Bauchgefühle

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Skystar
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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Skystar » 26 Dez 2018, 00:19

Nur kurz ... ich hab Tränen in den Augen und ich denke du weißt warum Salto.
Ansonsten wünsche ich dir noch Frohe Weihnachtsfeiertage!
Mein Geschichten-Forum: http://www.skystar-stories.de/ :flag:

Re: Bauchgefühle

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Saltoboy » 29 Dez 2018, 20:57

Danke Skystar. Ich hoffe ihr hatten auch alle schöne Weihnachten.
Es geht noch ein wenig weiter aus der Leo-Perspektive. Ich hoffe das verkraftest du. Ich bin auch immer offen für Ideen und Anregungen eurerseits :P
Ich wünsche euch viel Spaß und einen guten Rutsch. Und ich hoffe, dass ich den nächsten Teil Anfang des Jahres fertig bekommen :)


____________________________________________


Leo schüttelte ungläubig und etwas angesäuert den Kopf und ging langsam auf Branko zu, der jetzt vornüber gebeugt dastand und schnaufend atmete, erneut würgte und noch einmal auf den Boden spuckte. Leo kramte in seiner Tasche nach einem Taschentuch, das er Branko kurz darauf hinhielt, der noch immer die Hände auf die Knie stütze.
„Sehr elegant,“ kommentierte er und wedelte kurz mit dem Taschentuch. Branko taumelte jedoch nur und Leo seufzte, während er ihm half sich aufzurichten.
„Dir ist schon bewusst, dass du dir das jetzt ein paar Jahre anhören darfst oder?“ meinte er grinsend, als er Branko den Mund abwischte.
„Ich kann das allein,“ brummte Branko und nahm ihm das Taschentuch weg.
„Ich bring dich jetzt trotzdem nach Hause,“ meinte Leo und fasste ihn am Arm. Als sie mit dem Fahrstuhl nach unten fuhren, konnte er Branko auch mit großer Mühe nicht davon abhalten noch etwas zu trinken. Leicht genervt bugsierte er ihn zu seinem Auto und schaffte es dort endlich ihm die Flasche abzunehmen und in den nächsten Busch zu werfen. Er wusste eigentlich, dass es nicht klug war noch zu fahren, da er selbst auch etwas getrunken hatte, aber es bestand keine Chance Branko irgendwie mit dem Bus nach Hause zu bekommen. Außerdem waren es nur zwei Schlucke gewesen, dachte er. Bevor er selbst ins Auto stieg holte er die Flasche wieder aus dem Busch und warf sie in den nächsten Mülleimer. Er wollte nicht, dass sie von irgendwelchen Kindern aufgesammelt wurde.

Im Auto sagte Branko nichts, sondern starrte nur vor sich hin. Vermutlich darauf konzentriert sich nicht erneut zu übergeben, was auch noch einmal tat, als sie bei ihm zuhause angekommen waren.
Es bestätigte sich allerdings Leos Annahme, dass er nicht viel gegessen haben konnte.
„Komm, wir bringen dich ins Bett,“ meinte Leo und griff ihn am Arm.
„Du bist nicht mein Babysitter,“ meckerte Branko und machte sich wieder von ihm los.
Er hatte Branko wirklich noch nie so erlebt. Egal wie viel Mist ihm passiert war, er hatte nie versucht das in Alkohol zu ertränken. Er wusste von seiner Mutter doch genau was für Folgen das hatte. Ihn jetzt so zu sehen gefiel ihm gar nicht. Man konnte sehen, wie er von Minute zu Minute weniger ansprechbar wurde und sie brauchten gefühlt ewig die Treppe hoch. Leo hatte Branko die Schlüssel abgenommen und dieser lehnte jetzt gegen die Wand, während Leo nach dem richtigen Schlüssel suchte. Er war kaum noch fähig zu stehen.
Kurz darauf half er Branko in die Wohnung, stützte ihn ein wenig. Olli kam unmittelbar aus ihrem Zimmer und schaute die beiden verblüfft an. „Ist er betrunken?“ fragte sie mit großen Augen. Sie trug schon ihren Schlafanzug und wirkte ein bisschen zerzaust, aber nicht so als habe sie schon geschlafen.
„Offensichtlich,“ brummte Leo und schob Branko jetzt vor sich her. „Ich bring ihn ins Bett.“
Sie folgte ihm, während Leo ihn langsam auf die Bettkante setzte.
„Branko, du musst aus den Klamotten raus,“ flüsterte er eindringlich.
„Nein,“ meinte Branko und schüttelte den Kopf.
„Du hast dich aber ziemlich vollgekotzt mein Lieber.“ Leo sprach sanft. „Du wirst mir das morgen danken.“ Dann machte er sich daran Branko das Shirt auszuziehen. Es kam ihm irgendwie nicht richtig vor, aber Branko in den Sachen schlafen lassen wollte er auch wiederum nicht.
Olli kam ihm kurzdarauf zur Hilfe. Branko wehrte sich nicht, aber half auch nicht wirklich mit. Trotzdem schafften sie es nach einer Weile Branko von dem Oberteil zu befreien.
Leo war überrascht. Er hatte Branko so gut wie nie ohne T-Shirt gesehen und damals hatte er bestimmt noch 20 kg mehr gewogen. Er konnte nicht umhin, dass sich bei diesem Anblick in ihm etwas zusammenzog. Er spürte kurz Ollis Blick auf sich ruhen.
„Sollen wir ihm auch noch die Hose ausziehen?“ fragte sie unsicher.
Ohne zu antworten machte Leo sich daran Brankos Gürtel zu öffnen. Er war ganz froh, dass Olli dabei war, denn so kam er sich deutlich weniger schmutzig vor. Branko war halb eingeschlafen und gemeinsam drehten sie ihn auf die Seite, deckten ihn zu und schoben ihm ein Kissen unter den Kopf.
„Habt ihr vielleicht einen Eimer? Ich glaube zwar nicht, dass er sich noch einmal übergeben wird, aber man weiß nie. Und vielleicht ein Glas Wasser, falls er aufwacht und Durst bekommt?“
Sie ging wortlos los und holte beides. Leo blieb stehen und betrachtete Branko, der jetzt seelenruhig schlief. Er merkte erst jetzt, wie ihn die ganze Aktion angestrengt hatte und er schrak ein wenig zusammen, als Olli zurückkam.
„Können wir vielleicht kurz miteinander reden?“ fragte sie in einem ziemlich ernsten Tonfall und machte eine Bewegung mit dem Kopf in Richtung Küche.
Leo nickte und folgte ihr, nachdem sie die Sachen abgestellt hatte.
„Gut, dass du ihn gefunden hast. Und danke, dass du ihn hergebracht hast.“
Leo lachte und zuckte mit den Schultern. „Wenn nicht für Branko für wen dann?“
Sie sah ihn scharf und durchdringend an. Ihm wurde plötzlich bewusst, dass sie ihn durchschaut hatte.
„Wie geht es Sophie?“ fragte sie, ohne den Blick abzuwenden.
„Ganz gut, denke ich. Wieso fragst du?“ Es schien ihm sinnvoller sich dumm zu stellen.
„Weil ich nicht blöd bin. Sie ist zwar meine Freundin, aber ich sehe doch, dass die Gefühle in dieser Beziehung sehr ungleich verteilt sind.“
Leo kratzte sich im Nacken. Er wusste nicht was er dazu jetzt sagen sollte. „Und ich weiß auch nicht wieso das niemand außer mir sieht, aber Branko…“ Weiter kam sie nicht, denn Leo unterbrach sie.
„Das hat nichts mit Branko zu tun. Ich hätte diese Beziehung nicht eingehen sollen. Ich habe mir da etwas vorgemacht und keine Sorge, ich werde ihr das auch sehr bald sagen.“
„Ja und nicht nur dir machst du etwas vor. Und außerdem bin ich wohl die Einzige, die nicht glaubt, dass du angeblich auf mich stehst. Wieso hast du Branko das erzählt? Damit du ihm nicht sagen musst mit wem du in Wahrheit gerne zusammen wärst?“
Leo schüttelte ungläubig den Kopf. „Worauf willst du hinaus?“ fragte er und zog die Schultern hoch. Ihm war gar nicht lieb darauf jetzt angesprochen zu werden.
„Du hast nicht damit gerechnet, dass er einen Freund haben könnte, als du zurück gekommen bist oder? Ich muss sagen, du hast das teilweise sehr gut überspielt. Und vor allem hast du so viel Verwirrung gestiftet, indem du Branko erzählst, dass du auf mich stehst und im nächsten Moment mit meiner Freundin rummachst. Da muss man auch erst einmal durchblicken.“
Sie musterte ihn. „Ach mach dich nicht lächerlich. Sehe ich aus, als wäre ich schwul?“
Sie legte den Kopf schief. „Ich glaube nicht, dass es da einen Dresscode für gibt. Aber mal ehrlich, wie du dich an Silvester verhalten hast und wie du zu Hugo warst, als du gemerkt hast, dass es für Branko doch etwas ziemlich Ernstes ist. Ich weiß auch nicht, wie ich das so lange übersehen konnte.“
Leo verdrehte die Augen. „Wir sind Freunde. Jedenfalls von meiner Seite aus. Ich hätte meine Chance gehabt, wieso sollte ich es mir jetzt plötzlich anders überlegt haben?“
Sie lachte. „Das wüsste ich auch gerne. Ich weiß bloß, dass ich recht habe.“
Für einen Moment blickte Leo sie direkt an und biss die Zähne aufeinander, dann wandte er den Blick ab und murmelte: „Und selbst wenn es so wäre? Es sind alle Team Hugo. Du allen voran und über Branko brauchen wir gar nicht erst reden. Was hätte ich davon es zuzugeben?“
„Ich bin in gar keinem Team und ich habe ja auch nicht gesagt, dass du es ihm sagen sollst. Ich glaube jetzt grade wäre ein denkbar schlechter Augenblick dafür.“
Leo sah sie jetzt doch an.
„Wieso sind eigentlich alle Männer um mich herum schwul?“ fragte sie seufzend und setzte sich an den kleinen Küchentisch.
„Ich bin nicht… naja schwul. Ich steh total auf Frauen. Sophie ist zum Beispiel wirklich super, aber…“
„Du würdest es eben auch gerne mal mit einem Mann versuchen. Am liebsten mit einem sehr großen, dunkelhaarigen, verschlossenen Mann.“
Leo merkte wie ihm das Blut ins Gesicht schoss. „Ich kann mir das nicht vorstellen,“ murmelte er und setzte sich zu ihr an den Tisch. „Ich kenn Branko schon so ewig, aber ich habe ihn nie nackt oder so gesehen. Auch nicht beim Sport. In der Oberstufe waren wir in unterschiedlichen Kursen und früher hat er sich immer auf der Toilette umgezogen. Er war ein bisschen pummelig und ich glaube auch, dass er Blutergüsse verbergen wollte und so.“
„Dann war das ja grade eine Premiere. Keine Sorge ich verrate niemandem etwas.“
Leo brummte. „Branko hasst mich sowieso und damit tut er auch ziemlich recht. Ich habe Jahre lang auf seinen Gefühlen rumgetrampelt. Ist doch klar, dass er keinem mehr vertraut, wenn selbst ich ihn hängen gelassen habe.“
Sie hob die Augenbrauen und wirkte, als wolle sie etwas sagen. Doch sie schwieg und stütze nur das Kinn auf ihre Hände.
„Ich habe wirklich gedacht du wärst nur ein blöder Idiot,“ sagte sie nach einer Weile. „Aber du weißt einfach nicht so richtig was du willst.“
Leo lachte jetzt hohl. „Ich glaube es wäre egal was ich jetzt mache. Branko ist über beide Ohren in Hugo verliebt und es wäre denke ich am besten, wenn die zwei sich einfach wieder vertragen. Ich weiß ja nicht einmal, ob ich mir wirklich eine Beziehung mit einem Mann vorstellen kann. Da wäre es dumm etwas in die Richtung zu unternehmen.“
Man konnte förmlich sehen wie sie nachdachte. „Das ist wirklich eine echt beschissene Situation. Einer ist am Ende eh unglücklich. Könntest du das denn? Ihn mit einem anderen sehen?“
„Es gibt eigentlich nur eine Sache, die ich mir wünsche und das ist Branko glücklich zu sehen. Er hat das nach allem wirklich verdient und mit wem er dann am Ende zusammen ist, ist mir eigentlich egal.“
„Sehr großzügig von dir,“ lachte sie und klang etwas bitter dabei.
„Ach komm, du bist doch auch dafür, dass er wieder mit Hugo zusammenkommt.“
„Was ich denke ist erst einmal völlig zweitrangig. Ich wollte nur zu bedenken geben, dass es nicht immer gut ist seine Gefühle für sich zu behalten. Außerdem sollte es Branko entscheiden mit wem er am liebsten zusammen sein möchte.“
Leo zuckte mit den Schultern. Er würde sich zurückhalten.
„Und außerdem,“ sagte sie noch, „glaube ich nicht, dass er so hart mit dir wäre, wenn er dich hassen würde.“
„Ich werde jetzt noch einmal nach ihm sehen. Meinst du es wäre okay, wenn ich heute Nacht hierbleibe?“
Olli sah ihn forschend an und er hob bloß beide Hände. „Keine Sorge, ich werde mich benehmen. Ich will nur nicht, dass er an seinem Erbrochenem erstickt.“
„Du brauchst nicht meine Erlaubnis. Aber mach bitte nichts Dummes.“


Branko lag auf dem Bett. Er hatte eines der Kissen umklammert, wie einen Teddy. Leo blieb kurz in der Tür stehen und beobachtete ihn beim Schlafen. Er kannte Branko jetzt schon so lange, mit all seinen Fehlern und Schwächen. Es war bestimmt nicht einfach für Hugo gewesen sich durch die Mauer zu kämpfen, die Branko um sich herum aufgebaut hatte. Ja er war kompliziert, aber dafür auch einer der liebsten und treusten Menschen, die Leo kannte.
Er wusste noch wie er Branko kennengelernt hatte. Es war der erste Schultag gewesen. Sie hatten nebeneinandergesessen und Branko hatte keine Stifte dabeigehabt, deshalb hatte er ihm einen von seinen geliehen. Und er hatte ihm die Hälfte seines Pausenbrotes abgegeben, weil auch dies nicht wie bei allen anderen zwischen seinen Schulbüchern gesteckt hatte. Alle anderen hatten ihn nur mitleidig angesehen, als er Ärger bekam, weil ihm das Englischbuch fehlte. Aber statt ihn zu bemitleiden hatte Leo ihm lieber geholfen und bereitwillig seine Sachen mit ihm geteilt. Und diese Gesten waren von Branko mit großer Loyalität bezahlt worden. Er hatte ihm bei den Matheaufgaben geholfen und wenn Leo die Hausaufgaben nicht hatte, ihm seine rübergeschoben, auch wenn er anschließend Ärger bekam, weil er selbst nichts vorzuweisen hatte.
Leo ging langsam zu Branko hinüber und setzte sich aufs Bett. Er strich Branko sanft die Haare aus der Stirn. Dann zog er sie schnell zurück, weil er merkte wie bescheuert er sich verhielt.
Kurz überlegte er im Wohnzimmer zu schlafen, aber er entschied sich dagegen. Er zog sich die Hose aus, schaltete das Licht aus und legte sich neben Branko ins Bett, aber möglichst ohne ihn zu berühren. Eine ganze Weile starrte er an die Decke und dachte darüber nach was Olli eben zu ihm gesagt hatte. War es wirklich so offensichtlich, mit welcher Intention er zurückgekommen war? Er hatte es selbst ja selbst nicht einmal genau gewusst. Oder vielleicht doch? War er nur zu feige gewesen etwas zu riskieren? Leo wälzte sich ein wenig hin und her. Branko schnarchte kurz und Leo musste glucksen. Er würde morgen sehr leiden. Und was würde er sagen, wenn er aufwachte und Leo neben sich fand? Würde er verärgert oder erfreut sein? Leo war sich nicht sicher, aber er hoffte auf letzteres.

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Simson » 30 Dez 2018, 12:18

Hey, obwohl es ja eigentlich die ganze Zeit in der Luft lag, bin ich nun doch überrascht von Leo. Da nimmt die Geschichte ja wieder richtig Fahrt auf. Gefällt mir, gefällt mir sehr gut :flag:
Ich bin gespannt wie sich das alles nun entwickelt.

LG und einen guten Rutsch ins neue Jahr
Simson
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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Simson » 30 Dez 2018, 15:46

Meine Lieblingskonstellation wäre übrigens

Hugo und Branko. .... und
Leo und Olli

Dann hätte Branko alle ganz wichtigen Leute um sich. Bis auf seinen Vater und ... Hatte er nicht auch eine Schwester? Wo ist die eigentlich angeblieben ?
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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Saltoboy » 04 Jan 2019, 03:46

@Simson Danke für den Kommentar. Ja die ganze Geschichte wird jetzt vielleicht noch etwas komplizierter :D Und seine Schwester wird auch nochmal auftauchen. Es wird sich zeigen, ob deine Lieblingskonstellation in der Form zustande kommt ;)

Frohes Neues übrigens :) :flag:


______________________________________



Leo wachte vor Branko auf, der ihm jetzt den Rücken zugewandt hatte. Er glaubte jedenfalls, dass Branko noch schlief, ganz sicher war er sich da nicht. Er starrte seinen Rücken an und hob dann die Hand und strich ganz sanft darüber, ohne weiter nachzudenken. Es fühlte sich merkwürdig an, aber nicht schlecht.
Branko machte ein komisches Geräusch und drehte sich plötzlich um. Leo konnte sich nicht erinnern sich jemals so schnell bewegt zu haben, so schnell wie er jetzt die Hand zurückzog. Branko starrte ihn einen Augenblick an.
„Hast du grade meinen Rücken gestreichelt?“ fragte er mit kratziger Stimme und in Falten gelegter Stirn.
Leo setzte sich langsam auf. Er wusste nicht einmal selbst wieso er das getan hatte, was sollte er denn nun sagen?
„Nicht mit Absicht, sorry,“ murmelte er und kletterte aus dem Bett. Er ging zum Schreibtischstuhl hinüber, wo er in der Nacht zuvor seine Hose abgelegt hatte. Als er grade hineinschlüpfte, setzte Branko sich auf. Äußerst verwirrt starrte er ihn an. „Was machst du überhaupt hier?“ brummte er und rieb sich die Augen und blickte an sich hinab, da ihm aufgefallen war, dass er kein Shirt trug.
„Du warst gestern ziemlich betrunken,“ erklärte Leo und knöpfte die Hose zu. Er merkte, dass sein Gesicht glühte.
„Das erklärt nicht wieso du bei mir im Bett geschlafen hast und hast du mich ausgezogen?“ Er spähte unter die Bettdecke.
Leo zuckte mit den Schultern. „Ja, Olli und ich waren der Meinung, dass du nicht in deinen vollgekotzten Sachen schlafen solltest. Ich wollte nur sicher gehen, dass es dir gut geht.“
„Auf einer Skala von eins bis zehn: Wie schlimm war ich?“
Leo seufzte tief. „Keine Ahnung. Du kannst dich an nichts mehr erinnern?“
„Das Ende ist ziemlich verschwommen. Ich erinnere mich noch, dass ich mich übergeben habe, aber ab da weiß ich eigentlich nichts mehr. Ich wollte nicht, dass das jemand mitbekommt.“
Sie blickten sich eine Weile an. „Es war glaube ich gut, dass ich da war. Keine Ahnung was du sonst gemacht hättest. Da geschlafen oder dich vielleicht doch vom Dach gestürzt.“
Branko verzog das Gesicht. Es ging ihm offensichtlich gar nicht gut. „Erzähl keinen Quatsch. Ich wäre schon zurechtgekommen.“
Leo vergrub die Hände in den Hosentaschen. „Wenn du meinst. Willst du einen Kaffee oder was anderes? Du hast bestimmt einen Kater.“
Branko zog die Decke noch ein Stück höher, so als wolle er nicht, dass Leo ihn so sah. „Nein ist schon okay. Du kannst auch jetzt gehen. Es geht mir gut.“
Leo grunzte kurz belustigt. „Und wenn ich nicht gehen will? Mein Gott Branko, wir sind beste Freunde. Was ist dabei, wenn ich dich in Unterwäsche sehe? Hättest du lieber in deinen stinkenden Sachen gepennt?“
„Nein Leo, ich weiß nicht wieso du das nicht kapiert hast, aber du bist nicht mein bester Freund,“ fuhr Branko ihn an.
Der Satz versetzte Leo einen Stich und er wippte nur auf den Fußballen vor und zurück.
„Tja,“ machte er und sah zu Boden. „Aber ich bin dein einziger Freund. Ich glaube nicht, dass du da im Moment noch besonders wählerisch sein solltest.“
Er hob jetzt doch den Blick und sah Branko an. Wieso konnte er ihm nicht einfach vergeben?
Man konnte sehen wie Branko jetzt die Zähne aufeinander presste.
„Klar. Ich habe mich blöd verhalten, aber ich bin wieder hier und ich werde auch nicht wieder weggehen, falls das dein Problem ist.“
„Ist das auch der Grund warum du mir über den Rücken streichst, wenn du glaubst, dass ich schlafe?“
Leo merkte, dass er plötzlich einen Kloß in seinem Hals hatte. „Ich sagte doch, dass das nicht mit Absicht war. Mich nervt es, dass du mich plötzlich genauso abweisend behandelst wie alle anderen. Du hast damit Hugo vertrieben und so wie ich das gestern verstanden habe, bereust du eure Trennung ziemlich.“
„Ich war doch deutlich genug Leo. Ich kann einfach nicht mehr mit dir so befreundet sein wie früher.“
Leo schüttelte ungläubig den Kopf. „Du verhältst dich einfach total irrational Branko. Du stößt alle Menschen von dir. Ich kenn dich und weiß, dass das bloß ein Schutzmechanismus ist, aber dein Ex-Freund weiß das scheinbar nicht oder kann damit einfach nicht so gut umgehen.“
Branko stand jetzt auf und drängt sich an Leo vorbei. Dieser sah ihm dabei zu, wie er sich hastig ein T-Shirt über den Kopf zog.
„Guck mich nicht so an,“ brummte Branko. „Du hast doch überhaupt keine Ahnung. Ich weiß auch gar nicht was du jetzt willst. Warum pennst du hier und wieso zum Teufel streichelst du mich?“
Brankos Stimme war durchdringend geworden. Leo fixierte ihn eine Weile.
„Ich werde dir jetzt einen Kaffee machen und du solltest mal wieder was essen. Ich will gar nichts, keine Angst.“
Er schloss die Tür hinter sich und ging in die Küche. Offensichtlich war er eher verärgert, dass Leo ihm so nahegekommen war. Wie blöd konnte man auch sein? Es wäre halb so schlimm gewesen, wenn er nicht das dumme Bedürfnis gehabt hätte ihn zu berühren.
Leo fiel fast nichts mehr ein, womit er ihre Freundschaft wieder hinbiegen konnte. Anfangs war er noch recht zuversichtlich gewesen, aber mit der Zeit war Branko immer abweisender geworden. Er hatte Hugo die Schuld dafür gegeben. Dass dieser eifersüchtig war oder so, aber scheinbar war das nicht der Grund.
Vielleicht würde Branko ihm vergeben, wenn Leo es schaffte die beiden zu versöhnen. Aber würde Hugo das wollen solange Branko sich so verhielt? Wenn er so drauf war, war er einfach ziemlich unausstehlich.


„Hi,“ machte Hugo und klang dabei irgendwie ein wenig schüchtern, was Leo bei ihm noch nie wahrgenommen hatte. Ansonsten war er immer sehr aufgeschlossen rübergekommen. Etwas anderes fiel ihm aber auch direkt auf. Hugos Haare waren kürzer. Nicht nur ein bisschen, sondern er hatte sie auf ein paar Millimeter abrasiert.
„Hey. Wie geht’s dir?“ fragte Leo und hob die Augenbrauen.
Hugo trug bereits seine Sportsachen. Er saß grade auf einer Bank und zog sich seine Kletterschuhe an. Dass er solche besaß, zeigte, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit sehr viel mehr Zeit in dieser Halle verbrachte als Leo. Er hatte den Blick scheinbar bemerkt, mit dem Leo seine Haare bedacht hatte. Dann zuckte er mit den Schultern. „Ganz okay, denke ich,“ murmelte er und machte den Klettverschluss an den Schuhen zu. „Und dir?“ fügte er kurz darauf hinzu.
„Auch,“ log Leo halb.
„Hab gehört, dass du mit Sophie Schluss gemacht hast,“ sagte Hugo dann tonlos und sah zu Leo rauf, der ebenfalls seine Sportsachen schon trug. Er legte die Sporttasche auf den Boden und zuckte die Schultern.
„Jup. Hat Olli dir das erzählt?“
Hugo nickte.
„Habt ihr viel Kontakt?“ fragte Leo weiter, während Hugo aufstand, einmal kurz auf- und absprang, um sich ein wenig aufzuwärmen und begann seine Finger zu dehnen.
„Es geht. Wir schreiben und sie war gestern bei mir und wir haben ein bisschen gequatscht, aber so einfach ist das im Moment nicht. Ich will mich auch nicht hinter Brankos Rücken mit ihr treffen. Aber wieso hast du dich von Sophie getrennt?“
Leo seufzte. „Weil sie etwas anderes wollte als ich. Keine Ahnung. Ich war vielleicht einfach nicht in sie verliebt.“
„Schade drum. Ich fand ihr ward ein hübsches Pärchen. Auch wenn ich dich eher mit Olli gesehen hätte.“
Innerlich verdrehte Leo die Augen. Im Grund mochte er sie auch lieber als seine nunmehr Ex-Freundin, aber eben eher auf einer freundschaftlichen Ebene.
„Naja. Ist jetzt eben so. Ich bin nicht wirklich traurig drum, auch wenn ich ihr besser eine Weile aus dem Weg gehe. Sie war… naja… eher nicht so glücklich darüber.“
Hugo lachte kurz. „Das ist der, der verlassen wird doch eher selten.“
„Stimmt schon,“ murmelte Leo.
Hugo ging jetzt zu einer Kletterwand und begann daran hochzuklettern. Bei ihm sah das sehr einfach aus, aber Leo wusste genau, dass es das nicht unbedingt war.
„Und wie geht es Branko?“ fragte er dann ganz beiläufig, wobei Leo sich sicher war, dass ihm die Frage schon seit einer ganzen Weile auf der Zunge brannte.
„Gut,“ meinte Leo und sah weiter zu Hugo hoch, der mittlerweile sein Ziel erreicht hatte und jetzt leichtfüßig wieder auf den Boden sprang. Die Matte wölbte sich dabei ein wenig unter seinen Füßen.
„Ach ja?“ machte er, weiterhin in einem unbeteiligten Ton und Leo war sich nicht ganz sicher wem er hier etwas vormachen wollte.
Leo begann jetzt auch zu klettern, begnügte sich aber mit einem niedrigeren Schwierigkeitsgrad.
„Was willst du denn hören? Es geht ihm beschissen. Vor allem nachdem du ihm nochmal so Hoffnungen gemacht hast, als du mit ihm geschlafen hast.“ Er bemühte sich nicht vorwurfsvoll zu klingen, aber das fiel ihm äußerst schwer.
Leo würde sich wirklich nicht als unsportlich beschreiben, eher im Gegenteil, aber so leichtfüßig wie bei Hugo sah es bestimmt nicht aus, wie er die Wand hochkletterte.
Hugo sagte nichts und Leo drehte sich zunächst auch nicht zu ihm um.
„Er hat dir davon erzählt?“ fragte er nach einer ganzen Weile ungläubig und seine Stimme klang irgendwie verändert.
Leo wandte sich jetzt doch um und verlor dabei den Halt. Beinahe wäre er auf dem Hintern gelandet, aber er fing sich im letzten Augenblick noch und kam strauchelnd zum Stehen.
„Er war betrunken,“ meinte er kurz angebunden, weil er wusste wie bescheuert das ausgesehen haben musste. Dass Hugo nicht lachte, zeigte vermutlich wie unglücklich er war.
„Branko war betrunken?“
Leo biss sich ein wenig auf die Zunge. Das hätte er ihm vermutlich nicht erzählen sollen.
„Er war ein bisschen neben der Spur in letzter Zeit.“
Hugo kratzte sich an der Stirn. „Ich wollte das nicht. Er… ach lassen wir das Thema. Wir sind schließlich hier, um Sport zu machen.“
Leo presste die Lippen aufeinander. Er hatte gehofft ein bisschen was aus Hugo rauszubekommen.

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Skystar » 04 Jan 2019, 10:06

Sorry Salto, wollte zum letzten Teil noch was schreiben, hab es dann aber mehr oder weniger vergessen. Aber was soll ich auch groß schreiben, außer dass mir deine Geschichte seeehr gut gefällt, vor allem die Richtung die sie gerade einschlägt. Das Ganze mal ein wenig aus Leos Sicht zu betrachten ist nicht nur interessant, sondern macht auch Spaß. Gewissermaßen macht es ihn auch sympathischer.

Hugo hat sich die Haare kürzer schneiden lassen ... ist das aufgrund des Trennungschmerzes entstanden? :D
Irgendwie würde ich ja jetzt auch gerne noch in Hugos Gedanken eintauchen. Wie geht es ihm? Was hat er erlebt? Wie hat seine Schwester auf die Trennung reagiert? Wie kommt er ohne Branko klar?

Und endlich sehen wir die zwei heißesten Jungs ever zusammen beim Sport! Ich freu mich sehr auf das nächste Kapitel und hoffe du enttäuscht mich nicht Salto (*Druck aufbauen*) :lol:

Lg
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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Matti » 04 Jan 2019, 22:46

Uff... Hugo mit Stoppelfrisur :roll: naja die wachsen zum Glück nach.
Bin mal gespannt wie es mit Leos Selbstfindungsphase
weiter geht. Ich find die "Sichtwechsel" auch gut.
Weiter so :D

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Saltoboy » 05 Jan 2019, 14:00

Wenn ich schon mal ein paar Tage frei habe, kann ich euch ja mal weniger lange warten lassen. Dies ist der vorerst letzte Teil aus Leos Sicht, wobei es echt Spaß gemacht hat aus seiner Sicht zu schreiben.
Ich hoffe dich nicht zu enttäuschen Skystar ;) Vielleicht lernen wir im nächsten Teil ein bisschen was über Hugo, aber darauf müsst ihr euch noch ein bisschen gedulden.


_________________________________


Leo erwischte sich dabei, wie er versuchte mit Hugo mitzuhalten und versuchte die gleichen Routen zu klettern wie er. Aber seine Kletterkünste waren auf einem ganz anderen Niveau. Irgendwie konnte er Branko verstehen, dass er sich gestäubt hatte mit Hugo zusammen bouldern zu gehen. Aber wahrscheinlich hätte Hugo mehr Rücksicht auf Branko genommen als auf ihn. Es wirkte beinahe so, als würde er ein wenig genießen, dass er besser war als Leo. Aber vermutlich redete er sich das auch nur ein, weil er ein wenig eifersüchtig war.
Auf Hugos T-Shirt zeichnete sich aber irgendwann auch der Schweiß ab. Es war ziemlich warm in der Boulderhalle und Leo betrachtete Hugo dabei, wie er einen großen Schluck aus seiner Trinkflasche nahm. Er strich sich über die Haare, so als habe er sich noch nicht ganz daran gewöhnt, dass die Locken nicht mehr da waren. Leo hatte ihn beinahe nicht erkannt und so ganz konnte er sich auch nicht daran gewöhnen.
Sie hatten wenig miteinander gesprochen, aber nun saßen sie auf dem Boden, um sich ein bisschen auszuruhen.
„Trennungshaarschnitt?“ fragte Leo unvermittelt, weil er wissen wollte wieso Hugo sich von seinen Haaren getrennt hatte. Er hatte Branko häufiger dabei beobachtet, wie er ihm dadurch gefahren war oder daran rumgespielt hatte.
„Hm. Die mussten einfach mal ab. Fühlt sich aber immer noch komisch an.“
Leo grinste leicht. „Ja. Ich kenn das.“ Dabei fuhr er sich selbst durch die kurzen Haare.
„Willst du noch weiter machen? Ich bin irgendwie ziemlich platt,“ meinte er dann und sah Hugo fragend an.
„Ich würde gerne noch den einen Boulder probieren. Letztes Mal habe ich es beinahe geschafft, aber heute bin ich gut drauf und könnte es vielleicht hinbekommen.“
Er stemmte sich vom Boden hoch und Leo sah ihm dabei zu. „Du bist in letzter Zeit öfter hier oder?“ fragte er interessiert, als Hugo seinen Fuß auf den ersten Tritt setzte.
„Ach,“ machte er und klang ziemlich konzentriert. „Ein paar Mal die Woche. Sport bringt mich immer auf andere Gedanken und ich fange nächste Woche mit meinem Referendariat an, da habe ich wahrscheinlich nicht mehr so viel Zeit dafür.“
Leo hob die Augenbrauen. Dass Hugo schon so weit war hatte er gar nicht gewusst.
„Und bist du schon aufgeregt?“
„Ach es geht,“ antwortete er bloß kurz. Es sah wirklich unmöglich aus, was Hugo vorhatte und er scheiterte die ersten beiden Male, die er es versuchte knapp. Aber irgendwie schien ihn das nur noch mehr anzuspornen.
Leo spürte schon jetzt jeden Muskel in seinem Körper und er nahm sich vor häufiger her zu kommen. Vielleicht würde er Branko ja auch überreden können Sport mit ihm zu machen. Vielleicht nicht Bouldern, denn dafür war Branko wirklich nicht der Typ.
Beim dritten Versuch war Hugo erfolgreich und das riss Leo ein bisschen aus den Gedanken.
„Den Schwierigkeitsgrad habe ich noch nie geschafft,“ grinste er stolz und einen kurzen Moment war die Traurigkeit aus seinem Gesicht gewichen.
„Glückwunsch,“ sagte Leo und stand nun auch auf.


Sie gingen gemeinsam in die Umkleide und ohne viel Federlesen begann Hugo sich auszuziehen. Eigentlich hatte Leo vorgehabt hier zu duschen, aber nun war er sich nicht sicher, ob er sich vor Brankos Ex-Freund ausziehen wollte.
„Keine Sorge, ich werde dir nichts weggucken,“ meinte Hugo mit einem Blick über die Schulter, da er Leos Zögern offensichtlich bemerkt hatte.
„Mir macht das nichts,“ murmelte Leo. „Ich dusch auf der Arbeit auch immer. Ich bin ja nicht Branko.“
Hugo blickte ihn an und verzog kurz das Gesicht. Er hatte nur noch seine Unterhose an und irgendwie konnte Leo plötzlich verstehen, was Branko an ihm fand. Jedenfalls was den Körper betraf.
„Ich meinte jetzt auch eher, weil ich schwul bin. Keiner hat so krasse Hemmungen wie Branko. Der würde hier nicht mal sein T-Shirt wechseln.“
Leo schmunzelte. Da hatte Hugo mit großer Wahrscheinlichkeit recht. Trotzdem noch etwas zögerlich zog er sein Shirt aus und meinte kurz Hugos Blick auf sich ruhen zu spüren, als er auch noch aus der Sporthose schlüpfte. Er wandte sich aber kurz darauf ab und zog die Unterhose aus. Er hatte Leo den Rücken zugewandt und dessen Blick blieb für ein paar Sekunden an seinem Hintern hängen, als er sich dabei bückte. Von sich selbst überrascht sah er schnell woanders hin. Er hatte noch nie bewusst jemanden in der Umkleide angesehen und es kam ihm sehr falsch vor. Vor allem, weil es Hugo war. Leo hatte sich nie etwas aus Männerkörpern gemacht, aber er musste sich eingestehen, dass der Anblick ihm ziemlich gefiel. Er konnte die Sache allerdings nicht noch komplizierter machen, indem er anfing Hugo gut zu finden. Er gehörte zu Branko und andersrum. Aber Leo konnte sich auch nicht so richtig vorstellen, wie Hugo, der sich so hemmungslos vor anderen Leuten auszog, mit Brankos übersteigertem Schamgefühl umging. Das war für beide wahrscheinlich nicht so einfach gewesen.
Hugo war in die Dusche verschwunden und Leo zog sich nun auch komplett aus. Außerdem war er überhaupt nicht schwul. Die Sache mit seinen komischen Gefühlen Branko gegenüber war eine andere Geschichte. Aber wenn er jetzt auch noch anfing andere Männer attraktiv zu finden…
„Ich brauch gar kein Shampoo mehr,“ scherzte Hugo, der sich grade schon mit Duschgel einrieb. Leo vermied es jetzt ihn überhaupt anzusehen und nahm einen Duschkopf schräg gegenüber von ihm. Es fiel ihm aber schwer und er sagte sich, dass nasse sportliche Körper doch immer irgendwie gut aussahen. Ob es jetzt ein männlicher war oder nicht.
„Spart Geld,“ bemerkte er. „Wundert mich, dass Branko noch nicht auf die Idee gekommen ist.“
Leo spürte, dass auch Hugo ihn kurz musterte. Als er merkte, dass Leo das aufgefallen war, wandte er beschämt den Blick ab.
„Können wir bitte nicht mehr über Branko reden?“ fragte er dann unsicher, drehte das Wasser ab und schnappte sich sein Handtuch, um sich abzutrocknen.
„Naja, worüber willst du sonst reden? Ich habe mich häufig gefragt wie das mit euch beiden überhaupt irgendwie angefangen hat. So unterschiedlich wie ihr seid,“ implizierte Leo die Frage.
„Ich wollte es einfach sehr,“ meinte Hugo schulterzuckend. „Ich habe ihm eigentlich keine große Wahl gelassen.“
Leo konnte nicht umhin sich die beiden unterschiedlichen Jungen miteinander vorzustellen. Branko, der eher groß und kräftig war und daneben der kleinere und quirlige Hugo, der mit den kurzen Haaren jetzt nicht mehr ganz so niedlich aussah, sondern erwachsener. Leo beeilte sich nun fertig zu duschen und war ganz froh, als er sich das Handtuch um die Hüfte schlingen konnte. Allerdings nicht weil er besorgt war, dass Hugo ihn bespannte, schließlich hatte auch er sich einen kurzen Blick dann doch nicht verkneifen können.

„Und ich habe den Vorwurf vorhin schon verstanden. Ich hätte nicht nochmal mit ihm ins Bett gehen dürfen. Aber ich dachte auch es würde vielleicht eine Entschuldigung von ihm kommen oder irgendwas. Aber es kam nichts und dann hat er etwas gesagt, was mich auf die Palme gebracht hat. Weißt du, ich muss immer auf ihn Rücksicht nehmen, aber wie es mir dabei geht ist ihm total egal,“ meinte Hugo als sie zurück in die Umkleiden gingen.
Leo kratzte sich nachdenklich im Nacken. Bisher war er eigentlich nur sauer auf Hugo gewesen, weil er so mit Branko umgesprungen war, aber nun machte das ganze ein bisschen mehr Sinn.
„Was hat er denn gesagt?“
Hugo seufzte, während er sich langsam eine frische Unterhose anzog. „Ganz genau weiß ich es nicht mehr. Irgendwie in die Richtung, dass er es schön findet, dass ich bei ihm bin. Er hat sich nicht einmal entschuldigt, wie er vorher mit mir umgesprungen ist und dann kommt so etwas. Mal will er mich da haben, mal nicht. Ich habe manchmal keine Ahnung wie ich mich ihm gegenüber verhalten muss, damit wir uns nicht andauernd streiten.“
„Mhm,“ machte Leo. „Branko ist eben nicht einfach.“
„Ich wusste von Anfang an, dass es nicht einfach werden würde, aber ich dachte halt er würde sich mit der Zeit wenigstens etwas Mühe geben auf mich zuzugehen.“
Leo rieb sich die letzte Tropfen Wasser von der Brust und dachte nach. Ja, manchmal machte es bei Branko den Eindruck, als wären ihm alle anderen egal.
„Er denkt halt häufig, dass andere besser ohne ihn dran wären. Und er will sich damit irgendwie bestrafen. Ihm ist glaube ich nicht bewusst, dass er nicht nur sich selbst damit weh tut.“
„Aber das ist bescheuert,“ meinte Hugo mit kratziger Stimme. Leo blickte zu ihm hinüber und sah, wie er sich einmal schnell über die Augen wischte. Es sah irgendwie merkwürdig aus, wie er dastand, bloß in Unterwäsche und versuchte die Tränen zurück zu halten. Leo fand es komisch, wenn Männer weinten und er wusste jetzt auch nicht, wie er Hugo trösten sollte. Er wollte ihm auf keinen Fall zu nahekommen.
„Niemand hat behauptet, dass das vernünftig ist. Aber ich weiß, dass er dich vermisst und gerne wieder mit dir zusammen wäre,“ sagte er dann ein wenig unsicher.
Hugo atmete tief durch und seufzte. „Ich will nicht mehr über Branko reden. Ich will ja nicht einmal mehr an ihn denken, aber das ist nicht so einfach.“ Er zog sich jetzt einen dünnen Pulli über und Leo hörte auf ihn anzusehen und beschäftigte sich damit sich selbst anzuziehen. Er war fast ein bisschen froh, dass Hugo jetzt nicht mehr nackt vor ihm stand. Er war ohnehin schon verwirrt genug, auch ohne, dass ein Mann Erregung in ihm hervorrief. So richtig war das auch nicht passiert, aber Leo hatte ihn gerne angesehen, womit er vorher überhaupt nicht gerechnet hatte.
„Branko ist ein Idiot. Er war glücklich und dann fällt ihm ein, dass er das ja eigentlich nicht verdient,“ murmelte Leo.
Hugo schniefte hörbar. „Ich weiß auch nicht wieso ich mir das überhaupt angetan habe. Er wollte von Anfang an nicht so richtig. Wie viel Energie ich darein investiert habe, dass er sich überhaupt mit mir trifft. Aber er hat mich einfach so umgehauen.“
Leo schüttelte ungläubig den Kopf, während er seine Sachen in die Sporttasche stopfte. „Irgendwie dachte ich die ganze Zeit, dass du es nicht ernst mit ihm meinst.“
Hugo warf ihm einen argwöhnischen Blick zu. „Wieso hätte ich es nicht ernst meinen sollen?“ fragte er mit einem säuerlichen Unterton.
„Ich hätte einfach nicht gedacht, dass jemand wie Branko dein Typ ist, nachdem was ich über deinen Ex-Freund gehört habe.“ Er wusste, dass die Worte falsch rüberkamen, aber er konnte es jetzt nicht mehr zurücknehmen.
Hugo ließ sich auf die Bank fallen und begann sich die Schuhe anzuziehen.
„Du hast mich also für ein oberflächlichen Arsch gehalten. Nur weil du Branko vielleicht nicht so attraktiv findest, heißt das nicht, dass ich das nicht tue. Er hat mich einfach fasziniert und ich wollte ihn gerne kennenlernen.“
Leo räusperte sich und fuhr sich ein letztes Mal durch die noch feuchten Haare. „Woher willst du wissen, dass ich Branko nicht attraktiv finde?“ Und dieses Mal biss er sich noch fester auf die Zunge, aber Hugo lachte jetzt und schüttelte bloß den Kopf.
„Seid ihr jetzt wieder…naja Freunde?“ fragte er unsicher. Der Tonfall passte nicht zu ihm, fand Leo.
„Ich hoffe es,“ murmelte er nur und setzte sich seine Mütze auf.
„Freut mich. Aber mehr ist da nicht? Du willst nichts von ihm oder? Ich mein ihr seid ja jetzt beide wieder Single und irgendwie hatte ich das Gefühl…“
Leo versuchte ein belustigtes Schnaufen von sich zu geben, wusste aber nicht ob es echt klang. „Ich habe dir schon mal gesagt, dass ich nicht auf Männer stehe. Und wenn du Angst davor hast, dass er etwas mit einem anderen anfangen könnte, dann hol ihn dir doch einfach zurück.“
Sie blickten sich kurz an, aber dann kamen zwei andere in die Umkleide und offensichtlich wollte Hugo das Gespräch nicht vor Fremden weiterführen.

Als Leo danach zu seinen Eltern nach Hause fuhr, war er über allen Maßen verwirrt. Er war Hugo zu seinem Fahrrad gefolgt, das er vor der Boulderhalle angeschlossen hatte.
„Oder willst du ihn nicht mehr zurück?“ hatte er ihn gefragt. Hugo hatte sich nur überrascht umgewandt und ihn skeptisch angeblickt. Es hatte zudem etwas sehr Forschendes in dem Blick gelegen. Dann hatte er sich geräuspert und die Augen gesenkt.
„Natürlich wäre ich gerne wieder mit ihm zusammen. Aber nicht unbedingt mit jeder Version von ihm. In gewissem Maß kann ich damit Leben, wenn er Zeit für sich braucht und nicht reden will, aber es ist wirklich ein blödes Gefühl, wenn… naja, wenn er mich immer wieder von sich stößt. Wenn er daran etwas ändern würde, wäre ich definitiv bereit es nochmal zu versuchen. Aber ich fürchte dazu müsste er sich helfen lassen und ich denke nicht, dass das passieren wird.“
Branko und sich helfen lassen? Da hatte Hugo vermutlich recht, dass dies nicht passieren würde. Es war beinahe schon lächerlich wie sehr Branko fremde Hilfe verabscheute.
Wollte er überhaupt, dass die beiden wieder zusammenkamen? Im Grunde nicht, aber was sollte die Alternative sein? Er selbst und Branko? Hugo war viel zu misstrauisch. Es war doch niemals so offensichtlich, dass Leo etwas von ihm wollte.
Und was war das eben in der Umkleide gewesen? Er hatte Hugos Hintern angestarrt und seinen Rücken, seinen Bauch und sogar kurz einen Blick zwischen seine Beine riskiert. Es hatte sich dabei etwas in ihm geregt. Zum Glück nicht so viel, dass es von außen sichtbar gewesen wäre, aber die Tatsache verunsicherte Leo zutiefst.
Er lehnte den Kopf gegen die Fensterscheibe des Busses und seine Gedanken schweiften zu Sophie, so als müsse er sich daran erinnern, dass er eigentlich auf Frauen stand und das tat er ja auch. Auch wenn er ihren Charakter vielleicht nicht so sehr gemocht hatte, so hatte er wenigstens ihren Körper geliebt.
„Das ist bloß eine Phase,“ dachte er sich und kam sich dabei ziemlich dumm vor. Wenn er sich so etwas schon einreden musste, lief irgendetwas wirklich schief.

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Skystar » 05 Jan 2019, 16:17

Ach du kannst mich gar nicht enttäuschen Salto und das hast du auch nicht :D
Zunächst einmal: Jetzt haust du die Teile aber zackig raus, mein lieber Schwan!

Und jetzt zu Leo und Hugo: Irgendwie ... keine Ahnung, zunächst einmal hätte ich Leo für den sportlichen der Beiden gehalten, aber Hugo hatte wohl mehr Ausdauer. Dann die Duschszene ... :oops: ... okay irgendwie war das Gespräch über Branko dann aber ein leichter Abturner :lol: Jetzt wo ich die Beiden so reden höre, kann ich mir ehrlich gesagt keinen von beiden mit Branko vorstellen, aber um eins klar zu stellen: Leo und Hugo zusammen geht auch absolut gar nicht! :lol: Da kann Leo noch so sehr auf Hugos sexy Ass klotzen, als Paar will ich sie nicht sehen! Ich glaube es ging auch mehr darum, ob Leo jetzt schwul ist oder nicht, aber wenn schon dann ist er bi. Ich finde sowieso, dass man Menschen nicht immer in eine Schublade stecken soll, denn es gibt so viele Möglichkeiten was man sein kann/will.

So ich fasse zusammen:

Branko + Hugo = Ja gerne, aber nur wenn Branko bereit ist, sich zu verändern und Hugo nicht immer von sich wegstößt.
Branko + Leo = Wäre ich sofort dabei, da Leo Branko wahrscheinlich besser versteht als jeder andere, aber ist Leo wirklich in Branko verliebt?
Leo + Hugo = Zwei heiße Sahneschnitten, aber als Paar ein No-Go für mich!
Leo + Sophie = Getrennt und das bleibt auch hoffe ich so.
Leo + Olli = Ich glaube Olli ist inzwischen über ihn hinweg und mehr als Freundschaft wird da (hoffe ich) nicht mehr sein.
Hugo + Alex = Bleib mir bloß weg mit dem! :x
Branko + Hugo + Leo = :rat:

So das war`s fürs Erste!
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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Simson » 05 Jan 2019, 16:32

Mist...da hatte ich soviel geschrieben und dann ist der Text weg :(

Also nochmal kurz:

Leo wird mir immer sympathischer. Ich bin gespannt, was aus der "Phase "wird.

Hugo tut mir total leid! Mich interessiert auch, was seine Schwester dazu sagt.

Branko? ?? Weiß ich gerade nicht. Seinen "Zerstörungsmodus" mag ich nicht.

2Teile kurz hintereinander = sehr geil !!!
"Sei wie du bist ! Irgendwann kommt es sowieso raus." E.v. Hirschhausen

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Saltoboy » 17 Jan 2019, 00:22

Soo. Dieses Mal wieder eine etwas längere Pause. Sorry dafür. War einfach sehr viel los bei mir in den letzten Tagen.
Heute hören wir mal was der liebe Hugo zu der ganzen Sache zu sagen hat. Kein ewig langer Teil, aber ich werde mich mit dem weiterschreiben beeilen.
Ich werde nicht Spoilern, aber deine Bitte wurde erhört Simson. Habe manchmal das Gefühl ihr könnt hellsehen. Skystar hatte sich auch schon eine Duschszene von mir gewünscht und da hatte ich sie schon eingeplant :D

_________________________________

„Wo warst du?“ fragte Merle, als Hugo in die Küche kam. Sie besah sich nur die Sporttasche, die Hugo neben die Tür fallen ließ.
„Bouldern,“ murmelte Hugo und setzte sich an den Tisch.
Sie holte einen Topf aus dem Küchenschrank.
„Meinst du nicht, dass du es ein bisschen mit dem Sport übertreibst?“ fragte sie mit einem scharfen Blick auf Hugo, der bloß die Schultern zuckte und Merles Katze mit seiner ausgestreckten Hand zu sich lockte.
„Cleo,“ machte er und schnipste mit den Fingern, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Und sie kam tatsächlich unter dem Küchenschrank hervorgeschlichen und umkreiste schnurrend Hugos Beine. Dieser packte sie jedoch und drapierte sie auf seinem Schoß.
„Was wäre dir denn lieber?“ fragte er, während er Cleo hinter den Ohren kraulte.
„Ich mache mir nur Sorgen Brüderchen. Soll ich für dich mitkochen?“
„Gerne, ich habe ziemlichen Hunger.“
Sie seufzte beinahe erleichtert und Hugo musste leicht schmunzeln.
„Das beruhigt mich. Wenn dir der Appetit vergangen wäre, hätte ich auf der Stelle einen Arzt rufen müssen.“
Er sah ihr dabei zu, wie sie eine Packung Reis aus einem der Hängeschränke nahm.
„Ach essen kann ich immer und das weißt du auch. Den Appetit verdirbt man mir nicht so schnell.“
Erneut bedachte sie ihn mit einem ihrer kritischen Blicke.
„Wie geht’s dir denn mittlerweile damit? Hat es geholfen dir deine wunderschönen Haare abzurasieren?“ Sie kam zu ihm und machte die gleiche Bewegung, mit der sie ihm sonst immer durch die Haare wuschelte.
Er schob leicht genervt ihre Hand beiseite. „Lass das, Merle. Ich will echt nicht mehr über ihn reden. Gestern mit Olli hat mir schon gereicht und eben war ich mit seinem besten Freund beim Sport und der hat auch nicht aufgehört über ihn zu reden.“
Merle verzog den Mund. „Warum triffst du dich denn auch noch mit seinen Freunden?“
Hugo zuckte erneut mit den Schultern. „Olli ist mit der Zeit eine sehr gute Freundin geworden. Ich fände es schade den Kontakt zu ihr einfach so abzubrechen. Und Leo hat mich mehrmals gefragt, ob ich mit ihm bouldern gehe. Da ich geh gegangen bin, hätte ich es blöd gefunden nein zu sagen.“
„Und von Branko hast du gar nichts gehört?“
Hugo schüttelte den Kopf. „Nein, nichts. Und ich erwarte auch nicht, dass von ihm noch etwas kommt.“
„Mhm,“ machte Merle dann und ging zum Herd zurück. „Und was ist dieser Leo für einer?“
Hugo betrachtete nachdenklich ihren Rücken. „Ich habe keine Ahnung. Ich werde nicht schlau aus ihm. Branko bedeutet ihm sehr viel und sonst hatte ich immer das Gefühl er mag mich nicht, aber heute war er eigentlich echt nett zu mir. Ich dachte immer er würde mich am liebsten loswerden wollen.“
„Ist er denn schwul?“ fragte Merle mit einem Blick über die Schulter.
„Nein, ich glaube nicht, aber ich habe keine Ahnung. Wenn dann steht er denke ich auf beides. Ich weiß bloß, dass Branko mal in ihn verliebt war, aber das ist lange her. Er hätte seine Chance gehabt. Aber irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass er mich unter der Dusche angesehen hat.“
„Ihr habt zusammen geduscht?“ machte Merle mit hochgezogenen Augenbrauen. „Wie sieht er denn aus?“
Sie setzte sich hastig zu ihm an den Tisch. Den Herd anzuschalten hatte sie offensichtlich total vergessen.
Hugo verdrehte jedoch nur die Augen. „Ist das nicht scheiß egal wie er aussieht? Er sieht gut aus, aber das tut überhaupt nichts zur Sache. Ich will jetzt erst einmal nichts mehr von Männern wissen. Branko geht es offenbar auch beschissen, aber auf die Idee mich mal anzurufen kommt er natürlich nicht.“
„Ach Hugo. Würdest du denn wollen, dass er dich anruft?
„Vielleicht,“ murmelte Hugo. „Ich will nicht, dass es ihm schlecht geht.“
„Ja und was ist mit dir? Schließlich meintest du doch, dass du nicht mehr mit ihm zusammen sein willst und er dich dauernd blöd behandelt.“
Hugo kraulte Cleo vielleicht ein bisschen zu intensiv den Rücken, denn sie sprang mit einem leichten Knurren von seinem Schoß und verkroch sich wieder unter dem Küchenschrank.
Merle sah ihn kritisch an. „Du lässt den Männern echt zu viel durchgehen Hugo. Erst Alex und jetzt das.“
„Das ist was völlig anderes. Branko braucht Hilfe. Alex konnte nur seinen Schwanz nicht in der Hose behalten. Ich wäre gerne für ihn da, aber er lässt mich einfach nicht. Ich muss darüber hinwegkommen. Am besten bis nächste Woche. Ich kann in der Schule nicht dauernd auf die Toilette rennen und heulen.“
Sie seufzte. „Ich hatte bei ihm wirklich ein besseres Gefühl. Ich mag es nicht dich so zu sehen. Vielleicht wäre es wirklich besser, wenn du dir dieses Mal mehr Zeit lässt und dich nicht direkt in die nächste Beziehung stürzt.“
Hugo blickte sie scharf an. „Keine Sorge,“ murmelte er dann und fuhr sich durch die Haare.
„Ich mein ja bloß. Weil wenn dieser Leo…“
Hugo ließ sie nicht ausreden. „Nein Merle. Einfach nein. Wir waren zusammen beim Sport und haben danach geduscht, das war alles. Er ist außerdem, auch wenn er vielleicht nicht schlecht aussieht, nicht mein Typ. Und was denkst du überhaupt von mir? Dass ich mich direkt auf den nächsten stürze? Mit Alex war ich damals fertig, aber Branko würde ich damit das Herz brechen und das ist das Letzte was ich will.“
„Okay,“ machte sie und stand wieder auf. „Aber nicht wieder rückfällig werden, okay?“
Hugo verzog leicht den Mund. „Ist schon zu spät,“ flüsterte er. „Ich war kurz davor mich mit ihm zu vertragen, aber irgendwie konnte ich es dann doch nicht. Ich glaube damit habe ich ihn wirklich verletzt.“
Er bemerkte einen leicht spöttischen Ausdruck auf dem Gesicht seiner Schwester, bevor sie den Topf auf den Herd stellte und die Temperatur hochdrehte. „Gib dir jetzt bloß nicht selbst die Schuld, nur weil er dich nicht genug wertgeschätzt hat.“
Hugo schüttelte leicht den Kopf und starrte auf den Tisch. „Ich glaube er hat mich viel zu sehr wertgeschätzt. Weißt du wie er mich manchmal angesehen hat?“ Er nahm ein Messer, das auf dem Tisch lag und begann mit der Spitze auf den Küchentisch zu trommeln. „Das Problem ist eher, dass er sich selbst nicht wertschätzen kann. Und das macht es äußerst schwierig mit so jemandem zusammen zu sein. Ich habe ihm öfters gesagt, wieso ich mit ihm zusammen sein will, aber ich glaube nicht, dass er mir auch nur eine Sekunde geglaubt hat.“
„Ich versteh, dass du traurig bist, aber könntest du vielleicht so lieb sein und nicht unseren Küchentisch kaputt machen?“ meinte Merle, kam zu ihm herüber und nahm ihm das Messer aus der Hand.
Hugo blickte sie leicht trotzig an und wischte sich dann über die Augen. „Ich will sauer auf ihn sein, aber er tut mir einfach nur leid und es bricht mir das Herz mit anzusehen, wie er sich selbst für irgendetwas bestraft, was ihm bloß von seiner Mutter eingeredet wurde.“
„Er wird das schon irgendwie in den Griff bekommen. Aber du bist schließlich nicht dafür da seine Probleme zu lösen. Du hast dich schon so in die Geschichte mit seinem Vater reingehängt und war er dir auch nur eine Sekunde dankbar?“
Hugo biss sich auf die Lippe. „Ich habe ihn gedrängt,“ murmelte er. „Er hätte Zeit gebraucht, um sich selbst damit auseinander zu setzen. Ich dachte einfach, klar, natürlich will er seinen Vater kennen lernen. Aber was habe ich denn für eine Ahnung davon? Für mich war das völlig logisch. Aber, dass es für ihn nach 21 Jahren Misshandlung vielleicht nicht so einfach ist, habe ich nicht verstanden.“
Merle schüttelte ungläubig den Kopf. „Mach dir keine Vorwürfe Hugo. Wenn er nicht mit dir darüber redet, woher sollst du das denn auch wissen?“
„Er geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Keine Ahnung was er mit mir angestellt hat, dass ich ihn einfach nicht vergessen kann. Ich wüsste gerne wie es ihm geht. Laut Leo hat er sich total betrunken und das ist überhaupt nicht Brankos Art. Ich hoffe immer noch, dass wir das irgendwie wieder hinkriegen, aber so wie es Momentan aussieht… Er müsste einfach mal seinen Stolz runterschlucken und sich helfen lassen.“ Er seufzte tief. Eigentlich wollte er nicht mehr über ihn sprechen, aber er konnte sich auch nicht wirklich davon abhalten. Branko fehlte ihm schmerzlich und er hasste sich selbst ein bisschen dafür, dass er ihn beim letzten Mal so behandelt hatte. Er hätte einfach nicht noch einmal mit ihm schlafen dürfen, denn damit hatte er ihm wieder Hoffnung gemacht. Er hatte natürlich gemerkt, dass er geglaubt hatte alles wäre damit wieder gut. Branko war immer sehr respektvoll mit ihm umgegangen, wenn sie Sex hatten und Hugo mochte es sehr, dass er sich dem ganzen immer so bedingungslos hingab. Ihm fehlte es morgens neben ihm aufzuwachen und sogar die Tatsache, dass er sich immer noch genierte, wenn Hugo ihn nackt sah. Und dabei sah er ihn sehr gerne unbekleidet. Aber darüber mit Branko diskutieren zu wollen, war ohnehin zwecklos.
Merle schnalzte leicht mit der Zunge und riss Hugo damit aus seinen Gedanken. „Dass er Hilfe braucht ist unbestreitbar, wenn er einen Jungen wie dich gehen lässt.“
Hugo stützt das Gesicht in seine Hände. Aus seinen Augen quollen erneut Tränen und er konnte nichts dagegen machen.
Merle strich ihm sanft über den Rücken. „Ach Hugo. Es dauert bestimmt noch eine Weile bis du darüber hinweg bist, aber du wirst jemanden finden, der weniger kaputt ist als er und mit dem es nicht so kompliziert ist.“
„Aber ich mag es ja, wenn jemand nicht so einfach gestrickt ist,“ sagte er leise und merkte, dass seine Stimme sehr verweint klang. „Das einzige, was ich vom ihm wollte war, dass er mich miteinbezieht.“
„Vergiss ihn einfach Hugo. Du verdienst was Besseres.“

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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Skystar » 18 Jan 2019, 14:02

Finde ich prima, wie du uns unsere Wünsche erfüllst Salto :D
Dann wünsche ich mir als nächstes, dass Branko und Leo zusammen in eine Disco gehen und miteinander tanzen :lol:

Tolles Kapitel mit Hugo. Der Arme, aber ich finde es gut, wie sich Merle um ihn kümmert.

Lg
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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Simson » 18 Jan 2019, 14:33

Skystar, dein Wunsch :D das wäre auch mal was !
Du bist wohl eher für Branko und Leo

Also ich bin Team Hugo :)

Ich hätte mir Merles Reaktion krasser vorgestellt, zum Glück ist sie das nicht.
Und ich finde Hugos Sichtweise sehr sympatisch. Er reflektiert auch seine eigenen Fehler und Handlungen z.B. bei der Sache mit Brankos Vater. Da hat er Branko tatsächlich eher gedrängt.

Bin gespannt wie es weitergeht :flag:
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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Skystar » 19 Jan 2019, 09:33

Hey Simson
Ich wäre wohl für beide Kombis zu haben: Branko+Hugo oder Branko+Leo
So wie Branko momentan aber drauf ist, glaube ich, ist es besser, er würde erst einmal Single bleiben.
Und ich bin deshalb eher pro Leo, weil er mich einfach an jemanden erinnert ...
Hugo hat aber einen hohen Süßheitsfaktor :D
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Re: Bauchgefühle

Beitragvon Simson » 14 Feb 2019, 21:04

Lebt denn Branko noch? :wink:
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Re: Bauchgefühle

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