Die Herrschaft des Feuers

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Die Herrschaft des Feuers

Beitragvon Iroc » 10 Sep 2013, 00:33

Heyho!
Da ich nun schon so lange all die guten Geschichten in diesem Forum verschlinge, dachte ich mir, dass auch mal was zum Besten geben kann :wink:
Ich habe schon ca. 42 Seiten vorgeschrieben, also nicht wundern wenn am Anfang die Teile etwas schneller aufeinander Folgen.
Die Geschichte ist irgendeine komische Mischung aus Fantasy und Sci-Fi...mal sehen wem es gefällt...
Interessanterweise habe ich das alles innerhalb von einer Nacht geträumt und musste es nur noch mit ein paar Details ausschmücken und aufschreiben.
Viel Spaß mit der Story!

Über Kommentare und Kritik würde ich mich natürlich sehr freuen :wink:

LG Iroc

DIE HERRSCHAFT DES FEUERS

PROLOG
Lionatras

»Wir waren einst ein stolzes und reiches Volk, das wundervolle Künste beherrschte, von denen wir heute nur noch träumen können. Alles was blieb, war unser großer Mut, unsere einzigartige Sprache und unsere bittere Zähigkeit gegenüber allem, was sich uns jemals in den Weg stellen könnte.
Einst waren wir frei. Einst reichte unser Einfluss bis zu den Sternen und zurück. Doch alles was blieb, waren elf uralte Königreiche, die eng aneinander gedrängt dem noch älteren Bösen jenseits der Grenzen die Stirn bieten.
Einst hatten wir Bündnisse zu den höchsten und schönsten Völkern, die man sich nur vorstellen kann. Doch all das ist nun ferne Vergangenheit und das einzige Bündnis, das noch besteht, ist das zwischen den Königshäusern, sich gegenseitig zu beschützen und zu unterstützen, gekrönt vom Königshaus Silberfels im Herzen der Reiche, das seit unzähligen Generationen die Erhaltung des Bündnisses bewacht.
Einst war alles besser. Einst lebten die alten Götter auf dieser Welt. Unser Volk erblühte zu nie gekanntem Ausmaß, das Böse war weit hinter die Grenzen zurück gedrängt und wagte nicht uns anzugreifen, die Felder warfen mehr als genug für jeden von uns ab und Städte wuchsen dem Boden empor, deren Häuser die Sterne berühren zu wollen schienen.
Doch eines Tages verließen uns die alten Götter, stiegen wie gleißende Sterne vom Boden auf und schwebten gen Himmel. Sie ließen ein Volk zurück, das ungläubig nach oben starrte, bis auch der letzte Stern den Himmel verlassen hatte. Die alten Götter ließen uns hier zurück, schutzlos und allein mit einem Haufen blutrünstiger Bestien, die ihre Chance witterten und mit geballter Macht versuchten uns zu vernichten. Die kommenden Jahre sollten hart werden, so lautete eine alte Prophezeiung. Und so kam es. Die Bestien waren stark und viel mehr als wir. Sie rissen Städte und Dörfer ein. Verschonten niemanden. Die Felder warfen kaum Ernten ab. Viele erlitten den Hungertod oder wurden von den Barbarischen zerfleischt.
Alles schien für immer Verloren.
In einem letzten Akt der Verzweiflung zogen wir all unsere verbliebene Macht zusammen, flüchteten in die Hügellande und errichteten dort die elf großen Festungen um die bereits beinahe zerstörte Stadt Silberfels. Wir schafften es, unter widrigsten Umständen zu überleben, und die Grenzen zu errichten, die bis heute bestehen, denn wir sind ein starkes Volk. Wir widerstehen zäh allen Gefahren und Hürden, die sich uns jemals in den Weg stellen. Und wer weiß? Vielleicht sind wir es irgendwann einmal wert errettet zu werden? Erlöst von den Widersachern von jenseits der Grenze? Ich sage euch! Eines Tages werden die Götter der alten Zeit wiederkehren und uns helfen unser altes Volk wieder zu seinem glorreichen Glanz aufzubauen!« Bedächtig endete der alte Barde, dessen weißer Bart beinahe bis zum Boden reichte. Er setzte eine zufriedene Miene auf, die nur von dem flackernden Lagerfeuer und den wenigen Laternen an den Mauern beleuchtet wurde. Die Sonne war mittlerweile unter gegangen und Dunkelheit hatte sich über alles gelegt. Die beiden vollen Monde ließen blassen silbernen Schein auf das Umland nieder. Bloß die Burg und die Stadt schienen davon unbeeindruckt. Sie hatten ihre ganz eigenen Farben von Licht. Die meisten Häuser, Gassen und Höfe waren von den warmen rot-orange Tönen der Fackeln, Lagerfeuer und Kerzen erleuchtet und hier und da blitzte sogar eine rote Laterne der Stadtwächter zwischen den Häusern auf. Der Barde griff neben sich und setzte seinen spitzen hohen Hut wieder auf. Dann stieg von seiner Kiste am Lagerfeuer auf und schlurfte gestützt von seinem Stab in den Schatten zwischen den Häusern und war verschwunden. Ihm schauten viele beeindruckte Augen nach, die von den Soldaten, die von den Schmieden, den Stallburschen, den Hofsdamen und auch meine. Eine kleine Menschenmasse hatte sich unten am Burghof um das Lagerfeuer geschart und ich beobachtete das Ganze von meinem Balkon aus. Die Feuertänzer, die die Geschichte mit wirbelnden Fackeln untermalt hatten tanzten noch ein wenig weiter und ein kleiner, schmächtiger Junge, der höchstens zehn sein konnte ging mit einem Beutel umher, der sich rasch mit Münzen füllte. Auch ich warf einige Goldmünzen hinunter. Es kam nur selten vor, dass fahrende Geschichtenerzähler die Geschichte unserer Welt erzählten. Das letzte mal war ich vier gewesen, als ich sie gehört hatte.
Es klopfte. Ich drehte mich zur Tür um und sah, dass die ganzen Kerzen, die ich im Raum aufgestellt hatte, bereits halb herunter gebrannt waren. Es klopfte wieder und die eindringliche Stimme des Dieners rief mich zum Essen hinab in den Speisesaal. Ich drehte mich wieder um und schaute sehnsüchtig in die Ferne. Ich hatte keinen Hunger, sagte ich. Ich konnte von dieser Landschaft einfach nie genug bekommen. Die Monde, Tagsüber die Sonne, die ihr Licht über der geschwungenen Landschaft nieder gehen ließen und alle Farben in ihrem Licht glühen ließen. Der Wind, der die Blätter der Wälder zum rascheln brachte und den Geruch nach Natur, nach Wildheit, nach Freiheit heran trug. Der Diener ließ nicht locker. Ich hatte immer noch keinen Hunger. Warum drängte er dann noch weiter? Mein Vater wolle mich dringend sprechen, so sagte er. Ich sagte lange Zeit nichts und riss mich dann seufzend von dem schönen Anblick vor dem Balkon los und drehte mich ins Zimmer, dessen steinerne Wände zwar mit bunten Teppichen und Bildern bedeckt waren, aber dennoch eine Kälte auszustrahlen schienen, die draußen die Natur nicht einmal im tiefsten Winter hergab. Durch lautes Rumpeln im Kleiderschrank gab ich dem Diener zu verstehen, dass ich auf dem Weg war, zog meine Abendgaderobe an und ging Richtung Speisesaal.
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Die Herrschaft des Feuers

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Re: Die Herrschaft des Feuers

Beitragvon Upsnixan » 10 Sep 2013, 03:16

Guter Stil und sehr Detailreich,toll.Auch die Story gefällt mir.Ich lese gern Fantasyromane.Bin auf alles was noch kommt aus deiner Feder,sorry falscher Ausdruck,was aus deinem Computer kommt sehr gespannt und interessiert.Weiter so.

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Re: Die Herrschaft des Feuers

Beitragvon Iroc » 10 Sep 2013, 21:23

Danke Upsnixan :flag:
Ich werd mich bemühen jeden Tag einen Part zu posten :wink:
Außerdem werd ich mal versuchen etwas weniger geschwungen zu schreiben :D

Kapitel Eins
Lionatras

Die hässlichen Fratzen der Orks starrten mich unerbittlich vom Kaminsims aus an. Der Feuerschein erleuchtete flackernd den großen Raum und füllte ihn mit dem Duft von Kiefernharz. Es war später Abend. Ich saß mit meiner Familie zusammen an der langen Tafel um Familienrat zu halten. Es ging ausnahmsweise einmal um mich – Nur dass ich von dem Thema überhaupt nichts wissen wollte. Es ging um meine Hochzeit.
Ich bin der jüngste Sohn und das zweitjüngste Kind des Großen Königs Freldon und werde in wenigen Monden das heiratsfähige Alter von 16 Jahren erreichen. Und jetzt wollen mich meine Eltern auch noch an eine stumpfsinnige, fette Prinzessin aus den westlichen Prärien vermitteln. Bloß das, was sie wollen, ist nun mal überhaupt nicht das was ich will. Wie üblich stehen meine großen Brüder Rukim und Silmor auf der Seite meiner Eltern und lediglich der jüngste meiner älteren Bruder Kaldes hält zu mir und verteidigt mich.
Meine kleine Schwester Ellionie hingegen sitzt wie immer hibbelig rechts von mir am Tisch und versucht mit aller Macht die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ich wünschte heute würde es ein mal, wie doch sonst immer, funktionieren und meine Eltern würden das Thema einfach vergessen. Aber scheinbar war mir das Schicksal heute nicht gewogen, denn es ging weiter um mich.
Ich habe das Gefühl, dass ich das einzige ungeplante Kind bin und sie mich einfach nur loswerden wollen. Der Antrag aus den Westlanden scheint ihnen da gerade recht zu kommen. Alle anderen werden verhätschelt, besonders Ellionie, der meine Mutter versucht jeden Wunsch auch nur von den Lippen abzulesen. Ich merke bei mir keinen Deut dieser Hingabe.
»Seht ihn euch doch an! Er ist doch fast noch ein Kind! Und ihr wollt ihn verheiraten? Habt ihr Frella von Sturmtal denn überhaupt schon einmal gesehen? Von so jemandem wollt ihr keine Enkelkinder!« warf Kaldes in diesem Moment ein. »Außerdem gehört es sich nicht seine Söhne zu verheiraten.«
Im Normalfall würde ich es ihm Übel nehmen, dass er mich als ein Kind bezeichnet, aber heute machte ich mal eine Ausnahme und war einfach nur froh, dass er auf meiner Seite stand.
Meine Mutter bedachte ihn mit einem eisigen Blick und fixierte mich dann.
Aus dem rechten Augenwinkel sah ich wie trotzig eine Schüssel mit Spinat an die Wand gepfeffert wurde. Niemand beachtete es.
»Oh, ich denke sehr wohl, dass er schon so weit ist. Schließlich schaut er den jungen Damen unten auf dem Hof auch schon immer nach.«
Das Aussehen von meiner „Zukünftigen Frau“ überging sie einfach. Oha. Dann war es wohl wirklich so schlimm, wie man es sich immer erzählte. Und das sie mich verheiraten wollten, war nun wirklich unfair. Alle anderen durften sich frei entscheiden. Alles in mir sträubte sich einfach dagegen.
»Mutter! Das ist nicht wahr! Und selbst wenn es so wäre, was unterscheidet mich in dem Punkt von allen anderen Jungs am Hof die auch nicht verheiratet werden müssen?«
»Du bist ein Sohn des Königs! Wenn wir dich nicht vermittelt bekommen, was würde das dann für ein Licht auf…«
In dem Moment räusperte sich mein Vater, der bis jetzt zusammengesunken in seinem Stuhl gesessen hatte, nun aber aufrecht am Tisch saß und mich aus seinen traurigen und scheinbar allwissenden Augen ansah. Man munkelt, er habe schon viel Schreckliches erlebt, aber dennoch, oder vielleicht gerade deshalb ist er ein gutmütiger und beliebter Herrscher. Meine Mutter unterbrach ihr Gezänke sofort und überließ ihm das Wort.
Mein Vater war immer gut zu mir gewesen. So erhoffte ich mir auch in diesem Moment seine Hilfe.
»Weißt du, schwierige Zeiten erfordern häufig schwierige Dinge. Und wir haben gerade sehr schwere Zeiten vor uns. Die Monster scheinen sich für den Krieg zusammen zu rotten und zu rüsten. Wenn sie erst einmal angreifen, dann brauchen wir jede Unterstützung die wir bekommen können. Und Hochzeiten schmieden nun mal sehr enge Bande zwischen den Königreichen. Du darfst es nicht persönlich sehen. Du bist eben mein einziger Sohn in Frellas Alter und so bin ich gewillt dein geistiges Wohl schweren Herzens gegen das Wohl der gesamten Königreiche aufzugeben. Und ein starkes Bündnis mit den Sturmtalern bietet sich besonders an, da sie die größte kriegerische Streitmacht haben.«
Was er da sagte war zugleich schockierend als auch einleuchtend, aber so leicht ließ ich mich nicht abwimmeln.
»Aber du könntest doch genau so gut Silmor oder Kaldes verheiraten. Viellecht sogar Rukim, obwohl er schon Frau und Kinder hat. Oder du wartest noch bis Ellionie alt genug ist. Wenn du mich ohne ...«
»Du weißt, dass das nicht geht. Ich brauche sie allesamt hier bei mir. Und ich habe nicht die Zeit zu warten, bis Elli alt genug ist.« Erwiderte er.
»Ach, und ich werde hier etwa nicht gebraucht?« Langsam wurde es mir zu blöd.
»Nicht so wie ich deine Brüder brauche. Ich genieße das Zusammenleben mit dir hier. Wirklich. Aber du erfüllst nun mal noch nicht die gleichen Pflichten und Tätigkeiten wie deine Brüder. Also tu deinem Vater und damit dem gesamten Königreich einen Gefallen und lasse dich verheiraten, es ist zum Wohle aller hier. Und lass dir versichert sein: Es ist der größte Gefallen, um den ich dich jemals bitten werde.«
Ab diesem Moment war mein Vater bei mir unten durch.
»Ja, genau! So erfüllst du so wenigstens irgendeinen Zweck, anstatt dich nur durchfüttern und verwöhnen zu lassen!«
Diese Neckerei von Silmor gab mir endgültig den Rest und ich stand so schnell auf, dass mein Stuhl umkippte. Trotzig reckte ich mein Kinn und starrte Silmor wütend an.
»Nein.«
Jetzt stand auch mein Vater auf. Einige Zornesfalten durchzogen sein Gesicht und er stützte die geballten Fäuste auf die Tischplatte.
»Oh doch. Ob du willst oder nicht. In zwei Monden kommt Frella mit ihrer Mutter um dich kennen zu lernen. Es ist schon alles in die Wege geleitet.«
»Komm schon Lio, denk doch mal an all die anderen die sterben werden wenn du nicht…« begann Rukim.
Doch den Rest des Satzes bekam ich nicht mehr mit, weil ich mich ruckartig umdrehte und zur Tür flüchtete. Aus dem Augenwinkel sah ich noch wie Kaldes sich erhob und mir folgte. Ellionie lachte und klatschte fröhlich. Sie bekam von alldem noch nichts mit, aber freute sich gleich wieder das Hauptthema zu sein.
Ich öffnete die schwere Eichentür, ging hindurch und schlug sie so heftig hinter mir zu, dass kleine Steinchen von der Decke regneten. Da stand ich nun verloren inmitten des hohen Gangs und wusste nicht wohin mit mir. Alle Fackeln im Gang flackerten, als ein eisiger Wind hindurch pfiff. Innen wurden noch ein paar heftige Worte gewechselt, doch kurz darauf wurde die Tür wieder geöffnet und eine vertraute riesige Gestalt schob sich hindurch. Kaum einen Moment später befand ich mich in den starken Armen von meinem großen Bruder Kaldes, versenkte mein Gesicht in dem weichen Pelzmantel und ließ all die Tränen und den Frust laufen, den ich vor den anderen nicht zeigen wollte.

Ich wusste nicht wie viel Zeit vergangen war aber irgendwann bugsierte mich Kaldes Richtung meines Zimmers. Ich fühlte mich innerlich leer und verbraucht. Irgendwann kamen wir an und er trug mich auf mein Bett, deckte mich zu und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Wie gut, dass ich wenigstens ihn hatte.
Kaum dass er sich durch die für ihn fast zu schmale und hohe Tür geschoben hatte war ich schon in einen tiefen, traumlosen Schlaf gefallen.
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Re: Die Herrschaft des Feuers

Beitragvon Upsnixan » 11 Sep 2013, 02:30

Träume süß von deiner dick,hässlich Zukünftigen.Lol.

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Re: Die Herrschaft des Feuers

Beitragvon Iroc » 11 Sep 2013, 16:05

Ob er da bei der Vorstellung so gut geschlafen hat ist die Frage :D
Wegen dem Sch**ß Wetter heute gibts mal nen längeren Teil...vielleicht auch noch nen zweiten heute Abend.

Kapitel zwei
Part Eins
Paskoan

Der Morgen begann wie jeder andere. Das aufgeregte Flattern der Feen riss mich aus meinen Träumen und als ich meine Augen aufschlug offenbarte sich mir ein wunderschöner Sonnenaufgang. Zwischen den Bäumen hindurch schob sich die Sonne langsam aber zielstrebig gen Himmel und erfüllte die schwindenden Nebelschwaden mit einem magischen Schein und dem Geruch nach Morgentau. Zwei Feen, ich erkannte sie als Kiko und Iki, schwirrten um meinen Kopf herum und zwitscherten fröhlich. Ich schälte mich aus den vielen Lagen Blättern, die ich in der Nacht über mich gehäuft hatte, denn es war Herbst und es wurde nachts schon empfindlich kalt. Daraufhin tastete ich wie jeden Morgen nach dem Ring auf meiner Brust und stellte erleichtert fest, dass er noch da war. Ich setzte mich auf und stützte die Hände auf die erdigen und kühlen Wände. »Müsst ihr mich wirklich immer so früh wecken?« fragte ich schlaftrunken. Kichernd zeigten die kleinen geflügelten Geschöpfe durch das Loch in der Höhle auf die aufgehende Sonne. »Na dann werden wir das mal bewundern. Kommt mit, dann mach ich euch was zu essen.« Ich kroch aus der Höhle und schürte die verbliebenen glühenden Kohlen mit einem Ast und warf ein paar weitere trockene Zweige drauf, sodass die Flammen wieder aufloderten und mich zusammen mit den ersten Sonnenstrahlen und ihrem hellen Schein wärmten.
Während sich die Feen auf den Wurzeln über dem Höhleneingang niederließen und es sich dort gemütlich machten warf ich einige Kastanien ins Feuer, die ich am Vortag gesammelt hatte. Ich setzte mich im Schneidersitz vor das Feuer und genoss diesen einen Anblick der Schönheit. Ich befand mich in einer kleinen, baumfreien Mulde mitten im Wald. In meinem Rücken lag die mir so altbekannte ehemalige Wolfshöhle, die an einer Böschung Lag. Direkt oberhalb des Höhleneingangs beanspruchte der Wald wieder seinen Platz für sich und warf dunkle Schatten auf die vielen Dornenranken und die letzten verbliebenen Nebelschwaden, die sich langsam zwischen den Bäumen verkrochen. Vor mir lag der kleine See mit den vielen Seerosen, auf dem mittlerweile viel Laub und andere vertrocknete Gewächse schwammen. Hinter dem See gab es noch einige Baumzeilen, die ihre knorrigen, und nunmehr fast blattlosen Äste Richtung Himmel bogen und dahinter den Blick auf die aufgehende Sonne preisgaben. Rechts und links von mir erstreckte sich eine kleine Wiese, die sonst so farbenprächtig mit Blumen gesprenkelt war, die nun aber unter Schichten von Laub begraben waren. Mit einem leichten »plopp« platzten die Kastanien und gaben ihr weiches inneres mitsamt ihrem leicht süßlichen Geruch preis. Ich fischte sie vorsichtig mit einem Ast aus den Flammen und ließ sie auf einem flachen Stein abkühlen. Als ich sie annähernd anfassen konnte nahm ich mir die erste, brach sie ein Stück weiter auf, hielt mir die dampfende Leckerei unter die Nase und sog ihren Geruch ein. Das war so ziemlich das einzige, das ich am Herbst mochte: Es gab endlich mal genug zu essen. Man konnte sich sogar aussuchen was man essen wollte. In schlechten Zeiten vergingen manchmal Tage, ohne dass ich einen Bissen zu essen gefunden hatte. Umso mehr genoss ich jetzt diesen Moment. Ich pfiff die Feen herbei und gab ihnen jeweils eine Kastanie. Sie ließen sich daraufhin auf meinen Schultern nieder und zupften zufrieden an meinen Haaren herum, während sie aßen. Ich verdrückte den Rest und machte mich schon mal mental bereit für das, was gleich kommen würde. Als wir alle aufgegessen hatten warf ich die restlichen Schalen ins Feuer, zog meine Stiefel und mein Wams aus und streckte meine steifen Muskeln. Die Feen machten sich indes auf den Weg zurück zu ihren Artgenossen. Sie wussten, was nun folgen würde. »Verteilt den Goldstaub für mich!« rief ich ihnen hinterher. Das bedeutete ungefähr so viel, wie schöne Grüße zu bestellen. Sie drehten sich um, flogen zu mir zurück, zerwuschelten mir die Haare und machten sich kichernd davon. Ich schüttelte lächelnd den Kopf und machte mich auf den Weg zum nahegelegenen Bach.
Angekommen hockte ich mich an das flache, schlammige Ufer und tauchte die Hände tief in das eiskalte Wasser. Es perlte sanft von meinen Armen, als ich sie schnell herauszog und mir das Wasser ins Gesicht klatschte. Es gibt nichts, was morgens mehr wach macht als taufrisches Wasser, das gerade mal ein paar tausend Schritte nördlich von hier aus dem Boden sprudelt. Das Wasser rann an mir herab und bereitete mir eine Gänsehaut. Ich stand wieder auf, schaute mich suchend um und klaubte letztendlich ein besonders schön geformtes, buntes Blatt vom Boden auf. Ich hüpfte noch ein wenig auf der Stelle, bis mir wieder warm wurde und legte das Blatt auf das Wasser. Langsam in den Wirbeln wippend setzte es sich in Bewegung und wurde Stromabwärts immer schneller. Ich setzte ihm nach, lief erst ein paar hundert Schritte entlang des Bachs, nahm dann Anlauf, sprang hoch über den Bach und bekam einen dicken Ast zu fassen, an dem ich mich in einer einzigen fließenden Bewegung hochzog. Der Ast gehörte zu einem großen Baum, der vor Jahren einmal quer über den Bach umgestürzt war, und nun mit den Wurzeln auf der einen und der vertrockneten Krone auf der anderen Seite lag und eine ideale Brücke bot. Ich zog mich bis zum dicken Hauptstamm hoch, dann rannte ich noch einige Schritte über die raue Rinde des Stamms, überquerte damit den Bach, nahm erneut Schwung und stieß mich von einer hervorstehenden Wurzel ab und flog auf den vier Meter unter mir liegenden Boden unter mir zu. Ich rollte mich ab, wirbelte einige Blätter und Zweige auf und kam leichtfüßig wieder auf die Füße. Ein schneller Blick zum Bach zeigte, dass das Blatt bereits einige dutzend Schritte Vorsprung hatte und sich mit hoher Geschwindigkeit in den klaren Wellen bewegte. Ich rannte weiter, zwischen Dornenbüschen, Unterholz und Bäumen hindurch, immer parallel des Baches. Im laufe der Zeit hatte sich ein Pfad gebildet, der mit jedem Lauf tiefer wurde. Auf dem lief ich jetzt mit voller Geschwindigkeit entlang. Die Natur um mich herum schien zu verschwimmen und die Bäume rasten nur so vorbei. Ein lächeln stahl sich auf meine Lippen und ich lebte die Euphorie der Geschwindigkeit ganz aus. Auf einmal flog eine Fee geradewegs in meine Bahn und schien mich nicht zu bemerken. Ich konnte gerade noch ausweichen, indem ich auf einen großen Stein am Pfadrand sprang, mich abstieß und haarscharf über die Fee hinüber segelte. Als ich wieder auf dem Boden aufkam drehte ich mich im rennen noch einmal herum und rief ihr eine Entschuldigung hinterher. Schnatternd machte sie sich davon. Nach einigen weiteren Minuten des Rennens lichtete sich der Wald langsam und gab den Blick auf eine felsige Schlucht frei, in die der Bach mit lautem Getöse hinabstürzte. Ich war mittlerweile auf einer Höhe mit dem Blatt. Die Abbruchkante kam immer näher. Aber ich bremste nicht ab. Das hatte mich Jahre der Überwindung gekostet. Im vollen Lauf, sprang ich über die Kante, machte einen Vorwärts-Salto und genoss die Sekunden des freien Falls. Kurz darauf landete ich sicher in dem Wasserbecken, dass der Bach im laufe der Jahrhunderte gegraben hatte. Mit ein paar kräftigen Zügen tauchte ich auf und schwamm zurück ans Ufer. Das Wasser war Eiskalt, genau wie der Bach und die Luft um mich herum, aber das störte mich jetzt kaum. Ich hüpfte von Stein zu Stein an der hohen Böschung, die von großen, rund geschliffenen Findlingen nur so strotzte. Nach einiger Zeit hatte ich einen weiteren Pfad erreicht, der in der sonnen beschienenen Schlucht weiterhin parallel zum Bach und gut drei Dutzend Schritte unter den Wurzeln der Bäume entlang führte und sich den vielen Windungen der Schlucht anpasste. Das Blatt war in den Strudeln des Wasserfalls zerfetzt worden. Aber jetzt brauchte ich keine Motivation mehr. Die pure Freude an der vorbeiziehenden Natur hielt mich am laufen und zog mich immer schneller immer weiter. Als nach einigen Tausend weiteren Schritten die Schlucht abflachte und sich die Felsen immer weiter zurück zogen und Erde und Wurzeln platz ließen, führte der Pfad zum Rand der Schlucht und endete vor einer nahezu senkrechten und ungefähr zwei Dutzend Schritte hohen Steilwand. Die Wurzeln in der Wand boten ideale Haltmöglichkeiten. Ich zog mich an ihnen hoch und stieß mich ab, sprang hoch, packte wieder einen anderen Wurzelstrang, zog mich wieder hoch und so floss die Wand nur so unter mir vorbei. Fast ganz oben reichte der Fels dann aber doch noch ein ganzes Stück in die Schlucht hinein und bildete einen mehrere Schritt breiten Überhang, von dem einige Wurzelstränge über den Rand quollen. Ich zog mich die letzten Wurzeln unterhalb des Überhangs hoch, stieß mich in Richtung der herabhängenden Wurzeln ab – und griff ins Leere.

Und hiermit ende ich für jetzt mit einem wortwörtlichen Cliffhanger :D




































Oder auch nicht :wink:

Einem Reflex nach griff ich nach oben und bekam mit einer Hand eine herabhängende Wurzel zu fassen und riss mich damit aus dem freien Fall. Eine Schrecksekunde lang baumelte ich da nun an einer Hand in der Luft, dann atmete ich einmal aus und schwang die andere Hand nach oben. Ich hangelte mich an den Wurzeln entlang bis ich schließlich den Rand erreichte und mich über die Kante wuchtete. Kaum stand ich wieder auf sicherem Boden, war der Schreck bald verflogen und ich nahm meine Umwelt wieder genauer wahr. Aus dem Augenwinkel heraus bemerkte ich ein paar reife, rote Beeren an einem Busch. Ich merkte mir die Stelle, um später wieder zu kommen und sie einzusammeln. Ich begann wieder zu laufen und lief zwischen den Bäumen weiter den altbekannten Weg zurück. Nach einiger Zeit erreichte ich eine kleine Lichtung. Die Sonne stand mittlerweile ein ganzes Stück höher und beleuchtete die Lichtung mit ihrem herbstlichen Schein. Ich blieb stehen. Mein Atem ging schnell und mit jedem Atemzug hauchte ich kleine weiße Wolken aus. Mein Körper begann an der kühlen Luft zu dampfen und ließ mich alles wie durch einen leichten Nebelschleier sehen. Jetzt kam der schwierige Teil. Nach einigen Sekunden hatte sich der Nebel weiter verdichtet und bildete eine nach und nach immer dichter werdende weiße Wand und brachte schwüle Wärme mit sich. Zischend verdampfte der restliche Morgentau auf dem Gras und den Blättern der umliegenden Bäume. Die Luft wurde immer feuchter und die Sonne brach nur noch stellenweise mit hellen Lanzen des Lichts durch die wabernden Nebelwände. Die Sonne. Ich konzentrierte mich auf das Licht und die Wärme und ließ mich von ihr durchströmen. Die Strahlen wurden blendend hell und immer breiter, bis sie den Nebel zerrissen und ihn im nu vernichteten. Ich stand im Sonnenschein, schaute hoch und ließ mir mein Gesicht wärmen. Dann blickte ich zurück auf den Boden und bündelte meine Gedanken auf einen einzigen Punkt auf dem Boden - einen kleinen Grasbüschel. Das Licht rund um diesen Punkt wurde immer heller und heller. Irgendwann musste ich wegschauen, weil meine Augen nicht länger dieser Intensität stand halten konnten, aber ich konzentrierte mich weiter. Nach einigen Sekunden hörte ich, wie der Grasbüschel mit einem leisen rascheln und knacken in Flammen aufging. Doch bevor sich das Feuer weiter ausbreiten konnte, rollte plötzlich ein mittelgroßer Felsen vom Rand der Lichtung heran, legte sich über das Feuer und löschte es damit. Überall in der Luft lag der intensive Geruch nach frischer Kresse. Ich hob die Arme und ein fernes Blätter rascheln kündigte das herannahen einer kräftigen Brise an. Sie trug die bunten Blätter der welkenden Bäume mit sich und wehte die herumstäubende Asche des erloschenen Feuers davon. Sie umstrich mich erst kalt, dann aber warm, als ich an die Sonne dachte, zerzauste meine mittlerweile wieder trockenen Haare und ließ sie im Wind wehen. Ich genoss es.
Das sind meine besonderen Fähigkeiten. Zum einen haben sie mir geholfen jahrelang im Wald zu überleben. Zum anderen sind sie aber auch der Grund warum ich überhaupt erst hier bin. Immerhin kann ich sie mittlerweile zum Teil kontrollieren. Mit viel Training und unterschiedlichsten Übungen, die die Feen mir gezeigt haben, habe ich es geschafft das ganze einigermaßen in den Griff zu bekommen. Nur mächtige Gefühle wie Wut oder Angst können noch bewirken, dass sich die Umgebung ohne mein zutun um mich herum nach meinen Gefühlen verändert. Aber es kostet Kraft. Viel Kraft. So war ich auch jetzt erschöpft und ausgelaugt und machte mich langsam auf den Weg zurück zur Höhle.
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Re: Die Herrschaft des Feuers

Beitragvon Iroc » 11 Sep 2013, 23:19

Hier wie versprochen der zweite Teil für Heute :wink:

KAPITEL ZWEI
Part zwei
Paskoan

Auf halber Strecke kam ich an einer weiteren Höhle vorbei. Sie lag auch auf einer kleinen Lichtung in die die Sonne sich mit hellen Fingern des Lichts ihren Weg durch das Geäst und durch die staubige Luft bahnte und wirbelnde Muster auf das Lauf auf dem Boden zeichnete. Alles erschien in einem Orangegoldenem Schein – bis auf den dunklen Höhleneingang in dem sich noch dunklere Schatten bewegten und mich aus rötlich reflektierenden Augen anblickten. Ich blieb stehen. Die dunklen Schatten bewegten sich und kamen immer näher. Plötzlich nahmen sie Anlauf, wurden immer schneller und kamen direkt auf mich zu. Ich sah aus dem Höhleneingang nur noch ein paar schwarze Schemen jagen und direkt auf mich zuspringen. Im nächsten Moment wurde ich umgerissen und kam hart auf dem Boden auf.
Als nächstes bemerkte ich wie eine nasse raue Zunge über mein Gesicht schleckte. Ich öffnete die zuvor zugekniffenen Augen wieder, griff mit einem lächeln nach oben in das samtweiche Fell und kraulte meinen Bruder im Nacken. Der antwortete mit einem zufriedenen brummen. Ich schob ihn von mir herunter und setzte mich auf. Um mich herum buhlten schließlich noch vier andere Wolfsbrüder um meine Aufmerksamkeit. Sie tollten und kläfften fröhlich. Nach und nach kamen sie alle schwanzwedelnd näher und ließen sich kraulen. Ich kannte sie bereits seit meiner frühen Kindheit im Wald und bin zusammen mit ihnen aufgewachsen. Das einzige was mich von ihnen unterschied war der Körperbau. Und der strenge Geruch nach wildem Tier, den sie überall verbreiteten. Aber ich mochte ihn, schließlich war er mir vertraut und gab mir das Gefühl von Geborgenheit. Ich stand auf und wir tollten und kebbelten so lange miteinander herum, bis wir alle erschöpft waren und uns eng aneinander auf den Boden legten und in der Gegend herum schauten. Als ich nach einiger Zeit wieder zu Atem gekommen war kroch ich in die erdige Höhle hinein und begrüßte die mittlerweile betagte Wolfsmutter. Sie hatte mich anfangs behütet und lange Zeit mit Wärme und Essen versorgt. Als ich näher kam, bemerkte sie mich mit einem leichten Schwanzwedeln und ließ sich zufrieden brummend kraulen. Als ich wieder heraus kroch sah ich dass meine Brüder ein junges Reh erlegt hatten. Sie schliffen es gemeinsam Richtung Höhle und als sie angekommen waren fingen sie an es zu zerlegen. Angeekelt stellte ich fest, wie der Geruch von frischem Blut sich unter die sonst so herbstliche Waldluft mischte und ihn nachher sogar vollkommen überdeckte. Nach einigen Minuten war das Reh nur noch ein blutiger Klumpen, aus dem nur noch hier und da ein Stück weiches Fell heraus lugte. Einer der Brüder, er hatte Schwarzes Fell um das linke Auge, riss mir ein Bein ab und legte es mir gutmütig vor die Füße. Mir wurde übel. Sie hatten immer noch nicht verstanden, dass ich kein Fleisch aß. Ich setzte ein falsches Lächeln auf, dankte ihm und blickte Hilflos auf das blutige, rohe Stück Fleisch. Da fiel mir ein Stück Sehne ins Auge, das zwischen den Knochen hervor lugte und mir kam eine Idee. Bei den Jägern im Wald und auch im Dorf hatte ich häufiger Menschen beobachtet, die ein Stück gebogenen, beweglichen Ast mit Tiersehnen verbanden und dadurch eine Waffe herstellten, die sie mit langen, geraden, gefederten und mit Steinspitzen gespickten kleineren Ästen benutzten und so viele Tiere erlegten. Ich meine sie nannten es Pfeil und Bogen. Ich wollte zwar keine Tiere töten, aber der Winter nahte, und vielleicht würde es mir doch irgendwann zugute kommen. Also überwand ich meinen Ekel und arbeitete mit meinem kleinen Messer, das ich immer an der Hüfte trug und irgendwann mal hatte aus dem Dorf mitgehen lassen, langsam das Bein auseinander und zog irgendwann die Sehne hinaus und prüfte sie. Sie war lang genug, sehr reißfest und auch nicht beschädigt. Das dickflüssige, dunkelrote Blut an meinen Händen war dann aber doch nicht mein Fall, also steckte ich die Sehne gut weg und machte mich auf den Weg zum nahegelegenen Bach. Meine Brüder hatten mittlerweile den Rest des Rehs entweder gegessen oder für später verstaut. Also folgten sie mir frohmutig und schnappten im Spaß nach meinen Händen. Einmal haben sie sie erwischt und leckten das Blut herunter. Damit hatte sich der Gang zum Bach erledigt und ich lief direkt nach Hause. Scheinbar war der Geruch nach dem Blut aber doch noch da und lockte unangenehme Zeitgenossen an. Ein schweres Rascheln und Knacken im Gebüsch kündigte seine Ankunft an. Unter die Gerüche der Wölfe mischte sich ein anderer, noch intensiverer, noch wilderer Geruch. Die Lichtflecken, die durch das Blätterdach drangen fielen auf einen dunklen, riesigen, massigen Körper, der sich langsam aber zielstrebig durch das Unterholz bewegte. Nichts konnte es aufhalten. Ich schaute kurz zu meinen Brüdern. Ihnen stand allen die Hochachtung vor diesem Wesen ins flauschige Gesicht geschrieben und die belebten Augen schienen nur eins zu sagen: »Lauf, oder stirb!«. Das taten wir dann auch. Aber wir hatten unterschätzt, wie schnell ein Wesen werden konnte, das mein Gewicht um ein hundertfaches übersteigt und das jeden Bissen den es bekommen kann für den kommenden Winter braucht. Hinter uns erklang ein Animalisches Knurren, dass uns allen die Nackenhaare aufstellte, gefolgt von einem zunehmen des Raschelns hinter uns zu einem lautstarken Getöse. Ich riskierte einen Blick nach hinten und sah dieses riesige Etwas durch den Wald preschen. Es rammte kleine und mittlere Bäume einfach um, pflügte durch das hohe, mit Dornen gespickte Unterholz und nichts von alledem konnte ihm etwas anhaben. Jeder schritt verursachte ein Erzittern der Erde und die vorbeiziehenden Lichtstrahlen, die durch das Blätterdach hindurchschienen ließen hin und wieder die vor Wut und Hunger klein zusammen gekniffenen, hasserfüllten, braungelben Augen aufblitzen. Das reichte mir. Ich drehte mich um und schloss wieder zu meinen Wolfsbrüdern auf, aber bereits nach wenigen Augenblicken gab der Wald den Blick auf die Schlucht frei. Binnen Bruchteilen einer Sekunde musste ich eine Entscheidung treffen. Aus dem vollen Lauf hätte ich springen können und wäre sicherlich sicher irgendwo gelandet, aber das konnte ich meinen Brüdern nicht antun, schließlich konnten sie nicht so einfach in eine Schlucht springen. So kam mir eine Idee. Ich bremste wie der Rest des Rudels ab und kam am Rand zum stehen. Ich machte ihnen klar, dass sie mich im entscheidenden Moment nachahmen sollten. Sie verstanden und wir drehten uns allesamt tapfer dem entgegenstürmenden Ungetüm entgegen. Es witterte leichte Beute und zog die vor Gier triefenden Lefzen hoch und offenbarte ein riesiges, mit dutzender spitzer Zähne bewaffnetes Gebiss, in dem noch einige alte Fleischfetzen hingen. Es kam immer näher und dann war der Zeitpunkt gekommen. Ich war mir nicht sicher, ob es funktionieren würde, aber es war der einzige Weg, um aus der Affäre halbwegs ungeschoren heraus zu kommen. Wir versperrten ihm die Sicht auf die Schlucht hinter uns und es preschte im vollen Lauf direkt auf uns zu und nahm dabei noch den ein oder anderen Baum mit. Das gehörte zu seinen Jagtstrategien. Bei Höchsttempo das Opfer mit seinen krallenbewehrten Tatzen ergreifen und zu Boden schlagen. Das Opfer war meistens sofort tot. Als es so nah war, dass ich sogar die riesig geweiteten Pupillen des Wesens sehen konnte warf ich mich zur Seite, weg von der Schlucht. Die Wölfe taten es mir nach. Danach schien sich alles in Zeitlupe abzuspielen. Sechseinhalb Tonnen pure Muskeln, Stärke, Hunger und Wut preschten an uns vorbei. Sechseinhalb Tonnen geballtes Wesen wollten erstmal gebremst werden. Das begriff auch das Wesen. Diese Tiere waren zwar nicht besonders helle, hatten aber dennoch gute Reaktionen. Ich flog auf den Boden zu und landete im weichen Laub, just als das Wesen doch abbremste und verzweifelt versuchte doch noch die Richtung zu wechseln. Aber es schlitterte nur auf dem nassen Laub. Mittlerweile trennten es nur noch wenige Meter von seinem Unheil. Ich wollte mir schon ein selbstgefälliges Grinsen erlauben, denn ich sah dass es nicht mehr rechtzeitig anhalten könnte. Es begriff auch, dass es kein zurück mehr geben würde, aber sein Ende sollte auch das Ende eines anderen Lebens bedeuten. So drehte es sich zu uns um und holte zu einem gewaltigen Prankenschlag aus, zog durch und traf einen meiner Brüder seitlich in den Bauch und kippte daraufhin über die Kante. Mein Bruder wurde einige Meter mit enormer Geschwindigkeit durch die Luft geschleudert. Ein ekelhaftes Geräusch erklang, als er mit einem lauten Knirschen an dem Stamm einer großen Eiche aufprallte und eine tiefe Furche hinterließ. Er fiel zu Boden und rührte sich nicht mehr. Stille. Einige Sekunden lang regte sich nichts. Dann kam ein dumpfer Laut vom Boden der Schlucht. Gefolgt von dem Rollen einer kleinen Steinlawine. Wir lagen alle geschockt im Laub und die Sekunden verstrichen so langsam wie sonst nie zuvor in meinem Leben. Ein leises gequältes Winseln kam von meinem Bruder und ich raffte mich sofort auf, stolperte zu ihm hin und nahm ihn in den Arm. Die anderen Folgten und schenkten ihm Trost und Zuversicht. Das Winseln wurde immer schriller, ging irgendwann in ein leises Röcheln über und verstummte dann ganz. Meine Tränen rollten über das weiche Fell und die Brüder stießen verzweifeltes Klagegeheul aus. Ich vergrub meinen Kopf im Fell und die Welt schien ein weiteres mal über mir zusammen zu brechen. Aber dann. Ich wusste es erst nicht sicher, aber als ich mich noch näher mit meinem Ohr an ihn presste hörte ich es. Es war das leise, rasselnde Atmen, der leise, aber kräftige Herzschlag der mir den Mut gaben mir die Verletzung genauer anzusehen. Es war halb so schlimm wie es aussah. Er verlor zwar viel Blut, aber die Schnitte waren nicht so tief und breit wie sie hätten sein können. Scheinbar war der Bär bereits in der Schlucht nach unten gerissen worden, als er den Wolf getroffen hatte. Sonst hätte er ihn wahrscheinlich mit Leichtigkeit durchtrennt, aber mit Sicherheit getötet. Ich schob die Schicht Laub beiseite und Rupfte einige Hände des darunterliegenden Mooses aus und presste es auf die Wunde. Dann nahm ich meinen Bruder vorsichtig auf den Arm, hob ihn hoch und machte mich endgültig auf den Weg nach Hause. Ich ließ es mir aber nicht nehmen noch einen Blick in die Schlucht zu werfen. Unten lag in einem gewaltigen Krater und in einem sich langsam legenden Dunstschleier die halb verschüttete Gestalt des Wesens. Auch aus dieser Entfernung machte sie noch einen Furchteinflößenden Eindruck. Erst recht als sie sich langsam bewegte und sich benommen aus dem Schutt zog. Nichts wie weg hier. Hoffentlich hat das da unten nicht den besten Geruchssinn. So legten wir den Rest des Weges zügig zurück. Ich an der Spitze mit meinem verletzten Wolfsbruder und in meinem Rücken, immer wachend und folgend meine treuen Gefährten und Brüder. Meine Familie. Es machte mich stolz und glücklich eine Familie zu haben.
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Re: Die Herrschaft des Feuers

Beitragvon Iroc » 12 Sep 2013, 16:45

Und hier der letzte Teil vom zweiten Kapitel.
Über die ein oder andere Rückmeldung würd ich mich freuen :flag:

KAPITEL ZWEI
Part Drei
Paskoan

Irgendwann kamen wir an meiner Höhle am See an. Die Sonne stand mittlerweile hoch am Himmel und warf kurze Schatten auf das seichte Wasser des Sees. Ich wusch die Wunden aus, legte neues Moos auf sie, band es mit einigen Ranken fest und brachte meinen Bruder in die Höhle auf mein Lager, wo er möglichst frei von äußeren Einflüssen genesen konnte. Ich ließ den Rest des Rudels Wache halten, schnappte mir mein Wams, zog es wieder an und ging kurz zu den Feen. Sie waren immer noch die besten Heilkünstler des Waldes. Auch die Tatsache dass sie wie ich kein Fleisch aßen machte sie in solchen Fällen noch hilfreicher. Nicht dass dem Heiler der plötzliche Hunger übermannt.
Ich war lange Zeit bei den Feen. Sie haben mich Praktisch erzogen und großgezogen. Ganz am Anfang waren sie meine Beschützer, aber irgendwann war ich zu groß und die Wolfsmutter mit ihren fünf neu geborenen Jungen nahm sich meiner an. Nichtsdestotrotz haben die Feen keinen geringen Einfluss auf mich gehabt. Sie lehrten mich ihre Bräuche, Traditionen und Verhaltensweisen. So haben sie mich letztendlich auch zum Vegetarier erzogen.
Sie waren erst erschreckt und geschockt von dem vielen Blut und dem noch intensiveren Geruch danach, kamen aber sofort mit, nachdem ich die Situation erläutert hatte und sie einige heilende Blätter und Wurzeln aus ihrem Bau hervor geholt hatten. Wir zogen zurück zur Höhle, wo meine Brüder noch immer geduldig in den kleinen Sonnenflecken auf dem Boden auf meine Rückkehr warteten. In der Höhle selbst sah ich fasziniert zu wie die Feen alle zusammen mit flinken Bewegungen den Verband entfernten, einige Wurzeln zerkauten, diese in die Wunden strichen, diese dann fest mit Ranken verschlossen, heilenden Goldstaub und einige zerbröselte Blätter darauf streuten und die Verbände wieder neu anlegten. Mit ihrer Hilfe war die Überlebenschance meines Bruders wieder auf ein beträchtliches Level gestiegen. Jetzt hieß es nur noch abwarten.
Ich kroch zurück nach draußen zu dem Rest der Rasselbande, die sich immer noch im letzten Sonnenschein des Jahres ausruhte und neugierig zu mir herüber schaute, als ich aus dem Höhleneingang trat und auf die Feuerstelle zu ging. Ich sah sie an und setzte das hoffnungsvollste und optimistischste Gesicht auf, das meine Mimik hergab. Beruhigt legten sie wieder die müden Köpfe auf die Pfoten, während ich die letzten Schritte zur Feuerstelle zurücklegte, um den Feen ein Dankesmahl zuzubereiten. Ich wollte etwas wirklich tolles machen, so lief ich einige Zeit in der Umgebung herum, sammelte Honig aus Bäumen, suchte frische, reife Waldbeeren und kramte die verbogene Rußgeschwärzte Metallschüssel aus der Höhle und schaute dabei nach meinem Bruder. Er war mittlerweile wieder bei Bewusstsein und hob sachte den Kopf als er mich bemerkte. Ich wünschte ich könnte ihm die Schmerzen abnehmen, die ihm so offen in den Augen standen und es tat mir weh es nicht tun zu können. So gab ich ihm ein wenig von dem süßen Honig ab, den er dankbar annahm, leistete ihm noch ein wenig Gesellschaft, streichelte sanft sein weiches Fell und ging schließlich weiter bis ans hinterste Ende der Höhle und suchte meine wirklich wertvollen Dinge hervor. Ich wollte den Feen einfach nur meine Dankbarkeit ausdrücken. Koste es was es wolle, Hauptsache mein Bruder überlebt. Unter einem Haufen vertrockneter Blätter lag versteckt eine dicke Wurzel, ein Maiskolben, etwas Getreide und ganz zuunterst ein kleines Stück Zucker. Ich nahm alles mit nach draußen und stellte den Topf auf das Feuer, warf den Zucker und den Honig hinein und ließ alles schön Warm werden. Ich plante eine kleine, süße Suppe zu machen. Danach nahm ich den Maiskolben und warf Korn für Korn in den Topf. Aus dem Augenwinkel sah ich eine Rasche Bewegung. Es waren die Wölfe. Sie hatten Langeweile und waren von dem süßen Geruch ganz aufgeregt, also sprangen sie herum und schnappten nach den flatternden Feen. Diese jedoch waren so flink, dass sie sich niemals würden fangen lassen. Schnatternd flogen sie durch die Gegend und die Wölfe sprangen hinterher und kläfften vor vergnügen. Als es den Feen zu viel wurde streuten sie den Hunden Goldstaub in die Nasen. Erst passierte nichts. Dann blieben sie stehen und verzogen ganz merkwürdig ihr Gesicht. Schließlich begannen sie zu niesen und konnten scheinbar nicht mehr aufhören. Die Feen kicherten nun ihrerseits vergnügt und auch ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. Auf einmal hörte ich ein »plopp«, gefolgt von noch einem und noch einem. Ich sah dass der ganze Topf am hüpfen war. Das Essen! Ich hatte es ganz vergessen. Schnell rührte ich um, aber es war schon zu spät. Der Mais hatte sich aufgelöst. Stattdessen waren nun viele merkwürdig geformte weißliche Körner, die sich langsam mit Honig und Zucker voll sogen. Bekümmert senkte ich den Kopf. Ich würde nicht noch mal anfangen können, dazu fehlten mir die Zutaten. Eine Fee flatterte vorbei, schnappte sich frech ein Korn aus dem Topf und biss hinein. Ihr Gesicht hellte sich schlagartig auf und sie verschlang das restliche Korn mit einem Bissen. Es flogen immer mehr Feen heran und stürzten sich auf den Topf. Scheinbar schien es ihnen doch zu schmecken. Ich nahm den Topf vom Feuer und nahm mir auch einen von diesen weißen Krümeln. Sie schmeckten warm, süß und verdammt gut. Vermutlich sogar besser als die Suppe. Ich gab den Wölfen auch etwas ab und diese verspeisten es genüsslich. Selbst mein verwundeter Bruder mochte es. So lagen wir alle zufrieden im Gras am Höhleneingang, aßen diese süßen Körnchen und dazu die Waldbeeren und schauten durch das sich immer weiter lichtende Blätterdach in die Sonne.
Nach einiger Zeit stand ich auf und ging einige Schritte in den Wald hinein, riss mir einen biegsamen, und geraden Ast von einem Nussbaum ab und nahm ihn mit zurück zur Lichtung. Dort setzte ich mich in die Mitte meiner Wolfsbrüder und Feen, schnitzte mit dem Messer ein paar Zweige und Blätter weg, kerbte die Enden ein und spannte die Sehne dazwischen. Die Feen gaben noch den ein oder anderen hilfreichen Vorschlag und nach einiger Zeit hielt ich einen gespannten, geraden Bogen in den Händen. Es brauchte schon einige Kraft, um ihn zu spannen, aber das war für mich eher weniger das Problem.
Als die Sonne schon um einiges tiefer stand machte ich mich auf um Essen für die folgenden Tage zu sammeln. Zwei der Wölfe begleiteten mich, der Rest blieb bei der Höhle und passte auf. Ich zog durch den halben Wald, zupfte hier ein paar fruchtige Beeren von einem Strauch, ließ dort ein paar Kastanien vom Baum regnen, grub woanders ein paar Wurzeln aus und so weiter. Die Wölfe halfen mir mit ihren guten Nasen, denn sie fanden immer die besten Sachen. Irgendwann kam ich dem Waldrand immer näher. Die Neugier und die Sehnsucht zogen mich immer wieder dort hin. Ich lebe zwar die meiste Zeit meines Lebens im Wald, fühle mich aber trotzdem irgendwie den Menschen zugehörig.
Ich habe schon ein paar Mal versucht mich unter sie zu mischen und mit ihnen zu reden, aber ich wurde immer wieder verscheucht. Man sah es mir wahrscheinlich einfach an, dass ich anders war.
Vor uns öffnete sich der Wald in einen jungen und niedrigen Birkenwald, durch deren orangegelbes Blätterdach die Sonne ihren Herbstlichen Schein auf den Boden warf und einen schönen Blick auf den blauen Himmel preisgab. Im leichten Wind flatterten die Blätter und flogen in großen Mengen langsam auf den Boden. In der Luft lag bereits der deutliche Geruch nach Mensch, nach Rauch, nach Blut und nach dem alles vernichtenden Einvernehmen der Wälder und der Natur. Die Menschen zerstörten ihre Umgebung und Merkten es nicht mal.
Hinter mir blieben die Wölfe zurück und wollten nicht mehr weiter – Sie hatten schon einige Schlechte Erfahrungen mit den Menschen gemacht. Ich auch, aber im Gegensatz zu ihnen konnte ich nicht auf sie verzichten.
Die beiden Wölfe verblieben spielend im Wald und jagten den letzten Schmetterlingen hinterher, die noch in der späten Herbstsonne durch die Gegend flatterten. Das gesammelte Essen ließ ich bei ihnen.
Ich schlich weiter durch den Birkenwald, kam letztendlich auch an dessen Ende, schlich das letzte Stück geduckt und federte meine Schritte auf dem weichen Laub ab. In der letzten Baumzeile wucherte wie so oft am direkten Waldrand das Unterholz wieder richtig hoch. Ich legte mich auf den Bauch, robbte das letzte Stück und schob ein paar Ranken auseinander. Vor mir tat sich der Blick auf ein mittelgroßes Tal auf, welches von kleinen bewaldeten Bergen, ja fast schon Hügeln umgeben war. Die Wälder wogten in orangebraunen Wellen über die Hügel – Bis auf die große Schneise die die Menschen über Kilometer gerodet hatten und in der Ferne den Blick auf die große Stadt preisgab, die mit ihren hunderten von stinkenden, rauchenden Schornsteinen an einem Hang lag und von der großen Burg, die alles überragte, gekrönt wurde. Innerhalb der Schneise lagen Hunderte von kleinen Feldern, auf denen sich das reife Getreide leise raschelnd im leichten Wind wog. Mitten zwischen den Feldern lag das kleine Dorf, das sich wie ein ängstliches Tier mit rund zwei duzend kleinen und gedrungenen Häusern mitten in das Tal duckte. Alles andere als Ängstlich waren aber die Bewohner. Sie nahmen sich alles. Ohne zu fragen. Ohne zu bitten. Manchmal mochte ich am liebsten verleugnen, dass ich einer von ihnen bin. Sie töteten alles, was sich ihnen in den Weg stellte. Sie kämpften wie ich um ihr eigenes Überleben und gegen das, was sich jenseits der Grenzen befindet. Sie waren einfach nur zäh, stiernackig und dickköpfig. All das kannte ich auch von mir…So war ich ihnen gegenüber zwiegespalten. All das dachte ich während ich aus meinem Versteck in die weite, sonnendurchflutete Feldlandschaft blickte. Plötzlich hörte ich Hufgetrappel und zog schnell den Kopf ein. Nur wenige Schritte von mir entfernt preschte eine Pferdepatroullie auf dem breiten Pfad am Waldrand vorbei. Die Reiter machten einen gestressten und besorgten Eindruck. Ich maß dem keine große Bedeutung bei und steckte wieder den Kopf durchs Gebüsch. Nicht weit entfernt von mir arbeiteten ein paar Bauern auf dem Feld, die schon das Getreide einholten und es zu großen Haufen aufschichteten. Auch sie blickten neugierig auf und schauten den Reitern hinterher und wandten sich danach wieder stirnrunzelnd ihrer Arbeit zu. Ich schaute wehmütig in die Richtung des Dorfes. Einmal, irgendwann vor ewiger Zeit, so schien es mir zumindest, lebte ich auch einmal in so einem Dorf. Was würde ich dafür tun es eines Tages wieder tun zu können. Aber das ging nicht, weil… Mit einem mal prasselten die lang verdrängten dunklen Erinnerungen wieder auf mich ein, trafen mich wie ein gewaltiger Hammerschlag und drohten mich zu verschlingen. Mir wurde schwindelig und ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Nur eins stand mir jetzt noch im Sinn: Nur weg hier! So war ich leichte beute. Ich stand auf, doch mein Gleichgewicht war vollkommen im Eimer. Schwarze Ränder pulsierten am Rande meines Sichtfeldes und die Mitte war von bunten Punkten geblendet. Mehr stolpernd als gehend versuchte ich weg zu kommen. Aber wo musste ich noch mal hin? Wo war oben und unten? Ich merkte wie der Boden auf mich zugestürzt kam und ich ächzend aufschlug. Der Schmerz brachte mich zurück ins hier und jetzt, aber es war zu spät. Ich war bereits durch das Gestrüpp am Waldrand gebrochen und konnte nicht mehr aufhalten, dass ich die belaubte Böschung mit für meine Verhältnisse ohrenbetäubenden Lärm herabpurzelte. Nach mehrfachen Überschlägen landete ich endlich mit einem schmerzhaften Ruck auf dem Hosenboden. Die Bauern auf den Feldern hatten ihren Blick überrascht wieder gehoben und schauten mich aus großen Augen an. Scheinbar war es für sie nichts alltägliches, dass ein jugendlicher Junge am helllichten Tage aus der Waldböschung gepurzelt kam. So kamen sie neugierig auf mich zu. Eine Schrecksekunde lang saß ich noch auf dem breiten Pfad und machte wohl ein ziemlich irritiertes Gesicht. Dann wurde ich mir schlagartig der Situation bewusst und rappelte mich auf. Wenn sie da sind würden sie fragen stellen. Sie würden wissen wollen wer ich bin und wo ich herkomme. Das sollen sie auf keinen Fall wissen. So kletterte ich Schnur stracks wieder die Böschung hinauf und verkrümelte mich so schnell es ging in den Wald. Als ich im rennen noch einmal zurückschaute sah ich dass sie auf dem Pfad standen und mir ratlos nachsahen, mir aber nicht folgten. Gut so. Ich sammelte die Wölfe und das Essen wieder ein und kehrte (scheinbar schien es mittlerweile zur Ausnahme geworden zu sein) ohne weitere Zwischenfälle zur Höhle zurück, wo der Rest meiner Familie noch auf unsere Rückkehr wartete. Es war schon früher Abend und die Sonne neigte sich langsam, aber sicher Richtung Horizont. Ein Gutteil der Feen hatte sich bereits zurück zu ihrem Bau verkrochen, aber ein Paar warteten noch geduldig auf das allabendliche Ritual.
Wir machten uns sofort auf. Ein weiterer Wolfsbruder kam auch noch mit, der andere passte auf meinen verletzten Bruder auf, und ein gutes halbes dutzend Feen flatterte auch noch hinter uns her. Wir zogen gen Westen durch den langsam immer dunkler werdenden Wald. Wir zogen an der Schlucht vorbei, wir zogen an dem Wolfsbau vorbei und wir zogen am Birkenwald vorbei. Schließlich verließen wir mein normales Terrain, aber wir zogen dennoch weiter gen Westen, immer dem Horizont entgegen, über dem der rot glühende Feuerball nun nur noch einige Hand breit stand. Irgendwann, nach einiger Zeit des stillen Wanderns wurde der Wald wieder lichter. Die Bäume vereinzelten sich, waren schließlich ganz zurück gewichen und machten einer riesigen, spärlich bewachsenen und golden beleuchteten Steppe platz, über die die Sonne mit letzter Kraft ihre fein gewobenen Strahlen sendete. Die Steppe war gespickt von vereinzelten Bäumen und hohen, wie scharfe Zähne aus dem Boden herausragenden Felsen, die nun noch schärfere und lange Schatten in die Gegend warfen. Über das sanft geschwungene, leicht hügelige Land zog sich ein Boden aus hohem, trockenen Gras, welches wunderschön im Licht der sich neigenden Sonne erglühte und einen leichten Geruch nach vergangener Blüte und frischer Frucht mit sich trug. Im seichten Wind schwankte es leicht, aber es konnten auch genau so gut die Tiere sein, die sich jetzt gegen Abend auf dem Weg zurück zu ihrem Bau, zurück zu ihrer Familie befanden und sich schlafen legten. Weit in der Ferne leuchtete das enorm hohe und schon fast verschwommen wirkende Gebirge. Wir setzten uns auf einen von einem längst vertrockneten Fluss rund geschliffenen Stein. Meine Brüder, die Wölfe legten sich um mich herum und drückten sich ganz fest an mich und meine Schwestern, die Feen kuschelten sich wohlig in meine Hals und Armbeugen und wir blickten alle verträumt in den Sonnenuntergang, der sich nun majestätisch am rotgolden glühenden Himmel abspielte. Und somit neigte sich ein mehr oder minder ereignisreicher Tag dem Ende. Wir saßen noch still und gebannt auf dem Stein, bis auch der letzte wunderschöne Rest des riesigen Feuerballs hinter den Horizont gekrochen war und uns allein auf der großen, weiten Steppe zurück ließ. Aber es störte uns kaum. Die Sonne würde morgen wieder aufgehen. Und auch übermorgen. Aber was das wichtigste war, ist dass wir uns hatten und noch alle lebten. Und so genossen wir das pure beisammen sein einer großen, und umso facettenreicheren Familie.
Weit hinten hinter dem Gebirge in der letzten Abendröte gingen zwei volle Monde auf. Die Feen begannen sachte golden und pulsierend zu leuchten, als sie von dem Schein getroffen wurden. Auf der Steppe bildeten sich erste Nebelschwaden, die im silberrötlichen Schein des Himmels träge durch das Gras zogen. Es roch nach frost und Winter. Es wurde kalt und langsam Zeit zu gehen. Wir rappelten uns auf und ohne die Körperwärme der anderen um mich herum begannen wir sofort zu bibbern. So machten wir uns zügig auf den Heimweg. Wir sprangen vom Felsen hinunter und zogen zurück nach Osten. Nach Hause. Der Wald war bereits absolut finster, während sich die Baumwipfel der hohen Tannen noch im letzten Licht wie tiefschwarze Schatten vor dem blauroten Himmel abhoben. Die Feen flogen ein Stück voraus und leuchteten uns den Weg. Das wäre zwar nicht nötig gewesen, da wir alle eine hervorragende Nachtsicht besitzen, aber es vermittelte doch die Atmosphäre von Heimeligkeit und Zusammenhalt.
Als wir fast Zuhause waren hörten wir auf einmal ein knacken. Aber es war nicht irgendein knacken. Es war nicht ein Raubtier, das durch das Unterholz strich. Es war auch nicht ein Ast der von einem Baum gefallen war. Dafür war es zu laut. Es war mehr als nur ein knacks. Es wurde schneller und lauter. Es war das unregelmäßige Tapsen von jemandem der blind durch den Wald irrt. Die Wölfe stellten die Ohren auf und schnüffelten neugierig. Selbst ich, der doch keine Hundenase hatte nahm den scharfen Geruch nach Angst wahr. Das war ungewöhnlich.
Neugierig beschlossen wir dem genauer auf den Grund zu gehen.
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Re: Die Herrschaft des Feuers

Beitragvon lukasimo » 12 Sep 2013, 19:55

Ich kommentiere eigentlich nur wenn ich etwa konstruktiv verbessern kann. Das ist großartig, selten einen so schönen schreibstil gelesen *.*
Die wirklich wichtigen Dinge im Leben,
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Re: Die Herrschaft des Feuers

Beitragvon Upsnixan » 14 Sep 2013, 10:59

Hab dem Kommentar vom lukasimo nichts hinzu zu fügen.Gefällt mir von Part zu Part besser.Da kommt bestimmt ein hübscher Jüngling durch den Wald gestolpert

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Re: Die Herrschaft des Feuers

Beitragvon Iroc » 15 Sep 2013, 23:51

Joa lang, lang ists her, dass ich den letzten Teil gepostet hab...naja dafür heute mal einen längeren.
@ lukasimo: Danke :oops: So was hört man gerne :)
@ Upsnixan: Auch dir vielen Dank :) Ob sich deine Vermutung bestätigt zeigt sich in den nächsten Teilen :wink:

Kapitel Drei
Part Eins
Lionatras

Am nächsten Morgen wachte ich schweißgebadet auf. Der Regen, der gegen die hohen Fensterscheiben prasselte hatte mich geweckt. Einen Moment lang war alles in Ordnung, ich hatte nur ein flaues Gefühl im Magen, doch im nächsten prasselten all die Ereignisse der vergangenen Tage auf mich ein. Sofort war die neutrale Stimmung wie weggeblasen und ich fing wieder an diese alles verzehrende Leere zu spüren. Ich schmeckte Blut im Mund, in Gedanken hatte ich mir wohl völlig unbewusst auf die Zunge gebissen.
Bevor jemand mich stören konnte verriegelte ich schnell die Tür und ging hinaus auf meinen Balkon. Die Luft im Raum erschien mir auf einmal zu stickig, um weiterhin hier drinnen bleiben zu können. Ich riss die Türen so weit wie möglich auf und stellte mich nach draußen in den Regen. Ich blickte hoch in die tief hängenden Wolkenschwaden und die dicken Tropfen, die auf mein Geicht hinab fielen, vermischten sich mit meinen Tränen und rannen in kleinen Strömen auf den Boden zu. In weiter ferne, weit hinten über meinem geliebten Wald war blauer Himmel zu sehen und die Sonne tauchte die geschwungene Landschaft beim Aufgehen in ihren herbstlichen Schein. Was würde ich dafür tun hier weg zu kommen. Weg von all dem, weg von der Hochzeit, weg von meinen schrecklichen Eltern und nur weg von dieser hässlichen Burg mit ihrem fast schwarzen Gemäuer, das einen immerzu zu erdrücken schien. Aber das ging nicht. Ich war nun mal ein Prinz und als Prinz hatte man das zu tun, was der König einem verordnet. Frustriert wirbelte ich herum und setzte mich zurück auf mein Bett.
Im Laufe des Tages klopfte es mehrfach, aber ich reagierte weder auf das andauernde Zureden, noch auf die Versuche mir Essen unterzuschieben und saß einfach nur apathisch auf meinem Bett, während der Tag immer weiter voran strich. Irgendwann schlief ich wieder ein und träumte von Freiheit. Von erfüllter Sehnsucht. Und von Geborgenheit. Von Geborgenheit, die mir nicht Kaldes gab. Der Ganze Traum fühlte sich wunderschön an und ich wollte ihn nicht verlieren, aber schon tauchten die fiesen Finger aus dem Nebel des Traumes auf und zogen mich brutal zurück in die Wirklichkeit. In dem Moment, in dem ich meine Augen aufschlug, hatte ich eine Entscheidung gefällt. Mir war es egal ein Prinz zu sein. Ich würde mich nicht von meinem Vater herumkommandieren lassen. Die formvollendete Wildheit der Natur zog mich unwiderstehlich an. Es tat zwar weh von all dem loszulassen, erst recht von meinem Lieblingsbruder Kaldes, aber es ging nicht anders. Ich würde abhauen. So froh und selbstbewusst wie schon lange zuvor nicht mehr trat ich bestärkt von meinem Entschluss hinaus auf den Balkon. Es hatte aufgehört zu regnen und die Wolken hatten sich verzogen. Unter mir befand sich erst der Burghof, und noch weiter unten die Hauptstadt Silberfels. Die größte aller Städte aller Königreiche. Sie war von oben ganz hübsch anzusehen, mit den hunderten von steilen Gassen und den eng verwinkelten Fachwerkhäusern, die über und über mit kleinen spitzen Türmchen und einer Vielzahl von Schornsteinen gespickt waren. Die Häuser schmiegten sich an den Hang und schienen eine Mauer zwischen Burg und Natur zu bilden. Reges Treiben herrschte auf den Hauptstraßen, wo die Bauern ihre Esel zu Höchstleistungen antrieben, um die voll beladenen Karren den Weg hoch zur Burg zu bringen und den städtischen Kornspeicher zu füllen. Die Kette der Wagen ging hinunter bis zu den Stadttoren und sogar noch weiter. Dieses Jahr war ein gutes Erntejahr gewesen. Peitschenschläge und das gequälte aufschreien der entkräfteten Tiere erfüllte die Luft, zusammen mit dem freudigen Lachen spielender Kinder, die zwischen den Wagen herflitzten und dem normalen Rummel einer großen Stadt. Hinauf wehte der ekelhafte Gestank von Mist und ungewaschenen Menschen, der in den Straßen sogar noch schlimmer und im Sommer fast unerträglich war. Aber manchmal, wenn ein kräftiger Wind aufzog, brachte er den wundervollen Geruch nach frischem Laub, nach Grüne und lebendiger Natur mit. Vom Wald. Ich selber war zwar noch nie so weit weg gewesen, konnte mir aber nur vorstellen, dass es wundervoll war. Weit hinter den Stadttoren und weit hinter den sich über Kilometer erstreckenden Feldern und Wiesen lag er in seiner vollen Pracht. Die Sonne beleuchtete die die sanft geschwungenen, dicht bewaldeten Hügel mit ihrem goldenen Schein. Der Wald hatte viele Farben. Es gab alles von Orange bis Rot. Von Braun bis Grün. Die Vielzahl der Bäume und Pflanzen schien kein Ende zu nehmen. Das war es, wo ich hin wollte.

Für den Rest des Tages verfiel ich in ein reges Treiben. Ich saß auf dem Bett und baute fleißig Luftschlösser. Dachte mir alles bis ins kleinste Detail aus. Wie schön es wohl werden würde, wie Frei ich wäre, wie wunderbar weich sich der Boden unter meinen Füßen anfühlen würde, wie schön es wäre all die wilden Tiere zu sehen…Während ich so da saß gingen mir auch so einige Gedanken durch den Kopf, die sich mit den Dingen beschäftigten, die ich mitnehmen wollte. Da waren in erster Linie meine Bücher. Dann natürlich auch noch Tinte, Feder und Papier. Ich wollte ja meine Eindrücke festhalten. Und natürlich noch etwas zu essen. Ich lief zur Tür, schob den Riegel beiseite und öffnete sie. Auf der anderen Seite erwarteten mich eine Vielzahl von Speisen und Getränken auf Tabletts, die sich im Laufe des Tages dort angesammelt hatten und die ich nun schnell über die Schwelle zog, bevor ich die Tür wieder verriegelte. Ich überlegte kurz, wie ich das alles transportieren wollte, dann fiel mir oben auf dem hohen Eichenschrank ein Zipfel Stoff ins Auge. Das war der Leinensack, in dem die Magt normalerweise meine Kleidung zum waschen wegtrug. Was für Anziehsachen in Ordnung war, sollte für Bücher und Essen gerade recht sein. Ich zog den schweren Stuhl hinter meinem Schreibtisch hervor, stellte ihn vor den Schrank und stieg drauf. Das ist der Nachteil wenn man nicht allzu groß ist. Man braucht immer irgendetwas zum draufstellen um an hoch gelegene Sachen dran zu kommen. Im vergleich zu meinen Brüdern war ich wirklich klein geraten, aber vielleicht kommt das ja noch. Mithilfe des Stuhls schaffte ich es, zog den Sack vom Schrank und sprang wieder hinunter. Ich ging zu dem Regal, das voll beladen mit meinen Lieblings Büchern an der Wand lehnte. Ich stand einige Zeit davor. Am liebsten würde ich alle mitnehmen, aber das würde wohl zu schwer werden. So entschied ich mich für ein gutes Dutzend Bücher, die ich in den Sack stopfte. Dann stopfte ich die trockenen Teile des Essens, die genug an Verpflegung für einige Wochen sein sollten, dazu und legte das mittlerweile doch recht schwere Bündel auf den Boden. Ein schneller Blick nach draußen zeigte mir, dass die Sonne schon drauf und dran war unter zu gehen. Ich sollte früh schlafen gehen, damit ich morgen bei Sonnenaufgang los gehen könnte, aber ich war überhaupt nicht müde. Vermutlich, weil ich am Nachmittag so viel geschlafen hatte. Oder es war die Aufregung und Vorfreude, die in mir brannte. Ich wuselte noch eine Zeit lang in meinem Zimmer herum, fand aber nichts mehr, was ich noch hätte tun können. Ich setzte mich aufs Bett und schaute unruhig in der Gegend herum. Mein Magen knurrte. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich seit Gestern nichts gegessen und getrunken hatte. Ich schnappte mir eins der Tabletts auf der eine Schale kalte Hühnersuppe und ein Teller mit ein paar Scheiben trockenem Brot standen. Ich wollte gerade den ersten Bissen nehmen, als es wieder Klopfte. Ich ließ meine linke Hand sinken und rief gereizt »Was ist?« Kaldes' sanfte Stimme räusperte sich »Lio, bitte lass mich mal kurz rein. Ich muss mit dir reden.« Ich überlegte einen Moment. Es wäre nicht sehr gut, würde ich ihm von meinem Vorhaben erzählen. Und es nicht zu tun, würde schwer werden. Andererseits würde ich Kaldes liebend gerne noch ein letztes mal sehen. Seufzend stand ich auf und schob den Riegel beiseite. Da musste ich wohl auf meine Schauspielkünste vertrauen. Sofort machte Kaldes die Tür auf und schlüpfte in mein Zimmer. Interessanter weise verriegelte er die Tür hinter sich wieder. Unauffällg kickte ich den Sack unters Bett. Wir setzten uns auf mein Bett und Kaldes sah mir lange in die Augen. Ich hatte Angst, dass er alles, was ich dachte darin lesen konnte. Vielleicht war es ja auch so. Kaldes war zwei Jahre älter als ich und gefühlt drei Köpfe größer als ich. Dazu breit wie ein Schrank und der zukünftige Kriegsherr von Silberfels. Auf dem Schlachtfeld war er ungezähmt, stark und gefürchtet, so erzählte man es sich zumindest. Doch jetzt sah er mich nur aus gefühlvollen dunkelblauen Augen an und pustete sich eine schwarze Strähne aus dem Auge. Wir standen uns sehr nahe. Er schien nach Worten zu ringen. »Lio, ich...«. Er stockte und setzte erneut an. »Was unsere Eltern mit dir anstellen wollen finde ich unter aller Sau. So was ist nicht in Ordnung. Du sollst wissen, dass du jede Unterstützung von mir bekommst, die du brauchst. Wenn es sein muss hole ich dich da irgendwann aus dem Loch raus. Und mir ist es egal, ob mein Ruf oder meine Stellung darunter leidet. Schließlich bist du mein Bruder, und Brüder halten zusammen. Das scheinen die anderen nur noch nicht kapiert zu haben.« Ich schluckte schwer und musste mich derbe zusammen reißen, um nicht doch noch alles auszuplaudern. Aber "Irgendwann" reichte mir nicht. Ich wollte gar nicht erst dort hin! Aber dennoch war ich tief gerührt. »Danke« brachte ich mit versagender Stimme heraus und nahm ihn in den Arm. Er umfing auch mich mit seinen kräftigen Armen und ich fühlte mich geborgen wie nirgendwo sonst. Dass dies vermutlich eins der letzten male oder das letzte mal war, dass ich ihn sah versetzte mir einen tiefen Stich. Ich drückte ihn nur umso heftiger. Nach einer kleinen Ewigkeit setzte er sich auf und ließ mich los. »Wir sehen uns morgen.«, sagte er und wuschelte mir im gehen noch einmal durch die Haare. Dann war er, genau so schnell wie er gekommen war, wieder verschwunden. Es war mittlerweile dunkel geworden in meinem Zimmer. Ich starrte die Tür noch lange an, unfähig mich zu bewegen. Irgendwann schaffte ich es dann aber doch, schleppte mich zur Tür und schob den Riegel wieder vor. Dann aß ich doch noch einen Happen, doch alles schmeckte nach nichts. So stellte ich das Tablett bald wieder weg, ohne aufgegessen zu haben. Wo doch sonst mein Appetit eigentlich recht ordentlich war. Ich legte mich innerlich ausgelaugt auf das Bett und war nicht einmal mehr in der Lage mich zuzudecken. Ich starrte apathisch an die Decke und dachte nach. Kaldes' Besuch scheint alles geplante auf den Kopf zu stellen...Andererseits würde er mich nicht ganz und gar davor bewahren können nach Sturmtal zu gehen. Die traurige Melodie einer Leier zog von der Stadt durch die noch immer geöffneten Fenster herein und ein leichter Wind brachte die Blätter der Bäume auf dem Burghof zum rascheln. Es roch nach Herbst. Und nach Wald. Der Wald, den ich nie sehen würde, wenn ich nach Sturmtal ziehen würde. Ich war schon so weit gekommen, hatte alles gepackt und wollte dann doch noch kneifen? Mit immer weiter im Kreis drehenden, wirren Gedanken schlief ich letztendlich doch noch ein.

Das ferne Morgengrauen riss mich aus meinem wenig erholsamen Schlaf. Mir war bitter kalt. Ich lag eng zusammen gerollt auf meinem Bett und ein schneidender Wind pfiff durch die offenen Fenster. Mein Hirn schien mir wie ein einziger verknoteter Klumpen zu sein. Und dazu noch vereist. Ich streckte mich, stand auf und und hüpfte eine Weile durch die Gegend, bis mir wieder warm wurde. Schließlich begab ich mich wieder einmal auf den Balkon und versuchte meine Gedanken zu sortieren. Die Sonne ging in der Ferne im rötlich-orangenen Schein auf und strahlte die wenigen, fluffigen Wolken an. Es würde ein schöner Tag werden. Vermutlich auch warm. Ich stellte mir jede erdenkliche Situation vor, die mir widerfahren könnte, doch keine erweckte solch eine Faszination und solch ein wohliges Gefühl wie die, eins mit dem Wald zu sein und von allem unabhängig zu sein. Und damit war der Entschluss gefasst. Ich würde gehen. Ich würde es durchziehen. Damit würde ich zwar den Zusammenhalt, den Kaldes mir gestern Abend gepredigt hatte, über den Haufen werfen, aber das konnte mir jetzt egal sein. Ich würde es ihm erklären. Mit neu gewecktem Optimismus zog ich den Stuhl wieder zum Schreibtisch heran und schrieb in säuberlichster Schrift einen Abschiedsbrief für Kaldes. Ich schrieb ihm all meine Gefühle und Gründe für meinen Entschluss, die ich anderen gegenüber nicht mal erwähnt hätte. Außerdem bat ich ihn in dem Brief mein Verschwinden nicht sofort zu melden, um mir etwas Vorsprung und Zeit zu verschaffen, die ich wohl bitter nötig hatte. Schließlich würde ich im Gegensatz zu den Wachen nicht mit meinem Pferd unterwegs sein, da sich das im wilden Dickicht des Waldes nicht anbot. Aber bis ich erstmal den Wald erreicht habe wird es einige Zeit dauern. Und ich bin mir absolut sicher dass mein Vater sofort nach mir suchen lässt, sobald er erfährt, dass ich nicht mehr da bin. Ich schrieb die letzten Worte und setzte schließlich meine geschwungene Unterschrift unten auf das nun voll gefüllte Blatt Papier. Das einzige was jetzt noch fehlte war etwas festere Bekleidung.
Ich zog meinen Reisemantel an und dazu meine Reitstiefel. Ich überlegte erst ob ich noch eine Weste mitnehmen wollte, entschied mich dann aber dagegen, schließlich war es draußen noch ziemlich warm und ich würde sie nur schleppen müssen. Als ich fertig war schnappte ich mir den Sack und den Brief und ging Richtung Tür. Bevor ich das Zimmer verließ schaute ich mich allerdings noch einmal zufrieden um und prägte mir alles genau ein. Ich hatte nicht vor jemals hierhin zurück zu kehren. Jetzt ging es auf in eine bessere und endlich vollkommene Welt und ich würde später über dieses Lächerliche Arrangement nur noch lachen können. Während ich das dachte rutschte mir der Sack immer weiter aus der Hand. Mein zufriedener Gesichtsausdruck entgleiste ein wenig. Mist. Er war einfach zu schwer um ihn die ganze Zeit in der Hand halten zu können. Ich setzte ihn wieder ab, und kramte Nadel und Faden aus dem Bodensatz einer der Truhen hervor, wobei auch ich ein winziges in Leder gebundenes Buch fand, das ich schon seit Jahren suchte. Es war so klein dass es mühelos in meine Handfläche passte und besaß angelaufene Kupferbeschläge und leicht vergilbte Seiten. Nichtsdestotrotz waren das die schönsten Erinnerungen meiner frühen Kindheit. Ich kann mich noch erinnern wie ich gespannt auf dem Schoß meiner Mutter saß, während sie mir die uralten Märchen aus diesem Buch vorgelesen hat. Ich würde mich unmöglich von diesem kleinen Büchlein trennen können, also ließ ich es in meine Manteltasche gleiten und ging mit dem Nähzeug zu dem Kleiderschrank. Innen drin befand sich ein Haufen Kleidung, aus dem sich nun zwei Hemden von ihrem Saum trennen mussten, den ich kurzerhand abschnitt. Es tat mir nicht weh diese Kleider zu zerstören. Ich hatte ja schließlich genug. Den abgeschnittenen Saum faltete ich doppelt und nähte ihn umständlich mit groben Stichen an den Sack an den Enden an. Das gleiche machte ich mit dem zweiten. So hatte ich nun zwei Schlaufen an denen ich den Sack bequem auf dem Rücken tragen konnte. Ich begutachtete das Resultat einen Moment. Es sah nicht sehr professionell oder ordentlich aus, aber es würde halten müssen. Ich setzte den Sack auf, schnappte mir den Brief und trat ohne mich ein weiteres mal umzuschauen hinaus auf den fensterlosen Gang. Auch um diese helle Tageszeit war es hier vollkommen frei von Sonnenlicht und nur die Fackeln, die in regelmäßigen Abständen an der aus groben Stein gemauerten Wand hingen, gaben ihren flackernden Schein ab und schwängerten die Luft mit stickigem Rauch. Ich lief eilig zu Kaldes’ Zimmer. Die Gänge hier waren das reinste Labyrinth, aber in den vielen Jahren hatte man gelernt sich zurecht zu finden, auch wenn ich immer noch neue Abkürzungen fand.

Als ich schließlich vor seiner Tür angekommen war und einigen vorbeieilenden Dienern ausgewichen bin, die sehr überrascht waren mich zu sehen, klopfte ich unser geheimes Klopfsignal, das wir für uns beide vereinbart hatten. Ich wollte ihm den Brief geben und ihn bitten ihn erst einige Stunden später zu öffnen. Aber niemand machte auf. Auch nach dem zweiten und dritten Klopfen öffnete niemand. Ich hielt einen der zahlreichen Diener an.
»Wo ist Kaldes?« fragte ich ihn. Er senkte wie es sich gehörte den Kopf, aber starrte mich aus rebellierenden Augen aus an. Die Dienerschaft schien wie alle anderen nicht besonders viel von mir zu halten. Sie gaben mir zwar oberflächlich betrachtet alles, was ich brauchte, aber das auch nur, weil ich der Sohn des Königs war und es schon so manches mal Ärger mit ungehörigen Dienern gab, der meistens in deren Tod endete. Genauer betrachtet gaben sie mir nicht mal das was mir zustand. Das Essen war meistens noch halb Roh, die Hemden und Hosen zu eng genäht und in den Blicken lag wie auch jetzt unverhohlene Abneigung. »Kaldes ist zur Zeit nicht da« antwortete der Diener. »Das sehe ich.«, antwortete ich kühl. Ich war es leid diese Blicke zu ertragen. Zum Glück würde ich das bald nicht mehr müssen. »Aber WO ist er?« fragte ich betont. »Er ist mit seinem Pferd außer Haus beim Hofschmied in der Stadt. Er wird vermutlich in den nächsten Stunden nicht wiederkommen.« Mist! Ich würde ihn also nicht mehr wieder sehen. Vielleicht war es ja besser so...nachher würde ich mich noch verraten. »Danke. Viel Spaß noch bei deiner Arbeit heute.« Und dem Rest deines Lebens, fügte ich in Gedanken hinzu. Der Diener warf mir noch einen letzten vernichtenden Blick zu, drehte auf dem Absatz um und machte sich davon. Was die bloß immer hatten…Als die Schritte im Gang verklungen waren bückte ich mich und schob den Brief unter der Tür hindurch.
Schnell stand ich wieder auf, denn ich hörte bereits die herannahenden trippelnden Schritte der weiblichen Dienerschaft. Warum musste die ganze Burg denn immer so voll mit bediensteten sein? Zu viele Leute, die mein Verschwinden beobachten. Ich drängte mich an den Mägten vorbei, die große Körbe mit Wäsche trugen, fleißig schnatterten und mich nicht zu beachten schienen, und ging zügig in Richtung des Thronsaals. Der Entschluss abzuhauen zog mich freudig vorwärts durch die langen, tristen Flure. Alles zog nur an mir vorbei, denn ich wusste dass ich bald draußen sein würde. Nie mehr diese Flure entlanglaufen. Nie mehr. Diese Vorstellung erfüllte mich mit einem großen Glücksgefühl. Schließlich erreichte ich die stählernen Flügeltüren auf denen von zwei Fackeln beleuchtet das große Familienwappen prangte. Die Türen selbst waren so groß, dass 3 Männer übereinander hätten hindurchgehen können. Zwei schwer gepanzerte Wachen flankierten das Portal und verkreuzten ihre Hellebarden vor mir, als ich eintreten wollte. Wie immer. Sie wussten doch wer ich war. Alle hatten was gegen mich. Normalerweise hätte ich jetzt einen Wutanfall bekommen, doch das allgemeine Hochgefühl verhinderte es. Ich warf ihnen nur ein eisiges Lächeln zu und ging ohne zu zögern weiter auf das Tor zu. Das einzige was man hören konnte waren meine hallenden Schritte im Gang. Als ich nur noch wenige handbreit von den Waffen entfernt war zogen sie sie freiwillig mit einem lauten metallischen Klirren zurück, das die Stille zerriss. Ihnen war wohl doch noch klar geworden wer ich bin und was für Konsequenzen es haben könnte, den Sohn des Königs aufzuspießen. Vermutlich eher weniger des Sohnes Willen, als mehr wegen der geplatzten Hochzeit. Naja, die würde eh nicht mehr statt finden. Mein lächeln wurde wärmer und etwas schelmisch. Durch die heruntergeklappten Visiere konnte ich die Augen der Wächter nicht erkennen, da sie im tiefen Schatten lagen, doch ich war mir sicher dass sie mir vernichtende Blicke zuwarfen, als sie sich gegen das schwere Tor drückten und es mühevoll aufschoben. Ich trat hindurch und lief geradeaus auf die Thröne meiner Eltern zu. Ein blausilberner Teppich durchzog den ganzen Raum von dem Tor bis hin zum Thronpodest. Der Raum selber war riesig. Er war bestimmt dreißig Schritt hoch, zwanzig breit und sechzig lang. Auf beiden Seiten ließen unzählige hohe Fenster den Raum heller erstrahlen. Die Sonne warf auf der Ostseite kürzer werdende goldene Strahlen durch die Fenster, die den umherwirbelnden Staub in rote Funken verwandelte. Es wurde bereits Mittag. Sie zeichneten die Muster der Scheiben auf den Boden, die von einstigen heroischen Taten unserer Familie handelten. Die hohe Decke schmückte ein reich verziertes Kreuzgewölbe, das von unzähligen massiven Säulen getragen wurde. Auf dem Boden zu beiden Seiten des Teppichs standen eine große Anzahl hölzerner Bänke und Tische zwischen erkalteten Feuerstellen. Spät Abends und Nachts feierten hier die Krieger, die von ihren Patroullien an den Grenzen zu den Anderslanden wiederkehrten. Wenn sie wiederkehrten. Nicht selten verschwand ein ganzer Trupp oder nur einzelne Personen kehrten zurück, meist schwer verwundet, nur um mal wieder zu berichten, dass die Bestien erneut ins Königreich eingefallen sind. Wir auf der anderen Seite schlachteten hunderte von Bestien ab. Sie galten als Primitiv und nur wenige wussten es besser. Wie ich. Kaldes war schon mehrfach an den Grenzen gewesen, hatte viele Narben davongetragen und hat mir erzählt, wie es dort wirklich abläuft. Es herrschte Krieg. Nur das wollte hier am Hof niemand wahr haben.
Ich trat näher an das Podest heran und blieb stehen. Meine Mutter blickte auf, als sie mich hörte und ihr Federkiel hielt über dem Dokument inne, auf dem Sie einen Bericht niederschrieb. Vermutlich den der letzten Patrouille. Sie lächelte mich an. Sie schien heute nicht mehr mit mir gerechnet zu haben. „Schau mal wer da ist, Freldon.“ Sagte sie. Als er nicht antwortete blickte sie ihn streng an und knuffte ihn in die Seite. Er schrak auf und schlug die Augen auf. „Was, wo…oh Ismara, was ist los?“ fragte er verschlafen. „Schau mal wer da ist.“ Wiederholte meine Mutter und dann erfasste sein Blick mich auch endlich. „Lio! Schön dich zu sehen! Deine Mutter und ich haben uns Sorgen um dich gemacht…du bist gestern den ganzen Tag nicht aus deinem Zimmer gekommen.“ Er klang jetzt schon wieder etwas wacher. Ich wechselte vorsichtshalber schnell das Thema, bevor wir auf die Hochzeit zu sprechen kamen. Das würde meine Hochstimmung sofort wieder vernichten. Ich grinste ihn scheu an. „Und? Warst du wieder tief in deinen Gedanken versunken?“ Er begann zu strahlen. „Aber ja! Ich hatte soeben über den Verlauf der Schlacht um Varael sinniert, in der ich noch ein kleiner Junge war…“ Auch meine Mutter musste schmunzeln. Wir hatten beide das leise Schnarchen gehört.
Immer noch das leichte Grinsen auf den Lippen fragte ich „Habt ihr etwas dagegen, wenn ich den schönen Tag heute nutze? Es ist Herbst und wer weiß wie viele es dieses Jahr noch geben wird. Und es würde mir vielleicht auch ganz gut tun mal raus zu kommen.“
Sie schienen überrascht von der plötzlichen Gemütsänderung und sie rangen einen Moment nach Worten. „Ja, klar! Wir finden das sogar gut. Wir wissen alle dass du gerade eine schwere Zeit durchmachst…Nimm dir die Auszeit die du brauchst. Wo soll es denn Hingehen?“
Auf diese Frage war ich vorbereitet gewesen. „Auf die Wiesen unterhalb der Stadttore…ich wollte mich ein bisschen in die Sonne legen und lesen. Keine Sorge, Wiesel kommt mit.“
Wiesel war unser Hund. Er war noch relativ jung, aber er hat sich sehr an mich gewöhnt und wir waren sozusagen beste Freunde.
„In Ordnung. Aber sei zum Sonnenuntergang wieder da.“ Verständnisvoll nickten sie mir zu.
„Danke.“ Sagte ich und wandte mich mit einem fröhlichen Grinsen ab. Aber das Grinsen schenkte ich nicht ihnen, sondern mir. Ich lächelte frohlockend in mich hinein, während ich die Halle in Richtung Tor durchquerte. Es war so einfach gewesen. Sie hatten alles ohne zu zweifeln geschluckt. Auch von meiner Seite aus hätte ich nicht gedacht, das ich sie ohne Gewissensbisse würde auf ewig verlassen können, sie waren schließlich meine Eltern, doch jetzt war ich einfach nur noch froh weg zu kommen. Als ich das Tor durchquerte setzte ich die Kapuze des Reiseumhangs auf und ging hinunter zum Burghof.
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Re: Die Herrschaft des Feuers

Beitragvon Upsnixan » 16 Sep 2013, 01:52

Lio,sollte auch den jungen,hübschen Stallburschen mitnehmen.Dann hat er in den kalten Nächten,etwas um sich zu wärmen und zumkuscheln.

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Re: Die Herrschaft des Feuers

Beitragvon Iroc » 16 Sep 2013, 22:48

Bin ich echt so leicht zu durchschauen? :D
Ich hab die Geschichte nochmal ganz durchgelesen und meine, dass ich ihn noch nie erwähnt habe...
Naja heute mal ein kürzerer Teil...hab morgen die Theorie Prüfung für den Führerschein.
Der Part ist aber trotzdem wichtig für den weiteren Verlauf.

KAPITEL DREI
Part zwei
Lionatras

Als ich aus dem Tor auf den Sonnen beschienenen Hof hinaustrat mussten meine Augen sich erstmal an das gleißende Licht gewöhnen. Trotz all der Fackeln war es im Burginneren immer noch sehr dunkel. Doch bevor ich wieder klar sehen konnte hörte ich auch schon lautes Kettengeraschel, schnell näher kommende Schritte und ein freudiges Hecheln. Wiesel kam mit solch einer Geschwindigkeit angeflitzt, dass er mich umwarf und zurück in das Burginnere beförderte. Zum Glück wurde ich von einem Haufen Wäscherinnen aufgefangen, die sich laut fluchend beschwerten und die Kleidung wieder einsammelten, die nun im ganzen Eingangsbereich verstreut lag. Doch ich kümmerte mich nicht drum. Wiesel war da. Er legte mir die Pfoten auf die Schultern und schleckte mir begeistert das Gesicht ab. Ich meinerseits schob meine Hände in sein weiches hellbraunes Fell. Ich war glücklich. Sei es auch nur für einen Moment, aber ich war auf dem besten Weg glücklicher zu werden. Und Wiesel sollte auf jeden Fall mitkommen. Ein Leben ohne ihn konnte ich mir nicht vorstellen.
Ich stand umständlich wieder auf und lief über den Hof zu den Stallungen. Wiesel trottete neben mir her. Meine Augen hatten sich auch mittlerweile an das helle Licht gewöhnt und nun erkannte ich das rege treiben auf dem Platz. Es waren bereits etliche Leute unterwegs, wie einige Jungs in meinem Alter, die am Rand im Schatten der hohen Mauer standen und sich wieder einmal rauften oder den Hofdamen hinterher pfiffen. Meine Eltern fragten mich immer warum ich nicht immer mit ihnen die Zeit vertrieb, aber die Antwort blieb immer die Selbe. Sie waren nicht mein Typ. Ich war zwar auch ein bisschen schüchtern, aber mich interessierten überwiegend einfach andere Themen als die von denen. Im Gegensatz zu ihnen konnte mich nicht einen Tag lang über Essen und die neuesten, vermutlich allesamt erstunkenen "Ruhmestaten" auslassen. Wahrscheinlich hatten sie noch nie ein Buch gelesen. Weitere Themen waren natürlich auch die Frauenwelt und das gegenseitige Aussehen. Sie verglichen sich miteinander und der hässlichste bekam meist eine tracht Prügel. Immer diese Eitelkeit. Auch wenn ich da natürlich auch meine Vorbilder hatte. Ich blickte einem jungen Stallburschen, der in just diesem Moment an mir vorbei lief, hinterher. Er war zwar nicht sehr edel gekleidet, war fast immer dreckig, aber er hatte dennoch schönes Gesicht und schien sich ebenfalls etwas von der Raufbande abzusondern. Vor allem hatte er sich in den letzten Monaten sehr gemacht. Noch vor kurzem war er schlaksig und unbeholfen gewesen, doch jetzt schienen seine massigen Schultern und Oberarme sein Gewand zu sprengen und er bewegte sich geschmeidiger. Ihn anzusprechen kam leider nicht infrage, da ich das Königshaus nicht mit Bediensteten reden durfte, außer um Befehle zu erteilen. Silmor hatte mal eine Freundin in der Dienerschaft. Es kam raus und sie landete am Galgen. Wer auch immer dieses Bescheuerte Gesetz verabschiedet hatte. Er war nur ein Knecht und ich wollte ihn nicht in Gefahr bringen. Ich saß manchmal stundenlang auf dem Balkon und beobachtete ihn und die Welt um mich herum. Aber immer wenn ich in den Hof sah, sprang er mir immer zu aller erst ins Auge. Er schien mich auch zu bemerken, denn manchmal kreuzten sich unsere Blicke für einen Moment, doch er wusste wahrscheinlich genauso gut wie ich, dass mein Vater eine Freundschaft nie zulassen würde. Ihn für immer zu verlassen versetzte mir dann doch einen Stich. Tief in Gedanken stolperte ich über einen aus dem Boden herausragenden Stein und viel hin. Wiesel konnte gerade so noch ausweichen und sprang zur Seite. Der Bursche, von dem ich noch nicht einmal den Namen wusste, drehte sich verwundert zu mir um und kam zu mir. „Hast du dir wehgetan?“ Fragte er mit einer angenehm rauen Stimme. Verwirrt errötete ich und stammelte „Nein…es geht schon.“ „Na gut.“ Sagte er, warf mir ein schiefes Lächeln zu und streckte mir eine Hand hin. Dankbar ergriff ich sie und er zog mich mit einer einzigen flüssigen Bewegung hoch. Mühelos, wie es schien. „Danke.“ Erwiderte ich schüchtern, wurde rot und schalt mich innerlich für meine Ungeschicktheit. Schnell drehte ich mich um und lief gefolgt von Wiesel weiter zum Stall und trat ein. In dem langen Holzbau mit den kleinen verstaubten Dachfenstern, die nur wenig trübes Licht hindurch ließen und dem warmen Geruch nach Pferden hatte ich mich schon immer wohl gefühlt. Jetzt war ich sauer auf mich. Ich hätte ihn doch ansprechen sollen. Das war die Gelegenheit gewesen. Ich ging den menschenleeren Gang im Stall entlang und erreichte schließlich die vierzehnte Box von Links. Darin stand Flocke, mein Pferd. Sie war weiß und hatte nur eine kleine schwarze Flocke auf der Stirn. Auch sie würde ich gerne mitnehmen, doch ich wusste, dass die Wege im Wald, die ich zweifellos würde nehmen müssen, nichts für Pferde waren. Also musste ich sie wohl oder übel hier lassen. Traurig klopfte ich ihr den Hals, was sie mit einem warmen Schnauben auf mein Gesicht beantwortete. Sie war ein sehr gutmütiges Pferd und hatte mich schon durch dick und dünn getragen. Ich stand noch einige Zeit gedankenverloren an ihrer Box und streichelte sie, während hinter mir Wiesel darum buhlte endlich aufzubrechen. Irgendwann hörte er auf zu winseln und durch die Gegend zu springen. Ich drehte mich um und sah, dass der Junge an der Box hinter mir lehnte und mich beobachtete. Das schwache Licht, das durch das staubige Dachfenster fiel beleuchtete seine dunkelblonden Haare mit einem leichten goldenen Schimmer und spiegelte sich in seinen hellbraunen Augen. Ich hatte keine Ahnung wie lange er da schon so stand. Einen Moment lang schauten wir uns nur an. „Ich bin Finn.“ Sagte er irgendwann, wobei wieder dieses irgendwie faszinierende, schiefe Lächeln in seinem Mund- und Augenwinkel aufblitzte. „Lio.“ Sagte ich etwas verblüfft. „Du bist doch der Sohn vom König, oder?“ Als ob er das nicht längst wusste. „Ja“ schnell blickte ich zu Boden. Ich war keineswegs stolz darauf. „Also Lio, wo soll denn die Reise heute hin gehen?“ In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken. Ich wollte ihn nicht anlügen, doch einweihen konnte ich ihn auch nicht. Ich musste eine Lösung finden. Und zwar schnell, bevor es unglaubwürdig erschien. Schließlich entschied ich mich ihm das Gleiche wie meinen Eltern zu erzählen. „Ich will zu den Wiesen unterhalb der Stadt. Du weißt schon, einen der letzten Herbsttage genießen.“ Ein schelmisches Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit. „Was ist los?“ fragte ich. „Nun, ich hatte das Selbe vor. Macht es eurer Hoheit etwas aus“ er machte eine übertrieben schwungvolle Verbeugung über die ich innerlich zu prusten anfing, „wenn ich euch begleite?“ Erwartungsvoll schaute er mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. Oh nein. Warum musste das Schicksal bloß so grausam sein und mir ausgerechnet an dem Tag, an dem ich mein Leben für immer verlassen wollte das einzige schicken, dass mich hier halten konnte? Aber auch er würde mein Leben nicht einfacher machen. Im Gegenteil. Wenn herauskam, dass ich mich mit einem Stallburschen angefreundet hatte würde es ein riesiges Donnerwetter von oben geben. Zusammen mit lebenslänglichem Hausarrest.
Ich entschied mich das Schicksal zu missachten und keine Risiken einzugehen. Alles würde besser werden, wenn ich erst mal von Zuhause fort war. Während ich noch verzweifelt nach dachte, wie ich ihm am besten beibringen konnte nicht mit zu kommen versteinerten sich seine Gesichtszüge. Er drehte auf dem Absatz um und schritt eilig, aber unauffällig ohne ein weiteres Wort davon. Verwirrt sah ich ihm nach. Erst dann schaltete mein Hirn und ich drehte mich um, um zu schauen was ihn vertrieben hatte. Hinter mir stand Silmor. Ich hatte ihn nicht kommen hören. Er trug einen schweren Ledersattel über der Schulter und sah mich verächtlich an. „Na? Probleme mit diesem dreckigen Stallburschen?“ Er spuckte auf den Boden. „Wenn es dir nichts aus macht könnte ich ihn ohne Probleme aus dem Weg schaffen…“ Das war eine unausgesprochene Drohung. Ein beinahe hysterisches „Nein!“ kam über meine Lippen. „Nein? Ist da vielleicht doch was zwischen euch? Du weißt doch, was für eine Schande das wäre…“ Ich konnte es bei seiner Vergangenheit zwar irgendwo verstehen, aber dieser Bruder regte mich Tag für Tag aufs Neue auf. Das bestärkte mich nur noch mehr in meinem Entschluss all das hier hinter mir zu lassen. „Nein ist es nicht! Ich hatte ihn nur gerade instruiert, wie der Stall richtig sauber zu machen ist. Siehst du diese Flecken da auf dem Boden? Das geht ja gar nicht!“ erwiderte ich gereizt. Ich zeigte auf das astreine, saubere Stroh auf dem Boden. Das musste man Finn lassen. Er machte es echt gründlich. „Den knöpfe ich mir vor!“ „Es war nicht Finn.“ Beeilte ich mich klarzustellen. „Es war ein anderer. Er hat aber nicht gesagt wer.“ „Soso, Finn…“ murmelte er vor sich hin, als er sich umdrehte, in die benachbarte Box ging und sein Pferd Gladio sattelte. Er murmelte noch ein ganzes Weilchen vor sich hin. Da ich dem nichts mehr hinzuzufügen hatte gab ich Flocke einen letzten klaps auf den Hals, pfiff Wiesel herbei und ging schnell aus dem Stall, wobei ich Silmors Blick noch lange in meinem Rücken spürte. Ich trat aus dem trüben, staubigen Dämmerlicht hinaus in die gleißende Sonne des Burghofes und sah mich nach Finn um. Doch ich konnte ihn nirgendwo sehen, was ich letztendlich doch schade fand. Aber es war besser so. Ein letztes Mal sah ich mir alles ganz genau an. Ich würde nie wieder hierher zurückkehren. Ich atmete tief durch. Es würde eine lange Reise werden, deren Ende ich nicht vorhersehen konnte. Das Schicksal, die Alten Götter oder wer auf immer werden mir schon den Weg weisen. Voller Zuversicht machte ich mich auf den Weg und ging ein letztes Mal durch das hohe Tor, das die Burg von der Stadt trennte.
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Re: Die Herrschaft des Feuers

Beitragvon Upsnixan » 17 Sep 2013, 07:49

Lio und Finn;hört sich nach einem tollen Paar an.Die Treffen sich doch noch außerhalb der Burg.Finn schleicht ihm doch nach?!?!

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Re: Die Herrschaft des Feuers

Beitragvon Iroc » 17 Sep 2013, 22:39

Ich spiele echt mit dem Gedanken es noch einzubauen...wäre eine schöne Fortführung dieses Geschichts-Strangs :wink:

KAPITEL DREI
Part drei
Lionatras

Unter mir erstreckte sich nun Silberfels in hellem Sonnenschein, das viele Hunderte, wenn nicht gar tausende von eng an den Berg gedrängten Häusern umfasste, deren Dächer die Nachmittagssonne gleißend reflektierten. Ein leiser Wind flüsterte durch die schwindenden Baumkronen und fegte einige Blätter in verschiedensten orange- bis rot-tönen in die Luft, trug sie hinab ins Tal und brachte den leichten Geruch von Herbst mit. Die Häuser sahen alle mehr oder minder gleich aus. Sie waren alle alt und stammten zu einem großen Teil noch aus den Gründungszeiten von Silberfels. Keine der neueren Hausbaumethoden konnte es mit der von damals aufnehmen. Natürlich gab es kleinere und größere, schönere und baufälligere Häuser, dennoch waren sie alle aus weißem, teils recht grob gebrochenen Stein gebaut und ihre Dächer bestanden aus kleinen Schindeln, die silbern schimmerten. Aus dem selben Stein wie die Schindeln war auch der Berg, auf dem die Burg Silberfels stand. So kam alles zu seinem Namen. Im Silberfels selber wurde in den letzten Zeitaltern tief geschürft, etliche verlassene, eingestürzte und verzweigte Stollen zeugen davon, doch dies wurde aufgegeben, weil nichts darauf hindeutete, dass das silberne Gestein irgendeinen Verwendungszweck außer dem Häuserbau haben könnte. Die alten Mienen sind nun seit Jahrhunderten unbenutzt, bis auf Gesindel wie Schmuggler und Schwarzhändler. Sie sind die Einzigen, die sich in den verschachtelten und düsteren Gängen zurecht finden.
Ich blieb einen Moment hier oberhalb aller Dächer stehen und ließ den Eindruck auf mich wirken. Man musste den Vorfahren schon lassen dass sie ein außerordentliches Gespür für Schönheit hatten. Alles schien im Einklang mit dem blauen Himmel, den weitläufigen Feldern und dem dahinter liegenden Wald. Die Stadt verschwamm zwar nicht mit der Natur, aber dennoch machte sie den Eindruck, als würde sie hier hin gehören und schon seit Anbeginn der Zeit hier stehen. Nach einem letzten Seufzer setzte ich meinen Weg fort und schritt zügig die breite, gewundene mit sandfarbenen Steinen gepflasterte Allee hinab, die die Hauptstraße der ganzen Stadt war. Sie schlängelte sich von dem Haupttor weit unten über die vielen Terrassen und Ebenen, aus denen diese Stadt bestand durch einige Viertel hindurch hinauf zur Burg. Demnach war diese Straße auch viel befahren: Unzählige Bauern trieben ungeduldig ihre Esel zu Höchstleistungen an, um das frisch geerntete Getreide den doch recht steilen Weg hinauf in die Burg zu den Kornspeichern zu bringen, betuchtere Damen stiegen mit gerafften Kleidern und gerümpften Nasen über die Hinterlassenschaften der Esel, schnatterten dabei über die neueste Mode, Eilkuriere galoppierten mit ihren Pferden in jeden Teil der Stadt und zur Burg zurück und arme, in Lumpen gekleidete und abgemagerte Jungen schnappten sich hier und dort unauffällig einen Apfel aus einem der Wagen. Zunächst, auf den höheren Ebenen, führte die Straße durch die Stadtteile die es zu recht anschaulichem Wohlstand gebracht hatten. Hier waren die Häuser sehr hoch, reich geschmückt an Verzierungen und stilvoll angemalt. Gepflegte Bäume und Beete säumten die Allee. Zwischen allen Häusern konnte man die in regelmäßigen Abständen verteilten mystischen Türme sehen. Sie waren gut vier mal so hoch, wie die umliegenden Häuser, aus einem schillernden blauen Material gebaut und niemand wusste, wozu sie da waren. Bei Sonnenschein wagte sich niemand auch nur in die Nähe dieser Türme, da alle Dächer der Häuser zu mindestens einem der Türme gerichtet waren und sie das Licht der Sonne auf das blaue Material warfen, das das Licht allerdings vollkommen verschluckte. Bei Sonnenschein war es um die Türme herum so warm, dass jeder der ihnen zu nahe kam schlimme Verbrennungen davon trug. Man hatte schon mehrfach versucht, sie abzureißen, um einerseits Platz für neue Häuser zu schaffen, denn die Stadt quoll über und um andererseits die Gefahrenquelle aus dem Weg zu räumen. Nur wie es das Schicksal so wollte hatten die Vorfahren die Türme so massiv gebaut, dass nichts, was wir heute kannten, sie zerstören konnte. Ich setzte den Weg weiter über die Hauptstraße fort, wobei diese mit abnehmender Höhe immer voller wurde. Immer mehr stinkende, ärmlich gekleidete Menschen waren auf der Straße unterwegs und immer mehr Unrat lag auf der Straße. Wiesel lief mit eingezogenem Schwanz eng neben mir, ihm war dieser Menschenauflauf gar nicht geheuer. Rechts und Links der Straße türmten sich die Häuser direkt an und teilweise auch über dem Bordstein, winzige Gassen, so schmal dass kaum ein Mann aufrecht und mit ausgestreckten Armen hindurch gehen konnte durchzogen dass Gewirr der Häuser, zwischen denen vielerorts Wäscheleinen und Bretter zum Überlaufen in andere Häuser hingen. Etwa auf halber Höhe des Berges befand sich der große Marktplatz, durch die die Straße hindurch lief. Mittlerweile war es keine Allee mehr. Wenn es mal eine war, dann wurden wohl über die vielen Winter hinweg die Bäume gefällt um wenigstens etwas Brennholz zu haben oder sie wurden von den Menschenmassen einfach überrannt. Ich schlenderte kurz zu einem der zahlreichen Marktstände, schnappte mir eine gut aussehende Frucht und warf dem Händler eine Silbermünze zu. Er freute sich wahnsinnig über sein Glück. Wahrscheinlich war eine Silbermünze zu viel, aber ich hatte auch keine Lust lange in der Tasche herum zu kramen. An einem anderen Stand kaufte ich Wiesel ein paar Würste. Weiter unten, kurz vor dem Haupttor der Stadt stand es noch schlimmer um die Menschen. Die Häuser waren verdreckt, teilweise einsturzgefährdet und generell mehr grau als weiß. Die Gassen waren noch enger und noch verschmutzter. Entlang der Hauptstraße waren Wachen aufgestellt, um das Gesindel in den Gassen von der Straße fern zu halten, denn dieser Teil der Stadt war das Territorium der Diebe, Mörder und anderer Verursacher böser Machenschaften und ein Zentrum der Korruption. Kurz darauf erreichte ich die riesige, weiße Stadtmauer. Sie war fast 30 Mann hoch, gut gepflegt um eventuellen Angriffen lange standhalten zu können und war mit Soldaten und Wachen gespickt. Die Mauer zog sich rund um die Stadt, in gleichmäßigen Abständen waren massive Türme eingelassen, die noch einmal fast doppelt so hoch wie die Mauer waren und auf deren Spitze sich wieder die blauen Türme wieder fanden. Ich schritt durch das riesige Haupttor, dass kolosshaft über mir gen Himmel ragte. Die Vorfahren hatten zwar einen Sinn für Schönheit, aber trotzdem schienen sie gerne zu übertreiben, dachte ich mir. Das Tor war eines von vier Toren, die in jede Himmelsrichtung aus der Stadt hinaus führten. Dieses war das größte von allen, zehn voll gerüstete Wachen standen auf jeder Seite und betrachteten die vorbei fließenden Massen missmutig. Hinter dem Tor führte die nun nicht mehr gepflasterte Straße hinaus in die Wildnis. Hinaus in die Freiheit. Ich grinste glücklich und schritt etwas weiter aus, um schneller Anzukommen, wo auch immer mich mein Weg hin führen würde. Die Welt hinter dem Tor sah gleich ganz anders aus. Die Straße war nur noch eine von Schlaglöchern gespickte Holperpiste, die durch den starken Regen der letzten Tage völlig matschig und aufgewühlt war. Unzählige Wagenräder hatten tiefe Spurrillen gezogen und man konnte die Pferdeäpfel häufig nicht von Matschhaufen unterscheiden. Ein breiter Ring von kleinen Holzhütten umzog die Stadt. Hier lebten all die jenigen, die aus der Stadt verbannt waren, oder keinen Platz mehr fanden. Das Königreich quoll über, es gab zu wenig Essen, zu wenig Platz und zu viele Menschen. Leid und Hunger quoll über all aus den unverglasten Fenstern der Hütten. Es stank widerlich nach Aas und Exkrementen. Überall erlosch Leben und wurde neues, hoffnungsloses geboren. Wie gut, dass ich nicht zu diesem Gesindel gehöre, dachte ich mir nur. Mein Vater würde schon dafür sorgen, dass immer genug zu Essen auf den Tisch kam. Nach weiteren zehn Minuten hatte ich auch diesen unschönen Teil der Stadt verlassen und nun befand ich mich inmitten der weitläufigen Felder. Die Menschenmasse hatte sich mittlerweile verteilt und immer weniger Menschen kreuzten meinen Weg. Überall waren Bauern auf den Feldern und ernteten Getreide, Hopfen und Früchte. Wiesel war nun ausgelassener, beschnupperte jede Ecke, markierte sein Revier und tollte ausgelassen durch das hohe Gras am Wegesrand. Die Sonne stand hoch am Himmel und beleuchtete die Welt in ihrem herbstlichen Schein. Ich schloss die Augen, hob den Kopf und ließ mir genüsslich das Gesicht vom warmen Sonnenschein umfließen. Orangene Blätter wirbelten im wilden Spiel des Windes durch die Luft und Wiesel fand sichtlichen Spaß daran ihnen hinterher zu rennen und sie aus der Luft zu schnappen. Nach einiger Zeit erreichten wir eine Weggabelung, die in alle möglichen verschiedenen Teile des Königreichs und auch andere Königreiche führte. Ich stand einige Momente unentschlossen an der Weggabelung und entschied mich schließlich für einen schmalen Weg, der nach Furgudas, einem kleinen Dorf westlich von Silberfels führte. Ich wollte nicht nach Furgudas, aber ich wusste, dass in der Richtung die schönsten Wiesen der Umgebung lagen, und da ich eh gesagt hatte, dass ich einen schönen Nachmittag auf den Wiesen verbringen wollte, dachte ich mir, dass ich das auch ruhig machen könnte. So schlenderten wir einige Zeit den Trampelpfad unter laubenden Bäumen entlang, der nur sehr wenig begangen war. Auf der gesamten Strecke kam uns niemand entgegen. Irgendwann spuckte uns der Weg auf den Wiesen aus. Ich suchte nach einem schönen, halbwegs trockenen und warmen Plätzchen und fand schließlich einen flachen Findling, den die Sonne ordentlich aufgeheizt hatte und auf dem ich mich nun niederließ, nachdem ich den Rucksack neben mir abgelegt hatte. Wiesel tollte auf der Wiese herum und schnappte nach den letzten Schmetterlingen, die sich noch blicken ließen. Verträumt schaute ich mich um. In meinem Rücken befand sich der Wald, dessen Laubbäume orangerot in der Sonne leuchteten. Linkerhand entsprang ein Bach und schlängelte seinen Weg durch das hohe Gras mit, das mit dutzenden bunter Blumen gespickt war. Die Blumen schienen die letzten Sonnenstrahlen aufzufangen und schienen mit den anderen Blumen um die meiste Sonne zu konkurrieren, denn sie waren alle noch ein mal prächtig aufgeblüht und schillerten in allen Farben und Formen. Etliche Mücken und Insekten segelten durch die Luft, hell umrahmt im Sonnenlicht und wurden von den letzten Vögeln geschnappt, damit sie den Winter überstanden. Vor mir standen keine Bäume und die Wiese lief abschüssig ins Tal hinab. Von hier aus hatte man einen fantastischen Ausblick auf die gegenüberliegenden Berge, auf deren Kuppen sich schon der erste Schnee abzeichnete. Auch sie waren rotbraun gefärbt und schienen in dem hellen Sonnenlicht zu brennen.
So saß ich dort einige Zeit, während die Sonne ihren Lauf nahm. Wiesel hatte sich inzwischen ausgetobt und war unter meinen Arm gekrabbelt, wo ich ihn sanft streichelte. Er genoss es mit einem leisen Brummen. Dort saßen wir nun, betrachteten zufrieden die Landschaft und fühlten uns einfach wohl. Irgendwann nahm ich meinen Rucksack zur Hand, gab Wiesel die Würstchen aß selber die Frucht und nahm ein Buch zur Hand, um es endlich weiter lesen zu können.
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Re: Die Herrschaft des Feuers

Beitragvon Upsnixan » 18 Sep 2013, 21:11

Sehr schön.Jetzt kommen die Wölfe aus dem Wald und der Stallbursche eilt herbei und rettet Lio.

Re: Die Herrschaft des Feuers

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