Die Liebe meines Lebens

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Svenni
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Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Svenni » 29 Dez 2018, 21:54

Ich hatte eine Internetseite vor mir. Polly's Haarzentrum. Ich hatte gehofft, dass ich dort Bilder der Angestellten finden würde, aber ich fand lediglich die genaue Adresse und die Telefonnummer. Egal, dachte ich, ich würde diesen Vitus früher oder später schon noch kennenlernen. Ich schnappte mein Handy und wählte die angezeigte Nummer.
„Polly's Haarzentrum, Sie sprechen mit Frau Lindner“, wurde ich begrüßt. Eine Frauenstimme. Schade, ich hatte nicht direkt Felians neuen Freund am Telefon.
„Ja Grüß Gott, Schneider ist mein Name“, log ich, es war sicherlich besser, wenn ich nicht meinen richtigen Namen angab. Wer weiß, vielleicht erzählte Felian seinem Verlobten zuhause von dem alten Klassenkameraden, den er heute getroffen hatte, „ich würde gerne einen Termin ausmachen.“
„Sehr gerne“, die Dame klang aber eher genervt, „was müssen wir machen? Nur Schneiden, oder auch Färben?“
„Nur schneiden, mehr nicht. Mir ist aber wichtig, dass der Termin bei einem gewissen... ähm... Vitus ist. Der Nachname ist mir leider entfallen.“
„Vitus Lagatz?“
„Genau, der muss es sein.“ Was für eine Frage. Wenn der Salon so klein war, wie Felian gesagt hatte, würden sicherlich keine fünf verschiedene Männer mit dem Namen Vitus herumlaufen.
„Und wann hätten Sie den Termin denn gerne?“
„So bald wie möglich.“
„Mal schauen, im Moment sind wir recht ausgebucht. Aber nächste Woche Montag um 17 Uhr könnte ich Sie dazwischen schieben.“
„Früher geht nicht mehr?“
„Nein, unmöglich.“ Die Friseuse klang schon etwas genervt.
„Gut, dann belassen wir es bei diesem Termin. Grüßen Sie Vitus schon mal von mir“, grinste ich und drückte den roten Knopf um aufzulegen.
Den Termin hatte ich zwar erst nächste Woche, aber etwas anderes, noch besseres, hatte ich dafür bekommen. Ich wusste jetzt den Nachnamen des neuen Freundes. Hämisch grinste ich. Ich wäre ein guter Detektiv geworden.
„Vitus Lagatz“, flüsterte ich leise. Ich hasste den Namen jetzt schon. Und den Typen erst recht.

Das Erste, was ich am nächsten Morgen erfuhr, war, dass Herr Lorenz in der Nacht verstorben war. Meine Kollegen waren alle ganz aufgelöst, war dieser alte Herr doch ein so lieber, netter Patient gewesen. Ich fragte mich, wieso ich nicht auch trauerte. Dieser Mann hatte für jeden Einzelnen ein nettes Wort übrig gehabt und hatte selbst zum Schluss hin niemals seine gute Laune verloren. Für mich war der Tod allerdings so allgegenwärtig, dass ich einfach keine Trauer für eine fremde Person empfinden konnte. Nur beim Tod meiner Mutter war ich lange traurig gewesen, ansonsten waren in meinem näherem Umkreis noch keine Leute gestorben. Ich hoffte, dass es so blieb. Obwohl... Um meinen Dad würde ich wohl nicht lange trauern, dafür interessierte er mich zu wenig. Anders würde es bei Ella aussehen. Wir hatten zwar kaum noch Kontakt, aber sie war immerhin meine Schwester. Sie führte jetzt ihr eigenes Leben, trotzdem hoffte ich, dass sie noch viele glückliche Jahre mit ihrer kleinen Tochter vor sich hatte.
Das Zimmer von Gustav Lorenz wurde sofort neu belegt. Ein junger Mann, der nur knapp einem Selbstmordversuch entronnen war. Er hatte sich auf die Gleise geschmissen, aber der Zug hatte nur seine Beine erwischt. Jetzt lag er hier in diesem Bett, halb im Koma, an verschiedenen Geräten angeschlossen und hatte keine Beine mehr. Sein Leben, wenn es denn noch eines war, hatte sich noch einmal verschlechtert. Ich bedauerte ihn. Bestimmt bereute er es, wenn er überhaupt etwas von seiner neuen Situation mitbekam, dass er vor den Zug gesprungen war und nicht von dem Geländer einer Brücke wie Felians Vater oder sich in der Apotheke kiloweise Schlafmittel besorgt hatte.

Felian traf ich den ganzen Vormittag über nicht. Ständig hielt ich nach ihm Ausschau. Hin und wieder dachte ich, dass ich mir das alles gestern nur eingebildet hatte, aber dann redete ich mir ins Gewissen, dass ich ihn wirklich nach all den Jahren gefunden hatte und dass wir gestern sehr lange miteinander geredet hatten.
Heute wollten wir uns wieder zur Mittagspause treffen, allerdings nicht mehr in der Kantine. Mein Magen grummelte heute noch von dem miserablen Essen.

Er sah heute sogar noch besser aus als gestern. Seine Haare waren in die Höhe geföhnt und er trug einen winzigen Ohrring, im rechtem Ohrloch natürlich.
„Hey Korbinian“, rief er mir schon von Weitem entgegen. Seine Fröhlichkeit hatte er selbst nach den vielen Jahren nicht verlernt.
„Hallo“, grinste ich zurück. Meine Wangen wurden gleich wieder ein wenig rot.
„Wie war dein Vormittag gewesen? Ich war heute auf der Kinderstation. Schrecklich. So viele kleine Kinder und dann sind sie schon so schwer krank.“
Ich nickte. „Ich war dort auch ein halbes Jahr gewesen, dann habe ich es nicht mehr ausgehalten. Es war zu traurig.“
„Respekt an die Leute, die das jahrelang durchhalten.“
„In welcher Abteilung möchtest du eigentlich später arbeiten? Oder willst du lieber deine eigene Praxis gründen?“
„Ich bin mir noch nicht so ganz sicher. Ich überlege zwischen Chirurg oder Kardiologe. Nur Urologe darf ich nicht werden, sonst trennt sich mein Freund von mir. Das hat er mir auf jeden Fall angedroht.“ Er lachte kurz und laut auf, wahrscheinlich um mir zu zeigen, dass das als Witz gemeint war.
Mhm, vielleicht sollte ich Felian zwingen, als Urologe zu arbeiten, dann wäre das Vitus-Problem schnell erledigt. Ich grinste hinterhältig. Andererseits... ich wollte auch nicht, dass mein Felian jeden Tag zig fremde Männer nackt sehen und anfassen musste.
„Wo wollen wir denn jetzt eigentlich Essen gehen?“, wechselte Felian das Thema, „von der Kantine habe ich immer noch Bauchschmerzen. Ich habe noch nie so ein ekliges Schnitzel gegessen. War da überhaupt Fleisch drin?!“
„Hier in der Nähe gibt es einen McDonald“, informierte ich, „aber dir wird nicht so danach sein, oder?“
Felian zuckte mit der Schulter: „Selbst beim Mecci ist das Essen besser als dieser Fraß gestern. Lass uns dort hin gehen.“
Auf dem Weg dorthin hatte ich nur Augen für ihn. Er hatte seinen Krankenhauskittel ausgezogen und war jetzt in einer Jeansjacke gehüllt. Früher hatte er solche Jacken nie getragen, aber sie standen ihm ausgezeichnet. Auch so schien er einiges an seinem Kleidungsstil geändert zu haben. Früher lief er nur in gedeckten Farben umher, jetzt hatte er unter dieser Jeansjacke ein feuerrotes Sweatshirt angezogen und er trug Chucks mit kariertem Muster. Der neue Felian gefiel mir sogar noch besser als der Alte. Ich hätte nie gedacht, dass er durch die Jahre noch so viel heißer werden würde.
„Pass auf!“ Er riss mich an der Schulter zurück.
Verschreckt zuckte ich zusammen. Da war ich doch so von ihm abgelenkt gewesen, dass ich einfach so auf die Straße gelaufen war. Die Straßenbahn hupte wild und fuhr nur haarscharf an mir vorbei.
„Sorry“, murmelte ich, mein Körper zitterte aber unter Felians Hand, die immer noch auf meiner Schulter lag.
„Du warst wohl sehr in Gedanken, oder?“, lächelte er und sah mir fest in die Augen.
„Scheint wohl so“, gluckste ich und starrte ebenso fest zurück.
„Die Ampel ist grün“, bemerkte Felian, nachdem wir uns eine ganze Zeit lang tief in die Augen geschaut hatten. Was hatte das zu bedeuten? Meine Beine kribbelten schon wieder wie verrückt und mein Magen machte Überschläge.

Das einzig Gute bei McDonalds waren die Pommes, alles Andere schmeckte eher nach Pappdeckel. Felian schien aber mit seinem Milchshake und dem dünnen Burger ganz zufrieden zu sein.
„Jetzt erzähl mal, was machst du denn immer so nach der Arbeit?“, fragte Felian zwischen zwei Bissen.
„Leider nicht viel“, entgegnete ich ein wenig bedrückt, „ich habe eigentlich keine Hobbys, wenn du das meinst.“
Felian stahl sich eine Pommes von meinem Tablett und tupfte sie in meinen Ketchup. „Ja, aber irgendwas machst du doch trotzdem, oder? Triffst du dich viel mit Freunden?
„Ehrlich gesagt habe ich keine Freunde“, offenbarte ich noch ein wenig verlegener.
„Ich habe ganz vergessen, dass du erst so kurz in Berlin lebst, tut mir leid. Hast du wirklich noch niemanden kennengelernt?“
„Nein, nicht wirklich.“
„Darf ich denn fragen, ob du... ob du eine Freundin hast?“ Er wirkte jetzt ein wenig schüchtern.
„Eine Freundin? Nein, habe ich nicht.“ Dachte Felian wirklich, ich konnte mit dem anderen Geschlecht etwas anfangen?!
„Oder kann es sein, dass du so wie ich bist?“
'So bist wie ich', das war doch ein schöner Satz.
Ich lächelte leicht. „Ich glaube schon.“
„Wie lange weißt du es denn schon?“
„Seit sehr langer Zeit.“
„Auch schon, als wir noch in einer Klasse waren?“
„Natürlich.“
„Und du hast niemandem etwas gesagt? Es wusste niemand Bescheid, oder?“
„Nein, es wusste niemand.“
„Aber jetzt wissen es schon welche, oder? Deine Familie, deine früheren Freunde?“
Frühere Freunde gab es bei mir nicht. Da war nur Christina gewesen, wenn man das zwischen uns Freundschaft nennen konnte, und nur sie hatte gemerkt, dass ich auf Felian stand. „Meine Familie weiß es bis heute nicht. Meiner Mutter habe ich es mal erzählt, aber sie ist von ein paar Jahren verstorben. Meinen Vater geht es nichts an und meine Schwester... naja, ihr werde ich es vielleicht irgendwann mal erzählen.“
„Das scheinen bei dir keine einfachen Verhältnisse zu sein. Und tut mir leid wegen deiner Mutter.“
Ich winkte ab. „Ist schon okay, es ist lange her.“
„Deine Schwester kenne ich natürlich auch noch. Sie war früher Sanas beste Freundin und sie war ständig bei uns zuhause. Wie geht es ihr denn?“
„Sie ist mittlerweile Mutter einer kleinen Tochter.“
Jetzt war Felian wirklich erstaunt: „Was? Sie ist doch jünger als Sana, nicht wahr?“
„Genau, sie war 17, als sie schwanger wurde. Mein Vater hat sie deshalb raus geworfen.“
„Oh, die Arme. Das war bestimmt nicht einfach für sie.“
„Sie wohnt jetzt mit ihrem Freund zusammen und scheint wohl recht glücklich zu sein.“
„Das ist doch schön. Sana und sie haben überhaupt keinen Kontakt mehr, oder?“
„Ich glaube nicht. Ella hat nie wieder etwas von deiner Schwester erwähnt.“
„Schade eigentlich, sie waren damals so gute Freunde.“
Ich nickte. Einen Moment lang schwiegen wir. Felian klaute sich weitere Pommes von mir.
„Und was hast du denn für Hobbys? Reitest du denn noch?“
„Nein, in Berlin habe ich nicht mehr damit angefangen. Ansonsten geht es mir ähnlich wie dir. Ich muss im Moment so viel lernen, dass ich kaum Zeit für andere Dinge oder Freunde habe. Vitus und ich gehen aber einmal in der Woche in einen Kurs an der Volkshochschule, wo wir das Aquarellmalen lernen. Es macht uns großen Spaß.“
Und da war er schon wieder, dieser verhasster Name. Ich konnte es kaum erwarten, diesen Vitus selbst kennenzulernen. Ich würde Felian schon noch beweisen, dass ich der Mann seiner Träume war und er diesen Vitus ganz schnell dorthin schicken sollte, wo der Pfeffer wächst.
„Ich glaube, so langsam sollten wir wieder zurück gehen, unsere Schicht geht bald weiter“, bemerkte ich. Lieber wäre ich natürlich noch stundenlang mit Felian hier auf den billigen Plastikstühlen gesessen.
„Du hast recht.“ Er griff sich das letzte Pommes , brach es aber in zwei gleiche Stücke. Er hielt mir ein Ende hin und als ich es ergriff, berührten sich unsere Fingerspitzen. Wir räumten unsere Tabletts weg und stapften durch das schlechte Wetter zurück zum Krankenhaus.
„Ich wollte dich eigentlich noch etwas fragen“, bemerkte er, als wir im Eingangsbereich standen und sich unser Weg zu den verschiedenen Bereichen gleich trennen würde.
„Ja?“ Ich war neugierig.
„Wenn du bis jetzt keine Freunde gefunden hast, willst du vielleicht mal mit mir und Vitus weggehen? Wir gehen am Abend oft in Bars. Sana ist auch hin und wieder dabei. Du könntest sicherlich mal mitkommen.“
„Super gerne“. Ich war begeistert.
„Dieses Wochenende sieht es leider schlecht aus. Ich fahre mit Vitus von Freitag bis Sonntag an die Ostsee, seine Eltern besuchen. Aber die Woche drauf müsste bestimmt klappen. Ich kann dir ja einfach mal meine Handynummer geben, dann können wir auch schreiben. Würde dir das passen?“
Und ob mir das passen würde. Was für ein Glücksgriff! Felian gab mir freiwillig seine Handynummer. Die hatte ich noch nie gehabt.
Er wusste sie auswendig, ich ließ sie mir diktieren und gab sie in mein Handy ein. Ich hatte Felians Nummer... Welch ein Wunder. Und er wollte sich mit mir treffen. Ich konnte es kaum glauben. Nur dass Vitus auch dabei sein würde, störte mich. Aber mit ihm würde ich schon fertig werden.


Den Rest der Woche sah ich Felian seltener. Ich musste an den nächsten Wochentagen erst am späten Vormittag zum Arbeiten anfangen, konnte also nicht zeitgleich mit Felian Mittagspause machen. Dafür schrieben wir aber viel auf Whatsapp. Ich war nahezu süchtig nach seinem Profilbild, das ihn mit freiem Oberkörper am Strand zeigte. Was für ein Anblick! Am Freitag wünschte er mir ein schönes Wochenende, obwohl er wusste, dass ich nichts großartiges zu tun hatte. Er würde mit seinem Freund ans Meer fahren. Ich war sehr neidisch. Hätte ich doch so gerne mitgewollt!
Am Abend schickte er mir ein Foto eines Hotelzimmers. „Schick, nicht wahr?“, war der Text dazu, mit einem zwinkerndem Smiley.
Das Bild zeigte ein teures Doppelbett, direkt an einer gewaltigen Fensterfront. Es sah sehr nach einem teurem Hotel aus. Woher konnte ein Friseur sich das leisten?
„Sieht gut aus“, gab ich ins Handy ein.
„Auf jeden Fall. Vitus Mutter spendiert uns die Nächte in dem Hotel. Ihre Wohnung ist leider zu klein, als dass wir dort noch mit übernachten können.“
Ach, so war das. Die Mutti bezahlte das teure Hotelzimmer für ihren Bengel und seinem Lover. Fast ein wenig beneidenswert...
Über das Wochenende bekam ich noch zwei Bilder zugeschickt. Das eine zeigte das trübe, dunkle Wetter am Strand, das andere war eine bunte Katze, die er fotografiert hatte. Ich hatte gehofft, dass er ein paar Bilder von sich schicken würde – am besten ohne Kleidung – aber das war nicht der Fall. Wenigstens ersparte er mir Fotografien von sich und Vitus zusammen.


Am Montag stand erst mal mein Friseurtermin an. Ich war schon ganz aufgeregt. Ich würde meinen Feind kennenlernen. Pünktlich zum Termin schritt ich durch die Tür des Salons. Es war ein typisches Friseurstudio. Die Wände waren im hellgrünen Ton gehalten, Gemälde von Blumen und bekannten Sehenswürdigkeiten hingen an den Wänden und so massenhaft viele Spiegel, dass man gar nicht wusste, in welchen man als erstes schauen sollte.
Eine Frau mit Kurzhaarschnitt färbte gerade einer alten Frau die Haare feuerrot. Die sollte lieber ihre grauen Haare behalten, überlegte ich. Das Rot sah einfach nur grottig aus.
Ich wurde von einer Frau mit einem riesigen Hut begrüßt. Unter der großen Kopfbedeckung konnte man ihre Haare gar nicht erkennen. Nicht unbedingt das beste Zeichen für eine Friseuse.
„Ich habe einen Termin bei Vitus“, bemerkte ich.
Die Dame nickte. „Lindner Penelope“ stand auf ihrem Namensschild. Es war die Frau, mit der ich schon telefoniert hatte.
„Sie dürfen hinter dem rechten Spiegel platz nehmen“, wurde ich aufgefordert, „mein Kollege ist sofort da.“
Ich schlüpfte aus meiner Jacke und nahm Platz. In diesem künstlichen Licht sah meine Haut ungewöhnlich blass aus.
Und dann sah ich Vitus zum ersten Mal. Ich wusste nicht, wie ich ihn mir vorgestellt hatte, ehrlich gesagt hatte ich gar kein genaues Bild vor Augen gehabt, aber wenn ich eines gehabt hätte, hätte es wohl meinen Erwartungen entsprochen.
Vitus war ungefähr gleich groß wie Felian, hatte aber ein viel helleres, blondes Haar, das er sicherlich gefärbt hatte. Seine Augen waren in so einem deutlichen Grün, dass er nur Kontaktlinsen sein konnten. Sein Körper war eher drahtig, seine Oberarme auffallend dünn, trotzdem machte er eine recht gute Figur. Er trug eine schlabbrige Jeans und dazu ein Tanktop, das seine schmalen Schultern nur noch mehr betonten.
Er blieb einen Moment an den Waschbecken stehen und musterte mich. Langsam kam er näher. „Wir kennen uns?“, war seine Begrüßung. Seine Stimme war außergewöhnlich rauchig. Griff er etwa auch zur Zigarette? Armer Felian. Wenigstens roch er nicht danach.
„Ich glaube nicht.“ Vorsichtig grinste ich.
„Ach so“, er klang ein wenig verwirrt, „Pepe hat nur gemeint, dass du gleich nach mir verlangt hast und meinen Vornamen wusstest.“
„Der stand im Internet.“
„Stimmt. Also, was kann ich für dich tun.“ Er strich mit seiner Hand durch meine Haare. Die Berührung störte mich.
„Die Haare müssen kürzer werden.“
„Ganz eindeutig“, lachte er leise, „aber hast du einen bestimmten Schnitt im Kopf?“
„Nein, eigentlich nicht. Nur nicht zu kurz soll es werden.“
„Nicht zu lange und nicht zu kurz soll es sein.“ Er lachte ein wenig lauter. „Dann schauen wir mal, was wir hinbekommen.“
Ich wusste nicht, was ich von Vitus halten sollte. Unter anderen Umständen wäre er mir vielleicht sogar sympathisch gewesen. Er hatte eine fröhliche Art, ganz ähnlich wie sein Freund, aber da ich wusste, dass diese Finger, die gerade meine Kopfhaut berührten, jeden Tag Felian am ganzen Körper anfassten, änderte sich meine Meinung sofort. Ich fand ihn widerlich, ich hasste seine weichen Hände, seine rosigen Lippen und das Piercing zwischen seinen Nasenlöchern. Natürlich hatte ich vom ersten Augenblick aufgepasst, ob er auch einen Ring am Finger trug, aber da war keiner. Erst später bemerkte ich, dass genau der selbe Ring wie Felian ihn trug, an seinem Hals baumelte und immer wieder in seinem hautengem Top verschwand.

Die Haare hatte er mir aber gut geschnitten, die Frisur stand mir. Wenigstens etwas, denn als ich eine viertel Stunde später an der Kasse stand, traf mich fast der Schlag. Fast fünfzig Euro sollte ich für das zehnminütige Schneiden bezahlen. Grummelnd zog ich meinen Geldbeutel. So viel verdiente ich dann doch nicht, dass ich mir nochmal einen so teuren Haarschnitt leisten könnte.
An diesem Abend fiel mich noch etwas Wichtiges ein, was ich zuvor vergessen hatte. Ich kannte jetzt Vitus Nachnamen, konnte also sicherlich ganz leicht raus finden, wo er wohnte. Genau wie damals, vor ein paar Jahren, als ich Felians Adresse gesucht hatte, gab ich 'Vitus Lagatz' in Google ein, öffnete das Telefonbuch und schon hatte ich einen Treffer. Es gab einen Vitus mit diesem Nachnamen in Berlin, wohnhaft in der Forststraße. Grinsend betätigte ich die Taste für den Bildschirmschoner an meinem Handy. Ich war ein ganzes Stück weitergekommen. Ob Felian bei ihm wohnte oder hatten sie noch getrennte Wohnungen? Das musste ich unbedingt noch erfahren.

Re: Die Liebe meines Lebens

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Simson
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Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Simson » 30 Dez 2018, 15:49

So langsam finde ich Korbinian ziemlich gruselig
:o
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

Svenni
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Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Svenni » 30 Dez 2018, 18:18

Danke :D
Genau das ist der Plan. Ich soll anders als die gewöhnlichen Protagonisten sein. Sei gespannt, was er sich alles noch einfallen lässt

Svenni
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Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Svenni » 30 Dez 2018, 19:17

Jetzt lernt man Vitus endlich besser kennen :D. Was sagt ihr zu ihm?



Am Wochenende war es dann endlich so weit. Ich würde den Abend mit Felian, Vitus und seiner kleinen Schwester verbringen. Ich war schon ganz gespannt, wie sich Sana entwickelt hatte. Außerdem musste ich mehr über Vitus erfahren, denn umso mehr ich über ihn wusste, umso leichter würde es mir fallen, ihn von Felian zu trennen. Noch hatte ich überhaupt keinen Plan, wie ich das anstellen sollte, aber ich machte mir da noch keine Gedanken. Irgendwas würde mir schon einfallen und Felian würde ganz schnell Single sein. Wieso musste er auch so gut aussehen, dass er ständig einen Typen an seiner Seite hatte?! Erst Jerome, aber da war es nicht so dringend gewesen, sie auseinander zu bringen. Ich hatte von Anfang an gewusst, dass er nach einer bestimmten Zeit wieder in seine Heimat zurückfliegen würde, die glücklicherweise tausend Kilometer entfernt war.
Ich war schon eine halbe Stunde zu früh bei dem Inder, an dem wir uns verabredet hatten. Oder besser gesagt, Felian hatte mir heute Vormittag eine Nachricht geschickt, dass Vitus gerne mal indisch essen wollte und ob ich Lust hätte mitzukommen. Auf so einen Augenblick hatte ich nur gewartet. Sofort hatte ich zugesagt und Felian hatte mir die Adresse geschickt. Ich saß jetzt also mitten im Zentrum von Berlin in einem Restaurant, das viel zu vollgestopft war mit Leuten. Ich fragte mich, wie wir später zu viert an dem kleinen Tisch, der für uns reserviert war, Platz haben würden. Vielleicht würde aber Felian ganz nah an mich ran rutschen müssen...
Ich hatte schon eine Speisekarte vor mir liegen, in der ich lustlos blätterte. Ich war noch nie beim Inder gewesen, aber das Essen klang für mich nicht allzu vielversprechend. Bei den meisten Gerichten wusste ich nicht mal, was damit gemeint war.
„Hey Korbinian. Ich glaube es nicht, dich wieder zu sehen. Lange ist's her.“ Eine junge Frau warf sich auf den Stuhl neben mir. Erst auf den zweiten Blick erkannte ich Sana. Sie hatte sich krass verändert. Früher war sie immer recht zierlich und ein wenig unschuldig gewesen, ein Mädel, das am liebsten den ganzen Tag in Reithosen umher gelaufen war. Jetzt trug sie Leggins, ein kurzes Kleid mit langen Ärmeln darüber und so viel Rouge und Puder im Gesicht, dass man keine einzelne Pore mehr erkennen konnte. Ihre Augenbrauen waren abrasiert und ganz künstlich nachgemalt worden. Oder waren sie etwa tätowiert?! Viele Männer, die nicht ausgerechnet schwul waren, würden bestimmt auf sie stehen, aber mein Fall war sie definitiv nicht.
„Hey Sana“, ich bemühte mich zu einem Lächeln.
„Wie geht’s dir denn so? Felian hat erzählt, dass du im selben Krankenhaus arbeitest wie er.“
„Ja genau, ich bin Krankenpfleger.“
„Und du hattest auch genug von der Kleinstadt, in der wir gewohnt haben und wolltest in eine richtige Stadt wie Berlin, oder?“ Sie fuhr sich durch ihre Hochsteckfrisur.
„Kann man so nennen“, antwortete ich und nahm einen Schluck meiner Mangoschorle, die schon vor mir stand.
„Du hast dich ganz schön verändert.“
Wieso fanden alle, dass ich mich verändert hatte?! Ich hatte eher das Gefühl, ich war noch genau der selbe wie früher.
„Früher warst du irgendwie immer komisch“, sie kicherte leise, „ich meine das jetzt nicht böse, aber du warst ein wenig merkwürdig. So ganz anders als die anderen in deinem Alter.“ Sie sah mich entschuldigend an.
„Ich weiß was du meinst“, entgegnete ich. Aber da hatte sich nicht viel getan, ich war immer noch komisch. Für die meisten Menschen zumindest.
„Wie geht es denn Ella? Wir waren früher so gut befreundet, aber nach und nach hat der Kontakt leider aufgehört. Ich würde gerne mal wieder etwas von ihr hören. Ich glaube, wir würden uns auch heute noch gut verstehen.“
„Ella hat jetzt ein Kind.“
„Was? Oh okay, das hätte ich jetzt nicht gedacht. Aber das freut mich für sie, sie hat früher schon immer gesagt, dass sie jung Mutter werden möchte. Was ist es denn, ein Junge oder ein Mädchen?“
„Ein Mädchen. Magdalena heißt sie. Sie wird jetzt bald ein Jahr alt.“
„Magdalena? Das ist lustig, das war schon früher Ellas Lieblingsname gewesen. Als wir noch Barbie gespielt hatten, hießen ihre Puppen immer Magdalena oder Anna-Lena. Ist sie denn auch verheiratet?“
„Nein, das nicht, aber sie wohnt mit ihrem Freund zusammen.“
„Ah okay. Mein Bruder heiratet nämlich bald, wusstest du das schon? Vielleicht könntest du mir mal Ellas Handynummer geben?“
Ich nickte widerwillig. Dass bei Felian und Vitus schon so die Hochzeitsglocken läuteten hätte ich nicht gedacht.
„Bist du denn eigentlich auch schwul?“ Sana fragte das ganz beiläufig, während sie nach dem Kellner Ausschau hielt.
„Ja bin ich.“
„Okay.“ Es schien bei ihr nichts besonderes zu sein, auf jeden Fall reagierte sie kaum. Hier in Berlin kannte sie bestimmt sehr viele schwule Männer. Außerdem war sie mit einem schwulen Bruder aufgewachsen.

„Sanaaa, ich muss dir unbedingt was zeigen“. Felian stürmte durch das Restaurant und zog den platinblonden Vitus hinter sich her. Er schmiss sich richtig auf die Eckbank und hielt seiner Schwester sein Handy vor das Gesicht.
„Was ist denn los?“ Sana hielt vorsichtshalber ihr Getränk fest, denn Felian kam diesem mit seinem Ellbogen gefährlich nahe.
„Schau doch mal.“ Seine Stimme wurde noch lauter und er drückte ihr sein Handy noch weiter ins Gesicht.
„Eine Katze?“
„Jaaaaa. Vitus hat mir eine Katze geschenkt.“ Mein Schwarm war ganz außer sich. Er warf einen verliebten Blick zu seinem Freund, der gerade seine Jacke auszog und neben sich zusammengeknüllt auf die Bank drückte.
„Ihr habt jetzt eine Katze?“ Sana wirkte ganz verblüfft, Felian nickte eifrig. „Vitus hat sie heute mitgebracht.“
„Und woher habt ihr sie?“
„Sie ist Pepe vor einiger Zeit zugelaufen, aber sie konnte sie nicht behalten. Sie hat schon vier Katzen und so langsam macht ihr Mann Probleme.“
Ach, diese Pepe, um die es sich hier wohl handelte, kannte ich auch schon. Penelope Lindner, die Friseuse mit dem großen Hut.
„Und wie habt ihr sie genannt?“
„Sie hat noch keinen Namen“, bemerkte Vitus, „meine Kollegin hat sie einfach nur Mausi gerufen, aber das finden wir beide dämlich.“
„Ach Korbinian, sorry, dass ich dich ganz übersehen habe“, endlich wandte sich Felian an mich, „ich wollte dir doch endlich meinen Freund vorstellen.“
Vitus schien mich nicht zu erkennen, obwohl ich vor gerade mal fünf Tagen sein Kunde gewesen war. Aber das war gut so, ich hatte mir auch extra die Haare anders gegelt und geföhnt, damit er mich nicht sofort erkannte. Es schien geklappt zu haben.
„Hallo Korbinian“, begrüßte er mich mit seiner rauchigen Stimme, „Felian hat schon viel von dir erzählt.“
Ach, hatte er das? Mich würde interessieren, was. „Von dir auch“, antwortete ich und schüttelte die Hand, die mir Vitus über den Tisch hinweg reichte. Ich musste höflich und freundlich sein, mich quasi mit dem Feind verbünden.
„Arbeitet ihr viel zusammen?“ Vitus versuchte wohl, Smalltalk mit mir zu halten.
„Nein eigentlich nicht“, Felian war an dem Pullover seines Freundes beschäftigt und sammelte sämtliche Fussel von dessen Schulter ab. Trotzdem antwortete er an meiner Stelle, „Ich war nur an meinem ersten Tag auf der Intensivstation, ich wechsle also jeden Tag durch. Ich bin schon gespannt, wie die ersten Tage im OP werden.“
„Ich könnte nicht bei einer Operation zuschauen“, lachte Sana, „ich kippe schon bei jedem Tropfen Blut um.“
„Ach, an all das Blut gewöhnt man sich schon“, erwiderte ich und Felian nickte zustimmend.
„Aber was habt ihr denn jetzt für Namensvorschläge für unsere Katze?“ Felian sah uns auffordernd an.
„Was ist es denn überhaupt, ein Kater oder eine Kätzin?“, fragte Sana.
„Eine Kätzin. Das einzige Mädel in unserem Haushalt“, lachte Vitus.
Meine Frage hatte sich beantwortet. Wie ich mir gedacht hatte, wohnten die beiden Männer schon zusammen in einer Wohnung.
„Ich hätte nicht gedacht, dass ihr euch mal eine Katze holt. Ich hätte eher gedacht, dass ihr beide Hundemenschen seid.“
„Das stimmt schon.“ Felian lehnte sich zurück, schnappte sich Vitus Hand und verschränkte ihre Finger, „aber für einen Hund haben wir beide im Moment keine Zeit.“
„Früher oder später werden wir bestimmt einen haben“, grinste Vitus.
„Korbinian, wie hieß denn damals dein Hund? Du hattest doch einen, nicht wahr?“ Felian wandte sich an mich.
„Billy hieß er.“
„Hast du ihn eigentlich noch?“
„Nein, die vorherige Besitzerin hat ihn wieder zurück genommen, als sie vom Krankenhaus zurück kam. Und ich habe erfahren, dass er letztes Jahr gestorben ist. Er hatte wohl einen Tumor auf der Leber.“
„Das tut mir leid.“
„Und wie ging es denn mit eurem Hund weiter?“, wollte ich wissen.
„Du meinst Hobbit, oder?“
„Ja genau.“
„Er ist kurz nachdem wir nach Berlin gezogen sind, gestorben. Er war schon sehr alt und hat schon ziemlich abgebaut gehabt. Mum hat sich später wieder einen Hund geholt, diesmal einen Labrador.“
Es machte so Spaß, mit Felian zu reden, nur die anderen beiden störten mich. Ich wäre viel lieber nur mit Felian hier gewesen.
„Wir könnten die Katze ja Maya nennen, so hieß meine erste Katze auch“, bemerkte Vitus und nahm seine Cola, die der Kellner ihm reichte, entgegen.
Felian verzog sein Gesicht. „Ach ne, der Name klingt doof. Da finden wir einen schöneren.“
„Dann nennt sie doch Thekla?“ gluckste Sana, „das ist der Name der Spinne bei Biene Maya.“
„Das ist doch kein schöner Name.“ Felian verdrehte die Augen.
„Was hat sie denn für eine Fellfarbe?“, brachte ich mich selbst ins Gespräch mit ein.
„Sie ist pechschwarz. Warte, ich kann dir auch ein Foto zeigen.“ Felian zog sein Handy wieder hervor, entsperrte es und für einen Augenblick konnte ich sein Hintergrundbild erkennen. Es zeigte ihn, wie einen dicken Kuss auf Vitus Wange setzte. Dann tippte er auf die Galerie und klickte auf ein Foto. Im ersten Moment konnte ich darauf kaum etwas erkennen, dann erahnte ich ein Bein eines Tisches. Dahinter konnte ich etwas schwarzes Fell erkennen und ein leuchtend grünes Auge. „Sie ist noch ein wenig schüchtern, aber das wird schon“, kommentierte Felian das Bild, „als wir vorhin im Bad waren, hat sie bereits ihren Fressnapf inspiziert.“
„So, wie ich euch kenne, nennt ihr sie doch sowieso nur mit verschiedenen Kosenamen“, äußerte Sana, „nennt sie doch einfach Baby.“
„Ne, ne ne ne“, Vitus lachte laut auf, „ich hab schon ein Baby und mein Baby gehört zu mir.“ Er zog seinen Freund energisch an sich und drückte ihn einen festen Kuss auf die Lippen. Felian lachte, ich musste aufpassen, den Schluck Mangoschorle, den ich gerade im Mund hatte, nicht quer über den Tisch zu spucken.
„Ne, wir brauchen schon einen richtigen Namen“, entgegnete Felian, kaum hatte er sich wieder richtig hingesetzt, „jeder muss jetzt einen Vorschlag machen.“
„Ich hab schon einen gemacht“, erwiderte Vitus und nahm einen Schluck Cola.
„Aber der war nichts.“
„Na und.“ Vitus stellte das Glas wieder zurück.
„Du musst dich schon ein wenig mehr anstrengen, es geht schließlich um unser Haustier.“ Felian zog einen Schmollmund.
„Okay, okay. Wie wäre es denn dann nur mit Biene? Wenn schon kein Maya dazu kommt.“
„Biene? Ich weiß nicht, sie ist doch kein Insekt.“
„Also ich finde Biene toll“, schwärmte Sana, „so heißt nicht jede Katze und irgendwie finde ich, dass es zu einer schwarzen Katze passt.“
„Mhm.“ Felian schien zu überlegen. „Biene.. irgendwie hat der Name was.“
„Dann haben wir uns ja geeinigt.“ Vitus klopfte seinem Freund auf den Oberschenkel.
„Jetzt lasst uns aber endlich mal schauen, was wir essen wollen“, wechselte Sana das Thema, „ich bekomme richtig Hunger.“
Wir alle schlugen die Speisekarten auf und blätterten durch die Seiten. Ich hatte mir ja schon zuvor die ganzen Gerichte angeschaut, aber so wirklich wusste ich noch nicht, was ich essen sollte. Schlussendlich entschied ich mich für eine Speise mit Hühnchen in einer Currysoße. Hoffentlich würde es nicht zu scharf sein.
Vitus schlug nach mir die Karte zu. „Isst du eigentlich immer noch komplett vegan?“ fragte Sana ihn.
„Natürlich, seit einem halben Jahr schon.“
„Und gibt es für dich dann beim Inder eigentlich was zum Essen?“
„Sicher“, empörte er sich, „es gibt eine ganze Liste“. Er schlug die Karte wieder auf, blätterte kurz darin herum und zeigte dann auf eine kleine Auswahl an Gerichten.
„Auf Fleisch könnte ich vielleicht sogar verzichten“, Sana zuckte mit den Schultern, „aber mein Rührei in der Früh gebe ich niemals auf.“
„Ich esse auch schon viel weniger Fleisch“, bemerkte Felian, „ich glaube, ich nehme diesmal auch nur die Auberginen und den Käse.“
Ich unterdrückte ein Augenverdrehen. Musste Felian seinem Freund denn alles nachmachen?!

Mühsam unterdrückte ich ein Husten. Das Essen war verdammt scharf! Ich hatte schon das dritte Glas Mangoschorle geleert, aber geholfen hatte es nicht wirklich. Mein Mund brannte wie Feuer. Milch wäre wahrscheinlich besser gewesen.
Auch Sana stocherte nur auf ihrem Fisch herum. Sie schien auch kein Fan von indisches Essen zu sein.
Felians Essen sah aus wie billiger Babybrei. Ich hatte Mitleid mit ihm. Wäre Vitus nicht gewesen, hätte er sich bestimmt auch ein Stück Fleisch bestellt. Ich beobachtete ihn, wie er immer wieder eine Gabel von Vitus' Linsen klaute. Nur diesem schien es auch zu schmecken. Er schaufelte seinen Auflauf richtig in sich rein.
Ich schob das halbe Teller von mir weg. „Ich bin satt“, stellte ich fest.
„Jetzt schon?“ Vitus kratzte gerade die restlichen Linsen zusammen, „du hast noch das halbe Teller voll.“
„Ich hatte keinen großen Hunger“, log ich, „will jemand von euch noch den Rest?“ Natürlich schielte ich zu Felian.
Dieser beäugte ein letztes Mal seine Auberginenpampe, schob dann sein Teller beiseite und meines näher. Wie der Blitz hatte er meine Scheibe Fleisch zerschnitten und tauchte sie tief in die Currysoße. Ich hoffte, dass ihm mein Essen nicht auch zu scharf sein würde, doch ihm schien es zu schmecken. Wenigstens das. Triumphierend schaute ich zu Vitus.
Ich wusste nicht, was ich genau von Vitus halten sollte. Mich hatte es sehr gestört, dass Felian die ganze Zeit an ihm herum gefummelt hatte. Bei Jerome hatte er es nicht so extrem gemacht, heute Abend hatte er die ganze Zeit seine Hand mit Vitus verknotet, in seinen Haaren gefummelt oder sich an seinen Pullover geschmiegt. Er schien richtig abhängig von dem Platinblonden zu sein. Gut, dass ich das bald ändern würde.

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Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Cyberfox » 30 Dez 2018, 23:14

Das mit dem Essen war doch mal eine geniale Idee, um Vitus eins auszuwischen. Ich mag diesen Vitus irgendwie nicht sonderlich. Da bin ich mit Korbinian wirklich mal einer Meinung. Dieser Typ muss weg. :D

Korbinian erinnert mich irgendwie an diesen total durchgeknallten Buchhändler Typen, Joe Goldberg. Aus der Serie You - Du wirst mich lieben haha. Die scheinen beide irgendwie so irre zu sein. xD

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Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Svenni » 31 Dez 2018, 17:45

Ich hab nichts gegen Vitus :D. Felian mag ich aber lieber. Er scheint mir sehr ähnlich zu sein. Ist die Serie gut? Dann muss ich die unbedingt auch mal sehen ;)


Am nächsten Morgen fuhr ich in die Forststraße. Ich wollte die Wohnung von Felian und Vitus kennenlernen. Mein Auto versteckte ich lieber drei Straßen weiter. Ich wusste nicht, ob Felian den Wagen, den ich fuhr, kannte, aber sicher war sicher.
Ich fand die richtige Hausnummer und begutachtete das Haus.Es war ein einfaches, aber kleines Doppelhaus mit einem winzigen Garten, umgeben von einer Hecke. Hier wohnten also die Beiden. Nicht schlecht, fand ich. Besser als meine kleine Wohnung. Wenn ich bald mit Felian zusammenkommen würde, würden wir hier auf jeden Fall wohnen bleiben. Vitus würde ich achtkantig raus werfen.
Ich begutachtete die Klingelschilder an den beiden Haustüren. An der rechten Tür stand ein fremder Name, aber an der linken Seite, war ein großes, fröhliches Schild mit den Namen Lagatz und Guhne, in einem großen Herz eingekreist, befestigt.
Mein Blick verfinsterte sich, als ich feststellte, dass die Fenster viel zu weit oben waren, um dort hineinzuschauen. Aber vielleicht würde es ja vom Garten aus besser sein?
Waren Felian und Vitus eigentlich zuhause? Ich hoffte nicht. Ich hatte viel zu erklären, wenn sie mich in ihrem Garten vorfinden würden.
Ganz automatisch sprang ich über das kleine Gartentor, dabei hatte ich gar nicht ausprobiert, ob es quietschte. Hoffentlich hatte mich kein Nachbar dabei gesehen, aber als ich mich umsah, bemerkte ich, dass der Garten eigentlich recht abgelegen und auch vom Nachbarshaus mit einer großen Hecke getrennt wurde. So schnell würde mich also keiner entdecken, sehr gut.
Wie früher schlich ich mich durch den Garten. Eine Eiche oder einen anderen Baum gab es leider nicht. Ich lief zur Hauswand und streckte mich vorsichtig, um zum Fenster hinein zu blicken. Ich musste mich sogar auf die Zehenspitzen stellen. Aber viel sah ich nicht. Ich sah eigentlich nur eine Wand, an der ein leuchtendes Bild hing. Hatte Felian nicht erwähnt, dass er mit Vitus einen Aquarellkurs besuchte? Vielleicht war er es gewesen, der das gemalt hatte.
Enttäuscht stellte ich mich wieder normal hin. So würde ich nicht viel beobachten können. Wie schade, ich hatte mich schon richtig darauf eingestellt, Felian in Zukunft wieder nächtelang stalken zu können.

Die nächsten Tage im Krankenhaus bereiteten mir keine Freude. Der Selbstmordpatient lag immer noch im künstlichen Koma. Bisher hatte ich aber keinen Besucher an seinem Bett gesehen. Er tat mir leid. Kein Wunder, dass er sich umbringen wollte. Niemand schien er wichtig gewesen zu sein. Ihm ging es beinahe so wie mir. Nur, dass ich Felian hatte.
Am nächsten Wochenende saß ich alleine in der Wohnung und hatte den Fernseher laufen. Es war erst Nachmittag, trotzdem hatte ich für später nichts vor. Ich zappte mich durch die verschiedenen Programme, als es an meiner Tür läutete.
Fluchend stand ich auf und trabte in Jogginghose zur Wohnungstür. Ich staunte, wen ich dahinter vorfand. Ella! Meine kleine Schwester. In ihrem Arm hielt sie ein kleines Kind, hinter ihr schleppte ein etwas dicklicher Mann einen Kinderwagen die Stufen hoch.
„Ella!“, begrüßte ich sie, „schön, dich zu sehen.“
„Korbinian“. Sie umarmte mich mit ihrem freien Arm so gut wie möglich, „wieso hast du denn nicht auf meine Anrufe reagiert?“
„Ich hab es vergessen, tut mir leid. Hatte so Stress in der Arbeit.“ Es stimmte, ich hatte wirklich keinen Gedanken mehr an meine Schwester verschwendet.
„Sana hat mich letzte Woche angerufen und erzählt, dass du dich mit ihnen getroffen hast. Da dachte ich mir, es ist höchste Zeit, dass ich nach Berlin komme. Du kennst Leni ja noch gar nicht.“ Empört sah sie mir in die Augen.
Ich fuhr mit meinen Fingerspitzen vorsichtig über den Flaum auf dem Kopf des Babys. Ich hatte mit Kindern noch nie viel anfangen können, aber Ellas Tochter war wirklich niedlich. Sie nuckelte an einem großen Schnuller in ihrem Mund.
„Und Torben kennst du auch noch nicht.“
Der Mann hatte endlich den Kinderwagen nach oben getragen und stellte ihn gerade an die Wand neben meiner Wohnungstür. Er wischte sich seine verschwitzten Hände an der Hose ab und hielt sie mir entgegen. „Torben ist mein Name“, stellte er sich vor, „schön, Sie endlich mal kennenzulernen.“
„Ebenso“. Ich lächelte und nahm die Hand entgegen. „Kommt doch rein.
Wir setzten uns an meinen Küchentisch und ich holte eine Flasche Mineralwasser aus dem Küchenschrank. Ich bereute es, dass ich meine Wohnung nicht aufgeräumt hatte. Magdalena krabbelte fröhlich auf meinem Teppich umher und zog kräftig an der Wolle.
Ich versuchte Smalltalk zu führen, aber gut war ich darin nicht. „Was wollt ihr denn heute noch in Berlin machen?“, fragte ich.
Ella nahm einen Schluck aus dem Glas, das ich ihr gereicht hatte. „Ich habe schon einen Plan, ja. Und du bist auch dabei. Ich habe schließlich geahnt, dass du am Wochenende nichts anderes vor hast, als vor dem Fernseher zu hocken.“ Warum dachte sie das?! Es hätte ja sein können, dass ich für abends etwas geplant hatte. Aber ich schwieg.
„Ich habe viel mit Sana geschrieben und sie hat eine kleine Feier organisiert. Felian und ein gewisser Vitus laden uns zu sich ein. Ich nehme an, dass dies sein neuer Freund ist?“ Sie zog ihre Augenbrauen nach oben. Ich nickte.
„Gut, dann kennst du ihn wohl schon. Ich freue mich wirklich, Felian und Sana endlich wieder zu sehen. Sie sind damals so plötzlich weggezogen.“
Ich würde den Abend also bei Felian zuhause verbringen. Eine aufregende Tatsache.

Torben war ein recht unkomplizierter Genosse. Er redete nicht viel, was mir nur recht war und warf abwechselnd seiner Freundin und seiner kleinen Tochter verliebte Blicke zu. Nur beim ersten Kuss zwischen Felian und Vitus war er für einen Moment rot angelaufen und hatte in sein Bierglas gehustet. Beim zweiten hatte er möglichst beiläufig den Blick abgewandt, aber nach dem dritten schien er „immun“ zu werden. Er unterhielt sich viel mit Vitus, was mir nur recht war, denn so hatte ich Felian für mich. Der hielt jedoch lieber Magdalena auf dem Schoss und fütterte sie mit ihrem Apfelmus, das Ella mitgebracht hatte. Er schien ganz hin und weg von dem Baby zu sein. Ich hatte den großen Verdacht, dass Felian später unbedingt selbst Kinder haben wollte. Ich war jetzt kein Fan von Kindern, aber wenn Felian unbedingt welche adoptieren wollte, wenn wir endlich zusammen waren, dann sollte er das tun.
Felian und Vitus hatten zum Abendessen für die vielen Gäste ein riesiges Blech Lasagne gemacht. Natürlich in vegan. Ob Felian immer nur das essen durfte, was Vitus mochte? Der wollte bestimmt kein Fleisch neben seinem Tofu im Kühlschrank liegen haben.
Das Essen bestand zu neunzig Prozent aus Rosenkohl und Brokkoli und war mit einer stinkenden Pampe, die wohl der Käse darstellen sollte, überbacken. Eine Mischung, die mir hinten und vorne nicht schmeckte. Der Brokkoli war ja noch in Ordnung, aber wer kam auf die Idee, Rosenkohl in eine Lasagne zu tun?! Das war das einzige Gemüse, das ich überhaupt nicht essen konnte. Und dann auch noch dieser Käseersatz... Es wurde Zeit, dass Felian zu mir überlief. Ich konnte wenigstens kochen.
Ella war im ersten Augenblick vom neuen Anblick ihrer ehemals besten Freundin verwirrt gewesen, aber jetzt verstanden sie sich recht gut. Sie saßen zusammen auf dem Sofa und schwatzten schon seit einer halben Stunde unaufhörlich. Vitus und Torben tranken Bier zusammen und Felian kitzelte das kleine Kind.
„Ich müsste mal auf die Toilette“, wandte ich ein.
Felian war der einzige, der aufsah. „Das Bad ist oben. Direkt rechts neben der Treppe“, erklärte Felian und ließ sich seinen Daumen von Magdalenas kleiner Faust umklammern.
Dankend nickte ich ihm zu und stieg die schmale Holztreppe nach oben. Im Obergeschoss angekommen, bog ich allerdings nicht nach rechts ab, wo die Badezimmertüre offen stand, sondern ich wandte mich an die linkte, verschlossene Tür.
Ich drückte die Klinke nach unten und tatsächlich, es war das Schlafzimmer des Paares. Die Wände waren in einem dunklen Rot gestrichen und das große Doppelbett nahm fast das ganze Zimmer ein. Die Bettwäsche war passend zur Wandfarbe im weinroten Ton und zwei Kissen waren ordentlich an den Bettpfosten angelehnt. Ich schnappte mir das erste und drückte meine Nase hinein. Es roch leicht nach dem Shampoo, das Felian benützte. Leider roch das zweite Kissen genauso, ich konnte also nicht bestimmen, wo mein Schwarm lag.
Dann entdeckte ich aber etwas viel spannenderes. An den Bettpfosten waren zwei Handschellen befestigt. Ich hielt die Luft an. Wagte Vitus etwa, meinen Felian zu fesseln? Wenn ich ihn dabei erwischen würde...
Andererseits, ein Vitus in Handschellen würde mir sehr gut gefallen. Nur nicht an ein Bett gefesselt, sondern zum Beispiel an einen einzigen Baum mitten in der Sahara, mutterseelenallein. Ja, genau das entsprach meinen Vorstellungen.
Ich rückte die Kissen wieder ordentlich zurück und schloss vorsichtig die Schlafzimmertüre hinter mir.
Das Badezimmer war genau wie der Rest der Wohnung, wie von einen Architekten eingerichtet. Alles schien seinen genauen Platz zu haben, nichts lag herum. Auch kein einziges Staubkörnchen lag auf dem Boden oder auf der Ablage. Vitus schien einen ziemlichen Putzfimmel zu haben. In Felians Zimmer war es früher nicht so ordentlich gewesen. Ich würde mich so nicht wohl fühlen können. Das ganze Haus war zwar super modisch, aber dafür wenig gemütlich eingerichtet. Es wurde Zeit, dass ich hier einzog.
Ich drückte einmal auf die Klospülung, damit, falls jemand im Erdgeschoss darauf achtete, man dachte, ich sei tatsächlich nur auf der Toilette gewesen.
Als ich wieder nach unten lief, wühlte Felian gerade in einer Schublade des Wohnzimmerschrankes. Sämtliche Brettspiele hatte er schon nach draußen befördert.
„Wie wäre es denn mit Hotel? Das ist so ähnlich wie Monopoly“, schlug er gerade vor.
„Och ne, ich hasse schon Monopoly“, jammerte Ella, „Korbinian wollte es früher schon immer spielen und ich hab es gehasst.“ Sie warf mir einen ärgerlichen Blick zu.
„Wir haben beschlossen, dass wir eine Art Spieleabend veranstalten“, informierte Vitus mich. Ich ignorierte ihn.
„Hast du denn einen Vorschlag, was wir spielen können?“ Felian hatte sich weit in die Schublade rein gebeugt. Ich konnte seinen Hintern sehen.
„Also ich fände Monopoly toll.“ Es erinnerte mich an den Abend, an dem ich Felian und den Rest der Guhnes im Wohnzimmer beobachtet hatte. Ella war damals auch dabei gewesen und hatte mitgespielt.
„Da ist sogar noch ein altes Memoryset.“ Felian zog eine verstaubte Packung hervor.
„Bitte nicht, Memory ist so langweilig“, jammerte Sana.
„Und ich bin so schlecht darin“, lachte Vitus. Na perfekt, dann sollten wir doch Memory spielen! Ich wäre voll dafür.
„Ansonsten haben wir noch sämtliche Spielkarten. Kennt jemand Canasta? Oder Watten?“, fragte Felian weiter.
„Ne, Watten ist mir zu kompliziert. Und von dem anderen habe ich noch nie etwas gehört.“ Ella nahm ihrer Tochter die Fernbedienung, an der sie gerade knabbern wollte, ab.
„Dann spielen wir halt Mau-Mau. Das kennt doch jeder, oder?“ Vitus setzte sich sofort zurück an den Küchentisch und stapelte die Teller, damit wir Platz hatten.
„Ja, das ist in Ordnung. Das haben wir schon ewig nicht mehr gespielt“, lachte Sana und stupste ihren Bruder an, damit er aus der Schublade verschwand.
„Torben und ich spielen das oft am Abend“, grinste Ella, „ich kann es kaum erwarten, bis Leni groß genug ist, dass sie auch mitmachen kann.“
„Na dann, endlich haben wir das ja geklärt.“ Felian schwang sich auf den Stuhl neben Vitus.
„Ähm, ich kenne das Spiel nicht.“ Verlegen fuhr ich mir durch die Haare. Vor Felian zugeben, dass ich etwas nicht konnte, war mir sehr peinlich.
„Du kennst Mau-Mau nicht?“ Vitus schaute mich ein wenig vorwurfsvoll an.
„Ich habe es noch nie gespielt.“
„Kein Problem, es ist ganz einfach.“ Felian war sofort von seinem Platz aufgesprungen und zu mir geheilt. Er hielt mir ein Kartendeck unter die Augen.
Am liebsten hätte ich noch tausend Fragen gestellt, nur damit Felian weiter hinter meinem Stuhl stehen und sich über meine Schulter beugen würde, aber irgendwann wären selbst mir zu einem so einfachen Kartenspiel keine Fragen mehr eingefallen. Wir setzten uns alle um den runden Tisch, Felian mischte die Karten und Vitus hatte Zettel und Stift besorgt.
Ich sorgte während allen Spielen, dass Felian gewann. Selbst wenn ich dadurch haushoch verlor, ich wollte, dass Felian als Sieger endete. Zu meinem Bedauern schlug sich auch Vitus nicht schlecht. Meistens war er derjenige, der seine letzte Karte auf den Haufen schmiss und laut „Mau-Mau“ rief. Ich biss mir auf die Lippen, als Vitus schon wieder alle seine Karten weggeworfen hatte, während wir anderen noch mindestens drei Stück in der Hand hielten. Felian gab seinen Freund einen Stoß mit dem Ellbogen.
„Da kommt ja eure Katze“, flüstere Sana plötzlich und zeigte mit den Fingern auf die Holztreppe.
Alle drehten sich um und beobachten das pechschwarze Tier, während sie Stufe um Stufe hinunter schlich.
„Sie schläft gerne im Wäschekorb“, gluckste Felian, „gestern hat sie auch schon den ganzen Tag darin verbracht. Hast du sie vorhin schon gesehen, Korbinian, als du im Bad warst?“
„Ähm, leider nicht. Ich habe dem Wäschekorb keine große Beachtung geschenkt“, meinte ich.
Felian gab mir keine Antwort mehr, sondern schnipste mit den Fingern, um Biene anzulocken. Die schlanke, schwarze Katze ignorierte ihn, schnupperte aber am leeren Fressnapf.
„Hast du schon wieder Hunger?“, fragte Vitus verblüfft, stand aber auf und riss einen Beutel Katzenfutter auf. Biene miaute vorwurfsvoll, bis er den Napf gefüllt hatte und vor ihrer Schnauze abstellte. „Hoffentlich wird sie uns nicht zu dick.“
„Ach, noch darf sie ein wenig zulegen, sie ist noch so dürr. Komm Schatz, lass uns weiterspielen“, forderte Felian. Bei dem Kosenamen stellten sich sofort all meine Nackenhaare auf.
„Stimmt, ich bin ja kurz vorm Gewinnen“, jubelte Vitus begeistert und mit Schwung warf er sich auf seinen Stuhl und mischte die Karten neu.

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Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Cyberfox » 31 Dez 2018, 19:12

Svenni hat geschrieben:Ich hab nichts gegen Vitus :D. Felian mag ich aber lieber. Er scheint mir sehr ähnlich zu sein. Ist die Serie gut? Dann muss ich die unbedingt auch mal sehen ;)


Genau und deswegen willst du Vitus auch aus seiner Wohnung werfen und hoffst, dass er aus einer Wüste nicht mehr wiederkehrt... Weil du nichts gegen ihn hast. Ist klar... :lol: :P Ob die Serie gut ist, kann ich noch nicht beurteilen. Bin bei Netflix gerade mal bei Folge 2 oder so. Aber bisher ist sie sehr interessant. Kann ich also nur empfehlen. :) Nimm dir den Typen aus der Serie aber bloß nicht zum Vorbild! :lol: Der hat nämlich Jemanden, den er loswerden wollte, direkt eine mit dem Hammer verpasst. :lol:

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Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Svenni » 31 Dez 2018, 19:30

Ich will das nicht ;) Das bleibt immer noch Korbinians Idee

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Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Svenni » 02 Jan 2019, 12:32

Die nächsten Wochen verliefen recht entspannend. Im Krankenhaus war zur Zeit wenig los, die Intensivstation war nicht wirklich überfüllt. Mit Felian hatte sich eine richtig gute Freundschaft entwickelt. Wir verbrachten, insofern es möglich war, jede Mittagspause zusammen und trafen uns auch an den Wochenenden sehr oft. Leider waren da dann meist Vitus und auch Sana dabei. Auch seinen anderen Freunden hatte mich Felian vorgestellt, aber mit ihnen konnte ich recht wenig anfangen. Es waren langweilige, völlig ereignislose Menschen. Mit großer Freude stellte ich fest, dass ich mich wohl zu Felians bestem Freund entwickelt hatte. Ich war richtig stolz darauf. Ich war auf den richtigen Weg, es würde nicht mehr lange dauern, dann würde Felian komplett zu mir gehören.
Wir waren gerade wieder beim Mc Donalds gewesen und liefen gerade die Straßen zum Krankenhaus zurück.
„Hast du denn heute Abend ganz spontan Zeit?“, fragte mich Felian plötzlich.
„Ähm, glaube schon“, antwortete ich ein wenig verwirrt. Wir trafen uns sonst selten unter der Woche. Freitagabend war normalerweise der Tag, an dem wir etwas zu viert unternahmen.
„Vitus geht heute mit seinen Kolleginnen zum Essen. Er hat schon angekündigt, dass es später werden könnte und ich habe keine große Lust, alleine zuhause zu bleiben.“
„Ich kann gerne vorbei kommen“, grinste ich. Was für eine Einladung!
„Gerne. Aber ich kann auch mal zu dir kommen. Ich habe noch gar nicht gesehen, wie du wohnst. Und du musst nicht immer fahren.“
Ich schüttelte den Kopf: „Meine Wohnung ist längst nicht so schön wie euer Haus. Ich komme lieber zu euch.“ Ich schämte mich ein wenig über meine unordentliche Wohnung und wollte Felian nicht unbedingt dort haben.
„Kein Thema, dann kommst du einfach wieder zu uns. Sollen wir uns Pizza bestellen?“
„Entweder das oder wir kochen zusammen“, war mein Vorschlag.
„Gute Idee, lass uns doch was kochen. Hast du schon eine Idee?“
„Lass uns doch Pizza selbst machen.“
Felian war gleich begeistert.
„Ich gehe dann zuvor noch einkaufen“, sagte ich, „soll ich dann gegen sechs Uhr bei dir sein?“


Ich konnte es vor Aufregung kaum noch aushalten. Ich würde mich heute mit Felian treffen, ganz ohne Vitus! Und das bei ihm zuhause! Was für ein Glücksgriff. Sicherheitshalber ließ ich im Supermarkt noch eine Packung Kondome mitgehen, die ich ganz unten in meinem Rucksack steckte.
Bewaffnet mit zwei Tüten Lebensmitteln klingelte ich pünktlich an der Haustüre. Felian machte mir schwungvoll die Türe auf. Seine Haare waren noch feucht, anscheinend war er gerade erst aus der Dusche gekommen.
Er umarmte mich zur Begrüßung. „Schön, dass du vorbei gekommen bist. Ich hatte echt keine Lust, den Abend nur vor dem Fernseher zu verbringen.“
„Kein Problem, ich komme ja gerne hier her.“ Wenn er wüsste, wie gerne...
„Du hast ja ganz schön was mitgebracht“, lachte er und deutete auf die beiden Tüten, „soll das alles auf die Pizza drauf?“
Wenn er wüsste, was sich sonst noch in meinen Taschen befand...
Wir kneteten den Teig und hatten einen riesigen Spaß dabei, ihn gleichmäßig auf das Backblech zu verteilen. Ständig rollte er sich wieder zusammen oder riss an den Ecken auseinander. Wir lachten sehr viel zusammen und ich träumte davon, dass bald jeder Tag so sein würde. Von morgens bis abends würde ich Felian an meiner Seite haben...
Ich schnitt den Schinken und die Salami klein, während Felian die Tomatensauce auf den Teig verteilte.
„Willst du wirklich so viel Schinken drauf tun?“ Sein Blick war skeptisch.
„Aber logisch. Man kann nie zu viel Wurst haben.“
„Wie du meinst. Willst du auch Ananas drauf tun? Ich glaube, wir haben noch eine offene Dose im Kühlschrank.“
„Ich bin jetzt kein großer Fan von Ananas“, gab ich zu.
„Ich auch nicht“, lachte Felian.
„Dann sind wir uns ja einig“, ich war ein wenig stolz, „dann bleibt die Ananas im Schrank.“
Ich wollte gerade die Wurstscheiben auf dem Pizzaboden verteilen, doch Felian packte mein Handgelenk und drückte es wieder auf die Seite. „Noch nicht“, rief er, „erst muss doch der Käse drauf.“
„Der Käse?“ Ich war verwirrt.
„Willst du deine Pizza denn ohne Käse?!“
„Natürlich nicht, aber der Käse kommt doch ganz zum Schluss drauf?“
„Zum Schluss? Nein, direkt auf die Tomatensauce. Darüber kommen der Belag.“
„Ich tue den Käse immer auf die Wurst drauf.“
„Aber hast du beim Italiener noch nie aufgepasst? Da ist über dem Schinken auch nie Käse. Der ist ganz unten und die Beilagen werden direkt darauf gelegt.“
„Bevor wir noch ewig diskutieren“, lachte ich, „nehmen wir doch einfach die doppelte Portion Käse und tun unten und oben etwas drauf.“
„Deine beste Idee heute, Käse kann man nie genug haben.“

Wir saßen draußen auf der Terrasse, in dicken Wolldecken gehüllt und hatten unsere Pizzateller auf dem Schoß. Über uns leuchteten die Sterne und unser Atem wurde in der kalten Luft sichtbar. Es war richtig romantisch.
„Weiß Vitus eigentlich, dass ich heute hier bin?“, traute ich mich zu fragen.
„Ja natürlich. Wir sind beide nicht eifersüchtig, wenn du das meinst. Wir wissen, dass wir einander nicht betrügen. Außerdem mag Vitus dich echt gerne.“
Vitus mochte mich? Das war ja ganz was neues. Ich konnte ihn auf den Tod nicht ausstehen.
„Wie sieht es denn eigentlich bei dir aus? Darüber haben wir uns noch nie unterhalten. Bist du eigentlich nicht auf der Suche nach einer Beziehung?“
Was sollte ich darauf denn antworten?! „Doch, eigentlich schon.“
„Aber? Noch niemanden gefunden.“
„Nicht wirklich“, musste ich lügen.
„Aber du hattest schon mal einen Freund, oder?“
„Nichts ernstes. Bisher nur zwei Männer, mit denen aber nicht wirklich was lief.“
„Warst du schon mal verliebt?“
Schon wieder log ich: „Nein, bisher noch nicht.“
„Das tut mir leid. Verliebtsein ist so schön. Ich verliebe mich sehr schnell.“
„Gab es denn jemanden zwischen Jerome und Vitus?“
„Mehr oder weniger.“ Er nahm einen Biss von seiner Pizza, „Vitus war am Anfang nur ein Freund für mich und ich war in seinen damaligen besten Freund verschossen. Aber als mein Vater sich dann umgebracht hat, war er derjenige gewesen, der sich um mich gekümmert hat und irgendwann sind dann die Gefühle auf ihn übergesprungen. Ich könnte mir jetzt auch keinen besseren Freund als Vitus vorstellen. Ich bin wirklich glücklich mit ihm.“
Na, ich wusste schon, wer der noch bessere Freund für Felian sein würde...
„Es ist schön, dass ihr so glücklich seid“, presste ich zwischen meinen Lippen hervor.
„Ich fände es schön, wenn du auch einen Freund finden würdest. Gehst du denn zu solchen Schwulentreffpunkten? In Berlin gibt es ganz viele davon.“
„Nein, das ist nicht wirklich was für mich.“
„Kann ich verstehen. Jerome habe ich damals über eine Flirtapp kennengelernt“. Er kicherte leise.
„Ich hab mich oft gefragt, wie du den Amerikaner damals kennengelernt hast“, erwiderte ich, „ihr scheint ja zuvor kaum Kontakt gehabt zu haben.“
„Genau, wir haben lange Zeit nur geschrieben und uns erst einmal außerhalb der Schule getroffen. Und irgendwie hat es zwischen uns dann einfach gepasst. Jerome war echt ein netter Kerl, ich hab ihn echt gerne gemocht. Aber ich bin auch froh, dass es so zwischen uns geendet hat, sonst hätte ich Vitus womöglich nicht kennengelernt.“
„Vielleicht sollte ich mir auch so eine App runterladen“, grinste ich.
„Mach das. Ich helfe dir dann beim Aussuchen.“ Felian lachte und nahm den letzten Bissen seiner Schinkenpizza, „gibst du mir dein Teller? Ich räume sie schon mal in die Küche. Soll ich dann etwas zum Trinken mit raus bringen?“
Und plötzlich hatte ich eine Idee, wie ich Felian von Vitus trennen könnte.
Ich lag zuhause in meinem Bett, mit einem dicken Grinsen im Gesicht. Die Arme hatte ich vor der Brust verschränkt und starrte in die Dunkelheit. Endlich, endlich hatte ich einen Plan. Und er war totensicher. Bald würde Felian frei sein.
Eine Flirtapp hatte ich mir schon raus gesucht, allerdings würde ich sie nicht nützen, ob einen Freund für mich zu finden. Oder, irgendwie doch.
Ich würde einen Account erstellen, aber mit Vitus Namen und Bilder. Und dann, wenn ich Felian zeigen würde, dass sein Verlobter auf einer solchen Seite unterwegs war, wäre er wohl richtig, richtig sauer. Und wenn ich es dann auch noch schaffen würde, so zu tun, als würde Vitus die fremden Männer auch noch daten, dann wäre ich meinem Ziel schon ganz schön nah.
Ich grinste hämisch. Bald war Vitus Geschichte. Ich stand nur noch vor einem einzigen Problem: Wie würde ich Bilder von Vitus für sein Profil bekommen? Einen Facebookaccount hatte er zum Beispiel nicht, das hatte ich schon lange überprüft.

Abermals war das Glück auf meiner Seite. Am nächsten Tag im Krankenhaus begrüßte mich Felian sogar mit einer Umarmung. „Könntest du uns denn einen Gefallen tun, Korbinian?“, war seine erste Frage.
„Jeden.“
„Vitus und ich fahren am Samstag Morgen wieder zu seinen Eltern. Wir bleiben nicht lange, kommen also am Abend schon wieder zurück. Vitus Onkel ist gestorben und obwohl sie nicht viel Kontakt hatten, würde Vitus gerne zur Beerdigung gehen. Es geht darum, könntest du am Nachmittag einmal nach Biene schauen und ihr neues Futter hinstellen?“
„Natürlich, gar kein Problem.“
„Streicheln wird sie sich von dir wahrscheinlich leider nicht lassen. Wir sind jetzt wenigstens schon so weit, dass sie nicht mehr flüchtet, wenn wir sie ansprechen. Vitus wurde letztens von ihr sogar gekratzt, als er sie streicheln wollte. Aber das wird schon noch werden.“
Ach, ein kleiner Kratzer würde Vitus nicht schaden.
„Ich würde dir am Freitag meinen Schlüssel geben, wenn das okay für dich ist.“
„Keine Angst, ich werde schon nichts kaputt machen“, witzelte ich.
„Da habe ich auch keine Angst. Mir ist das viel lieber, wenn du das machst, als das wir unsere Nachbarn bitten müssen. Die kennen wir nämlich kaum.“
„Mach dir keine Gedanken. Auf mich kannst du dich verlassen.“
„Ich weiß“. Felian klopfte mir auf die Schulter. „Wollen wir heute Mittag zur Dönerbude rüber gehen? Ich hab total Lust auf einen dicken Döner mit viel Zwiebeln.“

Am Freitag gab mir Felian wie versprochen seinen Haustürschlüssel und ich grinste zufrieden. Besser könnte es ja gar nicht laufen. Mal schauen, was ich im Haus alles finden würde.
Am Samstagvormittag musste ich wieder arbeiten. Der Komapatient war aufgewacht. Wenn man es überhaupt so nennen konnte. Mit jetzt geöffneten Augen starrte er die weiße Krankenhausdecke an und grunzte höchstens als Antwort. Ich war mir sicher, dass er, sollte er aus dem Krankenhaus entlassen werden, sofort einen neuen Suizidversuch unternehmen würde. Insofern das überhaupt ohne Füße möglich war. Ich fragte mich, wo er überhaupt hin kommen würde, denn bis jetzt hatte ich keinen Verwandten oder Freund an seiner Seite gesehen. Wahrscheinlich musste der arme Kerl in einem Pflegeheim verrotten. Ich zuckte mit den Schultern. War nicht mein Bier, ich kannte den jungen Mann nicht.
Vom Krankenhaus fuhr ich direkt zu Felians zuhause. Ich schaute mich um, ob mich jemand beobachtete, aber ich hatte grünes Licht. Kein Nachbar schien neugierig aus den Fenster zu starren.
Leise ließ ich die Türe ins Schloss fallen. Einen schwarzen Schatten sah ich durchs Wohnzimmer huschen und hinter dem Sofa verschwinden. Das war wohl alles, was ich von der Katze zu sehen bekommen würde.
Mein erster Weg führte mich in den ersten Stock, in das Schlafzimmer des Paares. Die Handschellen hingen noch an der selben am Kopfteil, sogar mit rosa Plüsch waren sie überzogen. Beinahe ein bisschen niedlich.
Ich schlüpfte auf meinen Turnschuhen und warf mich auf das Bett. Tief atmete ich die Kissen ein, die ein wenig nach Shampoo rochen. Hier schlief Felian jede Nacht... Alleine schon diese Vorstellung hatte etwas. Ich knöpfte meine Jeans auf und ließ meine Hand darunter wandern. Ein wenig pervers kam ich mir schon vor, während ich in meiner Hand kam. Auf dem Nachttisch lag eine Packung Taschentücher, sicherlich wurden die nicht nur zufällig so nah neben dem Bett gelagert. Ich putzte mir die Hände ab und steckte das Taschentuch in meine Jeanstasche. Es dauerte einen Moment, bis ich die Bettdecke wieder so akkurat geordnet hatte, wie sie zuvor auf der Matratze gelegen war.
Als nächstes machte ich mich am Kleiderschrank zum Schaffen. Ich zog die Schubladen auf und wurde schon bald fündig. Auf zwei gleichmäßigen Stapeln lagen die Boxershorts. Ich nahm einige heraus und ließ sie durch meine Finger gleiten. Allerdings wusste ich nicht, welcher Stapel zu Felian gehören würde, also legte ich alle Unterhosen wieder zurück. Ich wollte auf keinen Fall Vitus' Shorts haben.
Unten im Wohnzimmer lag ein Laptop auf dem niedrigen Couchtisch. Ich klappte es auf und drückte auf den Startknopf. Mir selbst die Daumen drückend hoffte ich, dass ich kein Passwort eingeben müsste. Aber das war nicht der Fall. Der Laptop zeigte mir direkt den Startbildschirm an. Ich öffnete die Bildergalerie und klickte mich durch die Fotos. Ich fand viele Aufnahmen von dem Paar zusammen, hin und wieder erschien ein fremdes, älteres Paar auf dem Bildschirm (die Eltern von Vitus?), die griesgrämig schauten und eine Fotografie entdeckte ich auch von Sana. Ich hatte Angst, dass ich vielleicht sogar das eine oder andere Nacktfoto von Vitus entdecken würde, aber ich wurde verschont. Den Platinblonden wollte ich wirklich nicht nackt vor mir haben. Von Felian entdeckte ich aber auch keines.
Dafür schien Vitus ziemlich auf Selfies zu stehen. Immer wieder wurde mir Vitus' Gesicht in sämtlichen Posen gezeigt. Ein paar davon speicherte ich mir extra. Jetzt würde ich sie nur noch auf mein Handy laden müssen. So schlau war ich zum Glück gewesen und hatte ein USB Kabel mitgebracht. In Nullkommanichts befanden sich fünf Selfies von Vitus auf meinem Handy. Die mussten erst einmal reichen.
Ich fuhr den Laptop wieder ordentlich herunter und klappte ihn zusammen. Eine Sache, bevor ich verschwinden würde, hatte ich noch zu erledigen. Ich trabte wieder ins Schlafzimmer zurück und kniete mich vor den Kleiderschrank auf den Boden. Bestimmt schrieb Felian immer noch Tagebuch und dies wollte ich unbedingt lesen. Aber mein Wunsch blieb unerfüllt, ich fand kein Buch. Auch im Regal zwischen vielen Romanen und Krimis fand ich kein Buch, das einem Tagebuch ähnelte. Ich war enttäuscht, aber ich war schon lange genug im Haus, ich könnte jetzt nicht die ganze Wohnung auseinander nehmen. Ich hatte ja überhaupt keinen Plan, wo Felian sein neues Tagebuch verstecken würde. Niedergeschlagen schlich ich zur Haustür und sperrte das Haus wieder ordentlich ab. Die Katze hatte ich ganz vergessen zu füttern.

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Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Cyberfox » 04 Jan 2019, 00:33

Das ist echt fies, was er da vor hat. ^^

Saltoboy
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Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Saltoboy » 05 Jan 2019, 13:43

Das kann doch nur nach hinten losgehen :no: :no:

Ich finde du beschreibst das echt gut. Wobei ich mich die ganze Zeit frage: Wie können sich ein Student und ein Frisör in dem Alter ein Haus in Berlin leisten? Oder habe ich da was überlesen? :D Ich denke bei sowas häufig zu realistisch.
Also ich mag Vitus irgendwie auch nicht, aber Korbinian wäre da auch keine wirklich Alternative. Ich glaube das wäre der Horror für mich mit so einem besitzergreifendem Menschen zusammen zu sein.

Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht und wann Korbinian endlich mal einen auf die Schnauze bekommt für seine Stalkerei.

Svenni
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Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Svenni » 05 Jan 2019, 19:04

Gleich heute Abend erstellte ich das Fakeprofil. Ich erfand eine Mailadresse mit Vitus Namen, konnte dann sofort ein Account auf der erstbesten Flirtapp, die mir für Schwule vorgeschlagen wurde, ThePerfektMan, erstellen. Ich lud gleich alle fünf Fotos von Vitus hoch und wählte das, auf dem er das enge Tanktop an hatte, als Profilbild aus. Ich überlegte, welchen Satz ich als Beschreibung dazu schreiben würde, hatte dann aber eine gute Idee. „In einer Beziehung, aber auf der Suche nach was Lockerem für zwischendurch“, tippte ich in mein Smartphone. Perfekt! Ich war zufrieden mit mir. Jetzt musste ich nur noch einen guten Zeitpunkt abwarten und Felian dieses Profil seines Verlobten zeigen. Natürlich musste ich jetzt noch ein eigenes Profil von mir erstellen, aber auf diesem lud ich nur ein einziges Foto hoch. Um mich sollte es hier auch gar nicht gehen.



„Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wieder in die Uni zu gehen“, lachte Felian am nächsten Mittag, während wir im Park neben dem Krankenhaus auf einer Bank saßen. „Ich habe in den ganzen letzten Wochen nicht einmal in meine Unterlagen geschaut. Fürchterlich dumm, ich weiß.“

„Wie lange geht denn dein Praktikum eigentlich noch?“ Ich hatte ihn gar nie danach gefragt, wie lange er denn im Krankenhaus arbeiten musste. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, ihn bald nicht mehr jeden Tag während der Arbeit zu sehen. Aber wahrscheinlich würde er, wenn es so weit war, eh nur noch mir gehören.

„Zwei Wochen noch, dann war ich genau drei Monate da. Die Zeit ist echt super schnell vergangen, nicht wahr?“

Ich nickte.

„Ich bin echt froh, dass ich dich in Berlin wieder getroffen habe. Ich bin echt dankbar, dass wir so gute Freunde geworden sind.“

Mein Herz machte einen Sprung. „Mich freut es auch.“

„Ich hab das Gefühl, dass ich mit dir über alles reden kann. Du bist jemand, der mir immer zuhört“, machte er mir ein Kompliment, „ich meine, das kann ich mit Vitus natürlich auch, aber es ist oft ganz schön, noch eine andere Meinung von jemanden zu bekommen, mit dem man nicht jeden Tag im Jahr zusammenhängt.“

„Dich bedrückt etwas, stimmts?“ Bei Felian merkte ich das sofort.

Felian seufzte. „Es ist nur... Es ist ein wenig kompliziert. Jetzt haben wir erst Anfang November, aber Vitus macht schon ordentlich Pläne für Weihnachten. Er möchte den Tag am liebsten an der Nordsee verbringen, aber ich habe da ein schlechtes Gewissen meiner Mutter gegenüber. Wir haben immer Weihnachten zusammen gefeiert und nachdem Dad sich umgebracht hat, will ich sie an diesem Abend nicht alleine lassen.“

„Das muss Vitus doch verstehen. Dürfte er denn nicht mit deiner Mutter und deiner Schwester mitfeiern?“

„Doch natürlich! Aber sein Argument ist, dass wir die letzten Jahre immer mit meiner Familie gefeiert haben und er möchte dieses Jahr seiner Verwandtschaft die Feiertage verbringen. Das kann ich natürlich verstehen, aber ich hab trotzdem ein schlechtes Gewissen meiner Mutter gegenüber.“

„Und, wie wäre es, wenn ihr den Heiligen Abend mit deiner Familie verbringt und am ersten Feiertag dann direkt an die Nordsee fährt?“ Ich lehnte mich auf der Bank weiter zurück und zog die Beine mit auf die Sitzfläche. Obwohl heute das Wetter gar nicht so schlecht war und die Sonne schien, war mir kalt. Man merkte richtig, dass nun auch der Herbst fast zu Ende war.

Felian lächelte. „Du bist genial, Korbinian. Ich habe mit Vitus gestern ewig diskutiert, aber das wäre wirklich ein Vorschlag. Ich rede mit ihm heute nochmal.“

Er schien richtig dankbar zu sein. Und für mich war es der richtige Moment, ihn von dem Fakeprofil zu erzählen.

„Ich muss dir auch noch etwas zeigen“, fügte ich verlegen hinzu. Ich würde jetzt gut schauspielern müssen.

„Was ist los?“ Felian biss in einen roten Apfel.

„Ich will es dir eigentlich gar nicht sagen.“ Ich wandte den Kopf ab. Felian wurde jetzt richtig neugierig.

„Es wird dir nicht gefallen.“

„Sag schon, was los ist, Korbinian.“ Mein Schwarm war jetzt richtig bleich geworden. Der Apfel lag nur noch angebissen in seiner Hand.

„Am Anfang wollte ich es dir gar nicht zeigen, aber als dein bester Freund fühle ich mich dann doch dazu verpflichtet.“ Ich hätte gar nicht gedacht, dass ich so gut im Lügen war. Und das zu Felian! Aber es war ja zu seinem Besten...

„Es ist etwas Schlimmes?“, flüsterte Felian.

Ich zog mein Handy aus der Tasche und öffnete die Seite von ThePerfektMan. „Du hast doch letzte Woche von diesen Flirtapps gesprochen, in denen du damals Jerome kennengelernt hast. Und ich habe mich jetzt auch auf einer solchen Seite angemeldet.“

„Und?“

„Schau mal, welches Profil ich gefunden habe.“

Ich hielt ihm das Fakeprofil unter die Augen. Felian konnte genau die Bilder von seinem Verlobten und den Text dazu lesen, demnach er etwas Lockeres, Unkompliziertes neben seiner Beziehung suchte.

Felians Gesichtsausdruck änderte sich von einer Sekunde auf die andere.

„Das darf nicht wahr sein“, hauchte er. Ich sah ihn fest in die Augen.

„Das kann einfach nicht sein. Nicht Vitus. Er betrügt mich nicht. Er will mich schließlich heiraten!“ Demonstrativ starrte er auf seinen Verlobungsring, während sich schon Tränen in seinen Augen bildeten.

Ich legte meine Arme um ihn und zog ihn ganz nahe an mich ran. Er schluchzte und jammerte. Tränen liefen über seine Wangen.

„Vitus kann mich doch nicht einfach betrügen! Auf so einer Seite nach anderen Männern suchen! Es tut so verdammt weh, Korbinian.“

Ich drückte ihn noch näher an mich ran, er saß schon beinahe auf meinem Schoss. „Es tut mir so leid für dich“, flüsterte ich.

„Aber... Aber... Vielleicht ist das Profil ja alt! Was ist, wenn er den Account bevor wir uns kennengelernt haben, erstellt hat und jetzt seit Jahren nicht mehr online war? Wird das Profil dann überhaupt noch angezeigt?“

„Ich weiß es nicht. Aber auf in dem Text steht ja, dass er in einer Beziehung ist.“

„Er war bevor er mit mir zusammen kam, auch in einer Beziehung. Vielleicht hat er nur ihn betrogen und mich nicht“, wimmerte er, „obwohl ich mir das Vitus trotzdem nicht vorstellen kann.“

Vorsichtig strich ich seine Tränen aus den Augen. „Wir werden es testen.“

„Testen? Wie denn?“

„Wir schreiben ihn einfach an und schauen, ob er antwortet.“

„Aber wenn du ihn mit deinem Profil anschreibst, dann antwortet er doch nie!“ Felian saß zusammengekrümmt, wie ein Häufchen Elend, auf der kalten Parkbank.

„Wir erstellen einfach ein Fakeprofil und schreiben ihn dann an. Wärst du dabei?“

Es dauerte, bis Felian mir antwortete. Er schien einen großen Schock bekommen zu haben. „Ja, mach das. Aber wie willst du einen gefälschten Account erstellen? Welche Bilder willst du nehmen?“

„Hast du noch Fotos von Jerome?“

Er schüttelte den Kopf. „Auf meinem Handy ganz bestimmt nicht. Höchstens noch ein paar in alten Fotoalben oder auf dem Laptop.“

„Dann nehmen wir einfach den erstbesten Typen, der uns einfällt. Ich schloss die PerfektMan-Seite und klickte stattdessen auf Facebook. Wir suchten durch die Seiten und schauten uns die Profile sämtlicher fremder Männer an.

„Nehmen wir den hier“, bemerkte Felian, als ich auf das Profilbild eines dunkelblonden Typen getippt hatte, „Vitus steht auf blonde Haare.“ Er deutete auf seinen eigenen Haarschopf.

Perfekt, er schien jetzt richtig dabei zu sein, Vitus zu überführen. Genauso hatte ich das gewollt. Und der fremde Mann auf den Fotos kam wohl aus Norwegen, er würde ganz bestimmt nicht erfahren, dass wir seine Bilder geklaut hatten.

Ich speicherte mir das Profilfoto und zwei andere, auf denen er recht gut sichtbar war, auf mein Handy.

Nur Minuten später hatten wir zusammen ein erneutes Fakeprofil gegründet. Wir nannten den uns unbekannten Kerl 'Markus' und luden seine Bilder hoch.

„Ich werde Vitus mit diesem Profil zuhause gleich mal anschreiben“, verkündete ich und küsste Felian sogar auf die Wange. So langsam normalisierte sich sein Hautton wieder, er war nicht mehr ganz so blass und außer sich.

„Weißt du, was das schlimmste ist?“

„Mhm?“

„Dass ich jetzt nicht einmal Vitus zur Rede stellen kann“, entgegnete Felian niedergeschlagen, „ ich würde ihm so gerne jetzt das Profil unter die Nase halten und ihn anschreien, was das soll.“

„Das solltest du jetzt lieber nicht, sonst macht die Sache mit dem zweiten Account keinen Sinn mehr. Du wüsstest nie, ob er dir die Wahrheit sagen würde. Aber vielleicht ist alles nur ein Missverständnis und Vitus war schon seit Jahren nicht mehr online gewesen. Vielleicht hat er nur vergessen, sein Profil zu löschen, als ihr euch kennengelernt habt und hat jetzt schon seit Jahren keinen Gedanken mehr an die Seite verschwendet“, tröstete ich.

„So würde er es mir vielleicht auch sagen, wenn ich ihn damit konfrontieren würde.“

„Aber woher weißt du dann, ob er dir die Wahrheit sagt?“

„Ich hoffe das es so ist. Ich liebe Vitus nämlich so sehr.“ Er wischte sich schon wieder über die Augen. „Unsere Mittagspause ist auch gleich zu Ende. Ich fahre jetzt nach Hause, heute habe ich keine Kraft mehr zu arbeiten. Treffen wir uns morgen wieder hier?“ Er deutete auf die Bank, stand dann träge auf und schlich zum Ausgang des Parkes, der nicht mit dem Krankenhaus verbunden war.

Ich blieb noch einen Moment alleine sitzen, dann sprang ich auf und düste zum Hospital zurück. Es hatte alles nach Plan funktioniert! Beinahe hätte ich Luftsprünge gemacht, aber dies unterließ ich lieber. Nicht, dass mich Felian doch noch sehen könnte.



Zurück im Krankenhaus machte ich mich in jeder freien Minute an die Arbeit. Ich loggte mich mit meinem Handy abwechselnd in den Face-Account 'Markus' und auf Vitus' Profil ein und dann führte ich Smalltalk. Markus schrieb Vitus an und nach ein paar belanglosen Sätzen fragte Markus, wieso Vitus denn hier angemeldet war, wenn er doch in einer Beziehung war.

Ich rieb mir die Hände, als ich mir eine Antwort zurechtlegte. Es war ganz schön merkwürdig, mit sich selbst zu schreiben. Ich musste sehr aufpassen, dass ich nicht die Profile vertauschte und eine Nachricht vom falschen Account schickte.
„Was soll ich sagen? Ich finde es einfach aufregend, nebenbei etwas Heimliches zu führen“,



tippte ich ins Handy und wechselte sofort wieder zu diesem Markusprofil. Jetzt ließ ich mir aber ein paar Minuten Zeit, damit es nicht auffällig würde.

Ich verteilte das schäbige Abendessen in den verschiedenen Zimmern und kontrollierte bei den meisten Patienten die Geräte. Erst dann zog ich mein Smartphone wieder hervor und schrieb die nächste Antwort von Markus an Vitus:



„Und dein Freund weiß nichts davon?“



Am späteren Nachmittag, als ich zuhause war, war es etwas einfacher. Ich setzte mich vor mein Laptop tippte dort die einen Antworten, auf dem Handy die zweiten. Ich musste also nicht mehr ständig hin und her wechseln.



„Nein, er würde mir das niemals zutrauen“.



Ich setzte dort einen zwinkernden Smiley hinzu.

„Und wie sieht's bei dir aus? Wärst du dabei?“



Minuten später schickte ich Markus Nachricht zurück.



„Ich weiß nicht. Ist normalerweise nicht so meines.“



Von Vitus aus kam nur ein einzelnes Wort zurück.

„Schade“.



Zurück zu Markus Profil:

„Andererseits... Wieso nicht?“



„Na siehste. Lass uns doch heute treffen.“

Vitus sollte ganz schön fordernd sein.



Jetzt ließ sich Markus ein wenig Zeit. Ich wollte auf der sicheren Seite sein. Ich kochte mir eine Tasse Kaffee, trank diese gemütlich aus und setzte mich dann wieder vors Laptop.



„Okay. Wo treffen wir uns.“





Vitus Antwort kam dagegen sofort:

„Holst du mich vor meiner Arbeit mit deinem Auto ab? Dann fahren wir zu dir.“



„Wann ist das? Und wo?“



„Mein Freund denkt, dass ich bis um 7 arbeiten muss, aber ich kann gegen 6 gehen. Ich schicke dir die Adresse.“



Ich gab den Friseursalon, in den Vitus arbeitete, in Google ein und machte einen Screenshot. Diesen schickte ich per Nachricht an Markus.

Es war so genial, dass mir eingefallen ist, dass Vitus angeblich eine Stunde früher Feierabend hatte. Somit würde er pünktlich um halb acht zuhause auftauchen, aber Felian würde denken, er hat noch einen kurzen Abstecher ins Bett eines anderen gemacht, während er doch nur brav fremden Leuten die Haare geföhnt hatte.

Ich grinste. Felian würde morgen wohl ganz schön geschockt sein, wenn ich ihm die Nachrichten zeigen würde. Er würde natürlich denken, sein Freund hat sie selbst geschrieben. Ich rieb mir die Hände. Zwar war es kein schöner Anblick, Felian so traurig zu sehen, aber bald würde er mir gehören und das machte es alles wieder wett.





Ich ging früh zu Bett, konnte aber lange nicht einschlafen. Ab morgen war Felian endlich frei!

Schade, dass Felian morgen in einer anderen Station arbeiten musste. Erstens hätte ich ihm gerne am Morgen von der vermeintlichen Untreue seines Partners erzählt, zweitens hätte ich ihn gerne die ganze Zeit über bei mir gehabt. Er war bestimmt ziemlich nervös und ich wollte ihn unbedingt beruhigen.

Es herrschte draußen ein ekliger kalter Regen, trotzdem saß Felian auf der selben Bank wie gestern. Er hatte nicht einmal eine Kapuze an der Jacke, seine Haare fielen ihm völlig durchnässt auf die Stirn. Als er zu mir auf sah, entdeckte ich tiefe Augenringe.

„Ich lag gestern nur im Bett, den ganzen Tag“, wisperte er, seine Augen glänzten gefährlich, „Vitus hat sich so lieb um mich gekümmert, als er von der Arbeit kam. Er dachte, ich bin krank.“

Ich antwortete nichts, strich Felian nur über den Rücken

„Ich hatte so Angst, dass er unserem Fake-Profil geantwortet hat. Aber das hat er bestimmt nicht, oder? Er schreibt bestimmt nicht mit fremden Männern, oder?“

„Ach Felian, es tut mir so leid“, ich drückte ihn wie gestern ganz eng an mich.

„Er hat ihm geantwortet?“

„Er wollte sich eigentlich gestern noch mit unserem Markus treffen. Aber der ist ja natürlich nicht gekommen.“

„Wie meinst du das?“ Er zitterte in meinen Armen.

„Lies dir das durch.“ Ich reichte ihm mein Handy und er las und las und las. Scrollte sich durch die Nachrichten, fing wieder ganz oben an und las den Verlauf nochmal. Dann ließ er mein Smartphone auf den Boden fallen, der Bildschirm bekam einen kleinen Riss, er rutschte von mir weg und vergrub seinen Kopf in seinem Schoss. Er machte sich ganz klein, sein Körper bebte.

„Ach Felian.“ Ich rückte ihm hinterher, schloss ihn fest in meine Arme und strich ihm durch seine pitschnassen Haare. „Es tut mir so leid.“

Felian weinte und weinte und weinte. Ich meinte schon fast, dass er sich gar nicht mehr beruhigen würde.

Endlich hob er wenigstens wieder seinen Kopf, seine Augen waren jetzt ganz rot verfärbt. „Wieso hat er das gemacht?“

„Weil er ein Arsch ist.“

„Nein, er ist kein Arsch!“, jammerte er, „ich liebe ihn!“

„Er betrügt dich!“ Meine Worte waren vielleicht ein wenig zu hart für diesen Moment, denn Felian heulte sofort wieder kräftig los. Aber ich hatte Angst, dass er trotz alldem bei Vitus bleiben würde.

„Es tut so weh. So schrecklich weh. Wieso macht er das?!“

Er lehnte seinen Kopf an meine Schulter. Wir waren hier völlig alleine, bei diesem ekligen Wetter trieb sich weder Patient noch Arzt im Park herum. Höchstens aus ein paar Fenster könnten wir beobachtet werden.

„Was soll ich denn jetzt machen?“, murmelte er, „ich weiß doch gar nicht, wohin.“

„Wirf Vitus am besten sofort aus der Wohnung. Ich glaube nicht, dass du ihn noch sehen sollst.“

Traurig schüttelte er den Kopf. „Das geht nicht. Es ist sein Haus.“

„Dann komm zu mir. Zieh bei mir ein.“

Lange Zeit schwieg er, aber dann kam doch eine Antwort: „Aber ich muss trotzdem in unser Haus zurück. Ich brauche ja ein paar Sachen. Und ich muss mit Vitus reden.“

„Musst du das wirklich?“

Traurig nickte er. „Ich muss mit ihm reden. Ich muss ihn zur Rede stellen, was das soll. Wieso er mir einen Heiratsantrag macht und mich dann doch wieder betrügt.“

„Soll ich denn dabei sein.“

„Nein, nein danke. Ich will mit ihm alleine sprechen.“

„Und danach kommst du zu mir?“

„Ja.“ Er drehte den Ring an seinem Finger. Seine Lippen bebten.



Es war bereits nach acht Uhr abends und Felian war immer noch nicht da. Nervös tigerte ich durch meine Wohnung. Was, wenn er doch nicht kommen würde? Vielleicht hatte er Vitus doch gleich verziehen? Oder ließ der Hellblonde ihn etwa gar nicht gehen?! Ich ballte meine Hände zur Faust. Sollte meine ganze Mühe umsonst gewesen sein? Hatte das alles nichts gebracht und Felian würde immer noch nicht zu mir gehören? Warum war das alles mit ihm so kompliziert?!

Ich stand auf dem Balkon und streckte meinen Kopf raus in den Regen. Kein Auto war auf der Straße zu sehen. Den ganzen Nachmittag war ich damit beschäftigt gewesen, meine Räume auf Vordermann zu bringen. Ich hatte die Küche aufgeräumt, den Boden gesaugt und gewischt und mein Bett neu überzogen. Ich vermutete aber eher, dass Felian – wenn er überhaupt kommen sollte – die ersten Nächte lieber auf dem Sofa schlafen wollte als bei mir im Bett. Diese Zeit wollte ich ihm natürlich lassen. Für ihn war das ja eine ganz neue Situation.

Endlich, endlich kam ein Auto die einsame Straße entlang gefahren. Ich lehnte mich gefährlich weit über die Brüstung. Und tatsächlich, es hielt vor dem Wohnblock. Der Fahrer stieg aber lange nicht aus, sondern blieb hinter dem Steuer sitzen. Ich wurde schon ganz zappelig.

Nach viel zu langer Zeit stieg der Fahrer aus dem Wagen und öffnete den Kofferraum. Zum Vorschein kam ein großer Trolli. Das konnte doch nur Felian sein, oder? Von dieser Entfernung und nur im Licht der Straßenlampen konnte ich das nicht sicher sagen. Tatsächlich klingelte es kurz darauf und ich sprang zur Wohnungstür und riss sie auf. Felian kämpfte sich mit seinem Koffer gerade die Treppe hoch. Er sah schrecklich aus. Seine Haut war käseweiß und seine Augen glänzten rötlich.

„Hallo“, begrüßte ich ihn, er blickte mich nur stumm an.

„Wie ist es gelaufen?“

Felian schüttelte den Kopf. Er ähnelte einem Roboter, hatte in diesem Moment gar nichts menschliches mehr an sich. „Wir haben uns gestritten“, flüsterte er.

„Was hat er gesagt?“

„Er leugnet es. Laut ihm ist das alles eine Lüge.“

„Und du glaubst ihm aber nicht?“

Einen Moment lang blickte er mir in die Augen. Ich erschrak, als ich seinen Blick sah. Seine Augen glänzten vor Schmerz. „Wir haben doch die Beweise, oder nicht?“ Kurz lachte er auf, sein Blick verfinsterte sich jedoch gleich wieder.

„Es ist nur so schmerzhaft. Ich hätte nie gedacht, dass es so weit kommen wird.“ Schon wieder schimmerten Tränen in seinen Augen.

„Es wird alles wieder gut, Felian“, versprach ich. Ich nahm seine Hand und führte ihn in meine Räumlichkeiten. Anders als erwartet sah er sich gar nicht um, sondern ließ sich gleich auf mein Sofa fallen.

„Ich bin ganz durcheinander. Ich kann es gar nicht glauben.“

Ich strich ihm durch die pitschnassen Haare.

„Das wird schon werden, keine Sorge. Ich kümmere mich jetzt um dich.“

„Ich vermisse Vitus jetzt schon!“

„Bald wird es besser werden, okay? Soll ich etwas für dich tun? Willst du einen Tee haben oder was zum Essen?“

„Nein danke, ich … ich will nur schlafen.“ Er klang jetzt plötzlich ganz müde. Kein Wunder.

„Dann leg dich hin. Ich habe schon Decken und Kissen für dich hergerichtet.“

Er schlüpfte aus seine Schuhe, die Jacke landete einfach auf dem Boden und dann legte er sich auf meiner Couch flach. Ich rollte ihn in meiner Decke ein und wuschelte ihm durch seine Haare. Es dauerte keine fünf Minuten, schon war er eingeschlafen. Er weinte jedoch sogar im Schlaf. Immer wieder strich ich Tränen von seinen Wangen.

Ich konnte es trotzdem gar nicht fassen. Er war jetzt bei mir. Jetzt würde alles gut werden.

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Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Svenni » 05 Jan 2019, 19:06

Danke für die Rückmeldungen :D. Ich freue mich immer sehr darüber und schaue immer zehn mal am Tag hier rein, in der Hoffnung, dass ich einen neuen Kommentar habe :D.
Mhm, da hast du natürlich recht. Aber vielleicht sind ja Vitus Eltern sehr spendabel und zahlen ihrem Sohnemann die Miete fürs Haus.
Ich hab nichts gegen Vitus. :D. Ich hab ihn lieber als Korbinian selbst

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Sternenlicht
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Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Sternenlicht » 06 Jan 2019, 12:19

Eigentlich hatte ich schon einen Kommentar geschrieben, aber er wurde wohl nicht abgesendet. Ich saß im Zug, das erklärt wohl alles^^
Habe deine Geschichte verschlungen und finde sie echt interessant.
Diese Stalker-Thematik hast du gut rübergebracht. Man kann ja schon von Obsession sprechen^^
Hoffe es geht schnell weiter, ich freue mich schon auf die nächsten Teile.
LG, Sternenlicht
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Re: Die Liebe meines Lebens

Beitragvon Svenni » 06 Jan 2019, 20:02

Ach, diese Züge immer, das kenne ich nur zu gut :D. Bin ich froh, dass ich nicht mehr darauf angewiesen bin.
Schön, dass dir mein Geschreibsel gefällt. Ich freue mich immer über Rückmeldungen.
Korbinian ist schon eine ganz besondere Person.


Eigentlich wollte ich heute gar kein neues Kapitel hochladen, damit mein Vorsprung nicht kaputt geht, aber da ich heute schon ein paar Seiten geschrieben habe, kommt heute doch ein kleines Kapitel.



Felian wurde wirklich krank. Seit Tagen schon lag er schon bewegungslos auf meinem Sofa. Ich flößte ihm abwechselnd Kamillentee und Suppe ein und hielt ihm das Fieberthermometer an die Wange. Konnte man nur durch Trauer so krank werden?! Egal, hoffentlich wurde er bald wieder gesund. Die ersten Tage blieb ich zuhause, aber nach dem Wochenende musste ich wieder ins Krankenhaus. Felians Praktikum war diese Woche auch zu Ende, eigentlich hätte er wieder in die Uni gemusst, aber als ich in der Früh die Wohnung verließ, lag er noch völlig regungslos und mit schwitzig unter dem dicken Federbett. Ich strich durch seine dunkelblonden Strähnen, die schon leicht fettig an seiner Stirn pappten. Er war trotzdem noch der wunderschönste Mann auf der Welt.
Vor dem Krankenhaus wurde ich von Vitus abgefangen. Verständlich, dass ich so gar keine Lust auf ihn hatte. Ich versuchte, ihm auszuweichen und so schnell wie möglich in das große Gebäude vor mir zu gelangen, aber er rannte hinter mir her und legte vor mir so einen rasanten Stopp hin, dass er auf dem nassen Boden ausrutschte. Ich musste mir das Lachen verkneifen, als er auf seinem Hosenboden landete und schmerzhaft das Gesicht verzog. Es musste wahnsinnig weh getan haben, hoffentlich war sein Steißbein gebrochen.
„Korbinian!“, rief er hinter mir her, ehe er sich aufrappelte, aber ich stürzte in das Krankenhaus und direkt zu den Treppen. Ich konnte es nicht riskieren, ewig auf einen Aufzug zu warten. Ich wollte ganz schnell weg, hatte überhaupt keinen Nerv, mit Vitus zu sprechen. Und dies war mir auch geglückt. Bis zum Abend musste ich nicht mehr an Vitus denken. Stattdessen erinnerte ich mich an Gustav Lorenz. Seine Enkelin kam mit einem großen Kuchen vorbei, um sich bei all den Ärzten und Helfern zu bedanken, dass wir uns so gut um ihren verstorbenen Großvater gekümmert hatten.
„Er war ein so gutmütiger Mann gewesen“, jammerte sie, „andere Menschen waren ihm stets wichtiger gewesen als er selbst. Sein ganzes Vermögen hat er zum Beispiel auch an die Flüchtlingshilfe gespendet.“
Ich grinste. So glücklich konnte sie über den letzten Willen ihres Opas nicht gewesen sein. Ich kannte die Höhe des Vermögens, um das wir uns hier unterhielten, nicht, aber wenn der gutmütige Lorenz nicht all sein Geld gespendet hätte, hätte seine Enkeltochter wohl alles oder zumindest einen Anteil bekommen. Trotzdem lobte sie den Verstorbenen in höchsten Tönen und brachte sogar Kuchen. Und an diesem bediente ich mich reichlich. Hatte ich mir ja auch verdient, schließlich hatte ich literweise diesen dämlichen Hagebuttentee gekocht, den ich jetzt weder riechen noch sehen konnte, und war auch vor seiner Tür zusammengebrochen.
Ich beschloss, sogar noch ein Stück des Käsekuchens für Felian mitzubringen. Vielleicht war er mittlerweile um einiges fitter. Ich hoffte es. Wie lange dauerte so ein Liebeskummer überhaupt? Sollte seine Temperatur nicht schon um einiges gesunken sein? Heute Früh war sie noch bei über 38 Grad Celsius gewesen.
Als ich nach Hause kam, war Felian tatsächlich wach. Er saß auf der Couch und hatte eine Tasse Tee in der Hand.
„Hey“, begrüßte ich ihn, „hast du noch Fieber?“
„Ich glaube nicht mehr. Aber sonst geht es mir wirklich elendig.“
„Aber es wird schon besser,“ stellte ich fest.
„Findest du? Ich habe eher das Gefühl, es wird von Stunde zu Stunde schlechter.“
„Ich habe dir Kuchen mitgebracht.“
„Lieb von dir, aber ich hab überhaupt keinen Hunger.“
„Du musst wieder was essen.“
„Danke, aber mein Appetit ist flöten gegangen.“
„Vielleicht kommt er, wenn du einen Bissen nimmst.“ Ich packte den Kuchen aus der Alufolie aus und stellte ihn demonstrativ vor Felian auf den Tisch.
„Ich habe wirklich keinen Hunger, tut mir leid. Ich habe das Gefühl, ich könnte nie wieder etwas essen.“
„Ging es dir nach Jerome auch so schlecht?“
Langsam schüttelte Felian den Kopf: „Nein, aber ihn habe ich auch nicht so sehr geliebt wie Vitus.“
„Aber du musst wieder zu Kräften kommen. Du lässt dich ja völlig gehen.“
„Ich habe im Moment das Gefühl, als hätte mein Leben ohne Vitus sowieso keinen Sinn mehr.“
„Jetzt hör aber damit auf!“ Langsam konnte ich das Geschwafel um den Platinblonden nicht mehr hören. Was war denn an ihm so besonders?! Er war so ein fürchterlicher Mensch. Felian sollte froh sein, dass er ihn nicht mehr ertragen musste.
Eigentlich wollte ich noch etwas hinzufügen, aber da klingelte es an meiner Wohnungstür. Ich sah Felian vedutzt an. Ich erwartete überhaupt niemanden, trotzdem stand ich auf und trabte zur Tür. Im Nachhinein wünschte ich mir, ich hätte es gelassen. Ich hätte doch ahnen können, wer sich dahinter befand. Meine Adresse stand ja leider auch im Telefonbuch.
„Hallo... Ist Feli da?“ Vitus sah schrecklich aus. Heute Morgen auf dem Parkplatz hatte ich ihn gar nicht so genau gesehen. Auch seine Haare und auch sein ganzer Körper hätten dringend eine Dusche gebraucht. Seine Augen hatten fast schwarze Ringe und Bartstoppeln hatten sich auf seinem zierlichen Gesicht gebildet. Seine Unterlippe bebte. In den Händen hielt er einen riesigen Strauß roter Rosen. Als könnte er so Felian wieder an sich binden.
Ich konnte richtig fühlen, wie mein Schwarm auf der Couch richtig zusammenzuckte.
„Verschwinde Vitus“, fauchte ich ihn an, „wir brauchen dich hier nicht.“
„Ich möchte mit Feli sprechen.“ Er drängte sich regelrecht in meine Wohnung. Ich versuchte mich ihm entgegenzustellen, wurde aber beiseite geschoben. Einen Moment lang überlegte ich, die Polizei wegen Hausfriedensbruch zu rufen, verwarf den Gedanken aber sofort wieder. Ich musste jetzt Felian beistehen.
Dieser hatte sich wieder auf die Couch geworfen, hatte das Gesicht fest ins Kissen gedrückt und weinte erbarmungslos. Sein Exfreund hatte sich neben ihm auf den Boden gekniet und streichelte seine Haare.
„Lass ihn in Ruhe“, fuhr ich ihn an, aber mir wurde gar keine Beachtung geschenkt.
„Felian, du musst mit mir reden“, jammerte mein Erzfeind, „bitte rede mit mir.“
„Wir haben bereits geredet“, ertönte es schluchzend aus den Kissen.
In diesem Moment hatte ich echt Angst, dass Felian zurück zu ihm rennen würde.
„Du musst mir glauben, mein Schatz. Ich würde dich nie betrügen.“ Tränen liefen jetzt auch aus Vitus Augen.
„Und trotzdem hast du es gemacht.“ Felians Stimme klang jetzt ein wenig fester, sogar ein wenig wütend.
„Ich habe dich nicht betrogen! Das ist alles ein riesiges Missverständnis! Ich weiß nicht was da schief gelaufen ist, aber ich würde dir doch niemals so weh tun, Felian. Glaube mir doch. Ich brauche dich doch so unbedingt.“
Felian schluchzte nur noch lauter.
„Wir haben Beweise, dass du dich mit anderen Typen getroffen hast“, erwiderte ich an Felians Stelle kühl.
„Aber welche Beweise denn?! Welche Beweise soll es denn geben?“, schrie Vitus verzweifelt. Fast tat er mir ein wenig Leid. Er wusste schließlich überhaupt nicht, was er getan haben soll.
„Korbinian hat dein Profil auf in einer Flirtapp gefunden. Es waren deine Fotos und mit dem netten Sätzchen dazu, dass du eine Abwechslung NEBEN DEINER BEZIEHUNG SUCHST!“ Den letzten Satz hatte Felian hysterisch gekreischt. Ich hätte ihm das gar nicht zugetraut. Vitus wohl auch nicht, denn er kippte auf seinen Knien beinahe nach hinten.
„Da... Da muss jemand ein Profil mit meinen Namen erstellt haben“, stotterte er, „ich war das nicht! Ich schwöre dir, Feli, ich war das nicht.“
„Du lügst.“ Ich konnte Felians Augen vor lauter Tränen kaum noch erkennen. „Es ist mir erst viel später aufgefallen, aber du hast Fotos genommen, die ich von dir gemacht habe. Wie hätte ein Fremder denn an diese Bilder gelangen können?!“
„Ich weiß es nicht“, jaulte Vitus, „aber ich war es nicht! Vertraue mir doch!“
„Ja, ich habe dir vertraut, Vitus.“ Felians Stimme war jetzt ganz starr, „bevor du alles kaputt gemacht hast.“ Damit drehte er sich auf die Seite, mit dem Gesicht zur Sofawand und kroch unter die Decke.
„Ich glaube, du gehst jetzt besser“, befahl ich dem Hellblonden.
Dieser nickte kaum merklich, sein Blick war noch immer auf seinen Ex gerichtet, von dem man jetzt nur noch ein paar Haarbüschel sehen konnte.
„Ich werde um dich kämpfen, Felian“, flüsterte er und verschwand dann tatsächlich. Fraglich war nur für wie lange.
Ich ließ Felian lange weinen. War ich doch so stolz auf ihn, dass er Vitus abgewiesen hatte und sich nicht wieder in seine Arme geworfen hatte.
Erst als ich Stunden später das Abendessen gekocht hatte und ausgiebig geduscht hatte, saß er wieder aufrecht auf dem Polster und rieb sich die Augen. Er war völlig erschöpft. In den Händen hielt er den Strauß Rosen. Und erst da bemerkte ich, mit was die Stiele der Blumen zusammengehalten wurden. Es war der Ring, den ich von Felians Ringfinger kannte.
„Wie kommt er denn an deinen Ring?“, fragte ich vorsichtig. „Hast du den bei ihm gelassen?“
Müde grinste er. Es ließ ihn aber noch trauriger wirken. „Ich habe ihm den Ring bei unserem Streit gegen den Kopf geworfen“, flüsterte er traurig und starrte in die Ferne.
Schade, dass ich den Anblick versäumt hatte. Da wäre ich gerne dabei gewesen. So viel Temperament hatte ich Felian gar nicht zugetraut.
Als er wieder eingeschlafen war, schnappte ich mir den Ring und entsorgte ihn in meiner Restmülltonne. Felian sollte ihn nie wieder sehen müssen.

Re: Die Liebe meines Lebens

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