jul 2019, 05:15

Situation
Collin: "Willst du mich heiraten?"
Ich: "Alter, egal was du so rauchst, lass es!"
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Re: Ehemann

Beitragvon Zuri » 18 Jul 2019, 09:17

Ich kann mir nicht vorstellen, das Colin Drogen konsumieren würde :D

Ehe per se nicht, aber diese Ehe definitiv.

Ja, Mark ist zwar ziemlich verrückt, aber ein guter Kumpel. Das hätte ich zu Anfang auch nicht gedacht. Freut mich, dass er auch positiv rüberkommt :)

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Re: Ehemann

Beitragvon Zuri » 28 Jul 2019, 19:48

Nach zehn Tagen wollt ihr wahrscheinlich auch wissen, was noch so alles in der Woche in Hamburg mit Mark und Colin passiert. Und das will ich auch nicht vorenthalten. Viel Spaß beim nächsten Part!



Ehemann
Part 7

Die Frage

"Wir kommen zu spät zu den Wasserspielen!", rief Mark und sprang von der Bank auf, auf der er auf uns gewartet hatte, als wir ihm entgegenkamen. Die Wasserspiele fanden neben an in Planten un Blomen statt. Wir waren wirklich spät dran und hatten zudem auch noch keinen blassen Schimmer, wo die Wasserspiele in diesem weitläufigen Park stattfinden sollten. Als wir den Ort endlich gefunden hatten, waren sie bereits im vollen Gange.

Mark eilte sofort durch die Menge nach vorne ans Wasser; Colin und ich blieben zurück, von wo wir ohnehin genug sehen konnten. Auch die Musik, die dazu abgespielt wurde, war hier hinten gut zu hören. Vorne standen die Zuschauer zudem alle sehr eng gedrängt.

Eine Weile schwiegen wir. Dann fing Colin an, zu erzählen.

"Ich hab früher mit meiner Schwester immer 'Barbie und der Nussknacker' geschaut."

"Wegen deiner Schwester?", fragte ich, da ich mir nicht sicher war, ob er es aus Eigeninteresse angesehen hatte.
"Nee. Ich fand das damals toll. Heile Welt und so. Weißt du?"
Ich lernte immer neue Seiten meines Ehemanns kennen. Viele Schwule hatten ihre Erlebnisse oder Werke, die für sie ein wichtiger Halt und Vorbild gewesen waren. Das war also seine Geschichte.



Der Abend war noch nicht vorbei: Den Abschluss bildete ein Feuerwerk auf dem Dom. Wenig später waren wir wieder drüben auf dem Heiligengeistfeld; Mark wieder etwas abseits - diesmal weil er Feuerwerk liebte und währenddessen alles andere vergaß.

Colin und ich standen beisammen und starrten hoch in den Himmel. Nach einiger Zeit hatte ich das Gefühl, eine Frage stellen zu müssen, die unsere Verbundenheit als Ehepartner vertiefen könnte.

"Du willst mal Kinder, richtig?" Das hatte er mir mal erzählt; die Frage war eher rhetorisch gemeint. Er hatte seinen Bruder sehr gern und konnte sich auch vorstellen, eigene Kinder zu haben. "Lieber ein Junge oder ein Mädchen?", fragte ich.
"Ist mir völlig egal. Kinder sind toll. Aber welche zu adoptieren, wird schwierig."
Ich konnte mir absolut nicht vorstellen, Kinder zu haben. Andererseits verspürte ich den Wunsch, ihm diesen Traum möglich zu machen. Ich stellte mir vor, wie es wäre, mit meinem Ehemann zusammenzuleben.
Ich ließ einige Augenblicke verstreichen, dann unterbreitete ich ihm einen Vorschlag. Seine Reaktion konnte ich absolut nicht einschätzen, hatte aber den Eindruck, dass er mich auch sympathisch fand.
"Was hältst du davon, Silvester zu mir zu Besuch zu kommen? Gerne auch ohne Mark."
Ich konnte es kaum erwarten, zu wissen, was er darüber dachte.
"Gerne. Aber ist das nicht unfair Mark gegenüber?"
"Mit dem hab ich mich doch auch schon ohne dich getroffen. Außerdem kann er meinetwegen das Silvester darauf kommen."
"Okay, ja, das wäre toll!"
Ich war unglaublich erleichtert.
Es war, als wenn wir jetzt eine Art Geheimnis teilten.

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Re: Ehemann

Beitragvon Quianye » 29 Jul 2019, 06:40

Endlich geht's weiter...

Und endlich verbringen die beiden mal etwas Zeit alleine. Ob Mark da nicht eiversüchtig werden wird...
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Re: Ehemann

Beitragvon Zuri » 29 Jul 2019, 10:43

Mark hat das ja nicht mitbekommen. Da haben Colin und Samuel schon drauf geachtet :D
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Re: Ehemann

Beitragvon Zuri » 04 Aug 2019, 17:30

Na, was passiert, wenn Samuel und Colin alleine zu Hause sind? Erfahrt es jetzt im neuen Part ;-)



Ehemann
Part 8

Der Kuss

Als wir so des Abends durch die Stadt schlenderten, begann Mark Colin in Spaßhandgreiflichkeiten zu verwickeln. Ich ging schließlich dazwischen, indem ich Mark immer wieder in die Seite piekste, was zu einem Vorteil für Colin führte. Mark würde später anmerken, ich habe den ganzen Abend schon auffallend Partei für Colin ergriffen und ihn beschützen wollen, was mir selbst gar nicht so bewusst gewesen war. Für Mark war es ein Zeichen, dass er mit dem Verkuppeln auf einem guten Weg war und nur dranbleiben müsse. 



Wie auch die Tage zuvor schrieben Colin und ich morgens miteinander, um abzuklären, wann und wo wir uns diesmal treffen wollten. Colin informierte mich, dass Mark sich bereits im Bad befand und wir vor einer halben Stunde nicht mit ihm zu rechnen brauchten. Darüber hinaus, setzte Colin das Briefing fort, habe Mark schon Pläne für den heutigen Tag. Und die gefielen Colin nicht. Ich fragte ihn, was Mark vorhabe.
"Shoppen gehen", antwortete Colin.
Wir waren schon am ersten Tag mit Mark bei Wormland gewesen. Dort hatten Colin und ich uns hauptsächlich unterhalten, während Colin stöbernd durch die Gänge huschte. Am Ende hatte Mark eine dunkelgraue, leicht rötliche Hose gefunden, war aber selbst nach dem Anprobieren nicht sicher, ob sie ihm gefiel. Wir versicherten ihm, dass sie ihm stehe, aber er erwiderte nur, dass wir keine Ahnung hätten. Stattdessen schickte er Leander ein Bild von sich in der Hose und fragte diesen nach seiner Meinung. Leander sagte ihm dasselbe wie wir und so entschied sich Mark, die Hose zu kaufen.

Colin wollte das nicht schon wieder durchmachen müssen und ich konnte ihn verstehen. Mark wäre auch ohne uns nicht allein dort, da er einen der beiden Vermieter ihrer Unterkunft überredet hatte, mitzukommen und so schlug ich Colin folgendes vor: "Dann lass uns doch einfach was zu zweit machen."
Colin kam sich unwohl bei dem Gedanken vor, Mark zu sagen, dass er nicht mitkomme. Ich erwiderte, dass er einfach sagen solle, dass ich es vorgeschlagen habe und er nicht 'Nein' sagen konnte. Daraufhin erkundigte ich mich, was er Lust habe, stattdessen zu unternehmen.
"Gute Frage. Irgendwas bei dem ich nicht meinen gesamten Monatslohn ausgebe", war seine Antwort.
"Okay, dann anders gefragt:", versuchte ich es. "Wie stellst du dir denn einen markfreien Tag mit deinem Ehemann vor?"
"Keine Ahnung."
"Wenn du magst, können wir das auch mal anders machen: Du kannst zu mir kommen, wenn du möchtest und dann sehen wir weiter."
Colin stimmte dem Vorschlag zu und ich beschrieb ihm, wie er mit ÖPNV zu mir kam.



Ich holte ihn eine knappe halbe Stunde später an der Bushaltestelle ab und wir liefen die paar hundert Meter zu mir nach Hause. Da ich nur über eine Sitzgelegenheit außer dem Bett verfügte, setzten wir uns beide aufs Bett und ich reichte meinem Ehemann einen Moment später eine Tasse Tee.

Kennt ihr den Moment, wenn der Kopf die aktuelle Situation auf absurde Weise in einem Was-wäre-wenn-Szenario weiterspinnt, an dem man nicht das geringste Interesse hat? Als ich so neben Colin saß, kam mir aus dem Nichts der Gedanke, wie es wohl wäre, ihn zu küssen. Ich weiß bis heute nicht, wie der Gedanke damals in meinen Kopf kam. Sicher ist, dass ich nicht vorhatte, ihn zu küssen. Es war schlichtweg kein Interesse an einem Kuss oder überhaupt einer solchen Situation mit Colin da. Also verwarf ich den Gedanken schnell wieder. Wir unterhielten uns und nebenbei kochte ich CousCous für uns beide — sonst waren wir mit Mark immer essen gegangen.

"Voll schön", meinte Colin irgendwann."
"Hmmm?"
"Ich hab heute mit dir viel mehr von Hamburg gesehen, als die ganzen Tage zuvor und heute war der erste Tag, an dem es nicht so stressig und durchstrukturiert war."

Als wir gerade beim Essen waren, schrieb Mark uns, warum wir denn so lange brauchen würden und er bereits auf uns warte. Das riss Colin sofort aus der entspannten Atmosphäre. Wir antworteten, dass wir gerade aßen, beeilten uns aufzuessen und machten uns auf den Weg in die Innenstadt, wo Mark uns schon erwartete und mit verschwörerisch-wissendem Blick fragte: "Und? Was habt ihr da so lange getrieben? Alleine?"
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Re: Ehemann

Beitragvon Quianye » 05 Aug 2019, 06:24

Hallo Zuri,

Also aus Mark werd ich irgendwie nicht ganz schlau. Auf der einen Seite scheint er Colin und Samuel verkuppeln zu wollen, Auf der Anderen funkt er immer dazwischen wenn sie zwischen den beiden was entwickeln könnte. Ich werd das Gefühl nicht los, dass er selbst auf Colin steht. Mal schauen wie es weiter geht...hoffe bald...
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Re: Ehemann #1-3

Beitragvon ArokhsSohn » 05 Aug 2019, 19:07

Zu Ehemann #1-3

Hi Zuri,

da fange ich doch mal an, auch Deine neue Geschichte zu kommentieren :-D

Ich finde wahre Geschichten auch immer mit am beeindruckendsten, selbst wenn sie mal nicht soooo spannend oder toll geschrieben sein sollten (ist hier nicht der Fall ;-) ). Schon allein, dass sie auf Tatsachen beruhen, gibt diesen Geschichten etwas ganz Besonderes. Der kurze, kompakte Schreibstil, der sich gerade in Dialogszenen auf das wirklich Wesentliche konzentriert, gefällt mir hier sehr gut. Die Ereignisse sind kurzweilig, transportieren aber locker die notwendigen Emotionen :good:

Zum ersten Kapitel kann ich gar nicht so viel sagen. Es wirkt irgendwie mehr wie eine Einleitung, als alles andere. Im Hinblick darauf, wie die Geschichte vom Stil her geschrieben ist, gefällt mir das allerdings ausgesprochen gut. Schon in dieser kurzen Sequenz merkt man deutlich, wie kindlich Mark hier rüber kommt (wohl gemerkt, nicht kindisch!), was sich ja in den nächsten Kapiteln noch bestätigen sollte. Vermutlich machte es diese Art Colin auch einfacher, den Schritt
"Gleich biste in einer glücklichen Ehe."

zu gehen, da das von Mark eh schon so unbefangen gehandhabt wurde.

Man kann natürlich argumentieren, dass gar keine Notwendigkeit zu einem Coming-out besteht, weil auch Heteros sich nicht outen.

Gefällt mir sehr gut und erinnert mich an den Film „Love, Simon“. Da gab es auch so eine Szene, die ziemlich gut gemacht war, fand ich. ^^

Davon abgesehen, hast Du natürlich recht.
Die Schilderung, wie es letztendlich zu dem Outing kam, hat mir sehr gut gefallen. Vor allem der fließende Übergang zur aktuellen Geschichte, mit der Bemerkung, dass du und Mark euch nicht gegenseitig outen musstet, war sehr gut gelungen. Und dann noch die ganz große Neuigkeit: Colin ist tatsächlich schwul! Gut, das hat man evtl. kommen sehen, aber wie es in Wirklichkeit herausgekommen ist, hat schon was für sich. Vor allem, dass Mark die ganze Zeit schon recht gehabt hatte – herrlich. :lol:

Sag mal, wie trainiert man denn so einen Gaydar? Gibt es das wirklich?

Interessant, dass du mit Colin zusammen über die Möglichkeit, in Leander verliebt zu sein, nachgedacht hattest. Oberflächlich betrachtet, wirkt die Begebenheit hier ein wenig deplaziert oder eingeschoben, aber tatsächlich ist das ein gutes Beispiel, wie vertraut ihr nach der kurzen Zeit bereits miteinander umgegangen seid. An dieser Stelle hätte ich ja zu gern gewusst, was in Colins Kopf dazu vorgegangen ist. Wie waren zu dem Zeitpunkt seine Gefühle dir gegenüber? Hat die Überlegung, ob du an Leander interessiert seist, an ihm gekratzt bzw. so etwas wie Eifersucht entstehen lassen?

So, das soll es erstmal gewesen sein für den Moment. Ich hab schon ein bisschen weiter gelesen, aber jetzt nicht mehr genug Zeit, weiter zu kommentieren. Das hole ich also noch nach ;-)

Liebe Grüße,
Arokh

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Re: Ehemann

Beitragvon Zuri » 05 Aug 2019, 20:43

So, jetzt beantwortete ich mal eure Kommentare. Vielen lieben Dank euch beiden!

@Quianye In der Hinsicht hatte er zumindest ein bisschen Angst vor Colin :D

@ArokhsSohn Ich finde, das Problem an Geschichten, die auf wahren Ereignissen beruhen, ist, dass es viele langatmige, aber wichtige Stellen geben kann, dass der Protagonist sich auch mal irrational verhalten kann und dass man die Chronologie irgendwie klarkriegen muss. Alles überraschenderweise anstrengender, als wenn man sich alles selbst ausdenken muss.

Es wirkt irgendwie mehr wie eine Einleitung, als alles andere.

Das klingt irgendwie unzufrieden :D

Schon in dieser kurzen Sequenz merkt man deutlich, wie kindlich Mark hier rüber kommt (wohl gemerkt, nicht kindisch!), was sich ja in den nächsten Kapiteln noch bestätigen sollte. Vermutlich machte es diese Art Colin auch einfacher, den Schritt
"Gleich biste in einer glücklichen Ehe."

zu gehen, da das von Mark eh schon so unbefangen gehandhabt wurde.

Stimmt genau (Y)

Ja, den Film „Love, Simon“ fand ich auch bis auf die letzte Szene echt gut gelungen :)

Sag mal, wie trainiert man denn so einen Gaydar? Gibt es das wirklich?

Ja und nein. Zum einen basiert das leider zum Teil stark auf Stereotypen, sonst könnte man einem das schlecht ansehen. Zumindest wenn man nicht aktiv irgendwas macht. Und genau das passiert auf der anderen Seite. Wenn man es schafft, sein Gegenüber auf eine bestimmte Art anzusehen, erhält man vielleicht eine Antwort. Wenn man jetzt die Nuancen der Mimik deuten kann, gibt das ggf. auch Aufschluss über die Interesse des anderen, was wiederum bedingt Rückschlüsse auf die sexuelle Orientierung des anderen zulässt. Aber wie immer ist das keine sichere Methode.

Interessant, dass du mit Colin zusammen über die Möglichkeit, in Leander verliebt zu sein, nachgedacht hattest. Oberflächlich betrachtet, wirkt die Begebenheit hier ein wenig deplaziert oder eingeschoben, aber tatsächlich ist das ein gutes Beispiel, wie vertraut ihr nach der kurzen Zeit bereits miteinander umgegangen seid. [...] Wie waren zu dem Zeitpunkt seine Gefühle dir gegenüber? Hat die Überlegung, ob du an Leander interessiert seist, an ihm gekratzt bzw. so etwas wie Eifersucht entstehen lassen?

Ja, das ist noch ein Problem an so wahren Erzählungen: Manchmal streut man Details ein, die keinen offensichtlichen Sinn zu haben scheinen. Sie haben aber unterschwellig eine Aufgabe. Eine ist dir schon aufgefallen: Wir hatten innerhalb kürzester Zeit ziemliches Vertrauen zueinander. Aber es gibt noch mehr, was man da herauslesen könnte. Das ist auch ein kleines Beispiel für Foreshadowing, weshalb ich mich entschieden habe, die Begebenheit drin zu lassen. An dieser stelle auf seine Gefühle einzugehen, würde jedoch der Handlung vorgreifen. Da musst du dich leider noch ein wenig gedulden ;-)

Liebe Grüße
Zuri
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Re: Ehemann

Beitragvon Zuri » 09 Aug 2019, 22:13

Jetzt wird's HEISS, kann ich da nur sagen ;-) Aber lest selbst.

Damit haben wir den ersten Klimax erreicht — ich wünsche wie immer viel Spaß und freu mich auf eure Kommentare :)

Dieses Kapitel ist kurz, aber spricht hoffentlich in seiner Intensität für sich :3



Ehemann
Part 9

Landungsbrücken

Wir beschlossen, wie von Mark bereits vor der Reise geplant, zu den Landungsbrücken zu laufen. Dort standen wir dann und schauten auf die Elbe: links Mark, ich in der Mitte und rechts von mir Colin. Genau genommen standen wir auf dem Plateau über der U-Bahn-Station Landungsbrücken und blickten auf die Elbe und die Gebäude der Landungsbrücken mit ihren grünen Dächern; über uns der Weinberg.

Ich hatte meine Hand auf die Brüstung gestützt; Colin ebenso. Und unsere Hände lagen nur ein paar Zentimeter voneinander entfernt. Irgendwie hatte ich in dem Moment das Bedürfnis, seine Hand zu berühren. Gleichzeitig wollte ich verhindern, dass Mark mitbekam, was gerade passierte. Wie sollte ich erklären, was ich selbst nicht verstand? Ich näherte mich mit meiner Hand einen klitzekleinen Millimeter der Hand von Colin. Es war wie … jemand beschrieb es mal als "charge of energy", wie Magneten, die sich gegenseitig anzogen — elektrisierend. Und dennoch musste ich mich für jeden Millimeter überwinden. Einerseits hatte ich Angst, dass Mark etwas mitbekam, zum anderen war das mit Colin ein völlig neues Gefühl, von dem ich weder wusste, was es war, noch wohin das führen würde.

Hatte sich gerade Colins Hand auf meine zubewegt? Oder hatte ich mir das nur eingebildet? Es gab schon andere Situationen, in denen ich dachte, jemand in der Bahn oder so habe Interesse an mir. Aber das war anders. Das hier, das war irgendwie echt und ich stellte fest, dass es mir wichtig war. Ich entschied, dass sich Colins Hand wirklich der meinen genähert hatte.

Langsam setzen unsere Hände den Weg aufeinander zu fort. Ich vergewisserte mich nochmals, dass Mark von alldem nichts mitbekam. Dann endlich lagen unsere Hände direkt nebeneinander. Die Außenseiten der äußeren Finger berührten sich nun und ich spürte das "charge of energy"-Gefühl jetzt ganz deutlich. Ich wollte meine Hand auf seine legen, doch es gelang mir nicht.

So verweilten wir nun dort oben und genossen den Moment. Ich hoffte zumindest, dass Colin das auch tat.
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Re: Ehemann

Beitragvon Zuri » 14 Aug 2019, 20:36

Dieser Part ist wieder etwas länger und nicht nur das: Er ist auch gleichzeitig eine runde Zahl. Um das zu feiern, ist dies hier auch ein Klimaxkapitel. Nach den Landungsbrücken muss ich euch ja noch eine gewisse Steigerung bieten und bin euch ein paar Antworten schuldig. Hier sind sie:



Ehemann
Part 10
Nur eine Sommerromanze?

Fest eingeplant war auch, dass die beiden Hardstylefans Mark und Colin, wo sie schon einmal in Hamburg waren, ein Hardstyleevent im Tunnel — einem Club auf der Reeperbahn — besuchten. Ich — absolut kein Liebhaber der Musikrichtung — brachte die beiden bis zur Tür und verabschiedete mich von ihnen.
"Ist es wirklich okay? Was machst du denn dann?", fragte mich Mark.
"Kein Problem. Ich fahr nach Hause. Ich wünsch euch viel Spaß. Ihr müsst das machen, wenn ihr schon mal hier seid", erwiderte ich.
Mir fiel es extrem schwer, diese Worte auszusprechen, denn irgendwie hatte ich das Gefühl, dass wir heute noch zu wenig zu dritt unternommen hatten. Ich wollte unbedingt etwas mit den beiden zusammen machen. Im selben Moment wusste ich aber auch, dass das kindisch und nicht fair von mir war.
"Okay, aber wir bringen dich noch zur S-Bahn", war Colins Kompromisvorschlag.
Ich stimmte zu und wir überquerten den Beattlesplatz, auch wenn ich es albern fand, weil man aus seiner Stimme heraushörte, dass er Sorge hatte, mir könnte etwas passieren. Klar, war die Reeperbahn nicht der sicherste Ort Hamburgs, aber jetzt auch nicht gefährlich. Mir war hier noch nie etwas passiert.

Wir standen also in der S-Bahn-Station und warteten auf die nächste Bahn. Und wir gaben ein bizarres, ja sogar irgendwie unheimliches Bild ab: Wir standen uns in einem Dreieck gegenüber, aber jeder schaute wie demonstrativ in eine andere Richtung. Ich wusste nicht, wieso und es machte mir Angst. Die Bahn kam und ich fuhr nach Hause.

Dort angekommen setzte ich mich noch etwas vor den Rechner. Wenig später hatte ich eine Nachricht von Colin.
"Bist du gut zu Hause angekommen?"
"Ja, danke. Aber lass dich nich von mir abhalten und hab Spaß. Was machst du gerade?"
"Ich sitz an der Seite. Mark ist tanzen."
"Geh doch auch", ermunterte ich ihn.
"Nö, ich bin irgendwie nicht in der Stimmung."
Jetzt war ich es, der sich Sorgen machte.
"Was ist denn los?", fragte ich ihn.
"Ich muss die ganze Zeit nur an dich denken."

Seine Antwort traf mich wie ein Schlag. Hatte ich eben richtig gelesen? Bedeutete das …? Stand er etwa auf mich? Konnte ich damit umgehen? Bisher hatte ich alle Verehrer gefriendzoned.
"Als wir da vorm Tunnel standen, da wollte ich dich nicht gehen lassen", offenbarte er mir.
"Ich wollte auch nicht gehen", verriet ich und erklärte ihm, wie es mir in dem Moment vor dem Club gegangen war.
"Als wir dann in der S-Bahn-Station gestanden und gewartet haben", lenkte ich das Gespräch schließlich auf die mir unangenehm gewesene Situation.
"Ja, ich konnte euch nicht in die Augen sehen. Das war so unfair: Mark hatte Spaß und wir nicht. Ich wollte es beiden recht machen und habe es letztendlich keinem recht gemacht."
"Und an den Landungsbrücken?", fragte ich ihn dann.
Jetzt wollte ich alle Momente durchgehen, um zu wissen, wann das angefangen hatte.
"Das war schön, fast schon romantisch."
"Fand ich auch", stimmte ich ihm zu — erleichtert, dass nicht nur ich so empfunden hatte.
"Warum hast du mich auf dem Dom eigentlich nach meinem Kinderwunsch gefragt?", wollte er nun wissen.
"Du hast mir immer erzählt, dass du unbedingt eine Familie haben willst", fing ich an. "Vielleicht mit einem Hotel an der Ostsee. Nur kam ich darin nie vor."
"Dass du dir das gemerkt hast!", bemerkte er erstaunt. "Ich fand auch deine Einladung total süß, Silvester in Hamburg — tolle Vorstellung."
Und dann beschloss ich, ihm noch von meinem Kussszenario zu berichten.
"Weißt du noch, als du bei mir zu Hause warst?"
"Sicher."
"Du warst so interessiert, wo ich wohne."
"Und ich hatte das Gefühl, dass du meine Hand nehmen wolltest oder so."
"Das nicht." Ich erzählte ihm von meinem Gedankengang und auch, dass es nur eine fixe Idee gewesen war, da ich kein Interesse daran hatte.
"Ich hätte es wahrscheinlich erwidert und gut gefunden", eröffnete er mir.
"Als wir uns kennenlernten", sagte er dann, "sagtest du, dass du keine Beziehung willst."
"Nein, so habe ich das nicht gesagt", korrigierte ich ihn. "Ich sagte, dass ich mir keine vorstellen könne."
"Irgendwas scheint sich geändert zu haben. Du wirkst so, als stehest du auf jemanden."
"Ich kann es mir jetzt mit dir vorstellen, aber du bist auch der Einzige, mit dem ich das könnte. Was ist mit dir? Du sagtest ja, dass du Beziehungen als negativ betrachtest."
"Ich habe eher Angst, dass ich etwas falsch mache und dann die Beziehung zerbricht. Und wenn man dann vorher so befreundet war, wie wir, dann zerbricht die Freundschaft wahrscheinlich mit und das will ich absolut nicht."

Und dann stellte er im Licht des anbrechenden letzten Tages die alles entscheidende Frage: "Bin ich für dich nur eine Sommerromanze?"
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Re: Ehemann

Beitragvon Zuri » 19 Aug 2019, 10:49

Auf diese Antwort haben sicherlich alle gewartet — auch, wenn sie recht vorhersehbar ist :D

So will ich euch auch die Ereignisse des letzten Tages in Hamburg auch nicht vorenthalten. Mit diesem Kapitel ist dann auch die Zeit von Mark und Colin beendet und Part 12 wird sich dann dem dritten Abschnitt der Geschichte zuwenden.



Ehemann
Part 11

Der letzte Tag

Der offizielle Titel war ja eigentlich "Demo" und war das letzte Stück, welches noch schnell auf Herbert Grönemeyers Album kam. Aber darüber wollte ich ja gar nicht reden.

Es war der letzte Tag für Mark und Colin in Hamburg und ein ganz besonderer für Colin und mich. Wir sahen gerade den Tag über Hamburg anbrechen und hatten bisher kein bisschen geschlafen. Mark und Colin wollten an ihrem letzten Tag den Fischmarkt ansehen und dafür mussten wir früh aufstehen — zumindest, wenn man wie Mark geschlafen hatte.

Colin hatte mir gerade die Frage gestellt, ob ich nur eine Sommerromanze für ihn sei.
"Nein, absolut nicht!", beteuerte ich. "Ich weiß, dass ich irgendwas für dich empfinde. Irgendwas zwischen Freundschaft und Liebe, ob das so bleibt, kann ich nicht versprechen."
Colin wollte daraufhin wissen: "Und wie finden wir das raus?"
"Wir haben noch einen ganzen Tag", erklärte ich "und unser Treffen an Silvester. Ohne Mark. Das wird sich alles zeigen."

"Mark ist übrigens gerade aus dem Bad raus", informierte mich Colin.

Also machte ich mit auf den Weg zu den Landungsbrücken und erlebte erstmals — alles andere als wach — die Sorte Menschen, die morgens um sechs U-Bahn fährt. Ich selbst war auch noch nie auf dem Fischmarkt gewesen. Unter anderen Umständen hätte ich einen Teufel getan und wäre so früh aufgestanden, um da alleine hinzugehen. Manche Sehenswürdigkeiten in der eigenen Stadt besichtigt man eben nur, wenn man Besuch hat.



Wieder saßen wir an der Alster. Die Stadt war noch nicht vollends erwacht. Warm wie die letzten beiden Tage war es nicht — und es war kein Tag wie die letzten Tage: Es war der letzte Tag.
Aber er hatte gerade erst begonnen.

Es war der letzte Tag und irgendwie auch der erste.

Und was passieren würde, war noch völlig offen. Colin und ich waren entschlossen, ihn zu nutzen. Ich war voller Vorfreude.
Mark legte seinen Kopf auf meinen Schoss. Das hatte er damals bei Leander auch schon getan. Damals hatte er gesagt, dass er sich geborgen fühle und war so eingeschlafen.
Nun aber hatte ich das Gefühl, dass Colin dies an Mark missfiel und um Colin zu gefallen — heute weiß ich, dass das unglaublich dumm und unfair gegenüber Mark war —, begann ich, mit den Füßen vor und zurück auf Zehenspitzen und Hacken zu wippen, sodass sich meine Knie abwechselnd hoben und senkten, um das Liegen darauf nicht zu bequem zu machen.
Irgendwann fing es zu tröpfeln an und Mark war — natürlich — der erste, der sich unter einen Unterstand zurückzog. Colin und ich harrten aus, genossen die Zweisamkeit. Als der Regen aber stärker wurde und wir langsam durchnässt waren, beschlossen wir, in die Europapassage, einem Einkaufszentrum am Jungfernstieg, also auf der anderen Straßenseite von uns, zu flüchten. Wir alle drei hatten Hunger und beschlossen, eine Pizza zu essen. Während des Essens fielen mir allerdings immerwährend die Augen zu, woraufhin sich Colin, der mir gegenüber saß, mitleidig anschaute.



Nach dem Pizzaessen gingen wir in die Hafencity und setzten — eher legten wir uns, denn wir waren alle nicht wirklich ausgeschlafen — auf eine dieser riesigen Holzdinger, die eine Art Bankersatz darstellten und nicht wirklich gemütlich zum Liegen sind. Nur war das bei der Sonneneinstrahlung des Platzes keine gute Idee, denn wir alle schliefen kurz darauf ein.
Ich wachte zuerst auf, da mir vom Holz der Rücken wehtat.

Später saßen wir in der Bahn nach Altona, um dort im Lidl — denn es war Sonntag — noch ein bisschen was einkaufen.
"Sieht aus, als hättest du einen fetten Sonnenbrand", bemerkte Colin und verzog sein Gesicht zu einer Miene mit aufrichtigem Mitleid.
Ich schaute in mein Antlitz in der Spiegelung des S-Bahn-Fensters und konnte nichts erkennen.
"Ich glaub nicht. Ist vielleicht nur ein bisschen rot."
Am Abend stellte sich heraus, dass er recht gehabt hatte.



Zurück an der Alster hatten wir uns an der Ecke zum Gänsemarkt, wo sich auch das NIVEA-Haus befindet, ein Plätzchen gesucht.

"Du sagtest mal, dass du Leute nicht lange ansehen kannst", meinte Colin. Ich bejahte.

"Das kann man ändern", erklärte Colin.
Ich fragte nach dem Wie.
"Nicht wie", erwiderte er. "Wer — nimm mich als Versuchsobjekt."
Was soll ich sagen: Es funktionierte mit ein paar Versuchen zunehmend besser und am Ende konnte ich kaum genug davon bekommen, tief in diese Augen zu schauen. Es war, als wenn wir — erneut — etwas unglaublich intimes teilen, was in dem Moment nur uns beiden gehörte und das alles andere rundherum ausblendete.

Trotzdem durfte ich nicht vergessen, dass Mark neben uns saß und von alledem nichts mitbekommen durfte. Also zwang ich mich, auch wenn es mir schwerfiel, das Anstarren nicht länger als nötig andauern zu lassen und mich immer mal wieder für einen Moment loszureißen.

An Silvester würde das anders sein. Da würde es nur uns zwei geben. Darauf freute ich mich jetzt schon.



Auch die schönste Zeit geht vorbei und irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man sich verabschieden und Menschen gehen lassen muss, auch wenn man nicht will.
Ich umarmte Mark kurz, aber herzlich und dann war Colin an der Reihe. Die Länge der Umarmung lasse ich meistens durch die andere Person bestimmen und Colins Arme, die mich fest an ihn drückten, schienen mich nie wieder loslassen zu wollen — mir war das nur recht so. Auf einmal bemerkte ich, wie Colins Finger Kreise auf meinen Rücken malten. Zunächst zaghaft, dann selbstbewusster. Erst dachte ich, ich bilde mir das nur ein, aber offenbar tat er das wirklich und so begannen auch meine Finger zärtlich Kreise auf die seinen Rücken bedeckende Jacke zu malen.



Was wir hatten, war und ist schwierig zu beschreiben. Wenn ich es damals in Worte fasste, war es immer "irgendwas zwischen Freundschaft und Liebe". Es lässt sich aber auch mit zwei Adjektiven beschreiben: "Schön" und "unsicher".
Schön, weil es mich mit Glück erfüllte, Zeit mit Colin zu verbringen und alles perfekt schien. Unsicher deshalb, weil wir, besonders ich, krampfhaft versuchten, dem Zustand "zwischen Freundschaft und Liebe" einen Namen zu geben und wie auf einer Skala dazwischen einzuordnen. Wir wollten nichts überstürzen und alles richtig machen, wir wollten uns absichern. Rückblickend stagnierten wir so lange, bis uns einfiel, wie wir unsere Beziehung nennen wollten.
"Sei du selbst. Alles andere wirst du eh verkacken" — Marie Meimberg

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Zuri
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Re: Ehemann

Beitragvon Zuri » 25 Aug 2019, 15:21

Soundtrack zum aktuellen Part?

"Es könnte alles so einfach sein
isses aber nicht"



Ehemann
Part 12

Irgendwas dazwischen

Auch die folgenden Tage und Wochen brachten uns der Entscheidung, ob es nun Freundschaft oder Liebe war, kein Stück näher. So intensiv wir auch darüber redeten, kamen wir in dieser Frage einfach nicht weiter.
Und dennoch genoss ich unsere Gespräche. Wir waren uns unserer Gefühle füreinander bewusst und es fühlte sich wie eine light-Version einer Beziehung an. Es war einfach schön, mit Colin zu schreiben und die Vorstellungen des anderen noch mehr und noch tiefer abzutasten. Vielleicht könnte das uns letztendlich sagen, in welche Richtung es mit uns gehen würde oder die Zeit würde es zeigen. Wir verschoben die Beantwortung der Frage immer weiter nach hinten und ohne diese würden wir auch keinen Schritt weitergehen — in welche Richtung auch immer. Wir redeten über den jeweils anderen, aber selten wirklich über uns.

Wir schrieben auch oftmals in der Mittagspause miteinander, als ich noch ein Handy hatte. Dabei machte ich nach unseren Gesprächen häufiger die Entdeckung, dass Präjakulat in der Boxershorts klebte. Damals wunderte mich das doch sehr, da ich Colin nicht sexuell erregend fand, mir das Präjakulat während des Gesprächs nicht aufgefallen war, ich nicht den Ansatz einer Erektion gehabt hatte und ich mich auch sonst an keine Situation erinnern konnte, in welcher derartiges so nebenbei passiert wäre.

Wahrscheinlich lag es am Hormon Oxytocin. Im weiblichen Körper erfüllt es vor allem Aufgaben, die mit den Wehen und später mit der Muttermilchbildung zu tun haben, aber auch die Bindung zum Kind herstellen. Aber genauso hat es positiven Einfluss auf Gefühle wie Liebe, Vertrauen und Ruhe und hohe Dosen des Hormons werden beim Orgasmus freigesetzt. Oxytocin wird auch als Kuschelhormon bezeichnet und tritt ebenso bei sinnlicher Berührung wie Massagen oder Umarmungen auf. Ebenso wird es neben anderen Hormonen beim Singen ausgeschüttet.
Was immer mein Körper da tat — und vor allem warum — in einem schienen er und ich uns einig zu sein: Ich hatte Colin gern.



Ich ließ mich auf das Bett des Hotelzimmers 404 im Bethoovenhotel fallen. Als Informatiker eine durchaus denkwürdige Situation. Das war mein erstes Mal in Amsterdam und auch in den Niederlanden allgemein. Im Ausland war ich davor auch noch nicht gewesen. Also gleich zwei Premieren auf einmal. Mein Blick schweifte umher. Es gab vier Betten in diesem Zimmer, aber ich war alleine hier; und die Badtür sah aus, als sei das Zimmer noch mitten in der Renovierung oder nie zur Benutzung durch Hotelgäste bestimmt gewesen. Ich war für eine Luftfahrtmesse mit meinen Kollegen hier. Es war mittlerweile September und damit das Treffen im August über einen Monat her.

Ich schnappte mir mein Tablet und schrieb Colin, dass ich gut angekommen und im Hotel war. Kurze Zeit später antwortete er.

"Ich hatte überlegt, ob ich auf halber Strecke einfach aussteige", erklärte ich ihm.
"Warte sechs Stunden und ich bin bei dir", war seine Antwort.

Nur wenige Momente später kam ein "Ich steh unter deinem Fenster. Soll ich was singen und du lässt mich rein?" von ihm.
Ich bejahte und antwortete, ich würde ihm einen Tee in die Hand drücken.
"Du bist der Beste!", schrieb er mir.

Wir texteten ein wenig hin und her, dann stellte er mir eine Frage.
"Sag mal, mit dem Typen, was ich dir erzählt hatte …"
"Der aus der Jugendgruppe mit dem du zusammen bist?"
"Genau … Stört dich das eigentlich?"
"Nee, wieso? Wir sind ja nicht zusammen. Auch wenn man jetzt was anderes erwarten könnte, aber ich will, dass du glücklich bist."

Aber irgendwas schien ihm noch schwer im Magen zu liegen. Ich fragte ihn, wo der Schuh drückte.
"Wer weiß, ob das mit ihm klappt", druckste er herum. "Vielleicht ist er auch gar nicht mein Typ. Wer weiß …"
"Wieso? Wer wäre denn dein Typ?", hakte ich nach.
"Irgendwie ist keiner mein Typ. Entweder total blöd, sind nur auf Sex aus …"

"Sagtest du nicht eben, ich sei der Beste?", neckte ich ihn. "Dann müsste ich ja am ehesten deinen Maßstäben entsprechen und die anderen könnten die wenn überhaupt nur unvollständig erfüllen."
"Ich finde ja wirklich keinen in deinen "Maßstäben", erklärte er mir.
Irgendwie war das so schade. Wir empfanden schon etwas füreinander, aber stark genug war es auch nicht. Ich hatte manchmal das Bedürfnis, ihm zu geben, was er brauchte, aber wie sollte das gehen, wenn er sich damit binden würde und dann nur eine lauwarme Sache davon hätte? Da war er mit Hannes besser dran. Also sagte ich: "Na ja, aber du willst mich ja auch nicht … Oder doch?"
Colins Reaktion verunsicherte mich wieder und brachte uns auf unser Definitionsproblem zurück: "Ich habe aber auch nicht gesagt, dass ich dich nicht liebe."
Ich war nicht sicher, wie ich darauf reagieren sollte.
"Es sind Gefühle da, die in die Richtung gehen, aber die sind längst nicht so intensiv wie sie sein könnten/sollten", fuhr er fort.
Ich scherzte: "Als Ehemann bist du immer noch meine erste Wahl."
"Ja, die kannst du sowieso nicht anulieren. Wenn Gefühle beiderseits da sind, ist es viel einfacher als irgendwas zu suchen. Außerdem bist du wirklich quasi mein Maßstab und der Maßstab ist nun mal am besten."
Ich wusste nicht genau, was das für ihn — für uns — bedeutete. Also erkundigte ich mich: "Sprich, am liebsten wäre es dir, wir würden uns ineinander verlieben?"
"Klingt doof, aber ja", war seine Antwort. "Du bist clever, selbstständig, der Heterotyp, nicht nur auf Sex aus und zu vielem offen … Du bist perfekt", sagte er dann.
"Wieso das? Ich bin weit davon entfernt!"
Wie kam er darauf? Einerseits schmeichelten mir Komplimente natürlich. Andererseits waren sie mir aber auch unangenehm, weil ich sie meinem Gegenüber nicht glauben konnte.
"Dein Gesicht, deine Augen und dein Grinsen. Der Abstand deiner Schultern …"
Ich konnte leider nicht erwidern, dass er gut oder attraktiv aussah. Vom Aussehen war er nicht mein Typ. Aber seine inneren Werte waren mehr als überzeugend. Und hässlich war er jetzt ja nun auch nicht.
"So würde ich mir meinen Traumehemann vorstellen. Fast so", schloss er.
Zum einen freute ich mich darüber — es war süß von ihm — zum anderen konnte ich es auch nicht erwidern und das fühlte sich unfair ihm gegenüber an. Jedenfalls war es besser als ihn anzulügen.
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Re: Ehemann

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