Bauchgefühle

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Saltoboy
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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Saltoboy » 05 Nov 2017, 19:05

Als sie aus dem Zug stiegen schlug ihnen die Kälte entgegen. Hugo machte den Reißverschluss an seiner Jacke zu und zog den Schal enger um den Hals. Er nahm seine Tasche von Branko entgegen, der es ihm nun gleichtat. Es war ziemlich windig und hoffte, dass sie bald aus der Kälte herauskommen würden.
„Da seid ihr ja,“ rief plötzlich die Stimme einer Frau zu ihnen hinüber. Als Branko aufsah, hatte sie Hugo schon in die Arme geschlossen. Damit hatte Branko nicht gerechnet.
„Und du musst Branko sein,“ meinte sie fröhlich und umarmte auch ihn. Sie war ein ganzes Stück kleiner als Hugo und Branko musste sich herunterbeugen. Er war ziemlich überrumpelt. Mit so viel Herzlichkeit hatte er nicht gerechnet.
„Ja,“ grinste Hugo. „Das ist er.“
„Ich freu mich ja so dich endlich kennen zu lernen. Hugo erzählt immer so lieb von dir.“
Branko errötete. Es kam ihm irgendwie unwirklich vor, dass Hugo von ihm erzählte. Was mochte er wohl gesagt haben?
„Freut mich auch sie kennen zu lernen,“ meinte er dann leise und lächelte sie an. Hugos Mutter hatte die gleichen lockigen Haare wie Hugo. Außerdem war sie wirklich hübsch. Gewisse Züge hatte Hugo von ihr geerbt. Die Grübchen beim Lächeln beispielsweise. Ihre Augen waren nicht ganz so hell wie die ihres Sohnes, aber auch von einem blau.
„Ach lass das Sie. Nenn mich einfach Elena.“
Hugo grinste Branko an, während sie zum Auto gingen. Es war wirklich nett, dass Hugos Mutter sie vom Bahnhof abholte. Der Bus fuhr nämlich wohl nur sehr unregelmäßig und für einen Fußmarsch war es zu weit und außerdem viel zu kalt.
„Hat denn alles gut geklappt?“ fragte Elena, als Hugo und Branko ihre Taschen in den Kofferraum legten.
„Ja, du siehst ja keine Verspätung,“ meinte Hugo und setzte sich auf den Beifahrersitz.
„Oder willst du vorne sitzen Branko?“ fragte er, als Branko sich auf die Rückbank des Kleinwagens quetschte.
„Ach das geht schon,“ meinte er und zog die Tür zu.
Die Fahrt über sagte Branko nicht viel. Hugo plapperte wie ein Verrückter und Elena lachte über das was er erzählte. Er wollte sich gar nicht groß in das Gespräch zwischen Mutter und Sohn einmischen.
„Habt ihr denn Hunger?“ fragte sie kurz bevor sie ankamen.
„Oh ja,“ meinte Hugo lachend. „Du bestimmt auch oder Branko?“ fragte er und drehte sich halb zu seinem Freund um. Diesem war etwas unbehaglich geworden und er fühlte sich fehl am Platz.
„Ein bisschen,“ murmelte er.
„Gut ich habe Kürbissuppe gekocht. Ich hoffe das magst du auch Branko.“
„Klingt gut,“ erwiderte Branko leise und lächelte sie durch den Rückspiegel an.
„Du bist ja kein Vegetarier oder so?“
Hugo lachte. „Das habe ich dir doch schon gesagt Mama.“
„Lass mich doch fragen. Es kann ja sein, dass sich das inzwischen geändert hat.“
„Branko bist du in den letzten zwei Tagen plötzlich zum Vegetarier geworden?“ fragte Hugo belustigt.
„Nicht dass ich wüsste,“ meinte Branko und musste jetzt doch schmunzeln.
Sie parkten vor dem Haus. Es wirkte so idyllisch. Im Fenster hing Weihnachtsdeko, der Vorgarten wirkte trotz der eisigen Temperaturen sehr gepflegt. Branko stieg aus dem Auto. Im Vergleich zu der Wohnung, in der Branko aufgewachsen war, war dies der reinste Palast. Aber er wollte gar nicht anfangen das miteinander zu vergleichen. Das Ergebnis wäre nur sehr deprimierend gewesen.
Drinnen war es warm und es roch tatsächlich nach Kürbis.
„Wir bringen eben unsere Sachen rauf und kommen dann wieder runter,“ meinte Hugo zu seiner Mutter.
„Lasst euch Zeit. Merle und dein Vater sind offensichtlich noch nicht mit dem Baum zurück.“
Hugo schob Branko zur Treppe. „Dann zeig ich dir jetzt mal mein altes Kinderzimmer,“ kicherte er.
„Ach ja Hugo ich dachte mir, dass das kleine Bett vielleicht etwas zu klein ist für euch beide, also habe ich euch noch eine Matratze hingelegt.“
„Ok danke. Wir gucken mal wie wir das machen,“ meinte Hugo und stupste Branko an, um ihm zu bedeuten, dass er die Treppe hochgehen sollte.
„Willkommen in der Casa del Hugo,“ grinste Hugo und warf seine Tasche aufs Bett. Es schien sich hier nicht viel verändert zu haben, seit Hugo ausgezogen war.
„Hübsch,“ meinte Branko und sah sich um. Sein Blick fiel auf die Poster, die an der Wand hingen.
„Lukas Podolski?“ fragte er ungläubig und lachte.
„Ey,“ machte Hugo und grinste in sich hinein. „Vor dir steht ein großer Fan des ersten FC Köln.“
„Ach ja? Das wusste ich ja noch gar nicht,“ lachte Branko.
„Du weißt so einiges nicht über mich mein Lieber.“
Hugo warf sich auf das wirklich kleine Bett. Das würde wirklich kuschelig werden, sollten sie versuchen gemeinsam darin zu schlafen.
„Mein Interesse an Fußball hat vielleicht ein wenig nachgelassen in den letzten Jahren,“ räumte Hugo dann aber ein. „Aber hier ist etwas die Zeit stillstehen geblieben.“
„Dein Interesse an Podolski auch?“ lachte Branko und schaute sich weiter um. Es sah alles aus wie in einem typischen Jugendzimmer und Hugo hatte offensichtlich wenige seiner Möbel mitgenommen. Eine kleine Kommode stand neben der Tür. Der Schreibtisch war aufgeräumt, nicht so wie der in Hugos Zimmer in seiner Wohnung mit Merle. Dort herrschte meistens ein ziemliches Chaos.
Hugo klopfte auf die Matratze um Branko zu bedeuten, dass er sich auch setzen sollte.
„Als ich hier gewohnt habe, war ich ja noch gar nicht schwul,“ lachte er, während Branko sich langsam neben ihn sinken ließ.
„Stimmt das kam bei dir ja erst später,“ grinste Branko.
„Geahnt habe ich es vielleicht schon ein bisschen, aber verrat das keinem.“
Er lag auf dem Rücken und strecke die Hand nun aus, um Brankos Arm zu streicheln. „Ich hätte jedenfalls nicht gedacht, dass ich irgendwann mal mit meinem Freund in diesem Bett schlafen würde.“
„Alex war nie hier?“ fragte Branko und bereute es ein wenig wieder seinen Namen ausgesprochen zu haben. Es war nie gut, wenn er Thema wurde.
„Nein. Ich habe ihn nie mit hierher genommen. Er hatte auch nie einen wirklich guten Stand bei meinen Eltern. Merle hat ihnen gegenüber vielleicht ein paar Mal seine Eigenheiten erwähnt.“
„Meinst du damit mit allem zu schlafen, was ihm in den Weg kommt?“
Hugo zuckte die Schultern. „Ich glaube das hat sie ihnen nicht erzählt. Aber dass er manchmal scheiße zu mir war schon. Es ist aber vermutlich besser ihn meiner Mutter gegenüber nicht zu erwähnen. Für sie haben wir auch letztes Jahr schlussgemacht. Darüber habe ich nicht nur dir gegenüber gelogen,“ flüsterte Hugo und blickte missmutig drein. Branko versetzte das einen Stich in der Magengegend. Es schien Hugo wirklich unangenehm zu sein, dass er diese Beziehung noch fortgeführt hatte.
„Denk bitte nichts Falsches,“ flüsterte Hugo, als Branko nichts sagte. „Normalerweise erzähle ich meinen Eltern alles, aber das war immer ein wunder Punkt. Und die paar Male, die sie Alex gesehen haben, hat er sich auch nicht unbedingt wie der größte Gentleman aufgeführt. Es war mir einfach peinlich. So ziemlich die gleichen Gründe, weshalb ich dir nichts davon gesagt habe.“
Branko zuckte die Schultern. „Ist ja auch egal,“ murmelte er.
„Es ist aber auf jeden Fall eine Ehre, dass du diese heiligen Hallen betreten darfst. Auch wenn das Einzelbett auf jeden Fall eine Herausforderung wird.“
„Meinst du nicht, dass ich besser auf der Matratze schlafen soll?“
Hugo zog einen Schmollmund. „Aber wer kuschelt denn dann mit mir?“
Branko schnappte sich den Teddy, der neben dem Kissen lag und warf ihn Hugo ins Gesicht, der nun laut lachte. „Mister Bär ist aber nicht ansatzweise so kuschelig wie du,“ maulte er.
„Vielen Dank,“ meinte Branko und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Du weißt was ich meine,“ erklärte Hugo und zog Branko an sich heran, sodass er auch halb auf dem Bett lag. Er gab Branko einen sanften Kuss.
„Was meinst du denn?“
„Dass ich dich definitiv einem uralten Teddy vorziehe du Schlaukopf.“ Er lachte leicht.
„Sag mal. Ich treffe mich eigentlich immer am Abend vor Weihnachten mit ein paar Leuten hier in der Kneipe. Also wenn du Lust hast können wir heute Abend dahin. Aber wenn nicht ist auch nicht so schlimm.“
„Ähm. Ja doch. Klar,“ murmelte Branko. Eigentlich wäre er am liebsten hiergeblieben, aber Hugo sah seine Freunde ja auch nicht so häufig. Seit sie zusammen waren, war Hugo kein einziges Mal in seinen Heimatort gefahren. Branko konnte sich allgemein nur an das eine Mal erinnern, dass Hugo erzählt hatte, dass er seine Eltern besuchen würde und das war noch gewesen bevor das zwischen ihnen ernster wurde.
„Cool,“ grinste er jetzt. „Ich habe die alle seit September nicht mehr gesehen,“ bestätigte er Brankos Gedanken.

Nach einer Weile gingen sie die Treppe hinunter in die Küche. Hugos Mutter stand an der Anrichte und schnitt grade etwas Brot als Beilage für die Suppe. Sie blickte sich zu den beiden Jungen um, als sie in die Küche kamen.
„Sollen wir vielleicht schon mal den Tisch decken?“ fragte Hugo. „Dann können wir gleich direkt essen, wenn die beiden zurückkommen.“
„Man könnte meinen du hättest seit Tagen nichts gegessen,“ meinte Branko leise und ließ sich von Hugo fünf Teller in die Hände drücken.
„Hab ich ja auch nicht,“ antwortete Hugo grinsend.
„Abgesehen von den drei Broten heute Morgen und den beiden Schokoriegeln vorhin im Zug.“
Elena lachte. „Das ist für Hugo doch noch gar nichts. Dass er uns noch nicht die Haare vom Kopf gefressen hat, ist ein Wunder. Und trotzdem sieht er jedes Mal dünner aus, wenn er hierherkommt.“
„Ich bin halt ein genetisches Wunder, findet euch damit ab,“ grinste Hugo und kramte Besteck aus einer Schublade.
„Perfektes Timing,“ rief Hugo, als sein Vater und seine Schwester den Hausflur betraten, während er das letzte Glas auf den Tisch stellte.
Er umarmte seinen Vater, als dieser seine Jacke ausgezogen hatte und danach auch seine Schwester. Merle kam danach auch auf Branko zu und drückte ihn einmal kurz.
Hugos Vater hingegen musterte Branko zunächst etwas unschlüssig, steckte ihm dann aber forsch die Hand hin. Er war um einiges unscheinbarer als seine Frau und die Ähnlichkeit zu seinem Sohn fehlte ihm. Hugo schlug da doch eher nach seiner Mutter.
„Das ist Branko,“ meinte Hugo, als Branko die Hand griff und Schüttelte. Branko überragte die beiden anderen Männer ein ganzes Stück. Hugos Vater war in etwa so groß wie sein Sohn.
„Habt ihr einen schönen Baum gefunden?“ fragte Hugo während er sich an den Esstisch setzte. Merle wusch sich noch schnell die Hände und gesellte sich dann zu ihnen.
„Den schönsten Baum, den man am Tag vor Weihnachten noch bekommt,“ grinste sie. „Vielleicht sollten wir uns das mit dieser Tradition noch einmal überlegen.“
„Ach wieso? Auch die etwas krüppeligen Bäume brauchen ein zuhause,“ lachte Hugo. „Mit ausreichend Baumschmuck sieht man eh nicht mehr viel davon. Hast du gleich Lust Merle und mir beim Baumschmücken zu helfen?“ fragte er Branko dann mit großen Augen.
„Klar,“ murmelte Branko, als Hugos Mutter einen großen Topf mit Suppe auf den Tisch stellte.
„Vielleicht kannst du Hugo davon abhalten wieder diese hässlichen Weihnachtsengel an den Baum zu hängen. Sie sind nämlich alles andere als stilvoll.“
Branko grinste. „Ich glaube Hugo von so etwas abhalten zu wollen ist hoffnungslos.“
„Dich hat er aber gut dressiert,“ meinte Hugos Vater, der sich jetzt auch an den Tisch setzte.
„Branko weiß nur, dass es bei manchen Dingen nicht sinnvoll ist mit mir zu diskutieren,“ antwortete Hugo an seiner Stelle.
Die Stimmung am Tisch war wirklich gut und Branko begann sich wirklich wohl zu fühlen in einer so harmonischen Umgebung. Zudem fragte ihn keiner aus, obwohl er manchmal das Gefühl hatte, dass grade Hugos Mutter sich in Zurückhaltung übte. Branko hatte die Vermutung, dass Hugo ihr eingebläut hatte kein Kreuzverhör zu starten.
„Hugo meinte, du hast auch eine Schwester?“ fragte sie irgendwann, als sie sich nicht mehr zurückhalten konnte und Merle und Hugo sich um das letzte Stück Brot kabbelten.
„Ja. Sie ist dreizehn,“ gab Branko zur Antwort und löffelte den letzten Happen seiner Suppe.
„Da seid ihr aber einige Jahre auseinander. Wo feiert sie denn Weihnachten?“
„Ja ich bin sieben Jahre älter als sie. Sie ist bei ihrem Vater.“
Hugo hatte den wie nicht anders zu erwarten den Kampf um das Stück Brot gewonnen.
„Lea ist Brankos Halbschwester,“ fügte Hugo noch hinzu.
„Achso. Das erklärt es dann. Es freut mich aber, dass wir dich endlich einmal kennenlernen dürfen.“
Sie lächelte Branko an, der das Lächeln, wenn auch schüchtern erwiderte.
„Ja beim letzten Mal ist ja leider etwas dazwischen gekommen,“ murmelte er dann und blickte auf seinen Teller.
„Umso schöner, dass Hugo dich jetzt mitgebracht hat.“


„Hugo,“ maulte Merle, als sie und Branko die Kisten mit dem Baumschmuck aus dem Keller geholt hatten. Branko konnte sich nicht erinnern, wann und ob überhaupt er das letzte Mal einen Weihnachtsbaum geschmückt hatte.
„Ich bin zu vollgefressen,“ brummte Hugo und räkelte sich auf der Couch. Branko musste schmunzeln. Das war wieder einmal typisch für seinen Freund, wie er jetzt den Bauch raussteckte. Branko stellte die Kiste auf den Boden und ging zu Hugo hinüber.
„Ich glaube die letzte Scheibe Brot war zu viel,“ kicherte er, um Merle zu ärgern.
Branko griff nach Hugos Arm und wollte ihn hochziehen, aber er sträubte sich ein wenig.
„Warum bist nicht einmal du auf meiner Seite?“ fragte Hugo schmollend.
„Ich kraul dir gerne den Bauch, wenn wir hier fertig sind.“
„Lass dich von ihm nicht einlullen. Er hat ausdrücklich befohlen, wir sollen mit dem Schmücken auf ihn warten,“ meinte Merle und stemmte die Hände in die Hüften.
Etwas wiederwillig ließ Hugo sich von Branko hochziehen und sobald er erst einmal angefangen hatte die Kugeln an den Baum zu hängen, hatte er seinen vollen Bauch scheinbar total vergessen.
„Wie kann es uns nur so viele Jahr entgangen sein, dass du schwul bist?“ wunderte Merle sich nach einer Zeit, als Hugo mit höchste Sorgfalt die wirklich grauenhaften Weihnachtsengel an die Äste hängte.
„Weil ich euch alle mit meiner schieren Männlichkeit geblendet habe,“ lachte Hugo und spannte seine Muskeln an.
„Das wird es gewesen sein,“ lachte Merle und versuchte unauffällig einen der Engel wieder abzunehmen, was Hugo jedoch nicht entging.
„Finger weg,“ rief er und schlug ihr auf die Hand.
Branko lachte auch. „Sag mal Hugo wann wollen wir denn nachher los?“ fragte er. Ihm war immer noch nicht ganz wohl dabei gleich einen ganzen Haufen von Hugos Freunden zu treffen.
„Sobald wir hier fertig sind. Also so gegen halb neun denke ich,“ lächelte er.

Re: Bauchgefühle

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Skystar » 13 Nov 2017, 10:51

Hugo mag Pudolski? Okay, ich mag ihn nicht mehr... ^^

*Fünf Minuten später*

Okay ich mag ihn wieder, nachdem er im letzten Abschnitt so unglaublich süß rüberkam. Ernsthaft Hugo, aber auch Branko, hast du charakterlich sehr gut hinbekommen.

Ich bin jetzt tierisch gespannt auf Hugos Freunde und hoffe es wird ein friedliches Weihnachtsfest (Kein Alex bitte!).
Und ich hoffe, dass du jetzt nicht bis zu unserem Weihnachten wartest, bis du weiter schreibst :D
Meine neue Geschichte: "Queer durchs Leben" !

Winterliche Weihnachtsgrüße
Himmelsstern! :flag:

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Saltoboy » 06 Dez 2017, 19:33

Sie liefen im Dunkeln durch die Straßen. Hugo kannte den Weg scheinbar blind, aber Branko hätte schon nach dreimal abbiegen nicht zurück zu Hugos Haus gefunden.
„Ist es denn weit?“ fragte Branko leise. Hugo lachte und schüttelte wild den Kopf.
„Wir sind hier auf dem Dorf,“ meinte er dann amüsiert.
„Manchmal ist grade deshalb alles etwas weiter weg,“ entgegnete Branko kleinlaut.
„Da hast du vielleicht recht,“ räumte Hugo ein. „Aber hier läuft man nirgendwohin länger als fünfzehn Minuten. Keine Sorge.“
„Mhm,“ machte Branko leise und vergrub während des Gehens die Hände in den Jackentaschen.
„Ist dir kalt?“ fragte Hugo und hakte sich bei ihm unter, schob vorsichtig seine Hand zu Brankos in die Tasche.
„Es geht eigentlich.“
Hugo erwiderte nichts, ließ die Hand aber dort und so gingen sie schweigend die Straße entlang.
Sie erreichten nach ein paar Minuten die kleine Kneipe, die von außen allein schon ziemlich heruntergekommen aussah.
Als Hugo Brankos Blick bemerkte, grinste er leicht. „Hier kann man halt nicht so viele Ansprüche stellen,“ zwinkerte er und hielt Branko die Tür auf.
Der Gastraum wirkte ähnlich schäbig. Klobige Eichentische und die Tapete deutete darauf hin, dass vor dem Rauchverbot in Gaststätten, der ein oder andere Aschenbecher gefüllt worden war.
„Ist scheinbar noch keiner da,“ stellte Hugo fest, nachdem er sich umgesehen hatte. „Setzen wir uns da drüben hin,“ fügte er mit einem Nicken auf einen Tisch in der Ecke hinzu. Hugo quetschte sich neben Branko auf die Sitzbank, obwohl noch einige Stühle am Tisch frei waren.
„Trinkst du auch ein Bier oder bleibst du weiterhin abstinent?“ fragte Hugo und schnappte sich die vergilbte Getränkekarte, die so aussah, als hätte sie mehr als eine Bierdusche bekommen und beinahe schon auseinanderfiel.
„Ich weiß nicht,“ murmelte Branko, der seit dem Tod seiner Mutter keinen Alkohol mehr angerührt hatte und eigentlich auch nicht das Bedürfnis verspürte das zu ändern.
„Du wirst dich dann aber darauf einstellen müssen, dass alle dich fragen ob du schwanger bist,“ grinste Hugo und knuffte ihn in die Seite.
Branko lächelte müde. „Ich glaube da müssen wir uns keine Sorgen machen.“
„Ach weißt du,“ lachte Hugo. „Ich glaube ich bin sehr potent. Ausgeschlossen ist das also nicht.“
Jetzt musste er schmunzeln. Die Überzeugung mit der Hugo das gesagt hatte war irgendwie süß.
„So potent dann wahrscheinlich auch wieder nicht,“ grinste Branko.
„Ey,“ machte Hugo und verschränkte die Arme vor der Brust. Er musste aber auch lachen, als grade ein Mädchen die Kneipe betrat und nach kurzem Umsehen direkt auf sie zusteuerte.
„Nora,“ rief Hugo und sprang auf, um sie zu umarmen. „Wie geht’s dir?“
Branko blieb sitzen und sah zu, wie sie ihre Jacke auszog. Sie war wirklich hübsch, bemerkte er. Mit ihren langen Haaren, die sie zu einem Zopf geflochten hatte und einer sehr sportlichen Figur.
„Mir geht’s gut,“ lächelte sie. „Und dir?“ Dann bemerkte sie Branko, als sie sich grade setze. „Oh wer ist denn das?“
Hugo grinste und blickte etwas verlegen zu Branko. „Ähm,“ machte er. „Das ist Branko. Mein neuer Freund.“
„Oha,“ machte Nora und musterte Branko. „Ich wusste gar nicht, dass es da wieder jemanden bei dir gibt. Freut mich dich kennen zu lernen,“ fügte sie dann an Branko gewandt hinzu.
„Ja freut mich auch,“ stammelte er mehr oder weniger.
Sie seufzte und sprach dann wieder zu Hugo. „Und worüber habt ihr grade so geredet?“
Hugo lachte. „Über mein Sperma,“ meinte er dann unverfroren und Branko hätte sich am liebsten die Hand vor die Stirn geschlagen. Wieso sagte er manchmal solche Sachen?
„Ah,“ meinte Nora mich hochgezogenen Brauen und lachte. „Was leichtes für den Einstieg, wo wir uns so lange nicht gesehen haben.“
Hugo grinste. „Branko wollte mir nicht glauben, dass ich Kinder zeugen könnte.“
„Hey,“ sagte Branko laut. „Das habe ich überhaupt nicht gesagt.“
Nora blickte zwischen ihnen hin und her.
„Hast du wohl,“ erwiderte Hugo gespielt eingeschnappt. „Du hast gesagt dazu wäre ich nicht potent genug.“
Hilfesuchend blickte er zu Nora, die jetzt grinste.
„Lass dich von ihm nicht auf den Arm nehmen,“ meinte sie und schüttelte lachend den Kopf.
„Ich habe nur gesagt, dass du nicht potent genug bist, um mich zu schwängern,“ versuchte Branko möglichst leise zu sagen.
Jetzt grinste Hugo noch breiter.
„Habt ihr schon etwas bestellt? Ohne diese sehr merkwürdige Diskussion unterbrechen zu wollen.“
Hugo schüttelte den Kopf. „Ich wollte Branko grade überreden ein Bier zu trinken, bevor wir vom Thema abgekommen sind und du gekommen bist.“
Branko seufzte innerlich. „Eins wird wohl nicht schade,“ brummte er.
„Hier weiß man nie,“ grinste Nora und sah zur Theke hinüber, wo ein älterer Wirt stand und Bier zapfte.
„Also drei Bier?“ fragte Hugo und war schon aufgestanden und zur Bar hinübergegangen.
„Da hat Hugo also einen neuen Freund, das freut mich ja und cool, dass er dich mitbringt. Sonst hat er ja nie jemanden vorgestellt.“
Sie lächelte Branko an, der ein bisschen rot wurde. Warum ließ Hugo sie auch direkt alleine? Er wusste doch, dass Branko sich mit Fremden ein bisschen schwertat.
„Da hast du auch nicht viel verpasst,“ brummte er und blickte zu seinem Freund hinüber, der jetzt an der Bar lehnte und versuchte den Wirt auf sich aufmerksam zu machen.
„Ja ich habe Geschichten gehört. Wir sehen uns nur leider viel zu selten, da bekommt man natürlich wenig mit. Aber wenn er dich mit herbringt schämt er sich schonmal nicht für dich. Das würde ich als gutes Zeichen werten.“
Branko zuckte die Schultern. Das Thema bereitete ihm Unmut. „Du hast wahrscheinlich auch schon seine Eltern kennengelernt oder?“
Branko nickte. „Ja. Wir waren heute Nachmittag bei ihm zuhause. Sie sind echt nett.“
„Ja,“ meinte sie aufgeregt. „Ich liebe Hugos Mama total und sein Papa sagt zwar nie viel ist aber auch ziemlich witzig.“
„Warst du oft bei ihm zuhause?“
Sie zuckte die Schultern. „Wir waren ja zusammen in der Grundschule und sind schon ewig befreundet. Und ich war häufiger mal bei ihm daheim.“
Sie wirkte etwas ausweichend, fand Branko. Er nickte jedoch nur und nahm ein paar Sekunden später von Hugo das Bier entgegen. „Was bekommst du?“ fragte Branko.
„Lass mal stecken,“ antwortete Hugo und setzte sich wieder zu ihm auf die Bank. „Schließlich war das meine Idee.“
Branko hatte etwas das Gefühl, dass Hugo das jetzt vornehmlich sagte, weil er wusste, dass auf Brankos Konto ziemliche Ebbe herrschte. Er bekam zwar Bafög und arbeitete als studentische Hilfskraft an der Uni, aber zu mehr als sich irgendwie über Wasser zu halten reichte das auch nicht aus.
„Richtiger Gentleman,“ meinte Nora und prostete ihnen zu.
„Und wie läuft das Laufen?“ kicherte Hugo und nippte an seinem Bier.
„Es läuft,“ grinste sie. „Nein ehrlich. Ich bin ganz gut dabei.“
„Nora macht Leichtathletik,“ erklärte Hugo ihm.
Branko nickte bloß stumm und nahm auch einen Schluck vom Bier. Es schmeckte ein wenig schal, obwohl es grade erst gezapft worden war.
Ein paar Augenblicke später kamen ein Mädchen und ein Junge hinzu, die sich als Charlotte und Nick vorstellten und später noch ein weiteres Mädchen namens Jette.
Charlotte und Nick waren ziemlich offensichtlich ein Pärchen. Sie ließen jedenfalls keinen Spielraum für Spekulationen, so wie sie sich einander gegenüber verhielten. Und Jette wirkte ein bisschen so, als sei sie von einer anderen Welt. Sie hatte einen ziemlich verschleierten Blick und trug ein geblümtes Kleid unter einer dicken Wolljacke. Branko war sich nicht ganz sicher, ob sie nicht vielleicht etwas gerauchte hatte, bei dem glasigen Blick, mit dem sie ihn musterte.
Branko merkte, dass alle ihm immer wieder verstohlene Blick zuwarfen. Er trank nur langsam sein Bier, das ihm nicht wirklich schmeckte. Hugo bestellte ihm ungefragt noch ein Bier, als eine Kellnerin zu ihnen and den Tisch kam. Branko wollte protestieren, aber Hugo wirkte so zufrieden, dass er die Stimmung nicht kaputt machen wollte.
„Du bist echt verdammt groß,“ meinte Jette irgendwann zu ihm als er von der Toilette kam und legte den Kopf schief. Sie war zu hundert Prozent bekifft, dachte Branko.
„Ich weiß,“ meinte er und grinste leicht, während er das Bier zwischen seinen Handflächen drehte.
„Hugo hat doch gesagt, dass er auf große Männer steht,“ meinte Charlotte.
„Ist auch so,“ grinste Hugo und Branko spürte seine Hand unter dem Tisch an seinem Knie.
Branko schloss die Augen. Hugos Freunde waren wirklich nett, aber er wusste nicht, ob sie ihn auch mochten. Er hatte sich die ganze Zeit eigentlich ziemlich zurückgehalten. Das lag aber auch daran, dass sie sich alle sehr viel zu erzählen hatten und er nicht dazwischen grätschen wollte. Zumal es ihm auch lieber war nicht der Mittelpunkt des Gespräches zu sein.
Es war letztendlich schon recht spät und Hugo hatte munter weiter Bier bestellt. Branko hatte sich aber auch dabei zurückgehalten. Ihm war immer schon suspekt gewesen, was der Alkohol mit ihm anstellte. Er sagte dann häufig Sachen, die er lieber für sich behalten hätte. Beispielsweise sein Geständnis Leo gegenüber.
Da er aber nie so viel trank, vertrug er auch nicht so viel Alkohol und er merkte schon, dass ihm die paar Bier zu schaffen machten.
„Bist du zwei Meter groß?“ fragte Jette unverwandt. Branko blickte sie ein wenig überrascht an, da er das Thema als abgehakt erachtet hatte.
„Nein,“ meinte er. „Ich versteh meistens gar nicht warum das alle immer so bemerkenswert finden. Das ist jetzt noch keine allzu außergewöhnliche Größe.“
„Du bist auf jeden Fall größer als wir alle hier,“ meinte Nora. „Oh schaut mal wer da ist.“
Jemand weiteres betrat die Kneipe. Er trug eine Mütze, aus der an den Seiten seine dunkelblonden wuscheligen Haare herauslugten und eine enorm große Brille. Er war schlank und etwas schlaksig, sah im Grunde aber nicht schlecht aus.
Er kam auf die Gruppe zugesteuert und wirkte etwas außer Atem. Er winkte zur Begrüßung.
„Willi,“ meinte Jette und umarmte ihn. Als er sich aus ihrer Umklammerung befreit hatte ließ er sich auf den letzten freien Stuhl sinken. So saß er zwischen Jette und Branko und schien nun auch bemerkt zu haben, dass ein Unbekannter am Tisch saß.
„Und zu wem gehörst du?“ fragte er unverhohlen und Branko wusste nicht sicher, ob er ihn sympathisch fand.
„Zu mir,“ meinte Hugo schnell.
„Wer hätte das gedacht,“ grinste Willi. Branko blickte ihn an. Er war etwas verdutzt.
Hugo hob auch die Augenbrauen. „Ach komm,“ meinte er und strich Branko einmal kurz unauffällig über den Rücken.
Charlotte, Jette und Nick vertieften sich wieder in ein Gespräch, aber die anderen blickten alle Willi an, der jetzt grinste.
„Will noch jemand ein Bier?“ fragte Nora laut. Branko blickte sie kurz an. Ihr schmales Gesicht wirkte etwas angespannt und ihre dunklen Augen fixierten Willi.
„Ich habe doch gar nichts gesagt,“ meinte Willi und lehnte sich lässig auf seinem Stuhl zurück. „Ich finde es nur schön, dass du es endlich erkannt hast. Weil seien wir mal ehrlich, wir wussten alle doch schon immer, dass du schwul bist. Außer Nora vielleicht.“
Branko blickt von Nora zu Willi und dann zu Hugo.
„Branko hilfst du mir Bier zu holen?“ fragte Nora dann unvermittelt und lächelte ihm zu. Branko wollte eigentlich hören, was der Junge mit der Mütze zu sagen hatte, aber er konnte auch schlecht nein zu Nora sagen, deshalb stand er auf und folgte ihr zur Bar.
Sie schüttelte nur den Kopf. „Keiner von uns mag den Kerl,“ zischte sie. „Er war damals bei uns in der Schule. Okay, Jette mag ihn. Die kann aber jeden leiden. Jedenfalls ist er ein ziemlicher Kotzbrocken und ich glaube er ist ein verkappter Schwuler. Würde mich nicht wundern, wenn er eigentlich nur scharf auf Hugo ist und deswegen jetzt hier rumstänkert.“
Branko schaute sie nicht an. Er hatte überhaupt nicht danach gefragt. Was ihn viel mehr interessierte war, wovor Nora so Angst hatte, dass Branko es erfuhr.
„Was meinte er denn grade?“ fragte Branko leise und kratze sich im Nacken.
„Ach alte Geschichten. Das ist auch bald schon zehn Jahre her. Keine Ahnung wieso er jetzt wieder davon anfängt.“
Branko nahm die Gläser, die der Wirt ihnen kurz darauf hinstellte und ging zurück zum Tisch, ohne weiter auf das was Nora sagte einzugehen.
„Das will ich doch auch überhaupt nicht,“ entgegnete Hugo entrüstet, dem was Willi scheinbar grade gesagt hatte. Dieser hatte sich neben Hugo auf Brankos Platz gesetzt. Hugos Gesichtsausdruck war genervt und wütend zugleich.
„Ach ist mir auch egal. Mir wäre es nur an Noras Stelle zu blöd, immer noch mit dem schwulen Ex rumzuhängen.“
Willi grinste, bei Brankos überraschtem Gesichtsausdruck. Daher wehte also der Wind. Und Branko konnte nicht umhin sich die beiden als Paar vorzustellen. Der Sprung von einem so schlanken, sportlichen Mädchen mit langen Haaren zu einem Typ wie Branko es war, war wirklich verrückt.
„Und mir wäre es an deiner Stelle zu blöd hier aufzutauchen und die ganze Stimmung zu verderben,“ meinte Nora und verschränkte die Arme.
Die Vorstellung von einem Hugo, der hetero war, wirkte für Branko so absurd. Mit ihr hatte er also sein erstes Mal gehabt, wahrscheinlich auch seinen ersten Kuss. Grundsätzlich fand Brankos das nicht schlimm, aber hätte er ihn nicht vorwarnen können?
„Ich glaube ich habe einen Nerv getroffen,“ lachte Willi und stand langsam wieder auf und bot den Platz mit einer großzügigen Geste Branko an, der noch immer stand. Hugo griff ihn so schnell am Ärmel und zog ihn runter, dass Branko beinahe hinfiel. Mit einem lauten Geräusch landete er auf der Sitzbank.
„Ich glaube nicht, dass dich das etwas angeht. Hugo und ich sind Freunde und ich bezweifle auch stark, dass ich einen Einfluss auf seine sexuelle Orientierung hatte. Es hat nicht funktioniert und gut ist.“
„Hab ich dir eigentlich irgendwas getan, dass du mich jedes Mal wenn wir uns sehen irgendwie blöd anmachst?“ fragte Hugo mit gerunzelter Stirn. Er hatte seinen Arm in Brankos Ellenbogen eingehakt. Dieser war grade etwas überfordert mit der Situation. Die anderen drei lachten jetzt laut und bekamen den kleinen Streit überhaupt nicht mit. Brankos Kopf brummte ein wenig.
„Entspann dich mal Hugo. Dann bist du mal eben nicht everybodys Darling. Na und?“
„Das will ich auch überhaupt nicht sein, aber das ist trotzdem kein Grund immer so scheiße zu sein,“ entgegnete Hugo trocken und hob eine seiner Augenbrauen.
Willi grinste Branko noch einmal zu und verließ dann die Kneipe.
Hugo war rot im Gesicht und Nora wirkte äußerst peinlich berührt.
Branko nahm sein Glas hoch und trank einen Schluck.
Einen Moment sagte keiner etwas. Die anderen schienen überhaupt nicht mitbekommen zu haben und unterhielten sich weiterhin.
Hugo räusperte sich leise. „Branko,“ meinte er und blickte zu einem Freund hoch.
„Was denn?“ machte Branko. Er kämpfte noch immer mit dem Gedanken, dass Hugo mit diesem Mädchen geschlafen hatte, aber sauer war er eigentlich nicht. Schließlich hatte er gewusst, dass Hugo eine Freundin gehabt hatte und auch dass sie eine Freundin von ihm war. Das einzige, was ihm nicht behagte, war dass die beiden es hatten verheimlichen wollen.
„Ich weiß nicht was das Problem ist,“ meinte Branko und zuckte die Schultern. „Dann wart ihr halt zusammen. Das ist doch auch schon wirklich lange her oder?“
Hugo wirkte erleichtert und lockerte etwas den Griff an Brankos Ellenbogen.


Die Stimmung hatte sich danach wieder etwas aufgelockert. Hugo hatte noch ein paar Bier getrunken und er klammerte sich wieder an Brankos Arm.
„Du bist der Beste,“ flüsterte er leise, als er sich auf sein Bett fallen ließ. Branko grinste leicht und drehte sich weg.
„Ich wollte dir auch von Nora erzählen, aber ich wollte nicht, dass du dir wieder unnötig Gedanken machst.“
Branko hustete einmal kurz und zog sich seinen Pullover aus. „Wieso sollte ich mir denn Gedanken machen? Weil sie super hübsch ist? Oder ein Mädchen?“
Auch ohne seinen Freund anzusehen, wusste er genau wie Hugo ihn nun anblickte.
„Genau deswegen.“
Branko zog auch noch seine Hose aus und legte sich auf die Matratze neben dem Bett.
„Ich mach mir keine Gedanken,“ flüsterte er. „Ich versteh nur nicht wieso du mit mir zusammen bist, wenn ich mir sie so ansehe.“ Er deckte sich selbst zu.
„Branko,“ seufzte Hugo und regte sich jetzt doch wieder.
„Ach vergiss es,“ murmelte Branko und schloss die Augen.
„Kommst du nicht zu mir ins Bett?“ fragte Hugo leise. „Du bist mir doch böse.“
„Nein, aber dein Bett ist zu klein für uns beide.“
Ein paar Momente später merkte er, wie sich Hugos Körper neben ihm auf die Matratze schob und sanft an ihn schmiegte. Vorsichtig verteilte er Küsse in Brankos Nacken.
„Dann komm ich halt zu dir,“ flüsterte er dazwischen.
Branko atmete ruhig und genoss für einen Moment die Berührungen von Hugos Lippen.
„Wenn man jung ist, weiß man eben noch nicht, was man will. Und du kannst mir doch nicht wirklich übelnehmen, dass ich vor acht, sogar fast neun Jahren mit einem Mädchen zusammen war.“
Branko seufzte und drehte sich langsam auf den Rücken. „Ich nehme dir das überhaupt nicht übel. Dein Geschmack hat nur ziemlich nachgelassen.“
Branko stutzte etwas. „Du bist ja ganz nackt,“ stellte er fest, als Hugo sich nun an seine Seite schmiegte.
Hugo grinste und küsste Branko vorsichtig, der wieder die Augen schloss.
„Du weißt ja schon, dass du echt ein Dummi bist oder?“
„Hugo,“ schnaufte Branko, als dieser ihm versuchte das Tshirt auszuziehen. „Wir können doch jetzt nicht hier…“
„Ich will aber,“ zischte Hugo. „Es schlafen doch eh schon alle.“
Branko ließ sich ein bisschen hinreißen und packte sich Hugo, zog ihn einmal kräftig auf die andere Seite der Matratze und begann ihn zu küssen.
„Dass du aber auch einfach nicht checkst wie heiß ich dich finde,“ murmelte Hugo erstickt und rang etwas nach Luft. Er schlang seine Beine um Branko und fuhr ihm etwas unsanft durch die Haare, während dieser seinen Hals küsste. Branko wollte ihm grade gar nicht mehr weiter zuhören. Er wollte nicht mehr darüber nachdenken und mit seinen Selbstzweifeln kämpfen müssen, von denen er ohnehin wusste, dass Hugo es hasste. Es war zwar nicht ganz fair, wenn Hugo ihn so um den Finger wickelte. Er wusste ganz genau, wie er Brankos Gehirn auf stumm schalten konnte. Leider musste Branko auch zugeben, dass es dazu nicht viel bedurfte. Sein definierter Körper reichte meistens schon aus. Und dass Hugo wusste, dass Branko so einfach zu ködern war, machte die Sache nicht viel besser.

„Ich kann nicht aufhören daran zu denken, dass du was mit einer Frau hattest,“ murmelte Branko. Hugo krabbelte grade unter der Decke hervor unter der er sich grade noch an seinen Freund gekuschelt hatte.
Etwas verwirrt blickte er sich im Zimmer um und fuhr sich durch die lockigen Haaren. „Also so wie das wirkte hast du grade an etwas ziemlich anderes gedacht,“ bemerkte er mit einer hochgezogenen Augenbraue und schnappte sich das Glas Wasser vom Nachttisch.
Branko schnaufte. „Du weißt was ich meine.“ Er blickte Hugo an, der grade einen Schluck aus dem Glas nahm. Ihm tropfte ein bisschen was auf die nackte Brust, als er es zu schnell ansetzte.
„Um ehrlich zu sein weiß ich das überhaupt nicht. Ich bin glaube ich nicht der einzige schwule, der was mit einer Frau hatte, bevor er gemerkt hat was los ist. Nora und ich sind schon seit Urzeiten Freunde und da hat man im jugendlichen Leichtsinn auch mal schnell Freundschaft und Gefühle verwechselt. Erst war sie böse, als ich mich geoutet habe, aber wir haben geredet und seitdem verstehen wir uns wieder super. Da ist für keinen was Unangenehmes dabei. Und du brauchst dir überhaupt keine Sorgen machen.“ Er stemmte die Hände in die Seiten und blickte Branko ernst an, obwohl er ziemlich offensichtlich leicht einen sitzen hatte.
„Und was war das mit diesem Willi?“
Hugo stöhnte und hockte sich wieder zu Branko auf die Matratze. „Der ist schlichtweg einfach ein Idiot. Er hat mich mal angebaggert, ich habe ihn abgewiesen und das ist ihm immer noch so peinlich, dass er mich wie den letzten Idioten behandelt.“
„Das hast du aber niemandem erzählt?“ fragte Branko leise, als er sich an Noras Worte erinnerte.
„Nein. Ich weiß selbst, wie schwer es ist sich einzugestehen, dass man schwul ist. Und auf so ein Niveau begebe ich mich nicht. Mag er auch noch so scheiße sein. Das hat keiner verdient.“
Branko zog Hugo zu sich und drückte ihm einen Kuss auf. „Aber hör auf dir mich mit einer Frau vorzustellen, während wir miteinander schlafen,“ mahnte ihn Hugo und streckte sich um das Licht auszuschalten.
„Habe ich gar nicht,“ maulte Branko, während er sich von hinten an Hugo kuschelte und den Arm um ihn legte. Mittlerweile mochte er es ganz gerne, wenn dieser in seinen Armen einschlief, wenn auch nicht immer.
„Auf einer Skala von eins bis zehn bin ich zu 9,99 schwul. Glaub mir, sonst hätte ich nicht so einen verdammt männlichen Freund.“
„Du findest mich männlich?“ kicherte Branko.
„Du bist doch männlich oder? Kann man ganz einfach feststellen,“ nuschelte Hugo, offensichtlich schon halb am Schlafen. Er tastete einmal zwischen Brankos Beine. „Du hast den Test bestanden,“ meinte er noch leise und kuschelte sich dann noch einmal ins Kissen, zog Brankos Arm fester um sich und war offensichtlich eingeschlafen.

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Skystar » 13 Dez 2017, 20:45

Nicht das hier deine Geschichte unter meinen und all den Weihnachtsgeschichten noch untergeht..., denn ich liebe die Geschichte von Branko und Hugo, die auch in diesem Teil wieder sehr schön und teilweise lustig erzählt worden ist.

Allein die Dialoge über Hugos Potenz und sein Sperma... oder über Brankos Männlichkeit am Schluss... :D

Aber irgendeinen Störenfried muss es immer geben oder? Jetzt ist Alex gerade mal abstinent, da taucht dieser Willi auf. Nun gut..., aber eigentlich sind alle Charaktere sehr gut beschrieben und realitätsnah. Die Ex-Freundin, die Kifferin, das Pärchen und der Störenfried. Wirklich gut geschrieben!

Und eigentlich bin ich keiner, der einem anderen Autor die Fehler aufweist. Mach ich irgendwie ungern, weil gerade bei Satzzeichen, jeder so seine Eigenheiten hat, aber diese drei Fehler wollte ich dir dennoch nicht vorenthalten:

Korrektur # 1: Da fehlt ein "n":
Branko seufzte innerlich. „Eins wird wohl nicht schaden,“ brummte er.


Korrektur # 2: Da ist ein "e" zu viel:
Branko war sich nicht ganz sicher, ob sie nicht vielleicht etwas gerauchte hatte, bei dem glasigen Blick, mit dem sie ihn musterte.


Korrektur # 3: Da ist ein "s" zu viel:
Grundsätzlich fand Brankos das nicht schlimm, aber hätte er ihn nicht vorwarnen können?
Meine neue Geschichte: "Queer durchs Leben" !

Winterliche Weihnachtsgrüße
Himmelsstern! :flag:

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