Die Könige der Nacht

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Zuri
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Re: Die Könige der Nacht

Beitragvon Zuri » 14 Jul 2019, 21:27

Okay... Spannend...
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Re: Die Könige der Nacht

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Quianye
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Re: Die Könige der Nacht

Beitragvon Quianye » 30 Aug 2019, 07:48

So Leute,

Eine Pause hat dann doch etwas länger gedauert als zuerst gedacht. Aber hier bin ich wieder, Mit dem ersten Teil des ersten Kapitels. Ich werde hier einen Teil pro Woche veröffentlichen und würde mich über Feedback, Sei es Lob oder Kritik freuen. Ich werde versuchen so gut es geht auf Rechtschreibunh und Grammatik zu achten, kann aber nichts versprechen :wink:

Die Geschichte entwickelt sich hier mit der Zeit. Ich weiß aktuell Nur genau wie sie enden wird. Es ist also durchaus möglich, dass ihr direkt oder indirekt Einfluss auf das Geschehen nehmen könnt.

Aber genug geredet. Lasst euch in diese düstere Welt sinken und bildet euch selbst ein Urteil. Viel Spaß...


==============================================



Ich bin Noah

Wir schreiben das Jahr 2030. Sektor G4. Eine Stadt, geografisch gelegen im Süd-Osten der ehemaligen Bundesrepublik Deutschland. Wo man auch hinsah, konnte man zerstörte Gebäude entdecken. Von kleinen Einfamilienhäusern, welche die Vororte der Stadt zierten, bis hin zu den Hochhäusern in denen die Großen aus Wirtschaft und Handel ihre immer größer werdende Gier nach Macht und Reichtum ausübten. Nichts blieb verschont. Der Krieg machte sie alle gleich. Es war noch nicht so lange her seit die ersten Bomben das Leben in dieser Stadt mit einem Schlag mehr als halbierte. Es war nicht die erste und auch nicht die letzte Metropole, die dem Kampf um die letzten Ressourcen, um Macht und um Territorium zum Opfer fiel. Viel zu lange hielt man sich für unantastbar. Jeder glaubte, es würde ewig so weiter gehen. Als man schließlich aufwachte, war es fast schon zu spät. Die Regierung versuchte mit allen Mitteln das Ruder noch herumzureisen, doch letztendlich vergebens. Was folgte, war die Hölle auf Erden. Ein seit nun fast zehn Jahren andauernder dritter Weltkrieg. Als Erstes traf es natürlich die schwächsten. Der afrikanische Kontinent war nun nichts weiter als Atom-verseuchtes Brachland. Große Teile Südamerikas wurde in nur einer Nacht dem Erdboden gleich gemacht. Teile Osteuropas wurden zu Todeszonen erklärt. Kein Land blieb vom Krieg verschont. Wo man auch hinsah, herrschten Not und Verzweiflung. Um die letzten sicheren Städte zu verteidigen, haben sich die einzelnen Nationen zu Supermächten zusammengeschlossen. Auf dem asiatischen Kontinent war dies die RSF, die Red Star Fraction unter der Führung der ehemaligen Staaten Russland und China. Nord- und die Reste von Südamerika vereinten sich zur GAN, der Great American Nation. Westeuropa, Skandinavien und teile Osteuropas schlossen sich zur WDU, der Western Devence Union zusammen und werden von den ehemaligen Ländern Deutschland, Frankreich und Groß Britannien geführt. Doch eine Verbesserung des weltweiten Konfliktes rückte damit nur noch mehr in weite Ferne. Der Kampf der drei Supermächte wurde dadurch noch härter und gnadenloser. Hinzu kam noch ein ganz anderes Problem. Die globale Erderwärmung. Was nicht sowieso schon durch Menschenhand zerstört wurde, holte sich die Natur langsam und doch unaufhaltsam zurück. Ganze Küstenstädte wurden von den immer weiter ansteigenden Wassermassen verschluckt. In kürzester Zeit stieg der Meeresspiegel um mehr als fünfzig Meter an und versenkte Städte wie Hamburg, Venedig, London oder Shanghai fast vollständig. Vom ewigen Eis an den Polkappen sind nicht einmal mehr zehn Prozent übrig. Australien ist nur noch eine kleine Insel im Pazifik.

Es war eine sternenklare Nacht. Der Mond leuchtete hell über den Ruinen der einst so blühenden Metropole. Es war still. Eigentlich viel zu still. Um diese Zeit trieben für gewöhnlich alle Arten von Banden und zwielichtigen Gestalten ihr Unwesen. Doch nicht heute. Heute wagte sich nicht einmal der größte Abschaum aus dem Schutz der Dunkelheit heraus. Schritte durchbrachen die gespenstische Ruhe. Schwere Stiefel bewegten sich vorsichtig über den Asphalt. Mehrere, bis unter die Zähne bewaffnete Personen bahnten sich so leise wie nur möglich ihren Weg durch die nächtlichen Straßen. Das Mondlicht warf hin und wieder die Schatten der uniformierten Gestalten an zerstörte Hauswände. Ab und an leuchtete ein fünfeckiges Emblem an einer Uniformjacke auf. Ein Emblem, dass Angst und Schrecken unter der zivilen Bevölkerung verbreitete. Schon des Öfteren kamen Truppen mit genau diesen Emblem in vermeintliche Aufständigenhochburgen und hinterließen Bäche aus Blut und Tränen. Es war das Emblem der GPD, der General Purging Division, eine Art schnelle Eingrifftruppe gegen sogenannte innere Terroristen und Revolutionäre. Ihre Anweisung war in der Regel Recht simpel, sichten und vernichten. Wenn einer dieser Trupps in eine solche Gegend geschickt wurde, bedeutete dies meistens nur eines für die Bevölkerung. Hoffen und beten, dass man keinen von ihnen zufällig über den Weg läuft.

„GPD-5 an Basis. Zielobjekt immer noch außer Sichtweite. Over“, sprach einer der Männer in sein Mikrofon.

„Basis an GPD-5. Verstanden! Müssen Suchradius auf umliegende Zonen erweitern. Kehren Sie unverzüglich zur Basis zurück. Over.“

„GPD-5 hat verstanden. Over and out!“ Mit einer Handbewegung signalisierte der Soldat seinen Kameraden zu stoppen. Langsam ließ er sein Gewehr sinken und zog seinen Mundschutz vom Gesicht.

„Neue Anweisung. Wir drehen um und formieren uns in der Basis neu!“ Einige der Soldaten atmeten erleichtert auf. Andere hingegen blickten unwillig zu ihren Kommandanten. Die Enttäuschung über den Misserfolg stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Seit zwölf Stunden durchkämmten sie nun schon dieses gottlose Gebiet. Doch von ihrem Zielobjekt war, wenn überhaupt, immer nur ein kurzer Schatten zu sehen der sich agil zwischen den Fassaden in die Dunkelheit schlängelte. Meistens konnten sie sich nicht sicher sein, dass es wirklich ihr Ziel war was sie erblickten. Es hätte genau so gut irgendein Tier oder sonst etwas sein können. Sie wussten nicht einmal mehr, ob sich ihr Ziel überhaupt noch in dieser Zone befand. Doch der Befehl war unmissverständlich. Das Zielobjekt musste gefunden werden. Aber mit jeder weiteren vergehenden Stunde wurden die Chancen darauf geringer. Schließlich zogen sie wie es ihnen befohlen wurde ab. Unwissend, dass keine zwanzig Meter entfernt von ihnen, ein grünes Auge jeden ihrer Schritte bis ins kleinste Detail verfolgte. Man könnte weder ein Gesicht noch sonst irgendwelche genauen Anzeichen einer Person erkennen, nur einen wagen Umriss der nahezu unsichtbar zwischen irgendwelchen Trümmerteilen lag. Als sich die Soldaten außer Sichtweite befanden, vermischte sich auch der Schatten wieder mit der Dunkelheit der Nacht.

„Unfähiges Pack“, schrie ein Mann in weißer Uniform als er durch die Reihen stramm stehender Soldaten schritt, „Euer einzige Aufgabe bestand darin die Zielperson zu lokalisieren und kampfunfähig zu machen. Fünf Trupps, vierzig speziell trainierte Soldaten und ihr unfähigen Bastarde wagt es mit leeren Händen zurückzukehren? Ihr seid eine Schande für die gesamte GPD!“

Der Mann war außer sich vor Wut. Sein Gesicht hatte sich tief rot verfärbt, die Ader auf seiner Stirn pulsierte bei jedem gesprochenen Wort. Die still stehenden Soldaten trauten sich nicht den geringsten Ton von sich zu geben. Mit Furcht erfüllten Minen ließen sie die wüsten Beschimpfungen ihres Vorgesetzten über sich ergehen.

„Captain Schaffer, mäßigen sie ihren Ton. Letztendlich war es ihre Inkompetenz die es der Zielperson ermöglichte so lange verborgen zu bleiben. Fünf lausige Trupps? Verstehen Sie das unter einer Priorität 1 Mission? Sie alleine tragen hierfür die Verantwortung!“ Der weiß uniformierte Captain wurde nun grün vor Ärger als er die junge, männliche Stimme vernahm. Seitdem er in den Rang eines Captains der GPD aufstieg, hatte es selten jemand gewagt in dermaßen respektlos zu behandeln. Er fuhr um. Am liebsten hätte er denjenigen sofort auf dem Drill Platz erschießen lassen. Doch als er die beiden Personen auf sich zukommen sah, traute er sich nicht mehr auch nur einen falschen Gedanken zu denken. Stattdessen stellte er sich stocksteif auf und salutierte ehrfürchtig den eintreffenden Personen.

Die eine Person war ein Mann, viel jünger als er selbst. Vielleicht Mitte zwanzig. Er hatte ein sauberes, fast noch jungenhaftes Gesicht. Sein Blick jedoch war scharf und durchdringend, als könne er jeden Gedanken seines Gegenübers lesen. Er trug eine schwarze hautenge Uniform ohne jede übertriebene Dekoration. Nur der silberne Skorpion auf der linken Brust gab Zeugnis über die außergewöhnliche Herkunft des jungen Mannes ab.

Die andere Person war eine Frau. Zumindest konnte man dies anhand der Figur erahnen. Ihr Gesicht war komplett mit einer weißen Maske verborgen, die Haare unter einer Kapuze versteckt. Auch sie gehörte eindeutig dieser Spezialeinheit an. Doch anstatt einer Uniform, trug sie einen schwarzen eng anliegenden Kampfanzug.

„Sir, dürfte ich ihren geschätzten Namen erfahren, Sir?“, fragte Captain Schaffer im größtmöglich respektvollen Ton.

„Brigadier General Alfred van Bruck“, sprach der junge Mann fast schon nebensächlich, „und wer das hier ist braucht sie nicht zu interessieren.“ Captain Schaffer schluckte. Als er die Mission erhielt, ahnte er nicht welche Signifikanz diese besitzen würde. Doch das Auftreten einer solch ranghohen Person von dieser Einheit ließ in feststellen, dass es sich bei der Zielperson um jemanden besonderes handeln musste. Eigentlich war es eine sehr einfache Mission, dachte der Captain zumindest. Es handelte sich um eine einzelne Zielperson, einen kleinen elfjährigen Jungen. Neben einem Bild und einer Nummer gab keine weiteren Informationen zu ihm. Nur der Vermerk „Priorität 1“ lies Schaffer überhaupt zu der Entscheidung kommen ganze fünf Trupps zu senden.

„Sir, wenn sie mir die Frage gestatten würden, warum sollen wir so einen Aufwand betreiben? Und ist euer persönliches Erscheinen wirklich notwendig um ein elfjähriges Kind zu fangen, Sir?“, fragte Captain Schaffer verwundert. Der junge Brigadier General blickte Schaffer kurz aus dem Augenwinkel an. Dem Captain lief es bei dem Blick eiskalt den Rücken hinunter. Nur Sekunden später konnte er nichts mehr spüren. Seine Hände wanderten zitternd an seinen Hals. Er fasste sich kurz an die Kehle und führte dann seine Hände vors Gesicht. Ungläubig blickte er auf das Blut an seinen Händen ehe er zusammenbrach. Vollkommene Stille herrschte im Militärgebäude. Die Soldaten könnten nicht glauben was sich gerade vor ihren Augen abgespielt hatte. Ohne das einer der anwesenden etwas mitbekam hatte die Frau an van Brucks Seite ein Wurfmesser aus ihrem Ärmel gezogen und damit Schaffers Kehle durchbohrt. Den anwesenden Soldaten wurde schlecht vor Angst. Sie alle waren ausgebildete Spezialkräfte und an den Händen von jedem einzelnen klebten Unmengen an Blut. Doch noch nie zuvor hatten sie miterlebt, wie jemand ohne die geringste Vorwarnung und ohne das sie selbst etwas davon mitbekamen vor ihren Augen getötet wurde. Mit zitternden Knien starrten sie auf ihren getöteten Captain.

„Lassen sie sich dies eine Warnung sein meine Herren. Diejenigen unter ihnen die derselben Meinung sind wie Captain Schaffer, sollten ihrem jämmerlichen Dasein lieber selbst ein Ende setzen. Wenn sie 293359 weiterhin wie ein Kind behandeln werden sie nicht einmal wissen wie sie gestorben sind wenn sie schon im Sarg liegen. 293359 wird ihnen nicht einmal die Gelegenheit geben eine Wimpernschlag lange zu zögern. Machen sie sich also jetzt schon darauf gefasst, dass einige von ihnen die Nacht möglicherweise nicht überleben werden.“ Ungläubig blickten die Einheiten den Brigadier General an. Doch keine einzige Seele hätte auch nur den hauch eines Zweifel geäußert.

„Einsatzkräfte verdoppeln. Jeder hört auf mein Kommando. Fertig machen zum Ausschwärmen in 10 Minuten. Wenn sie ihn sehen werden sie nur eine Chance haben ihn kampfunfähig zu machen. Nutzen Sie diese. Keines Falls letale Munition. Wir brauchen ihn lebend! Wenn sie ihn nicht in den nächsten zwölf Stunden finden gilt die Mission als gescheitert. Über die Folgen eines Versagens werde ich sie ja wohl nicht in Kenntnis setzten müssen. Wegtreten!“

„Sir! Jawohl, Sir!“
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Re: Die Könige der Nacht

Beitragvon Zuri » 30 Aug 2019, 16:27

Das ist doch schon mal ein vielversprechender Auftakt! Interessante Charaktere, drei Supermächte und ein Zielobjekt, welches nicht (ganz) menschlich ist. Nun, das wirft jetzt mehr Fragen auf als es beantwortet, aber ich hoffe, wir werden nicht nur erfahren, worum es bei der Sache geht, sondern auch noch ganz andere Fälle in deiner dystopischen Welt erleben.

Dann fang ich mal mit dem Spekulieren an:
  • Bei 293359 handelt es sich um
    • ein gescheitertes Experiment/eine Anomalie
    • einen Außerirdischen
    • einen Superschurken
    • ein Werwesen
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Re: Die Könige der Nacht

Beitragvon Quianye » 02 Sep 2019, 06:21

Zuri hat geschrieben:Das ist doch schon mal ein vielversprechender Auftakt! Interessante Charaktere, drei Supermächte und ein Zielobjekt, welches nicht (ganz) menschlich ist. Nun, das wirft jetzt mehr Fragen auf als es beantwortet, aber ich hoffe, wir werden nicht nur erfahren, worum es bei der Sache geht, sondern auch noch ganz andere Fälle in deiner dystopischen Welt erleben.

Dann fang ich mal mit dem Spekulieren an:
  • Bei 293359 handelt es sich um
    • ein gescheitertes Experiment/eine Anomalie
    • einen Außerirdischen
    • einen Superschurken
    • ein Werwesen



Hi Zuri,

Schön das ich dich schon mal gewinnen konnte. Beibringt Sache muss ich dich aber gleich mal enttäuschen. Wer oder Was genau 293359 ist, hab ich mir für den Schluss aufgehoben. Die Supermächte spielen auch erst einmal nur eine untergeordnete Rolle, gehören aber zur Geschichte des Charakters, auch wenn es noch lange dauern wird, bis sie Verbindung klar wird.
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Re: Die Könige der Nacht

Beitragvon Pferdinant » 05 Sep 2019, 11:02

warum musstest du das sagen? :cry:
jetzt weiß ich dass ich warten muss, und ich lese jeden teil, mit dem Gedanken:"ich werde wieder nicht erfahren wer oder was 293359 ist" :-?

als leser hast du mich mit dem ersten teil trotzdem

und ich finde sicher auch spaß einfach zu raten bis zum ender wer oder was 294459 ist.

ein teil pro woche sagtest du?
dann warte ich.

und wenn alles schiefgeht baut noah eine arche
ich glaube auf seiner seite zu sein ist gar nicht so schlecht
rechtschreibfehler sind sicher enthalten, aber darauf müsst ihr mich nicht hinweisen, wenn ihr es versteht

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Re: Die Könige der Nacht

Beitragvon Zuri » 05 Sep 2019, 21:08

Du könntest aber mitraten, wer oder was 293359 ist, Pferdinant ;-)
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Re: Die Könige der Nacht

Beitragvon Quianye » 06 Sep 2019, 09:03

Hier Teil 2 des ersten Kapitels. Viel Spaß...

==============================================

Es zeigte sich wieder einmal, dass Angst ein profanes Mittel sein kann Menschen zu Höchstleistungen anzutreiben. Unter der Führung von Brigadier General van Bruck und der Frau mit der Maske durchkämmten die zehn Trupps der GPD die komplette Stadt. Nicht ein Stein blieb auf dem anderem. Achtzig speziell trainierte und von Furcht getrieben Soldaten. Nur dazu da, ein einzelnes Kind zu finden. Doch auch wenn die Einsatzkräfte sich über die Notwendigkeit eines solchen Aufgebotes wunderten, so trieben die Worte des Generals und der tragische Tod des Captains jeden aufkeimenden Zweifel sofort beiseite. Mit größtmöglicher Sorgfalt führten sie ihren Befehl aus. Und so kam es, dass nach stundenlanger Erfolgloser Suche doch noch das Alarmsignal in den Headsets der Soldaten ertönte.

„GPD-3 meldet, Zielperson gesichtet! Flieht Richtung Osten! Wir haben zwei Männer verloren! Ich wiederhole, haben zwei Männer verloren! Over!“
„GPD-6 meldet Feinkontakt! Drei Soldaten verwundet! Ich wiederhole, drei Soldaten verwundet! Erbitten Einsatz von Rettungskräften! Over!“
„An alle Einheiten. Block um letzte bekannte Position abriegeln! Bei Sichtung Zielperson kampfunfähig machen. Keines Falls entkommen lassen. Over!“, hallte die eisige Stimme von van Bruck in den Ohren der Männer.

„GPD-1 hat verstanden!“
„GPD-2 hat verstanden!“
„GPD-3 hat verstanden!“
„GPD-4 hat verstanden!“
„GPD-5 hat verstanden!“
„GPD-6 hat verstanden!“
„GPD-7 hat verstanden!“
„GPD-8 hat verstanden!“
„GPD-9 hat verstanden!“
„GPD-10 hat verstanden!“

Mit einem Grinsen auf den Lippen öffnete der junge Brigadier General das GPS System an seinem linken Unterarm. Nur wenige Millisekunden später leuchtete eine dreidimensionale holographische Karte des Blocks auf in dem sich das Zielobjekt befand. Mehrere grüne Figuren stellten die Soldaten dar, welche sich formierten und eine scheinbar undurchdringbare Barriere bildeten. Sichtlich zufrieden wand sich van Bruck zu seiner Begleiterin um und nickte ihr zu. Ein kurzes metallisches glänzen leuchtete in ihren Augen auf ehe sie im Dunkel der Nacht verschwand. Van Bruck schaute ihr noch kurz nach ehe auch er sich mit einem tiefen Seufzen auf die Straßen begab und ruhig in Richtung Zielgebiet schritt.

Mit zittrigen Beinen saß eine kleine Gestalt hinter einem Pfeiler eines verlassenen Fabrikgebäudes. Der enge Kampfanzug hing nur noch in Fetzen an ihrem schlanken Körper. Das Gesicht von einer schwarzen Kapuze bedeckt, hörte man sie keuchend nach Luft schnappen. Schweißtropfen liefen an ihrem Kinn hinab, tropften auf den Boden und hinterließen eine kleine Pfütze auf dem Beton. Nach einer Weile normalisierte sich die Atmung der Gestalt wieder. Schließlich fassten zwei zarte Hände an die Kapuze und offenbarten das zarte Gesicht eines Jungen.

Gäbe es einen Standard für menschliche Schönheit, so hätte man sein Gesicht als Referenz hernehmen können. Die Nase, der Mund, die Gesichtsform, alles an ihm schien perfekt. Selbst das hübscheste Mädchen in einem der zahllosen Bordellen würde bei seinem Anblick vor Neid erblassen. Auf dem Sklavenmarkt würden sich die Gebote für einen Jungen wie ihn überschlagen. Nicht einmal die Tatsache, dass sein rechtes Auge unter einem schwarzen Verband verborgen blieb, tat seinem Aussehen einen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Es gab seiner Schönheit nur einen gewissen mysteriösen Hauch. Doch er wirkte erschöpft. Sein kurzes blondes Haar lag zerwühlt und klatschnass auf seinem Kopf. Überall, wo die Haut unter den fetzen zum Vorschein kam, konnte man Blut erkennen. Teils war es von ihm, Teils von seinen Verfolgern, welche ihm nun dicht an den Versen klebten und ihm jeden Moment zu stellen drohten. Seine Hände wanderten an seinen linken Oberschenkel. Mit einem Ruck zog er die beiden Wurfmesser heraus welche sich tief in seinem Fleisch eingebettet hatten. Kein Ton glitt ihm dabei über die Lippen. Frisches Blut lief ihm aus den beiden Wunden. Aus einer Tasche holte er sich eine Nadel und Faden und begann die Einstiche notdürftig zu flicken. Schließlich stoppte er so den Blutfluss. Er war müde und schien vollkommen Kraftlos, so als ob er jeden Moment zusammenbrechen würde. Die Strapazen der letzten Stunden waren ihm deutlich anzusehen. Doch sein linkes Auge strahlte giftgrün, gefährlich und fest entschlossen im Dunkel der Fabrikhalle. Wie ein Leuchtfeuer durchdrang dieses unmenschliche grüne Funkeln das Dunkel der Nacht.

Fast lautlos schlichen die übrig gebliebenen knapp siebzig Soldaten um die alte Fabrik. Doch für ihn hallten die Schritte wie ein Donnern in den Ohren. Er wusste genau, dass er sich nicht länger verstecken konnte. Er musste weiter. Fliehen. Rennen. Sein Leben, seine Freiheit, alles hing davon ab. Wäre Sie nicht plötzlich in den Reihen der Soldaten aufgetaucht, er hätte es längst geschafft sich aus der immer enger werdenden Umklammerung zu befreien. Doch mit ihrem Auftreten sanken seine Chancen mit jeder verstreichenden Minute weiter. Aber auch davon würde er sich nicht entmutigen lassen. Er hatte es zu weit geschafft um jetzt aufzugeben. Nie wieder wollte er an diesen Ort zurück. Nie wieder wollte er dieses Leben leben. Sollte es keinen Ausweg mehr geben, würde er lieber selbst sein Leben beenden als wieder in deren Hände zu fallen. Doch so weit war es noch nicht. Rund 400 Meter. Noch ca. 3 Minuten bis sie zu ihm aufschließen würden. Genug Zeit. Er fasste an seinem Gürtel. Kontrollierte seine verbliebenen Waffen. Das große Kampfmesser würde ihm gegen ballistische Waffen nicht helfen können. Er konnte es nur im Nahkampf nutzen. Doch Nahkampf war keine Option. Zu viele Gegner. Zu wenig Zeit. Zwei Wurfnadeln waren noch übrig. Tödliche kleine Waffen. Aber zu wenig waren übrig. Die beiden Wurfmesser aus seinem Bein einbezogen hatte er gerade einmal noch Waffen für vier Kills. Er konnte nur noch rennen und hoffen, dass er ihr nicht in die Arme laufen würde. Zögerlich holte er eine Spritze mit einer rötlichen Flüssigkeit hervor. Seine Letzte verbliebene. Zwei weitere hatte er sich schon verabreicht. Eine dritte Dosis der Droge könnte für ihn im schlimmsten Fall tödlich enden. Aber er war sowieso in einer „Do-or-Die“ Situation. Die geringe Chance auf ein Leben in Freiheit gegen die Möglichkeit wieder eingefangen zu werden und ein Leben lang deren Werkzeug zu sein. Ohne weiter zu überlegen rammte er sich die Nadel in den Arm und injizierte sich die Flüssigkeit. Es brannte höllisch in seinem Arm. Es fühlte sich kurz an, als würden tausende Insekten durch seine Blutbahnen bis hoch in sein Gehirn kriechen und ihn dort von innen auffressen. Er biss die Zähne zusammen. Ertrug ruhig diese unmenschlichen Qualen. Das Brennen verging fast so schnell wie es gekommen war. Die Müdigkeit, jedes Gefühl von Erschöpfung wich aus seinem Körper. Neue Energie fuhr durch seine Muskulatur und brachte diese fast zum bersten. Er drehte seinen Kopf. Sein Auge funkelte in Richtung des Fabrikeingangs. Zwei Minuten noch. Seine Hände zogen die Kapuze wieder über den Kopf. Dann verschwand er lautlos in der Dunkelheit.

„GPD-7 an alle Einheiten! Haben frisches Blut gefunden. Zielobjekt muss sich noch...Ahhhg…“ Ein unterdrückter Schrei beendete abrupt den Funkspruch.
„An alle Einheiten! Sichern sie sämtliche Ein- und Ausgänge! Sechs Trupps im Gebäude, vier Trupps außerhalb! Wir übernehmen ab hier!“
In Windeseile wurde das Gebäude abgeriegelt. Mit Tasergewehren am Anschlag warteten die nervösen Soldaten nur darauf, dass sich von irgendwoher ein Schatten auf sie zu bewegte. Ohne zu zögern würden sie dann den Abzug betätigen und ihre Mission erfüllen. Sie alle mussten schmerzlich erfahren, was es hieß bei diesem Auftrag unaufmerksam zu sein. Zwölf Kammeraden waren in den letzten acht Stunden gefallen. Alle durch die Hand dieses verdammten Jungen. Diese scheinbar einfache Mission entpuppte sich für die Männer immer mehr als Albtraum. Schon lange jagten sie kein unschuldiges Kind mehr, sondern einen lautlosen und scheinbar unermüdlichen Killer. Ruhige Schritte durchbrachen die gespenstische Stille der Fabrikhalle als van Bruck langsam durch den Haupteingang schlenderte. Im Gegensatz zu den angespannten Soldaten wirkte der Brigadier General ruhig, ja nahezu entspannt.

„Das Gebäude ist umstellt! Sei ein braver Junge und gib auf“, hallte seine Stimme durch die Halle. Keine Antwort. Nur die schweren Schritte unterbrachen die Stille.
„Um ehrlich zu sein bin ich etwas enttäuscht von dir. Du hast dir solche Mühe gegeben bei deiner Flucht. Und dann lässt du so viele von deinen Verfolgern am Leben? Da hätte ich wirklich mehr von dir erwartet!“
Er lief weiter durch die Fabrik. Seine Schritte waren ruhig und ohne jegliche Hektik. Fast als ob jemand einen Nachmittagsspaziergang durch den Park machte. Plötzlich. Ein Blitzen. Metallisches Ringen gefolgt von einem dumpfen Aufschlag. Zwei Meter von van Bruck entfernt sackte ein Soldat in sich zusammen. Er wird nie wieder aufstehen können. Eine Nadel hatte seinen Hals durchbohrt. Ohne sich auch nur im Entferntesten für den Gefallenen zu interessieren schritt der General weiter durchs Gebäude. Das Schwert, mit dem er die tödliche Nadel umlenkte, fest in der Hand.
„Deine Spielzeuge sind nutzlos gegen mich. Noch zwei, vielleicht drei Jahre und du wärst ein ernst zu nehmender Gegner. Aber noch bist du meilenweit davon entfernt. Ergib dich jetzt und ich verspreche dir bei meiner Ehre, dass dir nichts Schlimmes geschehen wird! Eine kleine Strafe muss natürlich sein, aber das hält ein großer Junge wie du doch sicher aus!“
Mit diesen Worten wandte er sich um und blickte hinauf zu einem der Oberlichter, nur um gerade noch einen Schatten daran vorbei huschen zu sehn. Sein eiskaltes Grinsen wurde nur noch kälter als er zum Treppenhaus sprintete und sich hinauf aufs Dach begab. Oben angekommen erblickte er sein Ziel am Abgrund stehen. Gestellt von der weiß maskierten Frau. Zwei Messer waren tief in seinen Schultern eingebettet. Blut tropfte von seinen Fingerspitzen hinab auf den Boden. Er schwankte bedenklich. Es sah so aus, als würde er jeden Moment kollabieren. Doch das grüne Auge funkelte weiter fest entschlossen seine beiden Angreifer an. Bei dem Anblick des Jungen schob van Bruck sein Schwert zurück in die Scheide, ging leicht in die Hocke und streckte einen Arm aus.

„Komm her! Du hattest dein Vergnügen. Jetzt geht es zurück nach Hause. Du weißt genau, dass es vorbei ist. Deine Chancen jetzt noch zu fliehen liegen bei gerade einmal 0,05 Prozent. Es ist also eigentlich Zwecklos weiter Widerstand zu leisten!“
Van Bruck grinste selbstgefällig während die Frau emotionslos jede kleine Regung des Jungen durch ihre Maske beobachtete. Dieser schaute sich um. Es war tatsächlich zwecklos. Seine Analyse der Situation brachte ihm genau das gleiche Ergebnis, welches ihm auch der Brigadier General offenbarte. Wäre er nur ein wenig schneller gewesen. Dreißig Sekunden mehr und er hätte es geschafft zu fliehen bevor Sie eintraf. Es war vorbei. Alles umsonst. Nun blieb ihm nur noch eine Option, wenn er nicht wieder zurückgebracht werden wollte. Er mühte sich gerade zu stehen. Mehr und mehr Blut lief aus den Wunden an seinen Schultern. Wieder ein kurzes flackern. Dann zuckte er kurz zusammen und ging unweigerlich in die Knie. Fast schon gleichgültig starrte er auf die beiden Messer die knapp über der Kniescheibe gut zehn Zentimeter tief in seinen Beinen steckten. Er atmete kurz aus, verdrängte den Schmerz. Keuchend richtete er sich wieder auf, spuckte einen Mund voll Blut aus und starrte die beiden an.
„Jetzt sind es nur noch 0,01 Prozent!“, sprach van Bruck fast schon hämisch, „mach es uns nicht schwerer als es sowieso schon ist. Sei ein guter Junge und komm freiwillig mit. Ich könnte auch ein gutes Wort für dich beim Straftribunal einlegen. Schließlich hast du, bis auf deine lausige Mortalitätsrate, hervorragende Fortschritte bei deinen Fähigkeiten gezeigt!“
„Ich werde niemals mit ihnen zurückkehren,“ keuchte der Junge vollkommen entkräftet, „0,01 Prozent? Ich befürchte fast, sie haben einen Faktor vergessen van Bruck.“ Dieser zuckte mit den Augenbrauen. Langsam stellte er sich wieder auf. Kerzengerade wie ein Speer stand er nun da und begann zu lachen.
„Ach? Jetzt bin ich aber neugierig! Dann erzähl mir mal welcher Faktor das denn wäre?“
Die Lippen des Jungen öffneten sich und formten ein fast verzweifelt wirkendes Lächeln.
„Glück!“, sagte er leise fast zu sich selbst und lies sich nach hinten fallen. Die maskierte Frau hechtete noch hinterher, doch sie verpasste den Jungen um Haaresbreite.
„Scheiße!“, fluchte van Bruck los, rannte zum Abgrund und blickte am Dach hinunter auf eine Wolke aus aufgewirbelten Staub und Schutt.

Stunden später stand van Bruck mit furchteinflößender Miene am Exerzierplatz der Militärbasis. Vor ihm befanden sich auf dem kalten, dreckigen Boden zehn Soldaten. Auf allen Vieren, die Köpfe gesenkt und mit zitternden Gliedmaßen warteten sie auf ihre Exekution. Angstschweiß lief ihnen kontinuierlich von der Stirn und bildete kleine Pfützen auf dem Boden. Van Bruck war außer sich vor Wut über das Fehlschlagen der Mission. Und diese armen Teufel würden das Ventil für den Zorn des Brigadier Generals sein. Es waren die zehn Truppführer der eingesetzten GPD-Trupps. Eine Kugel nach der anderen wanderte in das Magazin der Silbernen P220 X-Six bis sich schließlich genau Zehn .45 ACL Patronen darin befanden. Sanft streichelte van Bruck den Schlitten seiner Waffe. Er liebte den fast schon nostalgischen Charme dieser zeitlos schönen Pistole. Mit einem klicken war sie durchgeladen. Langsam schritt er auf die zitternden Soldaten zu. Die ersten begannen zu weinen wie kleine Kinder. Letztendlich hatte jeder Angst vor dem Tod. Er legte den Lauf auf den Hinterkopf des ersten Mannes. Unterdrücktes wimmern durchbrach die Ruhe des gerade angebrochenen Tages. Ein bis zwei Minuten später waren die Schritte des Generals und seiner Begleiterin das einzige was noch auf dem Exerzierplatz zu hören war.

„Weißt du Moon“, sprach van Bruck zur Frau, „es ist ein Jammer das seine Leiche im Kanal gelandet ist. Die Paar Ampullen Blut von ihm werden kaum reichen um das Projekt noch einmal zu wiederholen. Wirklich Schade. All die Mühen letztendlich umsonst.“ Er steckte sich eine Zigarette in den Mund. Das Relaxans, welches dem Tabak beigemischt wurde, brachte ihm ein wenig Entspannung. Nach nur wenigen Zügen wandelte sich seine grimmige Miene wieder zu einem eiskalten Lächeln. Ein Hubschrauber schob sich mit lautem Getöse in die Luft und hinterließ eine Staubwolke über dem Boden. Als der aufgewirbelte Staub sich wieder legte, war das Fluggerät bereits verschwunden.
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Pferdinant
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Re: Die Könige der Nacht

Beitragvon Pferdinant » 07 Sep 2019, 00:14

hm dann habe ich es falsch verstanden, ich dachte man erfährt nichts über 293359
bis zum ende :-?

dann stört es mich nicht,
wir habe jetzt ja ein bisschen über das aussehen erfahren,
und dass es isrgendein projekt ist

zum neuen teil, ich habe ihn mit elan gelesen

ich hätte jetzt aber eine kleine frage:
Quianye hat geschrieben:„Weißt du Moon“, sprach van Bruck zur Frau, „es ist ein Jammer das seine Leiche im Kanal gelandet ist.[...]"

ist mit seiner leiche jetzt 293359 gemeint?
oder ist es auf eine unbekannte person bezogen?
293359 hat ja auch irgendwoher die spritze, mit dem blut (ich vermute mal, dass es blut ist)

ich finde van bruck toll gestaltet
rechtschreibfehler sind sicher enthalten, aber darauf müsst ihr mich nicht hinweisen, wenn ihr es versteht

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Re: Die Könige der Nacht

Beitragvon Zuri » 07 Sep 2019, 03:56

Wow, ich muss sagen, das Kapitel hat mich ziemlich gefesselt. Bin gespannt, wie fesselnd du weniger actionreiche Kapitel gestaltest ;-)

Nachdem man bezüglich 293359, den Versuch unternehmen könnte, ihn auf "ein gescheitertes Experiment/eine Anomalie" oder "einen Außerirdischen" einzugrenzen, stellt sich jetzt die Frage, wer oder was Moon ist und woher 293359 sie kennt.

Moon ist
  • Ebenfalls Teil des Projekts, nur im Gegensatz zu ihm etwas älter und fertig ausgebildet
    • und seine Rivalin
    • und seine Schwester, bei der jedoch im Gegensatz zu ihm die Gehirnwäsche erfolgreich war
  • Seine "Mutter", also die wissenschaftliche Mitarbeiterin, die ihn "betreut" hat und deshalb extrem gut kennt

Van Bruck ist wahrscheinlich der Leiter des Projekts und die Flaschen hat 293359 wohl dort gestohlen. Schmerzen scheint er auch nur bei Einnahme des Mittels zu haben, welches wiederum mindestens Adrenalin zu enthalten scheint. Aber ist 293359 das einzige Versuchsobjekt oder ist nur sein Blut optimal?
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Re: Die Könige der Nacht

Beitragvon Quianye » 07 Sep 2019, 10:56

Pferdinant hat geschrieben:hm dann habe ich es falsch verstanden, ich dachte man erfährt nichts über 293359
bis zum ende :-?

dann stört es mich nicht,
wir habe jetzt ja ein bisschen über das aussehen erfahren,
und dass es isrgendein projekt ist

zum neuen teil, ich habe ihn mit elan gelesen

ich hätte jetzt aber eine kleine frage:
Quianye hat geschrieben:„Weißt du Moon“, sprach van Bruck zur Frau, „es ist ein Jammer das seine Leiche im Kanal gelandet ist.[...]"

ist mit seiner leiche jetzt 293359 gemeint?
oder ist es auf eine unbekannte person bezogen?
293359 hat ja auch irgendwoher die spritze, mit dem blut (ich vermute mal, dass es blut ist)

ich finde van bruck toll gestaltet


Hallo Pferdinant,

Naja man erfährt nicht komplett Wer oder Was er wirklich ist. Jetzt noch nicht. Ein paar kleine Hinweise erhält man noch im dritten Teil von Kapitel 1. Zur Leiche, van Bruck und Moon (die Frau mit der Maske) sprechen hier von 293359. Ich muss mich echt zusammen reißen das nächste Kapitel nicht jetzt schon zu posten.
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Re: Die Könige der Nacht

Beitragvon Quianye » 13 Sep 2019, 07:23

Soooo, pünktlich zum Freitag Der dritte Teil des ersten Kapitels. Viel Spaß beim lesen...

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Zur selben Zeit, nur wenige Kilometer entfernt in einem Randgebiet der Stadt. Eilige Schritte hallten durch eine schmale Gasse. Zwei Jungen rannten barfuß wie besessen durch ein Labyrinth aus Häusern und Hinterhöfen. Ihre zerrissene und schmutzige Kleidung klebte vom Schweiß durchnässt an ihren Körpern. Der größere von den Beiden trug zusätzlich einen alten Leinensack, welcher notdürftig mit Flicken zusammengehalten wurde auf seiner Schulter. Er konnte nicht älter als zwölf Jahre gewesen sein. Sein schmutziges, blasses Gesicht zeigte zwar schon erste maskuline Züge, doch diese vermochten es nicht über sein junges Alter hinweg zu täuschen. Sein braunes Haar klebte ihm verfilzt und schmutzig auf der Kopfhaut. In seinen grauen, traurigen Augen spiegelte sich der harte Überlebenskampf der Straße wieder. Eine lange Narbe zierte seine rechte Wange. Der Kleinere der beiden Jungs war, rein vom Aussehen her, eine jüngere Kopie des anderen. Es war deutlich sichtbar, dass die beiden Geschwister waren. Doch im Gegensatz zu seinem älteren Bruder war der Kleine verhältnismäßig sauber und gepflegt. Auch seine Haut hatte eine gesündere Farbe als die seines Bruders. Immer wieder wendete er seinen angsterfüllten Blick prüfend über die Schulter. Schweißperlen standen ihm auf seiner Stirn. Auch wenn ihr Verfolger nicht mehr zu sehen war, wagten sie es nicht ihre Schritte zu verlangsamen. Die Hände fest ineinander verhakt, schleifte der ältere der beiden seinen kleinen Bruder so schnell er nur konnte hinter sich her.

„Ich kann nicht mehr Ace!“, keuchte der Kleine schließlich vor Erschöpfung leise hervor.
„Komm schon Fabi, nur noch ein Stück und wir sind am Versteck. Wenn der alte Schlachter uns kriegt sind wir erledigt!“, gab der Junge, der Ace genannt wurde, hastig zurück.
„Den haben wir doch schon lange hinter uns gelassen. Bitte Ace meine Beine tun so weh!“
„Hör auf zu jammern und lauf weiter!“
Wiederwillig gab Fabi seinen Protest auf und folgte seinem Bruder keuchend weiter. Seit Jahren lebten die beiden alleine auf der Straße. Und Ace tat alles um seinen kleinen Bruder das Leben so gut wie möglich zu gestalten. Er brachte ihm Lesen, Schreiben und sogar etwas Rechnen bei und sorgte sich auch sonst liebevoll um ihn. Doch das Leben auf der Straße war hart und gefährlich. Ein möglichst sicheres Versteck zu finden war eine fast unlösbare Aufgabe. Schwieriger noch war es genügend Nahrung für sie beide zu finden. Eine Möglichkeit für Straßenkinder war es, auf den Müllkippen nach etwas Essbarem zu suchen. Doch in Zeiten allgemeiner Nahrungsknappheit war dieses Unterfangen selten von großem Erfolg gekrönt. Wenn überhaupt, waren die aufgefundenen Nahrungsmittel entweder kaum noch essbar oder es entbrannten Kämpfe mit den anderen Suchern, welche nicht selten tödlich endeten. Die weitaus vielversprechendere Option war es zu stehlen. Natürlich war auch das Risiko bei einem solchen Unterfangen ungemein größer. Jedoch überwog oftmals der Wunsch ein frisches Stück Brot, etwas Obst oder Gemüse oder gar ein wenig Wurst essen zu können. So auch bei den beiden Brüdern. Nachdem sie tagelang nichts Genießbares zu essen fanden, beschlossen sie an einem frühen Morgen, wenn der alte Schlachter mit dem zerlegen des Schlachtviehs beschäftigt war, in die Schlachterei einzubrechen. Ein kühner Plan, glich die alte Schlachterei doch fast schon einer abgeriegelten Festung. Aber die beiden hatten Glück. Eine Seitentür war nicht wie gewöhnlich verschlossen und so gelang es ihnen ins Innere des Gebäudes zu gelangen und ihren mitgebrachten Beutel mit allerhand Fleischabfällen welche für die Hunde gedacht waren zu füllen. Genug um mindestens ein bis zwei Wochen zu überleben. Doch ihre Tat blieb nicht unbemerkt. Gerade als die beiden sich in Sicherheit wähnten, wurden sie durch das laute Gebell der Kettenhunde in die Realität zurückbefördert. Nur durch die Opferung einiger Fleischbrocken konnten sie den blutrünstigen Bestien überhaupt entkommen. Doch der alte Schlachter blieb ihnen bis vor kurzem dicht auf den Fersen.

Die Brüder freuten sich ihres Lebens, als die steinerne Brücke welche über den Abwasserkanal führte, in Sichtweite geriet. Nur noch wenige Meter und sie würden ihr Versteck, einen verlassenen Wartungsraum in einem der meterdicken Brückenpfeiler erreichen. Alle Erschöpfung war im Angesicht des bevorstehenden Festmahles vergessen. Schneller, immer schneller sprinteten sie auf ihren Zufluchtsort zu. Nur noch eine steile Böschung trennte sie von dem Versteck. Doch als die Jungs gerade dabei waren das Gestrüpp, dass den Eingang notdürftig tarnte beiseite zu schieben, spürte Ace plötzlich eine schwere Hand auf seiner Schulter. Erschrocken drehte sich der Junge um und blickte in das grimmige, von Narben zerfurchte Gesicht eines großen muskulösen Mannes. Der alte Schlachter hatte die beiden gefunden.
„Ihr kleinen Bastarde klaut meinen Hunden das Futter und denkt, ihr kommt so einfach davon? Habt ihr wirklich geglaubt, ich würde euch nicht finden?“, hallte die kratzige Stimme des Schlachters unter der Brücke. Er packte Ace am Hals und schleuderte ihn an den Brückenpfeiler. Ein markerschütternder Schrei fuhr aus der Kehle des Jungen als er an der Betonwand aufschlug. Blut lief ihm aus einer Platzwunde an der Stirn. Er kroch hustend auf den Boden und mühte sich, nicht Augenblicklich das Bewusstsein zu verlieren.
„Ace!“, rief er schluchzend zu seinem Bruder hinüber. Mit angsterfülltem Gesicht stand Fabi wie angewurzelt an Ort und Stelle und wagte nicht sich zu bewegen. Er wimmerte. Tränen liefen ihm aus den Augen als er seinen verletzten Bruder sah.

„Lauf Fabi, bring dich in Sicherheit! Mach schon verdammt!“ Doch der Kleine fand nicht die Kraft wegzurennen. Selbst als der Schlachter immer weiter auf ihn zuschritt, wollten seine Beine sich nicht in Bewegung setzten. Und dann war es auch schon zu spät. Die Pranken des Mannes schlossen sich um seinen Hals und drückten ihn gegen die Wand.
„Du bist ja ein ganz süßer kleiner Bastard“, sprach er als er Fabi mit gierigem Blick von oben bis unten musterte, „Ich kenne genügend Leute die sich nach einem Prachtstück wie dir die Finger lecken würden. Du bringst mir sicher ein schönes Sümmchen ein. Aber zuerst werde ich ein wenig Spaß mit dir haben.“ Dabei griff sich der Schlachter mit seiner freien Hand in seine blutbefleckte Arbeitshose und holte seinen Penis hervor. Fabi versuchte sich aus dem Griff zu befreien, doch vergebens. Heulend zappelte er, versuchte sich zu wehren, schlug nach dem großen Mann. Aber dieser zeigte sich davon gänzlich unbeeindruckt. Er drehte den kleinen Jungen um, zwang ihn in eine gebückte Haltung und riss ihm die Stoffhose vom Hintern. Gerade als er seinen Penis an Fabis Po ansetzte, sprang Ace mit letzter Kraft auf den Schlachter und Biss ihm so fest er nur konnte in den Arm. Dies zeigte Wirkung. Mit schmerzverzerrtem Gesicht ließ er von Fabi ab, packte Ace am Genick und schleuderte ihn wieder zu Boden.
„Lauf schon Fabi, bitte!“, rief er heulend seinem Bruder zu.

„Du verdammte Missgeburt!“, rief der Mann nun wutentbrannt und trat den am Boden liegenden Jungen in den Bauch. Dieser spuckte Augenblicklich einen Mund voll Blut aus.
„Aus dir werde ich einen schönen Sonntagsbraten machen“, sprach er bedrohlich, „und deine Knochen geb ich den Hunden zum abnagen. Und der Kleine hier wird bald nichts weiter sein als ein Sexspielzeug in irgendeinem gottverdammten Bordel. Das kommt davon, wenn kleine Bastarde es wagen bei mir zu stehlen.“ Mit diesen Worten bückte er sich zu Ace und packte seinen Kopf.
„Sag auf Wiedersehn du Ratte“, hauchte er Ace ins Ohr. So sehr er es auch wollt, konnte er sich nicht gegen den Schlachter wehren. Resigniert schloss er die Augen. Es war vorbei. Sein letzter Gedanke galt seinem kleinen Bruder und dem Schicksal, dass er wohl von nun an erleiden musste. Ein Schicksal, weit schlimmer als getötet und von Hunden gefressen zu werden. Eine letzte Träne lief ihm aus dem Augenwinkel.
„Mama, Papa…es tut mir leid. Ich hab versagt“, murmelte er nur für sich hörbar.
„Nein, Ace! Bitte nicht, bitte!“, rief der Kleine immer wieder voller Verzweiflung.

Dann…ein Röcheln. Etwas Warmes und nasses landete auf Aces Gesicht. Es roch nach Eisen und Erbrochenem. Ace öffnete die Augen und blickte in das erstaunte Gesicht des Schlachters. Seine weit aufgerissenen Augen spiegelten Verwirrung und Ungläubigkeit wieder. Mit dem Mund voller Blut, immer noch nicht verstehend was geschehen war, löste sich der feste Griff des Mannes. Eine weitere Ladung aus dem Mund ergoss sich über den Jungen ehe der Schlachter mit einem letzten erstickten Röcheln zur Seite kippte und die Umrisse einer Gestallt frei gab.

Klatschnass und mit zitternden Beinen stand ein Junge vor den beiden Brüdern. Seine Kleidung hing nur noch in Fetzen von seinem Körper. Ein langes Messer steckte in der Scheide am rechten Oberschenkel. Unzählige Wunden zierten den Körper des Kindes. Am auffälligsten waren zwei große Löcher in den beiden Schultern. Ein Auge war mit schwarzen Stofffetzen bedeckt. Das andere leuchtete in einem giftig grün und fixierte mit seiner stecknadelkopfgroßen Pupille den toten Schlachter. Er atmete schwer und unregelmäßig. Schließlich sackte er in sich zusammen. Die Brüder starrten immer noch wie gebannt auf die am Boden liegende Gestalt. Eine gespenstische Atmosphäre lag in der Luft. Schließlich begann Ace vorsichtig in Richtung des Jungen zu kriechen. Das Leben auf der Straße hatte ihm gelehrt misstrauisch gegenüber Fremden zu sein, auch oder gerade weil es sich hier um ein fremdes Kind handelte. Und auch wenn dieser Junge ihm und seinem Bruder das Leben gerettet hatte, so galt es doch erst einmal vorsichtig zu sein. Langsam drehte er den nassen Körper des Jungen um. Als er die Vielzahl an Verletzungen von nahem betrachtete, blieb ihm der Atem weg und er fiel unweigerlich nach hinten um.
Zwischenzeitlich war auch Fabi wieder an die Seite seines Bruders gekommen und starrte ebenso schockiert auf den Jungen hinab.

„Was ist mit ihm? Wo kommt der plötzlich her?“, fragte dieser immer noch perplex.
„Keine Ahnung. Vielleicht aus dem Kanal. So wie er aussieht ist er aber eh schon mehr tot als lebendig.“
„Hat er den Schlachter umgebracht?“ Ace drehte seinen Kopf zur Seite und starrte wie gebannt auf den Leblosen Körper ihres Angreifers. Bei genauerem Hinsehen entdeckte er ein längliches metallisch glänzendes Objekt welches im Hinterkopf des Mannes eingebettet war.
„Ich glaube schon ja“, antwortete Ace schließlich.
„Was solln wir jetzt mit ihm machen?“, fragte Fabi weiter, „wir können ihn doch nicht einfach so hier sterben lassen! Wir verdanken ihm schließlich unser Leben!“ Ace starrte den Jungen der kaum älter sein konnte als er selbst an. Er wusste selbst nicht, was er tun sollte. Einerseits kannte er ihn ja nicht mal. Jeden Tag sterben irgendwelche Leute auf der Straße. Was ging ihm da das Schicksal eines anderen etwas an. Andrerseits hatte sein Bruder recht. Dieser Junge hat ihm das Leben gerettet und seinen Bruder vor einem noch schlimmeren Schicksal bewahrt. Zögerlich fasste er in seine Hosentasche und holte einen golden glänzenden Gegenstand hervor. Es war eine Alte Taschenuhr. Sanft strich er mit den Fingern über das Gehäuse. Diese Uhr war alles, was von ihren Eltern übriggeblieben war als sie damals durch einen der Bombenangriffe starben. Die Bilder dieses Tages hatten sich fest in seinem Gedächtnis eingebrannt und spielten sich nun wieder vor seinem inneren Auge ab. Er öffnete den Deckel, nahm das darin aufbewahrte Foto einer kleinen Familie heraus und reichte die Uhr seinem Bruder.

„Hier, lauf zum Doc und bitte ihn hier her zu kommen. Die Uhr sollte als Bezahlung reichen. Beeil dich. Ich weiß nicht wie lange der noch durchhält!“
„Aber, die Uhr…“, wollte Fabi einwenden, wurde aber abrupt unterbrochen.
„Scheiß auf die Uhr. Wir verdanken ihm unser Leben. Jetzt lauf!“ Ohne ein weiteres Wort zu sagen nahm der Kleine die Uhr an sich und sprintete los während Ace bei dem Jungen sitzen blieb, nicht ahnend, dass dieser die beiden die ganze Zeit genau beobachtet hatte. Ace betrachtete ihn nun zum ersten Mal genauer. Er musste zugeben, dass der Kerl für einen Jungen ein echt hübsches Gesicht hatte. Er war sich ziemlich sicher, dass er wenn überhaupt noch nicht lange auf der Straße leben konnte. So jemand wäre schon längst eingefangen und auf dem Sklavenmarkt verkauft worden. Auch die Kleidung oder eher das was davon übrig ist wirkte nicht wie etwas, dass man an jeder Ecke finden konnte. Aber vor allem das lange Kampfmesser erweckte seine Neugierde. Vorsichtig griff er danach und zog es aus der Scheide. Fasziniert betrachtete er das glänzende Metall. Er hatte noch nie in seinem Leben solch ein hochwertiges Messer gesehen. Besonders der fein eingravierte Skorpion unterhalb der Blutrinne faszinierte ihn. Langsam führte er das Messer an seinen Finger um die Schärfe zu testen. Die Schneide hatte den Finger kaum berührt als ein Tropfen Blut aus dem Zeigefinger lief. Er starrte den Jungen wieder an, genauer gesagt, dass verbundene Auge. Vorsichtig griff er an den Verband als plötzlich eine Hand an seinem Arm fuhr und ihn davon abhielt den Verband runter zu ziehen. Erschrocken starrte Ace den Jungen an.

„Lass es“, keuchte der Junge erstickt.
„Du…du bist wach? Ich dachte du wärst…“, stammelte Ace, „auf jeden Fall…da…danke, dass du uns gerettet hast!“ Der Junge nickte nur. Er atmete immer noch schwer. Schweiß stand ihm auf der Stirn. Ace legte Sachte eine Hand auf seine Wange.
„Du glühst ja. Ich befrei dich mal von diesen Fetzen und hol dir ein wenig Wasser“, sprach er, nahm das Messer und begann das Shirt vom Körper des Jungen zu schneiden. Zum Vorschein kam ein perfekt trainierter Muskulöser Körper. Doch er war mit klaffenden Wunden übersäht. Ace schlug bei diesem Anblick erschrocken die Hand vor dem Mund. Dann riss er sich trotzdem zusammen, nahm einen der Stofffetzen und ging zum Kanal um diesen mit Wasser zu tränken. Behutsam legte er diesen auf die Stirn des Jungen. Er betrachtete ihn weiter bis seine Augen schließlich an einer Tätowierung am linken Handgelenk stehen blieben.
„293359? Was soll das bedeuten? So eine Art Code oder so was?“, fragte er. Doch der Junge antwortete nicht.
„Bist ja nicht sehr gesprächig. Ich bin übrigens Ace, eigentlich ja Alexander. Aber alle nennen mich nur Ace. Selbst meine Eltern nennen…nannten mich nur so.“ Plötzlich verdunkelte sich seine Miene. Er wirkte nun traurig und niedergeschlagen. Mit angezogenen Beinen saß er neben dem Jungen. Tränen liefen ihm ruhig aus den Augen, doch er wischte diese sofort wieder weg. Der Junge beobachtete ihn genau, sagte jedoch kein Wort.
„Weißt du, Ich und mein Bruder sind hier ganz alleine“, fuhr er fort, „wir haben nur noch uns und er bedeutet mir alles. Ich bin dir so dankbar für das was du getan hast. “. Wieder wischte er sich die Tränen aus dem Gesicht. Der Junge beobachtete ihn die ganze Zeit ohne auch nur einmal zu blinzeln. Letztendlich weitete sich die winzige Pupille zu einer normalen Größe.
„Ich bin Noah“, sprach er schließlich fast erstickt, bevor er diesmal wirklich in Ohnmacht fiel.

Das schwache Licht einer alten Gasleuchte erhellte den kleinen Wartungsraum. In einer Ecke saßen Ace und Fabi. Auf dem Boden lag Noah komplett entkleidet. Er war immer noch bewusstlos. Über ihn beugte ein Mann mittleren Alters. Er trug einen schmutzigen weißen Kittel, eine notdürftig reparierte Brille und ein Stethoskop um den Hals. Neben sich auf dem Boden hatte er eine große Ledertasche gefüllt mit allerhand Utensilien stehen. Er strich sich das ein oder andere Mal durch das sowieso schon zerwühlte Haar als er vorsichtig Noahs Körper abtastete. Kopfschüttelnd beendete er nach einer Weile die Prozedur.
„Euer Freund hier scheint einiges abbekommen zu haben. Die Knochen müssten aber glücklicherweise in Ordnung zu sein. Er hat sicherlich eine Menge Blut verloren. Sein Herzschlag ist viel zu schnell und sein Blutdruck spielt komplett verrückt. Ich kann seine Wunden versorgen und ihm ein Antibiotikum verabreichen, mehr kann ich aber nicht für ihn tun. Der Rest hängt ganz allein von ihm ab.“
„Ist es so schlimm Doc?“, fragte Ace schließlich.
„Er scheint sich irgendeine Substanz injiziert haben. Ich tippe da auf militärische Stimulantien den Symptomen nach zu urteilen.“
„Wie militärisch?“, sprach Fabi, „ist er etwa so eine Art Soldat?“
„Sehr gut möglich“, antwortete der Doktor, „dazu würde auch diese Tätowierung an seinem Handgelenk passen.“ Während er sprach versorgte er die Wunden des Jungen. Die Brüder sahen ihm zu wie er sich Wunde für Wunde an Noahs Körper vorarbeitete. Als er schließlich fertig war, spritzte er ihm noch ein Antibiotikum und legte eine weiter aufgezogene Spritze mit einer grünen Substanz zur Seite.
„Falls er die Nacht überlebt, gebt ihr ihm morgen die zweite Spritze. Darin befindet sich etwas das seine Regeneration anregen sollte,“ sprach er deutlich erschöpft.

„Danke Doc, vielen Dank“, sagte Ace aufrichtig, „ich hoffe die Uhr reicht als Bezahlung.“
„Schon gut, zumindest geh ich nicht ganz leer aus.“ Er packte seinen Koffer wieder zusammen und stand auf. Als er gerade zum Eingang hinausgehen wollte, blieb sein Blick an der Scheide mit dem Kampfmesser hängen welches an einem Nagel an der Wand hing.
„Hatte er das bei sich?“, fragte er nun sichtlich nervös.
„Ja, hatte er. Und ich hab ehrlich gesagt noch nie so ein gutes Messer gesehen“, antwortete Ace.
„Und sie müssen erst mal den Skorpion darauf sehn. Der sieht echt mega cool aus“, warf Fabi ein. Mit weit aufgerissenen Augen starrte der Arzt die beiden an. Er merkte nicht einmal, wie seine Tasche ihm aus der Hand glitt und zu Boden fiel.
„Ein…ein Skorpion sagst du? Bist…bist du dir sicher?“, stotterte der Mediziner.
„Wollen sie ihn sehn?“, fragte Ace.
„Nein, nein, nicht nötig. Ich muss jetzt auch langsam los. Passt auf euch auf Kinder!“ Hastig hob er seine Tasche wieder auf und verschwand in die Dunkelheit.
„Was war dem mit dem auf einmal los?“, wunderte sich der Kleine. Ace zuckte nur mit den Schultern.
„Keine Ahnung. Wir sollten jetzt auch schlafen gehen.“ Mit diesen Worten löschte er das Licht und die beiden legten sich auf ihr mit Stroh bedecktes Lager unwissend das der Doktor immer noch mit zitternden Knien und leichenblass am Brückenpfeiler stand und hastig an seiner Zigarette zog.
„Hoffentlich hab ich nicht einen großen Fehler begangen. Fuck, es war ganz sicher ein Fehler. Ich muss weg. Verdammt hätte ich nur vorher gewusst, dass er einer von denen ist. Scheiße.“ Er schnippte seine Zigarette in den Kanal und lief davon. Seit diesem Tag wurde der Doktor nie wieder in dieser Gegend gesehen.
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