Bauchgefühle

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Saltoboy
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Bauchgefühle

Beitragvon Saltoboy » 12 Jan 2017, 10:29

In Wartezimmern herrschte immer diese unangenehme Atmosphäre, die Branko über alles hasste. Alle saßen da und warteten, dass sie endlich aufgerufen wurden, selten sprach jemand, so war es zumindest heute. Manchmal saßen dort ein paar ältere Damen, die über dieses oder jenes körperliches Gebrechen klagten, doch heute war mal wieder alles still. Jeder schien den Blickkontakt mit dem anderen vermeiden zu wollen und hoffte auf ein baldiges Entrinnen aus diesem Vorort der Hölle.
Für Branko war jeder Besuch wieder eine Qual, denn das Wartezimmer war noch das geringste Übel. Dabei musste er mittlerweile nicht mehr besonders häufig zum Arzt, aber in seiner Kindheit hatte er sehr viel Zeit im Krankenhaus oder in Wartezimmern irgendwelcher Fachärzte verbracht. Mittlerweile hatte er sich erholt, wohl aber nicht die Angst vor dem Besuch beim Onkel Doktor abgelegt. Da half es auch nicht, dass der junge Arzt, der vor einem halben Jahr in die Gemeinschaftspraxis eingestiegen war, ganz süß war. Und heute war er auch nur hier, um sich ein Attest zu besorgen, das er benötigte, um sich vor der heute anstehenden Klausur drücken zu können. Er hatte es einfach nicht geschafft, bei allem was um ihn herum losgewesen war in den letzten Tagen, sich auf den Lernstoff konzentrieren zu können. Es ärgerte ihn ungemein, aber war letztendlich nur ein kleineres Übel. Ungeduldig trommelte er mit seinen Fingern auf seinem Bein herum und lehnte den Kopf etwas in den Nacken.
Leo hatte ihn gestern urplötzlich wieder angerufen. Was wollte Leo? Was hatte er im Sinn, wenn er nach so langer Zeit wieder den Kontakt zu ihm suchte und „einfach nur quatschen“ wollte? Wenn Branko darüber nachdachte, konnte da irgendetwas nicht stimmen. Vor allem nach dem was damals zwischen ihnen vorgefallen war. Leo war Brankos bester Freund gewesen, schon seit der fünften Klasse. Er war quasi nie von Brankos Seite gewichen, fast wie sein eigener Schatten. Zwar musste man zugeben, dass Leo nicht grade ein zweiter Einstein gewesen war. In der Schule war es jedenfalls immer so gewesen. Branko hätte nicht einmal behauptet, dass er dumm gewesen wäre. Er hatte es lieber so ausgedrückt, dass Leo immer etwas leichtgläubig und denkfaul war, denn schließlich hatte er sich immer irgendwie durchgemogelt und sogar letztendlich ohne Probleme sein Abitur bestanden. Und dann war etwas passiert, wofür sich Branko immer noch schämte und immer noch einen Groll gegen sein damaliges Ich hegte. Es war eine Nacht gewesen, die er so nie wieder vergessen hatte. Ein warmer Sommerabend Anfang Juli. Sie hatten grade alle ihren Schulabschluss in der Tasche und waren nach dem Schulabschlussball noch nicht müde genug, um nicht noch ein wenig um die Häuser ziehen zu wollen. Leo, er und noch zwei andere aus ihrer damaligen Klasse. Ausgelassen hatten sie gefeiert und Branko kämpfte schon seit längerem mit einer Zuneigung zu Leo für die er sich selbst verabscheute und die er Tag für Tag verfluchte. Sie waren durch dick und dünn gegangen, hatten alles zusammen erlebt und dann plötzlich von heute auf morgen, waren sie da. Diese Gefühle und diese Gedanken, wie es wohl wäre. Er kannte Leo in und auswendig und dass trotzdem noch solche Gefühle in ihm aufkommen würden, damit hatte er nie im Leben gerechnet. Selbst bei all seinem kindischen Gehabe und dem Blödsinn, den er immer wieder in Petto hatte.
Branko schreckte plötzlich hoch, als sein Name aufgerufen wurde. Er schnappte seine Tasche und folgte der Arzthelferin, die ihn in eines der Behandlungszimmer schickte, wo er noch ein paar Minuten auf den Arzt wartete. Dr. Fischer war ein athletischer, dynamischer Mann in seinen Dreißigern. Eigentlich nicht wirklich Brankos Geschmack, aber er hatte etwas an sich, das Branko doch hin und wieder in diese Praxis lockte. „Wo drückt denn der Schuh?“ fragte er, während er sich schwungvoll auf seinen kleinen Drehhocker setzte und zu Branko hinüber rollte.
Branko verzog nur leicht den Mund. „Die ehrliche Antwort oder die Ausrede, die ich mir zurechtgelegt habe?“ grinste er dann. Er wusste genau, dass Dr. Fischer Verständnis haben würde. Er antwortete nicht, sondern lächelte nur nachsichtig.
„Ich hatte privat in letzter Zeit viel um die Ohren und habe es nicht geschafft für die Klausur zu lernen und bevor ich durchfalle hole ich mir lieber ein Attest.“
Dr. Fischer nickte und kramte seinen Attest Block hervor. „Da will ich mal nicht so sein, schließlich war ich auch mal Student. Erzähl aber jetzt nicht allen deinen Kommilitonen, dass es bei mir so einfach Krankmeldungen gibt.“ Er hob eine seiner Augenbrauen und sah Branko gespielt streng an. Er schüttelte bloß wild den Kopf und senkte dann den Blick. Augenkontakt mit so gutaussehenden Männern fiel ihm bis heute nicht leicht. Auch wenn diese Situation völlig unverfänglich war. In seinem Kopf war immer noch nicht ganz angekommen, dass er seinem Babyspeck entwachsen war und sich in den letzten Jahren zu einem eigentlich ganz ansehnlichen jungen Mann entwickelt hatte.

Branko verließ die Praxis mit dem Attest in der Tasche, aber einem flauen Gefühl im Magen. Es war nicht seine Art eine Klausur einfach zu versäumen. Eigentlich war er sehr strebsam und zielorientiert. War mit seinem Studium perfekt im Zeitplan, doch manchmal stellte das Leben einem doch ein Bein. In seinem Fall nicht das erste, aber dieses hatte er wirklich nicht kommen sehen. Zunächst war vor ein paar Wochen sein Großvater verstorben, den er immer sehr geschätzt hatte und zu dem er ein enges Verhältnis pflegte. Vielleicht nicht besonders liebevoll, aber voller Respekt und Hochachtung. Seine Mutter war wieder in der Klinik und schlussendlich hatte sein Vermieter ihnen vor einiger Zeit die Wohnung aufgrund von Eigenbedarf gekündigt. Deshalb waren sie unter Hochdruck auf der Suche nach einer neuen Bleibe, da der Auszugstermin nicht mehr so lange auf sich warten ließ. Und Branko hatte noch seine dreizehnjährige kleine Schwester am Hals, um die er sich nach Schulschluss kümmern musste. Zwar unterstützen ihn seine Mitbewohner Flo und Olivia dabei tatkräftig, aber auch sie hatten mehr als genug Verpflichtungen am Hals, sodass es selten für mehr als ein paar Partien Uno reichte. Und das war natürlich auch nichts womit man frischgebackene Pubertierende lange an der Stange hielt. Höchstens, wenn man ihr einen ganz hübschen zwanzigjährigen vor die Nase setzte. Und Lea verstand natürlich nicht, was es hieß für ein Maschinenbaustudium zu lernen und dass dies mehr Arbeit erforderte, als eine Mathearbeit in der siebten Klasse.
Und in all den Trubel, der sich um ihn herum abspielte, platzte plötzlich sein ehemaliger bester Freund, von dem er seit über einem Jahr kein Wort gehört hatte. Und Branko hatte grade gedacht, er hätte dieses Debakel, was sich damals abgespielt hatte überwunden, oder zumindest ein wenig verarbeiten.
„Es tut mir leid, dass das damals unsere Freundschaft so kaputt gemacht hat,“ hatte Leo am Ende gesagt. „Ich wusste einfach nicht, wie ich damit umgehen sollte.“ Gemeint hatte er damit wohl eher: Ich wusste nicht, wie ich mit dir umgehen sollte.
Dass Branko eine Schwäche für das männliche Geschlecht hatte, war ein offenes Geheimnis gewesen und hatte bis zu jenem Tag nie ein größeres Problem dargestellt. Doch in der Nacht hatten sich der Alkohol und sein Herz über seinen Verstand hinweggesetzt. Seitdem hatte Branko Abstand von hochprozentigen Getränken genommen und war lieber bei Bier geblieben oder seltener Wein. Getränke bei denen es ihm leichter fiel die Kontrolle über sich zu behalten, wenn er sie in Maßen genoss.
„Es war mein Fehler. Ich wollte das eigentlich gar nicht, aber ich war halt betrunken,“ hatte er auf Leos Entschuldigung nur erwidert. Natürlich war es im Allgemeinen seine Schuld gewesen, dass die Stimmung zwischen ihnen nach diesem Vorfall auf dem Tiefpunkt war, aber irgendwie auch Leos, da dieser ihm wenige Wochen später verkündete, er würde einen Studienplatz in einer anderen Stadt annehmen. Natürlich hatte Branko sich für ihn gefreut, aber ihm war auch bewusst gewesen, dass es bedeutete, dass Leo auf der anderen Seite von Deutschland studieren würde.
Wäre der Zwischenfall nicht gewesen, dann hätte ihre Freundschaft das mit Sicherheit überlebt, vielleicht wäre Leo auch gar nicht so weit weggezogen, aber unter den Umständen hatten sie keine Chance. Und dann war sein bester Freund weg. Branko hatte versucht ihm zu schreiben, einmal hatte er ihn sogar besucht, aber es war einfach nicht mehr das gleiche. Leo war abweisend, kalt und vor allem zurückhaltend. Und wenn Leo eines nicht war, dann das.
Branko hatte es sehr verletzt, dass sein bester Freund nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte. Es hatte ihm praktisch das Herz gebrochen. Und das alles nur, weil er seine blöden Gefühle nicht unter Kontrolle gehabt hatte. Eigentlich hatte er sich schon für so reif gehalten, dass er darüberstand, sich zeitweise sogar eingeredet, dass es bloß eine Phase war und es wieder vorbeigehen würde. Vielleicht wäre es das auch. Das ließ sich jedenfalls im Nachhinein nicht mehr beurteilen. Ja die Gefühle Leo gegenüber hatten sich geändert, aber es hatte sich eher in Enttäuschung verwandelt. Wie hatten sie alles durchstehen können und dann machten ein paar kleine Worte alles zunichte?

Branko schloss die Wohnungstür auf und stellte seinen Rucksack neben die Tür. Es war niemand zuhause und bis er Lea vom Tanzunterricht abholen musste war noch etwas Zeit.

Bauchgefühle

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Saltoboy » 14 Jan 2017, 00:41

Lea stand schon draußen, als Branko etwas verspätet ankam. Ihre Sporttasche lag auf dem Boden, sie hatte sie nachlässig hingeworfen. Branko winkte ihr von der anderen Straßenseite zu, bevor er zu ihr hinüber hastete. Manchmal wusste er nicht, wie er mit seiner kleinen Schwester umgehen sollte. Ihr Altersunterschied betrug immerhin acht Jahre und er war dieser Zeit des Teenagerseins schon zu lange entwachsen, um noch nachfühlen zu können, wie es war in ihrem Alter zu sein. Er hatte sich immer um sie kümmern müssen, aber wusste so wenig von ihr, wie sie von ihm. Mittlerweile war sie vielleicht in dem Alter um sich für Jungs zu interessieren, aber er hatte keine Ahnung, ob es da jemanden gab. Wenn er sie gefragt hätte, wäre es ihr nur peinlich gewesen und sie fragte ihn schließlich auch nicht, wie es bei ihm aussah.
Vor seiner Familie hatte Branko sich nie wirklich geoutet und er wusste auch nicht, ob sie es wusste. Sie verbrachte ihre zwei, manchmal auch drei Nachmittage die Woche bei ihm. Gesprochen wurde allerdings nie viel, und wenn dann nur Oberflächliches.
„Hey,“ rief er atemlos, als er sie erreichte. Lea blickte ihn etwas schnippisch an, während Branko ihre Sporttasche aufhob und sich um die Schulter schwang. Er war ihr großer Bruder und eigentlich fühlte er sich ganz wohl in dieser Rolle. So hatte er wenigstens etwas das Gefühl sie beschützen zu können. Zwar waren sie nur Halbgeschwister, aber trotzdem mochte er dieses Mädchen. Sie war ziemlich klein und zierlich für ihr Alter, während er so ziemlich das komplette Gegenteil verkörperte.
„Wie war dein Tag?“ fragte er, in der Hoffnung ein Gespräch aufbauen zu können.
„Mhm,“ machte sie nur. „Schule eben. Wir haben heute einen Vokabeltest in Englisch geschrieben. Ich glaub das war ganz gut.“ Lea zog den Reißverschluss an ihrer Jacke zu, während sie langsam in Richtung der Bushaltestelle liefen.
„Das ist doch toll. Ich habe heute Morgen Mama besucht,“ erklärte er ihr und warf einen kurzen Blick auf sein Handy.
„Oh und wie geht es ihr? Besser? Weißt du schon, wann sie wieder nach Hause kommt?“
Branko seufzte innerlich. Es würde noch einige Zeit dauern, bis das geschehen würde, aber das wollte er ihr eigentlich nicht sagen.
„Ich hoffe bald. Sie wirkte, als würde es ihr dort ganz gut gehen. Willst du vielleicht beim nächsten Mal mitkommen? Sie hat nach dir gefragt.“
Lea zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht,“ murmelte sie nur leise.
Es war für September ganz schön kalt geworden und es regnete den ganzen Tag immer mal wieder. Im Moment war es zum Glück trocken.
„Du Branko. Ich geh morgen mit zu einer Schulfreundin nach der Schule, du brauchst mich also nicht abholen.“
Branko wusste nicht, ob das gelogen war, aber er war ganz erleichtert, weil in fünf Tagen die nächste Klausur anstand und die wollte er nicht auch noch verpassen.
„Okay,“ meinte er also nur und blickte sie von der Seite an. Wie erwachsen sie schon geworden war. Aber was wollte man auch erwarten, wenn die Mutter häufiger weg, als zuhause war und ihr Vater war meistens mit Arbeit beschäftigt. Er holte sie Abends bei Branko oder ihrer Tante ab und schickte sie morgens zur Schule. Mehr war da auch nicht.

Als sie zuhause waren, parkte er Lea vor dem Fernseher und versuchte sich den längst überfälligen Aufgaben für die Uni zu widmen, während Lea sich Gossip Girl auf seinem Netflix-Account ansah. Das lenkte ihn wenigstens nicht ab, weil die Probleme der Reichen und Schönen ihn eher weniger interessieren.
Nach einer Weile kam Olivia dazu und setzte sich zu ihr. Branko war wirklich froh, dass sie sich so gut mit seiner kleinen Schwester verstand, denn so fiel es ihm viel einfacher sich auf seine Arbeit zu konzentrieren.
Ihm schwirrte etwas der Kopf, als plötzlich sein Handy in seiner Hosentasche vibrierte. Hastig blickte er darauf, weil er sich irgendwie erhofft hatte, dass Leo noch einmal anrief. Die Situation war nach dem gestrigen Telefonat irgendwie in der Luft hängen geblieben. Doch es war nicht Leo und da fiel es Branko wieder ein. Er stand auf und verließ den Raum, bevor er abnahm. Lea sollte nicht unbedingt etwas davon mitbekommen.
„Hey, wie siehts aus?“ fragte Hugo fröhlich am anderen Ende der Leitung.
„Es tut mir sooooo leid,“ antwortete er und hoffte, dass man seiner Stimme anmerkte, dass es stimmte. „Als wir das mit heute ausgemacht haben wusste ich nicht, dass ich heute auf meine kleine Schwester aufpassen muss. Ich habe es einfach total vergessen.“
„Das ist schade. Wie lange denn noch? Ich könnte auch heute Abend vorbeikommen und wir kochen noch was oder so.“
Hugo war wirklich ein so lieber Kerl und er hatte es wirklich nicht verdient, dass Branko ihn andauernd versetzte. Sie kannten sich schon länger, aber bisher hatte sich nichts Eindeutiges entwickeln können, was vielleicht daran lag, dass Branko ihn auf Abstand hielt.
„Ich denke sie bleibt noch bis neun oder halb zehn. Ich weiß nicht, ob es sich dann noch für dich lohnt.“ Er verzog leicht den Mund, als er das sagte und lief im Flur auf und ab.
„Was wäre denn dabei, wenn ein Freund zum Essen vorbeikommt? Ich würde die junge Dame gerne mal kennenlernen, wegen der du mir dauernd absagst.“
Branko war eigentlich nicht ganz wohl dabei, aber irgendwo hatte Hugo ja auch recht. Olivia würde schließlich auch dabei sein.
„Ich weiß nicht,“ murmelte Branko und fuhr sich durch die dunklen Haare. Einerseits wollte er Hugo gerne sehen, wusste aber nicht, ob dieser Wunsch stark genug war, um ihn dazu zu holen, wenn seine Schwester dabei war. Vermutlich würde er ihm nicht mehr lange hinterherlaufen, denn Branko ließ ihn schon viel zu lange zappeln. Er sperrte sich etwas gegen die Vorstellung es zu etwas Ernsterem kommen zu lassen. Ein paar Mal hatten sie geknutscht und das war auch wirklich schön gewesen, aber es fiel ihm einfach viel zu schwer sich einer anderen Person gegenüber zu öffnen. Und in einer Beziehung würde er das unweigerlich tun müssen.
„Also wenn du nicht willst, dann ist das auch in Ordnung. Wir finden schon einen Termin.“
Branko resignierte. „Ich würde eh gleich kochen. Komm vorbei.“
„Ehrlich?“ Hugo klang so überrascht, dass Branko darüber ein wenig schmunzeln musste. Man merkte, dass er die Hoffnung quasi schon aufgegeben hatte. „Soll ich was mitbringen? Vielleicht was zu trinken?“
„Das wäre super, aber nichts Alkoholisches,“ mahnte er ihn.
„Wie wäre es denn mit Wein für uns und Apfelschorle für deine Schwester? Sind deine Mitbewohner auch da?“
Es war wirklich selten, dass man einen so netten und anständigen Jungen traf, wie Hugo es war. Wo genau Brankos Vorbehalte lagen, konnte er selbst nicht genau sagen. Eigentlich hätte er alles tun müssen, um ihn für sich zu gewinnen. Trotzdem hatte er häufig das Gefühl sich nicht so recht entscheiden zu können.
„Ja. Also Olivia jedenfalls. Flo ist noch unterwegs. Er sollte später aber auch hier sein.“
„Okay, okay. Ich werde mich dann gleich mal auf den Weg machen. Bis gleich.“ Branko zweifelte kurz, wusste aber, dass er jetzt keinen Rückzieher mehr machen konnte.

Als er zurück ins Wohnzimmer kam, plauderten Lea und Olivia grade, sie hatten offensichtlich kaum bemerkt, dass Branko das Zimmer kurzzeitig verlassen hatte.
„Ähm,“ machte dieser, um sich Gehör zu verschaffen. „Habt ihr schon Hunger? Es kommt gleich ein Freund zum Essen vorbei. Ich würde schon mal anfangen mit dem Kochen.“
Lea nickte nur, aber Oli begann plötzlich zu grinsen. Es war so ein wissendes Grinsen, als hätte sie Brankos Stimme angehört, dass es eben nicht nur ein Freund war. Sie sprang auf und zog ihren Mitbewohner mit sich in die Küche. Manchmal hatte sie so eine Art an sich, die Branko irritierte. Sie war halt ein Mädchen und die waren häufiger weniger begriffsstutzig, was so etwas anging, als die meisten Männer.
„Also ein Freund. So so. Beginnt sein Vorname zufällig mit H? Wie kommt es, dass du ihn einlädst, wo deine Schwester da ist? Ich dachte du willst nicht, dass sie von so etwas mitbekommt?“
Branko seufzte, diesmal sehr laut und verdrehte vielleicht sogar etwas die Augen. Oli war super, aber sie war einfach viel zu neugierig und dafür war Branko eigentlich nicht so der Typ. Er plauderte ungerne aus dem Nähkästchen.
„Er kommt als Freund. Ich habe unsere Verabredung vergessen und eigentlich wollte ich ihm lieber absagen, aber das wäre in den letzten zwei Wochen das dritte Mal. Und ich mein, was ist schon dabei? Sie muss ja nicht wissen, dass da was mit ihm ist.“
Jetzt grinste Olivia noch breiter und Branko hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen dafür. Bisher hatte er schließlich noch nicht zugegeben, dass zwischen ihnen etwas passiert war.
„Ich wusste es doch. Ich wusste es. Bleibt er heute Nacht hier?“
Branko wandte sich von ihr ab und begann damit einen Topf aus dem Schrank neben der Spüle zu kramen. Er wollte eigentlich wirklich nicht mit irgendwem über Hugo sprechen. Vor allem nicht mit ihr, da er wusste, dass sie ihn dazu bequatschen würde sich häufiger mit dem Jungen zu treffen.
„Ich weiß es nicht. Darüber haben wir nicht gesprochen und ehrlich gesagt sind wir glaub ich auch noch nicht so weit.“
Jetzt war es an Olivia die Augen zu verdrehen. „Mensch Branko. Ich glaube du hast ihn echt gerne und er ist doch ein toller Kerl, also warum lässt du ihn nicht einfach ein bisschen an dich heran.“
„Ich muss doch nicht mit jedem Typ gleich ins Bett gehen, nur weil ich mich ein paar Mal mit ihm getroffen hab.“ Etwas unbeholfen kramte er ein paar Zutaten aus dem Kühlschrank. Er mochte es nicht, dass Olivia das immer versuchte. Dieser Wille Branko zu einem umgänglicheren Menschen machen zu wollen, war zum verrückt werden. Also schnappte er sich ein Messer aus dem Messerblock und begann drauf los zu schnippeln.
„Das meinte ich auch überhaupt nicht. Aber guck mal, du hattest doch auch schon einmal ein One Night Stand und den kanntest du überhaupt nicht. Ich meinte nicht, dass du mit ihm schlafen sollst, sondern, dass du dich ihm gegenüber nicht mehr wie der letzte Arsch verhältst.“
„Mach ich das denn?“ fragte Branko etwas desinteressiert.
„Oh ja. Als er das letzte Mal hier war, da hast du dich ihm gegenüber wirklich ziemlich gemein verhalten. Du hast ihn buchstäblich ignoriert, obwohl wir nur zu dritt dasaßen. Und als er versucht hat sich beim Film etwas anzulehnen, da bist du von ihm weggerutscht. Keine Ahnung, ob dir das vor mir peinlich war oder so, aber sei bitte nicht mehr so abweisend zu ihm. Wenn er traurig aussieht, dann guckt er immer wie ein getretener Hund und das kann ich nicht mit ansehen.“
Jetzt musste Branko doch lachen. Er wusste, welchen Ausdruck Olivia meinte und sie hatte recht. Bei dem Blick konnte man wirklich weich werden.

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon nobodyfrm » 16 Jan 2017, 11:03

Frauen und ihre übernatürlichen Fähigkeiten... ob die Schwester auch schon was ahnt? Weiber taschenbea ja auch über alles mögliche, vllt. hat sie ja auch schon mit Olivia darüber geredet?

Bin gespannt, wie es weitergeht...

LG nobody.

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Saltoboy » 16 Jan 2017, 19:31

Danke Nobody für deinen Kommentar. Ich bin schon häufig selbst Opfer dieser Fähigkeiten geworden :D Das kann ganz schön gefährlich werden :D
So gehts jedenfalls weiter:



Branko stand grade am Herd, als er klingelte. Merkwürdigerweise begann sein Herz wie wild zu klopfen. Er war sich allerdings nicht ganz sicher, ob es war, weil er nervös war oder, weil er sich freute Hugo wieder zu sehen. Vermutlich war es eine Mischung.
Er schlenderte zur Tür und drückte den Summer, dann kehrte er wieder zurück in die Küche, ließ aber die Tür offen. Er konnte Hugo schon im Treppenhaus hören, wie er sich die Schuhe auszog und dann hinter sich die Wohnungstür schloss.
Nach ein paar Augenblicken steckte er den Kopf durch die Tür. Branko sah ihn beiläufig an, wandte sich dann aber wieder dem Kochtopf zu.
„Hey,“ sagte Hugo und kam dann doch in die Küche. Er drückte Branko sanft einen Kuss auf die Wange und lächelte ihn an.
„Das geht wirklich nicht, wenn sie da ist,“ murmelte er und schloss die Augen. Das alles war ihm einfach zu unangenehm.
„Hallo erst mal. Und ich sehe sie grade nicht hier. Da wirst du mich doch wenigstens begrüßen können.“
Jetzt ahnte Branko, was Olivia eben gemeint hatte, als sie behauptete, er würde sich wie ein Arschloch verhalten.
„Tut mir leid,“ flüsterte er also und drehte sich nun doch zu Hugo, umarmte ihn kurz. Manchmal wäre er anderen Menschen gegenüber gerne herzlicher, aber das lag irgendwie nicht in seiner Natur.
„Was kochst du denn leckeres?“
„Spaghetti Bolognese. Ich hoffe es schmeckt.“ Branko versuchte etwas den Blickkontakt zu vermeiden, aber Hugo stand so penetrant neben ihm und schaute ihn an.
„Also riechen tut es schon mal sehr gut,“ lächelte er. „Ich sag mal schnell drüben Hallo. Bin gleich wieder da. Wenn du magst kannst du schon mal den Wein aus meinem Rucksack holen.“ Es folgte ein kurzes Zwinkern und dann verschwand er im Wohnzimmer.
Branko konnte ihn hören, wie er sich seiner Schwester vorstellte und kurz mit Olivia über seinen Tag plauderte. Offenbar war er arbeiten gewesen und hatte ein positives Klausurergebnis erzielt. Es war irgendwie schön ihn so reden zu hören und dass er so offen und gut gelaunt war. Dieser Tonfall heiterte Branko etwas auf. Er bückte sich und hob Hugos Rucksack auf, den er neben der Küchentür abgestellt hatte. Er holte den Wein heraus und scheinbar ging der Junge davon aus, dass er heute Nacht hier bleiben würde, denn im Rucksack befand sich alles, was man für eine Übernachtung benötigte. Dabei wurde Branko etwas unbehaglich zu Mute. Schließlich wollte er Hugo nicht enttäuschen, aber er konnte sich auch nicht ganz vorstellen das Bett mit ihm zu teilen. Würde er ihn auf die Couch verbannen können, ohne dass es peinlich wurde?
„Ah du hast ihn gefunden. Ich hoffe du magst Weißwein.“
Branko nickte. „Ja doch. Wollen wir Olivia fragen, ob sie auch was will?“
Hugo zuckte mit den Schultern und schloss die Küchentür. „Wir können ja auch erst mal alleine ein Glas trinken, während das hier noch kocht. Und die beiden scheinen sich da drüben auch ganz gut ohne uns zu amüsieren.“ Er lächelte und dieses Lächeln steckte Branko nun doch ein wenig an. Er hielt dem Blick jedoch nicht lange stand und sah zu Boden. Um nicht weiter peinlich berührt dazustehen, bewegte er sich und holte zwei Gläser auf dem Schrank in der Ecke.
Mit Hugo war es auch so ein Fall. Er verstand nicht so recht, warum dieser sich überhaupt für ihn interessierte. Er war wirklich nicht hässlich. Eher im Gegenteil. Mit seinen hellen Augen und den braunen Haaren sah er wirklich gut aus. Er war kleiner als Branko, aber das war auch keine Kunst. Man merkte ihm auch nicht auf den ersten Blick an, dass er schwul war und das sprach, nach Brankos Geschmack, definitiv für ihn.
„Wie war denn dein Tag? Was hast du so gemacht?“ fragte Hugo und setzte sich an den kleinen Küchentisch, während Branko die Flasche öffnete. Er spürte, dass er dabei gemustert wurde. Sie hatten sich ja jetzt auch eine Weile nicht gesehen.
„Es war zu ertragen. Ich war beim Arzt, um mir ein Attest für die Klausur heute zu holen, dann habe ich noch ein bisschen gelernt, bevor ich Lea abgeholt habe.“ Die Geschichte mit seiner Mutter ließ er dabei absichtlich aus, dieses Gespräch war definitiv nicht das Forum um so etwas zu erzählen.
„Und bei dir?“ Er setzte sich nun auch an den Tisch und schenkte erst Hugo etwas ein, dann sich selbst.
„Bei mir war es genauso spannend. Arbeit und so. Warum hast du dir denn ein Attest für die Klausur geholt?“ fragte er interessiert und hob dabei das Glas, um anzustoßen.
Es klirrte geräuschvoll, als die beiden Gläser zusammenstießen und Branko nahm zunächst einen Schluck bevor er antwortete. „Zu wenig Zeit zum Lernen gehabt. Ich wäre zu hundert Prozent durchgefallen und da war das die einzige Alternative.“
Hugo nickte daraufhin nur verständnisvoll. „Da kann ich ja froh sein, dass ich jetzt hier bin, bei deinem vollen Terminkalender.“ Er griff nach Brankos Hand, die grade auf dem Tisch lag und sprach direkt aus, was diesem dabei durch den Kopf ging. „Sie wird schon nicht reinkommen und uns beim Händchenhalten erwischen,“ grinste er nur und Branko entspannte seine Hand etwas. Drückte vorsichtig zu.
Hugos Finger streichelten sanft seine Handfläche und er lächelte ihn an. Und Branko kam nicht umhin zurück zu lächeln, blickte ein paar Momente in die Augen seines Gegenübers, verlor sich vielleicht sogar ein bisschen darin. Er war wirklich schön, die warme Hand in seiner zu spüren. Es kam ihm plötzlich irgendwie so vertraut vor und er spürte sogar ein bisschen, wie seiner Herz ihm gegen die Rippen klopfte.
Es war irgendwie schade, dass der Moment durch ein Prasseln unterbrochen wurde, das von Wasser auf einer heißen Herdplatte herrührte.
Branko sprang auf und zog den Topf hinunter. „Die sollten fertig sein. Kannst du vielleicht drüben schon mal den Tisch decken? Geschirr ist in dem Schrank dadrüben, wo ich eben auch die Gläser rausgeholt habe.“
„Klar!“ Er machte sich direkt an die Arbeit und holte auch das Besteck scheinbar intuitiv aus der Schublade. Er lief damit ins Wohnzimmer, aber nicht ohne Branko einen Klaps auf den Po zu geben.
„Ey,“ machte dieser nur und versuchte die Nudeln abzugießen, ohne sich dabei am heißen Wasser zu verbrennen.

Sie saßen alle am Tisch und Hugo fragte Lea über die Schule aus. Wie die Lehrer so waren, ob sie irgendwelche absonderlichen Mitschüler hatte und zu Brankos Überraschung taute sie richtig auf und erzählte ihm Dinge, von denen Branko noch nie etwas gehört hatte. Offensichtlich konnten alle besser mit ihr als er und er fragte sich woran das lag. Etwas missmutig stocherte er in seinem Essen.
Hugo versetzte ihm mit dem Fuß unter dem Tisch einen sanften Stoß und lächelte ihn aufmunternd an. Doch irgendwie war Branko grade nicht nach Lächeln zu Mute.
„Studierst du auch?“ fragte Lea plötzlich und äußerst interessiert.
Hugo nickte nur und antwortete dann „Ja Sport und Mathe auf Lehramt. Also wenn alles gut läuft bin ich vielleicht in ein paar Jahren dein Lehrer.“ Er grinste und Lea schien etwas erschrocken.
„Meinst du, dass du dazu rechtzeitig fertig wirst?“ witzelte Olivia und streute sich noch mehr Käse über ihre Nudeln.
„Natürlich,“ rief Hugo mit halb vollem Mund. „Ich bin ja schon fast fertig,“ fügte er hinzu, als er gekaut und hinuntergeschluckt hatte.
Fast fertig war vielleicht übertrieben, aber bis Lea ihren Schulabschluss machte, würde er definitiv fertig sein. Er war auch schon etwas älter als Branko und arbeitete nebenher als Kellner in einem Café.
Irgendwie hatte Branko nicht aufgepasst und sie hatten längst das Thema gewechselt.
„Was sagst du dazu?“ fragte Olivia, während sie versuchte ein paar Nudeln auf ihre Gabel aufzudrehen.
„Wozu?“ Branko war wirklich total abgedriftet.
„Wir hätten hier grade auch den nächsten Atomkrieg planen können und du hättest das nicht mitbekommen,“ lachte Hugo und legte ihm dabei seine Hand auf die Schulter.
Branko brummte nur und nahm auch einen Bissen vom Essen.
„Wir haben grade darüber geredet nächste Woche Lasertag spielen zu gehen,“ erklärte Olivia und blickte ihn fragend an.
„Puh. Ich habe eigentlich nicht so viel Zeit dafür. Ich muss halt lernen.“
„Du lernst die ganze Zeit. Lass dich doch mal ein bisschen ablenken.“ Alle sahen Branko an, nachdem Olivia das gesagt hatte. Dieser hob nur beide Hände.
„Ihr seid ja auch schon durch mit euren Klausuren. Donnerstag würde eventuell gehen,“ räumte er dann jedoch ein.
„Hugo, du kommst aber auch mit oder?“ fragte Lea und lächelte ihn an. Branko wurde etwas unbehaglich zu Mute. Er wollte nicht, dass sie ihn zu sehr ins Herz schloss, falls aus ihnen nichts wurde.
Hugo blickte Branko fragend an, der nur die Schultern zuckte und sich wieder seinem Teller zu wandte. Es fiel ihm plötzlich schwer zu schlucken, also nahm er etwas von dem Wein.
„Ich wüsste nicht wieso nicht, schließlich war es deine Idee,“ lachte Olivia und versetzte Branko unterm Tisch einen Tritt, der ziemlich weh tat. Hugo schien das mitbekommen zu haben und grinste in sein Glas. Kurz spürte er seine Hand an seinem Knie. Er zog sie jedoch sofort wieder weg. Irgendwie mochte Branko es ja auch, wenn Hugo ihn berührte. Allerdings war es ihm immer unangenehm, wenn andere dabei waren, auch wenn er wusste, dass diese Gefühle unbegründet waren.

Hugo brachte die Teller in die Küche, während Branko die Spülmaschine einräumte.
„Das war wirklich lecker,“ meinte er und stellte sich neben Branko. „Ich sollte häufiger zum Essen vorbeikommen.“ Er legte seine Hände an Brankos Seite und zog ihn etwas zu sich.
Branko musste sich überwinden, um nicht sofort wieder dicht zu machen, denn Hugo rückte etwas an ihn heran.
„Es tut mir leid,“ brummte Branko und strich dabei sanft über Hugos Arme.
„Was tut dir leid?“ fragte er darauf nur und runzelte die Stirn.
„Dass ich manchmal so bin. Ich weiß, dass ich mich manchmal unfair verhalte, aber mir fällt es einfach nicht so leicht.“
„Mhm,“ machte Hugo. „Ist doch okay. Ich will dich schließlich zu nichts drängen. Ich fände es aber trotzdem schön, wenn wir uns häufiger sehen würden. Ich weiß, dass du momentan in der Uni ziemlich eingespannt bist und auch auf deine Schwester aufpassen musst. Vielleicht klappt das trotzdem.“
Branko lächelte und nickte. „Ja da sollte eigentlich nichts gegen sprechen. Ab Mittwoch habe ich auch wieder mehr Zeit.“ Er zog Hugo leicht zu sich und gab ihm vorsichtig einen Kuss. Scheinbar hatte dieser damit nicht gerechnet, denn er kicherte leicht, schlang kurz seine Arme um Branko und erwiderte den Kuss leidenschaftlich.

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon nobodyfrm » 18 Jan 2017, 14:38

Na geht doch Branko... man darf auch zu seinen Gefühlen stehen und sie zeigen! Deine kleine Schwester wird schon nix dagegen haben - sie mag ihn scheinbar ja eh. Auch wenn es nicht für ewig ist... genieß die Zeit.

In diesem Sinne freue ich mich schon auf den nächsten Teil und bin gespannt, ob das mit der Verabredung klappt und ob sie sich auch öfter sehen werden.

LG nobody.

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon tiba » 19 Jan 2017, 19:23

hui es kommt wieder mal was von dir <3.
Schön geschrieben, und die story ist viel versprechend.

freu mich auf den nächsten Teil :)
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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Saltoboy » 20 Jan 2017, 00:53

Vielen Dank für die lieben Kommentare :) ich freue mich immer über Anmerkungen oder Kritik bzw. natürlich auch Lob. Etwaige Fehler bitte ich zu entschuldigen. Bei selbstgeschriebenen Texten fällt mir die Fehlersuche komischerweise schwerer als bei Fremden :roll: Trotzdem wünsche ich euch viel Spaß mit der Fortsetzung ;)



„Damit habe ich jetzt grade nicht gerechnet,“ flüsterte Hugo und schaute Branko ein wenig verlegen von unten her an. Wenn er wollte konnte Branko und das wusste er auch. Er schob Hugo nun vorsichtig von sich und lächelte kurz, fuhr sich dann durch die Haare und wandte sich ab. Er räumte weiter die Spülmaschine ein, so als sei nichts geschehen.
„Du, Branko? Wäre es in Ordnung, wenn ich heute Abend hierbleibe? Ich… naja ich würde jedenfalls gerne hierbleiben, wenn das für dich ok ist.“ Er suchte Brankos Blick und vergrub die Hände in den Hosentaschen. Offenbar machte Branko ihn nervös und dieser konnte nicht verstehen, wie das kam. Seine breite Statur und die braunen Augen, schienen doch eine gewisse Anziehung auf andere Menschen auszuüben. Aber keiner konnte wissen, dass nicht besonders viel dahintersteckte. Er würde sich selbst weder als besonders einfühlsam, noch als sonderlich interessant beschreiben und witzig war er erst recht nicht. Es würde nicht lange dauern, bis Hugo das Interesse verlor.
Branko räusperte sich und klappte die Spülmaschine zu. Er sah Hugo an, dann kratzte er sich im Nacken.
„Ich weiß nicht. Also hier bleiben kannst du auf jeden Fall, aber vielleicht wäre es besser, wenn du auf dem Sofa schläfst.“ Es fiel ihm nicht leicht das zu sagen, weil er wusste, dass er seinem Gegenüber damit vor den Kopf stieß.
„Oh. Ähm ja. Natürlich.“ Hugo drehte sich schon zur Tür, wandte sich dann aber doch noch einmal um und blickte Branko mit gerunzelter Stirn an. „Das klingt jetzt vielleicht doof, aber irgendwie dachte ich, dass zwischen uns was wäre. Und wenn ich das irgendwie in den falschen Hals bekommen habe, dann sag mir das bitte.“
Ihm war die Enttäuschung deutlich anzumerken und Branko schämte sich ein wenig für sein Verhalten. „Du hast das nicht falsch verstanden,“ seufzte er. „Mir geht das nur vielleicht etwas zu schnell.“
Hugo fing an zu lachen und schloss die Augen. „Dass ich hier übernachten will, heißt nicht gleich, dass ich dir an die Wäsche will. Das weißt du oder? Vermutlich hätte ich meine Finger nicht bei mir behalten, aber wenn du noch nicht mit mir schlafen möchtest, dann ist das völlig okay.“ Hugo legte den Kopf schief während er das sagte und blickte Branko nun doch wieder ernst an.
„Wir kennen uns ja schon eine Weile, da wäre das nicht so abwegig,“ erwiderte er nur leise und merkte, wie rot er geworden war.
„Abwegig wäre das ganz und gar nicht,“ lachte Hugo und zwinkerte Branko zu. „Ich kann aber auch verstehen, wenn du dir Zeit lassen willst.“
Wie Branko solche Gespräche hasste und er fand den Gedanken mit Hugo ins Bett zu gehen auch wirklich verlockend, aber er befürchtete, dass ein solcher Schritt gewisse Fragen aufwerfen würde. Schließlich war Hugo kein Junge für eine Nacht. Er mochte ihn wirklich sehr und hatte einfach zu große Angst sich in ihn zu verlieben.
„Also meinetwegen kannst du gerne bleiben. Tut mir leid.“
„Dir braucht nichts leidtun. Ich schlafe auch gerne auf der Couch. Dein Bett wäre mir natürlich lieber, aber ich nehme was ich kriegen kann. Hauptsache ich habe ein Kissen und vielleicht eine Decke.“ Er grinste nun und stupste Branko an. „Du bist wirklich der mysteriöseste Mann den ich seit langem getroffen habe.“
Hugo verschwand damit aus der Küche und Branko stand etwas niedergeschlagen da. Er musste erst einmal einen großen Schluck Wasser trinken, um wieder klar denken zu können.
Im Wohnzimmer setzte er sich neben Hugo auf die Couch und fing einen Blick von Olivia auf, der alles sagte. Sie hatte vom ersten Augenblick einen Narren an Hugo gefressen. Seit Branko ihn das erste Mal mitgebrachte hatte und seitdem stachelte sie ihn jedes Mal an. Wahrscheinlich wäre Hugo heute auch nicht hier, wenn sie sich nicht dafür eingesetzt hätte, dass sie sich weiter trafen. Natürlich war Branko ihr irgendwie dankbar, aber es war manchmal auch etwas nervig.
Für einen Bruchteil einer Sekunde hatte er das Gefühl, dass Lea sie musterte. Sie Blickte jedenfalls ein paar Mal zwischen Branko und Hugo hin und her, wandte dann aber den Blick wieder ab. Ob sie etwas ahnte? Sie war inzwischen schließlich auch dreizehn und nicht auf den Kopf gefallen. Außerdem war er sich nicht so ganz sicher, ob Olivia sie auf Fragen hin anlügen würde. Vermutlich nicht.

Der Abend verging eher schleichend, bis es um viertel nach neun an der Tür klingelte. Flo war nach Hause gekommen und hatte sich dazu gesetzt. Es wurde ein bisschen geplaudert und Branko unterhielt sich ein wenig mit ihm über die anstehende Klausur. Er studierte nämlich das gleiche, war aber bereits zwei Semester weiter und konnte ihm ab und zu Tipps geben.
„Du schaffst das schon. Bis jetzt hast du doch eh alle Klausuren viel besser geschrieben als ich, also wüsste ich nicht, wieso du da durchfallen solltest. Du darfst dich halt nicht zu viel ablenken lassen,“ lachte er mit einem Blick auf Hugo, den dieser gar nicht mitbekam, wohl aber Lea, die ebenfalls Hugo anblickte.
Branko warf daraufhin Flo nur einen warnenden Blick zu und war froh, dass es kurz darauf klingelte. Er brachte Lea noch zur Tür, die ihn kurz mit hochgezogener Augenbraue anblickte und ein: „Bis nächste Woche“, murmelte, bevor sie ihrem Vater ihre Schultasche in die Hand drückte und durch die Tür verschwand.
„Tschüss,“ machte Branko nur und winkte ihr übertrieben freundlich nach. Ihr Vater blickte Branko leicht verzweifelt an, dann kramte er etwas Geld aus seiner Brieftasche.
„Ich habe dir schon hundertmal gesagt, dass ich kein Geld dafür will, dass ich auf sie aufpasse, schließlich ist sie meine kleine Schwester.“
„Aber fürs Essen und alles. Nimm es einfach Branko, ich weiß schließlich, dass es für dich auch nicht so einfach ist.“
Branko murrte, nahm aber den zwanzig Euroschein entgegen, weil es finanziell wirklich nicht besonders gut aussah.
„Danke,“ flüsterte er nur noch und verabschiedete sich. Unglaublich gut hatte er sich nie mit Leas Vater verstanden. Er war auch nur drei Jahre mit seiner Mutter verheiratet gewesen. Danach hatten sie sich ab und zu gesehen und Branko konnte auch verstehen, warum er damals seine Mutter verlassen hatte.
Er ging zurück ins Wohnzimmer. Immer wenn er ihn sah kamen schreckliche Erinnerungen von früher hoch. Wie er seine Mutter angebrüllt hatte und sie zurück.
Flo und Olivia saßen nicht mehr da. Nur noch Hugo, der ihn mit großen Augen anblickte.
„Sie haben uns im Stich gelassen. Beziehungsweise glaube ich, dass sie uns alleine lassen wollten,“ grinste er, während Branko sich wieder neben ihn setzte. „Du bist irgendwie blass. Willst du noch was trinken?“
Branko nickte. „Haben wir noch was von dem Wein?“
„Klar. Ist wirklich alles in Ordnung?“ fragte Hugo, während er ihm nachschenkte. Sie hatten bereits eine zweite Flasche geöffnete, nachdem Flo und Olivia mitgetrunken hatten.
„Ja. Natürlich. Ich bin glaube ich grade einfach ein bisschen zu schnell aufgestanden.“
Er hätte natürlich erzählen können, dass in ihm manchmal schlimme Erinnerungen hochkamen. Fast wie nach einer durchzechten Nacht, wo man sich morgens bruchstückhaft an Dinge erinnerte, die man lieber vergessen hätte. Wodurch genau dies ausgelöst wurden, konnte sich Branko nicht immer genau erklären. Es waren auch meist nur Bilder oder Gerüche die in ihm hochkamen.
„Okay. Hier,“ flüsterte Hugo und reichte ihm den Wein. Branko nahm einen großen Schluck und sah ihn an.
„Deine Schwester ist doch wirklich lieb. Ich versteh gar nicht warum du sie mir bisher vorenthalten hast.“
„Zu mir ist sie nicht immer so lieb. Und ich glaub sie weiß es. Da war vorhin so ein Blick, wie sie uns gemustert hat,“ murmelte Branko und lehnte sich zurück.
Hugo rutschte etwas hin und her, sodass er schließlich so saß, dass er Branko direkt ansehen konnte.
„Meinst du denn, dass das so schlimm wäre? Sie ist ja nun auch kein Kind mehr und sie hätte vermutlich auch kein Problem damit, so wirkte es jedenfalls nicht.“
Sie sahen sich einen Moment an, bis Hugo erneut das Wort ergriff. „Ich weiß, du gibst ungerne etwas von dir preis, aber du wirst sehen, dass es sich manchmal lohnt. Du müsstest dich ihr gegenüber nicht mehr verstellen. Das wäre doch etwas Gutes.“
Branko seufzte. „Ja erst mal abwarten, vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet. Sie muss es jedenfalls nicht wissen.“
„Okay. Ist deine Sache,“ flüsterte Hugo und bewegte sich wieder. Er legte seinen Kopf auf Brankos Schoß. Vorsichtig fuhr dieser ihm durch die Haare, ganz bedacht ließ er sie sich durch die Finger gleiten. Er musterte Hugos Ohren. Sie waren relativ klein, aber vielleicht war es auch nur der Winkel, aus dem Branko sie nun beobachtete. Ihm war der graue Pulli, den er trug, etwas hochgerutscht und entblößte ein Stück seiner Haut am Bauch. Branki verspürte plötzlich ein ziemlich starkes Verlangen nach ihm, aber er unterdrückte den Impuls jetzt etwas zu tun, strich nur weiter durch Hugos Haare. Sie hatten die perfekte Länge um mit den Fingern hineinzugreifen.
Branko erschrak beinahe, als Hugo sich plötzlich streckte und auf den Rücken drehte. Den Kopf nahm er dabei nicht von Brankos Oberschenkeln. Er blinzelte ein paar Mal und gähnte kurz. Dabei sah er ein bisschen aus wie eine kleine Katze. Im Hintergrund lief noch immer der Fernseher, aber offensichtlich interessierte sich Hugo weniger für das Programm, das dort lief.
„Erzähl mir was,“ murmelte er und wischte sich einmal kurz über die Augen.
„Und was?“ Branko war irritiert. Er wusste nie, was er auf solche Fragen antworten sollte. Ihm fiel es ohnehin ziemlich schwer etwas von sich preis zu geben.
„Keine Ahnung. Irgendwas. Ich weiß ja kaum was von dir,“ lachte Hugo und bewegte seinen Kopf ein wenig. „Was liest du gerne oder was ist dein Lieblingsfilm? Wann warst du das letzte Mal mit jemandem zusammen? Halt irgendwas über dich.“
Branko strich ihm noch einmal vorsichtig über den Kopf und merkte, dass seine Hände zitterten.
„Ich…ich weiß nicht. Ich schau gerne schlechte Horrorfilme und gelesen habe ich leider schon länger nicht mehr. Aber wenn, dann Krimis.“
Hugo setzte sich ganz plötzlich auf, wandte sich um und klopfte Branko auf den Oberschenkel.
„Okay,“ er grinste plötzlich. „Schlechte Horrorfilme sind immer lustig. Warum muss man dir immer alles aus der Nase ziehen? Was ist denn mit der letzten Frage?“ Er rutschte etwas hin und her. Manchmal zappelte er nur herum. Hätte er nicht einfach liegenbleiben und sich von Branko den Kopf kraulen lassen können, statt so ein Gespräch anzufangen?
„Wenn du nichts sagst, dann rate ich jetzt einfach. Also, ich glaube, entweder bist du vom letzten Mann sehr enttäuscht worden und gibst deshalb nichts von dir preis, oder du hattest noch nie eine feste Beziehung, weil du eben so zurückhaltend bist.“ Er blickte Branko nun groß und etwas entschuldigend an. Branko starrte nur etwas irritiert zurück und hatte plötzlich einen Kloß im Hals, darum schnappte er sich das Weinglas vom Tisch und nahm noch einen tiefen Schluck.
Er räusperte sich erneut und blickte auf das Glas, drehte es ein wenig in seinen Händen.
„Wer ist nicht schon mal von irgendwem enttäuscht worden und du hast bestimmt auch recht, dass ich mich zu sehr verschließe, aber… ich bin eben so.“
Hugo beugte sich vor und gab Branko einen leichten Kuss auf die Lippen.
„Dann ist es ja gut, dass ich Herausforderungen mag. Das macht es spannender. Und ich hasse es Leute zu enttäuschen, also Pluspunkt für mich,“ grinste er und kuschelte sich an Branko.
„In der Hinsicht habe ich bisher noch nie jemandem die Chance gegeben mich zu enttäuschen,“ murmelte Branko leise und zog Hugo etwas an sich.
„Mhm,“ machte Hugo leise. „Ich will dich mit der Fragerei auch gar nicht nerven. Ich bin nur irgendwie neugierig.“

Branko fühlte sich wohl mit Hugo und das hatte er bisher erst bei einem Menschen so gehabt, wenn auch auf eine ganz andere Weise. Leo hatte schließlich so gut wie alles mitbekommen. Sie hatten sich Lea geschnappt und die Unterschiedlichsten Dinge gemacht, wenn seine Mutter mal wieder zu betrunken war. So häufig war er bei ihm untergekrochen. Leo hatte alles gewusst und Branko hatte kein schlechtes Gefühl dabei gehabt ihm so viel anzuvertrauen. Er hatte ihn nie verurteilt, oder bemitleidet. Sie waren wirklich die besten Freund gewesen. Bis zu dem Tag, an dem sie im Morgengrauen auf dem Spielplatz gesessen hatten und Branko ihm eine Sache offenbart hatte, die er besser doch für sich behalten hätte. Er war nicht mehr klar im Kopf gewesen und sich für einen Moment eingebildet Leo könne das gleiche fühlen. Aber offensichtlich hatte er sich getäuscht und nicht nur darin, sondern auch damit, dass ihre Freundschaft doch nicht so stark war, wie er immer geglaubt hatte.
Mit der Zurückweisung an sich hätte er an sich leben können, aber nicht mit dem was darauffolgte.
Es war nur ein ganz leises „Ich liebe dich“ gewesen und Branko hätte es am liebsten direkt zurückgenommen _Aber Leo hatte ihn gehört und den Blick, den er ihm darauf schenkte würde er nie vergessen. Alles wäre besser gewesen, als dieser Blick.
„Ich bin müde,“ murmelte Hugo und stupste Branko in die Seite.
„Dann sollten wir vielleicht ins Bett gehen,“ brummte er und stand langsam auf.
„Wir?“ machte Hugo und blickte mit hochgezogenen Augenbrauen zu ihm hoch. Branko griff daraufhin nur nach seiner Hand und zog ihn mit sich.
„Vielleicht war das mit der Couch doch etwas hart. Ich bin ja auch kein Unmensch.“

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon nobodyfrm » 20 Jan 2017, 04:54

Was war es denn nun für ein Blick?

Ich gehe fest davon aus dass seine Schwester schon was mitbekommen hat und auch kein Problem damit hat.

Bitte schreib schnell weiter....

Ja, es waren 1-2 kleine Tippfehler drinne, aber konnte ich gut überlesen. Möchtest du, dass wir sie dir nennen oder einfach egal?

LG nobody.

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Skystar » 21 Jan 2017, 05:44

Endlich! Endlich wieder eine Geschichte, die mich von Anfang an zu begeistern weiß. Ich weiß nicht wie du das immer schaffst, dass ich bei deinen Geschichten das Gefühl bekomme, mittendrin zu sein bzw. als wäre es wirklich geschehen. Und ja, ich schreibe immer, weil ich deine Geschichten von damals auch schon gelesen habe und sie sehr mochte. Ich glaube sogar, dass es die ersten Geschichten hier waren, die ich gelesen habe.
Du hast zudem ein überaus gutes Händchen für tolle Namen! Hugo!!! xD Ich liebe diesen Namen, den man eher dümmlichen Leuten zuordnen würde, aber irgendwie auch nach einem charmanten Kerlchen sich anhört. Olivia und Lea gehören zu meinen zwei Lieblingsmädchennamen und Leo ist auch sehr schön. Der Name Branko indes war mir bis dato unbekannt, aber irgendwie ein cooler Name. Hat der Name eine Bedeutung?

Freu mich auf mehr von der Geschichte!
Liebe Grüße
Himmelsstern :flag:

PS: Fehler waren wirklich nur minimal vorhanden...
Mein Geschichten-Forum: http://www.skystar-stories.de/ :flag:

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Saltoboy » 22 Jan 2017, 01:25

Wow. Lieben Dank für solche Komplimente Skystar. So etwas hört man natürlich sehr gerne :) Ich würde schon behaupten, dass ich der deutschen Sprache einigermaßen mächtig bin. Aber Korrektur ist natürlich immer gut. Ich überfliege den Text meistens nur noch einmal und da geht einem schon der ein oder andere Tippfehler mal durch :-? Ich denke aber das hat keinen ausschlaggebenden Einfluss auf das Textverständnis. Hoffe ich jedenfalls.

Und zu der Namensauswahl, freut es mich natürlich deinen Geschmack getroffen zu haben Skystar. Der Name Branko kommt soweit ich weiß aus dem jugoslawischen Raum. Da habe ich ihn zumindest aufgeschnappt. Das ist schon eine Weile her, aber er hat mir trotzdem gefallen :D Ich habe es auch mal nachgeschaut und er bedeutet so etwas wie: Beschützer, Verteidiger. Das passt zufällig von der Bedeutung ganz gut :D

Und dann habe ich hier noch eine kleine Fortsetzung für euch :) Viel Spaß damit!

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Branko stand morgens in der Küche und machte sich ein Brot mit Käse. Zwar war er noch etwas müde, aber ziemlich gut gelaunt. Alles war etwas anders gelaufen, als er gedacht hatte. Doch wieso sollte das schlimm sein? Falsch fühlte es sich jedenfalls nicht an.
Als er grade das Messer in die Spülmaschine räumte, kam Olivia in die Küche.
„Ist Hugo schon weg?“ Branko nickte nur und schnappte sich sein Brot. Für Fragen, war es ihm eigentlich noch zu früh. Grade mal halb neun und er hatte eigentlich viel früher aufstehen wollen. Hugos Wecker hatte in aller Herrgottsfrühe geklingelt und er war etwas widerwillig unter der Decke hervorgekrochen. Branko hatte ihn festhalten wollen, aber Hugo hatte sich mit wenig Mühe befreit.
„Ich muss arbeiten,“ hatte er gebrummelt und sich schlaftrunken angezogen. Dass er dabei von Branko beobachtet wurde, war ihm offensichtlich ziemlich egal. Es war noch fast dunkel, aber man konnte doch ganz gut alles erahnen. Wie er plötzlich dann doch nackt in Brankos Bett gelandet war. Bei dem Gedanken daran, musste Branko plötzlich schmunzeln. Was Olivia natürlich sofort bemerkte. Wieso musste sie immer direkt alles merken?
„Und was lief da gestern noch so?“
Branko biss von seinem Brot ab und kaute vor sich hin. „Geht dich nichts an,“ mampfte er und verließ die Küche. Das sollte eigentlich eine eindeutige Botschaft gewesen sein, doch Olivia lief ihm nach ins Wohnzimmer.
„Es interessiert mich aber,“ grinste sie und hob fragend die Augenbrauen.
„Mensch Olli, wieso musst du immer so sein? Wieso interessiert es dich überhaupt, ob wir Sex hatten? Hast du selbst nichts, worüber du dir Gedanken machen musst?“
Das hatte gesessen, denn Olivia verschwand danach ohne ein weiteres Wort in ihrem Zimmer und Branko hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen. Er wusste schließlich, wie empfindlich Olivia manchmal sein konnte. Und vielleicht traf sie das auch so hart, weil es ein wenig stimmte.
„Olli,“ rief er und klopfte an ihre Tür. Sie reagierte nicht, deshalb öffnete er sie einfach. Sie saß am Schreibtisch und studierte ein Buch. Offensichtlich war sie wirklich gekränkt von dem, was Branko eben von sich gegeben hatte.
„Hey. Es tut mir leid. Ich wollte dich gar nicht so blöd anmachen, aber mir ist einfach ein bisschen der Kragen geplatzt.“
Jetzt blickte sie Branko doch an und schüttelte nur den Kopf. „Weißt du, dass ich mich eigentlich nur für dich freue? Und klar bin ich manchmal ein bisschen neugierig, aber nur, weil ich weiß, dass du es selbst nicht hinbekommst.“
Damit hatte sie vermutlich recht. Branko war ein Meister darin, seine Beziehungen zu anderen Menschen zu sabotieren. Zu oft war er zu grob zu den Leuten und besaß nicht das richtige Fingerspitzengefühl dafür, was gut war und was nicht.
„Ich weiß, ich bin nur deine Mitbewohnerin, aber schließlich sind wir auch irgendwie Freunde und da erzählt man sich manchmal auch so etwas. Dass ich dich so nerve, wusste ich nicht.“
Branko schaute auf den Boden. Seine gute Laune, von vor ein paar Minuten, war verflogen.
„Klar sind wir Freunde, aber du kennst mich. Und in Bezug auf Hugo bin ich vielleicht grade etwas empfindlich, schließlich weiß ich selbst überhaupt nicht wohin das führt.“ Er zuckte die Schultern und fühlte sich ein kleines Bisschen wie ein kleiner Junge. Einfach total verunsichert und merkte auch, dass ihm die Situation ein bisschen über den Kopf gewachsen war.
„Wahrscheinlich denkt er jetzt, dass wir zusammen sind oder so. Ich hätte es einfach lassen sollen, wäre er nicht so…keine Ahnung.“
„Toll,“ meinte Olli und schaute Branko direkt an. „Das Wort, das suchst, ist einfach toll.“
Für einen Moment lächelte er und murmelte „Ja. Da hast du vermutlich recht. Ich will nur keinen Fehler machen. Schließlich…ach ich weiß auch nicht.“
Als wäre die Situation nicht schon merkwürdig genug stand Olivia nun auf und umarmte Branko feste. „Sei einfach nicht so ein Arsch. Du bist nämlich eigentlich voll in Ordnung und ein paar Leute wissen das, aber, wenn du dich so verhältst, dann könnte man anderer Meinung sein.“
Er biss sich auf die Lippe, schloss die Augen und blickte zu Olli hinab. Wie klein sie eigentlich war, war Branko nie so aufgefallen, wie jetzt. Ihm kamen aber häufig Leute kleiner vor. Er war nicht ganz zwei Meter groß, aber fühlte sich manchmal so, als sei er fehl am Platz. Ein zu großes Baby, dem man einfach Erwachsenensachen angezogen und es auf die Welt losgelassen hatte.
„War es denn gut?“ kicherte Olli und zog sich eine rote Strickjacke über, die sich ein wenig mit ihren rötlichen Haaren biss.
Mehr als ein leichtes Grinsen brachte Branko daraufhin nicht zu Stande. Es war wirklich schön gewesen und er hatte für den Moment alles um sie herum vergessen, auch, dass er es eigentlich lassen wollte. Aber Hugos warmer Körper, neben ihm unter der Decke, hatte etwas in ihm ausgelöst, das seine Zurückhaltung mehr oder weniger in Luft auflöste. Zunächst hatten sie sich nur ein bisschen geküsst, aber wozu so etwas, wenn man zusammen im Bett liegt, eben führt. Vor allem, wenn man die Hosen zum Schlafen ohnehin schon ausgezogen hat. Die Neugier war schließlich doch stärker gewesen, als jeder gute Vorsatz.
„Und habt ihr schon ausgemacht, wann ihr euch wiederseht?“ Diese Frage von Olivia riss ihn ein wenig aus den Gedanken.
„Oh. Naja, er meinte gestern Abend, ich solle doch, wenn ich mit der Lernerei heute Abend fertig bin zu ihm kommen und er revanchiert sich für das Essen von gestern. Aber ich bin nicht ganz sicher, ob ich das machen soll.“
Da war sie wieder, die steile Falte auf Ollis Stirn. „Was spricht denn dagegen? Ich weiß irgendwie nicht, was dein Problem ist Branko,“ lachte sie dann. „Willst du wirklich einen öden Abend mit mir und Flo, dem vorziehen?“
Branko zuckte mal wieder nur die Schultern. „Ich will einfach nicht, dass er sich Hoffnungen macht.“
„Also jetzt mal ernsthaft Branko. Was denkst du von dem armen Jungen. Du triffst dich mit ihm. Du flirtest mit ihm. Du küsst ihn und du schläfst mit ihm. Und dann darf er sich keine Hoffnungen machen, weil du zu unentschlossen bist? Auf was für einem Planeten lebst du, dass du denkst, er würde sich keine Hoffnungen machen? Die macht er sich die ganze Zeit, sonst würde er das kaum alles mit sich machen lassen.“ Dass Olivia mehr Ahnung von der menschlichen Spezies hatte, hätte Branko sofort unterschrieben, aber selbst das hatte er natürlich gemerkt.
„Es ist zu kompliziert, um dir zu erklären, was genau das Problem ist. Aber meinst du…ach ist auch egal.“ Woher sollte er nun die Worte nehmen, um zu beschreiben, dass er einfach Angst hatte, dass ein Junge, wie Hugo, nicht auf Dauer mit ihm zusammen sein wollen würde? Branko war es einfach viel zu gewohnt, die Leute auf Abstand zu halten und alleine zu sein. Er konnte und wollte die Tür einfach nicht öffnen, weil er selbst nicht genau wusste, was sich dahinter noch verbarg. Er hatte sie vor einiger Zeit verschlossen und dann einfach den Schlüssel fortgeworfen, ohne genau zu wissen wohin. Da musste man schon sehr schweres Geschütz auffahren, um sie wieder zu öffnen. Und Branko war einfach nicht bereit es so weit kommen zu lassen.
„Du hast einfach nur Schiss, dass er hinter die Fassade blickt. Aber anstatt die ganze Zeit…,“ weiter kam Olivia nicht, denn Branko unterbrach sie.
„Ich muss jetzt auch mal lernen. Ich überleg mir das mit heute Abend. Aber ich würde mir wünschen, dass du dich nicht mehr so stark einmischst. Ich muss das selbst hinbekommen.“
Es blieb Brankos Mitbewohnerin nun nichts anderes mehr übrig, als die weiße Fahne zu schwenken. Sie hatte ihren Kampf für Hugo ausgefochten und nun war es an Branko zu sehen, wie es weiterging. Bisher war er noch nicht mit vielen Männern intim geworden. Das lag vielleicht auch daran, dass er in seinem Körper nicht ganz so zuhause war, wie er es hätte sein müssen. So häufig kam er sich fremd vor und fehl am Platz. Auch wenn er einmal ein One-Night-Stand gehabt hatte, so bedeutete es ihm dennoch etwas. Es war im Nachhinein mehr eine Dummheit gewesen, die aus der Neugier auf einen anderen Mann heraus entstanden war. Brankos erstes Mal war gleichwohl eher unromantisch abgelaufen. Zwar hatte er den Jungen besser gekannt, aber mehr als eine kurze Affäre, war daraus auch nicht entstanden. Sie kamen aus der gleichen Stadt und kannten sich noch aus der Schule. Sie waren beide unerfahren gewesen und wollten sich aneinander ausprobieren. Die Rahmenbedingungen waren von Anfang an klar definiert und beide hatten sich darangehalten. Aber das jetzt mit Hugo, das hatte ein völlig anderes Kaliber.

Den restlichen Tag verbrachte Branko am Schreibtisch. Was die Uni anging, war er wirklich fleißig und das hatte sich bisher auch immer ausgezahlt. Ihm fiel es aber auch leicht komplexe Zusammenhänge zu begreifen. Leider bezog sich diese Fähigkeit meistens nur auf irgendwelche technischen Anwendungen. Man hatte ihm nach einer hervorragenden Klausur in Mechanik einen Job als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl angeboten. Die Uni und das Lernen, war endlich einmal etwas, worin Branko wirklich gut war. Und das machte ihn schon ein wenig stolz. Wo andere verzweifelten, da konnte er weiterhelfen. Häufig kamen Kommilitonen auf ihn zu und fragten, ob er ihnen dieses oder jenes erklären könne. Dabei wollte er eigentlich überhaupt nicht damit angeben, er wusste gar nicht wozu. Von seinen Eltern würde er ohnehin nie Anerkennung dafür bekommen.
Branko tippte grade ein paar Zahlen in seinen Taschenrechner, als Olli den Kopf durch die Tür steckte. „Ich geh zur Arbeit, ich habe heute die Nachtschicht. Viel Spaß noch beim Lernen.“
Branko hob den Kopf. Manchmal war er wie in einem Tunnel, wenn er lernte.
„Lass dir nicht auf der Nase herumtanzen. Viel Spaß und bis morgen.“
Sie wollte noch etwas sagen, schluckte es aber hinunter. „Bis morgen.“
An ihre Arbeitszeiten würde Branko sich vermutlich nie gewöhnen. Sie arbeitete als Erzieherin in einem Heim für verhaltensgestörte Jugendliche und musste häufig die Nacht über dort sein. Man glaubte es zwar kaum, da sie recht klein war, aber sie konnte sich wirklich gut durchsetzen und man war immer geneigt genau das zu tun, was sie sagte. Natürlich nutzte sie das auch ab und zu ihren beiden Mitbewohnern gegenüber aus. Vor allem, wenn mal wieder das Bad geputzt werden musste.
Branko warf einen Blick auf die Uhr. Es war bereits viertel nach fünf. Knapp acht Stunden hatte er gelernt. Mit zwei kurzen Unterbrechungen, um etwas zu essen und das andere Mal sich ein bisschen zu bewegen.
Er holte sein Handy aus seiner Hosentasche hervor. Hugo müsste schließlich auch bald mit der Arbeit fertig sein.
Er hatte ihm allerdings noch nicht geschrieben, also tippte Branko schnell ein paar Worte in sein Handy. Steht das Angebot heute Abend noch?, schrieb er und legte das Handy auf den Schreibtisch, dort wo er es sehen konnte und dann wartete er. Währenddessen sortierte er ein bisschen seine Unterlagen und räumte sie in eine Schublade. Manchmal hatte er einen gewissen Hang zur Ordnung.
Er wurde ein wenig ungeduldig, als Hugo länger nicht antwortete. Er taperte ein bisschen herum, räumte die Spülmaschine aus, stellte das dreckige Geschirr hinein, räumt ein bisschen im Wohnzimmer auf. Branko hasste es, dass eine ausbleibende Antwort ihn so nervös machte. Das hatte er sonst nie gehabt.
Gegen sechs Uhr klingelte plötzlich sein Handy. Er atmete ein paar Mal durch bevor er abnahm.
„Hey. Tut mir leid, es hat ein bisschen länger gedauert, als ich dachte.“
„Macht ja nichts,“ antwortet Branko und kam sich plötzlich dumm vor. Er wartete ungeduldig, bis das Telefon klingelte, hoffte, dass er endlich anrief und hatte die ganze Zeit die Sorge im Hinterkopf, dass Hugo es sich anders überlegt hatte.
„Also meinetwegen kannst du gerne zu mir kommen gleich. Ich brauch hier noch ein paar Minuten. Willst du mich vielleicht abholen? Dann können wir zusammen einkaufen gehen,“ schlug Hugo nun jedoch vor und Branko musste lächeln.
„Gerne,“ murmelte er. „Ich mach mich dann auf den Weg. Bis gleich.“


Branko stellte die Einkaufstasche in die Küche. Er war bisher noch nicht bei Hugo zu Hause gewesen. Sie hatten sich meistens bei ihm getroffen oder woanders. So viel wusste Branko bisher auch noch nicht von ihm. Die Wohnung aber, war sehr schön eingerichtet und man fühlte sich direkt irgendwie wohl. Er hatte eine große Küche, mit Zugang zu einem kleinen Balkon, der allerdings zur Straße hinausging.
Es stand ein großer Tisch im Raum, mit mehreren Stühlen. Ein paar Fotos hingen an der einen Wand. Hugo war auf den meisten zu sehen, mit anderen Leuten. Sie wirkten alle als hätte er wirklich Spaß gehabt.
Branko schrak etwas zusammen, als Hugo ihn plötzlich packte und küsste. Seine Arme schlang er dabei feste um Brankos Rumpf. Dieser war so perplex, dass er etwas zurück stolperte und gegen den Tisch stieß.
„Das wollte ich schon den ganzen Tag tun,“ grinste Hugo, als er sich etwas löste. Immer noch etwas verwundert, strich Branko ihm durch die lockigen Haare. Wenn er hätte sagen müssen, was er am meisten an Hugos Aussehen mochte, dann wären es eindeutig die Haare gewesen. Branko mochte außerdem, dass er eine solche Frohnatur war und einem so gut wie immer ein Lächeln aufs Gesicht zaubern konnte. Unterschiedlicher hätten sie eigentlich nicht sein können.
„Sag mal wohnst du hier eigentlich alleine?“ fragte Branko, während Hugo sich nun abwandte und anfing die Einkäufe auszupacken.
Er schüttelte den Kopf. „Ne, ich wohne hier mit meiner Schwester. Und ihre Katze müsste hier auch irgendwo rumspringen.“
Damit hatte Branko eigentlich nicht gerechnet und er war sich auch nicht ganz sicher, ob er bereits jemanden aus Hugos Familie kennenlernen wollte.
„Ist das nicht komisch? Also ich meine mit seiner Schwester zusammen zu leben?“
Hugo schüttelte den Kopf und packte das Mehl aus der Tasche. „Überhaupt nicht. Wir verstehen uns halt super. Sie ist zwei Jahre älter als ich und arbeitet schon als Lehrerin im Moment. Ich glaub sie müsste sogar da sein.“
„Das ist klingt doch schön,“ rang Branko sich zu sagen ab. „Hast du ihr von mir erzählt?“ Er war unsicher bei dieser Frage, aber es interessierte ihn zu sehr. Einerseits wünschte er sich irgendwie, dass Hugo über ihn sprach, aber er wollte es wiederum eigentlich gar nicht.
„Ja,“ meinte Hugo leichthin. „Ich weiß, dass du jetzt wahrscheinlich wieder Panik schiebst Branko, aber wir haben ein gutes Verhältnis. Ich habe ihr auch nur gesagt, dass ich mich im Moment mit jemandem treffe, den ich sehr mag. Und wenn ich dich mag, dann wird sie dich auch mögen.“
Der Gedanke war Branko bisher gar nicht gekommen. Er neigte manchmal dazu nicht den besten ersten Eindruck auf Fremde zu machen.
„Wir sollten anfangen mit der Pizza, ich sterbe gleich vor Hunger. Ich habe noch nicht wirklich was gegessen. Willst du den Teig machen?“
Branko zuckte mit den Schultern. „Kann ich gerne machen.“ Er begann den Teig zusammen zu kneten, während Hugo neben ihm anfing Champignons klein zu schneiden. Als Branko etwas länger brauchte, schien ihm langweilig zu werden und er bestäubte ihn mit einer Hand voll Mehr.
„Ey,“ machte dieser und kreischte ein bisschen. Daraufhin rächte er sich, indem er Hugo mit der klebrigen Hand voller Teig durchs Gesicht wischte.
„Na warte,“ machte Hugo und sprang ein wenig auf und ab, die Tüte Mehl, wie Munition im Anschlag. Er hüpfte um Branko herum und feuerte immer wieder kleine Ladungen Mehl auf ihn ab.
„Du machst meine Sachen ganz dreckig,“ rief er bloß und versuchte Hugo zu folgen, aber er war zu flink, als dass er ihn zu packen bekommen hätte.
„Dann musst du dich gleich wohl ausziehen, wie schade.“ Er zog gespielt einen Schmollmund und lachte dann. Branko ließ sich ein wenig davon anstecken und machte nun einen großen Satz nach vorne. Er schaffte es Hugo die Packung Mehr aus der Hand zu reißen. Dabei verteilte sich aber einiges der weißen Substanz, wie Schnee, auf dem Boden.
„Okay. Frieden,“ rief Hugo plötzlich und hob beide Hände.
„Jaja. Erst bewirfst du mich die ganze Zeit mit Mehl und dann, sobald ich die Oberhand habe, kapitulierst du.“
Hugo grinste nur süffisant. „Naja. Ich bin vielleicht schneller, aber stärker bist auf jeden Fall du. Man muss einfach wissen, wann man chancenlos ist.“
„Was veranstaltet ihr denn hier?“ Die Frage kam von der Tür, wo nun eine große braunhaarige Frau stand, die ohne einen geringsten Zweifel Hugos Schwester war. Die Ähnlichkeit war wirklich verblüffend. Sie hatten exakt die selbst Nase. Wobei Branko aber eindeutig sagen musste, dass sie deutlich besser in Hugos Gesicht passte.
„Wir backen Pizza. Willst du auch was?“ fragte Hugo und wischte sich etwas Mehl von der Hose. „Das ist übrigens Merle, meine Schwester. Und das hier ist Branko, von dem ich dir erzählt habe.“
Merle kam ein Stück in die Küche und musterte Branko leicht. Irgendwie hatte dieser ein ungutes Gefühl dabei.
„Hey,“ sagte sie jedoch nur und streckte ihm die Hand hin. Branko hatte immer noch klebrige Hände vom Teig kneten.
„Ich würde ja gerne, aber ich müsste mir eben die Hände waschen,“ sagte er und bemühte sich dabei möglichst positiv rüber zu kommen. Trotzdem hatte er das Gefühl, dass er bei ihr schon jetzt durchgefallen war.

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon nobodyfrm » 22 Jan 2017, 04:06

Ach Mensch Branko, Olli will dir doch nur helfen, also lass sie auch dir helfen - du kannst es gebrauchen. Ja ok, über die ganz intimen Dinge ausgefragt werden ist nicht so prickelnd.

Auch wenn selbstzweifel zu deiner Persönlichkeit gehören, würde dir manchmal ein bisschen mehr selbstsichheit ganz gut tun.
--

Ich find die Geschichte total spannend und freue mich schon auf den nächsten Teil.

LG nobody.

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Skystar » 22 Jan 2017, 20:16

Wieder ein toller Teil. Ich mag Branko und Hugo nach wie vor und Branko kann echt froh sein, eine Freundin wie Olivia zu haben!
Ein paar Fehler sind mir aufgefallen, darunter gleich zweimal "Mehr" was aber wohl "Mehl" heißen sollte ^^

Liebe Grüße
Himmelsstern
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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Saltoboy » 25 Jan 2017, 00:53

Ja :D Mit dem Wort Mehl hatte ich es letztes Mal wohl nicht so^^ Ich sollte vielleicht noch mal gründlicher drüberlesen, aber manchmal bin ich einfach zu faul und wenn man weiß was da eigentlich stehen soll überliest man es mal ganz gerne :D
Und auch nochmal danke für eure lieben Kommentare :) Es freut mich, dass euch meine Erzählung gefällt.
Deshalb kommt hier noch ein bisschen mehr Mehl :D


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Sie zog jedenfalls die Hand zurück und musterte Branko weiter. Er ging zum Waschbecken hinüber und wusch sich die Hände. Der Teig musste nun eh noch ein bisschen gehen.
„Ich wusste nicht, dass du heute Abend hier bist. Ich bekomme gleich auch noch Besuch von Thomas.“
Hugo wuselte grade ein wenig durch die Küche und stellte die dreckigen Sachen in die Spüle.
„Wir gehen gleich sowieso in mein Zimmer, wenn wir fertig sind. Wir können aber auch noch mehr Teig machen, dann könnt ihr mitessen.“
„Genug Mehl habt ihr ja schon verteilt,“ sagte sie und Branko meinte unterschwellig einen Vorwurf heraus zu hören. Sie sah sich jedenfalls in der Küche um und begutachtete Brankos schwarzes T-Shirt, das voller Mehlstaub war.
„Ist etwas ausgeartet,“ kicherte Hugo und zuckte mit den Schultern. „Ich mach das gleich weg.“
Merle besaß, genau wie Hugo, lockiges Haar und eigentlich wirkte sie sehr sympathisch, aber offensichtlich hatte sie gewisse Vorbehalte Branko gegenüber. So wie sie ihn ansah jedenfalls. Wahrscheinlich hatte es aber nur etwas mit Beschützerinstinkt zu tun. Branko überlegte jedenfalls, dass er nicht anders reagieren würde, sollte Lea mal einen Jungen mit nach Hause bringen.
„Ich frag Thomas gleich mal, ob er Hunger hat, aber plant uns einfach mal mit ein.“
„Alles klar Chefin,“ rief Hugo und lächelte ihr zu. Branko war irgendwie nicht ganz wohl dabei, aber was sollte er machen? Er konnte schlecht sagen, dass er lieber mit Hugo alleine gewesen wäre.
„Thomas ist ihr Freund,“ fing Hugo an zu erzählen, als Merle wieder verschwunden war. „Also seit kurzem wieder. Sie kennen sich schon seit sie zusammen angefangen haben zu studieren, aber es war irgendwie immer kompliziert. Ich glaub ich habe noch nie so ein kompliziertes Verhältnis erlebt. Sie können irgendwie nicht mit-, aber auch nicht ohneeinander. Mal sind sie zusammen, dann wieder nicht. Aber irgendwann haben sie sich geeinigt, dass es so nicht weitergeht. Das ist laut Merle jetzt der letzte Versuch.“ Hugo verdrehte die Augen, um deutlich zu machen, dass er nicht wirklich an dieses Versprechen glaubte. Er schüttete noch etwas Mehl in die Schüssel und schüttelte den Kopf. Es wirkte, als wolle er noch etwas hinzufügen, aber schien es sich anders zu überlegen.
Branko lehnte sich neben ihn an die Küchenzeile und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ist er denn in Ordnung? Also woran liegt es, dass es nicht richtig klappt?“
Hugo grinste. „Weil sie ihn liebt und gleichzeitig total verabscheut. Frag mich nicht, wie das funktioniert, aber es ist wohl auf beiden Seiten so und natürlich ist es dann schwierig. Er ist halt meistens super nett, aber kann auch ein richtiges Arschloch sein.“
„So wie ich?“ fragte Branko und überlegte kurz. Hugo lachte und schüttelte wild den Kopf. Er bekam offensichtlich kaum noch das Grinsen aus dem Gesicht.
„Nein. Nein, überhaupt nicht. Du bist ja schließlich kein Arschloch, du bist einfach verschlossen und manchmal sehr abweisend. Aber deswegen würde ich dich jetzt nicht mit ihm in eine Schublade stecken. Er ist halt ein ziemlicher Großkotz. So würde ich das bezeichnen, und sehr von sich eingenommen.“ Hugo nahm den Teig hoch und formte ihn zu einer Kugel, dann beugte er sich vor und gab Branko einen kurzen Kuss. Schaute ihm einmal tief in die Augen und lachte noch einmal kurz.
Was daran so lustig war, würde Branko wohl erst später verstehen.
„Wollen wir so lange in mein Zimmer gehen, bis wir hier weitermachen können?“ fragte Hugo und wartete keine Antwort ab, sondern ging einfach vor. Branko folgte ihm, immer noch etwas irritiert.
„Also das hier ist mein Reich,“ fügte er hinzu, als sie sein Zimmer betraten. Es war etwas geräumiger, als Brankos Schlafzimmer und viel chaotischer. Auf seinem Schreibtisch herrschte tierisches Durcheinander. Zettel lagen lose herum und Hugo sammelte schnell ein paar Sachen vom Boden auf, die er in den Wäschekorb neben dem Schrank warf.
„Tut mir leid. Ich habe es nicht mehr geschafft aufzuräumen. Schließlich war ich seit gestern nicht mehr zuhause.“
„Ist nicht schlimm,“ meinte Branko nur und sah sich um. Es war sehr gemütlich. Eine kleine Couch stand in der einen Ecke, mit einem Fernseher, der wohl aus grauer Vorzeit stammte. Es hingen auch hier einige Fotos. Eins zeigte Hugo mit einem anderen Jungen und Branko fragte sich, wer das wohl war. Die Situation wirkte jedenfalls sehr vertraut. Aber danach fragen wollte er nicht, schließlich hätte das sehr nach Eifersucht geklungen.
„So ein Luxus, wie bei euch, mit richtigem Wohnzimmer, haben wir hier leider nicht.“
Branko setzte sich auf das Sofa und lächelt Hugo an. „Ist doch trotzdem schön. Dafür hast du hier mehr Platz.“
„Mhm.“ Hugo kam langsam auf ihn zu und setzte sich dicht neben ihn. „Du?“ machte er leise und schaute Branko fragend an. „Wegen gestern Nacht. Du bereust das nicht oder? Ich mein, weil wir vorher darüber geredet haben, dass dir das zu schnell geht.“
Branko rieb sich leicht über seine Stirn und zog die Augenbrauen zusammen. „Ich war ja selbst schuld,“ murmelte er dann und legte seine Hand auf Hugos Oberschenkel.
„Da muss ich dir recht geben. Aber trotzdem…es war auf jeden Fall schön. Fand ich jedenfalls.“ Er lächelte nun und griff nach Brankos Hand.
„Ja,“ antwortete dieser nur. Das war es auf jeden Fall gewesen. Der entscheidende Schritt, war ja auch von ihm gekommen, da durfte er Hugo dann auf keinen Fall einen Vorwurf machen.
„Ja?“ fragte er nach, immer noch mit diesem Lächeln auf den Lippen.
Branko lachte nun kurz. Was wollte Hugo jetzt wohl hören? Er wusste es nicht genau, aber murmelte schließlich: „Man könnte es auf jeden Fall wiederholen.“
„Das klingt nach einer Möglichkeit. Aber nur, wenn du mir etwas versprichst,“ grinste Hugo und drehte sich so, dass er Branko direkt ansehen konnte.
„Und das wäre? Jetzt wird Sex schon als Druckmittel eingesetzt, ich fass es nicht.“
Hugo lachte und schüttelte den Kopf. „So schlimm ist es nicht. Hoffe ich wenigstens. Ich mag es nicht jemanden zu teilen. Also, wenn wir miteinander schlafen, dann wäre ich gerne der Einzige, mit dem du es tust.“
Branko hob die Augenbrauen. Das kam zwar etwas überraschend, aber schlimm fand er es an sich überhaupt nicht, dass Hugo solch eine Bedingung stellte.
„Ich weiß das klingt jetzt irgendwie blöd, aber…“
Branko unterbrach ihn, indem er die Hand hob. „Ich habe damit kein Problem.“ Er zuckte nun die Schultern, um zu verdeutlichen, dass er es einfach so hinnahm.
„Das ist dann ja gut,“ murmelte Hugo erleichtert. „Ich mein, du wirkst auch nicht so, als würdest du dauernd irgendwelche Männer abschleppen. Ich wollte es nur gesagt haben. Schließlich kann man sich heutzutage nicht mehr sicher sein.“
Branko blickte ihn eine Weile an und merkte, dass Hugo nun zwar erleichtert aussah, aber auch nachdenklich. Und plötzlich wurde ihm bewusst, dass auch dieser stets so fröhlich wirkende Junge, schon schlechte Erfahrungen gemacht hatte.
„Nein da brauchst du dir wirklich keine Gedanken machen,“ brummte er nur leise und lächelte Hugo an. Daraufhin bewegte dieser sich wieder, steckte sich ein wenig und legte seinen Arm um Brankos Schulter. Es fühlte sich immer noch etwas merkwürdig an, denn Hugo war, obwohl er kleiner und schmaler war als Branko, sehr offensiv. Branko merkte, dass er sich ungerne unterordnete und das war er so nicht von Männern gewöhnt.
Hugos Lippen fühlten sich immer sehr weich an, genau wie jetzt, als er sie auf Brankos drückte. Außerdem mochte er es, wie sich sein Körper an ihn schmiegte. Hugo hatte eine sportliche Figur, aber was erwartete man auch anderes von einem Sportstudenten?
Branko konnte sich auch nicht dagegen wehren, dass er kurz darauf auf dem Rücken lag, nicht ganz sicher, wie er dorthin gekommen war. Er holte tief Luft und versank in diesem Kuss. Hugos Hände waren irgendwie überall, genau wie letzte Nacht. Aber heute war es ein wenig anders, denn er hielt plötzlich inne.
„Ich glaube wir sollten uns das für später aufheben,“ kicherte er plötzlich und kletterte ein wenig umständlich von ihm runter
„Du hast damit angefangen,“ lachte Branko und setzte sich langsam wieder auf. Er merkte, dass er immer mehr auftaute. Zwar waren die Bedenken noch nicht vollends verstummt, die durch seinen Kopf spukten, aber irgendwie war der Wunsch nach Hugos Nähe größer.
Dieser zupfte sich seinen Pulli zurecht und hatte dieses schmale Lächeln auf dem Gesicht, das Branko so mochte. „Kleiner Moment der Schwäche,“ erklärte er nur und stand auf, hüpfte ein paar Mal auf und ab und drehte sich dann zu Branko um. „Ich muss den Blutfluss wieder in den Griff bekommen,“ lachte er.
„Und da hilft dir Hüpfen?“ Branko zog die Augenbrauen hoch, musterte Hugo, wie er ein paar merkwürdige Bewegungen machte.
Hugo lachte und ließ sich neben Branko auf die Couch fallen. „Nein irgendwie nicht. Ich sollte wahrscheinlich einfach an etwas anderes denken.“

Eine ganze Weile später saßen sie mit Merle und Thomas am Tisch. Branko konnte gar nicht so schnell gucken, wie Hugo sein erstes Stück Pizza hinuntergeschlungen hatte. Offensichtlich hatte er wirklich richtig Hunger gehabt.
Eine Weile herrschte Schweigen, bis Merle das Wort an Branko richtete. „Und was machst du so? Studierst du auch?“
Branko schluckte erst runter, bevor er antwortete: „Ja Maschinenbau. Im vierten Semester.“
„Oh, also eher Männerdomäne. Da hättest du doch eigentlich eine große Auswahl, wie verschlägt es dich dann zu Hugo?“ Der skeptische Unterton war kaum zu überhören. Und Branko fand es auch eine ziemlich doofe Frage, deshalb zog er ein wenig die Augenbrauen hoch. Verlangte das überhaupt einer Antwort?
„Nun, dass es da viele Männer gibt, vergrößert nicht wirklich die Auswahl würde ich sagen. Ich habe auch nicht wirklich drauf geachtet.“
„Branko ist voll der Streber,“ kam es von Hugo. „Er hat nur Augen für die Professoren.“
„Aha. Was hast du denn für einen Schnitt?“ wollte Thomas wissen. Branko hatte sofort gemerkt, was Hugo in Bezug auf ihn gemeint hatte. Er wirkte etwas schmierig.
„Keine Ahnung.“ Branko zuckte die Schultern und biss noch einmal von seiner Pizza ab. Ihm gefiel nicht, dass es zu einer Art Verhör ausartete. „Ist, denke ich, schon okay soweit. Müsste ich nachgucken,“ fügte er hinzu, als er merkte, dass beide ihn ansahen.
„Das ist doch schön, wenn dir dein Studium gut gefällt. Und wie alt bist du jetzt?“
„Zwanzig.“ Er wollte dabei wirklich nicht genervt klingen, aber er hatte sich auf einen netten Abend mit Hugo eingestellt und nicht auf so etwas.
„Da bist du aber ganz schön jung. Das hätte ich gar nicht gedacht, schließlich siehst du schon älter aus,“ meinte Thomas und machte es damit nicht wirklich besser.
Branko nahm einen Schluck aus seinem Glas. Er hasste es im Mittelpunkt zu stehen. Am liebsten hätte er sich völlig aus dem Gespräch zurückgezogen, aber das ging schlecht, schließlich war er das Thema.
„Das sagen viele,“ brummte er nur und warf einen Blick zu Hugo hinüber. Dieser war aber grade mehr mit seinem nächsten Stück Pizza beschäftigt.
„Ich hätte wirklich gedacht, du seist älter als Hugo.“ Merle stich sich die Haare hinter die Ohren und musterte Branko. Sie bekam damit eine Strenge, die wirklich die Lehrerin in ihr durchblicken ließ.
„Tut mir leid, aber ich kann nichts für mein Aussehen.“
Hugo war grade mit kauen beschäftigt, aber deutete an, dass er etwas sagen wollte, denn er hob die Hand. Wie in der Schule, ging es Branko durch den Kopf.
„Mhm,“ er schluckte. „Das war, denke ich, auch keine Kritik an deinem Aussehen. Also ich habe da zumindest nichts zu meckern, aber du wirkst schon älter, da muss ich Merle recht geben.“
„Wann hast du denn Geburtstag?“ ging die Fragerunde weiter.
Diese Frage kam wirklich unpassend, weil Branko wirklich keine Lust hatte zu feiern. Er hatte eigentlich vorgehabt, dieses Ereignis völlig unter den Tisch fallen zu lassen. So wie er Hugo einschätzte, würde dieser es aber wohl kaum zulassen.
„Bald irgendwann,“ wich er aus und hoffte, dass niemand weiter darauf eingehen würde.
„Das heißt?“ bohrte Hugo jedoch nach und Branko verfluchte ihn innerlich für seine Neugier.
„Am ersten Oktober.“ Branko schloss die Augen und schob den Teller weg. Ihm war ein wenig der Appetit vergangen. Dann rückte er den Stuhl zurück und stand auf. „Wo ist denn die Toilette?“
„Das ist doch schon nächsten Samstag. Wieso hast du denn nichts gesagt? Und warum bin ich nicht eigeladen?“
Branko verschränkte leicht die Hände vor der Brust. „Ich feire meinen Geburtstag nie, ansonsten wärst du natürlich eingeladen gewesen. Ich find das Klo schon selbst.“ Er trottete zur Tür und hörte Hugo noch sagen, „links die zweite Tür.“
Hauptsächlich war er aufgestanden, weil er dem Gespräch entkommen wollte. Ihm war das alles etwas zu viel. Zumal er das Gefühl hatte, dass Merle etwas gegen ihn hatte. Natürlich war er kein großer Sympathieträger, aber er hatte doch wirklich nichts getan, dass sie ihn so abschätzig ansehen musste.
Im Bad befeuchtete er sein Gesicht mit Wasser, da er merkwürdigerweise das Gefühl hatte zu glühen. Hugo hätte ihn vorwarnen müssen und ihn nicht einfach ins offene Messer laufen lassen dürfen. Wenn er wenigstens gewusst hätte, dass er seine Schwester kennenlernen würde. Vermutlich wäre er dann zuhause geblieben. Stellte man denn jemand, mit dem man nicht zusammen war, seiner Schwester vor? Und nicht nur als Freund, so wie er es mit Hugo bei Lea gemacht hatte?
Er wusch sich noch einmal gründlich die Hände und schlich dann langsam zurück.
„Mensch Hugo,“ hörte er Merles Stimme, als er im Flur war. „Das endet doch genau wie letztes Mal. Du suchst dir aber auch immer diese Typen raus.“
„Das kann man doch überhaupt nicht vergleichen,“ beschwerte sich Hugo daraufhin nur. „Branko ist total anders als Alex.“
„Ich will nur nicht, dass er dir weh tut. Warum suchst du dir nicht mal jemanden, der wirklich zu dir passt und keinen der so distanziert und verschlossen ist? Du denkst immer, du kannst die Männer ändern. Kannst du aber nicht.“
Branko hatte die Nase voll und wäre am liebsten jetzt gegangen, aber seine Tasche stand in der Küche und seine Jacke hing dort über dem Stuhl. Als ob es nicht reichte, dass sie sich ihm gegenüber so merkwürdig verhielt. Musste sie noch auf Hugo einreden, sobald er nur kurz den Raum verließ?
„Woher willst du wissen, dass er das ist? Wer wird schon gerne so ausgefragt? Er ist halt manchmal etwas gehemmt, aber ich habe ihn echt gerne. Ich will ihn außerdem gar nicht verändern. Wir treffen uns doch erst seit kurzem.“
Branko drückte langsam die Tür auf und die Diskussion verstummte augenblicklich. Hugo rutschte auf seinem Stuhl hin und her und lächelte Branko an. Diese Situation war ziemlich absurd. Hätte sie mit dem Hetzen nicht warten können, bis Branko weg war?
Er überlegte kurz, ob er sich einfach seine Sachen nehmen und verschwinden sollte, aber das hätte eine nur noch peinlichere Situation hervorgerufen.
Branko schaute seinen Teller an. Sie hatte doch überhaupt keine Ahnung wer er war. Man konnte vieles sagen, aber nicht, dass er ein schlechter Mensch war. Ja distanziert war er und verschlossen auch, aber das hatte alles seine Gründe und die kannte sie eben nicht. Zwar hielt er auch nicht viel auf sich selbst, aber er wurde ungerne direkt in eine Schublade gesteckt und das letzte, was er wollte, war Hugo weh zu tun.
„Und was habt ihr noch vor?“ fragte Hugo und unterbrach damit die unangenehme Stille.
„Wir wollten noch in die Spätvorstellung im Kino. Wollt ihr mit?“ meinte Thomas und hob beide Augenbrauen.
Branko schüttelte leicht den Kopf. Er hatte keine Lust auf einen Abend mit den beiden.
„Ich bin ziemlich platt. Hab heute Morgen den Laden aufgemacht. Nächstes Mal vielleicht.“
„Okay,“ machte Merle und lächelte Branko nun doch an. Ihm kam das falsch vor. Sie konnte ihn offensichtlich nicht leiden, warum blieb sie nicht einfach bei ihrer kritischen Haltung?
Die beiden bedankten sich noch für das Essen und boten an, abzuspülen, was Hugo dankend annahm. Branko hingegen wollte einfach gehen, deshalb nahm er sich seine Jacke und Tasche.
Hugo hatte offensichtlich vor in sein Zimmer gehen, doch Branko murmelte im Flur leise. „Ich glaub ich geh jetzt besser. Aber danke für die Einladung.“ Er war schon dabei sich die Jacke anzuziehen, hing aber etwas in der Kapuze fest.
„Äh. Okay. Wieso?“ Manchmal standen Hugos Augen hervor, wenn er überrascht war, genau wie jetzt. Verdutzt blickte er Branko an. Dieser zuckte mit den Schultern und hatte es geschafft, seine Jacke anzuziehen.
„Ich würde einfach gerne nach Hause. Hat nichts mit dir zu tun.“ Er vergrub die Hände in den Taschen und vermied es Hugo anzusehen.
„Du hast das Gespräch mitbekommen oder?“
„Darum geht es gar nicht. Ich glaube ich bin hier einfach fehl am Platz. Tut mir leid.“
Hugo seufzte und legte den Kopf schief. „Würde es helfen, wenn ich dir das erkläre? Ich will nämlich nicht, dass du gehst.“
Branko sah ihn nun doch an. Er wollte etwas sagen, aber wusste nicht was, deshalb blickte er kurz zur Decke und klammerte sich etwas an seine Tasche.
„Was willst du da erklären? Sie hat doch recht. Vielleicht passt das einfach nicht. Ich bin abweisend und unzugänglich und das wird sich nicht mehr ändern. Wenn du damit schon mal schlechte Erfahrungen gemacht hast, dann wirst du damit jetzt auch nicht glücklich.“
„Ich glaub ich habe dich noch nie so viel sagen hören,“ grinste Hugo und Branko verschränkte die Arme.
„Komm. Zieh die Jacke wieder aus und ich erklär es dir. Zufällig mag ich Menschen, die ihr Herz nicht auf der Zunge tragen. Komm,“ machte er erneut und nahm Branko die Tasche ab.
Etwas wiederwillig folgte er Hugo, der die Tasche auf sein Bett legte und sich auf der Couch niederließ.
„Setz dich. Das war grade alles etwas blöd und es tut mir leid.“
Branko hockte sich neben Hugo und rieb sich die Hände sie waren eiskalt.
„Sie hat glaube ich eigentlich überhaupt nichts gegen dich. Wie auch, sie kennt dich schließlich noch überhaupt nicht. Sie ist dir gegenüber bloß so skeptisch, weil du in gewisser Weise ein bisschen meinem Exfreund ähnelst. Er war auch so ein bisschen wortkarg und zurückhaltend. Wir waren drei Jahre zusammen, bis ich herausgefunden habe, dass er mich zigmal betrogen hat und nicht nur mit einem anderen Mann. Er hat sich einfach hinter meinem Rücken mit anderen getroffen. Als ich ihn dafür zur Rede gestellt habe, da meinte er, dass wir ja nie gesagt hätten, dass wir uns nicht mit anderen treffen dürfen. Er war einfach ein Arsch, er wusste genau wie ich das sehe. Und nur, weil du ihm von der Art etwas ähnelst, denkt sie, dass das gleiche wieder passiert.“
Hugo wirkte nervös. Fragend blickte er Branko an.
„Ich mag dich Branko. Ich mag dich wirklich. Und sie wird dich auch mögen, wenn sie dich besser kennenlernt. Sie ist einfach meine große Schwester, die sich nur Sorgen macht. Und als sie dich gesehen hat, da hat vermutlich einfach was in ihrem Kopf umgeschaltet.“
Branko blickte zu dem Foto und es machte ihn plötzlich etwas wütend. Warum waren es immer die netten Männer, die von anderen verarscht wurden?
Falls das Hugo Exfreund sein sollte, verstand Branko plötzlich, wieso er damals von ihm angesprochen wurde. Hugo schien doch ein festes Beuteschema zu haben. Zumindest was die Statur anging. Der Typ war zwar dunkelblond, aber hatte ungefähr so breite Schultern wie Branko selbst und schien ihm auch in der Körpergröße zu ähneln. Aber wenn das sein Exfreund war, warum hing es dann noch da, zwischen den anderen Bildern?
„Ist er das auf dem Bild da vorne?“ Branko deutete in die Richtung der Fotos. Ihm war es eigentlich zu blöd solche Fragen zu stellen, doch die Neugier überwog.
„Ach das geht mich ja auch überhaupt nichts an Hugo. Ich habe mich nur grade wirklich unwohl gefühlt.“
Hugo sprang plötzlich auf. „Dass das da noch hängt wusste ich gar nicht.“ Hastig nahm er das Foto von der Wand und blickte es an. Mit einer steilen Falte auf der Stirn. Und dann tat er etwas, das Branko überraschte, er zerriss das Fotos mehrmals und warf es in den Papierkorb.
„Ich will nicht, dass du denkst, ich wäre darüber noch nicht hinweg. Das bin ich nämlich, aber in Merles Kopf ist das glaube ich noch nicht angekommen.“ Er seufzte und kam zu Branko zurück, hockte sich neben ihn und legte die Hand auf seinen Arm. Sie fühlte sich warm an.
„Wie hast du es denn herausgefunden?“ Eigentlich wollte er gerne das Thema wechseln, aber er spürte, dass Hugo einen Redebedarf hatte.
„Ganz standardmäßig. Eine Freundin hat ihn gesehen. Ich kam mir wirklich blöd vor, weil ich es hätte wissen müssen. Es gab genug Anzeichen, aber ich war einfach naiv und blind.“
Branko presste die Lippen aufeinander. Natürlich war das hart, aber er wusste nicht recht, ob Hugo nicht doch log. Schließlich waren drei Jahre schon eine lange Zeit und so hintergangen zu werden, hinterließ Spuren.
Eine ganze Weile saßen sie nur so da. Branko hatte die Hände noch immer im Schoß gefaltet und starrte unschlüssig auf seine Füße. Sie waren, wie alles an ihm, zu groß. So konnte er froh sein, wenn er in einem normalen Schuhgeschäft, Schuhe in seiner Größe bekam.
„Ich kann auch verstehen, wenn du jetzt gehen willst. Wie gesagt fände ich es aber schön, wenn du bleiben würdest. Eigentlich hatte ich nämlich nicht vor mit dir über meinen Ex zu reden und ich sehe ein, dass das jetzt ein bisschen viel war. Aber wie gesagt, war es nicht mein Plan, davon anzufangen.“
Branko lächelte Hugo nun leicht an. „Das ist schon okay. Und vielleicht ist es auch ganz gut, wenn ich davon weiß. Ich hätte an ihrer Stelle vermutlich nicht anders reagiert. Also, wenn Lea…“
Hugo lachte. „Deine Schwester ist dreizehn und ich bin fünfundzwanzig. Das ist ein kleiner Unterschied. Ich brauch keine Aufpasserin mehr und erst recht keine, die selbst mit so einem Freak zusammen ist.“
Plötzlich rückte er näher und legte den Kopf an Brankos Schulter. „Auf mich haben rätselhafte Männer eben eine gewisse Anziehung. Es ist doch wirklich langweilig, wenn man den anderen direkt durchschaut.“
Branko nahm den Arm hoch und legte ihn um Hugos Schulter. Wenn dieser wüsste, dass er sich wahrscheinlich die Zähne ausbeißen würde, bei dem Versuch Branko zu entschlüsseln.

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Skystar » 26 Jan 2017, 18:50

Mir geht es da wie Branko. Ich mag es auch nicht im Mittelpunkt zu stehen und ausgefragt zu werden. Ebenso feiere ich meinen Geburtstag (inzwischen) äußerst ungern. Andererseits kann Brankos Art einem auch etwas auf die Nerven gehen auf Dauer^^. Natürlich muss man nicht alles sofort von sich preisgeben, aber so verschlossen wie er ist, hat Hugo wirklich eine harte Nuss zu knacken! Ich bin ja gespannt ob dieser Alex noch einmal eine Rolle spielt, ebenso Brankos Ex-Bester Freund Leo.

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Saltoboy » 27 Jan 2017, 23:17

Tja lieber Skystar. Unser Protagonist ist wohl nicht so ganz der einfachste Typ. Ich könnte damit wahrscheinlich selbst überhaupt nicht umgehen, aber das muss ja jeder für sich selbst wissen^^ Mal schauen, wie er sich noch entwickelt. Und ohne zu sehr spoilern zu wollen muss ich sagen, ja die beiden werden wohl noch das ein oder andere Mal vorkommen ;)

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„Keine Ahnung, warum sich das mit dir so gut anfühlt,“ murmelte Hugo und schmiegte sich an Branko. Und da hatte er wirklich recht. Branko dachte nicht nach, sondern machte einfach, wenn er mit Hugo im Bett war. Normalerweise war er sehr unsicher, aber so taute er plötzlich auf und ließ sich darauf ein. Ohne zu denken, ohne zu zweifeln. Er spürte die warme Haut und seine Bewegungen. Und nichts davon machte ihm Angst.
Branko hatte lange damit gehadert, sich selbst einzugestehen, dass er schwul war, aber irgendwann hatte es einfach Klick gemacht. Er hatte so viel größere Probleme, um sich darum auch noch Gedanken zu machen. Zwar wusste kaum jemand davon, aber er hatte es selbst einfach akzeptiert. Sich selbst akzeptiert. Jedenfalls in der Hinsicht. Es gab schlimmeres, als Männer zu mögen, das taten schließlich sehr viele.
Er schloss die Augen und war schon beinahe eingeschlafen, da bewegte sich Hugo plötzlich wieder und Branko schreckte auf.
„Was hast du eigentlich an deinem Geburtstag geplant?“ fragte er und schaute Branko an, der kaum die Augen aufhalten konnte.
„Gar nichts,“ nuschelte er schlaftrunken.
„Aber den Einundzwanzigsten muss man doch feiern.“
„Muss man das?“ Er war viel zu müde, um das jetzt zu besprechen.
„Natürlich. Ich mag Geburtstage total. Warum willst du denn nichts machen?“ Hugo war offensichtlich viel zu aufgedreht, um an Schlaf zu denken.
„Keine Lust,“ brummelte Branko und hielt die Augen geschlossen.
„Langweiler,“ meckerte er und trommelte auf Brankos Bauch. Dieser setzte sich nun etwas genervt auf.
„Mensch Hugo. Ich will doch einfach nur schlafen. Ich habe keinen Bock zu feiern und Punkt. Es ist schließlich mein Geburtstag und da kann ich machen, was ich will.“
Er blickte Hugo an, der nun die Unterlippe vorschob und ihn bettelnd anschaute. Da war wieder, der arme kleine Hund, dem man nichts abschlagen konnte. Aber Branko konnte nicht immer auf diese Masche hereinfallen, sonst würde er immer wieder so ankommen. Ein bisschen Erziehung schadete da nicht.
„Du musst ja auch nicht groß feiern, aber ein kleines bisschen. Man kann doch einundzwanzig Jahre Branko nicht unbeachtet lassen.“
„Doch. Ich besuch meine Mutter, geh vielleicht eine Runde joggen und leg mich dann früh ins Bett. Genau wie letztes Jahr.“
„Wo ist denn deine Mutter? Du hast noch nie was von ihr erzählt.“
Branko ließ sich wieder ins Kissen sinken. „Sie ist im Moment in Behandlung. Kleines Burnout.“
Lügen, in Bezug auf dieses Thema, gingen ihm mittlerweile sehr leicht über die Lippen. Was wirklich mit ihr los war, wollte er Hugo nicht unbedingt erzählen. Schließlich fiel eine alkohol- und drogenabhängige Mutter nicht wirklich in die Sparte Bettgeflüster.
„Oh, wie geht’s ihr denn? Das klingt ja nicht so gut.“ Hugo schaute ihn mit großen Augen an.
„Alles halb so wild,“ murmelte Branko nur und zog die Decke bis zur Brust hoch und kuschelte sich ins Kissen. „Sie braucht einfach eine kleine Pause.“
Die brauchte sie wirklich, schließlich war sie bereits halb tot gewesen, als Branko sie entdeckt hatte. Vollgekotzt und total zugedröhnt. Man wollte sich gar nicht vorstellen, was sie alles intus hatte. Aber auch dieser Entzug würde zwecklos sein. Sie hatte schließlich schon mehrere hinter sich. Den letzten, als Lea noch sehr klein gewesen war. Sie hatte ihre Tabletten einfach immer offen im Bad herumliegen lassen und das obwohl ein vierjähriges Kind durch die Wohnung rannte. Das hatte Branko wirklich an den Rand der Verzweiflung getrieben. Es war ihre Sache, was sie nahm oder trank, aber ihre kleine Tochter damit in Gefahr bringen, ging zu weit. Erst waren es nur Tabletten gewesen, später irgendwelches Zeug, das Branko nicht zuordnen konnte. Er war damals schließlich auch erst zwölf gewesen und hatte keine Ahnung davon. Sie hatten daraufhin lange bei seinen Großeltern gewohnt, bis seine Mutter wieder einigermaßen clean geworden war und das Jugendamt davon überzeugen konnte, dass ihre Kinder bei ihr doch am besten aufgehoben waren.
Eine ganze Weile war das auch gut gegangen, bis sie wieder an so einen Mann geraten war, der alles wieder schlimmer gemacht hatte. Das war vor gut zwei Jahren gewesen, als Branko grade ausgezogen war. Lea lebte da schon lange bei ihrem Vater, aber Branko hatte sich immer verantwortlich gefühlt für seine Mutter. Die Sucht war dabei noch nicht einmal das schlimmste, sondern das was sie mit ihr machte. Über die Jahre hinweg, hatte der Konsum sie zu einem menschlichen Wrack gemacht. Alles hatte wohl mit Brankos Vater damals angefangen. Branko kannte ihn selbst nicht, aber er konnte sich in etwa vorstellen, was er für ein Typ gewesen war. Offensichtlich hatte er sie langsam in die Sucht getrieben, sie geschlagen und misshandelt, geschwängert und dann verlassen.
So wenig er Leas Vater auch mochte, war er trotzdem das Beste, was ihr je passiert war. Solange, wie sie mit ihm zusammen gewesen war, hatte sie sich im Griff gehabt. Aber das ging nur solange gut, bis er eine jüngere Frau kennen gelernt hatte. Sie war damals schon sehr kaputt gewesen, aber dieser Schlag hatte sie direkt wieder zurück zur Flasche getrieben. Erst war es wieder nur der Alkohol, dann härteres, weil sie es nicht anders aushielt. Branko hatte sein ganzes Leben zusehen müssen, wie sie sich zugrunde richtete. Liebevolle Zuwendung war daher sehr lange ein Fremdwort für ihn gewesen. Der einzige Mensch, der über die Zeit hinweg Konstanz hatte, war Leo gewesen und selbst den hatte er aus eigener Dummheit verloren.
„Branko?“ flüsterte Hugo noch einmal leise und zupfte an der Bettdecke.
„Hm?“ Er öffnete kurz die Augen und blickte ihn an, wie er immer noch im Bett hockte.
„Ach egal. Schlaf gut.“ Er lächelte und legte sich neben ihn, griff nach Brankos Arm und kuschelte sich leicht an ihn.
„Du auch,“ gab er zurück und entspannte sich. Ein paar Sekunden später war er auch schon weggedöst.

Am Morgen wurde er von den ersten Sonnenstahlen geweckt, die durch das Dachfenster fielen, unter dem Hugos Bett stand. Es war noch nicht wirklich hell, aber es fiel bereits einiges an Licht herein. Hugo hatte sich sehr breit gemacht und nahm mehr als die Hälfte des Bettes ein, wie er so ausgesteckt auf dem Bauch lag. Seine Haare waren verwuschelt und er schlief noch. Branko blickte ihn eine Weile lang an. Er war schon wirklich süß. Den Mund leicht geöffnet atmete er ruhig und tief.
Mitten in der Nacht war er einmal aufgewacht und hatte kurz vergessen wo er war. Etwas verwirrt hatte er sich umgeblickt und Hugo neben sich ertastet. Offensichtlich handelte es sich bei Hugo um einen ziemlich gemeinen Deckendieb. Dabei hatte er schon zwei Decken im Bett. Eine schien ihm aber offensichtlich nicht zu reichen, denn er lag auch noch halb mit unter Brankos. Da es nicht so kalt war, fand dieser das nicht so schlimm. Aber Hugos Kuschelbedürfnis nachts, war ihm fast ein bisschen viel. Vielleicht kam das aber auch daher, dass er es einfach nicht so gewöhnt war die Nacht mit jemandem zu verbringen.
Langsam versuchte er, sich seine Decke zurückzuerobern. „Was machst du?“ murmelte Hugo und drehte sich auf die Seite. Damit zog er die Decke noch etwas zu sich.
„Du klaust mit dir Decke,“ grinste Branko und zog einmal feste daran.
„Ich mach das nur, weil du nackt in meinem Bett liegst und das will ich sehen,“ murmelte Hugo und öffnete langsam die Augen.
Branko musste lachen und schlang die Decke fest um sich. „Mit geschlossenen Augen siehst du da gar nichts.“
„Jetzt habe ich sie ja auf und ich sehe trotzdem nichts. Das ist ganz schön gemein von dir, weißt du das?“
„Du hast doch gestern Abend alles gesehen.“
Hugo schob daraufhin die Unterlippe wieder vor. „Das reicht mir aber nicht,“ murmelte er eingeschnappt. Branko holte seine Hand unter der Decker hervor und stupste den Finger leicht gegen Hugos Unterlippe, damit sie wieder in ihre normale Position zurückrückte.
Daraufhin grinste dieser leicht und entblößte seine Zähne dabei. Plötzlich setzte er zum Angriff über und verschwand unter der Decke.
„Das kitzelt,“ rief Branko nur und wälzte sich ein bisschen hin und her. Hugo tauchte abrupt wieder unter der Decke auf.
„Willst du was frühstücken?“ fragte er dann leise und krabbelte aus dem Bett. „Was siehst du mich so an?“ lachte er und sprang ein bisschen auf und ab und brachte Branko damit zum Lachen, bevor er sich Brankos T-Shirt überzog. Es war ihm natürlich ein ganzes Stück zu groß, aber trotzdem sah er gut darin aus. Er schlüpfte noch kurz in eine Boxershorts und blickte Branko fragend an.
„Hat dir der Anblick jetzt die Sprache verschlagen?“ kicherte er.
„Vielleicht ein kleines bisschen,“ gab Branko zu und merkte, wie er rot anlief. „Aber ja Frühstück klingt gut. Du hast mir nur grade mein Tshirt geklaut.“
„Bleib ruhig liegen. Ich bin gleich wieder da.“
Branko lehnte sich wieder etwas zurück und atmete tief durch. Er spürte ein leichtes Stechen in der Magengegend. Hugo hatte ihm wirklich den Kopf verdreht und das obwohl er sich so dagegen gesperrt hatte. Branko vergrub das Gesicht in den Händen und stöhnte leicht. „Scheiße,“ murmelte er und rieb sich über sein Gesicht. Er hatte richtig Herzklopfen und das machte ihm ein wenig Angst.


Die folgenden Tage verbrachte Branko hauptsächlich mit Lernen. Er wollte schließlich die Klausur bestehen. Er fühlte sich allerdings ein wenig abgelenkt. Er vermisste Hugo. Am Montagabend war er nachdem Lea weg war noch vorbeigekommen und hatte auch bei ihm geschlafen. Olli hatte sich sogar zurückgehalten und nichts dazu gesagt. Auch nicht, als Branko und er am Dienstagmorgen im Wohnzimmer am Tisch gesessen und gefrühstückt hatten. Sie hatte sich einfach dazugesetzt und mit ihnen geplaudert, während sie ihren Kaffee schlürfte. Es fühlte sich wirklich schön an Zeit mit ihm zu verbringen.
„Wie war deine Klausur?“ fragte Olivia, als Branko am Mittwochnachmittag nach Hause kam.
Branko stellte seine Tasche ab und setzte sich auf die Couch. „War glaube ich wirklich gut. Das hoffe ich jedenfalls. War aber auch wirklich nicht einfach. Wollen wir später was trinken? Darauf, dass ich jetzt mit den Klausuren fertig bin?“
Olli grinste. „Klar. Ich frag Flo gleich mal, ob er auch Lust hat. Was ist denn mit Hugo?“
Branko kratzte sich im Nacken. „Ich weiß nicht. Vielleicht schreibe ich ihm gleich mal. Keine Ahnung ob er morgen arbeiten muss.“
„Zu seinem Süßen kommt er bestimmt trotzdem gerne. Was genau ist jetzt eigentlich mit euch?“
Branko zupfte an seinen Haaren am Arm und blickte Olli an. Leicht zuckte er mit den Schultern.
„Wir haben nicht darüber gesprochen.“
Sie hockte sich neben ihn auf die Couch. „Aber du wärst gerne mit ihm zusammen oder? Ich glaub ihr wärt ein tolles Paar.“ Sie grinste dabei und stupste Branko in die Seite.
„Ja. Oh man Olli.“ Er hielt sich die Hände vor sein Gesicht.
„Branko ist verknallt,“ machte sie in einem Singsangton und grinste breit. „Ist doch überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil. Das ist wirklich schön. Sag ihm das einfach, schließlich kann ich mir nicht vorstellen, dass er das nicht möchte.“
Branko verschränkte die Arme vor der Brust. „Geht das nicht alles ein bisschen schnell?“
Olivia lachte und klopfte ihm auf den Oberschenkel. „Machst du Witze? Wie lange trefft ihr euch schon? Zwei Monate? Zweieinhalb? Da fällst du bestimmt nicht mit der Tür ins Haus, wenn du ihm sagst, dass du eine Beziehung mit ihm willst.“
Branko blickte aus dem Fenster und zuckte erneut die Schultern. Er war sich nicht sicher, ob er auf Olivia hören sollte. Vermutlich musste er es einfach riskieren.

Branko hatte schon ein paar Bier getrunken, als Hugo auftauchte. Er drückte Branko einen Kuss auf die Wange und setzte sich neben Flo auf die Couch.
„Wie war denn deine Klausur?“ erkundigte er sich und lächelte Branko an.
„Gut. Wirklich gut. Und wie war dein Tag?“
„Arbeit, Arbeit, Arbeit. Und das war es dann auch. Kann ich auch ein Bier haben?“ Brankos stand auf und marschierte in die Küche zum Kühlschrank und holte noch ein paar Bier heraus.
„Wie sieht es denn mit unserem Plan aus morgen Lasertag spielen zu gehen?“ fragte Olli und nahm von Branko ein neues Bier entgegen. „Danke. Also?“
„Ich hol Lea morgen Nachmittag wieder vom Tanzunterricht ab. Danach könnten wir gerne los. Ich muss ja jetzt nicht mehr lernen.“
„Cool,“ meinte Hugo. Er sah ziemlich müde aus, hatte leichte Ringe unter den Augen und seine Haare wirkten etwas zerrauft. Er setzte die Flasche an und nahm einen tiefen Schluck. Vermutlich war er einfach nur sehr früh aufgestanden. Aber Branko kannte ihn so nicht. Normalerweise wirkte er immer frisch und fröhlich.
Sie saßen eine Weile nur da und tranken, unterhielten sich ein bisschen und Branko wurde immer misstrauischer, denn Hugo sah ihn nicht so häufig an wie sonst. Flo machte seine blöden Witze, Olli lachte darüber und Branko bemühte sich mitzulachen. Eigentlich war er ein sehr lustiger Typ, aber einen so niedergeschlagenen Hugo danebensitzen zu sehen, der nur müde lächelte, machte Branko irgendwie traurig.
Irgendwann setzte sich Branko dicht neben ihn und stupste ihn an, als Flo und Olli gerade ein Streitgespräch darüber führte, wer häufiger den Müll runterbrachte.
„Alles gut?“ murmelte er und sah ihn fragend an.
„Klar. War nur ein harter Tag. Ich bin einfach ein bisschen müde.“ Er lehnte den Kopf an Brankos Schulter und legte seine Hand an Brankos Oberschenkel.
„Willst du lieber ins Bett? Ich glaub ich bin schon etwas betrunken.“
„Das merkt man ein bisschen, aber ist doch nicht schlimm. Du hast es dir schließlich verdient. So viel wie du gebüffelt hast in letzter Zeit.“

„Und was ist wirklich los?“ fragte Branko als sie später alleine waren. Hugo steckte sich grade auf seinem Bett aus. Er blickte Branko an.
„Ach ich hatte ein bisschen Stress auf der Arbeit. Mir ist ein Tablett runtergefallen und mein Chef hat mich dafür ziemlich zur Sau gemacht. Und heute wäre eigentlich Alex und mein vierter Jahrestag. Irgendwie bin ich da komisch drauf.“
„Oh,“ machte Branko. Eigentlich hatte er Hugo heute sagen wollen, was er für ihn empfand, aber das war wohl der denkbar schlechteste Zeitpunkt.
„Wie lange seid ihr denn jetzt getrennt?“ Durch seine Stimme klang leider ein bisschen Eifersucht durch, obwohl er versuchte sie im Zaum zu halten.
„Naja. Zehn Monate ungefähr. Ein bisschen länger.“
Branko setzte sich auf die Bettkante und musterte Hugo. Er verdrehte ein bisschen die Augen.
„Ich bin echt ein Idiot. Warum erzähl ich dir eigentlich davon? Tut mir leid. Keine Ahnung warum mir das so Gedanken macht.“
Branko stütze die Hände auf die Knie. „Mhm,“ machte er. „Willst du vielleicht lieber alleine sein? Ich könnte das verstehen. Du hängst schließlich offensichtlich noch an ihm.“ Der Alkohol hatte etwas Brankos Zunge gelöst. Er hatte ein bisschen Sorgen, dass er nun Dinge sagte, die er nüchtern nie so von sich gegeben hätte.
„Nein. Ich will hierbleiben. Ich bin schließlich über ihn hinweg, aber an solchen Tagen kommt manchmal wieder alles hoch. Lag vielleicht auch daran, dass er mich gestern Nacht angerufen hat. Ich bin aber nicht rangegangen. Ich hör mir sein Gequatsche nicht mehr an. Komm her,“ murmelte er und zog an Brankos Arm. Dieser legte sich neben Hugo. Warum musste es diesen doofen Typen geben?
„Ich bin jetzt hier bei dir und das ist auch gut so.“ Er schon den Kopf unter Brankos Arm hindurch.
„Sag mal Hugo.“ Er hatte ein bisschen das Gefühl seine Zunge würde zehnmal so viel wiegen, als sonst. „Wohin entwickelt sich das mit uns? Ich weiß, es ist vielleicht der falsche Moment, um das anzusprechen.“
Branko seufzte und schloss die Augen. Er hatte Angst vor der Antwort.
Hugo schlag seinen Arm um ihn. „Ich weiß es nicht. Ich mein es schon ernst mit dir. Schließlich habe ich dich wirklich gern.“
„Ich mag dich auch sehr,“ flüsterte Branko und starrte an die Decke.
„Das ist doch schön.“
Branko lehnte den Kopf zurück. Er war enttäuscht und plötzlich auch sehr müde. Etwas umständlich versuchte er sich die Jeans auszuziehen.
„Soll ich dir helfen?“
Branko schüttelte den Kopf. „Geht schon.“ Dieser Abend entwickelte sich in eine Richtung, die ihm nicht gefiel.
Branko schlüpfte unter die Decke und drehte sich von Hugo weg. Ihm war jetzt nicht wirklich nach Kuscheln oder etwas in die Richtung.
Er merkte, dass Hugo sich auch auszog und zu ihm unter die Decke kroch. „Branko? Du bist wirklich süß und lieb. Es ist heute einfach nicht mein Tag. Lass uns morgen da noch einmal drüber sprechen, okay?“
„Ja klar. Ich wollte dich damit auch nicht bedrängen.“ Hugo kuschelt sich von hinten an ihn.
„Hast du nicht. Wirklich nicht. Ich bin nur überrascht, dass so etwas von dir kommt. Ich dachte du wärst nicht an so etwas interessiert. Aber lass uns schlafen.“
Branko machte die Augen zu. Wieso war das immer alles so kompliziert? Warum konnte man nicht einfach glücklich sein? Wieso musste es diesen doofen Alex geben, der Hugo offenbar wirklich das Herz gebrochen hatte?

Re: Bauchgefühle

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